strunk,
m. ,
truncus, caulis. herkunft und form. zuerst spätmhd. in md. glossen (
vgl. u. 3),
vorher im deutschen und in den andern germ. sprachen nicht bezeugt. doch entspricht genau norw. strokk '
kleiner holzkübel, butterfasz, tonne' (
aus strunka-,
s. Torp
nynorsk. etym. ordb. 729
a),
so wie ein hiermit gleichbedeutendes norw. dial. strump
neben deutsch strumpf steht (
s. oben sp. 111).
ein ebenfalls lautgleiches dän. adj. strunk '
steif, stramm, stolz'
gehört in weiterem zusammenhang zu dem deutschen subst., s. unten strunkeln.
auszerhalb des germ. entspricht laut für laut altlit. strungas '
gestutzt, mit gekapptem schwanz' (Szyrwid),
daneben im preusz. lit. ohne nasal striùgas '
kurz, von kleidern und thierschwänzen' (
also ebenfalls '
gestutzt',
s. Kurschat 1, 1, 722).
verwandt ist schlieszlich das in seiner grundbedeutung ganz nahe stehende strumpf (
s. d.)
: beide sind aus idg. wurzel ster
durch nasal und ausl. tenuis verschiedener qualität erweitert. weiter ab stehen strauch
und stumpf.
die etymologischen entsprechungen im norw. u. lit. (strokk
und strungas)
sind a-
stämme. dazu stimmt, dasz der plural im deutschen in älterer zeit meist ohne umlaut erscheint (Tappius 1539, Gilhusius 1597, Micrälius 1639,
viehbüchlein 1667,
doch strünke
haush. in vorw. nach 1570).
der heute in der schriftsprache und groszentheils in den maa. gültige umlaut wird also analogisch sein. die mundartliche verbreitung des wortes ist begrenzt: dem obd. fehlt es gänzlich, ebenso in Böhmen, Hessen (
doch s. Gilhusius 1597
u. 3)
und im hochpreuszischen. wo es strunk
nicht giebt, heiszt es dafür dorsche (
s. th. 2, 1304)
und umgekehrt; in Thüringen und im Vogtland begegnen sich die beiden worte. strunk
gilt durch ganz Niederdeutschland, im Rheinland, Luxemburg und Lothringen, dann ostmd. in Thüringen, Obersachsen und Schlesien. Luther
hat strunk
nicht, und überhaupt hindert der etwas niedere charakter des wortes seine schriftsprachliche verwendung und verbreitung. erst in den letzten 150
jahren ist es weiter gedrungen und erscheint nun auch bei obd. schriftstellern. auffälligerweise schwanken gerade sie, und nur sie, in der form des plurals (strunke
und strünke Göthe, strunke Stifter, Rosegger);
das wird nicht auf bewahrung der alten flexionsweise, sondern auf unsicherheit im gebrauch des mundartfremden wortes beruhen. ebenso erklärt sich ein absonderlicher acc. sing. strunken Rückert 3, 39
und einzelne schwache pluralformen bei Oberdeutschen. dagegen heiszt der plural allgemein strunken
im nordniedersächsischen, von Groningen und Ostfriesland bis Holstein. sonst auch in den maa., soweit ihre wörterbücher sprechen, starke flexion und umlaut im plural. statt strunk
im westen mundartgerecht stronk;
daraus läszt sich die schon altbezeugte nebenform strank (Diefenbach 585
c, 15.
jahrh.; Corvinus
fons latin. [1660] 95
a; Kisch
vgl. wb. 217;
Nösner wb. 149)
herleiten. bedeutung und gebrauch. 11)
die grundbedeutung '
gestutzt, verstümmelt',
für das vorgerm. gewährleistet durch lit. strungas,
lebt bei uns in resten bis in die neuzeit hinein fort. sicher in holstein. strunken '
strümpfe ohne füszlinge, stutzen': de hasen weren voriger tidt geknuttede strunken, ahne voetlinge, de na dem remlin (
riemchen) under dem vote upgetagen worden Neocorus 1, 160;
in derselben bedeutung bei Ziegler (
s. Richey 426)
u. bei Schütze 4, 213 (
aus lebendiger kenntnis?).
vgl. für dieselbe sache anderwärts etymologische verwandte: Tyroler strumpf Schmeller 2, 815 (
s. oben sp. 116 strumpf B); stumphosen Stalder 2, 414.
gelegentlich ferner in verwendungen, bei denen hinter der anscheinenden metapher noch die ursprüngliche bedeutung stehen könnte: dass der alte strunk alhei uff dem rossmart, ... von alters der huttig genant, dan der katzentorn die ersten fortilitia oder festungen gewesen Mechtel
Limb. chron. 10
Knetsch, vgl. strumpf A 2 a,
sp. 114: (
vom torso des Belvedere) doch jetzt spielen ihm neu auf dem strunke die fühlenden hände und aus den trümmern ergänzt glücklich sein ahnender geist Greif
ged. (5.
aufl.) 217;
vgl.strumpf A 1 a
sp. 112.
im ganzen läuft die bedeutungsentwicklung der von strumpf
weithin parallel; doch sind gewisse bei strumpf
voll ausgebildete bedeutungszweige hier höchstens in andeutungen aufzuweisen (
s. das vorige beispiel),
und recht entwickelt ist das wort nur in anwendung auf pflanzliche objecte. 22)
wie bei strumpf
die bedeutung truncus schon idg. ist (
oben sp. 111),
musz bei strunk
schon in germ. zeit die gleiche theilweise einengung der grundbedeutung stattgefunden haben: norw. strokk '
holzgefäsz'
läszt sich wohl nur so verstehen. bei strunk
ist die bedeutung '
baumstumpf',
wie dafür allgemeiner gesagt wird, heute noch durchaus lebendig. in älterer zeit und provinciell heiszt strunk
so ziemlich jeder theil des gefällten oder abgebrochenen baumes, wenn nur eine verstümmelung erkennbar ist. es heiszt also strunk 2@aa)
der lose (
abgehauene oder -gebrochene)
theil des baumes, und zwar in jeglicher gestalt; z. b. der grosze stamm, der im wege liegt: er sahe hin und her, biss er einen grossen strunck von eynem baum, der was fünfftzehen schu lang, erblicket ... er hub den strunck auff seines pferdts halss Aymont (1535) 102
b;
die bohnenstange: daz er einsamhl von einer bohnen clxxiii bohnen auff drey stöcken oder struncken gebawet Micrälius
altes Pommerland (1639) 6, 397;
das brennholz: der meister ... warf noch einen blick auf die glimmenden strünke unter dem kupferkessel Jegerlehner
deutsche rundschau 151 (1912) 9. 2@bb)
häufiger doch der stehen gebliebene theil des baumes, auch von beträchtlicher höhe: er hatte einen seiner krone und äste beraubten baumstamm für eine riesengestalt angesehen, aber Ottmar benahm ihm lachend seinen irrthum, indem er ihn vorwärts bis zu dem strunk hinschob A. Schreiber
poet. werke 2, 471;
gewöhnlich das dicke, kurze ende, das aus dem boden hervorragt: sitz' derweile auf einen strunk nieder maler Müller 3, 239; (
das nest des rotkehlchens) steht immer sehr nahe an ... der erde, in der weiten höhle eines ausgefaulten alten strunkes Naumann
naturgesch. d. vögel 2, 1, 410.
anders als in den fällen unter a
ist die vorstellung des abgestorbenseins hier immer mit dabei: verdorrt ein baum und wird ein strunk Göthe 17, 37
W.; inmitten der stämme höchster lebenskraft stehen ... strünke vom sturm gebrochener fichten Rossmässler
der wald 206; wenn der alte strunk seinen neuen spross ... frisch hat aufgrünen lassen Scheffel 3, 88
Bong. hierher auch die allitterierende verbindung stein und strunk,
die bisweilen anschaulich statt des verblaszten stock und stein
steht: ob auch der dorn noch mitleidsloser als mein sporn die edlen flanken ihm zerrisz und stein und strunk den huf zerstiesz
M. Hartmann
werke 2, 187; leblos, wie die steine und strunke ringsum, so lag er ausgestreckt auf dem boden Rosegger 2, 137. 33)
die weitaus häufigste verwendung ist von anfang an die für den kohlstrunk,
den dicken stengel der kohlpflanze: auf die lemmata tirsus und maguder entfällt die mehrzahl der spätmhd. glossenbelege (Diefenbach 343
c; 585
c;
nov. gloss. 243
b; 365
b; Diefenbach-Wülcker 868).
dieser gebrauch ist schwerlich von 2
übertragen, sondern direct aus der grundbedeutung erwachsen. strunck wird bei dem kohl-kraut ... der stengel genannt, der aus der wurtzel hervorgetrieben Zincke
allgem. öcon. lex. (1744) 2846; (
bei der zubereitung) streift man den kohl, dasz die strüncke herauskommen
allg. haush.-lex. (1749) 1, 3
a.
der strunk
ist werthlos: die strünke und blätter von blumenkohl, ... salat, knoblauch (
machen) einen grossen theil des neapolitanischen kehrichts aus Göthe 31, 257
W.; allerlei arten abwürflinge, schalen und strunke 7, 72
W.; er wird seit alters gern, auch sprichwörtlich, den eszbaren, besser schmeckenden theilen entgegen gesetzt: hat sie (
die kuh) krauthäupter gessen schon, die strunck hat sie doch lassen stohn Gilhusius
grammatica (1597) 93; wann se meynen, se sthain in dem kole, so sthain se noch aller erst kum in den strüncken Tappius
adag. (1545) 220
b,
ähnlich brem.-ndsächs. wb. 4, 1073;
daher in Oldenburg und Ostfriesland der strunk
in einem verbreiteten deutschen sprichwort statt der sonst üblichen laus: beter 'n strunk in de kohl, as ganz geen wurst Kern-Wilms
nr. 971;
s. Wander 4, 925; Düringsfeld 1, 102
a;
aus Ostfriesland auch der spottvers: de Mansfelder ett nu geen zuckerbankett (
zuckergebäck), he mag nu wol strunken sünner fett Kern-Wilms
nr. 60;
befremdend demgegenüber die als volksthümlich sich gebende ansicht: ebenso wie mit 'n blumenkohl ... der strunk is eigentlich das beste Fontane I 5, 129;
die charakteristische strenge des geschmacks ist sonst nicht beliebt: de apel smekt as een koolstrunk '
der apfel hat einen unlieblichen grasigen geschmack'
brem.-ndsächs. wb. 4, 1073. 44)
hier anschlieszend die allitterierende formel (mit) strunk und stiel,
im ganzen recht verblaszt und wohl erst secundär dem älter bezeugten (mit) stumpf, strumpf und stiel
nachgebildet: (
generale), welche in den sauren cadetenapfel herzhaft hineingebissen und ihn bis auf strunk und stiel aufgefressen haben Bürger
briefe 2, 174
Strodtmann; die hellen augen der meisterin, die jede ungehörigkeit von lehrling und gesellen gleich mit strunk und stiel abbeiszt C. Hauptmann
Einhart der lächler (1915) 1, 94;
mundartlich mit strunk und stiel ausrotten Müller-Fraureuth 580; met schtrunk un schtēl Damköhler
Nordharz. 181. 55)
die beschreibende naturkunde hat dann strunk
zur kennzeichnung von allerlei ähnlichen pflanzlichen gebilden verwandt. zuerst in reisebeschreibungen bei exotischen, dem leser unbekannten pflanzen: aber mit saurem wasser oder safte aus einem sonderlichen struncke kommt er (
der ganga oder teufelsbanner) wieder zu sich selbst. in diesen strunck, der so weich ist als ein rohr, und inwendig vol solchen sauren saftes ist, beissen sie, und besprützen ihn mit diesem safte aus ihrem munde Dapper
Africa (1670) 535
b; der mittelste grösseste strunck, daran die frucht (
der ananas) wächset, ist bei zween fusz hoch W. Schultz
ostindische reyse (1676) 237
a; mandihoka ist ein gewächse, aus dessen wurtzel die schwartzen brod backen ... der stamm oder strunck schiesst an manchen orthen wohl manneshoch auf Männling
exoticus curiosus (1717) 354; anstatt wie ehedem aus wenig mehr als der rinde und dem innern strunke zu bestehen, wuchsen sie (
die brotfrüchte) zu einem durchmesser von 10 bis 11 zollen hinan J. G. Forster
sämtl. schr. 4, 340;
so wird strunk (
stipes)
in der botanik allmählich fester terminus für '
den stamm des wedels bei den palmen, die hauptrippe des laubes bei den flechten, den stiel des huts bei den pilzen'
s. Illiger
thier- u. pflanzenreich (1800) 327;
insbesondere bei der beschreibung der pilze wird strunk
gebräuchlich: betrachten wir die theile eines vollkommenen oder hutpilzes einzeln, so kann man die wurzel unterscheiden, den stiel oder strunk und den hut Oken
allgem. naturgesch. 3, 45; es sei ein keulenartiger, dunkelcarmoisinrother strunk, an dessen oberfläche kleine blümchen stehen (
von einem blühenden heilschwamm, cynomorium) Ritter
erdkunde 14, 632.
neuerdings verschwindet strunk
als terminus aus den botanischen handbüchern. 66)
übertragen von den hauptsächlichen gebrauchsweisen her; die vorstellung des (
zu)
kurzen geht über in die des gedrungenen, derben, stämmigen. das hauptgebiet der übertragung ist Schlesien. vom menschlichen kehlkopf: ond einer sange grub, dar hatt' an bessern stronk as jenner ei dar kaal W. Scherffer
geist- u. weltl. ged. (1652) 582.
vom ganzen menschen: sollte ich übrigens heiraten, so nehme ich höchstens eine bauernmagd, was man so sagt: einen strunk! ... ein mensch, das eine gute tracht prügel aushält G. Hauptmann
Griselda (1909) 33;
zarter von einem kinde: es ist ein entzückender blonder strunk
Gabriel Schillings flucht (1912) 91;
vgl.strunk ein kurzer, dicker, derber mensch, wird oft von kleinen kindern gesagt: das ist ein rechter strunk Anton
Oberlaus. 4, 13.
daher Strunk
in Norddeutschland familienname wie Stumpf
u. ä. ole strunk
schimpfen sich die jungen in Holstein. entsinnlicht: daer kann en strunk vertrage '
der hält was aus'
redensart in Thüringen (Kleemann 22
c; Hertel
Thür. 239).