sumpf,
m. herkunft. das wort ist ursprünglich heimisch wohl nur im deutschen: mhd. sumpf,
mnd. sump '
sumpf, trog' Schiller-Lübben 4, 469
a;
ostmnl. somp, sump,
m., moeras, poel, lacuna Verwijs-Verdam 7, 1535;
neunl. somp,
m., f., poel, drassige of moerassige plek, doornatte turf woordenbook 14, 2514; sompe
drijftil zonder vasten bodem Dijkstra
friesch wb. 3, 166
b.
aus dem nd., auch in den dem holl. fremden bedeutungen 3
und 4,
entlehnt ins engl.: sump, sumph, sumpt,
in älterer form sompe '
sumpf; sammelgrube oder -behälter, bes. in berg- und hüttenwerk' Murray 9, 2, 149
b,
und ins skand.: dän. schwed. sump '
sumpf',
ädän. auch '
cisterne' (Kalkar 4, 208
b), agersump '
gruben, welche zwischen den äckern hinein gemacht werden, damit das wasser abflieszen kann' (Kalkar 1, 39
b),
schwed. fisksump '
fischbehälter', badsump '
bassin' (
vgl. Falk-Torp 1204, Hellquist 907
a),
norw. sump,
f., '
kleine höhlung oder senkung in der erde, im schnee, im holze u. dgl.' (Torp 744
b).
dazu ins tschech. entlehnt: žumpa,
wohl aus ostmd. sump,
vgl.(
wenn auch falsch erklärt) A. Mayer
d. dt. lehnw. i. tschech. (1927) 15
u. ö. sumpf
steht, wenn aus *swumpa-,
im ablaut mit westfäl. swampen,
vb., schwappen, schwanken, von sumpfigem, morastigem grunde Woeste 264
b,
und engl. swamp
feuchtes, sumpfiges gelände, see, seichte lake Murray 9, 2, 278
c (
vielleicht selbst aus dem mnd. stammend),
weiter mit and. suamp
in dannensuamp
agaricus (
ahd. gl. 3, 594, 55, 13.
jh.),
dän.-schwed. svamp
schwamm, pilz, an. svǫppr
pilz, ball Cleasby-Vigfusson 613
aus germ. *swampu-,
s. Falk-Torp 1209.
lautlich identisch mit dt. sumpf
ist an. soppr (Cleasby - Vigfusson 578
a)
mit abgeleiteter bedeutung '
ball',
dän., norw., schwed. sopp
pilz, schwamm Falk-Torp 1108; A. Torp 682; Hellquist 826.
als ausgang beider reihen gilt idg. *sombu-,
nebenform zu *sombho-s
schwammig, porös (
worunter sich auch sumpf
fassen läszt),
gr. σομφός dass., mit anderer ableitung (
*sombhmo-?)
got. swamms
σπόγγος,
ags. meteswamm
pilz, ahd., mnd. swam, swammes
pilz, schwamm Walde-Pok. 2, 534.
verbreitung und form. im mittelalter ist das wort wesentlich auf mittel- und norddt. boden beschränkt, in hd. und nd. lautung: sump
sächs. weltchron. 125; sumpf
passional 89, 70
H.; Kasseler hs. d. Rennewart (
md. 1334) 22376
H.; für 1385
bei Böhme
schles. rechte (1770) 6, 150; bruder Hans
Marienlieder 2258; sump
in nd. gll. d. 15.
jh. bei Diefenbach
gl. 316
a,
n. gl. 226
b;
als sump
und sumpf
in der Harzer und ostmd. bergmannsspr. seit d. 14.
jh., s. 3
und 4.
vereinzeltes vorkommen bei den Oberdeutschen Hugo v. Langenstein
und Berthold v. Regensburg (
s. sp. 1084)
erklärt sich durch beziehung zu ostdt. ordens- und mystikerkreisen. seit dem 16.
jh. drängt sumpf
das literarisch bisher vorherrschende mos
in die obd. mundarten ab (
s.moos 2
teil 6, 2519);
seine träger sind wie bisher Ostmitteldeutsche, z. b. Luther: sumpf 34, 2, 396
W., Mathesius: sump
Sarepta (1578) 125
b; sumpf
ebda (1562) 318
a, Sebiz: sumpf
feldbau (1579) 5,
dazu nun nachbarn: sumpf
voc. teut. (
Nürnberg 1482) f f 6
a, Hans Sachs,
z. b. 17, 421
K., vor allem Alemannen: Paracelsus
op. (1616) 1, 239
H.; Fischart
practic 27
ndr.; Ryff
spiegel d. gesundheit (1544) 56
a; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 496
b;
vgl. auch sompf
Calvin inst. christ. rel. (1579) 115.
die Züricher bibel (1531) 30
a übernimmt Luthers wassersumpf
2. Mos. 7, 15
gegenüber lachen
bei Eck (1537) 30
a. —
allgemein hoch- und umgangssprachlich wird sumpf
erst vom 17.
jh. ab über die ost- und norddt. kreise der sprachgesellschaften, z. b.: Lohenstein
Ibr. sult. 37; A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 1057; Stieler (1691) 251;
auch unmittelbar aus der mundart als sump,
z. b. D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 14, 25.
seitdem ist sumpf
die herrschende sachbezeichnung. die mundarten zeigen den verbreitungsstand des frühnhd. bodenständig als somp, sump
im rheinisch-fries. (
vgl. das nl.)
und (
von hier aus gewandert?)
hauptsächlich auf ostdt. kolonialboden; s. z. b. Follmann
lothr. 512
b; Hönig
Köln 179
a; Doornkaat-Koolman
ostfr. 3, 364
b.
am mittelgebirgsrand ostwärts, z. b. Bauer-Collitz
Waldeck 101
b; Damköhler
Nordharz 190
b.
in Ostdtl.: Danneil
altmärk. 216
a;
Fischer Samland 88
b;
als sump
und sumpf Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 589
a.
auf obd. boden ist sumpf
nur im elsässischen (
an stelle von mos)
lebendig, z. t. in der mittelrhein. lautung sump
und sumpen Martin-Lienhart 2, 359
b und 957
a.
im schwäb.-schweiz. bleibt es ungewöhnlich, s. Fischer 5, 1957,
schweiz. id. 7, 992;
im bair.-österr. ist es ungebräuchlich. dagegen lebt im südlichen obd. eine sonst spärlich bezeugte dentalerweiterung (
s. Wilmanns 2, 339):
ahd. sunft Otfrid V 23, 110
E. (
vgl. 1 d
β);
mundartlich in verschiedenen varianten: žũft (
aus sunft) Tschinkel
Gottschee 48; sumpften,
m., f. Unger-Khull
steir. 600
b;
im alem. sumpft Fischer 5, 1957;
schweiz. id. 7, 992; sumfteren,
f., ebda; mit i-
bildung fem. sümpfte Fischer 6, 3259; sünfte Martin-Lienhart 2, 359
b; sunfti
schweiz. id. 7, 993; sönfte (
von 1743)
ebda. auf nd. gebiet entspricht sumpt '
sumpf, trog' Schiller-Lübben 4, 469
a.
flexion ist stark nach der i-
klasse mit umlaut im pl.; ohne umlautszeichen z. b. Luther 34, 2, 396
W.; Eppendorff
Plinius (1543) 9, 135; Aitner
jagd- u. weidbüchlein (1681) 82.
gelegentlich im frühnhd. schwache beugung: acc. sing. sumpfen H. Sachs 15, 548
K.; dat. sing. Prätorius
winterquartier (1676) 411;
acc. pl. sumpfen Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 25.
bedeutung und gebrauch. 11)
die ausgangsbedeutung von sumpf
als geländeform ist die einer engen verbindung von feuchtigkeit und erde in einer bodenvertiefung, im gegensatz meist zu klarem (
stehendem und flieszendem)
gewässer und zu trockenem erdreich. von hier läszt sich als '
schwammiger boden'
die brücke schlagen zur etym. urbedeutung '
schwammig, porös'. 1@aa)
erdkundlich, '
palus', '
ein ständig mit wasser stark durchsetzter boden an der erdoberfläche' Hager
techn. wortschatz (1919) 353
b: de duvel sagede ime (
Julian): '... heve mich ut deme sumpe, ere mich, ich wille di geven alle wunne'
sächs. weltchron. 125
W.; das man (
den selbstmörder) nicht begrabin sulle yn keyne trewge adir herte erde, sundir man sal en werfin yn eynen sumph adir bruchtecht (
von 1385)
schöppenorteile bei J. E. Böhme
schles. rechte u. gesch. (1770) 6, 150;
vgl. rechtsaltertümer4 2, 327;
palus ein tieffer und breyter sumpff Alberus (1540) Z z 2
a; vom Bourtanger see,
einen tieffen sumpffen, der des winters über kaum gefrieret Prätorius
winterquartier (1676) 411; und eben in die sümpfe, die ihn (
Alfred) vor den siegenden Normännern verborgen hatten, gründete er auf pfäle ein kloster Haller
Alfred (1773) 79; diese pflanze ist für das meer, jene für den sumpf, diese für quellen und seen geschaffen Herder
w. 13, 57
S.; schlangen, die der sumpf genährt, kocht und zischt auf unserm herd Schiller 13, 100
G.; die canäle, die durch die sümpfe durchgehn Göthe III 1, 285
W.; ein sumpf zieht am gebirge hin, verpestet alles schon errungene Göthe 15, 1, 315
W. aus den blumen sind böse kräuter geworden, aus dem hellen see ... ein schnöder sumpf Fouqué
zauberring (1812) 2, 27; weil hier alles sumpf ist und blosz so tut, als ob es wiese wäre Fontane
ges. w. I 5, 174; dasz die ... offensive ... in sumpf und blut erstickt ist
amtl. kriegsdepeschen 1. 4. 1916.
sprachläufig sind die pontinischen sümpfe
z. b. Archenholz
England u. Italien (1785) 2, 286; Lichtenberg
briefe 2, 167; Ranke
s. w. (1867) 40/41, 80;
vgl. im bild: (
ihre liebe sei) blutschlecht und ... ein pontinischer sumpf Jean Paul 1, 270
H. 1@bb)
die mit sumpf
als landschaftsform gegebenen vorstellungen verdichten sich sprachlich zu gelegentlichen und festen verbindungen mit gemeinsamem oberbegriff. 1@b@aα)
substantivisch. in zweigliedrigkeit mit begriffen, denen das schlammerfüllte mit sumpf
gemeinsam ist: nirgends aber geschicht solchs (
schlechter geruch nach regen) also merklich, dann da es sümpf und pfützen hat Sebiz
feldbau (1579) 5; du zeigst dem andern wol die rechtgebähnten straszen, wilst gleichwol selbsten nicht die sümpf und pfützen laszen (18.
jh.)
der wolgeschliffene narrenspiegel (
Freystadt o. j.) f 1
a; wegen der ... groszen sümpff und gebrücher Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 4.
häufiger mit morast: nachdem ehr sammt dem ross ihn eine sumpff oder morast gerahten und stecken blieben G. Kraus
siebenb. chron. 1, 33; irrwischreiche sümpf und dörnichte moräste Lohenstein
Ibrahim sultan 37; als wenn ein irrlicht uns in sumpf und morast führet Gottsched
dt. schaubühne (1741) 3, 393; nur in engen thalschluchten ... zeigen sich sümpfe und moräste Ritter
erdkde (1822) 1, 119. —
ebenso mit moor: schlangenbrut aus sumpf und moor Bürger
w. 303
Bohtz; ein bezirk, wo ... keine kahle höhe, kein sumpf und moor ... von der trägheit ihrer bewohner zeige Herder
w. 22, 132
S.; leben rauscht von allen blüthenzweigen, regt sich einsam unter sumpf und moor Sophie Mereau
ged. (1800) 1, 44; die ganze gegend ist durch moor und sumpf, den niemand zu betreten wagt, eingeschlossen
deutsche sagen (1891) 2, 13.
zumeist zweigliedrig wird auch der begriff des unwirtlichen gefaszt, sumpf und wildnis, sumpf und wald: (
die Deutschen, welche) vor alters ... haben in den sümpffen und wildnüssen gewohnet Butschky
Pathmos (1677) 540; ein kaltes, unfreundliches, rauhes, mit waldungen und sümpfen angefülltes land
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 2; einmal durchzog er die unwirthbaren wälder und sümpfe des alten Deutschlands Aurbacher
volksbüchlein (1835) 15; kein teil Galliens sei ohne anbau, auszer wo sümpfe und wälder ihn unmöglich machten Wimmer
gesch. d. dt. bodens (1905) 9.
lockerer sind verbindungen mit dem oberbegriff '
gewässer'
; wiederkehrend ist dabei see
und sumpf: auch wuszte ich alle berühmte paludes, seen, sümpfe und lachen zu beschreiben Grimmelshausen
Simplicissimus 529
ndr.; dasz man die störche des winters in seen und sümpffen gefunden Prätorius
winterflucht (1678)
vorhab a 6
a. wasser
und sumpf: umb die wasser und sumpffe halten sie sich gerne Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 82; durch eine kleine vertiefung, wo weder wasser
noch sumpf sich bemerken liesz Göthe 33, 293
W. 1@b@bβ)
beigefügte adjectiva heben die eigenschaften des sumpfes
hervor. das trüb-moderige: alle fisch, so in trben, masigen sümpffen und wstem wasser geend, die seind ... schleimig und unrein Ryff
spiegel d. gesundheit (1544) 56
a; mit vielen pfürtzsichten, feuchten sümpfen H. Rätel
chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 291; schande aber dem trüben, wolkigten sumpfe, der es (
das sonnenbild) empfängt und niemals zurükgiebt Schiller 4, 55
G.; in einem faulen sumpfe Treitschke
hist. u. pol. aufs. (1886) 1, 244. —
das verwachsene und unwegsame: wir gönnen dir die lust in schilfbewonten sümpfen S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 82; rohrichter sumpf
M. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 366
c; legten wir nahe der burg, im dichtverwachsenen sumpfe zwischen weiden und schilfen uns nieder, unter der rüstung J. H. Voss
Odüssee 266
Bernays; die unwirthbaren sümpfe Naumann
vögel (1822) 1, 72; unzugängliches land ..., wolfsklippen, windige felsen, unwegsame sümpfe Laistner
nebelsagen (1879) 89. 1@b@gγ)
verbal den sumpf trocknen, austrocknen,
später entwässern: kriegsübungen, ... die ... die neugeworbenen des tages zweymal ... treiben und noch
dazu sümpfe trocknen ... musten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 44
a; indem er wälder ausreutet und sümpfe austrocknet Schiller 1, 156
G.; anstalten, um sümpfe zu entwässern Herm. Grimm
Michelangelo (1890) 1, 46; hast du keinen sumpf zu entwässern und gräben zu ziehen? G. Freytag
ges. w. 5, 163. 1@cc)
weniger scharf, von einer dem streng erdkundlichen begriff des sumpfes
ähnlichen bodenbeschaffenheit, '
durchfeuchtete erde, schlammgrund, faulige, kotige masse' (
wirksam vor allem in zusammensetzungen, s. 5 b);
vgl. die bauernregel: roggen in klump un weiten in sump (
d. h. in nassen boden) Damköhler
Nordharz 190
b,
sowie die gll. forica sumpf (
md. 15.
jh.), sump o. aytzucht (
obd. anf. d. 15.
jh.) Diefenbach 242
c: (
wie gott) Jeremiam in seinem schlam und sumpffe erhalten hat (
d. i. in der schlammgrube Jer. 38, 6) Mathesius
Sarepta (1562) 318
a; morastig, schlüpfrig, tief der weg ... des nassen wandrers fusz beklebte. oft löset er sich kaum, wie sehr er sich bestrebte, dem sumpf sich zu entziehn Brockes
ird. vergnügen (1712) 2, 403.
in moderner sprache mehr als vergleich mit '
palus' (1 a)
verstanden: wenn es regnete ..., so verwandelte sich bald der burghof in einen undurchwatbaren sumpf Immermann 1, 51
B.; der vor einer stunde staubdürre pfad des dammes verwandelte sich in einen sumpf Holtei
erz. schr. 1, 144; die festwiese war zum sumpf geworden Steub
wand. im bayr. geb. (1862) 208. 1@dd)
bildlich-übertragener gebrauch ist alt wie der eigentliche. er geht aus von sumpf 1 a
als dem schlammerfüllten, verwesenden, verderbenbringenden grund (
vgl. einen anderen übertragenen gebrauch bei 3 d). 1@d@aα)
real gedacht war mittelalterlich die vorstellung des höllensumpfes (
wie höllenpfuhl, pfuhl der hölle);
vgl. infernus est ym~ (
immus?) sumph des ertreichs (15.
jh.)
bei Schmeller-Fr. 2, 284: wil si min herre binden zuo den helle kinden ... ir witze machen stunpfe in der helle sunpfe Hugo v. Langenstein 152, 62
K., vgl. sp. 1081; in dem stinkenden hellensumpfe Berthold v. Regensburg 337, 20; da wurfen sy in in den fewrin sumpf
d. heil. leben i. winterteil (1471) 235
a;
in später übernahme: da sie diese (
verdammten seelen) in die sümpfe der hölle ausschütten, so wachsen sie wieder zusammen Klinger
w. (1809) 3, 19.
z. t. real gemeint ist auch sumpf der verdammnis: leider mir, ich armer gief, ich bin gesunken also tief in der vertumnisse sumpf!
väterbuch 33069
R.; denn sie werden in den fewrigen pfuel oder sumpf des ewigen verdamnis gestürzet werden
V. Herberger
herzpostilla (1613) 1, 857. 1@d@bβ)
als plastisch geschautes bild sittlichen makels oder verkommens, gekennzeichnet meist durch genetivattribute aus geistig-sittlichem bereich; zufrühst mit sünde: wir birun zi ummezzehiar emmizen mit hazze, in suntono sunftinmit grozen ungizunftin Otfrid V 23, 110
Erdm.; du (
Maria) salt ouch wesen eine brucke uber den sumpf der sunde
passional 122, 33
H.; wir können uns nicht wie Münchhausen am eigenen zopf aus dem sumpf der sünde ziehen
zeitwende 12 (1935/36) 2, 94.
dazu die buntheit neuerer sprache: andere, die im schlamme kriechen und die niedrigen sümpfe des lasters lieben
br. d. neuest. literat.-betr. (1759) 18, 123; wenn ich auch einst von diesen höhen herab zum sumpf der untreu fiel v. Göckingk
ged. (1780) 1, 101; nun ist mein herz so grabesdumpf, verlassen wie die wüste, seit in den bodenlosen sumpf gesunken ich der lüste Lenau
s. w. 102
Barthel; du schwarzer see aus angst, gebirg aus leid ... gestrüpp aus laster, sumpf der trunkenheit J. Weinheber
späte krone (1936) 114.
nun auch ohne genetivattribut: so sehr er sich auch schwingt, so sinkt er immer wieder in den gewohnten schlamm bekannter sümpfe nieder J. E. Schlegel
w. (1761) 4, 87; es steckt so etwas thierisches in der menschheit, das sie immer wieder in den sumpf zurücksinken läszt Dahlmann im
briefw. zw. Grimm, Dahlmann u. Gervinus (1885) 1, 86; erst den leichtgläubigen thoren in den sumpf gezogen und darauf fein das hämische weh über dir sünder! Schiller 2, 291
G.; (
es) kam bei der nichtigkeit der comitien sehr wenig darauf an, ob in diesen sumpf noch eine kloake mehr sich entleerte Mommsen
röm. gesch. 2 (1903) 252.
daneben steht unsinnlicherer, mehr uneigentlicher gebrauch: ja wir wissen, dasz die seel ein sompf und herberge ist aller sünde und unreinigkeit
J. Calvin instit. christ. rel. (1572) 115; als den giftigen sumpf ... giebt Schubart in seinem leben die pfaffen an Schubart
br. 1, 231
bei Strausz
w. 8. 1@d@gγ)
daran schlieszt sich bei abklingender moralischer betonung mannigfache freiere verwendung, die verschiedenen vorstellungen von '
sumpf' (
vgl. 1 b)
wie trübe wasserstauung, das unsichere, das unentrinnbar hinabziehende, hemmende, tote, dem bild zugrunde legend: jetzt magstu ein artzt geheissen werden, auff ein felsen gebawen, nit auff einen sumpff und mosz Paracelsus
op. (1616) 1, 239
H.; (
es) hat mich die grosse fahr und unertregliche verfolgung ... tiefer in den sumpf des grewlichen geschreyhs (
von Karlstadt) gestossen Luther 18, 439
W.; es sei die flut (
der reformation), welche sich aus den Genfischen sümpffen in Franckreich auszgegossen, ... schädlich und verterblich gewesen
V. Thilo
franz. historien (1584) 1, 40
a; in Maynz ... haben die Carthäuser die schönsten gegenden im besitze, leute ... die durch trübsal und ganze sümpfe voll ungemach ins reich gottes wandern müssten Heinse
s. w. 9, 42
Sch.; alles ... steckt doch im sumpf der dummheit Bettine
Günderode (1840) 1, 372; wieder in den alten sumpf kleinlicher bedenken zu gerathen ... das schien mir unvereinbar mit einem kunstinstitute H. Laube
ges. schr. (1875) 16, 168; ich habe mit innerer freude getrunken an seinen (
des mittelalters) stillen brunnen, die mir kein sumpf schienen J. Grimm
kl. schr. (1864) 1, 31;
abweg: die bewegung (
revolution) geht nur dadurch in den sumpf, weil man ihr irrlichter vorantanzen läszt Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 7, 387; (
Lachmann) wuszte, ... dasz viele, scheinbar ebene wege in den sumpf führen W. Scherer
kl. schr. 1, 96.
redensart, '
in schwierigkeiten bringen': der kerl hat den karren in den sumpf geschoben Nestroy
ges. w. (1890) 11, 218,
vgl.den karren in den dreck schieben.
ganz frei von werturteil: die folgenden hefte ... werden bereitet, indem ich die alten teiche und sümpfe meiner studien wieder anzapfe Göthe IV 28, 251
W. 1@d@dδ)
in burschikoser sprache übertragen für trinker, s. schweiz. id. 7, 992,
vgl. dazu budensumpf
saufgelage auf der stube, budenzauber, s. auch sumpfen 4;
mensch von nicht streng moralischer art: er stand vertieft in das bild ... da erhielt er einen schlag auf die schulter: 'verliebst du dich in die göttliche Victoria, du sumpf?' C.
F. Meyer
versuchung d. Pescara (1901) 27.
auch philister, stumpfsinniger mensch: schweiz. id. 7, 992.
vgl.: nun freylich hat Fabritius ein träges gemüthe. (
hofrath:) der ganze kerl ist ein sumpf Iffland
theatr. w. (1872) 4, 244. 22)
die vorstellung der wasserhaltigen erdvertiefung kann die der schlammerfüllten überwiegen bis zur gleichsetzung von sumpf
sogar mit see
und meer. 2@aa) '
kleines oder seichtes gewässer, pfütze, lache, tümpel',
wobei der gedanke der trübe mehr oder weniger deutlich mitspricht, vgl. hierfür etwa mistsumpf
für mistwasser (
von 1780)
schweiz. id. 7, 992.
als md. variante zu obd. in den lachen: ich tuon als der wise tuot und der den esel da tribet, so er in deme sumpfe blibet: er nimet in die hant den zagel Ulr. v. Türheim
Rennewart 22376
Alfr. Hübner (
Kasseler hs.),
vgl. umgekehrt Ecks lachen
für Luthers wassersümpfe
sp. 1081;
ähnlich: lacuna sumiph (
Lpz. 1517) Diefenbach 315
c;
regenpfütze (
bei sturmwetter): schöpfte er (
Nero auf der flucht) wasser mit der hand aus einem sumpfe A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 1057;
wohl ähnlich: wan schlupfenen oder sumpfenen in denen landstraszen ... sich ergeben (
von 1711)
schweiz. id. 7, 993; was ist Deutschland anders als ein strand, von welchem sich die fluth zurückgezogen hat? hier ein sumpf, dort ein sumpf voll elender geschöpfe W. Raabe
hungerpastor (1864) 1, 220. 2@bb)
als gröszeres stehendes gewässer kann sumpf
unter den begriff '
lacus'
gezogen werden, zunächst einfach als interpretation: lacus putte
vel sump (
nd. 1425) Diefenbach 316
a; pol, poul, sump, pute (
nd. 15.
jh.)
n. gl. 226
b; sumpff oder pful
lacus voc. teut. (1482) f f 6
a.
in schärferer fassung als éine erdform neben anderen: lacus, aquae perpetuae receptaculum ein sumpff, ein see, ein teich Corvinus
fons lat. (1660) 737.
die verbindung stehender sumpf
betont das regungslose, erstorbene gegenüber flieszendem gewässer: stehender sumpf
aqua reses, uligo, scaturigo languida et sine fluxu Stieler (1691) 2238; besser unter stürmen und ungewittern wandeln, als in stehenden sümpfen verschmachten! Fr. Gentz
schr. 2, 105
Schlesier. dieser gegensatz dient darum gerade bildlichem gebrauch gerne (
vgl. 1 d
γ): fliesze, wogiger strom (
des lebens)! nirgend ein stehender sumpf Herder
s. w. (1805) 16, 37; ohne diese nie einschlummernden streitigkeiten würde die gelehrte welt bald einem stehenden sumpfe gleichen Schelling
w. (1856) 1/3, 650.
sodann bezeichnung für '
see'
im eigentlichen sinn, sofern er '
stehend',
d. h. abfluszlos ist: auch solche seen (
nennt man) sümpfe, welche keinen sichtbaren abflusz haben und die höhe ihrer oberfläche nicht merklich verändern, ob sie gleich ... oft ansehnliche flüsse aufnehmen ... Kaspischer see, ... Aralsee, ... Totes Meer Krünitz 178, 395; Wäinämöinen selbst, der alte, rudert eines tags auf sümpfen und auf seen des andern tages und am dritten tag im meere Platen
w. 1, 84
Redlich. für teile des offenen meeres, die auf morastigem grund stehen oder auch z. t. durchsumpft sind; das zwischengebiet von ebbe und flut: aestuaria ein arm des meers, ein sumpff oder graben des meers Calepinus
XI ling. (1598) 49
b; sumpf des auszgetretenen meers
aestuarium Aler (1727) 1866
a.
lagune: sumpf
laguna M. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1838
c; alsdann würde ihm der kapitän ... führer schicken, damit er nicht an den sandbänken scheiterte, welche den sumpf, der Venedig umgiebt, so gefährlich machen Schiller 4, 162
G. —
auf diesen linien liegt ein vereinzelter gebrauch als wasserflut schlechthin: da fur auff meeres sumpff mit jubel und triumpff fraw Welt mit groszem pracht Hans Sachs 3, 280
K. 2@cc)
bei stärkerem hervortreten des begriffes der erdeintiefung und des versinkens darin erscheint eine bedeutung '
tiefes, grundloses wasserloch'.
vgl. als übergang (
noch '
schlammwasser im erdloch'): wunderbarlich ding von fischen ... die an den feuchten orten, wenn das wasser abgehe, in den löchern, da sumpffe seind, steen bleiben Eppendorf
Plinius (1543) 135. — '
wasserloch im erdboden',
nächstverwandt mit pfuhl: sumpff oder schlund, ein bodenlosz loch mit wasser in der erden,
barathrum et vorago Duez
dict. germ. (1664) 505
b;
an dieses barathrum klingt ein nicht klarer gebrauch bei Hans Sachs
an, wo sumpf
wie als schlucht, tiefe, abgrund an sich erscheint: (
der teufel die juden) füret auff ein gebirge hoch welches stund an des meeres joch ... sie solten sich waltzen hinab ins meer ... (
fischer) sahen der juden heer ... sich waltzen ohn vernunft und witz hinab in dieses felses sumpffen und in das grewlich meer einpflumpffen ... (
die fischer die juden) anschryren, was sie sich ohn not nab stürtzten von dem felsz zu todt und darnach in das meer sich senckten 15, 548
K.-G. '
loch, kessel innerhalb eines gewässers'
: gurges ein flusz oder sumpff in einem wasser
gemma gemmarum (1508) l 6
b; (
der schiffer) führt eine lange stangen ... und pfächtet, ob nicht etwan im wasser ein tiefer sumpf, darein das (
im flusz das schiff ziehende) pferd möchte fallen Abraham a
s. Clara
etwas für alle 2 (1711) 274;
unter dem einflusz der Harzer bergmannssprache (
s. 3 a): bald wirbeln und drehen (
die flüsse) sich in tiefen felsenkesseln oder, wie die Harzer solche steinlöcher ... nennen, 'in sümpfen' J. H. Kohl
dt. volksbilder 281. 33)
künstliches sammelbecken für flüssigkeiten und ablagerungen. (
entsprechende bedeutungen in den nord. und engl. entlehnungen s. bei '
herkunft.')
die breite entfaltung auf verschiedenerlei sachbereiche in älterer sprache, auch auf obd. gebiet (
s. 3 a
δ,
auch 4 a
und b),
engt sich neuzeitlich wieder auf die fachsprache der frühesten bezeugung (
seit anf. d. 14.
jh.),
nämlich des bergwesens und verwandter alter gewerke ein (3 a
und b, 4 a)
und erweist sich dadurch als sekundäre anwendung. es ist darum im bergmänn. die umbildung aus dem natürlichen sumpf
zu suchen (
vgl. auch 5 a),
und zwar aus 2 a '
kleine, trübe wasseransammlung'
und 2 c '
wasserloch'. —
als '(
erd)
gegrabenes behältnis'
zeigt sumpf
noch deutlich den ausgang, der zunächst nur durch den begriff der künstlichen entstehung gegenüber 2
verändert wird; der '
schlamminhalt' (
vgl. 1)
bleibt fast durchweg gegeben. 3@aa) '
grube'
oder '
mulde',
vgl.: cisterna eyn water sump (
nd. 1417) Diefenbach 93
b. 3@a@aα)
schachtgrube im bergbau, '
vertiefung zur ansammlung der wasser, insbesondere bei dem abteufen eines schachtes der jedesmalige tiefste theil' Veith
dt. bergwb. 483.
gerade hier ist der übergang vom natürlichen sumpf
unterirdischer wasserstuben zum künstlichen sehr gleitend, vgl.: der son gottes ... verdemmet die wasser (
der sintflut) wider in seine sümpffe und schleuche unter und uber der erden Mathesius
Sarepta (1571) 11
b. — si haben ir wasser in irem tifesten und iren sumphfen
Iglauer bergr. (1325-60)
bei Jelinek
mhd. wb. 698; wann aber in eim schacht einer gruben ... alles wasser ... zu hauff fleuszt, alsdann ist von nöthen, das ein streich sumpff gemacht werde, der alles wasser samle Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 85;
vgl. noch 'sumpff (
im bergwerk)
ist, darin man das wasser hält' Speidel
notabilia (1634) 119;
ebenso G. Junghans
gräublein ertz (1680) f 1
a und die späteren fachwbb. in modernem betrieb: die sümpfe der wasserhaltungsmaschine sollen hinreichenden raum haben Achenbach
bergpolizeivorschr. (1859) 93.
als klärsumpf
im besonderen für sinkstoffe: um die stollenwasser möglichst klar zu tage zu führen und dadurch verschlämmungen der sie aufnehmenden gräben und flüssen vorzubeugen, werden ... sogenannte klärsümpfe angelegt
zs. f. berg-, hütten-, salinenwesen 8
B, 10;
vgl.sumpen '
stelle in der grube, an der sich wasser und schlamm sammeln' Schön
Saarbrücken 207
a. 3@a@bβ)
grube an der erdoberfläche. im hüttenwerk breites, flaches sammelbecken bei der aufbereitung des erzes als letzter teil des gerinnes zur aufnahme der feinsten teile der '
mehlführung',
s. Karmarsch-Heeren 1, 235;
auch lediglich zum abklären der trübe dienend, s. Gätzschmann
samml. bergm. ausdr. (1881) 98: dann solle unter den büdden eine rinne ligen, darinn die laugen zusammen in eine eingegrabene büdden oder sumpff rinnen kan L. Ercker
beschr. aller miner. erzt (1580) 127
b; '
eine viereckige, in die erde gemachte, ... grube, ... durch welche das wasser gehet und die zähen schlämme hineinführet, damit sich die schwere darinnen setze'
bergm. wb. (1778) 544; (
für das auslaugen von schwefeleisen) müssen ... die sümpfe wasserdicht und mit geneigter sohle hergestellt sein Karmarsch-Heeren 2, 757;
s. auch bei sumpfeschel. —
in ziegeleien grube zum einsumpfen des lehmes, s. Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 290,
vgl.sumpfen 3,
auch hier eine schlammasse aufnehmend. alt bezeugt als dachsump (dach, dahe
lehm, s. Lexer 1, 407): item 7 fird. vor dachsumpe ze follen (
in rechnung für ziegeleiarbeiten von 1404)
Marienburger treszlerb. 294
J.; sumpf
als sumpfloch (
s. d. 1) Zincke
ök. lex. (1744) 2857; das einsumpfen (
des thones) wird ... in gröszeren gruben, sog. sümpfen, vorgenommen Karmarsch-Heeren 9, 261. 3@a@gγ)
den begriff '
erdgrube'
verlierend, '
sammelbecken des geschmolzenen gutes, muldenförmige eintiefung in der sohle des schachthochofens' (
vgl.sumpfofen),
auch ofensumpf, herdsumpf
genannt, vgl. Karmarsch-Heeren 1, 576
u. 581; Scheuchenstuel 240.
auch auszerhalb des ofens: das in dem vorherd angesammelte blei ... sticht man in den seitlich angebrachten sumpf ab Karmarsch-Heeren 1, 575.
auch zum klären (
der schmelzmasse)
dienend: vielfach gieszt man nicht unmittelbar in die eingusztrichter, sondern bringt einen sumpf, eine muldenförmige vertiefung an, ... damit das eisen ... erst noch unreinigkeiten ausstoszen kann Lueger
lex. d. ges. techn. 3, 629. 3@a@dδ)
die breitere anwendungsmöglichkeit älterer sprache lebt in vereinzelten bezeugungen aus anderen sachgebieten (
vgl. 3
kopf),
z. t. ebenfalls stark vom ausgang sich entfernend. als kunstwort der anatomie s. bei sümpflein. —
in der baukunst '
gemauertes bassin': als man ... den altar dannen brach, fand man den gemachten sumpff und abgang des verlornen wassers und alle anzeigung, dasz der taufstein vor zeiten auch da gestanden Stumpf
Schweizerchron. (1606) 496
b;
vgl.sumpfloch im Holst., sp. 1100.
beim deichbau: nachdem machet man in die vier ecken in die klufft-dämme bronnen oder sümpffe, und setzet pumpen hinein L. Chr. Sturm
fangschläussen (1715) e 1
b.
bezeichnenderweise halten sich reste dieses breiteren gebrauchs nur in zusammenhang mit hüttenwerk und schachtarbeit: sumpf
kastenähnlicher raum vor dem rad eines hüttenwerks, worin man wasser sammelt Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 290;
ebenso Blumhof
eisenhüttenkunde 3, 494. 'sumpf
im bauwesen eine vertiefung im boden von schächten, behältern oder gruben, in welchem sich der rest des wassers beim entleeren ... sammelt' Hager
techn. wortsch. (1919) 353
b. 3@bb)
als graben in berg- und hüttenwesen, gleichen zwecken des sammelns und ableitens von wasser und schlamm dienend: fiunt in profunditate argentifodinarum fosse, que vulgariter 'sump' vocantur, ... ut ibidem aqua in unum locum profluens congregetur
Kuttenberger bergordnung (
von 1300)
bei Veith 484;
in dt. fassung: in der silbergruben graben, di heissen sumphe
bei Jelinek
mhd. wb. 698; sümpffe werden auch genennet die ... gräben ... durch welche die zehschlämme bisz in die fluth geleitet Minerophilus (1730) 653. 3@cc)
die bergmannssprache entwickelt aus den arbeiten mittels des sumpfes
eine reihe von kunstmäszigen wendungen. 3@c@aα)
für das anlegen einer sammelgrube: 'sumpff stoszen,
ist, einen sumpff
machen von rasen' G. Junghans
gräublein ertz (1680) f 1
a; '
einen damm mit lehm und rasen ausrammen' Thiel-Birnbaum 7, 271
a. sumpf schlagen: in Steiermarck schlegt man sumpff in die ... gebirge, drein sifert ein eisenschüssig wasser Mathesius
Sarepta (1571) 78
a; sümpffe brechen Deucer
bergrecht (1698) 22
b; schieszen Veith 484. 3@c@bβ)
für die arbeiten des entwässerns. zu sumpf ziehen, bringen '
die wasser aus den bauen soweit wegschaffen, dasz arbeiten darin vorgenommen werden können' Veith 484: dieser bronn prodelt oder strudelt stets uber sich, drumb kan man ihn nicht ... zu sump ziehen und ausschepffen Mathesius
Sarepta (1571) 125
b; als noch die gruben zu sumpfe zu bringen und mit arbeitern zu belegen gewesen Voigt
bergwerksstaat (1771) 85
anm.; von diesem zeitpunkte gelang es nicht weiter, die wasser zu sumpfe zu bringen, so gut ... die maschine arbeitete
bei Veith 484. — zu sumpf halten, erhalten
das wasser der grube auf normalem stand halten, d. h. in den vorgesehenen sümpfen.
absolut gebraucht: darauff der steiger dem hertzogen ... geandtwortet ..., er wolt es damit weltigen und zu sumpe halten, wenn auch der gantze berg voller wasser were Hardanus Hake
bergchr. (
v. 1583) 42
Harzverein; vgl. Schönberg
berginf. (1693) 2, 95.
transitiv: wann man mit keiner kunst die wasser zu sumpff halten kan Löhneysz
bergwerck (1617) 50; die grundwasser gewältigen und die gruben zu sumpfe erhalten Voigt
bergwerksstaat (1771) 85
anm.; auch: es gelang, die wasser bis auf einen sumpf von ... 2 fusz zu halten
zs. f. berg-, hütten-, salinenwesen 6
B, 186. zu sumpf sein: 'grube ist zu sumpf, ...
wenn das wasser nicht höher als in sumpff
stehet' G. Junghans
gräublein ertz (1680) c 3
a; '
wenn kein wasser im tiefsten sich befindet' Schönberg
berginf. (1693) 2, 45; Chr. Herttwig
bergbuch (1734) 390
b. 3@c@gγ)
anders von sumpf
als dem wassererfüllten (
unbrauchbaren)
teil einer grube ausgehend, bezeichnen wendungen das verfallen eines bergwerks (
wenn gewissermaszen das ganze zu einem sumpf
wird); grube zu sumpf treiben
unbergmännisch behandeln, verkommen lassen, vgl. G. Junghans
gräublein ertz (1680) f 4
a: aus was ursachen die bergwerck in abnehmen kommen und zu sumpf getriben werden Löhneysz
bergwerck (1617) 49; die uhralten, schönen und kostbahren stöllen (
sind) zu sumpff und boden getrieben worden Chr. Herttwig
bergbuch (1710) 69
a.
dagegen wasser zu sumpf treiben
die grube auspumpen: wer das wasser herausbringen und zu sump treiben könte, der würde gros reichthumb erlangen Albinus
meiszn. bergchr. (1590) 25. zu sumpf gehen '
ersaufen': darauff gemeinigklich die bergwerck gar umbschlagen und zu sumpff gehen Mathesius
Sarepta (1571) 23
a; sie haben gutwillig wieder auf- und den bergk zu sumpffe gehen lassen Melzer
Schneebergk (1684) 510. — zu sumpf liegen '
ersoffen sein': wie wil ... der herr so viel neue erschöpfte und fast zu sumpf liegende bergwerk besuchen und so viel verborgene schätze eröffnen? Harsdörffer
gesprächspiele (1641) 3, 256; bleibet doch die stadt in vergleichung anderer vielen orter, da die bergkwercke gantz zu sumpffe liegen, eine gesegnete Melzer
Schneebergk (1684) 478;
ebenso im sumpfe stehen Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 485. 3@dd)
übertragen gebraucht werden die wendungen für den verfall eines bergwerks in älterer sprache für '
zugrunde gehen, vernichtet werden'.
nahe dem ausgang, dem sinnlich sichtbaren zerfallen steht noch: warumb wilstu ... dasz dieses gantzes gebewde ... zu sumpff gehe und uber einen hauffen falle?
Cervantes unzeitiger furwitz (1617) c 6
a.
sonst ganz abstrakt: aber es (
das römische reich) ist wieder zu sumpff gegangen Luther 16, 5
W.; erstlich (
bringt das alter) schwachheit des leibes, das alles abnimt und zu sumpffe gehet Fr. Rhot
Jesus Sirach (1587) 1, 142
b; wenn das thor zu nahe beym rathausz stehet, so wird ein regiment gemeiniglich zu sumpff getrieben Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, A a a 7
a; dasz ... solches brauwerck aber ... sehr gemiszbrauchet ... auch der amtsbrauhof zu sumpfe getrieben ... worden
bei Klingner
samml. z. dorf- u. bauernrechte (1755) 4, 821. —
verstärkt durch trümmer, boden, grund (
vgl. bei c
γ): alle ihr raub und schetze ginck zu sumpff und grunde, das meer verschlunge alles A. Scherdiger
novae novi orbis historiae (1591) 60; dasz ... dieses uhralte geschlechte (
der esel) ... zu trümmern, sumpff und boden gehen müsse R. v. Dieskan
legation (1638) b 2
a; darumb wolte der feldmarschalck ... diese ... stadt nicht ... mit einer ... unerträglichen einquartierung, dadurch sie gar zu sumpff und boden getrieben ... würde, belegen v. Chemnitz
schwed. krieg (1648) 3, 1, 79
a.
sekundär kann anschlusz an den bildlichen gebrauch von sumpf 1 d
entstehen: ach schnöde lieb ... pflegstu mich doch zu grund und in den sumpff zu führen Dietr. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 2.
ges., 1.
str. 44)
unter aufgabe auch des begriffes der bodenvertiefung als oberirdischer, tragbarer behälter. 4@aa)
trog, bütte, tonne. nahe liegt es, den gebrauch im bergmännischen wie bei 3
für den ursprünglichen zu halten, vom eingetieften behälter auf den, ähnlichen zwecken dienenden, frei angebrachten angewandt, meist auch schlammige, trübe flüssigkeit aufnehmend. als waschtrog: hat solicher zeug (
das gebirge) vil stein, so ... seübert (
man) in mit syben, wescht in in sümpffen Seb. Münster
cosmographia (1550) 13;
s. auch bei sümpflein.
hauptsächlich '
der trog, darein die sätze (
vgl.sumpfsatz)
auszgissen und ausz diesen entweder in die schlungröhre des andern satzes oder uff den stollen lauffen' G. Junghans
gräublein ertz (1680) f 1
a;
bergm. wb. (1778) 544.
vgl.sumpfkasten, -korb, -röhre. —
in verwandten techniken: '
in der bergschmiede das fasz, ... wird über die hälfte mit lehm und erde und wasser darauf angefüllt, darinnen der bergschmidt härtet' Jacobsson 7, 495; Mothes
ill. baulex. (1882) 4, 290.
als gradierfasz ebda. in vitriolwerken die kühlpfanne ebda. '
untersatzfasz in der potaschsiederei, darein die lauge aus den keschern gelassen wird'
bergm. wb. (1778) 544.
im frühnhd. auch auszerhalb der technischen fachsprache, anscheinend nur ostmd. (
vgl. sp. 1081): item Nickel Molner vor einem neuen sompff in die judenstube 22
gr. (1431)
cod. dipl. Lusatiae sup. II 2, 220
Jecht; auch weniger (
soll) solches auswaschen bei dem brunnen und wasserbütten oder sümpfen geschehen (1625)
Neumarkter rechtsbuch 335
M.; wie die gassenmeister ihnen angelegen sein lassen sollen, dasz solche sümpfe und brunnen richtig und bauständig fort erhalten werden
Breslauer feuerordnung (1630) 23; es sollen ... sonderlich diejenigen, so nahe an den wasserkünsten gelegen, in ihren brunnen, röhren oder sümpffen häne oder stangen halten und haben
Breslauer bauordnung (1668) 16. 4@bb)
kleines, tragbares gefäsz: cotula zump
brevilogus (1403)
bei Schiller-Lübben 4, 469
a; ein sumph (
md. 15.
jh.) Diefenbach 154
b;
auch obd.: cottula sumpff (15.
jh.)
n. gl. 117
a;
cottula i. mensura vini sumpff (
Straszb. 1515) Diefenbach 154
b;
vgl.sumpfel bei sümpflein. 55)
zusammensetzungen mit sumpf.
herrschend ist die bildung mit der grundform sumpf-,
nur gelegentlich mit dem gen. sing., von metrik und sprachrhythmus beeinfluszt: sumpfesluft Schiller 14, 380
G.; sumpfesgraun A. v. Droste-Hülshoff
w. 3, 103
Sch. auch in prosa: sumpfesgefahr Scheffel
ges. w. 3, 29. —
zusammensetzungen mit dem adj. sind selten, s. u. 2.
die gesamte kompositionsbildung vollzieht sich im bereich der hochsprache; die mundarten bringen nur vereinzelte eigenbildungen, etwa sumpfloch.
die belege für die folgenden einzelbildungen s. an alphabet. stelle. 5@aa)
alt sind die häufigsten bildungen mit sumpf 3
und 4 (
künstliches sammelbecken)
als fachausdrücke gerade des berg- und hüttenwesens (
s. 3
kopf);
bezeugt seit dem 16., 17.
jh., einmal gegenstände der arbeit am und im schachtsumpfe (3 a)
benennend: -eisen, -kiel, -korb,
auch -wasser,
nach 4 a -trog,
sodann das letzte produkt des erzschlämmens (3 a
β): -schlamm, -werk (
s. d. 2).
vereinzelt, aber das alter auch dieser bildungsmöglichkeit beleuchtend, im ziegeleiwesen (3 a
β): sumptretir (
anf. d. 15.
jh., s. sumpftreter).
das 18.
und 19.
jh. fügt nur noch einige ausdrücke hinzu: -arbeit, -bütte, -eschel, -kasten, -ofen, -ort, -satz, -strecke. 5@bb)
dagegen treten ältere bildungen mit sumpf 1
und 2 (
geländeform)
nur vereinzelt auf: -wasser (1586),
im 17.
jh. -werk (
s. d. 1), -pfuhl, -blume, -grube, -tag.
die hauptmasse setzt seit der 2.
hälfte des 18.
jh. mit gelegentlichen und bleibenden bildungen beinahe schlagartig ein und steigert sich noch im 19.
jh. sie steht in engstem zusammenhang mit den beschreibenden naturwissenschaften; so geographisch-schildernd, z. b.: -bauer, -bewohner, -jäger,
besonders die landschaft: -boden, -ebene, -gebiet, -gegend, -gewässer, -gürtel, -lache, -land, -niederung, -see, -wiese;
zoologisch-botanisch, z. b.: -brüter, -geflügel, -tier, -vogel, -wurm; -dickicht, -geblüm, -gebüsch, -gras, -pflanze
und viele andere, bes. einzelnamen, vgl. die fachwbb. ähnlich im anorganischen bereich: -dunst, -eisen, -erde, -erz, -gas, -luft.
dazu adj. wie: -artig, -liebend, -reich.
bezug besteht dabei auf sumpf 1 a
als formation (
z. b. -fläche, -flusz)
und 1 c
als sumpfartigen boden (
sumpfige wiese, wald, uferstelle, bes. bei pflanzen),
im einzelnen nicht immer unterscheidbar. sumpf 2
klingt an, wo sumpfiges wasser sachlich vorliegt (
z. b. -biber, -graben, -loch).
auszerhalb dieser sachkreise liegen nur wenige komposita, zeugen aber ebenfalls für die geschärfte moderne naturbeobachtung. so prägungen dichterischer sprache (
zu 1,
gern auch bildlich nach 1 d): -feuer, -geschiller, -licht, sumpfesgefahr, -grauen;
die adj.: -entsprossen, -entsprungen, -erfüllt, -geboren.
dazu -burg, -festung, -lager, -nest, -schlosz, -stadt,
sowie -geist, -gespenst, -unhold
u. a.