zeugnis,
n. ,
älter f., zeugenaussage, testimonium; aus spätmhd. geziugnusse, -nisse,
das ende des 13.
jahrh.s als eine der erweiterungsformen des einfachen nomen actionis geziuc,
m., aufkommt, und nach deren untergang allein auf dem felde der sprache verbleibt. ihren kampf gegen gezeug
stellt th. 4, 1, 4, 7010
dar. die kurzform ohne das präfix ge-
ist seit dem 14.
jahrh. beobachtet, doch fällt ihr keineswegs der sieg überall zu. über diese auseinandersetzung sowie über alle lautlichen vorgänge ist th. 4, 1, 4, 7029
ff. ausreichend berichtet; zu den angaben über die doppelheit des geschlechts und den weg zum zustand von heute sei noch folgendes hinzugefügt: auch in der frühnhd. periode überwiegt noch das fem.; Luther
schwankt noch in der bibelverdeutschung, wovon C. Franke
grundzüge 2, 87
beispiele beibringt, bevorzugt jedoch im ganzen das neutrum; sonst s. noch f. bei Lindener
katzipori 149,
aber n. 52
Li.; f.: H. Sachs 18, 4; 91
K., der jedoch auch meist das neutrum gebraucht; 1. Mos. 21, 30
Zürch. bib. (1531); Ryff
anatomi L 1
b; Murner
narr. 286
ndr.; Weckherlin
ged. 1, 377
F.; Ayrer
proc. jur. 1, 15; Schweinichen
denkw. 13
Ö.; A. a
s. Clara
mercks Wien 130; sein ruhm war mit Paulo die z. seines gewissens G. Arnold
leb. d. gläubig. (1701) 16; eine dreyfache zeugnusz
anmuth. gel. 2, 705
Gottsch., archaisch; Tobler
appenz. 462
b.
entrundeter diphthong -ei-: A. a
s. Clara
n. pred. 78
Bertsche; Warnecke
poet. vers. 137;
anm. gel. 1, 728
Gottsch.; plur. -en: Weckherlin
ged. 1, 46
F.; Schottel
haubtspr. 14;
friedenssieg 21
ndr.; Spener
geistl. friede 89.
zur stoffdarbietung vgl. die anordnung bei zeuge II
und zeugen,
verb. 11)
zeugnis, aussage vor gericht oder in einem rechtsverfahren: der hund rümet sich zügnus, die ward im ze hören erkennet Steinhöwel
Äsop 84
Ö.; Lotharius ... nam darauff das sacrament mit viledlen, die im des zeugnus geben wolten, das er an dem unschuldig were S. Franck
chron. Germ. (1538) 82
b; die junckfrawen hie gegen (wist!), welche mein gantz leybeygen ist, als ich durch zeugnusz dar wil thon H. Sachs 2, 8
K.; ihr ... z., mich auf diebstahl ... betroffen zu haben
Leipz. avantur. 1, 224; dem zügnusz soll nit fest gloubt werden, sy habe denn zween oder dry, die darum sagend Zwingli
d. schr. 1, 336; ein z. ist nichts werth Düringsfeld
sprw. 1, 191
a; ihren (
der partheien) wider einander gerichteten z-sen vor gericht alle glaubwrdigkeit (
absprechen) Raumer
gesch. d. Hohenst. 1, 370; H. Steffens
was ich erlebte 1, 21; sieben lemmer soltu von meiner hand nemen, das sie mir zum z. seien, das ich diesen brun gegraben habe
1. Mos. 21, 30; wird es (
stück vieh) ... zurissen, sol er z. davon bringen und nicht bezalen
2. Mos. 22, 13; — bei deme was ... abt Johans ... zu ainer zeugknusz (
Augsb.)
chron. d. st. 25, 302; zuo eyner zucnisse dusser rede zo han (ich) ... dussen brip besigelet
hess. urkb. 2, 474
W.-R.; das ir jeglicher ze zügnüsz ir insigel an disen brief gehenckt haben Richental
chron. d. Constanz. conc. 70
B.; Tschudi
chron. helv. 1, 109; Stieler 2615;
mit werthvollen belegen H. Fischer 6, 1171. 22)
im freieren verkehr eine auf beobachtung, erfahrung und kenntnis gestützte aussage, die a)
zur feststellung eines sachverhalts dient: werden mir alle deutschen z. geben Luther 26, 273
W.; die z. der krancken Paracelsus
op. (1616) 1, 200
a Hus.; ich habe das z. von ganz Deutschland vor mir, dasz ich mich bey aller gelegenheit als den orthodoxesten vertheidiger der Lutherschen lehre erwiesen habe Lessing 18, 271
M.; ein vater heiszt mich sohn, die schwestern sagen: nein! und wollen nicht einmahl der mutter zeugnisz glauben v. Canitz
ged. 78; nach dem z. aller beobachter Humboldt
kosmos 1, 126; G. Freytag
ges. w. 13, 205; ein merkwürdiges z. ... gibt der volksmund W. H. Riehl
d. arb. 304;
wobei sich als subj. auch die sinne und erfahrung selbst einstellen: het ... solichs nimmer mer gelaubet, wo nit meine augen desz selbs zeügnisz geben Wickram 1, 72
B.; Thümmel
reise 8, 102; das z. der sinne Lichtenberg
br. 2, 175; die erfarung gibt zeügknus, das unser will nit frey ist Eberlin v. Günzburg
s. schr. 2, 186
ndr.; so musz eygentlich die tegliche erfarung zeugnus geben und sprechen, gott beschert uber nacht Agricola
sprw. (1534) A 5
b; Kant 3, 17
ak.; b)
wenn sich mit der aussage eine werthung verknüpft, so ergibt sich die bedeutung ruf, leumund, nachrede; ein kennzeichnendes attribut unterstützt diesen zuwachs des begriffes: wie er (
der pfaffe) allhie soll sein geschaffen, unstrAeflich, nchtern, ghorsam, sittig ... und der ein gutes zeugnusz hab Fischart
nachtrab 60
Kurz; ob er von wenig worten, treu und wahrhaftig, von jedermann gutes z. habe Hohberg
georg. cur. 1, 14; Uhland
ged. 1, 330; E.
M. Arndt 1, 116
R.-M.; das üble z. ..., das die frau ... dem jungen gab O. Ludwig
ges. schr. 2, 309;
auch ohne attribut ist dieser sinn erkennbar: dasz selbiger mann ... sehr unkeusch gelebet habe, wie ihme das zeugnsse von vielen anverwandten nachgesprochen ward J. Prätorius
abenth. glückstopf 502; Homerus, Socrates ... haben noch diese stunde das z., dasz sie viel vernunft ... gehabt J. J. Schwabe
tintenfäszl 85; wen man sol loben nach seim sterben, musz im leben das lob erwerben mit einem tugentlichen leben, dasz alle menschen ihm zeugnusz geben H. Sachs 17, 398
G.; Lenz
ges. schr. 1, 9
Tieck; mit abstractem subj.: alle z-se der öffentlichen achtung Göthe 46, 68
W.; c)
so gewinnt denn der begriff zeugnis eine ausweitung, die ihn in das begriffsfeld des urtheils hinübergreifen läszt; hierbei zeigt sich, dasz dieser merkwürdige thatbestand bedingt ist durch die dem rechtsverfahren fremde häufung der ämter der zeugen und des richters auf eine person; entscheidend ist die dem aussagenden zufallende aufgabe der werthung von eigenschaften oder leistungen: demnach gebe ich diesem büchlin mein z., das es ja wol gemacht ist Luther 23, 15
W.; Göthe IV 10, 213
W.; wegen seines muths und seiner tapferkeit haben ihm selbst seine eigene kameraden das beste z. gegeben Petrasch
s. lustsp. 1, 652;
ein äuszeres zeichen der begriffserweiterung stellt im folgenden fall das hier ursprünglich unzuständige verbum dar: ich musz dem markese das zeugnis erteilen, dasz er diese gedichte gut vortrug Heine 3, 343
E.; zum begriff gutachten
reicht z.
hinüber: welcher ... ein z. ausstellen werde, dasz die strasze auch anders gelegt werden könne Immermann 1, 133
B.; d)
reichliche belege weisen den übergang zu einem concretum auf, wenn nämlich das z.
im sinne eines zbriefes,
einer schriftlichen bescheinigung über leistungen, eigenschaften, verhalten, körperlichen zustand oder geistige und sittliche veranlagung, verstanden wird; zunächst ein urkundliches z.: disz alles ist ... ausz der stiftung ... brieflichen urkunden und zeugknussen ... gezogen Knebel
chron. v. Kaisheim 5
H.; der anfange diser zeügknus oder kundtschafft war wol gezieret und fieng mit disen worten an Lindener
katzipori 149
Li.; ein diplomatisches schriftstück: Bismarck
ged. u. erinn. 1, 239
volksausg.; eine grabinschrift: Neumarck
fortgepfl. lustw. 1, 329;
ein ausweis: Göthe im
G.-jahrb. 22, 46;
eine behördliche bescheinigung, attest: die aussetzigen dorfften nicht under die leuth kummen, sie hetten dan zceugnis genomen vom priestern, das sie rein weren Luther 9, 555
W.; auslendische oder frembde betler ... nicht on brieffe oder z. leyden 26, 639
W.; Chemnitz
schwed. krieg 26; glaubhafte attestate und z-se: v. Fleming
sold. 207; pasz ... ein z. des reisenden Gottsched
sprachk. 91;
das von dem lehrherrn oder den lehrern ertheilte entlassungszeugnis: die z-se meiner lehrmeister über den gegenwärtigen monat A. G. Meiszner
Alcib. 1, 97; dieser (
ein professor) hat ihm fr baares geld ein akademisch zeugnisz zugestellt Kortum
Jobsiade 1, 70; kehrte ... mit den schönsten z-sen seiner lehrer ... in sein vaterland zurück J. P. Hebel 2, 102
Beh.; Klinger
w. 9, 43; Jac. Grimm
kl. schr. 1, 7; Fontane I 6, 255; erhielt ... das z. der reife nicht
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. 3, 226;
allgemein; abkehrschein ... das einem abkehrenden bergarbeiter ... ertheilte z. Veith
bergwb. 6;
auch in der offizierlaufbahn, nur dasz jetzt der inhalt des z-ses
in den acten bleibt: demnach ... vorzeiger dieses ... bey mir sowohl um dimission seiner charge als z. seiner treugeleisteten dienste gebhrliche ansuchung gethan (
beginn eines abschiedes) v. Fleming
soldat 118; Fr. L. Jahn 2, 231
E.; als offizier und mit guten z-sen und empfehlungen versehen, kam ich ... nach Berlin Moltke
ges. schr. 1, 22. 33)
schriftzeugnisse geschichtlicher darstellungen oder literarischer oder wissenschaftlicher werke, a)
im profanen bereich: solche und dergleichen z. und ehrentitul (
wie diese that) kOendten viel erzehlet werden Binhardus
thür. chron. vorrede d 1
a; die lautere wahrheit, so nach Demokritus zeugnsse in einer tiefen schacht verborgen lieget Zesen
rosenmând A 7
b; zeugnüsse aus denen alten griechischen und lateinischen scribenten Thomasius
disk. v. d. freiheit d. itzig. zeit. 20
Brügg.; Gottsched
wb. d. wiss. 1680; Haller
tageb. 1, 19; Kästner
verm. schr. 2, 149; die z-se der kirchenväter Ranke
s. w. 1, 296; eine grosze anzahl geschichtlicher z-se Herm. Grimm
Michelangelo 1, 36; nach dem z-se der geschichte Döllinger
akadem. vortr. 1, 23;
so entsteht geradezu die bedeutung citat: beständig redete er in allegorischen rätseln, sogar in z-sen Justi
Winckelmann 1, 41; b)
der biblische kreis bildet hier sonderbedeutungen aus; zwar α)
noch nicht in fällen, wie den vorigen: mgen wir frOelich und sicher uns auf yhr z. lassen und drauf urteilen und gleuben Luther 26, 459
W.; die füll der gnad hastu on masz, die schrift thuot zeügknusz geben H. Sachs
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 60; zeugnusz der h. schrift
volksb. v. dr. Faust 126
Br.; das einstimmige z. aller propheten W.
F. Besser
bibelstund. 3, 547; D. Fr. Strausz
ges. schr. 3, 33;
wohl aber in der bibelsprache, β)
wenn gottes gebot im anschlusz an das lat. testimonium der vulgata, das für testamentum, d. i. gesetz, bund steht, als ein z.
bezeichnet wird; die älteste bibel gebraucht der gezeug,
wofür die späteren ausgaben gezeügknus
und zuletzt, meist von 1475
an, zeugknusz
setzen; s. th. 4, 1, 4, 7011;
den ausgangspunct erkennt man an der stelle: und solt ... in die lade das z. (
testimonium; gesetz Kautzsch) legen, das ich dir geben werde
2. Mos. 25, 21; sie hielten seine z. und gebot, die er inen gab
ps. 99, 7; 119, 22; ich hange an deinen z-sen 31; das ich halte die z. deines mundes 88; die seinen bund (
testamentum) und z. (
testimonium) halten 25, 10: die do suochent seinen gezeug (die ee 1.
Augsb. ausg. von 1475; sein gescheft 2.
ausg. von 1475
u. folg.) und seine gezeuge (gezeügnusz 1.
Augsb. ausg. von 1475,
ferner 1477, 1480; zeugknusz 2.
ausg. von 1475
u. folg.)
älteste bib.; seine z., die er unter inen thet
2. kön. 17, 15;
danach auszerhalb der bibel: kam Paulus ... ze verkünden die zewgnus Christi Berthold v. Chiemsee
teutsche theologey 4
R.; wohl denen, die sein zeugnusz halten H. Sachs 18, 458
G.; Schede
psalm. 89
ndr.; dasz mit z.
das lat. testamentum
wiedergegeben wird (
s. auch th. 4, 1, 4, 7011),
lehrt: und wer darauf nicht bleibt, was er im zeugnis liest Zinzendorf
teutsche ged. 333; dein zeugnisz bleibet gewisz und deine rechte wahrhaftig und unverAenderlich wie du Giseke
poet. w. 88
Gärtner; noch für citat aus der bibel: heiliges z.
Shakespeare 4, 28;
γ)
und wenn ebenso in der benennung der bundeslade
und stiftshütte
das wort z.
auftritt: auf der laden des z. (
super arcam testimonii; auff der arch der gezeúgnisz
älteste bib.)
2. Mos. 25, 22; in der htten des z. (
in tabernaculo testimonii; tabernackel des gezeúgs [
von 1475
an der gezeugknusz, 1477—1485 der zeúgknusz]
älteste bib.)
4. Mos. 17, 7; fur dem furhang des z. in der htten des z. (
nach 1528 in der htten des stiffts;
ante velum testimonii in tabernaculo foederis; in dem tabernackel des gelúbdes [des testamentz, der zeugknusz] auswendig dem decksale des gezeúgs
ält. bib.)
3. Mos. 24, 3,
wo Kautzsch
übersetzt: auszerhalb des vorhangs vor (der lade mit) dem gesetz im offenbarungszelt;
auch 4. Mos. 1, 1
und 1. Sam. 2, 22
hält Luther
bis 1528
an z.
fest; an der letzten stelle bietet die hs. von 1523
gar den verkürzten ausdruck an der thur des z. (
s. Luther
bib. 1, 39
W.),
und dieser ist gar im endgültigen wortlaut unverändert geblieben 2. Mos. 16, 34: fur dem z. (
in tabernaculo);
zu 1. Sam. 2, 22
vgl.: (
die weiber) hütten vor der zeugnusz der thür H. Sachs 1, 199
K. 44)
zeugnisse, die sich durch gegenstände, denkmäler, werke, thaten oder verhalten kundthun oder aus einer seelischen einstellung flieszen: a) ist ... der fingerring zeügnis, den er verloren het Boltz
Terenz (1539) 93
b; sOelcher manlichen geschichten zeügnüs ward ain übergrosze ery sul gegossen Steinhöwel
Boccaccio de clar. mul. 27
Dr.; von deren winterlager allhier noch viel alterthumssachen z. geben S. v. Birken
verm. Donaustrand 51; v. Fleming
soldat 305; dies morgenländische z. (
der turm zu Babel) Herder 5, 133; 15, 458
S.; z-se und denkmahle der urwelt Fr. Schlegel
s. w. 1, 108; Göthe 37, 184
W.; G. Keller
ges. w. 2, 145; (
mein buch) als ein offenbares z. meiner ... dankverpflichtung Heppe
lehrprinz 6; Göthe 46, 13
W.; ein z. sind seine (
Schillers) dramatischen werke Gervinus
gesch. d. deutsch. dicht. 5, 336;
ein blutstropfen: wasch dieses garstige z. von deiner hand ab H. L. Wagner
theaterstücke 46; Tieck
schr. 11, 71;
sich öffnende knospen: wenn wir sehen die zeuchnis, das er kaum ausschlge, sollen wir erkennen die zeit, der sommer wer vorhanden A. Taurer
feigenbaum (1593) A 3
b;
sonst: ein haus von innen wie von auszen rein, das ist ein gutes zeugnisz für den wirth Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 5, 227; gesammelte z-se fr die hochdeutsche mundart Adelung
magazin 2, 1, 3; Kluge
etym. wb.6 XII; — welche (
Müntzer und Karlstadt) hatten ... yhre kunst aus dem z. yhrer ynwendicheit Luther 26, 434
W.; so wir solchs geists z. yn unserm hertzen fulen 26, 505
W.; Eberlin v. Günzburg 3, 259
ndr.; das z. eines guten gewissens Joh. Arnd
Thomas v. Kempen nachf. Christi 25; Liscow
sat. schr. 5;
vielfach; das innere z. ber redliche bemhungen Thom. Abbt
verm. w. 1, 3; das z. ihres wohlwollens Göthe IV 28, 40
W.; u. a.; die ehre soll ein z. der tugend seyn Harsdörfer
secret. 1, Bb 4
a; b)
im besonderen das glaubenszeugnis, wenig belege: vil heylig martrer ... mit irem unschuldigen pluoet die warhait unsers glaubs bestättigt und darüber zewgnus geben haben Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 14
R.; als der weite platz erscholl von dem einen z. des gekreuzigten gottes Aurbacher
volksb. 12. 55)
grammatisches und stilistisches; a)
wortsinn und -gebrauch, α)
zutretende adjectiva und substantiva: du solt nit falsch tzeugnus reden wider deinen nechsten Luther 1, 251
W.; öffentlich: Dannhauer
cat.-milch vorwort 4
b; Liscow
sat. schr. vorwort 14; beglaubt:
M. v. Lilienberg
künstl. unordn. 1, 1; Herder 22, 183
S.; unfeilbar: D. v.
d. Werder
ras. Rol. 9.
ges., 17.
str.; unwidersprechlich: Weckherlin
ged. 1, 31
F.; unverwerflich: Ranke
s. w. 9, 288; unverfänglich: Hoops
waldb. 486; unzweideutig: Creuzer
mythol. 1, 5; authentisch: A. Ruge
br. 2, 332
Nerrlich; klassisch: H. Brunn
kl. schr. 1, 67; rühmlich: Steinbach 2, 1089; glänzend: Fontane I 1, 226;
bes. häufig tritt kundschaft
als begleitausdruck auf: mit sunderlichen geschefftbrieffen, kuntschafft und zeugknus Oheim
Reichenauer chron. 152
Bar.; Fronsperger
kriegsb. 1, C 2
a;
u. a.; danach erscheint fast ebenso oft urkund: das es sol sein ein gewisser z. und urkund seiner auferstehung Luther 32, 60
W.; andere gruppenwörter: wahrzeichen und z. Grimmelshausen 4, 674
Kell.; z. und vorbild C. Scheit
fröl. heimfahrt 4, 48
Str.; die erste anzeigung und zeugnusz der liebe
Amad. 1, 58
K.; Paracelsus
op. (1616) 2, 142
a Hus.; bewysung noch zügnüsz
N. v. Wyle
transl. 137
K.; β)
eine neue bereicherung des wortgebrauches (
s. 2
c)
tritt ein, wenn sich die beweiskraft des zeugnisses steigert und das eine zeugnis zur urtheilsfindung ausreicht; den sinnunterschied zeigt zunächst der folgende beleg: sie bringt beweis und zeugnis bei, sie schleppt ein bündel von urkunden Heine 2, 95
E.; in den nachstehenden fällen erreicht z.
mehr oder weniger die bedeutung beweis: deszgleychs hat Cristus zuo zewgnusz seiner gothait fürgewendet seine werch Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 67
R.; ware zaichen und rechte zeügnusz ... der gegenwärthigkait gOettlicher genaden Keisersberg
granatapf. D 6
a; die chemischen farben geben ein z. sehr langer dauer Göthe II 1, 283
W.; unterstützend wirkt der gebrauch der präpos. zu: B. Waldis
Esop 1, 312
Kurz; nachdem der zubringer sein glas ausgetrunken hat, strzt er das glas umb auf den nagel des daumens, zum z., dasz er es vOellig ... ausgetruncken hab v. Ettner u. Eiteritz
mediz. maulaffe 329;
γ)
persönliche vorstellung drängt sich auf, z.
steht für zeuge: die sonn, unser und unsers geschlecht gott, sey mein zeugnusz ..., dasz
buch d. liebe 195
d,
ein merkwürdiges gegenstück zu dem unt. zeuge I 3
vermeldeten verfahren; b)
in syntaktischer hinsicht, α)
mit einem objectsgenitiv: des gibt mir z. das kunstlich stuckwerk Wickram 2, 200
B.; J. v. Schwarzenberg
Cic. 151
b;
buch d. liebe 213
a; zeugnusz der weyszheit Judas Nazarei 47
ndr.; z. der liebe: Silesius
seelenlust 3
ndr.; buch d. liebe 117
a; Cronegk
schr. 2, 282; z. eurer schuld Stoppe
Parnasz 291; das z. des verrathes Göthe 9, 390
W.; u. v. a.; β)
der dativ bezeichnet in der regel die person, der das z.
gegeben oder ausgestellt wird; belege s. ob. 2
a und b, bes. c; hieraus leitet sich der sachdativ in der verbindung z. geben
her: Christus saget, er sey komen, das er der warheit z. gebe Luther 28, 362
W.; so sehr häufig, vgl.: schausp. des ma.s 2, 296
Mone; H. v. Cronberg
schr. 100
ndr.; Kramer
teutschit. 2, 1448
c;
auch: gibt seiner erziehung ein gutes z. Fouqué
gefühle 1, 234;
γ)
verben, von denen z.
abhängt, wobei der genitiv sich eigentlich nur im anschlusz an Matth. 26, 65 was drffen wir weiter z.? (
so unverändert bei Schleiermacher I 5, 100)
hält; vgl. Ryff
spieg. d. gesundh. 3
a; L. v. François
Reckenb. 1, 64;
sprw.: die warheit bedarf wenig z. Eyering
prov. 1, 733;
vorherrscht der accusativ; die ursprüngliche vorstellung des heranziehens (
s.zeuge einl.)
rufen noch die verben leiten, führen, anziehen
hervor, vgl.: umb was sach man zignsz laiten welt
oberschwäb. stadtrechte 1, 43;
Alemannia 5, 32; mit zeugnis fren und beweis Hayneccius
Hans Pfriem 39
ndr.; zeugnus einfüren Fischart
ehzuchtb. 207
H.; anziehen
Garg. 193
ndr.; anrufen, sich berufen
s. unt. δ;
sehr gewöhnlich ist geben: derselbige geist gibt z. unserm geist, das wir gotteskinder sind
Röm. 8, 16;
weitere beispiele für die fügung mit dem dativ der person s. 2
c; präpositionen gehören zu z.: denn alle zeichen geben für ihn zeugnisz Schiller 12, 247
G.; ebenso von: davon ihre ... betrachtungen z. geben G. L. Hartmann
fluchspieg. 35; Bismarck
polit. red. 3, 8
Kohl; ferner: attestor ich bring z. Alberus 137
b;
selten nehmen: des fragt der richter von mannen zu man und nimbt im (
sich) des zeugnusz (
überzeugt sich davon; 16.
jahrh.)
österr. weisth. 9, 726; leisten: Göthe (
Faust 5622) 15, 44
W.; ihm ... ein glänzendes z. auszustellen Jhering
geist d. röm. rechts 2, 6; ablegen: eure farbe legt ein ... starkes z. ab
Shakespeare 4, 282; Bismarck
polit. red. 4, 355
Kohl; freier verben der aussage: da er denn nachfolgendes zeugnusz auszgesagte Tabeus
MAeynhincklers sack (1612) D 3
b; soviel ... seine z-se aussagen Göthe IV 21, 117
W.; dasz so ein brandmahl dem mann ein beszres zeugnisz redet als sein eigner mund Lessing 3, 60
M.; δ)
präpositionen stehen theils vor dem wort z.,
in loser oder fester verbindung mit der satzconstruction, theils hinter ihm; beispiele für den ersten fall: auf, meist von sich berufen
abhängig: sich auf eines sein z. berufen Kramer
teutschit. 2, 1448
c; ich berufe mich auf sein z. Klinger
w. 1, 413;
doch auch gelegentlich mit anderen verben verbunden: auf ihr z. sterben Kolbenheyer
Parac. 3, 213;
nach: on die werch ist der glaub tod, nach zeugknusz Jacobi Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 17
R.; nach dem z-se alter ... schriftsteller Schwan
n. dict. 2, 1103
a;
deutsche sag. 2, 137;
zu: es wird geprediget werden das evangelium vom reich ..., zu einem z. uber alle vOelcker
Matth. 24, 14; zum z., dasz Ad. Olearius
pers. reisebeschr. 144; Lessing 17, 12
M.; Göthe 33, 10
W.; schickten gen Consentiam sein haubt zu einer zeugnusz mit nam H. Sachs 2, 131
K.; (
kraniche,) die der poet (
Ibycus) zum zeugnus seiner unschuld uber der mOerder mord anruoffet S. Franck
sprw. (1545) 1, 53
a; Hippel
kreuz- u. querzüge 1, 287;
für den zweiten fall: für: z-se ... fr die existenz Raphaels Bodmer
v. d. wunderbar. 41; z. für deine verdienste Lichtenberg
nachl. 71; Brentano
ges. schr. 5, 72;
gegen (
selten): Schiller 15, 1, 52
G.; gegen diese verwechslung z. ablegen Nietzsche
w. 1, 493;
über (
selten): z. über die art, wie ich die zeit verbracht, ablegen G. Keller
ges. w. 3, 232;
von: Gottsched
crit. dichtk. 3; Göthe IV 28, 250
W.; dasz er zeugnisz geb vom lichte Brentano
ges. schr. 1, 284; von dieser ... stimmung gaben ... die briefe z. Spielhagen
s. w. 1, 7;
ε)
objectssätze, welche den inhalt des zeugnisses bestimmen: damit ein iglicher ... ein z. habe von mir selbs, das ich meine lere nicht widderrufen habe noch will Luther 23, 37
W.; so kOennen sie euch zeugnis gebn, das ir gebessert euer leben Dedekind
christl. ritt. C 8
b; Brentano
ges. schr. 2, 195; zeugnisse dafür, dasz Mommsen
röm. staatsr. 1, 46;
sehr gewöhnlich; dem Athensi gybestu ... dys z. ..., wie er von aller welt ... gelobet sey Hutten
op. 2, 214
B.; nachdem du tAeglich zeugnisz giebst, wie sehr du deine menschen liebst J. Chr. Günther
ged. (1735) 9; Göthe 5, 120
W.; wird ein z. geben, welche weltbewegung daraus entstand II 6, 219
W.; ζ)
losere verknüpfung mit dem satzgefüge stellt als
her: nehmen sie diesen brief als ein neues z., dasz ich sie nie vergessen werde Göthe IV 1, 251; 46, 72; IV 29, 98
W.; η)
zss. (
alle mit zeugnis 2
d): amts-, arbeits-, armuts-, bedürftigkeits-, dienst-, ehe-, fähigkeits-, fleisz-, führungs-, gesundheits-, krankheits-, leistungs-, leumunds-, prüfungs-, reife-, schul-, wahrheitszeugnis.