an ,
uralte partikel, goth. ana,
ahd. ana,
mhd. ane,
alts. an,
ags. on,
engl. on,
fries. an,
mnl. aen,
nnl. aan,
altn. â,
schw. ,
dän. aa,
dem gr. ἀνά und sl. na,
wahrscheinlich auch skr. anu,
welches post, secundum, nach, also nahe, an bedeutet, gleich zu stellen. wie ana
bei uns allmälich den auslaut, legte es bei den Slaven den anlaut ab, die nl. mundart warf das schlieszende e
in die mitte (
vgl.graen
f. grana
gramm. 1, 282),
die nordische gab auch das n
auf und verlängerte den wurzelvocal. das lat. ad,
woraus wiederum franz. à
wurde, steht in der bedeutung nah, in seiner gestalt ab, welche dem goth. altn. at,
schw. t,
dän. ad,
ags. ät,
engl. at,
ahd. aʒ
entspricht. die heutige aussprache unseres an
schwankt, eigentlich gebührt ihm kürze, doch wird es oft, gleich dem nl. aan,
gedehnt und lang hervor gebracht. H. Sachs,
bei dem kurzes und langes a
vor dem n
leicht in o
übergehn (mon, kon, thon, hon = man, kan, than, han)
verwendet häufig auch on
für an,
und neben diesem, in seinen reimen. Nah liegt aber auch unser an
dem in,
zu welchem es sich verhält wie die entgegengesetzte partikel ab
zu aus. an
bezeichnet die oberfläche, ab
das ihr abgewandte, in
das inwendige, aus (
eigentlich ur =
goth. us)
das auswendige, wer an den berg
geht, geht nicht in den berg,
wer ab dem berge
kommt, kam nicht aus
ihm. an
ist stärker als bei,
schwächer als zu,
hält zwischen ihnen gleichsam die mitte. der bei das haus
gehende ist noch nicht an
ihm, der an dem haus
stehende noch nicht zu hause;
einer der den ring bei sich
trägt, trägt ihn darum nicht an sich
und der das brot bei sich
nimmt kann es hernach zu sich
nehmen. beistimmend
ist weniger als zustimmend, zugehörig
mehr als angehörig,
wenn auch obenhin beide dasselbe scheinen. Auf den verhalt zwischen an
und in
ist sorgsam zu achten, obschon die ältere sprache von beiden manche andere anwendung macht als die heutige. an das gras, in das gras nieder sitzen; an das schif, in das schif gehen;
am wege, im wege halten; an den weg, in den weg legen; am fenster, im fenster stehn; am arm, im arm liegen; einem am arm schlafen; am rücken liegen, an den rücken fallen; an dem tode liegen. Lessing 11, 619, im sterben; an die hand, in die hand nehmen; an ein buch, in ein buch schreiben; an das ohr, in das ohr sagen; der fisch wird gefangen an der angel, der vogel in der schlinge; das haar wächst an mir, die sünde in mir; er ward in dem honig vergiftet, asz sich krank an dem obst; an einem fort
ist gleichviel mit in einem fort;
man sagte an gott
und in gott glauben, am schatten
und im schatten sitzen.
Unsere sprache entfaltet hier feine, andern oft unerreichbare unterscheidungen (
gramm. 4, 771—775).
da die verwandtschaft zwischen ab
und iba, ibns
den gedanken an eine wurzel iban
erregte, warum sollte nicht das verhältnis von ana, in,
wobei auch un
zu berücksichtigen ist, eine im dunkel des alterthums ruhende wurzel inan
oder anan
als möglich gestatten? Wiederum ist nun an
erst als praeposition, dann als bloszes adverb zu betrachten; und gleich dem ab
liefert es für das höhere alter und den vorausgang der praepositionellen qualität entscheidende beweise. II. An,
die praeposition, hat sich in allen deutschen dialecten mit ausnahme des schwedischen und dänischen erhalten, welche für einfaches
und aa
überall p
und paa
gebrauchen. p
und paa
entsprangen aber aus verkürzung des altn. uppâ,
besagen also aufan,
obenan. engl. pon
für upon, on: pon my soul!
bei Shakspeare.
auf ähnliche, nicht ganz gleiche weise hat unser aus
die alte praep. ur,
goth. us
verdrängt. zu beachten ist, dasz die goth. und frühste ahd. sprache dem adv. und der praep. ana
dieselbe gestalt lassen, bei Notker
das adv. ana
von der praep. an
unterschieden wird. Während alle praepositionskraft des ab
uns fast erlosch, hat die des an
sich voll enthalten, und jenachdem ruhe oder bewegung ausgedrückt werden soll, fordert es einen dat. oder acc.: an dem himmel leuchtet ein stern, gott setzte den stern an den himmel; an dem finger steckt ein ring, er steckte den ring an ihren finger; an dem baum glänzt ein apfel, an den baum flog der vogel; er lebt an dem hofe, zieht wieder an den hof; schon sitzen sie am tisch, setzen sich eben an den tisch; an ihn wendet sich meine bitte, an ihm liegt es sie zu gewähren.
zuweilen können beide casus stehn: es friert mich an den händen
oder an die hände; er ist an dem fusz
oder an den fusz verwundet; sie lagern an dem grase
oder an das gras; an der blume, an die blume riechen.
Dies im allgemeinen vorausgesandt sind folgende fügungen darzulegen: I@11)
wo an
neben dem verb. subst. erscheint, lassen sich leicht ausgefallene wörter hinzu denken: es ist am tage; die sonne ist am himmel; er ist an seiner stelle
u. s. w. beachtenswerth die abstracten vorstellungen: es ist jetzt an dir (gelegen), ich thue alles was an mir ist, so viel an mir ist,
quantum in me positum est, ὅσον ἐπ' ἐμοί ἐστι. sie sollen schwören, dasz sie weder selbst demselben entgegen handeln, noch so viel an ihnen ist, zugeben wollen, dasz von jemand dagegen gehandelt werde. Wieland 7, 193; die vernunft sucht, so viel an ihr ist, abzuleiten. Kant 2, 496; versuche deine pflicht zu thun und du weist gleich was an dir ist (
was gutes du vermagst, was du werth bist). Göthe 22, 215; und bleibst du endlich wie du bist, so sagen sie, dasz nichts an dir ist. 2, 296; wenn ich alles, was noch an mir ist (
alle meine kräfte) diesem, wie seinem hohen hause und seinen landen von frischem anzueignen mich ausdrücklich verpflichte. 60, 310; es ist nichts an ihm, nichts an ihr (nichts gutes, kein gutes härchen); es ist nichts (wahres) an der ganzen geschichte, kein wahres wort.
schon mhd. des man im jehen lange gehôrt, daʒ ist an im.
Dietl. 5170,
das verhält sich so, hat grund; denn ich hoffe, es sei mein herz ie an dem, dasz ich .. ein lust und gefallen gehabt. Luthers
br. 2, 138; es sei aber an dem (
damit), wie es woll. 2, 166; an dem sein,
in eo esse, ita esse (
vgl.am); es ist noch nicht an dem,
noch nicht so weit; und weil es ist an dem, dasz ich mich nur musz letzen mit dir durch diesen brief. Fleming 629; es ist an dem, dasz es unendliche wahrscheinlichkeiten gibt. Rabener 2, 150; wenn es an dem ist. Lessing 1, 344; und wär es? wärs an dem? Schiller 338; es war wirklich an dem, dasz Karl den vorstellungen des admirals nachgegeben. 1071.
nd. dat is wis un an dem (
das ist wahr), dat is nig an dem (
das ist gelogen). sie sind schon an ihm (
quälen ihn).
noch deutlicher vor ausgedrückten substantiven: es ist an der stunde, an der zeit; es ist gewislich an der zeit, dasz gottes sohn wird kommen; es ist an der zeit. Göthe 15, 220; es sei nun an der stunde zu gehen. 28, 219; er ist am tode,
in discrimine mortis; meister, wir sind einer groszen gefahr entronnen, dein Felix war am tode. Göthe 19, 221; mit den narrenstreichen ists nun am ende. Schiller 107; es sind aber an meiner lere so viel, so edel, so hochgeborne fürsten und herrn. Luther 6, 14
a.
auch bei werden: du bist an mir zum verräther geworden; wird ein teufelskind an im, da er möchte ein gott an im werden. Luther 6, 47
b; er wird an dir zum schelmen; sie sind schelmen an dir, handeln verrätherisch an dir. I@22) an
bei liegen, stehn, gehn, sitzen.
sinnlich unzähliche mal: er liegt am boden, steht am berge, sitzt am hügel, geht am ufer; wann man zu vil bonen iszt und am rucken ligt. Fischart
Garg. 18
a; liegt an der kette; als sie (
die seele) noch in der schal und an den fesseln lag. Lohenst.
Hyac. 32; sie fuhr an ihm die treppe hinunter und verschwand. Göthe 19, 213; Mignon folgte ihm an den fersen. 19, 219; er wand sich wie ein wurm an der erde. 20, 173; dieser sasz behaglich an seinem mittagsmahle. 17, 171.
abstract: es steht nun an uns, an dir,
ἐφ' ἡμῖν ἔσται. das werk steht allein an gott, das leiden an uns. Agricola
spr. 73
b; es liegt blosz an ihr, dasz sie den schritt thue; es ist alles an der guten gesinnung gelegen; darumb ligt die macht an dem wörtlin. Luther 6, 176; es liegt das meiste an den vornehmen. gehn
aber, kommen
und ähnliche begehren häufig den casus der bewegung: an das feld gehn, an den tag kommen, an die freie luft wandeln; jetzt gehts an dich, es gienge auch an uns, wenn sie dürften; wir gehn an die reise. Fleming 470.
nicht anders bei wollen, sollen
mit ausgelassenem gehn, kommen: heute wollen sie an mich, morgen sollen sie an dich; wir müssen dran, es hilft nichts. Emmerich komm! an die wollen wir. Schiller 320; wer wollte nicht viel lieber an einen sichtbarn feind, für dem er stehen kann? Fleming 134;
auch sich an einen machen, wagen. I@33) an
bei haben, halten, nehmen, weiden, hüten, tragen
u. s. w. du hast das glück an der hand, er hat ihn am seil, er hat es an der schnur, hält ihn am kleide, weidet am grase, hütet an dem felde, trägt am hals, zieht am haar. sie hatte es an einem guten leben.
deutsche sagen 1, 84; an ihm habe ich einen rechten freund; sie lebt mit ihren leuten, hat die kinder des orts alle an sich. Göthe 10, 139.
abstract: ich armer teufel, den man an seinem rocke und an seinen unterkleidern für einen magister hätte halten sollen. 18, 174; ein mann, den man an seiner kleidung wol für einen geistlichen hätte nehmen können. 18, 188. I@44)
bei sehen, hören, riechen, empfinden, wissen, erkennen: ich sehe an allen dingen, dasz etwas neues vorgegangen ist; dasz gott, wenn man in wil ansehen an seinen werken nichts anders ist denn eitel, unaussprechliche liebe. Luther 6, 47; ich höre am geläute, dasz heute sonntag ist; ich rieche an den blumen; ich weisz es an mir. Göthe 16, 45; man gewahrt es leicht an seinen mienen; ich verstehe das an seinen worten; als ein die natur unmittelbar anschauend auffassender, an der erscheinung selbst denkender, sie durchdringender künstler. Göthe 32, 124; wir haben grund uns an einer welt auch einen endzweck des schöpfers zu den ken. Kant 7, 345; sich an den leibnitzschen monaden kleine klümpchen vorstellen. 3, 72; das übersinnliche, welches nur am moralischen verständlich ist. 6, 394; es bleibt mir an dir völlig unbegreiflich; bei ihm zu verweilen, um mich an ihm zu unterrichten. Göthe 26, 167. I@55)
bei suchen, finden, erlangen, gewinnen, verlieren: die biene sucht ihren honig an den blumen; was suchst und findest du an ihm? er gewann an land und leuten; was er am gelde gewann, verliert er an der seele; ich kann es nicht an (
von) ihm erlangen; sie sollen eine freundin, eine vertraute an mir finden. Göthe 14, 168; ach die glückseligkeit meines lebens die war sie, wie viel habe ich an ihr verloren! Klopst. 11, 9; wie viel verliere ich auch in dieser betrachtung an ihr. 11, 13. I@66)
andere empfindungen, gefühle, eindrücke, zustände: ich freue mich an den kindern, labe mich an den früchten, erquicke mich an dem wein, erhole mich an der luft; er ärgert sich an allen dingen, nimmt an allem anstosz; frasz seinen schmerz drei tage lang, und zuckt an qual drei lange, lange nächte lang. Göthe 2, 77; fiel wie an allen gelenken gebrochen nieder. 18, 228; er siecht am herzen, leidet an der brust; starb an seinen wunden, an der schwindsucht, an schweren krämpfen; verjüngt sich an ihr; dem volke, das an den blicken seines herrn altert. Göthe 8, 261; schläft an (
über) dem buche ein; und gähnt .. so laut als eine eselin, dasz unsre nymfen dran erwachen. Wieland 18, 106. I@77)
accusativconstructionen: an das licht kommen, es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans licht der sonnen; seine freude an den tag legen; so scheme ich mich auch nit diese fabeln an tag zu geben. Er. Alberus
vorr. 8; er führte ihn an die zinne des tempels; wenn er (
der schritt) an deinen eignen zweck dich führen soll. Göthe 9, 126; ich gehe nicht an hof. 42, 61; gehe ich an hof. 42, 164; du fassest die sach an deine hend. Melissus
ps. D 4
b; stiesz mit dem fusz an einen stein, klopfte heftig an die thür; sie trugen alles aus dem schif ans land; ein kind kann mancherlei an seinen vater auf dem herzen tragen. Schiller 254; was begehrst du noch an mich? da aber der herzog an ihn begehrte, dasz er seine eignen brüder bekriegen solte. Micrälius 2, 227; er wandte sich an den könig; sie setzen alle ihre kräfte an diese sache; ich will an ihn reden (
ihn anreden); denn da er an frauenzimmer zu reden hat. Göthe 58, 100; das ist ja an seine ehre geredt. Luther 6, 7
a; gleich wie ich dem bapst und bischoven nicht an ihr ehre rede, wenn ich sie des teufels kirche nenne. 6, 7
b; die feder hat einen druck an einen körper angewandt. Kant 8, 63; eine zufällige einheit reicht nicht an den nothwendigen zusammenhang. 2, 650; man wies ihn von einem an den andern; man wies ihn, als er nach dem manne fragte, an ein schlechtes wirtshaus in einem winkel des städtchens. Göthe 18, 217. I@88) an
hinter substantiven. sein vorgänger am amte; von seinen vorfahren am reich muste Conrad viele widerwärtigkeiten ausstehen. Hahn 2, 226; sein guter freund an der ecke (
wohnhaft); sein genosz am grünen tisch; sein herr kolleg am punschnapf ihn verlacht. Gökingk 2, 176; der mangel an gelde; der überflusz an getraide; zufuhr an lebensmitteln; ein reicher vorrat an kleidern; Frankfurt am Main, an der Oder (
gelegen); ein ring vier thaler an werth;
zumal wird bei namen das nomine,
bei zahlwörtern das numero
durch an
ausgedrückt: noch ein bruder, Chrysipp an (
mit) namen. Göthe 57, 38; es erschienen ihrer hundert an der zahl; lieber gott, wann an der zahl ich wär ich viel tausendmahl, wär mein werth doch nimmer werth, dasz mich Christus nur begehrt. Logau 1, 6, 11; sie drangen, zwölf an der zahl, in das dorf.
bei menge, nähe und gedräng: sie standen kopf an kopf, hut an hut, giengen hand an hand, arm an arm, nieder schmetterten die kugeln mann an mann, alles wimmelt ameise an ameise, im winde säuselten halm an halm, ähre an ähre; wagen fuhr an wagen, kahn an kahn; knie an knie erfüllt die stufen um das hohe throngericht. Bürger 2
a; paar an paar uns munter drehn. 2
b. I@99) an
neben pronomen: an sich,
per se, an sich selbst; an und für sich; die tugend ist an und für sich begehrenswerth,
virtus per se expetenda est; begriffe die an und für sich selbst unauflöslich sind. Kant 1, 71; gegenwärtig ruht in meinem gemüt die masse dessen, was der staat war, an und für sich. Göthe 29, 120.
in der älteren sprache würde stehn an im, an ir selbst: die zeit an ihr selbsten sei lang genug. Ayrer
proc. 1, 8; was mit und an dir liebte, litt hat sich wo anders angehangen. Göthe 3, 244; wozu jedes glied eines weiten kreises freudig klar und tüchtig an seinem theile zustimmte. 22, 9; der major an seiner seite (
seinerseits) blieb mit ganz entgegengesetzten gefühlen zurück. 22, 76; wir aber an unserer erzählenden und darstellenden seite. 23, 199; an meinem theil konnt ich mir gefallen lassen. 30, 205; sein talent neigt sich gegen zwei entgegengesetzte seiten, an der einen beobachtet er die gegenstände der natur, an der andern seite neigt er sich zum sittlichdidactischen. 33, 167. an einem fort (
in einem fort, in einem stücke fort): ich hab sie wol zu ganzen viertelstunden an einem fort nichts anderes thun sehn. Schiller 577; spielt, stänkert, pocht und kriecht, das geht an einem fort. Göthe 7, 72. I@1010) an
mit dem acc. ich reiche ihm nur an die schulter, das wasser reichte ihm fast an den mund; die flut stieg an die brücke; von hier ist noch gar weit an den Rhein (
ad Rhenum); es wechst auch da ein ziemlich wein doch haben sie nit fern an Rhein. Alberus 140
b; o das ich ietzt nit jungen mag und leben an den jungsten tag. Schwarzenberg 141, 2; bestendiglich ans ende. Luther 3, 152; da ist er behalten worden an den dritten tag. 3, 410
b.
allmälich schob man gern ein bis
vor: zu hand die alle von im bisz an Friderichen seinen gesellen.
Galmy 209; (ihr ruhm) rührt bisz an himmel
an. Logau 2, 3, 58; wie weit er sich zurück erinnern kann! bis an die ersten kinderpossen. Lessing 1, 4; bis an das gängelband, bis an die ammenbrust. ist, was er litt und that, ihm alles noch bewust. 1, 5. I@1111) an
neben adj. wie schon ahd. und mhd. (
gramm. 4, 879): sei from an den eren.
fastn. sp. 439, 17; wo die leute an disem unserm bedenken nicht zufrieden sind. Luthers
br. 4, 585; sind am leibe viel schwärzer als am angesichte.
pers. reiseb. 3, 4; sie war an schönheit reich, an vielen gaben hold. Fleming 132; arm am beutel, krank am herzen; taub an beiden ohren, blind an beiden augen; breit an den schultern,
latus ab humeris (
breit von
schultern); klein an geist. IIII. An
als bloszes adverb erscheint hauptsächlich in zusammensetzungen, dann auch einzelnen substantiven oder andern partikeln nachtretend. II@11)
zahllose verba sind mit an
uneigentlich zusammengesetzt, d. h. in gewisser lage, namentlich im inf. und in bedingender rede lassen sie es vornen unmittelbar anschlieszen, während es im imp. und in directer rede los nachfolgt: anfangen, wenn ich anfange, dasz ich anfange,
hingegen fang an, fangt an, ich fange an, ihr fangt
an. dies vermögen meistentheils frei und gesondert eine stellung im satz einzunehmen lehrt, dasz sie ihm ursprünglich angemessen war. die lat. zusammensetzungen incipere, accipere
erzeigen sich ungleich fester und gestatten ihrem in
und ad
unter keinen umständen sich zu lösen, es heiszt incipere, si incipiam, ut incipiam,
wie incipe, incipite, incipio, incipitis.
unsere sprache läszt uns also in den gang und die wege der partikel tiefer blicken. Häufig musz nun wiederum die kraft der partikel als praepositionale, im laufe der zeit durch auslassungen verdunkelte erscheinen. die suppe ist angebrannt
will nicht sagen sie ist entzündet, angegangen, wie man ein stückchen holz anbrennt, vielmehr sie ist an den topf unten festgebrannt; der stein ist angefroren, an (
die erde) gefroren; anziehen
drückt aus an den leib, an den arm, an das bein, an den fusz ziehen,
ohne dasz nöthig wäre diesen acc. beizufügen, wenn vom einhüllen in das kleid, in den handschuh, in den strumpf und schuh die rede ist. anstoszen
will sagen den fusz an einen stein, das glas an ein anderes stoszen. einen ansehen
ist gleichviel mit an einen sehen.
war nun auch einen anlachen, anblinzen, angrinsen, anzischen
ursprünglich an ihn lachen, blinzen, grinsen, zischen?
Aus der gewohnheit aber die partikel mit dem verbum zu verknüpfen kann sich leicht ein engerer sinn erzeugen, den sie neben dem einfachen verbum nicht hat. greif mir nicht an die nessel!
verbietet wie greif mir die nessel nicht an!, wir müssen endlich an das geld greifen
ist gleichviel mit das geld angreifen.
doch für den feind angreifen
läszt sich nicht mehr setzen an den feind greifen,
weil hier die zusammensetzung bestimmtere farbe angenommen hat. In vielen fällen mag das an
auf die person wie auf die sache gehn. wir sagen das kleid anziehen, das schwert angürten,
zugleich aber einen anziehen, angürten, der diener zieht den herrn morgens an,
bekleidet ihn, ich will mich erst angürten,
begürten. sollen sache und person zugleich ausgedrückt sein, so pflegen wir dann letztere in den dativ zu setzen: lege mir das kleid an, sie gürtete ihm das schwert an, er bot ihm seinen dienst
an. ahd. und mhd. stand auch diese person im acc. und das verbum hatte doppelten acc., der sache und person neben sich: legi mih dia wât ana, siu gurta inan daʒ suert ana, pôt inan dionost sînaʒ ana;
mhd. dô bôt in (
eum) der wirt an sîne tohter und sîn lant.
Iw. 6800.
die praepositionskraft des an,
seine einwirkung auf den acc. war hier lebhafter, noch fastn. sp. 498, 16
heiszt es und sült in (
eum) fleiszig gebet legen an,
sollt fleiszig eure bitte an ihn legen, ihm mit bitte anliegen. statt des von der praep. abhängigen acc. der person setzt die neuere sprache oft den dativ, vgl. anbieten,
anerben,
ansterben.
Wie in anfangen, anheben
selbst hat an
auch vor manchen andern wörtern die bedeutung des beginns und rührigen fortgangs, was zumal in den imperativen vortritt: sage an! sing an! sprich an! rücke an! stimme an! halt an! rat an, lieber ratgeb!
fastn. sp. 504, 2; rat an, ritter Degenlein! 599, 18. 34. 600, 20.
doch läszt rücke an
sich fassen als rücke den fusz an mich, rath an
als rath an die sache.
da an
so oft auf, aufwärts, in die höhe ausdrückte, darf auch bei ansingen
ein anheben,
aufheben, aufrichten des gesangs gedacht werden, wie bei ansteigen
ein aufwärts steigen, vgl. anbauen,
andringen,
anhalten, anlaufen, anstehen, anstürmen
u. s. w. angeben
heiszt im kartenspiel zuerst geben, anstimmen
in der musik den ton angeben, den gesang erheben, und so läszt sich auch anführen
auffassen als vorangehn im zug, eine andre deutung wird unter anführen vorgetragen. An
und ab
sind natürlicher gegensatz in ansagen
und absagen, anmelden
und abmelden, ankündigen
und abkündigen, anbringen
und abbringen, ansetzen
und absetzen, ab- und anzug.
Garg. 64
a.
weil aber auch auf
dem ab
gegenüber tritt, z. b. in aufsteigen
und absteigen, aufkommen
und abkommen, auf und abgehn;
so dürfen an
und auf
in manchen fällen wechseln oder zusammen angewandt werden. man sagt schröpfköpfe ansetzen
und aufsetzen, geld anhäufen
und aufhäufen;
gewöhnlich wird doch jede partikeln eigne bedeutungen mit sich führen. auch umb
und an
stehn sich einander zur seite, z. b. Garg. 95
b. II@22)
seltner schon schlieszt die partikel sich an das nomen, wird aber von ihm untrennbar und hat die beweglichkeit eingebüszt, die ihr vor dem verbum zustand. die meisten der mit an
zusammengesetzten nomina sind auf bereits zusammengesetzte verba zurückzubeziehen und ankunft, anfang, anstosz, angabe, anklang
u. s. w. setzen ankommen, anfangen, anstoszen, angeben, anklingen
voraus, anhab anheben, anhaft anheften, anhalt anhalten.
eine menge adj. auf ig
erzeugten sich wiederum aus substantiven, andächtig, anmutig, anstöszig
aus andacht, anmut, anstosz;
viele mit lich
gebildete unmittelbar aus verbis: angeblich, annehmlich, anmaszlich.
Ausnahmsweise hat sich erst in der späteren sprache das an
unmittelbar mit dem nomen verbunden, wie in anbetracht, anbewust,
denen kein anbetrachten, anbewissen
vorausgeht. solche wörter sind meistens pleonastisch oder steif. doch sagt man anbeginnen, anbefehlen.
Wenig im gang sind adj. mit an
für sl. na,
lat. sub,
gr. ὑπό,
ἐν, ankalt
subfrigidus, ansauer
subacidus, man sagt lieber kältlich, säuerlich;
doch die volkssprache wahrt sie hin und wieder. Merkwürdig entspricht aber an
in anlaster, anmal, anname, ansang
dem mhd. âlaster, âname, âsanc
und schon ahd. anamâli,
ganz wie altn. â
für an,
während sonst mhd. â = ab, ar;
anders anmacht amacht.
Manche zusammensetzungen der früheren zeit sind erloschen, z. b. das mhd. anebet,
gegenstand des anbetens. II@33)
wie mit ab
bilden sich auch mit nachfolgendem oder anwachsendem an
adverbiale redensarten. bergan
steht dem bergab
entgegen, und man bildete himmelan, felsenan, wolken an,
in berg
und himmel
waltet noch gefühl des acc., dem die praep. nachgetreten scheint, bergan = an den berg; der weinstock breitet sich baum an =
an den baum. Opitz; hier ist der wahre steg, hier kannst du zu mir reisen und meinen himmel
an. Fleming 18,
wo das beigefügte possessiv über den casus keinen zweifel läszt. Anders zu fassen ist glück an!
das landende, wie glück auf!
aus dem schacht aufsteigende zurufen: da landen wir, da sind wir schon! glück an! dem herren, dem patron. Göthe 41, 303,
gleichsam glück ans land!
Mit dar, hin, her, oben, vor, vornen, neben, hinten
bildet sich daran, hinan, heran, obenan, voran, vornen an, hinten an
und hinan, heran
stellen sich um in anhin, anher; obenaus und nirgend an!
ist der bekannte spruch zum ausfahren der hexen, vgl. Luther 3, 235
b. fortan
gleicht dem mhd. alleʒane,
ahd. allaʒana,
nhd. alsfort, immerfort; sofort an,
braucht Luther
oft, z. b. 3, 122
b. 235. 466. wider an
braucht Ringwaldt und thut darnach fein wider kommen, setzt sich zu tisch, seuft wider
an. lautere warh. 66; das geht darnach so wider an,
das., man kann das letzte an
aber auf geht
ziehen. zweifelhaft ist auch wer hoch gestiegen ist, wil immer höher steigen, wer niedrig stehet an, wil tiefer sich nicht neigen. Logau 2, 10, 97,
denn niedrig an
darf zwar untenan, niedenan
ausdrücken, doch auch stehet an
für ansteht
genommen werden. Bei adverbien der zeit findet sich an
als anfangspunct, kann aber auch wegbleiben: von jetzt an, von nun an, von dann an; von nun an bin ich zufrieden; von stund
an. fastn. sp. 827, 17; von heut an = von heut ab; von diesem augenblick an; von jugend an,
a puero; von kindsbeinen
an. 2, 243
beginnt Logau
ein gedicht mit den worten: an von der zeit = von der zeit
an. andere setzen blosz von
ohne an: mein vater erfüllte mein unerfahrnes herz mit dem glänzenden wahn der welt, von dem augenblick meines aufkeimens. Klinger 4, 118; der von früher jugend ein zeuge der greuel der tyrannei war. 5, 30 von anbeginn
ist gewissermaszen vom beginne
an. Andere adverbia fügen das an
vornen zu: anbei, anher, anhier, andurch, anmit =
hierbei, hierher, hierselbst, hierdurch, hiermit; ferner annoch, anwo, ansonst, anwiederum, anvorderst.