töricht,
torig,
törig,
törisch,
torischt Adj.: 1. 'töricht, närrisch, verrückt, von Sinnen',
deericht (dēriχd) [verbr. NWPf],
doorich (dōriχ) [verbr. SWPf PfId. 34],
(dōriš) [HB-Peppk];
vgl. torichtig; verstärkt im Wortpaar
doll un deericht [verbr. NWPf Gal-Dornf];
vgl. toll I 1 a. Zs.
tanz-,
tüpfel-, stabel-,
zickeltöricht.
Er is deericht [KU-O'eisb, verbr.].
Er isch doorich im Kopp [IB-Rubh].
Er es e deerichdeʳ Gerret ('Gänserich' von Gerhard) [RO-Kalkof];
e deerichdeʳ Kerl [verbr.];
e doorichi Gluck [IB-Gersh];
e deericht Siwwel (
s. Sibylle) [KU-Kaulb];
e deericht Zeckel (Zicklein) [WD-Niedkch, KU-Kaulb];
du doorig Zicke 'du geckiges Mädchen' [IB-Nd'würzb (PfId. 34)].
Er macht mer dann schun gleich so Posse, so uf die döhrig Zickel-Art [Firmenich III 245].
An dem Buch kennt mer sich doll un deericht lese, von einem spannenden Buch [KU-Schmittw/O].
Er dut doorischt Zeich plaurere [RO-Schiersf].
Die Madam ... schlaat wie doll un dorig mit'm Knippel uf die Trumm [Kühn Schnitze I 197]. RA.:
Dem is 's Närrisch unner's Deerischt kumm, von einem, der sich töricht gebärdet [Hebel 22]. SprW.:
Stell dich deericht, labsche lang! 'Stelle dich dumm, dann lebst du lang' [RO-Rehborn]. — 2.a. 'ganz närrisch vor Liebe'.
Das (Mädchen)
es ganz deericht uf'n (auf den Burschen) [RO-Als, verbr. NW-Pf],
doorich [verbr. SWPf],
duurich [HB-Mimb],
deerich [HB-Erb],
deerisch [ZW-Lambsbn]. Auch hier (wie oben 1) die Verstärkung:
doll un deericht [KU-Kaulb]. — b. 'manns-, weibstoll'.
Das is e dooricht Weibsbild [KU-Breitb];
e doorich Märe [HB-Lu'thal ZW-Stamb];
e doorich Minsch [IB-Erfw/Ehling];
e duurich Weibsbild [HB-Mimb];
e Dooriches [IB-Nd'würzb].
Die is so deerich wie e Paar rore Hosse [ZW-O'hs].
Er is e dooricheʳ Kerl [IB-Blickw Zweibr];
en dooricheʳ Minsch [IB-Gersh];
e Doorischeʳ [HB-Lu'thal];
vgl. mannstoll, Schürzenjäger. Zs.
buben-, mannsleut-, manns-, weibsleuttöricht. — 3.
's doorich Knechelche 'die empfindliche Stelle am Ellbogen' [Ingb];
die doorich Oder (Ader), dass. [HB-Lu'thal]. Syn.
s. Judenknöchelchen. — 4. 'schwerhörig',
deerisch [Don-Werb Tscherwk Schowe Torscha Lenauh Lovrin Biled Tschakowa]. —
F.: Das Wort erscheint hauptsächlich in den Formen
dēriχd (
mhd. tœreht, Kluge-Mitzka
19) und
dōriχ (
mhd. *tōrec), jene in der NWPf (äußerste Punkte: RO-Feilbg RO-Kalkof KU-Dietschw, dazu in KL-Ottbg), diese in der SWPf (äußerste Punkte: HB-Lu'thal ZW-O'hs, dazu WD-Hoof), nach Heeger Nachlaß auch in der SOPf. Sonderformen:
dūriχ in HB-Mimb mit der in der SWPf vorhandenen Neigung zur Hebung o > u, wie in
alsfort,
Torsch. Bei
dēriχ in einigen Orten von ZW und
dōriχd in RO-Schiersf, liegt
dōriχ zugrunde und hat
dēriχd sekundär eingewirkt, wobei angenommen werden muß, daß
dōriχ in älterer Zeit auch in der NWPf Gebietsform gewesen ist. Der t-Anlaut, für KU-Konk u. ZW-Mauschb angegeben, beruht vielleicht auf falscher Schreibung, verträgt sich aber gut mit der in der westl. WPf vorhandenen Neigung zur aspirierten Aussprache des Dentalverschlußlautes vor Vokalen (
vgl. Tape,
Tappe,
Tasche,
Tau,
Taufe,
Deichsel,
teuer,
Tinte,
toben). — Zur Bed. 4
s. mhd. tōre, tōr 'Narr, Irrsinniger, Tauber',
vgl. Kluge-Mitzka
19. — Südhess. I 1588;
Rhein. I 1418 dorig; Bad. I 507 töricht.