sumpfig,
sumpficht,
adj. ,
von sumpf abgeleitet, ein hd.-nrhein. wort: mnl. sompich (sumpich) Verwijs-Verdam 7, 1535; sompig
woordenbook 14, 2515; sompich Dijkstra
friesch wb. 3, 166
b.
für das vorkommen im engl. und dän. vgl. sumpf sp. 1080,
dazu Murray 9, 151
a; Helms
dän.-dt. 415
a. —
obd. (
alem.)
mit dem absterbenden suffix -achtig: sumpfachtig Frisius (1556) 386
b; sumpfächtig
ebda; sümpfechtig Tabernämontanus
kräuterbuch (1687) 566. sumpfecht Heyden
Plinius (1565) 392; Dentzler (1716) 281
b. -icht
erscheint ostmd.: sumpficht Luther 8, 6
W., sodann als hauptform des 17.
jh. in den sprachgesellschaften: Zesen
rosenmand (1651) 102; Stieler (1691) 251.
es hält sich bis in das 19.
jh.: Schiller 1, 166
G.; Göthe 19, 230
W.; Fr. L. Jahn
w. (1884) 1, 125.
daneben -igt,
das sich im 18.
jh. stärker entfaltet: sumpfigt Hulsius (1618) 244
b;
disc. d. mahlern (1721) 2, 182; Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 69; Schiller 5, 73
G.; Hölderlin 1, 62
L.; W. Alexis
hosen (1846) 1, 270. —
den modernen sprachgebrauch beherrscht das ig-
suffix, das alt nur dünn bezeugt ist, anscheinend vom obd. her sich durchsetzend, vgl. unten beim umlaut; ältere zeugnisse: G. Alt
buch d. chr. (1493) 90
a; Bas. Faber
thes. (1587) 582
b. —
umlaut kennt nur die ältere sprache. bei -ig-
suffix zeigen ihn vorwiegend die Alemannen des 16.
jh.: sümpfig Stainhöwel
de clar. mulieribus 169
lit. ver.; Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 298
b; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 390
a.
entrundet simpfig (
von 1616)
bei Fischer
schwäb. 5, 1957. —
bei -icht
entsprechend mittel- und norddt.: sümpficht Alberus (1540) Z z 2
a; Butschky
Pathmos (1677) 316; Lohenstein
Arminius (1689) 2, 834
b. sümpfigt Dannhawer
catechismusmilch (1657) 3, 382; Prätorius
winterflucht (1678)
vorhab a 6
b. —
wortgeographisch (
und mundartl.)
ergibt sich ein ähnliches bild wie bei sumpf
seit dem 16.
jh., s. sp. 1081. 11) '
moorig' (
zu sumpf 1),
vgl. paludosus wesserig, sumpffig Bas. Faber
thes. (1587) 582
b; brochland, moraas, sumpfig land
palus Henisch (1616) 515;
auch: fistulosa terra ein schwimmächt ärdtrich oder sumpffächtig und lugg Frisius (1556) 567
a.
im gegensatz zu trockenem, festem boden: ob es sumpfficht oder treuken, sandicht, steinicht oder leymicht sey J. J. Wallhausen
kriegsmanual (1616) 72; (
festungen) ob sie sumpficht oder trucken liegen Stieler
zeitungslust (1697) 311. 1@aa)
allgemein von der erdoberfläche: die minder statt (
Luzern) ligt uff einem sumpfechten oder mosigen boden (
von 1600)
schweiz. id. 7, 993; man gräbet auch wol ... torff aus den mooren oder sumpfichtem erdreich Micrälius
altes Pommerland (1640) 398; es ist nichts seltenes, dasz eine blühende ... pflanze verdorret, wenn sie in eine sumpfigte erden versetzet wird
discourse d. mahlern (1721) 2, 182; einen groszen theil des landes, das kaltgrundig und sumpfig war Bismarck
br. a. s. braut u. gattin 25; dies meer mit sumpfigen, sandigen gestaden H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 7.
von gleicher beschaffenheit eines weges: eynn bossen sumpffichten bodlossen weg Luther 8, 6
W.; ein langer, sumpfigter ... weg Fr. L. Schröder
dram. w. (1831) 3, 13. —
fest dabei ist die verbindung sumpfiger ort:
demissa et palustria loca eyn gedumpfte, nidere, sumpffachtige od. moszächtige ort Frisius (1556) 386
b; (
bohlen) dem geschütz in tieffen, sumpffigen orten under zu brücken Kirchhof
mil. discipl. (1602) 108; sumpfichte örter und nasse wiesen
allg. haushalt.-lex. (1749) 1, b 2
a; wasser, welches aus sumpfigen orten fliesst Sprengel
chem. f. landwirte (1831) 1, 240.
daneben mit gegend: die gantz gegnet und landtschaft der statt Heraclea ist sümpffig Carbach
Livius (1551) 319
b; in einer verteufelt sumpfigen, morastigen gegend Bode
Tristram Schandi (1774) 5, 151. 1@bb)
von besonderen landschaftsgattungen, überfeucht, mit schlammigem, unfestem boden (sumpf 1 c); wiese: sumpfig seind die ebnen wiesen C. Knittel
poet. sinnenfrüchte (1677)
absond. buch 40; auf nassen und sümpfichten wiesen Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 1, 44
b; wiesen, die gegen den see zu etwas sumpfichter werden Göthe 19, 230
W. — wald
u. ä.: im gleichen bruch, ein sumpfigtes gebüsche Gottsched
dt. sprachkunst (1748) 69; mein freihof liegt einsam ... in einem sumpfigten walde Brentano
ges. schr. 4, 228. — moos, morast, moor: der tyrann Dionysius sey ... in einen tieffen, sumpfigen moss gefallen Heyden
Plinius (1565) 212; sümpfig gemöss Stumpf
Schweizerchron. (1606) 21
a; der grund war gelegt auff ein sumpfichen morast Dannhawer
catechismusmilch (1657) 4, 325.
gern poetisch, z. b.: schreyende schaaren von kibitzen steigen mit silbernen von dem sumpfichten moor flügeln Zachariä
poet. schr. (1763) 4, 105. 1@cc)
als beifügung zu gröszeren erdräumen, '
von sümpfen erfüllt, sumpfreich': die feste beschaffenheit ihres sümpfichten landes ... hatte ... sie ... bey ihrer freyheit erhalten Lohenstein
Arminius (1689) 1, 362
b; noch immer waldicht und sumpficht, und nur
zur höchsten nothdurft angebaut (
war der deutsche boden)
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 126; ein haufen matrosen und fischer, bewohner eines sumpfigen landes, kämpfen mit dem meere Schiller 4, 102
G.; nordwestlich der Schelde ... saszen im sumpfigen und waldreichen lande die Nervier E.
M. Arndt
an s. l. Deutschen (1845) 2, 14. 22)
von gewässern, ihre trübe und durchmengung mit erdigen bestandteilen bezeichnend, '
schlammig, unrein, mit unfestem grund' (
s.sumpf 2): die lach der sünden ist klibrig, lettig und sümpfig Stainhöwel
de claris mulieribus 169
lit. ver.; ist dieser see ... gar mösig und sümpffig Stumpf
Schweizerchron. (1606) 390
a; es müssen sich die soldaten keiner schadlichen, sumpfichten wasser gebrauchen H. v. Fleming
t. soldat (1726) 326; meer, das hier lagunenartig und sumpfig ist Platen
w. 3, 87
R.; auch: der sumpfige graben (
wird) zum canal G. Freytag
ges. w. (1886) 4, 463. 33)
von der beschaffenheit der luft, von schädlichen ausdünstungen (
von sumpfgegenden)
erfüllt, von modrigem geruch: der selb ... kund ausz den nebeln und sumpfigem rawch künftige wind und gewitter verkünden G. Alt
buch d. chroniken (1493) 90
a; so trägt auch zu des menschen gesundheit die reine, nicht morastichte oder sumpfichte luft sehr viel bei A. v. Franckenberg
gemma magica (1684) t 3; unser herrgot hätt eine gröszere freud an uns, wenn wir eine sumpfige, verpestete luft einathmeten? S.
Brunner erz. u. schr. (1864) 2, 170. 44)
herkunft aus dem sumpf bezeichnend: sumpfig kraut
herba palustris Calvisius
thesaurus (1666) 39.
auch die oft damit verbundene feuchte, klebrige beschaffenheit kann gemeint sein: die eckelhafte ... sumpfichte, blutdürstige egel Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 402; und zu herrschern erhöht sumpfiger pilze gezücht grafen zu Stolberg
ges. w. (1820) 2, 215; da fiel sie (
die zunge in schlangengestalt) dann nieder in das nachtgebüsch, begrüszt von den sumpfichten schwestern Tiedge
w. (1823) 7, 175.
wohl in diesem sinne '
klebrig, eiterig',
ein vereinzelter medizinischer gebrauch: spina ventosa (
d. i. winddorn, tuberkulöse knochenentzündung) wird genennet eine schwürung der beinern, da dieselben von einer boszartigen feuchtigkeit ... zernaget werden, worauf denn endlich folget eine sumpfichte geschwulst des ob dem zerfressenen bein ligenden fleisches Blancard
med. wb. (1710) 513,
vgl. zur sache hwb. d. ges. med. 2 (1891) 730
a.