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unrecht

mnd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

unrecht n.

Bd. 24, Sp. 1242
unrecht, n. , gth. des subst. recht; ahd., mhd. unreht; ags. unriht, mengl. unright; as. unreht, mnd. unrecht; afries. unriucht; mnl. nl. onrecht. n. uret, schwed. orätt. vgl.das unrechte (unrecht, adj. 8), ungerechtigkeit, ungerecht, -gericht, n., und von synonymen bes. unbild, -fug, -glimpf. plur. (Graff 2, 408; Bosworth-Toller 1125a; Lexer 2, 1925; Fischer schwäb. wb. 6, 209; von der bösen unrechten wegen, so er getriben hett U. v. Richental chron. d. Constanzer concils 114; die unrecht, die er verpracht Arigo 20, 27 K.; miszverständnisse und scheinbare unrechte Chamisso bei Sanders 2, 680b) unüblich. auf sinnliche grundvorstellung, die in der übertragenen normativen und rechtlichen bed. untergegangen ist, weist onrecht, plur. -er, die fitze, womit die strähne (garn oder zwirn) zusammengebunden sind Gangler 318; lux. wb. (1906) 319. vgl. ml. tortum > frz. tort. AA. reste subjectiver bedeutung (s.recht I); i. a. veraltet. A@11) rechtlosigkeit mnl. wb. 5, 876, 4. A@22) wenn es auch unberechtigung, unbefugnis bedeuten kann (vielleicht hatte er u., die frauen ... für so schwach zu halten Göthe 22, 268, 20 W.; er hatte u., hier verfügen zu wollen), liegt doch übergang zu B (C) vor. A@33) am häufigsten streift u. in zusammenstellung mit recht an subj. bed.: es were dieser brauch ein ärgerlicher miszbrauch, diese gewonheit eine gewogenheit alles ubels, dieses recht ein u. Abele gerichtsh. 152; jus nonusu antiquatum Haltaus 1951; geburtsrecht zu der unsterblichkeit ist unrecht bey der nachwelt Klopstock oden 2, 27, 26; erst in S. trat jener wieder hervor, sein theuer bezahltes u. geltend zu machen Holtei erz. schr. 3, 116. L. Ascher das erbunrecht Leoben 1911. A@44) geldsumme als leistung und abgabe, schuld, geldbusze für geringere vergehen, strafgeld; vgl. unpflicht, frevel und unten C 2 b; mnd. wb. 5, 71a, 2; mnl. wb. 5, 875, 2; Lexer 2, 1925; Schmeller 2, 27. vgl.recht I 1 c: Nürnb. polizeiordnungen 186 B.; so ist er verfallen ain u. als drei kreizer (1645) tirol. weist. 1, 239, 23; Egger glossar 939a. s. d. rechtswb. A@55) frauenunrecht, die unregelmäszige weibliche periode Schmeller 2, 27; Höfler 500a. vgl.recht I 2 f. BB. recht II entsprechend. übergang zu C liegt oft nahe. B@11) iniquitas. B@1@aa) im sinne kirchlicher sittlichkeit: Trebnitzer psalm. 31, 5; domit er nit widerumb falle aus gerechtikait in unrecht B. v. Chiemsee 312; die sünde ist das u. 1. Joh. 3, 4; Paul Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 431a; Stoppe Parn. 275; darumb übet er u. und untugend Arndt Th. a Kempis 61; das u. dieser welt Logau bei Fischer-Tümpel 1, 353; auf das unrecht da folgt das übel Schiller 12, 35 (Wallensteins lager 8); G. Keller 1, 48. peccare synden, u. thun gemma (1508) 3b; pin ichs, der u. wirt tuen? Tirol. passionsspiele 31 Wackernell; alles u. thon, das gott ye verbotten hat Montanus 16; was dieser geitzwanst tag und nacht mit unrecht hat zusam gebracht Ringwaldt lauter warheit 37; vgl.b. unrechtsbahn Paul Gerhardt 278, -zeichen Günther 847. B@1@bb) allgemein (s. dazu auch recht III 1 d) und abgegeschwächt. α) syn.: in der welt ist fast ydel avermod, frevel, trotz, gewalt und u. Husemann spruchsammlung 145 Weinkauff; schuld und u. G. Keller 1, 212; verdorbenheit, fehler, u., laster und verderben H. Grimm Michelangelo 1, 4. β) insbes. unbill, beeinträchtigung, beschädigung, beleidigung, böses u. dgl.: das u. wird allein durch feur und schwert gerochen Lohenstein Arm. 1, 4; ein kleines, geringes u., ein bienenstich Weisze lieder f. kinder 46; treulosigkeit Schiller 151, 20; leid Herder 11, 313; unbilligkeit, undankbarkeit: sich des unrechts der vergessenheit freuen 16, 47. γ) verbale verbindungen: das ist recht, disz u. Agricola sprichw. 122b; es giebt kein andres unrecht als den widerspruch Schiller 12, 234 (Wallensteins tod 1, 7); doch bleibts mein u., dasz ich sie verliesz Arnim 18, 74. in gschach all gäntzlich u. schweiz. spiele 3, 146, 80 B.; wenn nicht M. hier ein himmelschreiend u. geschähe O. Ludwig 5, 375; das ihnen u. wiederführe Micrälius 3, 390. du ... must ... leiden durch gotz willen, man thue dir recht oder u. Tauler serm. (1508) a 7b; unrechtthuung Terenz (1499) 16a; das unrechtthun Schleiermacher Platon 6, 109; unrechttuer Stieler 2352; unrechtthäter M. Mendelssohn 6, 182; du thust u. an mir 1. Mos. 16, 5; von allem u., welches mir der erzbischof angethan Mozart bei O. Jahn 3, 23; in verkürzter verbindung: mein u. gegen R. G. Keller 2, 65; ihr ganzes u. an ihm O. Ludwig 2, 149; oft nur beeinträchtigung: nur das dein stoltzer muth der schönheit unrecht thut Königsberger dichterkreis 252 ndr. u. üben G. Freytag 17, 179; dem u.-ausübenden Schopenhauer 1, 432. sich alles u. erlauben Pestalozzi 7, 114. u. leyden vorterbt niemand an der selen ... aber u. thun das vorterbet die sele Luther 6, 259, 16 W.; es ist vil besser leyden dann u. thuon Fr. Wilhelm sprichw. reg. 279, accipere quam facere praestat injuriam Cicero Tusc. 5, 19; Wander 21, 33, 35; unrecht leiden schmeichelt groszen seelen Schiller 52, 272 (Don Carlos 2, 15); um zu sehen, wie er irgendwo ein tüchtiges u. auftreiben und erleiden könne G. Keller 4, 17; das unrechtleiden J. Böhme 4, 168; Ranke 1, 96; den steten unrechtleider spielen G. Keller 4, 17; unrechtdulden, n. Schopenhauer 3, 595. da hatt' ich nun freylich u. über u. Bräker 1, 251; ein biszchen u. haben Göthe Faust 4944. sein u. fühlen Bürger Ilias 1, 585; M. Meyr a. d. Ries 2, 42; unrechtgefühl, f. Lavater geh. tagebuch 2, 64; büszen Pfeffel 1, 119, gestehen Brentano 5, 84; u. mit u. ersetzen Logau 407, heute vergelten; u. gut machen Iffland 1, 163, ersetzen Nicolai Nothanker 1, 147, verzeihen O. Ludwig 1, 181 u. s. w. wenig mit recht ist besser als viel mit u. Schulze bibl. sprichw. 56 (spr. Salom. 16, 8); Weise erznarren 153 ndr.; ein stücklein brodt mit höchsten u. erwerben med. maulaffe 116. δ) gern persönlich und bildlich: Staub - Tobler 6, 277; unrecht schlegt seinen herren klugreden (1548) 86; vgl.untreue; Wander 73, 42, 62; gelt kan nit u. thuon Franck (1541) 1, 19b; u. herrscht geharnschte Venus 23 ndr., rächet sich selbst Herder 17, 107, siegt A. v. Haller ged. 195, triumphirt Vischer ästhet. 1, 318, geht allezeit sicher umher Hoffmann v. Fallersleben 4, 117 (Jes. 59, 14); wenn schmach und unrecht krallend dich umfassen Strachwitz gedichte 129; wer altes u. duldet, ladet neues zu haus Wander 91; im hause des unrechts tönt nie ein lied der freude Meisl quodlibet 1, 169; unrecht faselt nit klugreden (1548) 93b; wer u. seet, der wird mühe erndten spr. Sal. 22, 8; Wander 112, 111, 119; der unrechtsäer Mengering quartiermeister 5; u. blüht Knittel sinnenfrüchte 120; das u. wägen Droste-Hülshoff 2, 252; u. saufen wie wasser Hiob 15, 16, s. th. 8, 1881; Marperger küchen- u. keller dict. 427a; Schubart ged. 1, 67; seine unrechtsvolle faust Ziegler Banise 549; Weichmann Niedersachsen 6, 103; unrechtshehler Fr. L. Jahn briefe 228. B@22) unrichtigkeit im denken, beobachten, urtheilen u. dgl. (oft unter voraussetzung von C): die menschen sind über sich selber so dumm, sie glauben in ihrem schmäligen unrecht noch an ihre eigne weisheit Bettine Günderode 1, 69. im unrecht sein, sich geirrt haben Staub-Tobler 6, 277 und allgemein, bleiben Fontane I 3, 6. hörent ir das nit, so wil ich aber u. hon Eulenspiegel 43 ndr.; ich soll immer unrecht haben und weisz es besser Göthe 2, 241, 394 W.; ihr habt's nun überlegt; habt nun gefunden, dasz der patriarch so unrecht doch nicht hat Lessing 3, 111, 29 (Nathan 4, 1); unrechthaben, n. Fouqué bildersaal 4, 543; Schopenhauer 1, 636. u. bekommen, behalten Göthe IV 9, 259 W. einem u. thun, bes. ihm in der beurtheilung zu nahe treten, ihn zu kurz oder schlecht wegkommen lassen u. ä.: hierausz ist offenbar, dasz Bodinus in seiner widerlegung im (Wier) offentlich u. gethan habe Nigrinus v. zäuberern 181; Stifter 3, 231; wenn ich diesen (dom) mit dem Berliner vergleichen wollte, so würde ich dem letztern schreiendes u. thun Gaudy 2, 60 (mit acc. der person Wieland 5, 90 Pröhle; dazu C 5 ende). sintemal mir hierinn u. geschehen würde Königsberger dichterkreis 3 ndr. unter deutlicher voraussetzung von C 4 u. geben: ich kan dir des kein u. geben Arigo 180, 21; priestern u. geben B. v. Chiemsee 111; die umstehenden gaben ihm laut u. Göthe 43, 58, 18 W.; sie (mathematiker) meinen: rechnen sei erfinden, und weil sie so viel recht gehabt, sei ihr unrecht mit recht begabt Göthe 3, 335 W. (zahme xenien 1429). jemanden ins u. setzen mettre qu. dans son tort, 'jem. zeigen, dasz er u. habe' (Schwan 851b, der jem. ins u. setzen nicht zu kennen scheint), machen, dasz er u. behält, s. C 5. irrthums- und unrechtsvolle standesansichten Pestalozzi 6, 228. mit unrecht (selten und veraltet mit unrechte Kästner 1, 8; 2, 72; A. v. Haller Usong 44): dasz C. mit u. von einem gelahrten getadelt werde Prätorius winterflucht 86; mit falschen gründen Kant 2, 564; grundlos: sie befürchteten, und wohl nicht mit u., ... den untergang manches köstlichen Göthe 491, 56, 5 W.; wie A. (aber mit groszem u.) an einem ort sagt Lenz vertheid. d. h. Wieland 4; sehr, ganz mit u. Ranke 8, 18, Gervinus gesch. d. d. dichtung 5, 5; obgleich wenige leser zu bestimmen im stande sein möchten, mit wie vielem recht oder u. solches geschehen sei G. Forster 1, 8; Mommsen m. gesch. 2, 85. B@33) ungebühr, unzustehendes, ungemäszes, was nicht in ordnung ist u. dgl.: wo im aber nit were, als ir gesprochen habt, so tet ir u. (villania), mir sy durch sölche wege zu nemen Arigo 157, 24 K.; Brant narrenschiff 35, 15; b. d. liebe 82a; C. hat endlich nicht u., dasz sie bey dem feuer der liebreitzenden schOenheit warm wird Weise überfl. gedanken 190 ndr.; Lessing 2, 300, 10; das volk will zum besten gehalten sein, und so hat man u., wenn man es nicht zum besten hält Göthe gespräche 7, 316; Holtei erz. schr. 1, 3; ja! es ist sehr u., recht zu haben! Gutzkow ritter v. geiste 6, 93; Rückert 2, 198; es ist wirklich ein groszes u., dasz wir so wenig von einander wissen Fontane I 4, 74; verschwendet seh' ich ... lieblichkeit ... das ist ein unrecht wider die natur Schnitzler der grüne kakadu 39. mit u. aus versehen, gegen die hofetikette Varnhagen v. Ense tageb. 3, 206; der da weisz, wie sehr zu u. er beneidet wird Wildenbruch novellen 6, 9; veraltet: zu unrechte Butschky Pathmos 758. vgl.unzurecht Diefenbach gl. 223c. CC. gs. zu recht III. s. d. rechtswb. C@11) gs. von recht III 1 als gesetzlicher norm: was mit recht nicht überein trägt, ist immer u. Graf-Dietherr 3, 36; die kunst, recht zu u. und u. zu recht zu machen Mommsen m. gesch. 2, 414; unrecht nur ein wort, dem jeder inhalt giebt, soviel er will Wildenbruch Karolinger 71. der unrechtsbegriff Stirner der einzige 134. an das unrechte recht (recht III 1 b) erinnern wortspielende bildungen wie rechts- und unrechtsgeschichte Jean Paul 38, 45, eines mittelalterlichen rechts- und unrechtsurwaldes K. Braun bilder 4, 280. weites, grösztes u. (recht a. a. o.): Hayneccius Hans Pfriem 1131; Fischer schwäb. wb. 5, 210; wie der heyde Terentius sagt: das strengest recht ist das aller grossest u. Luther 19, 630; 303, 223 W.; zevil rächt ist unrächt summum ius, summa iniuria Frisius 1268b. persönlich und bildlich: u. ist rechts mutter Petri Vv 3b; u. will immer recht seyn Lehmann floril. 2, 650; die revolution stellte mir den greuel des unrechts materiell in seiner ganzen nacktheit vor augen K. L. v. Haller restauration xii; das u. von dem rechten seilen welschgattung 2830, u. pflanzen pers. rosenthal 7; das recht zu u. vergauckeln Lehmann floril. 1, 10. C@22) u. als handlung (oft von B nicht zu trennen). C@2@aa) widerrechtliches handeln; Krünitz 199, 83; civiles und criminelles u.; das verbrechen ist wie das privatrechtliche delict u., d. h. eine schuldhafte, rechtswidrige handlung Meyer convers.-lex. 165, 486b. das u. (unrechte handeln des kriegsgegners) straf ich (1487) Ziegler geschützinschriften 36; u. (ungerechte behandlung) erleiden M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 341; verbrechen Ritter erdk. 1, 313; kein unrecht sei so blutig, dasz Burgund an diesem freudentag es nicht vergebe Schiller 13, 260 (jungfrau v. Orl. 3, 4); ihr habt das land von Östreich abgewendet, kein anderes war meines vaters unrecht 14, 303 (Tell 1, 4); freches u. Droysen Äsch. 128; altes u. (ungerechte bevorzugung) Dahlmann franz. revol. 337; widerrechtliche verhaftung Görres briefe 3, 103; stuprum br. Grimm sagen 1, 50; Jhering geist 21, 76; verstosz gegen das staatsrecht Bismarck gedanken u. erinn. 2, 89 u. s. w. auch unterlassung kann criminelles u. sein, wenn eine rechtspflicht zum thun gegeben ist (unterlassen der ernährung eines neugeborenen u. dgl.), zu u. thun vgl. das adj. 5, 6; hab am gericht vesten muot, so man dir unrecht tuot Hätzlerin 275; liedersaal 192, 279; Cato 285; freveln oder u. tun weist. 6, 17; wer unrecht thut, gehört unders schwert, nit wer falsch glaubet oder lehrt Fischart die gelehrten die verkehrten 372, 1582 Kurz; allein der arme thut u. und hat das kalb in ein aug geschlagen Petri h 6a; Göthe 16, 282 W.; unrechttun Schleiermacher Platon 6, 109. syn. bes. gewalt (recht III 1 h): in hoffnung, dadurch gewalts und unrechts vertragen und erstatt werden urk. z. g. Max. I. 1, 31; mich gegen gewalt und u. entschützen Hutten 1, 323; gwalt und u. leiden Ringwaldt handb. b 8b; darumb er von den ... partheyen angeruffen wirdt, es sey umb schulden, schmach, gewalt, u. Fronsperger kriegsb. 1, 2b; damit ... niemand u. und gewalt müge beschehen Rein. Fuchs (1650) 190; gewalt und u. stören Canitz ged. 41. unrechtsgewalt Meyern kl. schriften 2, 48. ob ich jemand hab gewalt oder u. gethan 1 Sam. 12, 3; thut niemand gewalt und u. Schupp 7; Günther 29. C@2@bb) wie frevel (th. 4, 175; Westenrieder 164; 604) blosze übertretung, polizeivergehen u. dgl.; Staub - Tobler 6, 270, 2; Fischer schwäb. wb. 6, 209 (groszes, kleines, mittleres u.); Dähnert 507a: und wer es, das der müller eim u. thete, so hat derselbe macht, den müller darumb zu pfenden on laube eins schultheisen weist. 6, 47; den u. (verstosz gegen die müllerordnung) begehenden Hohberg georg. 2, 99; betrügerei: ein kauffman kan sich schwerlich hüten für u. Sirach 26, 28; Riehl d. arbeit 189; eigentumsvergehen im gegensatz zu malefiz Egger gl. 939a; kein gast sich da beklaget nicht, dasz ihm umbs gelt unrecht geschicht essen oder trinckens halben Mangold marckschiff 6; do er dem apt rechnung gab von dem gelt und dem win, do meint je der apt, er tAet im umb 30 guldin u. Tschudi chron. 2, 597; mnl. wb. 5, 875, 2. er hat ihn um einen thaler u. gethan Frisch 2, 97c (defraudavit), wie einen zu kurz tun register 28c; zum sonst unüblichen acc. vgl. mhd. einen verunrechten, κακὰ ποιεῖν τινα und Wieland oben B 2. veraltet. vgl. oben A 4. C@33) als eigenschaft und zustand: sein blut thut eurer sache mordgierig unrecht dar A. Gryphius trauerspiele 127 P.; illegitimität Bismarck gedanken u. er. 1, 200; ein u. der wirklichkeit gegen den einzelnen O. Ludwig 5, 55; etwas unrechtes, cumulation der pfründen Ranke 8, 132. vgl. die individuellen bildungen unrechtsordnung Leixner sociale briefe 299, unrechtsstand Harnack wesen des christentums 159. C@44) im gs. zu recht III 2. recht III 2 a entsprechend: die juden führten Christum zuerst zu Hannas, als solt es ain gröszer ansehen haben, wenn er von dem alten bischoff auch u. hett Keisersberg schiff d. penitenz 85c; so wöllen wir euch hören an, wer recht oder unrecht werd han J. Ayrer 38, 30 Keller; arm leut müssen immerzuo u. haben Franck sprichw. (1541) 2, 6b; es wurde gericht gehalten und der unrechthabende zur ordnung verwiesen G. Keller 6, 270; übertragen: wer heftig wird, hat u. Scherer kl. schr. 1, 96. wie recht III 2 d: wann gleich die gantzen welt spot, hönet und u. geb Luther 103, 336, 22 W.; recht und u. haben ist yderman gemein. aber recht und u. geben und austeylen, das ist des, der uber recht und u. herr ist 19, 641, 23 W.; unglimpff und u. geben Tschudi chron. 1, 70; wer um seinen eigenen nutzen in rechtfertigung, streit und irrung ist, der gibt sich selbst nicht u.; und so ihme der richter sein u. auszspricht, so glaubt er doch nicht, dasz sein sach ungerecht sey Lehmann floril. 2, 581; u. gewinnen (1480) Staub - Tobler 6, 277; u. bekommen Ranke 1, 80. das von den Illyriern kein u. den Römern geschehe Xylander Polyb. 73; dasz ihnen schreiendes u. geschehen sei Bismarck pol. reden 1, 172; es ist ihme (dem gehenkten diebe) ja nicht u. geschehen, sondern er hat sein recht behalten Schmidt rockenphil. 2, 275; s.recht III 2 f. wie III 2 k: zu u. (im concubinat) sitzen Staub - Tobler 6, 277; etwas zu u. machen 6, 240 (beides veraltet); einem etw. ze unrecht geben Lexer 2, 1925; zu unrechte beschuldigen Butschky kanzelley 196; zu unrecht Scheffel 3, 39. mit u. innehaben Binhardus thüring. chron. 206; so den stifftern und klöstern das ihrige mit unfuegsamen u. vorwendet acta publ. 2, 55 Palm; sie müssen mit gewalt und zwang, mit recht und u. schuldig sein Spee tugendb. 470; Ranke 1, 338; unrechterweise Kramer. dasz ... auch dero kind, ob wol durch gewaltiges u. ... verurteylet werden Amadis i, 27 K.; dadurch er (der reiche) brünstig wird, mit hindansätzung eydes und gewissens, durch recht und u. dahin (nach reichtum) zu trachten Butschky Pathmos 25; per fas et nefas durch recht und u. Spanutius; veraltet. C@55) wie recht III 3 auf die rechtsprocedur bezogen: recht erlauben und u. verbieten J. Grimm rechtsalt. 1, 38; weist. 6, 105; je mehr juristen, je mehr unrechts in der statt (mehrdeutig) Petri j i 8b; ohn viel u. kan man selten zum recht kommen q q 7b; kommt, dasz ihr mich zum block der schande führt; unrecht will unrecht, schuld, was ihr gebührt A. W. Schlegel Shakespeare 9, 186 (Richard III. 5, 1); übertragen: er hält's mit der parthey des unrechts Lavater verm. schr. 2, 376; sei das u. ganz auf des gegners seite Voss antisymb. 2, 55. wortspielend mit rechtspflege: unrechtspflege J. Paul zs. f. d. wortforschung 10, 26. von den zahlreichen verbalen verbindungen (th. 8, 383 ff.) ist wenig entwickelt: ligstu aber auff dem buochstaben, so würstu offt ein grobe saw machen und das höchst unrecht legen klugreden (1548) 124b; veraltet; oft macht, was wir voraus haben vor andern, uns sie zu lieben geneigt, während wir im bewusztsein, gegen andre im u. zu stehen (benachtheiligt zu sein), in ihnen das gefühl unsers zurückstehens hassen O. Ludwig 2, 149; sie sitzen im u. Göthe 8, 128 W. (Götz 4); nach einen von den rechten in das u. setzen aliquem omni jure ita privare, ut nemo contra ipsum injuste quid committere censeatur Oberlin 2, 1850 und nach mettre qu. dans son tort (vgl.B 2): den hof in's u. zu setzen Göthe 40, 44, 18 W.; damit ich (Friedr. Wilhelm IV.) dessen gewisz werde, musz die versammlung sich noch mehr und in solchen fragen in's u. setzen, in denen mein recht ... einleuchtend ist Bismarck gedanken u. er. 1, 45. wortspielerisch und individuell: unrechtsconsulent Jean Paul 4, 294, -gelehrter 31, 20, -handel Zesen verschm. maj. 86, Gubitz erlebnisse 1, 82, -pflege Scherr Blücher 1, 150 (unrechtpflege J. Paul 54, 43), -wohlthaten 15/18, 153 u. dgl.
19377 Zeichen · 568 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    unrechtAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +6 Parallelbelege

    unrecht , Adj. nhd. unrecht, Unrecht habend, unrichtig, unwahr, nicht der Wahrheit entsprechend, ungerecht, nicht dem al…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Unrêcht

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Unrêcht , adject. welches der Gegensatz des Beywortes recht ist, aber auch nur in einigen Bedeutungen desselben gebrauch…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    unrecht

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    unrecht [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Unrecht

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Unrecht , bürgerliches (ziviles) und kriminelles , s. Strafrecht , S. 83 (III).

  5. modern
    Dialekt
    Unrechtn.

    Mecklenburgisches Wb. · +7 Parallelbelege

    Unrecht n. wie im Hd. 1. jur. a. Gegenteil der Rechtsnorm, vgl. Recht 1; dort unt. 1 a auch Beleg von 1217; 'myd rechte …

  6. Spezial
    unrecht

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    un|recht adj. 1 nia dërt 2 ilegal (-ai, -a) 3 (falsch) falé (falá, falada), falz (falc, -a). ▬ jdm. unrecht tun ti fá dl…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit unrecht

69 Bildungen · 65 Erstglied · 2 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von unrecht

un- + recht

unrecht leitet sich vom Lemma recht ab mit Präfix un-.

unrecht‑ als Erstglied (30 von 65)

Unrecht (Adv.)

Wander

Unrecht (Adv.) Unrecht (Adv.). 1. Das vil vnrecht gehen, macht darumb den weg nicht recht. – Lehmann, 181, 11; Petri, II, 833; Sutor, 737; S…

unrechtdânich

MNWB

unrecht·danich

unrechtdânich , adj. (flekt. -g- ): ungerechtfertigt , „ Szo hebben sze ene valsche vnd vnrechtdanige orszaken tegen mynen armen broder vorg…

unrechtdanig

MeckWB

unrechtdanig a. Spr. unrechtmäßig: 'ene valsche und unrechtdanige orszaken' (1522) Jb. 3, 178.

unrechtdānich

KöblerMnd

unrechtdānich , Adj. nhd. unrechtmäßig, ungerechtfertigt E.: s. unrecht (2), dānich, ich (2) L.: MndHwb 3, 2, 640 (unrechtdânich), Lü 441a (…

unrecht(e)lĩk(en)

MNWB

unrechte·liken

unrecht(e)lĩk(en) ( unrechliken ), adv. : 1. in widerrechtlicher Weise, unrechtmäßig, „ van dem keiser erholden, dat de teinden sin gehorich…

unrechtelīk

KöblerMnd

unrechtelīk , Adv. Vw.: s. unrechtelīke*

unrechtelīke

KöblerMnd

unrechtelīke , Adv. nhd. unrichtig, unrechtlicherweise, unrechtlicher Weise (F.) (2), in widerrechtlicher Weise, unrechtmäßig, nicht rechtsc…

unrechtelīken

KöblerMnd

unrechtelīken , Adv. nhd. unrichtig, unrechtlicherweise, unrechtlicher Weise (F.) (2), in widerrechtlicher Weise, unrechtmäßig, nicht rechts…

unrechten

DWB

unrechten , verb. : da hebt sich denn ein rauffens, schlagens, scheltens, rechtens, ya unrechtens, und haderns S. Franck paradoxa 98 a . mhd…

Unrechtes

Wander

Unrechtes 1. Die selbst nichts denn vnrechtes thun, schelten vnd verdammen das vnrecht. – Lehmann, 838, 14. 2. Wer nichts Vnrechtes gemacht …

unrechtfertig

DWB

unrecht·fertig

unrechtfertig , adj. adv. , gth. v. rechtfertig. mhd. unrehtvertic, mnd. unrechtverdich, mnl. onrechtverdich, nl. onrechtvaardig, dän. uretf…

unrechtfertiglich

DWB

unrechtfertig·lich

unrechtfertiglich , adv. S. Brant von den losen füchsen k 1 a ; Graminaeus relation (1580) m 1 b ; mnd. unrechtverdichlik(en). s. unrechtfer…

unrechtfertigung

DWB

unrecht·fertigung

unrechtfertigung , f. , gth. v. rechtfertigung 3 (?): sollte man nicht zur eigner entschuldigung vor der gantzen welt augenscheinlich und in…

unrechtgläubig

DWB

unrecht·glaeubig

unrechtgläubig , -glaubig, adj., gth. von rechtgläubig: Wittich widderlegung h 4 a ; Scheffler ecclesiologia 1, 22 a . unrechtgläubigkeit, f…

unrechtichhēt

KöblerMnd

unrechtichhēt , F. nhd. Ungerechtigkeit, Unrecht, ungerechte Gesinnung, ungerechte Handlung, Willkür, Ordnungswidrigkeit, Sittenlosigkeit, S…

unrechtichēt

KöblerMnd

unrechtichēt , F. Vw.: s. unrechtichhēt*

unrechtig

MeckWB

unrechtig a. Spr. Adv. auf unrechtmäßige Weise: 'de dorpe, de unrechtigen besethen wurden' Schill.Lübb. 5, 71 a .

¹unrechtigen

MNWB

unrecht·igen

1 unrechtigen , swv. : ungerecht behandeln, „ worde se dar enboven verlandfredet verwiset edder verunrechtiget, so scholde we unde wolden de…

unrechtigkeit

DWB

unrechtig·keit

unrechtigkeit , f. , gth. der rechtigkeit. mhd. unrehtecheit, mnd. unrechticheit, mnl. onrechticheit ( mnd. unrechtich, -rechtigen; mnl. onr…

unrechtlich

DWB

unrecht·lich

unrechtlich , adj. adv. , gth. v. rechtlich. ahd. unrehtlîch; mhd. unrehtlîche, adv.; mnd. unrechteliken, adv.; mnl. onrechtelijc, -like, nl…

Unrechtlichkeit

Campe

unrechtlich·keit

Die Unrechtlichkeit , Mz. — en . 1) Die Eigenschaft einer Person oder Sache, da sie unrechtlich ist, in beiden Bedeutungen; ohne Mehrzahl. 2…

unrechtlīk

KöblerMnd

unrechtlīk , Adv. Vw.: s. unrechtelīke*

unrechtlīken

KöblerMnd

unrechtlīken , Adv. Vw.: s. unrechtelīken

unrecht als Zweitglied (2 von 2)

Mannsunrecht

DRW

manns·unrecht

Mannsunrecht, n. Geldbuße für ein von einem Mann begangenes Delikt; Gegensatz: Frauenunrecht ain mans vnrecht jst vi ß. 1522 Reyscher,Stat. …

zaunrecht

DWB

zaun·recht

-recht , n. 1) recht, über den dorfzaun hinaus land einzuzäunen: jeder, der z. nothdürftig were, der soll vom dorf hinauszäunen württ. 1554 …

Ableitungen von unrecht (2 von 2)

unrecht(e)

MNWB

unrecht(e) , adv. : 1. in die falsche Richtung , „ So gaff Got, dat eme dat schyp unrecht umme swengede, dat alle syn schutte van uns swenge…

verunrechten

DWB

verunrechten , v. 1 1) seit ende des 13. jahrh. belegt und in älterer zeit häufig mit persönl. acc. ' einem ein unrecht anthun ' Lexer 3, 28…