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weisz

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weisz adj.

Bd. 28, Sp. 1178
weisz, adj. , candidus, albus. herkunft und form. gemeingermanisches wort, got. ƕeits, an. hvítr, norw. kvit, schwed. vit, n. hvid, ags. hwīt, engl. white, afries. hwīt, saterl. wît, nordfries. (mit lautgesetzlicher kürzung) wit, westfries. wīt (s. Siebs z. gesch. d. engl.-fries. spr. 219), as. hwît, ahd. (h)wîz. germ. grundform * hwīta-, wahrscheinlich aus vorgerm. *keido- (mit derselben ablautstufe wie in gr. λευκός). daneben steht beschränkt auf das nl. und nd. mit ausstrahlung auf die sprache der Hunsigoer und Fivelgoer handschriften des altostfries. eine form mit kurzem vokal und geminiertem dental in mnl. nl. mnd. wit, nd. witt (vereinzelt daneben auch wīt Mensing 5, 676), afries. hwitt, die meist mit Kluge in Paul und Braunes beitr. 9, 183 nach aind. śvítna- 'hell, licht' (nur einmal im Rigveda belegt) auf *kidnó- zurückgeführt wird. danach wird dann auch *hwīta- aus einer langvokalischen variante (der langvokal tritt jedoch sonst in dieser wurzel nicht auf) *kīdnó- hergeleitet. da aber die assimilation eines n an vorhergehenden verschluszlaut auszerdem höchstens noch in locko zu lit. lùgnas 'biegsam' glaubhaft erscheint, diesen beiden beispielen aber zahlreiche gegenbeispiele mit erhaltenem nasal gegenüberstehen (s. Trautmann germ. lautgesetze 64 ff.) läszt sich Kluges erklärung nicht aufrecht erhalten. *hwīta- kann dann allerdings nicht mehr zur idg. wurzel keit in aind. aśvait 'erglänzte', sūriaśvít 'sonnenglänzend', śveta-, śvitrá- 'weisz', lit. śvi&?esti 'leuchten, scheinen', aksl. svъtitъ s ds. světъ 'licht, welt' (Walde-Pokorny 1, 470; Trautmann bsl. wb. 310 f.) unmittelbar gehören, sondern zu einer variante kueid, die auszergerm. durch aind. śvindate 'ist weisz' (grammatikerzeugnis) gestützt werden könnte, s. Persson beitr. z. idg. wortforsch. 745. nd. nl. witt läszt sich vielleicht als urspr. kompositionsform (witbrot, witpenning, witkopp u. ä.) deuten, vgl. zu solchen kürzungen vor konsonantengruppen Behaghel gesch. d. dt. spr. 5 § 249. bedeutung und gebrauch. die wz. kei- mit ihren erweiterungen keid- und keit- bezeichnet 'leuchten, glänzen (oft vom licht des anbrechenden tages)', vgl. Persson a. a. o.; diese vorstellung ist bei weisz, wie in ags. hwīt (vgl. Bosworth-Toller 577), bis in das mhd. hinein noch lebendig (s. unten A). bereits in got. ƕeits tritt wie in anord. hvítr die farbqualität eindeutig hervor, die auch westgerm. (ags., ahd., as.) im vordergrunde steht (s. unten B), vgl. ebenso auch in aind. śvindate, śvetá-, śvitrá- (s. oben). in älterer sprachstufe sind wie bei gr. λευκός die vorstellungen 'leuchtend, glänzend, hell, weisz', jedoch nicht streng geschieden, sondern licht- und farbqualität bleiben vielfach eng ineinander verschränkt, vgl. z. b. diu sunne ist wîzer den der snê (Traugemundslied) dkm.3 1, 193 M.-S.; mit glanzen liljen silberwîz Konrad v. Würzburg troj. krieg 30 564; vergleichbar noch im älteren nhd.: also findt man der tugent schein ausz widerstandt und groszer pein recht wi ausz schwartz leucht weyszer glantz J. v. Schwarzenberg d. deutsche Cicero (1535) 158a; auch Salomon an obgedachten orte (cant. 5, 10: mein freund ist weisz und rot) ein solches wort (nämlich weisz) gebraucht, welches nicht allein die weisze farbe, sondern auch einen hellen glantz bedeutet Chr. Weise polit. redner (1679) 684; entsprechendes s. bei blank (teil 2, 65), glanz adj. (teil 4, 1, 4, 7600). im mhd. teilen sich wîz und blanc (s. Lexer 1, 295 f.) in den ausdruck der farbqualität, während sich im nhd. blank auf die bedeutung 'glänzend, blinkend' zurückzieht, weisz dagegen das feld der farbqualität ausschlieszlicher einnimmt. diese selbst sondert sich nach den anwendungsobjekten in zwei bedeutungsgruppen, deren eine den reinen farbwert (s.B 1) umfaszt, deren andere den relativen helligkeitswert der farbe (s.B 2), oft im gegensatz zu anderen farben, in sich schlieszt. AA. 'leuchtend, glänzend, hell schimmernd' vom licht, leuchtenden körpern und vom widerschein des lichts auf blanken gegenständen; die farbqualität ist fast stets mehr oder minder einbegriffen, zumal das helle licht weiszlich erscheint. A@11) weisz als beiwort von licht, selbstleuchtenden und beleuchteten körpern, so von sonne, mond, gestirnen u. ähnl.; nur vereinzelt ausschlieszlich von der lichtwirkung selbst, leuchtend': thuo te sedla hnêg sunna thiu huuîta alloro bôkno berahtôst alts. genesis 268 Beh.; the sterro liohto skên huuît ouar them hûse Heliand 663 S., vgl. 656; ähnlich noch: secht ein weysz wolcken beschettigt sy erste dt. bibel 1, 65 lit. ver. (nubes lucida Matth. 17, 5) (Luther eine liechte wolcken); das feuer der inflammenden liebe gottes, welches weiszer ist dan die sonne Jac. Böhme weg zu Christo (1682) 152; meist tritt der farbwert des bleichen, weiszen lichtes stärker hervor: candida cum sorore sol sol mit sinero uuizun suester luna Notker 1, 747 P.; der hof der sonne und des mondes: weyszer kraysz umb die sunnen oder mon halo vocab. theut. (1482) n n 4a. tag (sieh tag B teil 11, 1, 1, 37) und licht sind weisz 'hell', vgl. weisz wie der tag serenus, splendidus Stieler stammb. (1691) 2487; im mhd. zeitraum ist dieser gebrauch nur einmal in der substantivierung zu belegen, vgl. sp. 1205 die weisze 1. gern im gegensatz zu schwarz, der farbe der finsternis: denn zuvor, unter dem könige zu Babylon und Assyrien war es alles schwartz und eitel nacht, aber unter dem könige zu Persen eytel weis und tag Luther 23, 582 W.; der weisze tag, die schwartze nacht ... preisen dein (gottes) glantz von fernen (1690) bei W. Bäumker kath. kirchenl. 1, 624; der weise tag, der hier mit zittern schwebet, bringt mir die ruh auf seinen schwanenflügeln Joh. Nic. Götz ged. 34 dt. lit.-dkm.; es (das licht) ist weiszer als kein ding Fischart Garg. 192 ndr.; das weise liecht kämpfete noch mit schatten und finsternisz S. v. Birken ostländ. lorbeerhain (1657) 5; der ganze himmel ist rein. das weisze licht ist nur über den äther gehaucht Hölderlin 2, 104 Litzmann; ähnlich: die schatten wurden weisz bey ankunft der Auroren Joh. Ulr. v. König ged. (1745) 41; siehst du sie kommen ... in dem hellen dufte des schönsten der dezembermorgen? ... wer sind sie, die daher in dem weiszen dufte schweben? Klopstock oden 1, 216 M.-P. während in diesem gebrauch weisz als epitheton ornans allgemein die eigenschaft 'hell' kennzeichnet, wird es im 19. jh. im gleichen bereich auch als epitheton significans verwendet, bestimmt also die farbqualität eines lichtes, das dem beobachter weisz erscheint (vgl.B 1): die berge standen wieder alle da und troffen von dem weiszen nieder rinnenden lichte (des mondes) Stifter s. w. (1904) 1, 143; durch drei blinde weinerliche fenster rieselte das weisze licht des Johannistages in die bläuliche kühle des gotteshauses Burte Wiltfeber (1912) 117; ähnlich die weiszen nächte im hohen norden. alt ist die anwendung auf die milchstrasze, wobei die farbqualität im vordergrunde steht, vielleicht unter einwirkung von lat. orbis oder circulus lacteus, via lactea; in festen formeln die weisze strasze, der weisze weg, kreis, striemen u. ähnl.: uuir sehen uuiza straza uuola breita an demo himele, que lacteus circulus dicitur Notker 1, 403 P., vgl. 1, 709; der weisz weg lacteus circulus Brack (1494) 2b; weyszer kraysz galaxius vocab. theut. (1482) n n 4a; galaxia der wisz strym (streifen) md. vocab. v. 1414 bei Diefenbach gl. 255; weysz straimen am hymel oder der milichweg am hymel oder sant Jacobs straszen am hymel galaxia vocab. theut. (1482) n n 6b; (galaxia) eyn wisser strom in dem hymmel vocab. v. 1440 bei Diefenbach gl. 255; wir sehen oft an dem himel ainen praiten halben kraiz weiz und klâr reht sam ain klâreu strâz ... wenne der luft rain ist vor wolken, sô scheint uns daz widerprehen der gesamten stern sam ain weizeu varb Konrad v. Megenberg buch der natur 78; die (luft) zierlich ist gewirkt mit lichten sternelein, die mit der strahlen glantz gehn auff der weiszen straszen Opitz teutsche poem. 114 ndr.; hierher auch: und dasz den weiszen glanz ein heer von sonnen schicket A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 103; die festgewölbte milchstrasze, ein weiszer regenbogen aus sonnen, stand ... über der welt Jean Paul s. w. (1826) 48, 175. A@22) 'glänzend, schimmernd' vom widerschein des lichtes; in mhd. zeit verbreitet, im nhd. bis auf wenige reste verschwunden. vom blinkenden metall: di halsberge wîze, die helme di da glîzen Hartmann rede v. glauben 2433 Maszm.; sô begunden d andern zieren ir harnasch, daz siz machten wîz Wolfram Willeh. 305, 6; bei der anwendung auf silber kann zugleich auch die farbvorstellung (s. unten B 2 a η aa und vanen silberwiz gevar Tirol u. Fridebrant 50 Maync) vorliegen, vgl. silberwîz mhd. wb. 3, 781, Lexer 2, 924 und silberweisz teil 10, 1, 1052: er hiez ime balde her tragen ... golt unde silber wîz Münchener Oswald 1439 Baes.; manig sydin tuch und trinkfass, das von wissem silber was gemainlichen durchschlagen Göttw. Trojanerkrieg 12 858 Kopp.; nhd. nur ganz vereinzelt ähnlich, aber mit einschlusz der farbqualität: das vielbedeutende wort nondum ..., welches auf seinem (Karls V.) ganz weisz geschliffenen schild zu sehen war M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 5, 33; vgl. dazu technisches weisz bohren: 'weisz bohren das poliren der inneren höhlung der gewehrläufe' Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 10, 656. BB. die von den ältesten denkmälern bis in die gegenwart bezeugte hauptbedeutung bezieht sich auf die farbqualität = lat. albus, vgl. huuiz albus (8. jh.) ahd. gl. 3, 3, 33 St.-S. B@11) für den reinen farbwert: weisz ohne beimischung anderer farbtöne. B@1@aa) seit ahd. zeit wird besonders der schnee als rein weisz empfunden und gilt daher häufig als vergleichswort für den reinen farbwert weisz wie schnee, vgl. auch schneeweisz; s. got. wastjos is waurþun ... ƕeitos swe snaiws got. bibel Mark. 9, 3: sinu giuuatiu uurdun uuizu so sneo Tatian 91, 1; sne uuizer heizet, uuanda er dia uuizi an imo habit Notker 1, 453 P.; die arâbischen sîdenwîz also der snê Nibelungen 353, 1 L.; ... zwei händelein die weiszer als der schnee Zinkgref auserles. ged. 58 ndr.; zu hause auf den feldern da liegt der schnee so weisz H. Löns kl. rosengarten (1914) 16; mit immerwehrendem und ohnabgänglichem schnee bedeckte weisze giepffel und spitzen der höchsten gebirg theatrum amoris (1626) 1. von hier aus kommt weisz zu der bedeutung 'mit schnee bedeckt, verschneit': wie schweigt um uns das weisze gefild! wie ertönt vom jungen froste die bahn! Klopstock oden 1, 173 M.-P.; heut fiel den ganzen tag der schnee sehr emsig, und das land ist wieder weisz, ohne frost Bismarck br. an s. braut (1906) 9; sprichwörtlich: der aprill der war nie so gut, er macht dem ackermann ein weiszen hut M. Neander dt. sprichwörter 8 Lat.; dann auch prädikativ 'weisz von schnee': weisz dann wirbelt die flur J. H. Voss ged. (1802) 3, 7. poetisch oft substantiviert das weisz 'der schnee': mitten in dem feuchten weisz, in dem kaltkrystallten eise, das itzt alles übergläsert, seh ich lorbeerhayne grünen der unglückselige in: S. v. Birken ostländ. lorbeerhain (1657) XIIa; frisches weisz bedeckte die sanfte wölbung seines (des Plattachferners) breiten gletschers H. v. Barth Kalkalpen (1874) 386; ein winter, osterfest mit schneefall werden daher weisz genannt; poetisch: woher der kalte nord auf den befrornen flügeln der fast erstarrten welt den weiszen winter bringt Pyra in: freundschaftl. lieder 109 lit.-dkm.; in sprichwörtlichen formeln: grüne weyhnachten machen weisze ostern M. Kramer t.-ital. 2 (1702) 174; auch mundartlich, z. b. gröune kristdage, wite austeren Bauer-Collitz wald. 7b; grüne ostern, weisze pfingsten v. Hippel s. w. (1827) 4, 62; wir hatten weisze ostern Holtei erz. schr. (1861) 10, 21; ähnlich: eilte er in den winter hinaus, deckte die entzündete brust den kühlenden flocken auf ... und lief durch die weisze nacht auf den wartthurm hinauf Jean Paul s. w. (1826) 9, 57. andere feste verbindungen: der weisze tod 'tod im schnee': mit dem weiszen tod ist es mir gelungen, die deutsche sprache um ein geflügeltes wort zu bereichern. vielleicht wissen schon manche ... garnicht mehr, dasz der ausdruck aus meinem roman ('der weisze tod', 1897) stammt R. Stratz reisen und streifen (1926) 83; 'weiszer leithund, also wird von den jägern der schnee benennt, weil sie in demselbigen, wenn er noch neue, alles sicherer spühren können, als bey der vorsuche mit dem hund geschieht' Heppe wohlred. jäger (1779) 403. B@1@bb) weisz ist stehendes beiwort der lilie (wie lilia alba candida, bei lat. dichtern, z. b. Vergil Aen. 12, 68; Ovid metam. 4, 355), dann auch von den blüten der bäume: daz nie kein lilje wart so wîz Konrad v. Würzburg troj. krieg 20 083; zur lust wolte ich haben weisze lilien Schupp schr. (1663) 100; weisze liljen die sind schön, nun musz ich in die fremde gehn H. Löns kl. rosengarten (1914) 105; Pomona giebet umb den saftgefüllten bäumen den grünen weiszen flor P. Fleming dt. ged. 1, 60 L.; weisz heiszt deshalb bei bäumen 'weisz blühend': in dem weiszen blütenbaume Becker mildheim. liederb. (1799) 40; gezweig von weiszen, würzig duftenden fliederbäumen K. Gutzkow ritter v. geiste (1850) 1, 14; terminologisch in pflanzennamen s. unten 1187. B@1@cc) von stoffen und kleidungsstücken, vgl. got. biwaibidana wastjai ƕeitai Mark. 16, 5 und Tatian 91, 1 (s. oben 1): za nahtmuase lambes kauuare kauuatim uuîzzêm cliz[zante] Murb. hymnen 49 Sievers; dar ûffe (auf dem pferd) ein wîziu decke lac, lieht unde lûter alse der tac Gottfried v. Straszburg Tristan 6681 B. Schwitzer prlin in wissen jpplinen Platter 31 Boos; er mahlt mich ... in einen weiszen mantel gehüllt Göthe IV 8, 105 W. in fester verbindung: weiszes zeug (s. teil 15, 836), weiszes gerät (s. teil 4, 1, 3566) weisze wäsche, s. auch weiszzeug sp. 1229; vgl. weisz zeug, weisze wäsche, leinen geräthe du linge Rädlein sprachschatz (1711) 10, 43: sie lassen ... sich waschen und seifen, das weise zeug steiffen G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 30; und nicht einmal lieszen sie mich zufrieden, wenn sie wegen des weiszen zeugs zu mir kamen Stranitzky ollapatrida 6 Wiener ndr.; wenn ich ferner ... (den) heiligen Socrates ... um küche, keller und weisz geräthe sich mühsam bekümmern sehe v. Moser beherzigungen (1762) 140; weisze wäsche als zeichen von eleganz: blieb er nicht immer fein, nicht immer nobel, nicht immer herr seiner weiszen wäsche Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 2, 289. 'leinwand oder wäsche betreffend' in der weiszen schaw (1601) vollst. ... samml. d. Württ. gesetze 12, 544 Reyscher; weisze woche 'weiszwarenspezialverkauf' Schirmer wb. d. kaufmannssprache (1911) 210. weiszes tuch leichentuch: sie spreitete endlich ein weiszes tuch über sie (die folianten) ... es kam mir unterweges, besonders wegen des weiszen tuches, ... so vor, als ob ich eine leiche trug Hippel lebensl. (1778) 1, 48; o wär ich schon aus dieser welt verschollen, und läge kalt, vom weiszen tuch umschlagen Platen 9, 146 Koch-Petzet. weisz prädikativ, 'mit weiszem tuch': ein gut bet, das was weisz und hübsch bereit und zugerüstet Pauli schimpf u. ernst 51 lit. ver.; ... und (auf den tisch) weisz, von damast, aufgedeckt H. v. Kleist 1, 399 E. Schmidt. terminologisch von leinwand u. ähnl. 'gebleicht' gegenüber roh 'ungebleicht': es sol öch nieman kain row lînwât streken (walken) ... wie öch ze Costentz gewönlich ist, umb die wîssen lînwât ze streken, also sol man sie öch streken (14./15. jh.) in: mitt. z. vaterl. gesch. d. hist. ver. in St. Gallen 4, 67, vgl. 68; es ist zu wiszen, dasz man das jar nit plaichet weder parchat noch leinwat ...; doch hett man dannocht weiszen parchant gnueg, die man darvor geplaicht hett ... ob aber weisze oder rohe tuech minder oder mer gelten, das kümmert ainen mer dann den andern (um 1460) städtechron. 5, 285. weisz bei personen 'weisz gekleidet' thie uuîzun man (nach apostelgesch. 1, 11 duo viri in vestibus albis) Otfrid 5, 20, 9; Môrolf hete gemacht drî schar, der was eine swarzgevar, die ander wîz alsam der snê Salman u. Morolf 503, 1 Vogt; Evchen Humbrecht weisz mit farbigen bändern H. L. Wagner theaterstücke (1779) Evchen 5; die weisze maske Schiller 3, 13 G.; weisz erscheinen to appear in a white and clean dress Ludwig t.-engl. (1716) 2436; ähnlich sich weisz anlegen mettersi panni-lini bianchi Kramer t.-ital. 2 (1702) 1308; Sabinchen, lasz die kinder weisz anziehen Kotzebue s. dram. w. (1828) 18, 20. seit dem ausgehenden mittelalter finden sich durch ellipse entstandene substantivierungen in (mit) weisz; zunächst noch flektiert: de lude enpleghen sick nicht gherne myt witten to kledene Joh. Veghe 264 Jostes; und sy gent mit mir in weyssem (ambulabunt mecum in albis apokal. 3, 4) erste dt. bibel 2, 478 lit. ver.; ein mansperson in weisem beclaidt (1566) zimmer. chron. 2 4, 113 B.; unflektiert in weisz, vgl. albis vestibus indutus in weisz angetan Calepinus (1598) 64a: welcher (lies welchen) weisskunig darumb der historicus genent hat, den dein a f hat gebonlich in weyss ... gestriten (eigenhändige bemerkung von Maximilian) in: Weiszkunig XV A. Schultz; zuo acht tagen umm (etwa 8 tage später) fuohr dahin (nach Straszburg) ein geselschaft von Basel, in weisz bekleidet Stumpf Schweizerchron. (1606) 129; er führt seine töchter aus diesen winter. dort die beiden kleinen in weisz W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 2, 50; dise münch tragen gantz weisz wie die müller Seb. Münster cosmogr. (1550) 108; modern z. b. im sommer trägt sie nur weisz, vgl. hierzu weisztrager. terminologisch für angehörige bestimmter mönchsorden mit weiszer tracht, besonders zisterzienser und prämonstratenser, vgl. premonstratenses weisse monche (1470) Diefenbach ml. hd. böhm. 221, ebenso: wisze m. ader nonne (md., 15. jh.), gloss. 455a, auch nd. wit monich, ebda: meister Friderich, des ordens der wîzen brüeder mystiker 2, 367 Pf.; das closter zu den weyssen monchen zu Danczik Marienburger treszlerb. 79 Joachim; der torm (turm) gegen den carmeliten oder weiszen mönchen Pomarius Magdeb. stadtchron. (1587) P 2b; item zu den wizzin frowin eyn malder kornis (v. j. 1379) urkundenb. d. st. Erfurt 2, 611; weisze frauen nonnen vom Magdalenenorden Campe 5, 656; mit seinem beichtkinde, der schönen Klara, einer weiszen nonne Klinger w. (1809) 3, 8. B@1@dd) von weiszem farbstoff (oder -material), vielfach adverbial gebraucht: das häuschen war weisz und roth angestrichen Göthe 23, 42 W.; er schmiegte sich an das fenster einer einfachen weisz getünchten stube M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 157; weisz binden tünchen: die mauerarbeith zu dem gantzen baw, einwendig die gebünder gewickelt und die ganze stub einwendig über holtz geschmiert, auch in- und auszwendig allenthalben weisz gebunden ... an kalck werden erfordert 7 ohm (v. j. 1742) in: ztschr. d. dtsch. sprachver. 29, 325, vgl. weiszbënne tünchen Crecelius oberhess. 902 und weiszbinder. daher 'weisz angestrichen': die schöne kirchen s. Stephani zu Langensaltza ... mit dem weiszen thurm Joh. Binhardus neue Thür. chron. (1613) 285; das herrenhaus, weisz mit rothen ziegeln Storm s. w. (1898) 1, 24; 'geschminkt', vgl. fucosus wysz ... fucare i(d est) fuco depingere, colorare wysz machen gemma gemm. (1510) l 2a; Albida ist mercklich weisz; schade! wann sie todt wird seyn, dasz man sie in erde soll, nicht in kreide graben ein Logau s. sinnged. 384 Eitner. als fachwort der bausprache 'in gips oder stuck ausgeführt': ein saal, auf welsche manier auch mit einer weiszen arbeith geziert (v. j. 1600) zs. d. hist. ver. f. Schwaben 23, 8 (vgl. opus album Vitruvius 7, 3, 4). als farbstoff oft substantiviert, in komposition schon frühnhd. bezeugt, vgl. bleiweisz teil 2, 103: dieses weisz wird auch gerieben, mit etwas arabischem gummi vermischt, ... zu gedachtem zweck gebraucht Göthe 44, 386 W.; die schatten laviert, die lichter entweder ausgespart oder mit weisz aufgehöht 48, 8 W.; spezifisch: spanisches weisz bismuthum subnitricum Liebig hb. d. chemie (1843) 481. B@1@ee) die substantivierung das weisz gilt schlechthin für die farbe selbst: des erst aufgeklärten himmels gantz von licht erfüllter kreis schmückte von bestrahlten wolcken ein so hell und blendend dasz das allerreinste silber schwartz dagegen weisz, Brockes ird. vergn. (1744) 4, 19; und über ihnen (den Alpen) lagerte ein wunderschönes wolkengebirge ... ganz von gleicher farbe wie die berge, ein meer von leuchtendem weisz und tiefem blau G. Keller ges. w. (1907) 1, 403; schmetterlinge (flatterten) lautlos zwischen dem leuchtenden weisz der stämme G. Hauptmann bahnw. Thiel (1892) 43; es (das gehöft) lag am hange, leuchtend vom weisz der tünche Kolbenheyer Paracelsus (1926) 3, 292. B@1@ff) in der typischen anwendung auf das greisenhaar und auf die menschliche haut greift der sprachliche ausdruck häufig übertreibend über den tatsächlichen befund hinaus, indem er haar und haut als weisz (wie schnee, wie kreide u. s. w.) bezeichnet, obwohl die reine farbqualität meist nicht vorliegt, s. auch unten 2 b u. c. B@1@f@aα) vom haar der greise; seit dem späteren mittelalter bezeugt, doch seltener als mhd. grîs; stärker belegt erst seit dem 18. jh., vgl. auch schneeweisz teil 9, 1, 1242: (gott) ziert (uns) in dem alter gelîch mit wîzer varwe (der haare) sunderlîch Hugo v. Trimberg renner 10 418 Ehr.; absonderlich erzehlete sie immer von einem im weiszen kopffe Chr. Reuter Schelm. 119 ndr.; mein haupt ist weisz, ich habe viel erfahren Tieck schr. (1828) 1, 75. auf die person bezogen 'weiszhaarig, alt': der (pforte) plac ein kristen dôrwarte, der was von alder wîz als der snê Orendel 3439 St.; canere graw werden, weysz oder alt werden Frisius pict. (1556) 182a; hei! wie der weisze jüngling (Blücher) in n sattel sich schwang E. M. Arndt s. w. 4, 90 R.-M. B@1@f@bβ) von der haut des menschen. B@1@f@b@aaaa) seitFischer zeit gehören eine weisze haut und besonders weisze arme und hände zum ideal der frauenschönheit (sieh auch schneeweisz teil 9, 1, 1242 u. vgl. anord. háls hvítari hreinni miollo Rígsþula 2, 7): an ir vil wîze armesi die ermel want Nibel. 427, 1 L., vgl. 293, noch weisser dann ain kraid ist ir leib liederb. d. Hätzlerin 220 H.; ewer (der herzogin) schöne weisze hand Wickram 1, 18 Bolte; ir weisze brust wird mich als leids ergetzen Forster fr. t. liedlein 56 ndr.; (lasz die mutter) deiner kleinen arme spielen um die weiszen schultern fühlen Gottsched ged. (1751) 1, 60; du hast mein herz gefangen mit deiner weiszen hand H. Löns kl. rosengarten (1914) 13. auf die person bezogen 'weiszhäutig': aine der allerschönsten frawenbild ..., so weisz und so tzart, das sy der schönen Amaley ... vergleicht ward Fortunatus 103 ndr.; sie (die kleine Hus) ist weisz, niedlich, jung, fettlich Göthe 45, 29 W. Ursel: (ich bin) schön, roth und weisz Chr. Reuter ehrl. frau 50 ndr.; hätt ich doch ein kind, so weisz wie schnee, so roth wie blut und so schwarz wie dieser rahmen Grimm kinder- u. hausmärchen 1, 240 Panzer; seltener von jünglingen und knaben, meist als zeichen zarter jugend: sîn reiner lîp wîz unde glat Konrad v. Würzburg Pantaleon 1604; ach mein schöner, weiszer, junger gesell ..., dasz dich gott behüet, mein kind Grimmelshausen 2, 34 Keller; wenn irgend in dem brief ein arges ist enthalten, soll er den dolch sofort ergreifen und in der knaben weisze brüste drücken H. v. Kleist 2, 356 E. Schmidt. anders, als zeichen von verweichlichung: sie (die mönche) werden gott kein nasen drehen er wird auff ir weisz hend nicht sehen Fischart s. dicht. 1, 169 Kurz; lotterbübchen weisz und rot sind der mädchenunschuld tod Blumauer ged. (1785) 113. B@1@f@b@bbbb) weisze farbe der haut als anzeichen von schreck, erregung, leblosigkeit; seit dem 18. jh. nachweisbar. meist in prädikativem gebrauch und gewöhnlich mit übertreibenden vergleichen, s. wand teil 13, 1506: (wie sie) ein blendlaternchen in der hand, sich einstellt, ward er wie die wand so weisz und zitterte so schändlich Wieland s. w. (1794) 21, 153; (er) hielt ihr das messer vor das gesicht, dasz sie ... so weisz wie ein bettuch wurde H. Löns (1924) 8, 279; schade, antwortete der neuling, weisz vor empörung R. Fischer söhne ohne väter (1937) 199; besonders im vergleich mit der kreide (sieh kreideweisz teil 5, 2143): zwei männer führten die mutter. sie war weisz wie kreide und hatte die augen geschlossen. Friedrich meinte sie sei tot A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 267; so auch mundartlich, vgl. z. b. Martin-Lienhart els. 2, 832, Brendicke Berl. 191. B@1@gg) weisz und schwarz verbinden sich in einer reihe von formeln und wendungen, in denen weniger der farbeindruck als das logische verhältnis des unterschiedes und des gegensatzes gemeint ist; die meisten dieser kontrastverbindungen finden sich schon im klass. latein vorgebildet; vgl. dazu schwarz teil 9, 2302 u. 2313, wo weitere ergänzende belege. B@1@g@aα) weisz vor schwarz erkennen, schwarz und weisz verstehen 'unterscheidungsvermögen haben' (vgl. alba discernere et atra 'farbunterschiede erkennen' Cicero Tusc. 5 § 144): frow, wie ich der witz ain kint von miner dumphait wesen sol, doch bekenne ich wîz bî swarzen wol liedersaal 1, 49, 12 Laszb.; qui nesciunt quid sit inter dextram et sinistram ... ut germanice dicimus sie wissen nicht, was weys oder schwartz ist Luther 13, 257 Weim.; solte ich mit solchen leuten, die weder weisz noch schwartz verstehn, mich so gemein machen? Rist friedew. Teutschl. 22 Schl. B@1@g@bβ) mit stärkerer betonung des gegensätzlichen schwarz und weisz 'das widersprechende', eins von beiden 'das gegenteil': und spriche ich »swarz«, sî sprichet »wîz«; spriche ich »wîz«, sî sprichet »swarz« die böse frau 50 Schr.; wann ich weisz red, so sagst du schwartz Ferdinand v. Tirol speculum 26 ndr.; hier lernet ainer weis, dort lernet der ander schwartz und stymmen sellten zesammen Berthold v. Chiemsee dt. theol. 114 Reithm.; du muost fuchs und hase sein, weisz und schwartz künnen sprichw. (1548) 386; weisz und schwartz ausz einem tigel malen sprichw. (1570) 20b; das hat der nehmliche mann geschrieben? wie soll die nachwelt ... einen so plötzlichen sprung von weisz auf schwarz sich erklären Lessing 13, 100 M. schwarz und weisz oder weder schwarz noch weisz ist 'das unklare, unentschiedene': (Erasmus) ist in dem ein gelehriger schuler worden, dasz er die wort fein schrauben kann, tunckel und ungewisz reden, dasz man daraus weisz und schwartz verstehen kan Luther tischr. (1576) 294 Aurif.; warsag denn eim listigerweisz, dasz es ist weder schwartz noch weisz H. Sachs 17, 130 K.-G.; ähnlich: für euch nicht schwarz, für euch nicht weisz, für euch allein das falbe: die volle nacktheit ärgert euch, doch kitzelt euch die halbe! R. Prutz polit. wochenstube (1845) 115. B@1@g@gγ) schwarz in weisz verkehren, verwandeln u. ähnl. 'lügen, fälschen' (vgl. qui nigrum in candida vertunt Juvenalis 3, 30): valsch kêrt minn zunminne, unde guot ze übelen dingen, und daz wîze ze swarzem mit al sînem vlîze Thomasin v. Zirklære welscher gast 1378; er müg verkeren swarz in weiss Oswald v. Wolkenstein 97, 22 Sch.; doch ist es war und ist nit recht, man wöll dann machen krump zu schlecht und wandeln schwartz in weis gestalt Hutten 3, 532 Böcking; also könte man nach gefallen ausz schwarz weisz, aus weisz schwarz machen A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 1177; das sind die glossen, herr papa, ... wodurch sich recht in schuld verkehrt, dadurch wir (juristen) schwarz in weisz, und weisz in schwarz verwandeln Lichtwer schr. (1828) 152. B@1@g@dδ) auf anderer linie liegen formelhafte ausdrücke wie ein weiszer rabe 'ausnahme von der regel, seltenheit' (schon bei Juvenalis 7, 202, sieh auch rabe teil 8, 5): man mag ehe einen weiszen raben bekommen dan einen fleiszigen arbeiter Eberlin v. Günzburg ausgew. schr. 3, 159 ndr.; ich weisz es leider, ich bin ein weiszer rabe in der armee Gutzkow ritter v. geiste (1850) 8, 217; anders gewendet: 'wann denkst du wieder zu kommen?' ... 'wenn der rabe weisz wird, ... ihr erwartet mich spat oder nimmer.' E. M. Arndt s. w. 6, 188 R.-M.; entsprechend: ein senfftige gütige frau sey ein seltzamer vogel auff erttrich und sey geleich einem schwartzen schwannen und einer weyszen kroen A. v. Eyb dt. schr. 1, 8 Herrm.; seltzam ... wie ein weiszer floh Lehman floril. polit. (1662) 2, 737; ein junger lebenslustiger patron, der Deutschland ... durchzogen hat und von einer auszereuropäischen treue schwärmt, das ist ein weiszer spatz Meisl theatral. quodlibet (1820) 1, 110. B@1@g@eε) den mohren (raben) weisz baden, waschen 'etwas unmögliches unternehmen' (vgl. teil 13, 2339): den raven kan men nicht wit waschen (1514) Tunnicius sprichw. nr. 530 Hoffmann: ein krahe sich bad mit gantzem fleisz und kan doch nimmer werden weisz Petri der Teutschen weisheit (1604) 2, x 4b; niemand kein mohr weisbaden sol, ist alls umbsonst und lauter nichts Hayneccius Pfriem 47 ndr.; einen moren weisz waschen Lehman floril. polit. (1662) 4, 45; (Juliette:) einen verirrten verlohrnen zurückzuführen, der ihr (anrede) sohn ist. (Stahl:) waschen sie (anrede) den mohren weisz F. M. Klinger theater (1786) 1, 238. B@1@g@zζ) hierher gehören zahlreiche sprichwörter des typus die schwartze küh werden weisze milch geben Fischart groszm. 24 ndr. im sinne von 'der äuszere gegensatz ist nicht entscheidend, der schein trügt'; ebenso schwartze trauben geben so guten wein als die weisze Lehman floril. polit. (1662) 1, 36; ausz einem weiszen ey schlupft ein schwartz hünlein ebda 194; ähnlich: in einer weiszen kreyden liegt oft ein schwartzes kiesz, im schönen marmelstein kann ein verfaultes aasz gar wol verborgen seyn J. Rachel sat. ged. 29 ndr. formelhaftes schwarz auf weisz 'geschrieben oder gedruckt auf papier' s. oben teil 9, 2313. B@1@hh) in geographischen und botanischen namen. der grund der namengebung ist bei den ersteren oft nicht mit sicherheit festzustellen: die Weiszen Reuszen, heute die Weiszrussen; in Weiszen Reuszen, heute in Weiszruszland: da ritterleich gestürmet wart Eysenwurth (Isborsk), di guten stat in Weizzen Reuzzen Suchenwirt 59, 206 Primisser; erstlich hat es (Sarmatia) gegen mitnacht ... die landschafft der Weyszen Reuszen Stumpf Schweizerchron. (1606) 4. — die Weisze Tatarei, die Weiszen Tataren in Asien: in die Weyszenn Thatrey und in das Grosz Armenia Schiltberger reisebuch 8 Langmantel; die Weyszen Thattern ebda 21. — der Weisze See, später das Weisze Meer an der russischen nordküste: bey ihren landsleuten, den Biarmern, Scricfinnern und Lappiern, da die ersten zwischen dem Gefrohrnen Meer und dem Weiszen See ... wohnen Thurneisser magna alch. (1583) vorrede * 2b; dasz die Römer gegen mitternacht bisz ins Weisze Meer ... gesegelt Lohenstein Arminius (1689) 1, 127. — (die quellflüsse des Main,) deren einer der Rothe, der andere der Weisze Mayn heiszet v. Birken verm. Donaustrand (1684) 16. Weiszer Nil neben Blauer Nil: gebiet des Weiszen Nils O. Peschel völkerk. (1874) 500; vgl. ferner die flusznamen Weisze Elster neben Schwarze Elster, Weiszer Regen neben Schwarzer Regen. — das Weisze Vorgebirge nördlichster punkt von Afrika, lat. Promunturium Candidum: bis zum Weiszen Vorgebirge in Afrika Kant s. w. (1838) 10, 50. — zahlreich sind die mit weisz gebildeten ortsnamencomposita wie Weiszenberg, -brunn, -burg, Wittenberg, -moor, -weiler u. s. w. pflanzennamen. die benennung erfolgt nach der weiszen farbe der blüte (vgl. oben B 1 b) oder der wurzel. die zahl der pflanzennamen, in denen weisz als unterscheidendes beiwort auftritt, ist sehr grosz; hier nur einige alt bezeugte beispiele, vgl. auch die reihe der composita: weiszer diptam (dictamnus albus), vgl. weiszer diptam ... wird von der weiszen wurzel also genannt kompend. haush.-lex. (1728) 1024; diptam, dictam, weiszer diptam dictamnus albus Wirsung arzneibuch (1584) reg. b 6a; nd. verballhornt witten dicken dam radices diptami albi Walbaum synon. Lubecensia (1769) in: arch. d. pharm. 149 (1859) 383. — weiszer dorant (achillea ptarmica): witten dorant antirrhinum Walbaum synon. Lubecensia (1769) in: arch. d. pharm. 149 (1859) 383. — weisze heide (polytrichum): politrichum wis heide (v. 1412) bei Diefenbach nov. gloss. 297, vgl. auch: politricum wiszheyd Gersdorff wundarznei (1526) 104b. wohl für erica tetralix witte heyde erica Walbaum synon. Lubecensia (1769) in: arch. d. pharm. 149 (1859) 383. — weisze nieswurz (veratrum album) schwartz und weisze nieszwurtz Bock kräuterb. (1539) 119b. — weiszer orant (achillea ptarmica) item weis, roth, blaw orandt (1579) Chr. Entzelt altmärk. chron. 52 Bohm, vgl. Danneil 249. — weisze veiel, weisze winterveiel (Matthiola): iu (d. i. ἴον, viola alba) wize fiol (14. jh.) ahd. gl. 3, 530, 4 St.-S.; weisz winterveil Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 477. B@22) seit alters wird weisz als eine farbbezeichnung verwendet, die nicht den reinen farbwert (s.B) widergibt, sondern nur eine relativ weisze farbqualität, meist kennzeichnend im gegensatz zu dunklen farben gebraucht; häufig neuerem 'weiszlich' entsprechend, doch ausgebreiteter als dieses, da noch in heutiger sprache zwischen reinem weisz und weiszlichen, hellen tönen anderer farben oft nicht streng geschieden wird. ähnlich schon ahd., aber als epitheton ornans ohne unterscheidenden beisinn, vom lindenholz: heuwun harmlicco huitte scilti unti im iro lintun luttilo wurtun Hildebrandslied 66. B@2@aa) häufig terminologisch zur unterscheidung einer helleren von einer dunkleren sorte derselben ware und allgemeiner zur unterscheidung einer helleren von einer dunkleren gattung derselben art; die entfernung von der reinen farbqualität geht dabei verschieden weit. von hier aus entwickeln sich zahlreiche compositionen; vgl. z. b. weiszer wein — weiszwein, weiszes brot — weiszbrot, weiszer kohl — weiszkohl. zufrühest, aber einmalig, vom unausgelassenen festen weiszen fett im gegensatz zum ausgelassenen: ende thriuhalf embar smeras, en giscéthan en tue huite (hs. um 1100) kl. alts. sprachdkm. 37 Wadstein, vgl. auch D 1 d. B@2@a@aα) reich belegt weiszer wein, vgl. aminium wizen win (13. jh.) ahd. gl. 3, 155, 24 St.-S.: auch wie die metzger gewöhnlich gute bisszlein essen und guten weiszen unnd roten wein trincken buch der liebe (1587) 7; der bequemste, gemeineste ... tranck in Österreich ... ist der weisze wein, der hell citronenfarb, ... vom natürlichen guten weingeschmack ... ist v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 366; sende mir Fachinger wasser ... Rehbein quält mich, dasz ich es mit weiszem wein trinken soll Göthe IV 28, 102 W.; weiszen Burgunder Fontane ges. w. (1905) I 5, 159; in substantivierung: der wirth bracht ihnen vom weiszen frisch ..., der weisze wollt ihnn nicht mehr munden, lieszen sich drum vom rothen bringen Geibel ges. w. (1883) 2, 140; von den trauben, vgl. teil 11, 1, 1, 1291 und amminium (vinum) wisse trbel (anf. d. 15. jhs.) bei Diefenbach nov. gl. 20: darinnen viel dörffer und weinlender befunden, die gar köstliche weisze und schwartze trauben tragen generalchron. (1576) 74b; schwartze oder weisze, gantze oder getrettene trauben neue reformierte herbstordnung (Stuttgart 1651) 10. B@2@a@bβ) weiszes brot 'weizenbrot' im gegensatz zum schwarzen, roggenbrot: es mag ouch ein ieglich brotbecker backen welre hande brot er wil, es sy wis oder rückin (v. j. 1370) Straszburger zunftordn. 87 Brucker; nym, isse, das ist ein weis brod Luther 19, 485 W.; weisz und schwarz brot ist eigentlich das schibolet, das feldgeschrei zwischen Deutschen und Franzosen Göthe 33, 83 W.; weiszes brot gilt als luxus: aber gar schöne weisze wecken mögen uns Grobianern schmecken K. Scheidt Grobianus 63 ndr.; als etliche seiner (Rudolfs von Habsburg) kriegsleut bessern wein und weiszer brot haben wolten, gab er ihnen urlaub Zinkgref apophth. (1628) 46; das weisze stadtbrot, das bislang in ihrem hause gegolten, hatte sie auch abgeschafft und bezog alle acht tage ein billigeres rauhes brot G. Keller ges. w. (1907) 3, 32; sprichwörtlich in der mundart: t weisst brout virun (vor) dem schwarzen iessen tolle ausgaben machen und nachher darben müssen wb. d. lux. ma. 481, s. auch weiszbrot sp. 1203. B@2@a@gγ) von glas, mineralien, steinen u. s. w. weiszes glas das farblose glas, bes. im gegensatz zum schlechteren grünen: item 21 m (mark) vor 14 zentener weyses glases ... das glas sal ken Rangnith zun fenstern (um 1400) Marienb. treszlerbuch 128 J.; darauff ein trüncklein ausz einem weiszen venedischen glasz M. Lindener rastbüchlein 4 lit. ver.; einige bunte seideflöckchen mit goldfädchen ... hinter einem quadratzoll weiszen glases auf papier platt gedrückt Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 9; daher eine weisze hütte eine glashütte, in welcher nur weiszes glas geblasen wird Campe 5, 656. vom milchigen bernstein: er ist zweyerley, weis und gelb, der weisze ist nicht so durchscheinig wie der gelb Kantzow chron. v. Pommern 409 Gaebel; sperma ceti wallrath, weiszer amber Hübner curieus. nat. lex. (1717) 1532; weisze koralle: item der herr Lazarus von Rafenspurg hat mir ... geschenckt ... ein weisz korelln (1520) A. Dürer schriftl. nachlasz 145 Lange-Fuhse. von bestimmten erdarten und steinen: glarea merghel, is wit steyn dar me de acker mede dunghet (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 194; gleicherweisz thut man auch dem braunen erdtrich, dem roten, sandechten, schwartzen, weiszen, dürren, lucken, weisz leymechten und auch dem, das an den büheln ligt M. Herr feldbau (1551) 43b; leucargillion weysser lätt oder leim Frisius (1556) 764; hierauf (auf die gute erde, humusschicht) folget die weisze ... Zesen kriegsarbeit (1672) 3, 58; weisze buedem 'leichter boden' lux. ma. 481. — weiszer sand, auf den fuszboden gestreut, gilt als ausdruck altväterischer reinlichkeit: der weisze sand lag so unberührt auf der diele Storm (1899) 1, 67. — 'weisze steine ist eine benen nung der gewöhnlichen mauersteine, im gegensatze zu den hierorts (Berlin) häufig vorkommenden Rathenauer mauersteinen, welche gewöhnlich eine mehr röthliche farbe haben' Helfft landbaukunst (1836) 406a. B@2@a@dδ) von nahrungsmitteln, getränken u. ähnl. weiszer kohl, vgl. weiszkohl, weiszkraut: beta weys ramisch (römisch) chol (voc. v. 1432) bei Diefenbach nov. gl. 51; wieszes koles (v. j. 1471) urkundenb. v. Magdeburg 3, 79; wir haben heute weiszen kohl und hammelfleisch A. v. Arnim 5, 10; s. auch Kretschmer wortgeogr., der weiszer kohl noch für Lübeck, Hannover, Bremen angibt. mundartlich z. b. weisz kabes 'weiszer kohl' lux. ma. 481. — weiszer pfeffer: daz dreierlei pfeffer sei, swarzer, langer und weiszer Konrad v. Megenberg buch d. natur 373 Pf.; productionsländer für den gewöhnlichen schwarzen und weiszen pfeffer Schedel waarenlex. (1863) 3, 196b. — von speisen, die mit milch oder mehl bereitet sind: lactatum wit mues (voc. v. 1420) bei Diefenbach 315; lactatum (olus) wysz muysze (15. jh.) ebda, vgl. mundartlich bei Fischer schwäb. 6, 1, 645; daher weisze kost 'fleischlose kost': das leben war ihr nur auf ihrem sopha erträglich bei mattem licht, weiszer kost, leisem gespräch Hopfen d. alte praktikant (1891) 178, vgl. dazu auch altisl. hvítr matr 'white meat, i. e. milk, curds, and the like, opp. to flesh' Cleasby-Vigfússon 302 und a thirde kinde of meats, which is neither fishe nor fleshe, commonly called white meats as egges, milk, butter, cheese (v. j. 1584) bei Murray 10, 2, 79. 'weiszes bey dem kaffe trinken, insbesondere soviel als milch, z. b. befehlen sie (anrede) etwas weiszes? ich bitte mirs schwarz aus' Rüdiger zuwachs d. sprachkunde (1782) 2, 129; weiszer kaffee, ein weiszer für 'kaffee mit milch' ist z. b. in Österreich üblich; ebenso vom tee: (Albert:) schenk eine tasse thee mir ein! (Lina:) befehlen sie (anrede) weisz? Müllner dram. w. (1828) 6, 190. B@2@a@eε) technisch-handwerkliche ausdrücke: weisz oder gebleicht wachs white wax Ludwig t.-engl. (1716) 2436; in der lederverarbeitung weisz gerben mit alaun, im gegensatz zur rot- oder lohgerberei: ochsen- und pferdeleder, so weisz oder wit gegeret ist (v. j. 1642) bei Krumbholtz gewerbe d. st. Münster 465, vgl. 468, sowie weiszgar u. weiszgerber sp. 1211 f. 'ein weiszes tau, in der schifffahrt, ein ungetheertes' Campe (1807) 5, 656. weisze salbe bezeichnung eines mit bleiweisz hergestellten heilmittels (vgl. Chr. Wirsung arzneib. [1584] 592 und register unter bleiweiszsalb): ists (das jucken) dann ausz geschweren, so brauch die weisze und andere salben Chr. Wirsung arzneibuch (1584) 343; als umschreibung für ein 'wirkungsloses mittel, charakterloses machwerk' (vgl. teil 8, 1686): aber wie oft haben wir darüber gelacht, dasz die 'staatszeitung' so offiziell den karakter einer politischen weiszen salbe annimmt fürst Pückler briefwechsel u. tageb. (1873) 3, 134; von einem unentschiedenen menschen: er ist die reine weisze salbe Frischbier preusz. wb. 2, 462. B@2@a@zζ) medizinisches; weiszer flusz (teil 3, 1855) der frauen, älternhd. auch weisze krankheit, zeit (teil 15, 539), blumen, gesicht (gesicht teil 4, 1, 2, 4099, gesüchte teil 4, 1, 2, 4288): aneis ... rainigt die muoter von dem weizen fluz Konrad v. Megenberg buch d. natur 385 Pf.; wer den weiszen flusz hat, soll einen silbernen fingerring tragen Buck med. volksgl. a. Schwaben (1865) 59; dieser gebrechen, welchen die weiber das weisz gesicht, die artzte menstrua alba nennen Wirsung arzneibuch (1584) 525; (anisöl pflegt) die weiszen blumen und den blutgang der weiber zu stopffen Sebiz feldbau (1579) 442; die weisze zeit der weiber 84; so das weib am zehenden tag oder früer nach der beyschlaffung von der uberflüssigen feuchte oder materi der weiszen oder roten kranckheit beschwärt oder angefochten wirdt J. Ruoff hebammenbuch (1580) 136; auch substantiviert das weisze 'weiszer flusz': so ein fraw das weisz hefftig oder ein böse mutter hat Gäbelkover arzneibuch (1596) 2, 15; 'fluor albus, muliebris oder uterinus der weisze flusz, das weisze' Blancard med. wb. (1710) 276. weisze ruhr: ist aber die rhur nicht rot, sondern gelb, weisz oder äschenfarb O. Gäbelkover arzneibuch (1595) 1, 250; weisze ruhr coeliaca affectio Nemnich lex. nos. polygl. (1801) 17. von geschwüren und ausschlag, vgl. alcole i(d est) aphthe die wyszen bletterlin in dem munde (hs. um 1400) bei Diefenbach nov. gloss. 15; ein weysz geschwär albidum ulcus Maaler (1561) 492a: Platina sagt von eim wunderbarlichen krätz oder reudigkeit, der zu diser zeit sey umbgangen: die leut seind mit weissen rauden überzogen gewesen wie ein birk als seyen sie aussetzig Seb. Franck chron. Germ. (1538) 62. 'weisze substanz des gehirnes ..., die sich scharf gegen die ringsum von ihr umgebene graue substanz abhebt' Ziegler zool. wb. (1909) 634: darnach folget die substantz des hyrns und das ist weych und weissz und einer ronden figuren Gersdorff wundarznei (1526) 4b. B@2@a@hη) von metallen. B@2@a@h@aaaa) silber als weiszes metall schlechthin, oft im gegensatz zum roten (vgl. teil 8, 1290 f.) golde, kupfer; in mhd. dichtung als epitheton ornans sowohl 'glänzend' wie 'weisz' einbegreifend (s. oben A 2), wird weisz schon im 13. jh. auch terminologisch in der sprache des münz- und goldschmiedegewerbes zur unterscheidung der relativen farbqualität gebraucht, in der sich der silbergehalt kund tut. von silbernen oder stark silberhaltigen münzen, s. auch witten, weiszgroschen, weiszpfennig: phenninge sol der muntêre halden phundich unde evene swêr unde glîche wîz Eike v. Repgow Sachsensp. 79 Eckh.; 64 m (ark) lubisch und 2 weyse pfenge (um 1400) Marienb. treszlerb. 321 Joachim; die Egerischen heller, der sechs ein weiszen pfenning gelten Mathesius Sarepta (1571) 176b; 42 mark Prsch ..., d hAet her uns gegebin vor ws Lbisch gelt (um 1402) handelsrechn. d. dt. ordens 149 Sattler; 1126 gulden an golde und an wisem gelde quelle d. 15. jhs. in: Germania 25, 348; die (bürger) solten ainander zalen mit weiszer müntz (um 1460) städtechron. 5, 224; auff zalten sie vier weisze groschen bergreihen 98 ndr.; ey, es ist schade um meinen schönen topff, er kostet mich 8 weisze groschen und 3 heller A. Gryphius lustsp. 44 lit. ver.auch sonst für 'silbern': auch stifel an die fusz zumal mit ertz beschlagen uberall darzu geziert mit rincken weisz (ἀργυρέοισι ἐπισφυρίοις) Spreng Ilias (1610) 36; im besonderen ist weisz das reine silber erstlichs von den goldtschmiden wie und in was werth dieselben ein jedes loth silber, weisz und verguldet, zu verarbeiten schuldig sein sollen ordnunge nachbemelter handtwercker (1579) B 2a. vom silberhaltigen und daher weiszlich erscheinenden gold, vgl. auch weiszgold: das pleichmal (= blachmal, teil 2, 59) des weiszen goldts mistura auri argentosi Ph. Bech Agricolas bergwerkbuch (1557) 386; modern weisze karatierung legierung des goldes mit silber. schon im mhd. substantiviert das weisze oder das weisz 'silber': dennoch wirt unrecht wol bekant als eyn copper penning in der hant, swen im ûz blicket sîn rôte schîn mang penningen die geve (gang und gäbe, echt) sîn unde im daz wîzze wirt abe gevegit Eike v. Repgow Sachsenspiegel 12 Eckh.; solt niemant kain ander müntz nemen dann Augspurger alt und neu, die schlug man die mark ze 6 lot weisz (um 1460) städtechron. 5, 223; probiernodlen macht man zweyerley, etliche dienen uff silber unnd kupffer, etliche die dienen uff goldt, zum roten und zum weissen (ob das gold mit kupfer oder mit silber legiert ist) Schreittmann probierbüchlein (1578) 81b, dazu: der zusatz beim gold besteht aus silber oder kupfer oder, wie die schmelzer reden, weisz und rot Jablonsky allg. lex. d. künste u. wiss. (1721) 403a. B@2@a@h@bbbb) seltener von andern metallen; 'weiszes gold ist der name der platina' Voigt handw. (1807) 2, 561: Balbin ... beschrieb in seiner naturgeschichte Böhmens ein weiszes gold, welches man für silber halten würde, wenn es nicht das gewicht und andere eigenschaften hätte, die sonst nur das gold bezeichnen Poppe technol. (1810) 2, 503. weiszes gold in anderm sinne sieh oben bei aa. 'weiszes eisen, bei den schmieden, weiches eisen, dessen bruch nicht so grau als der des harten eisens und weiszlich ist' Campe 5, 656. im sinne von 'zinnhaltig' tritt weisz als kompositionsbestandteil auf in weiszblech, -gieszer, -gusz, -lot, -metall, -sud (vgl. dort den beleg von Jacobsson). B@2@bb) weisz als allgemeine kennzeichnung der hellen hautfarbe europäischer menschenrassen gegenüber den farbigen rassen, seit dem 17. jh. bezeugt: gute und böse wären unter allen völckern, wie weisze leute und schwartze mohren in der welt Lohenstein Arminius (1689) 1, 969; hier (vom 31. bis zum 52. grad) finden wir zwar weisze, doch brünette einwohner Kant s. w. (1838) 10, 42; der 'hauch des weiszen mannes', welcher die Indianerstämme aussterben macht W. H. Riehl dt. arbeit (1861) 62; als rassenbezeichnung von der bezeichnung der hautfarbe deutlich abgesetzt: je weiszer die mischlinge sind, desto schwerer sind sie von den wirklichen weiszen Brasilianern zu unterscheiden, die ja häufig eine dunklere hautfarbe besitzen als die vermischten abkömmlinge ihrer einstigen sklaven E. v. Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas (1915) 87; hierzu: weisze sklaven, vgl. engl. white slaves, moderne metapher für die sozial entrechteten in Europa: weisze sklaven E. Willkomm (1845) (romantitel); ich weisz, wie s auf rittergütern zugeht, das ist ja die weisze sklaverei W. v. Polenz Grabenhäger (1898) 2, 22. oft substantiviert: der weisze, die weisze 'angehörige(r) der weiszen rasse': ein mohr und weiszer zankten sich Lichtwer schr. (1826) 26; ich bin den Europäern hold, denn meine mutter war auch eine weisze v. Petrasch s. lustsp. (1765) 1, 91; Indianer sinds, die von der heimath scheiden ... stets weiter drängen uns, als ihre heerde, stets weiter, weiter, die verfluchten weiszen Lenau ged. (1857) 1, 220. B@2@cc) weisz für die hellste tönung von blond bei menschlichen haaren, vgl. weiszblond und altnord. of þann inn hvíta hadd Svanhildar Edda, Gudrúnarhvǫt 16, 7 Neckel; manna friðastr sýnum ok hvítr á har förnmannasögur 6, 130 (ausg. von 1825): ain kraus, weiss har von locken dick het ainst mein haubt bedecket dasselb plasniert sich swarz und graw, von schilden kal durchschecket Oswald v. Wolkenstein 93, 19 Schatz; hüt dich für einem roten Wahlen, weiszen Frantzosen und schwartzen Deutschen Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, I i 5b; Fuchsmundi will einen advokaten fragen, ob er ein braunes oder weiszes mägdlein heurathen solle Stranitzky ollapatrida 50 Wiener ndr.; der jüngling ... schöner bildung und weiszes haars Klopstock gelehrtenrep. (1774) 293; später noch mundartlich belegt, vgl. wisə horə hellblondes haar Hentrich Eichsf. 1. B@2@dd) weiszes erntefeld, das hellgelbe reife, nach Joh. 4, 35: bidiu siu (thiu lant) uuizu sint íu zi arni (regiones, quia albae sunt iam ad messem) Tatian 87, 8 S.; weysz zuo dem schnitte erste dt. bibel 1, 349 lit. ver.; das felt ist als in der ern wîz Alsfelder passionsspiel 1391; wenn sie (die gespielen) hand in hand am schönen sommerabend aufs weisze ährenfeld gehn S. Geszner schr. (1762) 1, 205; wie 'reif' gebraucht: im centrum des blitzes beweiset sichs, dasz die ernte schon gar weisz ist J. Böhme s. w. 2, 136 Schiebler. B@33) bei gegenständen von einheitlich weiszer färbung kann weisz den zustand der reinheit, unbeflecktheit, ungetrübtheit besonders stark hervorheben und nähert sich dann begriffen wie 'rein, sauber, fleckenlos, lauter, klar'; hieran schlieszt sich auch die symbolische verwendung von weisz als sinnbild der reinheit und unschuld (s. unten C 1) an. B@3@aa) in den verbalen wendungen weisz brennen, weisz sieden die aus der metalltechnik stammen. weisz brennen, sich weisz brennen; alt belegt ist das silber weisz brennen 'von schlacken befreien, reinigen', vgl. oben B 2 a η aa und gebrandt oder fein silber, heyszen sie (die münzmeister) weisz probierbüchlein auf gold (1580) 28b: der (Augustus) vorderôte gold rôt unt silber wîze gebrande ûz allen den landen priester Wernher Maria 37, 10 Wesle; übertragen 'reinigen' erst seit dem 17. jh. belegt: schickte dieser seine brüder ... nach Rom, ihn von allen verläumdungen weisz zu brennen, gleichwol aber konnten sie sich so rein nicht waschen Lohenstein Arminius (1689) 1, 881b; der richter ist mein handwerksmann, ... wenns unsere ehre weisz zu brennen gilt H. v. Kleist 1, 352 E. Schmidt; die reflexive wendung sich weisz brennen ist schon seit dem 16. jh. im sinne von 'sich nach auszen hin als rein, sauber, unschuldig hinstellen' verbreitet, vgl. sich weisz brennen falsa sceleribus praetendere, titulum facinoris speciosum praeferre Stieler stammbaum 2487 und Frischbier preusz. wb. 2, 462: da her auch das sprichwort kompt, so man von solchen entschüldigern spricht: ey wie weis bornet er sich, ey, borne dich nicht zu helle Luther 30, 2, 28 W.; ein liederliche auszred, mit deren du dich vermeynest weisz zu brennen Moscherosch gesichte Philanders (1650) 2, 127; indes will ich mich nicht weis brennen. habe ichs besser gemacht, wie ich jung war? Hermes Sophiens reise (1778) 1, 448. weisz sieden (vgl. sieden teil 10, 1 877 und oben B 2 a η aa): 'das weiszsieden, die handlung der metallarbeiter, da sie das verarbeitete silber oder messing mit weinstein oder küchensalz sieden, um es dadurch zu reinigen und ihm eine weisze farbe zu geben' Adelung (1774) 4, 1470: und so der (erz)gang fündig ist, da sihet man die silbern spangen, knöpff, zeinen, kuchen, streuszlein drinn und dran, so weisz und artig als hette sie ein goldschmied ausgesotten Mathesius Sarepta (1578) vorrede 2a; in der münze zum ersten weisz sieden nummos infectos primum malleatos sartagine cogere, wieder weisz sieden monetales plagulas medicata aqua eluere Stieler stammbaum 2488; das weiszsieden (getriebener arbeiten) hat auch bei so groszen werken seine schwierigkeit Göthe 44, 327 W. garn weisz sieden s. teil 10, 1, 878 — anders, im sinne von 'versilbern', vgl. weiszgesotten und unter das weisze das silber', oben 2 a η aa, den beleg aus dem Sachsenspiegel und wie solche leichte müntzen, wie weisz sie auch gesotten sind, dannoch anderst nichtes in sich haben als kupffer am halt (gehalt) Moscherosch sprachverderber (1643) 5. als 'verzinnen' s. Jacobsson 4, 631, vgl. den beleg bei weiszsud. B@3@bb) (sich) weisz waschen 'sauber waschen', vgl. sprichwörtliches wie: doch merk mich recht, merk mich mit fleisz, was man nicht wäscht wird selten weisz dt. volksbücher 5, 1 Simrock; weisz waschen wie rein waschen (vgl. teil 13, 2229), bildlich: da man einmal die Spanier weisz gewäschen (hat) Fischart Garg. 39 ndr.; meinen clienten ... von dem schwarzen flecken, den seine ehre durch die offenbarung der abscheulichen anecdote zugezogen, weisz zu waschen Wieland s. w. (1853) 33, 31; die werfen ihre herzen in die bresche ... und waschen fromm die fremde sündenwäsche mit ihrem reinen blute wieder weisz A. Wildgans österr. ged. (1914) 21; auch reflexiv gebraucht sich weisz waschen 'sich von einem vorwurf, verdacht reinigen', vgl.es wil sich ein jeder weisz waschen patrocinium vitiis quaerimus Aler dict. (1727) 2171a; ebenso modern üblich, z. b. von diesem vorwurf wird er sich nicht weisz waschen können. so auch ohne das verb weisze wäsche 'reine, sauber gewaschene wäsche', z. b. im gegensatz zu schwarz = schmutzig (s. teil 9, 2314): (Joseph) nahm ... den leib (Christi) und wickelt ihn in ein kostlich weisz leylach (in sindone munda) Egranus predigten 114 Buchw.; weisze wäsche, rein leinenzeug clean linnen Ludwig t.-engl. (1716) 2436; ein weisz hemd anlegen to put on a clean shirt, 2435, weisze bettücher einbreiten to lay fresh sheets or blankets upon a bed 2436; vgl. weisz sauber, unbefleckt Frischbier preusz. wb. 2, 462. modern gilt die weisze weste als umschreibung für 'untadelige handlungsweise': ich fragte Moltke, ob er unser unternehmen bei Preszburg für gefährlich oder für unbedenklich halte. bis jetzt hätten wir keinen flecken auf der weiszen weste Bismarck ges. w. 15 (1932) 275; die untersuchung der kommission habe damals eine tadellos weisze weste der zechenbesitzer ergeben Leipziger neueste nachr. 29. juni 1905. B@3@cc) unbeschriebens oder unbedrucktes papier wird weisz genannt, vgl. purae chartae rein unnd weysz papyr darinn nüt geschriben ist Frisius dict. (1556) 216: (Gelanor) nahm einen weiszen bogen papier und schrieb oben darauf Chr. Weise erznarren 111 ndr.; etliche zeilen weisz lassen lasciar alcune linee in bianco Kramer t.-ital. 2 (1702) 1308; 'weisz oder leer heist dasjenige theil in den tagebüchern der kauffleute, so nicht beschrieben sind' Chomels öcon. lex. (1750) 2, 175; weil dadurch (durch das wort corollarium) dasjenige angezeigt wird, was auf das letzte weisze blatt gedruckt wird Rabener (1777) 1, 169; der dichtung faden läszt sich heut nicht fassen, ich bitte mir die blätter weisz zu lassen Göthe 4, 33 W.; der weisze fleck auf der landkarte nicht dargestellte gegend, die geographisch noch nicht erforscht ist, vgl. jene gebiete, die in den kartenwerken als unerforscht bezeichnet wurden und demzufolge als weisze flecken galten völk. beob. 26. sept. 1937; ein weiszes (erg. los) 'eine niete': ein weiszes in einer loterey a blank in a lotery Ludwig (1716) 2435; in älterer musiktheorie weisze note note mit unausgefülltem kopf 'halbe, ganze note', vgl. alba rotunda eine gantz weisze Pomey indic. univ. (1720) 322; blanche ... eine weise note, insonderheit aber die minima oder halbschlägige Walther mus. lex. (1732) 96; man (stelle) sich die runde weisze note ohne strich ... als ganzes vor Quantz anweis. d. flöte zu spielen (1789) 54; ihr gelingt ein lied wie ein choral, weil sie die weiszen noten mit ausnehmender kraft hebt und trägt Schubart ästhetik d. tonkunst (1806) 91. vergleichbar: das kurtz s mach also ... solichs hab ich hernach weisz mit den linien (leerer umrisz), und schwartz in rechter ordnung (ausgefüllt) fürgeschriben A. Dürer unterweis. d. mess. (1525) M 1b. B@3@dd) von durchsichtigen dingen im sinne von 'ungetrübt, rein, klar', doch hauptsächlich auf poetischen gebrauch beschränkt: die zimmer und die sähl seind gantz durchscheinend weisz, mit gebognem cristall gefüget und beschlossen Weckherlin ged. 1, 368 lit. ver.; wie juweliere ihre edelsteine ... nach ihrem hellen weiszen wasser schätzen und ausbieten Jean Paul s. w. (1826) 54, 90, vgl.wasser II C 3 a teil 13, 2334. CC. einige feste und typisch gewordene anwendungen der weiszen farbe und von weiszen dingen, die einen bestimmten symbolwert haben, sind gesondert aufzuführen, obschon sie sprachlich B 1 oder 2 zugehören; der sinnbildliche charakter ist in neuerer sprache nicht immer deutlich, so dasz z. t. nur die formel als solche noch weiter lebt. C@11) als symbol der äuszeren und inneren reinheit und unschuld gilt die weisze farbe (s. weisz B 3) seit alters in sakralen gebräuchen der christlichen kirche (und nicht nur in ihr), wobei bestimmte biblische motive den ausgangspunkt bilden, wie etwa apokal. 3, 4 f. C@1@aa) weisz als die farbe der reinheit und unschuld; namentlich findet das weisze gewand, kleid solche sinnbildliche verwendung: die wiziu cleider truogen nach kuschir art ... Hugo v. Langenstein Martina 147, 107; o unschuld, du engel vom himmel gesandt, mit goldenem gürtel und weiszem gewand Schubart s. ged. (1825) 2, 297; die ihr an des lebens blumenschwelle in der unschuld weiszem kleide spielt Schiller 1, 187 G.; das kleid von weiszer unschuldfarbe flosz hernieder zu den lichtversagten knöcheln Grillparzer s. w. (1874) 2, 165; darum ist das gewand des täuflings weisz: daz man im (dem bekehrten) gæbe 〈ein〉 wîz gewant ûz der kemenâten sîn (des kaisers) Konrad v. Würzburg Silv. 2032 G.; das wird bedeut durchs hembdlein weis, so man dem teuffling schencket Ringwaldt evangelia (1581) F 4 b; auch weisze blumen, namentlich die lilie, gelten als derartige symbole: so wirt di kuscheit also reine der wissen lilien geleget zu Joh. Rothe lob d. keuschh. 2307 N.; bildlich: die weiszen blumen stehen wol auff einem jungen haupte Petri der Teutschen weisheit (1604) 2, R 5b; im klostergarten dürfen blosz weisze liljen blühn H. Löns kl. rosengarten (1914) 97. in gleichem sinne wird die weisze taube (vgl. teil 11, 1, 1, 167) verwendet: die unschuld sasz am dache fromm in stillen weiszen tauben Lenau ged. (1857) 1, 9. C@1@bb) der symbolische beisinn löst sich ab und wird selbständig in der bedeutung 'rein, unbefleckt, unschuldig', vgl. schneeweisz teil 9, 1, 1244; schon frühmhd. ganz unsinnlich, vgl. er (gott) nam hie fleisch unde bein, sîn snêwiziu sêle fuor in die phalnzen hêre priester Wernher Maria 167 Wesle; noch ganz bildhaft: swenne uns daz hâr beginnet wîzen, sô sölte wir tac und naht uns flîzen, daz dennoch unser sêle wîz würde, ûf der lît swarzer sunden bürde Hugo v. Trimberg renner 10 411 Ehr.; wer ander leüt schwertzt, ist darumb nit weisz Fischart groszm. 18 ndr.; abstracter: auf diesen trost solte jederman ... einen newen weiszen unbefleckten wandel führen Val. Herberger herzpostille (1613) 1, 435; Jesu Christo sey lob und preisz, Jesu, dem lieben kindlein weisz! H. Örtel bei Fischer-Tümpel 1, 123; vereinzelt sogar mit präposition neben rein: ... da wolt doch got verschonen und meiner händen werck, vom bösen rein und weisz, mit seiner hand belohnen Weckherlin 2, 46 Fischer; wer nur ... die weisze unschuld in allen verrichtungen betrachten wolte Chr. Weise polit. redner (1677) 684; damit wir sollen weisz und rein und rechte kinder gottes sein E. M. Arndt s. w. 3, 287 R.-M.; das hertz ist wol bey ihnen (den aposteln) weisz gewesen wie den kindern gottes gebühret Val. Herberger herzpostille (1613) 1, 436; Celinde ... dachte: um so weiszer wird sein herz sein Gutzkow ges. w. (1872) I 5, 256. hierher auch die weisze kunst, vgl.kunst teil 5, 2678, die weisze magie 'unschuldige, nicht sündige zauberei' im gegensatz zur schwarzen kunst (vgl.schwarz teil 9, 2316 f.): es sind kunstreiche leute, das sag ich dir fur war. es gehet alles hie mit der weissen kunst zu und nicht mit schlechten kreutern Luther 30, 2, 372 Weim.; da auch fromme männer dieser sogenannten weiszen magie pflegten Alexis hosen (1846) 2, 2, 216. C@22) als wappenfarbe und parteifarbe; heraldisch vertritt weisz das silber: silbir adir golt di muszin lin (liegen) uf allin gewappintin schildin, wiz und gel do vor ouch sin an veldin adir an bildin Joh. Rothe rittersp. 595 N.; weisz oder silberfarb Ph. Jac. Spener oper. herald. pars gen. (1690) 110. von der weiszen wappenfarbe der 1815 restaurierten Bourbonen wird die bezeichnung königstreuer, dann allgemein politisch rechtsgerichteter gruppen als weisz herrühren im gegensatz zur roten (s. teil 8, 1293) farbe des umsturzes, vgl. Murray s. v. white 6 b: nun brach ... über Südfrankreich die raserei des weiszen schreckens herein Treitschke dt. gesch. (1892) 2, 95, vgl. frz. terreur blanche weisze reaktion nach 1815; als fester begriff im deutschen erst seit der russischen revolution 1917/18 geläufig, vgl. weisze armee, weisze garde, weiszgardist u. s. w., wo weisz den gegensatz zu rot d. i. bolschewistisch bedeutet: zwischen weisz und rot E. E. Dwinger (1930) (buchtitel); wir leben jetzt unterm weiszen regiment derselbe armee hinter stacheldraht (1929) 254; sie hatte mich als den organisator einer weiszen garde angeklagt A. Winnig heimkehr (1935) 100; auch substantiviert die weiszen gegenüber den roten, den revolutionären. C@33) weisz als farbe des glücks und guter vorbedeutung. in der mittelalterlichen farbensymbolik gilt weisz als die farbe der hoffnung, vgl. Wackernagel kl. schr. 1, 205: wîz hofenunge wîset Hadamar v. Laber jagd 244 Schm.; weisz pedeutet guten wan, den mir di minn hat auf gethan fastnachtsp. 778 Keller. seit dem humanismus bis zum 18./19. jh. finden sich nicht selten anspielungen auf antiken brauch und antike vorstellung von der weiszen farbe als der des glückes und sieges: mein sache nun wol gut sol werdn, ich reite nur auff weiszen pferdn (1581) Berliner Pyramus-Thisbe-spiel 18 lit. ver. 255; vorzeiten haben die Traces und Creter durch weisse stein die freudenreiche glückfertige tag verstanden, durch schwartze die traurige unglückselige Fischart Garg. 191 ndr.; er versicherte ..., dasz er und seine gesellschaft für freuden auszer sich waren, und diesen tag mit einem weiszen steine bezeichnen wollten Rabener s. schr. (1777) 2, 127; geselle dich zu meinem glücke, und wir wollen sehen, welcher genius der stärkste ist, dein schwarzer oder mein weiszer! Göthe 22, 12 W.; vergleichbar: dann pflanzen wir ein weiszes siegeszeichen am freien Rheinstrom auf Körner 1, 126 Hempel. der weiszen henne sohn 'glückskind' (nach gallinae filius albae, Juvenalis 13, 141): ich höre gierig an, wann dich das glücke liebet, du, weisz ich, bist betrübet wann mir es leid gethan. ich bin der weiszen hennen ihr sohn doch nicht zu nennen Tscherning vortrab d. sommers dt. ged. (1655) 146; nun, das heiszt doch würklich der weiszen henne ächter sohn seyn! solch ein glückszufall hat mich doch zeitlebens noch nicht betroffen Kretschmann s. w. (1784) 4, 74. heimischen ursprungs scheint die mundartliche wendung einen weiszen fusz bei jem. haben oder sich e. w. f. machen, vgl.enen witten foot by jemand hebben 'bey einem wohl angeschrieben stehen' brem.-niedersächs. (1767) 1, 443; sik en witten foot maken bi een 'sich einschmeicheln' Schütze holst. (1800) 1, 131; 'das kommt von eurem klugen deichgrafen ..., der ... seine finger dann in alles steckt'. 'ja ..., er ... sucht beim oberdeichgraf sich nen weiszen fusz zu machen' Storm s. w. (1898) 7, 207, vgl.fusz I A 5 a (teil 4, 1, 1, 972). C@44) selten erscheint weisz als farbe der trauer: grave Gotfridt Wernher hat sie (die gräfin) in lauter weiser beclaidung und beschuung ein ganz jar clagt zimmer. chron.2 4, 3; die itzige welt ist zwar auch eine lustige stadt, aber auff eine gewisse zeit: sintemal sie im winter mit schnee wie mit einem weisen trawerschleyer umbhänget ist Meyfart himml. Jerusalem (1630) 2, 121; er trauere sanft und still, wie eine fürstin im sanften weisz Jean Paul w. 7/10, 271 Hempel. C@55) in bestimmten sachbezügen formelhaften charakters. C@5@aa) weiszer stab, weiszer stecken (vgl.stab II 5 f β teil 10, 2, 337 und stäblein 2 d ebda 372); ihn trugen landesverwiesene, s. rechtsaltert.4 1, 185, wo weitere belege: (das) kriegsvolck in der statt hat man mit irer hab lassen abziechen, die burger und eynwoner, yetwetrem ayn weysz stecklin in die hant und in das ellend vertriben quellen z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 214 lit. ver.; (wollten sie) die wehr von sich legen, so wölt er sie mit weiszen stäben ausz dem land lassen passiren Adam Reiszner hist. Georgen und Kasparn v. Frundsberg (1572) 17b; er (der vater) gab mir einen weisen stecken in meine rechte hand, und weist mich in das dreyunddreysigste land schwerttänzerlied in: Winkelmann beschr. v. Hessen u. Hersfeld (1697) 374; daher mit dem (am) weiszen stab (stock) 'als bettler': dat en ihrlich man ... nich vertwifelt, wenn hei mit en witten stock in de welt geiht Fr. Reuter 2, 23 Seelm.; wie lange wird es währen, so kann ich sie (die pachtsumme) nicht aufbringen und dann müssen ich und die meinigen mit dem weiszen stabe durch das land ziehen Th. H. Pantenius im gottesländchen (1898) 19; mundartlich: he get am witten stöcksken er bettelt Woeste westf. 327. der weisze stab als zeichen der amtsgewalt, besonders der richterlichen, doch ist die weisze farbe in den quellen oft nicht ausdrücklich angegeben, vgl. die belege unter stab II 8 f (teil 10, 2, 346): item so sall der markgreve van Gulich (Jülich) uf einem einoigich weisz pert sitzen ... u. he sall haven ... einen weiszen staf (1342) rechtsaltert.4 1, 85; des ertzbischoffs zu Trier scholthess, als ein hochrichter und schirmher mit einem weiszen stabe (1518) weisth. 2, 601; man sprach das urtheil über ihn, der weisze stab lag ihm zu füszen Lichtwer schr. (1828) 12; dem schöffen blickt er (der tod) ins gesicht, der just das weisze stäblein bricht Geibel ges. w. (1883) 1, 91; bei diplomatischen sendungen, vgl. teil 10, 2, 345: was aber vor anfang eines kriegsz, absag unnd dergleichen feindsbrieff, von grossen herren einander uberschickt (wird), das wirt auch etwan öffentlich an weisen stäben geführt L. Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) 43b; als requisit des astrologen, der die weisze kunst (s. oben C 1 b) pflegt, vgl. stab 10 (teil 10, 2, 355) und weiszgeschält: (Seni) tritt in die mitte des saals, ein weiszes stäbchen in der hand Schiller 12, 93 G. C@5@bb) weisze fahne als zeichen des friedens, der übergabe, vgl. 'weise fahne ausstecken ... pfleget zu geschehen, wenn die belagerten in einem ort capituliren und sich ergeben wollen' Fäsch kriegslex. (1735) 997: worauff die belagerte ein weis fähnlein über die maure ausgestecket und sich zum accord erboten Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 96; als die stadt (das belagerte Danzig) endlich die weisze fahne aufsteckte E. M. Arndt 1, 169 R.-M.; metaphorisch: wie grosze perlen ihr (der geliebten) in beiden augen stehen! nun frisch aus allen batterien! in fünf minuten musz die weisze fahne wehn Wieland s. w. (1839) 11, 243; C@5@cc) weisz gilt als die farbe der gespenster, geister und feen: er gieng zwar nicht weisz, wie die geister in den häusern ... zu erscheinen pflegen Grimmelshausen 2, 533 Keller; schnell schrecket sich ein weiszer geist, der durch die sträuche blinket E. v. Kleist 1, 86 Sauer; und das gespenst erhebt die weiszen finger Tieck schr. (1828) 2, 209; gell schreit die fee! auflangend sieht er eine hand am steuer, blendend weisz wie schnee C. F. Meyer ged. 20 Fränkel. die weisze(n) frau(en) als gespenst, hexeu. dgl., vgl. auch mythol.4 232, 803 ff. und Bächtold-Stäubli hwb. d. aberglaubens s. v. weisze frau: de witten vrowen hebben afdekket ere tytten lamiae nudaverunt mammam Lübecker bibel (1494) klagl. Jerem. 4, 3; nachtgeister und gespenster, welche der gemeine mann weisze weiber oder weisze sibyllen zu nennen pfleget E. Gockel tract. polyhist. (1699) 15; de witten wyver heft em ünder die hexen plagen ihn Richey hamb. (1755) 343; witt wiw hexe Schumann Lübeck 69; wie ein kind, das, von der einfältigsten amme gezogen, des nachts sich vor dem schwarzen hund und vor der weiszen frau fürchtet Pestalozzi schr. (1819) 12, 103; zwischen Hademarschen und Hanerau zeigte sich zwischen himmel und erde schwebend, wieder die weisze frau Müllenhoff sagen, märchen u. lieder d. hzth. Schleswig, Holstein u. Lauenburg 363 Mensing; weisze frau die in schlössern spukende ahnfrau: diese (die gräfin v. Orlamünde) läszt als weisze frau nun ihre schlüsselbündel kollern Platen 10, 79 Koch-Petzet; als fruchtbarkeitsdämon (über ihren zwiefachen charakter vgl. M. Wähler die weisze frau [1931] 37): heute noch geht abends ... die weisze frau den wall entlang, liebespaare zu suchen, um sie zu segnen H. Löns s. w. (1924) 7, 44; mundartlich: 'die baisze wrâ, in Pölandl bei Maschen kömmt ... nach dem schnitt die weisze frau ..., ihr erscheinen ... deutet auf fruchtbarkeit und segen' Schröer Gottschee 227. C@5@dd) als bezeichnung gewisser kirchlicher tage. der sonntag dominica in albis oder quasimodogeniti wird seit dem 16. jh. (vgl. Grotefend zeitrechnung d. dt. mittelalters 1, 207) weiszer sonntag genannt, vgl. oben C 1 a: der weisze sontag, dominica in albis ... auff die allgemeine tauffe der bekehreten heyden die man vorzeiten am osterfest hat gehalten und darbey die newen getaufften christen mit einem schneeweiszen westerhembde oder tauffkleide gezieret, welches sie öffentlich haben gantzer acht tage getragen und heute auff den abend (des sonntags quasimodogeniti) abgeleget Val. Herberger herzpostille (1613) 1, 434; des mandages na dem witten sondage achte dage na paschen (1502) städtechron. 16, 393; älter für den sonntag invocavit, den ersten sonntag in der fastenzeit weiszer sonntag: biz an den suntag so man singet invocavit in der vasten, den man nennet der wizze suntag (v. j. 1353) urkundenbuch d. st. Worms 2, 313 Boos; uff mentag nach dem wyszen sunntag in der vasten als man singet invocavit (v. j. 1418) monum. Zoller. 1, 522 St.-M.; am weiszen sontag nach fasznacht, da man die feürbeseher (s. Fischer schwäb. 2, 1456) wehlt (v. j. 1620) in: zs. f. kulturgesch. 8, 182. weiszer freitag, weiszer donnerstag der karwoche, letzterer wohl wegen der weiszen paramente und der weiszen kleidung der öffentlichen büszer, die am gründonnerstag losgesprochen wurden: item up wyssen frydach zur spynden 2 mal. ... 2 virdel roggen (v. j. 1455) urkundl. beitr. Münstereifel 144 Scheins; item off den wijssen frijdaich vur myttage saegen wir die passie spelen in dem coleseum (um 1500) Arnold v. Harff pilgerf. 33 Groote; gleich wie er (Christus) seiner apostel füsz gewäschen hat, also musz der papst der armen ... füsze mit groszen ceremonien und vilem gepräng auff den grünen oder weissen donnerstag wäschen Fischart bienenkorb (1588) 162b; in dem hilligen wytten donnerdage, do du dit hill(ige) sacrament ersten settedest Brem. kerkengebede bei Schiller-Lübben 1, 540. DD. substantivierungen treten seit dem mhd. (vgl.B 1 g γ) auf; soweit sie sich unmittelbar an einem adjektivischen gebrauch von weisz anschlieszen, sind sie unter A—C an zugehöriger stelle behandelt, z. b. das weisz 'schnee' B 1 a, in weisz(em) 'in weiszem kleide' B 1 c, das weisz 'weiszer farbstoff' B 1 d, das weisz 'weisze farbe' B 1 e, g, der weisze 'weiszer wein' B 2 a α, das weisze 'weiszer flusz' B 2 a ζ, das weisze (weisz) 'silber' B 2 a η aa, der (die) weisze 'weiszrassiger' B 2 b, die weiszen 'anhänger der weiszen partei' C 2. im folgenden sind solche substantivierungen aufgeführt, die sich zu selbständigen sachbezeichnungen entwickelt haben. D@11) als neutrum das weisze, weiszes. D@1@aa) das weisze (weiszes) im auge 'weisze augenhaut', vgl. albugo das weise in den ougen (1470) Diefenbach ml. hd. böhm. wb. 18: das wisse in baiden ogen sin was schöner vil den lylien fin schweizer Wernher Marienleben 5833 Päpke-Hübner; (flieszende) augen, mit irer röty und geschwulst und ufflauffen des wisszes der augen Gersdorff wundarznei (1526) 85b; er (der adler) hat auch gantz brünnende augen, saffergäl, also dasz das weysz darinn dem stein topasio nit unglych Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 1b; das weisze der augen (war) gantz gelb Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 17; der augapfel wird klein, dasz man kein weiszes um den stern sieht Herder 13, 118 Suph.; (der wilde) betrachtete sie (die perücke) lange unverwandt, man sah fast nur das weisze in seinen augen Eichendorff s. w. (1864) 3, 246. einem das weisze im auge sehen als maszstab für die nähe der gegner im kampf gebraucht, dann umschreibung für 'mutig standhalten', 'herausfordernd anblicken': die hoffleut (sollen) nicht loszbrennen, bisz sie einem sehen das weisz in augen schimmern Kirchhof milit. disc. (1602) 157; da dan ... die königl. schwedische damahls erst hart auf ihn wie sie ihm das weisse in den augen sehen können, fewr gegeben Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 160; 'hinterrücks?' warum nicht gar! das weisze im auge sehe ich selbst meinem feinde und lasz ihn dann sich verteidigen, wenn er kann Nicolai Nothanker (1774) 1, 150; (dasz) den steifen damen und den unverschämten herrn, die uns ins weisze sehen wollen, die augen übergehen sollen Wieland s. w. (1794) 18, 181; im schlachtgetümmel sah er dem feinde das weisze im auge Mommsen m. gesch. (1865) 3, 11; das ist einer der seltenen orte, ... wo jeder kämpfer für kurze sekunden dem andern in das weisze der augen sah E. Jünger d. wäldchen 125 (1928) 232. ähnlich auch einem das weisze im auge zeigen 'einem tapfer entgegentreten': als ein recht braver kerl hätt er ... seinem mann das weisze im aug selbst zeigen sollen H. L. Wagner theaterstücke (1779) 53; nein, laszt uns sterben, wie es männern ziemt! zeigt eurem feind das weisze in dem auge Körner (1876) 2, 217; auch auszerhalb der kampfsituation, als maszstab räumlicher nähe zwischen personen: indem wir solchergestalt alle drei nur auf wenige schritte von einander entfernet wären und bey jetzigem vortreflichen mondenschein einer dem andern fast das weisze im auge erkennen könte Schnabel insel Felsenburg 4 (1743) 339; (Alf.:) sind sie s? und beide? siehst du recht? (der knappe:) ich seh das weisz im auge, herr, in solcher näh Müllner dram. w. (1828) 3, 76; aber eine war, eine! bei dieser sah ich drei sekunden lang dem glück das weisze im auge H. Burte Katte (1914) 120. das weisze (im auge) über sich kehren u. ähnl. 'die augen verdrehen' von sterbenden, kranken, scheinheiligen, als ausdruck der entzückung, der angst u. s. w.: ich hab ihn geschossen, dasz er das weisz über sich kehrte Grimmelshausen Simpl. 73 Scholte; welcher fisch desz krauts oder wurtzel isset, der wird davon also toll, dasz er das weisz über sich kehrt, gleich als er todt wäre fischbüchlein 172; nichts als das weisze von den augen sehen lassen fingere divotione, ovatione, far l'hipocrita, il santo Kramer t.-ital. 2 (1702) 1308; (mit) Bötticher und seiner lieben frau, die eben so süsz und so feyerlich ist und die augen bis zum weiszen verkehrt Caroline briefe 1, 183 Waitz; ein fohlen, das bei jedem tritt unsichtbare gefahren wittert, in den aufgerissenen augen bei jedem stein das weisze zeigt E. E. Dwinger wir rufen Deutschland (1932) 195. einem nicht das weisze im auge gönnen 'nicht das geringste gönnen': (sie geben ihm) heut ein groszes essen ... und gönnen ihm nicht das weisze im auge (1823) Zelter in: briefwechsel zw. Göthe und Zelter 3, 291 Riemer; ein paar leute, die sich das weisze im auge nicht gönnen F. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 63; auch in maa., vgl. z. b. hei günt ne det wite in n age nich Schambach Gött. 301; so n putjunker (gutsbesitzer) günnt den lüttn mann nich dat witte in sîn ôgn Danneil altmärk. 249. einem das weisze im auge versprechen 'das kostbarste', vgl.augapfel teil 1, 788: der Mailänder ... versprach das weisze aus dem auge, wenn er ihm die schmerzen lindere J. C. Heer könig der Bernina (1904) 232. D@1@bb) das weisze vom (im) ei 'eiweisz', vgl. affodillum i(d est) albumen das wisz von dem eye gemma gemm. (1508) a 5b: dise welt ist sinewel unde ist umbeslozen mit dem wendelmer. da inne suebet die erde alse der duter in dem eige in dem wisem (um 1190) lucidarius 8 Heidl.; glare witte van dem eie (14. jh.) bei Graff diutiska 2, 216; klopff das weisz von zehen eyern auch unter den wein M. Herr feldbau (1551) 187a; läutere ihn (den zucker) mit wasser und einem weissen vom ey wie gebräuchlich v. Hohberg georg. cur. 3 (1715) 149a; statt das weisze vom ei sagt jüngere sprache nur noch eiweisz; absolut dagegen weiterhin gebräuchlich: sie (die welt) ging aus einem ey hervor, sagte einer: der äther war das weisze, das chaos der dotter Wieland s. w. (1794) 19, 117; eidotter schwammen wie runde fettaugen, während das weisze unter der schlagenden gabel zu flockigem schnee sich ballte H. v. Kahlenberg Eva Sehring (1901) 50. D@1@cc) 'das ziel', eigentlich der weisze pflock in der schieszscheibe; von frühnhd. zeit bis ins beginnende 19. jh. belegt, während in gleicher bedeutung das schwarze (vgl. teil 9, 2319), das auch in älterer zeit häufiger ist, bis in die gegenwart reicht; noch als weiszgefärbte stelle des zielpflocks: ist gleich wie mit den armbrustschützen. leit nit am spannen oder bschicken, wenn sie nur recht und wol abdrücken, und das das weisz am zweg werd troffen B. Waldis Esopus 2, 28 Kurz; für den weiszen zielpflock selbst: die güte der endursache macht eine sonst bedenckliche sache zuläszlich, wie das weisze in einer schwarzen scheibe das ziel sichtbar Lohenstein Arminius (1689) 2, 596; als 'ziel': dort eilt ein schnelles blei in das entfernte weisze, das blitzt und luft und ziel im gleichen jetzt durchbohrt A. v. Haller ged. 25 Hirzel; liebesschützen, welche zwar starck geschossen, aber das weisz nicht getroffen Lindenborn Diogenes (1742) 1, 200; ... so triffst ins glückes weisz du, ohne drauf zu zielen E. M. Arndt w. 5, 309 R.-M.; ins weisze treffen die richtige stelle treffen, vgl. ins schwarze treffen teil 11, 1, 1, 1596: über diese gründliche anmerckung ward nun der Herrnhuthianismus sehr zornig, denn er war damit recht ins weise getroffen J. H. Schütze Herrnhuthianismus (1752) 1, 172. D@1@dd) weisz, jünger weiszes in der jägersprache für 'fett', besonders beim hirsch: in des ward ihm ein messer gereicht, schneid er den hirsch hinden übern zimmel und sagte: der hat vil weisz (verstehet ist feist und gut) und ist jagens werth gewesen Kirchhof wendunmut 2, 289 Österley; als er (Philipp v. Hessen) auff einer hirschfeist ein hirsch zerlegen liesz und weil derselbe sehr fett ware und ihr f. gn. sagte: das thier hat viel weisz Zinkgref apophth. (1628) 1, 167; also wird vom ... tammhirsche gesaget: er ist feist oder hat viel weisz C. v. Heppe aufr. lehrprinz (1751) 114; 'talg ..., bei sauen heiszts auch weiszes' H. Laube jagdbrevier (1841) 292; die seynos (art wildschweine) ... werden ... nie wirklich fett. ich habe einige in der besten zeit geschossen, und sie hatten kaum einen viertelzoll weiszes Gerstäcker achtzehn monate in Südamerika (1863) 1, 320. D@1@ee) das weisze am holz 'splint', vgl. alburnum das weisze am holtz nechst an der rinde nomencl. lat.-germ. (1634) 71; alburnum ... mollissima est arboris pars ... das bast zwischen dem holz und der rinden, das weisze am holtz zunechst an der rinden Corvinus fons lat. (1660) 33. D@22) als fem. die weisze; seit dem 19. jh. berlinisch und norddeutsch umgangssprachlich die (Berliner) weisze 'glas oder flasche weiszbier', vgl. Brendicke 192b: dasz der richtige Berliner überhaupt nur drei dinge brauche: eine weisze, einen gilka und porree Fontane ges. w. (1905) I 5, 123; fern von dem schönen Berlin, wo man abends sein gartenkonzert haben kann, seine weisze und alles, was drum und dran hängt Jul. Stinde fam. Buchholz 1 (1884) 79; e weisze mit m vogel ein glas weiszbier mit einem zusatz von himbeersaft Betcke Königsb. 65; weiteres s. unter weiszbier.
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Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    weiszadj.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    weisz , adj. , candidus, albus. herkunft und form. gemeingermanisches wort, got. ƕeits, an. hvítr, norw. kvit, schwed. v…

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Komposita & Ableitungen mit weisz

261 Bildungen · 254 Erstglied · 0 Zweitglied · 7 Ableitungen

weisz‑ als Erstglied (30 von 254)

weiszarmig

DWB

weiszarmig , adj. , zuerst als satirisch gemeinte bildung bei Schönaich : werden wir nicht bald eine weiszarmichte dame ... sagen? (1754) äs…

weiszatlassen

DWB

weiszatlassen , adj. : mit einer weiszatlassen deke Harsdörfer frauenz. gesprächsp. (1641) 3, 227 ; von ihrem weiszatlasznen reifrock J. Sch…

weiszbäcker

DWB

weiszbäcker , älter auch -beck(e), m., vgl. 'losbäcker, weiszbäcker , ... ( der ) von dem sogenannten fast- oder festbäcker ... sich darinn …

weiszbärtig

DWB

weiszbärtig , adj. , von alten männern: Falstaff, den alten weiszbärtigen satan Shakespeare (1797) 6, 87; ein wohlwollendes geschick in gest…

weiszbart

DWB

weiszbart , m. 1) mann mit weiszem bart: der alte weiszbart, von dem uns Danischmend letzthin so wunderreiche dinge vorleierte Wieland (1794…

weiszbauchig

DWB

weiszbauchig , -bäuchig , adj. , von tieren: einen blauen, weiszbäuchigen eisvogel G. Forster s. schr. (1843) 1, 306 ; eine weiszbauchige fo…

weiszbaum

DWB

weiszbaum , m. , pflanzenname. 1) für acer campestre: meszheldern, auch weiszlöbern und weiszbaum genennet H. W. Döbel neueröffn. jägerpract…

weiszbedeckt

DWB

weiszbedeckt , part. adj. 1) poetisch ' schneebedeckt ', vgl. weisz B 1 a: die goldbestralte sonne begunte wiederum die weiszbedekkten hügel…

weiszbekleidet

DWB

weiszbekleidet , part. adj. , vgl. weisz B 1 c: er und seine diener ( waren ) weysbekleidet Stumpf Schweizerchron. (1606) 502 b ; ( der ) si…

weiszbereift

DWB

weiszbereift , part. adj. : die weiszbereiften wipfel der bäume Brockes ird. vergn. (1744) 2, 458 ; weiszbereiftes haar als umschreibung für…

Weisz, Bernh

DWBQVZ

Weisz, Bernh. *1827 Königsberg †1918 Berlin.

weiszbeschneit

DWB

weiszbeschneit , part. adj. , poetisch vom alter: das abgelebte ... weiszbeschneite ... alter Treuer Dädalus (1675) 1, 74 .

weiszbier

DWB

weiszbier , n. , zu weisz B 2 a, vgl. weiszes bier teil 1, 1822; doch wurde auf grund der herstellungsweise einer besonderen sorte ( s. u. )…

weiszbierhefe

DWB

weiszbier·hefe

weiszbierhefe , f. , ' die hefen, die das weiszbier abstoszen, die vorzüglich die loszbäcker zum einsäuren des semmel- und kuchenteigs gebra…

weiszbinder

DWB

weiszbinder , m., 1 1) ' anstreicher ' zu weisz binden weisz anstreichen, s. weisz B 1 d ( sp. 1183), vgl. auch weisze oder bindleymen, dami…

weiszblättrig

DWB

weiszblättrig , adj. : blatern ..., die etlichs theils spitzig und weiszblätterig sind Paracelsus chir. bücher u. schr. (1618) 279 Huser; di…

weiszblank

DWB

weiszblank , adj. : weisblank, das ist eine glintzernde weisze farbe, wie das auspolierte klare silber Schottel (1663) 83 ; Bertholds gefolg…

weiszblau

DWB

weiszblau , 1) adj., auch substantiviert; ein sehr helles, weiszliches blau: saturegia haizet veltisp ... hat weizpla pluemel Konrad v. Mege…

weiszblech

DWB

weiszblech , n. , ' verzinntes eisenblech ', vgl. Karmarsch-Heeren (1844) 3, 611 , zu weisz B 2 a η bb, vgl. schwarzblech teil 9, 2323: so m…

weiszblei

DWB

weiszblei , n. 1) ' zinn ' : stannum est metallum molle album ... zien ( zinn ), weiszbley Reyher lex. (1615) 2375. 2 ) ' zinkblende ' : gal…

weiszbleich

DWB

weiszbleich , adj. , zu weisz B 2, tautolog. komposition, vgl. weiszmachen oder pleichen albare candidare vocab. theut. (1482) nn 6 a : ( ke…

weiszbleierz

DWB

weiszblei·erz

weiszbleierz , n. , ' cerussit ' zum unterschied von schwarzbleierz ( s. teil 9, 2323) und von rot-, grünbleierz u. s. w. ( s. u. ) bleyspat…

weiszblond

DWB

weiszblond , adj. , ' sehr hell blond ', vgl. weisz B 2 c: ein junger weiszblonder mensch Th. Mundt mod. lebenswirren (1834) 61 . —

weiszblühend

DWB

weiszblühend , part. adj., als botan. merkmal: die rothe eiche, die weiszblühende akazie allg. deutsche bibl. anh. 53—86 (1771) 627; weiszbl…

weiszblütig

DWB

weiszblütig , adj. 1) zu blut, als zoologisches merkmal, zum unterschied von rotblütig: die ziefer und würm sind weiszblütige tiere Campe 5,…

weiszblume

DWB

weiszblume , f. , name mehrerer pflanzen. 1) lilie ( lilium candidum ) : lilium album wysz bluomen ( md. voc. ) bei Diefenbach 642. 2 ) gros…

weiszbluten

DWB

weiszbluten , vb. , meist substantiviert; in der redensart bis zum weiszbluten, die wohl an das blaszwerden bei starkem blutverlust anknüpft…

weiszbraten

DWB

weiszbraten , m. , vielleicht zu weisz D 1 d gehörig: die weisspraten und lendpraten, die mogen sie das pfund eins hallers hoher dann das sc…

weiszbrauer

DWB

weiszbrauer , m. , zusammenrückung aus weiszbierbrauer, zum unterschied von rotbrauer: einnahme ... von den parteyensachen ... anno 1641—164…

weiszbrauerei

DWB

weiszbrauerei , f. , weiszbierbrauerei: ( die ) anlegung mehrerer weiszbrauereyen allg. deutsche bibl. (1765) 110, 583. —

Ableitungen von weisz (7 von 7)

beweiszen

DWB

beweiszen , dealbare: die wände beweiszen, weisz anstreichen.

entweiszen

DWB

entweiszen , sordidare, beflecken. Stieler 2488 .

erweisz

DWB

erweisz , f. pisum, erbeisz, erbse. ein geknöpflecht mus mit gersten und erweiszen. Keisersb. irr. schaf 26 b ; wilt du machen behemmische e…

erweiszen

DWB

erweiszen , albescere, gegensatz zu erschwarzen. mhd. erwîʒen: ouch was erwîʒet im daʒ hâr. Gerh. 3740 .

verweiszen

DWB

verweiszen , v. , dealbirn, weissen, verweissen, weiszmachen Roth dict. (1572) e iii b ; Heupold dict. (1620) 124 ; einen schwartzen fleck v…

verweiszung

DWB

verweiszung , f. : dealbation, v., weiszmachung Roth dict. (1572) e 3 b ; v., weiszmachung, alsz wenn die alchymisten die metall weiszen, al…

weisze

DWB

weisze , f. , adjektiv-abstraktbildung zu weisz, ahd. wîzî, mhd. wîze, mnd. mnl. witte, vgl. anord. hvíti. in der regel stark, selten schwac…

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APA
Cotta, M. (2026). „weisz". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/weisz/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „weisz". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/weisz/dwb. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „weisz". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/weisz/dwb.
BibTeX
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  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„weisz"},
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