An. I) Als Verhältnißwort, in dessen Bedeutungen überhaupt der Begriff von in und nahe zu Grunde liegt, und welches sowol mit dem dritten als mit dem vierten Falle gefügt wird, wodurch die Bedeutungen desselben in zwei Klassen zerfallen, so daß in der ersten mit dem dritten Falle, der Begriff eines Schonvorhandenseins oder Daseins, also der Ruhe, in der zweiten aber mit dem vierten Falle, der Begriff eines Hinwendens und Hinstrebens obwaltet. 1. Mit dem dritten Falle gefügt, dient es zu bezeichnen 1) einen Ort, und zwar (1) das Dasein oder einen Zustand, eine Handlung in einem Orte, oder in einer Sache, wo es dann für in steht, doch nicht willkührlich damit vertauscht werden kann. An seiner Stelle hätte ich anders gehandelt. Ih will es an deiner Statt thun. Am Leben sein. Am Tage liegen, augenscheinlich sein. Х Er hat es so an der Art,
d. h. er pflegt es so zu machen. An einem Orte leben, wohnen, bleiben, verweilen. Dies ist an vielen Orten gewöhnlich. Man findet es nicht an allen Orten. Dafür setzt man
auch mit Auslassung des an zuweilen den zweiten Fall. Aller Orten trifft er dann Früchte seiner Arbeit
an. Weiße. Etwas gehörigen Orts anzeigen. An mit dem Fürworte sich verbunden, zeigt an, daß man eine Sache für sich ohne Beziehung auf andere denken solle. Er ist an sich gut, allein er läßt sich zu leicht von Andern zu Fehlern verleiten. Die Sache an und für sich (absolut) betrachtet scheint nicht verwerflich zu sein. »Der Raum ist an sich nichts,
d. i. er hat seinen Grund bloß in der Beschaffenheit unsrer Sinnlichkeit, und fällt mit dieser weg.« Kant. (2) Die unmittelbare Verbindung einer Sache, besonders mit der Seitenfläche einer andern, im Stande der Ruhe. An der Wand liegen. An dem Ofen sitzen. An dem Fenster lauschen. An der Hand halten. An dem Nagel hangen. An einem Haare hangen. An der Seite tragen. Frankfurt an der Oder. I weiterer und uneigentlicher Bedeutung bezeichnet es verschiedene Arten der Verbindung. Mann an Mann schritten sie vorwärts. Knie an Knie erfüllt die Stufen Um das hohe Throngericht. Bürger. — keines mehr sich seiner selbst bewußt, Doch immer noch im andern athmend, schwammen Sie, Mund auf Mund, dahin, und Brust an Brust. Wieland. An der Kette liegen. An dem Strange ziehen. Er ist an der Stadtschule Lehrer. Es ist nichts als Haut und Knochen an ihm. Ih möchte wol wissen, was an ihm ist,
d. h. welchen Werth er hat. An der Sache ist nichts,
d. h. sie ist nichts werth; auch, sie ist ungegründet. Ih habe einen großen Fehler an mir. Das leide ich nicht an dir. Die Schuld liegt nur an ihm. Was ist daran gelegen? An sich halten,
Bei sich behalten. Halte damit an dir,
d. h. fahre nicht damit heraus. 2) Dient an als Hinweisung nach einem Gegenstande, und zwar (1) nach dem Gegenstande einer Handlung oder eines Zustandes. An einem Werke arbeiten. An einer Sache Theil nehmen. Sich an dem ersten Gerichte satt essen. Sich an einem rächen. Sich an einem vergreifen. Er hat sich Schaden an der Gesundheit gethan. An einer Sache Freude, Vergnügen, Mißfallen haben, bezeigen. An einer Krankheit danieder liegen. An der Auszehrung sterben. (2) Nach dem Gegenstande der Ordnung. An mir ist die Reihe. Es ist jetzt an dir. An der Tagesordnung sein. Zuweilen steht es für vor. Noch einmahl laßt des Dichters Phantasie Die düstre Zeit an euch vorüberführen. Schiller. (3) Nach dem Gegenstande des Besitzes, Mangels oder Verlustes. An diesem Menschen habe ich wahre Freude. Er ist reich, sowol an liegenden Gründen, als an barem Gelde. Du weißt nicht, was ich an ihr verloren habe. Arm an Freuden, reich an Hoffnung. So auch als Hinweisung nach dem Gegenstande innerer Vermögen, Mängel Andre an Klugheit, an Tugend übertreffen. An Verstande zunehmen. An Kräften abnehmen. 3) Als Hinweisung auf das Mittel, durch dessen Hülfe man etwas erkennt. Ih erkannte ihn an der Stimme. Ih erkenne es an dem Geruche, Geschmacke, Gefühl. Man kennt das Silber am Klange. Daran werde ich erkennen, ob du mich lieb hast. 4) Als Hinweisung nach einer gewissen Zeit, in welchem Falle es mit dem Deuteworte dem gewöhnlich in am zusammengezogen wird. Am Anfange. Am Ende. Am Tage. Am Morgen. Am Abend. An jenem Tage. Am jüngsten Tage. Am Tage des Gerichts. An einem Sonntage, Wochentage. Wie hoch ist es an der Zeit? Es ist an dem, es stehet bevor, es ist auf dem Punkte. »Es ist an dem, daß wir unterliegen müssen.« Ungen. I einer andern Bedeutung heißt, es ist an dem, es ist wahr. »It es an dem, daß den Söhnen der Erde die Auflösung dieser Aufgabe übertragen worden?« Klinger. Zuweilen wird an in dieser Bedeutung auch weggelassen und der zweite Fall gesetzt. Welches Tages du davon issest, für, an welchem Tage Eines Tages kam er zu mir. Des Morgens, des Abends. 2. Mit dem vierten Falle gefügt bezeichnet es 1) sowol eine körperliche Bewegung und Richtung nach einer Sache, eine Handlung, deren Gegenstand diese Sache ist, als auch eine Richtung des Gemüths nach derselben. An die Wand schieben. An die Thür schlagen. An ein Haar hängen. An eine Blume riechen. An die Tafel schreiben. An seine Arbeit gehen. Sich an seinen Platz stellen. Ih halte mich an dich. Wenn ich das Kleid an mich halte, so scheint es nicht zu kurz zu sein. Hand an einen legen, sich an ihm vergreifen. Einem das Messer an die Kehle setzen. Das wird dich noch an den Galgen bringen. Sich an einen Stein stoßen. An das Land fahren. Einem an die Hand gehen. An den Bettelstab bringen, kommen. Etwas an den Mann bringen. Eine Sache an jemand verkaufen. Die Reihe kömmt nun an dich. Ih wende mich an dich. Der Brief ist an mich. Ih werde an ihn schreiben. Ih habe viel Geld an ihn verloren. — da waren um mich aufbebende Gräber; Hingen dicht an die Gräber von allen Himmeln herunter Schwere Wolken. — Klopstock. Sich an etwas erinnern. Sich an etwas gewöhnen. Ih denke gar nicht an ihn. Ih kehre mich gar nicht an deine Rede. Er hat eine Bitte an mich. Wenn der Gegenstand einer Bewegung oder Handlung zugleich die Grenze derselben ist, so wird zu an noch das Wörtchen bis gesetzt. Das Wasser reichte ihm bis ans Knie. Sein Feld erstreckt sich auf der einen Seite bis an den Weg, auf der andern bis an den Fluß. Sei getreu bis an den Tod. Hieher ist auch der uneigentliche Gebrauch von an mit gehen zu rechnen, wo es ein Anfangen bezeichnet. Es gehet an ein Schreien, Lärmen, Toben — dann geht es an ein Fliegen Dem Brunnen zu. — Wieland. 2) Eine Zeit, wenn nämlich das Ende einer Sache, der Zeit nach angezeigt werden soll, und in Verbindung mit dem Wörtchen bis. Vom Morgen bis an den Abend ist er fleißig. Der Mensch hat bis an seinen Tod immer etwas zu wünschen. I Ansehung der Fügung des Wortes an mit dem dritten oder vierten Falle, kömmt es wie aus dem Vorigen zu ersehen ist, sehr darauf an, daß es mit dem rechten Falle gefüget werde, wenn man nicht etwas ganz Anderes sagen will, als man eigentlich sagen wollte. So bezeichnet
z. B. etwas ganz Anderes: an den Fluß gehen und an dem Flusse gehen; an die Thür klopfen und an der Thür klopfen; an das Fenster schreiben und an dem Fenster schreiben u.
s. w. Ein ähnlicher Unterschied findet bei an einander Statt. Sie liefen alle an einander, heißt einer an den andern. Die Äcker liegen an einander, einer an dem andern. Vergl. auch am. II) Als Umstandswort deutet an (1) einen Anfangspunkt
an. Von jetzt
an. Von heute
an. Von Stund
an. Von Kindesbeinen
an. Von hier
an. Von dort
an. 2) Bezeichnet es den Standpunkt, wo sich etwas befindet. Oben an stehen. Unten an sitzen. Neben an wohnen.
N. S. Bei an sitzen, für dabei, daneben sitzen. 3) Zeigt es eine Annäherung, Berührung
an. Setzt an! Gewehr an! nämlich an den Backen, in Gegensatz des Setzt ab! Hand an! Legt die Hand
an. 4) Giebt es eine Nichtung, Ausdehnung nach oben an für hinan, hinaufwärts, in welchem Falle es hinter das Hauptwort gesetzt wird. Berg
an. Himmel
an. »Felsen
an.« Klopstock. Bis oben an, wo es zugleich den Begriff der Fülle einschließt. 5) Steht es für fast, gegen, beinahe. Es sind an zehn Jahre, daß ich nicht dort gewesen bin. Es hat mir an hundert Thaler gekostet. Unrichtig wird zu an das Deutewort die gesetzt; an die zehn Jahre. 6) I Verbindung mit um, um und an, für durchaus, gänzlich. Er wird die Völker um und an Wie recht und billig ist entscheiden. Opitz. Ach so ist es um und an Um die ganze Welt gethan! Gryphius. Außerdem wird an noch gebraucht, 1) aus den Beilegungswörtern im dritten Steigerungsgrade Umstandswörter zu bilden, indem es statt des n ein m annimmt. Am schönsten. Am längsten. Am besten. 2) Diente es ehemahls in vielen, jetzt größtentheils veralteten Zusammensetzungen, als: annoch, anjetzt, anbei, anher, ansonst, anwo, andurch, annebst, woran, wo es aber in den meisten Fällen nur eine müßige Verlängerung macht. Eine wichtige Rolle spielt es aber in Zusammensetzungen mit Aussagewörtern in folgenden Bedeutungen. (1) Einer Verbindung mit der Seitenfläche und auch wol der Oberfläche eines andern Körpers; eigentlich und uneigentlich,
z. B. anbiegen, andrücken, anlegen, anschließen wo es dann bei dem vierten Falle des Sachwortes wiederholt wird. Sich an einen anschließen. So auch einer Berührung an der Seitenfläche eines andern Körpers,
z. B. anfahren, anlaufen, anfließen, anklopfen, wo an auch bei dem vierten Falle des Sachwortes wiederholt wird. (2) Einer Bewegung und Richtung nach einem Orte oder Gegenstande; eigentlich und uneigentlich,
z. B. ansehen, anblicken, anreden, anfragen, anblasen, anbrummen, welche Wörter alle mit dem Sachworte in der vierten Endung verbunden werden. Eben so in anbefehlen, anbieten, anpreisen, anwünschen welche, wenn sie als überleitende Aussagewörter gebraucht werden, ebenfalls den vierten Fall der Sache und den dritten Fall der Person zu sich nehmen. Hieher gehören auch die im gemeinen Leben üblichen Ausdrücke, verbunden mit kommen: angeritten, angefahren, angelaufen, angekrochen kommen. Dann uneigentlich, von Sachen, welche
z. B. einen Geruch verbreiten, eine Empfindung erwecken, die sich bis zu einem empfindenden Wesen verbreiten, wobei jene Sachen gleichsam handelnd gedacht werden, wo sie dem Begriffe nach zuständlich sind, in der Fügung aber den vierten Fall zu sich nehmen, als anriechen, anstinken, anekeln Zuweilen bedeutet es eine Annäherung, Herbeischaffung, so viel wie heran,
z. B. anfahren, als Holz u. dergl., anlocken, wo es mit dem vierten Falle der Sache verbunden wird. (3) Einer Bewegung oder Richtung in die Höhe, des Anwachsens und Zunehmens, der Fülle, als: anfüllen, anhäufen, einen Teich anlassen, sich anfressen. (4) Des Beginnens einer Sache, in anbeißen, anbohren, anbrechen, anbrennen, anfaulen. (5) Dient es das Aussagewort, mit welchem es verbunden ist, als ein Mittel irgend etwas zu erfahren anzudeuten, als anriechen, ansehen, anfühlen, anhören mit dem dritten Falle der Person oder Sache, an der man etwas riecht, sieht und dem vierten der Sache die man an ihr riecht, sieht (6) Druckt es oft den Begriff der Wenigkeit oder einen geringen Grad dessen was geschieht, oder derjenigen Beschaffenheit, welche dem damit verbundenen Worte eigen ist, aus,
z. B. anfrischen, anfeuchten, anmischen, anrühren,
d. h. dazu rühren, Anhöhe, anrüchtig (7) Steht es für andre Wörter und giebt den damit verbundenen Aussagewörtern die Bedeutung derselben. So steht es bei manchen für in, da,
z. B. anwesend, Anwesenheit; für ein,
z. B. Ansatz, Anleite, anfetzen, anleiten. (8) I anlehnen ist an wahrscheinlich aus ent entstanden. — Noch ist zu bemerken, daß an von manchen Schriftstellern und im gemeinen Leben in mehrern Bedeutungen unrichtig gebraucht wird. So wird es im gemeinen Leben bei Anführungen noch zuweilen für in gebraucht. Lukas am ersten, Matthäus am letzten Kapitel. ≠ Sie zankt an einem Stücke. So gings an einem fort. »Sulzer hatte das Glück in I Gesners Hause an die Kost zu kommen.« Hirzel. — Für bei. »Wir werden uns an den besondern Anomalien (Unregelmäßigkeiten) der wirklichen Sprachen nicht viel aufhalten.« Lambert. »Jetzt erlauben sie andre Gegenstände an ihnen vorüber zu führen.« Ungen. S. auch oben I, 1, 2), (2). — Für auf. »Die Einwohner sind Lutherisch bis an einige Reformirte.« Raff. — Für gegen. »Ih will einen Thaler an einen Groschen setzen,« gegen einen Groschen wetten. Wieland. — Für über. »Ohne mein Gesuch bin ich an dem Tage, da ich dieses schreibe, an die köstliche Vorrede — — — gerathen.« Bengel. — Für von O. D. Etwas an einen verlangen. »Man hat es ausdrücklich an mich verlangt.« Bengel. — Für zu. »Sie brachten das Laubhüttenfest in frohen Liebesmahlen zu, an welche sie ihre dürftigen Mitbrüder einluden.« Bibl. Erzählungen. Etwas an der Zeit haben, O. D. für Zeit zu etwas haben. — Am Tode liegen, für auf den Tod liegen. Alle diese, größtentheils O. D. Redensarten sind verwerflich.