stumpf,
stumpen,
m. ,
truncus. verbreitung und form. auf dem continent: ahd., von den schenkeln eines lahmen: stumpha
bases (
eius et plantae consolidatae sunt)
ahd. gl. 1, 742, 53 (
apostelgesch. 3, 7);
mhd. stumpf,
mnd. stump,
mnl. stomp, stompe Verwijs-Verdam 7, 2202.
darüber hinaus nicht autochthon, sondern aus dem dtsch. entlehnt: me. stump, stumpe, stompe Murray 9, 1, 1191;
dän. stump, stumpe,
schwed. älter und dial. stump,
norw. (
auch alt) stumpr,
vgl. Falk-Torp 1190, Torp
nynorsk et. ordb. 734;
die norw. und schwed. bezeugte bedeutung '
besondere art brot'
kommt zwar für dtsch. stumpf
nicht vor, wohl aber für strumpf,
vgl. sp. 116.
gleichen stammes wie stumpf,
adj., und stümmeln.
auszerhalb des germ. stehen am nächsten, in ablautstufe, wurzelauslaut oder beidem abweichend, die adjectiva lit. stambùs
grob Trautmann
balt.-slaw. 284;
griech. ἀστεμφής unbewegt, starr Boisacq
dict. ét. 91 (
zu στέμβω erschüttere),
in der bedeutung genau entsprechend mit abweichendem an- und auslaut altslav. tąpŭ Miklosich
et. wb. 358,
und die substantiva ai. stamba '
büschel', stambha '
pfosten, säule',
lit. stámbas '
stengel, strunk',
vgl. Walde-Pokorny 2, 623
ff. die ursprüngliche und frühest bezeugte bedeutung des subst. und adj. stumpf
ist '
verstümmelt'
; ein starkes vb. mit der bedeutung '
verstümmeln',
also wie 2stumpfen,
könnte die grundlage für subst. und adj. sein, ist jedoch nicht bezeugt. bei dem paar lat. truncus '
strunk, baumstamm'
und truncus '
verstümmelt'
ist das adjectiv. erst aus struncare
rückgebildet, s. Brender
rückl. ableit. i. lat. 40;
dagegen ist dtsch. stummel
substantivierung des gleichlautenden adj., s. sp. 398.
in der eigentlichen bedeutung '
truncus' (
anders jedoch '
tibiale',
s.J)
allen dtsch. maa. eigen. dem stark flectierten stumpf
des classischen mhd. und des nhd. entspricht im ganzen nd. und md. stump, stomp,
seit dem 13.
jh. bezeugt; im ganzen obd. jedoch schwach flectiertes stumpe, stumpen,
darüber hinaus auch rheinfrk., besonders stumbe,
s. Lenz
Handschuhsh. 69
b; Follmann
lothr. 510; Reuting
Höchst. 44,
und geringe spuren im nd.: mnl. stompe,
ostfries. stumpe ten Doornkaat-Koolman 3, 354.
seltenes obd. stumpf,
s. Jacob
Wiener dial. 187; Unger-Khull 587
b;
schweizerd. gramm. 5, 35; Schmeller
cimbr. wb. 176,
beruht auf schriftd. einflusz. obd. stumpe
setzt vielleicht [] eine alte nebenform mit wurzelauslautendem bh
fort, wie es in aind. stambhaḥ
vorliegt und in dem zweideutigen balt. b
vorliegen kann; andere, zuletzt L. Jutz
alem. ma. (1931) 178,
setzen eine westgerm. form mit bb
voraus. literarisch ist stumpe
seit dem 14.
jh. in allen hauptbedeutungen reich bezeugt, wird im verlaufe der nhd. entwicklung immer mehr von stumpf
zurückgedrängt, lebt aber bis in die neuzeit bei autoren obd. herkunft, z. b. Schiller, Rückert, Herwegh,
gelegentlich sogar darüber hinaus, z. b. E.
M. Arndt,
und ist heute allgemein in einigen technischen bedeutungen, s. z. b. F. auf angleichung von stumpen
an stumpf
beruht schwach flectiertes stumpfen,
schon bei Wittenweiler, Geiler v. Keisersberg,
häufiger in junger zeit, z. b. bei Göthe, Stifter, Spielhagen, maler Müller,
vgl. Paul
d. gramm. 2, 48.
einflusz von stumpe, stumpen
zeigen auch die umlautlosen pluralformen nom. und gen. stumpfe,
dat. stumpfen,
im 15.
und 16.
jh. sowie in junger zeit, z. b. bei Bettine, Göthe.
bedeutung und gebrauch. grundbedeutung '
zurückgebliebener, unterer, aufrecht ragender teil eines ganzen',
mit erweiterungen und verblassungen bis in die gegenwart durchstehend, und in der schriftsprache ausschlieszlicher bereich des wortes. von der grundbedeutung weiter entfernt '
strumpf' (J)
und '
masz' (H),
beide in zeitlicher und geographischer beschränkung. AA.
festester anwendungsbereich ist der baum, in den alten glossarien in zweierlei bedeutung, a)
der nach dem fällen in der erde zurückbleibende, für die holzwirtschaft minderwertige teil: stump in der erden blijvende van eynen boem v.
d. Schueren
Teuth. 263
Clignett; boems wortel of stump 35; b)
der stamm im gegensatz zu den ästen: stock, stump, der stamm des baums, welchem die est abgehauwen sind Frisius 1333
a. A@11) '
baumstumpf',
am breitesten entwickelte bedeutung, alt nur für das obd. bezeugt. A@1@aa)
im erdboden feststehend: was höltzer ... abgehowen und hinweggefürt worden weren ..., das es darby belyb, doch was höltzer noch bym stumpen ligen, das die selbigen unserm gn. herren von Zymmern belyben söllen (
v. j. 1509)
Fürstenberger urkdenbch. 7, 131; die bäume der allee lagen nach auszen vom wege umgelegt bei ihren weiszen stümpfen Binding
unsterblichkeit (1921) 23; wil aber ein darkomen man die reht in den hölzern haben, ... so sol er den voersteren geben 4 D ... vindet aber er keinen foerster, so soll er die 4 D legen uf einen stumpf
weisth. 5, 393; ist das er (
der holzfrevler) phenninge nut mac han, so sol er (
der förster) ime die hant uf dem stumphe (
des gefällten baumes) abeslahen (
v. j. 1320)
weisth. 1, 666; wann es aber mehr dann einmahl von einer person beschehen, mag man ime erkennen die hand uf dem stumppen (1612)
württemberg. ländl. rechtsqu. 1, 839
Wintterlin; von verschiedener länge: das sollich holtz nider und auf dem boden abgehawen und kein stump oder stock gemacht und gelassen werde (
a. 1552) Reyscher
württemberg. ges. 16, 1, 45; die wurzelstöcke mit einem etwa ¾ m hohen stumpf des baumstammes Allmers
marschenbuch 1, 78;
häufig als grenzzeichen, ortsbezeichnung: wie die von Evenstorf ain gemaine tratt haben mit den von Nüwfron bisz an den stumpen oder storren da by der spiesz stecke (
v. j. 1498)
urkdenbch. d. kl. Heiligkreuztal 2, 390; der bann von Wiedensohlen vohet an an dem rüstinen stumphe (
elsäss., v. j. 1364)
weisth. 4, 162; auf, über dem stumpf '
noch nicht gefällt': über dem stumpf holz zahlen (
v. j. 1681)
bei Fischer
schwäb. 5, 1916; '
dem wirt in Überkingen wird nach dem wortlaut seines bestandes (1581)
alles holz für das bad und seine haushaltung auf dem stumpen
angewiesen'
hs. bei Mehring
badenfahrt 41;
dem entsprechend '
ort, an dem das holz gefällt wurde',
noch ganz concret: der (
holzdieb) sult das hulz wider abehauwen oder brechen (
aus dem bau) und sult es wider auf den stumpf furen (
v. j. 1424)
weisth. 6, 25;
s. auch stumpfholz;
abstracter häufig in orts-, besonders flurnamen: in stompen (
v. j. 1536)
Alemannia 10, 244; in der buchstumppin (
v. j. 1323)
urkundenbch. d. kl. Arnsburg 557
Baur; im sinne [] von '
baumnutzungsrecht, recht stämme zu fällen': und ist och vogt und herr von dem stumpen untz zü dem graben stain, da von hat er zins (14.
jh., alem.)
weisth. 1, 238.
in jüngerer literarischer, nicht fachsprache, weit häufiger baumstumpf,
dagegen das simplex nur in engem umkreis: durch des gehaues stumpen klimm ich auf felsenklumpen v. Salis
ged. 62;
meistens neben nennung einer baumart als genitivattribut: fand sie eine alte auf dem abgehauenen stumpfe einer rüster sitzen Immermann 7, 221
H.; auf dem hohen hohlen stumpf einer eiche H. Watzlik
pfarrer von Dornloh (1930) 22. A@1@bb)
redensarten und bilder, vgl. D: lief schneller durch den wald her uber stumpff und stock D. v.
d. Werder
ras. Roland ges. 1
str. 11;
s. th. 10, 3, 13; durch stumpf und stiel den leichten wurm verscheucht maler Müller 2, 365;
als sinnbild des alten: da er 243 bäpst auf den alten stumpff gebeltzt (
gepfropft) Nas
antipap. 1, 32
b; wann sein (
des geschlechts Davids) königlicher stamme werde schier verdorben sein bis auf den stumpen, alsdann ... werde erst aus seinem understen stumpen oder stammen dis herrlich ... zweig ausschlagen J. Schopff
güldin kleinot (1603) 10;
sinnbildlich für '
hartes, schwer zu bearbeitendes': stumpen graben
schwere arbeit tun Fischer
schwäb. 5, 1914; (
etwas schwieriges) ist ärger als stumpe spalte
ebda; zu einem harten stumpf gehört ein harter keil Düringsfeld
sprichw. 1, 503
a; wer grosze stümpff will auswurtzeln, der verdirbt das geschirr, und thut sich selbsten wehe Lehman
flor. 2, 911. A@1@cc)
in verbalen wendungen als '
hindernis, schwierigkeit'
gefaszt, in verblassender anschauung: auf einen stumpf laufen '
auf widerstand, auf ein hindernis stoszen': weil aber der rechte flügel auf aracanischer seiten häufig mit bengalischen rohrschützen durchflochten war: so liefen die Peguaner auf einen heftigen stumpff, dasz sie bald die hitze ihres anfalles erkalten lieszen Ziegler
asiat. Banise 675;
im sinne von '
schmählicherweise nichts ausrichten': auf einen stump
sive stumpf laufen
in dedecora incurrere, foedae turpitudinis notam subire Stieler 2226;
s. Kramer
t.-ital. 2, 1025
b;
mundartlich im nd. auf den stumpf kommen
übel ankommen, vergeblich kommen und beschämt wieder fortgehen: up n stump kamen
brem. wb. 4, 1078;
s. Eckart
nd. sprichw. 509; Eichwald 77; up də štümpe kumen Bauer-Collitz 101
a; '
ins stocken geraten': wir kommen mit unserer korrespondenz ordentlich auf den stumpf. ich musz mich jedoch heute notgedrungen kurz fassen Fr. Reuter
br. 658
W.; einem einen stumpf stecken '
schwierigkeiten in den weg legen'
bei Kramer
t.-ital. 2, 1025
b;
s. Wander 4, 942. an einen
oder den stumpf
bez. stumpen führen '
böswillig in gefahr und miszliche lage bringen, übervorteilen': und (
pflegen) also ihre gläubiger ... ubern dölpel zu werfen, und die einfältige und leichtglaubige, ja auch vielmahln die vast gescheide und witzige, an ein stumpen zu führen J. Grassäus
kl. baur (1618) 307; '
in ultimum discrimen, in praesens periculum aliquem adducere' Weismann (1698) 2, 366;
noch schwäb., s. Fischer 5, 1914;
in gleicher bedeutung: einen am stumpff führen Aler 2, 1860
b;
ganz ohne die bildhafte vorstellung, schwäb.: einen auf den stumpen setzen; der läszt sich in kein stumpe jage Fischer 5, 1914. A@1@dd)
auf c
beruhend, jedoch in völliger abstraction '
schmach, schande, schimpf, erlittener schaden': die von Wengi warent ouch da, und rachen da ir stumpen
reimchron. d. Appenzell. krieges (
um 1400) 121
v. Arx; ein unerhörter stumpf, von einem zauberer einem bawren gerissen
M. Lindener
rastbüchl. 103
lit. ver.; ein greulicher stumpf in meiner kermesse, und meiner gemachten rechnung nach müst ich ein pflock sehr weit zurückstecken
liebeskampf (1630) e 6
b; das bringt ihm einen
[] groszen stump
dehonestamento insigni ei est Stieler 2226;
s. Kramer
t.-ital. 2, 1025
b;
mittelfränk.: engem e štomp undunn
einen schimpf antun luxemb. ma. 426; de stomp dervun hoin
die schande davon tragen Gangler 435;
vielleicht hierher stumpf machen
in betrügerischer erpresserischer weise lärm schlagen: er inquisit habe dabei den auftrag gehabt stumpf ... zu machen (
schwäb. 1791) Kluge
rotw. 261; 266;
im compositum: er habe in einiger entfernung als stumpfmacher sich hingestellt
ebda. A@1@ee) '
aus dem boden herausgearbeiteter stubben': wer pferde hatt zu gütt die nemen zuvor was tuglich ist hienwegkh und mit den stumpffen versieht man ... den armen (
v. j. 1525,
Frankfurt) Joh. Marsteller
aufruhrbuch 2
Steitz; besonders als brennmaterial: vor hat der ziegler zu einem solchen brand gebraucht holtz 10 clafter und 2 wag voll stomppen (
v. j. 1628) Heinr. Schickhardt 368
Heyd; der heerd, darauf ein stumpen raucht G. Herwegh
Lamartine 5, 247;
neben kohle
im sinne von '
alles verschiedene': im fluch der zeitlichen straffen musz bisweilen stumpf mit köhlen, alt und jung, die kinder mit den eltern gehen C. Dieterich
weish. Salom. 1, 365; da wird der stumpf mit den köhlen gehen, ... beyde ast und strumpff (
sp. 113) abgehauen werden 65. A@22) '
baumstamm',
alt vom gefällten oder stehenden stamm im gegensatz zu stumpf, ästen und krone: baut einer ein haus auf eine blosze hofstätte, so erhält er sechs stumpen zur steuer (
v. j. 1447)
weisth. 4, 421; das holtz je frischer es ist, je besser es ist, soll sein von den stumpen oder von den grossen ästen J. Behm
Al. Piemonteses artzneibuch 338; die, so ... jeman also ir holtz huwen, sol jeklicher dem selben, so er also sin holtz gehuwen hette, fûr einen eichinen stumppen geben zechen schilling pfenning, und sus fur einen stumppen funf (
v. j. 1414)
Züricher stadtb. 2, 408
Zeller; der (
forstfrevler) ... ist von iedem stumpen holz, so axgrösse hat, zu bus verfallen 3 D, es were dann, das derselb stump espin wer (
v. j. 1520)
schwäb. stadtr. 2, 325
Geier; vgl. stumpflöse,
sp. 440.
mundartlich: stumpe '
der ganze baum' Hunziker
Aargau 264.
symbolisch für das in der mitte, hier also zwischen wurzel und krone, liegende: was in mitler zeit eynfellet von heylung, seind nicht heylung, dann sie betreffen nichts im grundt, sondern handlen auf den stumpffen: so musz in vollkommener heylung nicht der stumpff fürgenommen werden, sondern die erndt oder der anfang Paracelsus
op. (1616) 1, 598
Huser. jung literarisch '
stehender seiner krone beraubter stamm': die als stumpfe mit wenig ästen ... nebeneinander stehen Bettine
Günderode 2, 23; erklimmt eine weide, deren stumpf kaum über die wildnis des grases hinaussteht H. Voigt-Diederichs
ring um Rod. (1929) 185.
ohne klare wahl zwischen '
stumpf'
und '
stamm',
im sinne von '
wertloser, verdorbener baum',
übertragen auf einen menschen: wirst du nun, elender tropf, entgöttert, und wie ein schnöder stumpf zerspalten und zerschmettert Chr. Gryphius
poet. wälder 1, 90; dein hertz erschrecke nit vor den zwaien stumpffen
erste dtsche bib., Jes. 7, 4 (
Z-Oa statt zegeln). BB.
dem bereich des baumes am nächsten stehende feste anwendungen. B@11)
pflanzenrest, meist im sinne von '
stoppel'
von gras und getreide: lat si (
die Israeliten) selbe samenenstumphe unde halme
Milstätter genesis u. exodus 132
Diemer; stipula stumph am halm,
vereinzelt neben häufigem stoppel
und stupfel, Diefenbach 553
b;
stramentum weisch oder stimpff Pinicianus
prompt. c; mache ein schweiszbad mit ... nesselwurtz, stümpff von haberstro und hewblumen Gäbelkover
artzneybuch 1, 412;
mundartl.: er chond wie der hagel i d stompa
d. h. zu spät Tobler
appenzell. 411; welcher underm bartscherer oder under aim mader der das gras abschneit die gröst freyhait hab. der mader mag auf sein stümpff hofiern
räthselbuch (
Straszburg s. a.) d 1
a; wenn man ... anfahet zu mähen, so soll der vogt durch den knecht in der kirchen die
[] stümpf wie von alters her verbieten lassen, dass keiner darauf hiet (
schwäb. 17.
jh.)
weisth. 6, 247; der elephant ... frisst stöck, stumpen und wurtzen Herold-Forer
Gesners thierbuch 75;
gelegentlich von verschiedenen pflanzen: die meerbölhinen beyssend das ror ein wenig
ob dem wasser ab und machend auf den selbigen stumpen oder stupflen ir näst
ebda 2, 22. '
auf dem boden emporragender, harter, spitziger holzbestandteil': als ein leo in dem wald umbstraiffet ... trat er gar hart in ainen stumpff der belib im in dem fuosz. ... do schlich der dorn mit dem eiter aus dem schaden Steinhöwel
Äsop 139
lit. ver.; (
wenn) ein pferd in einen nagel oder stumpen getretten, musz man den nagel heraus ziehen Hohberg
georg. cur. aucta 2, 173; so ein rosz an einen stumpff getreten, sol man nemen das schmaltz Seutter
hippiatria 342; do was der from kaiser Ludwig gestorben ... als er ... ab dem pferd uf ainen stumpen fiel J. v. Watt
deutsche histor. schr. 1, 446
Götz., oder wie A 1,
s. die fassung in ein strumpf
sp. 113. B@22)
dem bilde des pflanzlichen wuchses entsprechend, '
haarstoppel': nach dem abscheren werden sye (
die haare) wie die kreüter von den stumpffen dicker v. Eppendorf
Plinius 222; (
um eine hohe stirn zu bekommen, benutze) ein pflaster von spannischem hartz ... so gehen die stümpff gar herausz Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 106;
mundartlich: das haar vom stumpen abschneiden
ganz kurz Fischer
schwäb. 5, 1914. '
zahnstumpf',
wofür öfter das compositum, s. th. 15, 184: welcher hat ein bosen zan, stock, storren, wie sie sind getan, und stumpf die ganz in dem fleisch stan, kunstlich ich die gewinnen kan
fastnachtsp. 377, 31
Keller; mundartlich: i muss mir n stumpe ziehe lasse Fischer
schwäb. 5, 1914;
heute in der zahntechnik: stumpf
der zum empfang einer goldkrone präparierte zahn. B@33)
dem pflanzlichen ferner stehend, jedoch ebenfalls in der festen vorstellung des unteren endes, '
rest einer herabgebrannten kerze, kerzenstumpf': do vant si der kerzen stump in iren bette ligen
heil. regel f. e. vollk. leb. 67
Pr.; (
denen, die die kerzen geliefert haben) sall ... zo staden komen die stump ind droippen (
traufwachs) die man von den balken nimpt
Kölner zunfturk. 2, 351; dasz man die stümpfe doch wieder anzünden, oder wohl gar andre lichter wieder aufstecken musz Lessing 13, 401
L.-M.; symbolisch: schenk! erneue die flammendochte des lebens diesem niedergebrannten löschenden stumpen Rückert 5, 263
S. CC.
verstümmelter restlicher körperteil, minder stark auf '
aufrecht stehendes unteres'
beschränkt. C@11)
von gliedmaszen, in besonders fester anwendung von arm ohne hand oder finger: sînen stumpf er ûf pôt er sprach: sus getâne nôt hân ih durh iuh alle erliten
kaiserchron. 5071
Schröder; hey boit eme stomp ind hant (
zum verträgnis nach dem zweikampf)
Karlmeinet 417, 15; wann ihme die (
hand) auch abgeschossen oder geschlagen würdt, das fenlein mit den stümpen zu sich ziehen Reutter v. Speir
kriegsordn. 3;
in verschiedener beziehung zum object: den stumpen der abgestümleten hand Stumpf
Schweizerchronik 333
b; zeigt ihnen den stumpf seines arms, oder wie andere wollen, seine abgehauene rechte hand Dannhawer
cat.-milch 1, 477; denn ein stumpf nur war die rechte hand Fr. Kind
ged. 2, 283.
von allen extremitäten gelegentlich: wenn man einem ein glid abschlecht, so stosz den stumpen in ein warme aufgeriszne hennen, ... so verstehet das blut Gäbelkover
artzneybuch 2, 238; unser hoffart und pracht, unser pater noster und ring, unser namen und titel ist nichts dann der stumpf, so dem mutz (
tier ohne schwanz) am
[] ars bleibt, und der schwantz, so gut were, ist nicht da Paracelsus
chir. (1618) 310
Huser; er wird ... sie (
die flügel) dir bis auf ein paar stümpfe zurückschneiden T. Kröger
nov. 6, 116; grosse wilde stierköpff ... mit etwas geblibnen stumpen der hornen Herold-Forer
Gesners thierb. 127;
als pars pro toto im alem.: stumpe, stumpi
name eines rindviehs mit verstümmeltem horn Friedli
Bärndütsch 2, 374. C@22) '
halsstück des geköpften': (
den soll man) hinein untzt an dy achsl setzen, darnach sol man im das hawbt ob dem potich (
rumpf) abschlachen, damit er dann das gemerkht mit dem stumph auszaig
pan- u. bergtaid. 1, 63
Kaltenbäck; alle fiere und demnach uf den stumpen den kopf abgehowen Anshelm
Berner chron. 4, 329;
redensartlich: der reiszt eim de kopf ra und schleckt nach de stumpe
beleidigt einen erst und bittet dann ab Fischer
schwäb. 5, 1913;
ähnlich: ich hau ihm ... den schädel vom rumpfe ... (
stehen) zwei neue köpfe auf dem stumpfe Wieland (1853
ff.) 20, 41. '
kopfloser',
seltener '
gliedloser rumpf': was ist nun der leib ohne haupt? er ist ein abgeköpfter stumpf und wehrloser rumpf C. Dieterich
weish. Salom. 1, 219; das haubt Dagon und die zwo flachen hend warend abgeschnitten ...: und Dagon ist allain der stumpf bliben Eck
bibel (1537) y 4
a (
1. Sam. 5, 4);
übertragen: denn von dem leib von unerreichtem ruhme sollst du ein glied nicht räubrisch einzeln brauchen, sonst machst du ihn zum stumpf, zum säftelosen Strachwitz
ged. 133. C@33)
fachsprachlich '
die abgetretenen, abgestumpften schalen des rotwildes',
selten anderen wildes, und, hierauf beruhend, '
von den stümpfen
hinterlassene, stümpfe
verratende fährte',
s. Behlen 6, 227; Adelung 4, 477;
vgl. auch stumpfe,
f.; nur im pl. gebraucht: stümpfe, einige sagen auch das näsel Heppe
wohlred. jäger (1763) 291;
sg., wohl künstlich, bei Campe 4, 731; die eingedrückten stümpfe verfolgend durch gesträuch und sümpfe Alxinger
bei Campe 4, 731; die stümpfe des schweins ... haben auf hartem boden soviel ähnlichkeit mit den stümpfen des rothhirsches, dasz ... (
einer) verleitet werden könnte ein schwein für einen rothhirsch anzusprechen Train
waidm. n. prakt. (1838) 291; die stümpfe deuten auf die stumpfere form der schale des hirsches Brehm
thierl. 3, 466. C@44)
in jüngerer sprache auch, mit verschiebung vom rein visuellen zum qualitativen, '
unbrauchbares glied': ... da hack mir einer von den fünf fingern, die ich hab, hier an der rechten den kleinen ab. ... ich bin um die hand gekommen! s ist nur ein stumpf, und nichts mehr wert Schiller 12, 45
G.; dasz es gar keine frauen mit füszen mehr gibt. sie haben alle stümpfe, des horreurs v. Kahlenberg
E. Sehring 82; zu den vortheilen des gefühls thut es endlich sehr viel, dasz der arm nicht in einem stumpen aufhört, sondern in finger sich theilt A. v. Haller
tageb. (1787) 1, 130;
sogar von einem nicht hörfähigen, nicht aber verstümmelten ohr: dein ohr — ein armer stumpf! armselig bist du geboren! A. v. Droste-Hülshoff
w. 1, 251. DD.
redensarten im sinne von '
alles, völlig, ganz'
oder '
nichts',
auf der abstracten bedeutung von stumpf
als '
allerletzter, unterster, geringfügigster teil'
beruhend, am bildkräftigsten auf der grundlage von A 1
und B 1. D@11)
in der concretesten form erst jung: von dem, was die väter gebaut und geschaffen haben ... wollen sie auch keinen stumpen stehen lassen E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 4, 62; so schmaust er sich denn selber auf bis auf den letzten stumpf Bürger 25
a B. D@22)
schon im 16.
jh. mit einem zweiten glied formelhaft verbunden: das und die seind alle gar von im alls aus dem
[] grund und aus dem stumpff ausgereüttet, abgeschnitten, und umbbracht H. Boner
Herodian (1532) 39
a; (
die länder) ... in grundt und boden zu verderben, ja zu sumpff und stumpf zu veröden
urk. v. 1638
bei Fischer
schwäb. 5, 1917; darum wird der herr abhauen von Israel beide, kopf und schwanz, beide, ast und stumpf
Jes. 9, 14
revid. ausgabe, für strumpf
bei Luther;
vereinzelt: mit stumpff und seel auszräuffen Corvinus (1646) 694. D@33)
mit alliteration des zweiten gliedes: dasz solche hölzer nider auf dem boden abgehauen, und kein stump oder stock gemacht und gelassen werde (
v. j. 1615)
ver. f. gesch. d. Baar (1904) 158; gleichsam mit stumpff und stock auszurotten
V. Thilo
frantzös. histor. (1584) 1, 29
a;
s. th. 10, 3, 13; mit stumpf und stengel ausrotten (19.
jh.)
bei Sanders
erg.-wb. 539
a. D@44)
in fester anwendung allein die verbindung mit stiel (
vgl.strumpf und stiel
sp. 114). D@4@aa)
selbständig nur im 16.
jh., im sinne von '
alles': darumb wil ich ehe leib und leben, stumpff und stiel darüber faren lassen, denn gottes klar und war wort übergeben Luther 1, 448
b Jena; es ist stumpff und stil dahin Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 61
a; (
dasz wir) ir thürn und schlösser zallen zyten stumpen, stil, keins ufrecht lon
schweizer. schausp. d. 16. jh. 3, 123
B. D@4@bb)
als präpositionaler ausdruck adverbieller function mit stumpf und stiel '
völlig'
bis in die heutige umgangssprache. der mundartlichen bezeugung nach im nd. zu hause: mit stump (stomp) un stel Mi
mecklenburg. 88
b;
s. Seitz
nd. allit. 39 (
holstein.); Damköhler
Nordharz. 181;
Elberfelder ma. 157; Leithäuser
Barmer ma. 152;
auch im nördl. md., s. Jecht
Mansfeld. 110
a.
im obd. dagegen ganz vereinzelt, und zwar in fremder form, s. sp. 427,
ostfrk.: mit stump a stiel Ruckert
unterfränk. 178; mit schtump und stiel (
Ulm)
zs. f. dtsche maa. (1906) 31;
vereinzeltes auftreten der obd. form: mit stumpan a stiel Sartorius
Würzburg. 120,
s. auch u. c,
beruht auf nachträglicher concretisierung der formel. fortschreitende abstraction und immer neue rückkehr zum bilde des pflanzenwuchses begleiten die formel von ihrem anfang im 16.
jh. bis in die gegenwart; feste verbindung mit stumpf und stiel ausrotten: aber es waern ubertretter so viel zuogleich verdilgt, der nachstam der uongrechten wird ausgerot endlich mit stuompf und stiel Schede
psalmen 140
ndr.; warumb man ... seine nachbarn, freunde und blutsverwandte an der Ostsee vertrieben, ja mit stumpff und stiel gleichsamb ausgerottet Chemnitz
schwed. krieg 1, 13; diese manier mit stumpf und stiel ausgerottet zu sehen Bismarck
pol. reden 4, 165;
mit anderen gleich bildhaften verben: nehmen sich gar viele dieser wörter in dem zusammenhang der rede und auf dem rasen, wo sie gewachsen, ... schöner ... aus, als wenn man sie nur, mit stumpf und stiel ausgerissen, in den herbarien gelehrter sammler kennen lernt L. Aurbacher
volksbüchl. 294;
mit besonderem hinweis auf die immer als sehr kräftig empfundene wendung: den ersten aufschusz meiner grammatik mit stumpf und stiel, wie man sagt, niederzumähen
gramm. 1,
vorr. 5;
mit allen verben des vertilgens und beseitigens: und Wrangel wäre ganz, mit stumpf und stiel, in gräben und morast, vernichtet worden H. v. Kleist
w. 3, 111
Schm.; und solte aller geschmack darüber mit stumpf und stiel zu grunde gehen Lichtenberg
nachl. 40; wo ist nuhn einer von so viel (
festgenossen) hinweg sind sie mit stumpff und stiel Kirchhof
wendunm. 2, 63
Österley; während der halben nacht war sie mit ihm herumgelaufen, hatte alles, was sie bedrängte, mit stumpf und stiel von sich hinuntergeredet H. Voigt-Diederichs
ring um Roderich (1929) 227.
gelegentlich umgestaltung der formel [] auf grund neuer concretisierung: die sünde ... mit stumpff, stiel und wurtzel ... ausgerottet Dannhawer
cat.-milch 6, 620; schlangen, tief genährt im sumpf zischt und zerplatzt bis auf stiel und stumpf Ayrenhoff
w. 5, 181. D@4@cc)
negativ weder stumpf noch stiel
u. a. '
gar nichts',
nur bis ins 17.
jh. bezeugt, verzeichnet noch bei Kramer
t.-ital. 2, 965
c; Ludwig
teutsch-engl. (1716) 1912,
in weit loserer fügung verharrend: es ist weder stumpff noch stiel da uber blieben Tappius
germ. ad. (1545) j 4
a; so bald die rede aus war, wuste sie weder stumpff oder stil mehr davon J. Füglin
Weier praest. daem. 259
a; ich habe heut noch stumpff, noch stil von ihm gehört oder gesehen Harsdörfer
gesprächsp. 2, 294; vom gmeinen nutz man höret viel, man sieht davon kein stumpff noch stil Lehman
flor. 2, 581; wie ihr haus ... auf 7 klaftern tief herunter fiele, dasz weder stumpen noch stihl hiervon mehr zu sehen ware Happel
Witekind 2, 355. D@55)
formeln gleicher bedeutung wie mit stumpf und stiel,
jedoch auf dem bilde des verstümmelten körpers beruhend, im nd. alliterierend: stump und stert Seitz
nd. allit. 39 (
holst.); met stump und stätz Hönig
Kölner ma. 178
a; un vaerwarts treckt dat wille heer, en ole gar vun stümp un stummeln Kl. Groth
quickborn (1853) 207;
concreter: und darbi wies se all de trurigen stümp un stummeln von tehn, de er breede mund noch beholn Fehrs
allerhand slag (1886) 50.
auf dem reim beruhend rumpf und stumpf: kirchen ... deren rumpff und stumpff ... zum zeugnuss ihres kirchenstürmens noch für augen stehen Konr. Dieterich
weish. Salom. (1627) 1, 971.
nd., md. und alem. zu festem adverbialausdruck verbunden im sinne von '
völlig': et is rump un štump ole Bauer-Collitz 87
a; rump und stump ūzase
aufessen Hentrich
Eichsfeld 107; Crecelius
oberhess. 823; Leithäuser
Barm. ma. 152;
echt mundartliches stumpen
wohl an rump
angeglichen: sein geld rump und stump verlieren Martin-Lienhart 2, 260;
s. Follmann
lothr. 421; Fischer
schwäb. 5, 479;
im alem. auf adverbieller erstarrung beruhende umbildungen: rumbə štumb
u. ä. Fischer
schwäb. 5, 479;
s. Martin-Lienhart 2, 260; dear hat älles gfressa mit rumpes und stumpes (
Ulm)
zs. f. dtsche maa. (1906) 31.
erweitert: er hets rumpe, stumpe, stiel gefressen Martin-Lienhart 2, 260;
vielleicht interjectionell: nun stumpfft, kumpff, rumpff und stumpff: ... speiet fornen fewer unnd scheiszt hinden aus funken Fischart
Garg. 360
ndr.; sogar an das adj. (I A 3)
angeschlossen: rumpf und stumpf aus
ganz und gar aus Crecelius
oberhess. 823.
präpositional mit rumpf und stumpf,
s. th. 8, 1493; Schambach 216
a; Jensen
nordfries. 583; Follmann
lothr. 421: ich hätte meinen branntwein schon mit rumpf und stumpf verkauft K. Spindler
vogelhändler (1841) 1, 135;
besonders hess., s. Hofmann
niederhess. 197: würde man die krallen ausstrecken und die kleine freiheit mit rumpf und stumpf ausrotten G. Büchner
nachgel. schr. 301. D@66)
im alem. wendungen im sinne von '
rundweg, völlig',
auf der vorstellung des stumpfes
als des glatt abgeschlagenen beruhend, vgl. stumpf,
adj., I A 3: ein manche jungfer ist so keckh, wan d wiegen schon ist gmacht, sie laugnets doch beym stumpfe weckh, bis das es endlich kracht
Ostracher liederhandschr. 20
R.; fum štumpə wek laaiklə Meisinger
Rappenauer ma. 188;
s. Wander 4, 941; du läunest älles ufem stumpa aweg, du bist en erbärmlicher mensch! G.
F. Wagner
hochz. (1892) 38.
im sinne von '
sofort, auf der stelle'
: wald-, felddiebstähle werden auf dem stumpe abgstraft Fischer
schwäb. 5, 1914.
[] EE.
erweiterung des kreises der objecte über A, B
und C
hinaus und auflockerung der grundbedeutung. E@11)
noch in der eigentlichen bedeutung verharrend: (
als er) auf stümpfe von pfählen stiesz ..., das holz herabgebrannt bis auf den noch im alten seegrund feststeckenden stummel Fr. Th. Vischer
auch einer 1, 178; die säulenschäfte (
sich) ... zum theil bis zum kapitäl erheben, meist aber als stümpfe Moltke
ges. schr. u. denkw. 4, 305; wolten als arme, verderbte leut in den verbrenden stumpfen (
der stadt, der häuser) wieder bauen und annisten (
um 1560)
qu. z. alten gesch. d. fürstenthums Bayreuth 1, 2, 61.
seemännisch '
stehengebliebenes ende des gebrochenen mastes',
auch engl., nl., schwed., dän., s. Bobrik
allgem. naut. wb. 675: ein kleiner mast hatte nur einen stumpff zurückgelassen
Pierot amerikan. freibeuter 2, 211. stumpf eines abgenutzten besens,
s. Kramer
t.-ital. 2, 1025
b: chämifeger mit dem stumpe macht die alte wiber z gumpe
Schweizer volksl. 1, 216
Tobler. in der sprache der mathematik: kegelstumpf, pyramidenstumpf. E@22)
mit verlust des sinnes '
aufrecht stehend'
im sinne von '
hinteres restende': einen menschen wohlbewaffnet anzufallen, der nur einen stumpfen von degen in der hand hat Bode
Montaignes ged. 4, 341;
vom rest einer cigarre schweizerdtsche gramm. 11, 21;
häufiger cigarrenstumpf, -stumpen,
meist jedoch -stummel,
s. sp. 401;
anders: und luogt bald zu seim seckel, der was im abgeschnitten und hiengen die stümpf an der gurtel
Fortunatus 52
ndr.; B 2
nahe: wie si die stumpen (
der abgeschnittenen haare) mit samaten harbendlin möchten hinder den oren behalten Keszler
sabbata 153;
redensartlich, am festesten auf C
beruhend, etwa im sinne von haare lassen: ein kauffmann, der leuffet und rennet die welt hindurch ... umb geldes und guts willen, waget darüber leib unnd leben, gatt gebe der stumpff bleibe dahinden oder nicht
M. C. Irenäus
spiegel d. ew. leb. (1589) v 2
a; wann wir einmal ... umblegert würden, wüszt ich warlich nicht wie wir bestünden, wer zu besorgen, wir müszten die stümpf dahinden lassen Fischart
Garg. 422
ndr., s. auch 404;
oder ob wie J,
also '
die strümpfe zurücklassen'? E@33)
im sinne von '
rest'
schlechthin: wil es (
das hosenband) reiszen, knüpffet die stumpen wieder zusammen
Pierot amerik. freibeuter 108; štumpə
eines seils, einer schnur schweizerdtsche gramm. 7, 178; dratstumpen
überreste von schuhdraht Fischer 2, 324;
wie stummel 3 c: stumpe '
verkürztes beet im acker'
oberamtsbeschr. v. Mergentheim 174;
kurzes feld Schön
Saarbrück. 206; mir hon nit alles gepackt mit hacke; mir hon noch e stumpe stehn gelosst Martin-Lienhart 2, 596; bei der anhörung des ... stumpfes eines tonstückes R. Wagner 9, 281;
völlig abstract: s khunt ... sicher in dr shtumpä
in den lumpensack Martin-Lienhart 2, 596.
anders, im sinne von '
stück': vor das gefertigt und, wie recht, beraite leder aber solle (
dem gerber) bezahlt werden. vor ein stumppen leder fünff spannen lang, desz besten 7 fl. ... den halszstumppen 3 fl. ... den halsz allein 1 fl.
taxordnung (1622)
bei Reyscher
samml. d. württbg. ges. 12, 907; stump leder
pars corii desecta Aler (1727) 1860. E@44)
unteres, hinteres ende von etwas ganzem, mit verlust der bedeutung '
rest': umb keirde hey synen schacht mit dem stumpe hey en durch den schilt stach
Karlmeinet 411, 19; er verkert seinen spiesz, und mit dem stumpff stiess er Ripus
Aymont v. Dordon s 1
a; in der wendung (
wird das gewehr) ... so geführt, dasz es hinterwerts in die höhe in der linie mit der schulter, vorwerts mit dem stumpf zur erde gehe Fleming
soldat 223; item kratze es nahe bei dem uberrist mit dem stumpff (
der gerte), so unden an der gerechten hand, darin du die gerdten haltest, fürgehet J. Fayser
hippokomike (1623) 64; item wer ainen zaun zeint und kert die stumpf an den ettengerten (
zaunruten)
[] heraus, als oft ain gerten als oft 12 D (
v. j. 1510)
österr. weist. 9, 328;
modern technisch: zur herstellung von retorten mit zur längsachse geneigten endflächen versieht man das eine ende vor dem brennen mit einem ... ergänzungsstumpf, welches die senkrechte aufstellung der retorte beim brennen ermöglicht. nach dem brennen wird der stumpf von der retorte abgetrennt Muspratt-Stohmann 8, 910; '
bei den gradierwerken derjenige halter oder das gefäsz, worin die gradierwand steht' Jacobsson 4, 344. FF.
ganzer körper oder gegenstand, der, in verschiedener weise, einem eigentlichen stumpf
gleicht. F@11)
kleiner, meist dicker mensch, häufig als familienname, appellativisch nicht alt bezeugt, mundartlich von erwachsenen mehr oder weniger spöttisch oder pejorativ, von kindern häufig liebkosend, besonders im westen bezeugt, s. Woeste
westfäl. 260
b; Crecelius
oberhess. 822; Schmidt
westerwäld. 240; Rovenhagen
Aachen. 141; Follmann
lothr. 510; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 596; Autenrieth 139; Seiler
Basl. 283; Tobler
appenzell. 411; Reiser
sagen d. Allgäus 2, 739; Sartorius
Würzburg 120; Schmeller-Fr. 2, 759;
vereinzelt im ostmd. verzeichnet, s. mitt. d. schles. ges. f. volkskde 16, 144.
in kinderreimen: mairägen mk mi grot, ik bin n lütten stumpe Kück
wetterglaube i. d. Lüneburg. heide 6;
selten literarisch, s. nouv. dict. (1762) 881: blondgelockte Sachsen, mancher stumpf und mancher riese
F. W. Weber
Dreizehnlinden 119.
ähnlich am Mittelrhein vom kleinen karpfen, s. zs. f. dtsche wortf. 6, 74; '
noch nicht ausgewachsene flügelschnecke' Hoffmann
wb. 540,
s. Krünitz 177, 386; stumpfhorn. F@22)
im sinne von '
kurzes glied', '
penis',
obd.: Mätzli Rüerenzumpf dein nam ghört wol zuo meinem stumph; so ghört mein stumph zuo deinem muot Wittenweiler
ring 2119
W. die hat n stumpe
ist schwanger Birlinger
schwäb.-augsburg. 414
b; de bist e stumpe (
s.F 1) de hest e stumpe und de raüchst stumpe (
s.F 4)
bei Martin-Lienhart 2, 596;
s. auch Schmeller-Fr. 2, 761.
vielleicht ähnlich auf die form bezogen '
bratenstück'
eines bestimmten fleischteiles, vielleicht zugleich bestimmten tieres: das eirst gericht mit ein zam schink mit pfeffer, 2 mit ..., 1 mit eim stump, 1 mit einer zungen
buch Weinsberg 2, 85. F@33)
technisch und halbtechnisch: der stumpf dient nur dazu, um einen strick an dem klöppel (
der glocke) befestigen zu können Prechtl
techn. encykl. 7, 87; dratstumpen
bestimmte nagelsorte Fischer
schwäb. 6, 2, 1766. '
kurze tabakspfeife',
wie stummel 4,
s. Mi
mecklenburg. 88
b; Schön
Saarbrück. 206;
von der rahe: stuck, stump,
frustum, frustulum, antemna v.
d. Schueren
Teuth. 263
Clignett. F@44)
cigarrensorte mit stumpfem ende, von dicker kurzer form, frz. bout entsprechend; mundartlich alem., s. schweizerdtsche gramm. 7, 178; 13, 123; Friedli
Bärndütsch 1, 471;
in die schriftsprache in obd. gestalt, besonders als Schweizer stumpen
und Villiger stumpen
eingedrungen: man ... erhielt ... als prämie zwei Schwyzer stumpe R. Thomas
unter kunden 354; er ... hiesz ihn (
in Amerika) die heimischen stumpen rauchen H. Fr. Blunk
land d. vulk. (1929) 112. F@55)
ungeschmückter filz- oder strohhut, der durch beschneiden, aufbiegen usw. des randes und durch band-, blumen- u. a. schmuck erst zum garderobestück gemacht werden musz, im sinne von '
unfertiges, rohes',
in obd. form, s. Unger-Khull 587
b,
in die umgangssprache gelangt, seit dem 19.
jh. bezeugt: (
zum filzen) sind zweierlei fache notwendig; nämlich jene, welche den grund (stumpen) des
[] hutes geben, zu welchem daher das gröbere haar Prechtl
techn. encykl. 7, 597; hutstumpen zu filzhüten, bestehend aus zusammengewalkten hutformen ... ganz oder unvollständig in hutform gebracht
zolltarif u. waarenverz. (1885)
Troje; auch filzstumpen
ebda; strohstumpen. F@66) '
ungefüger klumpen',
occasionelle anwendungen: darein er thet ein lauten pflumpff, als ob er wer von pley ein stumpff H. Sachs 17, 532
K.-G.; richtet auf den stumpf, dasz er werd ein rumpf! Hoffmann v. Fall.
ges. w. 2, 238;
im sinne von '
wertloses, unbrauchbares': stumpen '
ein altes, oder auch ein junges, aber ganz zu grund gerichtetes pferd' Westenrieder 568; weil man die pferd aller orten weggenommen, (
ist) das gebaute nicht alles auszgeblumt worden, vil haben den soldaten abgerittene stumppen auf drey füssen umb etwan wenig gelt erkauft, und mit hinunter geegt T. Gänsschopf
chron. (1656) 174.
anders, in lediglich pejorativem sinn: himmellange bergstöcke, gegen welche der meine ... ebenso zwerghaft erschien, wie die ... im Algäu üblichen armseligen stumpen H. v. Barth
Kalkalp. 109. F@77) '
grassichel',
im gegensatz zur höheren anforderungen genügenden gröszeren sense, wohl nach der kürzeren form, kaum nach der geringeren schneidefähigkeit benannt, also nicht unmittelbar von stumpf,
adj.; die von jüngeren wbb. verzeichnete bedeutung '
schlechtes, stumpfes messer',
z. b. Campe 4, 2, 731; Mozin-Biber 2, 344
a beruht anscheinend auf speculation; s. jedoch Schmeller-Fr. 2, 761.
seit dem 16.
jh. bezeugt: schlifstein ... 52 kautzen flax. stimpf. sengsten. ... ein pflug
Egerländ. inventare bei Nagl
dtsche maa. 1, 183; dasz des pfarrers mägd nicht wenig schaden im grasen, sonderlich in die samenfelder mit der sichel oder stumpf grasen gehen (
hs. v. 1634)
bl. f. württemb. kirchengesch., n. f. 13, 182; stumpff, ein grassichel damit das weib gras abschneidet Hulsius-Ravellus
teutsch-frz. (1616) 315
a;
so auch Rädlein 858
a; eine sichel oder stumpff
falx Corvinus (1653) 244; mit stumpfen, sicheln
Würzburger verordn. v. 1720
bei Schmeller-Fr. 2, 761;
heute noch mundartlich, s. Pfister
hess. 292; Reinwald
henneberg. id. 2, 161; Autenrieth
pfälz. 139;
nur vereinzelt, und hier wohl secundär, in der obd. form: stumpe Fischer
schwäb. 5, 1914.
in compositis: dengelstumpf,
s. th. 2, 926;
oberpfälz., fränk. grasstumpf Schmeller-Fr. 2, 761. GG.
gelegentlich dem adj. stumpf
genau entsprechend, z. t. auf einer art neuer substantivierung beruhend, s. sp. 427;
wie F
im sinne von '
stumpfes ding',
jedoch wohl ohne continuität mit diesem gebrauch. '
stumpfer turm',
s.stumpf,
adj., I A 2,
doch auch strumpf A 2 a
sp. 114
oben u. strunk 1: die schutzmeister sollen off der stompe einen eine busse machen (
hs. v. 1458)
bei Lexer 2, 1267;
entsprechend stumpfer (I A 1 a) rock, stumper, stumpfrock: stumpe '
kurzer rock' Schön
Saarbrück. 206; stump (
n.)
ds. Rask
nordfries. 200.
vielleicht stumpf C 3 c
β entsprechend '
kuhglocke von bestimmtem klang': '
die gröszten und am tiefsten tönenden heiszen stump
und überstump' J. G. Kohl
dtsche volksl. 204; da stimmt gar artig ein der klein und andre piller, der beischlag, wie auch sonst die andern ohrenfüller, der halb- und gantze stumpf, der mengeling darzu die lammsschell, und was mehr noch an sich trägt die kuh E. Stockmann
lob. d. landl. (1681) 15;
anders: stumpe,
f., bestimmte anzahl von zueinander passenden, einen harmonischen accord bildenden viehglocken F. B. Weber
allg. dtsches term. lex. (1844)
suppl. 73. stumpf I A 3 b
nahe, gaunerspr.: stumpf '
hasz; zorn' Kluge
rotw. 340; 346;
s. auch Fischer
schwäb. 5, 1917. HH.
hohlmasz, mengenbezeichnung, auf der bedeutung '
unterer (
restlicher)
teil' (
sp. 428)
und '
dickes, untersetztes, stumpfförmiges' (F)
beruhend, seit dem 16.
jh. bezeugt, mundartlich alem. und bair.-österr., auch rheinfränk. H@11) '
kurzer, dicker, breiter sack mit seinem inhalt',
auch '
nicht bis oben hin gefüllter sack',
der also die gleiche form [] hat: hab Ottenwelders weyb auch ein stumpff futter im ... in di haltstat bracht
Thomas v. Absberg 488
lit. ver.; und bring dem junckherrn den stumpff mit pirn! Ayrer
dramen 2937; ein stumpf korn gestolen (
hs. 17.
jh.)
bei Fischer
schwäb. 5, 1917; obacht haben ... dasz irgend ein rest (
malzes) nicht nach haus genommen, sondern etwa in einem stumpfen versteckt
Württemberg. bräuerordn. bei Birlinger
schwäb.-augsburg. 414; ein stumpf wollen, hopfen Kramer
t.-ital. 2, 1025
b;
s. Krünitz 177, 378;
mundartlich: ein stumpe früchte, kartoffeln, getreide, mehl,
s. Tobler
appenzell. 411
b; Seiler
Basl. 283; Martin-Lienhart 2, 596; Fischer
schwäb. 5, 1915; Schmeller-Fr. 2, 759; Lenz
Handschuhsh. dial. 69
b;
im wortspiel mit A: in der mühle macht ma d stumpe z kurz und in der säge z lang Fischer
schwäb. 5, 1915;
abstrahiert nur auf den inhalt bezogen im sinne von '
häuflein': i hau laus und du häst läus, na geits n ganze stumpe
ebda; viel henn e ganze klumbe flaischknöpflen uf der nas, dail henn nur klaini stumbe grumbeereknöllele Arnold
pfingstmontag 107. H@22)
besonders vom geldbeutel: ein ... kaufmann ... unter vielen gütern, die er einpacken lassen, einen stumpff mit thalern in einen güterpallen mit eingehüllet Harsdörffer
teutsche secr. 1, 630; ein stump geld
un sacco di danari Kramer
t.-ital. 2, 1025
b;
noch notiert von Adelung 4, 477;
auch geldstumpen,
s. Fischer
schwäb. 3, 277; Sanders
erg. wb. 538
c.
abstrahiert im nebensinne oder alleinigen sinne von '
haufen, gröszere summe geldes': nachdem ... mir auch der major einen zimlichen stumpen goldsorten sambt einer güldenen ketten ... gegeben hatte Grimmelshausen
simpl. schr. 3, 42
Kurz; als er einen juden erblicket, so einen ziemlichen stumpf geld eingeschoben
fliegenwadel (1707) 69;
noch mundartlich, s. Staub-Tobler 2, 810; Martin-Lienhart 2, 596
und in mundartl. lit., s. Stelzhamer 1, 198; Auerbach
Brigitta (1880) 222. H@33)
als exacte maszbestimmung: so ... burger ruoben (
rüben), ops ... mit inen füerten, sollen si von iedem stumpe ... ain pfening geben (
schwäb. 1552)
oberrhein. stadtr. 2, 2, 411
Geier; einen st. kern von 4 mitlen (
hs. um 1700)
bei Fischer
schwäb. 5, 1915; et receperunt ... duos lapides piperis et unum stimp seu saccum magnum croci (
saffran) (
v. j. 1502)
stadtb. v. Posen 343
Warschauer; einer kaufft drei stümpff saffran, die wiegen jeder 56 ℔ 12⅔ lot A. Neudörfer
kurtze u. ordentl. anweis. (1599) j 3
a;
mundartlich besonders als getreidemasz von örtlich verschiedener grösze, s. Tobler
appenzell. 411; Martin-Lienhart 2, 596; Follmann
lothr. 510; Fischer
schwäb. 5, 1915. H@44)
eine menge flüssigkeit, der sie enthaltende behälter. H@4@aa)
unten im gefäsz verbliebener rest, mundartlich obd.: trink den stumpe aus! Martin-Lienhart 2, 596; da stumpa dem lumpa (
beim einschenken des restes) Bühler
Davos 2, 330; Lotte, schütt sie die bierstumpen zusammen in eine bouteille Nefflen
vetter a. Schwaben (1837) 228; '
überbleibsel im sieb' Fischer
schwäb. 5, 1915; '
halber napf milch'
ebda; redensartlich mit A 1
spielend: trink aus, du könntest sonst über den stumpen fallen Auerbach
schr. 9, 222;
s. Fischer
a. a. o. H@4@bb)
trinkglas bestimmter grösze und form mit seinem inhalt, in gleicher bedeutung auch stampe,
s. th. 10, 2, 676: '
kleines masz von trinkbarem' Schröer
nachtr. z. wb. d. ma. d. ungr. bergl. (1859) 48
b; '
groszes glas' Castelli 239: die wirthin war unwirsch, so oft sie eine stumpe schnaps zu bringen hatte Rosegger
schr. I 7, 64;
im wortspiel mit A: wenn d stumpe im wirtshaus so herb gienge wie d eichene stumpe, so tät ma it so viel saufe Fischer
schwäb. 5, 1915;
zum trinken auffordernd: [] wir hand dich gern, sitz grad zu mir! ein solchen stumpen gilt es dir! Nic. Manuel 319
Bächtold; vereinzelt von einem gröszeren gefäsz: stump, stumpf,
barile Kramer
t.-ital. 2, 1025
b. JJ. '
beinbekleidung',
im sinne von '
unterer teil eines ganzen' (E 4)
oder '
nach durchschneidung verbleibender unterer teil',
also im sinne der grundbedeutung, die bekleidung der unterschenkel als unterer teil der ganzen schenkel- und beinbekleidung vorgestellt. auf starke selbständigkeit, vielleicht stammverschiedenheit, jedenfalls nicht einfache übertragung, deutet das scharfe ausnahmslose gegenübertreten von stumpf '
beinbekleidung'
gegen stumpe '
truncus'
im obd. (
s. u.).
ebenso benannt engl. stocking '
strumpf'
zu stock,
s. Holthausen 177;
frz. bas
ds. aus bas de chausses,
d. h. '
unterer teil der beinkleider',
s. Gamillscheg
et. wb. d. frz. spr. 85;
dtsch. strumpf,
s. sp. 116.
seit dem 14.
jh. bezeugt; heute neben schriftsprachl. strumpf
mundartlich im bair.-österreich., s. Schmeller-Fr. 2, 761; Schöpf
tirol. 725; Unger-Khull
steir. 585; Lexer
kärnt. 245; Schmeller
cimbr. 176; Loritza
id. Viennense 128;
entlehnt sloven. štunfa Pleteršnik
slov.-nemšk-slov. 2, 649;
schwäb., s. Fischer 5, 1883;
selten im md., s. Hertel
Thür. 239;
luxemburg. ma. 426.
die schriftliche bezeugung, bis ins 17.
jh., erweist weiter das elsäss. als altes verbreitungsgebiet. elsäss. und hochalem. heute strumpf (
s. jedoch u.),
s. Martin-Lienh. 2, 632; Seiler
Basl. 282; Friedli
Bärndütsch passim.; schweizerdtsche gramm. 9, 101; 10, 260; 11, 147.
im schwäb. dringt schriftsprachl. strumpf
vor gegen das in den alten quellen allein bezeugte stumpf;
in den redensarten und figuren das schriftsprachl. wort völlig durchgesetzt, s. Fischer 5, 1883.
bair.-österreich. hat stumpf
nur geringe einbuszen zu gunsten von strumpf
erlitten, s. Schmeller-Fr. 2, 815; Unger-Khull 585;
in Wien herrscht, unter verstärktem städtischem einflusz, strumpf,
s. Jacob
Wiener dial. 187. —
während so stumpf
für das ganze obd. gebiet zu erschlieszen und mit geringen ausnahmen auf dieses beschränkt ist, scheinen für strumpf
bei seinem ältesten auftreten die md. nd. zeugnisse zu überwiegen; bair.-österreich. und schwäb. zeugnisse fehlen ganz. J@11)
beinbekleidung ohne füszling, teilweise modernes hose,
nicht aber eigentlich strumpf
ersetzend: het er die stimpf oder underhosen abgezogen, gieng also barschenkelt
zimmer. chron. 3, 351
B.; so auch Hulsius
teutsch.-it. (1618) 243
b; die alten Römer müntz und bilder zeygen an, das vor zeiten gar kein brauch das haupt zu bedecken bey yhn gewesen ist, noch auch kein hosen, dann reütterstümpff, jetz ist es bedes gemeyn durchaus Seb. Franck
weltbuch (1534) 76
b; die männer hatten zu stümpffen stammet oder särge oder scharlach Fischart
Gargantua 451
ndr.; am frühesten auszerhalb des obd. bezeugt: usgescheiden (
vom zunftzwang sind) die (
schneider, welche) alde cleider machent, dat die vrij solen sin ind mogen vort nuwe stumpe of overlijf machen sunder boisse (
v. j. 1397)
Kölner zunfturk. 1, 157
Lösch. ähnlich mundartlich vereinzelt noch ausdrücklich bezeugt: '
halbstrumpf ohne fusz, gamasche' Bacher
Lusern 398; '
oberer teil des strumpfes'
luxemburg. ma. 426;
isoliert in alem. form: štumpo '
borte am strumpf'
schweizerdtsche gramm. 2, 117. J@22)
daneben gleich häufig, dem heutigen obd. gebrauch entsprechend, '
mit füszlingen verbundene beinbekleidung; lang heraufreichende strümpfe',
gegen 1
nicht immer scharf abgehoben: aus den filtzhüten, stümpffen, schuhen, handschuhen, stiflen ... einander zutrincken Guarinonius
grewel d. verw. 711; das haar oft zum hut und die stümpf zu den schuhen ausgehn haben Fischart 3, 72
H.; was gehst auf steltzen, dasz der stümpff schonst, und fällst gar in treck
Gargantua 250
ndr.; wer gibt übrgschüh, wer gibt flickleder? wer gibt pantoffel, stimpf und schuch? Weidner
bei Hoffmann v. Fall.
findl. 257.
[] KK.
hauptarten der composition, meist in der obd. form stumpen-,
seltener stumpf-
und, auch alem., stump-. K@11)
identität oder ähnlichkeit des zweiten gliedes mit einem stumpf
bezeichnend, daher gegen stumpf,
adj., in comp., s. sp. 459,
nicht immer scharf abgehoben: stumpfarm verstümmelter arm: stumparm Staub-Tobler 1, 453; mit seinem stumpfarm gegen den wasserkasten gelehnt Th. Fontane 1, 491; '
einarmiger, einhändiger mensch',
s. Gangler
Luxemb. 435; Follmann
lothr. 501;
stumpenbein '
klumpfusz, stelzfusz' Staub-Tobler 4, 1304;