Wossidia
an Adv., Präp. an, in, auf, für, um; vertritt im As. gleichzeitig die hd. Präp. in völlig und kann diese im Mnd.
noch in jedem Falle ersetzen; der heutige Brauch bewahrt noch viel Altes. Die formelle Scheidung der Präp. an und des
Adv. ane (anne) ist aufgegeben;
mnd. Fälle von ane: '(de jene,) dar des wes ane is' (den es berührt, angeht) UB. 20, 232; (1425) Jb. 38, 37; 39; daraus ahn: '(de) jennen, de dar mede ahn und aver weren' Rost. Veide 13; späterer Kanzleigebrauch vermischt
Adv. und Präp.: 'Uphave ahn (an) gelde' (1543) Tessin Boiz. 73; (1574) Rost. Bursprake VI § 13. In der Zusammensetzung deutet bisweilen die Aussprache ān- die Herkunft aus dem zweisilbigen ane an,
vgl. anwarden,
Anwenn'. Mit dem Schwund des Dat. dem des Artikels ist das alte am durch an 'n ersetzt, doch bleibt am vor dem Superlativ: am lichtsten,
s. auch Muss. Spr. 80; auch am Enn' neben an 'n Enn'; im Fem. gilt meist die volle Form an de, selten anne, im Neutr. ist an 't das Übliche. Für Kinderohren kann an sogar diminutive Form annehmen: wat kickt dat ein'n so säuting anning Gild. Frank 230. 1.
Adv., bezeichnet den Zustand: wer an is am Spiel LuLudwigslust@TewswoosTewsW; an sin an der Reihe sein Mi 3
b; ick bün noch nich eens an wäst nie vor Gericht gewesen SchöSchönberg@WarnowWarn; dee nich mit an wiren dabei waren LuLudwigslust@LaupinLaup; die Beziehung: dee is ümmer gaut mit em an wäst gut Freund mit ihm RoRostock@RibnitzRibn; Camm. Ast. 70; Nd. Jb. 20, 41; vielfach; auch: dee is bi den Ollen so an steht in Gunst bei ihm RoRostock@AlthagenAHag; häufig in Verbindung mit dor: dor hett he recht an RoRostock@RibnitzRibn; dee hett dor noch Maut an RoRostock@DierhagenDierh; dor ward he sick woll an vörseihn WaWaren@RogeezRog; dor kann ick mi so an quälen RoRostock@RibnitzRibn; dor is he Fründ an verwandt mit WiWismar@PoelPoel; de Buern hüren hier an gehören zu diesem Gut HaHagenow@RedefinRed; se müssten hier an arbeiten für diesen Hof MaMalchin@RemplinRempl; dor hett he noch lang' wat an noch lange daran zu arbeiten Wa; dor (Inschrift auf Stein)
hebben väl an lääst StaStargard@Groß NemerowGNem; dor sall se sick an erhollen davon ernähren Sta Stargard@BlumenholzBlumenh; abhängig von bestimmenden Adjektiven wie gaut, richtig: hei is gaut an gut zu Wege, wohlbeleibt RoRostock@BlankenhagenBlank; Muss. Spr. 80; dee (ein Toter)
is woll an Nd. Jb. 20, 41; is slicht an schwerkrank StaStargard@BallwitzBallw; wenn dee so richtig an is bei Stimmung StaStargard@CarwitzCarw; dee is hart an ist in einer gefährlichen Lage RoRostock@RibnitzRibn; wobei wieder dor hinzutreten kann: he wir dor schüllig an Wa; de Deenstbaden, wo de Buern sick nich sicher an wiren denen sie nicht vertrauten Sta Stargard@RühlowRühl; holl nich up doran damit Nd. Jb. 20, 42; vielfach in gekürztem verbalem Ausdruck:
is din Swester all an? Schmidt Gad. 3, 8, wo 'gekleidet' unterdrückt ist; bes. nach willen: de Stäwel wullen nich an widerstrebten dem Anziehen WaWaren@SuckowSuck; 'dar wolde de menheit nicht an' Dietr.
V. Lohe 13; dor wull he nich an getraute sich nicht, es zu nehmen, zu tun, es in Angriff zu nehmen; ick wull den Jung an ihn sprechen HaHagenow@RedefinRed; hei mäut an er kann nicht umhin, etwa zu sterben Muss. Spr. 80, er muß sterben Wa. Bildungen wie bargan bergan sind aus Sätzen entstanden: he geiht den Barg an den Berg aufwärts, woraus durch den Fortfall des Artikels Fälle wie:
geiht hei Koje an Bri. 3, 167; he müsst Lager an Nd. Jb. 20, 42; ältere Fügungen entbehren hier von Anfang an den Artikel,
vgl.: dörpan, husan,
stadtan; danach dann bargan, häwenan, stroman, windan. In den beiden letzten Fällen bedeutet an soviel wie 'gegen', was auch bei der Präp. (
s. 2 c) möglich ist. Für diese Bedeutung
vgl. noch:
dat Schipp geiht
Nuurden an; ebenso in der Zs.: ohran
döschen gegen die Ähren MaMalchin@GielowGiel. Nach dem Muster dieser Bildungen auch koppan: he is nich got koppan (koppsan) bei Laune WaWaren@BelowBel. Um die Richtung stärker auszudrücken, fügt der Pferdelenker das
Adv. an dem Zuruf hott hinzu: hott an! Wa. Zur Verdeutlichung des Richtungsgedankens tritt in die Verbindung he geiht den Barg an die Präp. to ein,
vgl.:
as he to Hus an güng Wagtsm. Ann. 12; de Seehund güng to Bodden an Nd. Jb. 20, 41; he is to em an gahn ebda; ick müsst to Lager an ebda; willen Se to Land an? ebda. Vgl. 'tendes an' künftig (Wi 1514) Nd. Jb. 46, 7
a. — Mit anderen
Adv. tritt an zusammen: af un an bisweilen; dee weit nich an oder van RoRostock@KlockenhagenKlock; zur Angabe der Zeugen bei einer Beurkundung gebraucht die ä. Spr. an und over: 'dar hebben an unde aver wesen ...' (Ro 1424) Beitr. Rost. 4, 1, 23; Jb. 23, 242, oft; Slagg. 120; 129. Das
Adv. an nimmt die Präp. an wieder auf: an 'n Winterdag is jo nicks an ist kurz MaMalchin@LuplowLupl. — Zusammengesetzt mit anderen
Adv.: achteran (
Sp. 50), babenan, bian, butenan, gegenan, hinnenan, vöran; ierstlichan; woan. 2. Präp. mit Dat. und Akk., drückt die räumliche und zeitliche Berührung und sachliche Beziehung, aber auch die Umfassung, wofür jetzt in gebraucht wird, aus; die nachstehende Aufzählung schließt sich an das Muster in Lasch-Borchl. 1, 1, 73
an. a. Umfassung; mit Dat.: 'an der See bliven' auf See bleiben: (1378) UB. 19, 318; he is nich an Hus zu Hause LuLudwigslust@Alt JabelAJab; min Mudder is gänzlich an Amt wäst auf dem Amte beschäftigt gewesen GüGüstrow@ZerninZern; an denn' is dat Blaut nich gaut HaHagenow@RedefinRed; he brummt an sick bei sich Nd. Jb. 20, 42; ick denk so an mi sülfst Ro; Gü; dat is all nich mihr so an de Welt auf der Welt RoRostock@RibnitzRibn; mit Akk.: ant Hus (auch an Hus) ins Haus, nach Hause,
z. B. kamen: Bri. 6, 128; 7, 54; an min Ollen sin Hus to kamen 2, 212; hüt geiht 't ant Hus HaHagenow@RedefinRed; noch allgem. verbreitet; auch ant Hus schriwen Nd. Jb. 20, 42; Doden hebben se ant Hus bröcht Gü; auch nur ans, vors Haus: gerodete Stämme ant Hus trecken Pld. Heim. 9, 138; 'quemen ... to hus an ere lant' Slagg. 97. b. Zustand: 'dewile he dar an unseme denste is' (1452) Jb. 39, 18; is got, dat dee an 'n Kierl is einen Mann hat Ha Hagenow@RedefinRed; dee is noch gor nich anne Krit angeschrieben (vom Kartenspieler) PaParchim@DobbertinDobb; de Kinner sünd an 'n Spälen StaStargard@TeschendorfTesch; ick heff so väl Rheumatismus an mi LuLudwigslust@GöhrenGöhr; de Twölften hebben liker wat an sick sind unheimlich Lu; de Katt hett nu mal wat an sick GüGüstrow@WotrumWotr; Maidag hett ok väl an sick an den Maitag knüpfen sich viele Bräuche und Vorstellungen HaHagenow@LübtheenLübth; an sick drägen bei sich tragen Wa; an sin Nahwersch is he sick nicks God's bewusst wäst ebda; dat bün ick mi nich an di vermauden allgem.; Bri. 6, 61; an 'n Globen sin im Glauben sein, Glauben haben Wa; an Wiert sin wert sein: dat Pierd is väl an Wiert wäst WaWaren@TressowTress; wi hölen em gor an Wiert für wertvoll Nd. Jb. 20, 42; an dem sin wahr sein, nich an dem sin unwahr sein Mi 3
a; he is noch an 'n Gang am Leben StaStargard@ZippelowZipp; dat is noch an 'n Gang im Gebrauch WiWismar@Klein GörnowKGörn; dat hett he so an de Mod' vielfach. — Selten mit Akk.: 'O kond ick wedderüm an min Junckdohm geraden!' Laur. Schg. 1, 311; 'dat ick nu an eine süke velle' Röb. Spiel 84; sei is an 'n richtigen Mann kamen hat den rechten Mann bekommen. c. Berührung; mit Dat.: an de Lange Strat (in der Langen Straße) Bri. 7, 149; ick bün gor nich an de Strat wäst auf der Straße Wa; lat din Klaukheit an de Sit bei Seite WaWaren@SolzowSolz; hadd sick an de harte Morgenluft ... verküllen künnt Stillfr. Köst. 2, 150; im bes. 'neben': he wahnt, sitt an mi allgem.; he geiht an mi sitten; gern dicht an dicht,
z. B.: dicht an dicht sitten nahe bei einander sitzen Nd. Jb. 20, 42;
uppe Nahwerschaft an Moraas Lu Ludwigslust@NiendorfNiend; häufig in FN.: An 'n Stägen
u. a.; se sünd dat Holt dicht an dicht dörchgahn RoRostock@KessinKess; Kopp an Kopp stunn dat vull Minschen; de Kauken is
Slip an Slip ganz schleifig (
s. Slip); dat oll (Kleid) was Slart an Slart (ganz zerrissen) Stillfr. Köst. 1, 286. — 'he scholde like wol an sin korne meigen' (1529) Jb. 9, 84; de Zägenbuck hett Schutz an 'n Minschen söcht RoRostock@RibnitzRibn; 'an welker selscop' (in) Slagg. 88; auch als Ausdruck des Mittels: 'wi ... bekennen unde betügen openbar an desseme breve' (durch diesen Brief; Ro 1418) Jb. 23, 238; se hebben se an de Hand begraben
d. h. den Sarg mit den Händen, nicht auf den Schultern zum Grabe getragen RoRostock@WarnemündeWarn. — Mit Akk.: Fäute an Fäute Fuß vor Fuß, von einem schnell beweglichen Gang LuLudwigslust@Alt JabelAJab; mit de Diern is dat all Fäut an Fäut sie ist flink im Gehen Nd. Jb. 20, 42; — ick heww all an de Stadt lopen zur Stadtbehörde RoRostock@SülzeSülze; he is noch mien Levedage nich an mi kamen (hat mich noch nie berührt, mit mir geschlechtlich verkehrt) Mantz. Ruh. 10, 36; laht ji dat wol an ju kamen (gesteht ihr ein, bestätigt ihr), wat de
N. seggt? ebda; 'dat se dat gheven an de hende der armen' (1441) Jb. 9, 308; dat Schipp an de Wind (gegen Wind)
hollen (leggen) RoRostock@RibnitzRibn; das Osterwasser wurde an 'n Strom (gegen den Strom)
ruthaalt StaStargard@WesenbergWes. Hierher ist der reichliche Gebrauch als Ersatz für den Dat. zu stellen: an einen seggen, mellen, vertellen, schenken, daun, gäben
u. a.,
vgl.: den Pris ... an Simon ... seggen Bri. 3, 144; Reut. 2, 216; se seggen een an 't anner zu einander MaMalchin@ChemnitzChemn; he mellt dat an 'n Hauptmann u. ähnl. oft; Bri. 3, 71; dat hett he sülfst an min Fru vertellt RoRostock@PetschowPetsch; an em (ihm) ... bestellen Bri. 6, 56; an den Paster hett he dat apenboort WaWaren@SolzowSolz; ick hadd keenen, an denn' ick mi afklagen künn dem ich mein Leid klagen konnte RoRostock@RibnitzRibn; an 'n Magistrat bekannt maken dem
M. mitteilen PaParchim@PlauPlau;
N. hett sick an 'n Düwel verspraken hatt Lu; dat hett he an 'n Inspekter schenkt StaStargard@FriedlandFriedl; dee gäben nicks an de Brut machen der Braut keine Geschenke Sta@Tramm; Bri. 2, 70; de Kräuger, dor betahlten de Lüd' an LuLudwigslust@PolzPolz; ick müsst dat Gebett daun an den Timmermann Lu Ludwigslust@TewswoosTewsW. Alte Konstruktion setzt fort: rop an mi! rufe mich! RoRostock@DoberanDob, wo die Auffassung eines Dativersatzes möglich, aber weniger zulässig erscheint.
d. Beziehung, in verwandtschaftlicher und rechtlicher Hinsicht: Sœhn, Dochter, Brauder, Swester, Unkel, Swager, Pät usw. an einen sin allgem.; H. Schrö
d. Buerh. 2, 41; 84; sei wir ... Brut an Jochen Flägel Rod. Hinr. 154; hei is Brüjam an mi HaHagenow@LübtheenLübth; ick bün de tweet Fru an minen Mann ebda; dor wir he Fründ an mit dem war er verwandt WiWismar@PoelPoel; dee frünnt nich an uns ist nicht mit uns verwandt RoRostock@BuchholzBuchh; HaHagenow@RedefinRed;
N. is Kämmerigaut an Parchen gehört der Stadt Parchim HaHagenow@RedefinRed; an uns is dat nich mihr zu unserm Gute gehört dieses Stück nicht mehr StaStargard@KrickowKrick; an de Stadt wiren ok Schap von den Städtern wurden auch Schafe gehalten RoRostock@CarlewitzCarl; he is Invalid an de Forst erhält von der Forst(kasse) Invalidenunterstützung RoRostock@AltheideAHeide; nach Verben des Sichkümmerns um, Denkens an u. ähnl.: sick an keenen kümmern StaStargard@WesenbergWes; ick hebb keene Kennts (Kenntnis) an em oder darvan Mantz. Ruh. 15, 35; dee hett sin Gedanken ant Hus hatt RoRostock@WarnemündeWarn; Andacht an 'ne Red' hewwen Reut. 3, 105; vörseihn an einen vor jem. RoRostock@GraalGraal; dat heww ick an minen iersten Mann verschüllt RoRostock@WöpkendorfWöpk; nach
Adj. oder
Adv.:
he is an 'n Magen krank RoRostock@BentwischBentw;
höll sick ok rendlich an ehren Liw Reut. 7, 189; dat lüttes Veih ... sick bäter an 'n Liw höllt Loep. 156; he is got an Dagen gut bei Sache Nd. Jb. 20, 42; got an 'n Pris ebda; dee is nich ornlich an de Pinn bei schlechter Laune ebda; de Schäpen sünd knapp an Lüd' finden keine genügende Besatzung RoRostock@RibnitzRibn; he gifft 'n Signal, dat he man kort an Proviant is ebda; se hadden got to läben an Brot hatten reichlich Brot zum Leben StaStargard@GalenbeckGal; drückt das Interesse an etwas oder jem. aus: 'dat ick utgegeven hebbe unde koft hebbe an den bowhoff' (für; SchwSchwerin@GadebuschGad 1451) Jb. 39, 11; 'wo ganze Bauer-Gemeinden ein Gut oder Dorf an sich gekauft haben' Regulativ von 1808, S. 3; an de Gemeinde bugen Bauten für die Gemeinde errichten MaMalchin@GielowGiel; an de Städ' arbeiden für den, auf dem Bauernhof arbeiten Ro; he hett wat an mi gegen mich; schad' an di um, für dich StaStargard@Burg StargardBStarg; auch einen Grund bezeichnend: min Mudder is an mi dot bläben bei meiner Geburt gestorben RoRostock@RosenhagenRos; allgem. Beziehung: hei lihrte an de Red' (lernte sie auswendig) Stillfr. Köst. 2, 148; dor fählt dat an eenen da fehlt einer SchöSchönberg@SchlagsdorfSchlagsd; de Buer an un för sick der eigentliche Bauer, der rechte Bauer GüGüstrow@GülzowGülz. e. Ziel:
dat de Breiw an Lowise wir Reut. 2, 216; se schrifft nich ant Hus Wa; einen an den Globen helpen zum Glauben verhelfen RoRostock@RibnitzRibn; he will mi wedder an minen Deinst verhelpen RoRostock@BargeshagenBarg; he spreckt (seggt) so an sick sülben zu, mit sich Ro; an de Forst kost't dat nicks an die Forst ist nichts dafür zu bezahlen SchöSchönberg@CarlowCarl; anne teihn Johr etwa 10 Jahre; an dusend Schritt; 'an god vorstorven' (1456) Jb. 24, 236; 'an de ere godes' (1431) 9, 303.
f. Zeit: 'to dren tiiden amme jare' (1456) Jb. 24, 243; 'an dessem jar' Slagg. 151; wechselnd mit in,
vgl. 'in desseme ... jar' ebda; 'am daghe Dedicacionis Petri unde Pauli' 150; 'an deme slape' 77; jetzt noch: an 'n Abend, an 'n Morgen; nu is 't an de Tit; an 'n (am) Enn' am Ende; du büst nu ok an de Johren in den Jahren Lu Ludwigslust@ConowCon. — Bl. 47
b; Br. Wb. 1, 16; Da. 4
b; Dä. 9
a; Me. 1, 114.