[]strumpf,
m. ,
truncus, tibiale. herkunft. fehlt im got., an., angels. und ahd. (
bzw. alts.);
mhd. strumpf,
altfries. strump (
in strumphalt '
lahm'
neben nd. strumpeln
straucheln, stolpern),
mnd., nd. strump (
s.A 6);
aus dem nd. plural in die skandinavischen sprachen übernommen: schwed. strumpa,
norweg. strømpe,
dän. strumpe
strumpf. daneben aber norweg. mundartlich strump
schmaler kübel, kleine holzschüssel Torp
nynorsk etym. ordbok (1919) 730
a;
frühneuisländ. strompr
a chimney pot Vigfusson 599
a; strumpa
traekar med laag og hanker, smalere foroven end forneden Blöndal 813
a;
ferner norweg. stropp (<
*strumpa)
bestimmtes masz, masztonne, deren bedeutungen sich sämtlich aus einem (
ausgehöhlten)
baumstamm erklären lassen; vgl. hierzu Falk
u. Torp (1910
f.) 1186
f.; Walde-Pokorny (1927) 2, 632
f. auszergerm. finden sich im baltoslav. entsprechende formen: mit vocal der hochstufe lit. strapas
knüttel; ferner lett. strumpulis (
auch strampul(i)s)
kleines holzstück, strunk Mühlenbach-Endzelin
lett.-dtsch. wörterb. 3, 1094,
bzw. 1081.
wie im nd. neben strump
das verbum strumpel(e)n
steht, so auch lit. neben strapas strampalioti
torkeln, wankend gehen, s. auch strunkeln.
diese baltoslav. belege, bei denen es sich nicht um entlehnungen handeln kann, beweisen trotz der fehlenden entsprechenden formen im got. und ahd. das alter des wortes strumpf,
das in der bedeutung von truncus bereits dem vorgerm. angehören musz. es kann an die durch labial (
idg. -b-,
germ. -p-)
erweiterte wurzel ster (+ b)
angeknüpft werden, welche '
starr, fest, trocken sein'
bedeutet und neben der eine ähnliche erweiterung durch guttural (
idg. -g-,
germ. -k-,
sippe nhd. strunk)
oder dental (
idg. -d-,
germ. -t-,
sippe nhd. sterz)
in der gleichen grundbedeutung steht. diese erweiterte wurzel konnte ferner nasaliert werden und zeigt in strumpf
den vocal der tiefstufe. das starre, feste ist also hier ursprünglich vom (
baum-)
stamm ausgesagt worden (
vgl. auch stumpf
und strunk,
dazu H. Schröder
idgerm. forsch. 18, 516
ff.)
mundartlich: nd. strump,
pl. strümp(e), strumpe; stromp Leithäuser
Barmen 153; strömp Fischer
Samland 88;
md. stromp,
pl. strömp Gangler
luxemburg. 440; sdromp,
f., pl. sdrömp Christa
Trier 202
b (
s. auch Hertel
Thür. 238); strump,
pl. strimp(e) Schön
Saarbrücken 205; Hentrich
Eichsfeld 36; Jecht
Mansfeld. 109
b; schtrump,
pl. schtrimpe Brendicke
Berlin. 179; strumpf,
pl. strümpe Albrecht
Leipzig. 219
b;
pl. strumpf(e) Luther (
s. strumpf A 1); strumf, strimfe Müller-Fraureuth 2, 579
b;
obd. strumpf,
pl. strümpfe;
pl. strimpf(e) Ch. Schmidt
Straszburg. 106; Schmeller 2, 761 (
neben strümpfe); schdrumf,
pl. schdrümf Castelli
Österr. 239.
bedeutung und gebrauch. das wort strumpf
ist erst seit der zweiten hälfte des 13.
jahrh. nachweisbar, erscheint dann aber sehr schnell im gesamten deutschen sprachgebiet, zuerst allerdings nur in den bedeutungsvarianten von truncus als rumpf oder (
glied- bzw. baum-)
stumpf, während die bedeutung tibiale sich erst im 16.
jahrh. entwickelt. die zuerst auftretende bedeutung truncus, die mit dem baltoslav. (
s. o.)
übereinstimmt, kann ebenfalls darauf hinweisen, dasz strumpf
älter ist als es die litterarischen belege erkennen lassen. warum die litteratursprache des 12.
und 13.
jahrh. das wort gemieden hat, ist allerdings nicht ersichtlich (
war es vulgär?).
es kann als synonymon zu stumpf
gelten, für das sich neben anderen auch die gleichen bedeutungsdifferenzierungen wie für strumpf
nachweisen lassen (
s. d.);
doch ist stumpf
als adj. und subst. bereits im ahd. bezeugt. seit dem 14.
jahrh. scheinen beide wörter gleichberechtigt nebeneinander gestanden zu haben (
vgl. z. b. unten A 1 c
die verschiedenen lesarten im Wolfdietrich D);
erst im 16.
jahrh. dominiert strumpf,
das sich jetzt auch lexikalisch durchzusetzen beginnt. wird nämlich truncus in den glossaren des 15.
jahrh. noch allgemein durch ein bloch (ploch)
wiedergegeben und schreibt Dasypodius (1535
und später)
unter diesem stichwort: der stamm des baumes, welchem die Aest abgehawen seind, das stammbloch, et in homine,
[] der teil von hals biss auf die schenkel,
so steht erstmalig bei Bas. Faber (1587): der rumpff, ein bloch, ein klotz, der strumpff.
seitdem ist das wort litterarisch anerkannt und lebt in dieser bedeutung bis zum 18.
jahrh. erst dann tritt allmählich eine trennung der beiden synonyma ein: strumpf
bezeichnet in der hauptsache nur noch das bekleidungsstück, stumpf
verliert diese besondere bedeutung schon im 17.
jahrh. und bleibt auf den (
baum)
stumpf beschränkt. AA.
truncus:
rumpf, stumpf. die thatsache, dasz diese bedeutungsvarianten fast gleichzeitig auftauchen —
der älteste beleg für '
rumpf'
bei Nicolaus von Jeroschin,
für '(
baum-)
stumpf'
bei Fritsche Closener —,
weist darauf hin, dasz man unter dem worte strumpf
etwas unvollständiges, verstümmeltes zu verstehen hat, dem bestimmte charakteristische theile fehlen. so bezeichnet strumpf
den menschlichen körper gewöhnlich ohne kopf oder extremitäten bzw. steht in bewusztem gegensatz zu beidem; ebenso den baumstamm oder -stumpf in mehr oder minder betontem, mitunter auch nur stillschweigend empfundenen gegensatz zu ästen und zweigen. weitere differenzierungen s. u. A@11)
vom menschlichen, seltener thierischen körper im sinne von '
rumpf'. A@1@aa)
mit vorliebe menschlicher und thierischer leib ohne kopf, der meist gewaltsam abgeschlagen ist: das houbit liz er ligen da unde lif den andirn na vaste mit dem strumpfe Nicol. von Jeroschin 11765
ff. Strehlke; wenn er der schlangen einen kopff abgehawen, so sind drey kOepffe aus dem selbigen strumpff gewachsen Menius
nothwehr (1547) J iii
b; sie hawen ihm den kopff ab, ... den strumpff aber lassen sie zurück Butschky
gedenkmahl (1633) 74; nachdem derselbe (
apostel Paulus) zu Rom enthauptet worden, seye ... milch aus dem strumpff herausgesprungen Dannhauer
katechismus milch (1657) 8, 23; etliche ... gekOepfte strmpfe wussten ihre hAeupter nicht zu erkiesen Lohenstein
Arminius 1, 625
a; ... als die ... bundeslade dem Dagon ... das haupt und die hAende ... von dem strumpf hinwegschlug Bodmer
Miltons verlohr. parad. (1732) 20 (
beruhend auf 1. Sam. 5, 4: ... das der strumpff alleyn drauff lag),
in der ausgabe von 1742 (
s. 29)
dagegen durch rumpf
ersetzt. bildlich gebraucht: das hewbt habt yhr verloren. wye feyn hupfft yhr mit strumpffen umbher! Luther 8, 293
W. ähnlich: massen der vernünfftige leser leichte erkennen wird, wie sein leib bestehen und aussehen würde, wenn er sich von seinem natürlichen haubte abriesse und auf den strump einen finger oder die ferse oder fuszsolen an statt des haubtes setzte Joh. Scheffler
ecclesiologia (1677) 2, 466.
auch ohne den ausdrücklichen hinweis auf den fehlenden kopf von irgendwie verstümmelten oder geschändeten körpern: der mann schniet die scham von dem todten strumpf des ehebrechers ab Abr. Roger
offne thür (1663) 113
anm.; nach etlichen tagen ... wurde der geschAendete strumpff ... vom galgen abgenommen und begraben Herberger
stoppelpostilla (1715) 1, 150
a—b.
im bilde: (
Rom hat sich durch kriege und plünderungen aus einem lebendigen leib
in einen todten leich
verwandelt) umb das 1229. jahr der stad Rom sein die ubrigen strmpff der elenden stadt Rom in solch verderben und verachtung kommen Poyssel
tractetlein (1597) P I
a; aber der leidige krieg ... hat dieselben (
bauwerke) so ... zerrissen und zerbissen, dasz ... der gestümlete übrige strumpf nur etlicher massen weisen kan, mit was glantz und schmuck sie weylant gepranget und gepralet J. Neuhof
gesandtschaft (1669) 84
b. A@1@bb)
der rumpf wird anderen theilen des körpers gegenübergestellt. kopf und strumpf: und sOellend die stuck (
des brandopfers), namlich den kopff und den strumpff auf das holtz legen
Züricher bibel (1531) 48
c; (
die bibel) ist das hAeupt ... unter allen facultAeten und knsten. wenn sie, die theologia, liegt, so schmisse ich auf den strumpf Luther
tischreden 3, 436
W.; redensartlich: [] nihil servabunt nec kopff und strumpff behalten
ders. 34, 1, 19
W.; ... das ich beide, kopff und strumpff, ... dran setze 34, 2, 391;
vgl. auch 51, 152.
hals und strumpf: so wuchs der kopff da an den rumpff, und der halsz verlor sich im strumpff Rollenhagen
froschmeuseler 2, 134
Gödeke; bildlich: ... ich glaube ... das Christus fur mich ist gestorben und liesse drob leib und leben, hals und strumpf ... Luther 32, 100
W.; ... ich setze den hals dran, bauch und strumpff 32, 173,
vgl. auch 177; eben dasselbige ists, das er (
David) die grundfest ... bloss macht, das ist, abthet bis an den hals, das der strumpf und der leib bleib gleich wol und ward David underthenig 19, 432.
schwanz und strumpf: ich wags nun dran, frag nicht, wo strumpf oder schwantz bleibe
ders. tischreden 2, 90
W.; diese (
heiliggesprochenen) wrden gern zu ihrer verthAedigung kopff, strumpff und zagel daran wagen Fischart
bienenkorb (1588) 65
b. A@1@cc)
beschädigtes oder verstümmeltes glied des menschlichen körpers: ab sluoc im beide hendeder degen lobesam. der ungetoufte valandviel nider uf den kle im taten beide strümpfeuzer mazen we
Wolfdietrich D V, 66
f. deutsches heldenb. 4, 51;
in anderen hdschr. stümpfe; nuo hatte ein ander sinre knechte den abgeschlagen fuos und truog in in die kirche und leite in zuo dem strumpfe (
des beines)
elsäss. predigt. a. d. 14.
jahrh. (
Alemannia [1873] 1, 81); item so aim ain hant ab gehawet wirt, so ... werde die haut gehefftet kreutzweiss uber den strumpff Braunschweig
chirurgia (1539) 63
b,
vgl. auch 64
a; da er ... den umbstehenden ... den strumpff seiner abgehawen hand gezeiget Dresser
sächs. chronicon (1596) 181; derselben (
einer frau) hatten die schweine in der wiegen ... die finger an beiden händen abgefressen: als sie nun gross worden behalf sie sich mit den strümpffen der hände Richter
spect. histor. (1661) 278;
von einer verletzten ader: ist aber ein ader do ... so nim ein nodel und strick die ader zuo, und nim ... ein cauterium ... und brenn den strumpff (
der ader) Gerssdorf
wundtartzney (1526) 35. A@22)
baumstumpf. A@2@aa)
seit alters ebenso für den mehr oder weniger seiner zweige beraubten, zerstörten stamm (
noch stehend oder umgeworfen)
wie für den nur wenig über die erde ragenden stumpf des niedergelegten baumes; nicht immer klar zu scheiden: keiser Ludwig reit ... in eime walde und viel abe dem pferde in ein strumpf, daz er starb Fritsche Closener (
dtsche städtechron. 8, 70;
s. auch ibd. 473
lesart.); ... unde fyl in einen strump das er starp Gerstenberg
chronik. 250
Diemar; Schilters
erklärung: strumpf '
paralysis, apoplexia' (
thes. 768
b)
zu dieser stelle geht zurück auf die lat. fassung der Königshov. chronik und ist unhaltbar, vgl. die lesart bei Joach. v. Watt ... als er ... ab dem pferd auf ainen stumpen fiel, dasz er sterben muost
dtsche histor. schr. 1, 446
Götz.; deutlicher in der erstgenannten bedeutung: und stacken auf etlichen baumstrümpffen noch menschen kOepffe Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 30
b; in der auwen am wasser ... hat es vil grosse erlen und linden ... umbgeworffen, etliche mitten entzwey gebrochen, dass die strmpff noch stehen Musculus im
theatr. diabol. (1587) 1, 106
b; ein propff, das jung und zart vom strumpffe wird gehawen, leszt sich in kurtzer zeit der mutter gleiche schawen Opitz (1646) 1, 238;
in der zweitgenannten bedeutung: item welcher ... ein buchen abhawet, der bessert von einem strumpf X sch[illing] rappen und von tennin holz von einem strumpf ein pfund rappen
weisth. 1, 354; wie wenn der schnelle blitz in hohe tannen fährt und äste stamm und strump in lichte glut verkehrt Gryphius
trauersp. 113
Palm; von bäumen sahe man die blossen strmpffe stehn Eccard
nebenstunden (1721) 26;
[] wohl von dieser bedeutung aus übertragen: Themnitzer thurm vulgo der strumpf Himmelreich
Elbing. chron. 25
Töppen, vgl. strunk 1;
in den wörterbüchern noch im 18.
jh.: stubbe, strumpf oder stock eines alten baumes oder abgebrochenen pfahls, der noch in der erde steht Richey
hamburg. (1755) 297;
vgl. auch Dähnert 469.
auch von pflanzen: ich nahm ungefahr die hälfte von den aufgeschossenen stauden, und beschnitt sie nochmals dicht an der erde, so dass die überbliebenen strümpfe nur eines daumens breit hoch blieben Gottsched
anmuth. gelehrs. (1751ff.) 9, 507;
gelegentlich auch specieller, '
aststummel': da hette das kriuce strümpfe, ... die stachen ime (
Christus) in sinen zarten rücken
mystikerpredigt (14.
jahrh.),
Germ. 3, 230;
auch der schaft einer pike kann als strumpf
bezeichnet werden H. v. Fleming
teutsch. soldat (1726) 221 (223
u. ö. stumpf
in der gleichen bedeutung);
nicht selten in bildern und vergleichen: je mehr man die christenheit verfolget, je mehr wachsen junge christen aus dem strumpfe Herberger
hertz-postilla (1613) 1, 509; es muss ein glend stahl ... den abgehaunen strumpff der tyranney versängen Lohenstein
Epicharis (1685) 14; ich und mein Caschper ... treschen dir ... den balch (
eine vermeintliche hexe) so ab, dass sie umgefalln ist wie ein alter strumpff Schwabe
tintenfäszl (1745) B 7
b;
als redensart: hatten wir es (
das land) vor neun jahren nicht bis auf den strumpf verbrannt? Schönaich
Heinrich der vogler (1757) 6. A@2@bb)
aus bildlichem gebrauch heraus haben sich besonders zwei formeln selbstständig entwickelt: strumpf und ast: durch heupt und ast verstehe fursten und adel, durch schwantz und strumpff pbel und geringe leutte Draconites
von dem segen (1552) A 3
b; und dermassen hausen, das beides kopff und schwantz, beides ast und strumpff abgehauen werden Butschky
Pathmos (1677) 221;
formelhaft: der herr ... hat jhre wAell und festen ... geschleifft mit strumpf und Aesten Opitz (1646) 3, 32
f. strumpfundstiel, wesentlich entwickelter als das vorige. die formel konnte frühzeitig ihren bildcharakter einbüszen und einfach die bedeutung '
das letzte des ganzen'
annehmen: und vollend hinan setzen und wagen strumpff und stiel Luther 30, 2, 177
W. (
vermengung mit einem anderen bilde, vgl. kopf und strumpf A 1 b); so fellt dahin kern, strumpff und stil bleibt nur die hils (
hülse) und affenspiel Stör
geistl. schimpf und ernst (1602) 84; er kümpt umb all sein gut und gelt, dass er kein strumpff noch stiel behelt Eyering
proverbiorum copia (1601
ff.) 2, 307; ... ihr haus soll wste werden, es kostet strumpff und stiel, land und leut ... Artomedes
auslegung (1620) 1, 88;
vielleicht schon im sinne von B
umgedeutet: harte schuldner haben mir strumpf und stiel genommen
student.-sprache u. -lied in Halle 100.
dasz die entstehung der formel an die pflanzenwelt anknüpft, wird am deutlichsten in dem präpositionalen ausdruck mit strumpf und stiel,
der sich bis ins 18.
jahrh., zuletzt rein formelhaft, nachweisen läszt. dann wird er durch die seit dem 16.
jahrh. daneben stehende wendung mit stumpf und stiel,
seltener strunk und stiel
verdrängt: also kan ... der aufgewachsene schilff, wenn es (
schilf) ... mit strumpff und stiel ... abgeschnitten wird, nicht wieder wachsen Schmidt
rockenphilosophia (1706) 1, 266; reiss ihn (
den lindenbaum) mit strumpf und stiel aus seinem sitz Brokes
bei Weichmann poes. d. Nieders. 1, 286; und die ... dornsträuche und gebüsche, wie auch hecken, kletten und unkraut mit strumpf und stiel ausrotten
haushaltlex. 1 (1749) e 4
b; nun frisz uns (
die kohlköpfe) nicht mit strumpf und stiel Ramler
fabellese (1783) 1, 157.
ähnlich: ... und riss den weisheitszahn mit strumpf und stiel heraus Günther
gedichte (1735) 497.
[] bei übertragenem gebrauch bleiben die verben zunächst im bilde: ja reisst mit strumpff und stiel den beltAeter aus Lohenstein
Ibrahim (1685) 74; Karl (
der grosze) ... wollte sie (
die ketzer) mit strumpf und stiel ausrotten Arnold
kirchen- und ketzerhistor. (1699) 316
a,
s. auch 97
b; ... musz der feind mit strumpf und stiel ausgerottet sein Nicolai
i. d. allgem. dtsch. bibl. 1, 24.
anscheinend von diesem sehr häufig gebrauchten verbum aus sind dann auch die verschiedenen anderen verben des vertilgens, zerstörens in die formel eingedrungen, wobei das bild mehr und mehr verblaszt: die schutzherrn ..., die fremde dienstbarkeit, mordstifter, erzverräther bey uns mit strumpff und stiel zu tilgen sich bemhn Lohenstein
Arminius (1689) 1, 65
b; und ... das haus ... mit strumpf und stiel ... verstöret Triller
poet. betracht. (1750
ff.) 1, 310; er will die jungfernschaft mit strumpf und stiel zerstOehren Henrici
gedichte 4, 451; und endlich wird das gutmit strumpf und stiel verzehret Schönaich (
bei Gottsched
anmuth. gelehrs. 2, 382);
schlieszlich gar: ... dasz du deinen ... kameraden ... so gantz mit strumpf und stiel vergessen hast Kretschmann 4, 2, 36;
nur in scherzhafter rede auch positiv: ich bin ... mit haut und haar, mit strumpf und stiel ... enker ... diener Schwabe
tintenfäszl (1745) B 2
a. A@33)
andere anwendungsgebiete: von haar und bart: als da einer ein bart schirt, dem mag der scherer die strimpff nicht herusz scheren; die strmpfli ... wachsen wider Geiler v. Keisersberg
evangelia (1517) 87
a;
mit übertragung des concreten bildes: also ... mOegen die strmpf (
der) neigungen ... nit gar vertriben werden, als wenig als der bart mit den strmpffen uszgertet mag werden
ebda; und so die haar oder strmpff (
der haare) nit auszfallen, wOeldest du dieselbigen allgemach auszrupffen J. Behm
artzneibuch (1625) 352,
s. auch 353;
vgl. dazu strümpflein.
von kerze, fackel u. ä.: in einem gasthofe ... ist ein brennend strumpf lichts zu einem fenster hinein ... geflohen komen Fincelius
wunderzeichen (1566) 2 D 5; etlich tragen jre strmpf kertzen mit jnen heim Franck
weltbuch (1567) 152
b,
s. auch Margaritha
der ... jüdisch glaub (1531) 4
b; ein strumpf licht Stieler (1691) 1153; 2226; die trübe fackel in der hand die bis zum ... strumpf verbrannt Gottsched
anmuth. gelehrs. (1751) 3, 16.
diese bedeutung scheint einmal ein bild bei Luther
zu färben: darumb ... sihe nicht an, wie ein klein stck, kurtzer strumpf und elender brand du seyest 23, 548
W. (
hierhin auch strampff
ibd. 13, 458?
vgl.brand 1,
th. 2, 294);
von dem übrig gebliebenen theil einer zerbrochenen waffe: ... und mit dem strumpff (
des messers) vollend den hals abgeschnitten Svevus
spiegel d. menschl. lebens (1588) 66
a; ... gieng jr der strumpff (
des spieszes) weyss nicht wohin, dass sie gleich sterben musst
buch d. liebe (1587) 207
a,
vgl.strumpffdegen
und strümpflein;
als bild schon bei Luther: denn er ... bricht die schrift entzwey und verstmplt sie wie ein schwerd zu brocken wird ... so keret man solche strümpffe und stück umb 26, 136
W. ähnlich: der vierte pfeil ist wie ein strumpf, ist spizzenlos und vorn ganz stumpf Schottel
friedenssieg 33
neudr. A@44)
eine ganz allgemeine, aber doch ursprünglich noch concrete vorstellung liegt zu grunde bei der wendung: auf den strumpf kommen oder helfen
im sinne von: in eine miszliche lage gerathen, im nachtheil sein: wie Warwyk dieses hOert und sihet, dass es mit ihm auf den strumpff gekommen, weicht er ... nach Frankreich Er. Francisci
traur-saal (1669) 1, 94; aber dass ihnen (
den reichen) ein jedweder ... gleich darinn will nachaffen, ist eine thorheit, die manchem auff den strumpff hilfft (
d. h. sie verarmen völlig)
ders. das alleredelste pferd (1670) 268.
in [] einer anderen wendung aber in ähnlichem sinne im nd. bereits im 15.
jahrh.: myn leve kumpan, wo gheyt yt dir so tho strumpe (
hdschr. wie geht es dir so schlecht strvnpe)
jb. d. ver. f. meckl. gesch. u. altertumsk. (1857) 22, 270;
vgl. hierzu auch strümpflich
und Schiller-Lübben 4, 443
a,
dazu u. B 6
a. A@55)
übertragen: einfältiger, dummer mensch, tölpel: strumpf '
bei den hutmachern, ein scheltwort der gesellen unter einander' Krünitz 176, 145; Jacobsson
technol. wb. (1793ff.) 7, 480,
vgl.stumpen '
unbearbeiteter hut'.
sonst meist vom baumstumpf übertragen (
vgl. R. Much
wörter u. sachen 1, 39
ff.): es sOellen die ritter nicht sagen, dass ich ein strumpf bin und schlechte grobe sitten hab Handel-Mazzetti
Jesse u. Maria 1, 63,
wohl alterthümelnd; doch ist die bezeichnung in obd. maa. noch heute geläufig; vgl. u. a. Zaupser
bair. u. oberpf. 75; Schmeller 815; Hügel
Wien. 160; Unger-Khull 585
b;
ebenfalls hierher wird wohl der in einem bestimmten theile Mitteldeutschlands geläufige ausdruck des miszfallens gehören: i du honnert bs strömpf Regel
Ruhlaer ma. 134; Hertel
Thüring. (1895) 238;
s. auch strümpflein.
von hieraus ist vielleicht auch die wendung zu erklären einen strumpf reden
unsinn sprechen, die in Österreich ebenfalls noch heute zu finden ist Jakob
Wien. 187
a: die geistlichen zeigen, dasz sie gehorsame diener der regierung sind und einen strumpf zusammenreden Auerbach
schr. 16, 128. A@66)
nur nd.: eine bestimmte weiszbrotart, die wohl ihrer form den namen verdankt. zuerst in Lübeck nachweisbar: van jeder art brodes, eth syn weggen, schoenroggen, strumpe, offte spysebroeth (1547)
Lüb. zunftrollen (1864) 168
Wehrmann; im 18.
jahrh.: eine art weiszbrodt, so mit sauerteig gebacken ist ... lübische strümpfe Ludwig
teutsch-engl. lex. (1716) 1903;
allmählich hat diese bezeichnung sich weiter nach westen verbreitet und ist besonders in Hamburg heimisch geworden: strump eine art weiszen brodtes mit etwas kümmel überstreuet, welches in Lübeck vorzüglich gebacken wird. daher der scherz eines Obersachsen, welcher sich wunderte, dasz man bey uns strümpffe ässe und hasen (
hosen) über die beine zöge, welches in seinem lande umgekehrt wäre Richey 296;
s. auch strumpfsohle
und Schiller-Lübben 4, 443
a. BB.
tibiale (
s. auch stumpf
und hose).
in der älteren sprache bedeutete ursprünglich hose
das bekleidungsstück des unterschenkels, gewöhnlich von zeug oder leder: tibiale ... hosen Diefenbach 582
c;
ebenso noch heute in einem groszen theil des nd. sprachgebietes (
vgl. hierzu hose 2—3
in th. 4, 2, 1837
f. und Schiller-Lübben (strump 4, 443
a);
auch bei Dasypodius
findet sich noch: tibia das schienbeyn ...,
unde tibiale ein hosz (1536) Gg 3.
erst seit Frisius (1556)
und Maaler (1561)
taucht strumpf
in dieser bedeutung in den wörterbüchern auf, zugleich auch hosenstrumpf (
th. 4, 2, 1843).
das hat zu der vermuthung geführt, dasz strumpf
eigentlich '
das ende der hose, kurzhose'
bedeutet (Kluge
etym. wb.7 449).
in Deutschland war nämlich in der ersten hälfte des 16.
jahrh. eine neue mode geschaffen worden, welche das allmählich aus bruch
und hose
zusammengefügte kleidungsstück des ganzen unterkörpers wieder in zwei theile zerschnitt. der obere reichte nur noch bis zum knie und behielt den namen hose,
während der andere zur bekleidung des unterschenkels diente und jetzt strumpf (
bzw. stumpf,
s. d.)
genannt wurde. vgl. Falke
dtsche tracht.- u. modenwelt (1858) 2, 44
ff., 139
ff.; Müller-Mothes
archäol. wb. (1878) 2, 891
b.
demgegenüber ist aber zu beachten, dasz stumpf,
m., tibiale schon im 14.
u. 15.
jahrh. bezeugt ist (
s. d.).
gehen diese bezeichnungen auf die verstümmlung der älteren hose zurück, so bliebe allerdings bemerkenswerth, dasz der abgeschnittene theil diesen namen erhielt und nicht —
wie eigentlich zu erwarten —
das übrig gebliebene stück; doch s. o. A 2 a.
im übrigen haben sich name wie bekleidungsstück im hd. sprachgebiet sehr schnell eingebürgert und die übrigen bedeutungsvarianten seit dem 18.
jahrh. derartig in den hintergrund gedrängt, dasz ungefähr mit dem beginn der romantik das wort strumpf
in der schriftsprache fast ausnahmslos dem lat. tibiale entspricht. [] die folgende darstellung musz gelegentlich ins rein culturkundliche greifen, um das bild der sprachlichen anwendungsformen zu verdeutlichen. B@11)
die strümpfe
wurden ursprünglich aus dem verschiedensten material hergestellt: ... das linnen zu meinen strümpfen ... R. Blum (1654)
in arch. f. kulturgesch. (1909) 7, 189; ... desgleichen waren die strümpfe auch von bockfellen ... v. Schweinichen
denkw. 27
Ö. doch scheint der wollene
oder seidene strumpf
sich im 17.
jahrh. bereits eingebürgert zu haben: kaiser Karl der grosse hatte ... leinen strümpf ...
notiert Harsdörfer
frauenz. gesprächsp. (1644ff.) 1, 101
als einen zug alterthümlicher (
oder anspruchsloser?)
kleidung; vgl. auch ihre (
der Perser) strümpffe sind von tuch unförmlich geschnitten, ... ihrer viel tragen sie von grünem tuch Olearius
persian. reisebeschr. (1696) 309.
anders in Europa: zu Neapoli wie auch zu London werden gute seidene strmpff gemacht Abr. a
s. Clara
etwas für alle (1699ff.) 2, 98. B@1@aa)
im übrigen werden die strümpfe
sehr schnell (
ähnlich wie hemd und hose)
als nothwendiges kleidungsstück empfunden, das auch zur ausstattung der ärmeren bevölkerungsschichten gehört: darnach greiffen sie (
die wanderburschen) die büntel an, jatzund ein hembd, darnach ein par strümpff Wickram 2, 122
Bolte; auch beim soldaten: gestalt er (
der reichskanzler) vor die armee etwas an schuhen strümpffen und bekleidung verschaffet ... v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 889;
vgl. noch es reicht kaum zu, die röcke und die strümpfe (
d. h. das allernothwendigste) zu bezahlen Nicolai
Seb. Nothank.2 1, 22. B@1@bb)
qualität und farbe der strümpfe
werden anlasz zu irgendwie charakterisierendem, bisweilen formelhaftem gebrauch: seidene strümpfe als zeichen der vornehmheit, nicht selten mit ironischen nebentönen: als etliche englische herren ... über die massen köstliche seidene, mit perlen, gold und edelstein gestickte strimpff anhatten, sagte er (
der graf) zu einem in ein ohr: es were immer schad, dasz diese leute mit solchen schönen strimpffen nicht auf dem kopf gehen könnten Zinkgref-Weidner
apophthegmata (1653) 1, 131; Fridericus ... der ältere ... hat gar offt ... schlechte baurnkleider angezogen, ... die seidene strimpff mit baurn-stiffel verwechselt und also unbekandt ... Abr. a
s. Clara
Judas 1 (1691), 95; lasst dem Vergil seinen bauerrock ..., aber ... zieht ihm keine seidenen strümpfe an, sonst thut ihr dem armen teuffel unrecht Lenz (
bei E. Schmidt Berl. sitz.- ber. [1901] 41, 999); schwarze röcke, seidne strümpfe, weisze höfliche manschetten Heine 1, 151
Elster; wie kan die mädchen nicht ein seidner strumpf entzücken! Zachariä
in anmuth. gelehrs. 1, 612
Gottsched; aristokratische hunde, sie knurren auf bettler, ein ächter demokratischer spitz klafft nach dem seidenen strumpf Schiller 11, 125
G. vgl. Göthe 5, 1, 235
W.; stechfliegen stechen leichter durch einen seidenen als einen wollenen strumpf Jean Paul
s. w. (1826) 5, 60
R.; übertragen: so wenig als das verdienst dem neide ... entfliehen kann — so wenig eine sinnlich gemachte beobachtung des menschen ... dem gelächter markloser — seidener strümpfe Lavater
physiognom. fragm. 2, 132.
bildlich: wenn pferde sich am schienbein selbst verwunden, so sagt man sie verreissen ihre hosen oder verderben ihre seidene strmpf v. Hoberg
georg. curios. aucta (1715) 8, 167
a;
vgl. auch Unger-Khull 585
b.
blaue strümpfe im sinne von blaustrumpf
th. 2, 85: da hab ich ... meine feder der ersten besten gans in die flügel gesteckt, meine blauen strümpfe ausgezogen und gantz ordinärweg ein paar pantoffeln gestickt A. v. Droste-Hülshoff
an Schücking (1893) 233; 'wer bist denn du?' — 'ein strumpf, o herr'. sie stockt und milde mahnet er: 'mein kind, erkläre dich genauer, was für ein strumpf?' — 'vergieb — ein blauer' v. Ebner-Eschenbach
w. (
o. j.) 4, 562. B@22) schuhe und strümpfe
werden als zusammengehörig empfunden und geben schlieszlich auch rein sprachlich eine geschlossene formel ab: [] B@2@aa) ist fein geschlichen leisz hinzu, hat ihn beseicht die strümpff und schuh Sandrub
histor. u. poet. kurzweil 136
neudr.; und zog gleich meine schuh und strümpfe aus Reuter
Schelmuffsky 17
neudr.; ... dasz wir von dem naszkalten, in schuh und strümpfe gedrungenen schnee ... an den füszen froren Pückler-Muskau
briefw. 2, 203.
nach zeit und sitte entweder als zeichen der gewöhnlichen tracht: ietzt da ich schuh und strümpfe (
statt hoher stiefel) trage, sieht mich niemand mehr (
verwundert) an Göthe 30, 75
W., oder als gewählter festlicher anzug: er nötigte Lucidor'n schuh und strümpfe anzuziehen
ders. 24, 156; dieser (
besucher) ... muss sich in schuh und strümpfe setzen, dafür kann er das glück haben, mit mir ins carrousel zu kommen Dorothea Schlegel
briefw. (1881) 2, 296.
in sprichwort und redensart als sinnbild des alltäglichen, viel gebrauchten: strümpff und schuh brechen ehe als ein mantel Lehmann
florileg. politic. (1662) 2, 791,
s. auch 459; wie leicht und bald ist schuh und strumpf zerrissen Stoppe
Parnasz (1735) 241; man geht so mit strmpf und schuh nicht in den himmel, sagte der pastor Jung-Stilling 1, 82;
s. auch Düringsfeld
sprichw. 1, 384; schuh und strümpff sollen das haupt in seinem amt nicht rechtfertigen Lehmann
a. a. o. 1, 465.
negativ als zeichen der entbehrung: ohni strümpf und ohni schue laufed sie der heimet zue
schweiz. volksl. (
ält. schriftw. d. dtschen Schweiz 4, 70);
oder des socialen tiefstandes: ... es heiszt daher von den gemeinen weibern in Straszburg ..., dasz sie ohne schuhe und strümpfe gingen J. G. Forster 5, 397. B@2@bb)
name einer pflanze: strümpf und schüala
lathyrus pratensis Pritzel-Jessen 204; Wijk
plantnames 1, 734
b; hergotts strömp und schuhe
polygala chamaebuxus Pritzel-Jessen 295; Wijk 1, 1036
a. B@33) strümpfe stricken
oder stopfen (
auch flicken)
gilt seit dem 18.
jahrh. hauptsächlich als beschäftigung der (
haus-)
frau: der arme mann muss mit durchlöcherten strümpfen einherwandeln (
wenn nämlich die gattin ihre häuslichen pflichten vernachlässigt) Knigge
umgang m. mensch. (1796) 2, 86.
litterarisch wechselt der tenor dieser wendungen: und trägt sie es (
ein lied) nicht so schön vor, dasz der mutter die hellen freudenthränen auf den strumpf fallen, den sie eben stopft? E. Th. A. Hoffmann 1, 33
Gris.; so saz sie da, bald nach dem kranken horchend, bald die maschen an ihrem strumpf zählend Spielhagen
w. (
31877) 1 37.
später wird diese beschäftigung geringer eingeschätzt und dementsprechend anders verwerthet: wir sind ihnen (
den männern) gut zur unterhaltung und ihre strümpfe zu stopfen G. Freytag
verl. handschr. (1887) 1, 344; als ob ich bis heute nur strümpfe gestrickt oder etwas ähnliches gethan hätte G. Keller 2, 23; und wenn man dann alt ist, ist man blosz noch dazu da, sich schimpfen und schelten zu lassen und strümpfe zu stopfen und einen knopf anzunähen Fontane I 6, 30. B@44)
ein alter brauch, der sich (
hauptsächlich auf dem lande)
bis in die jüngste zeit gehalten hat, das ersparte geld im strumpf
aufzubewahren oder zu verstecken: keiner redet von einem mädchen ... dasz er nicht zuerst frage: was und wie viel sie habe. gegentheils sehe ich auch manche ungestalte mit ihrem strumpffe voll dickthalern vor meinen augen herumbgehen Riemer
pol. stockfisch (1681)
vorrede 10; er hatte ... Gertrud ... gefragt, ob sie nicht in einem alten strumpfe spare ... Gutzkow
ges. w. 5, 212; in dem schubfach ist ein alter strumpf und in dem alten strumpf steckt etwas ... Holtei
erz. schr. 18, 108;
schlieszlich als blosze redensart: Julius war darauf bedacht nicht nur sein auskommen zu finden, sondern ... etwas in den strumpf zu tun Werfel
nicht der mörder (1920) 237. B@55)
häufig wird strumpf
mehr oder weniger redensartlich in verschiedenstem sinne gebraucht, meist mit näher kennzeichnenden adjectiven oder verben verbunden, als ausdruck des werth- oder belanglosen: wird etwann ein alter strumpff ... verlohren, so fehlet es nicht, man wird bald sagen ...
[] Moscherosch
gesichte (1650) 1, 267; er rieth dir, deinen adelsbrief ... zu verkaufen und deine strümpfe damit flicken zu lassen Schiller 2, 61
G.; vgl. hierzu auch 4, 18; das ew'ge wähnst auf einmal du vergriffen, als ob die rede sei von alten strümpfen Platen 1, 645
Redlich; etwas andres ists mit meinem handbuch der strickkunst, sie (
die beispiele) sind aus ... dem strumpf geschüttelt (
sind nicht weither) A. v. Droste-H.
an L. Schücking briefe (1928) 14; die welt ist kein strumpf Kirchhofer
schweiz. sprichw. 354,
der armuth, des heruntergekommenen: eines armen holtzhackers leinene strmpff und andere zerrissene bettlers-lumpen verzweifflen nit an ihrem glck Abr. a
s. Clara
Judas 1 (1686) 96; ich habe ... einen ... schneider gekandt, von dem meine eltern sagten, er wäre der vornehmste schneider gewesen. damahls aber hatte er nicht ... ein paar strümpfe zu flicken
d. wohlgeplagte priester (1691) 74.
dazu mancherlei anderes: was hilffts auff steltzen gehen, dasz man der strümpff schone und fellt gar in koth? Gruterus
florileg. 3 (1612)
anh. 99,
s. auch Lehmann
florileg. (1662) 3, 481; wenn man bei dir (
Maria Theresia) noch die strümpfe sich flickt, sind wir dir schon in das land 'nein gerückt
preusz. grenadierlied (A. v. Arnim
w. 21, 327
Grimm).
namentlich das loch im strumpf
hat sich redensartlich entwickelt: ... so du einen nackt siehest, glaube dasz ein loch in deinem strumpf sei v. Hippel
lebensläufe 1, 301; er (
Christ. Günther) ... gewöhnte sich ab mit sechs löchern in den strümpfen ... zu gehen Gervinus
gesch. d. dtsch. dicht.5 3, 642; sie durften nur ... ein loch im strumpfe sehen lassen, ... so K. Fr. Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 1, 97; passen sie auf, die redet einen ein loch in den strumpf, und wenn man kniestiefel anhat Löns
dahinten in der heide (1910) 49;
bildhaft auf den träger der strümpfe bezogen: ein mann ohne weib ist ein strumpf ohne zwickel Nestroy 10, 123; bey meiner treu! ich wette er (
ehemann) hat im hasen-fette bis übers knie gesteckt; nun ist kein hund im lande, der ihm die grosse schande von seinen strümpffen leckt Stranitzky
ollapatrida 44
Wien. neudr.; in Mittel- und Süddeutschland findet sich die redensart dicke strümpfe anhaben
im sinne von '
schlecht hören'
oder '
nicht verstehen wollen'
s. Albrecht
Leipzig. 219
b; Müller-Fraureuth
erzgeb. 2, 579
f.; Martin-Lienhart
elsäss. 632; Christa
Trier 202
b;
ebenso: gell, du hascht zwei paar strimp an? Schön
Saarbrücken 205; dea
r hd lederni schdrümf n Castelli
Österr. u. d. Enns 239. B@66)
feste verbale fügungen. B@6@aa)
erst in jüngerer zeit entstanden scheint die ausdrucksweise in bzw. auf dem strumpf sein, bringen
oder helfen,
sowohl als ausdruck des physischen wohlbefindens wie günstiger wirthschaftlicher lage. ausgangspunct nicht ganz deutlich; vielleicht in hinblick auf den gesundheitszustand zu erklären: wenn der kranke erst wieder die strümpfe anzieht, also im strumpf ist,
und das bett verlassen kann, geht es ihm wieder gut. hierfür spricht, dasz es dialektisch noch heute heiszt: hei kan(n)it up de strümpe kum
en Bauer-Collitz 100
b in dem sinne: er kann sich nicht wieder erholen. sobald ich wieder gantz auf dem strumpf bin ... Freiligrath
bei W. Buchner
Freiligrath 2, 39; alle fragen, wo der bauer sei, ob krank oder sonst nicht recht im strumpf, dasz man ihn nicht sehe Gotthelf 3, 37; meine wenigkeit dagegen ist so auf dem strumpf wie selten Fr. Reuter
briefe 164
Weltzien; auch fand ich ihn am fünften oder sechsten tag schon wieder auf den strümpfen und getrosten muts Mörike
werke 1, 191
Göschen; wirthschaftlich: ich habe den ... process gewonnen, ... wir sind jetzt wiederum leutte auf dem strumpfe Bog. Goltz
jugendleben (1852) 3, 23;
geistig: sieht er ... wie rasch ich auf den strümpfen bin! Bürger 3, 34
Strodtmann; im Elsasz und in der Schweiz auch '
bei guter laune sein': Martin-Lienhart (1907) 632; Seiler
Basler ma. 282; Charl. Schmidt
Straszb. 106. —
auf den strumpf [] bringen: meine gesundheit ist noch immer in schlechtem zustande; meine reise wird mich ... nicht auf den strumpf gebracht haben H. Heine
bei Hüffer
ges. aufs. (1906) 244; es geht mir jetzt schon viel besser, ... weil meine famose natur oder auch die famosen medikamente ... mich schon wieder auf den strumpf bringen B. v. Lepel
vierzig jahre (1910) 145.
von der gesundheit auf andere gebiete übertragen: da wollte er seine ... armee mit schiessbedarf, lebensmitteln und kleidung vorerst wieder ... auf die strümpfe bringen G. Jahn
freiheitskriege (
41863) 196; frau von Schulderoff setzte ... ihrem sohne ... auseinander, dasz er, um den gesunkenen glanz ihres hauses wieder auf den strumpf zu bringen, ... eine gute ... partie machen müsse Hauff 3, 24; wir ... bringen ... sie (
die pferde) ... so weit auf den strumpf, dasz wir keine schande nicht einlegen vor den ... stallleuten Holtei
erz. schr. 24, 67.
umgekehrt: der wein und die ungewohnte bewegung hatte ihn so von strümpfen gebracht, dasz er sich in die punschbuhle spie Schubert
handschr. stammbuch d. Göttinger univ.-bibl. bl. 5. —
auf den strumpf helfen: wäre er ein recht origineller lump geworden, so hätten sich wohl liebhaber gefunden, die ihm ... auf die strümpfe geholfen ... hätten W. H. Riehl
kulturgesch. nov. (1923) 1, 395; dabei dilettiert sie (
eine alte jungfer) ... im artikel 'wohltätige fee' und hilft den leuten auf die strümpfe, auf veritable wollene nämlich Auerbach
schrift. (1864) 14, 176; nicht mehr barfuss sollst du traben, deutsche freiheit, durch die sümpfe, endlich kommst du auf die strümpfe und auch stiefeln sollst du haben Heine 1, 312
Elster; schon aus dem älteren nhd. und nd. sind parallele wendungen gegentheiligen sinnes bezeugt, die offenbar zu strumpf
truncus gehören (
s. o. A 4);
leben sie unter umdeutung von strumpf
in den obigen formeln noch? B@6@bb)
sich auf den strumpf bzw. auf die strümpfe machen. lexikalisch erst seit dem 19.
jh., schon von den romantikern in ungezwungener sprache gern gebraucht im sinne von aufbrechen, sich auf den weg machen: der wandrer macht sich auf die strümpf A. v. Arnim 17, 421
Grimm; es muss zuletzt dein weib sich selber auf die strümpfe machen dich aufzusuchen H. v. Kleist 1, 250
E. Schmidt; ... zweifle ich nicht, dasz wir uns baldigst wieder auf die strümpfe machen Chamisso
w. (1836) 5, 126; sie wird halt wind haben ..., dasz ihr herzblatt ... auf die ferien kommt, ... darum hat sie sich ... frühzeitiger auf die strümpfe gemacht Holtei
erz. schr. 7, 11;
vgl. auch 36, 235;
so noch heute, leicht scherzend, in der umgangssprache sehr lebendig. gelegentlich mit dem beisinn eiligen fortgehens: Ruprecht, der vergeblich ... bemüht war, seine stiefeln in den händen des häschers zu lassen und sich auf die strümpfe zu machen Eichendorf
w. (1864) 2, 405. B@6@cc)
auf strümpfen gehen, schleichen als zeichen des heimlichen: auf strümpfen schlich sie sich an das heilige schlüsselloch v. Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 1, 30; nun schlich er ... auf den strümpfen durch flur und gang Holtei
erz. schr. 21, 145;
vgl. auch 1, 10; da sie in strümpfen ging, so war ihr tritt fast unhörbar
M. Meyr
erz. a. d. Ries3 2, 307;
übertragen: mit Dresden will ich noch etwas zu warten, man muss auf strümpfen gehen wie zu einem verbrechen, soweit haben 's die kammerherrn-intendanten gebracht Laube
in Pückler-Muskau
briefw. 6, 84. B@6@dd)
strümpfe doppeln (
s. th. 2, 1267),
nicht sicher zu interpretieren, doppeln
eigentlich '
besohlen',
s. strumpfdoppler: ja du verstehst nicht recht den schimpff ich will dir doppeln deine strimpff du solst dich fort nicht unterstehn zu fremmten weibern zu bulen gehn Ayrer 2770
Keller; im sinne von '
dir beine machen, dich jagen'.
[] B@77)
seit dem ende des 19.
jahrh. strumpf
als abkürzung von glühstrumpf
für den glühkörper des gaslichts, vgl. Schönermark-Stüber
hochbaulex. (1902) 162; Muspratt
chemie4 5, 614.