Torsch m.,
Torsche f. (?),
Torschen m.: 1.a. 'Kohlstrunk', überhaupt 'Stiel verschiedener Gemüsearten',
Toʳsche (tǫʳšə) [verbr. WPf Kühn Hamet 29 Schandein Sprachsch. 92],
Taʳsche (tḁʳšə) [KU-Kaulb],
(taʳšə) [KU-Rothsbg KL-Eulbis],
Tuʳsch [lothr. SWPf (Nachlaß Keiper)],
Doʳsche [KB-Kerzh LU-Friesh NW-Dürkh Gal-Obl],
Doʳsch [LA-Maik],
Torsch [Don-Tscherwk Torscha Gal-Dornf Bolech],
Tarsch [Don-Schowe],
Dasch(d) [Penns (ZfMf. 1958, S. 207)]; insbes. 'Strunkfortsatz, das Harte im Krautkopf, das vor dem Gebrauch herausgeschnitten wird',
Toʳsche [KU-Wolfst ZW-Mörsb RO-Gundw Messbhf KB-Eisbg]; 'Rippe im Rüben- und Salatblatt',
Toʳche (tōʳχə) [KU-Körbn]; 'Krautwurzel',
Toʳsche [Kühn Hamet 139]; 'abgeschnittenes Rübenblatt',
Taʳsche [KU-Gumbsw],
Toʳschde [KU-Dittw],
Tueʳscht (tuəʳšd) [HB-N'alth]. RA.:
Toʳsche knawwere 'von magerer Kost leben' [Wilde 139]. Volksgl.: Damit die Krauternte gut werde, springt die Hausfrau am Fastnachtsabend rücklings vom Herdstein herunter und spricht dabei folgenden Spruch:
Hääbder (Häupter,
d. h. Krautköpfe)
wie meiⁿ Kopp, Blädder wie meiⁿ Schorz, un Doʳsche wie meiⁿ Bääⁿ [SPf, Schandein Bav. IV/2, 379]. Zs. Kappes-, Kraut-, Rummeln-,
Salattorschen. — b. 'spärlich blühender Traubenstock, der nur vereinzelte Beeren hervorbringt',
Toʳsche [KL-U'sulzb]. — c. 'dikkes Stück', von Kartoffeln, Rüben, Birnen usw.
So Toʳsche will ich net [Kaislt]. — 2. übertr. a. persönl. α. 'steifer, tappiger Mensch, Tölpel',
Toʳsche [KU-Schmittw/O],
Taʳsche [NPf (Wilde 139)],
Doʳschem (!) [KU-Roth]. Auch Schimpfname:
Du bischt noch e Toʳsche! [NW-Frankeck].
Du bischt un bleibscht e T.! [KU-Schmittw/O].
Die Pälzer Mädcher stelle große Ansprich an die Zukinfdiche: Er därf kä Torsche, kä Olwel, kä Kalfakderer sei [Feierowend Nr. 52/1955]. Syn.
s. Tappes 1 a. — β.
e Storre un Toʳsche 'widerspenstiger Kerl' [Krieger 10]. — γ. 'überaus große weibliche Person',
Toʳsche [KL-Mehling]. — δ. 'alte Frau',
Toʳsche [KL-Siegb]. — ε. 'einfältiges Frauenzimmer',
Toʳsch [IB-Blieskst (PfId. 141)]. — b. sachl. α. 'lange, dicke
Nase, Nase überhaupt', scherzh.,
Toʳsche [verbr. NPf (in S.
bis KL-Ottbg)],
Taʳsche [KU-Bedb RO-Sitt Wilde 139],
Tasche [KU-Nußb].
Er hot e gehörige Torsche im Gesicht [Kühn Hamet 139].
E langi Nas, die haaßt mr Zinke, Torsche, Gummer, Kolwe, Giwwel [Kühn Palz 2]. Syn.
s. Nase. — β. 'Kopf', scherzh.,
Toʳsche [Pirmas (Otterstetter 235)]. Syn.
s. Kopf. — γ. scherzh. 'Klarinette', Musikantensprache,
Toʳsche [NWPf]. — δ. 'Messer, bei dem durch eine Vorrichtung das Zuklappen verhindert werden kann',
Toʳsche [RO-Münchw]. — Zu
mhd. torse;
lat.-
griech. Ursprungs,
vgl. Kluge-Mitzka
19 Dorsche. —
F.: Der Anlaut ist fast allg.
t-, selten
d-. Die Formen mit Vokalsenkung (a statt o) dürften in älterer Zeit in der Pfalz weithin, wenn nicht allg. verbreitet gewesen sein;
vgl. hierzu P. Schach in ZfMf. 1958, S. 207 ff.
tuʳš(d) in der SWPf läßt die Neigung dieser Landschaft für die Hebung des Vokals erkennen;
vgl. z. B. alsfort, torig. Die Dehnung in
tōʳχə (KU-Dittw) ist durch nachfolgendes r + Kons. bewirkt;
vgl. Garten,
wert. Das
-r- wird nur von den Auslandpfälzern deutlich gesprochen, in der WPf u. NPf ist es kaum, mancherorts überhaupt nicht zu hören; deutlicher erscheint es in der VPf (
vgl. Bertram 140, § 246). Zum Übergang von
š zu
χ vgl. F. bei Deichsel (
Sp. 186,
Z. 57ff.). — Das Wort lautet fast allg. auf
-ə aus; Abfall des
-ə ist sporadisch, und nur bei den Auslandpfälzern etwas häufiger belegt. Der Dental nach
-š- (tuəʳšd, dašd, toʳšdə) ist sekundär angetreten, wie
z. B. in
buʳšd, s. Bursche,
fEʳšd, s. Ferse u. Vers. Gen. fast ausschließlich
m.; die wenigen Notierungen mit
f. sind zweifelhaft. — Südhess. I 1592;
Rhein. VIII 1243/44; Saarbr. 210;
Lothr. 114;
Els. II 717; Bad. I 511.