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gewalt

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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gewalt

Bd. 6, Sp. 4910
gewalt , masc. und fem. (in der heutigen schriftsprache ebenso wie in unseren ältesten denkmälern nur femininum), verbalsubstantiv, frühzeitig neben dem verbum (giwaltan, giwaldan) belegt; vgl. angelsächsisch geweald, -wald m. n. (power, strength, might, efficacy ... empire, rule, dominion, mastery, sway, jurisdiction, government, protection, keeping, a bridle-bit, potestas, facultas, imperium, dictio, arbitrium, jus, cannus). Bosworth 464a; weald, power. ebenda 1171b; altnordisch vald n. (macht, gewalt, kraft, ursache) Möbius altnordisches glossar 489; altsächsisch giwald fem., friesisch wald, mittelniederdeutsch wald vgl. sp. 4913. die häufigkeit der verwendung und die ausdehnung des bedeutungsumfangs, die schon das erste litterarische [] auftreten kennzeichnen, haben sich bis in die neuere zeit nicht vermindert, sondern in hohem grade gesteigert, vgl. gewalt .. potestas, potentia, facultas, efficacitas, vis, violentia, injuria, indignitas .. mandatum .. plenipotentia .. robur imperii .. jurisdictio, potestas magistratus .. casus fortuitus. Stieler 2426 vgl. unten I 4, α, γ. für die bedeutungsabgrenzung kommt zunächst das verbum in betracht, dem das substantiv in den ältesten und ursprünglichsten verbindungen, wie gewalt haben, einfach zur umschreibung dient. die parallele mit lat. valere, die für waldan bislang angenommen wurde, ist neuerdings aus lautlichen gründen wieder bestritten worden. vom standpunkt der bedeutung aus findet sie in den älteren verwendungen weniger unterstützung als in den jüngeren. in den denkmälern germanischer zunge ist das verbum von anfang an seltener belegt als das substantiv. das simplex weist die breiteste entfaltung im Beowulf auf, wo es die bedeutungen 'kraft haben, macht haben, über etwas verfügen, etwas beherrschen' in mannigfachen verbindungen bloszlegt. dasz diese richtung der bedeutung ursprünglich ist, zeigt die in allen sprachzweigen verbreitete participialbildung waldand, allwaldand (vgl.waltant got Hildebrandslied 49, waldand god Heliand 20 u. a.), die auf hochdeutschem gebiet allerdings durch gewaltig, später mächtig (almahtico cot schon im Wessobrunner gebet) ersetzt wurde: qiþiþ frauja allvaldands. Ulfilas 2. Cor. 6, 18 (κύριος παντοκράτωρ, deus omnipotens; spricht der herr got alles gewaltiger cod. Tepl., ebenso Eggestein; der herrgot der almechtig Koburger; ebenso Dietenberger, Eck; spricht der allmechtige herr Luther. der herr der allherrscher Kautzsch). Ulfilas zeigt das einfache verbum jedoch nur in eingeengter bedeutung (garda valdan 1. Tim. 5, 14 οἰκοδεσποτεῖν, dem haushalt vorstehen Kautzsch; ähnl. Lucas 3, 14), ebenso wie der Heliand: thar ic allun scalirminthiodun dômos adêlien,than motun gi mid iwomu drohtine thar selbon sittien endi môtunthera saca waldan: môtun gi Israheloedili folcun adêlien aftar iro dâdiun. 3317 Behaghel, ähnl. 1321. die umfassendere bedeutung dagegen wird bei Ulfilas und im Heliand durch das compositum vertreten: vituþ þatei þuggjand reikinôn þiudom, gafraujinond im, iþ þai mikilans ize gavaldand im. Ulfilas Marcus 10, 42 (κατεξουσιάζουσιν αὐτῶν; dominantur eis et principes eorum potestatem habent; daz di, di da werden gesehen ze sein gewaltig den leuten, die herschent in, und ir fursten habent irr gewalt cod. Tepl.; habent ir gewalt Eggestein, Koburger; habin gewalt ubir sie Beheim, Dietenberger. Eck; das die weltliche fürsten herrschen, und die mechtigen unter jnen, haben gewalt Luther; und ihre groszen sie vergewaltigen Kautzsch); that ic an mînumu hugi ni gidar wendean mid wihti, of ic is giwaldan môt. Heliand 220 Behaghel; ni mahte is lîchamon wiht gewaldan. 2302 ähnl. 5890; sîdor ic môsta thesas erlo folkes, giwaldan theses wîdon rîkeas. 560 ähnl. 45. 344. 767. 2048. 2211. 3502. 5335 vgl. 3073; ni mahte imu thar ênig frumu werden fan themu hêroston,the thes hûses giweld. 3345; mi hebbiat thi thesa liudi fargeban, werod Judeono,that ik giwaldan muot sô thik te spildiannean speres orde, sô thi quellianne an crûcium,sô quican lâtan, sô hweder sô mi selbonsuotera thunkit te gifrummiannemid mînu folcu. 5345. auf solcher breiten grundlage der bedeutung, wie sie der Heliand für das zusammengesetzte verbum gewinnen läszt, entfalten sich die verwendungen der einzelnen substantivbildungen, die dem verbalstamm zur seite gehen. hier zweigt sich von den linien, die anfänglich meist parallel laufen, an diesem und jenem punkte eine neue richtung ab, die unter dem besonderen einflusse der neuen wortklasse (des substantivs) steht, in die der begriff übergetreten ist. in lockeren und festen wortverbindungen wird so schon früh an unserem substantiv die parallele mit potestas, potentia, mit auctoritas, imperium, dominatus und vis, copia, facultas entwickelt, ja sogar die gegensätze jus und violentia werden im bedeutungsumfange von gewalt vereinigt. diese letztere thatsache hat auf das sprachgefühl unseres volkes den lebendigsten eindruck gemacht, eine grosze zahl von sprichwörtern knüpft hier an, vgl. wer gewalt hat der gebraucht gewalt. Henisch 1592; syndetische verbindungen und andere ähnliche gebrauchsformen führen das wort immer wieder gerne mit bedeutungsverwandten bildungen in zusammenhang: gewalt und macht; kraft und gewalt; gewalt und vollmacht; gewalt und unrecht. [] neben diesen hauptgruppen stehen einzelne verwendungen, die entweder nur vorübergehend auftauchen oder an engere kreise gebunden sind, wie z. b. gewalt = ansehen, glanz, herrlichkeit, vgl. gotisches vulþus. hieher gehören in gewissem sinne auch die zahlreichen formen der objectivierung und personificierung des begriffes: gewalt = gewaltthat, gewalt = kriegsschaar; gewalt = amtsperson, gewalt = mündel, hausgenosse, dienstbote; gewalt als subject bei verbis mit activer actionsart, vgl. auch Gewalt als eigenname. bei einem worte das wie gewalt von den ältesten bis in die jüngste zeit den wortgebrauch beherrscht, musz der bedeutungsentwicklung sowie der feststellung der gebrauchsgrenzen in den einzelnen perioden und stilformen vor allem das geschichtliche interesse sich zuwenden (theil I). für die grammatik wird der zweite theil manches bieten, der die lautlichen verhältnisse in form und flexion zusammenfaszt, die schwankungen im gebrauch von numerus und genus und die syntaktische verwerthung der einzelnen casusformen überblicken läszt. der dritte theil stellt die lockeren und festen verbindungen mit gewalt aus der neueren sprache zusammen, soweit diese die bedeutung des wortes verschieben oder erstarren lassen. II. gebrauchsgrenzen und bedeutungsentwicklung. I@11) vorgeschichte. das substantiv in der gotischen sprache. Ulfilas weist zwei substantiva auf, die etymologisch in betracht kommen: einmal das in der form nächst verwandte vulþus, das aber in der bedeutung (herrlichkeit, glanz, ehre, vgl. Matth. 6, 13. 6, 29; m. 9, 13 u. a.) bahnen einschlägt, die unserem worte gewalt nur vereinzelt offen stehen vgl. 4, b; andererseits die ableitung mit ufni (valdufni), die in der bedeutung am engsten mit unserem worte sich berührt. I@1@aa) valdufni prägt nur einen theil der an gewalt zu beobachtenden vorstellungen aus, es deckt sich in allen einzelnen fällen mit dem lateinischen potestas, griech. ἐξουσία der vorlage: jah qeþun du imma: in hvamma valdufnje þata taujis? jah hvas þus þata valdufni atgaf, ei þata taujis? Ulfilas Marcus 11, 28 (aus waser macht thustu das? und wer hat die die macht gegeben, das du solchs thust Luther; in welchem gewalt tustu dise dink? und wer hat dir gegeben disen gewalt, daz du si tust cod. Tepl.; in qua potestate, ἐν ποία ἐξουσία); in þaimei simle iddjeduþ bi þizai aldai þis aivis, bi reik valdufnjis luftaus, ahmins þis nu vaurkjandins in sunum ungalaubeinais. Epheser 2, 2 (principem potestatis, τῆς ἐξουσίας. nach dem fursten dez gewaltes des luftes cod. Tepl.; in welchen jr weiland gewandelt habt, nach dem lauff dieser welt, und nach dem fürsten, der in der lufft herrschet, nemlich nach dem geist, der zu dieser zeit sein werk hat in den kindern des unglaubens Luther); all saivalo valdufnjam ufarvisandam ufhausjai; unte nist valdufni alja fram guþa, iþ þo visandona fram guþa gasatida sind. Römer 13, 1 (potestatibus, ἐξουσίαις. jederman sei unterthan der oberkeit, die gewalt uber jn hat. denn es ist keine oberkeit on von gott Luther; dem obersten gewelten, wan der gewalt ist nit, neur von gott cod. Tepl.) u. a. I@1@bb) schon in dieser parallele mit potestas, ἐξουσία, treten die hauptsächlichen verbindungen und verwendungen hervor, die bei gewalt geltung gewinnen. I@1@b@aα) die verbindungen mit geben und haben, die je nach dem zusammenhang auf die bedeutungsentwicklung einflusz ausüben. I@1@b@a@11)) jah mikilidedun guþ þana gibandan valdufni svaleikata mannam. Ulfilas Matth. 9, 8 (τὸν δόντα ἐξουσίαν τοιαύτην, qui dedit potestatem talem. der da gab solchen gewalt den menschen cod. Tepl.; der solche macht den menschen gegeben hat Luther); svasve atgaft imma valdufni allaize leike. Johannes 17, 2 (ἔδωκας αὐτᾷ ἐξουσίαν, dedisti ei potestatem. alz du im gebt den gewalt alles fleischz cod. Tepl.; wie du jm macht hast gegeben uber alles fleisch Luther). ebenso 19, 11. Lucas 10, 19. 19, 17. I@1@b@a@22)) vas auk laisjands ins sve valdufni habands. Ulfilas Matth. 7, 29 (sicut potestatem habens, ἐξουσίαν ἔχων. wan er waz si lerent alz habent gewalt, und nit alz di schriber cod. Tepl.; denn er prediget gewaltig, und nicht wie die schrifftgelerten Luther); aþþan ei viteiþ þatei valdufni habaiþ sa sunus mans ana airþai afleitan fravaurhtins. 9, 6 (ὅτι ἐξουσίαν ἔχει, habet potestatem. daz der sun der maid hat gewalt die sund ze vergeben cod. Tepl.; das des menschen son macht habe auff erden, die sünde zu vergeben Luther). ebenso Marcus 3, 15. Joh. 10, 18. 19, 10. I@1@b@bβ) die objectivierung des begriffes: in imma gaskapana vaurþun alla in himina jah ana airþai .. reikja jaþþe valdufnja. Ulfilas [] Colosser 1, 16 (ἐξουσίαι, potestates. oder die fursten, oder die gewelt cod. Tepl.; denn durch in ist alles geschaffen .. fürstenthümern und oberkeiten Luther). vgl. Römer 13, 1 oben in α. I@1@b@gγ) gegen das sinnverwandte 'macht', das von Luther im gegensatz zur älteren bibelübersetzung in die meisten der eben belegten stellen eingeführt wurde, grenzt sich valdufni bei Ulfilas in consequenter beobachtung des sprachgebrauches der vorlage ab. wo diese ἐξουσία, potestas verwendet, setzt Ulfilas valdufni ein, wo diese δύναμις, virtus aufweist, macht er von mahts gebrauch: gahaitands þan þans tvalif apaustauluns atgaf im maht jah valdufni ufar allaim urhulþom. Ulfilas Lucas 9, 1 (virtutem et potestatem super omnia demonia. δύναμιν καὶ ἐξουσίαν. und er gab in kraft und gewalt uber alle die teufel cod. Tepl.; und gab jnen gewalt und macht uber alle teufel Luther); ahma veihs atgaggiþ ana þuk, jah mahts hauhistins ufarskadveid þus. 1, 35 (δύναμις, virtus. und di kraft des höchsten beschettent dich cod. Tepl.; und die krafft des höhesten wird dich uberschatten Luther). ähnlich Marcus 14, 62; jah alla managei sokidedun attekan imma, unte mahts af imma usiddja jah ganasida allans. Lucas 6, 19 (δύναμις, virtus. wan die kraft gienge aus von im cod. Tepl.; denn es gieng krafft vm jm, und heilet sie alle Luther); unte þeina ist þiudangardi jah mahts jah vulþus. Matth. 6, 13 (ὅτι σοῦ ἐστὶν βασιλεία καὶ δύναμις καὶ δόξα. denn dein ist das reich, und die krafft, und die herrligkeit Luther). die bedeutung von kraft, stärke, die hier durch synonyma gedeckt wird, ist, wie sich später zeigen wird, auch dem worte gewalt nicht verschlossen. I@1@b@dδ) unvertreten bleibt in diesem kreise der verwendungen von valdufni, ebenso wie im gemeingermanischen gebrauche von gewalt auch eine vorstellung, die im bedeutungsinhalt des deutschen wortes besonders fruchtbar werden sollte, der begriff der vis, violentia, gewaltthätigkeit. Ulfilas nimmt hier zu ableitungen von mahts seine zuflucht, vgl. anamahts (2. Cor. 12, 10) und anamahtjan, vgl.framuh þan þaim dagam Johannis þis daupjandins und hita þiudangardi himine anamahtjada, jah anamahtjandans fravilvand þo. Matth. 11, 12 (βιάζεται, καὶ βιασταὶ ἁρπάζουσιν αὐτήν; vim patitur, et violenti rapiunt illud. daz reich der himel daz leidet kraft und die gewaltigen begriftent ez cod. Tepl.; von den tagen Johannis des teuffers, bis hie her, leidet das himelreich gewalt, und die gewalt thun, die reissen es zu sich Luther). I@22) althochdeutsche zeit. vgl. gawalt Graff 1, 808. die ältesten deutschen denkmäler geben neben einzelnen vorübergehenden bildungen (wie kiwaltida u. a.) übereinstimmend unserem substantiv dem ein eigentliches ableitungssuffix mangelt, den vorzug; sie weichen nur darin ab, dasz die einen (Otfrid, Tatian, Heliand) giwalt als femininum nach der i-klasse flectieren, während andere (so Notker) es als masculinum nach der a-klasse abwandeln. das präfix in giwalt, gawalt, kawalt führt auf das zusammengesetzte verbum (giwaltan) zurück und hat mit der substantivbildung als solcher nichts zu thun. präfixlose formen, wie sie in anderen germanischen sprachen stärker hervortreten (vgl. oben sp. 4910) dürfen auch für das althochdeutsche sprachgebiet vorausgesetzt werden. bildungen wie anawalt, jure (Keronische glossen. Steinmeyer - Sievers 1, 194 ff.), walt-ambaht, centurio. Tatian 212, 5 und waltpoto (procuratorem, waltpotun. Steinmeyer - Sievers 2, 601; vgl.waltbote mhd. wb. 1, 184a. Lexer 3, 658) führen darauf zurück, ebenso wie die variante jure, pi walti Pariser handschr. der Keronischen glossen. Steinmeyer - Sievers 1, 194 (pi kiwalthidu St. Galler handschr.); für die späteren beispiele aus der mittelhochdeutschen periode (vgl.walt mhd. wb. 3, 474b. Lexer 3, 658) ist neben der sprödigkeit einzelner sprachgebiete gegen das präfix auch mit einer verkümmerung desselben zu rechnen. I@2@aa) die parallele mit lat. potestas. am consequentesten wird sie in der Tatianübersetzung festgehalten, mit der auch die wenigen reste des alten Matthäusevangeliums übereinstimmen (hier einigemale auch kawaltida). der bedeutungsumfang des wortes dehnt sich jedoch schon innerhalb dieser parallele über die bisher gezogenen linien aus. I@2@a@aα) erweiterung des gebrauchs in der richtung, die schon für Ulfilas als grundlegend festgestellt wurde. I@2@a@a@11)) in freier verwendung. I@2@a@a@1@aa)) am wenigsten ergiebig ist der allgemeinere begriff, der beim Tatian mehr durch megin gedeckt wird (vgl. sp. 4915): in welihhero giwelti tuos thû thisu. Tatian 123, 1 (Matth. 21, 23); vgl. oben 1, a. Marcus 11, 28. [] I@2@a@a@1@bb)) zweimal belegt ist die staatsrechtliche einengung des begriffes, die auch hier bis zur objectivierung führt: ih bin man untar giwelti 47, 5 (homo sum sub potestate. Matth. 8, 9; thoh ic undar geweldi sî adalcuninges. Heliand 2113; ich bin ein man geschikt von der gewalt cod. Tepl.; under dem gewalt. Augsburger bibel von 1487; der oberkeit underthan Luther); thanne sie iwih selen in samanunga inti meistartuomun inti zi giweltin. Tatian 44, 13 (in sinagogas et ad magistratus et potestates. Lucas 12, 11; zu den meisterschafften und zu den gewaltigen cod. Tepl.; fur die oberkeit und fur die gewaltigen Luther). I@2@a@a@1@cc)) am fruchtbarsten erscheint die einengung des begriffes durch die beziehung auf einzelne inhaber, die bei Ulfilas nur einmal belegt ist (manna im habands uf valdufnja meinamma gadrauhtins. Matth. 8, 9; ὑπ' ἐμαυτὸν, sub me, untar mir. Tatian 47, 5): inti so her tho forstuont thaz her was fon Erodeses giwelti, santan widar zi Herode. 196, 3 (quod de Herodis potestate esset. Lucas 23, 7; hwand he fan is heriscepi was, fan is werodes gewald. Heliand 5264; daz er were von dem gewalt Herodes cod. Tepl.; das er unter Herodes öberkeit gehöret Luther); gitago was ih mit iu lerenti in themo temple, inti ir ni fiengut mih: oh thiz ist iuwer zit inti giwalt finstarnesso. Tatian 185, 8 (sed hac est hora vestra et potestas tenebrarum. Lucas 22, 53; der gewalt der vinster cod. Tepl.; aber dis ist ewer stunde, und die macht der finsternis Luther). I@2@a@a@22)) in festen verbindungen. I@2@a@a@2@aa)) gewalt geben. I@2@a@a@2@a@aα)) allgemeinster begriff, der auch durch nähere bestimmungen keine einschränkung erfährt: gigeban ist al giwalt mir in himile inti in erdu. Tatian 242, 1 (data est mihi omnis potestas in caelo et in terra. Matth. 28, 18; mir ist gegeben aller der gewalt cod. Tepl.; mir ist gegeben alle gewalt im himel und erden Luther; forgeban ist mir alles kawalt in himile enti in aerdu. Monseer fragmente Hench). I@2@a@a@2@a@bβ)) einengung durch nähere bestimmungen. I@2@a@a@2@a@b@11))) diurisotun got, thie thar suliha giwalt gab mannun. Tatian 54, 9 (dedit potestatem talem hominibus; dher solihhe gawaltida forgab mannum. Monseer fragmente; der gab solchen gewalt den menschen cod. Tepl.; solche macht Luther). I@2@a@a@2@a@b@22))) inti gihaloten sinen zuelif iungiron gab in giwalt unsubarero geisto. Tatian 44, 2 (dedit illis potestatem spirituum. Matth. 10, 1; gab in gewalt uber die unrainen geist cod. Tepl.; gab jnen macht, uber die unsaubern geister Luther); ebenso Tatian 177, 1. I@2@a@a@2@a@b@33))) I@2@a@a@2@a@b@3@aa))) gab sinen scalcon giwalt giwelihes werkes. Tatian 147, 6 (potestatem cujusque operis. Marc. 13, 34; gab den gewalt ainz iegleren werkes sein knechten cod. Tepl.; gab seinen knechten macht, einem jglichen sein werck Luther). I@2@a@a@2@a@b@3@bb))) inti giwalt gab imo tuom tuon, wanta her mannes sun ist. Tatian 88, 8 (potestatem dedit ei et judicium facere. Joh. 5, 27; gab im gewalt ze tun daz urtail cod. Tepl.; und hat im macht gegeben, auch das gerichte zu halten Luther). genau so 13, 6 (Joh. 1, 12); 54, 7 (Lucas 5, 24); 67, 5 (Lucas 10, 19). I@2@a@a@2@bb)) gewalt haben. I@2@a@a@2@b@aα)) was her tho sie lerenti soso giwalt habenter. Tatian 43, 4; vgl. oben (sp. 4912) Matth. 7, 29. I@2@a@a@2@b@bβ)) I@2@a@a@2@b@b@11))) bist giwalt habenti obar zehen burgi. Tatian 151, 5 (eris potestatem habens. Lucas 19, 17; du wirst haben gewalt uber 10 stet cod. Tepl.; soltu macht haben uber zehen stedte Luther). I@2@a@a@2@b@b@22))) ni habetos giwalt widar mir eininga, nibiz thir gigeban wari fon ufana. Tatian 197, 9 (non haberes potestatem adversum me ullam. Joh. 19, 11; giwalt ni habetistu ubar mih. Otfrid 4, 23, 41; that thu giwald obar mik hebbian ni mohtis. Heliand 5350; du hetez kainen gewalt wider mich cod. Tepl.; du hettest keine macht uber mich Luther). I@2@a@a@2@b@b@33))) ih haben gewalt zi sezzenne sia inti giwalt haben abur sia zi nemanne. Tatian 133, 14 (potestatem habeo ponendi eam et potestatem habeo iterum sumendi eam. Joh. 10, 18; ich hab gewalt si ze seczen, und hab gewalt si aber ze nemen cod. Tepl.; ich habe es macht zu lassen, und habe es macht wider zu nemen Luther). ebenso 197, 8; vgl. oben (sp. 4912) Joh. 19, 10; daz ir auh wizit, dhaz mannes sunu habet gawalt in herdhu, za forlazanne suntea. Matth. 9, 6 Monseer fragmente Hench (habet potestatem); vgl. oben (sp. 4912). I@2@a@bβ) in der abgrenzung gegen synonyma folgt der Tatianübersetzer ähnlichen neigungen wie Ulfilas. maht setzt er zwar [] nur einmal ein, für potentia: teta maht in sinemo arme, zispreitta ubarhuhtige muote sines herzen. Tatian 4, 7 (fecit potentiam in brachio suo. Lucas 1, 51; gatavida svinþein in arma seinamma. Ulfilas; er tet den gewalt in seim arme cod. Tepl.; er ubet gewalt mit seinen arm Luther). dagegen führt er für virtus überall megin durch: thes hohisten megin biscatwit thih. Tatian 3, 7; vgl. oben Lucas 1, 35; ebenso 190, 3 (Matth. 26, 64; im cod. Tepl. und bei Luther kraft); 2, 7. 17, 18. 244, 1. 127, 3. 145, 19 (Matth. 24, 29; hier auch in den Monseer fragmenten megin belegt); ih gab in gewalt ze tretanne ubar natrun inti .. ubar al megin thes fiantes. Tatian 67, 5 (potestatem calcandi .. supra omnem virtutem inimici. Lucas 10, 49; gab euch gewalt ... uber ein ieglich kraft des feintz cod. Tepl.; ich habe euch macht gegeben .. uber alle gewalt des feindes Luther). I@2@a@gγ) schon hier, im rahmen der wiedergabe des lat. potestas wird in einem falle die vorstellung der violentia für gewalt nahe gelegt: inti thie dar meron sint giwalt bigangent in sie. Tatian 112, 3 (potestatem exercent in nos. Matth. 20, 25 s. oben). I@2@bb) dem bedeutungsumfang gegenüber, wie er auf grund der in der vorlage für lat. potestas dargebotenen verwendungen sich hier entwickelt, musz zur ergänzung der gebrauch in der geistlichen dichtung und in kleineren prosadenkmälern angezogen werden. wenn auch nicht ganz selbständig, führt er doch sicherer auf germanischen grund und boden zurück. das ergebnis dieser vergleichung ist eine gebundenheit der verwendung, die am deutlichsten im Heliand hervortritt (in den hochdeutschen denkmälern der allitterierenden dichtung, im Hildebrandslied, Muspilli, Wessobrunner gebet ist gewalt nicht belegt). hier ist das wort trotz der zahlreichen belege wesentlich nur in zwei formen gebraucht: entweder wird die bedeutung von gewalt durch die kennzeichnung eines bestimmten trägers eingeengt oder sie erscheint in der verbindung gewalt haben durch eine zielbestimmung specialisiert. mannigfaltiger erweist sich Otfrid, wenn auch die hauptmasse seiner beispiele die gleiche richtung einschlägt. bei ihm tauchen daneben die ersten anhaltspunkte auf für die später so üppig entwickelte präpositionalverbindung mit gewalt (mit gewelti), die von der grundlage des allgemeineren begriffes aus einer eigenen bedeutungsentwicklung zustrebt. diesen allgemeineren begriff hält er auszerdem in der verbindung mit synonymen fest, während er ihm andererseits in gelegentlicher personificierung wieder individuelles leben giebt. I@2@b@aα) der allgemeine, umfassende begriff. I@2@b@a@11)) im freien gebrauch: I@2@b@a@1@aa)) 'nist iu', quad er, 'noh mannethaz zi wizanne, thaz min fater so githwanginti innan sinaz dreso barg; theiz hiar in woroltfristiman nihein ni westi, zi wizanne iz firbari,war thiu zit wari. thoh quement iu thio mahti,giwalt joh gotes krefti, thio gibit iu mit mir meistther selbo heilogo geist', Otfrid 5, 17, 9. I@2@b@a@1@bb)) themo (waltantemo Kriste) si guallichiubar allaz sinaz richi, ubar allo woroltisi diuri sin io wonanti; ... si guallichi thera ensti,thiu mir thes io gionsti, lob ouh thera giweltiana theheinig enti. 5, 25, 102. I@2@b@a@22)) präpositionalverbindungen. I@2@b@a@2@aa)) mit gewalt: I@2@b@a@2@a@aα)) ferit er ouh thanneubar himila alle, ubar sunnun liohtjoh allan thesan worolt thiot. er quimit mit giweltisar so ist woroltenti, in wolkon filu hoho,so scowon wir nan scono. 1, 15, 37; vgl. 4, 4, 52; thaz er noh tho woltisin kuning mit giwelti ofono zi ware. 3, 8, 5; vgl. 4, 27, 11. I@2@b@a@2@a@bβ)) thaz sie uns thiu wintworfain themo urdeile helfa, iz unsih mit giweltini firwac unz in enti. 1, 28, 6; ebenso 3, 26, 16. I@2@b@a@2@bb)) in gewalt sein: bizeinot in giwissither duah thaz gotnissi, thaz ist in giweltiana theheinig enti. ther duah, ther wirdit funtanzisamane biwuntan. ni mahtu irsehan, wizist thaz,ni wedar enti sinaz; so ist druhtln in giweltiana theheinig enti joh ist ana anagengi. 5, 6, 60 ff. I@2@b@bβ) einengung des begriffes durch verbindungen. I@2@b@b@11)) die verbindung mit einer den träger des begriffes kennzeichnender bestimmung. I@2@b@b@1@aa)) in freiem gebrauch: tho Krist in Galilea quam,ward thaz tho mari, sos iz zam, joh ward gikundit sin giwaltubar allaz thaz lant. 3, 2, 2; vgl. 1, 22, 58. 2, 13, 22. 5, 12, 30; [] iac wirdidthe man gode; habad sô giwehslodte thesaro weroldstundu mid is hugiskeftiunhimilrîkeas gidêl, welono thene mêstan:farid imu an giwald godes, tionuno tômig. Heliand 2488 (vgl. dagegen undar thiu he thuruh is selbes craft, manno drohtin, thene meti wîhide. 2853 u. a.); ih mag giwinnan heriscaf, engilo giweltiob ih iz duen wolti. Otfrid 4, 17, 16; thuo im Satanas giwêt ... wissa that te wâron,that hie (Christus) im scoldi thia giwald biniman, that hie sia obar thesan middilgard,sô mikila ni habdi. Heliand 5448; thes bittêm wir thoh .. thaz gotes rîchi sî in uns endi thes diufles giwalt werdhe arfirrit fona uns. Weiszenburger katechismus 11, Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 204; lôse unsih fone des tiefeles chorungo unde fone sînemo gewalte. Notkers katechismus. 13, 250; thiz ist todes giwalt. Otfrid 5, 23, 85; thô ward fon Rûmuburgrîkes mannes abar alla thesa irmintheodOctavianas ban endi bodscepiobar thea is brêdon giwald cuman fon them kêsure. Heliand 341; vgl. 5264; Ludowig ther snello,thes wisduames follo er ostarrichi rihtit al,so Frankono kuning scal; ubar Frankono lantso gengit ellu sin giwalt, thaz rihtit, so ih thir zellu,thiu sin giwalt ellu. Otfrid an Ludwig 3. 4; der inphangan ist fona wîhemu keiste, kiporan fona Mârîun macadi êwîkeru, kimartrôt in kiwaltiu Pilâtes. St. Galler credo, Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 209; wanta si (Karitas) ist in war min druhtines drutin, ist furista innan husessines thionostes. thes selben thionostes giwalt —thaz gengit thuruh ira hant. Otfrid 5, 25, 17. I@2@b@b@1@bb)) in festen verbindungen: I@2@b@b@1@b@aα)) ne lâtad iu silobar nec gold wihti thes widigthat it eo an iuwa gewald cuma. Heliand 1852; the scal mi an banono gewald, fiundun bifelhen,thaz man mînes ferhes scal, aldres âhtien. 4611; hwat he thurh is ênes craft an thesaro middilgardmârida gefrumide, wundres gewarhte,hwand al an is geweldi stâd, himil endi erde. 2166; genau so 3757. 2889. I@2@b@b@1@b@bβ)) det er mit giweltisineru henti, thaz er ubarmuotigisciad fon ther guati. Otfrid 1, 7, 13; mit thineru giweltisie dati al sprechenti. 1, 2, 35; ähnlich 5, 25, 20. I@2@b@b@1@b@gγ)) er wessa, thaz sin fater gab,so wit, so himil umbi warb, al imo zi henti,zi sineru giwelti. 4, 11, 8 (die gleiche zusammenslellung, ebenfalls im reim, 2, 13, 30. 1, 16, 28). I@2@b@b@22)) die festen verbindungen mit verbis weisen überwiegend eine einengung der bedeutung auf. meist ist diese durch besondere bestimmungen deutlich gekennzeichnet, vereinzelt wird sie erst durch den allgemeinen zusammenhang nahe gelegt: I@2@b@b@2@aa)) hwand iu is thiu dâd cuman, that gewit endi the wîsdôm,endi iu thea gewald fargibid alloro firiho fadar,sô gi sie ni thurbun mid ênigo feho côpon. Heliand 1846; ik fargibu thi himilrîceas slutilas, that thu môst aftar miallun giwaldan kristinum folke:kumad alle te thi gumono gêstos;thu habe grote giwald, hwene thu hêr an erdueldibarno gebinden willies:themu is bêdiu giduan, himilrîki biloken,endi hellie sind imu open. 3075; that fridubarn tholode unrêdes willeonendi im giwald forgaf, that he umbi is craft mikilcoston môsti. 1077; ebenso 5728. 1840. 3253 (sulica giwald fargaf, that). I@2@b@b@2@bb)) ni welda an is kindiskithô noh is kraft mikil mannun mârean,that he sulik megin êhta, giwald an thesaro weroldi. 842; ebenso 2070 (maht godes, gewald an thesoro weroldî); that he sô lêrde,liudeo drohtin, wârun wordun,sô he gewald habde. 1832, vgl. oben sp. 4912 zu Matth. 7, 29; 'ef thu sîs godes sunu', quad he, 'be hwî ni hêtis thu than werdanef thu giwald habes, allaro barno betstbrôd af thesun stênun'? 1065; ebenso 4485; ähnlich 5356; zeichono eigit ir giwaltzi wirkenne ubar woroltlant. Otfrid 5, 16, 35; genau so Heliand 2162; ic gelôbiu that thu gewald habas, that thu ina hinana mahthêlan gewirkean. Heliand 2107; ebenso 3442; altsächs. genesis 200; [] unsar trohtîn hât farsaltsancte Pêtre giuualt, daz er mac ginerianze imo dingenten man, bittgesang an den heiligen Petrus 1. (denkmäler 13, 21); er sprah: ih sento îuwih also dei scaf unter die wolfe. er gab in den kiwalt prediginnis unte hiez siu haben die mitewari des lampis, so daz si ire crimme nieth ni uôbten in dîe ire untertanen, so sumelichere site ist, so si kiwalt kiwinnet, daz si denno den tarent, den si frúme scolten. predigtbruchstücke aus dem 10. jahrh., fundgr. 1, 64, 17; ik fullon scal willeon thînen:thu habes gewald obar al. Heliand 4768; ähnlich 3339; that he wâri selbosunu drohtines wâr an thesaru weroldiendi gewald habdi obar middilgard. 2970; ebenso 5388. 2419. 2876. 4063; than lang hie giwald êhta, Êrodes thes rîkeas. 70; ebenso 3830: ähnlich 763 (thera marca); 1680 (alles theses landes); habdun liudeo giwald allon elitheodon. 59; ebenso 4406; ähnlich 5556 (thes gisîdes); ne forhteat iro fiundskepi: thoh sie hebbean iuwas ferahes gewald. 1904; ebenso 1909; than scalt thu eft word sprekan, hebbean thînaro stemna giwald. 169; genau so 238. 4978: ähnlich 2696; giskerit ist thiu hieruuist sô lango sô uuili Krist. uuili her unsa hinavarth, thero habêt her giuualt. Ludwigslied 38 (Müllenhoff-Scherer denkmäler 13, 26). I@2@cc) in den glossen, die vom 10. jahrh. ab das wort zahlreich belegen, können die eben gekennzeichneten festen verbindungen natürlich nur den untergrund bilden für die begriffsbestimmung. doch auch sonst verschiebt sich hier das bild: für manche der nächst liegenden gebrauchsformen treten synonyma ein, während der verwendungsumfang in anderer beziehung über den rahmen wieder hinausgreift. I@2@c@aα) im vordergrund steht hier die staatsrechtliche ausprägung des begriffes macht, die sich bald in der allgemeineren bedeutung, bald in der besonderen beziehung auf eine bestimmte person darbietet. I@2@c@a@11)) imperium, gewalt (Tegernseer handschr. 10. jahrh.), glossen zu Gregor, cura pastoralis 3, 16 (alteri imperium, atque alteri patientiam proponat). Steinmeyer-Sievers 2, 190; ähnlich glossen zu Prudentius (Berner handschr. 11. jahrh.) in Symmachum 1, 557 (et Ausoniam Christo inclinare securim). Steinmeyer-Sievers 2, 528; vgl. dagegen: imperium, ac imperium regale, potestatem cheisartuom, chunniclih macht, pipot. Hrabanisch-Keronische glossen. ebenda 1, 186. I@2@c@a@22)) majestas giwalt (Tegernseer und Wiener handschriften des 10. jahrh. u. a.), glossen zu apostelgeschichte 19, 27 (der tempel der groszen göttin Diana wird fur nichts geachtet, und wird dazu ire maiestet untergehen Luther, ebenso schon Koburger, später Dietenberger und Eck; vgl.magenkraft im cod. Tepl. und bei Eggestein; glanz bei Kautzsch) Steinmeyer - Sievers 1, 748. I@2@c@a@33)) auctoritate, giwalte (Tegernseer handschr. 10./11. jahrh.), glossen zu Gregors homilien 1, 14 (innocentes contra perversorum injusticiam ex justitiae auctoritate vindicamus). Steinmeyer-Sievers 2, 286; vgl. auch auctoritatem, gewalt (concil. Ancyr. praefatio), ebenda 145. dagegen vgl. auctoritatis, hertuomes, glossen zu 1. könige 21, 7 (grandis auctoritatis es; du bist grosses gewaltz. Eggestein, ebenso Koburger, Dietenberger; ains grossen ansehen. Eck; übst du jetzt königsgewalt? Kautzsch). 1, 441. I@2@c@a@44)) personam, kewalt, hertuom (Karlsruher handschr. 11. jahrh.), giwalt, hêrdoom (Mainzer handschr. 11. jahrh.), gewaltherduom (Brüsseler codex 9. jahrh.) glossen zu Matth. 22, 16 (daz pilde des menschen. cod. Tepl. und Eggestein; person der menschen. Koburger, ähnlich Kautzsch; ansehen der menschen. Luther. Dietenberger. Eck). Steinmeyer-Sievers 1, 716; vgl.hertuomo antfang, in personarum acceptione. glossen zu Jacobi 2, 1, ebenda 1, 787. I@2@c@a@55)) jura, giwalta (Münchener und Pariser handschriften des 11. jahrh.), glossen zu Prudentius contra Symmachum 1, 455 (quae domitis leges, ac jura dedisti gentibus). Steinmeyer-Sievers 2, 468; jus, giwald (Münchener handschr. 11. jahrh.), zu Prudentius, passio Laurent. 430 (quo magis jus Christiani nominis, quodcunque terrarum jacet, uno illigaret vinculo). ebenda 2, 435. I@2@c@a@66)) tyrannidi, giwalte (Tegernseer handschr. 11. jahrh.), glossen zu Rufinus historia ecclesiastica. Steinmeyer-Sievers 2, 601. I@2@c@a@77)) die personificierung dieses begriffes wird in den glossen durch synonyma gedeckt: magistratibus, hertuom. glossen zu [] apostelgeschichte 16, 20 (maistern cod. Tepl., meisterscheften Eggestein und Koburger; heubtleuten Luther; öbersten Dietenberger. Eck; prätoren Kautzsch). Steinmeyer-Sievers 1, 747; vgl. dagegen gewaltes, regentis. Monseer fragmente 39, 19 Hench; himilischin kawalte, caelo. 28, 30. vgl. die zahlreichen späteren belege für gewalt im sinne von obrigkeit, amptsperson in 4). I@2@c@bβ) gegenüber dieser breiteren entfaltung des begriffes der äuszeren machtstellung tritt diejenige seite der bedeutungsentwicklung in den glossen zurück, die mehr die individuellen äuszerungen des machtgefühls am träger der gewalt ausarbeitet. theilweise versagt nach dieser seite das bedürfnis, dem die glossen dienen, theilweise aber überwiegen hiefür synonyma. einige feststellungen sind jedoch auch hier zu verzeichnen, die theilweise dem späteren sprachgebrauch entgegenstehen. I@2@c@b@11)) brachium, giwalt (Tegernseer und Monseer handschriften des 10. jahrh. u. a.), glossen zu Esaias 40, 10 (denn sihe, der herr kompt gewaltiglich, und sein arm wird herrschen. Luther; ähnlich Eggestein. Koburger. Dietenberger. Eck. Kautzsch). Steinmeyer-Sievers 1, 611; vgl. dagegen: brachium sterchida zu Esaias 32, 2 (sei ir arm früe Luther; arm oder sterck Eggestein. Koburger, arm Dietenberger. Eck. Kautzsch). ebenda 1, 608. I@2@c@b@22)) cornibus, giwaltun (Tegernseer und Monseer handschriften des 10. jahrh. u. a.), glossen zu Gregors homilien 1, 19 (illic nos a sorte humilium judex separat, qui se hic in superbiae cornibus exaltant). Steinmeyer-Sievers 2, 293. I@2@c@b@33)) ad nutum ejus, za kiwaltidu sinera (Karlsruher handschr. 8./9. jahrh.), glossen zu Hiob 26, 11 (die seulen des himels, zittern, und entsetzen sich fur seinem schelten. Luther; wirckung Eggestein; willen Koburger. Dietenberger. Eck; vor seinem dräun Kautzsch). Steinmeyer - Sievers 1, 510b; vgl. nutu, kiwalti (Oxforder glossenhandschr. des 9. jahrh.) 4, 8; nutus (handschr. nurus) kiwalt, potestas deifica. 4, 9. I@2@c@gγ) am wenigsten entwickeltim gegensatz zu späterem gebrauchist die annäherung des begriffes an den von kraft, stärke: vi, chrefti. glossen zu apostelgesch. 27, 41 (von der sterk dez meres. cod. Tepl.; das hinder teil zubrach, von der gewalt der wellen. Luther). Steinmeyer-Sievers 1. 753. I@2@dd) für Notker, der von der althochdeutschen litteratur zur mittelhochdeutschen dichtung überleitet, ist namentlich die psalmenübersetzung ergiebig. die vorlage arbeitet hier mit abstracten vorstellungen, die in bilder eingekleidet sind. der auf verdeutlichung bedachte übersetzer fand hier oft gelegenheit mittelst unseres wortes dem verständnisz der leser zu hilfe zu kommen, während spätere übersetzer sich enger an die vorlage anschlossen (vgl. auch oben die glossenbelege für manus, brachium): vgl. wanda in gotes kewalte ist lex data (êha gegebin) Judeis .. si ist der calix; quia calix in manu domini. Notker psalm 74, 9 (denn der hat einen becher in der hand. Luther; ebenso Trebnitzer psalmen); siê ne irhiûgeton sînes kewaltes, den er scêinda, do er siê lôsta, non sunt recordati manus ejus qua die liberavit eos. 77, 42 (sie dachten nicht an seine hand. Luther; ebenso Trebnitzer psalmen). ebenso 78, 11 (Luther: arm); nube dîn zesewa daz chit din potentia (kewalt) unde dîn arm daz chit filius tuus. 43, 4 (151b Hattemer); ebenso 44, 5 (158a); aber got irlôset mîna sêla fone hello gewalte, de manu inferi. 48, 16 (aus der hellen gewalt. Luther 49, 16; von der hant des tufels. Trebnitzer psalmen); ebenso 21, 21. 106, 2 (bei Luther änderung). vgl.da er sich freweta, daz mit sînemo tôde diu werlt irlôset wart vone des tûiveles gewalte unte vone demo êwegen tôde. Williram 53, 18 Seemüller. andererseits nötigte die kunstform des parallelismus, in der die vorlage erscheint, den übersetzer zu einer ähnlichen mannigfaltigkeit im wortgebrauch, sofern er die variation der termini an einem und demselben begriffe in gleicher weise durchführen wollte. hierdurch wurde wieder die sonst so reinlich durchgeführte abgrenzung unseres wortes gegen die synonyma durchkreuzt, vgl. din gewalt, Christe, werde in iudicio .. allen dînen fienden .. unde danne irvare din chraft alle diê dih hazzent, inveniatur manus tua omnibus inmicis tuis, dextera tua inveniat omnes qui te oderunt. Notker psalm 20, 9 (Luther und Trebnitzer psalmen folgen genauer der vorlage). I@2@d@aα) consequent ist gewalt nur in den bereits belegten festen verbindungen durchgeführt: er ne gibet imo neheinen gewalt an sînero sêlo. Notker zu psalm 36, 33 (Hattemer 2, 130a); got netemet sie, sie ne habent iro gewalt 54, 24 (191a); vgl. zu 68, 16 (236b). 113, 1 (408a) u. a. hier wird auch das lateinische potestas noch immer durch gewalt gedeckt. nehêin anderer ne was potestatem habens ponendi animam suam (kewalt habinde [] sînin lîb ze lazzene). zu psalm 87, 6 (2, 312) vgl. Hattemer 2, 319a. 342a. 405a und 3, 70a (Boethius). I@2@d@bβ) sonst ist potestas schwankungen in der wiedergabe ausgesetzt, die sich nicht immer ungezwungen aus dem zusammenhange erklären. wenn potestatis maris durch machte des meres gegeben wird (Notker psalm 88, 10 tu dominaris potestatis maris, waltest dero mahte des meres Hattemer 317b), so finden wir an anderer stelle lîezist tû dînen segel demo winde ze gewalte, si committeres vela ventis. Boethius 49a (von Eiselein 565 als sprichwort angeführt). und so kann auch für die verschiedenheit in den folgenden belegen der grund nicht in der bedeutung gesucht werden: vgl. waz kewalto mag taz sîn, diu manne nîeht penemen nemag, in nebîzên sorgûn quae est igitur haec potestas. Boethius (Hattemer 113b); daz ander gewalt tero goto neheiner nebestât, quod nulla potestas superum. Marcianus Capella (Hattemer 282a); ube chuninges kewalt sâligheit machôt (regnorum potestas). Boethius 113a; und vgl. dagegen: wanda gotes ist diû maht, quia potestas dei est. psalm 61, 12 (das gott allein mechtig ist. Luther; wen gotis ist gewalt. Trebnitzer psalmen); iro potestas (maht) ne gibet in escam. zu psalm 103, 28 (Hattemer 374b.) I@2@d@gγ) das gleiche gilt für potentia: nube dînin gewalt unde dîn reht, potentiam tuam (Trebnitzer psalmen starcheit. Luther kraft). Notker psalm 70, 18 gegen ich faro in mînes truhtenes maht, interibo in potentiam domini. 70, 16 (ich gehe einher in der krafft des herrn Luther; machtheit Trebnitzer psalmen); din arm ist mahtig, tuum brachium cum potentia. Hattemer 2, 318a. I@2@d@dδ) die allgemeinere bedeutung einer aus der inneren anlage des subjectes erwachsenden kraft und machtfülle ist für gewalt noch wenig erschlossen. lat. virtus z. b. wird auch bei Notker noch durchweg durch 'kraft' u. a. wiedergegeben: in brachio virtutis, an dînero chrefte. psalm 88, 14 (du hast einen gewaltigen arm Luther). in einzelnen fällen nur wird durch die eigenart des zusammenhanges auch gewalt solcher bedeutung näher gebracht: târ an dero stete ist is knûoge zedero zestôredo selb — waltiges willen, wanda nôt nimet ten gewalt. Boethius 223a. I@2@d@eε) dagegen wird mit sicherheit diejenige machtfülle, die aus der stellung des subjectes flieszt, durch gewalt gekennzeichnet. die staatsrechtliche prägung des begriffes entfaltet sich also auch bei Notker durchweg im rahmen des wortes gewalt, er strebt hierbei vielfach die personificierung und vergegenständlichung an und giebt deshalb auch für den gebrauch des plurals einige beispiele: waz mag ih rachôn fone hêrskefte unde fone gewalte, quid autem disseram de dignitatibus et potentia. Notker Boethius 79a; gib mir dînemo chinde gewalt, da imperium puero tuo. psalm 85, 16 (Luther macht. Trebnitzer psalmen); tû lêrtôst unsih ouh mit sînemo munde, allên wîsên nuzze wesen, in dîen worten gewalt ze gwunnene. Boethius 27b; hanc causam capessendae rei publicae necessariam esse sapientibus. alle helfa scazzes, friûndo, gewaltes, unde al daz zeguôllichi triffet, ferlîesent siê dâ. psalm 48, 15 (Hattemer 172b); in allên diên steten dâr sin gewalt sî, dar lobo gote mîn sêla, in omni loco dominationis ejus. 102, 22 (an allen orten seiner herrschaft Luther; ebenso schon Trebnitzer psalmen). ebenso Boethius 13. ähnlich psalm 113, 1 (für potestas, Trebnitzer psalmen gewalt); hêrsceffe, furstûoma, kewalta, sulen dir daz siê sint (potestates tibi debent quod sunt). psalm 70, 19 (Hattemer 247a); alliu rîche unde alle andere gewalta danne wesen sâlige ube iro vlâgîn wîse respublicas beatas fore, si vel regerent eas studiosi sapientiae. Boethius 27b. I@2@d@zζ) in einigen fällen wird durch die eigenart des zusammenhanges schon die vorstellung einer steigerung der machtfülle, eines missbrauches der macht vorbereitet. hier liegen die ansätze zu der parallele gewalt, violentia: taz ist tero chûningo gewalt, ter ofto die rîchen insezzet. Notker Boethius 25b; wanda er ne lâzet den gewalt dero sundigon uber den teîl dero rehton, non derelinquet virgam peccatorum super sortem justorum. psalm 124, 3 (der gottlosen scepter Luther; die rute der sunder. Trebnitzer psalmen); mîna eînigun bring tu widere fone lowon .. (sela einichlicho geborna) lôse diâ fone iro sarfen gewalten. 34, 17 (Hattemer 119b). I@2@ee) als gesammtergebnis läszt sich für die althochdeutsche periode feststellen, dasz die verwendung im sinne von 'macht' nur in festen verbindungen auf rein deutscher grundlage beruht und dasz diese verbindungen ein bestimmtes verhältnis zwischen dem träger der gewalt und andern machtfactoren feststellen. dieses verhältnis findet in der staatsrechtlichen ausprägung des begriffes [] seinen natürlichsten ausdruck, während es in den beziehungen des menschen zu gott auf den einflusz fremder vorlagen in der geistlichen dichtung zurückführt. die abgrenzung gegen den begriff 'kraft', namentlich im sinne eines aus der naturanlage einer persönlichkeit oder eines objects erwachsenden vermögens, ist ziemlich reinlich durchgeführt und die bedeutung eines miszbrauchs der macht ist fast gar nicht entwickelt. I@33) die mittelhochdeutsche periode. vgl. gewalt mhd. wb. 3, 474b. Lexer 1, 972. der bedeutungsumfang greift schon hier weit aus. nicht immer beruht dies auf der entwicklung neuer bedeutungen, häufiger vielmehr auf der befestigung oder gebrauchserweiterung solcher verwendungen, die in älteren quellen vereinzelt waren, so vor allem der parallele vis, violentia in allen ihren abstufungen von der 'gesteigerten kraft' bis zu 'gewaltthat' und 'unrecht'. noch mehr ins gewicht fällt für die mittelhochdeutsche zeit die verschiebung und ausdehnung der gebrauchsgrenzen. die engste fühlung mit den älteren typen hält nach dieser seite die lyrik, die ihrerseits manche für die beziehung auf gott geprägte form nunmehr für den minnedienst nutzbar macht. die epik läszt manche verborgene wendung älterer herkunft ans licht treten, oder sie verschafft einzelnen wendungen damaliger umgangsprache eingang. theilweise knüpfen diese an die formeln an, die die rechtsdenkmäler des 13. jahrh. in die litteratur einführen, theilweise finden sie ihre parallele in den urkunden und in dem stil der chroniken, die beide voller aus dem leben schöpfen als die kunstform der dichtung. I@3@aa) abgrenzung von gewalt und macht. I@3@a@aα) die engste annäherung an die bedeutung von macht gewinnt unser wort in der verallgemeinerung, die es unter abstreifung der ihm anhaftenden verbindungen und näheren bestimmungen erzielt. man vgl. den satz gewalt ist aber sô manicvalt inmitten einer reihe von festen wortverbindungen mit gewalt im folgenden beispiel: owê, owê hêr Tristan, daʒ ich iuwer ie gewalt gewan sô guoten, alse ich iezuo hân und der alsô niht ist getân, daʒ ich in alsô geüeben müge, als es mir wege unde tüge! gewalt ist aber sô manicvalt: ich wæne; ich mac wol disen gewalt an mînem vînde üeben. Gottfried Tristan 10350 ff. Bechstein. diese art der verallgemeinerung ist in der mittelhochdeutschen periode sonst wenig entwickelt: nu sehent wie wirdiclîche die herren konege rîche empfîngen ir heilant, und wie hôhen prisant sie hatten da zustund bereit. daʒ was ein offenbarkeit gewalt und hêrlikeite. die menschheit ouch gereite alsus wart offenbêre, daʒ er ein heilant wêre. erlösung 3364 Bartsch; daʒ süll wir alleʒ varn lân, wan got der uns geben hât, der gît uns an der selben stat vich und ros, swenn er wil, wan er hât gewaltes vil. Enikel weltchronik 13260 Strauch. I@3@a@bβ) wo unser wort in der mittelhochdeutschen periode über die grenzlinien der einzelnen verbindungen hinausgreift, ist ihm meist die nebenbedeutung herrschaft, regierung beigemischt, es ist dann auf das staatsrechtliche gebiet eingegrenzt: die gewalt stet an den burgern, also daz iz der stat zu nutze unde zu gute kumen muge. Freiberger stadtrecht 242 Ermisch. I@3@a@b@11)) er kunde wol ze rehte leben, wan im diu mâʒe was gegeben von des heilegen geistes lêre. des rehten huote er sêre. eʒ ist reht daʒ man behalte deumüete in gewalte (dâ genesent die armen mite), und sol doch vrevellîche site durch die vorhte erzeigen und die mit rehte neigen die wider dem rehten sint. Hartmann v. Aue Gregorius 3798 Paul; nun ist niht mêre mîn gedinge wan daʒ si ist gewaltic mîn. bî gwalte sol genâde sîn. ûf den trôst ich ie noch singe, genâde diu sol überkomen grôʒen gwalt dur miltekeit: genâde zimt wol bî rîcheit. ir tugende sint sô vollekomen daʒ durch reht mir ir gwalt sol fromen. Rudolf von Fenis minnes. frühl. 84, 12ff.; [] sit daʒ du, minne, merest, swaʒ in dinen hulden ist, truren unde hohen muot, swie so du 'ʒ danne kerest, sit daʒ du also gewaltik bist, so wis minen vröuden guot. weistu wol, daʒ genade bi gewalte zimt? Rubin minnesinger v. d. Hagen 1, 316a; vgl.so sol ouch der herre gnade han. wan herren zimet gnade. bischofs- und dienstmannenrecht von Basel (13. jahrh.) § 12 Wackernagel; der kaiser dô ân allen strît maht vride unt guot gerihte. mit sîm gebet gein got er schuof daʒ im sîn gemeinlîch half der lande ruof. gewalt hât niht gunst, hât got mit ir niht pflihte. Lohengrin 7590 Rückert; hie sint die bigent den gewalt. si sein iunc oder alt. die sich nicht chunnen erbarmen. unt die roubent die armen .... Tnugdalus 57, 42 Hahn. I@3@a@b@22)) an ime brast aller tugende niht, der hêrre haben solde, wan daʒ er ze verre wolde in sînes herzen lusten sweben und niwan nâch sînem willen leben; daʒ ime ouch sît ze leide ergie. wan leider diz ist und was ie: ûf gêndiu jugent und volleʒ guot, diu zwei diu füerent übermuot. vertragen, daʒ doch vil manic man in michelem gewalte kan, daran gedâhte er selten; übel mit übele gelten, kraft erzeigen wider kraft: darzuo was er gedanchaft. Gottfried Tristan 268; si waren menlich unde balt. dô si in êr und in gewalt den kunic drungen unde schuben. Ottokar österr. reimchronik 22283; der chunich Ludweich behielt den hof acht tag mit gewalt und mit grozzen eren. sächs. weltchronik. 335 (1. bair. forts.); do weiht und chront in pischof Peter von Maegenz ze rOemischem chnig. doran was er ... jar mit gewalt und doch mit grozzer arbeit. ebenda. I@3@a@b@33)) ir herren nemet selbe war, mir sint verwandelt vil gar der sin, der lîp, dar zuo die site, die dem von rehte wonent mite der grôʒes gewaltes pflegen sol: ichn zime ze bâbest niht wol. Hartmann v. Aue Gregorius 3561 Paul; die gebruoder wârn von hôher art vor Nînus, der gewaldes pflac ê wurde gestiftet Baldac. Wolfram Parzival 102, 11; ich hab in reht alsam mîn kint, oder mich mach got gewaltes blint. Enikel weltchronik 10434 Strauch; glicherwis als ich bin und mir ein ieglich keiser na uber die werlt hie unde da herre ist mit gewaldes hant, sus wil ich daʒ eʒ si gewant umme die reinen pfafheit. passional 70, 27; sente Peter von gotes genaden gab itslichem babiste des gewaldes stab daʒ her beide mort und slag und alle sunde vergeben mag. Brun von Schonebeck 12082. I@3@a@b@44)) zuo ir ingesindeein teil si lûte sprach, dô si ze ende des ringesden helt gesunden sach, 'balde komet her nâher,mâge und mîne man: ir sult künic Guntheralle werden undertân'. .. er gruoztes minneclîche:jâ was er tugende rîch, dô nam in bî der hendediu maget lobelîch: si erloubte im daʒ er soldehaben dâ gewalt. des freuten sich die degnevil küene unde balt. Nibelungenlied 440, 3; do sach ein Hiunen reckeRüedegêren stân mit weinenden ougen,unt hetes vil getân. der sprach zer küniginne:'nu seht ir wie er stât der doch gewalt den meistenhie bî Etzelen hat'. 2075, 4; waʒ half, daʒ Nabuchodonosor gewaltes hete und rîcheit vil? Wínsbeke 75, 4; ich wil dir machen unterthan wol fünffzehen könig herre dann ich hab gewaltes vil mere dann nie kein könig ward erkant. Laurin 70 Schade; ich gebe dir lûte und lant ûf dîne sêle in die hant und gebe dir gewaldis vil. Livländische reimchronik 423 Meyer; [] si habent eʒ vergramaziert und daʒ rîche verirt maniger êren und gewalt, diu im vor war bezalt. Ottokar österr. reimchronik 51587; Selhen, Sîven, Letten lant wâren in der Rûzen hant vor der brûder zîten komen. der gewalt wart in benomen: er treit sie zû lande wider. Livländische reimchronik 648. I@3@a@b@55)) Rômêre duo sin infiengin, einen nûwin sidde aneviengin: si begondin igîzen den hêirren — daʒ vundin sime cêrin, wanter eini duo habite allin gewalt der ê gideilit was in manigvalt. den sidde hîʒ er duo cêrin Diutischiu liute lêrin. Annolied 471 Rödiger; sît daʒ noch beide lebten,Sigmunt und Sigelint, niht wolde tragen krôneir beider liebeʒ kint: doch wolder we en hêrrefür allen den gewalt des in den landen vorhteder degen küene unde balt. Nib. 44, 3 Lachmann; sô si werdent verstôʒen von dem gewalt und von dem amt, dem fursten man dennoch samt daʒ guot und den gewin ze hûf, daʒ si gesetzet habent ûf, und belîbet in diu sunde. Ottokar österr. reimchronik 24360. I@3@a@gγ) engere grenzen der bedeutung, die sich aus der kennzeichnung des trägers der gewalt ergeben. I@3@a@g@11)) beziehung auf gott, Christus, auf religiöse vorstellungen. I@3@a@g@1@aa)) die gewalt als inbegriff göttlicher macht, vgl. Rödiger zur Milstätter sündenklage zsch. d. a. 20, 301. I@3@a@g@1@a@aα)) du got mit sîner gewalt sluoch in êgyptisce lant, ... mit zehen blâgen er se sluoch. Ezzolied 23, 1 (Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 89); got mit sîner gewalt der wurchet zeichen vil manecvalt. der worhte den mennischen einen ûʒʒen von aht teilen. (13, 79) 3, 7; daʒ fuir slûg in îngegini, iʒ virbranti ir michil menigi. god mid sînir giwalt machit in den ovin kalt. drei jünglinge im feuerofen (ebenda 13, 135) 7, 7; ähnlich Annolied 163 Rödiger. kaiserchronik 8744 Seemüller. 16687 ebenda. Crescentia 25 Schade. Mar. 172, 6. exodus 135, 28 Diemer; daz dritte was gelîh einem vlieguntem arne, der gap urchunde, daz unser herre sweimet mit sînem gwalte ob aller geschefte und ob allen dingen. predigten aus St. Paul s. 103; unse herre got umbegurt sich mit sînen tugenden und mit sînem gewalte. ebenda 108. I@3@a@g@1@a@bβ)) I@3@a@g@1@a@b@11))) gotes gewalt was iê. unt verwandelte sich nie. noch nimmer getuot. anegenge 2, 60 Hahn; ähnlich 2, 65. 6, 25. 7, 17. 7, 39. 7, 52. zu der personification von gewalt als dem inbegriff gottes, vgl. unter ζ); gott aller gütte urspring, in des hant der welte ring ist beslossen und des gewalt ist ungezalt und manigvalt, kam also gegangen dar, do Adam lag, ... Lutwin Adam und Eva 536; des (gottes) gwaltes ist alsô vil, er mac den rîchen swenner wil dem armen gelîchen und den armen gerîchen. Hartmann v. Aue Erec 540; dîn kraft gewinnet niemer ort, dîn gewalt, dîn geist, dîn wort got vater mensche unde kint gewaltes ungescheiden sint, als ie ân anegenge was, dîn einic drîvalt unitas. B. v. Ems Barlaam und Josaphat 1; do scein der gotes gwalt: Michahel hûb ûf sîne hant, er tete demo tieuele einen slach, daʒ der himel under ime brast. genesis bei Hoffmann fundgruben 2, 11; ei wel gedruwe mahelschaft, seliger lestenunge craft, ei wi geneme otmudekeit an dise frouwen was geleit, zu der sich neigete also balt di hohe godelich gewalt! Elisabeth 5336 Rieger; dîn väterlîch gewalt gebôt des himels wernde stætekeit, wie unde in welher mâʒe er treit der sterne louf der sunnen schîn. Rudolf von Ems der gute Gerhard 326. [] I@3@a@g@1@a@b@22))) dis was siner genoden spil und sins gewaltes kraft. Lutwin Adam und Eva 285; ich wil iuh behuoten mit mînen tugenden gotliches gwaltes. predigten aus St. Paul s. 90; er (der könig von Ninive. Jona 3, 6) virgaz sinis kûnichriches, do er den obristin rihtâre mit vurhtin anrfte; gehugte sines gewaltis, da er die gewaltlichen gotheit erchanti. specul. eccles. 71 Kelle. I@3@a@g@1@a@b@33))) sunder missewende bist dû der urhap genant, daʒ ende stât in dîner hant; der beider name wær dû ie, doch gewunne dû sie nie und müeʒen dem gewalte dîn versaget unde vremede sin. R. v. Ems Barlaam und Josaphat 1. I@3@a@g@1@a@b@44))) ander namen hat er vil. die ich den geleichen wil. die hOerent alle an den gewalt. der zedem vater ist gezalt. anegenge 5, 47 Hahn; der bâbes viel die dritten venie vur aller der menige, ûf huob er sîne hant. er besceinte mînes trehtînes gewalt. er sprach: 'ich gebiut dir tier wilde in tôtlîchem pilde. daʒ dû sciere wider lebendich ûf stêst'. kaiserchronik 10306; nu erkanden sî den gotes gewalt sô starken und sô manecvalt, ob er sîn geruochte pflegen, daʒ in harte wol sîn segen gefriste vor aller freise. Hartmann v. Aue Gregorius 3362; ebenso St. Pauler reimbibel 77, vgl. Schönbach zsch. d. a. 45, 250; dar nâch gap in got ein stiur daʒ daʒ wilde fiur kam gewalticlîche und verbrant daʒ hûs rîche, daʒ von gold was bereit herrn Nerôni, als man seit. dâ sach man gotes gewalt an, daʒ wider got nieman kan. Enikel weltchronik 24253 Strauch. I@3@a@g@1@a@gγ)) got rîcheset aine uber alle di werlt gemaine. er gibet lîp âne tôt, er gibet genâde âne nôt, iʒ ist alles in sîner gewalt, niemen nimet eʒ ûʒ siner hant. kaiserchronik 2389; ebenso 11020 (variante hende); der kunic biʒeichinôt den got, der dî werilt hât gibilidôt, in des giwalt alliʒ stât daʒ daʒ gistirni umbi gât. lob Salomonis 16, 3; eea karissima nu vernim den rat min. swie ich niht sinnes han. ez mac dir doch ze guote ergan. sit dich zekinde erwelt hat. uf des gewalt stat. diu erde und des himels craft. altd. blätter 1, 343: er troste sie aller beste: er sprah 'nu muoz uh got gevristen', beide iunc unde alt daʒ stet in siner gewalt. Maccabäer 72 Kraus s. 28; aldaʒ der sun der muoter enbieten solte: ob si ir zorne entlîben wolte, unt wolte si ain sent loben, lieʒe zesamene chomen der haiden wîse scrîbære unt di der ê under den juden phlægen, vernæmen di rede allenthalp. got hête in sîner gewalt, daʒ er selbe eroffenôte, swelhe under in reht hêten. kaiserchronik 8355; wie lange denne diu werlt sul stein, daʒ ist allin geliche unchunt. Crist sprah selbe durch sinin munt: eʒ in soltde wiʒʒen der iunge noch der alte daʒ der vater hat in sime gewalte. antichrist, fundgruben 2, 126; dô wart diu selbe frowe wol inne, daz daz zeichen chom von gotlichem gwalte und wart si bechêrt. predigten aus St. Paul s. 125. I@3@a@g@1@a@dδ)) so scol diu erbarmede von uns gan. uber einen iegelichen man, dise tugende bringet uns der rat. unser gehucht der der gebe chunde hat. durch die himele er si fuoret. so si nah gote cheret ...... der rat der sol si fuoren. si senent sich nach sinem gewalte. vom leben Jesu 278, 13 Diemer; [] ich geben mich an des almehtien godes gewalt, wande mîne sunden sinth sô manichfalt, dat ich si alle nîth nemach genennen. Upsalaer sündenklage 9 Waag; nû wil ich gote genâde sagen daʒ er in mînen jungen tagen mir die sinne hât gegeben daʒ ich ûf diʒ brœde leben ahte harte kleine. ich wil mich alsus reine antwürten in gotes gewalt. Hartmann v. Aue armer Heinrich 699. I@3@a@g@1@a@eε)) 'gottes gewalt' wurde vom mittelalterlichen menschen in allen fällen empfunden, wo eine schicksalsfügung den kreis menschlicher berechnung und menschlicher machtfülle zerrisz. als feste verbindung unterlag diese wortgruppe daher je nach dem zusammenhang und nach der stilform, in der sie verwendung fand, den mannigfaltigsten bedeutungsänderungen. I@3@a@g@1@a@e@11))) charakteristisch ist, wie schon Konrad von Megenberg mit dieser verbindung als einer überkommenen sich auseinanderzusetzen sucht: nu werte der sterb laider lenger wan ain jar .. dar umb sprich ich, daz er sô lang wert, unz der vergift dunst den luft raumt .. die andern sprâchen, ez wær der gotes gewalt. sicherleichen, daz was wâr, wan alliu dinch würkent in der kraft gotes, ân den sünder allain .. ich sprich aber mit urlaub, daz got die welt möht niderslahen in aim augenblick ân aller siechtagen hilf. 112, 3. später verengert sich die bedeutung in dieser verwendung bis zu dem begriffe schlagflusz, s. unter III. I@3@a@g@1@a@e@22))) nach anderer seite wendet sich der gebrauch, der aus der naturanschauung in gebirgsgegenden überliefert ist: darumb ob gotz gewalt auschäm, daz man möcht zimmerholtz finden (aus 1350). Schöpf tirolisches idiotikon 79. I@3@a@g@1@a@e@33))) in der rechtssprache ist eine ähnliche verwendung viel belegt, in der die wortgruppe heute durch andere verbindungen (vgl. unter III verdrängt ist: unde gelobet denne ein man dem anderen zwenzic marc vor gerichte uf einen tac unde der richter ge abe under des von gots gewelden unde dirre spreche, he si im nicht schuldic, alse iz kumet zu deme tage, solde he umme di rede sin gelt verlisen, daz were unbillich. Freiberger stadtrecht 29, 3 Ermisch; were aber, daz he sturbe in dem gevencnisse geelingen oder von gotis gewalden oder wi daz were, so antwerte he zop unde zagel wider unde ist ledic zu rechte. 5, 32; swelch man sinen richter irsetcen wil oder muz an eime gezuge, deme he abe ist gegangen von gotis gewelden oder gevarn ist beteverte ... der muz haben siben man an desselben richters stat erhafter lute. 29, 1. I@3@a@g@1@bb)) der hinweis auf Christus: I@3@a@g@1@b@aα)) nu wil ich iu zellen. di iz vernemen wellen. wer die waren. di mit ir giengen. daʒ selbe was Maria Magdalena. di dir unser herre hailant. erloste mit siner gewalt. von den ubelen gaisten. vom leben Jesu 265, 24 Diemer; in dem Jordâne wurde wir ze wâre alle frîge gezalt, er holte uns ûʒ der helle mit sînem gewalt. wahrheit 91 Waag; nu bitte ich iuch chnaben drî daʒ ir mir helfunde sît und daʒ du (Christus) erlôsest dînen schalch mit dîner gewalt. Millstätter sündenklage 792, zsch. f. deutsches alterthum 20, 280; und doch swie dc der gotes sun wêre bedecket in den häntschuohe der menschait. doch so waz er diu hant diu himel. unde erde. und dar zuo alliu dinch. mit sinem gewalte und mit siner wisehait hât geschaffen. und da von sprichet er durch dez wissagen munt Isaias. predigten d. 13. jahrh. 1, 159 Grieshaber; do wart der mensch der ain stumme vor waz gewesen. der wart redende. und do dc die schara sâhen. do nam ez si groz wnder. und sprachen sumeliche under in. in beelzebub principe demoniorum eicit demonia. swie dc wêre. dc got den tiefel mit sinem gOetelichen gewalte den bOesen gaist hete ûz geworfen. do sprachen si. er tête ez mit dem gewalte des tiefels. 2, 99. I@3@a@g@1@b@bβ)) id was ein michel wunder, dad die magit iunge gebar ein kint an alle wiseit des gewalt so michel is inde breit. von Christi geburt 91; vgl. Kraus d. ged. d. 12. jahrh. 5; ebenso im Baumgartner Johannes Baptista 55 (Kraus s. 14); [] er was mennisch unte got. also suoze ist sîn gebot: mit uns er wantelôta driu unte drîʒʒich jâr, durch unser nôt daʒ vierde halp. vil michel ist der sîn gewalt: sîniu wort wâren uns der lîp; durch unsih alle erstarb er sît. Ezzolied 16, 12 (Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 87); daʒ du dich lieʒe trîben an die stat, dâ man dich hie under die dâ wâren ie zuo den scâchêren gezalt? ôwî dîn gotlich gewalt! Vorauer sündenklage 827 Waag; vil michel was sîn magenchraft. uber alle himelisc hêrscaft, uber die helle ist der sîn gwalt, michel unte manicvalt. Ezzolied 21, 8 (Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 89); also hab wir uns berait, von orient sei wir chomen, sein gewalt hab wir vernomen an dem stern, der uns derschinen ist. Erlauer spiele 19 Kummer; wie der gotes sun von himele an die erde chom: von ainer magede wart er uns ze trôste geborn ... dô er sich niht langer newolte tougen, er newolte sînen gotelîchen gewalt ougen, als in der vater her hête gesendet. kaiserchronik 9387; dô vil sanctus Felix ûffe sîne knie und sîn bruder, der dô heizet der Austus, wan her prister was alsô sîn bruder, und sprâchen: 'herre Jêsu Kriste, wîse hûte dînen gotlîchen gewalt daz dise apgote und dirre tempel verstôret werde unde diz heidenische volc gloubic werde'. Herm. von Fritzlar heiligen leben (deutsche mystiker des 14. jahrh.) 1, 191. I@3@a@g@1@b@gγ)) wir wellen den ze hêrren hân der himel unde erde enpore hât, in des gewalt nû stât baide lîp unde tôt. (er dolte selbe marter und nôt) daʒ er relôste unsich. kaiserchronik 10873. I@3@a@g@1@b@dδ)) unser hêrre der heilant nam wider în sînen gotelîchen gewalt, dem vater und dem hailigen gaiste ebenhêre und ebenrîche. dannen sint die drî namen wærlîche ain got genennet. 8853. (Êrec sprach) 'frouwe, nû gehabet iuch wol ... nu bevalch in diu guote mit worten und mit muote in unsers herren gewalt. ir gebet wart vil manecvalt. Hartmann v. Aue Erec 5373; I@3@a@g@1@cc)) beziehung auf wesen, die in gegensatz zu gott gestellt sind: I@3@a@g@1@c@aα)) wie der man getâte, des gehuge wir leider nôte. dur des tiefels rât wie schier er ellente wart! vil harte gie diu sîn scult uber alle sîn afterchunft sî wurden alle gezalt in des tiefels gewalt. Ezzolied 5, 8 (Müllenhoff-Scherer denkm. 12, 82); nu verlîch mir ze lebenne unze ich verworvener scalh von des tiuveles gewalt inphuore mîne sêle. Vorauer sündenklage 642 Waag; daʒ begunde irweichen sumelîche bôse heidenschaft, dô sie der apostolen craft ir gote sAehen touben und ires gewaldes rouben. Livländische reimchronik 72. I@3@a@g@22)) beziehung auf einen weltlichen kreis von personen als den träger der gewalt. I@3@a@g@2@aa)) allgemeinere und umfassendere kreise. hier überwiegen pronomina und substantiva als begleiter des wortes: I@3@a@g@2@a@aα)) nu merchet och mêre: der tage sind zewene, ein tach des mennischen, der ander gotis. der tach der mennischen wert also lange unz si langest lebint. hie sint die mennische in ir selbir gewalte, swedir si wellin nach deme himelrich arbeitin, oder nach der helle werche. aver ist der tac dirri mennischen also lange, so si in der lûte gewalte sint. specul. ecclesiae 49 Kelle; wir tun als die sunn, die scheint uber bose und uber gut: wir nemen gut unde bose in unser gewalt. ackermann aus Böhmen 8. I@3@a@g@2@a@bβ)) duo daʒ wâre ôsterlamp chom in der Juden gwalt unt daʒ opher mâre lag in crûcis altâre, duo wuoste der unser wîgant des alten wuotrîches lant. Ezzolied 24, 6 (Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 90); [] do heten de Romere geten van ere alle de lant de dar waren in ire gewalt. sächsische weltchronik 81. I@3@a@g@2@a@gγ)) mannechlîch wil reht hân als sîn gewalt ist getân, unde wil daʒ im selben haben unde wilʒ deheinem anderen geben. vom rechte 45 Waag; so wurstu dicke verseret von mannes gewalte, so das er din walte und dich habe in sîner pflege. Lutwin Adam und Eva 609; swaʒ dirre gebûre gerne tete, des dûhte sînen herren gnuoc: dar zuo er in übertruoc daʒ er dehein arbeit von frömdem gewalte leit. Hartmann v. Aue armer Heinrich 280. I@3@a@g@2@bb)) einengung des kreises der betheiligten personen. berufliche oder ständische gliederung: I@3@a@g@2@b@aα)) so sal ok de geistliche gewalt helpen deme wertlikem rechte, of it ir bedarf. Sachsenspiegel 1, 1; mit dem selben râte giengen si zdem mâl zuo dem cardinal, der zuo der wîle dâ lac und des bâbstes gewalt phlac. Ottokar österr. reimchronik 45514. I@3@a@g@2@b@bβ)) al schat under der erde begraven deper den ein pluch ga, die hort to der koningliken gewalt. Sachsenspiegel 1, 35; ne tiet de erven nicht ut ut der koningliken gewalt binnen jar unde dage mit irme ede. 1, 38; wi sich das gerichte nicht kan vorswigen an gute, das an die konigliche gewalt fellit. Magdeburger fragen 1, 2, 25 (Behrend 54); welchir kebiszkindir gut, is sei erbe ader varnde habe, das si dirarbeit haben adir vorkoufft vor gehegetem dinge nicht vorreicht noch vorgeben were noch habin, unde nicht elicher kinder recht haben, das stirbet unde fellet an di konigliche gewalt noch irem tode. 1, 14, 8 (135); ab ein man von ungerichtis wegen zcu deme galgen vorteilet worde unde von koniglicher gewalt adir durch andir lute bete wille ledig worde geloszen, wi man den man vorbasz halden sulle. 1, 17, 2 (144); ich Tilemannus Elhen von Wolffhau, ein paffe usze Mentzer bischtome, wonehafftig zu Limpurg in Trire bischtom, ein uffinbar schriber von keiserlicher gewalt, want ich bi diser schickuonge und ordinacien ... gezugen gewest bin. testament der Limburger bürgerin Grete Meinhard 20. april 1371 in der Limburger chronik 122; wo erbe ane erben stirbet. ab ein erbe vorstirbet. das sich nimant dortzu tzuhet mit rechte binnen iar unde tag. das nimpt di konicliche gewalt. Leman das alte Kulmische recht 4, 70; hirnoch so gingen des dirhangen frund zcu der koniglichen gewalt durch der minsten unlust wille unde betrubnisz unde beten, das man den toden muste begraben. Magdeburger fragen 3, 6, 2 (Behrend 195). zu den beiden letzten belegen vergleiche auch die für die objectivierung und personificierung zusammengestellten beispiele sp. 4937 ff. I@3@a@g@2@b@gγ)) sve nenen burgen hebben ne mach, dar he ok nen erve ne hevet, den sal de vrone gewalt behalden, of he um ungerichte klaget, oder die klage up ene gat. Sachsenspiegel 1, 6 Homeyer; adir luthe, die nahe gesessen sin, das si gehegetes dingis warten muszen, der eide mag der richter wol vorschiben. haben si abir keinen burgen, so sal si di fronegewalt behalden zcu offin tagin unde zcu gehegetem dinge, daz si di eide leisten. Magdeburger fragen 1, 16, 5; wenne ein man den andern in di fronegewalt adir in das gefengnissze brengit mit rechte umb sine bekante schult. 2, 2, 19. vgl. auch 3, 1, 7. I@3@a@g@2@b@dδ)) dusse bleven alle riddere und heilden sik in ridderlikem gewalde. (Magdeburger schöppenchronik) deutsche städtechron. 7, 352. I@3@a@g@2@b@eε)) di munzmeistere haben ouch gewalt, aber ane gerichte nicht. Freiberger stadtrecht 229 Ermisch; man sol schriben allen reten, das ein ieglich rat, der danne gewalt hat, teglich klag sol hOerren swenne er sitzet. (1324) Züricher stadtbücher 1, 34; wer, dz der egenant Sleipfer die vorgeschriben artikel deheinen nicht stêt hielt, dz si dann die vorgeseiten hundert pfund weren súln an gnad oder aber den vorgenanten Rdin Sleipfer wider gen Zúrich in des rates gewalt antwúrten und bringen súln. (1385) 1, 280; si hant ouch gesetz, das ein ieklicher rat, wenn er an sitzet, swerren sol, wz under inen klagt wirt, dz si dz alle richten súlent und ouch gericht súlent han, wenn ir zil und ir gewalt us gat. (1371) 1, 184, [] I@3@a@g@2@b@zζ)) wennte he ghewalt hebbe, so spreke de scultechte. die Goslarischen statuten 73 Göschen. I@3@a@g@2@b@hη)) her mag is (das vieh) ouch wol pfenden ane des richteres orlob, und sal is triben in des richteres gewalt. das alte Kulmische recht 5, 26 (Leman 158); und ob ein manslek dreistunt geladener nicht fúr chumt, der richter chund in in die âcht und zwei teil seins guets stên in dem teil seiner hausvrowen und seiner chinder, und der dritteil seines guets stê in dem gewalt des richters. Augsburger stadtrecht 50. I@3@a@g@2@b@thθ)) dienest manne egen ne mach in koningliken gewalt nicht komen, noch buten irs herren gewalt, of se sik verwerket an irme rechte. Sachsenspiegel 1, 38 Homeyer; dinstman ervet unde nemet erve alse vri lüde na lantrechte, wen allene, dat si buten irs herren gewalt nicht ne ervet, noch erve ne nemet. 3, 81; das hulffe im got von des herren gewalt usz deme lande. Magdeburger fragen 3, 9, 3 (Behrend 204); in molne unde in münte unde in tolne unde in wingarden unde in tegeden oder in süsgedanen dingen, of en man belent wert, deme lene volget die man unde erft it, al hebbe die herre des lenes stat in siner gewalt to bestadene. Sachsenspiegel lehnrecht 11; svat aver den mannen an irme lene gebrict, die wile it die herre hevet an siner gewalt des lenes stat, unde die bestadet, die wile sal de herre den mannen irvullen iren scaden. ebenda; wer unser ainer stirbet und hawsfrawen und erben lezzet, der richter ader foit, noch imand anders schol sich seines gutes nicht unterwinden, sunder das gut bleibt in der gewalt der frauwen und der erben. Iglauer stadtrecht (13. jahrh.) Tomaschek 201. I@3@a@g@2@b@iι)) dekeins burgers sun von Colmer der under des vatters oder der mutter gewalt dennoch ist, der mag irs gutes niemanne nicht gegeben noch verspilen, noch in dekeine wis in enphúren. (Rothweil. 1293) bei Schöpflin Alsat. diplom. 2, 58. I@3@a@g@2@cc)) einengung durch nomina agentis: ze rehter zît er entran ûz der mordære gewalt. Hartmann v. Aue Gregorius 99 Paul. I@3@a@g@33)) die beziehung auf ein bestimmtes individuum als den träger der gewalt wird überwiegend mittelst des possessivpronomens hergestellt. I@3@a@g@3@aa)) das substantiv ist subject: der künic bat in vür sich komen und bat den helt mære daʒ er immer bî im wære: er wolde im sînen gwalt lân und gerne wesen undertân. herzog Ernst 4987 Bartsch; wande er de geweltigeste chunich was, dâ man von ie gelas. vil wîten ginch sîn gewalt. Vorauer Alexander 1431; din gewalt wirt also vil, daʒ dir in ertriche nechein kuninc ne mac gelichen. Trierer Silvester 501; sîn hôher küniclich gewalt schein harte maneger hande. Konrad von Würzburg Partonopier 238; dô sprach ich 'sun, vil lieber man, disiu rede hœrt dich an'. 'wie vater mîn?' 'daʒ sage ich dir. ich wil dich biten daʒ dû mir niht verzîhest hie swes ich von rechten herzen bite dich'. 'vater mîn es ist gezalt über mich dîn gewalt. R. v. Ems der gute Gerhard 4272. I@3@a@g@3@bb)) präpositionalverbindungen, die die gewalt als ziel einer bewegung erscheinen lassen: I@3@a@g@3@b@aα)) unlangeʒ zît hine chom, ê in sin herre sazte ze ambtman: al daʒ er hête daʒ pevalh er zuo sîner gewelte, daʒ ime al daʒ ware undertân daʒ ter ime scolte dienen, nieht er uʒnam wane sin wib lussam. genesis 55, 34 (Hoffmann fundgruben 2); er nan den dînstman bî der hant er beval 'n den konich in sînen' gewalt, Crescentia 30, 23 Schade. I@3@a@g@3@b@bβ)) er (Rother) sprach: 'swer danne wil scat nemen, dem sal ich in âne zale geben; wil er aber burge unde lant, des gibich im in sîne gewalt. könig Rother 193 Bahder; daʒ wil ich immer gote klagen daʒ dîn müeder lîp zerslagen ie wart gegeben in mîn gewalt, sît dû von mînen schulden salt dîn dienest allen hân verlorn. Moriz von Craun 1299; [] doch wil ich iuch durch zuht biten ergebet iuch in mîne gewalt; oder ir sît schier von mir bezalt, daʒ iwer vallen rüert den snê. sô tæt irʒ baʒ mit êren ê. Wolfram Parzival 287, 28; und nam des sîne sicherheit daʒ er gevangen wider reit in der vrouwen gewalt. Hartmann v. Aue Iwein 3779. I@3@a@g@3@b@gγ)) ein keiser was bi den citen, ein gewaltiger voget wîten, Augustus was er genamet, der hete diu riche elliu ensamet in sinen gewalt betwngen. Wernher Maria 158, fundgruben 2, 191; die iuncfrowe zuhant nam den sperewer an ire gewalt. der sperber, zsch. f. d. a. 5, 429; des amtes er nicht abe trat biʒ daʒ meister Werner quam von dûtschen landen und nam die meisterschaft an sîne gewalt. Livländische reimchronik 6327. I@3@a@g@3@cc)) die gewalt haftet an der durch das pronomen gekennzeichneten person: auch hier überwiegen präpositionalverbindungen: I@3@a@g@3@c@aα)) herre, nû habt guoten muot! über alleʒ ditze guot weiʒ ich in mîner gewalt kleinât manicvalt. Ottokar österr. reimchronik 3695; ich gebiute dir, edeliu wurz verbena, ... daz dû neheine tugende in dirre erde verlâzest, dune sîst immer in mîner gewalt mit der chreft unde mit den tugenten unde dich got beschaffen hât unde gezieret. zwei arzneibücher aus dem 12. und 13. jahrh. 2, 13d, Wiener s. b. 42, 150; of die burch unde dat burchlen in ene gewalt nicht ne horet, unde na des herren dode sünderliken herren ledich werdet, unde dat burchlen getweiet wert von der burch, die borgere volgen irme borchlene dar't horet, wende it is denne ire rechte len, sint sie der burchsate dar af ledich sin. Sachsenspiegel lehnrecht 72 Homeyer; daʒ ... lant, des diu schœne lrekel wielt und eʒ in ir gewalte hielt vil stæteclîche und in ir wer. Konrad v. Würzburg Partonop. 11082. I@3@a@g@3@c@bβ)) der von Francrîch hât in sîner gewalt des rîchs guot ungezalt. Ottokar österr. reimchronik 74809; ich hân gehôrt alsô, sîn ene, hieʒ Joachim, von dem sulle gevallen im und zerbe sîn bezalt, swaʒ in sîner gewalt hete der kunic Davit. 47500; also het in der marggraf ein ganz jar in seiner vänchnüsz und in seinem gewalt. sächsische weltchronik 375 (vierte bair. forts.); brûder Juries ûʒ den brûderen las, wen er was an des meisters stat, einen brûder, den er bat mit der brûdere râte, daʒ er wolde drâte vort rîten mit dem her kein Kûrlande bie dem mer unde hette sîne gewalt uber jung und uber alt, die zû der reise wâren komen. Livländische reimchronik 5897. vgl. auch gewalt haben unter δ) sp. 4931 ff. I@3@a@g@3@dd)) die gewalt geht der betreffenden persönlichkeit verloren: mir sint diu rîche und diu lant undertân swenne ich bî der minneclîchen bin; unde swenne ich gescheide von dan, sost mir al mîn gewalt und mîn rîchtuom dâ hin. minnes. frühl. 5, 26; dô er (Gregorius) von sînem gewalte gie und in der vischære enpfie in sînem hûs sô swache. Hartmann v. Aue Gregorius 3677; ûʒerthalp sîner gewalt Uolrich der helt balt, der von Kappellen was geheiʒen, datze Stîre in den kreiʒen wol anderthalp hundert man zuo einander gewan. Ottokar österr. reimchronik 36320. I@3@a@g@44)) dieser individuellen begrenzung des begriffes giebt die sprache der dichtung eine bestimmte richtung, theils durch übertragung, theils durch verknüpfung mit personificationen: I@3@a@g@4@aa)) ûf daʒ selbe wunschleben sô het ich mînen vliʒ gegeben in mîner frouwen gewalt: dar inne wolt ich werden alt. Hartmann v. Aue 2. büchlein 81; [] weistu niht, waʒ er hîute fruo sprach zuo Meliûre? ... er hæte ir süeʒen lîp gesehen ze schaden und ze maneger nôt. er sprach, sîn leben und sîn tôt diu stüenden beide in ir gewalt. der selbe ritter wol gestalt ûf jâmer leite sînen vlîʒ. Konrad v. Würzburg Partonopier und Meliur 14577. I@3@a@g@4@bb)) dannoch dô Grêgôrjus was in der sünden gewalt, als iu dâ vor was gezalt. Hartmann v. Aue Gregorius 3675; Minne diu verwerrærinne, die endûhte es niht dâ mite genuoc, daʒ man si in edelen herzen truoc verholen unde tougen, sine wolte under ougen ouch offenbæren ir gewalt: der was an ir zwein manicvalt. Gottfried Tristan 11917; der got sich wunderlîch versan der ir gewalt (der minne) sô wîten maʒ. Winsbekin 36; möhte ich verslâfen des winters zît! wache ich die wîle, sô hân ich sîn nit, daʒ sîn gewalt ist sô breit und so wît. Walther 39, 8. I@3@a@g@55)) in der rechtssprache wird durch diese individuelle begrenzung des begriffes, ebenso wie durch die anknüpfung an appellativa als die träger der gewalt eine bedeutung entwickelt, die sich der von besitz nähert. den ausgangspunkt bildet die vorstellung, dasz das betreffende individuum die volle verfügung über etwas ausübt, wie diese namentlich in der verbindung gewere und gewalt aus der gegenüberstellung eines rechtlichen anspruchs und des thatsächlichen innehabens erwächst. diese berührung mit der bedeutung 'besitz', die mit dem übertritt des wortes vom staatsrechtlichen gebiet auf das privatrechtliche sich ergiebt, ist an bestimmte feste verbindungen gebunden und bleibt für den schärferen beobachter immer nur eine annäherung. so wird namentlich in der juristischen litteratur die grenzlinie gegen besitz um so kräftiger hervorgehoben, je mehr sie sich im allgemeinen sprachgebrauch verwischt. an der letzteren entwicklung nehmen nicht nur volksthümliche rechtsquellen theil, sie findet auch in der allgemeinen litteratur nahrung, sofern die dichtung wendungen der umgangsprache aufnimmt. I@3@a@g@5@aa)) weniger entwickelt ist diese neue bedeutung in der verbindung mit verbis der bewegung: I@3@a@g@5@a@aα)) wer sin vihe tribet uf eines andir mannes korn adir gras. her sal im sinen schaden tzwevalt gelden ... her mag is ouch wol pfenden ane des richteres orlob. und sal is triben in des richteres gewalt. das alte Kulmische recht 5, 26 Leman; ist das vihe so getan, daz her is nicht gevoren mag alse wilde ros sin und rinische pfert adir andir wilt. daz man vor tzam heldet. adir gense das sal her in sine gewalt triben. 158. I@3@a@g@5@a@bβ)) dem (H. Zwick) wrden ch die pfenninge alle geantwrt in sin gewalt. (1318) Züricher stadtbücher 1, 14; wer ouch, ob ir dekeiner in dirre frist der burger bedOerfte, dem sol nieman von der burger wegen sin behulffen, er habe danne ein hus kouffet, oder so vil guotes geleit in der burger gewalt, darumb er daz hus kouffen solte. (1316) 1, 12; ouch sal nimant hinne vort mer ... kein achter ouz der achte lazen noch keine berichtunge von im nemen noch in keine seine gewalt geleiten. einigung zwischen den herrn von Elsterberg und denen von Plauen (1327), Haltaus 695; wer ouch tuoch herin in unsere stat bringet, von wannen die sint, und si in sinen gewalt leit, der sol sie verungelten, also dovor stot. kaufhausordnung von Straszburg (1401) bei Eheberg 1, 6. I@3@a@g@5@a@gγ)) hedde ein man to jarmalen land gewunnen unde hedde dat korn, dat dar oppe stonde vort verkoft enen anderen manne, unde hedde der kopere dat vorgenant korn gebracht in sin gewalt unde behalt, dar en is de kopere vorgenant deme genen nicht van schuldich, des dei erftale is. Dortmunder urtheilsbuch, Hansische geschichtsquellen 3, 122; es sollent och der schulths und die amptlüte so si iemand frömder der ein erbe anspricht, in gwalt und gwere setzen und das erb XX pfund pfen. älteste gerichtsordnung von Basel 1457 (Schnell Basel 1841) 6a. I@3@a@g@5@a@dδ)) mit disen dingen unde alsô nam den hort sîn muoter dô snelliclîche in ir gewalt. Konrad v. Würzburg Partonop. 3217; ob zwene man sprechent uf eines mannes gt. vor gerihte. nach sinem tode. so sol der rihter daz guot in sine gewalt nemen. ane schaden. und si suln vor im dar umbe rehten. [] Schwabenspiegel § 273 Laszberg; als iuh dô der veint in sîn gewalt genam und iu in michel ungenâde tet, dô erzeigt ich an iu vaterliche triwe und gnâde. predigten aus St. Paul s. 90; und söllent darzuo der meister und ein ammanmeister ieglicher einen slüssel haben und zuo ime in sinen gewalt nemen. neuordnung der stadtverwaltung in Straszburg (1405) bei Eheberg 1, 31. I@3@a@g@5@bb)) noch mehr verbindungslinien mit der parallele gewere, possessio, zeigen die präpositionalverbindungen, die sich an ein verbum des beharrens anschlieszen. I@3@a@g@5@b@aα)) schon unter gewähr (sp. 4791) sind aus rechtsquellen zahlreiche beispiele zusammengestellt, die in der verbindung in seiner gewalt und gewere haben die bedeutung 'besitz' vorbereiten. von hier aus geht die wendung auch in die poetische sprache über, wo sie jedoch die anlehnung an gewere abstreift: I@3@a@g@5@b@a@11))) ab ein man eins andirn mannis gut vorwircken mag, das her in siner gewalt und geweren hat. Magdeburger fragen 3, 6 distinction 3 (vgl. sp. 4791); hat ein man einen unrechten bu in gewalt unde in gewere vir iar, sechse, cehne oder ioch zwencic iar von sinen nakeburen, iz si von gunst oder von gewalt, den hat he nicht mit rechte. Freiberger stadtrecht 5, 21 u. a.; der selbe hât daʒ guot lant in gewalt und in gewer. Heinrich v. Neustadt Apollonius 4254, vgl. Strobl glossar; vgl. in der gewalt haben heiszt besitzen und gewalt ist gleich gewer potestas. J. Grimm (das wort des besitzes) kl. schr. 1, 135. I@3@a@g@5@b@a@22))) lên in siner gewalt hebben. Sachsenspiegel lehnrecht art. 11 § 3; wann ainer ain wittiben anspricht umb anerstorbens erb, das si in irer gewalt hat, da mag die wittib nicht aisch umb haben. steiermärkisches landrecht 108 Bischoff; welchem verierts vüech oder ander gut zue seiner behauszung oder auf ander sein gründ kombt oder darbei gefunden wurde, der soll das nicht lenger dan uber nacht in seiner gwald haben. rechte des stiftes Göss (15. jahrh.), österr. weisth. 6, 300. I@3@a@g@5@b@a@33))) er lie sich niht verdrieʒen, er lêch unde gap, swaʒ er varunder hab het in sîner gewalt. Ottokar österr. reimchronik 21038; nû westen die herren karc wol sehs tûsent marc in sîner gewalt. 55875. I@3@a@g@5@b@bβ)) unde beheldet he daz also in gewalt unde in gewere iar unde tac ane ansprache, so ist ienre ledic, der iz im ufgap. Freiberger stadtrecht 1, 35 Ermisch; und sein also darin gesessin in stiller nutzlicher geruhiger gewehr und gewalt, länger denn landts-recht und gewohnheit ist. (1345) Haltaus 695. I@3@a@g@5@b@gγ)) als mich min geselle Petir vormals zcu sime gute mit offinbaren schrifften und instrumenten offinbar bestetigit hatte bi sime gesunden leibe, dornoch an sime sichbette vor erbaren luthen alle sin gut unde erbe unde gerethe gegeben hat ... so lat ein recht werden, nochdemmole das sin gut do min was, und alle sin gerete do in miner gewere unde gewalt irstorben ist. unde her selbir spricht, das is bi mir ist, ab mir das icht nehir bliben sulle, wenne mirs imand entwenden moge. Magdeburger fragen 1, 6, 5; wann ain mensch dem andern zuspricht umb weu das ist, hat sich daz veriêret in des antwurter gewalt, so verantwurt ers im banttaiding, an der dinstherrn aigen. steiermärkisches landrecht 109 Bischoff; gebe ich einem manne gut tzu vorkoufen. und gebit her mir sine andir habe doran und daz gut blibet in miner gewalt. und wirt is mir vorstolen der schade blibet sin und min nicht. das alte Kulmische recht 5, 33 (Leman 163); wirt gelt in aines mannes gewalt verpoten, daz er einem andern gelten sol, da sol man in paiden tag umb geben, der daz gelt verpoten hat, und dem, der daz gelt sol, auf vierzehen tag. Münchener stadtrechtbuch von 1437 art. 17 wie man gelt in aines gewalt verpeut; alleine er des heiligen reichs obrister marschalch und churfürste sei ... als er es auch von seinen eltern hergebrachtt hat, und in gewehre und gewaldt ist. Caroli IV. dipl. ms. quod an. 1361 Rudolpho duci Sax. dedit bei Haltaus 695. I@3@a@g@5@b@dδ)) I@3@a@g@5@b@d@11))) swer über den andern tac sin diubic oder sin roubic gut bi iemande vindet, der daz offenlich gekoufet hat .. und des geziuge hat: den mac man deheiner hantgetat geschuldigen .. vindet man ez in des gewalt, er muz dar [] umbe antwurten ienem, des ez da was. der sol sin gut wol anevangen mit des rihters urloube ... er vellet ez selber an und füeret ez in des rihters gewalt. Schwabenspiegel c. 268 Gengler; so sol ez jener gelten, in des gewalt er sin gut da vant. und der sol uf den klagen, der im daz gut da gap. 298 § 8. vgl. auch Haltaus 695; fund man in ains gewalt guot, daz auz chirchen, auz müln, auz smitten oder von dem pfluog verstoln ist. rechtbuch kaiser Ludwigs 1346, bei Freyberg 406 (art. 34). I@3@a@g@5@b@d@22))) der einen menschen stilt. das ist ouch eine ofene dubheit. und wirt is in siner were adir in siner gewalt begrifen man schubit is uf in alse andir dubheit. das alte Kulmische recht 5, 31 (Leman 162); unde ist. das ein mensche deme andirn retet. daz ist stele und spricht also. gang hin und stil deme das und brenge mirs. und gib mirs halb ich wil is dir behalden. und tut her das. und das gut wirt begriffen in des gewalt deme is do bevolen wirt. nu ist der vor nicht belougenmundet. wi sal man das richten. 5, 30 (161). I@3@a@g@5@b@d@33))) so mac man suchen mit rechte in deme huse unde in siner gewalt in kasten, in kameren unde allen enden ab man der pfenninge icht me vinde. Freiberger stadtrecht 230 Ermisch; weliche aber mit stahel, eisen und dergleichen hanndeln und umbgeen, den ist zugeben, in iren hewsern, kramen oder gewalt einen zentner oder darunter mit frongewicht ausserhalb des geswornen wegers ausszuwegen. Nürnberger polizeiord. 273. I@3@a@g@5@b@eε)) swie lange ez uz ir gewalt ist und uz ir gewer. Schwabenspiegel c. 373 § 6 bei Haltaus 695; ez mag chain diepisch gût aus chains juden gewalt bestetigen, wie wissentleich es sei. steiermärkisches landrecht 165 Bischoff; wer ein hawss in der gewalt verkawfft und es aus der gewalt nit gibt, do ist weder der kawfft, oder der dohin gibt, keinem forster nichts umb schuldig. und hat ein man, der in der gewalt sitzt, gezimert oder prennholtz gefuret, will er des geraten und verkawfft das, und gibt das inn die gewalt, do ist weder der do kaufft, oder der dohin gibt, keinem forster nichts umb schuldig. wer stock und kaimen furet, der in der gewalt siczet, der ist nimants nichts schuldig, dann dem vorster inn des hut er hawet uber iare zwen pfenning. Karl IV. bestätigt die Nürnberger waldordnung vom jahre 1294 (23. aug. 1365), monumenta Zollerana 4, 65. I@3@a@dδ) bedeutungsdifferenzen, die sich aus der kennzeichnung des zielpunktes der gewalt ergeben. das charakteristische an den hierher gehörenden verbindungen ist das fehlen des possessivpronomens, trotzdem stets auch der deutliche hinweis auf einen träger der gewalt vorliegt. solcher mangel des possessivpronomens läszt sich an den unter γ) (sp. 4922 ff.) aufgeführten verbindungen nur selten belegen: do Abraham finf und sibenzîch ich zehenzich iare alt wart, do muos er leisten die vart die wir alle sculen leisten swîe alt wir werden. der lip den ente genam, diu sela fuor ze gotes ewen, die himel wunne manichvalt, die hat si da in gewalt. genesis 35, 40 (Hoffmann fundgruben 2); sîn vart diu ist unsüeʒe: jane gêt er nie sô balde, ern benahte in dem walde. engeʒʒent in die wolve niht, daʒ aber lîhte geschiht, sô muoz er dâ ungâʒ ligen und aller gnâden verzigen. lâ mir daʒ ze gewalte daʒ ich in noch behalte. Hartmann v. Aue Gregorius 2873 Paul; vater und muoter sint ir (der muhme) tot. der gewalt wol an mir stot, daʒ ichs üch gibe zuo der e. Peter von Staufenberg 864. dagegen treten hier andere verbindungen in den vordergrund, vor allen die schon in der althochdeutschen periode belegten gewalt geben, gewalt haben. I@3@a@d@11)) die zielbestimmung wird durch den zusammenhang angedeutet: I@3@a@d@1@aa)) 'ir sult ouch, vrouwe, habenallen den gewalt den iu tet ê Sîfritkunt, der degen balt. daʒ lant und ouch diu krônesî iu undertâu. iu sulen gerne dienenalle Sîfrides man'. Nibelungen 1015, 1; ähnlich 661, 2. 1177, 3. 2075, 4. I@3@a@d@1@bb)) got, dû scuof alles daʒ ter ist: âne dich nist niewiht. ze aller jungest scuofe dû den man nâh dînem bilde getân, nâh dîner getâte, daʒ er gewalt hâte. Ezzolied 4, 6 (A: so du gewalt hete vgl. Müllenhoff-Scherer denkm. 13, 58); [] dir sint genâde bescert — und gench hin widere ze des herzogen burge, unt swer dir sîne sunde offenliche chunde, den haile an sînem lîbe. den gewalt verlêch sante Peter dem wîbe. kaiserchronik 12392; swaʒ winde in der lufte sint, die bringent dunre und regen: leslîchem ist sîn art gewegen. obe sie under stunden strîten begunden, daʒn mochte wunder werde, daʒ sie mer und erde met alle zuriʒʒen, die erde zufliʒʒen: hêten sie die gewalt des wurdeʒ ertrîche gevalt. A. v. Halberstadt 1, 111; iz insal kein man, der uf den lip sitcet gevangen, lenger sitzen wen biz zume neisten dinge ... wollenz abir di burger ufcihen durch ein recht oder durch eine sache, di haben di gewalt wol. Freiberger stadtrecht 19, 4 Ermisch; ich Marckart Leutenpeck zu Eschershofen mein elich hausfraw und alle unser erben. bekennen offenbar mit dem brieff umb den traidd zehend zu Eschershofen den wir kauft haben von dem erwirdigen geistlichen herren hern Görgen apt zu Castell. und dem convent gemeinclich do selbs noch lawt und sag der hantvest die wir von in darüber innen haben vollen gewalt haben süllen. urkunde des klosters Castel (1403) monumenta Boica 25, 530; der zolner hat ouch keine gewalt ane gerichte. he muz ouch schozzen unde wachen mit den burgeren. Freiberger stadtrecht 40, 1 Ermisch. I@3@a@d@1@cc)) si viengen swen si wolden: des hêten si gewalt. Nibelungen 218, 1; ebenso 379, 3; ob ich gewalt des hête,si müese werden mîn wîp. 380, 4: wir haben deste grœzern ruon welln wir genâde an im begân, sît wir es nû gewalt hân. wære uns der gewalt verseit, sô wære ein ringiu arebeit daʒ wir im danne tæten wol. R. v. Ems der gute Gerhard 4306 ff.; got herre, sît diu kleinen kint von ir gebürte tages alt niht gar von sünden reine sint, wie wirt es danne umbe mich gestalt? des hât dîe barmekeit gewalt. Winsbeke 70, 5; wenn er en ist, wellin den sin nachkommin, und ich disz stæte habin, oder min kinde, so ist ez och stAete. nœder aber ez aindern will der hätte es gewalt. St. Galler urkunde von 1299 bei Zellweger 1, 1, 91. I@3@a@d@22)) die zielbestimmung trifft personen. I@3@a@d@2@aa)) der kreis der einschlägigen verbindungen ist nicht grosz, er beschränkt sich wesentlich auf gewalt haben: I@3@a@d@2@a@aα)) lîp unde sinnedie gap ich für eigen ir ûf genâde:der hât sie gewalt. Rudolf v. Fenis minnes. frühl. 82, 35; er möht ir sîne hulde versagen, swenne er wolde: nieman daʒ wenden solde, ob (der) man des wîbes hât gewalt. Wolfram Parzival 264, 19; uber alle dise vorgesprochene sache unde uber alliz daz recht, daz di beckere gehaben mugen mit innunge oder ane innunge, so haben die burger in di hoiste gewalt uber si. Freiberger stadtrecht 244 Ermisch. I@3@a@d@2@a@bβ)) sô junc ist nieman noch sô alt der sîn selbes habe gewalt, swer sînes mundes hât gewalt, der wîl mit êren werden alt. Freidank 52, 16. I@3@a@d@2@bb)) owê, owê hêr Tristan daʒ ich iuwer ie gewalt gewan. Gottfried v. Straszburg Tristan 10350 Bechstein, vgl. oben sp. 4920. I@3@a@d@33)) die zielbestimmung trifft ein concretes object. hier treffen mehrere verbindungen zusammen. I@3@a@d@3@aa)) gewalt haben: I@3@a@d@3@a@aα)) swenne in die paves wiet, so hevet he des rikes gewalt unde keiserliken namen. Sachsenspiegel 3, 52 Homeyer; der bercmeister hat ouch gerichte unde gewalt uber lip unde uber gut uf allem gebirge in des koniges lande. Freiberger landrecht 37, 1 Ermisch; der aller dinge gewalt hât, der ruoche dîner sêle phlegen. herzog Ernst 1314; die vleischower haben ouch eine innunge zu Vriberc in der stat. aber keine gewalt haben si an nichte den also vil, [] als in di burger verhengen, unde also, daz kein man vleischwerc sal veile haben ane innunge. Freiberger stadtrecht 43, 1 Ermisch. I@3@a@d@3@a@bβ)) ein iklich man hat gewalt uber sin gut, di wile he lebit. Freiberger stadtrecht 1, 11 Ermisch; und haben das thon durch gott und unser frawen willen verthAetlich und williglich, an der weil und zeit wir da desz und anders unsers guts gewalt und macht haben gehabt, und mit recht wol gethun mochten. urkunde über die gründung des Carmeliterkloster zu Abensperg (1392), Hund metropolis salisburgensis 2, 227. I@3@a@d@3@bb)) gewalt behalten: hat der tote man der frouwen di achczig marg zcu morgengabe gegebin sundir undirscheit, unde her im doran keine gewalt behalden hat in gehegetem dinge, so sullen ir di 80 mark volgen. Magdeburger fragen 1, 11, 3; gebit ein man und vorreicht in gehegetem dinge vor den scheppen eime andirn manne ein erbe noch sime tode ane undirscheit also das her im keine gewalt beheldet an deme erbe tzu tune und tzu lassene, diwile her lebit; so mag her di gobe nicht gewandiln noch entvremden noch entfuren deme, deme her di gobe sundir undirscheit noch sime tode gegebin hot. das alte Kulmische recht 4, 15 (Leman 106). I@3@a@d@3@cc)) gewalt geben: ich geschuof iuh nâch mînes selbes pilde; ich gab iu gewalt uber allez, daz ich gescaffen hat. predigten aus St. Paul s. 90; do got den menschen geschup, do gaf he ime gewalt over vische unde vogele unde alle wilde dier. Sachsenspiegel 1, 61 Homeyer; derstet der chlager auf den antwurter berait phenning mit einem rechten, wan im der richter phant wil geben, begert er sein, der richter schol in ens gewalt gen und berait phenning suechen und vinter dez, er schol seu dem chlager geben. stadtrecht von Brünn 402 Rössler. I@3@a@d@44)) die zielbestimmung trifft ein abstractes object. hier steht gewalt haben wiederum allein da, und die belege entstammen durchweg der poetischen sprache: der aller dinge gewalt hât, der ruoche dîner sêle phlegen. herzog Ernst 1314 Bartsch; sun, gip em, der dir hât gegeben und aller gâbe hât gewalt. Winsbeke 4, 2; enpflæge er sîner grillen und het ouch der gewalt! Neidhart 139 Keinz; swen der meie trœsten mac der leb âne herze swære; diu zît wart nu baʒ gestalt; so fröit mich kein sumer tac; niewan, wan diu sældebære, diu hat fröide an mir gewalt. Konrad der schenk von Landegge bei Bartsch 225; si hat maniger tugende gewalt, diu vil süeʒe, sælik reine, diu mich hat in senenden kumber braht, so ist ir twingen manikvalt, der die ich in triuwen meine: si lat mich verschinen in ir aht. v. Suonegge, in minnesinger 1, 194 Hagen; sie vreunt sich daz sie dich habent. (swer dich hât der hât aller wünsche gewalt.) David v. Augsburg, deutsche mystiker des 14. jahrh. 1, 373, 13. die ältere dichtung läszt in der verbindung wunsches gewalt (vgl. mhd. wb. 3, 819a), wunschgewalt (Lexer 3, 999) eine andere beziehung vortreten: mit wunsches gewalte segnite si der alte. genesis bei Hoffmann fundgruben 107, 23; zwêne riter gestalt sô gar in wunsches gewalt an dem lîbe und an den siten. Iwein 6916 (vgl. anmerkung). vgl. auch unter III 1. I@3@a@d@55)) eine bestimmte richtung hält der bedeutungswandel in solchen verwendungen ein, wenn die zielbestimmung in einem untergeordneten satz zum ausdruck kommt. hier nähert sich gewalt, ähnlich wie macht in solcher verwendung, der bedeutung 'vollmacht, erlaubnis', eine bedeutung, die vielfach durch verbindungen wie volle gewalt, vollkommene gewalt gekennzeichnet wird. wie sehr diese bedeutung auf der art und weise der eingliederung des nebensatzes beruht, zeigen entgegengesetzte verwendungen, in denen der nebensatz nicht die zielbestimmung anfügt, sondern etwa eine einschränkung nachträgt, vgl. ein iklich man, der hus unde hof hat, der hat gewalt und vride also verre, alse sine troufe vellet, daz da niemant gesten noch gevarn mac wider sinen willen. Freiberger stadtrecht 1, 34. I@3@a@d@5@aa)) nu ist dir der selbe gwalt verlaʒʒen den sant Peter din geselle hat daʒ er den suntæren die meintat mugit behaben olde verlan. litanei bei Hoffmann fundgruben 2, 228; [] her berichte dem pabise sinen stûl, als her von rechte solde tuon. her sazte im ûf die cronen — dit gab her ime ze lone — unde intfienc sie wieder von siner hant, unde lieʒ ime den gewalt, daʒ her immer meister were ubir alle irdische richtere. Trierer Silvester 364; wer gap dir, minne, den gewalt, daʒ dû doch sô gewaltic bist? du tringest beide junc und alt: dâ für kan nieman keinen list. Walther 56, 5; der furste gab ir di gewalt unde volleist aber me dan si mohte haben e, waʒ si ummer mere in godelicher ere gudes iht gedede, daʒ si des urlob hede nach allem irem mude. Elisabeth 2262 Rieger; wan Christus gab sant Peter den gewalt: 'waz dû pindest auf ertreich, daz ist gepunden in dem himel'. Konrad v. Megenberg 214, 35; wir Karl .... bekennen und tun chunt .... das wir unsern lieben getrun Cunraden von Valkenhein, unserm hauptman zu Bresslawe, und den ratluten der selben stat zu Bresslawe vollen und ganczen gewalt und auch maht gegeben haben .... ze rihten .... ber alle die, die unser juden ... ermrt und erslagen haben. (Bautzen 21. februar 1350) archiv f. österr. gesch. 31, 110. I@3@a@d@5@bb)) hat ouch der man uff das steende erbe vor gehegittem dinge czinse uffgesaczt, das mus di vrowe ouch an irem teile ledegin, noch dem mole als her der gobe czu thunde unde czu lossene gewalt hatte im behaldin, di wile her lebete. Magdeburger fragen 2, 2, 12a; auch habent reich und arme diszer stat Augspurg in dien gewalt vorbehebt, das man dehain grosz guote von dem commune diser stat, das ist über zwaintzig guldin nicht ussgeben, versprechen noch verhaissen sol. rathsurkunde über die erhebung des ungelds in Augsburg 1398 (d. städtechron. 4, 164). I@3@a@d@5@cc)) I@3@a@d@5@c@aα)) ez enlebet dehein muoter barn wan daʒ der geist den gewalt habet daʒ diu sêle alterseine lebet. Crescentia 49, 38 Schade; die von gote den gewalt heten, daʒ sie irquicten die toten. Trierer Silvester 841; etelîche hânt die gewalt daʒ sie sich mugen verstellen in swaʒ dinge sie wellen. Albrecht v Halberstadt 20, 10; die unselige heidenschaft hete in der zit den gewalt, daʒ manic cristen wart gevalt, den man leitlichen sluc. passional 25, 13 Köpke; wer sint die lûte? daz sint die êwartin. die habint den gewalt von gote, daz si den menschin ir sunti vergebin mugen, bintin, swen si wellint, lôsin swen si wellint hie in dirre werelt. verror gereichet ir gewalt niht. got hat eine den gewalt, zegebenni ieglichem nach dem tôde gnâde oder ungenâde. von diu ist unsers herrin tac nâch unserme tôde. denni sint diu mennischen in gotis gewalt. speculum ecclesiae 49. I@3@a@d@5@c@bβ)) des bâbstes brief man dô las, an dem man sach unde hôrt des bâbstes willen unde wort, daʒ die drî die ich hân gezalt, von im heten den gewalt den erwelten ze bestætigen. Ottokar österr. reimchronik 22397. I@3@a@d@5@c@gγ)) so hevet die vrone bode gewalt, dat he panden unde bestedegen mut, unde vronen jewelken man unde sin gut mit rechte, dar he mit ordelen to gegeven wert. Sachsenspiegel 3, 56 Homeyer; hat ein man ein hus, das cinshaft ist, unde koufet ein ander hus bi im darzu, daz ouch cinshaft ist, unde brichet di husere zusamene, di zwene cinsmeistere haben gliche gewalt zu pfendene uf deme sinen also verre, alzo daz went, unde nicht uffe des anderen. Freiberger stadtrecht 1, 25 Ermisch; der bercmeister hat ouch zu rechte di gewalt, daz he vrie genge sal lien in dem lande uf unde nider. 37, 12; der (der vogt) hat den gewalt, daz er in suochet, unde sol im der wirt tür unde tor ûf tuon unde sol im daz niht wern. Augsburger stadtrecht 28; hinder dem Nochstain hat der richter ganzen vollen gewalt ze richten tief, morde und das pluet und umb all sach. stiftrecht des gotteshauses von Chiemsee in der Koppel (1405), österr. weisth. 1, 109; so sullen [] die fiere, die alle iar von der gemeinde gekorn werden, gewalt haben, daz sie alle bruche in judischim rechte berichten sullen undir in. (Schweidnitz, 21. märz 1370) archiv f. österr. gesch. 31, 131. I@3@a@d@5@c@dδ)) wo er vollen gewalt und fuegs urlub haben soll, mit denselben stucken, und guetteren ze werben und ze wandlen, mit lässen, mit haben, mit schaffen und mit thun, ze end siner will, was er wull. dipl. comitum de Montfort (1395) Herrgott geneal. Habsburg. 22, 773; oder ob der vorgeschriben artikel einer, oder sie alle also nicht gehalden würden, als oben geschriben stet, so hat er oder sein erben, oder sein getrewehander maht unde gewalt, die hernach geschriben man zu leisten. urkunde burggraf Friedrichs zu Nürnberg (1373), monum. Zoll. 4, 242; darumb geben wir ... dem burgermaister ... und gemeinen rat der vorgenanten statt zu sant Gallen ... vollkomen recht und gewalt mit urkund und krafft dis briefs .., daszelb reht ze erforderen. (1403) Zellweger urkunden 1, 2, 46; und sOellent die zalschillinge, die rechenschillinge, die schillinge von angonden und abgonden meistern, die hosen, die 10 gulden oder fünf pfunt pfennige, die man ir iegelichem iors zu vertrinckende gap, ganz und garwe ab sin und sol kein meister, ammanmeister noch der rat weder maht noch gewalt haben in ützit vürbasser oder anders zuo erloubende in deheinen weg. neuordnung der stadtverwaltung in Straszburg (1405) bei Eheberg 1, 21. I@3@a@d@5@c@eε)) an swem Oech die ungelter ir ungeltes nit wol sicher sint, des si sich versehent, dem suln si nit ufslan fúr zwei pfunt, und suln danne dez gewaltes sin, daz si im sin kelr besliessen mit des rates knechten. Züricher stadtbücher (1342) 1, 95. I@3@a@d@5@c@zζ)) er sprichet. ez ist iwers gewaltes niht, zewizzenne die cît oder die wîle, die min vater in sîner gewalt hât. non est vestrum nosse tempora et momenta, que pater posuit in sua potestate. speculum ecclesiae 143 Kelle. I@3@a@eε) die verengerte bedeutung 'vollmacht', die sich in den letzt belegten verbindungen entwickelt hatte, bleibt an dem worte auch auszerhalb dieses engeren rahmens haften, namentlich in präpositionalverbindungen und im besondern in der verbindung mit gewalt. in dieser sind auch etwas weitere vorstellungen, so die bedeutung 'zustehendes recht' mit dem worte verknüpft. I@3@a@e@11)) die bedeutung 'vollmacht': I@3@a@e@1@aa)) beklaget ein vormunde von siner gewalt wegen einen man umme eine sache unde antwertet im der man der sache, iz si worumme iz si, biz an ein ende, ist daz denne, daz der vormunde ufgibet sine gewalt, als recht ist, unde sprichet, he wolle nicht me vor in antwerten, unde tut daz, ee in ienre mit klage begrifit umme diselbe sache, da he im vor umme schult hat gegeben, he darf im nicht antwerten zu rechte. Freiberger stadtrecht 25, 2 Ermisch. I@3@a@e@1@bb)) ich Hilpolt von Maiental, lantrichter zu Nurenberg, tu kunt mit disem brief, daz für mich kome in gerichte Ulrich Stromair zu Nurenberg bei unser frawen capeln gesezzen anstat und mit vollem und gantzzem gewalt, den er noch reht uebe ist, der richter, der scheppfen, des ratz und der burger gemeinclichen der stat zo Kœln. aufhebung der reichsacht über die stadt Köln (1386) bei Ennen quellen z. gesch. d. stadt Köln 5 nr. 377; dasz fur uns quamme daselbst in gericht der geistlich bruder Friderich von Lobenberg ... an stat und von wegen des ersamen Friderichs, apts und des convents zu Kempten, und mit irem gantzen und vollin gewalt, derselbe gewalt auch da vor uns in gerichte mit derselben apts und convents offen briefe und insiegeln redelich bewiset ward als recht ist. urkunde von 1403 bei Haltaus 696; dasz fur mich kame in gerichte Johannes Seereuter, an statt von wegen mit vollen und gantzen gewalt des hochgebohrnen fursten ... den er nach recht beweist. dipl. judicii provinc. Norib. an. 1403 ebenda. I@3@a@e@22)) die bedeutung 'zustehendes recht': I@3@a@e@2@aa)) wir .. ratman .. tun czu wissen .. daz wir von sundirlichim gebot und bevelunge unsers herren des keizirs ... sichirn und globin allen den Juden, di iczunt in der stat czum Gor wonende sin und in czukumftigen cziten darkomen czu wonen, also, daz si hi czwischen und dem nesten sante Walpurge tag der kumftig ist, und dornoch von dem selben sante Walpurge tag ubir czwei gancze jar in der selbin stat czum Gor wonen mögen, umbeswert beide, an bete, beschaczunge, gewalt und geschosse. (Breslau, 19. februar 1359) archiv f. österr. gesch. 31, 125. I@3@a@e@2@bb)) ab ein man clagete von sines wibes wein czu einer [] frauwen umme ein erbe, das si anirstorben ist von irem rechten eömen, das hette si sich undirwunden unde sesse dorinne mit rechter gewalt unde bette also gerichtis unde gerte der antwort. Magdeburger fragen 1, 4. 5 Behrend; wann ainer ainem andern ain urtail für das recht traid, so muess, der di urtail fürtraid des andern prüef haben, der die urtail bei im gesambt hat, und muess der prüef sagen, das der man di urtail fürtrag mit vollem gewaldt in allem dem rechten, sam ener selbs da wär. steiermärkisches landrecht artikel 10 Bischoff; unde konig Johans son von Beheim genant Carolus quartus der vurleif romischer konig unde wart keiser mit rehter gewalt. Limburgische chronik 30. I@3@a@zζ) die personification des begriffes. I@3@a@z@11)) im allgemeinen wird die personification durch mehrere der bisherigen verwendungen so gut vorbereitet, dasz die weiterentwicklung rasch einsetzt; im besondern ist auszerdem für die beziehung auf gott eine solche schon in der theologischen litteratur überliefert. nach der scholastischen lehre, wie sie Augustin entwickelt hatte, wie sie der bischof Hildebert v. Mans, der dem deutschen dichter des 'anegenge' die vorlage bot, eingehender ausführt, sind macht, weisheit, güte namen für die substanz gottes. sie kommen den einzelnen personen der gottheit in gleicher weise zu, sehr oft sei aber in der heiligen schrift unter 'macht' der vater, unter 'weisheit' der sohn, unter 'güte' der heilige geist verstanden, vgl. Kelle (zum anegenge) 2, 111; hierauf beruhen folgendefür sich selbst betrachtet weniger einleuchtendeverwendungen; den wîstuom schouwet Cherubim. di guote minnet Seraphim deme gewalte dienent di trône. bücher Mosis 3, 19 Diemer; ähnlich anegenge 36, 63; ouch het der weistum die ere. swaz er geordenote. daʒ der gewalt und diu gute. des nicht widern salte. anegenge 8, 62 Hahn; der sun ordenot elliu dinc. als si noch immer mere sint. ê icht geschaffen wære worden. doch het er den orden. vil gærlich verlorn. het unz der gewalt nicht geborn. do tet der gewalt durch den suon. der da ist sein weistuom. daʒ er guten machte. nach des weistuomes achte. 6, 39; der vater ist. der gotes gewalt. der wirt von rechte der zu gezalt. 5, 11; ähnlich (mit dem reim gewalt: gezalt) 5, 81. 6, 7; die engel beschuoff d'gotes giwalt. durch seiner gute einvalt. 3, 79; do sprach der gewalt zedem weistum. wie er im sein stat solde tuon. 6, 57. 8, 51 u. a. I@3@a@z@22)) annäherung an die personification auf grund der bisher belegten verwendungen. I@3@a@z@2@aa)) aus der geistlichen litteratur: an dir, ewigir vater, stet der gewalt des werch die sint manichvalt. litanei bei Hoffmann fundgruben 2, 216; mit des gewaldes prise warf in din gerechtekeit do zu maniger arbeit. passional 2, 6; einen namete er engele, den andern hochengele, den dritten gestuole, den vierden herscefte, den vinften namete er gewalte, den sehsten fursten, einen namete er cherubin, den anderen seraphin. genesis bei Hoffmann fundgruben 2, 11; aller künege ein keiser grôz. âne gelîchen genôz, aller herren ein gewalt, den eine in einer drîvalt diu menscheit anbeten sol. R. v. Ems Barlaam und Josaphat 50; die ordenunge (ordnung der engelchöre) dar enmitten in drou sich ouch geteilet hat als der gotliche rat uf sin lof si hat geschaft gewalt vursten herschaft. passional 339, 74 Hahn. I@3@a@z@2@bb)) in der dichtung greift sonst der allgemeinere begriff mit der personification über den rahmen von potestas, macht hinaus, hier liegen mehr berührungen mit der bedeutung 'kraft, zwang' (sp. 4938) vor: fruo grîsen, ê zît alten muoz ich von disem hunde, ich mein den hunt Gewalten, des ich mich leider nie entslahen kunde. er tribet Helfen ab mit sînem schalle, ach, ich besorge in leider, daʒ er gewalticlîchen an eʒ valle. Hadamar v. Laber die jagd 546; [] al von den storken wirt dô langer niht gebiten, sie fliegent alle mit im heim und haltent ganz gerihte. diu gewalt gêt dann übr die storkinne. Kolmarer meisterlieder 58, 22. I@3@a@z@2@cc)) personification des staatsrechtlichen begriffs: alsô schol in ainem iegleichen convent sein ain haupt, dem man volg an witzen, und ain gewalt, der twinge. K. v. Megenberg 185, 14 Pfeiffer; er bevalech sinen mannen die wol redinen chunden, ub in sin brder gagente unde si vragete wer si waren oder weme dei scolten den si volgeten, daʒ si denne sprachen vile gezogenlichen 'din scalch Jacob sante dir dise gebe guot. er chumet selbe zuo dinere gewelte. waʒ ube ime got gebiutet daʒ er mich arges vermidet'. genesis bei Hoffmann fundgruben 2, 47, 33; ab sich ein radmann, scheppe, meteburger adir ein gemeine man zcu hove libete adir hilde unde das schickete adir irworbe, das der stat recht adir hantfesten gebrochen worden von gewaldiger hant oder koniglicher gewalt, was sin broch were. Magdeburger fragen 1, 1, 15 (Dresdener handschrift, in andern fehlt koniglicher gewalt); ein man besessende habin elich wip und kinder, der hinge sich in sime husze unde das queme zcu wege von czweifel adir von rechter torheit. dorczu so queme dez dirhangen diner einer unde hip in abe und legete en nedir. hirnoch so gingen des dirhangen frund zcu der koniglichen gewalt durch der minsten unlust wille unde betrupnisz unde beten, das man den toden muste begraben. 3, 6, 2. I@3@a@z@2@dd)) für die personification auf grund der privatrechtlichen verwendungen lassen sich zwei ausgangspunkte feststellen: gewalt = besitz, gewahrsam und gewalt = vollmacht. aus der einen richtung ergiebt sich hierfür die bedeutung 'diener, schutzverwandter', aus der andern diejenige von 'bevollmächtigter'. beide richtungen treffen wiederum in der viel belegten verwendung für 'bevollmächtigter diener, untergeordneter stellvertreter' zusammen. manche der einschlägigen belege scheinen nach form und bedeutung die zurückführung auf das schwache nomen agentis nahe zu legen, das in anwalt vorliegt, vgl. theil 1, 513. dem gegenüber wird durch das femininum, das an den entsprechenden mitteldeutschen beispielen durchgängig beobachtet wird, die ableitung von unseren nomen actionis unzweifelhaft gesichert. I@3@a@z@2@d@aα)) hat ein man gesinde, iz si knecht oder mait, di in sinem brote sin, he habe si gemietit oder ungemiettit, di heizen sin gewalt, also daz he vor si klagen unde antwerten mac, ab he wil. Freiberger stadtrecht 257 (49, 5); cetar uber einen Herman, der mine gewalt Cunrate gewunt unde gewatschart hat. 194 (30, 10); ez sein ze rat worden die burger durch gemaines frides willen, daz fürbaz dehein burger noch sein gewalt oder sein untertan nicht turniren sol weder hie noch anderswa. (Nürnberg 1362) d. städtechron. 1, 475. I@3@a@z@2@d@bβ)) gewalt, procurator, vicarius, per meton. adiuncti. Haltaus 697; swelch man des anderen vormunde wirdet, der mac vor in antwerten alse lange, als in lustet. beklagit in ein man umme eine marc in unde sine gewalt unde he antwerte des unde he beklage in danach umme cehn marc an derselben stat unde he spreche, he ne wolle nicht me vor in antwerten, des mac nicht gesin zu rechte. Freiberger stadtrecht 35, 1 Ermisch; ist, daz ein man pfandunge irteidinget uf einen vormunden unde uf sine gewalt, so sal der richter pfandes helfen zu deme vormunden unde zu siner gewalt. 147; ist aber, daz die vrowe vor kumet di rechtschuldige mit irer gewalt, so sal der vorderer den voit biten, daz he si vrege, wi si sich irvarn habe. 142; so muz der vorderer schult geben der vrowen also: 'her richter, he klaget uch zu der vrowen und zu irer gewalt Cunrate, daz si quam unde ir gewalt an di stat, da Heinrich unde sin vrunt Friderich vride unde genade solde haben unde brach den vride an im unde an sinem vrunde ...' nu mac sich di vrowe biten zu irvarne an irer gewalt umme di sache, als he ir schult hat gegeben mit rechte, ab si wil. 23, 3. I@3@a@z@2@d@gγ)) he klaget uch uber einen Rudiger, daz der quam an di stat, da der richter unde sine gewalt Cunrat, der in uf den heiligen gewunnen hat, vride unde genade solde haben, unde was an volge unde an geverte, da sine gewalt gewunt unde gewatschart wart, unde brach den vride an im unde an siner gewalt. Freiberger stadtrecht 192 Ermisch; wo die munzmeistere einen man ufhalden mit valschen pfenningen oder mit valschem silber, iz si uffen velde oder in der stat, den sullen si brengen dem richtere oder siner gewalt zu huse [] unde zu hove mit denselben pfenningen. 7, 1, ebenso 19, 9 u. a.; darnach steet der schultheis oder sein gewalt, der den ban hat, auff, etc. brücken-gerichts-ordn. zu Würzburg, Haltaus 697; daz für mich kom in gericht der gewalt des conventes ze Holsprunne. Nürnberger urkunde von 1303, ebd. 697; wir lazzen iwch wisen daz dem erbernn weisen Hartman Ansorgen dem eltern diu ander clag hincz ertailt worden ist ieczund vor uns auff dem lantfrid tz Kirchain under Tegg an dem nehsten afftermentag vor sant Ulrichs tag umb daz ir dez lantfridz gemant worden sind von Hartman Ansorgen wegen tzu frischer tat, do man im daz sin fr iwch getriben und gefrt hat, daz im Jacob Bütrich und sin gewalt räplich genomen hat, daz ir nicht darczuo getan hand alz der landfrid stat und ausweist. (Kirchheim 1393) d. städtechron. 4, 189; also dasz wir und all unser erben ... sie daran nichts bekrAenken, leidigen noch beschweren, noch keinem unsern gewalt, noch amptman, und wie der genandt sein mag, noch keinem unserm diener gegenwertigen oder knfftigen ... si mit weltlichen rechten, noch on recht, noch mit gewalt anzufallen, noch sie zu hindern, zuleidigen noch zu beschweren nit verhengen. gründung des Carmeliterklosters zu Abensperg (1392), Hund metropolis Salisburgensis 2, 225 f.; und welche wir dan oder unser gewalt us den die also kamen zu sulchem unsern hoffgericht zum rechten nidersizen heissen. in unione inter epist. Herbip. et capitulum an. 1422, bei Haltaus 697. I@3@a@hη) die objectivierung des begriffes wird ebenfalls durch einige der bisher belegten verwendungen vorbereitet, sie bleibt jedoch in den belegen mehr vereinzelt. I@3@a@h@11)) poetische übertragung: alz Protêus ûz dem mer dicke kumt zu lande her. der mac verschaffen sîn gestalt an manecvalden gewalt wand er wart eteswanne zu louwen ûz manne. Albrecht v. Halberstadt 20, 16; zeinem boume wart sie dan, dâ hangt er mit den armen an — die mêre maget wart gestalt an den dritten gewalt als ein wisent vreissam, daʒ sîn Pelêus erquam und lieʒ von im die hende zu sîner missewende. 24, 181. I@3@a@h@22)) der staatsrechtliche begriff gewalt = dominium: eʒ wâren disiu driu lant .. daʒ dâ er den grâven sluoc, und abe des wênigen man von dem er die wunden gwan, und des künec Artûses gwalt disiu driu schiet niuwan der walt. Erec 6756; der hôhe bois hiez sîn gewalt. 1937; hie mite bat er sich wîsen hin, dâ des vâlandes barn mit dem roube solte wider varn. Tristan zehant bewîset wart vil rehte ûf Urgânes vart in einen harte wilden walt, und stieʒ der an des risen gewalt des endes, dâ der roup ie über eine brucke wider gie. Gottfried Tristan 15970. I@3@a@h@33)) entwicklung aus den privatrechtlichen verwendungen. I@3@a@h@3@aa)) gewalt = bevollmächtigungsschreiben: mit namen so hatte der romesche konig und konig zu Behemen genant Wenzelaus sine gewalt dar gesant. Limburger chronik 93. I@3@a@h@3@bb)) gewalt = besitzobject: deme manne oder dem boten sal man volgen zu rechte biz zu dem huse und sal vregen den, uf den he geiehen hat, ab he im di pfenninge gegeben habe. sprichet: 'ia', so ist der bote ledic. unde so mac man suchen mit rechte in deme huse und in siner gewalt in kasten, in kamern unde allen enden, ab man der pfenninge icht me vinde. Freiberger stadtrecht 38 § 3 Ermisch; ist aber, daz der herre oder di vrowe loukenen der pfenninge, daz si dem manne oder deme boten icht gegeben haben, so sal man da nicht suchen zu rechte in keiner siner gewalt. § 4. I@3@bb) die abgrenzung von gewalt und kraft. es sind nur wenige beispiele, die für die mittelhochdeutsche periode in betracht kommen und auch diese sind nicht immer ganz sicher, denn die bedeutungsannäherung an den begriff der 'kraft' erwächst mehr dem jeweiligen zusammenhang, in dem das wort occasionell gebraucht erscheint, als dasz sie mit bestimmten festen verbindungen gewohnheitsmäszig verknüpft wäre. [] I@3@b@aα) gelegentliche verwendungen. I@3@b@a@11)) in verbindungen mit dem substantiv 'kraft' oder mit einer ableitung von diesem zeigt sich für gewalt oft noch ein weiter abstand gegen die neue bedeutung. trotzdem sind gerade diese geeignet, die annäherung zu entwickeln: si wâren liute, als ir nû sît, wan daʒ ir krefteclich gewalt was michel unde manicvalt von kriutern und von steinen. Konrad v. Würzberg troj. krieg 861; Alphâ et Ô, künec Sâbâôt, got, des gewaltes kraft gebôt leben ân urhap. R. v. Ems Barlaam und Josaphat 1 Pfeiffer; swenne das harn ist rôt unde dicke, daz bediutet daz daz bluot rehte chraft unde guoten gewalt hât in dem lîbe. zwei arzneibücher aus dem 12. u. 13. jahrh. 2, 1b, Wiener s. b. 42, 128. I@3@b@a@22)) in anderen fällen ergiebt sich die bedeutung 'kraft' aus der art und weise des substantivs, das als träger der gewalt erscheint: da ergienc ein sölhiu hôhgezît swer der hât gelîchet sît, des hant iedoch gewaltes phlac. Wolfram Parzival 102, 25; daz der peinn kaiser kainen angel hab, dâ mit er stech, sam die andern peinn habent, wan er ist genuog gewâpent mit seim gewalt, den er hât. Konrad von Megenberg buch der natur 288, 31 Pfeiffer; ez (das cinamom) hât die maht, daz es anderr wolsmeckender ding gewalt widerdruckt. 362, 23. I@3@b@bβ) aus der letzterwähnten verwendung scheinen zuerst auch feste verbindungen sich abzulösen, hierher gehört z. b.: er (Sigfrid) wolt in (Liudgast) füeren dannendô wart er an gerant von drîzic sînen mannen:dô werte des heldes hant sînen rîchen gîselmit ungefüegen slegen .. Liudgast der reckewas gefüeret dan von Sîfrides gewaltezuo Guntheres man. Nibelungenlied 192, 2. I@3@b@gγ) auch in der präpositionalverbindung mit gewalt läszt sich die annäherung an die bedeutung 'kraft' nachweisen, die hier freilich von den beispielen für violentia schwer abzugrenzen ist: I@3@b@g@11)) ouch vant ich einen brunnen kalt dâ under grüenem boume, der eine mülen mit gewalt wol tribe an sînem stroume. Konrad v. Würzburg klage der kunst 1, 7 Joseph; ir vröut iuch junge und alte, der Meie mit gewalte den Winter hât verdrungen, die bluomen sint entsprungen. Neidhart 8, 13 Keinz; ich bin in den wîngarten brâht durch bûwen houwen unde jeten, und hân mich leider überdâht daʒ ich vil fruo wart dar gebeten, daʒ ich den rât hân übertreten und hât das alter mit gewalt in sînen stric mich sô geweten daʒ ich verslâfen hân die zît. dâ von muoz ich ze danke nemen ein lôn daʒ mir der meister gît. Winsbeke 67, 6. I@3@b@g@22)) die brut sprach aber mit gewelde: dilectus meus candidus et rubicundus electus ex milibus caput eius aurum optimum. Brun von Schonebeck 7634; der keiser hiez allerwegen den christen schaffen gemach. mit gewalde er do sprach ein wort an dem ersten tage, do im zurgienc sin notklage, und er den gotes touf enpfie. passional 69, 92 Köpke. I@3@b@g@33)) die reine was iesa zu stunt von godelicher minne wunt, wande ein bitterlicheʒ swert was durch ir zarten sele wert mit gewalt gedrungen. Elisabeth 965 Rieger. I@3@cc) die bedeutung von violentia. wie im lateinischen vis und violentia einen gegensatz zum ausdruck bringen, der aus einer wurzel erwächst, so hält auch der begriff der 'gewaltsamkeit', der sich in zahlreichen verbindungen und redensarten ausprägt, vorstellungen zusammen, die in mannigfacher sonderentwicklung einander gegenübertreten. als mittelpunkte neuer gruppen lassen sich hier vor allem zwei hauptbegriffe scheiden: eine kraftfülle, die jeden widerstand niederzwingt, und eine anwendung der macht, die das recht beugt. so ergeben sich die bedeutungen 'zwang' und 'unrecht', die in der mittelhochdeutschen periode ihre eigenen kreise für die verwendung des wortes gewalt ziehen. beide führen im grunde auf die bedeutung 'macht' zurück in [] jenem engeren sinne, wie wir ihn oben an gewalt nachgewiesen haben; es sind nebenumstände, begleitmomente, die zur sonderentwicklung drängen. in einem falle fällt der schwerpunkt auf die wirkung und den thatsächlichen erfolg bei der ausübung, im anderen falle wird diese ausübung an dem maszstabe des rechtesweltlichen oder göttlichen ursprungsgemessen oder besser an recht und moral. diese letztere entwicklung ist vielleicht die ursprünglichere und frühere, sie liegt schon in den sp. 4915 aus dem Tatian und sp. 4919 aus Notker belegten beispielen vorbereitet vor. die erstere ergiebt sich ungezwungen aus der präpositionalverbindung mit gewalt. I@3@c@aα) die bedeutung 'widerstandskraft, zwang'. I@3@c@a@11)) entwicklung aus der präpositionalverbindung mit gewalt: I@3@c@a@1@aa)) 'waʒ mag uns gewerren?'sprach dô Sîfrit. 'swaʒ ich friuntlîcheniht ab in erbit, daʒ mac sus erwerbenmit ellen dâ mîn hant, ich trouwe an im erdringenbeidiu liute unde lant'. dô sprach der fürste Sigmunt'dîu rede ist mir leit .. mit gewalte niemanerwerben mac die maget'. Nibelungelied 58, 1; zwei auffassungen sind hier für die verbindung möglich; der einfache gegensatz zu friuntlîche, vgl. z. b. alleʒ daʒ ich ie gewan, mönt ich daʒ mit gewalte hân, daʒ wolde ich dar umbe geben, sold ich dir bî sîn gelegen. Laurin 1744 Müllenhoff; und die besondere beziehung auf die entfaltung kriegerischer macht. I@3@c@a@1@bb)) diese letztere wird durch eine reihe von verwendungen nahegelegt und führt zu besonderen prägungen: I@3@c@a@1@b@aα)) 'sô hât hie mangen soldier von Normandie Gaschier, der wise degen hêre. noch hât hie rîter mêre Kaylet von Hoskurast, manegen zornigen gast. die brâchten alle in diz lant der Schotten künec Vridebrant' ... der gast zer wirtinne sprach mit ritters sinne 'saget mir ob irs ruochet, durh waʒ man iuch sô suochet zornlîche mit gewalt'. Wolfram Parzival 26, 5. I@3@c@a@1@b@bβ)) er kom uf daʒ palas, dâ der kunic Philippus was: ... Dêcius mit gewæfen, der cunic mit almuosen. Dêcius mit gewalte, der cunic mit ainvalte. kaiserchronik 6137 Schroeder (variante gewalt); duo vrouwite sich der junge man, daʒ er diu rîche al gewan. her vuor duo mit gewelte ci Rôme, suî so her wolte. Annolied 463 Rödiger; die heidenen dachten ubile: sie wanden mit gewalde in romischeme lande al iren willen volle bringen; dar nach begunden sie vaste ringen. Trierer Silvester 546; des erlôste sie Hercules und eischete ze lône des, daʒ er ir balf daʒ sie genas, eine stût die gelobet was. durch die wart anderweide Lâomedon meineide. der untrûwen er untgalt, daʒ Hercules mit gewalt Troye belac und abe gewan. Albrecht v. Halberstadt 24, 113. I@3@c@a@1@b@gγ)) zuo den rossen gienc der degen. dannoch was dâ nieman bî. ûf sâʒen si dô alle drî und riten dan mit gewalt, sô daʒ mit den recken balt nieman streit noch envaht. herzog Ernst 1319; dô sich der herzoge sus gewach und der künec daʒ gesach daʒ sîn neve tôt was und der herzoge genas und mit gewalt enwec reit, daʒ was im ein herzeleit. 1355; der vurgenante grebe Engelbrecht was so hochmudig unde wolgefrunt unde entboit einen mant vur dem bischofe von Colne, daz he in mit gewalt in sime lande oberzigen unde oberriden wolde. Limburger chronik 84. I@3@c@a@1@b@dδ)) da flugen si wider enweg unde qwamen vur Straspurg unde alle in dem lande umb unde Elsaszen me dan zwene [] mande mit ganzer gewalt unde vurdarften daz lant jemerlichen. Limburger chronik 71; in der zit irhup sich der erwerdige furste her Cone von Falkenstein erzebischof zu Trire mit groszer moge unde gewalt unde hisch di name widerumb, di in sime gebide unde geleide geschen was. 62; unde lag der konig mit sime selbes libe zu velde mit groszer gewalt mit solicher herlicheit und herschaft, als sit her an disen dag numme gesehen wart in Duschen landen. 81, ebenso 68; unde dez zoch der vurgenante lantgrebe Heinrich mit groszer gewalt vur eine burg di hisz Haldersen. 38; di zogen mit ein me dan mit sibenzig dusent rittern unde knechten mit groszer gewalt ober den herren von Meilan. 55; unde zog der keiser ober in mit groszer pompen unde gewalt, unde gewan he ime vil lant unde lude ane. 48; da zog di frauwe ein herzoginne von Brabant ober den herzogen von Geller unde herzogen zu Gulch mit groszer gewalt unde herschaft. 95. I@3@c@a@1@b@eε)) so doch behilt Adolf bischof vurgenant das bischtom zu Menze genzlichen mit allen schlosszen, landen unde luden mit rechter gewalt wider den babest, den keiser unde alle marcgreben von Missen. Limburger chronik 68; unde gewonnen das huis binnen eime halben dage, unde was in dem erne unde daden daz mit rechter gewalt ober heupt. 50; item in disen ziten da zoch lantgrebe Otto, lantgreben Henriches son von Hessen vurgenant, ober einen abet von Fulde mit zwelf hundert gleven unde lag virzen dage in sime lande mit rechter gewalt. 49; unde fur ober Rin in das Bungowe unde lag darin mit rechter gewalt zu velde zehen dage und zehen nacht. 84. I@3@c@a@1@b@zζ)) daraus erwächst am ende eine objectivierung, die über die bedeutung 'kriegsmacht' zu der von 'kriegsschaar, menge' führt: unde hatten ir moge unde gewalt alda vur Elnerhusen ligende unde helligten si mit den groszen bossen, mit bliden unde mit andern sachen, also daz nit wol spise doruf mochte komen, bit daz si di burg unde den dal gewonnen mit rechter gewalt in dem jare darnach uf den ersten dag julii des mandes. Limburger chronik 90; item da man schreip dusent druhondert unde zwei unde nunzig jar da was der romische konig Wenzelaus genant unde konig zu Behemen vigent der von Straszburg, unde sin gewalt zug vur Straspurg. 85; daʒ dritte was ouch wol getan einem manne wol glich daʒ warf, uf den esterich blumen harte manicfalt und hette an blumen sulchen gewalt swie vil ez ir nîder sprete daʒ ez ir ie mer hete. Herbort v. Fritzlar trojanischer krieg 9343. I@3@c@a@1@cc)) der weitere begriff: die bedeutung 'widerstandskraft gegen hemmnisse aller art': I@3@c@a@1@c@aα)) waz half dô sîn sterkeund ouch sîn kraft, wan si im erzeigteir lîbes meisterschaft? si truoc in mit gewalte(daʒ muos et alsô sîn) und dructe in ungefuogebî dem bette an einen schrîn. Nibelungenlied 620, 3; gedanken nâch der künegin begunden krenken im den sin: den müese er gar verloren hân, wærʒ niht ein herzehafter man. mit gewalt den zoum daʒ ros truog über ronen und durchez mos: wandez wîste niemens hant. Wolfram Parzival 224, 19; Laurin der könig also reich schlug mit gewalt hern Dieterich das im sein fessel riem zerbrach. Laurin 2360 Schade; und jn der ungefüge stich mit gantzer krafft und auch gewalt hernider zu der erden falt. 551. I@3@c@a@1@c@bβ)) diu gewaltærinne minne diu was ouch in ir sinne ein teil ze sturmelîche komen und hæte ir mit gewalte genomen den besten teil ir mâʒe. Gottfried v. Strazburg Tristan 962; die frouwen nâmens mit gewalt und lêrtens tugend manicvalt. Enikel weltchronik 20671 Strauch; da brachen si den vride an im unde an sime gute unde roubeten im daz abe mit gewalt. Freiberger stadtrecht 134. I@3@c@a@1@c@gγ)) ab imand sinen schuldiger, der im entgehin wolde, moge begriffen, so her den richter noch sinen botin nicht gehaben moge, unde mit gewalt uffgehalden moge adir vor [] gerichte brengen adir was recht sei. hiruff sprechen wir scheppin zcu Magdeburg recht: nimand mag mit gewalt sunder den richter adir richters boten sinen schuldiger uffgehalden. Magdeburger fragen 2 cap. 2, 20; werdet oc en man mid ghewald unde sunder sculd. an eneme huse besloten. wert we des vorwunnen. de betere deme beslotenen XII marc. Wisby stadslag 1, 52 § 9 Schlyter 8; und namen den man, den daz gerichte vurorteilet hatte, unde furten in mit gewalt in di stat zu Collen, unde meinten, daz si in irlosen wolden. Limburger chronik 61 Wyss. I@3@c@a@1@c@dδ)) ab ein man vor gehegit ding worde brocht, deme eine dube, welcherleie di were, warde uff den hals gebunden unde also der selbe mon brocht vor gehegit ding, derselbe spreche unde clagete, di dube were im mit gewalt uffgebunden, e denne der cleger sine clage stellte. Magdeburger fragen 3, 2, 1 Behrend 188; also behilt her Cone erzebischof mit gewalt sinen willen unde nam in lant, lude und daz far ober Rin lit an disen hudigen dag. Limburger chronik 62. I@3@c@a@1@c@eε)) wer ain iunkfrawen oder eczleiche frawen mit gewalt und unkewschlich niderdruckt unde notzerret, den schol man enthawpten. Iglauer stadtrecht, artikel 55 Tomaschek 248. I@3@c@a@22)) von dieser präpositionalverbindung aus nimmt 'gewalt' auch in andere verwendungen eine ähnliche bedeutung mit. freilich liegen hiefür aus der mittelhochdeutschen zeit nur wenige beispiele vor; sie lassen mit ausnahme der oben für die objectivierung angeführten belege durchweg den gegensatz gegen vriuntlîche in allgemeinster fassung hervortreten. I@3@c@a@2@aa)) verbindung mit verwandten präpositionen: dô underwunden si sich sint des landes unt der bürgeunt maneges recken balt: daʒ muos in sider dienenbêdiu durch vorhte unt gewalt. Nibelungenlied 171, 1 Zarncke; ob mich der kunic noch vertrib daʒ hûs ich wærlich nieman gib durch sîn gewalt noch durch sîn kunst. Ottokar österr. reimchronik 5761. I@3@c@a@2@bb)) freie einbeziehung in das satzgefüge: dô der künic Guntherbat und ouch gebôt, si habten ûf mit swertenin des strîtes nôt. daʒ was gewalt vil grôʒerdaʒ dâ niemen sluoc. er vrâgte den von Berneder mære schiere genuoc. Nibelungenlied 1927, 3 Lachmann; daʒ alsus werlîchen man ein wîp enschumpfieren kan wohrî woch, waʒ sol daʒ sîn? dâ tuot frou minne ir zürnen schîn an dem der prîs hât bejagt. werlîch und unverzagt hât sin iedoch funden. gein dem siechen wunden solte si gewalts verdrieʒen: er möht doch des genieʒen, daʒ sin âne sînen danc wol gesunden ê betwanc. Wolfram Parzival 585, 1; wê daʒ mich sô manger hât von lieber stat gedrungen beidiu von des guoten unde ouch wîlent anderswâ. œdelichen wart von ín ûf mînen tratz gesprungen. ir gewaltes bin ich vor in mînem schophe grâ. Neidhart 49a, 40 Keinz; darnâch dô man des wart gewar, daʒ daʒ rîch was herren bar, dô wart eʒ übele gestalt: ieglich herre wart so balt, daʒ er tete unde lieʒ, als vil als in sîn wille hieʒ. eʒ wart ouch in den steten, daʒ eʒ die rîchen heten an gewalt über die armen: swaʒ in niht wold erbarmen, daʒ siʒ durch got niht lieʒen, gerihteshalp si stieʒen daʒ zil swar si dûhte guot. Ottokar österr. reimchronik 1059. I@3@c@a@2@cc)) poetische personification: stîg unde wege sint in benomen: untriuwe ist in der sâʒe, gewalt vert ûf der straʒe: fride unde reht sint sêre wunt. diu driu enthabent geleites niht, diu zwei enwerden ê gesunt. Walther 8, 25; gewalt noch mangem an gesiget, daʒ hœret man die wîsen jehen, dâ man genâde niht enpfliget, daʒ solm an miner frouwen spehen. Jacob v. Warte (I 25) bei Bartsch Schweizer minnes. 248; gewalt den witzen an gesiget da man rehtes niht enpfliget. ist ieman witzic âne guot, son ist der armen keiner fruot. Freidank 80, 2. [] I@3@c@a@2@dd)) ansatz zur objectivierung: sint lieʒen sie den sturm bestân und bereiten sich zû strîte zû der selben zîte und vûren hin kein Kûrlant. der meister kegen in zû hant quam mit zwein schônen hern, er wolde in iren gewalt wern. sîn her was michel und grôʒ des iʒ doch wênic genôʒ. Livländische reimchronik 5594 Meyer. I@3@c@bβ) die beurtheilung unter dem gesichtspunkte des rechts und der moral: gewalt = unrecht. I@3@c@b@11)) wie oben schon bemerkt, wird diese wendung durch mannigfache wandlungen des zusammenhanges vorbereitet, die präpositionalverbindung kommt hier mehr neben anderen factoren in betracht, wird abernamentlich in rechtsquellenebenfalls viel dargeboten. I@3@c@b@1@aa)) die wile man aver en gut under enem manne beklaget na rechte, svo lange he't halt dar boven mit gewalt, nimmer ne gewint he dar rechte gewere an, di wile man de rechten klage gefügen mach. Sachsenspiegel 2, 45, 1; doch ne het dat nen recht gewere dat die man mit gewalt besitt, of man die gewalt ervolget mit rechter klage unde dat getügen mach. Sachsenspiegel lehnrecht 14; ab eine stat gemeinlich adir irre burger einer breche in sachen, di dem borggreven ammecht angehoren, unde der obirste herre des borggreven unde der stat di stat adir den burger dorumme anspreche, ab der herre das mit rechte sal usgehen adir mit gewalt richten, wi das sal varen. Magdeburger fragen 1, 6, 10 Behrend 92. I@3@c@b@1@bb)) wenn ainer spricht, er hat mir das genomen mit gwalt oder an recht, so muess der antwurter wissen, wo das geschechen sei. steiermärkisches landrecht 87 Bischoff; wenn ainem daz sîn mit gewalt ân recht vorbehebt wurd, derselb verlürt numer kain gewer nit. civil- u. kriminalstatuten von Münsterthal (1427), österr. weisth. 4, 357; mit sô vil genâden, daz wir den himel mêr besitzen mit gewalt wan mit reht. Konrad von Megenberg buch der natur 361, 11. I@3@c@b@1@cc)) da brach he vride an hern Cunrate an sime gute unde roubete im daz abe mit unrechter gewalt. Freiberger stadtrecht (20, 4) 131; wen he der stat recht brichet an im unde he mit vrevel unde mit gewalt suchet in sime huse wider sinen willen, waz der wirt darumme tut oder begeht, di wile si in sime huse sin, da hat ne nichein unrecht an begangen. 230. I@3@c@b@22)) andererseits wirdebenfalls in rechtsquellendie verbindung unrechte gewalt als technische formel der mannigfachsten verwendung unterstellt: I@3@c@b@2@aa)) sineme wechverdigen gesellen unde sime werde, dar he geherberget is, unde sime gaste unde svie to sinen gnaden vlüt, dem sal die man helpen weder allis manlikeme, dat he sik irwere unrechter gewalt, unde ne dut weder sine trüwe nicht. Sachsenspiegel 3, 78 Homeyer; wante de stad van Dorpmunde in groten oirlaghe geleghen hevet und sich unrechter ghewalt gheweret hevet, ... so sal ein iclich dei binnen der stad van Dorpmunde wonachtich is ... gheven van hundert marken viiff mark. Dortmunder statuten, hansische geschichtsquellen 3, 212; were oik imand dei sine borgerschap op hedde geseghet offte noch op sechte umme der behelpinge willen, dat hei nicht ene wolde helpen betalen dei schuld, dei wii schuldich sint, dar wii in der vede unrechte ghewolt mede wederstonden, des begheret unse borger, dat men en dat segge und do verstaen, wei sei sint. 3, 213; wenne wir uch vormals unser brive geben haben, czu schirmen und czu sichern alle Juden in unsir stat czu Bresslow vor allem unrechte und gewalde ... dorumme bevelen und gebiten wir uch ... (Breslau, 25. jan. 1359) arch. f. österr. gesch. 31, 122. I@3@c@b@2@bb)) ne dut he's nicht binnen rechter degedingen, ime ne hilpt sin unscult nicht die he gedan hevet; man ne verdele ime dat gut, is ne erre ine unrechte gewalt unde he die beklage mit rechte. Sachsenspiegel lehnrecht 59 Homeyer; unde di lute, di sulche unrechte gewalt begehen, wi vil der ioch ist, di volbrengit man alle wol mit einer kamperer wunden also samfte alse mit cehenen. Freiberger stadtrecht 170. I@3@c@b@33)) aus solchen verwendungen entwickelt sich für unser wort in der rechtssprache leicht sachbedeutung, es nähert sich der bedeutung gewaltthat. ein kennzeichen für diese entwicklung liegt in der verbindung mit dem artikel: I@3@c@b@3@aa)) umb ain gewalt, umb den gewalt: I@3@c@b@3@a@aα)) wan ainer fürpot gesambt hat umb ain gwalt und [] zeucht er den gwalt enen selber, der den gwalt than hat, so muess der fürpot sagen, das der clager um den gwalt an den antwurter zeucht. steiermärkisches landrecht 75 Bischoff; wann der antwurter engegen ist, so zeucht der clager wol an im selb umb ain gwalt. 79; umb ain gwalt mag ainer nicht dingen. 85; umb ain gewalt muess man antwurten auf den andern tag. 87. I@3@c@b@3@a@bβ)) ez mag umb gewalt nimant gerichten, den der hawbtman in Steir. steiermärkisches landrecht 96 Bischoff; man mag umb gewalt wol an ainen selben ziehen. 107; wer also nicht lat umb gwalt, so muess der clager hinz dem antwurter bewären, und der clager ist selbdritt. 77. I@3@c@b@3@a@gγ)) cumt oc en man van butene to to deme anderen in sine herberghe gudes modes, unde werdet se scelende mid quaden worden, oder sleghen; dat betere malk deme anderen, dar na se sin, wo dat ghescen si up der menen strate. jodoch tyt we den wert ut deme hus, so betere he vor de ghewold, deme cleghere XII marc. Wisby stadslag 1, 52 § 8 Schlyter. I@3@c@b@3@bb)) wir wissen vur ein recht, so schire eime amptmanne worte geklaget eine gewalt, so sal he bescheiden ein gericht von der herren wegen. Limburger chronik 69; da hait here Niclais ein gewalt von ime geclagt, daz er solicher gebot nit gehalten hait. der Ingelheimer oberhof 266 Lörsch; wann man ainem ainen gewalt anbehaht, der chümpt umb zechen markch. steiermärkisches landrecht 107 Bischoff; ebenso 86 vgl. 82. I@3@c@b@3@cc)) were dat dat sei dei nicht en kunden ghescheden, queme dat an gherichte, wei in den vorghesprokenen reden sculdich ghevuonden wuorde, de were brochaftich an einer ghewelde. Dortmunder statuten, hansische geschichtsquellen 3, 72. I@3@c@b@44)) auch die poetische sprache, die in der personificierung von gewalt (vgl. sp. 4942) die beurteilung unter dem gesichtspunkte der moral schon durchblicken läszt, stellt gewalt und unrecht gelegentlich zusammen: diu sunne hât ir schîn verkêret, untriuwe ir sâmen ûz gerêret allenthalben zuo den wegen: der vater bî dem kinde untriuwe vindet, der bruoder sînem bruoder liuget: geistlich leben in kappen triuget, die uns ze himel solten stegen: gewalt gêt ûf, reht vor gerihte swindet. wol ûf! hie ist ze vil gelegen. Walther 22, 1; bî dem Lugebach einer mit gewalte vert: der wænet in den lüften sweben. sîne triuwe habent aberhâken als ein gêr. michel ungemach was mir ie von im beschert. Neidhart 58, 50 Keinz; der (graf) het sô hôhez lop bejeit an triwen und an manheit, daʒ si sich des lieʒen an in, swar daʒ reht zuge hin, daʒ er dem gestüende bî und den andern mahte frî gewaltes unde unrehtes. Ottokar österr. reimchronik 3945; es hat gewalt das grois unrecht des rechten hort verdrungen. Muscatblüt 69, 57 Groote. I@3@c@gγ) die festen verbindungen mit verbis leisten der eben beobachteten sonderentwicklung, die in die bedeutungen 'zwang' und 'unrecht' ausmündet, wenig vorschub. hier herrscht viel mehr eine allgemeinere bedeutung vor, die beide vorstellungen umfaszt. diese unbestimmtheit der bedeutung steigert sich, je formelhafter die verbindungen werden, vgl. den gegensatz zwischen gewalt treiben, üben und gewalt thun. auch hier lassen sich die schwankungen schon an der empfänglichkeit oder sprödigkeit gegenüber dem artikel erkennen. mittel- und niederdeutsche quellen bevorzugen diesen, vgl. besette ein borgere des anderen körn up den velde mit gherichte, queme dat mit einen ordele an den raed, weliker van en sich des körn underwunne sunder gerichte unde recht, eir dat ordel gewiset were, dei breke ene gewalt unde sal dat weder doen. Dortmunder statuten, hansische geschichtsquellen 3, 134 u. a. vgl. sp. 4946. I@3@c@g@11)) gewalt begehen, treiben, üben: I@3@c@g@1@aa)) waʒ wil diu minneclîchiu eht an mir enden? des muoʒ mich iemêr wunder hân. si wil gewalt an mir begân, wil si niht schiere mînen kumber wenden. v. Toggenburg bei Bartsch 78. I@3@c@g@1@bb)) wær frumer landes herre niht, so tribe gewalt manec bœsewiht mit armen liuten, die er mit fride muoʒ sitzen lân durch swert, durch wide. renner 1121; [] der keiser unde das concilium tatin die von Meideburgk in swere benne unde in die achte, doran die von Meideburgk sich wenigk karten unde gewonnen gleichwol des bischoufes slosser unde stete unde trebin grosze gewalt mit irem herren unde seime lande. Johann Rothe thüringische chronik 678. I@3@c@g@1@cc)) ich mac wol disen gewalt an mînem vînde üeben. Gottfried v. Straszburg Tristan 10353; ist ouch, daʒ in des gezeme, daʒ er mich wil betruben und sinen gewalt uben und vrevelich her in gan, so wil ich aber im widerstan. passional 248, 14. I@3@c@g@22)) gewalt thun: I@3@c@g@2@aa)) dô sprach des künec Lotes suon 'hêrre ir wolt gewalt nu tuon, sît ir mir grüeʒen widersagt'. Wolfram Parzival 300, 24; frou minne, ir tâtet ouch gewalt, dô Parzivâl der degen balt durch iuch von sînen witzen schiet als im sîn triwe dô geriet. 293, 5. I@3@c@g@2@bb)) doch erbarmte unserm schephære. unser ewigeʒ læit. doch enwolde er die warhæit. noch daʒ recht nicht schenden. er wolt eʒ anders wenden. er wolt ouch dem tivel nicht gewalt tuon. sein erbarmde und sein weistuom. die gedachten einer wage. sam ob dar uf læge. elliu diu schulde. da mit si verluren gotes hulde. anegenge 34, 62: als ichs mich versinne, mîn hêrre wil gewalt mir tuon durch daʒ ich hân decheinen suon. Wolfram Parzival 367, 19; kunt ir dan ritters fuore spehen, ir müeʒt im rehter dinge jehen. sîn lîp gein valsche nie wart palt. swer im darüber tuot gewalt, wærʒ mîn vater ode mîn kint, al die gein im in zorne sint, mîn mâge ode mîn bruoder, die müesn diu strîtes ruoder gein mir ziehn. 364, 4; 'für wâr, si (die minne) tæte mir gewalt, ob si betwunge mir den sin daʒ mir mîn herze würde balt ûf mîner sælden ungewin und wider mînen muot dâ hin dâ von mîn êre würde kranc, des ich dâ her erlâʒen bin. wil ir gewalt mich niht verbern, sô twinge nâch ir êren mich: des muoʒ ich ûf genâde gern. Winsbekin 38; ich hân alsô von dir vernomen, daʒ sich diu kunigin übersan, dâ gebest dû mir schulde an. daran tuost dû mir gewalt. Ottokar österr. reimchronik 18195; wer dem andern gewalt tuot ân recht, also, daz er sich seins guots underwindt, wie daz genant ist, mit frävel, der geit dem richter ain pfunt pfenning, der stat zwai pfunt pfenning. stadtrecht von München art. 438 (Auer 164). I@3@c@g@2@cc)) er hât unhufschen mannes site. er hât gar einn unhüfschen muot, der den wîben gwalt tuot. Thomasin der welsche gast 1220 Rückert; papen unde jüden die wapen vüren unde nicht geschoren ne sin na irme rechte, dut man in gewalt, man sal in beteren als eme leien. Sachsenspiegel 3, 2; hœrstûz, junger künie vrî? stêstû dem rîchen edeln bî, daʒ er dem armen tuot gewalt, dîn missetât ist manicvalt. könig Tyrol 37, 4. I@3@c@g@2@dd)) (er) sprach daz er im gewalt und unrecht tet. (1365) Züricher stadtbücher 1, 183. I@3@c@g@2@ee)) er klagt im sêre den gewalt, den im der kunic Wêlân hie ze Stîre het getân. Ottokar österr. reimchronik 2236; sleht ein cristen einen iuden ze tode oder ein iude einen christen oder wundet ir einer den andern oder swelhen gewalt ein cristen einen iuden oder ein iude einen cristen anleit oder die iuden under einander, ... daz sol man eime vogte buzzen als in sime rehte geschriben stat. stadtbuch von Augsburg 56 Meyér; item anderwerbe fragete der vurgenante ritter von der herren wegen, obe einer ein gewalt dede zu Limpurg, obe dan ein amptmann der herren den [] mochte anegrifen unde halden bit uf di scheffen uf daz he nit vurfluchtig enworde. Limburger chronik 69. ebenso 70; spreke dei richtere enen an vor gherichte, dat hei antworde op ene claghe; entgenge dei deme gherichte sunder antworde, dei dede ene ghewalt. Dortmunder statuten, hansische geschichtsquellen 3, 91; spreke dei richtere enen man an, dat hei pale hedde uth getoghen unde wellen to broken hedde unde hedde dar ein selfgerichte an gedAen, spreket dei man, hei en hebbe neine pale uth getrecket noch neine wellen to broken noch neine ghewalt ghedan unde si der tiicht alinck unschuldich, dei man is siner unschult naer, dan dei richtere dei klage op ene to winnende si. 3, 114. I@3@c@g@33)) I@3@c@g@3@aa)) dem künege Fabruîne geschehen ist mit rede gewalt, der zeinem baschelier gezalt von iu wart in spottes wîs. Konrad v. Würzburg Partonopier 4335; gescheghe eine ghewalt umme sleghe oder umme missehandelinge, dar scal he sinen woldener umme sculdighen. Stendaler urtheilsbuch (14. jahrh.) 26, 3 Behrend. I@3@c@g@3@bb)) in diz lant hât er gesprochen einen angestlîchen tac, dâ diu witwe wirt gerochen und der weise klagen mac und der arme den gewalt der da wirt mit ime gestalt. Walther 16, 12; got larte in selbe verdoln den gewalt, der im geschach, wand man wol an im sach, daʒ er vil ungerne entphie daʒ amt, daʒ man uf in lie. passional 10, 51; zu stunt so qwam der richter vur den rat unde klagete unde schrei ober di gewalt di da geschen was. Limburger chronik 61. I@44) die neuhochdeutsche periode. im gegensatz zu der mittelhochdeutschen periode, die an unserem worte von den hauptlinien des gebrauches immer neue verästelungen abzweigen liesz, zeichnet sich die neuhochdeutsche periode vor allem durch befestigung und verbreiterung der übernommenen verwendungen aus. freilich kommt diese steigerung nicht allen gebrauchsformen gleichmäszig zugute. einzelne verwendungen verkümmern allmählich ganz, andere schwellen ins ungemessene an. für diese ungleichmäszigkeit ist die hauptursache in den verschiebungen zu suchen, die nach der seite der stilform an der masse der belege zu beobachten sind. je nachdem kirchliche oder weltliche interessen die litteratur beherrschen, je nachdem der phantasie spielraum gelassen ist oder feste überlieferung den sprachgebrauch einengt, je nachdem das beschauliche oder das geschäftliche leben auf die weiterentwicklung einflusz gewinnt, je nachdem werden die einzelnen verwendungen und verbindungen des wortes erhalten, fortgebildet oder zurückgedrängt. daher ist es bei gewalt im besonderen geboten, über einzelne stilformen und verwendungskreise der neueren sprache in zusammenfassendem überblicke zu berichten. der umfang, den die bedeutungsentwicklung in der neueren sprache erreicht, soll hierim gegensatz zu der darstellung der früheren periodennur mit solchen beispielen belegt werden, in denen die bedeutung über den rahmen einzelner wortverbindungen hinaus absolute geltung gewonnen hat. diese wortverbindungen, die für das geschichtliche verständnis der bedeutungsentwicklung bis jetzt die voraussetzungen geboten hatten, sollen in theil III zum gegenstand eigener untersuchung gemacht werden, da das aufkommen neuer, das verkümmern alter verbindungen wesentliche züge für das neuere bild unseres wortes liefert. I@4@aa) verschiebungen der gebrauchsgrenzen. I@4@a@aα) anschaulich läszt sich ein theil des entwicklungsganges in der bibelübersetzung verfolgen, bei der freilich der gegensatz zwischen älterem und neuerem gebrauch unter zwei gesichtspunkten zu beurtheilen ist. einmal kommt allgemeiner die fortgeschrittenere, auf neuerem sprachgebrauch beruhende übersetzungstechnik in betracht, wie sie sich theilweise in der redaction bei Koburger, in den ausgaben von Dietenberger und Eck, noch mehr im 18. und 19. jahrh. zeigt. andererseits musz der gegensatz individueller sprachgebung in betracht gezogen werden, der in der überragenden persönlichkeit Luthers zugleich mundartliche färbung gewinnt. auf dieser grundlage der betrachtung darf das beharren, das zurückweichen und das vorschreiten unseres wortes die aufmerksamkeit in anspruch nehmen. I@4@a@a@11)) verkümmerung des gebrauches bei Luther im gegensatz zu den älteren übersetzern. I@4@a@a@1@aa)) wie schon aus den oben (sp. 4913) zu Ulfilas gegebenen andeutungen hervorgeht, ist es hauptsächlich die grenzlinie gegen macht, die sich zu ungunsten von gewalt verschiebt. [] I@4@a@a@1@a@aα)) vorwiegend tritt die verschiebung in den festen verbindungen mit verbis zu tage. hier wird sie in der verbindung gewalt geben consequenter beobachtet als in der von gewalt haben. aufmerksamkeit verdient das verhalten in Beheims übersetzung, die vielfach als vorläufer Luthers im gegensatz zu den oberdeutschen übersetzern erscheint. I@4@a@a@1@a@a@11))) und er rieff seine zwelff jüngere zu sich, und gab jnen macht, uber die unsaubern geister, das sie die selbigen austrieben. Luther Matth. 10, 1 (ebenso Dietenberger, Eck; und gab ihnen vollmacht über unreine geister. Kautzsch; her gap en gewalt ubir di unreinen geiste. Beheim, ebenso cod. Tepl. Eggestein. Koburger); gleich wie du im macht hast gegeben uber alles fleisch. Luther Joh. 17, 2 (ebenso Dietenberger. Eck; vollmacht bei Kautzsch; alse du ime gigebin hâst gewalt allis vleisches. Beheim; ebenso cod. Tepl. Eggestein. Koburger); ebenso Marcus 13, 34 bei (Beheim macht); denn wie der vater das leben hat in jm selber, also hat er dem son gegeben das leben zu haben in jm selber und hat jm macht gegeben auch das gerichte zu halten. Luther Joh. 5, 26 (und gab im gewalt ze tun daz urtail cod. Tepl.; ebenso Beheim. Eggestein. Koburger; macht bei Dietenberger und Eck; und hat ihm vollmacht gegeben Kautzsch). ebenso Lucas 10, 19 (hier aber schon bei Beheim macht); wie viel jn aber auffnamen, denen gab er macht, gottes kinder zu werden, die an seinen namen gleuben. Luther Joh. 1, 12 (ebenso Beheim. Dietenberger. Eck; ihnen hat er die macht verliehen. Kautzsch; den gab er gewalt ze werden di sun gotz cod. Tepl.; ebenso Eggestein. Koburger); ähnlich prediger 6, 2 (bei Eck gewalt). I@4@a@a@1@a@a@22))) gewalt haben wird von Luther gelegentlich entgegen der älteren übersetzung erst eingeführt, während er da, wo die älteren übersetzer die verbindung verwenden, seinerseits macht einsetzt: und auff das er durch den tod die macht neme dem, der des todes gewalt hatte, das ist dem teufel. Luther Ebreer 2, 14 (κράτος ἔχοντα τοῦ θανάτου, mortis imperium. daz gepot dez todes cod. Tepl.; ebenso Eggestein und Koburger. des todes gewalt hat Dietenberger. Eck. Emser. Froschauer). da, wo Luther macht einsetzt, folgen ihm die späteren übersetzer nicht immer. nicht nur Eck, der gewalt überhaupt mehr bevorzugt, sondern auch Kautzsch tritt hier gegebenen falls in gegensatz zu Luther; ei du fromer knecht, dieweil du bist im geringsten treu gewesen, soltu macht haben uber zehen stedte. Luther Lucas 19, 17 (ebenso Dietenberger; ἐξουσίαν, potestatem. du wirdes gewaldic ubir zcen stete Beheim; du wirst haben gewalt cod. Tepl.; ebenso Eggestein. Koburger. Eck; so sollst du nun gewalt haben über zehn städte Kautzsch); und sahen, das das feuer keine macht am leibe dieser männer beweiset hatte. Daniel 3, 27 (das daz feu'r kein ding des gewalts hat gehabt an iren leiben Eggestein, ebenso Koburger; das feur het kain gewalt gehabt in iren leiben Eck, ähnlich Dietenberger und später Kautzsch); wisset, das des menschen son macht hat auff erden, sünde zu vergeben. Joh. 5, 24 (so schon Beheim, ebenso später Dietenberger. Eck; vollmacht bei Kautzsch; hat gewalt auf der erde ze vergeben cod. Tepl.; ebenso Eggestein. Koburger); ebenso Joh. 19, 10 s. oben (hier halten Beheim und später Kautzsch an gewalt fest). I@4@a@a@1@a@bβ)) andere verwendungen werden von dieser verschiebung seltener berührt: und als er in den tempel kam, tratten zu im, als er leret, die hohenpriester und die eltesten im volck, und sprachen, aus waser macht thustu das? und wer hat dir die macht gegeben. Luther Matth. 21, 23 (ebenso Dietenberger. Eck. Emser; in waz gewalt tuostuo dise dinc? und wer hât dir disen gewalt gegebin Beheim; ebenso cod. Tepl. Koburger. Eggestein); aber dis ist ewer stunde, und die macht der finsternis. Lucas 22, 53 (ebenso Dietenberger. Eck; dicz ist eur stund, und der gewalt der vinster cod. Tepl.; ebenso Beheim. Eggestein. Koburger und später Kautzsch). I@4@a@a@1@bb)) nach anderer seite verschiebt sich bei Luther die gebrauchsgrenze in den fällen, in denen der begriff der macht staatsrechtlich bestimmt erscheint. selten, dasz er hier gewalt oder macht zuläszt: durch Jhesum Christ, welchem sei ehre und gewalt von ewigkeit zu ewigkeit. Luther 1. Petri 4, 11 (ebenso Dietenberger. Eck; cui est gloria et imperium. dem sei wunniclich und gepot cod. Tepl.; ebenso Eggestein. Koburger; herrschaft bei Kautzsch); und weiset jm alle reich der gantzen welt, in einem augenblick, und sprach zu jm, diese macht wil ich dir alle geben, und jre herrligkeit. Lucas 4, 6 (ebenso [] Dietenberger. Eck; potestatem. disen gewalt allesament Beheim; ebenso cod. Tepl. Eggestein. Koburger); sonst zieht Luther hier synonyma wie regiment, herrschaft, majestät oder (übergang zur personification) oberkeit vor. I@4@a@a@1@b@aα)) das regiment auff erden stehet in gottes handen. Luther Sirach 10, 4 (ebenso später Kautzsch; potestas. der gewalt der erd ist in der hant gotz Eggestein; ebenso Koburger. Dietenberger. Eck. Ulenberg; die macht über das lant. Piscator. holländische staatenbibel); ist nicht herrschaft und furcht bei im, der den frieden macht unter seinen höhesten. Hiob 25, 2 (ebenso Dietenberger; potestas et terror. der gewalt und di vorchte Eggestein; ebenso Koburger und Eck; sein ist die herrschermacht und majestät, der frieden schafft in seinen höhesten Kautzsch); und sein reich ist ein ewiges reich, und seine herrschaft wehret für und für. Daniel 3, 33 (et potestas ejus. sein gewalt Eggestein. Koburger. Dietenberger. Eck u. a.); das er sehen liesse den herrlichen reichthum seines königreichs, und den köstlichen pracht seiner maiestet. Esther 1, 4 (die erhebung sein gewaltes Eggestein. Koburger; den kostlichen pracht seiner grösse und gewalts Dietenberger; den bracht seiner macht Eck; die pracht seine grösse Kautzsch). I@4@a@a@1@b@bβ)) und als er vernam, das er unter Herodes öberkeit gehöret. Luther Lucas 23, 7 (ebenso Dietenberger. Eck; daz her von Hêrôdis gewalt was Beheim, ebenso cod. Tepl. Eggestein. Koburger; dasz er aus der herrschaft des Herodes sei Kautzsch). ähnlich Matth. 8, 9; jederman sei unterthan der oberkeit, die gewalt uber in hat, denn es ist keine oberkeit, on von gott. Römer 13, 1 (ausgabe von 1545; der ubirkeit und gewalt, denn es ist keine gewalt, on von gott. ausgabe von 1522; ebenso Dietenberger. Eck; gewelten cod. Tepl. Eggestein. Koburger; der obrigkeitlichen gewalt Kautzsch; potestatibus sublimioribus); wiltu dich aber nicht fürchten für der oberkeit, so thue gutes. 13, 3 (wiltu nit furchten den gewalt cod. Tepl.; ebenso Eggestein. Eck. Dietenberger). I@4@a@a@1@cc)) bei der wiedergabe von vis, violentia weicht Luther nur in ganz seltenen fällen zu ungunsten von gewalt gegen die älteren übersetzer ab: herr wie lang sol ich schreien, und du wilt nicht hören? wie lange sol ich zu dir ruffen uber frevel, und du wilt nicht helffen. Luther Habakuk 1, 2 (ausgabe von 1545, ruffen uber unrecht. ausgabe von 1524; vociferabor ad te vim patiens; leidentt gewalt Eggestein, ebenso Koburger u. a. wie lange schon rufe ich dir zu 'gewalt'! Kautzsch). andererseits schlieszt Luther eben diese stelle im gegensatz zu allen übersetzern mit dem sprichwort es gehet gewalt uber recht s. u. I@4@a@a@22)) vordringen der gebrauchsgrenze von gewalt bei Luther im gegensatz zu den älteren übersetzern. I@4@a@a@2@aa)) am wenigsten wird das gebrauchsgebiet von macht durch das vordringende gewalt berührt. einzelne verwendungen, die sich hierher ziehen lassen, stimmen alle darin überein, dasz die lat. vorlage den gebrauch von potestas vermeidet, weshalb die älteren übersetzer auch nicht auf gewalt zurückgreifen. nur zum geringsten theil sind es verwendungen, die den oben gekennzeichneten sich anreihen: und gebe dir gewalt eigene müntze in deinem lande zu schlahen. Luther 1 Maccab. 15, 6 (permitto tibi; ich verheng dir zuo machen die schlagung eigner muntz Eggestein, ebenso Koburger; vergünn dir Dietenberger. Eck, gestatte dir Kautzsch). im allgemeinen wiegen vielmehr poetische einkleidungen des staatsrechtlichen begriffes vor, die schon in den glossen theilweise durch gewalt wiedergegeben wurden, während spätere übersetzer sich mehr an den wortlaut hielten: solchs ist im rat der wechter beschlossen und im gesprech der heiligen beratschlagt, auff das die lebendigen erkennen, das der hOehest gewalt hat uber der menschen kOenigreiche, und gibt si, wem er wil; und erhöhet die nidrigen zu den selbigen. Daniel 4, 14 (ebenso Dietenberger; quoniam dominatur excelsus in regno hominum. daz der höchst herscht in dem reich der menschen Eggestein. Koburger; ebenso Eck; dass der höchste über das königthum der menschen macht hat Kautzsch). ähnlich Daniel 3, 30. 2, 38; und der herr gab Israel einen heiland, der sie aus der gewalt der Syrer füret. 2 könige 13, 5 (ebenso Dietenberger und Piscator; et liberatus est de manu regis Syriae. aus der obergewalt Arams Kautzsch; von der hand des künigs Syri Eggestein. Koburger. Eck); ebenso 1. Mos. 16, 6 (hier auch bei Piscator hant). psalm 49, 16 (hier auch bei Dietenberger gewalt); aber da sie des herrn jres gottes vergassen, verkaufft er sie unter die gewalt Sissera, des heubtmans zu Hazor, [] und unter die gewalt der Philister, und unter die gewalt des königs der Moabiter, die stritten wider sie. 1 Sam. 12, 9 (ebenso Dietenberger. Züricher, Straszburger bibel. Kautzsch; et tradidit eos in manu Sisarae; und er antwurt si in die hand Sisare .. und in die hand der Philistiner Eggestein; ebenso Koburger. Eck u. a.); denn du hast meine nieren in deiner gewalt, du warest uber mir in mutter leibe. psalm 139, 13 (ebenso Dietenberger. Züricher, Straszburger bibel. Piscator; possedisti renes meos; wann du hast besessen mein lancken Eggestein, ebenso Koburger. Eck). I@4@a@a@2@bb)) lebhafter dringt gewalt gegen die synonyma 'kraft, stärke' (virtus, fortitudo) vor, die in der älteren sprache sich so zäh und spröde erwiesen hatten. I@4@a@a@2@b@aα)) bei jm (gott) ist weisheit und gewalt, rat und verstand. Luther Hiob 12, 13 (apud ipsum est sapientia et fortitudo, ipse habet consilium et intelligentiam; bei im ist die weisheit und die sterck: er selb hat den rat und die vernunft Eggestein, ebenso Koburger. Dietenberger. Eck; bei ihm ist weisheit und stärke, sein ist der rat und die einsicht Kautzsch). ähnlich 36, 19; hilff mir gott durch deinen namen und schaffe mir recht durch deine gewalt. psalm 54, 3 (ebenso Dietenberger. Züricher, Straszburger bibel. Piscator; in virtute tua judica me; und erlösz mich in deiner kraft Eggestein. Koburger. Eck; door uwe macht. Holländische staatenbibel; und führe meine sache durch deine stärke Kautzsch). genau so psalm 66, 7. ähnlich Lucas 9, 1 (virtutem et potestatem, gewalt und macht Luther). ebenso Lucas 10, 19 (hier bei Eck und Kautzsch gewalt). ähnlich apostelgeschichte 4, 7. I@4@a@a@2@b@bβ)) aber das hinder teil zubrach, von der gewalt der wellen. Luther apostelgeschichte 27, 41 (ebenso Dietenberger. Eck; a vi maris, von der sterk des meres cod. Tepl. Eggestein. Dietenberger. Koburger; gieng durch den anprall auseinander Kautzsch). I@4@a@a@2@b@gγ)) und als er an die stuffen kam, musten in die kriegsknecht tragen, fur gewalt des volcks. Luther apostelgeschichte 21, 35 (ebenso Dietenberger. Eck; propter vim populi; um di sterk des volkz cod. Tepl. Eggestein; von getreng wegen. Augsburger bibel von 1477; Koburger, wegen des andrangs des volkes Kautzsch). I@4@a@a@2@cc)) am sichtbarsten aber ist die vorwärtsbewegung innerhalb der bedeutung von violentia. I@4@a@a@2@c@aα)) denn gleich wie ein born sein wasser quillet, also quillet auch jre bosheit, ir frevel und gewalt schreiet uber sie. Luther Jeremia 6, 7 (iniquitas et vastitas auditur; ungangkeit Eggestein; missetat Koburger; gewaltthat Kautzsch); umb gewalt, unrecht und geitzes willen kompt ein königreich von einem volck auffs ander. Sirach 10, 8 (propter injustitias et injurias et contumelias; umb die ungerechtigkeit und die krieg und die laster Eggestein, ähnl. Koburger. Eck. Kautzsch; unrecht, der frevel gewalt, mancherlei betrug Dietenberger; wegen ungerechter und gewaltsamer thaten Piscator). I@4@a@a@2@c@bβ)) und zwang die kinder Israel mit gewalt zwenzig jar. Luther richter 4, 3 (ebenso Dietenberger. Piscator. Holländische staatenbibel; vehementer oppresserat eos; gewaltig Kautzsch; stercklich Eggestein. Koburger: fast Eck; hart Ulenberg). ähnlich Jeremias 13, 22 (hier in der vorlage, und dem entsprechend bei den übrigen übersetzern andere auffassung); beschediget niemand, behelt das pfand nicht, nicht mit gewalt etwas nimpt, teilet sein brot mit dem hungerigen. Hesekiel 18, 16 (ebenso Dietenberger. Ulenberg. Piscator; rapinam non rapuerit; und nimpt nit den raube Eggestein. Koburger. Eck; verübt keine erpressung Kautzsch). I@4@a@a@2@c@gγ)) antwortet wider mich fur dem herrn und seinem gesalbten, ob ich jemands ochsen oder esel genomen hab? ob ich jemand hab gewalt oder unrecht gethan. Luther 1 Samuelis 12, 3 (ebenso Dietenberger. Züricher, Straszburger bibel. Eck; si quempiam calumniatus sum, si oppressi aliquem; ob ich ieman hab verdruckt Eggestein. Koburger). ebenso 12, 4. ähnlich Jeremias 22, 3. psalm 119, 21. sprüche 14, 31. Lucas 3, 14. I@4@a@a@2@c@dδ)) der recht schaffet denen, so gewalt leiden. Luther psalm 146, 7 (ebenso Eck. Piscator; fecit judicium iniuriam patientibus; den die do erleiden daz unrecht Eggestein. Koburger. Dietenberger. Ulenberg; den verdruckten. Holländische staatenbibel; den unterdrückten Kautzsch). ebenso Hosea 5, 11 (hier auch bei Dietenberger und Kautzsch gewalt). I@4@a@a@2@c@eε)) hier in der bedeutung von violentia nimmt der gebrauch von gewalt nach Luther bei den späteren übersetzern noch zu: ir die auff dem gebirg Samaria wonet unnd gewalt [] mitt den armen treibet Dietenberger Amos 4, 1 (ir die vergewaltigen Eck; die ihr den dürfftigen gewalt thut Ulenberg. Piscator; ir do thuot leid den gebrestigen Eggestein; tut zwancksal den dürftigen Koburger; und den durfftigen unrecht thut Luther; die die geringen bedrücken Kautzsch); daz sie gewalt thuon Piscator Habakuk 1, 9 (gewaltthaten Kautzsch; raub Koburger; schaden thun, freveln Luther; rauben Dietenberger. Eck. Ulenberg). ähnlich Jesaias 53, 9 (Luther: unrecht thun). sprüche 28, 17; ich rufe über gewalt und verstörung Piscator Jeremias 20, 8 (vergewaltigung Kautzsch; verwüstung Eggestein. Koburger. Eck. Ulenberg; zerstörung Luther. Dietenberger). I@4@a@a@33)) übereinstimmung im gebrauche zwischen Luther und den anderen übersetzern. I@4@a@a@3@aa)) in der wiedergabe von potestas waren oben die meisten belege für das vordringen von macht an die stelle von gewalt zu verzeichnen. trotzdem bleibt dem letzteren noch eine reihe von verwendungen gesichert. wo der begriff durch die beziehung auf einen bestimmten träger eingeengt erscheint, hält sich gewalt durchweg, und auch in den verbindungen mit einer zielbestimmung sind es mehr die festen formeln, die an macht anheimfallen. der allgemeine begriff wird in freier verwendung nicht leicht mehr durch gewalt gedeckt; ausnahmen bieten stellen, in denen das bedürfnis der variation entscheidet: über alle fürstenthum, gewalt, macht, herrschaft. Luther Epheser 1, 21 (furstentum und gewalt und kraft und herschaft cod. Tepl.; ähnlich Eggestein. Koburger u. a. principatum et potestatem et virtutem et dominationem; über alle herrschaft und macht und gewalt Kautzsch). I@4@a@a@3@a@aα)) erscheine, der du sitzest uber Cherubim. erwecke deine gewalt, der du fur Ephraim, Ben Jamin und Manasse bist, und kome uns zu hülffe. Luther psalm 80, 3 (erstee deinen gewalt Eggestein; erwecke deinen gewalt Koburger u. a.; excita potentiam tuam .. wecche dîna macht Notker; herr biete deine macht auf Kautzsch); und deine gewalt langet bis an der welt ende. Daniel 4, 19 (et potestas tua pervenit in terminos universae terrae; und dein gewalt Eggestein, ebenso Koburger; dessen macht bis an das ende der erde reicht Kautzsch); und die ehre deines königreichs rhmen und von deiner gewalt reden, das den menschenkindern deine gewalt kund werde, und die ehrliche pracht deines königreichs. psalm 145, 12 (potentiam tuam; di gewalt din. Trebnitzer psalmen; ebenso Eggestein. Koburger u. a. Kautzsch; nur Eck hat hier macht); das sie sich bekeren von der finsternis zu dem liecht, und von der gewalt des satans zu gott. apostelgeschichte 26, 17 (von dem gewalt Sathanas zu got cod. Tepl.; ebenso Eggestein. Koburger. Dietenberger. Eck; von der macht des satans Kautzsch; de potestate Satanae); dein rat stehet nicht in menschen gewalt. Tob. 3, 21 (dein rate der ist nit in dem gewalt dez menschen Eggestein u. a.; non est enim in hominis potestate consilium tuum). I@4@a@a@3@a@bβ)) mir ist geben aller gewalt im himel. Luther Matth. 28, 18 (gewalt cod. Tepl. Beheim. Eggestein u. a.; alle gewalt Kautzsch); denn du hast gewalt, beide uber leben und uber tod. weisheit Salamonis 16, 13 (du bist es der do hast gewalt dez lebens und dez tods Eggestein. Koburger u. a.; du hast macht über leben und tod Kautzsch; ebenso schon Holländische staatenbibel); las deinem weibe nicht gewalt uber dich, das sie nicht dein herr werde. Sirach 9, 2 (nichten gib dem weib den gewalt deiner sel Eggestein. Koburger u. a.; überliefere dich nicht selbst deiner frau Kautzsch; ähnlich schon Piscator; non des mulieri potestatem animae tuae); halt dich von denen so gewalt haben zu tOedten. 9, 14 (der do hat gewalt zuo derschlahen Eggestein; ebenso Koburger u. a. auch Kautzsch; ab homine potestatem habente). I@4@a@a@3@bb)) da die bedeutung von virtus, fortitudo in der älteren übersetzung nur durch kraft oder stärke gedeckt wird, so kann sich Luthers vorliebe für gewalt hier nirgends an die allgemeine überlieferung anlehnen. I@4@a@a@3@cc)) um so mehr parallelen findet Luthers neigung, vis, violentia durch gewalt wieder zu geben: der niemand etwas mit gewalt nimpt. Luther Hesekiel 18, 7 (per vim nihil rapuerit; nimpt nit durch gewalt Eggestein; ähnlich Koburger u. a.; keine erpressung verübt Kautzsch); auf das si di sachen der armen beugen, und gewalt uben im recht der elenden unter meinem volck. Jesaias 10, 2 (ähnlich Dietenbfrger. Eck u. a.; et vim facerent causae humilium populi mei; und tetten gewalt der sach der demtigen meins volckes Eggestein; ebenso [] Koburger). ebenso Sirach 20, 4 (hier auch bei Kautzsch gewalt), Jacobi 2, 6 (vergewaltigen bei Kautzsch), Hiob 22, 8. Hesekiel 18, 18; welche sie gelüstet, also treiben sie gewalt mit eins jedem hause und mit eins jedem erbe. Micha 2, 2 (violenter tulerunt et rapuerunt domos; haben sie geweltigklich genomen Eggestein; ähnlich Koburger; treiben sie gewalt Dietenberger; ähnlich Eck u. a.); bessert euer leben und wesen, das jr recht thut einesz gegen dem andern und den frembdlingen, waisen und widwen keine gewalt thut. Jeremias 7, 6 (non feceritis calumniam; tht nit gewalt den fremden Eggestein; ebenso Koburger u. a.; bei Kautzsch bedrücken). ebenso Hesekiel 22, 29; und wirst gewalt und unrecht leiden müssen dein leben lang, und niemand wird dir helffen. 5 Mos. 28, 29 (omnique tempore calumniam sustineas et opprimaris violentia; und wirst betruckt mit gewalt Eggestein. Koburger; Dietenberger u. a. wie Luther). in den gleichen zusammenhang greifen auch einige verwendungen ein, in denen die vorlage potestas aufweist: und wer sich viel gewalts anmasset, dem wird man gram. Sirach 20, 8 (qui potestatem sibi sumit injuste; der im nimpt den gewalt ze unrecht Eggestein u. a.); ir wisset, das die weltliche fürsten herrschen und die uberherren haben gewalt. Matth. 20, 25 (ausgabe von 1545; faren mit gewalt ausgabe von 1522; potestatem exercent in eos; uben den gewalt uber si Eggestein; ebenso Koburger u. a.). I@4@a@bβ) das fortleben des wortes in den verschiedenen stilformen der sprache. die verkehrsform, wie sie sich in den abstufungen der umgangsprache darbietet, beschränkt sich mehr auf die erhaltung des besitzstandes, sie führt die meisten verwendungen und verbindungen fort, ohne sie aus eigener kraft weiter zu entwickeln. daneben nimmt sie einzelne verbindungen aus den fach- und standessprachen auf, die durch die fortschreitende verfeinerung der terminologie in die niederungen des sprachlebens abgedrängt werden. charakteristisch ist, in welchem grade die verbindung gottes gewalt davon betroffen ist. in der ärztlichen sprache wurde sie ganz auf die volksmedizin eingeschränkt (vgl. Höfler deutsches krankheitsnamenbuch 198b), während sie in der rechtsprache durch allgemeinere formen wie höhere gewalt ersetzt wurde vgl. unten III 1. I@4@a@b@11)) hier in der rechtsprache bildet sowohl die wahrung des besitzstandes als die verschiebung der gebrauchsgrenzen bemerkenswerthe züge aus; der staatsrechtliche begriff der gewalt, der freilich für die ältere zeit der neuhochdeutschen periode mehr aus chroniken und litterarischen denkmälern bezeugt wird, als aus urkunden und rechtsquellen, hält sich im groszen und ganzen ungeschwächt. weniger in der allgemeineren fassung (herrschaft und gewalt) als in der einengung durch besondere verbindungen (gesetzgebende gewalt, vollziehende gewalt, amtsgewalt, dienstgewalt) lebt er weiter und greift durch übertragung über die rechtsphäre hinaus. eine empfindliche einbusze hat die privatrechtliche verwendung des wortes zu verzeichnen. in der parallele gewalt und besitz wird die trennungslinie wieder schärfer gezogen und gewalt dadurch auf die selteneren fälle eingeschränkt, in denen die einschränkung des begriffes auf die 'verfügung über etwas' hervorgehoben werden soll. die objectivierung und personificierung, die an diese seite von gewalt anknüpft, ist hier mit der zeit ganz untergegangen, mandatum wird durch vollmacht wiedergegeben, mandant und mandatar haben die zusammensetzungen gewaltgeber und gewalthaber an die stelle des einfachen wortes rücken lassen; in den einzelnen fällen haben sich die genaueren bezeichnungen mündel, client, dienstbote, anwalt u. a. festgesetzt, schon bei Estor 3, 1314 werden die älteren bezeichnungen nur noch aus veralteten rechtsquellen belegt, vgl. unter gewaltführer. dem gegenüber ist eine verhältnismäszige steigerung des gebrauches in der strafrechtlichen verwendung zu beobachten, der das vorschreiten der bedeutungen vis, violentia in erster linie zu gute kommt. so kennt Holtzendorff rechtslexikon 2, 156 neben den familien- oder hausgewalten aus neuerer zeit nur noch die bedeutung von vis, violentia und ein ähnliches ergebnis bieten die sachregister neuerer rechtsquellen. I@4@a@b@22)) in die schöne litteratur findet gewalt für die ältere zeit der neuhochdeutschen periode wesentlich durch solche verwendungen eingang, die der umgangs- oder geschäftsprache angehören. noch bei Gellert z. b. ist von einem lebendigen gebrauch des wortes keine rede mehr, und auch der poetische aufschwung, den die sprache seit Klopstock nimmt, hat dem wort mehr die verbindung mit neuen adjectiven ermöglicht (ist warnung vielleicht die geheime gewalt, die mich fesselt. Messias 13, 355; ähnlich 16, 411). aber neues leben spiegelt sich bei Göthe und ebenso bei Schiller [] in den kühnen verbindungen mit subjectiven genetiven, die den bedeutungsgehalt erweitern und vertiefen (vgl. unter III); seiner augen gewalt; ich höre staunend die gewalt des mundes; unseres haders wild ausbrechende gewalt. hieraus zieht namentlich die parallele gewalt = kraft ihre nahrung, wie auch die neueren formen der personification an diesen poetischen gebrauch anknüpfen. I@4@a@gγ) in den wörterbüchern nimmt die aufzählung der vielen festen verbindungen, mit denen gewalt in der sprache des täglichen lebens wie in der geschäfts- und schriftsprache wurzel geschlagen hat, den breitesten raum ein. die begriffsbestimmung trägt durchaus nicht in allen fällen den beispielen, die aufgehäuft sind, rechnung, vielmehr sind die umfassenderen definitionen verhältniszmäszig selten. I@4@a@g@11)) umfassende aufzählung: gewalt .. potestas, maiestas .. macht, krafft, potestas, dicio, facultas, potentatus; gewalt oder unrecht, violentia, violamen oder enterung, vel frevelkeit; gewalt, maisterspruch, auctoritas, dignitas. vocab. theut. (Nürnberg 1482) M 5; gewalt, potestas, vermügligkeit und gewalt, ansähen und herrschaft. Frisius 1027b; facultas, macht und gewalt und vermügenheit etwas ze thun. 539a; authoritas, gewalt, vermögen und ansähen. 148b; authoritas legatorum. ebenda; potentatus herrschaft und gewalt. 1027b; coercio, eine herrschung, gwalt oder ansähen, das einer gegen seinen underthonen hat. 240b; vis, gwalt oder ungestümigkeit. 1390a; gewalt, macht, potestas, vis, jus, recht, herrschaft; .. unrecht, unbilligkeit, vis, violentia, injuria. Emel silva (1592) O. 07; gewalt, macht, vermügen, potestas, potentia .. gewaltsamkeit, frevel, hochmut, unrecht, vis, violentia, vehementia, impetus, .. herrschung, regiment, dominium, principatus, imperium, autoritas, kompt her von walt, weltig, valens, validus, oder ἐλεῖν, valere, integris esse viribus. Henisch (1616) 1590; ghewald, gewald, potestas, potentia, vis, violentia, vehementia, impetus, auctoritas, imperium. Kilian (1639) K 4b. ähnlich, nur mit einfügung von efficacitas, mandatum, plenipotentia. Stieler (1691) 2426; gewalt, macht, stärke, unrecht, erlaubnis. N. Gürtler (Basel 1702) 2, 74; ebenso Spieser 151; gewalt, stärke, zwang, forza, violenza, vehemenza, impetu, force, violence, ... macht, vermögen, potere, potestà, potenza, autorità, commando, imperio, pouvoir, autorité, puissance, commandement. Rädlein (1711) 380b. 381a; gewalt, dominium, auctoritas, vis, potentia, potestas, imperium, unrecht, vis, injuria. Weismann (1715) 156. ähnlich Bayer 290a. Steinbach (1734) 2, 921; gewalt, pouvoir, puissance, autorité; gewalt, gewaltsamkeit, force, violence. Rondeau-Buxtorff (1740) 253; gewalt, pouvoir, puissance, autorité, droit, force, faculté, jurisdiction, disposition, violence, force, véhémence, impétuosité, oppression, tyrannie, dictature. nouveau dictionnaire allem. franç. (1762) 338; gewalt .. geweld, magt, overweldigung, onregt, ongelyk, vermogen, mogendheid. Weidenbach deutsch-holländ. wb. 436b. I@4@a@g@22)) die begriffsentwicklung auf grund feststehender verbindungen führt zur einschränkung des bedeutungsumfanges: gewalt, wird in verschiedenem verstand genommen: einmal verstehet man darunter ein vermögen, etwas zu thun, welches sich entweder auf gewisse kräffte des leibes, der seelen und des glücks; oder auf ein gewisses recht gründet, dasz man dem andern was befehlen, und ihn daher zu etwas zwingen kan, daraus wir die redensart, in unserer gewalt stehen, nicht in unserer gewalt stehen, leicht verstehen können. es steht etwas in unserer gewalt, wenn wir durch den gebrauch unserer kräffte etwas thun, oder nicht thun, erhalten oder vermeiden können; und hingegen steht etwas nicht in unserer gewalt, wenn das zur ausführung einer sache nöthige vermögen fehlet, folglich was in unserer gewalt stehet, kan seine wircklichkeit erlangen, wenn wir die kräffte appliciren wollen. hernach verstehet man insonderheit dadurch den äusserlichen zwang, der entweder rechtmäszig, und sich auf ein gewisses recht gründet; oder unrechtmäszig, der ohne recht aus bosheit ausgeübet wird, welches die strafbare gewaltsamkeit. Walch philosophisches lexicon (1733) 1, 1309; gewalt, heist die macht, oder das vermögen, etwas auszurichten, entweder mit fug und recht, und so denn ist es eine rechtmäszige gewalt, lat. potestas, fr. pouvoir oder puissance, oder ohne recht und aus muthwillen, und alsdenn ist es eine straffbare gewaltsamkeit oder gewaltthätigkeit, lat. vis oder violentia, welchen falls man befugt ist, gewalt mit gewalt, wenn und so gut man kan, abzutreiben. diese letztere aber wird wiederum in die öffentliche und heimliche, vim publicam et privatam eingetheilet. Chomel oec. u. physical. lex. (1751) 4, 1040; die gewalt. vgl. [] auch Estor 3, 134. Voigtel versuch eines handwörterbuches (1794) 2, 79. Krug philosophisches lexicon (1833) 2, 260. I@4@a@g@33)) abgrenzung gegen synonyma. beachtung verdient, dasz in den gemmae gemmarum seit 1512 macht an stelle von gewalt vorrückt. noch 1508 ist für potestas, jurisdictio etc. gewalt eingeführt, 1512 tritt dafür macht ein. ebenso 1513. I@4@a@g@3@aa)) gegen macht und kraft: die macht ist eigentlich ein vermögen, etwas zu thun, oder zu wirken, doch das vermögen kann theils physikalisch, theils auch moralisch und politisch sein .. die gewalt wird zwar bisweilen auch von der macht gesaget: als wenn man saget, ein könig habe die höchste gewalt in seinem lande, oder die gewalt, gesetze zu geben .. er thut mir gewalt an .. die kraft ist eine wirkliche bemühung zu wirken wie die weltweisen lehren. gott erhält durch seine unendliche kraft die welt. die kräfte der natur nehmen nicht ab .. mit allen seinen kräften nach etwas trachten. Gottsched beobachtungen über den gebrauch und misbrauch vieler deutscher wörter (1758) 180 ff.; vermögen, kraft, stärke, macht, gewalt. alle diese wörter, zeigen eine gewisse beschaffenheit an, wodurch man etwas zu thun, oder zu verrichten in den stand gesetzet wird. das vermögen, bestehet blos in einer solchen einrichtung der eigenschaften eines dinges, wodurch es zu gewissen wirkungen tüchtig wird. oder es ist eine möglichkeit etwas zu thun. die kraft, bestehet in einer fähigkeit oder bemühung, das vermögen zu gebrauchen und anzuwenden. die stärke, ist eine grössere kraft. die macht, beruhet auf der freiheit, welche wir haben, unser vermögen, kraft oder stärke zu gebrauchen. die gewalt, kommt von einer überlegenheit der stärke her. Stosch bestimmung einiger gleichbedeutender wörter (1777) 1, 430 ff. I@4@a@g@3@bb)) abgrenzung gegen macht allein: die macht eignet uns ein gewisses recht zu, eine sache zu thun, man erlanget die gewalt durch eine überlegenheit der stärke, es sei nun, dasz wir solche stärke von uns selber haben, oder sie mit hülfe anderer bekommen. jemand gewalt thun heisst, blos nach der überlegenheit der stärke, mit ihm verfahren, ohne darauf zu sehen, ob es recht und billig sei. die gewalt bringet eine herrschaft zuwege. fürsten und obrigkeiten, haben die gewalt in händen, aber sie müssen dieselbige allezeit nach den regeln der gerechtigkeit und billigkeit brauchen. Stosch bestimmung einiger gleichbedeutender wörter (1777) 1, 430 ff.; die macht ist das vermögen, das jemandem seine kräfte geben, um das auszurichten, was er beschlossen hat; die gewalt, das vermögen mit dieser macht allen widerstand zu überwinden, der sich seinem willen entgegen setzen könnte, also die freiheit über etwas zu disponieren, indem man die macht anwendet, das was man will, zu erzwingen. Eberhard versuch einer allgemeinen deutschen synonymik 3 (1798) 282. im gegensatze zu anderen begriffsbestimmungen, die eben so wenig aus der geschichtlichen betrachtung entwickelt sind, hat dieser versuch Eberhards, die widerstrebenden verwendungen des wortes unter einem allgemeineren begriff zu vereinigen, ausnahmsweise das richtige getroffen. gewalt und macht stehen sich von anfang an darin gegenüber, dasz bei gewalt immer ein verhältnis mit gedacht wird, in dem die kräfte des trägers der gewalt an anderen kräften gemessen werden; bei macht dagegen ist ein solches heraustreten des begriffes aus der sphäre des jeweiligen subjectes nicht geboten. I@4@a@g@44)) unvollständige aufzählungen des bedeutungsgehaltes pflegen meist einer ausprägung der begriffe vis, virtus, violentia zu ermangeln, die ihrerseits oft in den mit aufgeführten festen verbindungen um so deutlicher zum ausdruck kommen oderin zweitheiligen wörterbüchernin demjenigen theile aufgeführt werden, der die fremdsprachlichen termini verdeutscht. so haben Kirsch, Calepinus u. a. den begriff der gewaltthätigkeit nur im lateinisch-deutschen theile ausgeprägt (s. vis, violentia), ebenso das nouveau dictionaire, das ihn im franz.-deutschen theile unter violence bucht. I@4@a@g@4@aa)) vereinzelt bleibt dieser theil der begriffsbestimmung in ansätzen stecken: gewalt, potestas, autoritas, dictio, potentia. gewalt des rechtens, gewalt des gebiets, jurisdictio, id est potestas judicandi, gewalt der uberwindung, gewalt der zwingung, potentatus, id est potestas vincendi et ejiciendi. vocabular. optimus (Lotter 1504); potestas, gewalt, vermügligkeit. Dasypodius (1537) 191a. vis ... aliquando gewalt, ungestüme. ebenda 261c. vgl.gewalt oder gerechtigkeit gericht zu halten, jurisdictio. 341a; gewalt, pouvoir, puissance .. force. Hulsius (1596) G 2a. die gewalt, macht, das vermögen power, might, authority, dominion, sway, force, right, faculty etc. Ebers 644. [] I@4@a@g@4@bb)) der begriff der violentia bleibt ganz unberücksichtigt. meist giebt hier das staatsrechtliche moment für die begriffsbestimmung den ausschlag: gewalt, potestas, autoritas, dictio i. potentia. vocab. incipiens teut.; gewalt (der) unnd ansähen, potentia, authoritas, potestas; gewalt und macht copia. gewalt oder gerächtigkeit, recht unnd gericht ze halten, jurisdictio. Maaler (1561) 178c; gewalt, authoritas, ansehen, gewalt, wirdigkeit. Calepinus (1570) 150b; potentia, macht und gewalt, vermögenheit. ebenda 1182b; gewalt (die), macht, herrschafft, autorität, power, authority, might, dominion, sway. teutsch-engl. wb. (1716) 768; gewalt, vis, potentia, herrschaft, potestas, dominatio, dominatus. Kirsch cornucop. (1764) 179b; ähnlich (etwas kürzer) Frisch (1741) 2, 420b. I@4@a@g@55)) bedeutungen, die in der entwicklungsgeschichte des wortes nur vorübergehende oder bedingte geltung gewinnen, erfreuen sich in einzelnen wörterbüchern einer beachtung, die das sonstige verhältnis verschiebt. I@4@a@g@5@aa)) der aus der verbindung mit zielbestimmungen entwickelte begriff der erlaubnis wird besonders hervorgehoben: gewalt, macht, potestas, potentia; erlaubnusz, copia, licentia. potestas, potentia. Spieser (Basel 1700) 1511; gewalt m. macht, le pouvoir, la puissance, potestas, erlaubnis, le pouvoir, la permission, venia. nouveau dictionaire du voyageur (1703) 144. 145. ebenso Bayer (1733). zu beiden vgl. auch unter b)); gewalt, erlaubnis, la permission, venia. Veneroni (1766) 74. I@4@a@g@5@bb)) die bedeutungsgemeinschaft mit kraft, stärke wird gepflegt: gewalt, stärcke, la force, potentia, vis. nouveau dictionaire du voyageur 144b. Bayer 290a; gewalt, kräfften, potentia, vires. Aler (Köln 1727) 934a; gewalt, stärke, la force, vis, la forza. Veneroni 74b; gewalt s.kraft. Chomel 4, 1040. hierher müssen auch die meisten mundartlichen wörterbücher gerechnet werden, die in den verbindungen oder redensarten, die sie anführen (mit gewalt, gewaltsmensch, gewaltskerl u. a.) vorwiegend auf die berührung von gewalt und kraft zielen, vgl. gewalds swin. Woeste wb. der westphäl. mundart 37 u. a.; gewaltsmensch, eine grosze starke weibsperson. Schmidt schwäb. wb. 515; e g'waltskärli. Seiler Basler mundart 157. vgl. Schmeller 22, 909. I@4@bb) überblick über die bedeutungen, die über den rahmen der einzelnen wortverbindungen (vgl. theil III) hinausreichen. I@4@b@aα) die bedeutung von potestas, berührung mit macht. I@4@b@a@11)) die allgemeinste fassung des begriffes hat in der neueren sprachevor allem in der poesieihr gebiet ausgebreitet: wer gwalt hatt der hat angst und nott, vil sint durch gwalt geschlagen dott, den gwalt man nit langzit behalt, den man muosz schirmen mitt gewalt. Sebastian Brant narrenschiff 37, 15 u. ö.; sie mein knecht der ist glert und weisz, er scheust vor mir auff wie ein reisz, gott ist er von natur und gwalt, im fleisch gieng er in knechtes gestalt. Mathesius teichenreden 63; kein grösser gewalt auff erden, dann der mund. Henisch 1592. I@4@b@a@1@aa)) da gewalt und macht den vortantz hat, das recht gar weit dahinden gaht. Kirchhof wendunmuth 53a; nimm darnach war, wie weisz der sein muosz der alle dise geschaffne ding ordenet, regieret, richtet ... gegen des macht aller gewalt ist, wie ein spinnen wepp, dem nitt verborgen bleibet, denn er ist ein durchseher der hertzen. Geiler v. Keisersberg seelenparadisz (1503) 4b; magnae potestati sunt juncta pericula magna, qui moderatorem se cupit esse, furit. 'grosz gwalt und macht vil unruoh hat, gefährlicheit, unttrewen rath. der ist ein thor, dem herrschafft liebt, ein grosser herr, der tugent übt'. Franeisci Petrarche zwei trostbücher (1559) 88a; mein gott und herr ich dancke dir, das du dein gnad erzeigest mir, in all meim leben bisz in todt, errettet hast ausz alles noht, und mich begabt mit gwalt und macht, mit haab und gut ohn allen pracht. J. Frischlin (frau Wendelgard 1, 1) 12; viel seind deren die an gewalt und macht grosse riesen, unnd an weiszheit pasteten mänlin seind. Lehmann florilegium 307; man kann überall in der welt und in allen verhältnissen nur durch macht und gewalt etwas durchsetzen. Frauenstädt Schopenhauer-lexikon 1, 288. I@4@b@a@1@bb)) pfenning, nid, früntschafft, gwalt und gunst zerbrechen ietz recht, brieff, und kunst. S. Brant narrenschiff 46, 61; alle dinck is underdan dem gelde; de gelt hefft, kricht ock wol gewelde. Brandes jüngere glosse zum Reineke d. V. 145; [] die thorheit hat ein grosz gezelt, bei ihr sich lagert alle welt, voraus was hat gewalt und geld. Petri der Teutschen weisheit bei Hoffmann spenden 1, 16; geld, gewalt und herrengunst, bricht ehr, recht und alle kunst. Lehmann florilegium 1, 56; gwalt, gunst und gellt den bracht behelt ietzund uff disser erden. Herman Franck der binder, bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1079b; wann eim traumt, wie er lautern wein, oder wein mit wasser gemischt trinke, derselbe wird geld und gewalt bekommen, nachdem er viel getruncken. traumbuch cap. 185, anhang zu Colerus hausbuch (1656); ist er von solchen trincken truncken worden so wird er geld mit gewalt gewinnen, auch einen sehr hohen stand, nach dem er sehr truncken gewesen. ebenda; geld und gewalt, gewalt und geld, daran kann man sich freuen, gerecht- und ungerechtigkeit das sind nur lumpereien. Göthe (zahme xenien) 56, 111. I@4@b@a@1@cc)) derhalben kan kain mensch von sich selbs die ewsserlich und innerlich kewschhait globen, dann sie kompt von oben herab, und wiewol sie von oben herab kompt, ist es doch unmuglich, auch unvernunftig, sich ewig darein zu globen, dann soliche kewschhait ist ain gab gottes, wie andere gaben, als weishait, kunst, gewalt, reichtumb. Thomas Zweifel (Rotenburg an der Tauber im bürgerkriege 29) bei Baumann quellen 2; hie sol ein man petrachten, wo er hat etlich gottes gab, das er kein thu verachten, der gleich der seinen gab nit hab, es sei gwalt, reichtm oder kunst. H. Sachs (der pfau mit dem kranich) fabeln und schwänke (neudruck) 3, 184; alsz ihr gar viel unnd wol betrachten, dasz der mensch sein glück und geschickligkeit hab von dem gestirn, also, das einer mehr auffwechst dan der ander: einer in künsten, der ander in reichthumb, der dritt in gewalt, unnd dergleichen. Paracelsus (1591) 1, 16; wann einem traumt, wie er wein mit rosinen zugericht trincke, und davon truncken werde, so wird er von einem weibe reichthumb und gewalt, mit furcht vermischt uberkommen. traumbuch cap. 185, anhang zu Colerus hauszbuch (1656). I@4@b@a@1@dd)) was sol gewalt on gots forcht und kunst der heiligen geschrifft? Judas Nazarei vom alten und neuen gott 62 neudruck; wann einem traumt, wie er most in einem gefäsz trage, so wird er reichthumb, doch ohne gewalt erlangen. dann von most wird keiner truncken. traumbuch cap. 185, anhang zu Colerus hauszbuch (1656); die gemachten träncke aber haben deszhalben die deutung der arbeit und beschwerung, weil sie mit dem feuer gesotten werden, auch bedeuten sie gewalt ohne tadel. ebenda. I@4@b@a@1@ee)) unbedacht ist bei gewalt; wer gewalt hat, pflegt zu dencken, nachwelt musz ihm alles frech gar vergessen oder schencken. Logau 1. zugabe 87; steht die gewalt bei einem, so ist die menge unterwürfig, ist die gewalt bei der menge, so steht der einzelne im nachtheil. Göthe 6, 96; der tyrann des landes ist gefallen, wir erdulden keine gewalt mehr, wir sind freie menschen. Schiller (Tell 4. 3) 560b; ich bin grundsätzlich kein freund der gewalt, ich halte die gewalt an und für sich nicht für sittlich, mag sie als stehendes heer organisirt sein, mag sie als revolution ungeordnet auftreten. die gewalt bekommt ihren sittlichen werth nur durch den inhalt desjenigen, wofür sie verwendet wird. ber. d. Frankf. nat. vers. 4, 2663; eben so kommt hierbei nicht dasjenige recht des volkes in betracht, welches wir demselben aus dem besitze der gewalt vindicirten und stets vindiciren werden; denn von diesem durchaus politischen standpunkte aus dürften wir nur kurz sagen: das volk hatte im märz das recht, das prinzen-palais für nationaleigenthum zu erklären, weil es die gewalt dazu hatte. Locomotive, zeitung für die politische bildung des volkes. Berlin 1. januar 1849. I@4@b@a@1@ff)) ihr mattes hertz verlangen trug, ihn bald zu sehen, weil sie nun schier fühlte die gewalt welch' alles sterben macht; er kam mit furcht beladen. Rist Parn. 646; [] da die würde ein ausdruck des widerstandes ist, den der selbstständige geist dem naturtriebe leistet, dieser also als eine gewalt musz angesehen werden, welche widerstand nöthig macht, so ist sie da, wo keine solche gewalt zu bekämpfen ist, lächerlich, und, wo keine mehr zu bekämpfen sein sollte, verächtlich. Schiller (über anmuth und würde) 1157a. I@4@b@a@1@gg)) herumb hastu ein namen grosser dan Hercules name, o du seliger deutscher, dweil dich innen hatt das edel haus von Beiern, kein gewalt mag dich nummermehr geletzen. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I., quellen z. bair. u. deutsch. gesch. 2, 23; und wider den felsz sol nicht vermügen irgent ein gewalt, auch nicht pforten der hellen. Luther ein christlicher sermon, von gewalt sand Peters A 2a; du muost mit mir es darff nit wort dann ich gantz niemant übersich er sig grosz, klein, arm oder rich deszglich bapst, keiser, fürsten, herren mögend sich mins zorns nit erweeren. da hilfft kein gwalt, da hilfft kein gunst da hilfft kein wiszheit noch kein kunst. spiel vom reichen mann und armen Lazarus von 1529, vgl. Bächtold s. 75, vgl. Stumpf (1548) 2, 164; Shakespeare zeigt ihm (dem leser) gleichsam das buch der vorsehung, und die entzückte, prophetische seele, über den zusammenhang der begebenheiten hinausgesetzt, wird gedrungen, diesen (den erfolg), als den einzigen zu erkennen — welche gewalt könnte, wenn die ursachen bleiben, den erfolg hindern! — ist dies nicht gebrauch der geschichte und novelle gnug? Herder werke 5, 243; nein, da ist keine gewalt auf erden, die sie zwingen könnte. Gotter (1802) 3, 91; keine gewalt ist hinreichend, meinen willen zu beugen. Tieck Don Quixote 2, 187. I@4@b@a@1@hh)) gewalt ist wie ein kind; wo nicht verstand sie leitet, so stürtzet sie sich selbs, weil sie zu frevlich schreitet. Logau 2, 8, 15; denkst du, die pflicht soll sich scheuen zu reden, wenn sich die gewalt vor der schmeichelei bükt? Wieland Shakespeare 1, 138 (könig Lear 1, 2); von allem glanze jener hoffnung mich auf ewig trennen! das vermag ich nicht! o fasse mich, gewalt, mit ehrnen fäusten; geschick, du blindes, reisze mich hinweg. Göthe (natürliche tochter 5, 6) 9, 371; ja wenn, was einem schön und löblich dünkt, auch jedem andern schön und löblich dünkte, kein streit noch zwist entzweite dann die welt! so aber sind's die nahmen nur, worüber man sich versteht; in sachen denkt man anders. sieh .. in der erde tiefen taucht' ich unter, die höchste der göttinnen, die gewalt, mir zu erringen! mutter, und diesz gut sollt' ich in andern händen lieber sehn, als in den meinlgen? und wie erniedrigend für mich, wenn dieser da mit feu'r und schwert, was er nur will, von mir ertrotzen könnte. Schiller (die Phönizierinnen 2, 4) 6, 142; bunt gemengt aus manchen stoffen ist das roherz der gewalt, kaum der brand von zehen reichen gnügt, die mischung auszugleichen, die im tiegel kocht und wallt. Grillparzer (der traum, ein leben 4) 5, 243; doch räthsel geben ziemt nur der gewalt, die räthsel lösen eignet dem gehorsam. (Libussa 3) 6, 200. I@4@b@a@22)) der staatsrechtliche begriff. gewalt soll güetig sein. Henisch 1592 (vgl. oben sp. 4920. 21); gewalt auff erden so hoch nie kam, der nicht ein end mit trawren nam. Lehmann florilegium 307; je höher gewalt, je höher abfall. Henisch 1592; kein gewalt bleibt fest. ebenda. I@4@b@a@2@aa)) das vierde und das mehtigeste rich ving ane zu Rome, do es ouch noch ist und bliben sol untz an den jungesten dag, noch dem nammen zuo nemene und nüt noch dem gewalte oder geslehte. Königshofen, d. städtechroniken 8, 317; und die von Friburg noment zu an gewalde und die groven abe. 317 Schilter; denn das schwert und die gewalt, als ein sonderlicher gottesdienst, gebührt den christen zu eigen für allen andern auf erden. Luther ordnung eines gemeinen kastens (1523) 22, 77 Erl.; dann Appius Claudius begundt sich gantz zuverkeren inn übermuot unnd hoffart, das thatten auch die andern neün, dann sie sich des gewalts zuovil überhuoben. Livius (Straszburg 1562) 42b; laszt euch niemandt verfüren, folgend guotem rath, so werden jhr gunst von den göttern und menschen erlangen, unnd die statt Rhom wider zuo allen ehren und gewalt, darinn sie ie vor gewesen, kürtzlich bringen. [] 54b; dann die herrligkeit des Römischen reichs sich weitter erstreckt, und auch über den Rhein hinüber griffen hat, und damit die reverentz und den gewalt über die alten grentzen oder marckstein hinaus erweittert. Micyllus Tacitus (Germ.) 446b; jetzt lieg ich da ohn allen sinn, hab weder macht noch gwalte, und ob ich schon ein herzog bin traurig in tods gstalte. Opel und Cohn lieder auf den dreiszigjährigen krieg 348; wie ich dan den gottsehligen herrn sich dessen selber habe hören rühmen, sagendt, er wüsste wohl, dass, ob er gleich an macht undt gewaldt dem könige in Franckreich undt Engelandt nicht gleich wehre, so übertreffe er sie doch in diesem stück, dass er ... sicher reisen ... kunte. Detlev v. Ahlefeldt memoiren s. 16; von Pipin Heristalls zeiten hatten die Austrasischen majores domus, die schon principes et duces Francorum waren, aussicht zur krone; es kostete aber, so völlige könige sie an amt und gewalt waren, mit dem namen etwas mühe. Herder (wie die deutschen bischöfe landstände wurden) 5, 687; könig. in alle dem zum reichsgehilfen nenn ich — tritt vor, Bancbanus! — hier! — ernenn' ich dich! sei du ihr aug und ohr, sei hand und arm, sie wird der geist sein, der durch dich gebietet. Bancbanus. ach herr, bedenkt .. ich bin ein schwacher mann. könig. so minder wohl verlockt dich die gewalt. Grillparzer (ein treuer diener 1) 65, 170. I@4@b@a@2@bb)) herumb sehet uff die ding, das kein ander keiser, konig oder furst in Deutschlande und in euwern gewalt und furstenthum nit niste oder betzwinge. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 96; ich bins gewisz, das weder tod noch leben, noch engel, noch fürstenthum, noch gewalt ..... mag uns scheiden von der liebe gottes. Johann Eberlin v. Günzburg (wider die schänder der creaturen gottes) 2, 6 neudruck; es ist in allen historien von anfang der welt zu sehen, und zu finden, wie ein unsaglicher groszer gewalt das reich des teufels sei. Justus Jonas apologia der confession verdeutscht (1536) bei Luther 6, 384b; dast khummen seist ist unns wissen, unnd khünftig werden vest glauben, darumb beschirmb, durchleuchtiger, dein reich unnd gwalt vill mächtiger. hymnarius bei Wackernagel das deutsche kirchentied 2, 1110b (vgl. dazu die verbindungen mit dem possessivpronomen unter III); als aber die Behem unbillich daucht, das ein solcher mechtiger gwalt durch ein weibsbild solt gregiert werden, da sprach Libussa in einer grossen versamlung und menig ires volcks. S. Münster cosmographie (1537) C 2b; Franciscus ist gleich den seraphim, mag auch durch sie und jre figuren bedeut und figuriert werden, durch alle chür der engel, der cherubim, der thron, herrschafften, der krefften, der gewalt, furstenthumen, der ertzengel etc. es figuriert alles Franciscen. Erasmus Alberus der barfusser mönche Eulenspiegel und alkoran B 3a; so würde solch ein beständige justitia, darauff alle königreiche, gewalt und herrschafften gegründet, im h. röm. reich nit mehr zu finden sein. ob der kaiserliche hoffrath ... bei Londorp 1, 14b; der district oder die gewalt, wo jemand zu gebiethen hat. Voigtel versuch eines neuhochd. handwb. (1794) 2, 79. I@4@b@a@2@cc)) dan unserm got nichts zu vergleichen, und aller menschen macht musz seinem dunder weichen, für ihm der herren stoltz vergebet wie ein dunst, für ihm wird ir gewalt selbs dem gewalt beschwerlich, so ist der fürsten zorn für seinem zorn umbsunst, sein ruhm ist unvermehrlich. Weckherlin gedichte 1, 306 (psalm 93, 5); dann die auff der höchsten spitze stehen, die stehen nicht satt, es wird jhnen nichts meher, dann dasz sie wie im spil der faulen brucken, einmal die händ zusammen schlagen unnd jauchtzen, unnd alsdan wider herab springen, rutschen unnd bürtzeln: ja wann sie sich nit recht vortheilhafftig inn die wag stellen, darff sie die spitze des gewalts durchtringen unnd umbringen. Fischart Gargant. 314 neudruck; wohlan, so sei der ring sogleich gebildet. man pflanze auf die schwerter der gewalt. Schiller (Tell 2, 2) 14, 323; ich kam herein, als eine bittende, das heil'ge gastrecht fodernd, in den arm der blutsverwandten königin mich werfend — und so ergriff mich die gewalt, bereitete mir ketten, wo ich schutz gehofft —. (Maria Stuart 1, 7) 12, 438; [] Nebucad Nezar, vor dem die erde sich krümmt, und dem macht und herrschaft gegeben ist vom aufgang bis zum niedergang, entbietet seinem feldhauptmann Holofernes den grusz der gewalt. Hebbel (Judith) 1, 13; wir kannten weder die schöne griechischer götterbilder, noch andererseits jenes Cäsarische wesen, in dem bilde des jemaligen herrschers der aufstrebenden jugend ein drohendes symbol der gewalt entgegen zu halten. Th. Storm (der amtschirurgus) 3, 134. I@4@b@a@2@dd)) sü sattent ouch 4 meister noch der alten gewonheit und einen ammanmeister, der ein houbet solte sin der antwerke und des eit solt vor allen eiden gon, daz vormals ungewonlich waz ... sus kam der gewalt us der herren hant an die antwerke, daz doch den antwerken ein gros notdurft waz, wand die herren begingent groszen gewalt an in. Closener, d. städtechroniken (Straszburg) 8, 123; da er sich aber in sattel geschwungen (d. h. abt geworden war), und den gaul bei dem zaum erwüschet hette, gab jm die gewalt einen muht, unnd truge sein haupt auffgerichtet denn ein hinde. Kirchhof wendunmuth 394b; für den menschen soll E. K. F. G. also sich halten: nämlich der oberkeit, als ein kurfürst, gehorsam sein .. und ja nicht wehren noch widersetzen, noch widersatz oder irgend ein hindernisz begehren, der gewalt, so sie mich fahen oder tödten will. denn die gewalt soll niemand brechen noch widerstehen, denn alleine der, der sie eingesetzt hat; sonst ists empörung, und wider gott. Luther an kurfürst Friedrich (5. märz 1522) 2, 140 de Wette; selig were aber der, der desz gewalts ist (ich meine die oberkeit). Paracelsus chirurg. schr. 1, 303; gerere potestatem am gewalt oder regiment sitzen, ein oberkeit verwalten. Rimelius 1590; so verordene unnd will ich, das Lobkund uber alle vitzthom pfleger, verwalter, schösser und amptleut ein .. landshauptman und oberhaupt, mit genugsamer dazu erheischter authoritet verwaret seie: und mit dem königlichen kind so lang zu gewalt und rhat sitz, bisz er das reich für sich selber zu regiren sich teuglich befind. Fischart Gargantua 432 neudruck; wellichen ainem sein hausz aufstost, hader oder zank anfieng, fenster einwurf und schaden thete, solle strakts in ein gefenknusz geworfen werden und dem herrn der gewalt haimbgesetzt. bannteiding von Neuberg (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 131; immer war er gelassen, führte seine geschäfte mit festigkeit durch, ohne sich auf die gewalt zu berufen und als regierungsperson zu brüsten. G. Keller (der grüne Heinrich) 1, 380; (ich) habe gleichwohl erkundet, dasz die räte und bürger, die zweihundert und das volk auf der landschaft in groszer mehrheit einig gehen und die gewalt bei ihnen ist nach wie vor. Züricher novellen 363; zu herrschaft und gewalt, zu geld und besitz führen viele wege, zur erkenntnisz des guten und bösen nur der eine, den die schlange zeigt. Hebbel (charakteristiken) 4, 80. I@4@b@a@2@ee)) wer ein gwalt uff erden treit der si zu guottem bispil bereit. Thomas Murner narrenbeschwörung 168 (53, 27 neudruck); vil besser hettens vor bsunnen das aller gwalt von gott allein. Wolfgang Schmeltzel Samuel und Saul (Wiener neudrucke 5, 15); wen aller gewalt der kumpt darumb, dz man straffen sollt ... was übel ist gethane. Hermann Franck bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1075b; darumb ist disem unsern geben der gewalt (tradita est provinzia) Terenzübersetzung von 1490 80a; vgl.gewalt geben unter III; weil du nun alt und schwachheit vol wie sie dann sehen, wissen wol. gwalt regiment habst ubergebn dein sün, die fürn ein böses lebn verkhern das recht und nemmen gab von deinem weg gantz fallen ab drumb sie begern und haben wölln solst jn ein andern künig stelln. Wolfgang Schmeltzel Samuel und Saul (Wiener neudrucke 5, 15); allen gewalt, den kunig Fridrich doran hatte, was schatzes und guotz und brieff er zuo Wien in dem huse und vesten hatte, wart als genomen von sime gewalt. Erhard v. Appenwiler, Basler chroniken 4, 309; was meszt jhr euch zuo den gewalt der euch gar nicht ist zuo gestalt. Fischart flöhhatz 1025 neudruck. [] I@4@b@a@2@ff)) ich törst alle mine heimlicheit entdecken; vor dem einem verbüt es der gwalt, vor dem andern verdrüst mich des geschichtz dz ich nit' ungeschickt noch stützig gesehenn wurd. Terenz (1499) 86b (heautont. 4); wie kumpts das dir allzit nit gfalt was ich hie radten und der gwalt. tragödie Johannis des täuffers (1549) F 7a; auff die laster acht haben, gebürt allein den priestern, auff das nit der gewalt, sonder gott durch die priester die laster und übelthat straffen. S. Münster cosmographie B 4b; das der gewalt sölichs nit welte noch sölte lassen liggen. U. Zwingli von der freiheit der speisen 4 neudruck; wölche der gewalt widerstreben, die werden ain gericht sich uberkommen. Luther wider die mordischen und reubischen rotten der bawren Ab; so doch gott wil die gewalt gefürcht und geehret haben, ob sie gleich heidenisch were und eitel unrecht thete. vermanung an die bawerschafft 3, 108a; er glaubt nit, das er (Jesus) ein herr sei der feindt; wenn er beleidigt wirt oder feindt hat, so lauffens zuo dem gewalt, der sie verhüte. predigten (1523) 12, 459; dan wiewol derselbich lanzknecht, genant Niclas vann Han uis der Sclesen, van dem tag an, er gesclagen war, 4 ganser wechen uff der strassen gink und minen swager vur der gewalt beclagete, ... so wart er doch nach 4 wochen eirst krank. buch Weinsberg 2, 28; a. 1526 im vurs. rumor hat sich Henrich Lutzekirchen kufferscleger ... auch under die rumorischen ingelaissen, weiters als im gezimt hat, darumb sollt er auch angetast werden und wart zu Cronenberch gesocht von der gewalt, aber nit fonden. 1, 47; der glaub hat allweg so gestanden, das er nichts gilt inn allen landen, und sonderlich bei der gewalt da hat der glaub schier kein gestalt. Erasmus Alberus Esop 34 neudruck; nach dem der frumm Caspar Tawber, die christlich freihait offt und vil, mit worten und wercken, als ein rechter christ bei den widerchristen erzaigt und verfochten hat, ist er von dem widertail dem gewalt ubergeben ... worden. ein warhafft geschicht, wie Caspar Tawber bürger zu Wiene etc. (1524) B 2a. I@4@b@a@2@gg)) jm (dem päpstlichen reich) aller gewalt gar under liegen demtiglich sein knie musz biegen, B. Waldis das päpstisch reich A 1b; ein yglicher gewalt hat sich von des teufels banden tzureyssen, durch erkantnusz unszer grewlichen szunden. Hartmuth v. Cronberg 59 neudruck; gewalt, regum apices. Maaler 178b; ebenso Frisius 104a; gewalt m. consul, der oberste gewalt zu Rom. Pinicianus bl. 15; da er dem volck die ursach öffnet, legeten sie grosz gebet an den obern gewalt umb genad den hirten zu erwerben. Pauli schimpf und ernst 106a (1563); tribuni militares, sive tribuni militum. oberster gwalt zuo Rom auff ein mal. sunst schirmherrn der kriegsleuten, sunderlich wider den unbill desz vAeldherrens. Frisius 1328b; ebenso Rihelius (vgl. die wortverbindung oberster gewalt, oberste gewalt unter III); da durch disze zeit aus der massen ferlich ist, mussen wir gar weislich handlen, und ihe zusehen, das wir die ubirkeit und gewalt in allen ehren haben. Luther (sermon vom bann 1520) 6, 72; da nun die Römer durch jr hohe vernunfft ... wol erkennen kondten, das jr stand und wesen nit langwärig sein möcht, wo sie nit under jnen ordentlich gewalt und oberkeit hetten, ... erdachten sie ein mittel. Livius (Straszburg 1562) 22a; und wurden burgermeister und zunfftmeister, und alle andere ämpter und gewalt abgethon. 42a; so were noth, das man einigen hauptmann und gewalt mAecht .. 27a; aber heimlich hett er den anschlag, so andere gewalt zuo Rom abgethon wuorden, das er etlicher der reichsten gter under die gemein theilen, und des ursach erdichten wolte .. 49a; und so entkleid' ich denn, mit deinem urlaub, mich all' der würden, ämter und gewalt, die deine huld an deinen knecht verschwendet. Grillparzer (ein treuer diener 5) 65, 253. I@4@b@a@33)) in privatrechtlichen beziehungen steht die bedeutung von gewalt im allgemeinen unter dem einflusz der wortverbindungen, in denen der träger des begriffes oder die zielbestimmung gekennzeichnet wird. vielfach liegen hier auch staatsrechtliche befugnisse zu grunde, die aber in ihrer beziehung auf bestimmte träger privatrechtlichen charakter annehmen. die neuere sprache zeigt hier die meisten einbuszen. I@4@b@a@3@aa)) von vornherein beschränkt ist die verwendung in der bedeutung 'auftrag, gerechtsame, privilegium', vgl. oben sp. 4935. wo sich diese bedeutung von den verbindungen loslöst, denen sie [] entstammt, prägt sie meist die allgemeinste fassung aus. in einzelnen fällen nimmt sie jedoch von unterdrückten ausführungsbestimmungen eine engere bedeutung mit. I@4@b@a@3@a@aα)) dasz wir und all unser erben und nachkommen noch niemand von unsert wegen, von keiner sach wegen, in keinem gewalt, keinen einfall .. daran thun sollen. urkunde von Abensperg (1399), Hund 2, 225; sölicher gewalt sich nit weiter erstrecken sol, den zuo ere dem fürsten und nütz dem land. wo ein amptmann die burger schinden tede on schuld, oder die gütter im selber zuo eigen machen wölt, oder dz land einem seiner findt übergeben, wil nit glauben, daz der fürst sölichs gestattet, oder der massen den gewalt im verlichen hab. Karsthans 174 Kurz; und so der (träm oder balken) alt wrd, oder verwesz, und wolte eigens gewalts ... andere trAem und balcken auszwechseln ... das hat er nicht macht. Fronsperger bau-ordnung (1567) 22a; derhalben soll sich kainer underwinden, darvon aignes gewalts was einzefahen, ze hülzen, ze pauen. landrecht vor Wartenfels (1585), österr. weisth. 1, 161; als gebieten wir dir, krafft unsers von gott dem allmächtigen habenden gewalts, dasz du ... allhier zu Jerusalem vor uns ... erscheinest. Jac. Ayrer proc. 144; wir Christian fürst zu Anhalt .... von wegen herrn Joachim Ernst, marggrafen zu Brandenburg .... krafft habenden gewalts. tractat zwischen den unirten fürsten und ständen 1614 bei Londorp 1, 166a; ich gib und lasz jhm zuo, es ist nit not alle ding gegen jhm, nach meinem gewalt zuhandlen. Valent. Boltz Terenzübers. 128a; eo jure, quo qui optimo, dasz ers habe mit allem gewalt (das imperium) und solchem vorzug, wie man es ihm in dem fall ubergeben mag. Rihelius 1590; jus, pro potestate, macht und gewalt. ebenda; jus, die macht, gewalt. Gürtler (1762) 1, 454; gewalt, recht, jus. Bayer 290a; per potestatem auferre aliquid alicui, ausz gewalt und von der oberhand. Rihelius 1590; derhalben geben wir, aus bepstlichem gewalt, mit gutem wissen, laut gegenwertiger schrifft, volkomen freien und gantzen gewalt unsern geliebten sönen hierunden geschrieben. Luther (zwo bullen papst Clementis VII. 1525) 3, 96a; du sagst ausz unvernunft von der trifaltigen kron, so unser aller heiligster, die er pillich ausz gewalt seiner öbrigkeit tragt. ein unterred des bapsts und seiner cardinalen bei Schade satiren 3, 92; den (druck) gemelter Iro durch sich selbs oder ein andern von seinet wegen, wo er den bei jr jedem finden wirt, aus eignem gewalt on verhinderung meniglichs zuo sich nemen und damit nach seinem gefallen handeln und thuon mag. Carolina (druckprivilegium) 2 Kohler-Scheel; da ist Bartholome Rem aus aignem gewalt zuogefaren in der kaiserlichen stat und in dem glaid und hat den rossen an den wägen die strangen abgehauen. Sender chronik von Augsburg, d. städtechron. 23, 148; usz eignem angenommenen gewalt. Judas Nazarei 26; das sich über den vertrag, zwischen der stat- und lantgericht Rattemberg ausgangen, kain frembter hantwercher in der Briggslegg, Krämsach und Radvelden auszer der verordneten ausz aignem gewalt nit nidersetze. ehehaft taiding von Rattenberg, österr. weisth. 2, 107; anno 1517 hat angeregter pabst Leo X. ausz sonderm gewalt, welchen er vermeinet ausz altem herkommen und gebrauch seiner vorfahren über alle christlichen kirchen zu haben, hin und wider durch alle land brieff und ablasz auszgeschickt. Kirchhof wendunmuth (1, 2, 14) 1, 459 Österley. I@4@b@a@3@a@bβ)) engere bedeutung auf grund ausführender bestimmungen, die bei gewohnheitsmäsziger wiederholung leicht unterdrückt werden: die macht odder gewalt zu regirn. Luther vier trostliche psalmen B 8a; dazu gehört folge der unterthan, und hoheit, das ist, gewalt zu gebieten, güter und eigenthumb. Melanchthon (loci theolog.) corpus doct. christ. 286a; und soll allein den dütschen zuo stan gewalt und gerechtigkeit einen künig oder keiser zuo erwelen. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 32; ward dem gemeinen römischen volck der gewalt und chur, ein andern könig zu kiesen, zuogelassen. Livius (Straszburg 1562) 8a; dieweil mir mein gnädigster herr in seinem abschied mir allen gwalt übergeben hat, das unrecht zuo straffen. Wickram Galmy 142; ausz der von gott ihr, der geistlichen hochheit, ertheilten gewalt und macht .. in geistlichen bann zu thun. Abele künstl. unordnung 3, 250; gewalts und richtens ich beger, das mir werd bald mein seckel schwer. Schwartzenberg 135b; weil si (die curtisanen) da selb alleine han alle gewalt und jurisdiction. B. Waldis das päpstisch reich M 2a; [] und sollen nimmehr haben einige gewalt, recht oder gericht. Kirchhof wendunmuth (2, 46) 2, 89 Österley; überantwort der pabst .. dem keiser .. gerechtigkeit und gewalt zuo erblon. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 27 neudruck; jurisdictio, rächtspruch oder rächtsatz, oder gerichtsatz, gewalt oder gerächtigkeit, rächt und gericht ze halten, gerichtszwang. Frisius (1568 und in späteren ausgaben) 744b. vgl. oben Maaler 178b; gewalt, oder gerechtigkeit, gericht zu halten, jurisdiction. Hulsius (1596) G 2a (fällt in der ausgabe von 1614 weg). I@4@b@a@3@a@gγ)) eine andere ellipse reicht mit einzelnen mundartlichen verwendungen noch in die neuere sprache herein: gewâld, m.; .. in der kanzleisprache die von einem landammann oder statthalter ertheilte erlaubnis zu rechtlichen einschritten, bewilligung zu rechtseröffnung, bevollmächtigung, befehl. Tobler Appenzell. sprachschatz 247; gwald wird von wisig (weisung) unterschieden. der übertretung einer wisig folgt keine strafe. ebenda. I@4@b@a@3@bb)) allgemeiner entwickelt sich auf grund der gleichen verbindungen, die den eben dargelegten sonderbedeutungen zu grunde liegen (gewalt geben, gewalt haben, etwas zu thun, vgl. oben sp. 4933 ff.) die bedeutung 'vollmacht', vgl.gewalt, mandatum procuratoris cujusvis. Haltaus 696. diese engere bedeutung ermöglicht eine reihe freier verwendungen und neuer verbindungen, während die allgemeinere bedeutung 'erlaubnis' an den alten verbindungen klebt, vgl. unten III. I@4@b@a@3@b@aα)) die wurben an den raut, daz man ain erber pottschaft mit vollem gewalt santi gen Kirchhain. d. städtechron. 4, 36 (Augsburg); Karsthans: wie meinst dan, wan es darzuo komen wOelt, das allein der gewalt recht wer. ja wann der bapst einen gouch von Rom schickt mit gewalt: ja fach mir den, verbren disen, schmir mein pflegel würt sich regen. Karsthans 174 Kurz; bittend und ersuchend, ir wollent zu hertz nemen, was den erbern obern steten an dem allem gelegen, und ewer erber ratzbotschaft wol underricht mit gewalt und bevelch. ausschreiben der stadt Memmingen 23. märz 1525, Baumann acten 161; als der keiser darein bewilligte, schrieben sie am 22. tag des herbstmonats, beiden stedten, und forderten sie, das sie auf den 2. des wintermonats, zu Augszpurgk auff ein frei geleit, zur handlung erscheinen, und jhre gesandten mit volmechtigem bevehl und gewalt, etwas endlich zu schliessen, dahin abfertigen solten. Pomarius chronik von Magdeburg (1587) Z 3a; derhalben begert und ermanet der pabst, dasz die fürsten, ieder in sonderheit, ihre gesandten mit vollmechtigem gewalt dahin wöllen abfertigen. Kirchhof wendunmuth (1, 2, 19) 1, 467 Österley; ich gedachte aber bei mir, und wider ihn, das könne einmal nit sein, weilen der mit nichtigem gewalt und vollmacht versehne bauer nit weis, noch wissen kan, auf was für weis-articul und fragstuck sein nachbaur etwann, und also entweder de facto alieno oder proprio, gefragt werden möchte. Abele künstl. unordnung 2, 318; ich wurde zornig, und murrete bei mir, wer hat den schlenckel mit gewalt und vollmacht versehen, im namen der ehemänner, ein so feine und kurtze vermahnungs- oder warnungs-predigt abzulegen. 2, 102; einen mit gehöriger gewalt versehen. donner un bon pouvoir (pouvoir en bonne forme) à quelcun. Rondeau-Buxtorff (1740) 253; wo aber .. der antworter oder jemand mit vollem gewalt an seiner statt auf dem gesetzten rechttage erschiene. protokoll über die reformation des bair. landrechts (1487) Krenner 12, 83; die herschinen all gehorsamlich mit iren ferornaten uff sontag zuo nacht hie mit folem gewalt. Hug Villinger chronik 154; zu diesen mären kam die legation von Rom, mit vollem gewalt und commission in der sach zu handeln. Kirchhof wendunmuth 411b; darum in allen not und gebürlichen were, zu setzen ire procuratores und syndicos, die solch ir sach mit vollir macht und mit gantzem gewalt handelten und wandelten, zu gewine und zu verluste. urkunde von 1453 bei Haltaus 696; das er darumb freuntlich recht vor des reichs richter hie zu Nuremberg durch sich selbs oder durch seinen macht botten mit seinem vollen gewalte nemen wulle und niendert anders. Nürnberger polizeiord. 326; der do hingeben will der soll am ersten das guet dem probst aufgeben mit gegeben oder angenomen gewalt, so des not thut, von allen eriben und miterben .. stiftrecht zu Wieting (15. jahrh.), österr. weisth. 6, 510; vor üch offen geschwornen notarien, und den hiebisteenden glöbwürdigen gezügen, wir Jeronimus abbt zu Alberspach in namen und an statt von unsers gotzhusz wegen, und mit gewalt unsers convents legen [] für und sprechen, als dann das genempt unser gotzhusz nit mit merckhlicher heller-gült beleit ist, sondern uff falbare güeter gewidmet. appellation des abtes v. Alpirsbach an das kais. hof- oder kammergericht (1488) bei Reyscher sammlung altwürt. statutarrechte 45. I@4@b@a@3@b@bβ)) aber die fraw die mit irem man zegelten nit schuldig ist. mag iren man one besonndern gewalt nit vertretten. Nürnberger reformation (1479) titel 3, gesetz 3; deszgleichen uff begeren der männer an statt derselben mit erscheinenden weiber, und (das doch ganz schimpflich ist) auf begeren der weibspersohnen, in nahmen ihrer abwesenden männer, sonder caution und gewalt handlen. Frankfurter schöffenbescheid vom 17. januar 1586 (anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation 1, 344); wie dann der hieher gehörige schöffenbescheid vom 26. jenner 1663 .. dahin lautet 'demnach eine zeit hero verspürt worden, daz die procuratores gar viel one gewalt gehandelt, und darnach sich der sachen abgetan. anmerkungen zur Frankfurter reformation (1757) 1, 345; sonder gnugsamen gewalt oder vollmacht, sollen sie (die procuratoren) von keiner frembden noch auch abwesenden parthei wegen, sich in recht einlassen. Frankfurter reformation von 1578 1, 5 § 11. I@4@b@a@3@b@gγ)) der gestalten, dasz ihnen gewalthabern allwegs der völlige gewalt und die vollmacht zuegelegt und eingeraumbt sein solle. gemeindeschlusz und ordnungsbrief zwischen Elbigenatz und Köplen (1716), österr. weisth. 3, 122; es soll auch daneben zu gleich, wider wen, und was sachen halben, auch welcher gestalt, der gewalt geben werde, angezeigt, und solchs alles, darzu auch wann, und für welchen scheffen, es geschehen, durch den gerichtschreiber in sein prothocoll eigentlich geschrieben, und folgends zu den acten registrirt werden. Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 3; ich endesunterschriebener bekenne hiemit, dasz ich zu rechtlicher vollführung meines vor dem (gerichte) vorseienden proceszes ... den z. b. Paul, zu meinem ohngezweifelten gevollmächtigten angenommen und darstelle, so fort nicht allein alles dasienige, was er bereits vorhin hierinnen getan, hiermit genemhalte und bestätige, sondern auch demselben noch weiter unumschränkte gewalt und volmacht gebe, alles das zu tun, was die zierlichkeit des proceszes und die rechtliche ausführung der sache ... erfodert. muster einer beim kurpfälzischen hofgericht gebrauchten vollmachtsertheilung (anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation [1757] 1, 351); ob aber der ehemann für seine ehefrau einen andern bevolmächtigten sezen und ihm den gewalt dabei bestand zu tun geben kan? dis verneinet Berger. 1, 375; ich habe mich an dem stücke so müde gearbeitet. du verbesserst das mit einem federzuge. ich gebe dir volle macht und gewalt. Göthe an Herder (13. januar 1787), briefe 8, 134 (vgl.gewalt geben in III); auf solches haben wir uns ... auf ein gantzes ende vertragen und geeint durch den andächtigen herrn Friederichen Schecker, an den zeiten prior desz gottshausz der obgenenten unser lieben frawen brüder ordens zu Straubing, der den gantzen vollen gewalt gehabt hat von einem gemeinen general provincial und capitel desz genannten ordens. kopie der stifftsbrieffsverenderung bei dem Carmeliterkloster zu Abensperg (1463) bei Hund metropolis salisburgensis 2, 228; nach etlichen tagen, als sie sich bedacht und underredt haben, da handt sie zuo andtwurt geben, sie haben seit volkomen gewalt von iren herrn, von den sie hieher geschickt seien, und sind also wider haimzochen. Sender chronik von Augsburg, d. städtechroniken 23, 172 (vgl.gewalt haben in III); wann aber der principal nicht selbst zugegen, soll sein anwaldt, in seiner partheien, und sein eigen seel, obgesetzten eidt schweren, ob er das mit gutem gewissen thun möge, nemlich, dasz er das jenig, so er fürbringt und begert, nicht ausz gefährde, oder böser meinung, noch zu verlängerung der sachen, sondern allein zur notturfft thue, und dasz er das also zu thun von seiner partheien unterrichtung und gewalt empfangen habe. hoffgerichtsordnung der hindern graffschafft Spanheim (Frankfurt 1587) 51; es soll auch ein jeder, so sich also der anwaldtschaft underziehet, und von einem andern gewalt annimpt, sich befleissigen, demselben durch sich selbst, oder seine rechtmessiglich substituirte, gnug zu thun. erneuerte Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 11; von keiner frembden noch auszlendischen personen sollen sie (die procuratoren) generale mandatum oder gemeinen gewalt zu allen sachen, darinn an unserm stadt gericht zu procuriren, annemen. 1, 5 § 13; da kam für uns in gerichte [] der ... anwälde und völlige machtbotten ... welches gewalts sie alspald für gericht urkundt gnug fürbrachten. urkunde von 1455 bei Haltaus 696; wiewol aber niemand von eines andern wegen vor gericht, ohn gnugsamen gewalt, es sei im klagen oder antworten, zugelassen soll werden: so lassen doch die keiserlichen recht, ausz sondern ehehafften bedencken, auch ohn fürbringung gewalts, beide zu klagen und zu antworten, etliche personen zu. erneuerte Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 8; an sant Johanns baptisten tag ist der bischof von Ferrer hie gewesen und hat unserm cardinal den gewalt vom bapst pracht, das er obroster legat soll sein auf dem tag zue Nürmberg. Hector Mülich, d. städtechron. 22, 212 (Augsburg); ein jeder, er sei kläger oder antworter, mag seinen gewalt vor gericht in schrifften, oder mit folgenden ausgedrückten worten seinem anwald übergeben. Henneberger landesordnung (1720) 51. I@4@b@a@3@b@dδ)) sonst ist auch noch der unterscheid zwischen einem gemeinen und besondern gewalte, welcher lezte nur, in ansehung gewiszer besonderen verrichtungen, allemal nötig ist, zu bemerken. anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation (1757) 1, 346; der unterscheid im § 7, zwischen einem gemeinen und bei einigen fällen in rechten nötigen besondern gewalte ist aus den rechten genug bekant und bei allen gerichten bräuchlich. 1, 373; dasz solcher gewalt auch auf die nicht ausgedruckten fälle oder wenigstens dieienigen, die mit den ausgedruckten eine gleichheit und zusammenhang haben ... erweitert werden kan. 1, 374; da ermelter anwalt eines weitern gewalts, dann hierin begriffen, bedürfftig wäre, oder sein würde, demselben wolle ich hiemit in allerkräfftigst und beständigster form, dasselbe vermög der rechten, und dem stilo hochermelter kais. majest. reichshofrahts gemesz beschehen sol, kan, oder mag, auch gegeben haben. reichs-hof-rahts-ordnung (Regensburg 1654) bei Londorp 1, 219a; und da ermelder mein anwald eines weitern gewaltes, dann hierin begriffen, bedürftig wäre, denselbigen wil ich ihm auch hiermit am allerkräftigst- und beständigsten ... auch gegeben haben. aus der Frankfurter formel bei ertheilung der gerichtl. vollmacht (anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation 1, 347); welche geschäfte also entweder einen besondern gewalt darüber erfodern, oder doch, nach der gemeinen lere, nötig ist, dasz si im gemeinen gewalte ausdrücklich und besonders mit benennet werden. 1, 373. I@4@b@a@3@cc)) die objectivierung des begriffes 'vollmacht', gewalt im sinne von beglaubigungschreiben: gewalt, gewaltsbrief, pouvoir. Rondeau-Buxtorff 253. I@4@b@a@3@c@aα)) Severius sagt: notari, den gwalt lesen thut! Dietlieb, der notarius, list den brieff oder gewalt also. wir könig Priamus von Troia ... nach dem sich ein zwispon erhelt zwischen uns klägern eines theils. wegen zugefügten unheils, Podagra als der königin an andern theil, geben forthin unsern vollkommen macht und gwalt, das jetzund herr Hans Sachs, der alt, fürtrefflich und sinnreich poet, der zu Nürnberg sein wohnung het, Podagram solt lassen citirn, klag eingeben und zeugen führn ... Severius, der keiser, sagt zu Francisco Petrarcha: nun sagt uns, ob jhr darfür halt, dasz disz sei ein gnugsamer gwalt. so kan man weiter procedirn, ... Franciscus Petrarcha sagt: die zeit nicht unnütz zu verlirn, so lasz ich jm disen gwalt zu und dargegen aufflegen thu mein gwalt, den mir Podagra gab und bitt ihn auch zu lesen ab. J. Ayrer procesz wider der königin Podagra tyrannei (litterar. verein 79, 2549 f.); weil jr dann mit uns seit zu friden so verlest auch desz herrn gewalt. 2551, groszmechtiger keiser, ich will nicht sehen eur maiestat commission, weil Podagra die göttin schon in eur gnad hat compromittirt, wie im gewalt gelessen wird. ebenda; dasz er unser gewalt und instructiones zu sehen ... begehrt. vortrag und werbung des admirantischen gesandten ... wegen der abführung des span. kriegsvolcks (1599) (Londorp. suppletus 1, 138b); ein kriegs-obrister, begehrte etwas neues an eines orts inwohner, die begehrten hinwieder von ihm seine gewalt, umbzusehen, von weme er die vollmacht hette. Zinkgref apophthegmata (1653) 1, 268; welcher auszerhalb des pittelstabs von [] andern enden. einen gewalt fürbringt. und als anwalt ze clagen oder geantwurten vermeint, der soll ... Nürnberger reformation (1479) titel 2, gesetz 2; wo er aber nicht selbs, sonder durch einen anwaldt erschiene, soll derselb anwaldt seinen gewalt neben obbestimpter ladung und articulierten klag einlegen unnd fürbringen. hoffgerichtsordnung der hindern graffschafft Spanheim (Frankfurt 1587) 41; ac porro, si mandatum non est sufficiens, aut si quis litis instrumenta habeat; admittitur pronunc: sed cum cautione, das er in künfftig einen gnugsamen gewalt einbringen solle. Besold thesaurus practicus (1679) 1070 Diether; darnach zog er seinen gewalt herfür, seine person zu diesem vertrag und handlung damit zu legitimiren, und bat seinen gewalt offentlich zu verlesen. J. Ayrer proc. (1680) 29; dasz, wo sie einigen gewalt, von ehrlichen leuthen gegeben, vorweisen werden, so wolle ich ihnen ferners antworten, und sonsten nicht. Moscherosch gesichte s. 395 Kürschner; seinen gewalt vorweisen, montrer, communiquer son pouvoir. Rondeau-Buxtorff (1740) 253; auch wol gewalt producirt, aber nicht präsentiret. anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation 1, 345. I@4@b@a@3@c@bβ)) das stehet in unserm gwalt nit geschriebn. abdankbriefl einer evangelischen gmain Wien 1619 bei Opel und Cohn 27; aber die abwesenden auszlendischen, mögen einen anwalt, wen sie wöllen, ausz unsers statt gerichts-procuratoren, oder auch einen frembden ... durch einen schrifftlichen gewalt, es seie zu klagen oder antworten, vollmechtigen: welcher gewalt auch in recht ... zugelassen und angenommen werden solle. erneuerte Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 4; wann sie von des abgestorbenen und nachgelassenen weibern und kindern, eltern oder schwestern genugsame gewalt und schein finden. Reutter v. Sp. kriegsordnung s. 18; nach dem nun der kläger oder appellant, in gericht, wie obstehet, gehandlet hat, so ferrn denn der antworter oder appella(n)t, oder ein anderer, so gewalt von seinetwegen fürbracht, oder bestandt derohalben thun würde, copei dessen, so also schrifftlich einbracht, begert, die soll jhme erkandt und gegeben ... werden. hoffgerichtsordnung der hindern graffschafft Spanheim (Frankfurt 1587) 43; copia vero gewalts enim signatura ist, wenn einer einer gemeinen gewalt eingegeben, in causa primi mandati, und dann zu mehr sachen sich legitimiren soll, als in causa secundi, tertii, quarti vel quinti mandati, musz er in einer jeden sache legitimirt sein, so übergiebt er copien desz gemeinen gewalts, und schreibt darunter, huius mandati originale ist einkommen in den ersten sachen mandati, dasz heiszt man signaturam. Wehner observationes (1614) 225; vgl.formulam eines gerichtlichen gewalts in der continuatio thesaur. pract. Besoldi (1679) 237; so sollen sie copiam desselben jhres gemeinen gewalts, wann die constitutio geschehen, oder solcher gewalt erstmals gerichtlich einkommen seie, cum signatura fürbringen und beilegen. Frankfurter reformation (1578) 1, 5 § 14; zu urkund haben wir diesen gewalt und syndicat mit unserm gewöhnlichen secret insiegel besiegelt. J. Ayrer proc. (1680) 89; es sol auch hirrfüro kein supplication, schreiben, schrifft oder anders, wie das namen haben mag, übergeben, noch auf- und angenommen werden, sie seien dann entweder von denen anwesenden partheien selbst, oder von deren procuratoren und agenten, so dessen genugsamen gewalt zu vorderst beigelegt, ... mit eigener hand unterschrieben. reichs-hof-rathsordnung (1654) bei Londorp 1, 218a; indem sie die procuratores von fremder und hiesiger partheien wegen, in dero abwesen, ohne einiges mandat oder caution handeln, ja biszweilen sich mit unwahrheit anwälde nennen, da doch keine constitutio noch gewalt in actis. Frankfurter ordnung von 1551, s. anmerkungen zur erneuerten reformation 1, 344. I@4@b@a@3@c@gγ)) die objectivierung begünstigt den pluralgebrauch (vgl. unten II): dweill .. ausz den gewelden so es uns uberantwort. Casseler urkunde von 1537 Diefenbach-Wülcker 619; von gewälten, die anderswo gefertigt oder auszgepracht werden. erneuerte Nürnberger reformation (1564) 2. gesetz, 5. titel; ähnlich 1. gesetz, 5. titel; 3. gesetz, 5. titel; mandata procuratoria Germanis seind vollmachten, gewalt der anwalden und procuratoren. Wehner observationes (1614) 225; allerhand formulas der gewält. Besold thesaurus pract. (1641) 352; als werden sie hiemit alles ernstes erinnert und verwarnet, die gewälte alsobald in primo termino zu produciren. Frankfurter schöffenbescheid von 1663, s. anmerkungen zur erneuerten reformation 1, 345. [] I@4@b@a@3@c@dδ)) verbindungen geht das objectivierte substantiv gern mit possessiven bestimmungen ein: weil euer lieb und unnser gewalt der, als wir uns erinnern, auf doctor Lupfdich gestelt gewest. Casseler urkunde von 1515 Diefenbach-Wülcker 619; ain ieder mag in burgerlichen sachen personlich erscheinen, oder seinen gwalt und volmacht in gericht ainem andern bevelhen. Nürnberger reformation (1564) fol. 18a. ähnliches auch in den oben angeführten beispielen. andere verbindungen, die in der umgangs- oder geschäftsprache üblich gewesen sein mögen, lassen sich nur aus gelegentlichen notizen erschlieszen, vgl. z. b. aus Würzburger acten; mögen wir euch gnediger freundtlicher meinung nicht bergen ... dasz bei unsern stifft nicht preuchlich noch herkommen, uff gewalt zu leihen. (bischof Julius 1576) Haltaus 696. I@4@b@a@3@dd)) die personificierung. zur parallele mit anwalt und zum geschichtlichen verhältnis zwischen beiden bildungen vgl. oben sp. 4937. I@4@b@a@3@d@aα)) der stellvertreter in rechtsangelegenheiten: erschine aber er in aigner person. oder durch seinen vollen gewalt zu der hawpt sach. so sol darnach verrer procediert werden. Nürnberger reformation (1479) titel 2, gesetz 5; ain iede fraw mag irenhalb in sachen siselbes oder ir besonnder habe oder guot berürend. personlich oder durch jren gewalt clagen. titel 3, gesetz 4; und kommt er also auf den tag, als man ihm denn ersetzet, oder sein voller gewalt, da soll geschehen, was recht ist; käme er aber oder sein gewalt nicht, so soll aber geschehen, was recht ist. Baseler festsetzungen kaiser Sigmunds bei Lünig corpus iuris feudalis Germanici 1, 199; und wo auf das nächste recht der antworter, oder sein gewalt aber nicht erschiene. protocoll der reformation des bair. landrechts (1487) bei Krenner 12, 83; item darnach am donnerstag kamen des alten babsts gewalt, drei legaten. d. städtechron. 1, 410 (Nürnberg); wa ers nit zalen wurd, so sol ain jetliche oberkait sein volmechtigen gewalt schicken, so soll darauff gehandelt werden, wie sich gepürn wirt. Wilhelm Rem cronica newer geschichten, d. städtechron. 25, 125; und dem die stift und pantäding chunt ist getan von meiner frawen und der richter boten, käm der nicht, der ist umb das wandl, er hab dann seinen beredtboten, der stee meiner frawen oder irem gewalt still, umb wen si zu im ze sprechen hat. öffnung und recht zu Axams (1462), österr. weisth. 2, 253; man offent euch, wem her auf den heutigen tag meiner frawen stift mit dem ambtman oder mit seinem boten kunt wär getan, und der nicht komen wär, wär der freisätz, der wär umb das wandel chömen, und von dem guet, er hab dann seinen beredboten, der ste meiner frawen oder irem gewalt still umb wen si zu im ze sprechen hat. öffnung zu Anget, a. a. o. 2, 66. I@4@b@a@3@d@bβ)) der stellvertreter einer amtsperson: wann ein armeni stirbt, an gottes leichnam oder an peicht, so gewint man im den freithoff von dem pischolff oder von seinem gewalt. Hans Schiltberger reisebuch 107; es soll auch der amman noch sein gewalt mit dem Vischpach noch Lanckwasser nit wessern. Tucher baumeisterbuch 217; und so das zimmer auffgerichtet wirdt, soll es durch den amptman oder seinen gewalt beschawet und ie von einem gesperr .. ein ort eines gulden genummen werden. Nürnberger waldordnung von 1535, d. städtechron. 1, 490a; und wann man herschau hat, so sol der richter hinein reiten oder sein gewalt und sol herschau darin haben. recht der hofmark zu Pillersee, österr. weisth. 2, 98. I@4@b@a@3@d@gγ)) der stellvertreter in ausübung des gewerbes oder berufes: unnd wo iemant derselben vogelherd in vorgeschribner mass einen hette und sich dess durch sich selbs oder seinen anwaldt allein für sich, seine geprote (die in seinem brode stehenden) kinde, eehalten und gesinde geprauchen wolt, demselben solt der ambtman darzu einich annder holtz nit erlauben oder vergunnen dann vorhin ... doch daz diejenen, so soliche vorgeschribne vorhein, vichtein oder tennin este zu solichem vogelberd geprawchen und hawen wolten, durch sich selbs oder iren gewalt nicht auff die stammen steigen. Nürnberger polizeiordnung 314; es sollen alle fleischhacker und fleischhackerin, die ie zu zeiten schwein stechen, prüen oder würst machen, weder durch sich selbst oder eehalten oder gewalt in allerlei würste nichtz anders einhacken noch geprauchen dann von schweineim fleisch. 235; do mag er woll hawen doch also, das er noch sein gewalt seinen nutz mit dem holtz noch loe nicht suchen, und das sunst nirgen furen dann für der stat kalcköfen in keinerlai weisse on alles geverde. Tucher baumeisterbuch 90; ez sol auch kainez angiezzers wirtin [] niht schencken, er noch kaine sein gewalt. Nürnberger polizeiordn. 206; daz der meister der hamersmit selber zuo den heiligen swern sol, daz er und sein gewalt dhein coln nizzen und brennen sol von beden welden. 170; das fürbass kein pierprew noch pecke oder ir gewalt oder eehallten zu dem bier zu mültzen oder zu prewen, noch zu der arbeit des taigs des vischpachs nemen oder gebrauchen sollen. 277; ob im ein wirt sein wein liezz machen, daz er oder sein wirtin oder sein gewalt, den er darzu schicket, niht dabei weren, daz si sehen, wamit man in den wein machte, der wirt muoz geben 5 pfunt haller. 204; der wirt, schennck oder ire weiber oder gewalt, die also iemand mit were oder waffen in seinem hawss trincken, zechen oder sitzen liessen, der sol von einem ieden derselben were trager zu puss verfallen sein. 53; dann welcher burger, burgerin oder ir gewalt an solichem betretten oder sunst darumb furbracht wurde, und sich des für sich und seinen gewalt mit seinem rechten nit benemen mochte, so sollte abermals soliche habe und ware ... dem zollner von gemeiner stat wegen verfallen sein. Nürnberger polizeiordnungen 143; ebenso 82. 151. 158; welher unser burger oder burgerin oder ir gewalt einem andern unserm burger schaden tuot an sinen gerten. oberrheinische stadtrechte 1, 92 Schröder; es sollen auch die meister noch die knecht weder klupfel noch spenn noch keinerlai holtzwerck auch keinerlai eisenwerck noch anders, das zu dem pawe gehort, von der arbeit tragen, auch in die pauherren, ir frawen noch ir gewalt des nit vergonnen. Tucher baumeisterbuch 274; und gepietten ernstlichen, das nun hinfur kein pauherre, fraw oder ir gewalt hie in der stat den obgemelten arbeittern nit mer suppen oder sunst zu essen und trincken geben soll, sunder das bei dem gesetzten lone beleiben lassen. 276; ain iegkliche frow mag die anndern in irer kinndtpet vor oder nach mittag oder tischzeit wol haimsuchen und besehen, doch also, das ainiche frow oder ir gewalt auf ainen tag inn derselben kinndtpet weder kinnden oder amen uber vier pfenning nit gebe. Nürnberger polizeiordn. 70. I@4@b@a@44)) der begriff der macht wird durch die vorstellungen der ehre, des ansehens, der äuszerlichen geltung zurückgedrängt. vgl. oben sp. 4912 zu gotisch vulþus. I@4@b@a@4@aa)) potentia, gewalt und ansähen. Frisius (1568 und später) 1027b. in magna potentia esse in grossem gewalt und ansähen sein. ebenda. ebenso Rihelius; gelt bringet ehr, ansehen und gewalt. Henisch 1592; den do unser her got hertzog Bugslaffen mit so mechtigen landen und lewten ... mit gewalt und ansehen und mit fried und aller wolfhart erhaben hette. Kantzow Pomerania 2, 323 Kosegarten; wenn ich mich aber tratzlich hallt denn hatt min ansehensz ein gwallt sunst wenn ich säsz bi den buren hieltens mich wie sunst ein luren. Val. Boltz der welt spiegel F 4b. I@4@b@a@4@bb)) wer sinen veind in hohen eeren oder gewalt findet, der sol sich vor jm hüten, als vor der schlangen. buch der beispiele alter weisen 119; umb solcher lere willen, tödtet der teufel niemand, kan sie wol leiden, ja gibt jnen grosse reichthum, ehre und gewalt dieser welt, das sie ruge haben und süsses leben füren. Luther (auslegung des 9. psalm. 1525) 3, 28a Jena; es haben aber hie bei diesen Suionen auch die reichthumb und gewalt, ir ehr und ansehens. Micyllus Tacitus (Germania) 451a; darumb so schreiben wir den eseln kein ehr oder gewalt zuo, wie die Egyptier den crocodilen unnd nattern. Hedio Josephus wider Apionem 164a; zum andern, trachtet der gemein hauff in dieser welt allein dahin, wie sie können und mögen, es sei mit ehrn, oder unehrn, grosse reichtumb, ehr, wollust, gewalt, gesundtheit, und was dieser stück mehr sind erlangen. Gretter erkl. der ep. a. d. Römer (1566) 743; wie nun derselbige (könig Artus) seiner stillen und gerechten regierung wegen an gewalt, grosser reichthumb und ehren mehr, denn iemand dencken möchte, zuname, also wolt er, dass seine königliche freigäbige miltigkeit nicht allein seinen Engellendern und unterthanen bekannt, sondern auch bei allen aussländischen völckern ruchtbar würde. Kirchhof wendunmuth (2, 22) 2, 38 Österley; der welt macht, herrligkeit, reichtum, gwalt, ehr, kunst, gunst, gnad, rhum, zier, pracht, und alles was hoch wird geacht auff dieser erd, und nicht besteht, ja wie ein schem und schatt' vergeht. Hollonius somnium vitae humanae 69 neudruck; [] reichtuhm, grosse gewalt, ehre und ansehen, etc. sein eitel; nichts. Butschky hochdeutsche canzellei 2, 389. I@4@b@a@4@cc)) festung nennet man die stätte und schlösser, für andern darzu abgesondert, welche mit thürnen, mauren, wällen, brust- und streichweren, bollwercken, pasteien und tieffen gräben, nicht zur lust, pracht, seine gewalt reichthumb und grosse weiszheit, dadurch, wie Nebucadnezar zu ostentiren, ... erbawet, sondern mit grossen kosten auffgericht, und der gantzen landtschafft zum besten erhalten worden. Kirchhoff militaris disciplina 10; sih doch, o mensch, was ist die welt, wie prechtig sie sich immer helt, gegen gott und seiner allmacht? sie wird verfinstert wie die nacht. all ihr gewalt, ihr pracht, ihr ruhm, was ist sie anders, denn ein blum? Kirchhof wendunmuth (3, 5) 2, 272 f. Österley; ich habe dir oben herab erzelet, wie dein schöne reichthumb, gewalt hoffnung und anders, so gar nit solle nach werdt sein, sihe auff dich, du würdst in vilen betrogen, dein gewalt würdt dir zum neid geradten. Franc. Petrarche zwei trostbücher 104a; weit entfernt, einen frieden zu wünschen, der ihn aus dem mittagsglanze der grösze und gewalt in die dunkelheit des prlvatstandes herunterstürzte, wollte er nur den schauplatz des krieges verändern. Schiller (dreiszigjähriger krieg) 8, 132. I@4@b@a@4@dd)) der könig ausz Engelland kam auch mit einem solchen gewalt, dasz unmúglich davon zu schreiben ist. buch der liebe 10b; cum potestate proficisci in provinciam. herrlich und prachtlich aufreiten, mit grossem gewalt und herrligkeit auff ein vogtei reiten. Frisius 1028b; denn in dieser sach wird inn keinem weg gesucht, den bischoffen jhre herrligkeit oder gewalt zunemen. Melanchthon confess. August. (corp. doct. christ. 18c); Telemachus war vormals nie in dem gewalt und herrlichait seins vaters gesessen, hat auch nie kain red vor der gemain gethon. Schaidenreiszer Odyssee 5b; möchte dir wol hie exempel anzeigen, die von grosser herrlichkeit, macht und gewalt zu armen knechten unnd bettlern worden seind. Franc. Petrarche zwei trostbücher 80a; mein her sihet nuhn, was mein vaterland und meine gebuhrts-stat fohr herligkeit, pracht, gewalt und reichtühmer hat. Zesen adriat. Ros. 170 neudruck. I@4@b@bβ) die bedeutungen 'kraft, stärke', berührung mit virtus. auch hier sind es natürlich einzelne verbindungen, die diese bedeutungsentwicklung begünstigen. I@4@b@b@11)) voran stehen präpositionalverbindungen neben bestimmten verbis: das kriegszvolck vor der statt Verona hat auff beiden seiten eilff gantze tag in die statt geschossen, mit solchen gewalt und anharrigkeit, dasz die Venediger die mauwer mehr dann hundert und fünfftzig schuch breit nidergeworffen. Frundsbergs kriegsthaten 2, 26a; unnd damit er deren eins zu end führet, nam er sein schwerdt in beide hände, mit welchem er ausz allem seinem gewalt den juncker uberfiel. Amadis 102; dann fuoren wir widerumb mit solchem gewalt hinunder, das einer wol het gedencken mögen, es wurde alles zu grund gehn. Rauwolf 16; dieweil die barbarische völcker ihres nutzes halben die wurtzel sambt den blättern zerschneiden, und den safft mit gewalt berausz trucken, damit sie es viel verkauffen können. Verzascha kräuterbuch (1678) 739; einige spannen die sehne zu straff und drücken den pfeil mit gröszerer gewalt ab als nöthig ist. Wieland Lucian 1, 50; mig g'walt cha-me-ne geiss hindenumme lüpfe. Seiler Basler mundart 157a u. a. s. unter mit gewalt (III, 3). I@4@b@b@22)) auch aus der eigenart des jeweiligen subjectes wird diese bedeutung vielfach bestimmt und bedingt: von der wüsten Romanie, von Chärnten chom ein chrie, daʒ walt und perch zeinander schal, mit gewalt den Rin herab zetal. Liliencron volkslieder 1, 13a (1298); der In rint aus Engedein bei einem gar hohen perg, so man die Vinstermintz nent, felt bei fünfzehen meilen, so das ober Intal ist, über fels und stain mit solchem gewalt, prast und sausen, das man darauf gar nit faren mag. Aventin (bairische chronik) 4, 39; am ersten soll der mülpach mit vollem gwalt gen durch das dorf winter und sumer. dorfrecht von Partschins (abschrift von 1815), österr. weisth. 5, 32; dasz niemandts kan ein brunnen abgraben noch verstellen, in dem, man musz jm seinen lauff lassen, und jm sein gewalt lassen. Paracelsus chirurg. schriften 1, 310; so ist auch ain gemainer [] offner jochwal zwischen dem haus am ort in niderndern dorf und der Geirin hof, der die herrschaft angehört, und der selbe wall soll alzeit offen sein, und wan ein grosser gwalt kumbt von wassers wegen, was dan der ober jochwall nit tragen mag, das solt durch den untern jochwall rinnen. dorfbuch von Naturns, österr. weisth. 5, 22; allwo in einem kranenrade ein ochs gehet und soviel gewalt darin thuet, als er selber wieget. Becher 207; item die kranräder, welche grosze gewalt thun. ebenda; geschütz grobes, hat grosse gewalt. Abraham a. S. Clara gehab dich wohl, register (Nürnberg 1729). vor allem gilt dies für die verbindung mit einem subjectiven genetiv oder einem entsprechenden pronomen (vgl. auch unter III, 1): solche grosz gnad und gewalt der tauff und des christlichen stands, haben sie uns durchs geistlich recht fast nidergelegt und unbekant gemacht. Luther an den christlichen adel 8 neudruck; allein gott durch sein gottlichs wort, und durch sein gotlichs gnedigs warhafftig tzusagen, wurdet uns helffen, nit durch unszern verdienst, sonder einnigk und allein, damit sein gottlich barmhertzigkeit, die gewalt und ere seines gottlichenn wortes, offenbar werde. Hartmuth v. Cronberg 47 neudruck; da sie durch den bericht des tuchhändlers auf den gedanken gekommen war, es könne wohl die gewalt der töne gewesen sein, die an jenem schauerlichen tage das gemüth ihrer armen söhne zerstört und verwirrt habe; so fragte sie die klosterschwester. H. v. Kleist (die heilige Cäcilie) 4, 203; sie (die scheiben) sind sämmtlich von 1570, aber an der starken stellung der gerüsteten männer, an der gewalt der heraldischen thiere, an den tüchtigen körpern der zierrathen, an der lebhaftigkeit der farben, sieht man den kerngeist der zeit. Göthe (Schweizerreise vom jahre 1797) 43, 163; alles ist an ihm (dem torso) in flusz und bewegung in den allergelindesten umrissen. man sieht alle theile und ihre macht und gewalt, jede fiber ist in regung. Heinse (Ardinghello) 1, 225; er drückte an der klinke der thüre. da sie sich aber so nicht öffnen lassen wollte, so stemmte er sich mit der ganzen gewalt seiner schultern gegen sie. Immermann werke 3, 135; die lanze traf geführt mit sicherheit mir das visir. dasz, eurer nicht ein würd'ges, euer rosz gefällt ward unter euch vom kräft'gen stosz zeugt der gewalt allein des lenkenden. Chamisso Fortunati glückseckel 15 neudruck. I@4@b@b@33)) über diese und andere verbindungen hinaus hält das wort in der neueren sprache die bedeutung 'kraft' gerne fest, es strebt namentlich nach der verbindung mit entsprechenden synonymen. I@4@b@b@3@aa)) bittet und ruft gott an umb hülf und stärcke, oder umb seine gewalt, damit er den bischoff und tyrannen hindere oder ändere. Luther (an die christen bei Freiberg 1531) 54, 238 Erlangen; was gewalt und sterck die liebe verborgen dreit. darumb du dich mit höchstem fleisz davor bewaren unnd hüten solt, ein ebenbild ab mir nemmen und dich diszem gewalt nimmer mehr underwürfflich machen. Wickram Galmy 9; dan böser leut muos ir arm' uont gewalte brechen entzwai: gott' aber wunderlich ist immerdar der frommen aufenthalte. Melissus (psalm 37) 138 neudruck; gewalt und stärke giebt kein recht, die schwachen zu unterwerfen. Wieland (goldener spiegel 2, 6) 7, 117; ich bin über die stärke und zartheit, über die gewalt und ruhe so erstaunt und auszer aller fassung gebracht, dasz ich nur mit sehnsucht auf die zeit warte, da ich mich in einem zustande befinden werde, weiter zu lesen. Göthe (Wilhelm Meisters lehrjahre 3, 2) 18, 310; weil nie dergleichen oder nicht in solcher gewalt und stärke erlebt worden war. Stifter studien 1, 382. I@4@b@b@3@bb)) do ist denne wiltnisse und wasser zuo eime zeichen, das irdensch gewalt und kraft gegen gotte nut verfohet. d. städtechron. 8, 248 (Königshofen); der eingang ins bad soll gemach und langsam sein, damit die krafft und gewalt des bades ... nicht etwa eine gute wirckung verhindert. med. maulaffe 590; wie nu des herren stim gefährlich als voll kraft, macht, gewalt und wuht, so herrlich ist sie und vermehrlich, vermänget mit dampf, hitz und glut. Weckherlin gedichte 2, 105; im stillen krafft und fähigkeit (das heist gewalt) zu sammlen, zu halten, und auszuarbeiten und auf glück zu warten wo das mögte zu brauchen sein. Göthe (an Charlotte von Stein 1780) briefe 4, 216; denn ihr bildet euch ein, ihr seid kräftig, [] und seid doch alt; ihr denkt, ihr habt gewalt, und seid schwach. Tieck don Quixote 2, 49; das ist eine grosze rarität; es ist das schwert Caroli Magni, seit tausend und mehreren jahren beim oberhofe aufbewahrt und noch in voller kraft und gewalt. Immermann 1, 166; wenn ich an die kraft und gewalt ihrer figuren mich erinnere, an den tiefsinnigen, freien, groszen, unerschrockenen humor in Octavian, Zerbino, Kater, Däumchen, Blaubart, Fortunat und in der verkehrten welt so weisz ich nur ein gegenbild zu diesem lustspiele in der ganzen geschichte der poesie zu finden: es ist das des Aristophanes. 4, 9; als dieser aber ihm nun die hand gab und die seinige mit einem prahlerischen drucke schüttelte, um ihm seine grosze kraft und gewalt anzukünden, erwiderte der sohn unverweilt diesen druck, so dasz die gewalt wie ein blitz in den arm des alten zurückströmte und den ganzen mann gelinde erschütterte. G. Keller (leute von Seldwyla) 4, 211. I@4@b@b@3@cc)) das gewissen erferets, das ein nachdruck und gewalt bei dem göttlichen wort ist. Luther 16, 118 Weimar; bei der stelle: viel böses zu erzählen pp. haben sie ganz recht, die gewalt auf: böses zu legen. Göthe (an Kayser 26. oct. 1785) briefe 7, 112; Schiller hat deswegen einen guten gedanken gehabt, dasz er ein kleines stück die Wallensteiner als exposition vorausschickt, wo die masse der armee, gleichsam wie das chor der alten, sich mit gewalt und gewicht darstellt. (Schweizerreise 1797) 43, 10. I@4@b@b@3@dd)) dann viel mittelmässiger bild sind dorzwischen zu finden, und es ist auch ein grosse kunst, welcher in groben bäurischen dingen ein rechten gewalt und kunst kann anzeigen und recht brauchen. Dürer nachl. 247; der feurigste maler darf nicht sudeln, so wenig als der feurigste musikus falsch greifen darf; das organ, in dem die gröszte gewalt und geschwindigkeit sich äuszern will, musz erst richtig sein. Göthe (an Fr. Müller 21. juni 1781) briefe 5, 137; man musz überhaupt eine gewalt, die nach und nach wirkt, nicht mit der gewalt vergleichen, die plötzlich wirkt. ein tropfen wasser ist, denke ich, doch wohl ein schwächerer körper, als ein stein; und dennoch bleibt der alte satz wahr: gutta cavat lapidem. Richter chirurgische bibliothek (1777) 4, 574. I@4@b@gγ) die bedeutungen 'zwang, überwältigung, vergewaltigung, gewaltthat'. die vorstellung der kraft, wie sie sich in der parallele mit lat. virtus in wendungen nach art der eben belegten entwickelt, beruht auf der unterdrückung oder verdrängung des relativen momentes, das dem worte gewalt von hause aus beiwohnt. die factoren, an denen die kraft sich miszt, haben in solchem zusammenhang auf den bedeutungsinhalt des substantivs keinen einflusz gewonnen, und so wurde der absolute begriff vorbereitet. eine ganz andere richtung nimmt die bedeutungsentwicklung, wenn der widerstand, den andere machtfactoren ausüben, lebhafter empfunden wird; von hier aus breiten sich je nach dem zusammenhang, je nach der verbindung mit synonymen oder gegensätzen, nach der anknüpfung an einzelne anlässe, die verschiedenen abstufungen des begriffes 'überlegene kraft' in der paralle mit vis, violentia aus. I@4@b@g@11)) übergänge zwischen den bedeutungen 'kraft' und 'zwang' in der präpositionalverbindung mit gewalt: dies saamenkorn fällt in die erde! da liegts und erstarrt; aber nun kommt sonne es zu wecken: da brichts auf: die gefässe schwellen mit gewalt auseinander. Herder werke 5, 532; der jüngling fühlt den eindruck innig und unauslöschlich: er fühlt ihn nachher wieder und wenn der dunkle, abentheuerliche, nichtssagende eindruck nach den guten gesetzen der seele von selbst anfängt, schwächer zu werden; so verstärkt er ihn mit gewalt! er erzwingt sich andacht — welche andacht! (fragmente zu einer archäologie des morgenlandes) 6, 93; mitten unter schönheiten der alten wird das gefühl an schönheit verhärtet, und der geschmack mit gewalt gezwungen, dasz er sich verwahrlose und nach elenden, kindischen, unsinnigen zwecken laufe. 5, 652 u. a. (vgl. mit gewalt III, 3); ähnlich ich hab das durch gewalt gezwungen gethan vi ac necessitate coactus, et irritus hoc feci. Aler (1727) 933a. I@4@b@g@22)) ausprägung des momentes der überlegenheit über andere machtfactoren. I@4@b@g@2@aa)) macht ist ein vermögen, welches grossen hindernissen überlegen ist. eben dieselbe heisst eine gewalt, wenn sie auch dem widerstand dessen, was selbst macht ist, überlegen ist. Kant 7, 111; von der gewalt, die alle wesen bindet, befreit der mensch sich, der sich überwindet. Göthe (die geheimnisse) 13, 185; [] unsägliche gewalt, die mich beherrscht, entfliesset deinen lippen. (Tasso 5, 4) 10, 237; drum eben ist gewalt gewalt genannt, weil sie entgegen tritt dem widerstand. Grillparzer (ein bruderzwist 5) 7, 142; der engel zu pferde in der kirche ist etwas ungereimt; aber er macht ein herrlich bild von schnelligkeit und unwiderstehlicher gewalt. Heinse Ardinghello 1, 192; jenes überwältigen des besseren durch unwiderstehliche gewalt zertrümmert das augenblickliche glück, aber vermehret die innere kraft, sie weckend und in sich zurückdrängend. W. v. Humboldt geschichte des verfalls der griech. freistaaten 156 (d. litteraturdenkm. 58); verwegner traum! doch wie du immer seist: mich treibt zu dir allmächtige gewalt, gebannt in deine kreise liegt mein geist. Geibel juniuslieder 288; unwiderstehlich war die anziehungskraft, die Tasso auf die prinzessin ausgeübt, sie ist von dieser gewalt nicht blind ergriffen und fortgerissen worden, denn sie weisz mit voller klarheit, was sie bewegt und zu ihm hingezogen hat. K. Fischer Göthes Tasso 403. I@4@b@g@2@bb)) de sint di al gesat vor ein exempel, ok holt men se grôt in godes hilgem tempel, alse Paulus, Antonius, Jeronimus unde Macharius, .... mit al den anderen vaders, der er name gode ist bekant, der ere sele in dessem levende heft geholden de overen hant, unde den lîcham undergeholden in groter spengicheit, unde hebben alsus den hemmel gekregen mit gewalt unde strengicheit. des dodes danz 868 Baethcke; nach dem er vor aller litis contestation, das ist, vor aller rechtfertignusz willig und frei, auch mit keinem gewalt, noch zwang gedrungen .. ein warhafft geschicht, wie Caspar Tawler bürger zu Wiene ... (1524) 3; da hat den bundsstenden der bischoff und capitel solichen zwang und gewalt aines rats anzeigt, und das inen beschech wider recht, bundsordnung und alte gewonhait. Sender chronik von Augsburg, d. städtechroniken 23, 357; es wirt kainer under allen des gewalts werden, der mich nöten wolt, den bogen jm, und nit dem gast zuoraichen. Schaidenreiszer Odyssee 90a; alsdann wird die nothwendigkeit eingebracht, wenn der thäter dasjenige, was er gethan hat, aus noth und gewalt gethan habe. ausführlicher discurs und bedencken eines teutschen katholischen patrioten bei Londorp 1, 269b (vgl. Cicero de juvent. 2: necessitas infertur, cum vi quadam reus, id quod fecerit, fecisse defenditur); gewalt und zwang hat kein fortgang und weret nicht lang. Lehmann florilegium 935; vgl. Hoffmann spenden 1, 68; ein thorheit der menschen ists, da gott jedem sein land und leut, sein hausz und nahrung hat zugeeignet und verzeunt, das einer den zaun will brechen, und sein hausz mit ander leut zwang und gewalt ergrössern. Lehmann florilegium 310; gewalt geschicht durch zwang und uberreden. 305; die gewalt hat ihn gezwungen, vis eum adegit. Steinbach 2, 921; wer weisz, wo sie der wüthende verbirgt, welcher gewalt sie frevelnd sich erkühnen ihr herz zu zwingen zum verhaszten band. Schiller (Tell 4, 2) 557a. I@4@b@g@2@cc)) gegen gewaldt ligt witz zu füssen, ubi vi res geritur, sapientia e medio pellitur. Lehmann florilegium 307; weisheit übertrifft gewalt und macht. rechtssprichwörter von Graf und Dietherr 529; das exempel des Orpheus, welcher durch die gewalt seiner saiten, Eurydicen von den unerbittlichen richtern, ob schon unter einer allzustrengen bedingung erhalten, wird ziemlich weitläufig berührt, und endlich wird geschlossen, dasz ein sieg, der über das reich der schatten durch gesänge erhalten worden, auch wol durch gewalt zu erreichen sei. Lessing (von den trauerspielen des Seneca) 6, 177; damahls geschah es, dasz einer den andern mit gewalt oder mit list von dem throne drang. Steinbach 2, 921; und wann gewalt nicht hilft, so zittre vor der list. Uz (sieg des liebesgottes) 295 Sauer; dies konnte das volk beantworten, nicht aus staatseinsichten, sondern weil jeder bürger streiten muszte, und das in einem feldzuge, wo es mehr auf list und gewalt, als klugheit und wiszenschaft ankam. Herder (haben wir noch jetzt das publikum und vaterland der alten) 1, 16; eure artigkeit wird uns stärker nöthigen, als eure gewalt. Wieland Shakespeare 2, 66 (wie es euch gefällt 2, 8); als ich mich hier mit [] bitten und gewalt bis an die barriere durchgearbeitet hatte, stand ich dicht neben ihr. Th. Storm (auf der universität) 2, 117; gewalt ist nicht tapferkeit. Logau überschrift zu 1, 4, 55; Lomellin. aber sie werden eine buhlerin suchen, und eine empfindlerin finden. Gianettino. gewalt ist die beste beredsamkeit. Schiller (Fiesko 1, 5) 3, 21; mit welchem schlosz verwahr' ich eure treue, das nicht Sankt Peters schlüssel öffnen kann? gewalt nur ist die einz'ge sicherheit, kein bündnisz ist mit dem gezücht der schlangen. (Maria Stuart 3, 4) 12, 499; so vil leuchtet ein, dasz sich weder der wille bei der absichtlichen, noch der affect bei der sympathetischen bewegung, gegen die von ihm abhängende natur als eine gewalt verhalten dürfe, wenn sie ihm mit schönheit gehorchen soll. (über anmuth und würde) 10, 95; nie war natur und ihr lebendiges fliessen auf tag und nacht und stunden angewiesen. sie bildet regelnd jegliche gestalt und selbst im grossen ist es nicht gewalt. Göthe (Faust 2, 2) 41, 150. I@4@b@g@2@dd)) ich (Venus) zwing allein all fürsten herren, mins gwalts kan sich kein man erweren. Murner die geuchmatt n 3a; vim vi pellere jura sinunt; das ist, die rechte gebenz zu, das man gewalt mit gewalt were. Luther (sermon vom wucher 1529) 6, 37; sich wider gewalt wehren, contra aliquem decertare. Weismann 156; ebenso Aler 933a; item dieweil alle recht zuolassen, dasz mann gewalt mit gewalt abtreiben möge, so ist niemandt verwert sich selbs bei seiner habenden possession mit gewalt zubeschirmen. statutenbuch (Franckfort 1558) 102a; vim vi repellere, gwalt mit gwalt abtreiben oder widerston. Frisius 1390a; ebenso noch Weismann 156; dero wegen gedachten sie gewalt mit gewalt abzutreiben, da fieng man an stösse auszzutheilen von beiden seiten her. Grimmelshausen Simplic. 172 neudruck; es ist gleichwohl zu recht versehen, dasz man wohl gewalt mit gewalt vertreiben möge. Jag. Ayrer proc. 4 (1680); gewalt musz gewalt vertreiben. rechtssprichwörter von Graf und Dietherr 590; ein man mag wohl gewalt mit gewalt vertreiben; gewalt mag man wohl mit gewalt, macht mit macht wenden. ebenda; sie hätten eben gewalt mit gewalt vertrieben, und da sei könig Teleklos umgekommen. Lessing (Kleonnis) 3, 361; gewalt ist eher mit gewalt zu vertreiben; aber ein gut gesinntes, zur liebe und theilnahme geneigtes kind weisz dem hohn und dem bösen willen wenig entgegenzusetzen. Göthe (dichtung u. wahrh. 2) 24, 105; da wieder verhoffen unsz oder den unserigen von den soldaten einige beschwerung zugefugett werden solt, wir alszdann gewaldt mit gewaldt zu steuren unvorgeszen sein wolten. (Greifswald 1624) balt. stud. 15, 39; gewalt! gewalt! wer kann der gewalt nicht trotzen? was gewalt heiszt, ist nichts: verführung ist die wahre gewalt. Lessing (Emilia Galotti 5, 7) 2, 448; wir konnten darauf nichts antworten, weil wir der gewalt nicht trotzen konnten. Frankfurter nationalvers. (9) 6879; denn wer der list sich wohl noch fügen will, wird der gewalt sich widersetzen. Göthe (Epimenides erwachen) 13, 277; in Kopenhagen hatte man nicht übel lust, bei dem erscheinen von bundestruppen an der Elbe gewalt der gewalt entgegen zu setzen. Sybel begründung des deutschen reiches 3, 96; wider den gewalt ist kein rath ohne das gebet. Henisch 1592; wer kan wider gewalt. 1591; wer kan für gewalt, ferenda est vis et injuria, cui resisti non potest. Weismann 156; ich glaube aber, dasz wir hier uns ganz unnütz der gewalt entgegenstellen würden, oder dasz es ein comödienspiel wäre, wenn wir noch länger versuche machen wollten, hier noch länger sitzungen zu halten, nachdem man die gewalt gegen uns consumirt hat. die gewalt ist consumirt. Frankfurter nationalvers. (9) 6884a; die Athener waren unvermögend der gewalt zu widerstehen, und Klisthenes muszte mit den seinen in die verbannung ziehen. Schlosser weltgeschichte (1844) 1, 323; ihr schönen in Britannia! .... verschönert durch die zärtlichkeit, durch ein erröhten und durch furcht, hierinn, wenn ihr nicht sicher seid, bestehet euer gröszter reiz: bei jeder handlung, jedem wort, in eurem freundlichen gesicht, mit süsser röthe, schnell zu wallen, und vor der mindesten gewalt zu zittern, wird uns stets gefallen. Brockes Thomsens jahreszeiten (der herbst) 343; ich war einmal in den händen des stärkern: ich muszte der gewalt weichen, und folgte meinem führer, wohin er mich leitete. Uz 338 Sauer; ich weiche der gewalt. Kotzebue almanach [] dramat. sp. 2, 255; wir haben unsere pflicht gethan, sind nur der gewalt gewichen, und das war vorerst alles, was hier zu thun war. Frankfurter nationalvers. (9) 6879a; ich bin für eine öffentliche sitzung und wir dürfen erst einer ganz anderen gewalt weichen, als der, welche heute angewandt worden ist. 6879b. I@4@b@g@33)) bei der überlegenen kraftentfaltung, bei der ausübung unwiderstehlichen zwangs, wirkt ein moment der überraschung, des ungestüms mit, das im bedeutungsgehalt von gewalt ebenfalls raum gewinnt. an menschlichen handlungen wird es als leidenschaft empfunden und in gegensatz gestellt zu besonnener überlegung. bei sonstigen ereignissen entwickelt es die vorstellung des schreckhaften. vgl. hierzu die adjectiva als attributive begleiter unter III, 2. I@4@b@g@3@aa)) das moment der leidenschaftlichkeit wird ausgeprägt: und das grössest, dz diser unwissendt gewalt theologus will den christenlichen glauben uff zitlich, liplich fürstenthuom und heidnisch herschafft gründen. Karsthans 163 Kurz; gewalt und hochmut stürtzet manchen man und statt. Henisch 1592; gewalt und zorn zusammen ist der todt. ebenda; gewalt und zorn, machen alle ding verworn. Lehmann florilegium 304; namen in bald mit zorn und gwalt und warffen auff die erde, durchschlagen wardt mit nagele hart sein hend und fuosz mit gferde. Martin Myllius bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1105; was mit gewalt geschieht, das hat jmmer seine mängel. Lehmann florilegium 309; weiszheit regiert über gewalt. Henisch 1592; weiszheit regiert durch wort, nicht durch gewalt. kunst gehet über gewalt. ebenda; aller gewalt ist unbewust, auser des jägers verfolgung. Butschky hochdeutsche canzellei 2, 300; (Julian) nahm so viel er konnte, philosophie, pythagorism und platonism zu hülfe, um allem den feinsten anstrich der vernunft zu geben — setzte alles auf den triumphwagen des gröszten gepränges, von den zwei unbändigsten thieren, gewalt und schwärmerei gezogen, von der feinsten staatskunst gelenkt — alles umsonst! sie erlag! sie war verlebt! Herder 5, 518 (auch eine philosophie der geschichte); vis, gewalt oder ungestümigkeit. Frisius 1390a; violentia, ungestümer gewalt. Calepinus (Basel 1570) vgl. sp. 4952 und 4953 (unten); ich achte aber, das sie erstlich nit mit gewalt oder ungestümmiglich, sonder mit einer listigkeit, und kunst, zuo sollichen sachen kumen sein. Hutten (Vadiscus: arte .. non vi aut violentia) 4, 191; der jüngling tet sich keren, er huob sich auf die vart zu ainem frawenkloster ... drein trat er pehende, das schafft der gewalte sein. Uhland volkslieder 2, 859; bis dir der helle sieg gelingt, der durch des irrthums blendwerk dringt und ihm gewalt und nebel raubet. Hagedorn poet. werke (1770) 1, 14 (moralische gedichte). I@4@b@g@3@bb)) die daller verlieren sich mitt gewaltt. Paumgartner briefwechsel 2; es wird mit gewalt warm = plötzlich, schnell und stark. Albrecht Leipziger mundart 122 u. a. vgl. III, 3; das is der e gewalt! Estor (1767) 3, 1409; vgl. Schmeller 22, 908. I@4@b@g@44)) besondere abstufungen der bedeutung ergeben sich je nach der art der angewendeten mittel und des verhältnisses zwischen object und subject der gewalt. I@4@b@g@4@aa)) der staatsrechtlichen prägung des begriffes 'macht' läszt sich auch aus dem bedeutungsgebiete des 'zwangs' ein analogon zur seite stellen: das übergewicht, das eine machtgruppe über die andere durch anwendung kriegerischer mittel gewinnt. hier steht das verhältnis zwischen object und subject mit der eigenart der angewendeten mittel in einem gewissen causalzusammenhang. I@4@b@g@4@a@aα)) ein torechter regent, der da stat auff dem tach des gewalts zeigt sein unvolkummenheit und laster, die vor verborgen waren. Geiler v. Keisersberg der hellisch löw a 6b; mit dem horn des auffsatzes unnd betrügs stossend auch die behenden kouffleut, und würfft ie einer den andren über das seil .. mit dem andren horn des gewalts, stossend die gewaltigen herren in denen wenig kunst ist, deren decretal und landtrecht ist ... wir wöllens, es musz sein. das irrig schaf A 3a; auch jener hohes horn, gewalt, heerzug und zorn ist nu dahin, zerschlagen und vernichtet. Weckherlin gedichte 2, 61; [] vim suscipere contra rempublicam, gewalt wider ein regiment fürnemmen, ist schier einer statt absagen. Frisius 1390a; gewalt musz haben grosz gelt, grosz rüstung, guten rath, beistand und glück. Lehmann florilegium 310; ach dasz der grosze gott bald gnädiglich von oben mit starkem donner-arm zerschlüge alles toben, zertrennte die gewalt und richte gutes auf, und liesze wiederm der tugend freien lauf! Schottelius friedens sieg 39 neudruck; es lehret zwar die erfahrung, dasz mehrentheils einige gewalt darbei mit unterlauft, wenn besonders der andere theil sich widersetzet, und kein pfand abnehmen lassen will. Klingner dorfrechte 2, 259; es scheint also dem gang der dinge gemäszer, dasz der erste könig ein usurpator war, den nicht ein freiwilliger einstimmiger ruf der nation (denn damals war noch keine nation) sondern gewalt und glück und eine schlagfertige miliz auf den thron setzen. Schiller (erste menschengesellschaft) 9, 143; was eine jede religionsparthei in dem Augsburger frieden rettete oder gewann, verdankte sie der gewalt, dem zufälligen machtverhältnisz, in welchem beide bei gründung des friedens zu einander gestanden. (dreiszigjähriger krieg 1) 8, 18 (gewalt fällt in den ausgaben von 1802 und bei Körner aus); allen krieg- und frieden-schlüssen liegt durchaus noch ein höheres bindmittel, als die gewalt .. unter, nemlich vertrauen auf irgend ein abgewonnenes wort. Jean Paul Levana 2, 156; herr Uhland aber hatte die güte, mir sagen zu lassen, dasz seine meinung wäre, wir müszten uns in einem zuge, alle die abgeordneten, die sich gerade zusammenfänden, an ort und stelle begeben, um, wenn es sein müszte, die gewalt an uns consummiren zu lassen. Frankfurter nationalvers. (9) 6877a; wer im kriege ohne erlaubnisz des kommandirenden generals oder gegen ein ausdrückliches verbot, bewegliches gut der landesbewohner im diesseitigen oder fremden, selbst feindlichen staatsgebiet, mit androhung oder ausübung von gewalt sich zueignet, ist wegen plünderung mit ... mehrjähriger festungsstrafe zu belegen. preusz. milit. strafgesetzbuch § 148 (bundesgesetzblatt von 1867 s. 219). I@4@b@g@4@a@bβ)) die bedeutungsverschiebungen, die sich aus solchen verwendungen der präpositionalverbindung mit gewalt ergeben, sind schon in der mittelhochdeutschen periode (vgl. oben sp. 4940. 4941) belegt und in den verzweigungen 'heer', 'volksmasse', 'menge' nachgewiesen worden. sie haben in der neuhochdeutschen periode ihren besitzstand vermehrt und leben in einzelnen mundartlichen wendungen noch heute fort. I@4@b@g@4@a@b@11))) auch musz ich die könige ausz Engelland, ausz Schottland, unnd den könig ausz Irland, umb hülff und beistandt bitten, dasz sie nicht lang auszbleiben, und mit allem jren gewalt kommen, und mir zu helffen sich nicht säumen. buch der liebe 10b; sie bezwongen die Frantsosen wider, sie verdriben, verdrungen sie mit gantzem gewalt und buwetten die statt von mueren und vestigten die mit gewalt. M. v. Kemnat chronik 95; anno domini 26 umb Martini zoch der edel und streng her Jorg von Fraintsperg zu Mundelhain in das Welschland mit einem fuszzewg in groszer geferlichhait, wan er mit gantzer gewalt hinein musset, alle clausen und strassen verlegt waren. Nicolaus Thoman (Weissenhorner historie 145) bei Baumann quellen 1; wie nun der patriarch angezeiget was er gesehen, ist Ferdinandus Gonzaga für andere dieser meinung gewesen, man solte das geschütz und die knecht auff das landt lassen, und vor allen dingen das schlosz Prevesa mit gantzem gewalt durch den sturm erobern. Fronsperger kriegsbuch (1596) 3, 121a; sich mit aller gewalt vertheidigen, se obnixe defendere. Steinbach 2, 921. vgl. auch unter III. I@4@b@g@4@a@b@22))) sie zugen auch auf dasmal mit groszem gewalt für Zürich und lagen darvor mit drei velden. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 173 (Augsburg); rückten also mit groszer gewalt für die mordergruben. Bünting Braunschweiger chron. (ausgabe von 1584) 2, 26a; darnach zog der küne held hertzog Heinrich als ein frewdiger lew, mit dem gantzen hellen hauffen für Oldenburg, belagert da graff Christian mit grosser gewalt, dasz er sich besorget, er würde das hausz zu stücken reissen. ebenda (ausgabe von 1620) 147; der ertzbischoff von Bremen kam davor, und stürmet mit grosser gewalt, kundte doch gleichwol nichts auszrichten. 273. ähnlich 304; hertzog Heinrich griff die stad Bremen an, stürmet und erobert sie mit grosser gewalt, und gab sie den krigsleuten. 146; erobert das schlosz und setzet sich mit groszer gewalt hinein. 414; als nun Georg von Frundsberg ... nicht kondten zu hülff kommen, [] weil die Frantzosen und Venediger mit gröstem gewalt darvor lagen, beschossen und stürmeten ... Frundsbergs kriegsthaten (1568) 2, 25a; solchs bluetrots feur habt ihr anzündt in Mähren, Ungern und geschwind in Österreich und auch in Schlesien und Lausnitz bald, ins römisch reich mit groszem gewalt ist gflogen dieser rauch. Opel und Cohn lieder auf den dreiszigjährigen krieg 142; anno 1474 seind 12 tausend auszerlesene Türcken mit sondern gewalt in die Wallachei eingebrochen, ausz befehl ihres groszfürsten Mahomets alda alles zu verheeren. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen (Wiener neudrucke 1, 68); sich auch gewislich zu versehen, wann sie mit einem gewalt in diese land kommen solten, dasz sie durch deroselben anleitung und beistand ihren intent wol durchtreiben werden. gutachten ... wegen der Holländer conföderation (1614) bei Londorp 1, 173a; so entsteht die neue frage was man thun will, oder vielmehr thun musz wenn sie mit verstärckter gewalt wieder kommen. Göthe (an Karl August 1779) briefe 4, 8 (s. 9 mit verstärckter macht). I@4@b@g@4@a@b@33))) Hohenkonigsbergk ... hoit er durch sein lantvogt und hewbtleut im Elsas mit gewalt uberzogen und erobert. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. von der Pfalz 30; darnach lies der pfaltzgrave ziehen mit gewalt vor Hohenburg. 28; do zoch die stat Augspurg uz mit gewalt gen Pairn mit offner banier. d. städtechroniken 4, 82 (Augsburg 1388); do erclagten sich die von Augspurg, wie die herrn von Bairn den frid so barlich geprochen hetten, den der kunig, fürsten und herrn gemacht hetten, und wurden überain, dasz man wolt ain zug ton mit gwalt durch das land ze Bairn gen Regenspurg. Burkard Zink, d. städtechron. 5, 34 (Augsburg); ähnlich 5, 33. 5, 27; do zoh man hie mit gewalt ausz, gereisig und fuszvolck, und zugen den Sweitzern entgegen bisz enhalb Czenn; do chomen die Sweiczer hergegen von Winsheim bisz enhalb Czenn und komen do zu den unsern und zugen do mit gewalt herein. Nürnberg's krieg gegen Albrecht 1450, d. städtechroniken 2, 217; und ist unser meinung hierauf gestelt, wie ir uns beistant hett wöllen thuon, wolten wir mit macht und gewalt für den himel ziehen. ein unterred des bapsts und seiner cardinalen bei Schade sat. 3, 84; die in der cleinen stat zugent mit gewalt, mit drigen bannerin, mit den metzsgerin fúr das richthus. Erhard v. Appenweiler, Basler chron. 4, 298; da lagents (die Baiern) mit gewalt fünff tag und prannten die gantzen strasz. d. städtechron. 4, 311 (Augsburg 1372); in der zeit rait kaiser Karl in die mark geen Prandenburg mit groszer ritterschaft und mit groszem volk von herrn und von stetten und lag darinnen mit gewalt. Burkard Zink, d. städtechron. 5, 8 (Augsburg); ähnlich 5, 21; die stat (Jerusalem) die ward umbgeben gar vom kaiser mit gewalt. bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1164; do offneten die in der statt ein pfortlein, wasser zu tragen ... das wart inne von dem pfaltzgraven abgelauffen und inne gedrungen mit gewalte. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 64; nobiles homines in possessionem agri publici grassari .. mit gewalt darein gon, oder darzuo kommen. Frisius (1568 u. a.) 610a; si haben uns mit gewalt angegriffen, lapidibus, ferro .. vi, manu, copiis nos adorti sunt. Aler (1727) 933a; mit gewalt überwinden, aliquem debellare. ebenda; mit gewalt eine stadt erobern. Steinbach 2, 921. I@4@b@g@4@a@b@44))) im 1027 jar zoge käiser Conrat gehn Rom mit heeresgewalt. Wurstisen (1765) 99 (mit heereskraft 100); darinn erzellet er (Comines) neben anderem, das nach absterben hertzog Carols von Burgund, so für Nancey bliben, könig Ludwig aus Frankreich, .... die graffschafft Arthois und bede Burgund, dem frewlin von Burgund, mit heeres krafft und gewalt genommen hat. Pantaleon Sleidan übers. (vorrede an den leser) 1557. I@4@b@g@4@a@gγ)) das objectivierte substantiv auszerhalb der präpositionalverbindung: und sampten sich do, und brachten am pfincztag darnach an dem abent vil volcks für daz haus zum Neunhoff, zu rosz und zu fuszen, und ein grosze puchsen; und daz selbig haus was neur ein lusthaus, nit weit von Eschenaw gelegen. darauf waren etlich gesellen, und do sie den gwalt sahen, do ergaben sie sich, und daz haus ward auszgebrant. d. städtechron. 2, 183 (kriegsbericht Nürnbergs von 1449); sie hetten sich auch solchs gen hertzogen Ludwigen nit getrawet und schickten herausz, was der grosz gewalt mainte, den [] sie ungewarneter sach vor ir stat und umb ir stat allenthalben ziehen sahen. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 238 (Augsburg); do waren dannoch in Lüttich wol sechzig tausent man und hetten die stat wol behalten, sie hetten aber kain hauptmann und forchten den grossen gewalt. Hector Mülich, d. städtechron. 22, 216 (Augsburg); und als er an die stuffen kam, musten jn die kriegsknecht tragen, fur gewalt des volcks, denn es folgete viel volcks nach. Luther apostelgeschichte 21, 35 (um die sterck cod. Tepl., von getreng wegen. Augsburger bibel von 1487) vgl. sp. 4949; all frid und daidung war zu mat, derhalb kaiserlich maiestat hin auf Mailand zu-zohe; als der Franzos den gwalt vernam, zu-ruck er eillent flohe, ja flohe. Hans Sachs (der kriegszug in Sophoierland) 22, 180 Keller-Götze; darnach aber als sie jre grentz und marck umbher auffgericht und jre besatzungen und gewalt fürtgerückt, seind sie nuon ein schlosz und ort des römischen reichs, und zuom theil einer provintzen oder vogteien gleich worden. Micyllus Tacitus (Germania) 447a; ein grosser gewalt von feinden, magna manus hostium. Fronsperger 234a; derhalben ein grosser gwalt der leüten zuo den thoren härausz gangen, mitt höchster freud unnd gottesdienst. Herold Dictys 70; denn blieb mein Maydel gleich auf unser wahlstatt liegen; ist es doch nur durch list und meuchelei geschehn; weil sie, durch redlichkeit, nicht eintzeln konten siegen; so muste zu dem streit gewalt und menge gehn. Besser gedichte (1732) 305; die kaiserlichen haben ihre mögliche gewalt an die Lahn gezogen und wehren sich von Wetzlar bis an den Rhein hinunter was sie können. Göthe an J. H. Meyer (20. juni 1796), briefe 11, 102; ẽ gwald, ẽ ganze gwald, ẽ gwald leut. Schmeller 22, 908; wenn de' gwalt kimmt (menge, übermacht). ebenda; item ein gwalt büecher zur librei khaufft worden. künstler, kunstsachen und gelehrte, so anders betreffend (1590) bei Westenrieder beiträge 3, 71; under tags da haben die Suedischen soldaten weiber und menner allerlei sachen in die statt zuverkhauffen gebracht, ganzen gewalt und menge der rind, vil rosz, noch mehrer reuerent: schwein, weiberschlair, allerlei leinwath. gewiser bericht und urkhundt desz entstandnen ubls und unruehe in Minchen im jar 1632. 7, 316; daraus man achten khan, was eine grosse gewalt fische dar mus gefangen werden. Kantzow chronik von Pommern 412 Gäbel; ain sollicher gewalt von marmelstainen ist kommen, also das dreihundert und sechtzig marmelstainine seulen ... zu ainem gemach des temporarischen dantzhausz, dahin gefürt seind worden. Alpinus Vergilius 67b; gewalt, menge, eine gewalt breite. Schmid schwäb. wb. 515; weld die, überflusz, fülle. J. Müller und W. Weitz die Aachener mundart (1836) 259. I@4@b@g@4@bb)) manigfaltig gliedern sich die bedeutungen, wofern einer der beiden factoren individuell bestimmt ist, während im andern das collective moment überwiegt, namentlich sofern dieses letztere corporativ zusammengefaszt ist. I@4@b@g@4@b@aα)) bleibt dieses corporative moment auf der seite des trägers der gewalt, so entwickelt sich die vorstellung einer steigerung oder überspannung der amtsgewalt, dienstgewalt gegenüber von unterthanen und untergebenen: ob schon mir Rom nit aplasz gibt, und wil umb wahrheit hassen mich, so wil ichs leiden gedultiglich. wer weisz, was noch mag begeben sich. villeicht ob leid mir widerfert, würt funden werden hand und schwerdt, und gegen solchem gewalt gekert. Hutten (Vadiscus) 4, 148 Böcking; doch mögen sie davon, und ob sonst andere wege zu finden, rathe suchen zu hofe; denn widder offentlichen gewalt ist sonst wenig rathe, denn allein geduld odder gewalt. Luther (bedenken in wiefern protestantische edelleute in religionssachen .. 1532), briefe 4, 429; damit erlangt er auch sovil, das ime gemaine aidgnossen gepots und gelaitsbrief wider die von Rottweil für allen gewalt zum rechten erkannten. Zimmersche chronik 3, 354; dann es seind doch ie noch redlich leüt under den geistlichen, und solt man sie mit einem gewalt überfallen, so wär zuo besorgen, dasz der unschuldig mit dem schuldigen gieng. neu Karsthans bei Schade satiren und pasquille 2, 3; Cato der älter hat ihnen vor zeiten zu Rom gesagt: 'die amtleut, und regenten sollt man mit steinen zu tod werfen, die g'walt vermöchten zu erwehren, und erwehrens nit'. Hutten (verteutscht klag an herzog Friedrich) 5, 13 Münch; sie lehren, dasz [] man alle diejenigen, so vom bapst excommunicirt sind, mit gutem gewissen, mit gifft oder gewalt könne, ja solle hinrichten. auszführlicher discurs und bedencken eines teutschen catholischen priesters bei Londorp 1, 280a; Caraffa fieng an wieder gewalt zu protestiren. Kuhnau mediz. quacksalber 58; so wird man zum voraus wohl zu überlegen und sich zu entschliesen haben, ob man im weigerungsfall ihn arretiren und aus dem land bringen, und wie weit man mit der gewalt wenn er sich widersezzen sollte gehen wolle. Göthe (an Karl August 1779) briefe 4, 8; als anstifter wird bestraft, wer einen anderen zu der von demselben begangenen strafbaren handlung ... durch miszbrauch des ansehens oder der gewalt ... bestimmt hat. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 48, bundesgesetzblatt von 1870 s. 205; das ist nach meiner meinung der wahre begriff germanischer freiheit, welche nicht mit wüthenden rotten durch die straszen läuft, sich selbst ausrufend, sondern der gewalt eine unsichtbare und stumme schranke entgegensetzt. Immermann (memorabilien) 18, 33 Bobertag; der gerichtsvollzieher ist ... wenn er widerstand findet, zur anwendung von gewalt befugt und kann zu diesem zwecke die unterstützung der polizeilichen vollzugsorgane nachsuchen. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 678. I@4@b@g@4@b@bβ)) dem gegenüber entwickelt sich da, wo das collective und corporative moment in dem zielpunkt der gewalt liegt, der begriff 'aufruhr': da zerret an der glocke strängen der aufruhr, dasz sie heulend schallt, und nur geweiht zu friedensklängen die losung anstimmt zur gewalt. Schiller (glocke 368) 11, 317; ist bei einem auflaufe gegen die beamten oder die bewaffnete macht mit vereinten kräften thätlicher widerstand geleistet oder gewalt verübt worden, so treten .. die strafen des aufruhrs ein. strafgesetzbuch für das deutsche reich § 116, vgl. auch § 106 und ähnlich § 113 (s. schon bundesgesetzblatt von 1870 s. 218) vgl. auch unten sp. 4986. 4983. I@4@b@g@4@cc)) wenn beide factoren individuell bestimmt sind, nimmt das wort zunächst privatrechtlichen charakter an, greift aber von hier aus in das strafrechtliche gebiet über. I@4@b@g@4@c@aα)) das machtverhältnis wird nicht näher angedeutet: wa iren ainem von iemands ainicher gewalt und schad beschehen wellte, das die andern alle disen betrengten bei recht handthaben und leib, blut und gut zu ainandern setzen wellten. Zimmersche chronik 1, 146 u. a. (vgl. die zahlreichen ähnlichen verbindungen unter III, 4); also vermaint der Fugger, es sollt im das auch also hingeen, man derft in nit anfechten, aber Matheisz Öhen kham für ain rhat, beclagt sich solliches gewalts. Langenmantelsche chronik, d. städtechron. 23, 244 anm. 1; doch soll dem gegentheil seine notturfft und einrede (da er einige zu haben vermeint) wider solchen gewalt fürzubringen, hierdurch unbenommen, sondern vorbehalten sein. Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 5; wär es dann sach, das ain gerichtsman, so weit von der obrigkait, durch böse leüt angriffen wurde, mag er seine nachtbarn umb hilf und beistand anrüefen, damit er sich des gewalts erwerth. landrecht von Wartenfeld (1585), österr. weisth. 1, 161; da er mir sagte, dasz Gabrias bereit wäre, über gewalt gegen mich zu klagen. Wieland (Peregrinus Proteus) 28, 100; die nothwehr findet aber nur gegen eigenmächtige gewalt, und auch gegen diese nur alsdann statt, wenn die obrigkeitliche hülfe die beleidigung weder abwenden, noch den vorigen zustand wieder herstellen kann. landrecht der preusz. staaten (1832) 2, 20 § 518; gegen gewalt musz jeder inhaber und besitzer geschützt werden. 1, 7 § 141. vgl. auch § 142. § 143; ist die gewahrsam oder der besitz, obigen vorschriften zuwider, jemanden mit gewalt entnommen worden, so müssen ihm dieselben, ohne rücksicht auf ein besseres recht dessen, der die gewalt verübt hat, wiedergegeben werden. § 146; eben so wenig können durch gewalt erzwungene, oder durch betrug veranlaszte handlungen oder duldungen den besitz eines rechts bewirken. § 97; wer mit gewalt gegen eine person oder unter anwendung von drohungen mit gegenwärtiger gefahr für leib oder leben eine fremde bewegliche sache einem andern in der absicht wegnimmt, sich dieselbe rechtswidrig zuzueignen, wird wegen raubs mit zuchthaus bestraft. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 249; wird die erpressung durch gewalt gegen eine person oder unter anwendung von drohungen mit gegenwärtiger gefahr für leib oder leben begangen, so [] ist der thäter gleich einem räuber zu bestrafen. § 255; wer einem kameraden ... eszwaaren, getränke, taback oder gegenstände zur reinigung oder zum ausbessern der sachen zum eigenen gebrauch ohne anwendung von gewalt an sachen entwendet oder veruntreut, wird das erste mal disziplinarisch mit strengem arrest bestraft. geschieht dies aber zum zweiten mal, oder ist bei verübung der that gewalt an sachen angewendet ... so tritt die strafe des einfachen diebstahls ein. kriegsartikel für das preusz. heer (1852) § 46, bundesgesetzblatt von 1867 s. 315. I@4@b@g@4@c@bβ)) das verhältnis des stärkeren zum schwächeren: ja, was heiszt bei dir gewalt? mit feu'r und schwert? nein, nein, was braucht es mit den schwachen für gewalt, als ihre schwäche. Lessing (Nathan 2, 3) 3, 55. mit vorliebe wird dieses verhältnis an dem unterschied der geschlechter ausgeprägt und der begriff der gewalt von hier aus auf das sexuelle gebiet übergeführt. I@4@b@g@4@c@b@11))) nimmermehr, mein herr; ich geb es nimmermehr zu. — es geschieht ohne meine einwilligung. — das heiszt gewalt brauchen, mit gewalt besitz nehmen. — aber gewalt wider eine schwache, unglückliche; — ein mann sollte sich dieser gewalt schämen. Lessing (die matrone von Ephesus) 3, 460; lasz ab! beschöne nicht die gewalt, womit du ein wehrloses weib zu zwingen denkst. Göthe (Iphigenie in prosa 5, 3) 57, 87 (vgl. die sich der schwachheit eines weibes freut in der späteren fassung). I@4@b@g@4@c@b@22))) so jemandt einer unverleumbten ehefrawen, witwen oder jungfrawen mit gewalt unnd wider jren willen ihre junckfraulich oder fräwlich eer neme, derselbig ubellthatter hat das lebenn verwurckt. Carolina 62 Kohler-Scheel; doch bei langem wirdt der bruder gar entzündet unnd schendet die schwester mit gewalt. Pauli schimpf und ernst 176b; violare notzwingen, mit gewalt schwechen, verletzen. Ambrosius-Calepinus (1570); violatio, verletzung, anfallung mit gewalt zuo schenden. ebenda; violator, verletzer, gewalt an thuer, geschender. ebenda; meine jungfräuliche ehre — diese nacht — gewalt! Schiller (Fiesko 1, 10) 3, 33; die wilde begierde dringt mit gewalt auf das weib, und macht die lust zum entsetzen. Göthe (Hermann und Dorothea) 40, 292; mit zuchthaus bis zu zehn jahren wird bestraft, wer mit gewalt unzüchtige handlungen an einer frauensperson vornimmt. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 176. vgl. strafgesetzbuch für das deutsche reich § 176. 177, vgl. auch gewalt anthun unter III, 4. I@4@b@g@55)) die objectivierung knüpft an die verschiedenen eben belegten bedeutungen an, bevorzugt aber die individuell gebundenen. ein äuszeres kennzeichen der objectivierung liegt in dem zutritt von pronominalformen zum substantiv. die neuere sprache hat diese abgestreift. I@4@b@g@5@aa)) dann es ist kein gewalt vordriszlicher unnd unleidlicher, dann wo man des vorgewältigten noch darzuo spottet, und in zuo seinen unglück übet und trötzet. Hutten (Vadiscus) 4, 158 Böcking. I@4@b@g@5@bb)) dwile here Niclais Petern geschuldiget hait umb ain gewalt und nit umb ein frevel, und mit recht gewiset ist, daz es keine gewalt ist dann ein frevel, so sal here Niclais den kosten gelden. der Ingelheimer oberhof (1448) 267 Lörsch; eine unscholt geboden vor den ofgemessen schaden und umb einen gewalt. (Oberwesel 1449) 283; das ist ein gwalt wann es geschicht on offen ursach. Terenz (1499) 112b (anmerkung des übersetzers); wa aber jemandt uss forcht eins gewallts unnd nit der meinung, jemandt vom rechten zu dringen, ann unverdachtlich ende enntwichen, der hat dadurch disse vorgemellte straffe nit verwurckt. Carolina 66 Kohler-Scheel; so ein fehler befunten wiert, von der herrschaft dasz gehörige einsechen und die verdiente bestraffung vorgekert wiert, ohne dasz man ditszfahlsz einen richter einen gewalt oder bestraffung zuelaszet. marktordnung von Pöllau (1547), österr. weisth. 6, 141. I@4@b@g@5@cc)) derhalben, als sie den gewalt und straf gottes augenscheinlichen sachen, baten sie gott umb gnad und verzeihung. Zimmersche chronik 1, 283; kumbt iemant, der zu schaden gen wolte, das sullen sie understen und denselben davon weisen, wolt sich aber derselb oder mer darinn frävenlichen halten und in gwalt beweisen oder mit gwalt in die hueten prechen, desselben gwalts si sich sullen wern nach irm vermügen. dorfrecht der gemeinschaft zu Tirol (1462), österr. weisth. 51, 57; aller der gewalt, schad, ungemach der dem gotzhaus geschicht [] an leuten oder an gut, den schol der an unser stat vogt ist, ze hant und er daz vernimmt, pezzeren. übersetzung einer lat. urkunde (Seckau 1207) aus der 1. hälfte des 14. jahrh. bei Zahn urkundenbuch von Steiermark 2, 85; aller gewalt odder betrübung, die einem inn seiner possession zugefüget, sollen inn dem gericht, darinn dieselben beschehen, gerechtfertiget werden. Frankfurter statutenbuch (1558) 103b. I@4@b@g@5@dd)) denn ist nicht alles, was man kindern thut, gewalt? — zu sagen: — ausgenommen, was die kirch' an kindern thut. Lessing (Nathan 4, 2) 3, 117; es ist gewalt! es îst verwegner raub! nicht pflichtvergessen konnte meine tochter aus freier neigung dem entführer folgen. Schiller (braut von Messina) 515b; vgl.gewaltthat (s. d.) im gegensatze zu gewaltthätigkeit (s. d.). I@4@b@g@5@ee)) gewalt schreien (zu anderen ähnlichen accusativen bei schreien vgl. theil 9, 1719): der häscher steht erstaunt und schreit zuletzt: gewalt! dasz von dem lauten ruf die höhle widerschallt. Zachariae (renommist 5) 1, 93; gewalt schreien, chiamare aiuto, crier haro, réclamer, apeller à son secours. Rädlein (1711) 380b; gewalt, gewalt! o rettet! kommet mir zu hülffe, die ihr ehre und keuschheit achtet. Gryphius Horribili. 69 neudruck; herbei, ihr männer, gute leute helft! gewalt, gewalt, sie führen ihn gefangen. Schiller (Wilhelm Tell 3, 3) 14, 353; gewalt! gewalt! .. ach gnäd'ger kaiser! sie plündern drin im haus, sie zünden an und gönnen selbst den todten nicht die ruh! ach schützt uns, herr. Grillparzer (könig Ottokar 5) 65, 143. I@4@b@dδ) gewalt = frevel und = unrecht. die ausübung der überlegenen kraft wird an dem maszstab der moral oder des rechtes gemessen: gewalt, gewaltthätigkeit vis, violentia. Bayer 290. Aler 1727 u. a. vorbereitet und angedeutet war diese beurtheilung auch schon in manchen der eben belegten beispiele, doch fehlte die besondere ausprägung dieses momentes, die in den folgenden belegen hervortritt. I@4@b@d@11)) die beurtheilung unter dem gesichtspunkt der moral: den armen man nit underdruck durch biebari und falsche stuck: dez grosen gwalts miszbruch nit sich; got leit das nit im himmelrich. Thomas Murner badenfahrt 15, 50 Martin; richt nun dein thun und lassen nach gottes gesatz und lehr, halt dich auff rechter strassen und gang kein miszgang mehr, die gerechtigkeit thue da suchen vor andern tugenden all, den gewalt thut gott verfluchen vor andern lastern all. deutsche lieder auf den winterkönig 68 Wolkan. I@4@b@d@1@aa)) (die aufrührerischen Gascogner) erwehleten derhalben allerlei befehlhaber, ja einen könig, welche mit grossem stoltz und hochmuth viel städt und leuth durch list und gewalt einnamen und zwungen. Kirchhof wendunmuth (2, 46) 2, 85 Österley; dieweil aber d. Luthers christliche lehre, von allen seiten mit listen und gewalt angefochten, .... schrieb d. Luther an disz edle blut (an Karl V.). Mathesius Luther 48; drei mauren kan noch wohl ein starckes heer besteigen, so feste als sie sind, bricht sie gewalt und list. med. maulaffe 77; er faszt hierauf den entschlusz, seine wuth zu verbergen, ein ruhiges und freudiges ansehn anzunehmen, um seine absichten desto gewisser zu erreichen, in der that aber gewalt, list, betriegerei und alles anzuwenden, wodurch er über das hartnäckige weigern der Virginia siegen könne. Lessing (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 95; ich mögte doch auch wider des teufels list und gewalt, die litteratur aufs trockne bringen. Göthe an herzog Karl August (18. jan. 1781), briefe 5, 35; ausgeartetes kind der bessern menschlichen mutter, das mit des Römers gewalt paaret des Tyriers list! aber jener beherrschte mit kraft die eroberte erde, dieser belehrte die welt, die er mit klugheit bestahl. Schiller Carthago (nach dem für die prachtausgabe der gedichte angefertigten manuscript; in den ersten drucken: des Römers trotz) vgl. Gödeke 11, 95; in der höhle liegt's verwahrt, vertheidigt von allen gräueln der list und der gewalt. Grillparzer (Argonauten 3) (1874) 3, 121; die ausübung des unrechts geschieht entweder durch gewalt oder durch list, welches in hinsicht auf das moralisch [] wesentliche einerlei ist. gewalt ist zwang des fremden individuums durch physische causalität. Schopenhauer welt als wille und vorstellung 1, 398 vgl. Frauenstädt Schopenhauerlexikon 1, 288; wer sich eines menschen durch list, drohung oder gewalt bemächtigt .. wird wegen menschenraubes mit zuchthaus bestraft. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 234, bundesgesetzblatt von 1870 s. 239; wer eine minderjährige person durch list, drohung oder gewalt ihren eltern oder ihrem vormunde entzieht. § 235. I@4@b@d@1@bb)) dez wir aber für uns, helffer und dienner und wenn wir dir zu schaden bringen müssen, gern vertragen wären, als ferr wir dez von hindernüss gross gewalz und mütwillens verderiblichen, den du mit unserm vatter und auch mit uns manig jar bissher getriben hast, müssig und entladen möchten sein. Oswald der jüngere und Gotthard von Wolkenstein an Hans von Vilanders (1441) bei Steinhausen privatbriefe 1, 355; dann man helt das volck gar nahe für knecht ... under denen ergeben sich viel den edlen, wenn sie mit frembdem gelt, mit grossem tribut, oder durch gewalt und mutwillen der potentaten beschwert werden. Ringmann Cäsar (1588) 59a; weil sie, die alte schlange, mit lügen und gewalt die auffsteigende warheit nicht dempffen kondte, erreget sich aus d. Martini zuhörern allerlei zerrüttung und ergernus. Mathesius Luther 76; er traib vil büeberei und gewalt mit dem armen volck. Hector Mülich, d. städtechron. (Augsburg) 22, 241; (wir sehen) gewalt inn poszheit schweben hoch, di tugent ghat weit hinden nach. Schwarzenberg 157a; gewalt in boszheit itzundt swevet hogh, de döget geit verne hindernach. jüngere glosse zum Reineke d. V. 128 Brandes; geitz, gewalt und ubermuth, verderbet manchen schreiber gut. Henisch 1592; glaubt nicht, dasz ich fasele, dasz ich dichte, seht hin und findet mir andre gestalt! es ist die ganze kirchengeschichte mischmasch von irrthum und von gewalt. Göthe (zahme xenien) 56, 108; zu Trifels, auf der alten kaiserburg, dort liegen herrenlos die reichskleinode im öden saal, den heldengeister hüten, derweil in deutschen gauen überall gewalt und zwietracht ungebändigt toben. Uhland (Ludwig der Baier) 3, 107. I@4@b@d@1@cc)) ohne allein ob frevel, gewalt oder andere sache geschehe, das halsz und hand anträfe. Meiszner urkunde von 1384 bei Haltaus 695; bischoff Niclaus war zornig uber die bürger, sagt, sie hetten grosz gefreffelt, und die freiheit der kirchen an jm zerbrochen, wolte das sie jm den freffel und gewalt abtrügen. Aventin chronik 485b; darum geschähe ihnen, nach solcher ihrer lehre, kein unrecht so man sich wider solche unleidliche gewalt und frevel mit gewalt setzete. Luther (predigt am 24. sonntag nach trinit.) 14, 275 Erlangen; darumb lasszt ewer frevel und gewalt und denckt das er mitt recht handlet. von weltlicher oberkeit (1523) E 3a; gewalt ist öffentlicher frevel. glossen zu Lucas 3, 14; dat he ome enjegen wedder sinen willen mit frevell und eigener gewolt, wone und sitte in einen huse. urkunde von 1533 aus Leineberg bei Haltaus 695; unnd lesset jhm unrecht thun, unnd das seinige mit freuel und gewalt abdringen unnd rauben. Mathesius hochzeitspredigten 115 neudruck; ebenso 105; gewalt und frevel bringt endtlich den todt. Henisch 1592; wer weist nicht, dasz ohn dich ihr wort erloschen wär im blut-bad frommer leuth, und falscher lährer schwäzen, die sich an gottes statt mit trotz und frefel säzen, wenn du nicht dem gewalt stehts hättest abgewehrt und durch verfolgung erst die glaubigen gemehrt. Rompler reimgedichte A 3a: ich wasche, gott, in unschuld meine hände; wenn ich an mir gewalt und frevel fände, wie dürft ich meinem gotte flehn. Kramer psalmen 1, 98; aver gesten sol man ze allen zeiten richten und umb frävel und umb gewalt und umb unzucht sol man auch richten. rechtbuch von Brixen, österr. weisth. 51, 382. I@4@b@d@1@dd)) gewalt, notzwang, ehebruch und schand zerreissen offt das ehelich band; wenn aber allweg folgt die rach, die übern sohn der vatter sprach, denn ehebruch, unzucht, frawenschänden, schetzt man kaum werth, sich drumb zu wenden. Kirchhof wendunmuth (2, 53) 2, 104 Österley; er (der teufel) kam an eines füersten hoff, da man spilt flücht, hüert und zusoff; schinterei, gwalt, krieg rawb und mort, der füerst sach durch die prillen. H. Sachs (der teufel sitzt im tanz) fabeln und schwänke 3, 326 Götze; [] dieweil der satan das evangelium mit keiner gewalt noch ketzerei vertilgen kundt, practicieret er noch weiter. Er. Alberus wider die verfluchte lere der Carlstadter, vorrede; hör' ich nicht den krieg schon kommen? steur ihn doch, du frommer gott! er hat zu gehülff genommen hunger, armuht, g'walt und tod. Schottelius friedens sieg 56 neudruck; gehütet wie den apfel meines auges hab' ich dies land und diese arge stadt, und während alle welt ringsum in krieg, lag einer blühenden oase gleich es in der wüste von gewalt und mord. Grillparzer (ein bruderzwist 4) 85, 105. I@4@b@d@1@ee)) hie geht vor billigkeit gewalt, hie hat unschuld kein aufenthalt. Hutten (klag über den Luterischen brandt) 5, 48 Münch; violentia notzwang, unbillicher gewalt. Frisius 1385b; ebenso Rihelius; ohn einigen unterscheid hat man alle diejenigen, so nur mussitirt, gegen und über den unbillichen gewalt, dessen sich dann Spanien in dieser occupation gebraucht, ein wörtlein fliegen lassen, hinweg geräumt. spanische sturmglock (1616) bei Londorp 1, 289a; u. a. vgl. auch unter III, 2; sein recht in der scheide tragen, und den gewalt für billigkeit achten. Schottelius hauptsprache 1232. I@4@b@d@22)) gegenüberstellung von gewalt und recht. I@4@b@d@2@aa)) Hanns Waldman, man seit von dir, du wellest im land jagen schier, .... zuo Zürich brachstu mit gewalt die armen lte manigfalt, recht mocht nieman gehelfen, die hunde hastu all ertöt mit deinen jungen wölfen. Liliencron volkslieder 2, 272 (Hans Waldmann 1489); wer den grösten kolben hat, der kum von dem galgen uff das rat, und setz sich da in das wasserbat. wir narren stecken kein ander zil dem, der unsz narren geweltigen wil, on recht unsz wil mit gewalt vertreiben, und laszt uns nit bei recht bleiben. Murner vom groszen Lutherischen narren vers 569 Kurz; denn man helt es dar für gewisszlich, das soliche gewalt nicht rechte sach hatt, und wider recht handle, weil sie on gottes wort feret und sich sonst nicht denn mit blosser gewalt zuo helffen weisz, wie die unvernünfftigen thier thund. Luther von weltlicher oberkeit (1523) E 2a; darnach theten si (die päpste) das tüchlin recht vom angesicht, namen sich gewalts an, doch mit forcht, einen künig zuo machen, deszhalb mit den fürsten einen bescheid machten. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 26 neudruck; wer zur gewalt schweigt, der verliert sein recht. Lehmann florilegium 307; gewonheit wird gebot durch brauch und lange zeit. krieg hat durch dreissig jahr gewalt in recht gefreit. Logau 3, 1, 38; den ausspruch rechtens durch den weg der gewalt hintertreiben. Schottelius hauptsprache 1232; die gewalt musz unrechtmässig sein. mancher verbrecher wird zur urphede gezwungen; dieser zwang ist gerecht. alle kriegesgewalt hat die vermutung des rechtens für sich. Estor teutsche rechtsgelehrtheit (1767) 3, 1196; ein schnöder eigennutz steht itzo an der stelle des alten götterschwarms des himmels und der hölle. ihm weiht, ihm opfert sich das menschliche geschlecht, sein tempel ist die welt und die gewalt sein recht. Hagedorn poet. werke 1, 88; was ist gesetz und ordnung? können sie der unschuld kindertage nicht beschützen? wer seid denn ihr, die ihr, mit leerem stolz, durch's recht gewalt zu bänd'gen euch berühmt. Göthe (natürliche tochter 4, 2) 9, 340; nicht ist von recht, noch von gericht die rede; hier ist gewalt! entsetzliche gewalt, selbst wenn sie klug, selbst wenn sie weise handelt. (4, 1) 9, 329; geh zu raub und krieg! hin, wo gewalt gesetz macht! denn wo sich gesetz, wo vaterwille sich gewalt schuf, taugst du nicht. (Pandora) 40, 396; dieser religionsfriede also, der die flamme des bürgerkriegs auf ewige zeiten ersticken sollte, war im grunde nur eine temporäre auskunft, ein werk der noth und gewalt, nicht vom gesetz der gerechtigkeit diktiert. Schiller geschichte des dreiszigjährigen krieges 1 (nach den ausgaben von 1802; in den älteren von 1791 ab: ein werk der nothwendigkeit und der stärke, vgl. Gödeke 8, 18); [] denn nicht vom rechte, von gewalt allein ist zwischen mir und Engelland die rede. Schiller (Maria Stuart 1, 7) 12, 439; schrecklich immer, auch in gerechter sache, ist gewalt, gott hilft nur dann, wenn menschen nicht mehr helfen. (Tell 2, 2) 14, 330; das werk der gewalt, freien männern unziemlich, musz vermieden werden, so lang das recht stimme hat. J. v. Müller geschichte der Schweizerischen eidgenossenschaft 4, 414; mein heer erwartet mich, dasz wir versuchen, was die gewalt vermag im dienst des rechts. Grillparzer (ein treuer diener 1) 65, 169; herold. beglückt wer hat; das ist ein alt gesetz. kanzler. so nennt ihr das gesetz? das ist gewalt. (könig Ottokar 4) 6, 109; nicht der arm der gerechtigkeit, die gewalt nöthigte mich ein land zu räumen, in das man mich berufen, wo ich acht jahre in treuem, ehrenvollem dienste zugebracht hatte. J. Grimm (über meine entlassung) kl. schr. 1, 25; nein, ich erwarte, dasz sie sich als männer und disciplinirte soldaten benommen haben würden, die das recht da gesucht hätten, wo es zu finden, und nicht auf dem wege der gewalt, um es sich selbst zu verschaffen. Frankfurter nationalversammlung (1) 105a; an die stelle der ewigen ordnungen des rechtes, die nach vorübergehender verdunkelung alle zeit nur um so heller leuchten, hat er das banner der gewalt zu pflanzen versucht. darum kann er nicht sitzen unter den männern, denen unser volk die gründung der einheit, die festigung seiner freiheit anvertraut hat, in den wegen des rathes, der mässigung, der weisheit, der geduld. E. Simson (über Hecker) (2) 1489a; wir haben etwas bei uns, was von heut ab in diesem walde stärker sein soll als die gewalt, und das ist unser recht und das gesetz. G. Freytag (soll und haben) 5, 34; von natur, also ursprünglich, herrscht nicht das recht, sondern die gewalt auf erden, welche vor dem recht den vorzug des primi occupantis hat. Schopenhauer parerga 2, 265 vgl. Frauenstädt. I@4@b@d@2@bb)) warum lessestu mich sehen mühe und arbeit? warum zeigestu mir raub und frevel umb mich? es gehet gewalt uber recht. Luther Habakuk 1, 3 (et factum est iudicium et contradictio potentior; und es ist urtail worden, unnd das wider sprechen gewaltiger Eck; bei den älteren übersetzern andere auffassung); darumb ist dieser spruch Habacuc; gewalt gehet uber recht, wol bleiben inn der welt. der prophet Habakuk i 4a; der wellt lauff ist, wer frum sein wil, der mus leiden, solt man ein sache vom alten zaun brechen, denn gewalt gehet fur recht, wenn man dem hunde zu wil, so hat er das ledder gefressen, wenn der wolff wil, so ist das lamb unrecht. fabeln 16 (neudrucke 76); gewalt der geht gar offt für recht, als ir inn diesem beispiel secht. H. Sachs (fabel des wolffs mit dem lamb) 5, 80; es ward auff erden nie so schlecht, gewalt gieng underweiln für recht, und hat der hundt schon nichts gethan, musz er doch ledder fressen han. Erasmus Alberus fabeln 32 neudruck; ebenso in der schrift 'wider die verfluchte lere der Karlstadter' L 6b; denn das klagt auch jener armer knecht, das gewalt gehet für recht, unnd ein quintlein gunst wolbereit, uberwigt offt ein centner gerechtigkeit. Mathesius hochzeitpredigten 111 (bibl. d. schriftsteller aus Böhmen); gewalt gehet für recht das klaget mancher frommer knecht. Lehmann florilegium 305; wo gewalt gehet fur recht da bin ich lieber herr dann knecht. Henisch 1592; es ward auff erden nie so schlecht, es gieng gewalt stets uber recht. ebenda; gewalt geht vor recht. Pistorius sprichwörterschatz 296; gewalt gehet für recht jus vi obruitur. Spieser (1700) 151b; ebenso Weismann 156a. Bayer 290a. Aler 933a; gewalt geht vor recht, dov' è la forza, la legge non ragione, forza cede alla ragione, se vien la forza, sene parte la ragione, la ragione cede spesso alla forza, la force passe le droit. Rädlein 380b; gewalt für recht jus in armis. Kirsch 179b; es geht gewalt für recht, das ist der welt bekannt. Joseph Kurz prinzessin Pumphia (Wiener neudrucke 1) 34; gewalt geht vor recht und die gesetze verstummen vor furcht. Lessing (von den trauerspielen des Seneca) 6, 171; gewalt geht über recht. Wieland 31 (ausgabe [] von 1857), 412; Sievers: kommt! auf unserm wege kann's was werden. recht haben wir, und mit vernunft setzen wirs durch. Metzler: ihr narren! gewalt geht vor recht. bleibt! Göthe (Götz bühnenbearbeitung 5, 3) 42, 416; vom rechte der völker ist dort nirgends die rede, nur von mächten, bei denen doch, wenn sie mächtig sind, häufig gewalt vor recht geht. F. L. Jahn 2, 2, 570; in bösen zeitläuften, wo gewalt für recht geht. 2, 2, 510; man hat mir einmal eine ähnliche äuszerung schuld gegeben: 'gewalt geht vor recht'. das war eine lüge, das habe ich nie gesagt. Bismarck reden (11. juni 1882) 9, 364. I@4@b@d@2@cc)) es ist bös rechten, wo gewalt richter ist. S. Franck sprichwörter 2, 20; genau so sprichwörter (Frankfurt 1570) 384a; vgl. Hoffmann spenden 1, 151. Simrock 3574 u. a.; wo gewaldt ist, do musz recht sein maul halten. Lehmann florilegium 305; daar geweld heerscht, zwijgen de wetten. v. Spaen inleiding tot de historie van Gelderland (inter arma silent leges) 1, 31; vgl. Graf und Dietherr 4; wer gewalt hat, der nimts hinweg und läst die rechtsgelehrten vertheidigen. Lehmann florilegium 306; wer gewalt hat, der hat recht, unnd ist gerecht, unnd solten alle schreibfedern darüber zu bratwürsten werden. 307; wenn gewalt mit dem scheinmantel der gerechtigkeit bedeckt ist, läst er sich nicht straffen noch bessern. 306; was ist recht? gewalt kan es sagen. wiltu nicht, so mustu wol, dasz heist recht. ebenda; gewalt behelt allzeit recht, das ist jetz der welt lauff. Henisch 1592; eine hand voll gewalt ist besser als ein sack voll recht. Graf und Dietherr 529. I@4@b@d@2@dd)) der stärcker thut unrecht mit gewalt, der schwache musz leiden, unnd darzu dancken. Lehmann florilegium 305; gewalt nimpt den armen sein deck. 309; ein gelehrter mann sagte: die gewaltigen handeln mit gewalt; die schwachen mit recht, gewalt kan es kriegen: nemlich, wiltu nicht, so mustu wol, das ist recht, dann der bock weisz, dasz er hörner hat. Zincgref apophthegmata (1653) 3, 182; gewalt ist treglicher zu dulden alsz unrecht. Lehmann florilegium 308. I@4@b@d@2@ee)) wo gewalt über hand nimpt, so ist das recht todt. Henisch 1592; wenn gewalt kömmt, ist recht todt. Braun sechstausend d. sprichwörter (1840) 781; ebenso Simrock (3569) und Graf und Dietherr; wo gewalt recht hat, hat das recht keine gewalt. Braun 786; vgl. Simrock (3570) u. a.; wo gewalt herr ist, da ist gerechtigkeit knecht. 785; vgl. Simrock (3572); lunten-recht (vgl. theil 6, 1309) helt rechtes recht nur für lumpen-recht; wo gewalt zum herren wird, îst gerecht ein knecht. Logau 3, 6, 15; läszt gewalt sich blicken geht das recht auf krücken. Braun 782; vgl. Simrock (3573). I@4@b@d@2@ff)) wan alle gewalt ist unrecht. cod. dipl. Rheno-Mosellanus 3, 723 Günther; vgl. Graf und Dietherr s. 4; gewalt thut unrecht. Schrader alte teutsche sprichwörter (1688) 39; gewalt, unrecht, vis, violentia, injuria. Spieser (1709) 151b; gewalt, unrecht, injuria, violentia. Bayer (1733) 290a; gewalt, vis injusta, violentia. Haltaus 694; und soll derselbig zum rechten fur unrechtem gwaldt, und nit weitther, vergleidt werden. Carolina § 156 Kohler und Scheel; sobald er vernimpt den unrechten gwalt, so an sie gelegt würt, er sunder zweifel nit underlaszt, der hertzogin zuo helffen. Wickram Galmy 144; unrechter gewalt wird nit alt. Tschudi bei Tobler Appenzeller sprachschatz 247b u. a. vgl. unrecht und ähnliche adjectiva bei gewalt (s. III 2). I@4@b@d@2@gg)) von welchem nit herusz gesenckt mag werden der gwalt, die armuot, ungerechtikeit, einikeit, entlümbdung. Terenz (1499) 104b (unde emergi non potest vis, egestas, injustitia, solitudo, infamia. Adelphoi 3, 2; vgl. in der franz. übersetzung von 1732 la violence, la pauvreté u. a.); und begeren inbrünstiglich und von hertzen, das die öbersten der kirchen für die sitten, so sie itzo haben, als torheit, muossiggang, überflüsz .. gewalt und unrecht .. etwan an sich nämen disze gegentugent. Hutten (Vadiscus, violentia, scelere et crudelitate) 4, 236 Böcking; allein söllen wir unsern schaden bedencken ... auch gegen dem unrecht und gewalt, so uns von den Romanischenn geschicht .. widerstreben. ebenda 190 (adversus publicam iniuriam); ebenso 165. 194 (vgl.gewalt thun unter III); dem sie doch nie kein trew noch glauben hielten. auch sunst viler ding geschuldiget, daran sie in ... gewalt und unrecht gethon. (wie die bäpst allwegen ..) 5, 374 Böcking; alles was ich noch von doctor Luthers schriften gelesen, mag ich bei meiner selen seligkeit sagen, dasz ich das nit dann christlich und wol geschriben erkenne. solt im nun umb der götlichen [] warheit und gerechtigkeit willen gewalt und unrecht widerfaren, fürwar es möcht mir nit lieb sein. neu Karsthans bei Schade satiren und pasquille 2, 4. Köhler zsch. f. d. phil. 30, 494 will in der verbindung gewalt und unrecht, die bei Hutten so häufig belegt ist, ein zeugnis für Huttens autorschaft an diesem Karsthans erblicken, die verbindung ist aber auch auszerhalb des Huttenschen stils beliebt: darumb reden die widersacher jhren gewalt, und thun uns gantz für gott unrecht. Melanchton apologia Augsb. conf. in corp. doct. christ. (Leipzig 1560) s. 159 (zu der verbindung seinen gewalt reden, vgl. unter III); wo aber ir sie also unverantwurt verbrennen lassen, so sprich ich, das der frawen gwalt und unrecht beschech. Wickram Galmy 137; (sie) understuonten die junckfrawen vor solchem gewalt und unrecht zuo erretten. Livius (Straszburg 1562) 43b; (es) stuond Verginius bei dem todten leib seiner tochter, und that ein klägliche red vor allen burgern, erzölet den grossen gewalt und unrecht. 44b; alle öffentliche gewalt, schmach und unrecht, da einer mit gewehren, prügeln oder dergleichen, den andern ... überfället und schlägt, soll bei leib und leben ... verboten sein. Sghwendi discurs von bestellung des ganzen kriegswesens (1676) 134; alle öffentliche gewalt nun wird auch vermöge der kriegs-rechte, am leben gestrafft. ebd. 164; wer einen andern widerrechtlich durch gewalt oder durch bedrohung mit einem verbrechen oder vergehen zu einer handlung, duldung oder unterlassung nöthigt, wird mit gefängnisz bestraft. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 240, bundesgesetzblatt von 1870 s. 240. IIII. grammatischer theil. formen. schwankungen des genus. syntax: gebrauch der numeri und der casus; überordnung über substantiva. II@11) die mannigfaltigkeit der casusformen steht in wechselwirkung mit den schwankungen, die am genus zu beobachten sind, vgl. sp. 4913. II@1@aa) die verdrängung des femininums durch das masculinum und die casusformen der älteren sprache. II@1@a@aα) wie schon bemerkt, ist das femininum bei Otfrid, im Heliand und in der Tatianübersetzung ohne concurrenz. mit gleicher übereinstimmung sind aus diesen denkmälern auch casusformen der i-declination belegt, die jeweils den entsprechenden umlaut aufweisen. während der genetiv singularis hier nur ganz selten belegt ist (lob ouh thera giwelti Otfrid 5, 25, 102), liegen für den dativ singularis zahlreiche beispiele vor: in welihhero giwelti. Tatian 123, 1. 47, 5; al an is geweldi stâd. Heliand 2166 u. a.; mit giwelti. Otfrid 1, 15, 37 u. a.; vgl. sp. 4915. 16. von den pluralformen ist der dativ bei Tatian belegt zi giweltin 44, 13, Otfrid meidet ihn, falls nicht engilo giwelti (4, 7, 16) als accusativ des plurals zu erklären ist (vgl. jedoch sp. 4986). die mehrzahl der einschlägigen beispiele weist den nominativ oder accusativ singularis auf, giebt also für den declinationstypus keinen fingerzeig, vgl. giwalt finstarnesso. Tatian 158, 8. 242, 1; Otfrid 5, 17, 9 u. a.; thie thar suliha giwalt gab mannun. Tatian 54, 9 u. a.; Heliand 2488 u. a.; Otfrid 5, 16, 35 u. a.; vgl. sp. 4916. II@1@a@bβ) anderemeist jüngeredenkmäler der althochdeutschen sprache bieten für einzelne casus des singulars und plurals unumgelautete formen, ohne dasz jeweils ein bestimmtes genus festgestellt werden kann. für die i-declination sind hierbei in anspruch zu nehmen der dativ singularis kiwalti (Oxforder glossen des 9. jahrh. Steinmeyer - Sievers 4, 8) und der instrumentalis in kiwalti Pilâtes des St. Galler credo. dagegen ist auf die a-declination zu schlieszen bei dem dativ singularis giwalte der Tegernseer handschriften des 10. und 11. jahrh. (2, 286. 2, 601), weil ebendort (2, 293) der dativ pluralis giwaltun erscheint. II@1@a@gγ) sicheres masculinum mit unumgelauteten formen, die freilich über die declinationsklasse nicht immer entscheidung geben, ist in den Monseer fragmenten belegt: gewaltes, regentis. Monseer fragmente 39, 29 Hench; himilischin kawalte, caelo. 28, 30; dhes sines aerwirdhighin chiwaldes sahha. Isidor 43, 14 Hench. eine accusativform chiwaldi (dhurahsnuoh dhes chiwaldi, inrepserat potestatem. Isidor 35, 2), die ebenso wie der obenstehende beleg aus Otfrid die möglichkeit der erklärung aus dem plural offen läszt, wird von Hench a. a. o. als typus der collectivbildung aufgefaszt und dem neutrum zugeschrieben (eine andere erklärung s. sp. 4986). durchgeführt erscheint das masculinum bei Notker, bei ihm sind auch die unzweifelhaften belege für die anlehnung an die a-declination gegeben: tero chûningo gewalt, ter ofto die rîchen insezzet. Boethius 25b; gibet imo neheinen gewalt. psalm 36, 33 u. a.; sînes kewaltes. 77, 42 u. a.; fone hello gewalte. 48, 16 u. a.; alle andere gewalta. Boethius 27b u. a.; waz kewalto mag taz sîn. 113b; fone iro sarfen gewalten. [] psalm 34, 17 (vgl. cornibus giwaltun. Steinmeyer-Sievers 2, 293). diesen zeugnissen für das masculinum stehen bei Notker, der in zahlreichen anderen fällen einen aufschlusz über das genus nicht ermöglicht, nur zwei belege für das femininum entgegen: diabolum fliehendo chômen oûh wir in sîna gewalt. psalm 113, 1 (Hattemer 2, 408a); lose mih .. fone dero gewalte des hundes. 21, 21 (Hattemer 2, 80a); zu den belegen, die einen aufschlusz über das genus versagen, vgl.: daz sîn lîchamo in iro gewalt ne chome. 68, 16 (Hattemer 2, 236b) u. a. II@1@bb) das vorwiegen des masculinums in der mittelhochdeutschen periode. II@1@b@aα) nur von einem vorwiegen des masculinums kann für diese zeit die rede sein. die niederdeutschen quellen halten, soweit das genus ersichtlich ist, am femininum fest, die oberdeutschen zeigen das masculinum durchgeführt, die mitteldeutschen neigen mehr zum femininum. diese den mundartlichen gegensätzen folgende linie wird aber wieder durchkreuzt durch eine andere, die über bestimmte unterschiede in der verwendung und bedeutung führt. denn die vermuthung von Benecke (wb. zum Iwein, 2. auflage 101) darf nicht ganz von der hand gewiesen werden (vgl. mhd. wb. 3, 474b), sie ist nur einzugrenzen und zu verändern. denn genau so wie bei Notker in der verbindung in die gewalt eines andern komen das femininum auftaucht, so erscheint es bei Hartmann v. Aue, der sonst eine der sichersten stützen des mascul. gebrauches ist, in der analogen redensart in die gewalt eines andern sich ergeben: sît ir iuch .. in mîne gewalt hât ergeben. Iwein 2297 (in der Heidelberger handschrift von 1477 und in der Ambraser von 1517 mîn); do antwurt er .. guot unde lîp beide in sîne gewalt. 5099 (in allen handschriften). von hier aus fällt neues licht auf einige auffällige inconsequenzen in oberdeutschen denkmälern. immer handelt es sich um bestimmte feste verbindungen, von denen einige durch ihre geschlossenheit das alte genus gesichert haben mögen, während andere vielleicht aus der umgangs- oder rechtsprache des nordens eingedrungen sind: ergebet iuch in mîne gewalt. Parzival 287, 28; nâme die burch in sîne gewalt. Vorauer handschrift des Alexanderliedes 447, ebenso 664; fûrte die chuningin in sîne gewalt. 531; nam den sperewer an ire gewalt. zsch. f. d. a. 5, 429; sol der rihter daz guot in sine gewalt nemen. Schwabenspiegel § 273 Laszberg; gegenüber von nam wider in sînen gotelîchen gewalt. kaiserchronik 8853, ebenso Wernher Maria 158. Crescentia 30, 23. Judith 165, 2; wer si .. in sinen gewalt leit. Straszburger ordnung bei Eheberg 1, 6 u. a. noch zäher hält sich das femininum in ähnlicher verbindung mit einem verbum des beharrens: iz ist alles in sîner gewalt. kaiserchronik 2389 u. a., vgl. sp. 4923; das si in irer gewalt hat. steiermärkisches landrecht 108; in seiner gwald haben. österr. weisth. 6, 300; swaz er varunder hab het in sîner gewalt. Ottokar 21038; vindet man ez in siner gewalt. Schwabenspiegel c. 258 § 31 bei Haltaus 695; das gut bleibet in der gewalt der frauwen. Iglauer stadtrecht 201, vgl. auch die Wiener arzneibücher 2, 13d. Ottokar 3693. 74809. 47500. 36320. dem gegenüber sind einschlägige beispiele für das masculinum hier spärlich: also het in der marggraf .. in seinem gewalt. vierte bairische fortsetzung der sächsischen weltchronik 375; stê in dem gewalt des richters. Augsburger stadtrecht 50; von sînem gewalte gie. Gregorius 3677. II@1@b@bβ) theilweise durch die art der verbindung bedingt, theilweise aber auch durch die lautform veranlaszt ist die anziehungskraft, die die einzelnen casus auf dieses oder jenes genus ausüben. II@1@b@b@11)) für den genetiv ist leicht ersichtlich, wie sehr er das masculinum begünstigt, dessen charakteristische endung mehr ins ohr fiel: der gewaldes pflac. Parzival 102, 11; ebenso Gregorius 3561; hât gewaltes vil. Enikel weltchronik 13260. 10434. Winsbeke 75, 4. Laurin 70. Lutwin 285. spec. ecclesiae 71; und gebe dir gewaldis vil. Livländische reimchronik 423; ires gewaldes rouben. 72. hierher fällt auch der einzige beleg für das masculinum aus Brun v. Schonebeck des gewaldes stab 12082; vgl. auch gewaldes hant. passional 2, 6; dagegen vgl. der des bâbstes gewalt pflac. kaiserchronik 45514. II@1@b@b@22)) der nominativ bietet formell weder dem einen noch dem andern genus besondere vortheile; da er aber keine der oben (α) besprochenen verbindungen zuläszt, kann er eher zu den casus gerechnet werden, die das masculinum begünstigen. überdies kommt gerade in diesem casus die wirkende, thätige kraft am bedeutungsgehalte des substantivs zum ausdruck: do scein der gotes gewalt. genesis (fundgruben 2, 11), ähnlich K. v. Megenberg 112, 3; uber die helle ist sîn gewalt. Ezzolied 21, 8, ähnlich 16, 12; der gewalt wart in benomen. Livländische reimchronik 648; wîten [] ginc der gwalt sîn. Alexanderlied, Straszburger handschr. 100; ebenso Vorauer handschr. 1439; ähnlich 561 (starche wôss ime sîn gewalt). manchmal stehen sich im Alexanderlied hier beide handschriften gegenüber: du solt chunich sîn. der gewalt sî dir vil gereit. Vorauer handschr. 343; diu gewalt sî dir vil gerêt. Straszburger handschr. 400. im allgemeinen sind feminina hier nur aus mittel- und niederdeutschen denkmälern belegt und auch sie nehmen als belege für die personificierung zugleich eine sonderstellung ein: zu der sich neigete .. di hohe godelich gewalt. Elisabeth 5336; das nimpt di konicliche gewalt. das alte Kulmische recht 4, 70; den sal de vrone gewalt behalden. Sachsenspiegel 1, 6. II@1@b@b@33)) beim accusativ machen sich auszer den oben besprochenen auch andere feste verbindungen geltend. II@1@b@b@3@aa)) sinen gotelichen gewalt ougen. kaiserchronik 9387; erkanden sî den gotes gewalt. Gregorius 3362; er wolde im sînen gwalt lân. herzog Ernst 4987 u. a.; vgl. dagegen an gute, das an die konigliche gewalt fellit. Magdeburger fragen 1, 2, 25 u. a. II@1@b@b@3@bb)) gewalt gewan .. sô guoten. Tristan 10350; liez ime den gewalt. Trierer Silvester 364. ähnlich Walther 56, 5; den gewalt verlêch sante Peter. kaiserchronik 12392; habite allin gewalt. Annolied 471. ebenso Nibelungen 44, 3. 2075, 4. Alexanderlied, (Straszburger handschr.) 6889; vollen gewalt haben süllen. monum. Boica 25, 530 u. a.; vgl. dagegen hêten sie die gewalt. A. v. Halberstadt 1, 111; der furste gab ir di gewalt. Elisabeth 2262; unde hette sîne gewalt uber jung und uber alt. Livländische reimchronik 589; so haben die burger in die hoiste gewalt ubir si. Freiberger stadtrecht 244; di haben di gewalt wol. 19, 4 u. a. II@1@b@b@3@cc)) den oben für das femininum in oberdeutschen quellen angeführten belegen reihen sich aus mittel- und niederdeutschen denkmälern an: des gibich im in sîne gewalt. könig Rother 193; nam die meisterschaft an sine gewalt. Livländische reimchronik 6327; das sal her in sine gewalt triben. das alte Kulmische recht 5, 26 u. a. vgl. oben sp. 4929. II@1@b@b@44)) der dativ singularis, der nur für das masculinum noch die volle form aufweist, während er im femininum vom nominativ und accusativ sich bald nicht mehr unterscheidet, bevorzugt das masculinum im freien gebrauche. in festen verbindungen ist er theilweise (vgl. sp. 4984) auch in oberdeutschen quellen vom femininum bedrängt. II@1@b@b@4@aa)) müezin dem gewalte dîn .. vremede sîn. Barlaam 1; senent sich nach sinem gewalte. leben Jesu 278, 13; chom von gotlichem gwalte. St. Pauler predigten 125 u. a. II@1@b@b@4@bb)) daz der vater hat in sime gewalte. fundgruben 2, 126; gegen got hête in sîner gewalt. kaiserchronik 8355 u. a. vgl. sp. 4930. II@1@b@b@4@cc)) er holte uns .. mit sînem gewalt. wahrheit 91 Waag. Mar. 172, 6; gegen got mit sîner gewalt. Ezzolied 23, 1 u. a. vgl. sp. 4922. 4924. II@1@b@b@55)) für die spärlichen pluralformen (vgl. sp. 4924) ist die zugehörigkeit zum femininum der i-klasse aus dem umlaut zu erschlieszen (unumgelautete formen s. sp. 4986); später freilichauf oberdeutschem gebietefordern solche formen eine andere erklärung. II@1@b@gγ) die zähigkeit, mit der das mittel- und niederdeutsche gebiet am femininum festhielt, ist am offenkundigsten in der personificierung, namentlich wo diese mit männlichen eigennamen in verbindung tritt: Herman, der mine gewalt Cunrate gewunt .. hat. Freiberger stadtrecht 194; der richter unde sine gewalt Cunrat. 192; vgl. dagegen kom in gericht der gewalt des conventes. Nürnberger urkunde von 1303 u. a. vgl. sp. 4937 ff. 4965 ff. II@1@b@dδ) ein vereinzeltes masculinum ist bei A. v. Halberstadt mit isolierter bedeutung verknüpft: der mac verschaffen sîn gestalt an manecvalden gewalt. 20, 16. 24, 181, vgl. oben sp. 4938. hierzu stimmt hette an blumen sulchen gewalt. Herbort v. Fritzlar 9343. II@1@b@eε) zu einer sonderstellung des im sinne von vis und violentia verwendeten substantivs liegen in bezug auf das genus keinerlei anhaltspunkte vor. deutlich lassen sich vielmehr die eben gewonnenen grenzlinien auch hier verfolgen. II@1@b@e@11)) oberdeutsche denkmäler (die Livländische reimchronik stimmt auch hier wie oben mit dieser gruppe überein): gewalt vil grôzer. Nibelungenlied 1927, 3; hern Dietrich der gewalt verdrosz. Laurin 561; nu tuost du dînen gewalt. Konrad Rolandslied 75, 18; sprechet iwern gewalt. Erec 9032; klagen mac .. der arme den gewalt. Walther 16, 12; disen gewalt .. üeben. [] Tristan 10353. ähnlich passional 248, 14. 10, 51. steiermärkisches landrecht 75. 107. Livländische reimchronik 5594; des gewaltes kraft. Barlaam 1; ir gewaltes bin ich .. grâ. Neidhart 49a, 40, ähnlich Parzival 585, 1 u. a. Ottokar 3945. II@1@b@e@22)) mittel- und niederdeutsche denkmäler: di gewalt di da geschen was. Limburger chronik 61. Stendaler urtheilsbuch 26, 3; eine gewalt klagen. Limburger chronik 69. ähnlich 93 und öfters; taetin grosse gewalt. Rothe 678; breke ene gewalt. Dortmunder statuten. ebenso Magdeburger fragen, Freiberger stadtrecht und Sachsenspiegel, vgl. oben sp. 4943 ff.; mit grôzer gewalt. könig Rother 2574. ebenso in der Limburger chronik und andern quellen, vgl. sp. 4941. II@1@b@zζ) umlaut und flexionsendungen. II@1@b@z@11)) der umlaut. übergriffe der umgelauteten formen in den accusativ oder nominativ singularis, wie sie vielleicht in einigen althochdeutschen belegen anzunehmen sind (vgl. giwelti. Otfrid 4, 7, 16; chiwaldi. Isidor 35, 2), lassen sich in unserer periode kaum belegen. auf niederdeutschem boden haben sie um so mehr geltung gewonnen; hier stehen sich zwei declinationstypen mit theilweise festgelegter bedeutung gegenüber, vgl. gewelde, gewelt neben gewalt, gewolt. Schiller - Lübben 2, 100; vgl.gewelt. Verwijs und Verdam 2, 1881 ff. neben gewout. 1933 ff. (nebenform gewoude). in der mittelhochdeutschen periode sind umgekehrt die umgelauteten formen auch im dativ und genetiv singularis zurückgetreten, selbst mitteldeutsche quellen geben ihnen nur vereinzelt noch spielraum. für die oberdeutschen denkmäler liegen die letzten anhaltspunkte in zeugnissen des 12. jahrhunderts: wer di werlt elle in siner gwelde. Hartmann vom glauben 2506 Maszmann; in sîner gewelte. kaiserchronik 11021 (variante hende); vuor .. mit gewelte. Annolied 465; geweldi. Crescentia 25 Schade; zuo siner gewelte. genesis fundgruben 55, 34. ebenso 47, 33. aus niederdeutschem gebiet, wo entsprechende belege bis in die neuere zeit (s. unten) vorliegen, vgl. die brut sprach abir mit gewelde. Brun v. Schonebeck 7634; an einer ghewelde. Dortmunder statuten 72 u. a. zu den pluralformen, die gerade in oberdeutschen quellen den umlaut später neu beleben, s. unten. II@1@b@z@22)) die flexionsformen unterliegen den verschiebungen des declinationstypus, die die neuere sprache kennzeichnen, noch wenig. im eigennamen begegnet bei Hadamar v. Laber der acc. sing. Gewalten. überall sonst bleibt der starke typus, an dem die charakteristischen flexionsmerkmale zäh festgehalten werden. nur der dativ singularis verfällt im femininum der apokope resp. wird von der endungslosen form verdrängt, während er sich im masculinum länger hält. wie weit die erstarrten präpositionalverbindungen wie mit gewalt dem einen oder andern genus zuzurechnen sind, läszt sich nicht bestimmen, jedenfalls ist die endungslose form hier im vordringen. erhalten bleibt der volle auslaut im Nibelungenlied, bei Gottfrid, Neidhart, im passional, selbst noch im drucke des Laurin, vgl. auch gewalde in Breslauer urkunden. häufig variieren die handschriften, so schon in der kaiserchronik 6137 (mit gewalte und gewalt). dieses schwanken ist aus den reimen gelegentlich auch für den dichter zu erschlieszen, so für Hartmann v. Aue, der im reim ebenso mit gewalt (Erec 3114) bietet, wie mit gewalte (5565); vgl. auch die varianten im Iwein 2037 (s. die anmerkung). dagegen herrscht die apokope vor bei Wolfram, vgl. Parzival 26, 5. 244, 19 und ebenso in mitteldeutschen quellen wie z. b. Albrecht v. Halberstadt, Limburger chronik, Magdeburger fragen, Sachsenspiegel u. a. II@1@b@z@33)) unter den wenigen pluralformen der mittelhochdeutschen periode sind auch einige unumgelautete belegt, vgl. gewalden im Freiberger stadtrecht, vgl. den nom. plural. gewalte genesis fundgruben 2, 11; luftecliche gewalte. spec. eccles. 43. II@1@cc) die durchführung des femininums in der neuhochdeutschen periode. den eigentlichen anstosz erhielt diese bewegung durch das übergewicht, das mitteldeutsche sprachgewohnheiten in der beginnenden schriftsprache gewannen. begünstigt wurde die durchführung bei gewalt, weil so viele verwendungen eine flexionslose, des artikels oder eines adjectivs entbehrende, form darboten, die jeder verschiebung des genus preis gegeben war. dazu kommt sodann, dasz in den synonymen macht, kraft u. a. feminina vorlagen. II@1@c@aα) auch hier läszt sich der entwicklungsgang deutlich aus der bibelübersetzung belegen. im cod. Teplensis ist das femininum gänzlich vereinzelt, und selbst in solchem ausnahmefall wird es von der gedruckten oberdeutschen bibel wieder zurückgedrängt: ich bin ein man geschickt von der gewalt. cod. Tepl. Matth. 8, 10 (under dem gewalt. Augsburger und Nürnberger bibel). die Trebnitzer psalmen neigen zum femininum: daz si bekant [] machen .. di gewalt din. 144, 11. 12 (Koburger: deinen gewalt. Luther: deine gewalt). auch in Beheims evangelienübersetzung dringt das femininum schon energisch vor, theilweise allerdings in verwendungen, die die oberdeutsche bibel mit synonymen deckt: sitzet ûf dem stûle siner gewalt. Matth. 19, 28 (für maiestät, herrligkeit); ebenso Lucas 9, 31; mit grôzir craft und mit grôzir gewalt. Matth. 24, 30; mir ist alle gewalt gigebin im himele. 28, 18 (aller gewalt in cod. Tepl., bei Eggestein. Koburger u. a.); die gewalt der vinsternisse. Lucas 22, 53 (der gewalt der vinster im cod. Tepl., bei Koburger u. a.); dagegen vgl. ich wil dir gebin disen gewalt. 4, 6 (ebenso cod. Tepl. u. a.); wer hât dir disen gewalt gegebin Beheim Matth. 21, 23 (ebenso cod. Tepl. u. a. die macht Luther). noch consequenter geht Luther vor: aus welcher gewalt .. habt ir das gethan. Luther apostelgeschichte 4, 7 (vgl.aus welchem gewalt cod. Tepl. u. a. Matth. 21, 23) u. a.; das masculinum, das er in den bibelausgaben vor 1527 noch einigemale verwendet, tilgt er später auch dort: mir ist geben alle gewalt. Matth. 28, 18 (bis 1527 aller gewalt); uber alle gewalt des feindes. Lucas 10, 19 (bis 1527 allen gewalt). nur an wenigen stellen bleibt hier das masculinum bewahrt: rechet den gewalt an ewren volck geübet. Luther 1. Macc. 2, 64. bemerkenswerth ist auch das verhalten der nachdrucke und nachübersetzer. vgl. aller gewalt. Matth. 28, 18 (ebenso Froschauer. Dietenberger. Eck; alle gewalt Emser); aber das hinder teil zubrach von der gewalt der wellen. Luther apostelgeschichte 27, 41 (ebenso Dietenberger. Eck; von dem gwalt der wellen Froschauer). II@1@c@bβ) wie in der bibelübersetzung, so leisten die oberdeutschen denkmäler auch sonst dem femininum widerstand. es ist die zur gemeinsprache entwickelte schriftsprache, die das masculinum erst sehr allmählich zurückdrängt und die es in den mundarten bis heute nicht ganz überwältigt hat. II@1@c@b@11)) dieses oberdeutsche masculinum läszt sich innerhalb der verschiedenartigsten bedeutungen und der mannigfachsten verbindungen weiter belegen. II@1@c@b@1@aa)) ist disem .. geben der gewalt. Terenz (1499) 80a; aller gwalt. Geiler seelenparadies 4b; ebenso W. Schmeltzel Wiener neudrucke 5, 15; Franck s. Wackernagel kirchenlied 2, 1075b; als ob der gewalt nit bei dir stünd. Boltz Terenzübersetz. 111b; ward dem gemeinen volck der gewalt und chur, ein andern könig zuo kiesen, zuogelassen. Livius (1562) 8a; der völlige gewalt und die vollmacht. österr. weisth. 3, 122; das der gewalt sölichs nit welte. U. Zwingli freiheit der speisen 4 neudruck. ebenso S. Münster cosmographia (1537) B 4b; der kriegsgewalt (als amt) bei Grimmelshausen Simplicissimus (1713) 3, 152; gewalt .. der. Lehmann florilegium 307; unziemlicher gewalt .. in einen grossen missbrauch ist kommen. Hutten klagschrift 5, 35 Münch; das ist ein offner gewalt. statutenbuch (Frankfurt 1558) 103b; ein unsäglich grosser gewalt. J. Jonas; ein mächtiger gewalt. S. Münster C 2b; wa dir .. einiger gewalt .. begegnet. Fischart Gargantua 215b; so ist mir der grösseste gewalt geschehen. Moscherosch cura parentum 57 neudruck. ähnlich 137; das schafft der gewalte dein. Uhland volkslieder 2, 859. II@1@c@b@1@bb)) so nennen wir den gewalt der kirchen schlüssel. Melanchthon loci theologici; bisz Rom gantz in jren gewalt komen. Liviusübersetzung (1562) 136a; unter seinen gewalt bringen. N. Gürtler (Basel 1702) 1, 606; wie wol er nun den gewalt hett von dem babst. B. Zink, d. städtechroniken 5, 69. ähnlich Schwartzenberg teutsch Cicero (1535) 9a. österr. weisth. 3, 310. Fischart flöhatz 1025 neudruck. Wickram Galmy 168 u. a.; bevalch er seinen vollmächtigen gewalt dem ehrsamen N. rhetorica und teutsch formulari (Tübingen 1560) 74b. ähnlich hoffgerichtsordnung von Sponheim (Frankfurt 1587) 41; welcher .. ein rechten gewalt und kunst kann anzeigen. Dürer nachlasz 247; den vögtlichen gewalt .. verleiht. Rompler (Straszburg 1647) 24; den göttlichen gewalt sehen. S. Brant Moretus b 3a. ähnlich Micyllus 446b. Hedio Josephus 23a; disen gewalt des wassers. Thurneysser (1574) 290; er hat den gewalt der liebe empfunden. buch der liebe 243b; als er gesehen den gewalt und mutwillen. Zimmersche chronik 1, 470. ebenso 1, 412. ähnlich deutsche lieder auf den winterkönig 68 Wolkan. vgl. auch bei Londorp 1, 269c. Forer fischbuch 141a. Wickram Galmy 144. II@1@c@b@1@cc)) gewaltes Eggestein Esther 1, 4; ebenso Koburger und Dietenberger; krafft habenden gewalts. Londorp 1, 166a; aignes gewalts. österr. weisth. 1, 161; gemain form eines gewalts. Tengler laienspiegel (1527) 9a. vgl. auch bei Londorp 1, 170b. 1, 319a u. a.; des grossen gewalts miszbrauch. Murner badenfahrt 15, 50; damit er sich des gewalts erwerth. österr. [] weisth. 1, 161. vgl. auch die genetive (gewaltes) bei Geiler baum der seligkeit 27b. Aventin 4, 90. Basler chroniken 5, 462. Hans Sachs 3, 1, 162b. Fischart Gargantua 341. V. Boltz Livius (Straszburg 1562) 42b u. a. hier hält auch Luther länger am masculinum fest. vgl. 3, 94a Erlanger ausgabe. ebenso 3, 95a. vgl. Matthesius leichenreden 192. II@1@c@b@1@dd)) es stat nit in deinem gewalt. Eberlin 2, 157. ebenso Zimmer. chr. 1, 541. Spieser 150; mit vollem gewalt. d. städtechr. 5, 82 (Zink); 23, 172 (Sender). vgl. auch oben sp. 4961 ff.; da er nun .. in grossem gewalt stunde. Schwartzenberg teutsch Cicero 9a; das das hailig grab im gewalt der ungläubigen .. gewest. Zimmersche chronik 1, 478; wann ein mözger .. in dem gwalt blib. österr. weisth. 6, 423; dieweils die priester in ihrem gewalt hatten. Paracelsus (1589) 1, 313; alle ding sind in deinem gewalt. tragödie Johannis A 7b; potiri in seinem gewalt haben. N. Gürtler 1, 606; mancipati usz dem gewalt verlassen. Murner verdeutschung der instituten (1520); aus päbstlichem gewalt .. geabsolvirt. Dürer nachlasz 13; ergab mich also dem gewalt .. der wind. Schaidenreiszer 41a; wie mit grossem gewalt ist es .. vertruckt. Hutten 4, 224; mit gantzem gewalt. Wickram Galmy 69; wann sie mit einem gewalt in dies land kommen solten. Londorp 1, 173a; mit sondern gewalt in die Wallachei eingebrochen. Abraham a S. Clara Wiener neudrucke 1, 68; mit allem gewalt. Weismann 156; Bayer 290a. II@1@c@b@22)) der kreis der schriftsteller, die das masculinum gebrauchen, schlieszt sich vom 17. jahrh. ab auch in Oberdeutschland immer enger zusammen. im 16. jahrh. bieten die oberdeutschen chroniken, namentlich Augsburger ursprungs, die zahlreichen in Straszzburg gedruckten übersetzungen, eine stattliche reihe von urkunden, weisthümern und rhetoriken einmüthig das masculinum, das aus dem kreise der bekannten schriftsteller noch bei Hutten, Murner, Melanchthon, Zwingli, Schwartzenberg, Dürer, Hans Sachs, S. Münster, Wickram, Fischart zu belegen ist. im 17. jahrh. sind auszer einigen staatsschriften wesentlich noch Straszburger drucke aufzuführen und von schriftstellern sind nur noch Weckherlin, Paracelsus, Moscherosch, Abraham a S. Clara zu nennen. im 18. jahrh. ist das masculinum schon auf isolierte verbindungen (eigenen gewalts bei Abele, der kriegsgewalt im Simplicissimus) oder auf mundartlichen gebrauch eingeschränkt: potestas der gewalt, die macht. N. Gürtler (Basel 1702) 1, 606; potentia die macht, der gewalt. ebenda; vis der gewalt, gewaltthätigkeit. 1, 818; unter seinen gewalt bringen. nouveau dictionaire du voyageur (Genf 1703) 144; der gwald ist entweder ein güetliga oder eidliga. Tobler appenzell. sprachschatz 247; gewalt, noch mehrfach im lande auch männliches geschlechtes. v. Pfister 1. ergänzungsheft zu Vilmar 12; gewalt masculinum und femininum. Lenz Handschuhsheimer dialect 28. für das Schwäbische vgl. H. Fischer zu Weckherlin 526. II@1@c@b@33)) für die einbürgerung des femininums bei den oberdeutschen schriftstellern kommen einige bevorzugte verbindungen in betracht, die auch gegen die allgemeine neigung für das masculinum den sieg behalten, vgl. sp. 4984. II@1@c@b@3@aa)) es sei wider die tüfflische gewalt. Murner an den .. adel deutscher nation 30 neudruck; so mögen auch wir hinwider nit leiden Römische gewalt, betrug, und schalckheit. Hutten werke 4, 241 Vadiscus (violentiam, fraudem et scelus); vgl. das femininum in den unter III, 2 belegten verbindungen des substantivs mit adjectiven. II@1@c@b@3@bb)) und keret sich mit aller gewalt wider Bayern. S. Meisterlin chronik von Nürnberg, d. städtechroniken 3, 85 (sonst dort stets masculinum); ain gast sol selber kummen oder aber seinen gewissen potten mit voller gewalt in geschrift her schiken, daz hat denn für recht kraft, und nit anders. civil- und criminalstatuten von Münsterthal (1427), österr. weisth. 4, 349. II@1@c@gγ) auf mitteldeutschem boden läszt sich das masculinum nicht lange verfolgen. Luther, der dieses genus in seinen älteren schriften auch auszerhalb der bibelübersetzung gelegentlich aufweist (das wir alle gleichen gewalt haben. an den adel B ja; bepstlichen gewalt 1520, keinen gewallt 1522, den mussigen .. gewalt des bapstumbs 1521, unterscheid des gewalts 1523. ebenso 1525 3, 94a u. a. vgl. Dietz 2, 112; Satan sthet mit grossem gewalt. predigten von 1526, vgl. Weimarer ausgabe 20, 458), läszt es doch bald ganz zurückgehen. B. Waldis (streitgedichte 2) verwendet es noch im dativ, vgl. auch vor dem gewalt des satans. Piscator 511a. in den wörterbüchern, die nach Mitteldeutschland weisen, wird frühzeitig das femininum als einziges genus angeführt: alle gewalt stehet bei dem Pompeio. Henisch 1590; walt f. vis, potentia .. compositum gewalt. Schottel [] 1440. zu den sp. 4987 angeführten belegen für das fem. vgl. auch wider die obersten gewalt des bapsts. Cochläus heimlich gespräch 18 neudruck; gab jm die gewalt einen muht. Kirchhof wendunmuth 394b; vur der gewalt beklagen. buch Weinsberg 2, 28. 1, 47; bei der gewalt. Erasmus Alberus Esop 34; alle gewalt des feindes. vom basilisken zu Magdeburg D 2a (dagegen vollkommenen gewalt in der schrift gegen Jörg Witzel); sine gewalt (= vollmacht). Zincgref vgl. oben sp. 4963 u. a. II@1@c@dδ) umlaut und flexionsendungen. II@1@c@d@11)) der umlaut. II@1@c@d@1@aa)) im singular sind für den genetiv oder dativ nur noch selten umgelautete formen belegt, vgl. clarheit der gewälte gloriam potestatis. Gregor dialoge 2, cap. 8; auf niederdeutschem boden dagegen macht sich die durchführung der umgelauteten formen durch alle casus geltend: vele gewelde .. andôn (neben leidet gewalt im reim auf mannichvalt). des dodes danz 1573 Baethcke, nach Lübecker drucken des 15. jahrh.; gheweldbode legatus. Kilian (1632) K 4b; gheweldbrief. ebenda; de gelt hefft, kricht ock wol gewelde. jüngere glosse zum Reineke 145 Brandes; gewelde hebben. Kantzow 50; weld, die, überflusz, fülle. Müller und Weitz Aachener mundart (1836) 259; gewelt. J. Winkler friesch woordenboek 455; vgl.gewalt, geweld, magt, mogentheit. Kramer deutsch-holländ. wb. (1719) 2, 96c; geweld. woordenboek der nederlandsche taal 4, 2032 ff. (vgl.gewould. ebenda 2142 ff. es beginnt im 17. jahrh. zu veralten). II@1@c@d@1@bb)) der plural dagegen begünstigt gerade in oberdeutschen denkmälern und in solchen aus dem südlichen theile des mitteldeutschen gebietes den umlaut. II@1@c@d@1@b@aα)) gewelten dat. plural. cod. Tepl. Römer 13, 1; ebenso Eggestein. Koburger; vgl. auch psalm 20, 7 bei Eggestein u. a. Zimmersche chronik 4, 59; gewälten. Nürnberger reformation (1479) 1b und öfters. Schwartzenberg 157, 1. reichskammergerichtsordnung von 1507; gwäldt nom. plural. Sebastian Brant narrenschiff 22, 17. bair. landtagshandl. 11, 203 Krenner; gewält. S. Franck enc. mor. 13a. Nürnberger reformation von 1564. reichshofrahtsordnung 1654. kurpfälzische hofgerichtsordnung (1573) 31 f. u. a. II@1@c@d@1@b@bβ)) nördlich der Mainlinie sind die beispiele seltener: gewälte nom. plural. anmerkungen zur erneuerten Frankfurter reformation 1, 345. 346 (1757); gewelde. des dodes danz 1513; gewälten dat. plur. Flersheimer chronik 16. Schwieger geharnischte Venus 53. 16. 98. Fleming 662. II@1@c@d@1@b@gγ)) unumgelautete formen sind im südlichen theile des mitteldeutschen gebietes anfangs wenig belegt, sie finden sich zuerst bei Melissus (psalm 35); fraglich ist ein beleg im Helffenstainer lied (reim auf felten s. sp. 4995). um so häufiger begegnen sie im nördlichen theil: gewalten dat. plur. bei B. Waldis Esopus 2, 266. Hartmut v. Cronberg 146. Opitz psalm 35. im nominativ wird die starke form später durch die schwache verdrängt. während Agricola (spr. 198) die gewalte, Melanchthon (confess. August.) beide gewalt zeigt, erscheint schon bei Luther die form gewalten (5, 220b). II@1@c@d@1@b@dδ)) durch die grammatiker und wortforscher wird dieser plural im 17. jahrh. befestigt, vgl. gewalten unde gewalt, potentia. Stieler 2424; er findet sich im nominativ und accusativ bei Göthe 13, 299. 22, 242. 24, 291. 5, 182; briefe 18, 9. ebenso bei Kant (5, 146). Schiller. Zacharias Werner. Th. Körner. Grillparzer. Immermann. Arndt. Geibel u. a. für den genetiv gewalten bieten Uhland 3, 18. Arndt 2, 201 und die redner der nationalversammlung beispiele; zum dativ vgl. Schiller 15, 1, 6. 15, 2, 461 und zahlreiche belege auf sp. 4991 ff. II@1@c@d@22)) die flexionsendungen des singulars. II@1@c@d@2@aa)) für den genetiv ist der form auf es wie bemerkt eine besondere zähigkeit eigen, so in der formel eigenen gewaltes und in zusammensetzungen (vgl. schon des gewaldes stab Brun v. Schonebeck). freilich ist für diese zugleich die secundäre erweiterung des kreises der mit den compositions-s gebildeten formen in betracht zu ziehen, vgl. gewaltsbrief neben gewaltbrief u. a. II@1@c@d@2@bb)) für den dativ war schon aus der mittelhochdeutschen zeit eine einbusze der volleren formen zu belegen. doch wie oben gezeigt stehen sich dort zunächst noch in der gewalt und in dem gewalte gegenüber. einer durchführung der apokope am masc. kamen die an einzelne feste verbindungen und an den wechselseitigen einflusz der mundarten geknüpften genusverschiebungen entgegen. auch der reimzwang muszte in dieser richtung wirken, vor allem die in älterer zeit so beliebte bindung des adjectivs gestalt (geartet) mit unserem substantiv, die später bei Göthe in dem reim gestalt (forma) — gewalt einen ebenso begünstigten nachfolger gefunden hat. [] II@1@c@d@2@cc)) vereinzelte dehnungen der nominativform (ir arm unt gewalte. Melissus 138 neudruck; das schafft der gewalte sein. s. Uhland volkslieder 2, 859) sind aus der stilform, in der sie dargeboten werden, zu beurtheilen und dürfen nicht mit dem oben erwähnten übergreifen der genetiv- und dativformen in den accusativ oder nominativ zusammengestellt werden. II@22) auszerhalb der mit den genusschwankungen in beziehung stehenden flexionsformen bietet nur noch das verhältnis der formen mit und ohne präfix interesse. die schreibung der verschluszlaute zeigt ebenfalls einige besonderheiten. II@2@aa) die formen ohne präfix gehören wesentlich dem niederdeutschen gebiet an, vgl. oben sp. 4913. vgl. mhd. wb. 3, 474b. Lexer 3, 658. vereinzelte belege auszerhalb dieses gebietes weisen auf niederdeutsche spuren, andere dagegen fordern ihre erklärung auf dem boden der eigenen mundart. die wörterbücher nehmen von den präfixlosen formen lange kenntnis. II@2@a@aα) dat de koning de konichlike walt hedde. Magdeburger schöppenchronik, d. städtechroniken 7, 22; gaf om vul walt alles rechtes. ebenda 145; vgl.walt im Stendaler urtheilsbuch; wolt im Visby stadtslag 1, 52 Schlyter u. a.; väld 2, 29 u. a.; wær' er niht so barmik bi der walt, die er hat, sone wurd' ouch nimmer der armen sünder rat. Herman der Damen minnes. 3, 162b Hagen; ebenso 164a; dune darft .. ubir den geist keine walt gewinnen. Werner v. Elmendorf 1005; wenne nach menschlicher nature der vater kumpt an daz aldir, so daz sine nature wirt kaldir, so get im an der walt abe, alsus ich gelesen habe, und wirt an allen dingen kranker, di im da vore was ein anker. Brun v. Schonebeck das hohe lied 12413 Fischer. II@2@a@bβ) si irgap sich in gotis walt. kaiserchronik 15479 (variante zu trehtines gewalt); sprach du der alte mich selben habe du zewalte, ia hat min herre Marsilie dri sne edele. raten iz dine wisin nim ir einen ze gisel. Rolandslied 26, 17 Grimm (variante behalten);: waz welde der geist in dem getrencnisse habe. myst. 2, 392; do kam aber der herzog von Burgun und leit sich fúr Murten .. mit einer sölichen groszen welt, das man si schatzt fúr hundert mallen tusint man und fast ze ross. chronik der stadt Zürich 205, quellen zur Schweizergeschichte bd. 18. II@2@a@gγ) walt f. vis, potentia .. gewalt, gewaltig est usitatius. Schottel 1440; wald. Müller und Weitz Aachener mundart 259. II@2@bb) formen mit präfix. II@2@b@aα) zur schreibung des anlautenden gutturals. der hochalemannischen tenuis (in gotes kewalte. Notker psalm 74, 9 u. a. vgl. Graff 1, 809) steht bei Isidor u. a. die fränkische schreibung chiwaldi gegenüber, die die media vor spirantischer aussprache sichert; dazu vgl. die schreibung in niederdeutschen quellen: gescheghe eme ghewalt. Stendaler urtheilsbuch 26, 3 Behrend; gheweld. Kilian K 4b; vgl.ghewold im Wisby stadtslag 1, 52 § 8 Schlyter. II@2@b@bβ) in oberdeutschen quellen zeigt sich das präfix syncopiert. gwäldt S. Brant narrenschiff 22, 17; gwalt. Murner badenfahrt 15, 50. Zimmersche chronik 1, 470. 478; gwaldt. Carolina 84; gwalt Froschauer apostelgeschichte 27, 41. S. Fischer chronik von Ulm 12. 27 (aber gewalt 12). J. Frischlin (s. unten). Hans Sachs fabeln und schwänke 3, 321. W. Schmeltzl Samuel und Saul (1551) Wiener neudrucke 5, 15. österr. weisth. 6, 423. ja sogar im Frankfurter statutenbuch (1558) 103b. diese erscheinung tritt vor allem in den drucken des 15. und 16. jahrh. zu tage; in der mittelhochdeutschen periode läszt sie sich nicht deutlich verfolgen (doch vgl. gwalt in Lamprechts Alexander 400; vgl. auch bei Thomasin, Hartmann vom glauben, Erec 6756 und im Steirischen landrecht), und später wird sie im druck wieder verschleiert. in der umgangsprache des südens herrscht sie noch heute, vgl. gwald, gwâld. Tobler Appenzell. sprachschatz 247. II@2@cc) die schreibung des dentals. II@2@c@aα) inlautend ist die tenuis im gebiete der lautverschiebung durchgeführt und zeigt sich auch später nur selten erweicht, doch vgl. gewaldes. Parzival 102, 11; ähnl. Königshofen bei Schilter 317; auszerhalb der verschiebungsgrenze bleibt die media: gewalde. passional 69, 92. Silvester 646. in Breslauer urkunden (1359); von gotis gewelden. Freiberger stadtrecht 182 u. a.; gewaldes stab. Brun v. Schonebeck 7634; mit gewelde. ebenda; vele gewelde. dodes danz 1513. [] II@2@c@bβ) der auslaut bietet auch in den letzterwähnten denkmälern die tenuis, nur das auszerdeutsche Wisby stadtslag zeigt ghewald. im neuhochdeutschen bürgert sich vorübergehend die schreibung dt im auslaut ein nach analogie anderer substantiva, die zwischen tenuis und media je nach der stellung wechselten: den gewaldt thut gott verfluchen. lieder auf den winterkönig 68 Wolkan; all gewäldt. S. Brant narrenschiff 22, 17; gewaldt. Lehmann florilegium 308. Ahlefeldt 16. baltische studien 86b, vgl. sp. 4971. II@33) syntactische beweglichkeit. II@3@aa) unter den numeri wird der plural durch die bedeutung des wortes zurückgehalten. der jeweilige gebrauch des plurals beruht auf ausnahmefällen und wird dann durch eine bestimmte richtung der bedeutungsentwicklung begünstigt. II@3@a@aα) die ältere sprache beschränkt sich fast ganz auf den singular. wie wenig Otfrid zum plural neigt, zeigt 5, 17, 9, wo er den singular unseres substantivs im verein mit den pluralen der beiden synonyma einführt: thoh quement iu thio mahti giwalt joh gotes krefti. bei den übersetzern giebt die lat. vorlage gelegentlich den ausschlag, doch ist in diesem falle auch die bedeutung des wortes an einem punkte angelangt, wo sie den plural begünstigt: thanne sie iwih selen in samanunga inti meistartuomun inti zi giweltin. Tatian 44, 13 (ad potestates); hêrsceffe, furstûoma, kewalta. Notker psalm 70, 19 (potestates); ebenso Boethius 27b (res publicas). daneben bereitet sich jedoch bei Notker der pluralgebrauch auch schon für den allgemeineren abstracten begriff vor: lôse diâ fone iro sarfen gewalten. zu psalm 34, 17 (Hattemer 2, 119b). noch weiter geht in dieser richtung das Freiberger stadtrecht mit der verbindung von gotis gewelden, vgl. sp. 4924. sonst sind aus der mittelhochdeutschen periode nur noch wenige beispiele für den plural anzuführen, die den erst erwähnten belegen entsprechen: herscefte .. gewalte .. fursten .. cherubin. genesis fundgruben 2, 11, vgl. oben sp. 4936; wir haben laider ainen gaistlichen viant .. er wonent in den luften; dannan sint die tievele genant, aereae potestates, luftecliche gewalte. spec. eccles. 43 Kelle. II@3@a@bβ) für die neuhochdeutsche periode bilden zunächst die zahlreichen objectivierungen und personificationen günstige gelegenheit zur pluralentwicklung. ihren besonderen gang halten hier die poetischen personificationen ein, die dem im geschäftsleben absterbenden plural in der gehobenen sprache neue triebkraft geben. von dort, wo in der kunstform der dichtung auch der reim zu seinen gunsten wirkt, verbreitete sich der plural auch in die verwendungen, die ihm an und für sich verschlossen wären. so neigt Göthe ganz besonders zu der pluralform unseres wortes. II@3@a@b@11)) die staatsrechtliche personification: ein iegklich sel sei undertenig den höhern gewelten. Koburger Römer 13, 1 (potestatibus sublimioribus; dem obersten gewelten cod. Tepl., der oberkeit Luther, ebenso Froschauer. Dietenberger. Eck. Emser, der obrigkeitlichen gewalt Kautzsch); gesetze von allerlei gewälten alhie und anderswo. Nürnberger reformation (1479) 1b. 2a u. a.; durch mich, die kunig hant jr kron durch mich, all gsatz mit reht uff ston durch mich, die fürsten hant jr landt durch mich, all gwält jr rehtspruch hand. S. Brant narrenschiff 22, 16; nempt war manch pOese procurei, gar vil gewAelten wonet bei. Schwartzenberg (der kummertrost) 157, 1; item könig Philippus des grossen Alexanders vater wolte auff ein zeit einer witwen sach nicht hören, da sprach das weib, du must mein sach hören könig, oder must nicht könig sein, denn könig sein, heisst sache hören und entscheiden, denn dazu seind die gewalte auff erden von gott geordnet, unnd welche gewalt das nicht thut, die ist vor gott kein gewalt, sondern tyrannei und mörderei. Agricola sprichwörter 198; derhalben auch die unsern verursacht worden, die gewissen von beiderlei gewalt, weltlich und geistlich zu unterrichten, und unterscheid anzuzeigen, der allen christen mercklich, nützlich und not ist zu wissen, und haben allezeit gelehrt, das beide gewalt, die höhesten und besten gaaben gottes sein auff erden. Melanchthon confess. August. (corp. doct. christ. 15b); einerseits hatte ich an diesen dingen manche lust: weil ... solche symbolische ceremonien das durch so viele pergamente, papiere und bücher beinah verschüttete deutsche reich wieder für einen augenblick lebendig darstellten, andrerseits aber konnte ich mir ein geheimes miszfallen nicht verbergen, wenn ich nun zu hause die innern verhandlungen zum behuf meines vaters abschreiben und dabei bemerken muszte, dasz [] hier mehrere gewalten einander gegenüber standen, die sich das gleichgewicht hielten. Göthe (dichtung und wahrheit 5) 24, 291; ich hatte sie (die siegelsammlung) nach dem staatskalender eingerichtet, und war bei dieser gelegenheit mit sämmtlichen potentaten, gröszern und geringern mächten und gewalten, bis auf den adel herunter wohl bekannt geworden. (dichtung u. wahrh. 10) 25, 298; da man aber auch dem ungeachtet sehr oft nur die überführung bis zum purgatorio wird treiben können, so mache man das gesetz, dasz derjenige, der bis zum purgatorio gravirt ist, ohne weitere sentenz die stadt zu verlassen habe ... durch diese einrichtung würden keine neuen stellen noch gewalten geschaffen, sondern den alten nur das, was ihnen eigentlich gehört, aufgetragen. an herzog Carl August, briefe 18, 9; denn wäre auch mit Dumouriez und den höchsten gewalten übereinkunft getroffen gewesen, ... so gehorchte doch damals nicht leicht jemand dem andern. (campagne in Frankreich) 30, 101; der hausvater ist der durch die verfassung beschränkte könig, der zwar innerhalb dieser schranken des höchsten ansehens sicher sein kann, aber auch nur sein reich unter der bedingung hat, dasz er die frau, kinder, ja selbst das gesinde als constituirte gewalten achtet. Immermann (memorabilien) 18, 71 Bobertag; der vormittag ist prangenden aufzügen der gewalten und behörden, versammlungen in den kirchen und dankgebeten und lobliedern zu gott geheiligt. E. M. Arndt schriften f. m. l. D. 2, 205; die gewalt an sich ist also nicht widerrechtlich; sie wird es erst durch ihren gebrauch. es kann daher auch rechtliche gewalten geben, z. b. die elterliche, die hausherrliche, die kirchliche, die politische oder staatsgewalt, die dann wieder nach ihren verschiednen zweigen oder anwendungen in die aufsehende, gesetzgebende etc. eingetheilt wird. Krug philos. lex. (1833) 2, 260; man sucht heute die garantie gegen excesse der gewalten in ihrer schwäche. man fürchtet alle gewalten. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4990a; der zeit des krieges aber ist die des aufruhrs gleichzustellen, wenn die eigenen bewohner des landes sich gegen die rechtmäszigen gewalten mit bewaffneter hand erheben. (7) 4957b; ich bin der ansicht, dasz diejenigen, welche die bundesacte und die früheren organischen verträge gemacht haben, die rechtmäszig constituirten, die rechtsgiltigen gewalten in Deutschland waren, dass sie verfassungsmässig berufen waren, das volk zu vertreten. (1) 136b; dem constitutionellen monarchen in einer gewöhnlichen constitutionellen monarchie steht nur gegenüber die vertretung des volkes; im bundesstaate aber steht ausser der vertretung des volkes noch die vertretung sämmtlicher einzeln staaten ihm gegenüber ... wenn man bei abänderung der verfassung dem reichsoberhaupte nur ein suspensiv-veto beilegt ... so schaffen sie nach meiner überzeugung eine republik mit einem constitutionell-monarchischen mantel, denn dann ist nicht blosz die wirksamkeit des reichsoberhauptes im einzelnen falle abhängig gemacht von anderen gewalten, sondern die ganze existenz des reichsoberhauptes hängt ab von der willkür zweier anderer gewalten. (7) 4988a; wenn eine vereinbarung zwischen den drei gewalten nicht stattfindet, so fehlt es in der verfassung an jeglicher bestimmung darüber, welche von ihnen nachgeben musz. Bismarck (27. januar 1863) reden 2, 80; nachdem ich durch den übereinstimmenden und vertragmäszig bekundeten willen der dazu berechtigten gesetzgebenden gewalten unseres deutschen vaterlandes zu dieser hervorragenden stellung in demselben berufen bin, betrachte ich es als ehrenpflicht, vor den zu diesem parlamente erwählten vertretern des deutschen volkes zu bekunden, dasz ich die mir übertragenen rechte ... handhaben und verwerthen werde. (Wilhelm I., thronrede von 1868) 4, 59; wenn für solche fälle die möglichkeit eintritt, dasz der wirksamkeit der kammer ein weites feld auf eine zeit lang entzogen bleibt, so liegt das im text der verfassung begründet, wie bei jeder materie, über welche sich die drei gesetzgebenden gewalten nicht einigen können. (24. februar 1851) 1, 315; die regierenden grimmig entzweit, fremde gewalten im anzuge gegeu das volk, der kaiser aus Spanien, der papst aus Rom, der Türke aus dem mittelmeer. G. Freytag (bilder 2) 19, 137; in den weltumspannenden kämpfen ihrer groszen kaiser ging die macht der deutschen monarchie zu grunde. auf den trümmern des alten königthums erhebt sich sodann eine junge welt territorialer gewalten. Treitschke deutsche geschichte 1, 3; die scheu vor den bestehenden gewalten, der widerwille gegen öffentliche unruhen ... das alles erwies sich [] bei manchem stärker als jene mächte, die auch ihn zunächst in die reformbewegung hineingetrieben hatten. Vogt deutsche litteraturgeschichte 285; noch setzte er (Hutten) ja überhaupt hoffnungen auf die bestehenden gewalten. allg. d. biographie 13, 471. II@3@a@b@22)) die staatsrechtliche objectivierung: so acht ichs vor das sicherste und billichste, das alle bischoff pfaffen und mönchen, von den herschafften gewalten und reichthuomen, freihe abtretten. Hartmuth v. Cronberg 146 neudruck; zur morgengabe schenk ich meiner braut die fürstenthümer Pleskow und Groszneugart, mit allen städten, dörfern und bewohnern, mit allen hoheitsrechten und gewalten, zum freien eigenthum auf ewge zeit. Schiller (Demetrius 1) 15, 2, 461. II@3@a@b@33)) die privatrechtliche objectivierung. während für die personification kaum pluralbelege vorliegen, weist die objectivierte bedeutung 'vollmacht' um so zahlreichere beispiele für den plural auf: und auf das, als sich die vermeinten anwälde protestiren, dasz sie durch ihre exception in unsre der kläger und anwälde person, auch in die eingelegten gewalte nicht willigen, und die für kräftig achten, sondern alle rechtliche einrede ihnen vorbehalten haben wollen, thun wir die kläger euch den königlichen commissarien fürwenden, dasz wir solche vermeinte protestation gelten lassen. replik der Löwler gegen die anwälte herzog Albrechts von Baiern (1492) bei Krenner bairische landtagshandlungen 11, 149; darauf die anwälde: es wären zu gehaltenen tagen von ihren wegen zween gewälte eingelegt, verhört, und vom widertheil zugelassen. dabei liessen sie es noch bleiben, der hofnung der wiedertheil sollte das auch thun. protocoll gegen die anwälte herzog Albrechts von Baiern (Ulmer reichstag 1493) a. a. o. 11, 203; iedoch das es ein wenig ain ansehen, gab man fur, sie weren mit genugsamen gewelten izumals nit verfast. Zimmersche chronik 4, 59; es sollen auch die secretarii ... eine jede schrifft zu seinem gehörigen process hinlegen, ... auch alles und jedes, was produciert, es sein supplicationes, mandata, citationes, libelli executiones, gewält, hauptschrifften oder beilagen, mit ziffern notirt und numerirt, verfassen. reichs-hof-rahtsordnung 1615 bei Londorp 1, 211b; wie die anwäld mit gwälden sollen versehen und gevolmechtigt werden. der stat Nürnberg erneuerte reformation (1561) 5. titel 1. gesetz; ebenso 3, 5. titel, 2, 5. titel u. a.; czwen gewalt, gewält, duas auctoritates. mon. Franc. 148 f. 37a; kraft ihrer (der procuratores) gewälte. Würzburger landgerichtsordnung s. Schmeller 22, 908; auscultirt unnd collationirt ist diese gegenwertige copey durch mich Casparum Kechler aus bebstlichen und kaiserlichen gewälten offnen notarien, unnd laut gleich von wort zu wort irem rechten original, welches an schriefften und sieglung noch unversehret. Flersheimer chronik s. 16 Waltz; sonst ist alhier zu bemerken, dasz das iezo aus der procesordn. angezogene mit dem im reichesabschiede von 1654 § 42 davon stehenden zimlich übereintrift, wie die procuratores ihr gewälte und rechtfertigungen in diesem ersten termin sub praejudicio (bei verlust und ausschliesung) richtig einbringen oder darüber vorstand leisten sollen. anmerkungen über die erneuerte Frankfurter reformation (1757) 1, 346; ebenso 345 u. a. II@3@a@b@44)) poetische personification. II@3@a@b@4@aa)) es sind zwo gleiche gewalten gegeneinander. Luther grund und ursach (1521) lb; wider dise zween gewalt (zorn und begierde) wie vil die vernunfft vermöge, zaiget freilich gnuog an das gemain leben der menschen. J. Franck enc. mor. 13a; o herr, wer mag dir gleiche sein, der du vor stärkeren gewalten den armen gütig wilt erhalten, den armen vor desselben macht der ihn zu rauben ist bedacht, mich sprengen freche zungen an, und fodern was ich nicht gethan. Opitz psalm 35, 5 (vgl. psalm 35, 10: eripiens inopem de manu fortiorum eius; von dem, der jm zu starck ist Luther); vgl. dazu Melissus unter sp. 4995; (du) muszt auf das nur baun, was in der menschlichen natur beruht, in der gewalten ew'gem gegensatz, der unter allen formen wiederkehrt. Uhland (Ernst von Schwaben 1, 2) 3, 18; die speise nimmt er auf in seinen leib; da treten wirkende gewalten auf und weben fort und fort mit fasern und gefäsz und zimmern ihm sein haus; kein königsschlosz mag sich vergleichen mit dem menschenleib. Grillparzer (könig Ottokars glück und ende 5) 65, 138; [] das kleid, das ich trage, ist kein dreifaches erz und wappnet die brust nicht immer gegen die gewalten des lebens. F. v. Saar Innocenz 33; so von seltsamen gewalten ward ich plötzlich übermannt, dasz ich fast vor eitel liebe auf die schönste losgebrannt. Uhland liebesklagen 2 (der jäger); die ersten, einfachsten regungen der sittlichkeit wachen auf; der eid wird unverletzlich, das gastrecht heilig; eine ahnungsvolle scheu vor den unerklärlichen gewalten erscheint als natürlich und nothwendig. Immermann (über den rasenden Ajax des Sophokles) 17, 411 Bobertag; doch die unendlichen gewalten, die wir geträumt, geglaubt, geliebt, die werden land und volk erhalten. wenn unser staub zu staub zerstiebt. E. M. Arndt schriften .. an meine lieben Deutschen 3, 244; halbheit in der machtvollkommenheit der künstlerischen leitung, einmischung kunstfremder gewalten musz nothwendig halbheit und zerfahrenheit in ihre resultate bringen. E. Devrient das nationaltheater (1849) 18; wehe aber dem landwirth, dem der grund unter den füssen fremden gewalten verfällt! er ist verloren, wenn seine arbeit nicht mehr ausreicht, die ansprüche zu befriedigen, welche andere menschen an ihn machen. die geister der natur gönnen ihren segen nur dem, welcher ihnen frei und sicher gegenüber steht, sie empören sich, wo sie schwäche, eile und halben muth ahnen. G. Freytag (soll und haben 3, 4) 4, 464; wer plötzlich als einzelner unter fremde geworfen wird ... der erst erkennt den segen der heiligen kreise, welche um jeden einzelnen menschen tausende der mitlebenden bilden, die familie, seine arbeitsgenossen, sein volksstamm, sein staat. ob er in der fremde verliere oder gewinne, er wird ein anderer. ist er ein schwächling, so wird er die eigene art den fremden gewalten opfern, in deren bannkreis er getreten ist. (4, 2) 5, 19. II@3@a@b@4@bb)) doch, was geheimniszvoll bedeutend webt und bildet in den tiefen der natur, — die geisterleiter, die aus dieser welt des staubes bis in die sternenwelt, mit tausend sprossen, hinauf sich baut, an der die himmlischen gewalten wirkend auf und nieder wandeln, — die kreise in den kreisen, die sich eng und enger zieh'n um die central'sche sonne — die sieht das aug nur, das entsiegelte, der hellgebohrnen, heitern Joviskinder. Schiller (Piccolomini 2, 6) 12, 113; die drei himmlischen gewalten, die den gang der schöpfung halten, sollen wahrheit mir zeugen, oder zum tode mich beugen! Rückert werke (1868) 12, 117 (Nal und Damajanti 28); und der kühne, gräszliche sprung gelingt, ihn beschützen höh're gewalten; wenn auch das rosz zerschmettert versinkt, der ritter ist wohl erhalten. Körner (Harras) 1, 187; die idee, dasz die höheren gewalten nur aufklärend und bessernd in die irdischen verhältnisse eingreifen können, ist rein modern. Immermann (über den rasenden Ajax des Sophokles) 17, 412; Luigi. ... wie kamst du aus der kirche? hat dich der blitz entführet? — rede, Franz! Petrarca. in feuerwagen, unsichtbar gelenkt, entführen uns unsterbliche gewalten. (Petrarca 2) 16, 247; es ist eine traurige erfahrung, dasz die überirdischen gewalten dem menschenkind das glück einer hochgespannten empfindung nicht lange unverkümmert lassen. sie haben die sache so schlau eingerichtet, dasz sich fast immer eine saite unsers innern abspannt, so oft sie den wirbel einer anderen zur höhe herumdrehen. G. Freytag (soll und haben 2, 3) 4, 216; alles menschenleben ... ist durch festes ceremoniel, sinnvollen brauch, stehende formeln eingehegt ... oft sollte dadurch das zufällige, kleine geweiht und an hohes angefügt werden. endlich dient vieles ritual zum schutzmittel gegen schädlichen einflusz überirdischer gewalten. (bilder aus der d. vergangenheit. einl.) 17, 18. II@3@a@b@4@cc)) es gibt zwei friedliche gewalten: das recht und die schicklichkeit. Göthe (Wilhelm Meisters wanderj., betrachtungen) 22, 242; [] doch nur dämonen steigen furchtbar nieder in trotzger wildheit, die mit kaltem hohne ruchlos die herzen quälen und zerspalten! die seligen gewalten die durch die schmerzen reinen und belohnen, sind fremd dem manne, dessen zauberworte den vorhang heben von dem grausen orte, wo die verdammnisz und das laster wohnen. Zedlitz todtenkränze str. 88; die erde wie tief, und um mich her eine fülle edler gestalten, tief in der brust ein flutend meer volltönender gewalten. Strachwitz gedichte 172; so lebte er nun manchen tag und manches jahr auf der haide, und wurde gröszer und stärker, und in das herz kamen tiefere, dunklere und stillere gewalten, und es ward ihm wehe. Stifter studien 1, 119; welche klugheit, welche macht mag das opfer wohl erhalten, das die finsteren gewalten ziehen wollen in die nacht. Grillparzer (ahnfrau 1) 45, 19; ertragt ihr die schmach, amazonen zu flieh'n, verfolgen euch schatten erschlag'ner, erschien Sarpedon ... und weicht ihr dunkeln gewalten des Hades vielleicht? Leuthold (Penthesilea) 294; in diesem stande, mein Alfred, ist neben finsteren gewalten eine opferwilligkeit und eine stillduldende liebe, die ans heldenhafte grenzt. Rosegger erdsegen 351. II@3@a@b@4@dd)) im tiefsten, hohl, das erdreich untergraben, auf welchem jene schrecklichen gewalten nun offenbar ihr wildes wesen haben, in majestätisch häszlichen gestalten, und mit den holden überreifen gaben der oberfläche nach belieben schalten. Göthe (Epimenides erwachen) 13, 299; sich hinab zu stürzen dann in das rege, wirre leben, an die volle brust es drücken, an sich und doch unter sich: wie ein gott, an leisen fäden trotzende gewalten lenken rings zu sammeln alle quellen. Grillparzer (der traum, ein leben 1) 75, 121; allein es folgt der mensch dem dunkel gerne; er will sie nicht, die rettungslichter schauen. und trauernd ziehen die in düstre ferne. so wird es nacht, — ihn überfällt ein grauen; es ist zu spät, — die feindlichen gewalten verschlieszen ihm die schönen himmelsauen. Z. Werner Martin Luther, prolog 29; also deutet die himmlische mir die gebilde der künstler, und ich erkenne, wie schön einst sie die völker regiert; wie sie mit lächelndem blick die rohen gewalten gezügelt, wie sie die sprossende kraft stets auf das grosse gelenkt. Geibel elegie. II@3@a@b@55)) der plural am allgemeinen abstracten begriff. II@3@a@b@5@aa)) unter dem einflusz des reimes: die schüzenmeister theten nach ehren stellen, ein jeder wolt das schlosz selbs fellen, sie schoszen mit ganzen gwalten, ein schusz gieng über den andern aus, bis sie die mauer ganz felten. Helffensteiner lied bei Adrian mittheil. 132; nach dem jetzt die grimmigen lawen all thier fast trutzen und bedrawen und müssen tantzen, wie sie pfeiffen, in weidlich auff die hauben greiffen, das haut und har offt folgen nach, mit jrer tyrannei und rach, wit wüten, toben und gewalten all thier so trutzlich underhalten, vor jrem grewel müssen streichen. B. Waldis Esopus 2, 266 Kurz; dan wærn al meine bain zuo-gleich sprechen, o her, wær ist dir gleich, dær von des stærkeren gewalten den schwachen kanst rettend erhalten. Melissus (psalm 35) 128 neudruck; vgl. oben 4)) a)); ihr viel verweisen mir, ich lieb' ihr gar zu viel. ich selbst auch pflegs an mir offt in geheim zu schelten. was aber kan ich thun. wer schützt sich vor gewälten, die stärcker sind, als er. P. Fleming gedichte (1642) 662; wie kan ich freundin, disz vergelten, indehm ich folge den gewälten, die ieder mensch vom sternen-flusz' ohn allen mispruch dulden musz. Schwieger geharnischte Venus 53 neudruck; ich bin ein jungfer-lieber, die zunge geht mir über von dehm, was aus dem hertzen quillt. wer mich hierum wil schelten, der fluche den gewälten, die ob uns hat ein weibes-bild. 16; [] das ganze buch ist dein, was ich hierunter tuh' ist, meiner schuoldigkeit bezwängnusz zu erfüllen, nim meine neigung an, und lasz mich ferner gelten, die Venus wird nicht nur von mir besungen sein, iezt schwazzt Minerve mir ein anders treiben ein, forthin entzieh' ich mich des Zypripors gewälten. 98; nun fühlt sie tief des blicks gewalten und unverwandt schaut sie hinauf; die perlen wollen sich gestalten: denn jede nahm sein bildnisz auf. Göthe (divan) 5, 182; wie wird mir auf einmal! wie ist mir geschehn! es zieht mich zu ihnen mit dunkeln gewalten; es sind mir bekannte, geliebte gestalten, und weisz doch, ich habe sie niemals gesehn. Schiller (huldigung der künste) 15, 1, 6; du aber mit melodischen gewalten vermagst in masz und wort, in farb' und tönen vergang'nes neu und dauernd zu gestalten. Leuthold (die kunst) 173; sahen die bäche aus himmelsräumen über des abgrunds felsige schlucht nieder zu thal in die seeen schäumen, stäubend und strahlend in donnernder flucht, sahn der lawine gewalten grauenvoll schalten. Roquette gedichte (1859) 97. II@3@a@b@5@bb)) auszerhalb des reimzwanges: in den gewelten ist die behaltsam seiner gerechten. Eggestein psalm 20, 7 (in den gewalten ist das heil seiner gerechten Koburger; in potentibus salus dextere ejus, sînero zeswun heili chumet in mahten. Notker psalm 19, 7); die vereinigten staaten haben nämlich noch weitere bestimmungen angenommen, so die, dasz der congresz auch das recht haben soll, gesetze zu erlassen, welche nothwendig sind zur ausführung der ausdrücklich verliehenen gewalten. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4969b. II@3@a@b@66)) gewalt, die, plural die gewalten (nur in einigen fällen). Voigtel versuch eines hochdeutschen handwb. (1794) 2, 79; gewalt, plur. inus. Weidenbach deutsch-holländ. wb. (1803) 436b; bei Hilpert wird für die bedeutung 'kraft, zwang, macht' der pluralgebrauch von gewalt ausgeschlossen, nur für die personification (the persons or the body exercising power or command) läszt er ihn zu. II@3@bb) der casusgebrauch. II@3@b@aα) das vorwiegen einzelner fester verbindungen in der verwendung unseres wortes übt auch auf den casusgebrauch einen einschränkenden einflusz aus. am meisten ist davon der nominativ betroffen, der von diesen verbindungen nur bei der umsetzung in das passiv in anspruch genommen wird. auch sonst ist es selten, dasz von unserem substantiv eine eigentliche thätigkeit ausgesagt wird, meist handelt es sich dann um fälle, in denen es der personification oder objectivierung sich nähert, vgl. sp. 4984—4985. die prädicatfunction andererseits ist wesentlich auf einige verwendungen im sinne von vis, violentia beschränkt. II@3@b@a@11)) dize ist daz gotes lamp — vil michel ist der sin gewalt. Baumgartner Johannes 55; vgl. sp. 4922. 4924 u. a.; an dir .. stet der gewalt. fundgruben 2, 216; alle gewalt stehet bei dem Pompejo, potestas omnis penes Pompejum est. Henisch 1591; eʒ ist gezalt über mich dîn gewalt. d. gute Gerhard 4272 u. a., vgl. sp. 4927; es was unser stat in sölichem iamer daz der wirdig gewalt der gesecze geleich als wol geistlich als weltlich ser zergangen was. Steinhöwel decameron 5 Keller; es solt ja billich alle weiszheit, aller gewalt Christo unnd seinem heiligen wort weichen. Melanchthon apologia (corp. doct. christ. 109a); sost mir al mîn gewalt .. dâ hin. minnes. frühling 5, 26; nam ein ende aller ire gewalt. M. v. Kemnat 96 u. a. vgl. auch III 1, c. II@3@b@a@22)) ghescheghe eime gewalt. Stendaler urtheilsbuch 26, 3 u. a. vgl. unter III, 4; gewalt gêt ûf. Walther 22, 1. ähnlich 8, 25; gewalt .. gesiget. Freidank, Jacob v. Warte u. a. vgl. sp. 4942. II@3@b@a@33)) so sal ok de geistliche gewalt helpen. Sachsenspiegel 1, 1; das nimpt di konicliche gewalt. Kulmisches recht 4, 70 u. a. vgl. sp. 4926; do sprach der gewalt zedem weistum. anegenge 6, 57 u. a. vgl. sp. 4936; daz .. dehein burger noch sein gewalt .. nicht turniren sol. d. städtechroniken 1, 475; zu der sich neigete .. di hohe godelich gewalt. Elisabeth 5336; er war der zuversicht, hier im stübchen sei er sicher und wohl behütet und keine böse gewalt habe macht über ihn. J. Gotthelf Käthi die groszmutter (1847) 1, 9. II@3@b@a@44)) prädicatfunction: die andern sprâchen, ez wær der gotes gewalt. K. v. Megenberg 112, 3; daʒ was gewalt vil grôʒer. Nibelungenlied 1927, 3; es ist gewalt. Schiller 14, 75 u. a. vgl. sp. 4978. [] II@3@b@bβ) der genetiv. II@3@b@b@11)) in den verbindungen mit verbis stirbt dieser casus in der neueren sprache natürlich ab: gewaldes pflegen. Wolfram Parzival 102, 11 u. a.; gewaltes blint machen, vgl. sp. 4921; der bawer bedanckt sich desz beschaids und war desz erhaltnen gewalts fro. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 362; sich des gewalts erweren. österr. weisth. 1, 161; solte si gewalts verdriezen. Parzival 585, 1; ir gewaltes bin ich .. grâ. Neidhart (s. oben); der miszbruch ist so manigfalt, das man ietz in manchem landt, den ban halt für ein lürlis thandt; also hondt irs so gar verschitt, das man üwers gwalts acht nit. Thomas Murner narrenbeschwörung 75 (20, 48 neudruck); zuo letst versamleten sie die gemein, unnd beredten die, das sie sich jres gewalts brauchen, und newe gesatz machen solte. Livius (1562) 59b; sie würden solche verzagte berenheuter antreffen, dasz es keiner sonderlichen gewalt würde von nöthen sein. Weise die drei ärgsten erznarren 113 neudruck. II@3@b@b@22)) um so entwicklungsfähiger ist die verbindung mit substantiven, die vor allem aus der klasse der verbalsubstantiva ununterbrochen zuwachs erhält. II@3@b@b@2@aa)) sîns gewaltes kraft. Barlaam 1. Lutwin 285; der baur der da was gebunden komen, urbäring begund enbunden stan. da ward Salla zuo der creft söllicher grosser gewalt zittern. Gregors dialoge (Augsburg 1473) 2 cap. 31; derhalben ... aus göttlicher barmhertzigkeit und volkomenheit unsers gewalts wollen und verleihen wir. Luther (zwo bullen bapst Clementis VII. 1525) 3, 94a Jena; die wasserblasen (solt bulla sagen) ... allen andern beichtvetern verbeut, aus vermügen einiges gewalts, so inen verliehen, sich nicht zu unterstehen jemands ... von gedachten vorbehalten fellen zu entbinden. (1521) 3, 95a; sol wir sie nit mit kriegesthat ein stück unsers gewalts lasen sehen. H. Sachs (Machabeer) 11, 99 Keller; die spitze des gewalts. Fischart Gargantua 341 neudruck vgl. oben sp. 4957; und (Karl der fünfte) nahm in Antwerpen eine verordnung zurücke, die er mit allen schrecken der gewalt in Madrid und Lissabon würde behauptet haben. Schiller (abfall der Niederlande I) 7, 49; oder es gelang dem kaiser, zu den alten grundlagen seiner gewalt eine so grosze thatsächliche macht zu fügen, dasz der widerstand aller landherren gebrochen und Deutschland allmählich in einen modernen stat verwandelt wurde, der die einzelnen landschaften entweder zur vollständigen einheit zusammenschlosz, oder doch wenigstens alle höchste regierungsgewalt in der hand eines herrschers vereinigte. G. Freytag (bilder 2) 19, 146; ihr buch über den begriff der höheren gewalt, lieber freund, hat meine seele mit dank erfüllt. G. Keller an Exner 11. april 1883 bei Bächtold 3, 532; die waffen der gewalt (neben gewalt der waffen). Frankfurter nationalversammlung 1488a. II@3@b@b@2@bb)) do künig Mann das dreiunddreissigst jar seines gewalts erraicht het, was Abraham fünfzig jar alt. Aventin (bairische chronik) 4, 90; uff den 24. tag des selben manots der kúng ist gefarn dur das sloss das man nempt Boloniam, gelegen uff dem mer, und slieff da, an dem ende des gewalts von Franckrich. (Röteler chronik) Basler chroniken 5, 162. II@3@b@b@2@cc)) II@3@b@b@2@c@aα)) solch ordnung lesset gott bleiben, macht aber nicht unterscheid des gewallts. Luther epistel s. Petri gepredigt K 3a; darumb haben die unsern nicht aus frevel, oder verachtung geistlichs gewalts von diesen sachen gelert, sondern es hat die hohe noth gefoddert, underricht zu thun. confess. August. bei Luther 6, 372a; vgl. auch Melanchthon in corpus doct. christ., Leipzig 1560; er war schon im besitz der gewalt, weil ihm die mächtigsten zu gebote standen. Schiller (erste menschengesellschaft) 9, 143; wie aber soll ich dir ersetzen, was miszbrauch der gewalt deiner mutter raubte? grosz war dein erbe. schon seit jahren hast du entbehrt, was dir gebührte. Kotzebue almanach dramat. spiele (1807 kaiser Claudius) 5, 153; es ist mir noch viel erklärlicher, wenn es sich um schaffung einer neuen gewalt handelt. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4987b; die leistungen der bühnenkunst sollen einheitliches leben haben, darum verträgt ihre leitung keine theilung der gewalt. E. Devrient das nationaltheater des neuen Deutschlands (1844) 17. II@3@b@b@2@c@bβ)) denn vieler starker lanzen drohten ihm, und wehrten, ob er schon so grosz und stark und streiterfahren war, ihn von sich ab. und er entwich dem drange der gewalt. Bürger Ilias 5, 775; [] wenn ihr jemals eine thräne von euern augliedern gewischt habt, und wiszt was es ist mitleiden zu haben oder zu finden, so laszt mein bitten die würkung der gewalt haben. Wieland Shakespeare 2, 67 (wie es euch gefällt 2, 8); er (Posa) kannte das lenksame herz seines freundes. noch kürzlich liesz ihn der dichter eine probe der gewalt ablegen, mit der er solches beherrschte. Schiller (briefe über don Karlos 11) 6, 69; es denkt der mensch die freie that zu thun, umsonst! er ist das spielwerk nur der blinden gewalt, die aus der eignen wahl ihm schnell die furchtbare nothwendigkeit erschafft. (Wallensteins tod 4, 8) 12, 341; sie können nicht anstand nehmen, selbst wenn sie die handlungen einzelner der bürgerschaft von Mainz miszbilligen, gegen solche maszregeln unerhörter gewalt ihr veto einzulegen. ber. d. Frankfurter nationalversammlung 1, 100b; er kam sich wieder vor, als hätte er sich an den geheiligsten altar der menschheit geflüchtet, wo ihn die hand der rohen gewalt nicht fassen und verfolgen durfte. Auerbach neues leben 3, 207. II@3@b@b@2@c@gγ)) derselben hat ein jeder hundert mann von der gemeinde bei jm, welche beide seiner räth unnd seiner gewalt handthaber sind. Micyllus Tacitus (1535) 441b (Germania). II@3@b@b@33)) der genetiv neben dem verbum substantivum: das ist tapferer und grössers gewalts. Terenzübersetzung (1499) 96b; mit wem du hie zuo handlen hast, der ist ein frembder, minders gwalts dann du, weniger bekannt, der hie litzeler freund hat. Valentin Boltz Terenzübersetzung 72b. vgl. eigenes gewalts sein. Emmel Sylva O. o. 7; des gewaltes sin sp. 4935. II@3@b@b@44)) absoluter genetiv: solche gepursch haben sie zu nachtail und merglichem verlust mertails irer genachparten auch uf die hochen gericht dermaszen erstreckt, das ire purger ires gefallens und aigens gewalts den nochgesesznen in die vischwasser geen. Zimmersche chronik 3, 353; vgl. ebenso österr. weisth. 2, 22 u. a. vgl. sp. 4960; es gebühre seinem stützkopffigten eheweib nicht, sich selbsten und eignen gewalts und gefallens von dem ehemann, welchem ihr leib an- und zugehöret, abzusondern. Abele künstliche unordnung 1, 251; dasz zulässig seie, wegen des ehebruchs, das weib zu beurlauben, ergo auch dem weib sich von ihrem hurenhengst abzusondern, und zwar eignen gewalts. 252; und half im mehtiger gewalt. Melissus psalmen 122 neudruck; und sollt' ich nicht, sehnsüchtigster gewalt, in's leben ziehn die einzigste gestalt. Göthe Faust 7438. II@3@b@gγ) die überwiegende zahl aller verwendungen entfällt auf den accusativ und den dativ, die beiden casus, in denen vor andern die festen verbindungen sich entwickeln. dem gegenüber erscheinen die spärlichen fälle freien casusgebrauches hier wie vereinzelte ausnahmen. II@3@b@g@11)) für den accusativ kommt vorwiegend die function des objectes in betracht, für die sowohl die parallele mit potestas als die mit violentia fruchtbar ist, vgl. gewalt geben, gewalt haben u. a.; vgl. gewalt begehen, thun, üben, treiben u. a. s. III, 4. auf weitgehender entwickelung beruht diese function bei gewalt schreien, gewalt klagen vgl. oben sp. 4978. 4944. präpositionalverbindungen sind dem accusativ vor allem dann zugänglich, wenn der begriff durch die beziehung auf einen bestimmten träger der gewalt eingeengt erscheint: gezalt ... in gotes (tiefels) gewalt; antwürten, sich ergeben, bringen, kommen in jemandes gewalt u. a. s. III, 3. das absolut gebrauchte substantiv erleichtert die präpositionalverbindung am ehesten auf dem boden bestimmter bedeutungsverschiebungen, vgl. umb ein gewalt sp. 4943. 4977; vgl.ohne, sonder gewalt (= vollmacht) sp. 4962; vgl. die concurrenzbildung durch gewalt (zu mit gewalt): wer einen anderen widerrechtlich durch gewalt .. zu einer handlung .. nöthigt. bürgerliches gesetzbuch § 240. von solchen fällen abgesehen sind präpositionalverbindungen hier selten: wo sich das leben drängt, wo der verkehr sich mannigfach durchkreuzet und verschlingt, da braucht's vor allem ordnung und gesetz, damit ein jeder ungeirrt vom andern, in sichern grenzen wandle seine bahn, damit nicht die verwirrung in gewalt sich löse. Uhland Ludwig der Baier 1, 1. II@3@b@g@22)) der dativ nimmt an den verbindungen des individuell bestimmten substantivs ebenfalls theil: es stat nit in deinem gewalt (Eberlin 2, 157) u. a.; vgl. Kraus d. gedichte 154, vgl. III, 3; do ist unser herrgott ... mit seinem gewalt do gewest. Zimmersche chronik 4, 130; vgl.aus seiner gewalt lassen, von [] der gewalt eines andern gehen u. a. auch das absolut gebrauchte substantiv geht solche verbindungen ein, vgl. an der gewalt sitzen, in der gewalt sein, vgl.daz doch vil manic man in michelem gewalte kan. Tristan 268; s. sp. 4921. den hauptantheil am dativgebrauch aber haben präpositionalverbindungen, die die verallgemeinerung und weitgehende verschiebung der bedeutung herbeiführen, vgl. vor allem die verbindung mit gewalt unter III, 3. diesen haupttypen gegenüber seien einige besondere fälle des dativgebrauches zur ergänzung angefügt; sie stimmen darin überein, dasz das substantiv hier die energie der bedeutung festhält, während der dativ sonst im allgemeinen die formelhafte abschwächung begünstigt. II@3@b@g@2@aa)) präpositionalverbindungen. II@3@b@g@2@a@aα)) das substantiv strebt der personification oder objectivierung zu: gingen des dirhangen frund zcu der königlichen gewalt. Magdeburger fragen 3, 6, 2 u. a.; vgl. oben sp. 4926, vgl. sp. 4937; dem gleich fast iderman icz thuoet: in diesem leben trachtet nach gwalt, macht wolst, er und guoet, auf das knftig nit achtet. H. Sachs (der edelmann mit dem narrenwagen) fabeln und schwänke 3, 295 neudruck; der güter höchstes dürfen wir vertheid'gen gegen gewalt — wir stehn vor unser land, wir stehn vor unsre weiber, unsre kinder. Schiller (Tell 2, 2) 14, 329. II@3@b@g@2@a@bβ)) das substantiv wird durch nähere bestimmungen abgehoben: schmeicheln sie mir nicht mit einer gewalt, von der ich hier keinen gebrauch absehe. Lessing (Emilia Galotti 1, 6) 2, 390; sie (Virginia) weis, dasz sie unfähig ist, irgend eine wahrheit zu verbergen, und läszt also den Icilius von der gewalt urtheilen, die sie sich besonders mit ihm anthun müsse. (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 79; herr graf, das überläszt die vehme euch! ihr zeigtet von der gewalt, die ihr hier übt, so manche besondre probe uns; laszt uns noch eine, die gröszeste, bevor wir scheiden, sehn, und gebt sie ihrem alten vater wieder. H. v. Kleist (Käthchen von Heilbronn 1, 2) 3, 31; und jetzt, wo dasselbe geschieht, wo es fast täglich zu lesen ist, wie hier die wohnung eines abgeordneten zertrümmert, wie er verfolgt wird, wo man bis zur gewalt gegen die majorität der volksvertretung sich erfrecht, um die minorität zur herrschaft zu bringen, jetzt sollen die frevel im namen der freiheit geschehen? ber. d. Frankfurter nationalversammlung 4, 2651a. II@3@b@g@2@bb)) der dativ in unmittelbarer verbindung mit dem verbum: deme gewalte dienent di trône. bücher Mosis 3, 19 Diemer; den sullen si brengen dem richtere oder siner gewalt. Freiberger stadtrecht 7, 1; als jm (dem schulmeister) nu das zugelassen, gab er jm zcu verstehen, wie er der besten bürgers kindt, seinem gewalt die zu ubergeben, mit jm brechte. Kirchhof wendunmuth 20b; ich übergebe dich ... dem ... gewalt des lebendigen sathans. kirchenbannformel von Straszburg 1658; diesem gewalt nimmer mehr unterwürffig machen. Galmy 21; eines gewalt sich entziehen, detractare imperium alicujus. Weismann 156; es beugt der gewalt sich mit kosendem schmeicheln der panther. Roquette gedichte (1859) 173. II@3@cc) die fähigkeit, substantiva unterzuordnen. II@3@c@aα) hauptsächlich kommen hier die erscheinungen des subjectiven genetivs in betracht: die gewalt gottes, des papstes, des kaisers, des staates, der eltern u. a. vgl. III, 1. II@3@c@bβ) der objective genetiv ist zunächst auf die verbindungen mit verbis wie gewalt geben, gewalt haben u. a. beschränkt (vgl. III, 4). hier wird er später durch präpositionalverbindungen abgelöst, unter denen über vor andern hervorragt. aus diesen verbindungen mit verbis dringen beide arten der unterordnung auch in sonstige gebrauchsformen des wortes über. hier wird der genetiv in der composition noch heute festgehalten. II@3@c@b@11)) in der beziehung auf personen sind genetivverbindungen jetzt selten, doch zeugen isolierte wendungen wie sie haben dein gewalt, sein selbst gewalt u. a. (vgl. III, 4, a, γ) dafür. vgl. auch zerwirft oder frist nicht der krannich seiner kränchin zuleid seine eigene eier, das wachtelmänlin seins wachtelweiblins, der pfo der pföin, das rephun der rephennin, der rapp der krähin, nur umb ehrgeitz des kindergewalts? Fischart Gargantua 308 neudruck. sonst wiegen präpositionalverbindungen vor, die den charakter der zielbestimmung schärfer ausprägen. [] II@3@c@b@1@aa)) der pfaff erwarb gwalt und gnad von bischoff Burkharten über die kötzer. Burkard Zink, d. städtechron. (Augsburg) 5, 45; herrschung und gewalt aines über die andern. J. Eberlin v. Günzburg 2, 178 neudruck; man hat in als ein wahnsinnigen menschen ins gefängnusz gelegt, da hat er gesagt: ich werd nit lang ewer gefangener sein, und wird ewer gewalt bald ein end haben über mich. Kirchhof wendunmuth (2, 56) 2, 107 Österley; bruder, deine gewalt über mich ist noch die alte. Kotzebue dramat. sp. 2, 338; Juliens unglück war — eine solche frau zur stiefmutter zu haben; oder, wenn diesz nun ja einmahl nicht zu ändern war, ihr an klugheit und gewalt über sich selbst so wenig gewachsen zu sein. Wieland (ehrenrettung der .. Julia) 24, 343; in seiner (Coriolans) mutter ist seine eigne natur, aber mit der ihr gefährliches balancierenden gewalt über sich selbst, sein stolz, aber in unterordnung unter die forderungen der situation an die klugheit in handlung gesetzt und so mit seiner natur kontrastirt. O. Ludwig (studien) 5, 91. II@3@c@b@1@bb)) die helle pforten sind aller gewalt wider die christen, als da sind tod, helle, weltliche weisheit und gewalt. Luther glosse zu Matth. 16, 18; uns ist mehr drauff zusehen, das die unsern, so den predigern ungeneigt, nicht herausschepffen ursach und gewalt wider si, das sie predigen müssen, was sie wöllen, wie etliche an viel orten schon fürgenomen. (die ordnung der visitatorn belangend 1527) werke 3, 409a; ist der widerstand .. mit gewalt an der person begangen worden. strafgesetzbuch für das deutsche reich § 117. II@3@c@b@1@cc)) jeder von den beiden mag mir die gewalt entreissen; dieser durch seinen feurigen geist, der alle köpfe in flammen setzt, und der alte durch seine tugend und gewalt aufs volk. Klinger (Damokles II) 2, 360; du allein kannst durch deine weisheit, durch deine anerkannte tugend, deine gewalt auf die herzen des volks, diesem nahen unglück vorbeugen. (Damokles I) 337. II@3@c@b@22)) länger hält sich dieser genetiv in der unterordnung unpersönlicher vorstellungen. wenn auch in freier fügung hier die präpositionalverbindungen eingegriffen haben, so hat dafür die composition das gebiet dieses genetivs erweitert. II@3@c@b@2@aa)) II@3@c@b@2@a@aα)) ich bin auch die jenige, die diese güldene ketten hat gehenckt an ewren halsz, mit ubergebung desz gewalts meines leibes. buch der liebe 43c; ich will dein geleiter sein, dann du würst den heirath nach dem du eilest, erlangen, und frumme kinder bekummen, deren vile unzalbar sein wirt, und fürtreffliche kinder werden sie verlassen, denen ich den gewalt disz landes würd eingeben. Hedio übers. des Josephus (1535) 15a; gewalt lebens und todts. Ringmann Cäsar 58b. II@3@c@b@2@a@bβ)) so wurde diese mitherrschung dadurch dem parlament in einen vollkommenen gewalt über das königreich verwendet. Zeiller hundert episteln 473; da man nehmlich alle jahr einem ihden inlande einen zunft-meister fohr-gesäzt, welchem die höhchste gewalt über läben und tohd gegäben ward. Zesen adr. Rosam. 177 neudruck. II@3@c@b@2@bb)) II@3@c@b@2@b@aα)) so nennen wir den gewalt der kirchen schlüssel, darumb ist kirchen gewalt und schlüssel ein ding. Melanchthon loci theologici (corp. doct. christ. 286a); potestas clavium, die gewalt der schlötel. Chyträus 7; wie dan sant Paulus gotes frünt vom bapst dem Entchrist hat verkünt und in ein menschen nent der sünd. da in mit dem nu ist gelungen, dasz sie uns hand den won eintrungen, wie in alein sei zuogestalt des schlüszeln volle macht und gwalt, dasz wen sie binden, sei gebunden, wen sie uflösen, sei entbunden, hand si den gwalt so weit gestreckt, dasz sie hand alle welt erschreckt. triumphus veritatis 537 (Schade satiren und pasquille 2, 211); vgl. die schlüsselgewalt als zusammenfassende bezeichnung für § 1357 des bürgerlichen gesetzbuchs; noverint tam presentes quam posteri, quod nos decimam nostram tam magnam quam minutam, quam habemus et habuimus apud Rindorp, Ruozerode, et in Huottorp, et unam potestatem silvaticam in silva de Rindorp, que huolzgewalt vulgariter appellatur, ... vendidimus communi manu. (1281) bei Lacomblet urkunden 2, 443 u. a. (aus 1283 und 1297); vgl. Kehrein 10b. II@3@c@b@2@b@bβ)) nun faren die romanisten daher, unnd wiewol sie ihr nimmer selb brauchen, noch ir ampt uben, nemen sie doch in selb einen gewalt, uber den selben brauch der schlussel. Luther von dem bapstum F 3a; der besitz einer sache wird durch die erlangung der thatsächlichen gewalt über die sache [] erworben. bürgerliches gesetzbuch § 854; der besitz wird dadurch beendigt, dasz der besitzer die thatsächliche gewalt über die sache aufgiebt. § 856. II@3@c@b@2@cc)) II@3@c@b@2@c@aα)) bei wunsch gewalt, wunsches gewalt hat sich schon oben sp. 4933 der genetiv wunsches als ein objectiver erwiesen. vgl. dazu: reinlich und hübsch nach wunsches gewalt. Suso buch von der ewigen weisheit (Augsburg 1512) 2, 1; ebenso Melissus psalm 37. vgl. auch III, 4 unter gewalt haben. II@3@c@b@2@c@bβ)) welches gefühl kann gegen die unwidersprechlichen gründe entscheiden, womit uns die vernunft alle gewalt über unsere vorstellungen abspricht? K. W. Jerusalem philosophische aufsätze 23 (d. litteraturdenkm.); die gewalt über unsre leidenschaften hat niemals ein verfasser in einem höhern grade besessen, oder in so verschiedenen anlässen gezeigt. Wieland Shakespeare 1, 5 vorrede; es fehlt ihm nichts, als etwas mehr kunst, und mehr gewalt über die deutsche sprache, so würde er vielleicht mit der zeit mit gutem gewissen einen lobredner des marschalls von Sachsen abgeben können. Lessing (critische nachrichten auf das jahr 1751) 4, 220. II@3@c@b@2@dd)) die geistliche obrigkeit hat den gewalt desz banns, die weltliche aber den gewalt desz schwerdts darum empfangen, das ... Ph. Heilbrunner von der Augspurger confession widerw. censur 3; gewalt des rechtens, gewalt des gebiets, jurisdictio id est potestas judicandi. vocabularius incip. teut.; daher kompt es, das dem Apollini des artzneiens gewalt zuogerechnet wirt, dann die mässige hitz der sonnen, ist ein vertreibung aller kranckhaiten. Alpinus Vergilius (Augspurg 1544) 23a; namentlich hat die Preuszische regierungsgewalt seit dem grossen kurfürsten diesen charakter gehabt. Clausewitz 10, 424; vgl. auch theil 8, 534; es handelt sich hier um eine sache der allerhöchsten kommandogewalt. der preusz. kriegsminister im d. reichstage 27. november 1901; ist der familienrath befugt, die verfügungsgewalt des vaters .. zu beschränken. entscheidungen des reichsgerichts in civilsachen 11, 347; ein klagbares recht darauf, dasz derselbe (der vater) die erziehungsgewalt ordnungsmäszig ausübe. 39, 159; wenn du es genehmigest, wollen wir den Merkur mit unbeschränkter strafgewalt zu ihnen herunterschicken. Wieland (übersetzung von Lukians die entlaufenen sclaven) 3, 132; so kann mein schutz dir niemals fehlen, denn meine strafgewalt trifft nur befleckte seelen. (Oberon 2, 40) 20, 47 (Göschen 1856); etliches holz ist der versteinigungsgewalt auch fähiger. Erasmus Francisci indisch-chines. lustgarten (1668) 1, 133; staat und volk geben erst ein reich, und dessen erhaltungsgewalt bleibt das volkstum. F. L. Jahn 1, 160; der schreiber war einer der gröszten federschurken, der je in unserm lande dintenkünste und radiergewalt ausgeübt. Pestalozzi (Gertrud und Lienhard 2 § 70) 2, 265 (1819); zu dem preise seiner redegewalt. Scherer aufsätze über Göthe (Nausikaa) 225. vgl. auch theil 8, 461. II@3@c@b@2@ee)) mit sinem vollen gewalt, zuo tuonde. Basler chroniken 5, 152; praesentis tui facultas: gewalt oder verwilligung bei dir ze sein. Frisius 539a; gewalt zu sprechen, dictator. Aler 934a; gewalt in eine abgetretene pfründe wieder zu kehren, regrès. nouveau dict. (Straszburg 1762) 339. II@3@c@gγ) diese form der composition erleichtert den zutritt der mannigfaltigsten bestimmungen zu unserem substantiv, oft sind es zusätze, die eine der in I 4, b entwickelten abstufungen seines bedeutungsgehaltes noch einmal zum ausdruck bringen. II@3@c@g@11)) diesem zufolge übertrugen sie ihm volle machtgewalt, über die verwendung des öffentlichen schatzes ebenso unbeschränkt zu gebieten als über seine eigene casse. Wieland (der goldene spiegel 2, 16) 8, 246 (Göschen 1853), ebenso 31, 130 (franz. revolution 6); als nun aber die riesen so ziemlich mit den drachen fertig geworden, stieg ihnen gleichfalls der muth und dünkel, weszwegen sie gar manches frevele, besonders auch gegen die guten zwerglein, verübten, welche denn abermals in ihrer noth sich zu dem herrn wandten, der sodann aus seiner machtgewalt die ritter schuf. Göthe (Wilhelm Meisters wanderj. 6) 23, 92. ebenso 39, 232 (blumenmalerei); vgl. auch theil 6, 1406; ertönen lass' in ihrer nunmehr ganz erstarkten machtgewalt triumph und ruhm. K. Immermann (Eudoxia) werke 15, 386; ähnlich 18, 210. II@3@c@g@22)) klar ist's zu schaun.beginnend spielen also vor, die kühn bedrohen ihre stadt mit herrschgewalt. W. v. Humboldt (übersetzung d. Agamemnon 14. scene) 3, 80; [] wenn du die aussicht mir eröffnen konntest, Ventidius, dasz mir die höchste herrschgewalt in Deutschland zugedacht: so würd' Augustus, das versichr' ich dich, den wärmsten freund würd' er an mir erhalten. H. v. Kleist (Hermannsschlacht 2, 1) 3, 165. II@3@c@g@33)) der krieger brennt, entgegen dir zu eilen, und trotzt im kampfe deinen schreckgewalten; der weise steht gelassen deinen pfeilen. Leuthold (auf den tod) 396; ist bei einem menschen die neigung nur darum auf seiten der gerechtigkeit, weil die gerechtigkeit sich glücklicherweise auf seiten der neigung befindet, so wird der naturtrieb im affekt eine vollkommene zwangsgewalt über den willen ausüben, und, wo ein opfer nöthig ist, so wird es ðie sittlichkeit und nicht die sinnlichkeit bringen. Schiller (über anmuth und würde) 10, 110. II@3@c@dδ) vielfach sind es auch bestimmungen der art und weise, die in dieser form der composition angegliedert werden. (zum entsprechenden adjectiv in der composition s. III, 2): die poetische begeisterung überfiel ihn mitunter mit einer fiebergewalt und mitten aus dem gefühlsdürren boden der welt die ihn trug, sproszten dann plötzlich seine dichtungen wie cactuspflanzen. Kühne Franz freiherr Gaudy (monatsblätter zur ergänzung der allg. zeitung, mai 1845); Nippler klopfte mit der steifen papierrolle auf das podium, und sofort begannen die violinen ihr werk; jetzt fiel die flöte ein, während von zeit zu zeit des 'basses grundgewalt' dazwischen brummte. Fontane vor dem sturm 2, 206; ich wollt', ich wär' ein spielmann mit solcher klanggewalt, dasz alles käm in meinen bann, so weit mein lied erschallt. Strachwitz gedichte 157; das freie, verständige in der geschichte vertritt der mann, die volkskraft wirkt unablässig mit dem dunkeln zwange einer urgewalt, und ihre geistigen bildungen entsprechen zuweilen in auffallender weise den gestaltungsprocessen der stillschaffenden naturkraft, die aus dem samenkorn der pflanze stiel, blätter und blüthe hervortreibt. Freytag bilder 114, 24. IIIIII. die wortverbindungen. es lassen sich zwei hauptgruppen hier unterscheiden, je nachdem das wort mit einem nomen resp. pronomen in engere verbindung tritt oder mit einem verbum. dabei ist freilich zu berücksichtigen, dasz die engeren verbindungen mit einem verbum zugleich noch ein nomen oder pronomen in anspruch nehmen können, insofern namentlich die individuelle begrenzung des substantivbegriffes fast durch alle verbindungen hindurch ihre sonderrolle spielt. immerhin aber ist dieses bestimmungsmoment für gebrauch und bedeutungsentwicklung der verbindungen mit verbis meist erst in zweiter linie anzuschlagen, selbst in wendungen wie in der gewalt eines andern sein, in die gewalt eines dritten kommen s. unter 3. anders verhalten sich verbindungen wie in gottes gewalt liegen (sp. 5004) im sinne von in den letzten zügen liegen, wo die nominale verbindung das entscheidende moment für die bedeutungsentwicklung liefert. die gliederung wird demgemäsz im folgenden immer vom entscheidenden bestimmungsmoment ausgehen. die individuelle begrenzung des substantivbegriffes wird zunächst durch substantiva gedeckt, die im genetiv untergeordnet sind (vgl. auch sp. 4999). als ersatzbildungen können auch possessive pronomina oder adjectivableitungen eintreten (gott mit seiner gewalt, die göttliche gewalt). sonst übernimmt das adjectiv gradbestimmungen, die bei unserem substantiv für die bedeutungsentwicklung sehr wichtig werden, oder es dient von vorne herein der bedeutungsverengerung. die neuere sprache hat im besonderen diejenigen adjectiva entwickelt, die einen im begriff des substantivs schon gegebenen zug nachdrücklich hervorheben. die verbindungen mit dem verbum, die in erster linie die verallgemeinerung des begriffes erzielen, lassen unser wort entweder mittelbar oder unmittelbar an das verbum treten. zu der ersten gruppe gehören die präpositionalverbindungen, zu der zweiten vor allem die objectverbindungen. aus practischen gründen empfiehlt es sich hier alle vier gruppenunbeschadet ihres engeren zusammenhangesnach einander aufzuführen. III@11) die verbindungen mit einem substantiv im subjectiven genetiv oder mit dessen ersatzbildungen: individuelle begrenzung des begriffes gewalt, der meist der parallele mit potestas entnommen ist. die berührung mit vis oder violentia tritt stark zurück. auch hier führen die festen verbindungen leicht zur composition: gottesgewalt (gotsgewalt), staatsgewalt, liebesgewalt, waffengewalt u. a. [] III@1@aa) beziehung auf gott und vorstellungen des religiösen lebens. vgl. oben sp. 4922. III@1@a@aα) numen divinum, numen et vis dei; gödtlike krafft, gewalt und wille. Chytraeus nomenclator latino-saxonicus 3; göttlich gewalt und allmacht. Henisch 1592; gottesgewalt, divina potestas. Stieler 2426; göttliche gewalt, gottes gewalt, potenza divina, il braccio divino, puissance divine. Rädlein (1711) 381a. III@1@a@a@11)) es was aber der gewalt gottes grösser und mer, dan der besen cristen. Nicolaus Thoman (Weissenhorner historie 171) bei Baumann quellen bd. 1; vorhin ist gemeldet worden, dasz jhm seine zween brüder, hertzog Danckwerdt und hertzog Heinrich habn nach der keiserlichen kron gegriffen, jedoch durch gottes gewalt daran verhindert worden. Bünting Braunschweiger chronik (1620) 70; (ein richter) soll den götlichen gewalt sehen an. Brant Moretus b 3a; von dem brummen seines götlichen gewalts erbidemet das gantz ertreich. Geiler baum der seligk. 27b (Ch. Schmidt els. mundart 143); sondern solchs alles ist seiner göttlichen gewalt selbs eigen werck. Luther (das diese wort Christi 1527) 3, 351b; ach herr und gott, ich lob und preis dein gOettlich gwalt mit allem vleis. Burkard Waldis streitgedichte 3 neudruck; ob du dich jetzt wol deiner ehre, und götlichs gewalts eine kleine zeit euserst, und lest dich am creutz umb bringen, dennoch bist du ein ewiger könig. Mathesius leichenreden 192 neudruck; es kahm ihnen nichts so ungeräumet fohr, als dasz man di götliche al-macht und hoheit in die änge gebäu und hütten ein-schlühssen solte, oder durch bilder und götsen führ-bilden; weil di götliche gewalt nicht von mänschengedanken, vihl weniger zwüschen vihr wänden könte begriffen wärden. Zesen adriat Rosam. 202 neudruck; als er (gott) anfangs den umbkreis himmels und der erden geordnet, hat er der natur gewisse gesetz vorgeschriben, und aller dinge ordnung und ursache so fest verknüpffet, indem er alle geschöpf nicht durch unvernunfft, sondern hochweisesten rath geordnet, und dieselbe durch eine innerliche immerwehrende richtschnur fort gepflantzet, welche gottliche gewalt nicht weniger in dieser ihrer erhaltung sich blicken, als in deren erschaffung sich thätig erzeiget, dergestalt, dasz wer glauben wolle, dasz der welt kräffte abnehmen, dafür halten müste, als wenn die göttliche gewalt selbst auffhörete. J. A. Schupp schriften 776 (beschr. d. 100 jähr. zeitl.); wie weistu, was gott vermag? wie kanstu seine weisheit und gewalt abmessen, das er seinen leib und blut nicht allein im sacrament künd haben, das dennoch seine seel und gottheit nicht darinnen were, ob gleich seine seel und gottheit on leib und plut nicht sein kan? Luther ein bericht an einen guten freund G 4a; wer kan doch deine gewalt auszsprechen? wer kan deine wunder und thatten auszrechnen? Michael Weisse bei Wackernagel d. k. 299; langmütig bist, herr, in deim gwalt, menschliche werk bald hast gefalt. Burkard Waldis streitgedichte 2 neudruck; ihr lob, das weit umher erschallt, verkündigt deines arms gewalt, beschämt der widersacher heere, und rettet deines namens ehre. Kramer psalmen 1, 29; hilff das ich gleich als mich dich undt den nechsten liebe, und was mich itzund kränkt, die grimme teufel-schar, zur rach (wen dein gewalt wirdt richten offenbahr) mitt unter deinen fus, o schlangen-treter, schiebe. Gryphius sonn- und feiertags-sonette 61 neudruck. III@1@a@a@22)) die verbindung in den einzelnen gebrauchstypen. III@1@a@a@2@aa)) der todt und die verderbung stond im gewalt gottes. Luther predigten (1523) 12, 460 Weimar. vgl. sapientia 16, 13; nachdem als ir mich geladen habet vor das hoffegerichte kein Liptzigk von Cristoffel vonn Scheidinges wegen alzo fug ich euch wissen das ich in der gewalt gottes lege unnd szere krangk bin, als balde als mir got wider uff hilfft szo wil ich scheidinge thu, als vil ich om vor pflicht bin. Lentze v. Seidersdorf (1495) bei Haltaus 742; wann wir ligent, und ietz siechen und gon nit mügen oder kriechen, so schrient wir: 'louff wunder bald, ich lig ietz gantz in gots gewalt: ich sich, mins lebens ist ein endt. louff, bring mir bald das sacrament'. Thomas Murner narrenbeschwörung 262 (87, 12 neudruck); [] vorzeiten, da ich am leben war, da kieff er mich an jmmerdar, des ewigen keifens, aber baldt, da ich jetzt lag in gotts gewalt, und starb in meine augen nein, flux er sich auch zu todte grein. M. Haineccius Hans Pfriem v. 594 neudruck; sub arbitrio dei esse, im willen gottes ston, under dem gewalt gottes sein. Frisius 130c; ob er schon hefftig wieder uns gesündiget hat, jedoch jetzundt in gottes gewaldt ist, so verziehen wir jhm hiemit seine ubertrettung. Bartholomäus Krüger Hans Clawerts werkliche historien 13; er liegt in gottes gewalt, in letzten zügen, er wird bald auf dem letzten loch pfeifen, egli è àll' estremita, è in agone, i medizi l'hanno digia abbandonato, il est à l'extrémité, il est aux abois, les médecins l'ont déjà abandonné. Rädlein (1711) 381a; die nachbarn fleissig bsuchten jhn, und redten jhm ausz seinem sinn, dasz er nit sterben wurd so baldt, sein leben stünd in gottes gwalt. Sandrub historische und poetische kurzweil 166 neudruck. III@1@a@a@2@bb)) do sprach der ritter: lüge der tüfel noch also gerne, so het er dir doch darane die worheit geseit, und das maht du mit gottes gewalt zuobraht haben, wanne ich mag sin in der worheit in deheinen weg gelöicken, wenne das es rehte in alle wise und wege ist alse er dir geseit het. sogenannter Nicolaus v. Basel 90 Schmidt; leive moine, got bewar uch ummer me unde geve uch also manchgen goiden daich, alse hei mit sinre gotlicher gewalt wol vermach. Margaret v. Nassau an Mechthild v. Geldern bei Steinhausen privatbriefe 1, 7. III@1@a@a@2@cc)) ich blib darbi bis in den tod, dasz der pabst si gott uff erden, und wir durch ihn selig werden. oder verdammet, wie es ihm g'fallt, dann er hat allen göttlichen g'walt. N. Manuel fastnachtspiele 11. III@1@a@a@2@dd)) darumb seid from, und fOerchtet gott, und habt fr augen sein gebott, dann menschen hoffart musz vergehn, fr gotts gewalt kan nicht bestehn, wer sich verlest auff seinen pracht, gott hat sein baldt ein end gemacht. Erasmus Alberus fabeln 124 neudruck; sie murren wider gott, zürnen mit im und stössen in, sovil an inen ist, ausz seinem gewalt und regierung. Kirchhof wendunmuth (1, 174) 1, 211 Österley; jetzt hett er in nit recht gethon, das er uns hie hatt regen lon, jetz ists zuo warm, dan ists zu kalt, und reden gott in sein gewalt. Thomas Murner schelmenzunft 45 neudruck; auch wird kein man der gott hoch halt, seim schöpfer greiffen inn sein gewalt, sonst wird er seinen gwalt verliren, den jm sein schöpfer gonnt zufüren. Fischart (ehezuchtbüchlein) 3, 142 Hauffen; ach herr nun sehen wie esz fallt wer kan doch wider gottes gwallt? min gütter sind doch gar zergenckt an bettel stab, binn ich gehenckt. Val. Boltz der welt spiegel L 5a. III@1@a@a@33)) fortschritte der oben (sp. 4924) beobachteten bedeutungsverengerung. III@1@a@a@3@aa)) herr ir seit an solichs end komen do man niemand dann gots gewalt allein fürcht. Ulmer decamerone (10, 2) 591 Keller; und súnderlich geben wir eúr liebe zu erkennen, das itzunt allenthalben hieumb die hant und gewalt gots mit sterben der leut groz strafft. Margarete v. Sachsen an herzog Albrecht v. Sachsen (1484) bei Steinhausen privatbriefe 1, 264; am heiligen abent zue weichnachten fur er wider an, betrat in aber ein sturmbwint so hart, das die schiffleut die schiff in gottes gwalt musten geen laszen, und schlug sie der wint gen Enkhausen. Wilwolt v. Schaumburg 197; die zwentzigsten heissen Blochart. das seint die, die do durch gewalt gots oder sunst blindt werden. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 106; aber es ist weder besser noch beser worden, bin wider zu jm gangen und jm sollichs anzaigt, da hat er gsagt, es sei der will und gwalt gottes, er kind mier nitt helffen, also hat mich die artznei auch nichts gholffen. S. Fischer chronik von Ulm 27 Veesenmeyer; denn keiner sich würfft selber nit; es muosz nun do sin gotts gewalt, das ein gouch zuo der erden falt mit kranckheit und mit andrem fal, do mit unsz gott suocht über al. Thomas Murner gäuchmatt 34, 27. [] III@1@a@a@3@bb)) die bedeutungsverengerung in der umgangs- und rechtsprache; spätere verdrängung der verbindung durch die concurrenzformel höhere gewalt: so wird mich auser gottes gewalt nichts aufhalten, die kleine reise hieher zu thun. med. maulaffe 413; es were dann auch sach, das etwan ainer nit anhaimbs, am verraisten in wichtigen sachen, oder aber durch leibs schwachheit und gottes gewalt nit erscheinen kunt, so soll er sich aber auf dass wenigst durch genadt andern entschuldigen lassen. ordnung von Hartberg (ca. 1620), österr. weisth. 6, 121; wöllicher nicht zu den täding kumbt, so man das verrüeff, der ist verfallen LXXII, auszgenomen eehaftige not oder gots gewalt. banntaiding von Wenigzell (16. jahrh.), ebd. 105; das eur lieb denselben tag uff angeregte zeit eigener person gewisslich besuchen, und sich daran gar nichts, dann allein gottes gewalt und ehehaffte leibskranckheit verhindern wollen lassen. brief Karl V. (1540) bei Haltaus 742; als der pfalzgrofe meint, wir sint nit komen als wir komen solten, das ist nu nit unser schult wanne gottes gewalt, wanne unser küchen schiff das zerbrach uns uf dem wasser, das mochten wir nit hinder uns gelossen. Windecke denkwürdigkeiten zur geschichte .. kaiser Sigismunds 107 Altmann; es wäre dann sach, das er aus verhinderung gotsgewalt, seiner grundherrschaft oder auszer lands wäre. rügung und landgebote von Anthering, österr. weisth. 1, 63; ich sollte mich nichts, denn gottes gewalt, verhindern lassen, und mich auf den 16. april eigenthümlich zu Prag bei i. f. g. einstellen. Schweinichen 2, 43; zum zëhenten soll ain ieder, so von uns ainicherlai güeter, grund und poden inhat und ersiczt, järlich in unser stüfft kommen, wann und wohin ime dieselb verkündt würdet, und sein stüftgeld in gueter landleüfiger und so vil müglich grober reichsmünz raichen, in irrhe dann gottes gewalt oder sondere ehehafte noth. stiftrecht des domcapitels in Salzburg (handschrift aus dem 17. jahrh.), österr. weisth. 1, 6; der nach beschechener ansag des richters niht ins dorfrecht kombt oder in abwessenheit des manns das weib oder der knecht erscheinen soll, so ist allzeit die straff sechs kreizer, auser gottes gewalt und herrn geschäft verhindern dises. dorfordnung zu Weinburg (1702), ebd. 6, 398; es irr dann den antwurter gottes gewalt oder herren pot, oder welcherlai ehaft das war, die er beweisen mag, als recht ist. ehehaft der Wennser gemeinde (handschrift von 1782), ebd. 3, 181; dem allhiesigen postamt ist ordentlich übergeben worden ein beschwert valor 86 nthlr. .. nach Basel. gottes und herren gewalt vorbehalten, in deme man nur für die treue der postämter, botten und postillonen gut stehet. einlieferungsschein des Züricher postamtes vom 13. januar 1796. später ist hierfür die verbindung 'höhere gewalt' eingetreten, die sich an den rechtsbegriff der vis major enger anlehnt, vgl. das französische force majeure. dieses letztere ist allerdings in deutschfranz. wörterbüchern erst spät belegt und wird weder bei Rondeau-Buxtorff (1739) noch dessen vorgängern angeführt. zuerst erscheint es im franz. wörterbuch der akademie und hier zunächst in beziehung auf weltliche machtfactoren: on appelle 'force majeure' une puissance supérieure, à laquelle on ne peut pas résister. l'autorité des pères sur les enfants, tient lieu de force majeure. dictionnaire de l'académie françoise (1694) 1, 478; bei Schwan, der die französische formel zuerst mit deutschen wendungen in beziehung setzt, ist unser substantiv anfangs noch nicht herangezogen, es wird in der ersten auflage noch durch synonyma verdeckt: force majeure, die überwiegende, überlegene macht, das übergewicht der macht. Schwan ausgabe von 1789, 2, 576; dagegen vgl. la force majeure die höhere gewalt, die überwiegende kraft, .. der man nicht widerstehen kann. (ausgabe von 1810) 2, 137; vgl. auch l'autorité du prince, du magistrat, du général est une force majeure. dictionnaire de l'académie (1814) 1, 607. die deutsche verbindung, die auch allgemeinere bedeutungen entwickelt (vgl. III, 2) nimmt in dieser engeren bedeutung von vorneherein mehr die auszerhalb des menschlichen bereiches liegenden machtfactoren zum ziel: er haftet für feuersbrünste, wo er nicht beweist: dasz die feuersbrunst durch zufall oder durch höhere gewalt oder durch fehler an der bauart entstanden. badisches landrecht von 1809 § 1733; der verfrachter haftet für den schaden, welcher durch verlust oder beschädigung der güter seit der empfangnahme bis zur ablieferung entstanden ist, sofern er nicht beweist, dasz der verlust oder die beschädigung durch höhere gewalt (vis major) ... entstanden ist ... verlust und beschädigung, welche aus einem mangelhaften zustande des schiffs entstehen, der aller sorgfalt ungeachtet [] nicht zu entdecken war ... werden dem verluste oder der beschädigung durch höhere gewalt gleichgeachtet. reichsgesetzblatt (jahrgang 1869) 529; der begriff des unabwendbaren zufalls ist gleichbedeutend mit dem der höheren gewalt im sinne des art. 395 H. G. B. entscheidungen des reichsgerichts in civilsachen 2, 425, ebenso 21, 15; für die annahme der höheren gewalt genügt aber nicht der mangel eigener verschuldung des unternehmers und seiner angestellten, vielmehr musz dargethan werden, dasz ein mit aller denkbaren umsicht unabwendbares ereignis den unfall bewirkte. 14, 83, vgl. auch 1, 278; es mag richtig sein, dasz unter den begriff der höheren gewalt unter umständen auch fremde handlungen fallen, die zu verhüten trotz äuszerster vorsicht unmöglich ist. 1, 254; auch eine plötzlich aufgetretene schwäche oder erkrankung, z. b. eine ohnmacht, ein epileptischer anfall oder ein ausbruch von geisteskrankheit, kann hiernach als höhere gewalt anzusehen sein. 21, 15; das berufungsgericht hat ferner mit recht angenommen, dasz, auch wenn, wie der beklagte behauptet, es technisch undurchführbar sei, auch nur die bediensteten der eisenbahn gegen die einwirkung dieser kohlenstaubausströmungen zu schützen, doch deshalb der unfall nicht auf höherer gewalt beruhend angesehen werden könne. 11, 147; ist der erbe durch höhere gewalt verhindert worden, das inventar rechtzeitig zu errichten .. so hat ihm auf seinen antrag das nachlaszgericht eine neue inventarfrist zu bestimmen. bürgerliches gesetzbuch § 1996 vgl. auch § 203. 701. III@1@a@a@3@cc)) die bedeutungsverengerung in der volksthümlichen medizin: als mich ew. f. g. auf am sonntag oculi schierist gen München in eine landschaft erfordert haben ... so hat mich gottes gewalt und blödigkeit meines leibes ietzt in der pfinztag nacht vergangen fast begriffen, dasz ich mit verlaub vor ew. gnaden in einem knie grosses leiden habe ... dadurch ich und aus keiner andren ursache, sondern der krankheit halben meines leibes nicht kommen mag. entschuldigungsschreiben des Hanns Paulstorfer zur Kürn (1493) an den herzog bei Krenner bair. landtagshandl. 9, 196; und Lucium den ainen kaiser traf der gewalt gotts, schlueg in der tropf und das sälig und starb. Aventin (bairische chronik) 4, 876; das hat die magt gethon, und indem sie ir das patternoster dargebotten und die fraw das in die handt genomen, do ist unser herrgott urblutzlingen mit seinem gewalt do gewest. Zimmersche chronik 4, 130; nichs destoweniger hat der churfurst in verstrickt und in seiner behausung zu Dirmstain verwaren und darzu inventieren lassen, welches herr Wolf, dieweil im das umb unschult begegnet, so gar beschwerlich und hoch ufgenomen, daz in der gewalt gottes beruert und gar zu aim kündt worden. 2, 162; wie der nun uf der kirchweihe abendt widerumb begert herheim zu reiten, so trift ine der gewalt gotes, so man apoplexiam nempt. 3, 553; in dem jar, als grafe Johann Wernher Oberndorf wider bekam, do fiel maister Petter Keufelin, der pfarrer daselbst, ab ainer britternen binin in seiner scheur unversehenlich herab in den tennen, das er hernach nit vil mehr redt, sonder dess in wenig tagen starb. man vermaint, es het in unsers hergotz gewalt trofen. 3, 477; man hat lang kein wunden, stich oder ainige masen an im finden künden, letztlich aber, als man in gar abzogen, hat man ein kleins windlin underm nabel gesehen. darvor haben etlich vermaint, es hab in unsers hergotz gewalt getroffen. 3, 588; er schaffet aber gantz nichts, angesehen, in traf der gewalt gottes. Nicolaus Thoman (Weissenhorner historie 145) bei Baumann quellen, bd. 1; zwen tag darvor, ee er gestorben ist, hat in gots gwalt troffen, dasz er kain wort nit hat migen reden noch sein leib bewegen. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 334 (Augsburg); der ältost hat gehaissen Urlich, der ander Jerg, der ist am ersten gestorben, ist ain zeit lang kranck gelegen, darnach hat in unsers heren gewalt troffen. 23, 165; do starb er (Konrad Sam) an aim feiertag vor sant Johannis tag jm sumer um die zwai nach mittag ... es hat in unsers heren gwalt zum dritten mal troffen, wie es in das erste mal troffen hat, da hat er nichts um sich selbst gewisst, darnach wie er wider zu der vernaunfft ist kumen, hat in mein fatter gefragt was es für ain kranckhait sei ob grosser schmertz darbei sei, hat er meinem fatter geantwurt, gar nit sei es ain schmertz ... er glaub nit das kain senffterer tod sei, dan wan ain unsers heren gewalt trifft, es sei nit anderst weder als wan ain der schlaff iberwint. S. Fischer chronik von Ulm 12 Veesenmeyer; adi 19. december 1547 traff mich gottes gewalt. M. Schwarz v. Augsburg [] Schmeller 22, 409; es war ein gar frommer mann, den die gwalt gotes des allmächtigen, wie man sie nennet, getroffen het unnd im ein seitten verlämbt und todt geschlagen. Michael Lindner Katzipori 121; welche kranklich und schon zweimal den schlag oder gewalt gottes ... gehabt. G. König Wienerreise 2, 90 Bächtold; gottesgewalt. M. Ruland drei bücher von wasserbädern (Basel 1579) 163: schlag, gottes hand oder gewalt. Wirsung arzneibuch 112; gewalt gottes v. schlagflusz. Weismann 156; gewalt gottes, der schlag. Aler 934a; gewalt gottes, schlag-fluss, apoplexia. vom gewalt gottes ... getroffen, apoplexia tactus. Bayer 290; gewalt gottes heisst bei einigen insonderheit epilepsia. Frisch 2, 420b. vgl. Schöpf 798; vgl.gewalt gottes bei Höfler deutsches krankheitsnamenbuch 198b. III@1@a@bβ) die beziehung auf Christus ist in der neueren sprache fast ganz verkümmert: si fragen: wie, was, wo, warumb die heilig drivaltigkeit sei, wie Christus gott si unnd nitt sei, was er sei, was sin ampt, sin gewalt sei. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 65 neudruck; die herrschaft des vollenders, mitblutende! die gewalt desz, den kreuziger tödteten. Klopstock (Messias 20) 3, 264; unter seine (Christi) gewalt gabst du die sterblichen alle. 4, 1271. III@1@a@gγ) um so gröszere ausdehnung hat hier die beziehung auf den teufel genommen. in der volksthümlichen sprache haben sich hier verbindungen entwickelt, die weitgehender bedeutungsverschiebung unterliegen. so theilt die verbindung mit teufels gewalt mit der präpositionalverbindung mit gewalt (s. III, 3) die function, zum bloszen steigerungsmittel zu dienen. III@1@a@g@11)) so würdest du ze stunt wider gegeben dem gewalt des teüfels. Gregors dialoge 2, cap. 16; aber gott wird meine seele erlösen aus der hellen gewalt, denn er hat mich angenommen. Luther psalm 49, 16; das sie sich bekeren von der finsternis zu dem liecht, und von der gewalt des satans zu gott. apostelgeschichte 26, 18; dadurch du von des teuffels, tods und der hellen gewalt wirst gefreiet. zwo predigt auf der kindertaufe K 3b; doctor Faustus, nach dem jhme sein unmuht ein wenig vergienge, fragte er seinen geist Mephostophilem von regierung, raht, gewalt, angriff, versuchungen und tyrannei desz teuffels. historia von d. Johan Fausten (Spies) 31 neudruck; das weszt got wol, dannocht so wolt ers nit vermeiden, er wolt sein hörtte strenge marter für uns leiden, damitt wolt er des argen teüfels gwalt verschneiden, und auch den liebsten freünden sein helfen ausz grossen nödten. bei Wackernagel das deutsche kirchenlied (14. jahrh.) 2, 1160; hinforte ihn wol beschützen thut fürs teufels gwalt und feindes list. Hoffmann gesellschaftsl. 2, 40 (1622); ich übergebe dich kräfftiglich, würcklich und thätlich, dem (durch kirchisch gebet) unverwehrten gewalt des lebendigen sathans. kirchen-bannformel zum edict der stadt Straszburg wider pasquillanten von 1658 bei B. Schupp 679; gott mache ein ende der bösen welt, auff dasz der gewalt desz fürsten der welt gestrafft ... (werde). Moscherosch insomnis cura parentum 137 neudruck; nach dem gebet ist heirath die erste pflicht, fruchtbarkeit der erste segen. kinder sind die brücke zum himmel: priester ohne kinder keines amts fäbig und unter der gewalt des bösen: hurerei und ehebruch, der grund aller übel, die die welt verwüsten. Herder (älteste urkunde des menschengeschlechts 3, 6) 6, 499; wenn dem nun so ist, wie es denn ist, so erhellt deutlich, dasz dieser affe aus gewalt des teufels spricht, und das nimmt mich sehr wunder, dasz ihn die heilige nicht ergriffen und examinirt hat. Tieck don Quixote 2, 228. III@1@a@g@22)) die verbindung mit teufels gewalt, die heute mehr nur als verstärkung der einfachen präpositionalverbindung erscheint, hat die ursprüngliche bedeutung erst über einige concurrenzformen hinweg abgestreift: so wollen sie denn gar nicht raison annehmen, mademoiselle? wollen sich selbst fürs teufels gewalt prostituiren? H. L. Wagner die kindesmörderin 21; mit des teufels gewalt. Seume 1, 9; und wollen mit des teufels gewalt einbrechen. Kotzebue almanach dram. spiele 2, 119; ja, ich kann mich mit teufels gewalt aber nicht mehr besinnen, was ihr zu dem buben gesagt habt. Auerbach (Diethelm von Buchenberg) dorfgesch. 3, 177. III@1@a@g@33)) also lasz ich zuo, daz den glauben zuo retten, es sei wider die tüfflische gewalt, menschlichen oder sunst wider wen es wöl, actio publica sei. Murner an den groszmechtigsten [] und durchlüchtigsten adel tütscher nation 30 neudruck; o Leo wollest dich nit uff deinen teufelischen gewalt verlassen, welchen gott der allmechtig nit lenger verhengen wurdet. Hartmut v. Cronberg 36 neudruck; nach verstürztung des höllischen gwalts in himeln regierenden loben pillichen got liecht, polus, erd unnd das mör. hymnarius bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1116; so sathan nun ist teilt ein gwalt ja inn sim selbs, wie mag dann bliben sin rich? tragödie Johannis des täuffers P 2b; da hab ich in predigen und lectionen gar vil treflichs trosts, und starcke seufftzer, und krefftige gebet, trewe vermanung gehört, nemlich, ob wol der hellische drach all sein macht unnd gewalt wider Deutschland jetzmals richte, dennoch werde Türck, bapst, ... vor den thoren der christenheit absateln. Mathesius Luther 159 neudruck; nun weisz man ja wol, dasz dem teuffel an seinem gewalt niemand verhinderung thun kan, als gott selbst. Jac. Ayrer proc. 413; durch welche alle dem teuffel täglich sein reich, frevel, thurst und gewalt verhindert und zurbrochen wird. Chryseus hofteufel A 2b vorrede. III@1@a@g@44)) vermeinstu dasz der gewalt diser welt guldin stuck, hoch hiet, und andre weltlich pomp ein christen menschen söllen erschrecken in einem sölchen guoten gerechten handel? dialogus von M. Luther und P. Hesso (Hutten 3, 604 Böcking dialogi pseudohuttenici); daran (an der christlichen wahrheit) uns mehr leit, dann an allen reichtumen und gewalt dieser welt. Dürer (an Georg Spalatin 1520) nachl. 66; warlich aller adel, gewalt und reichtumb der gantzen welt, ist nit tzu vorgleichen diserer himmellischer bruderschafft. Hartmut v. Cronberg 42 neudruck. III@1@a@dδ) da seind wir durch der götter allmächtigen gewalt von ainander getailt unnd geschiden. Schaidenreiszer 10b; auch disputieren sie .. von macht und gewalt der untödtlichen götter. Ringmann Cäsar (1588) 60a; ihren abgöttern, derer göttliche gewalt nit anders, als durch vergiessung menschenbluts konte versöhnt werden. J. B. Schupp 777 (beschreib. diser 100 jähr. zeitl.); da schaut sich der hohe in hundert gebilden, als jüngling, als riesen, den groszen, den milden, wir ersten wir waren's die göttergewalt aufstellten in würdiger menschengestalt. Göthe (Faust 8301) 41, 170; nicht hemmte sein schild, dasz der tödliche schlag der streitaxt ihn traf und er früh schon erlag der Keren gewalt und nimmer die pflege der eltern vergalt. Leuthold (Penthesilea) 259. III@1@a@eε) ich bin in die gewalt einer hexe gerathen, und bin auf den glasberg gebannt. Grimm (der trommler) kinder- und hausmärchen 2, 501; du hast mich erlöst und aus der gewalt der alten befreit, die eine böse hexe ist. (die alte im wald) 2, 213; wie darf ich die unschuldige jungfrau in die gewalt der wilden riesen bringen, die haben böses im sinn. (der gelernte jäger) 2, 151; dann wichen die götter vor den andringenden riesengewalten des reifes und schnees in die tiefen der haine. Freytag (bilder 1) 17, 90; angeschwemmt durch der fluten gewalt in tagen der vorzeit, dürftiger niederschlag aus dem abgang alter granite, welche zermalmte dîe riesengewalt ergrimmter Titanen, tauchet des südlands stiebender quarz und verwitterter feldspat .... hervor. Kosegarten 2, 86 (die inselfahrt). III@1@bb) beziehung auf weltliche gruppen oder deren typische vertreter, vgl. oben sp. 4925 ff. III@1@b@aα) allgemeinste gruppe. menschengewalt, vis humana. Stieler 2426; die menschliche gewalt, humana vis. Steinbach 2, 921; mancher hat usz gähe gethan, hett ers noch zuo fahen an, do geb er umb wol tusent pfundt. geschechne sach nie wider kundt bringen hie menschlicher gwalt; des bisz in allen sachen kalt. Th. Murner narrenbeschwörung (85, 89) 257; darausz wir sein (gottes) gunst erkennen und loben sollen, aber menschlicher gewalt, sei bepst oder concilia, achten unser blödigkeit gar nicht, zwingen uns bei lebendigem leib in hellischenn kercker. J. Eberlin v. Günzburg (wie gar gefährlich, so ein priester kein eheweib hat) 2, 28 neudruck; also, dasz auch unmüglich were, das ein fürst unnd christlicher treuwer regent bestendig bleiben, oder für solchem des teuffels täglichem grim, listen, toben und wüten, durch menschliche weiszheit oder gewalt, erhalten werden möchte. Chryseus hofteufel A 3a vorrede; menschlich gewalt vermag nichts wider gottes gewalt. Piscator anhang des herbornischen bibl. wercks [] (1610) 510c; die ehen sind kein werk vor menschliche gewalt. conjugium non dependet ab humana directione. Steinbach 2, 921; die menschliche gewalt wird erst als dann der göttlichen ähnlich, wenn gerechtigkeit durch gnade gemildert wird. Wieland Shakespeare 3, 118 (kaufmann von Venedig 4, 2); nach ihrem inneren gehalt die welt voll narren umzuprägen: ist das in menschlicher gewalt? Göckingk gedichte 1, 15. III@1@b@bβ) politische oder nationale gegensätze. III@1@b@b@11)) oft versperrt auch die gewalt anderer völker den zugang zum meere, und dann sind die bewohner eines binnenlandes leibeigene ihres eigenen bodens. F. L. Jahn 1, 94; ob es sich begebe, das gott abwende, dasz ausz feinds gewalt, oder ausz anderm zufall on dein schuld, der gemeldten graffschafft rennt und einkommen vermög der abred, nicht niessen möchtest, dasz du alsdenn habest und empfahest die besoldung. A. Reiszner Frundsbergs ritterliche kriegsthaten (1572) 5, 91a; darnach jhr arme befohlene underthanen, vor unbillichem frembden gewalt zuschützen. Kirchhoff militaris disciplina 5; da aber der leidige sathan, Christi und Abrahams samen grewlicher widersacher, mit frembder gewalt unnd frevel nichts schaffen kondte, erregt er vil grewlicher ergernus und empörung unter Moses pfarr kindern. Mathesius Luther 167; dasz nicht etwa die statt .. durch ein auszländischen gewalt möchte angegriffen werden. Z. Münster Livius (Frankfurt 1584) B 3a; denn sie haben nicht allein jhre eigen lande, gegen frembde gewalt vertheidigen können, sondern jhre hülffe ist auch von andern frembden nationen und völckern begehret und ersucht worden. Bünting Braunschweiger chronik (1620) 17; wie dann die sprachen nicht anders als bei einer einfallenden barbarei oder unordnung oder fremder gewalt sich merklich verändern. Leibnitz teutsche sprache 22 Guhrauer (deutsche schriften 1, 457); es war ehemals in Rom überaus schimpfflich, seine mutter - sprache nicht können, und über deren ehre haben alle streitbare nationen geeiffert, weilen sie wahrgenommen, dasz so offt ein volck fremden sprachen nachgehangen, es insgemein auch unter fremde gewalt verfallen. Besser (1732) 123; was kann von der selbständigkeit einer nation übrig bleiben, so bald sie es sich gefallen läszt, dasz eine auswärtige gewalt ihr ein oberhaupt gebe? Ranke ref. 1, 40; sie sind bereit, euch wieder unter sich aufzunehmen, wenn ihr euch ganz losgemacht von jener feindlichen gewalt. Grillparzer (Melusina 3) 5, 309 vgl. feindliche gewalten sp. 4995, vgl. auch sp. 5019; fremder gewalt rottet' ihn aus, und zerstreut' ihn! Klopstock (Messias 20) 3, 246. III@1@b@b@22)) da hat sich Deudschlandt gantz verkert und under der Römer gewalt ist vollend kommen, ... Erasmus Alberus fabeln 118 neudruck; darumb Alba fürter in gehorsam und gewalt der Römer stehen solte. Livius (Straszburg 1562) 9b; do kam Karolus Magnus, der grose genant. er gewan Rome, die muren und stadt, mit grossem mordt und macht iren gewalt gantz zu nicht ... also komen sie von gewalt des keiserthumbs und wart gesetzt in deutsch landt. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 96; das keiserthum bleib in der Romer hant 400 jar. sie bezwungen alle konig und lant, das sie ine musten dienen. jedoch wart sich ire gluck wenden .. und nam ein ende aller ire gewalt. 96; zuo disen ziten also die Römer an der ersten hettent künige, do ging ir gewalt kume vier milen weges von der stat. Königshofen, d. städtechron. 8, 321; als die abgesandten der statt Rom in einer glückwünschungsrede, damit sie den ankommenden keiser empfiengen, die wiederauffrichtung ihrer alten obrigkeitlichen ämpter, ihrer sitten, gewalt und freiheiten, ... begehrten, antwortet ihnen der keiser also. Zinkcref apophthegmata (1653) 1, 25; die habent sich daselbst gemert und als lang mit irem gewalt genert, bis Rom die stat bawen ist worden. Küchlin (herkommen der stadt Augsburg), d. städtechroniken 4, 348; die Römer haben nach eroberung jres gewalts grosse ding geübt. S. Münster cosmographie (1537) C 1a; derhalben dann auch die Kriechischen, als die allerwegen für die allerklügsten gezelet werden, und nach jnen die Römer, welche den Greckischen nit allein jre gewalt unnd herrschafft sonder auch die kunst und weiszheit abgewonnen und eingenommen ... haben. Micyllus Tacitus a 3a vorrede; römischer gewalt und mechtikeit was in eines rats, senat, und gemainer hant. [] Sigmund Meisterlin, d. städtechroniken 3, 35 (Nürnberg); denn da ein ablaszkreutzler römische gnad im anfang des bergwercks allda ausgeleget, wie denn die leut jr eule und keutzlein zu setzen wusten, und rhümet trefflich seinen römischen gwalt, dasz er die macht vom heiligen vater hette, wer ein pfenning einlegt, der erlöset damit ein seel ausz dem fegfeuer. Mathesius Sarepta 16a; vom bapst der wolff hat römsch gewalt, die manchen stoltzen heller galt, das man dem wolff vergeben solt, und absolviern von pein und scholt. Erasmus Alberus fabeln 52 neudruck; was hat zerbrochen römschen gwalt dann burgerlich krieg und zwispalt? Wickram der jrr reittende bilger 68a; damit gaben sie Tarquinio ursach, den krieg mit jnen widerumb anzufahen. desz hat er grossen lust, dann sein gemüt stund zuo ehren und ritterlichen wercken, damit er jhm gedacht, den römischen nammen und gewalt nit minder dann sein vorfar, zuomehren. Livius (Straszburg 1562) 12b. III@1@b@b@33)) letstlich ermanet er sie mit groszem ernst, das sie welten zu herzen fassen, das das hailig grab im gwalt der unglöubigen so vil jar gewest und noch. Zimmersche chronik 1, 478; dann alsz der Türck mercket, wie dasz sie an der anzahl und stercke von tag zu tag je lenger je mehr zuonamen, also auch, das mitler zeit zuobesorgen, ... er sich in kürtze nit wenig vor jhrem gewalt würde zuogefahren haben: war er beweget, auff mitel unnd weg zuo trachten, wie er sie zuo demmen, unnd under seinen gewalt zuobringen mit fuogen möchte angreiffen. Rauwolf reisz in die morgenländer (1582) 291; darumb dann solche (die consuln) von irer herrschaft und oberkeit dahin verordnet, und mit privilegien vom Türckischen kaiser confirmiert werden, das sie die kauffleüt mit ihren wahren an den enden unnd orten lassen bei sich einziehen, und die vor eüsserlichem gewalt der Türcken und Moren beschitzen und beschürmen. 33; äben so vihl hat auch fohr disen das inland Zipern, welches nuhn in der Türcken gewalt ist, auf-gebracht. Zesen adriat. Ros. 169 neudruck; woltest dich (Leo) enthalden, von unnutzer sorg, ubergib dem tugentlichen keiszer Carolo dein herschafft und tzeitlich reichtumb, und lasz in des Turcken gewalt weren. Hartmut v. Cronberg 39 neudruck; aller gewalt und reichtumb des türckischen keisers, und ob er schon die gantz wellt under seinen gewallt und gehorsam bringen würde, das gott nach seinem willen verhüten wöll, sollichs ist alles für gering und nichtig, und alles für einen schatten zu rechen gegen der wenigisten armesten menschen besoldung, der in gott glaupt und vertrauwet. 71. III@1@b@b@44)) daher der Francken macht und gewalt in Gallia je lenger je höher gestiegen. Bünting Braunschweiger chronik (1620) 19; deten dar dri ursachen: dann dodurch wurd der eidgnossen gwalt gemindert. Heinrich v. Beinheim, Basler chroniken 5, 387; da wurden in denselben tagen German und Swab sovil erslagen, das ir frier gewalt ein end nam. Küchlin (herkommen der stadt Augsburg), d. städtechroniken 4, 354; denn er sank nicht einmal durch Troergewalt hin, oder den freunden im arme, nachdem er den krieg vollendet. Voss Odyssee (1806) 14, 367; also ist den Lütichern nach geschehen, iegclicher wolt sein aigen sin prauchen, und hielten kain ordnung, darum ist in aller ir gewalt genommen. Hector Mülich, d. städtechroniken 22, 215 (Augsburg); zwischen Livland und Preussen ist ein kleines ländlin einer tagreisz breit, ... darinn wont ein volck Massagete genant, das ist weder heidnisch noch christgleubig, unnd doch dem polnischen gwalt underworffen. S. Franck weltbuch 55b. III@1@b@b@55)) man legte die beiden leichen, die man nicht der muthwilligen gewalt der neger überlassen wollte, auf ein brett. H. v. Kleist (verlobung von st. Domingo) 4, 189. III@1@b@gγ) der gegensatz zwischen geistlicher und weltlicher macht: geistliche, weltliche gewalt, pouvoir (autorité) ecclesiastique, seculiere. Rondeau-Buxtorff (1740) 253. III@1@b@g@11)) darumb ists nicht eine weltliche gewalt, dadurch die bisschove uber die kirchen sich brüsten und herrschen möchten, sondern eine geistliche gewalt, den sündern zu gut und hut gegeben. Luther wider das bapstum N 1b; etliche haben geistliche und weltliche gewalt sehr schädlich durch einander gemenget, haben gelehret, dz der bapst, ausz [] Christus befehl, ein monarcha und herr sein sol, aller weltlichen güter, königreich und herrschaften, der könig zu setzen und zu entsetzen gewalt habe. Melanchthon confess. August. (corp. doct. christ. 15a); so nu die geistlich gewalt ewige güter der seel anbeut, und allein durchs wort und sacrament geübet wirdt, ist sie fern unterschieden von weltlicher gewalt, die leibliche güter giebt und erhält. 15b; denn jr wisset, oder solts ja wissen, das christlich regiment oder gewalt nicht zu verderben, sondern zu bessern von gott eingesetzt ist. Luther (vermanung an die geistlichen 1530) 5, 94a; dasz der kaiser ... mit weltlichen gerichte zwinge dem pabste gehorsam zu sein. desgleichen soll auch seine geistliche gewalt dem weltlichen gerichte, wenn es nöthig ist, beistehen. Sachsenspiegel, 1. buch art. 1. (ausgabe von 1732) 17; der bischof liesz sie laden vor geistliche gewalt, und muszte sie begnaden, so schön war ihr gestalt. Cl. Brentand (Loreley) 2, 391. III@1@b@g@22)) und wer gern wöll leben fri, in wollust und aller buberi, der behelfe sich miner rechten, so bedarf üch niemand widerfechten. ihr stehlend, roubend, thügend, was ir wend, so bedörfend doch die laien nit ihr händ an üch legen mit ihrem gewalt. N. Manuel fastnachtspiele 5; und das alles wöllen wir ihnen schutzen und schirmen, und freien vor allen weltlichen gewalt, also dasz wir noch all unser erben, noch niemands von unsertwegen ihn darinnen keinen gewalt, keinen anfall noch kein irrung und hindernusz zuziehen thun. stifftsbrief des klosters Abensperg (1463) bei Hund metrop. Salisb. 2, 230, ebenso 225; die sonne bedeute päpstliche, der monat die weltliche gewalt in der christenheit. Luther (warum des papsts und seiner jünger bücher verbrannt sind 1520) 24, 154 Erlangen; was vermag die ungerecht tyrannei der weltlichen gewalt und macht der finsternüss? Dürer (tagebuch der reise in die Niederlande) nachl. 164; drumb muste weltlich gewalt hie still halten. Mathesius Luther 352 neudruck; aber es ist wissentlich, das dieselben (Abraham, Isaac und Jacob) nicht ausz priesterlicher gewalt und ansehen, sonder ausz natürlicher gotsforcht, den gotsdienst volbracht haben. Alpinus Vergilius 89b; ihr ansehen (der christl. priester) beruhte nicht auf weltlicher gewalt, der sie eben mit ihrem ansehen widerstanden. Herder werke 5, 683; zur welt gebracht habe ich gestern ein französisches memoire vom ursprung der weltlichen gewalt des heiligen stuhls zu Rom. J. v. Müller (an seinen bruder 1782) 5, 70; das aber weiset mir kein himmelsstrahl, dasz sich die kirche weltlicher gewalt anmaszen dürfe, dasz der könig, den die deutschen fürsten wählten, sich vom papst einholen müsse die bestätigung. Uhland Ludwig der Baier 2, 2. III@1@b@dδ) papst, kaiser und könig. III@1@b@d@11)) ich Ulrich Rösch der zitt des erwirdigen gotzhuses zu st. Gallen ... bestätter pfläger in geistlich unnd weltlichen sachen, von gewalts unnd entpfelhentz wegen unsers helgen vatters des papsts ... tund kund. (1458) bei Zellweger urkunden 2, 1, 29; das (der bann) bestuond bis an sant Barbara tag, do wurden wir zuo Nürmberg ledig von dem apt von Schotten, der hett des babsts gewalt. Hector Mülich, d. städtechron. (Augsburg) 22, 63; clag und vormanung gegen, dem übermässigen unchristlichen gewalt des bapstes zuo Rom. Hutten; o vatter, du meinst es sig mit des bapsts gewalt als um eines vogts im dorff (als du bist) der nit ains halms breit handlet (mit willen) anders dan mit recht und erkantnüs siner umsitzer. Karsthans bei Hutten 4, 631 Böcking; aber die priester ehe berührend, dieweil dieselbige aus menschlicher satzung abgestellet, und in des bapstes gewalt stehet, wider zu endern, dieweil auch wenig reiner keuscher priester erfunden, so rathen sie ... Luther (ausschreibung eines heiligen concilii 1535) 6, 328b Jena; wie du darnach, mein herr, verhängest, dass Jerusalem darum zerstöret ward, also wirst du auch diesen eignen angenommenen gewalt des römischen stuhls zerstören. Dürer (tagebuch der reise in die Niederlande) nachl. 164; dasz sie desz römischen stuls macht oder gewalt nicht erkennen, und .. gewisz sein, dasz dem römischen pabst von rechts wegen nit gebüre ein concilium auszzuschreiben. Kirchhof wendunmuth (1, 2, 20) 1, 468 Österley; vom obersten gewalt des papstes und befestigung desselben mit schrifften und exempeln. Fischart bienk. (1586) 118b; in dem so Pipinus [] usz gewalt des pabsts und gunst des volcks künig in Franckrich was worden, do regiert noch der römisch keiser Leo der vierd zuo Constantinopel. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 24 neudruck; ebenso 29; dann dises reichs gewalt und krafft sein willen hoch im himmel schafft. auch alles was auff erd umb fert wird stets durch sein gewalt regert. B. Waldis das päpstisch reich A 1a; uf ein mal was ein bapst kranck, der gab seinem caplan seinen gewalt das er in der beicht absolvieren mocht für pein und für schuld. Pauli schimpf und ernst 217; wellent wir das mittel treffen und dem bapst seinen gewalt behalten. Murner an den adel 30 neudruck; würt dann Christus unsern groszen macht und gewalt in maszen und gestalt sehen so wol gerüst, für war er würt förchten die zerstörung der schönen gepeu. (unterredung des bapsts und seiner cardinalen) Schade sat. und pasqu. 3, 88; zuo dem sechszten (du sprichst) das der bäpstlich gewalt nichts anders sei, dan die selen zuo verdamnisz füren. Murner an den adel 53 neudruck; auch wo diesz wort sollen bepstlichen gewalt bestetigen, uber alle christen, wolt ich gerne wissen. Luther von den bapstum J 2b; an einem erchtag ... ist mein frumme mutter Barbara Dürerin verschieden christlich mit allen sakramenten, aus päpstlichem gewalt van pein und schuld geabsolvirt. Dürer nachlasz 13; dann, des rhümbt sich bäpstliche gewalt wil auch, das man jn da fürhalt. B. Waldis das päpstisch reich A 4a; von ursprung des bepstlichen gewalts und ban. triumphus veritatis (überschrift) bei Schade sat. und pasqu. 2, 210; bei euwerem leib nicht juncker, saget der abt, redet also schmählich auff die heiligen vätter, zuvorab auff den aller heiligsten bapst zu Rom, der durch seinen apostolischen gewalt ermeldten unsern orden und regel hat confirmiert. Kirchhof wendunmuth 395a. III@1@b@d@22)) zu dem es fürders gefährlich ist, so wol allen ständen in gemein, als den catholischen und lutheranern, insonderheit der calvinisten, begehren statt zu geben, dasz nemblich von ihretwegen desz reichs hauptgesatz verändert sollen werden. als da sind der religionsfried, und die authorität oder gewalt desz keisers und der ständt in den reichsversamblungen. ursachen, ausz welchen die calvinisten zum innerlichen krieg ... angetrieben zu werden, vermeinen mögen (1616) bei Londorp 1, 301a; nach dem wir nach gottes gunst das fürstenthum Meylan, ... zu des heiligen Römischen reichs gewalt und handen widerumb gebracht. A. Reiszner Frundsbergs ritterliche thaten (1572) 5, 90a; ich wil aber itzt alein von dem Römischen reich reden, des haüpt ist ein Römischer keiser. nuo sol ich an der warheit nichts verhalten, dasz ich nichts anders weisz dann dasz wir ein ersamen fromen verstendigen gotsfürchtigen keiser und haübt haben. aber usz der hoffart, groszen pracht, neit und hasz anderer könig und potentaten, christlich und unchristlich, entsteen vil seltsamer practik und anschleg, sein macht und gewalt zuo underdrücken. (dialogus Sickingens vor des himmels pforten) bei Schade sat. und pasqu. 2, 52; so bitt ich uwr. f. g. wölle daran sin, das dem romischen kaiser sin gewalt und macht nit geschmelert werd, dan dem rich ist zuvil gnug biszher entzogen. Reuchlin an Friedrich den weisen (3. januar 1521) bei Ulmann Sickingen 407; zoch (sc. der papst) ein uszzuog sölcher geschichten in, das etwan die keiser irs gewalts unwisz und dorecht weren. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 28 neudruck; nu vernemet den alden vrede, den die keiserlike gewalt gestediget hevet deme lande to Sassen, mit der guden knechte wilkore von deme lande. Sachsenspiegel 2, 66 vgl. auch oben sp. 4926; donoch wart er getoufet von Silvestro dem bobeste und wart zehant gereinet von uszetzigkeit, und dovon lies er dem bobst alle keiserlich würdekeit und gewalt und fuor er gen Constantinopel gen Kriechen. Closener, d. städtechron. (Straszburg) 8, 30; als nu Augustus Octavian keiserlichen gewalt gewan und hort, das die edeln Germani überal wolten sitzen fri, da schickt er usz dri legion. Küchlin (herkommen der stadt Augsburg), d. städtechroniken 4. 348; Franciscus kam zuo mir gantz uff geschwollen von keiserlichem gewalt, und sagt zuo mir. J. Eberlin v. Günzburg (eine schöne und klägliche historie) 2, 103; [] römisch keiserlich maiestat helt mit sein fürsten weisen raht, wie er mit keiserlichem gwalt das römisch reich schütz und erhalt. H. Sachs (beschreibung aller stände) 23, 271; so hant sie keiserlichen gewalt. Murner narrenbeschw. 112 bei Schmidt elsäss. mundart 143; ich kann dreist behaupten: übt nicht das präsidium des norddeutschen bundes in Süddeutschland ein stück kaiserlicher gewalt, wie es im besitze der deutschen kaiser seit fünfhundert jahren nicht gewesen ist? Bismarck (24. februar 1870) 4, 315. III@1@b@d@33)) die hort to der koningliken gewalt. Sachsenspiegel 1, 35 u. a. vgl. sp. 4926; und geben ine von unserm küniglichen gewalte und gnaden, das sie aus dem dorf zu Neunbronn in Wirtzpurger bishtum gelegen ein stat machen mögen. (urkunde Ludwigs des Baiers 1323) oberrheinische stadtrechte 1, 1, 7 Schroeder; des wolten aber des kaisers poten nit aufnemen und sprachen, wir wolten dem kunig pruch machen geen andern stetten und paten die von Augspurg, dasz sie willig weren und in schwuern an des kunigs stat, wann sie doch des kunigs gewalt hetten. Burkard Zink, d. städtechron. (Augsburg) 5, 15; wir rathmanne der stadt Breslau von königlicher gewalt von Behmen haltende und verwesende die hauptmannschaft zu Breslau. (urkunde von 1430) cod. dipl. Siles. 4, 54; die von Sicilia teten diser zeit allen küniglichen gewalt ab und namen den freien stand an, regirt der g'main man funfzig iar. Aventin (bairische chronik) 4, 313; sie haben aber nicht ein tyrannischen gewalt, das ist, ohne gewisz gesetz zu urtheilen. so haben sie auch keinen königlichen gewalt, das ist, uber die gegeben gesetz zu schaffen, sondern haben ein gewisz gottes gebot und gemessen befehl, unter welchem sie sind, nach welchem sie jhrs geistlichen gewalts und gerichtzwangs brauchen sollen. Melanchthon apologia (corp. doct. christ. 108a); denn wie gesagt, der kirchendienst ist nicht wie die weltliche gewalt, tyrannen oder königliche gewalt, denn tyrannen gewalt ist ein ungebunden ding, das keine gewisse regel hat. loci theologici (ebenda 256b); wenn man königliche gewalt zu gebieten und zu zwingen, ausz der kirchen wegthut, so sihet die kirche als sei sie sehr schwach unnd gering. ebenda 287a; und machten jn zu einem dictator, der allen königlichen gewalt on alles appelliren tragen, zu schaffen und zu gebieten haben solte. Kirchhof wendunmuth 19b; wir müsten erstlich sonderlich, darnach zu gleich all samentlich solchs für in bringen, in solchr gestalt als schmehet er könglichen gewalt. Chryseus hofteufel D 3a; es würde mich nicht befremden, wenn ich fände, dasz einer von den alten auslegern des Homers diese stelle (Ilias 2, 101 ff.) als die vollkommenste allegorie von dem ursprunge, dem fortgange, der befestigung und endlichen beerbfolgung der königlichen gewalt unter den menschen bewundert hätte. Lessing (Laokoon) 9, 98; die fortschritte der königlichen gewalt. Schiller (abfall der Niederlande 1) 7, 46; in dieser wie in jeder anderen beziehung ist es meine pflicht, den auf gesetz und verfassung beruhenden umfang königlicher gewalt ungeschmälert zu wahren. könig Wilhelm an die abgeordneten (26. mai 1863) bei Bismarck reden 2, 189; nun das erbliche oberhaupt wird schon im interesse seiner familie dafür sorgen, dasz er seinen nachkommen die gewalt, welche er besitzt, auch erhalte. berichte der Frankfurter nationalversammlung (7) 4992b; Österreich betheuerte, es habe nur die legitime königsgewalt in den herzogthümern herstellen ... wollen. Sybel begründung 3, 80. III@1@b@eε) staatsrechtliche gliederung. III@1@b@e@11)) aus dem deutschen staatsleben: gewalt (auctorität) väterliche, häusliche, kirchliche, staatliche, ist die fähigkeit eines menschen, die selbstbestimmung des andern seinem willen unterzuordnen. Wetzer und Welte kirchenlexikon 3, 562. III@1@b@e@1@aa)) der ausruff, seiner tugent und der volnbrachten geschicht ein bott, hatt nit allein durchlauffen deutsches, sunder auch alle ausser land also erfullet, das vil nach alle menschen mit vereinter stimme ine wirdig schetzen des obersten gewaltes, das ist des romischen reichs. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 20 vgl. auch oberste gewalt (III, 2); reichsgewalt, vires et robur imperii. Stieler 2426; die reichsgewalt. abschnitt 2 des verfassungsentwurfs der Frankfurter nationalversammlung s. berichte (2) 2717 ff.; die reichsgewalt übt dem auslande gegenüber die völkerrechtliche vertretung Deutschlands [] und der einzelnen deutschen staaten ausschlieszlich aus. die reichsgewalt stellt gesandte und consuln an § 7. alle nicht rein privatrechtlichen verträge, welche eine deutsche regierung ... abschliesst, sind der reichsgewalt zur kenntnisznahme .. vorzulegen § 10 u. a.; ein wesentliches merkmal des bundesstaates ist eine reichsgewalt, welche neben der entwickelung der einzelstaaten die gesammtinteressen verwirklicht, und dazu mit der nöthigen macht ausgerüstet ist. motive zum verfassungsentwurfe. berichte der Frankfurter nationalversammlung (2) 2727 u. a. zum gebrauch bei Bismarck und Ranke, vgl. theil 8, 601; wenn wir vor allem vielleicht die frage um eine provisorische centralgewalt in berathung nehmen. berichte der Frankfurter nationalversammlung 1, 112a; die grosze debatte wegen errichtung einer provisorischen centralgewalt hatte die versammlung in ihren tiefen erregt. Freytag 22, 285; darum führten sie das geld als ein von der staatsgewalt beglaubigtes zeichen jedes veräusserlichen genusses ein. teutscher Merkur juli 1786; da er sein anerbieten, falls er damit abgewiesen werden sollte, unfehlbar unter gehässigen bemerkungen zur wissenschaft des volks bringen würde, so könne dasselbe leicht in dem grade verführt werden, dasz mit der staatsgewalt gar nichts mehr gegen ihn auszurichten sei. H. v. Kleist (Michael Kohlhaas) 4, 102; widerstand gegen die staatsgewalt. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) 6. abschnitt; der schlechte staat bedient sich zu dem ende lediglich seiner gewalt, verschlingt die familie mit der macht seines gesetzes, legt sich ein obereigenthum bei, drückt auf die forschung seinen stempel, dringt jeder regel jede ausnahme auf. Dahlmann politik 13, 7. III@1@b@e@1@bb)) aus tragender gewalt des fürsten, auctoritate principis. Frisch (1741) 2, 420b; wir Bolke ... tuon kunt und bekennen offinlich mit desem brive, daz wir, mit bedachtem muote und mit rate unser mannen unsen Juden ... begnaden domete von furstlicher gewalt und fruntlicher gunst ... daz ... (Löbau 19. sept. 1369) archiv f. österr. gesch. 31, 129; alle menig hat gehörd verlesen die brieflich urkund .. so damit die durchleuchtigisten, hochgebornen fursten von Österreich ... daz löblich closter und gotshaus in Neunperg, auch die herrschaft Reichenaw mit sambt der gegend genant di Prein gnädiklichen ausz furstlichen gewalt begnadet und begabt haben. bannteiding von Reichenau (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 64; wir wellen auch pieten von furstlichem gewalt, das hinfür kain pantaiding von dem benanten Hans Clam in der Prein gehalten werd. 6, 63; ich fürchte viel mehr von der vermischung der frage über die grenze zwischen parlamentarischer und fürstlicher gewalt mit der frage von der vertheidigungsfähigkeit Deutschlands dem auslande gegenüber. Bismarck reden 3, 178 (11. märz 1867); es war der bischöfe vortheil, der wilden händelsucht zu widerstehen, der mitwachsenden gewalt weltlicher stände das gegengewicht zu halten, dasz die könige sich wenigstens ruhig zu tode leben konnten. Herder werke 5, 686 ; vgl. fürstengewalt sp. 865; dieselbe unbestimmte furcht lauerte hinter ihrer freude, wenn sie gefangene fürsten der Deutschen im triumphe aufführten, wenn ihr fusz auf römischer thürschwelle an einen berauschten deutschen trabanten ihres kaisers stiesz ... wenn die kaiserliche staatskunst Germanenhäuptlinge bestach, verderbte und mit herrengewalt absetzte. Freytag (bilder 1) 17, 49; eine entschiedene politische natur war auch Heinrich Zschokke ... die eiserne maske (1804) zeigt die heimlichen greuel der hofgewalt im harten gegensatze gegen jene stücke der Babo und Kratter u. a., die an die höfe die schönste menschheit schmeichelten. Gervinus litteraturgesch. 5, 674; vgl. auch territoriale gewalten sp. 4992. III@1@b@e@1@cc)) bekriegten die wucherer und gewonnen so mit noten, so mit trauwen und mit gutlicher teiding vor und noch zu des bischoffs handen und gewalt Bonne die statt und zolle. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 50; auch antwort die confutatio nicht auff unsere gründe, sondern stellet sich recht bäpstlich, sagt von grosser gewalt der bisschove. Melanchthon apologia (corp. doct. christ. 107b); unnd ist bisschoffe gewalt laut des evangelij, ein befehl gottes, das evangelium zu predigen. confess. August. (ebenda 15b); der erzbischof von Köln ist ein erzkanzler des hailigen römischen richs und hat ze beruoffen alle die rich in Italia, in Lamparten, in dem kaiserthum ze Kriechen, in den kungrichen enend mers, und wahin also sin gewalt raichot. Ulrich v. Richental chronik des Constanzer concils 16; da aber Tetzel unnd sein anhang, mit römischer und bischoflicher gewalt, und mit der kirchen schlüssel, jr tandwerck [] vertheidigen wolten, wird d. Luther auff sein eid und doctorat gedrungen, positiones und gründe wider Johan Tetzels, unnd all die mit jm unter der decken lagen, zustellen. Mathesius Luther 34; was maint ir dasz euwer gewalt und ampt sei, wann ir es recht halten wölt, es sei bapst, cardinäl, bischof, prelaten und pfarrer und alle gaistlich ...? nichts anders dann ernstlich und andächtiklich beten und predigen und euch alain mit got und der geschrift gots nach arbeiten. dialog zwischen aim pfarrer und aim schulthaisz (Schade satiren und pasquille 2, 143). III@1@b@e@1@dd)) wir sollen auch haben alle unsere rechte, gewonheite, gebote und allen unsern gewalt in der egeschriebenen unserer stat an allen sachen glicherwise als vor. verordnung der grafen von Wertheim (1351), oberrheinische stadtrechte 1, 1, 15; frohn-gewalt, heiszt des richters gewalt und gehorsam, darinnen er leute behält, rechts zu pflegen. Chomel oec. u. physical. lex. 4, 505; aber das gestand ich nit, das sie daz mit richterlichem gewalt macht haben zuothuon. Murner an den adel tütscher nation 14 neudruck; vgl. auch richterliche gewalt in Hugo's naturrecht (1819) 520; (erfreuet euch) mit uns, den männschen hie, so gott nach ihm gestallt, und denen er durchausz den vögtlichen gewalt imm reich der wält verleiht. Rompler reimgetichte (Straszburg 1647) 24; daher sich wol zu verwundern, dasz heutiges tages leut, welche der höchsten kaiserl. majest. gerichts - gewalt oder jurisdiction also zu schmählern, und gar nahend überall zu entziehen sich hin und wieder bemühen. an Christian v. Anhalt (1615) bei Londorp 1, 188b; das schir aller gehorsam aus ware und alle gerichtswalt nidderlag. Kantzow chronik v. Pommern 254; das sich der bischoff mit seiner gerichtswalt nicht weiter strecken wolle, wan es sich gepurt. 177; des landvogts oberherrliche gewalt verachtet er, und will sie nicht erkennen. Schiller (Wilhelm Tell 3, 3) 14, 354. dazu vgl. gerichtsgewalt sp. 3661. III@1@b@e@1@ee)) und si domit ein ort und ein endt, und genungk gesagt von der gewalt der hochmechtigen. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 99; gott stürtzt der grossen stoltzen gewalt unnd nestelt ein gewalt an andern, dasz sie einander schwächen und auffreiben. sein reimen ist: er stöst die gewaltigen vom stuhl und setzt darauff einen fuoszschemel. Lehmann florilegium 307; je grösser herr ist auff der welt, dest schwerer wirt sein straff gefellt von gott, so er sein gwalt miszbraucht, und zvor wie bischoff Hatto straucht. Kirchhof wendunmuth 390a; gegen jeden miszbrauch der herrschaftlichen gewalt musz der richter dem leibeigenen schuz angedeihen lassen. Danz deutsches privatrecht (nach dem system Rundes 1800) 6, 125. III@1@b@e@1@ff)) und sol der burger der den getäter erobert, nach dem erobern underston in mit worten zuo schirmen, bitz er ine in sichern gewarsam nemlich in meister und rats hande und gewalt oder in einen turn bringen mag. Straszburger zunft- und polizeiverordnungen 25 Brucker; aber har gegen gantz der götlichen geschrifft gleichformig, daz ire beschwerden die underthonen vernünfftig fürtragen, und die oberkeit inen durch iren gewalt zuo hilff kum. Murner an den adel tütscher nation 31 neudruck; obrigkeitliche gewalt, jurisdictio, potestas, magistratus. Stieler 2426; ausz obrigkeitlicher macht und gewalt. Weise die drei ärgsten erznarren 199 neudruck; jedennoch musz ein jeder gerichtsherr auch alle obliegende bescheidenheit darbei anwenden, dasz er ... seine zustehende obrigkeitliche gewalt nicht in eine grausamkeit verwandele. Klingner dorfrechte 3, 555; poch nit .. auf freundschafft, amptsgewalt. Ringwaldt 144, vgl. theil 1, sp. 283; amtsgewalt, coercitio. Stieler 2426; die besten zu vereinigen, suche man die form des concilii arctioris auszudehnen und seine gewalt zu vermehren. Göthe an herzog Carl August 7. april 1786, briefe 7, 195; dasz diese hohe versammlung nur nöthig hätte, Hecker in ihre mitte aufzunehmen, um ihre gewalt, die ... nur eine moralische ist, nicht etwa blosz zu hemmen und zu lähmen, sondern mit einem einzigen schlage vollständig zu vernichten. Eduard Simson berichte der Frankfurter nationalversammlung (2) 1488; die bürgerlichen gewalten, the civil authorities. Hilpert 1, 462; die civile gewalt wird dann mit [] der militärischen verbunden. (7) 4958, 6; wer einen gefangenen .. aus der gewalt der bewaffneten macht .. vorsätzlich befreit. strafgesetzbuch für das deutsche reich § 120; werden gemeine verbrechen oder vergehen im kriege unter miszbrauch der militärischen gewalt verübt, so wird die sonst verwirkte strafe verschärft. kriegsartikel für das preusz. heer von 1852 artikel 48 (bundesgesetzblatt von 1867 s. 315); wer irgend eine dienstgewalt über andere auszuüben hat, soll durch ruhiges, ernstes und gesetztes benehmen die achtung und das vertrauen seiner untergebenen sich zu erwerben suchen. kriegsartikel für das preusz. heer von 1852 § 46 (bundesgesetzblatt von 1867 s. 315); wer seine dienstgewalt über einen untergebenen zu befehlen oder forderungen, die in keiner beziehung zum dienste stehen, oder zu privatzwecken miszbraucht ... wird mit gefängnisz ... bestraft. militärstrafgesetzbuch von 1872 § 114; wer durch miszbrauch seiner dienstgewalt oder seiner dienstlichen stellung einen untergebenen zu einer von demselben begangenen, mit strafe bedrohten handlung vorsätzlich bestimmt hat, wird als thäter oder als anstifter mit erhöhter strafe belegt. § 115; der schiffer oder sonstige vorgesetzte, welcher einem schiffsmann gegenüber seine disziplinargewalt miszbraucht, wird mit geldstrafe bis zu dreihundert thalern oder mit gefängnisz bis zu einem jahre bestraft. seemannsordnung von 1872 § 96 (reichs-gesetzblatt von 1872 s. 428). III@1@b@e@22)) auch die gliederung fremder staatsrechtlicher gewalten nimmt einen breiten raum ein in folge der zahlreichen übersetzungen namentlich lateinischer schriftsteller. III@1@b@e@2@aa)) der höchst und gröst gewalt und ansähen der künige, regum apices. Maaler (1561) 178b; es hangt aber doch alle der selben könig gewalt und macht an dem römischen gewalt und reich, von welchem sie nit viel mit krieg oder waffen, aber offtmals mit geld entsatzt unnd gefürdert werden. Micyllus Tacitus (1531) 450b (Germ.). III@1@b@e@2@bb)) dictatura, das ampt unnd gewalt eins solichen obersten herren. Dasypodius (1537) 53a. ähnlich Frisius 412c; dictator, der oberst gewalthaber zuo Rom, bleib allein sechsz monat in seinem gewalt, und ward allein in groszen nöten, kriegen und aufruoren der statt aufgeworffen und erwellt, ein potestat. 412a; da das Manlius nit thuon wolt oder kondt, liesz jhn der dictator in den kercker füren, wiewol die gemein grosz miszfallens darab hatte, dannocht war der gewalt des dictators, das niemandt dorfft sich darwider setzen. Livius (Straszburg 1562) 38b; tribunus celerum, statthalter desz obersten und künigklichen gewalts, conestable. Frisius 1328b. III@1@b@e@2@cc)) aristocratia, das ist, der fürgenden herren gewalt. Alpinus Vergilius 33a; dann wie derselbig (dictator) erwölt was, da verloren alle oberkait ... jren gewalt. 33b; also da sie jhren gewalt inn dem dritten jar truogen ... begab sich mancherlei miszbrauch, und inn sonders zwo sachen, dardurch jr gewalt zerstört und abgethon ward. Livius (Straszburg 1562) 42b; also nam der unrecht gewalt, der zehen menner ein end. 45b; daraus merckt man zw dem peschlus, das die zehen man wurden pald abgesetzet von irem gwalt von wegen dieser schnöden dat. H. Sachs (die kewsch ermört Virginea) 22, 29 Keller-Götze; triumviratus, ampt und gewalt diser dreien gewaltherren. Frisius 1332b; endtlich beschlosz der senat, die fünff sollen bei jrem gewalt und namen bleiben. Livius (Straszburg 1562) 55b. III@1@b@e@2@dd)) tribunitius, tribunitia potestas, desz obersten meisters oder zunfftmeisters gewalt. Frisius 1328b; authoritas legatorum, voller gewalt der gesandten rathsbotten. Rihelius 1590; Marcus Titinius und T. Fonteius, die an statt eins burgermeisters waren, sind geheissen worten in Hispania zuo bleiben in jrem gewalt. Livius (Straszburg 1562) 6b; attende quam ego non defugiam authoritatem consulatus mei, sich wie wenig ich weichen wölle von dem gewalt, den ich als burgermeister hab. Rihelius 1590; es war nur eine formelle flause ... die lebhaft erinnert an den weisen beschluss des verschollenen junkerthums, den plebejern nicht das consulat, sondern nur die consularische gewalt einzuräumen. Mommsen römische geschichte 3, 307. III@1@b@zζ) berufliche gliederung: zuo erzeigen den gewalt des artzet. Terenz (1499), bemerkung des übersetzers 22b; wäre der gute kerl mit seiner kleinen injurie zufrieden gewesen, so dürffte er ietzt nicht etliche wochen in des barbierers gewalt liegen. Christian Weise die drei ärgsten erznarren 22 neudruck; [] ich hab zwar auch davon gehört. so? geht die sach mit kreutern zu, schau er, das es auch lang wern thu! dieweil man sagt, der baurn gwalt der blü gar frü und wer nicht alt, gleich eben wie die pfirsing-baumen. J. Ayrer der bauer mit seim gevatter tod bei Keller 2485; ich bin betrogen, ich bin entführt und in die gewalt eines kaufmanns gerathen. Grimm märchen (der treue Johannes) 1, 38. III@1@b@hη) gliederung des familienlebens. III@1@b@h@11)) wie viel weniger sollt denn die gewallt der eltern oder irgent ein ander gewalt geben sein zu verderben, und nicht viel mehr allein zu bessern? Luther das eltern die kinder zur che nicht zwingen sollen A 2b; bei den Germanen war die gewalt der eltern über ihre kinder ursprünglich keine andere, als diejenige, welche auch das naturrecht kennt, nämlich eine befugnisz beider eltern. Danz handbuch des heutigen deutschen privatrechts (nach dem system Rundes 1801) 7, 69; die natürliche elterliche gewalt entsteht durch die zeugung. 7, 91, vgl. auch 7, 92. 7, 125. 7, 70; die zeit, und der sun in des vaters gewalt ist, so mag er an des vaters willen und wort sein erbtail nicht versetzen noch verchümmern noch anwerden noch verchauffen. stadtrecht von München, art. 222 (Auer 87); nit ichs förcht, wenn die sach allein an dir stünd. aber dz du nit mögest des vatters gewalt erliden. Terenz (1499) 16b, ebenso V. Boltz (1567) 17b; so ist patria potestas, der gewalt so ein vatter, auch vatterlicher ahnherr, uber seine kindere und engklen, söhn und töchtere, hat, anfenglich un von alters, allein bei den Römern auffkommen. Frankfurter reformation (1578) 2, 1 § 8; doch hat er nicht gestatten wöllen, das der gewalt des vatters uber die kinder jhm solte entnommen werden. Hedio übers. des Josephus vom krieg der Juden 30a; die ehe zwischen mann und frau, des vaters gewalt über das kind hat sicher von selbst und vor der zeit bestanden, wo der eingetretne zusammenflusz vieler familien in ein volk jenen verhältnissen bestimmte positive bedingungen zufügte oder die schon in der sitte gebildeten ausdrücklich anerkannte. J. Grimm (das wort des besitzes) kl. schr. 1, 123; noch in der gewalt seines vaters stehen, to be still dependent upon one's father. Hilpert 462; vgl. auch O. Schrader reallexikon der indogerm. alterthumskunde 291 und 213 ff.; ob schon gott veterlichen gewalt wil geehret und geschützet haben. Mathesius hochzeitspredigten 63 (bibl. d. schriftst. aus Böhmen); auch seind die conträct, so zwischen eim vatter und seinem sohn, den er noch in seinem vatterlichen gewalt hat, geschehen, im rechten. Frankfurter reformation (1578) 2, 1 § 7; auch sol die mutter für ihre kinder nicht erscheinen dürfen ... welches doch seinen abfall leidet, wann selbige eine witwe und mit ihren kindern in der gütergemeinschaft lebet ... so hat sie sich durch beilegung eines von der gerichteskanzlei verfertigten versiegelten scheines ... zu rechtfertigen; welches sie aber, gleich wie der vater, kraft ihres mütterlichen gewaltes .. nicht nötig hat, wofern nicht die kinder mündig oder aus der väterlichen gewalt gekommen. anmerkung über die erneuerte Frankfurter reformation (1757) 1, 376; auch ist er kürtzlich berürt da er spricht von der veterlichen gewalt ... denn er meint, wo der vater seinen sun lest aus seiner gewalt. nun vernempt was gewalts ein vater hat uber seinen sun. glosse zu Sachsenspiegel 1. buch 13. artikel (Lotter 1528); es wird hie auch kürtzlich etwas von der vätterlichen gewalt gesagt, welche die leges offt melden .. er meldet auch daneben, wie der vatter seinen sohn ausz seiner gewalt lesset. nu vernim kürtzlich, was gewalts ein vatter über seinen sohn habe. ausgabe von 1732 s. 43; was kann darinn (in dem briefe) enthalten sein? liebe und vergebung ... und vielleicht ein aufrichtiges betauern, dasz er die rechte der väterlichen gewalt gegen ein kind brauchen wollen, für welches nur die vorrechte der väterlichen huld sind. Lessing (misz Sara Sampson 3, 3) 2, 303; da in den fällen, wo jemand seine eigene haushaltung mit elterlicher bewilligung anfängt, er dadurch, in ansehung derjenigen würkungen der väterlichen gewalt, welche blos aus bürgerlichen gesetzen, und nicht allein aus dem natürlichen verhältnis der kinder gegen ihre eltern fliessen, solcher gewalt, den gemeinen teutschen und hiesigen landrechten nach, entlediget wird. inhalt der Markgräflich-Badischen gesetzgebung 1782 s. 337; der väterlichen gewalt kann in Deutschland theils nach römischer art, durch eine förmliche emancipation, theils nach deutscher weise, durch anlegung einer eigenen abgesonderten haushaltung ein ende gemacht werden. Runde grundsätze des [] gemeinen deutschen privatrechts (1817) 615; von den verträgen der kinder, die noch in väterlicher gewalt sind ... sind nähere bestimmungen gehörigen orts festgesetzt. preuszisches landrecht (1821) 1. theil, 5. titel § 22; die väterliche gewalt, paternal power. Hilpert 1, 462; mit rücksicht auf dieses ergebnis einer rechtlich bedenkensfreien beweiswürdigung erachtet das berufungsgericht ... den nachweis für erbracht, dasz der beklagte, obgleich er im jahre 1893 das 32. lebensjahr erreicht hat, zur zeit der in diesem jahre erfolgten beweisaufnahme und also auch bei abschlusz des vertrages vom 20. juli 1891 noch haussohn war, d. h. sich noch unter väterlicher gewalt befand. entscheidungen d. reichsgerichts in civilsachen 34, 207; die in väterlicher gewalt stehenden personen ... erhalten einen pfleger für angelegenheiten, bei welchen die ausübung der väterlichen rechte ... erforderlich ist, aber aus thatsächlichen oder rechtlichen gründen nicht stattfinden kann. 39, 159 (aus der preuszischen vormundschaftsordnung 5. juli 1875 § 86); eine, wie vorliegend, als eine ganz vorübergehende von anfang an ins auge gefaszte, wenngleich mit gehalt verbundene stellung als kommis ist nicht geeignet, die aufhebung der väterlichen gewalt zu bewirken. 6, 267; die rechte, welche vorzüglich dem vater als haupt der familie zustehen, machen die väterliche gewalt aus. österr. bürgerl. gesetzbuch § 147, vgl.§ 178 (miszbrauch der väterlichen gewalt); vgl.§ 173. 177; alle die friedlichen segnungen aber, welche sein volk unter der christlich-ständischen monarchie zu erwarten hatte, sollten allein ausgehen von der weisheit der krone; denn wie ein patriarch des alten testaments verstand er seine würde, recht eigentlich als eine väterliche von gott selbst zur erziehung der völker eingesetzte gewalt erschien ihm das königthum. Treitschke deutsche geschichte 5, 11. III@1@b@h@22)) die natur dieser mütterlichen gewalt ergiebt sich aber aus dem fundamente, auf welchem nach deutschen begriffen, die elterliche gewalt ruht, von selbst. Danz deutsches privatrecht (nach dem system Rundes 1801) 7, 71; die gesetzlichen bestimmungen betreffs der rechte und der gewalt des vormunds gehören dem öffentlichen rechte an. entscheidungen des reichsgericht in civilsachen 11, 348. III@1@b@h@33)) es erzelt aber Joseph dem weib, was jr ampt were, und was sie jrem mann schuldig, unnd bat sie, das sie mehr daran wolt gedencken, dann an zergäncklichen wollust, .. so blibe sie auch rein in der ehepflicht jres manns, behielt den gewalt einer herrlichen frawen, und wurd jrer sünd halben nit geschendt werden. Hedio übers. des Josephus 23a (1553); kunst und alterthum erwarte sehnlichst und ist bei mir schon längst nachgefragt worden, da sie mir wohl zuweilen als einem verwahrer deiner schätze schmeicheln; was mir schlecht genug bekommt, wenn ich nicht wieder kriege was mir dann und wann mit frauengewalt abgelispelt wird. Zelter briefwechsel mit Göthe 5, 51; die sanftere gewalt der jungfrau. Stifter erzählungen 275, vgl. unten III, 2; meine göttin, deiner gegenwart blick überdrängt mich wie erstes jugendglück. die ich in seel' und sinn, himmlische gestalt, dich umfasse mit bräutigams gewalt. Göthe (künstlers erdenwallen) 13, 143; gewalt des ehemanns. registernotiz des badischen landrechts von 1809 für § 216 ff.; wenn eine minderjährige tochter sich verehelicht, so kommt sie zwar in rücksicht ihrer person unter die gewalt des mannes, in hinsicht auf das vermögen aber hat der vater bis zu ihrer groszjährigkeit die rechte und pflichten eines curators. österr. bürgerl. gesetzbuch § 175; damit vgl. die bedeutung von violentia in ein perlin ist, ein edel gstein, das alle frowen machet rein; wann si das selb verloren handt, so sindt si im schluraffen landt: das ist die scham, darum man ert der frowen zierd würd auch gemert. wann si das cleinot nimmer haben, so louffens mit den puren knaben. .. si wert sich vast des mans gewalt, als wann dem esel der sack entpfalt. Th. Murner narrenbeschwörung (26, 59) 92 neudruck; in der gewalt der kinder hingegen steht es, der natur der sache nach, nicht, das elterliche besizrecht auf irgend eine weise zu beschränken. Danz deutsches privatrecht (nach dem system Rundes 1801) 7, 90 anmerkung; aus grauenvollen winkeln führe nicht mir der gespenster dichte schaar heran, die meiner tochter liebliche gewalt mir zaubrisch oft und leicht hinweggebannt. Göthe (natürliche tochter 3, 4) 9, 325. [] III@1@b@thθ) typen für bestimmte lebensfunctionen. nomina agentis. III@1@b@th@11)) got der allmächtig hat mich erledigt aus dem gewalt meiner veint. Memminger vocabular von 1487, 3b; Christus hat uns macht gegeben zutretten uff schlangen, scorpion und alle gewalt des feindes, und kan uns kein gifft schaden. Erasmus Alberus vom basilisken zu Magdeburg D 2a; und wer sich denn stelt zu der wehr, der wurd ermordt und kam in gfehr seins leibs und lebens also bald, denn er war in der feind gewalt. Thym Thedet von Wallmoden 1754; so bleib nu, herr, mein aufenthalt, dasz ich fürhin von dem gewalt des feinds, wie biszher, frei mög bleiben. Weckherlin gedichte 2, 122 (psalm 32, 15); und kein gewalt des feinds, wie immer schwer, bezwinget uns des höchsten ehr und lehr als seiner hilff misztrawend zu vergessen. 2, 61; dises nuhn wahr ihm eine gewündschte gelägenheit, dadurch er nicht alein der gewalt seiner feind entrünnen ... sondern auch ihre tükke verlachchen ... konte. Zesen adriat. Ros. 120 neudruck; der feinde gewalt. Göthe (Reineke fuchs) 40, 24; seine larve fortwerfen und sie, Maria, von sich stoszen; ihr in der feinde gewalt kommen und flucht. O. Ludwig (studien 5, 402); wie nun von auszen her durch feindliche gewalt so manches herrliche gebäude mit seinem inhalt vernichtet war, so war auch innerlich vieles durch rohheit, frevel und muthwillen zu grunde gerichtet. Göthe (belagerung von Mainz) 30, 325. zum politischen begriff feindlich s. oben sp. 5009; zur bedeutungsverschiebung des adjectivs s. III, 2. III@1@b@th@22)) alsdann und darnach stett jn des sachers gewalt nimmer deszhalb zu einicher appellacion zugreiffen. Nürnberger reformation (1479) titel 10, gesetz 2. III@1@b@th@33)) ich, ich hab erkennet, ich was erkennen den gewalt des gebieters und die krafft der ritter on bluotvergiessen. Terenz (1499) 72b; auff gnad unnd ungnad aber auffgeben, ist, sich in desz überwinders gewalt, wie es derselbig mit jhnen schaffen wil, ergeben. Kirchhof militaris disciplina 47; und wo in der verzweiflung muth die mutter mit der eignen brut vom felshang springt in's todesbette, dasz vor der knechtschaft sie sich rette und der gewalt der rohen sieger. Bodenstedt Mirza Schaffy prolog. III@1@b@th@44)) viele hält man für reich und glückselig, viele verdecken mit grosser kunst zu diesen gar mühseligen geldmangelnden zeiten ihre unglückseligkeit, und seind weit unglückseliger als eben diese bettler, welche ihre armuth gantz nicht verbergen, sondern überall öffnen, und öffentlich profitiren, fuohret zu gemüth, wie viel und wie grosse praerogativen und gewalt der bettler seien, welche diese welt andern guten männern gantz nicht concediret. B. Schupp lehrreiche schriften (Frankfurt 1684) 579 (kunst reich zu werden). III@1@b@th@55)) sobald ein recht und eine gewalt des fluchenden anerkannt wird, das unheil, das die folge seines fluches sein soll, im detail festzusetzen, sobald dieses unheil in all seinem detail als ein unentfliehbares schicksal gefeiert und diese schicksalslehre einer ganzen tragödie als haupt- und grundgedanke untergelegt wird, haben wir nicht als eine verirrung des menschlichen geistes zu rügen. Fr. v. Uechtritz deutsche vierteljahrsschr. 1842 4, 85. III@1@cc) die beziehungen auf ein bestimmtes individuum (vgl. auch sp. 4927) nehmen einzelne casus in verbindung mit gewissen verbis in besonderem grade in anspruch, weshalb es sich empfiehlt die gliederung unter dem gesichtspunkt einer ergänzung zu II, 3, b vorzunehmen. dasz gewisse präpositionalverbindungen hier durch gemeinsame züge von der übrigen masse der belege sich abheben und deshalb in ihrem eigenen zusammenhang dargestellt werden (s. III, 3), ist schon oben bemerkt worden. III@1@c@aα) das substantiv ist subject: was sol ich mich mer eins pösen menschen müen ich halte auff erdrich würde nie pöser mensch geporn dez poszheit lang zeit auf het gehalten der gewalt des genanten ritters Muciatto die unrecht die er verpracht vor gericht wider arme leutt dem ritter ze liebe sein geschonet und im vertragen wurden. Ulmer decamerone 20 Keller; und wesz gewalt würt boszhafft sein, der leit gewaltig ewig pein. Schwartzenberg 134a; am Waldman wil ich heben an, wann er was gar ein cluoger man, .... nach unern begond er vechten, er wont sin gewalt der käm im wol, sin sachen stünden schlechte. Liliencron histor. volkslieder 2, 271 (Hans Waldmann 1489); [] wie helt sichs aber umb den narrn? er kan nicht mehr, dann grewlich scharrn. er wolt wol gern, und kan doch nicht, dann sein gewalt hat kein gewicht. Erasmus Alberus praecepta vitae ac morum 71b; das ist der danck, den ich umb den hoffertigen münch verdient hab, leszt mich keiner trew noch arbeit geniessen, woll an sein gwalt wirt auch ein end nemen. Cochläus ein heimlich gespräch 22 neudruck; mein sinn betriegen mich dann, so würt unglück nit weit von mir sein, also hefftig würdt mein gewalt durch dise sach bei Hercie jetzt eingetrungen, ich ersehe dann ettwas, das der alt nit erfahr. Valentin Boltz Terenzübers. 110a. III@1@c@bβ) das substantiv ist dem verbum unmittelbar untergeordnet. III@1@c@b@11)) im accusativ. III@1@c@b@1@aa)) hertzog Oebreht von Osterrich nam mit ime .. den hertzogen von Opulie dem der kunig von Behmen sinen gewalt hette gegeben an der walunge. Closener, d. städtechroniken 8, 58 u. a. vgl. III, 4; Nabuchodonosor up sine gewaldt vorleth, dat ohn got uth demm rike steit: do he tho last sin sünde erkandt, forde ohn got wedder inn sin landt. B. Waldis der verlorene sohn vers 1900 neudruck; vgl. auch oben I, 4 gewalt = vollmacht; begundten dj geschicht Ciceronis under dem volck schmehen, verfolgten jme seinen gewalt, und so er ausz dem rath gieng, macheten si aigene versammlung. Schwartzenberg deutsch Cicero (1535) 9a; dannenhero die klugen heiden das glükk eine königinn der welt und verstörerinn aller menschlichen rahtsläge und klugheit genennet, auch demselben, als einer göttinn, altare gesetzet, und opfere getahn haben, damit sie desselben ungunst und gewalt in etwas versöhnen .. möchten. Schottelius friedens sieg 9 neudruck; wann einem traumt, wie er trincke, und werde nit truncken, derselbe wird seine gewalt verdrucken unnd verbergen. traumbuch cap. 186 anhang zu Colerus hauszbuch (1656); ein mann von seinem ehrgeitze (Gregor der siebente) setzet die wahrheit nur alsdann mit aller macht durch, wenn er sein ansehn und seine gewalt mit ihr zugleich befestigen kann. Lessing (Berengarius Turonensis) 11, 154. III@1@c@b@1@bb)) herr doctor, da redet ir euern gewalt, sie ist mir noch nie zukommen noch gezeiget. Luther (gespräch mit Karlstadt) 2, 465a; vgl. auch seinen gewalt erzeigen s. III, 4. III@1@c@b@22)) im genetiv: dann als Crösus der reichst könig sich seiner reichthumb seiner macht und gewalts uberhaben, ... ward er deszhalben von gott durch Cyrum seines königreichs beraubt. Kirchhof wendunmuth a 3b vorrede; schaw lasz dir mein unglück ain ebenbild sein, übernimm dich nit deines gewalts, den du für andere dienerin hast. Schaidenreiszer 80b; unlangst darnach, enderte er (herzog Magnus der jünger) sich gantz und gar, erhub sich seiner gewalt, fieng unnötige kriege an. Bünting Braunschweiger chronik 242 (1620); und begab sich selber seins gewalts. Livius (1562) 41b. III@1@c@b@33)) im dativ: Cherea: ich heisz dich, ia ich zwing dich, und ich gebüt dir dz. Parmenio: nimmer wurd ich din obren gewalt entpflihen. gang mir nach. Terenz (1499) 47b; die von Augspurg und Ulm und etlich graven und edel kamen zuo ainander und ratschlagten, wie sie dem grosen gewalt hertzog Jergen wölten widerstand thon. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 50 (Augsburg). III@1@c@gγ) präpositionalverbindungen mit vorwalten des individuellen momentes, das der formelhaften erstarrung der wortgruppe widerstand leistet. vgl. dazu III, 3. III@1@c@g@11)) also wird frater Martinus, auff befelh seines vicarli und convents, ... unnd auff privilegien und gewalt herrn Maximiliani römischen keisers, und des stuls zu Rom, ... zum doctor der heiligen schrifft zu Wittenberg am tag Lucie promovirt. Mathesius Luther 24 u. a. vgl. die formel kraft meiner gewalt III, 3. III@1@c@g@22)) diser mensch (Wallensten) wäre glückseelig gewesen, wofern es nicht sein glück ... durch den unersättlichen ehrgeitz verschertzt, als welchen er sich zu viel einnehmen und überwinden lassen, worüber er dann von einem Gordon zu Eger erstochen, und von ihme neben seinen mitgesellen auff einem mistkarch (obgleich zuvor das kaiserl. gantze heer vor ihn wachte, und sich die reichs-fürsten vor seinem gewalt entsetzten, er auch den höchsten gewalt in kriegs- und friedenshandlungen [] hatte) durch die stadt geführt und aller welt zum spott gemachet worden. Grimmelshausen Simplic. (1713) 3, 163; wenn auch alle beide, Valerius und Horatius ausbleiben sollten, so versichert er doch, dasz Virginius Numitor und er, unter dem beistande der jungen mannschaft, welche ihn begleite, und deren tapferkeit schon bekannt sei, über die gewalt und den stolz des decemvirs lachen könnten. Lessing (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 112; wan er war in seim sinn verruocht, vorliesz sich auff sein gwalt und macht. Waldis streitgedichte gegen herzog Heinrich (neudrucke 49) s. 33. III@1@c@g@33)) ein wurcz (gegen den zauber) die nempt zuo euch in eüren gewald. Sigenot a 6a Schorbach; hat er anderst seine schwein wider in sein gewalt bringen wellen, hat er mit dem der schaden emphangen, wie auch mit dem ambtman, nach billichen dingen sich vergleichen müessen. freiheit, gerechtigkeit u. s. w. von Sölk (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 11 u. a. vgl. unter 3); also stuond B. offentlich im gericht, verzige sich der vogtei gegen den bestimpten D. und E. seins bruoders seligen kindern, und gabe die auff von seinen handen, zuo hande und gewalt des benannten herrn N. rhetorica und teutsch formular (Tübingen 1560) 76b. III@1@c@g@44)) als nun Sardanapolus dz ersahe, das er in Arbaces gewalt kummen muost, verbrannt er sich selbs. Th. Murner gäuchmatt 164 Uhl; hertzog Heinrich solte sich mit land und leuten, in hertzogen Moritzen gewalt ergeben. Bünting Braunschweiger chronik 318; sahen wir von fern, dasz ein troppen soldaten uns zueilten, da sagte ich, bruder, wir seind verlohren in desz Polyphemi gewalt seind wir schon gerathen, der keckheit müssen wir uns bedienen. Hörl v. Watterstorff Bacchusia 49; und er sah vermuthlich, dasz es, nachdem sie unter die gewalt und aufsicht des Agrippa gekommen war, nöthig sei, einen solchen karakter mit nachsicht zu behandeln. Wieland (ehenrettung der .. Julia) 24, 348. vgl. III, 3. III@1@dd) personificationen und abstracta als träger der gewalt drängen die parallele mit potestas zu gunsten der mit vis und violentia zurück; sie leisten den bedeutungen kraft, stärke, ungestüm, zwang vorschub, vgl. oben sp. 4968 ff. III@1@d@aα) welt, natur, naturerscheinungen als träger der gewalt. III@1@d@a@11)) die welt als zusammenfassender begriff wird in diese verbindungen vorwiegend durch den in religiösen vorstellungen wurzelnden gegensatz zwischen diesseits und jenseits hereingezogen: die welt ist wandelbar, und alles, was darinnen, ist eütel und vergeht, wer will sie lieb gewinnen? all ihre macht, gewalt, und stärck ist wie ein rohr. Rompler 214; u. a. vgl. sp. 5008. die aus diesem gegensatz entspringende staatsrechtliche theilung der gewalten ist an das adjectiv gebunden: geistliche, weltliche gewalt vgl. sp. 5011. allgemeiner und umfassender sind die begriffe die mit natur, erde u. a. gedeckt werden, doch knüpfen sich auch an diese in unserer verbindung vielfach bedeutungsverschiebungen: er wünschte, dasz die zerstörende gewalt der natur von neuem über ihn einbrechen möchte. H. v. Kleist (erdbeben in Chili) 4, 4; aber zwischen undurchdringlichen naturgewalten harrte ich in der streuschichte auf das niederbrechen meines daches. Rosegger erdsegen 278 u. a. vgl. theil 7 sp. 451. eine minderung erfährt der erste compositionstheil in verwendungen, wie den folgenden: was dem Italiker auffiel, war zunächst die naturgewalt des fremden volkes. Freytag (bilder) 17, 49; sie ging umher, grübelnd, ob das, was ihre gedanken zu dem fernen geliebten zwang, nur die geistige übereinstimmung ihres wesens oder nicht vielmehr jene berauschende naturgewalt sei, der sie keine berechtigung zugestehen wollte. Th. Storm (im schlosz) 1, 165; nun laszt auch niederwärts, durch erdgewalt herabgezogen was sich hoch geballt, in donnerwettern wüthend sich ergehn, heerschaaren gleich entrollen und verwehn! Göthe (Howards ehrengedächtnis, nimbus) 3, 106; sprache ist aber ein theil der naturkunde des geistes; und wenn auch die freiheit ... ihn der erdgewalt mächtig zu entziehen strebt, so wird die entfesselung doch nie ganz vollbracht. A. v. Humboldt kosmos 1, 384, vgl. theil 3 sp. 770; und sind die sprossen des holtzes fast alle, darausz der römische stuel gemacht ist, von jrrdischer gewalt, traumen, alter gewonheit, menschen satzungen. Mathesius leichenreden 59, vgl. überirdische gewalten sp. 4994; [] dann bricht der wilde sturm hervor, mit einem wüterischen grimm, und kehrt so gleich das zarte wesen, im säulenformgen luftkreis, üm. da stürzet die gewalt des himmels von oben auf die flache see, und treibet von dem dunklen boden die düstern fluhten in die höh. Brockes Thomsons jahreszeiten (der winter, vers 135) 447; da ergreifts ihm die seele mit himmelsgewalt, und es blitzt aus den augen ihm kühn, und er siehet erröthen die schöne gestalt, und sieht sie erbleichen und sinken hin. Schiller (taucher) 11, 226; vgl. theil 4, 2 sp. 1355; himmlische gewalten vgl. sp. 4994; die gewalt der näheren sonne weichte das duftende wachs, das der fittige spulen gefüget. Voss Ovids metam. 2, 66 (Dädalus); das ist euwer stund und der gewalt der finsternisz. Reiszner Jerusalem 1, 26b; so aber das (schwert) uszzogen wirt, unnd si anfahen etwas pallieren und wüschen, so erzeigt sich aller gewalt der finsternusz (das ist der weltweisen, der hochfertigen, gewaltigen, gittigen, unküschen, erdichten geistlichen, und der teufel selbs). Judas Nazarei vom alten und neuen gott 2 neudruck; komm' er (der teufel) dann als mächt'ger riese, stahl vom haupte bis zum fusz, mit der finsternisz gewalt von der hölle gluth umstrahlt; ich will lachen seinem wüthen und ihm kühn die stirne bieten. Grillparzer (ahnfrau 2) 2, 37; und tiefer fiel ich in der nacht gewalt, mein glauben all, mein hoffen und mein lieben, der treusten freunde tröstende gestalt, was mir zum trost in jeder nacht geblieben, mein gott, mein heiland, jeder funke lichts — gleich toter asche wollte mirs zerstieben. Gerok palmblätter 196; um rettung aus des todes nachtgewalt, um dieses lichts erquickenden genusz, um sicherheit des daseins, ruft zuerst, aus tiefer noth, ein halbverlorner noch. Göthe (natürliche tochter 4, 2) 9, 342; vgl. auch Z. Werner 24. februar prolog; vgl. theil 7 sp. 182. III@1@d@a@22)) und sie gehen alle drei wortlos durch die lebensmächtigen frühlingsgewalten, die alle gesunden kreaturen winter und tod vergessen machen. H. Böhlau der rangierbahnhof 318; und wie unsicher war ihm dabei noch immer die frucht seines fleiszes, in die gewalt der witterung und der jahrszeit gegeben. Schiller (erste menschengesellschaft) 9, 134; hier hinaus hörte man die ganze gewalt des wetters. Th. Storm (Hans und Heinz Kirch) 6, 75; das kind hatte, sein gesangbüchelchen unterm arme, die hände in die schürze gewickelt und schien sich vergebens anzustrengen, gegen die gewalt des wetters standzuhalten. Kügelgen jugenderinnerungen 24; steht ein kirchlein tief im wald, mit ergrauter mauer, das getrotzet der gewalt aller zeitenschauer. Roquette gedichte (1859) 57; ergab mich also dem gewalt und ungestümigkait der wind. Schaidenreiszer 41a; jedoch wird ihre zeit (ebbe und flut) zuweilen in etwas wegen der seestürme verrückt, wenn nehmlich der wind durch seine gewalt das wasser an seiner sonst ordinairen bewegung hindert. Döbel 4, 90a; so bin ich hier, gerettet aus des sturmes gewalt und aus der schlimmeren der menschen. Schiller (Tell 4, 1) 14, 376; wie von magischer laterne, schnaubt's heran mit sturmgewalt. Göthe 41, 42 (Faust 5519, variante geists gewalt); dem sechsten nach dem zehnten Ludwig galt der nächste ruf. der dulder schritt einher, ein schwaches rohr, geknickt von sturmgewalt. Chamisso werke 293 Walzel; ebenso 247; vgl. auch Schwegler jahrbuch der gegenwart (1847) 534; so erschallt nun gottes stimme, denn des volkes stimme sie erschallt, und entflammt von heil'gem grimme folgt des blitzes allgewalt. Göthe (Epimenides erwachen) 13, 307; am ende des hügels beschlieszt die aussicht ein anderer (thurm), von dem, als wäre er durch die gewalt des blitzes gespalten, nur zwei dünne, aber sehr hohe stücke in die luft emporragen. W. v. Humboldt (über das antike theater in Sagunt), d. litteraturdenkmale 58, 109; die blitz-gewalt der bonmots — deren elektrisch durchschlagende, und oft die pole umkehrende wirkung wenigstens für einen geistigen einflusz spricht. Jean Paul (friedenspredigt) 34, 41, vgl. theil 2 sp. 134; [] aufstöhnt er wie Pan, der den wanderer schreckt, grau'nvoll, dasz das echo, vom rufe geweckt, mit donnergewalt fernhin in den schlünden des Ida verhallt. Leuthold (Penthesilea) 316; aber warlich vil rechter theten si, wann si sagten, das si disen behilff des menschlichen lebens, wider des frosts gewalt, von gott .. empfangen hetten. Alpinus Vergilius (1544) 50b. III@1@d@a@33)) ihr alle seid geborgen in hütt' und felsenspalt, nur mich hat fortgeschwemmet des wolkenbruchs gewalt. Uhland 2, 156; der lawine gewalten sp. 4996; durch die bläst und wind, die diesen gewalt des wassers vor jm her treibt oder aber durch gegenwertigkeit des gewalts dis wasser selbst treiben. Thurneiszer von wassern (1572) 290; dann Nemroth, der sun Chan, des sun Noe, wie er sich, nach der sundtflusz, bemühet die menschen abwendig zuomachen, von der forchte gottes, die sich vor des wassers gewalt besorgtend. Alpinus Vergilius 5a; was durch die gewalt des vorbeifliessenden wassers an einem fremden grund unvermerkter weis nach und nach angeschüttet wird, das gehört auch zu selbigen grund, wenn solcher anders keine gewisse ausgezeigte gränzen hat, sondern der flusz selbst die scheidung macht. churbairisches landrecht von 1759, II, 3. cap. § 10; sehen wir den operationsplan des herzogs genau an, so geht deutlich hervor, dasz der herzog sich im grunde kein anderes bestimmtes ziel vorsteckte, als schnell vorzurücken, um der gewalt der überschwemmungen so vil land als möglich zu entreiszen. v. Clausewitz werke über krieg und kriegführung 10, 313; solche vermehrete sich je länger je mehr, also dasz wir auch die masst abhauen und das schiff dem willen und gewalt der wellen lassen musten. Grimmelshausen Simplic. 551 neudruck; man glaubt einem unglücklichen, den die gewalt der wellen an das ufer geworfen, wenn er uns die schrecken des schifbruchs erzählt. Lessing (misogyn) 1, 2 (später sturm und wellen 13, 5); nur noch die abendröthe überstreut sie (die wogenden wasser) mit goldnen lichtern, und die rauschende fluthgewalt drängt an's ufer die weiszen wellen. Heine buch der lieder 351 (litteraturdenkm.); die jugend wird immer tollkühner: sie will nicht mehr erkennen wie wir ganz in der geheimen gewalt des wüsten meeres sind, wenn wir uns seinen wellen mit so zerbrechlichen fahrzeugen preisgeben. Steffens (Walseth und Leith) bei Wackernagel 3, 2, 1304; er brachte ein segel unter dem schiffe an, welches eben so von dem wasser, wie die gewöhnlichen segel von dem winde angeschwellt werden und auf diese art das schiff mit der ganzen gewalt des stromes forttreiben könnte. Schiller (belagerung Antwerpens) 9, 165; fort reiszet sie des stroms gewalt. ein schrei fremdart'gen klanges entquillt der brust — dann treibt sie fort, ein raub des wogendranges. Robert Waldmüller edelweisz (1860) 35. III@1@d@a@44)) nach so lang trocknem wetter, bei einem unglücklichen wind war die gewalt des feuers unbändig. Göthe an Charlotte von Stein (26. juni 1780), briefe 4, 239; die gewalt des feuers auf den angrenzenden dächern war zu mächtig gewesen. Stifter bunte steine 201. III@1@d@a@55)) darumb er selbs (Chiron) bei dem Ovidio spricht. der kreütern gewalt ist underwürflich. Alpinus Vergilius 24a; gar under vil unachtpar stain leit hi der schön schmaragd allein. und fürt dich rose so wol gestalt, in scharpffer dorne stich gewalt. Schwartzenberg der teutsch Cicero (1535) 129a; aber im stillen gemach entwirft bedeutende zirkel sinnend der weise, beschleicht forschend den schaffenden geist, prüft der stoffe gewalt, der magnete hassen und lieben, folgt durch die lüfte dem klang, folgt durch den äther dem strahl. Schiller (spaziergang 140) 11, 88 (in der ersten fassung: der elemente gewalt). III@1@d@a@66)) sein pferd, von einer partisan durchstossen, bäumt sich wüthend, schleudert weit den reiter ab, und hoch weg über ihn geht die gewalt der rosse, keinem zügel mehr gehorchend. (Wallensteins tod 4, 10) 12, 353. III@1@d@bβ) menschliche organe, innere und äuszere thätigkeit als träger der gewalt. III@1@d@b@11)) gleich dem wadel an einem hund, der krumb ist; so lange du den in gewalt deiner hende hast, so bleibt er schlecht, so bald du im seinen gewalt leszt, so wird er [] wider krumb als vor. Pfore 43b. genau so jüngere glosse zum Reineke d. v. 150, vgl.gewalt und hand als synonyma sp. 4948; sein hoher gang, sein' edle gestalt, seines mundes lächeln, seiner augen gewalt. Göthe (Faust 1) 12, 178, unnd ist kein grösser gwalt auff erden, dann der mund oder wort gwalt. Sebastian Franck sprichw. 2, 30b; es ist kein grosser gwalt dann der wort gwalt, nicht bessers, dann wo er recht, nicht bösers, dann wo er falsch ist. ebenda; ich höre staunend die gewalt des mundes, der mir von je so unheilbringend war — wie werd' ich mich, ein ungelehrtes weib, mit so kunstfert'gem redner messen können! Schiller (Maria Stuart 1, 7) 12, 431; so sprach sie zornig und zeigt ihm ein ergrimmtes gesicht; sie fass't ihn am barte, da fühlt er ihrer zähne gewalt und lief und wolt ihr entweichen. Göthe (Reineke fuchs) 40, 42 (dat he dat völede under der swarde. Reinke de V. 1434; so dasz er es unter der schwarte schon fühlte Gottsched); zwar sind unsere seelen so zarte, dasz sie sich durch keine äusserliche gewalt zu etwas zwingen lassen. Kuhnau der musikalische quacksalber 50; bei ihm (dem Griechen) war der heroismus wie die verborgenen funken im kiesel, die ruhig schlafen, so lange keine äussere gewalt sie wecket, und dem steine weder seine klarheit noch seine kälte nehmen. Lessing (Laokoon) 8, 9; dan wat de babilonische hoer mit erer vorgiffter wiszheit, gefinzeder hillicheit nicht hefft konnen tho wege brengen, de Christen thom affvall tho trecken, dar tho hebben dan de fürsten der erden mit er gebolet unnde mit flesschliker gewalt se dar tho geholpen. Rotmann restitution 14 neudruck; und gebüret den bisschoffen als bisschoffen ... kein ander jurisdictio ausz göttlichen rechten und dem evangelio, denn sünde vergeben, die lehre so dem evangelio entgegen ist, verwerffen, und andere öffentliche sünde mit dem bann straafen, ohn leiblich gewalt, sondern mit dem wort. Melanchthon confess. August. (corp. doct. Christ. 16a); sie suchte mit körperlicher gewalt der bilder herr zu werden, die sich frech und meisterlos zu ihr heran drängten und nicht weichen wollten. Th. Storm (im schlosz) 1, 161; die weishait gottes grosse hat dich gar schon gformiert, dich sein gemacht genosse, mit tugent hoch geziert, vor aller sünd behalten, firkommen unnd gefreit ausz seiner krafft gewalte, des glauben jung und alte in cristenlicher zeit. Nic. Manuel bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1032; wenn ich sie recht verstehe und wenn das, was ich mir immer schon vorher beim chore dachte, mit ihren ideen übereinstimmt, so ist der chor dazu da, die gleichsam physische gewalt der empfindung des zuschauers, da wo sie eben zur bloszen theilnahme an den handelnden personen, als wirklichen wesen herabsinken will, auf einmal zu brechen. Humboldt an Schiller 1803 (briefwechsel 308); äusserungen des willens, wozu iemand durch physische gewalt genöthigt worden, haben keine verbindliche kraft. landrecht d. preusz. staaten (1832) 1, tit. 4 § 31; unmittelbar kann immer nur die physische gewalt wirken, da vor ihr allein die menschen, wie sie in der regel sind, respect haben. die machtlosigkeit blos moralischer gewalten, wie vernunft, recht, billigkeit, würde bei aufhebung alles physischen zwanges sofort augenfällig werden. Frauenstädt Schopenhauer-lexikon 1, 288; darum hat nie ein sieg eine gröszere moralische gewalt gehabt als dieser und was sich durch diese gewalt zugetragen hat .... ist so wenig auffallend ... dasz es für ein halbes wunder gelten müszte wenn die sachen anders gekommen wären. Clausewitz werke über krieg und kriegführung 8, 189; dann kam es, mit der stillen gewalt der menschenstimme. Th. Storm (ein stiller musikant) 4, 200; mit dem gröszten theile musz man zufrieden sein, wenn durch die gewalt der sinne ihr schweres und kaltes herz in diejenige bewegung gesetzt wird, die der dichter zur absicht hatte. Lessing (beiträge zur historie 1750) 4, 54; doch alle kraft der heldensöhne sinkt hin vor seines geists gewalt, und aller künste pracht und schöne erbleicht vor seiner kreuzgestalt. Gerok palmenblätter 81; [] nur voran mit glücksgewalt, der besitzer wird nicht alt. das entsetzen wie das grauen, das zerstören als ein bauen, nur voran mit geistsgewalt, wirbelt pauke, trommete schallt. Göthe (requiem dem fürsten v. Ligne), Cotta 1840, 6, 17, vgl. geistesgewalt sp. 2761; denn unmerklich, ohne rhetorische künste, mit der unscheinbaren gewalt eines reichen wissens und eines hellen verstandes, der allen ideen-stoff sofort in saft und blut verwandelte, fing er an das gespräch zu beherrschen. Heyse (der letzte centaur) 4, 256; sagt, darf ich ohne zittern mich der süssen gewalt des trunknen herzens überlassen? Schiller (braut 1, 3) 14, 27; ach, und über die berge hinweg, über erden und welten trieb ihn die kühne gewalt der wildbegeisterten seele. Körner (Eduard und Veronika) 1, 200. III@1@d@b@22)) liebenswerth ist nur das kleinleben und die packende gewalt deutscher natur ist auch bei den kleinen. Freytag (an Treitschke 14. september 1865) briefwechsel 64; die empfindung fügt zu der form des letzteren (des rhythmus) die gewalt des gefühls und folgt den leitenden ideen des gemüths. W. v. Humboldt (Latium und Hellas), d. litteraturdenkm. 58, 117ff.; Wiese hat .. eine tiefe der poesie, eine innigkeit und gewalt des gefühls entwickelt, die uns achtung vor seinem talent abgewinnt. blätter für litterarische unterhaltung (1841) 2, 682a; unter dem gebiet der thierheit begreife ich das ganze system derjenigen erscheinungen am menschen, die unter der blinden gewalt des naturtriebes stehen und ohne voraussetzung einer freiheit des willens vollkommen erklärbar sind. Schiller (über das pathetische) 10, 160; dadurch nehmlich, dasz alle blos der natur gehorchende theile, über welche der wille entweder gar niemals oder wenigstens unter gewissen umständen nicht disponiren kann, die gegenwart des leidens verrathen, diejenigen theile aber, welche der blinden gewalt des instinkts entzogen sind, und dem naturgesetz nicht nothwendig gehorchen, keine oder nur eine geringe spur dieses leidens zeigen, also in einem gewissen grad frei erscheinen. 159; blinde gewalt des affekts. 10, 108; dem menschen bring ich nur die that in rechnung, wozu ihn ruhig der charakter treibt; denn blinder miszverständnisse gewalt drängt oft den besten aus dem rechten gleise. (Wallensteins tod 2, 6) 12, 255; ihn ergreift in dem lebensgewühle nicht der leidenschaft wilde gewalt; nimmer in seinem stillen asyle sieht er der menschheit traurge gestalt. (braut von Messina 4, 7) 14, 117; es ist ihnen gelungen, in dieser gewagten rolle die gantze gewalt der leidenschaft auszudrücken und doch alles mit .. anmuth zu überkleiden. A. W. v. Schlegel an Therese Peche, Bonn 1827; in Shakespeares gestalten siegt nie die freiheit, die vernunft, auch nur vorübergehend; was in ihnen die gewalt hat, was an ihnen imponiert, ist die gewalt der leidenschaft, eben die gewalt, das übergewicht der niederen begehrungskraft über die höhere. O. Ludwig (studien) 5, 67; er durchbohrte den Geszler mit den augen und seine stimme erhob sich einen augenblick lang mit solcher gewalt der leidenschaft, dasz Geszler erblaszte und ein schrecken über den ganzen markt fuhr. G. Keller (der grüne Heinrich) 1, 372; und weil die wirkung der schmelzenden schönheit ist, das gemüth im moralischen wie im physischen aufzulösen, so begegnet es eben so leicht, dasz mit der gewalt der begierden auch die energie der gefühle erstickt wird. Schiller (über die ästhetische erziehung des menschen 16 brief) 10, 330; ebenso 10, 108; nur wo liebe und witz mit dem becher sie schleift, mag der schliff echter versdiamanten gelungen werden, dasz von der süszen gewalt ihrer blendenden glut alle fühlenden herzen in liebe umschlungen werden. Bodenstedt Mirza Schaffy vermischte lieder 22; zümb andern, wen der lieb pegir anzünt das haimlich leiden, der selbig flieh auofs weiczt von ir, thu all ursach vermeiden. ... so wirt der liebe gwalt gancz machtlos, lam und kalt. Hans Sachs (einäugege buhlschaft) fabeln und schwänke 3, 331 Götze und Drescher; so weisz ich wol dasz ewer keiner ist, er hat den gewalt der liebe empfunden. buch der liebe 243b; die wohnung meines herzens ist derogestalt von der gewalt einer ungestümigen [] liebe eingeschränkt, und meine sinnen durch annehmligkeit eines süssen giftes also bezaubert, das ich jhre anwesenheit nicht wahr genommen. Schottelius friedens sieg 24 neudruck; die liebe, deren gewalt die jugend empfindet, ziemt nicht dem alter. Göthe (verhältnis, neigung, liebe) 49, 17; und ob mein liebster zwar in heiszer liebsgewalt mich tausendmal geküst. Neukirch 1, 236; (aldieweil) mein herz für alzugrosser liebesgewalt zu tausend stükken gehen wil, flehe ich dich demütiglich. Schottelius friedens sieg 25 neudruck; liebesgewalt verzeiht sich gar bald, kein mädchen hat noch je das todesurteil über ihren räuber ausgesprochen. Maler Müller Golo und Genoveva 3, 9 (Kürschner bd. 81 s. 79); in der nacht, die mich umziehet, hat mein lenz verblühet. elend durch des grams gewalt klag ich mich alt. Kramer psalmen 1, 24; wie nu mein schwacher leib ohn schönheit und gestalt, also verdorren auch durch meiner quahl gewalt mein eingewaid, gedärm und lenden. Weckherlin gedichte 2, 125; da steht auch ein mensch und starrt in die höhe, und ringt die hände vor schmerzensgewalt. Heine buch d. lieder 198 litteraturdenkm. vgl. theil 9, 1042; nun rast' ich im land der verheiszung bald, wo mir seligkeit blüht, wo der schmerzen gewalt durchdringen mich soll, wenn die wonne zerstäubt, und zurück den trauernden treibt. Roquette gedichte (1859) 137. III@1@d@b@33)) ich leugne es nicht, oft ist er mir verdächtig; bald erscheint er mir als ein lügner, als ein betrieger; und gleich bin ich wieder durch die gewalt seiner gegenwart an ihn gebunden und wie an ketten gelegt. Göthe (grosz-cophta) 14, 153; es mag des waidwerks edle gewalt nicht das wild des waldes nur tödten, auch des herzens sorgen und nöthen erbleichen alsbald, wenn das jagdhorn schallt. Grillparzer (Melusina 1) 5, 267; am nächsten morgen freute sich der marschalk über das feuer, mit welchem er in den sattel sprang, und über die gewalt der stösze, welche er austheilte. G. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 91; des blickes gewalten sp. 4996; erprobe du jetzt die kraft des bluts, die gewalt der rührenden mutterbitte! meine worte hab ich umsonst verloren. Schiller (braut von Messina 4, 9) 14, 121; zu grosz ist ihre macht auf die gemüther und ihrer thränen weibliche gewalt. (Maria Stuart 1, 8) 12, 440; ich bin also überzeugt, dasz ihre drei sehnsuchten meinem miethpferde magische schlingen um die füsze legten, die es in den dornenweg entlängst der gartenhecke zogen, und dasz es dann vor der mystischen gewalt ihrer seufzer scheute. Immermann werke 1, 96; trage daher grosze sorge, es auszer die gewalt des gelächters selbst zu setzen, dir eins solcher kurzweiligen beiwörter zu geben! Campe Theophron (1783) 1, 279; es war des vaters ernste totenfeier, im volksgedräng verborgen wohnten wir ihr bei, du weiszt's in unbekannter kleidung, so hattest du's mit weisheit angeordnet, dasz unsers haders wild ausbrechende gewalt des festes würde nicht verletze. Schiller (braut von Messina 2, 5) 14, 70; dieser mit erhellender gewalt der rede brüllende sohn des donners. Schupp lehrreiche schriften (Frankfurt 1684) 609; auch das unwahrscheinlichste durch eine glückliche gruppirung, durch eine fein berechnete steigerung der vorfälle, vor allem durch die gewalt der rede wenigstens auf einen augenblick als möglich erscheinen zu lassen. Frenzel Berliner dramaturgie 1, 318; vgl.redegewalt theil 8 sp. 461; so grosz ist der kreis, in welchen dich der reichthum und die mannigfaltig keit deines stoffes hineinzieht — die grösze seines genies, ... die gewalt seiner beredsamkeit. Wieland Lucian 6, 141; gott will es! so rufen die ritter, entflammt von der predigt gewalt, dasz der schwur wie ein himmlisch gewitter die kirchengewölbe durchhallt. Gerok palmblätter 82; besonders die vestalin ist an hoheit des stils, an gewalt des tragischen pathos nicht wieder erreicht worden. Schack ein halbes jahrhundert 1, 107; die kraniche des Ibycus erlaubten eine ganz epische ausführung, was den stoff dem dichter innerlich werth machte, war die daraus hervorspringende idee der gewalt künstlerischer darstellung über die menschliche [] brust. W. v. Humboldt über Schiller (briefw. 10); und du vergehst nicht darüber sie so was fähig zu halten? den engel! wirf feuer auf'n altar, brenn kirch und kloster nieder — thust verzeihlichere sünde als in der gewalt so harter beschuldigung der reinsten unschuld. Maler Müller Fausts leben (litteraturdenkm. 39); sie (die moralisten) sind von besserm ton als wir. sie bändigen ihr herz durch die gewalt der schlüsse. Gellert (die beiden knaben) fabeln und erzählungen (1748) 2, 118; ja, ich habe mich durch Hattons arge list verleiten lassen, blosz meiner ehre wegen, und im glauben an meiner gründe siegende gewalt, ein ohr zu leihen jenen klagepunkten. Schiller (Maria Stuart 1, 7) 12, 430; nur die gewalt eines gedankens, eines noch ungelösten gelübdes hält die reisefertige seele noch in dem verfallenden hause zurück. O. Ludwig 4, 221. III@1@d@gγ) die erzeugnisse menschlicher thätigkeit als träger der gewalt. III@1@d@g@11)) potestas clavium, die gewalt der schlötel. Chyträus, vgl. die beispiele für objectiven genetiv sp. 5000; das einfach schöne soll der kenner schätzen; verziertes aber spricht der menge zu. — nun leihe mir der perlen sanftes licht, auch der juwelen leuchtende gewalt. Göthe (natürliche tochter) 9, 298; durch des Okeanos strom trug uns die wallende flut hin, erst mit rudergewalt, und drauf mit günstigem fahrwind. Voss Odyss. 11, 640 (1813; erst vom ruder getrieben 1781); das exempel des Orpheus, welcher durch die gewalt seiner saiten, Eurydicen von den unerbittlichen richtern .. erhalten. Lessing (von den trauerspielen des Seneca) 6, 177 u. a. vgl. oben sp. 4968; die gewalt reizender formen erzeigt sich in einer blüte der dichtkunst und stärke der prosa, wie sie nur aus der ungehemmtesten natur des volks hervorgehn konnten. J. Grimm (über schule, universität, akademie) kl. schriften 1, 231; nun scheu' ich oft des weins verborgene gewalt und den zu sichern schlaf, als einen hinterhalt. Hagedorn poet. werke (1770) 1, 73 (moral. gedichte); die gewalt dieses almanachs über das schöne geschlecht ist der stof dieses gedichtes. Lessing (das neueste aus dem reiche des witzes 1751) 4, 409; nun versteh' ich den Platon erst, ihr ionischen lieder, eure gewalt, und warum Hellas in fesseln jetzt liegt. H. v. Kleist (epigramme) 1, 33. III@1@d@g@22)) (es) wurd d. Luther verursacht, ... die erschrocknen obrigkeit zuvermanen, das sie solche schedliche brunst mit schwerts gewalt dempffen und teuben solte. Mathesius Luther 98 neudruck; es weren zwene wege verhanden, fried und einigkeit in der christenheit anzurichten, entweder das man mit schwerts gewalt die halsstarrigen straffete, oder das man sönliche und gütliche mittel und wege für die hand neme. 181; wie kriegsgefährte den schützen deckt mit dem schild, so sie der augen treffende pfeilgewalt. Göthe 40, 404 (Pandora 1. act); beschreibung, kurtze aber gründl., d. allergrausamsten u. erschröcklichsten verrätherei, welche d. 5. wintermonats 1605 v. d. Römisch-Catholischen wider d. grossmächtigen könig v. Grossbritannien durch gewalt d. büchsenpulvers angestellet. verdeutschet d. Wolfg. Mayer o. o. 1610; eben der 'Rheinische Mercur' war es nämlich, der mich in diesen letzten tagen so gewaltig aufregte. ich hatte ihn noch nie gelesen. nun erweckten die zeitverhältnisse einen trieb in mir, die versäumte bekanntschaft nachzuholen, und da trafen mich denn die beiden starken foliobände mit der intensiven gewalt eines kernschusses. Immermann memorabilien, Düsseldorfer anfänge (werke 20, 118); Budweisz ergab sich bei zeiten, und thät sehr weiszlich, Bragoditz aber erfuhr den gewalt der kaiserl. waffen, welche auch mit den halsstarrigen grausam umgiengen. Simplic. (1713) 2, 120; es ist nie gewisser, als dasz wir noch mit neuen wunden von gewalt der waffen, durch welche wir ein kleines zuvor verwundet worden, wiederumb durch verhängnüsz getroffen können werden. B. Schupp lehrreiche schriften (Frankfurt 1684) 605 (kunst reich zu werden); mit gewalt der waffen, by strength of arms. teutsch-englisches wb. 768 (1716); auch wirf uns nicht die gewalt der waffen vor, bei deren unterstützung Mahomet predigte. Lessing (rettung des Cardans) 5, 327; entscheidung des preuszischen kabinets durch die gewalt der waffen. Clausewitz werke 10, 281; sie hatten richtig berechnet, dasz neben einer revoluzion, wie die ihrige, [] die öffentliche ruhe und sicherheit in allen ländern auf dem spiele stand, dasz früher oder später die gewalt der waffen das schicksal dieser revoluzion entscheiden muszte. Gentz ursprung und character des krieges gegen die frz. revolution 40; dreierlei schreib ich dir auf: den namen des letzten regenten deines hauses, die jahreszahl, da er sein reich verlieren, und den namen dessen, der es durch die gewalt der waffen an sich reiszen wird. H. v. Kleist (Michael Kohlhaas) 4, 144; auch hier folgte er (Dionysius) dem grundsatze seiner politik, die gewalt der waffen nur dann zu gebrauchen, wenn ihm keine andere mittel zu gebot standen. Schlosser weltgeschichte (1843) 3, 319; wir beide, sagt er (Hecker), ihr und ich, sind aus der revolution hervorgegangen, wir sind die revolution selbst; unsere gemeinschaftliche aufgabe ist die gründung der nationalsouveränität. wir unterscheiden uns äussersten falls in der wahl der mittel; ihr operirt mit decreten, und ich mit der gewalt der waffen, oder — denn das lässt sich vollständig umkehren — mit den waffen der gewalt. berichte der Frankfurter nationalversammlung (2) 1488a; dient es nicht zur aufregung, wenn hier, da man von waffengewalt sprach, der gefährlichste aller grundsätze aufgestellt wird. (4) 2650b; nach vielfachem hader hatte dann 1720 der könig Frederik IV. die Gottorper mit waffengewalt vertrieben. Sybel begründung 3, 12. III@1@d@dδ) collectivbegriffe und abstractionen. III@1@d@d@11)) doch wie nichts in der welt so fest und beständig ist, das nicht entweder durch die gewalt der zeit, oder durch die bosheit der menschen verfallen sollte, so konnten auch diese ablaszverkündigungen nicht davon ausgenommen bleiben. Lessing (rettung des Cochläus) 5, 358; wir Deutsche würden noch ruhig wie die Amerikaner, in unsern wäldern leben, oder vielmehr noch in ihnen rauh kriegen und helden sein, wenn die kette fremder kultur nicht so nah an uns gedrängt, und mit der gewalt ganzer jahrhunderte uns genöthigt hätte, mit einzugreifen. Herder werke 5, 142 (über den ursprung der sprache); ach! was in tiefer brust uns da entsprungen, was sich die lippe schüchtern vorgelallt, miszrathen jetzt, und jetzt vielleicht gelungen, verschlingt des wilden augenblicks gewalt. Göthe (Faust 70) 12, 11. III@1@d@d@22)) ja sie, die protestirende gebrauchen sich auch dessen, und sagen man solle nur hinder sich in die historien sehen, so werde sich bald befinden, dasz in der kirchen christi jederzeit grosse kriege gewesen, und dasz sonderlich der bapst auch lang vor Lutheri und Calvini zeiten sich befliessen, die auffrichtigsten frömbste keiser zu verfolgen, zu unterdrucken, und die gewalt und das ansehen desz reichthumbs und Teutschen freiheit und vermögen, an sich zu ziehen. auszführlicher discurs und bedenken eines teutschen katholischen patrioten (1616) bei Londorp 1, 257a; wer einen gefangenen aus der gefangenanstalt oder aus der gewalt der bewaffneten macht, des beamten oder desjenigen, unter dessen beaufsichtigung, begleitung oder bewachung er sich befindet vorsätzlich befreit ... wird mit gefängnisz bis zu drei jahren bestraft. strafgesetzbuch f. d. norddeutschen bund (1870) § 120. III@1@d@d@33)) es sei keine kriegsgewalt, keine feindsnoht, keine pest oder sterbensläuffe, kein fewr, keine plünderung, die dem gemeinen nutzen und dem volck gottes mehr schade, als die viele veränderungen und verringerungen der müntzen. Zincgref apophthegmata (1653) 1, 322; die weil dann nun der kriegs-gewalt sich nicht an die gerechtigkeit binden läszt, so weit, dasz man ungestrafft rauben, und sich zueignen mag, was man ... ablangen und erschnappen kan; so will ich ... Grimmelshausen Simpliciss. (1713) 3, 152; (er) schilderte den glanz, der durch eine verhandlung mit demselben, als einer rechtlichen kriegsgewalt, auf sein gottverdammtes haupt falle. H. v. Kleist (Michael Kohlhaas) 4, 102 u. a. vgl. theil 5 sp. 2272. III@1@d@d@44)) wenn die wolken gethürmt den himmel schwärzen, wenn dumpftosend der donner hallt, da fühlen sich alle herzen in des furchtbaren schicksals gewalt. Schiller (braut 4, 4) 14, 106; rat und das guot kan man miteinander nit verlieren, dann der rat ist ein guot des gemütes das guot ist in gewalt des glücks. Terenz (1499), bemerkung des übersetzers 43b; sintemal nuhn keine gewalt, reichthumb und herrliches leben des wandelbaren glücks in dieser welt gesichert, und da mancher immerdar auch in höchststehender freuwde sein anhangend nachtheil und trawrigkeit erfahren muss. Kirchhof wendunmuth (2, 22) 2, 38 Österley; das ist gewalt desz glücks, von dem [] man auch recht unnd warlich sagt, dasz es den kühnen und kecken beistand thu, die sich etwas underwinden dörffen. Bebel facetien 162b (Frankfurt a. M. 1589); des glücks gewalt wie mondsgestalt sich ändern thut, drum hab's in hut. Petri (der Teutschen weisheit 1601) vgl. Hoffmann spenden 1, 15; dieser (arzt) ... that, was er konnte, aber die gewalt des übels war zu heftig und in kaum 36 stunden lebte er nicht mehr. Humboldt an Schiller 1803 (briefw. 302). III@1@d@d@55)) die sitte aber in ihrer wesentlich erziehenden gewalt wird immer vorzüglich nur in der familie und deren geselligen beziehungen wirksam sein können. Eichendorf vermischte schriften 3, 230 (der deutsche roman); sie (die wölfe) schiessen auf den hals der mutter, mit räubrischer geschwindigkeit. ... auch die fast göttliche gewalt der schönheit, deren glanz die leuen, darob erstarret, selber scheuen, ist ein ununterschiedner raub, zerfleischet und befleckt mit blut. Brockes Thomsons jahreszeiten: der winter, vers 398; die magische gewalt der harmonie, der besten arznei für eine zerrüttete phantasie, heile dein izt untüchtiges gehirn. Wieland Shakespeare 2, 432 (sturm 5, 3); mein guter vater .. er trauert ... wähnt mich in der verführung stricken, und zittert vor des lasters gewalt. Kotzebue almanach dramat. spiele (das liebe dörfchen) 5, 46; doch hatt' er nur angefangen über sie durch die gewalt der siegenden wahrheit zu herrschen. Klopstock Messias 14, 656; ein groszer antheil an der kirchenrevolution gebührt unstreitig der siegenden gewalt der wahrheit, oder dessen, was mit wahrheit verwechselt wurde. Schiller (dreiszigjähriger krieg 1) 8, 5; gewalt der wahrheit. Hilpert 1, 462. III@1@d@d@66)) Schröders vorhaben kam mir nicht ganz unerwartet, und berührte mich dennoch mit aller gewalt der überraschung. F. L. W. Meyer F. L. Schröder 2, 218; ach gott! es ist die allmächtig auferstehung Christi ja zu vielmal ein gröszerer trotz, denn dasz er sich sollt lassen scheuen und feig machen durch ihren augenblicklichen gewalt der strohern und papirern tyrannei. Luther (an Hartmut von Cronberg 1522) briefe 2, 164 de Wette; o du gewalt der schmeichelei, wie weit erstreckst du dich. Tieck don Quixote 2, 161; plötzlich erwarmt der plage gewalt, und gelöst von den flammen gehet sie weit umher durch Herkules glieder verbreitet. Vosz Ovids verwandlungen buch 9 vers 161; im marschall von Sachsen (von H. Zschokke 1804) glüht es von jenem ingrimm gegen die kolossalen misstände, die die gesellschaft dem idealen herzen entgegenbringt, und gegen die gewalt der meinung, des vorurtheils und der falschen ehre. Gervinus litteraturgeschichte 5, 674; hier stürzten die Bojaren mir zu füssen, besiegt von dieser zeugnisse gewalt, und grüszten mich als ihres czaren sohn. Schiller (Demetrius) 15, 2, 446; vgl.so vieler zeugnisse vereinte kraft 448; vgl. die gewalt der beispiele. Voigtel versuch eines hochd. handwb. 2, 79. ebenso Hilpert 1, 462. III@1@d@d@77)) wir glauben also dasz die Franzosen ... früh oder spät hätten der gewalt der umstände nachgeben und ihren rückzug antreten müssen. auch ohne durch eine schlacht dazu gezwungen zu sein. C. v. Clausewitz d. feldzug v. 1796 s. 347; wenn das vaterland sich wahrhaft in gefahr befindet, wenn es die rettung des staates aus drohendem verderben gilt, dann sind auch auszerordentliche maszregeln an ihrem platze. und es scheint zu wünschen, dasz sich diese dann nicht blosz durch die gewalt der thatsachen raum verschaffen, sondern dasz auch für solche fälle die verfassung selbst vorsorge getroffen hat. berichte der Frankfurter nationalversammlung (7) 4958b. III@22) die verbindung mit adjectiven führt seltener zur composition. eine gruppe der adjectivverbindungen haben wir schon im vorhergehenden gestreift, da die kennzeichnung des jeweiligen trägers der gewalt neben substantiven im genetiv auch pronomina und adjectiva in anspruch nimmt. wenn diese gruppe von adjectiven wesentlich auf die verengerung des bedeutungsumfangs unseres substantivs zielt, so leitet sie doch zugleich auch auf andere functionen des adjectivs über, die beachtung fordern, so die [] hervorhebung eines im bedeutungsgehalte des substantivs ruhenden einzelnen zuges. freilich tritt in verbindungen wie göttliche, himmlische, königliche gewalt der ursprüngliche hinweis auf einen träger des substantivbegriffes nie so weit zurück als etwa in verbindungen wie: eine göttliche luft! himmlisches behagen, ein königliches geschenk! ansätze dagegen liegen in verwandten bildungen vor: darümb ich seit der zeit, stethiche anfechtung gehabt, das mein, und ander unschuldige töchter, unter solchen der münchen ungöttlichem tirannischem gewalt sein söllen. Schwartzenberg sendbrief 2 (Nürnberg 1524); wie es denn nicht mehr als billig und wohlständig, dasz würde und weisheit in dem reiche beisammen wohnen, und dieser eine rechtmäszige von wilder tyrannischer gewalt unterscheiden hilft. Butschky bei Hoffmann spenden 1, 111; der gesambte hohe magistrat, so sich in dem berühmtesten tempel Sophiae verschlossen, wurden durch tyrannischen gewalt vor dem von wein (so doch wider sein gesatz) berauschten Mahomet geschlept. Abr. a S. Clara auff, auff ihr christen (Wiener neudrucke 1, 45); die feindliche gewalt hat meinen stand dem seinigen gleich gemacht. Lessing (Plautus, captivi 2, 2) 4, 97; vgl. sp. 5019. andere ähnliche verbindungen leiten zu den ausdrucksmitteln über, die die abstufungen der energie und das masz der betheiligung andeuten, das dem bedeutungsgehalt des substantivs im einzelnen falle zugebilligt wird: wer stürmt mit übermenschlicher gewalt das herz der Anna, und vermag das fleckchen nicht zu erobern? Grabbe (don Juan und Faust) 2, 113. diese letzt erwähnte gruppe (vgl. die verbindungen mit grosz, hoch, voll, ganz) nimmt gerade bei unserem substantiv breiten raum ein, sie ist nicht auf die function der steigerung beschränkt, sondern greift mit vielfachen bedeutungsverschiebungen in die gruppe der bedeutungsverengernden adjectiva (vgl.höhere gewalt, höchste, oberste gewalt neben irdische gewalt, menschliche gewalt, staatliche, bürgerliche gewalt) über, wie sie andererseits auch den attributen sich annähert, die unter dem druck gesteigerter empfindung einen einzelnen zug am substantiv hervorheben wie freie, unendliche, hohe gewalt u. a. III@2@aa) adjectiva, die den bedeutungsumfang des substantivs durch eine abgrenzende bestimmung einengen. III@2@a@aα) verbindungen, die die parallele mit potestas berühren. III@2@a@a@11)) abgrenzung nach den abstufungen des geltungsbereiches, vgl. oben sp. 5013. III@2@a@a@1@aa)) die competenz bei der bestrafung des vergehens gegen die öffentliche gewalt betr. verfügung d. bad. hofgerichts, Mannheim 1832 bei Wehrer 5, 1424 u. a. vgl. auch 5, 1328; es stürmten zwei männer in waffen so aufgeregt herein, dasz die spieler zusammen fuhren und meinten, die öffentliche gewalt breche wieder über sie los. G. Keller Züricher novellen 402. im gegensatze hierzu wird offen und offenbar nur mit dem im sinne von violentia gebrauchten substantiv verbunden: und wirdt die gewaltig handthat vis publica, das ist, ein offner gwalt, und die einnemung, so die on waffen geschicht vis privata genant. statutenbuch (Frankfurt 1558) 103b; sie würden alsdenn mit offenbaarer gewalt, brauchbaare, verheurathete, angesessene leute mit wegnehmen, man würde den unterthan vor prellereien und bevortheilungen nicht schützen können. Göthe an herzog Carl August, januar 1779, briefe 4, 9. III@2@a@a@1@bb)) aber es kann doch nur dann etwas aus der sache werden, wenn ordnung und gesetz fortbestehen und wenn sich irgend eine centrale gewalt erhält. Moltke ges. schriften 6, 159. III@2@a@a@1@cc)) wellicher inhaber iemant in seinem garten oder andern güetern in schaden betrit, der mag dieselben perschannen aigens gwalts fengklichen annemen und der obrigkait uberantworten. ehehaft taiding von Kufstein, österr. weisth. 2, 22 u. a. vgl. oben sp. 4960; das er solichs also frevelich mit eigener gewalt getan habe, so solle er unsern hern darumb einen wandel schuldig sin. (Kreuznach 1444) der Ingelheimer oberhof 195 Lörsch; ein ieder so vil davon helt, das man auff guot und zeitlich ehr ietz trotzt und pocht so wunder sehr, auff eigne gwalt, sterck, weiszheit, krafft ... Burkhard Waldis streitgedichte 29 neudruck u. a. vgl. oben sp. 4998; durch hanldungen unerlaubter privatgewalt kann der besitz einer sache niemals erlangt werden. allgemeines landrecht der preusz. staaten 1, titul. 7 § 96; doch darf auch ein solcher besitzer einer unerlaubten privatgewalt, wodurch die öffentliche ruhe und sicherheit gestört, oder der inhaber in seinen [] anderweitigen gerechtsamen beeinträchtigt wird, sich nicht bedienen. § 145. III@2@a@a@1@dd)) von keiner frembden noch auszländischen personen sollen sie generale mandatum, oder gemeinen gewalt zu allen sachen, darinn an unserm stattgericht zu procuriren, annemmen. Frankfurter reformation (1578) 1, 5 § 13. u. a. vgl. oben sp. 4963; hie ist, im namen meiner gebietenden herren, ein general-gewalt und special-vollmacht. Abele künstl. unordnung 2, 57. ebenso 83; prärogative, sonderlich gewalt und macht, die einer vom andern hat. Erasmus Alberus i 4b; es soll auch ein gemeiner gewalt, auff die fälle, darinn die recht speciale mandatum, das ist, einen besondern gewalt erfordern, nicht gezogen werden. Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 7; es solle auch ein solcher raht alsdann sich anderer sachen, die seinen herrn nicht concerniren, anzunehmen, und in einige neben-advocatur oder sollicitatur einzulassen nicht befugt sein, es wäre dann sach, dasz auff einen specialgewalt eines andern churfürsten oder stands sein principal solches gutwillig zulassen ... wolte. reichs-hof-rahts-ordnung (Regenspurg 1654) bei Londorp 1, 218a. III@2@a@a@22)) abgrenzung nach dem verhältnis zu andern machtfactoren. III@2@a@a@2@aa)) circumscriptum imperium: vurgeschreven gewalt, wenn einem vorgeschreven in wie weit sick sine gewalt strecket. Chytraeus 160; delegatio, gegebene gewalt. Aler 933b; Mathias ist des hauses ältester: thut noth denn übertragene gewalt, wie es fast scheint, so sei sie ihm vertraut. Grillparzer (ein bruderzwist 2) 7, 61. III@2@a@a@2@bb)) auch haben ire könig nit aller ding freien gewalt und macht, dasz sie thuon möchten was sie wolten. Micyllus Tacitus (1535) 440a (Germania); vgl. auch frei neben gewalt in der bedeutung von vis, violentia (sp. 5034). in der gleichen verbindung ist dort auch unendlich zu belegen, während grenzenlos sich neben gewalt, potestas findet: ein von liebe brennender fürst zu ihren füszen, ungeduldig eine grenzenlose gewalt um die kleinste ihrer gunstbezeugungen hinzugeben. Wieland (Agathon 12, 5) 3, 94, vgl. auch unbeschränkt sp. 5035; ob nun aber solliche gleich wie ander Türcken schon mehr weiber haben, unnd die auch in ihrem stand einander ungleich seind, habens doch inn der hauszhaltung gleichen gewalt. Rauwolf 87; der begriff monarchie kommt doch immer darauf wesentlich hinaus, dasz der monarch eine selbstständige gewalt im staate sein solle. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4990a. III@2@a@a@2@cc)) war auch domals die erst zwitracht zwischen rat und g'main, demnach ward ein neuer gewalt zue Rom aufgericht, man tet allen andern gewalt und empter ab. Aventin (bairische chronik) 4, 287; die wiederholten auftritte strenger und fertiger justiz unterhielten das schrecken der souverainen gewalt. Schiller (abfall der Niederlande 1) 7, 56; erstieg die monarchische gewalt die äusserste höhe des despotismus. 7, 49; eine einzige gewalt im staate, wenn sie allmächtig ist, komme sie nun von unten oder von oben, führt zu dem schrankenlosesten despotismus. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4992a; vgl.höchste, oberste gewalt sp. 5037. 38; o stille! einsame gewalt! es ist die thür in deiner macht. besorge du und nimm in acht, dasz ja, in den geweihten stunden, kein anderer herein sich dringe, als Lycidas, mein wehrter freund. Brockes Thomsons jahreszeiten: der winter, vers 485 (silence, thou lonely power). III@2@a@a@33)) abgrenzung nach dem wirkungskreise. III@2@a@a@3@aa)) denn der erhaltungstrieb ringt ohne unterlasz nach der gesetzgebenden gewalt im gebiete des willens, und sein bestreben ist, eben so ungebunden über den menschen wie über das thier zu schalten. Schiller (über anmuth und würde) 10, 111; die gesetzgebende gewalt, the legislative power or body. Hilpert 1, 462c, vgl. Campe 357; eine änderung der regierungsform und der verfassung eines einzelstaates kann zu jeder zeit durch dessen gesetzgebende gewalt ... vorgenommen werden. berichte d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4959a. vgl. sp. 4992. III@2@a@a@3@bb)) der königliche titel mit seinem zugehör ist alles was wir uns ausbedingen; die regierung, die vollziehende gewalt, und die einkünfte, geliebte söhne, sollen euer sein. Wieland Shakespeare 1, 137 (könig Lear 1, 2); die gesetzgebende vollziehende gewalt, the legislative, executive power. Hilpert 1, 462c; es kann keinem zweifel unterliegen, dasz sowohl die majorität des ausschusses als alle anderen anträge, so vielfach [] sie gestellt sind, nur die vollziehungsgewalt im auge hatten. berichte der Frankfurter nationalversammlung (24. juni 1848). III@2@a@a@3@cc)) und (Innocentius der dritte) trennte auf eine unnatürliche weise die geistliche aufsicht und unterweisung von der strafenden gewalt. Schiller (abfall der Niederlande 1) 7, 68. III@2@a@a@44)) attribute bei der engeren verwendung im sinne von vollmacht: desswegen macht euch auff gar baldt, dess habt ihr briefflichen gewaldt. Endinger judenspiel 71 neudruck: item ein verschriben gewalt von dem von Heiden nemen. d. städtechron. 2, 293 anm. 3; sie waren auch allein gesetzt über etlich sach und hetten ein bestimpten auszgedruckten gewalt. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 77 (Nürnberg); es zoge der abt den bewissnen gewalt hoch an, so wolten die grafen der sachen befuegt sein und nit unrecht haben. Zimmersche chronik 2, 518; gestalt auch die agenten und procuratores zu jedweder gerichtlichen sachen, nachdeme die mandata oder processus appellationis reproducirt werden, in primo termino stets ihre mandata procuratoria hinfüro originaliter neben einer collationirten abschrifft, damit solche dem gegentheil communicirt werden möge, zu übergeben, es wäre dann sache, dasz der original-gewalt schon zuvor ad omnes causas wäre producirt worden. reichs-hofs-rahtsordnung (1654) bei Londorp 1, 210b; vgl. auch unter voll, genugsam u. a. sp. 5033 ff. III@2@a@a@55)) participia als attribute lassen den weitesten spielraum der gliederung zu: wo lieb und wirde sein verkaufft, heimlicher neid mit under laufft, und ist allweg die freundtschafft thewr, auch gleich die wird eim strörn feuwr, wie schön das brennt, doch bald verluscht, also erkauffte gewalt sich tuscht. Kirchhof wendunmuth 370a; ein gewalt durch bitte erlangt, praecarium imperium. Dasypodius 340b; der könig von dem jetzt die rede ist, war der erste in der welt, und das volk, das sich ihm unterwarf, eine gesellschaft freigebohrner menschen, die noch keine gewalt über sich gesehen hatten. eine schon ehmals geduldete gewalt lässt sich sehr gut auf diesem ruhigen weg wieder herstellen, aber auf diesem ruhigen weg läszt sich eine ganz neue und unbekannte nicht einsetzen. Schiller (erste menschengesellschaft) 9, 143; vgl. constituirte gewalten sp. 4992; bestehende gewalten. ebenda. III@2@a@bβ) verbindungen, die die parallele mit vis, violentia berühren, fallen nur spärlich in unseren zusammenhang. sie gehören meist der kunstform des poetischen stils an und wenden sich der function zu, einen einzelnen im bedeutungsgehalt des substantivs ruhenden zug mit nachdruck hervorzuheben. dies zeigt schon die zusammenstellung der beiwörter in älteren handbüchern an, vgl.: die reissende. bebende. stürmische. heimliche. unbezwingliche. gehemmte. stille. bezwungene. entflohene. drohende. starcke. nichtige. schwache. verlachte. J. G. Hamann poetisches lex. 471. im folgenden werden einige adjectivverbindungen aufgeführt, denen die function der bedeutungsverengerung zuerkannt werden kann; bei einigen von diesen ist es freilich strittig, ob sie nicht besser in der dritten gruppe einzureihen wären. III@2@a@b@11)) offene, offenbare gewalt vgl. sp. 5030; so ist doch gäntzlich dafür zuhalten, das nichts schmertzlicher und kümmerhafftiger sein kan, als wenn zwene in wahrer treu und inbrünstiger liebe verbundene hertzen ... durch die letzte gewalt von einander gerissen und getrennet werden. Prätorius hundert auserlesene abdanckungen (1663) 376; wollen wir jetzt wieder eine öffentliche sitzung halten, so wäre diesz eine herausforderung zu neuer gewalt. berichte der Frankfurter nationalversammlung (9) 6879a. III@2@a@b@22)) den raum des öden ortes erfüllt verschiedener zeug; den regende gewalt erlieset, trennet, mischt und sammlet in gestalt. Haller gedichte (1734) 120; indesz dasz der wollustgewohnte geist ... in unsichtbare winde eingekerkert mit rastloser gewalt rund um die schwebende welt getrieben wird. Wieland Shakespeare 2, 226; der sprudel quillt in einem hölzernen kasten, der unmittelbar auf den risz der decke aufgesetzt ist, gewaltsam herauf und läuft in einer rinne ab, so dasz die becher untergehalten werden. es ist ein groszer anblick, diese ungeheure siedende gewalt zu sehen, die man sonst sehr philisterhaft gezwungen hatte, männerchen zu machen. Göthe an herzog Carl August 24. mai 1817 (briefe 21, 311); [] den schmuck der zweige habt ihr abgehauen, da steh' ich, ein entlaubter stamm! doch innen im marke lebt die schaffende gewalt, die sprossend eine welt aus sich gebohren. Schiller (Wallensteins tod 3, 13) 12, 294; Berlin hat die feinste luft von der welt ... nebel ist ganz egal, nebel ist was äuszerliches und alles äusserliche bedeutet nichts. innen steckt es, innen lebt die schaffende gewalt, immer frisch, froh und frei. Fontane die Poggenpuhls 30; vgl. wirkende gewalten sp. 4993; zum fallstrick ward ihm seine grösz' und macht und diese dunkelschwankende gewalt. Schiller (Wallensteins tod 4, 2) 12, 327. III@2@a@b@33)) desgleichen sich ein schrecklich schlang ums löwen füsz gewunden, die wol der ganzen welt macht bang, der löw hats hie empfunden. sie stach mit scharf vergiftem gwalt demselben in die seiten, das möcht den löwen, jung und alt, das herz im leib zerschneiden. Opel und Cohn lieder auf den dreiszigjährigen krieg 98. III@2@bb) adjectiva, die den grad der energie und das masz der betheiligung des substantivs kennzeichnen und von hier aus zur bedeutungsverengerung oder zur hervorhebung eines einzelnen zuges führen. III@2@b@aα) die adjectiva voll, frei, genügend, ganz, all. III@2@b@a@11)) voll und frei. III@2@b@a@1@aa)) die grundbedeutung von voll geht bei der privatrechtlichen verwendung des substantivs in der enge der verbindung allmählich ganz verloren: und warent disz botten erber und gelert lüt, gaistlich und weltlich, cristan oder nit, und hettend all und jeglich vollen und guoten gewalt von irn herren mit briefen und och insigeln. Ulrich v. Richental chronik des Constanzer concils 52; die urtail: es hab ain brobst als volligen und starken gewalt ze richten, ze stiften, als der von Admund selbs da sezz und wer. stiftrecht zu Gasthof (15. jh.), österr. weisth. 6, 1; auf unser frawentag ze liechtmesz do sant kaiser Karl sein treffenlich rat geen Gmund mit vollem gewalt und liesz den reichstetten verkunden und hett ain grosz vordrung an sie. B. Zink, d. städtechroniken 5, 7 (Augsburg); ebenso 5, 9. 82 u. a. vgl. oben sp. 4961. vgl. unser heutiges vollmacht. um so lebhafter hält sich die grundbedeutung neben dem substantiv, wenn dieses in der bedeutung von vis oder violentia erscheint: soll der mülpach mit vollem gewalt gen. österr. weisth. 5, 32, vgl. oben sp. 4967 ff. auch neben potestas in staatsrechtlicher verwendung hält das adjectiv eher an der intensiven bedeutung fest: kunt sei getan allen den, die disen offen brief ansehent, hörent oder lesend, daz ich Fridrich der Smieher, die zeit meins gnädigen herren herzog Fridrichs, herzogen ze Österreich etc., lantrichter zu Stainach an dem gemainen lantrechten saz mit vollem gwalt an des egenanten gnaidigen herren stat. Trins 1411, österr. weisth. 2, 292; zu diser zeit huhb sich der ein-häubtige stand ihrer beherschung an, und hatten di herzoge, nach aussage des Janots ... die folle gewalt bis auf den Sebastiahn Zianus. Zesen adr. Rosam. 177 neudruck; voller gewalt, imperium absolutum, infinitum. Aler (Köln 1727) 933b; also im legalen besitz der vollgewalt ging Pompeius an das werk und schritt nachdrücklich vor gegen die in den clubs und den geschwornengerichten mächtige opposition. Mommsen römische gesch. 3, 307. III@2@b@a@1@bb)) die verschiedenen ableitungen, die von unserem adjectiv ausgehen, und die zusammensetzungen mit voll nehmen meist an der verengerten bedeutung theil. III@2@b@a@1@b@aα)) er sei von seinem bösz geführten leben abgestanden, habe steiffen fürsatz sich zu bessern, und alles entfrembdes durch wucher erobertes geldt unter die armen auszzuthailen, habe dessentwegen ihm bereit völligen gewalt erthailt. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 262; in jure quoque est mandatum, sicuti volle, sive völlige gewalt, plenipotentia. Stieler 2426. dagegen vgl.: völlige gewalt haben, in grosser gewalt sein, in magna potentia esse. Aler 933b. III@2@b@a@1@b@bβ)) daselben (nach Augsburg) hinzekomen, hat er sein landschafft aus 12 fürstenthumen durch ir botschafft mit volkomnem gewalt (zekomen) erfodert. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 172 (Augsburg); so hab ich in der aller besten formm, als es nach ordnung der recht, auch nach gewonheit eins ieden, und besonder des bemelten N. gerichts am maisten krafft und macht haben sol und mög, wissentlich hiemit und in krafft des brieffs meinen volkommen gewalt und macht gegeben und bevolhen ... Tengler laienspiegel [] (1527) 9a. dagegen vgl.: o lieber herr doctor, ich versehe mich, ihr habt sölchen volkummenen gewalt, thut dz best bei mir. Erasmus Alberus wider Jörg Witzeln mammeluken M 4b; so übergeb ich eurer tapferkeit die kriegsmacht mit vollkommener gewalt. Uhland 3, 51 (Ernst von Schwaben 3, 1). III@2@b@a@1@b@gγ)) item im selben jar 28 hatt kaisser Karle von Osterreich alls ain romser kaisser ain bottschafft von Buorgis in Hispanigen abgefergett mit folmechtigen gewalt mit des kaissers sigel. Hug Villinger chronik 170. ebenso 172. III@2@b@a@1@cc)) frei, das wir oben bei gewalt im sinne von potestas an der grundbedeutung festhalten sahen, wird neben den verwendungen für vis, violentia mehr zum steigerungsmittel und empfindungslaut: lieben dir andre weiber, so ker dich weit von mir! nun sprechen sich die leute wie ich die schönste sei. das lob wil ich behalten meinem feinen buolen allein, aus frischem freiem gewalte. Uhland volkslieder 1, 176. vgl. auch bergreihen 97 Meier. III@2@b@a@1@dd)) das gleiche gilt für das nahe verwandte unendlich. es liegt eine unendliche gewalt in der erinnerung, in dem gefühle der erinnerung, die der mensch in sich empfindet. Ernst Moritz Arndt, Frankf. nationalversammlung 1. august 1848. III@2@b@a@22)) reichlich, ubrig und genugsam. III@2@b@a@2@aa)) für das erstere ist die allgemeine verwendung belegt: die christliche kirche ist viel mehr dagegen durch die heilige schrifft, oder artikel des glaubens, beweret und bestetiget, als von einer höhern macht, und durch reichlichen gewalt. Luther (sprüche wider des teufels synagoge 1530) 5, 10a Jena. III@2@b@a@2@bb)) ubrig ist gelegentlich in verbindungen mit gewalt für violentia belegt: ubriger gewalt erdruckt manchen. Henisch 1592. III@2@b@a@2@cc)) genugsam dagegen ist ganz auf die engere bedeutung beschränkt: hierauff so haben gemelter unterthan vom Bodensee und Algew, verordenter ausschus, reht, und volmechtig anwelde, des sie herr Jörgen truchsessen, öbersten feldheubtman, einen versiegelten gnugsamen gewalt uberantwort. vertrag zwischen dem löblichen bund zu Schwaben und den zweien hauffen 1525 bei Luther 3, 107a Jena; da auch darauff solcher gewalt durch die scheffen ungenugsam erkennt würde, und der anwalt oder procurator einen andern vollkommlichern und genugsamen gewalt einzubringen, sich erbieten, ... soll er zu der handlung gelassen werden. Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 6 u. a.; es erschin auch graf Froben Christof mit seinem advocaten, und als die baid iezgenannten partheien zu der posess der österreichischen lehen zu Chruchenwiss clagten, beschach sollichs gleichergestalt von graf Froben Christof, welcher ebenmeszig von seins herrn vatterns wegen, von dem er auch mit gnugsamem gewalt abgefertiget worden, handlete. Zimmersche chronik 3, 590; nun sagt uns, ob ihr darfür halt, dasz disz sei ein gnugsamer gewalt! so kan man weiter procedirn. J. Ayrer (anklag wider der königin Podagra tyrannei) 2550; dasz beiden schon genugsamer gewalt gegeben sei, von unserm und desz reichs boden, das eingelegte kriegs-volck abzuführen. keiserl. schreiben von 1599 Londorp 1 suppletus (M. Meyer) 1, 123b. u. a. s. sp. 4963. 4964. III@2@b@a@33)) ganz und all. III@2@b@a@3@aa)) ganz ist ein seltener begleiter des substantivs, verbindet sich aber gelegentlich mit diesem und weist dann grosze mannigfaltigkeit der verwendungen auf: qwamen vur Straspurg ... mit ganzer gewalt. Limburger chronik 71, vgl. oben sp. 4941; also komen si uber die Tiberbruck inn Rom hininn mit gantzem gewalt. Hug Villinger chronik 161, vgl. auch oben sp. 4973; sie schoszen mit gantzen gewalten. oben sp. 4995; die gantze gewalt, tota vis. Steinbach 2, 921; mit der gantzen gewalt der schultern. Immermann 3, 135. in der älteren litteratur ist ganz einigemale mit dem privatrechtlichen begriff verbunden, wobei die grundbedeutung sich abschwächt: der den gantzen vollen gewalt gehabt hat. Abensberger urkunde von 1463 bei Hund 2, 228; noch dem allen ... haut der vorgenant her Fridrich von Graufnegg seinen vollen und gantzen gewalt ... daz vorgenant bistuom von seinen wegen einzenemen. der rath von Augsburg an pfalzgraf Ludwig (1414), d. städtechron. 5, 341. III@2@b@a@3@bb)) all, das solchen verbindungen abgeneigt ist, hat sich durchaus die intensive kraft seiner bedeutung bewahrt: [] all sein glaubige christen, so sie hertzlich zu im schreien in not, vor irer feinde listen wil er sie beschützen und freien, er hat allen gwalt in seiner hendt, in dem himlischen regiment. Hans Sachs (gtaubensbekenntnis) 22, 167; der bawr ... war frewden voll, und versprach dem fuchsen allen gewalt über seine hannen und hüner getrewlich ohne geverdt. Hörl v. Wätterstorff Bacchusia 20; mit welchem er ausz allem seinem gewalt den juncker uberfiel. Amadis 102; do liesz er die sächsischen fürsten von im und keret sich mit aller gewalt wider Baiern. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 85 (Nürnberg) u. a. vgl. III 3. III@2@b@a@3@cc)) die gleiche bedeutung läszt sich auch am compositum allgewalt belegen, soweit es den begriff omnipotentia, allmacht deckt. in einem beleg aus dem 17. jahrh. und einem andern aus Göthe (vgl. theil 1, sp. 235) wird es mit macht in syndetische verbindung gesetzt; für sich allein wird es bei Wieland häufiger gebraucht: was würden ihre hoheit von einem groszen fürsten sagen, der den muth hätte, den ... reitzungen der jugend und der allgewalt und dem wollüstigen müssiggange, worin junge fürsten die schönste zeit des lebens zu verlieren pflegen, sich zu entreissen, und in gestalt eines privatmannes, weitläufige und beschwerdevolle reisen zu unternehmen. Wieland (goldene spiegel 2, 7) 7, 138. ebenso (Peregrinus Proteus 2, 8) 28, 125. bei Göthe erscheint das compositum sogar personificiert: haben sich die allgewalten endlich schöpferisch entschieden, aufzuzeichnen, zu entfalten allgemeinen ew'gen frieden? Göthe (am 2. jan. 1815) 2, 159. die häufigere verwendung dagegen dient der steigerung in der bedeutung von vis, vgl.: dieses blickes allgewalt bei Bürger (theil 1, sp. 235); weil es möglich ist auf die neigung ihres willens selbst zu wirken, und sie durch die allgewalt der liebe zur gegenliebe zu nöthigen. Wieland (Peregrinus Proteus) 28, 143. ebenso: die allgewalt der sympathie. Aurora und Cephalus (10, 78 Göschen) u. a.: zierlich wendet die schöne sich nun, und der blühende jüngling auch. wie er springt! wie er leicht und behend sich dreht, stampfend, feuer im blick! und er wirft ihr die rose zu. anmut aber verläszt den begehrenden nie, sie zähmt sein wollüstiges auge mit reizender allgewalt. Platen werke 2, 212 (bilder Neapels); wo du dein ganzes wesen vergabst mit allgewalt, kannst du's zurück nicht lösen in früherer gestalt. Roquette gedichte (1859) 94; es schleicht so sacht in das ohr der braut, ihr ist als ob aus der tiefe, als ob aus der tiefe mit allgewalt der liebste buhle sie riefe. Geibel juniuslieder 307. III@2@b@a@44)) die den adjectiven voll, ganz, all zu grunde liegende vorstellung wird bei der rechtlichen verwendung des substantivs durch andere bildungen noch deutlicher zum ausdruck gebracht, so durch die participialbildung unumschränkt u. a. III@2@b@a@4@aa)) nur zweifeln sie keinen augenblick an der unumschränktesten gewalt, die sie über mich haben. Lessing (Emilia Galotti 3, 5) 2, 417; der charakter eines sultans ist noch mehr verunstaltet; da ist auch nicht ein schatten von der unumschränkten gewalt, vor der sich alles schmiegen musz. (Hamburgische dramaturgie 1, 34) 9, 328; um dem dämon in mir eine unbeschränkte gewalt über den menschen, an welchen er noch gebunden war, zu verschaffen. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 154; indessen herrschet an seinem plaz, und mit seiner ganzen unumschränkten gewalt, der freiherr Angelo, ein mann dessen blut schneewasser ist. Shakespeare 2, 172 (masz für masz 1, 8; mit voller macht bei Bodenstedt 1, 5); nach geschlossenem frieden trat er (Tilly) in die dienste Maximilians von Bayern, der ihn zum oberfeldherrn mit unumschränkter gewalt ernannte. Schiller (dreiszigjähriger krieg) 8, 161; die bedächtigern jedoch waren weit entfernt, der königin unumschränkte gewalt verschaffen zu wollen. Platen (gesch. d. königreichs Neapel 1, 7) werke 5, 68; eine unumschränkte gewalt, absolute, unlimited, arbitrary power. Hilpert 1, 462c; ungemessene; freie; gemessene gewalt, pouvoir absolu, independant, limité. Rondeau-Buxtorff (1746) 253. III@2@b@a@4@bb)) vor allem wollte er (der könig) keine herstellung der alten gemeinsamen landstände für Schleswig-Holstein, da er von einer solchen körperschaft nicht blosz starken widerstand [] gegen seine absolute gewalt, sondern vielleicht ein streben nach gänzlicher trennung von Dänemark besorgte. Sybel begründung 3, 10. III@2@b@bβ) grosz, hoch und verwandte adjectiva. III@2@b@b@11)) grosz bleibt auf die function der steigerung der bedeutungsenergie beschränkt, in dieser aber ist ihr die verbindung mit dem substantiv in allen dessen bedeutungen möglich. III@2@b@b@1@aa)) gross narrheit ist bei grossem gwalt. S, Brant narrenschiff 76; solche grosse gnade und gewalt, were im (dem Tetzel) zu Rom auffgetragen. Mathesius Luther 33; die grossn gwalt habn in dem reich, als fürsten, herren und der gleich ... sie wöllens wol nicht geren han, das man vil sagen thu davon. Chryseus hofteufel B 2a; tragedi ... von erbauung der stadt Rom und wie sich ihr grosser gewalt angefangen hat. J. Ayrer 17; grosser gewalt kan nicht werden alt. Henisch 1592, vgl. auch Tobler Appenzell. sprachschatz 247; ich lasz mich schier gewinnen, weil ich mich kann besinnen, dasz ander fürsten all, ja selbs ihr heiligkeite, zu groszen gwalt nicht leiden, halten gern die wagschal. Opel und Cohn lieder auf den dreiszigjährigen krieg 296; indem der junge aff herkam, sehr grosze ding sich unternahm, setzt auf sein kopf ein fremde kron thät sich groszes gwalts unterston. 94, 58; Numidien wird dich mit mehrern lorbern krönen, wird mehr altäre dir baun, als den zwei Philenen Carthago widmete, die in Cyrener sand sich lebend liessen scharr'n: wormit ihr vaterland auf ihrer edlen grufft ein ewig's gräntzmal hette vergrösserter gewalt. Lohenstein Sophonisbe 1, 424; die grösste gewalt haben, summo imperio esse. Aler 933b; in grosser gewalt sein, in magna potentia esse. ebenda. III@2@b@b@1@bb)) wan ein grosser gwalt kumbt von wassers wegen. österr. weisth. 5, 22, vgl. oben sp. 4968; grössere gewalt, grösste gewalt ebenda; ehe dann ir stercke zuo grösserm gewalt sich erstreckte, solten sie anfahen zustreitten, der zuversicht, es wurde inen niemandt widerstehn. Hedio übers. des Josephus (1553) 41a; so aber mancherlai gattung der klaidern seind, nämlich derer gar kain masz ist, dann ainer des, der ander ain anders, ietzundt vonn tag zu tag erfindet, gebrauchen sichs auch, und ist so ain grosser gewalt, des uberigen prachts drein krochen ... Alpinus Polydorus Vergilius (1544) 65b; unter dem fürchterlichen kampf zwischen dem überschwang des gefühls, das mich zu ihren füszen werfen wollte, und der ehrfurcht und schaam, die mich mit gleich groszer gewalt zurück zogen. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 180. III@2@b@b@1@cc)) lag der konig ... zu velde mit grosser gewalt. Limburger chronik 81 u. a. vgl. oben sp. 4941. 4973; satan sthet mit grossem gewalt in via, si debemus intrare, muss wir gewalt thun. Luther (predigten 1526) 20, 458 Weim.; so ist doch diss absöndern (der frauen, kinder und greise aus einer belagerten stadt) nirgend für zu schetzen gegen dem, wenn die auff den wehren, den feinden, welche mit zu viel grosser gewalt und macht hinein dringen, den rücken kehren, und die statt wird eingenommen und erobert. Kirchhof wendunmuth (3, 32) 2, 301 Österley; wa ietz ein man verdorben ist, dem an lib und guot gebrist, so frönt man bald den armen man, das er nit bezalen kan ... dann kompt der fröner ein grosse zal, und uff ein il so wendt si all bezalet sin mit grossem gwalt; da mit der wagen niderfalt, das er nimmer uff kan ston. hett man im der zit gelon, so wer er bi sin eren bliben und hett sich usz der schuld geriben. Th. Murner narren beschwörung 145 (43, 41) neudruck; jo, wo du uns nit folgest baldt, so würstdu spüren grossen gwalt: wir wöllen louffen an das thor und sagen do all offenbor, wie das ein jüngling gwäsen si, hab mit dir triben vil bübri. Sixt Birk Susanna, bei Bächtoldt schweiz. schausp. 2, 25; [] ach, wie ist aller menschen leben, mühselig mit elend umbgeben, von mutter leib an angst und noth, biss dass der niemand schonend tod durch seinen grimm und gross gewalt, unzehlbar weisse mannichfalt, durch unfall mehret ihr beschwerd, und sie im grab zudeckt mit erd, die unser aller mutter ist! Kirchhof wendunmuth (2, 45) 2, 84 Österley. III@2@b@b@22)) hoch ist im positiv seltener belegt, es bleibt hier wie grosz auf die angabe des grades beschränkt, in dem das substantiv für den zusammenhang in anspruch genommen wird; meist geht es dabei die form der composition ein. vielseitiger dagegen sind die verwendungen des comparativs und superlativs, die weniger der gradsteigerung als der bedeutungsverengerung dienen. III@2@b@b@2@aa)) gott, der du dein volck aus Egyptenland gefüret hast, mit starcker hand, mit grosser macht, und hoher gewalt. Luther Baruch 2, 11; do kam Cirus der konig und erschlug ine zu doit und eins buren sone wart sein kron und sein reich. merck, der hochgewalt kam uff den nidersten stamme. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 98; mit der hochgewalt des hungers. Pestalozzi (1819) 3, 160; hier leistet frisch und weislich dringende hochgewalt erwünschten dienst. Göthe (Pandora 1) 40, 418. vgl. theil 4, 2, sp. 1621. III@2@b@b@2@bb)) den höheren gewelten. Augsburger bibel von 1487 Römer 13, 1 (dem obersten gewelten. codex Tepl., der oberkeit. Luther) s. o.; ettlich dem gwalt ouch wünschen noch und wie sie stigen uff vast hoch und btrachten nit das höher gwalt dest höher wider abher falt. Sebastian Brant narrenschiff 26, 65 Zarncke; der fahrende schüler, wolte sie hierauf durch beschwerung zwingen, uns beides, den verborgnen schatz, und auch den weg dahin zu zeigen, aber sie antwortet, sie würde durch einen höhern gewalt genöthigt, dem glück zu folgen, welches allbereit jetzt beschlossen, und sich eilichst auf den weg gemacht hätte, einen andern zu bereichern. Simplic. (1713) 2, 360; einer höheren gewalt musz man nachgeben .. genug, dasz noch mittel übrig sind, dieser höhern gewalt auszuweichen. Rabener (1777) 3, 143; zu spät! sie decken deinen frevel nicht. als werkzeug einer höheren gewalt steh ich vor dir. Grillparzer (die Argonauten 4) 55, 123. wie die geschlossene verbindung höhere gewalt in die bedeutungsgemeinschaft mit gottes gewalt eintritt, ist schon oben sp. 5005. 5006 dargelegt worden, doch ist mit dieser entwicklung die verwendung der wortverbindung auch heute noch nicht erschöpft, vgl. selbst im unmuth und zorn stand die gebärde des mannes (Gneisenaus) unter höherer gewalt, und die sprache behielt den klang der helden. E. M. Arndt schriften an meine lieben Deutschen 3, 339 (1843), vgl. auch sp. 4994. III@2@b@b@2@cc)) der superlativ wird heute fast nur noch neben der staatsrechtlichen prägung des substantivs gebraucht, die er in bestimmter weise eingrenzt; die belege für allgemeinen gradsteigernden gebrauch sind selten und ältern ursprungs. III@2@b@b@2@c@aα)) das ichs heisz berieffen, ich vater, dann der höchst gewalt der hochzit ist im vater der tochter. Terenz (1499) bemerkung des übersetzers 29a; ich bitt dich durch der gött und unser früntschafft Chreme die an gefangen hat von kintheit mit dem alter ouch zû gelegt. und durch din einige tochter und min sun, welches der höchst gewalt dir zü behalten geben würt, dz du mir mithelffest in der sach. 24a (cujus tibi potestas summa servandi datur, Andria 3); die höchste gewalt ist die, nichts zu entbehren. Lessing (von den trauerspielen des Seneca) 6, 208. III@2@b@b@2@c@bβ)) welchen höchsten gewalt sie fürter auff alle bäbst auch zuo ziehen und sie derhalb über alle andere gewelt zuo erheben vermeinen. Schwartzenberg beschwering 14b; und hat Cicero damals den höchsten gewalt ... erlangt. teutsch Cicero (Augsburg 1535) 6b; imperium summum, högeste gewalt. Chyträus 160; als dieser junge herr zu Weiblingen, anno 1121 geboren, hat seiner mutter ein alter ins himmelslauff erfahrner münch aus seiner nativitet prognosticiret, er würde den höchsten gewalt in der christenheit erlangen. Hossmann von keiserlicher wahl und krönung (1612) 242; unser statwäsen wäre nimmermehr so träflich gewachssen, wo nicht unsere fohr-fahren, durch den hohch-muht gerühret, ihre ehre beobachtet, und nahch der höchsten gewalt gesträbet hätten. Zesen adr. Rosam. [] 172 neudruck; diese auslegung, glaube ich, hat ihre schönheiten, welche sich besonders in den letzten zeilen ausnehmen, wo der dichter von der erniedrigung der stolzen, und von der übertragung der höchsten gewalt redet, die er unter dem bilde des wipfels will verstanden wissen. Lessing (rettungen des Horaz) 5, 308, vgl. Horaz 1, 34; er (Augustus) war als das oberhaupt des staates, als der mann, in welchem das vertrauen der Römer, die politik seiner minister, und das glück des Cäsarischen hauses alle zweige der höchsten gewalt vereinigt hatten, der unumschränkte monarch. Wieland (ehrenrettung der .. Julia) 24, 350; in Dresden geht es übrigens so still und civilisirt her, dasz, wenn man es nicht aus den zeitungen wüszte, man kaum glauben würde, dasz hier vor funfzehn monaten eine grosze religiöse aufregung bestanden habe, vor zwölf monden aber die höchste gewalt und die verfassung im stürmischen drang geändert worden sei. Immermann (reisejournal 2, 5) 10, 87; die höchste, die oberste gewalt, the supreme or sovereign power. Hilpert 1, 462c. III@2@b@b@33)) dem comparativ und superlativ von hoch entsprechen die formen ober und oberst, die sich von ihrer nächstliegenden function weniger leicht abdrängen lassen. III@2@b@b@3@aa)) ober ist fast nur in der composition belegt, doch vgl. legeten sie grosz gebet an den obern gewalt Pauli 106a (s. oben sp. 4959); auch bei Aler 934a wird zwar obere gewalt, principatus aufgeführt, darauf folgt aber sofort: einem die obergewalt geben, die obergewalt haben. und ebenso zeigen alle übrigen der zahlreichen beispiele die form der composition. hier stehen die formen obergewalt und übergewalt in concurrenz, der ein unterschied in der verwendung parallel läuft, insofern das erstere an die staatsrechtliche bedeutung von potestas, das zweite an die allgemeinere bedeutung vis anknüpft. III@2@b@b@3@a@aα)) obergewalt, summa potestas, principatus, dictatura. Rädlein 581b u. a.; krafft seiner ihm über Preussen zukommenden ober-gewalt. Besser staatsschriften (1732) 458. vgl. (oben theil 7, 108) die beispiele aus Klopstock, Kant, Lavater, Göthe, Schiller, Heine, J. Grimm; so schied Napoleon aus Frankreich, ohne dasz sein groszer sturz ihm theilnahme erregt hätte; die gemüther hatten sich ihm längst abgewandt, seine obergewalt war verhaszt. Varnhagen denkwürdigkeiten 6, 570 (die rückkehr der Bourbons). III@2@b@b@3@a@bβ)) neben dieser engeren staatsrechtlichen verwendung ist die allgemeinere bei obergewalt erst jüngeren ursprungs: und hier liesz er (Granvella) die erstlinge seiner beredsamkeit hören, die ihm in der folge eine so grosze obergewalt über zwei könige gab. Schiller (abfall der Niederlande 2) 7, 100; ihre obergewalt über das lesepublicum. Fichte nachgelass. werke 3, 246; zu obergewalt für oberbefehl bei Voss s. theil 7, 1087. III@2@b@b@3@a@gγ)) diese allgemeinere verwendung ist ursprünglich der concurrenzform übergewalt eigen: ubergewalt, violentia Henisch 1592; uber gewalt wirdt nicht alt, nullum violentum perpetuum. ebenda; man wird die kräftigen contraste zwischen tüchtigem freisinn in der wildnisz und einer, zwar geordneten, aber doch immer unzulänglichen barbarischen übergewalt bewundern. Göthe (volkspoesie) 46, 298; das französische auflodern liesz sich nicht von ihnen (den Weimaranern) erwarten, am wenigsten zu einer zeit, wo die französische übergewalt so allseitig drohte. (tag- und jahreshefte 1804) 31, 172; herrnhuter, quäker, am meisten juden bekräftigen die übergewalt der erziehung über umgebende ungleichartige zeiten und völker. Jean Paul Levana 12 s. 28. III@2@b@b@3@bb)) der superlativ ist auf attributive verbindungen beschränkt: oberster gwalt zuo Rom. Frisius 1328b u. a., vgl. sp. 4959; J. Husz sei nitt wider die monarchiam, das ist wider die obersten gewalt des bapsts, wie ich. Cochläus ein heimlich gespräch 18 neudruck; wann dann dherren werden so blindt so würdt dann herr und knecht ein gsindt, drumb ists not, das der obrist gwalt mit aller frumbkeit recht anhalt, thuog flissig alle laster wehren ... Val. Boltz der welt spiegel T 5b; die selben consuln solten den öbersten gewalt in Rom tragen. Livius (Straszburg 1562) 22a; der herr von M*** hat seine arbeit in vier abtheilungen gesondert, und handelt in der einleitung von der obersten gewalt. Lessing (Vossische zeitung 1751) 4, 371; die oberste gewalt der kirche war getheilet; zwei zugleich, und mit mächtigen unterstützungen, herrschende päpste sicherten ihn vor der tyrannei des einen und des andern. Lessing (Berengarius Turonensis) 11, 89; wenn der [] offenbare miszbrauch der obersten gewalt, eure alte gesinnungen wieder erweckt, ... so steht mir wider dieses ungeheuer bei. (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 118; saget mir, meine töchter, (da wir uns nun der obersten gewalt, der landesherrschaft und der sorge des staats zu begeben willens sind,) von welcher unter euch sollen wir sagen, dasz sie uns am meisten liebe? Wieland Shakespeare 1, 133 (könig Lear 1, 2); ja sogar werden versuche gemacht die oberste gewalt einem oder mehreren fremden anzutragen. Göthe (anhang zur lebensbeschreibung des Benvenuto Cellini X.); denn sobald es in einem staate keine anerkannte oberste gewalt mehr giebt, sobald sich die mitglieder desselben befugt glauben, zum natürlichen rechte zurückzukehren ... kann sofort nur der wille jedes einzelnen, sein einziges und höchstes gesetz sein. Gentz ursprung und charakter des krieges gegen die franz. revolution 30; die höchste, die oberste gewalt, the supreme or sovereign power. Hilpert 1, 462c. III@2@cc) adjectiva, die einen im bedeutungsgehalte des substantivs ruhenden zug unter dem druck gesteigerter empfindung hervorheben. III@2@c@aα) die oben sp. 4943. 4980. 4982 angeführten adjectiva, die den bedeutungsübergang von gewalt zu unrecht, verfehlung begleiten, führen ungezwungen zu der gruppe der adjectivverbindungen über, die die hervorhebung eines einzelnen zuges mehr oder weniger mit der function des stimmungserregers verbinden. ihren ausgangspunkt nehmen diese adjectiva bei der kennzeichnenden function des adjectivs: unordentliche, ungesetzliche, ungerechte gewalt grenzt sich gegen ordentliche, gesetzliche, gerechte gewalt mit bestimmten bedeutungsmerkmalen ab. je mehr diese merkmale durch den bedeutungsübergang von gewalt zu violentia, injuria an den begriff des alleinstehenden substantivs geheftet erscheinen, um so überflüssiger wird das substantiv für die begriffsbestimmung, um so freier entfaltet sich an ihm die nebenwirkung eines ausdrucksmittels der empfindung. III@2@c@a@11)) denn da er den teuffel so weit zu gevattern gebeten hatte, das der pofel on ordenliche gewalt, die bilder sollt stürmen, als durch gottes gepot geheissen, da muste er fort. Luther wider die himmlischen propheten (1525) E 2b; als nun der thüringische auffrhur, auff doctor Martinus schreiben, mit ordenlicher gewalt gedempffet, ... bleibet doctor bei gottes wort. Mathesius Luther 102; lasz diesen, in gefüllten städten, sein arbeitselges werk vollbringen, und bei gesetzlicher gewalt, und, bei erlaubter schuld, verdringen die anmuht der geselligkeit. Brockes Thomsons jahreszeiten: der herbst, vers 1183. vgl. rechtliche, rechtmässige, rechtsgiltige gewalten sp. 4992: sie (die churfürstin) ist in unserm gantzen lande, die klügste frau, das schönste weib. wer wolte sie nicht herrschen lassen? sie herrscht mit billiger gewalt; sie übertrifft die untersassen, an hoheit, tugend und gestalt. Besser ged. (1732) 725; denn durch dienen allein gelangt sie endlich zum herrschen, zu der verdienten gewalt, die doch ihr im hause gehört. Göthe (Herm. u. Dor.) 40, 311. III@2@c@a@22)) III@2@c@a@2@aa)) da wolt er auch ie wissen, wo so ein grosses wasser ... entspräng, wolt auch land und leut in teutschen landen sehen, si underweisen was zu der narung dient, auch unrechten gewalt abtuen. Aventin (bairische chronik) 4, 120; so nun ein oberkeit als ein oberkeit dem keiser widerstehen u. sich u. ihre unterthane schützen mag für unrechter gewalt, darüber mögen sie richten, ich lasse sie es walten und verantworten auff ihre gewissen. Luther (an Wencel Link 1530) briefe 6, 128 de Wette; und das in peschedigen thüet rauberei und unrehter gwalt, oder gleich in ander gestalt dieberei, petrueg und arg list. Hans Sachs (der geizige wolf) fabeln und schwänke 2, 157 Götze; unrechter gewalt mit pueben-stüecken sol man zeitlichen unterdrüecken, das kein tiranei daraus wachs. (die kewsch ermört Virginea) 22, 296; darzuo so hatt in dem gemeinen mann, ausz den vorgehenden miszhandlungen, der unwill gewurtzelt, ... und waren fro, das jemandt seinem unrechten gewalt understuond zuowiderstreben. Livius (Straszburg 1562) 21b; wär aber, (das) das recht durch derselben gedingstat gerichtsleut nicht beschirmbt mecht werden von übersetzung wegen ainer freuntschaft oder unrechtes gewalts, so mag ain richter wol von den andern [] zwaien gedingsteten gerichtsleut umb hilf und schirmb, das recht zu vollenden, anruefen und ermanen. landsprach von Nauders (handschrift vom 17. jahrh.), österr. weisth. 3, 319; einen solichen unrechtlichen gewalt hab ich klagt den stenden desz römschen reichsz. Hartmut v. Cronberg 152; die unrechtmäszige gewalt, deren sich die Guisen nach dem tode Heinrichs II. anmaszten, verursachte die bekannte verschwörung von Amboise. denkwürdigkeiten aus dem leben des marschalls Vieilleville, vgl. die ausgabe von Schillers werken (1830) s. 1135b; diese wolke schwarzen schicksals, die über dem sonnigen lebensbilde hing, barg den blitz einer unbesonnenen, ungeheuern that, wie sie, erzeugt durch den druck ungerechter gewalt, ungeahnt und plötzlich einmal entsteht und den thäter mit dem bedrücker vernichtet. G. Keller Züricher novellen 88. III@2@c@a@2@bb)) falsch babstischer gewalt. Waldis B2 b; du falscher gwallt nun förcht doch gott worumb verachtest sine bott? zuom gwalt hat dich gott uszerkoren so stäcktst du in sünd bisz über die oren. Val. Boltz der welt spiegel N 2a (Justitia zum landvogt); nuon sprich ich das on allen wan, hete Hanns Waldman das ouch getan, bim leben wer er belieben; er hat gefürt ein falschen gewalt, das hat man im vertriben. lied auf Hans Waldmann (Liliencron volksl. 2, 273); dahero sein weib, um so viel destoweniger befugt, sich von ihme freien angemasten gewalts, abzusondern. Abele künstliche unordnung 1, 254; aber auf eine solche art zu kommen, und sein recht durch unerlaubte gewalt zu suchen, das geht nicht an. Wieland Shakespeare 5, 72 (Richard II. 2, 10). III@2@c@a@2@cc)) uns und die unsern durch göttliche gnädige hülff und verleihung vor deinem unbilligen gewalt, auch unchristlichem und unfürstlichem thatlichem vornemmen zu schützen und zu retten. Kirchhoff militaris disciplina 89; violentus, voll unbillichs gwalts, ungestüm, grimm. Frisius 1385b; zu derselbigen zeit, haben hertzog Bernhard und hertzog Heinrich zu Lüneburg gebrüder, mit hertzog Erichen von Sachsen ... ein verbündnis gemacht, das sie wider alle unbillige gewalt, so inen von iren feinden umbher begegnen möchte, einander trewlich beistehen und vertedigen wolten. Bünting Braunschw. chronik (1584) 2, 26b; ob schon meiner feinden unzimlicher gewalt, von etwo vil jahren her in einen grossen miszbrauch ist kommen, das lasset mir doch nit an meinem leben schaden. Hutten (klagschrift an alle stände) 1, 413 Böcking; ubler gewalt wirt nit alt. sprichwörter (1570) 375b; ebenso Henisch 1592, vgl. Hoffmann spenden 1, 151; ich herrschen, die einer schimpflichen gewalt erliegt, die stirbt! Schiller (Phädra 3, 1) 15, 1, 48. III@2@c@bβ) adjectiva, die das aus der bedeutung von violentia erwachsende moment der überlegenheit, des zwangs, der leidenschaftlichkeit nachdrücklich hervorheben. III@2@c@b@11)) da dieser mensch lend rief' uont schrai, gott' erhort' in bald, uont half' im mechtiger gewalt aus al- seinem lend. Melissus psalmen 123 neudruck; wir wollen eine starke, kräftige gewalt an der spitze schaffen, und doch wird uns vorgeschlagen, wir sollen nicht blosz die wirksamkeit der gewalten für einzelne fälle beschränken. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4989a, vgl.stärkere gewalten sp. 4993. dazu vgl. die entgegengesetzten attribute: weil sie sich selb für mechtig acht, gots werck daneben nicht betracht, ausz trutz vermiszt sich alzuvil, vorgiszt des worts: ia, ob got wil, so ist ir sterck und macht hinwegk, und leit die krafftlosz gwalt im dreck. Burkard Waldis streitgedichte 31 neudruck; diener, die vom putze strotzten, liefen an den tafeln hin und her, und wurden bald von einem fliegenden sonnenblitze, der von auszen herein kam, begossen, bald von den lichtern, die im innern in noch schwacher gewalt brannten, sanft bestrahlt. Stifter (Procopus) erzähl. 31. III@2@c@b@22)) unwiderstehliche gewalt vgl. oben sp. 4970; einer von den himmelsbewohnern hatte ihn am kragen gepackt und schob ihn mit unwiderstehlicher gewalt hinaus. Grimm (meister Pfriem) kinder- und hausmärchen 2, 418; eine strafbare handlung ist nicht vorhanden, wenn der thäter durch unwiderstehliche gewalt oder durch eine drohung ... zu der handlung genöthigt worden ist. strafgesetzbuch f. d. norddeutschen [] bund (1870) § 52, bundesgesetzblatt von 1870 s. 207; tretet nur her und bemühet euch üm meine hulde, betrachtet den unerschöpflichen gewalt meines reichtuhms und erwartet von mir eure vermeinte und erwünschte seeligkeit des irdischen lebens. Schottelius friedens sieg 20 neudruck; vgl. unendliche gewalt sp. 5034; unendliche gewalten sp. 4994; vgl. unsägliche gewalt sp. 4970. III@2@c@b@33)) diese zauberin .. von deren verführerischer gewalt du dir nur erst jetzt einigen begriff machen kannst. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 98; wenn die Alexander und Cäsarn .. augenblicke hatten, wo eine unfreiwillige innere gewalt sie nöthigte einem richter in ihrem eigenen busen rechenschaft zu geben. 28, 124; die siegende gewalt, die gabe reich zu sein, was sinnen lockt und übt, hat nicht der mensch allein. Hagedorn poet. werke (1770) 1, 24 (moral. gedichte); vgl.trotzende gewalten sp. 4995; Augustus hat das angebot der drei legionen, die Varus führt, zum schutze wider Marbod, zum drittenmal mir heute wiederholt. gründe von zwingender gewalt bestimmen mich, die truppen länger nicht mehr abzulehnen. H. v. Kleist (Hermannsschlacht 2, 10) 3, 178; er war bestimmt, in seiner gaben fülle, mich von der dichtkunst wolkennahen gipfeln in dieses lebens heitre blüthenthäler mit sanft bezwingender gewalt herabzuziehn. Grillparzer (Sappho 1, 3) 2, 160; vgl. unten sp. 5043; nun sage mir, vater, wer gab der gestalt die einzige furchtbar entschiedne gewalt? Göthe (Pandora) 40, 397; er (der kronprinz) hatte nichts dagegen, constitutionellen ministern die verantwortung und damit die entscheidende gewalt zu überlassen. Sybel begründung des deutschen reiches 3, 42; bis die thräne, schmerzgeboren, bricht die hemmende gewalt, dasz ich ewig nun verloren deine leuchtende gestalt. Roquette gedichte (1859) 82. III@2@c@b@44)) voll ungestümes gewalts, violentus. Henisch 1592, vgl. oben sp. 4972; das sprichwort sagt: schwinde gewalt, vergehet bald. Mathesius Syrach 1, 61a; vgl. auch Henisch a. a. o.; die regierung Karls des fünften .. zuerst führte die willkürliche gewalt in das innerste heiligthum ihrer verfassung. Schiller (abfall der Niederlande I) 7, 49; wie alles stäubt und bebt bei ankunfft einer heerde: so schwärtzte sich die lufft und zitterte die erde; als dieser völcker trifft, und deren hinterhalt, auf unsre läger drang mit stürmischer gewalt. Besser gedichte 34 (1732); Leopold errang mit stürmender gewalt und groszer aufopferung von menschen am 8. dezember den bedeckten weg. Varnhagen von Ense (Leopold von Anhalt-Dessau) biogr. denkm. 2, 61; seine (Attilas) haltung war stolz, die augen spähten durchdringend umher, er war von verschlagenem geist, immer ein vornehmer herr, der miene und wort sorglich hütete, und der das wilde hunnenblut, wo es darauf ankam, wohl zu bändigen wuszte, wenn er aber der leidenschaft nachgab, durch die wüthende gewalt seines wesens auch feste männer beben machte. Freytag (bilder 1) 17, 140; schnell, unverhofft, bei nächtlich stiller weile gährts in dem tück'schen feuerschlunde, ladet sich aus mit tobender gewalt, und weg treibt über alle pflanzungen der menschen der wilde strom in grausender zerstörung. Schiller (Wallensteins tod 3, 18) 12, 308; die stunde, cardinal, wo eure sendung die schmetternde gewalt entbinden soll, ist nah. F. v. Saar (Heinrich IV. 1, 2) 5, 74; in der festrede zum zehnten november 1859 schilderte er, wie Schillers tiefsinniges wort mit tönender gewalt die geister durchdringt. Bernays schriften 2, 327 (zur kenntnis J. Grimms); vgl. volltönende gewalten sp. 4995; Frieszhardt. bürg du für dich und deinen eignen leib! wir thun, was unsers amtes — fort mit ihm! Melchthal. nein, das ist schreiende gewalt! Schiller (Wilh. Tell 3, 3) 14, 354; vgl.gewalt schreien sp. 4978; die zerstörende gewalt der feuerkugeln war zu grosz, das anrückende unglück so entschieden, dasz niemand glaubte entgegenwirken zu können. Göthe (belagerung von Mainz) 30, 329; so oft also die natur eine foderung macht, und den willen durch die blinde gewalt des affekts überraschen will, kommt es diesem zu, ihr so [] lange stillstand zu gebieten, bis die vernunft gesprochen hat. Schiller (über anmuth und würde) 19, 108; vgl. auch oben sp. 4970; es gibt ein etwas in des menschen wesen, das, unabhäng von des eigners willen, anzieht und abstöszt mit blinder gewalt. Grillparzer (Argonauten 3) 55, 82; auch mich, erhabne! wirst du nicht verkennen, die heitre schöpferin der täuschenden gestalt. vom leben blitzt es und die farben brennen auf meinem tuch mit glühender gewalt. Schiller (die huldigung der künste) 15, 1, 11. III@2@c@gγ) nahe verwandt mit der vorigen gruppe sind die adjectiva, die das unbegreifliche, geheimnisvolle im walten des substantivs hervorheben: III@2@c@g@11)) als eine art von genius, der .. sich mit einer art von magischer gewalt meiner ganzen seele bemächtigte. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 110; zu meinem erstaunen fand ich dasz mir, als laste ein alp auf meiner brust, von einer unbekannten gewalt die sprache benommen und ich unvermögend war den geringsten laut von mir zu geben. Grimm (der gläserne sarg) kinder- und hausmärchen 2, 356; was lockst du mich wieder mit dunkler gewalt, mit lügen von lenz und liebeslust? Leuthold (sehnsucht) 4; vgl.seltsame, unerklärliche gewalten sp. 4994. III@2@c@g@22)) da wär' er gerne geflohen; aber ihn hielt verborgne gewalt! er stand vor dem richter. Klopstock Messias 16, 411; beim anblicke Leonhard's sprang das mädchen auf, als wenn sie von irgend einer verborgenen gewalt emporgeschnellt würde. Hermann Schmid ges. schriften 4, 67; wie von innerer gewalt gedrängt, streckte ich beide hände gegen ihn aus. Th. Storm (im schlosz) 1, 157. III@2@c@g@33)) und ist warnung vielleicht die geheime gewalt, die mich fesselt? Klopstock Messias 13, 355; der instinkt, der alle lebendigen mit einer geheimen und nur desto mächtigern gewalt an die einzige art von dasein, welche sie aus unmittelbarer erfahrung kennen, fesselt. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 216; die jugend wird immer tollkühner: sie will nicht mehr erkennen, wie wir ganz in der geheimen gewalt des wüsten meeres sind, wenn wir uns seinen wellen mit so zerbrechlichen fahrzeugen preisgeben. Henrich Steffens Walseth und Leith, 3. buch (Wackernagel 32, 1304); unwillkürlich als triebe ihn eine geheime gewalt schritt er wieder seines weges dahin. Auerbach neues leben 3, 181; Wenzel. meinst du, dasz er ihr verzauberte tränke gereicht? Hans. opiate, die des menschen herz mit geheimniszvoller gewalt umstricken? H. v. Kleist (Käthchen v. Heilbronn) 3, 14; er zauderte zwar, doch, von einer heimlichen gewalt angetrieben, gehorchte er der stimme. Grimm (der gläserne sarg) kinder- und hausmärchen 2, 354. III@2@c@g@44)) es rauscht der donner in den lüften mit majestätischer gewalt, so stark, dasz er aus Hermons klüften mit tausend stimmen wiederhallt. Kramer psalmen 1, 4; es war ihr tiefstes und geheimstes leben, was mich ergriff mit heiliger gewalt. Schiller (braut von Messina 2, 5) 14, 71; kein privilegium, keine bürgerliche gerechtigkeit galt gegen die heilige gewalt (der inquisition). Schiller (abfall der Niederlande 1) 7, 74; so entsteht aus trübem dunkel, glänzend schöner als karfunkel eine himmlische gestalt; und gestillt ist all sein streben, es ergreift ihn neues leben mit geheiligter gewalt. Körner (die gewalt der schönheit) 1, 87. III@2@c@dδ) ausdrucksmittel für die empfindungen, die die gewalt in ihrer wirkung auslöst. III@2@c@d@11)) III@2@c@d@1@aa)) den mussigen, prachtlichen, lustreichen gewalt des bapstumbs. Luther grund und ursach (1521) l 1b; er (der verfasser) glaubt nicht, dasz man die theatralische dichtkunst erniedrige, wenn man ihren letzten endzweck das ergötzen sein läszt, und unterscheidet dieses ergötzen in ein doppeltes; in das, welches nur vorzüglich die sinne rühret, und das, welches mit einer angenehmen gewalt auf unser herz wirket. Lessing (critische nachrichten auf das jahr 1751) 4, 275; und nur dieses, glaube ich, könnte einen philosophen in ansehung der ursache befriedigen, warum diese linie eine so angenehme gewalt über unsre empfindungen habe. (vorbericht zu Mylius [] übersetzung von Hogarths zergliederung der schönheit) 5, 371; melodische gewalten sp. 4996. vgl. auch tönende gewalt sp. 5041; das glas erklingt von lieblicher gewalt, es trübt, es klärt sich; also musz es werden! ich seh' in zierlicher gestalt ein artig männlein sich gebärden. Göthe (Faust 2) 41, 106; sagt, darf ich ohne zittern mich der süszen gewalt des trunknen herzens überlassen? Schiller (braut von Messina 1, 3) 14, 27; des Dänen arm mit süszer gewalt sein königlich lieb umkreist. Strachwitz ged. 141. III@2@c@d@1@bb)) ich .. streifte mit freundschaftlicher gewalt ihm den ring vom finger. Immermann 5, 87; er (der jüngting) gab der stärkern wahrheit nach, die seine wilde freiheit brach: er fühlte, wenn sie schalt. der leidenschaften sturm entschlief: die tugend siegte, da sie rief, mit schmeichelnder gewalt. Uz (ode an die weisheit) sämtl. poet. werke 144 Sauer; schnell dann faszt' er am arm und führte sie, welche vergebens schuz von Amalia flehte, mit sanfter gewalt aus der kammer. Voss Luise 3, 294; sie (die beiden mädchen) waren gröszer, und unter die unbedeutende freude des kindes mischte sich schon die sanftere gewalt der jungfrau. Stifter (der waldgänger) erzähl. 275; sie zog ihn mit sanfter gewalt auf einen stuhl, kniete vor ihm nieder und schaute ihm mit einem unbeschreiblichen blicke in die augen. Immermann 5, 154; er berührt ihre augen, nachdem er mit sanfter gewalt ihr gesicht heraufgebogen. Hauptmann Hanneles himmelfahrt 91 (scenische bemerkung); 'so setzen sie sich doch hieher in den schatten!' rief das mädchen und zwang mich mit sanfter gewalt auf die bank nieder. J. v. Saar Innocens 63; doch ist ein tröster kommen ihrem (Deutschland, der wittib) leide: der geist der eintracht, welcher nun mit leiser gewalt um ihre stirn die eichenreiser zusammenhält, dasz keins vom kranze scheide. Geibel juniuslieder 197; vgl. friedliche, selige gewalten sp. 4994. 9495. III@2@c@d@22)) finstere, dunkle gewalten vgl. sp. 4995. 4996. III@2@c@d@2@aa)) ist schon der schwülstige gewalt, gemeiniglich mit euch (reichthum und geiz) verbunden, so hat sich doch noch nie befunden, dasz er euch unverletzt erhalt. Rompler reimgetichte 83; es wäre anzuführen überflüssig, wie durch diese acte unmilder gewalt die freude gedämpft wurde, dasz ein wichtiger landstrich aus der zwar ehrenvollen, oft ersprieszlichen, aber das nationalgefühl herabdrückenden verbindung mit einem mächtigen fremden reiche in das reine verhältnisz der andern deutschen bundesstaaten übergegangen war. J. Grimm (meine entlassung) kl. schriften 1, 32; welcher von dem gemeinen manne, der seine stränge gewalt nicht vertragen wolte, in einem aufruhr' erschlagen ward. Zesen adriat. Rosam. 178 neudruck; des Meleager rauhe gewalt, des kaledonischen eberbezwingers, tödtet' Althea, die mutter das kind. Grillparzer (Medea 3) 55, 182; doch endlich, da legt sich die wilde gewalt, und schwarz aus dem weiszen schaum klafft hinunter ein gähnender spalt, grundlos als giengs in den höllenraum. Schiller (taucher) 11, 221; die einen sagten darauf, die brutale gewalt behalte heute die oberhand, erst eine künftige revolution könne das heil bringen. Sybel begründung des deutschen reiches 3, 241; vgl.rohe gewalten sp. 4995. III@2@c@d@2@bb)) ob solcher schrecklicher gewalt vorwundert sich beid jung und alt. Burkard Waldis streitgedichte 29 neudruck; von meinem moloch habe ich den ersten act fertig und bin zufrieden. es wird ein stück von schrecklicher gewalt. Hebbel (an F. Bamberg) briefwechsel 1, 262; vgl. schreckliche gewalten sp. 4995. III@2@c@d@2@cc)) ohne unsre annäherung, würden diese schlafenden steine, die euch umgürten, durch den stosz ihrer maschinen aus ihrem ruhigen leim-bette gerissen, und der blutigen gewalt ein gräszlicher ruin gemacht worden sein, auf euern frieden einzustürmen. Wieland Shakespeare 3, 348 (könig Johann 2, 3); und driben grosen mörtlichen gewalt den gantzen winder. Brüglinger (chronik), Basl. chron. 4, 182; aber gott lob, sind unser doctor von der weltlichen obrigkeit und kriegsleuten ausz gottes wort geschrieben, unnd mit seiner federn ir vil [] von bapsts füssen und mördlicher gewalt erledigt. Mathesius Luther 180 neudruck. III@2@c@d@2@dd)) wie gern ich auch gestehe, dasz ihr schicksal uns mit seiner ganzen tragischen gewalt ergreift. Wilh. Jordan Frankf. nationalversammlung 24. juli 1848. III@33) die präpositionalverbindungen mit verbis. für die parallele von gewalt und potestas ist hier der oben (sp. 4998. 5020.) besprochene gegensatz zwischen dem individuell begrenzten begriff und dem absolut gefaszten substantiv von einschneidender wirkung. durch ihn werden bestimmte präpositionen, bestimmte verba vor andern in die verbindung gezogen, durch ihn die bedeutung einzelner wortverbindungen in bestimmte richtung gewiesen. dagegen kommt für die parallele von gewalt mit vis oder violentia ein solcher unterschied kaum in betracht. hier überwiegt durchaus der absolute gebrauch, der seinerseits weitgehende bedeutungsverschiebungen veranlaszt. III@3@aa) die parallele gewalt und potestas. III@3@a@aα) für das individuell begrenzte substantiv ist fast ausschlieszlich die verbindung in der gewalt belegt, der gegenüber einige concurrenzbildungen weit zurücktreten. III@3@a@a@11)) in der gewalt sein, stehen u. a. setzen in der hauptmasse der belege hier eine dritte person als träger der gewalt voraus. wendungen wie hie sint die mennische in ir selbir gewâlte spec. eccles. 49, vgl. oben sp. 4925, sind ganz vereinzelt: das ist geschehen, die weil der alt herr noch in seinem gewalt was (herzog Ludwig der bärtige von Baiern, der später von seinem eigenen sohn entthront wurde). B. Zink, d. städtechroniken 5, 167; und so du ire das ganz haus bevilchst, muss ire jedermann dienstlich sein, beheltestu aber etwas in deinem gewalt, so spricht sie, du wollest ire nit getrauwen. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 141. häufiger belegt sind ähnliche verbindungen mit dem absolut gebrauchten substantiv bei änderung der bedeutung. vgl. in der gewalt sein, in der gewalt sitzen. s. sp. 5053 (γ). III@3@a@a@1@aa)) in eines gewalt sein, esse in manu. Henisch 1591; vgl. oben sp. 4923. 4925. 4926. 4928. 4930. 4984; in eines gewalt sein, nouveau dict. (Straszburg 1762) 338; in jemandes gewalt sein. to be in any one's power, at his disposal, at his mercy. Hilpert 1, 462b. III@3@a@a@1@a@aα)) do sprach grave Hanns: 'ich waisz wol ain gefangnen jungen Deutschen, der ist in meinem gewalt und will niemands sagen, wer, oder von wannen er sei'. Zimmersche chronik 3, 110; herr küng, nun bin ich in dinem gewalt. buch der beispiele alter weisen 120; als nun die magt hoch geschworen verschwiegenheit zu halten, hept das weib also zereden an: wüss, dass mein herr, in dess gewalt ich bin, ein grausame that wider den keiser ... im sinn und in das werck zu bringen, für sich genommen hat. H. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 28; in ejus potestate dixi fore, das ich wölte in seinem dienst unnd gewalt sein, und im verbunden ston, oder in seinem willen läben. Frisius (1568 und 1574) 1028b; alle sind wir in eurer gewalt, ihr habt uns in händen. Göthe (Reineke fuchs) 40, 61 (stehen ja in eurer gewalt. Gottsched 88; im Reinke de Vos andere wendung); es war, als seien wir plötzlich in der gewalt unseres jungen meisters. Th. Storm (im schlosz) 1, 140. III@3@a@a@1@a@bβ)) nuo ist her durch den willenn unnd vorhengnisz des almechtigenn gotis, in des gewaltt wir alle sein, in kortz todis halbenn abgangenn. hochmeister Hans von Tiefen an Bilgrin von Reischach den jüngeren (Königsberg 1434), bei Steinhausen privatbriefe 1, 399; solch klag mag der man für sein ehefrawen, der vatter für sein kinder, die in seiner gewalt sein, thuon. statutenbuch (Franckfort 1558) 42a. III@3@a@a@1@a@gγ)) und nam im die stat Werd, schwäbischen Werd, die gar lang zeit in der herrn von Bairn gewalt gewesen was. d. städtechroniken 4, 121; als nuon die sach an einen rath gelangt, zweiffelten sie am ersten, ob das zuothun wer, dann Martius möcht sie alle bei ihm behalten, oder zum wenigsten sein muotter, weib und kind, die hielten die Römer als ein pfandt, dieweil die inn irem gewalt unnd händen weren, das Martius seinem zorn nit so gar nachhengen, sonder sein grimmigkeit mässigen wurd. Livius (Straszburg 1562) 34b; drauff drauff, der sig wird unser sein, die stadt in meinem gewalt, der raub in euren händen. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen (Wiener neudrucke 1, 59); einer bundesfestung auf dem linken Rheinufer, welche 13 jahre in französischer gewalt war. ber. der Frankf. nationalversammlung (1) 107b. III@3@a@a@1@a@dδ)) praesertim quum tota potestas huius rei tua sit, dieweil [] und die sach in deinem gewalt ist, oder du allein gewalt in diser sach hast. Frisius (1568 und 1574) 1028b; alle ding sind in deinem gewalt du machest darmit wiesz dir gfalt. tragödia Johannis des töuffers (1549) A 7b; wenn das gesetz a priori als der bestimmungsgrund der handlung .. betrachtet werden kann, so ist das urtheil, ob etwas ein gegenstand der reinen praktischen vernunft sei oder nicht, von der vergleichung mit unserem physischen vermögen ganz unabhängig, und die frage ist nur, ob wir eine handlung, die auf die existenz eines objects gerichtet ist, wollen dürfen, wenn dieses in unserer gewalt wäre. Kant 8, 177 (1838); ich grif ihr sogar vor, und bat meine leser gewisse blätter zu überschlagen, die ich damit entschuldigte, dasz die handschrift schon seit drei jahren nicht mehr in meiner gewalt gewesen sei. Lessing (vorrede zu den schriften 1. theil 1753) 5, 33; sagen sie mir, möchte man nicht die lust verlieren, sich auf irgend etwas schmeichelhaftes, das noch nicht gänzlich in unserer gewalt ist, mehr rechnung zu machen? (vermischte schriften des Mylius) 6, 393; was dein ist und in deim gewalt, das selb heb auf und es fürsichticlich pehalt. H. Sachs (die nachtigall) fabeln und schwänke 3, 102 neudruck; es ist inn deiner gewalt, in manu tua est. Henisch 1591. ebenso Steinbach 2, 921 (in mea ditione est); ist nicht in meinem gewalt: es steht nicht bei mir, non est in mea manu, non est in mea potestate, non est mei arbitrii, non est penes me. Bayer 290, ebenso Kirsch 179b; das ist nicht in meiner gewalt, cela n'ai pas (je ne l'ai pas) en mon pouvoir; il ne dépend pas de moi. Rondeau-Buxtorff 253c. III@3@a@a@1@a@eε)) der sabat ist in dem gwalt des menschen, und der mensch nit in dem gwalt des sabats. Ulrich Zwingli von freiheit der speisen 13 neudruck; die erreichung des endzwecks, sofern er nicht ganz in unserer gewalt ist. Kant 7, 359; ist denn kein patriot zu finden, in dessen macht, gewalt und hand die best' und göttliche verschwendung vorhanden, der dazu geschickt, so viele tausend, welche theils bereits das licht der welt erblickt, und tausend, die noch nicht gebohren, in kindes kindern recht beglückt, gesegnet und vergnügt zu machen? Brockes Thomsons jahreszeiten: der herbst, vers 844; er möchte seinen armen sohn nicht so elendiglich umkommen lassen, möchte ihm aus einer leidenschaft, die ihn ohne seinen willen befallen habe und nicht in seiner gewalt sei, kein verbrechen machen. Wieland übersetzung Lucians 5, 303; ja, Wilhelmine, meine liebe ist ganz in deiner gewalt. H. v. Kleist (an seine braut) 161. III@3@a@a@1@a@zζ)) nun aber ist wachsen in unserm gewalt nit, aber die sünden sein in unserm gewalt. Murner an den ... adel tütscher nation 43 neudruck; wir sind menschen, Emilia, die gabe zu beten ist nicht immer in unserer gewalt. Lessing (Emilia Galotti 2, 6) 2, 399; und rettung über die mauer ist in unsrer gewalt, wenn die thür die wüthenden aufhält. Klopstock Messias 14, 1132; wolt aber jemandt dich drumb straffen, dasz du mächst solch rumor im schlaffen, sprich, es ist nicht in meinem gwalt, dasz ich die fürtz in henden halt. Kaspar Scheidt Grobianus 36 neudruck; in unsrer gewalt wenigstens ist es nicht, ob wir das, was gut, rechtschaffen und löblich ist, billigen wollen oder nicht. Lessing (abhandlung für das rührende lustspiel) 6, 45; dasz es in ihrer gewalt sei, tod, oder leben zu wählen. Klopstock Messias 9, 253. III@3@a@a@1@bb)) poni in potestate alicuius, in eines gewalt ston, und an sein gnad kommen. Frisius (1568 u. 1574) 1028b; in eines gewalt stehen, in potestate alicuius situm esse. Frisch 2, 420b. vgl. sp. 4916. 4923. 4925. 4927. 4929. vgl. in gottes gewalt liegen, in gottes gewalt stehen sp. 5003. 5004. III@3@a@a@1@b@aα)) wie es mit den unmündigen und den die in gewalt irer vormunder steen ... mit clagen und antwurtten sol gehalten werden. Nürnberger reformation (1479) 4b; als diese wort vom vogler verstanden, sagt er: allergnedigste fraw, wie? der vogel, ich, und alles was ich hab, steht alles in euwerem gewalt, ich begär auch von euch nichts anders, denn dass ir diesen vogel von mir zu einer schencke annemmen wöllen. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) 63. [] III@3@a@a@1@b@bβ)) such kein freundtschafft durch geschenck, lieb zwerden durch schmeichlerisch renck, und lasz deins reichthumbs keinen schein haben bei dem, der vor nicht klein feindschafft gen dir im hertzen hat, darzu in seinem gewalt auch staht dein leib und gut, das ist mein raht. Kirchhof wendunmuth 41a; du solt ouch, ob gott wil, nimmermer kein unrecht von mir nit vernemmen. ich wölt mich sin gar übel schemmen. bis frölich und guoter dingen! dir sol, ob gott will, wol gelingen. min lib stat in dinem gwalt. du magst mit handlen, was dir gfalt. fastnachtspiele 881, 28 Keller. III@3@a@a@1@b@gγ)) was ich ouch witers htt úch gefelligs, steet allwegen in gewalt úwer liebe. Ulrich von Würtemberg an kurfürst Albrecht von Brandenburg (1473) bei Steinhausen privatbriefe 1, 106; der glaub ist ein götliche gabe, und du magst nit glauben wann du wilt, es stat nit in deinem gewalt. J. Eberlin v. Günzburg (ein büchlein, worin auf drei fragen geantwortet wird) 2, 157 neudruck; die sach stadt an dir und an deinem gewalt, in potestate tua est. Maaler 178b, ebenso Frisius (1568 u. 1574) 1028b; du magst, es stadt in deinem gwalt. ebenda 332b; es steht in deiner gewalt, penes te, in tua manu, in tuo arbitrio situm est. Stieler 2426; es stehet in deinem gewalt, in potestate tua est, arbitrii tui est. Spieser 150b; es stehet in seiner gewalt, in sua est potestate. Steinbach 2, 921; es steht nicht in meiner gewalt, non est in manu mea, mei arbitrii, in mea potestate. Weismann 156b, ebenso Steinbach 2, 921. Frisch 2, 420b; das steht nicht in meiner gewalt oder vermögen, that's beyond my reach, that's more than what I am able to perform. teutschengl. wb. (1716) 768, ebenso Hilpert (that is not in his power, does not depend upon him). III@3@a@a@1@b@dδ)) todt und leben ... stehet in der gewalt der zungen. übersetzung von Petrarcas trostbüchern (1559) 7a; das, weisz ich, ist pflicht, wenn man wahrheit lehren will, sie ganz, oder gar nicht, zu lehren; sie klar und rund, ohne räthsel, ohne zurückhaltung, ohne misztrauen in ihre kraft und nützlichkeit, zu lehren: und die gaben, welche dazu erfordert werden, stehen in unserer gewalt. Lessing (Berengarius Turonensis) 11, 70; ein ehrlicher mann, der nur einigermassen gelernt hat, sich von dem äusserlichen nicht unterdrücken zu lassen, kann zwar fast immer aufgelegt sein, etwas ernsthaftes zu arbeiten, besonders wann mehr anstrengung des fleiszes, als des genies dazu erfordert wird; aber nicht immer etwas witziges, welches eine gewisse heiterkeit des geistes verlangt, die oft in einer ganz anderen gewalt als in der unsrigen stehet. (vorrede von 1754 zu schriften 3.) 5, 271; drohungen sind gefährlich, wenn die ausführung derselben entweder an sich, oder auch nur nach der meinung des bedroheten in der gewalt des drohenden steht. landrecht d. preusz. staaten (1832) 1, tit. 4 § 34; die entfernung eines regisseurs von seinem posten musz natürlich in der gewalt des directors stehen, doch hat er sich mit dem übrigen ausschusse deshalb zu benehmen. E. Devrient das nationaltheater des neuen Deutschlands (1849) 17. III@3@a@a@1@b@eε)) in deinem gewalt stöt nit allein ein knecht gottes zuo sin. sonder auch ein kind gottes. Hartmut v. Cronberg (sendbrief an kaiser Karl V.) schriften 1 neudruck; es stehet in aines jeden menschen selbst gewalt unnd willen, ihm ain ding schwer oder leicht zuo machen. Schaidenreiszer 66a; auch vernehmen die herrlichsten seelen, sie hätten gleich, nach des Plato meinung, ihren sitz bei den gestirnen, ... so wenig die ihnen zugeschickte anruffungen ... als in ihrer gewalt stünde den flehenden zu helffen. Lohenstein Arm. 1, 344a; ein redner und poet zu werden, das steht nicht in unsrer gewalt. Gellert briefe 101; ich wollt, es stünd in meiner gwalt dasz ich tauschen dörft, wollt ohn geheisz den alten greis um einen jungen geben. tugendhafter jungfrauen und junggesellen zeitvertreiber, vgl. Hoffmann gesellschaftslieder nr. 326. III@3@a@a@1@b@zζ)) ganz vereinzelt nimmt diese verbindung auch die engere bedeutung vollmacht auf: in unserm gwalt thut es nicht stehn, dasz wir in unserm judicirn sie in die schaden condemnirn, die weil wir seind nur delegirt. J. Ayrer (anklag wider der königin podagra tgrannei) 2576. III@3@a@a@1@cc)) einzelne seltenere verbindungen mit verwandten verbis: III@3@a@a@1@c@aα)) sich halten in eines gewalt sp. 4926; dagegen vgl. [] behalten in seiner gewalt sp. 5048; das er seinen einigen son in die schantz geschlagen hat, auff das der mensch nach seinem ebenbilde geschaffen, nicht im vorderbnis, und inn der gewalt desz teuffels bliebe. Musculus hosenteufel s. 22 neudruck, vgl. auch sp. 4927. 4930; er (Appius) siehet die kriegsheere in seiner gewalt, die nichts ohne seinen befehl thun dürfen. Lessing (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 83; ich aber, der ich mich ganz in ihrer gewalt sah, gehorchte dem befehle. Platen 4, 101 (rosensohn 12); sie glauben nicht, frau cousine, wie erquicklich es ist, sich einmal in einer anderen gewalt zu fühlen als in der unserer kleinen regierungslustigen mitcreaturen. Th. Storm (eine halligfahrt) 4, 14; lange genug sind ich und andre, die im schatten eurer gewalt schliefen, herumgeirret, und haben unsre bedrükkungen umsonst in klagen ausgehaucht. Wieland Shakespeare 3, 310 (Timon 5, 5). III@3@a@a@1@c@bβ)) so were mir manigfaltig lieber die geschenck bliben in deinem gewalt, dann das sie inen auch zuotail wurden. Schaidenreiszer 71b; wann ainer sein leben durch rechtfertigung verleust, so soll der richter desselben weib und kind guets nicht nemen, sie sein auch der herrschaft nichts fellig, ausgenomen man findt verstollens oder ander unrecht guet wissentlich in derselben gewalt, des mag sich ein richter underwinden. banntaiding zu Wasserneuenburg (um 1575), österr. weisth. 6, 428; vgl. auch oben sp. 4931. III@3@a@a@1@c@gγ)) klagen sie den himmel nicht an! er hat die einbildungen in unserer gewalt gelassen. Lessing (misz Sara Sampson 1, 7) 2, 274. III@3@a@a@22)) in die gewalt eines anderen bringen, geben, sich geben, kommen. III@3@a@a@2@aa)) bitz er ine in sichern gewarsam, nemlich in meister und rats hande und gewalt oder in einen turn bringen mag. Straszburger zunft- und polizeiverordnungen 25, vgl. oben sp. 4878. vgl. dazu sp. 4926. 4929; dar nach wil ich min tochter bald dem bischoff schaffen in gewalt, bi dem si mir gar bald verdient, das er mir gibt ein ander pfriendt. Thomas Murner narrenbeschwörung 98 (28, 48) neudruck; dann wie offt hat doch gott dem frommen Dauid seinen verfolger künig Saul in seinen gewalt geben, in zuo versuchen. Wolfgang Schmeltzl Samuel und Saul (Wiener neudrucke 5, 5); ob auch einem burger ... einich zolpar habe oder gut here in iren gewalt geschickt wurde von gesten, die nit zollfrei weren, so sollen sie bei einer peen ... gepunden sein. Nürnberger polizeiordn. 143; von vorgang des kauffers. dem vor dem andern kauffen soliche erkaufte habe in sein geweere unnd gewalt geantwort wirdet. Nürnberger reformation (1479) 20b; und nit allein diss, sondern wo ir etwas weiters von unserm haab und gutt begeren, wöllen wir das alles von gantzem hertzen in euweren gewalt übergeben haben. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) 156; vgl. in eines gewalt antworten sp. 4926. 4929, befehlen sp. 4916. 4927, treiben sp. 4927. 4929, leiten sp. 4929, geben sp. 4927. 4928. III@3@a@a@2@bb)) was halt îr mich so strengiclich, mein ainigs lieb, weil ich mich also untherdenig halde und mich in eüren gwalde mit leib und güet genczlich und gar ergieb. H. Sachs (die geschickte werbung) fabeln und schwänke 3, 113; in dein gewalt ich mich dir hab ergeben. J. Eccard (16. jahrh.) ohne dich nur leid, vgl. Hoffmann v. F. gesellschaftslieder nr. 69; Martin. wenns sein will wer, wolt wir ins heint zamen legen, dann ich han wol als hart bisz her dran tragn. Trein. si, mein lieb, ich wolt dirs entlach nit versagn, wenns nur mocht habn fueg und gstallt. ich han mich drumb ergeben in dein gewallt, dann gantz begirlich ich mich nach dir sen. Sterzinger spiele (1535; Wiener neudrucke 11, s. 227). vgl. auch oben sp. 4924. 4928. 4984. III@3@a@a@2@cc)) ei, ich pedarff nicht deines guecz. ich darff nur guetes muecz: mein hercz kains guecz nicht pegert, darumb pistu vor mier unberdt. schickh tich nun von hinnenn pald, mein lieb kumpt nit in dein gebaldt. Sterzinger spiele (1511; Wiener neudrucke 9, s. 265); dem neuw versöhnten feind nit bald vertrauw, denn kompst in sein gewalt. Kirchhof wendunmuth 391b; [] auch zum letzten ihr leben gar nahe mit einem gleichen end beschlossen, dieweil dieser könig Demetrius in seiner feinde hände und gewalt kommen, und Antonius gar nahe dessgleichen erlitten. Kirchhof wendunmuth (2, 15) 2, 30 Österley; was die gnade betrifft, die er gegen Lear und Cordelia im sinn hat, wofern sie in unsre gewalt kommen, so sollen sie gewisz nichts davon sehen. Wieland Shakespeare 1, 309 (könig Lear 5, 3); anno etc. 74 do kame Hornberg in des pfaltzgraven Friderichs gewalt durch verschuldung herre Lutze Schotten. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 68; was möchten sie doch mehr begeren, ... bisz Rom gantz inn iren gewalt komm. Livius (Straszburg 1562) 36a; als ... Rom jedoch bald wieder durch eine list des befehlshabers der engelsburg in päpstliche gewalt kam. Platen (gesch. d. königr. Neapel 3, 5) 5, 174; nu wast du wol, daz ich dicke geweist han, daz der prief in mein gewalt nie cham. Hermann von Liebenberg an Ekkehard von L. 1396 bei Steinhausen 1, 349. vgl. oben sp. 4916. 4926. III@3@a@a@33)) die verbindungen mit haben, halten erfordern ein subject, das mit dem träger der gewalt identisch ist. gewöhnlich wird diese identität durch das reflexivpronomen zum ausdruck gebracht, vgl. teneo, potior, ich hab in meinem gewalt. Erasmus Alberus i 4b; ebenso novum dictionarii genus A 1b; possidere, besitzen, inn haben, in seinem gewalt haben. Rihelius; in seiner gewalt haben, haver in sua possenza, nel suo potere, avoir en sa puissance, en son pouvoir. Rädlein 381a; in seiner gewalt haben, in sua potestate habere. Frisch 2, 420b. vgl. oben sp. 4923. 4928. 4930. gelegentlich wird das reflexivpronomen in diesen verbindungen auch unterdrückt, weil es ja ein moment zum ausdruck bringt, das schon aus der verbindung selbst hervorgeht: vgl. die himel wunne manichvalt, die hat si da in gewalt. genesis 35, 40 (s. sp. 4931); vgl. in gewalt haben, possidere, potiri. Dasypodius 341a. vgl. jüngere wendungen wie: der schauspieler, von dem ich sie unterhalte, hat sich immer so sehr in der gewalt, dasz er seine handlungen nicht ausarten läszt. J. v. Sonnenfels briefe über die Wienerische schaubühne (Wiener neudrucke 7, 93); er war voll witz und guter laune, und hatte mich so in der gewalt, dasz ein blick genügte, mich zum ausplatzen zu bringen. Kügelgen jugenderinnerungen 86; männer, die sich selbst in der gewalt haben. Tieck novellen 3, 109; ich kann mir nur das lob beilegen, dasz ich mich nie in meinem leben so in der gewalt gehabt und eine conversation mit so viel unbefangenheit und freimuth geführt habe wie diesen vormittag. Hebbel (an Elise Lensing 1842) briefwechsel 1, 100; man wird sich erinnern, dasz der kaiser Augustus, jener fürchterliche mensch, der sich ebenso in der gewalt hatte und der ebenso schweigen konnte wie irgend ein weiser Socrates, mit seinem letzten worte indiscret gegen sich selber wurde. Nietzsche (fröhliche wissenschaft) 5, 74. die meisten dieser belege für unterdrückung des reflexivpronomens neben der präpositionalverbindung weisen dafür ein reflexives object auf, doch vgl. er ... hatte mich so in der gewalt bei Kügelgen; ebenso in gewalt haben, posseder Hulsius (1596) G 2a (fehlt in der ausgabe von 1614); vgl. die feder in der gewalt haben. anders zu beurtheilen sind verbindungen des absoluten substantivs wie: daz man behalte deumüete in gewalte. Gregorius 3798, vgl. oben sp. 4920. III@3@a@a@3@aa)) aber der teuffel hat uns also hart in seinem gewalt gehabt. Hartmut v. Cronberg 46 neudruck; das dann Claudius sie in seinem gewalt behalten und verbürgen solt, sie wider, so Verginius ausz dem läger käm, für recht stellen. Livius (Straszburg 1562) 43b; orat ut tui copiam sibi potestatemque facias, si bittet dich dasz si dich in irem gewalt möge haben oder regieren. Frisius (1568 und 1574) 332b. ähnlich Aler 933b; wenn wir die braut in unserer gewalt hätten: so stünd' ich dafür, dasz aus der hochzeit nichts werden sollte. Lessing (Emilia Galotti 3, 1) 2, 411; ihre (Cleopatras) hämische rachsucht gegen eine person, von der ihr weiter nichts zu befürchten stehet, die sie in ihrer gewalt hat, der sie, bei dem geringsten funken von edelmuthe vergeben müszte. (Hamburgische dramaturgie 1, 31) 9, 312. III@3@a@a@3@bb)) ouch wart das heilge grap das die cristen gewunnen und bestellet hettent, von dem soldan von Babilonie widerumb gewunnen, der es ouch noch in sime gewalte het. Königshofen, d. städtechron. 8, 441; er het das reich an stat des kaisers in seinem gewalt, und da er frevel was wider die priester, da fraszent in die leus. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 65 (Nürnberg); diser zeit hat herr Johanns Wörnher nichtdesterweniger Wildenstain das schlosz, darauf er sich [] in seinen höchsten nöten verlassen, noch in seinem gewalt gehabt. Zimmersche chronik 1, 541; demnach wollen nun die Braunschweicher und Lünebuorger, die rechten alten Chauci oder Sachsen sein, davon Cornelius Tacitus weiter schreibt, dasz sie das grosse land, von den Friesen herab, bisz an die Cattos oder Hessen, nicht allein in irer gewalt gehabt, und darinnen gewonet, sondern auch mit der menge ires volckes gantz gefüllet haben. Bünting Braunschweiger chronik (1620) 6; Alfons antwortete, dasz er bereits die meisten plätze in seiner gewalt habe und nicht mehr darum kämpfen könne. Platen (geschichten des königreichs Neapel 2, 9) 5, 194. in diesem zusammenhang, bei einem object von collectiver bedeutung ist auch halten an stelle von haben einigemale belegt, vgl. oben sp. 4928: nach abgang Arnolphi und auch Ludwici hielt er das römische reich siben jare in seinem gewalt, aber er fraget nichts nach der kron. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 66 (Nürnberg); ein sälge mueter, mit der gab der höchster pschaffer khamb herab, der die weldt höllt in seinem gwalt, in deinem leib verschlosz sich paldt. bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1121b. III@3@a@a@3@cc)) dann wir bawen die erden, und hebend die frücht auff von ir, wir haben die visch, wir haben die gflügel, wir haben die vierfüssige thieren in unserem gewalt. Alpinus Vergilius 6a; spuren gnug, dasz die morgenländer noch über dem himmel, als dem fussboden gottes, meere und grosse behältnisse des regens geglaubt, vorrathshaüser, die der allmächtige zur zeit der dürre noch in seiner gewalt habe, die erde zu erquicken. Herder (fragmente zu einer archäologie des morgenlandes) 6, 14; dann mocht David das brodt für den hunger essen, so war es nimmen dasz, das es war, dieweils die priester in ihrem gewalt hatten. Paracelsus werke (Basel 1589) 1, 313; der stat paumeister soll auch bestellen auf den eritag oder mittwoch vor des wirdigen heiligthumbs weisung, das man die ketten under den schwipogen und schoszgattern an dem wasser unden und oben anlege und die verschliesz mit den schlossen, die dann darzu gehoren und der gürtler in seiner gewelt hat. Tucher baumeisterbuch 128; Beramus der keiser hat uns hergeschickt ime zu holen seinen spiegel, den euwer königin in irem gewalt hat. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 42; so darnach iemand lehnens halben in anlanget, verschwur er sich hoch und theur, wie er nicht einen pfennig oder einig gelt im hausz und seiner gewalt mehr hette. Kirchhof wendunmuth (1, 187) 1, 226; du hast es in deinem gewalt, tu l'as en ta puissance, in tua est potestate. nouveau dictionaire du voyageur 144, ebenso Veneroni 74. III@3@a@a@3@dd)) des sind sie komen umb lüt und land, umb Oberberg Anwyl Steinach, das ist den von sant Gallen ain schand und darzuo ouch grosz ungemach, das haben nuo umb ir verschulden die aidgenoszen in irem gewalt und darzuo zechen tusent guldin, si hnds zuo pen davon geschaltn. Liliencron volkslieder 2, 280 (vom Rohrschacher klosterbruch 1489); die sinlichait hast du nit in deinem gewalt, aber deinen freien willen. Geiler v. Keisersberg trostspiegel (Augsburg 1508) a 3b; nicht jeder lehrbegierige hat die mittel, sich geschickter lehrer zu bedienen, in seiner gewalt. Lessing (Vossische zeitung 1749) 4, 36; ist es aber ein wesen, das denkt und schlüsse macht, so hat es zeichen, die nicht die gegenstände selbst sind, die aber mit den gegenständen übereinstimmen, und diese zeichen hat es in seiner gewalt. Herder (über Hemsterhuys lettre sur l'homme) werke 5, 466; alles nackte, was zu unsern zeiten am menschen sichtbar ist, besitzt er (Raphael) in seiner gewalt. Heinse Ardinghello 1, 197 (1857); zugleich hofte er, bei dem prinzen einen vorübergehenden geschmack an dem spiel zu erwecken, der diesen romanhaften schwung seiner leidenschaft bald ersticken, und den man immer in der gewalt haben würde, ihm wieder zu benehmen. Schiller (geisterseher) 4, 326. III@3@a@a@3@ee)) mein unschuld hoffnet ich darzuo thuon, wa mir gebürt, aber diser gauckler zungen hab ich nit in meinem gewalt. Murner vom groszen lutherischen narren 3 Kurz; wer hatte das herz dieses in seinen leidenschaften so unmässigen mannes mehr in seiner gewalt als Livia. Wieland (ehrenrettung .. der Julia) 24, 366. vgl. dagegen: in der gewalt haben, to have the mastery of or over one's passions. Hilpert. III@3@a@a@3@ff)) wir haben mine und auge nicht so urplötzlich in unserer gewalt, als fusz und hand. Lessing (Hamburgische [] dramaturgie 1, 4) 9, 196; er (Appius) ist in der kunst, sich zu verstellen, vollkommen unterrichtet, er hat seine minen in seiner gewalt, er weis seine gedanken zu verbergen. (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 84; habe ich mein maul nicht etwa in meiner gewalt? (vor diesen!) 3, 355; und ich glaube zuverlässig, ich würde jetzt, wenn ich die stimme noch in meiner gewalt hätte, besser spielen als jemals. F. L. Schröder (1807) bei F. L. W. Meyer 2, 217. III@3@a@a@3@gg)) hier musz man dem hrn. Hollander das recht widerfahren lassen, dasz er die blühende beredsamkeit seines originals, in der deutschen sprache, die er überall in seiner gewalt zu haben beweiset, sehr glücklich ausgedrücket habe. Lessing (Vossische zeitung 1753) 5, 147; hätt ich die italiänische sprache in meiner gewalt wie die unglückliche teutsche, ich lüde sie gleich zu einer reise ienseits der Alpen ein. Göthe an Kayser, 5. mai 1786, briefe 7, 217; ich mag mit herrn D. nicht wetteifern; er hat so viel poetischen stil und sprache in seiner gewalt. Herder (briefwechsel über Ossian) werke 5, 175; eine sprache in seiner gewalt haben. Voigtel 2, 79; eine sprache ganz in seiner gewalt haben, to be quite master of a language. Hilpert 1, 462. III@3@a@a@3@hh)) der stumme plauderer ist artig, und enthält einen stoff, welcher sich unter gehörigen veränderungen auf dem theater vortreflich ausnehmen würde, besonders wenn man schauspieler beschäftigen wollte, welche das stumme spiel in ihrer gewalt haben. Lessing (Berl. privilegierte zeitung 1751) 4, 330; dasz er über dieses die kunst wohl zu erzehlen, und die edle einfalt in worten und ausdrücken, werde in seiner gewalt gehabt haben, läszt sich schon daraus schliessen, weil er ein Franzose ist. (des abts von Marigny geschichte der Araber ... vorrede des übersetzers) 5, 23; dieses hat der herr von Premontval mit einer strenge im beweisen, deren nur ein geometer fähig ist, und mit einer zierlichkeit des vortrags gethan, welche kein geometer in seiner gewalt hat, wenn er nicht zugleich ein mann von geschmack ist. (aus der Berlinischen privil. zeitung 1753) 5, 174; der verf. würde finden, dasz aus dem herzen und fürs herz zu singen, noch etwas anders sei, als halb aus dem gedächtnisz, halb aus der leicht erregten phantasie worte und kadenzen zu strömen, und dasz er dem barden alsdenn gewisz ähnlicher sein werde, wenn er diese urkraft des gesanges, der dichtung, der sprache, mit sparsamer mäszigkeit ganz in seiner gewalt hätte. Herder (über Ringulph den barden) werke 5, 336; im philosophischen und poetischen der gattung, in der sie jetzt arbeiten, haben sie nun auf eine bewundernswürdige weise gezeigt, dasz sie die vollendung jeder arbeit, wie ein mahler jede zeichnung, in ihrer gewalt haben. Humboldt an Schiller (16. october 1795), briefwechsel 169; ich weisz aber auch dasz der gemeine gebrauch, welcher die abänderung der wörter in seiner gewalt hat, sich wenig um die herleitung bekümmert. Lessing (Sophokles) 8, 306. III@3@a@a@44)) spärlicher sind solche verbindungen mit bringen, bekommen, kriegen. III@3@a@a@4@aa)) derhalben erforderten sie eilends C. Marium Nepotem aus Africa, welcher unlangs darvor den könig Jugurtham von Numidia uberwunden und in seinen gewalt gebracht, auch der grösten und sighaften hauptleut ainer war, den Rom ie gehabt. Zimmersche chronik 1, 4 Barack; da versamlet Heraclius ein grosz hör, und bracht vil landtschafft von den Persiern, bekümmert wider an seinen gwalt. S. Franck chron. (1531) 162a; Bulgaria oder Bulgarey disz treffliche land hat der sultan Baiazeth 1394 völlig in seinem gewalt gebracht. Abr. a S. Clara auff, auff ihr christen, Wiener neudrucke 1, 21; also daz si (die juden) das heiligiste sacrament von christen in ir gewalt bracht und das in ire synagoge ... mit ruoten geslagen. (Brünn, 24. juli 1453) archiv f. österr. gesch. 31, 135; dasz es nicht edelmuth und dankbares gefühl ... sondern etwas ganz anderes war, was dich damahls in ihre gewalt brachte. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 101; vgl. in seine gewalt nehmen sp. 4925. 4926. 4929. III@3@a@a@4@bb)) dieweil es gott also gefallen, dass ich durch dein hilff und raht mein leben erhalten, demnach auch die, so ich gantz hertzlich und trungenlich begert, wider in meinen gewalt bekommen, ... es were von nöten, wir zügen, den zorn und grosse tyrannei dess königs zuvermeiden, mit Giulla und Achel von hinnen. J. Wetzel reise der söhne Giaffers s. 154; der teuffel hat den fahn nicht umsonst über euch geschwungen, dann hierdurch hat er andeuten wollen, dasz er über euch schon obgesieget, und euch in seine [] gewalt bekommen hat. Stranitzky ollapatrida ... Fuchsmundi, Wiener neudrucke 10, 276; hierauf begab er sich unmittelbar zu .. der königin .. vielleicht .. um sie selbst in seine gewalt zu bekommen. Platen geschichten des königreichs Neapel 2, 5; da er den mantel in sein gewalt bekam, legt er den auff sein achsel, und sagt: ich bin der bapst. Kirchhof wendunmuth 369a; die schwungübungen: wobei der turner alle arten des schwunges in seine gewalt zu bekommen sucht. F. L. Jahn 2, 1, 56. III@3@a@a@4@cc)) wiewol sichs der bös understan ihn dermassen zu fechten an und hat es auch versucht manchfaldt, das er ihn krieg in sein gewalt, hat ihn gleichwol noch nie kein mal uberweldigt in diesem fal. Thym Thedel von Wallmoden 8 neudruck. III@3@a@bβ) gegen diese verbindungen mit der präposition in stehen hier die übrigen präpositionalverbindungen an häufigkeit der verwendung und an vielseitigkeit der bedeutung weit zurück. III@3@a@b@11)) am nächsten kommen die verbindungen mit unter, das auch vorwiegend neben den gleichen verbis belegt ist. andere verwendungen erscheinen hier nur vereinzelt: unter dem gewalt und regiment der königin Pampinea, die wirdig geselschaft sagen wirt von abenteuerlichen ergangen gescheften. decameron 19 Keller. III@3@a@b@1@aa)) das alt weib etc. das ist wider dz oben geredt durch Klinia, die bosz muotter, under welcher gewalt sie ist. Terenz (1499) 75a; auch ein ieder, der solche sünd thuot ... ein knecht der sünden ist, und alle knecht, unter dem gewalt jrer herrn sind. Schwartzenrerg beschwerung der alten teufelischen schlangen 9b; wir sind alle unter gottes gewalt, omnes sub arbitrio dei sumus. Aler 934b; wir stehen nicht unter seiner gewalt. Voigtel 2, 79. III@3@a@b@1@bb)) wir wöllen aber seiner auch nit mer auff disz mal gewänen, sunder ihn under dem schirm und gewalt des höchsten gottes befelhen. Schaidenreiszer 59a; doch würd ich mich under keines gewalt lassen zwingen, die spisz dem buch, und der buch der spisz. Ulrich Zwingli von freiheit der speisen 6 neudruck; darumb mag mich niemans von meiner friheit under einen gewalt bringen. ebenda; redigo regionem in provinciae formam, ich bring das land under der Römer gewalt. Erasmus Alberus M 1b. III@3@a@b@1@cc)) die Römer wurden nachmals des alten ganzen Italien geweltig, brachtens alles unter iren gewalt. Aventin (chronik) 4, 401; wenn fünff menschen, die eines sinns, gemüts und willens, könten funden werden, möchten sie die gantze welt under iren gewalt wol bringen. J. Wetzel reise der söhne Giaffers s. 43; als Dionysius der tyrann von Siracusa vil stett gewunnen, unnd under seinen gewalt bracht hatt, legt er sich für die statt Rhegium. Frontinus (1552) 21a; dan die ketzer wollen die kirch gottes under den gewalt der schrifft pringen. Fischart bienenkorb 30b; es melden die, so türckische historien beschreiben, dass der Türck die landt, so er unter sich oder in seinen gewalt bracht, nicht zu regieren untergibt gebornen fürsten, herrn und andern etc., sondern seinen saniacken, begen und beglerbegen und bassa etc. Kirchhof wendunmuth (2, 52) 2, 102 Österley; (Karl) brachte sie auch dasmal wider unter seine gewalt. Bünting Braunschweiger chronik (1620) 28; fürter wie die Römer hernach von jaren zu jaren einem land nach dem andern krieg zugefügt, alles under ihren gewalt gerissen, unnd wie sie beid das erdtrich und meer mit blut fliessen gemacht, ist in vielen büchern zu finden. Kirchhof wendunmuth 356; under seine gewalt bringen, sub imperium, in potestatem redigere. Stieler 2426, ebenso Steinbach 2, 921. Frisch 2, 420b. Spieser 150 (redigere in potestatem suam). ebenso Bayer 391a; potiri, erobern, mechtig werden, under sein gewalt bringen. Ambrosius Calepinus 1186a; unter seinen gewalt bringen, reduire sous sa puissance, redigere in potestatem suam. nouveau dictionaire du voyageur 144. ebenso Veneroni 74; unter seine gewalt bringen, réduire sous son obéissance, dependance, fig. mettre à contribution les coeurs. nouveau dictionnaire (Straszburg 1762) s. 338. III@3@a@b@1@dd)) aber unser allerersamster furst ... umbleitte mit mancherlei krieggetzug ein schloss wol verwarnt und gelegen an eim fast hohen ende, und gewan es in wenig tagen mit sturm, streit, und das gantz land darumb gelegen under seine gewalt sich zu geben zwang er. Matthias v. Kemnat chronik Friedrichs I. 19; und begaben sich unter seine [] (Harminios) gewalt. Bünting Braunschweiger chronik (1620) 12; und sunderlich wan das egenant gottshaus in solcher mas gefreiet ist, das es ... under keiner weltlichen personen gewalt niemer komen solt. urkunde herzogs Friedrich von Österreich (1406) bei Herrgott geneal. Habsburg. 3, 806; concedere in alicujus jus, unter eines gewalt kommen. N. Gürtler 1, 455; unter die gewalt eines mächtigen köniches gerathen, in ditionem regis potentis cadere. Steinbach 2, 921. III@3@a@b@22)) in der verbindung mit gewalt, die den absoluten gebrauch durch die annäherung an violentia (s. u.) steigerte, ist der frühere individuelle gebrauch (vgl. sp. 4922. 4924 u. a.) um so mehr verkümmert: je mehr du mit deinem gewalt mit den leuten zuthuon muost haben jhe mehr würdt mann dir zuosetzen. übersetzung von Petrarcas trostbüchern (1559) 80a; als wolten sie damit anzeigen oder zuoverstehen geben das sie alle des gots underthenige unnd gefangene weren unnd der selbig mit seinem gewalt über sie herschet. Micyllus Tac. (1535) (Germania) 449b; o Jupitter du starcker held, welchen erzittert alle welt, kumm mir mit deinem gwalt zuohülff, in nötten ich jetz zuo dir gülff. Fischart flöhhatz 1 neudruck; gott machts nach sinem willen wie es im gfalt, er kan den zadel stillen mit sinem gwalt, nimt ouch dem bapst sin kraft. Uhland volkslieder 2, 897; wir hondt sant Peters schlüssel noch, wie wol das schlosz hat aber doch gott durch sin gwalt verendern lon, das selten me würt uffgethon. Thomas Murner narrenbeschwörung 11 (3, 49) neudruck; und ee nu der gerichtstag komen si, da habe Cleschin die pande ane laube der schultheissen frevelich mit eigner gewalt widdergnomen und Hengin die entferret. (Kreuznach 1444) der Ingelheimer oberhof 196 Lörsch. III@3@a@b@33)) das denn unser eidgenossen von Appenzelle, darnach wenn inen das von dem hoffgericht zu Rottwil verkünt wirtt in vierzehen tagen, Heinrichen Heiden die brieffe alle so hinder si von im und siner elichen husfrowen komen sind, hinusz in unsre statt Zürich zu sinen handen und gewalte Aen alles verziechen, antwurtten und geben söllint. (1456) bei Zellweger 2, 1, 21; da gered und versprüch ich inen in kraft und macht disz briefs was si angat, darumb das si mir uff sölich ervolgnus rechten, sölich brief zu minen handen und gewalt gen Zürich in die statt geantwurt baben. ebenda; drum fuget sich der dreier spruch keiner tzur gewalt des bapsts ubir die gantz christenheit. Luther von dem bapsttum F 2b; das ... ir disem armen mann sein camel, sampt dem jhenigen so darbei gewesen, widerumb zu seinem gewalt stellen. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 17. III@3@a@b@44)) als sich das Wirtenbergerisch land vor dem gewalt des fursten von Hessen nit enthalten kunt, haben sie sich mit bewilligung und zulassung ires khonigs Verdinando dem landgrafen ergeben. chronik des schuhmacherhandwerks, quellen zur Frankfurter geschichte 2, 17; weisz auch sich vorm gewalt desz feindts starck genug auffzuhalten. Kirchhoff militaris disciplina (Frankfurt 1602) 7; wissz, das die Ären gemeinlich all nacht bi einannder wonen in einer hüli eins bergs, darinn sie sich all nacht samlen, und ist die hüli vornen eng und innwendig wit für gewalt eins überfals. buch der beispiele alter weisen 118; haltet euch in den häusern, und hütet euch vor meiner gewalt. Lessing (Plautus, captivi 4, 2) 4, 118. III@3@a@b@55)) was heisset nu gottes reich? antwort. nichts anders, dann wie wir droben im glauben gehört haben, das gott seinen son Christum unsern herrn inn die welt geschickt, das er uns erlösete und freimachete von der gewalt des teuffels. Luther deutsch catechismus 63b; und kamen dez alle uber ein von dem gewalt den si heten von dem romischen kunig, daz unter den herren und steten nimant kaim juden weder hawbtgut noch gesuch geben solt. Ulman Stromer, d. städtechroniken 1, 26 (Nürnberg); vgl. von gewalt der jhenen die vollung erraicht haben. Nürnberger reformation (1479) 8a; die selben erlangten volkumelich ablas aller irer sünd in dem verdienen unsers herren Jesu Christi und der lieben heiligen und der gewalt sant Peter und sant Pauls und von gewalts wegen des allerheiligisten in got vater und herrn herr Niclas babst des fünften. (jahrbücher des 15. jahrh.) d. städtechroniken 10, 182 (Nürnberg); da bracht uns auch der bemelt abbt dafur [] ain hantvest, von iren stiftern und unsern vorfordern, enn und urenn seliger gedechtnusz, ausgangen; und puten in baiden tailen da von furstlichem gewalt, der zuespruch bei uns beleiben, das seu williglich tetten. bannteiding zu Reichenau (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 63. III@3@a@b@66)) ausz einsi gewalt ein ding verhandlen, authoritate alicuius facere aliquid. Maaler 178b; so mocht der keiser durch den gewalt im heiligen evangelio durch Christum geben, nach aller nodturfft, und mit der that handeln. Hartmut v. Cronberg 13 neudruck; der satan gab hierauf die antwort mit kurtzen worten: wolan sihe zu, dasz dem also sein möge, und beharre drauf, das sage ich dir bei meinem gewalt; und also verschwand er zusamt dem feuer. Widman Fausts leben 512 litt. verein; und kamen daselbst in kraft des gewalts, den sie von dem romischen kunig hetten, uberein ... S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 295; von verpindung gemeiner gesellschaft des, so durch geselschaffter oder ir diener in gewalt der geselschafft fürgenomen und gehandelt wirdet. Nürnberger reformation (1479) 23a; ich kan kraft meiner gewalt dieses gericht entlassen, bis Bellario, ein erfahrener rechtsgelehrter, den ich ... habe berufen lassen, angekommen sein wird. Wieland Shakespeare 3, 112 (kaufmann von Venedig 4, 1). III@3@a@b@77)) wolan so absolvier ich dich aus der gewalt des römischen ablas. Erasmus Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken M 5c; ob ainer oder aine ausser gwalt, wissen und willen der herrschaft heirat, was darumben recht sei? darauf ist recht, das sich niemants ausser gwalts verheiraten soll one sondern willen und wissen der herrschaft. urbar stiftrecht der herrschaft Itter, österr. weisth. 2, 102; Nabochdonosor der hochmechtige konig in Niniva, der wart gegleichet einem ochssen oder rinde und ein bastart vertreib ine aus seinem gewalt. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 99; hei bistu das selb schantlich wib so mir meins hertzen laid vertrib, genummen hast aus meim gewalt mein hort, mein trost, mein auffenthalt. Wickram der irr reittende bilger 6b; darnach stuond Mamercus Emilius selber ab willigklich von seinem gewalt. Livius (Straszburg 1562) 47b; emancipare, ausz seinem gewalt und von handen geben, ausz seiner gewalt lassen. Aler 933b; aus seiner gewalt lassen, ex sua voluntate dimittere. Steinbach 2, 921. III@3@a@gγ) verbindungen mit dem absolut gebrauchten substantiv. der absolute gebrauch beruht theilweise auf ellipse, insofern die jeweilige individuelle bedeutungsverengerung das entsprechende ausdrucksmittel einbüszt; meist wird sie hier durch den sogenannten artikel vertreten. in anderen fällen erwächst der absolute gebrauch aus der abstraction. III@3@a@g@11)) am mannigfaltigsten sind die bedeutungsabstufungen neben der präposition 'in'. auf ellipse beruht die verwendung in den Nürnberger polizeiverordnungen, wo die gewalt ein bestimmtes hoheitsgebiet kennzeichnet, dazu vgl. aus der gewalt sp. 5055. auch die parallele von gewalt und regiment deutet meist auf ellipse, da sie von einzelnen bestimmten regierungsformen ausgeht. allgemein und abstract dagegen ist das substantiv in verbindungen wie in grosser gewalt stehen, in gewalt jemand übertreffen; in gewalt stehen = in kraft stehen. III@3@a@g@1@aa)) elliptische fügungen. III@3@a@g@1@a@aα)) swer ain haus in der gewalt verkauft und ez aus der gewalt niht gibt, da ist weder, der da kaufet, oder der da hin gibt, keinem vorster niht umbe schuldig. Nürnberger polizeiordnung 301; hat ain man, der in der gewalt sitzet, gezimbert oder prenneholtz gefüret, wil er dez geraten und verkauft daz, und gibt daz in die gewalt, da ist weder der da kaufet, noch der da hin gibt, kainem vorster niht umbe schuldig. 301; und swenne ecker wirt, so sol der vorstmaister niwer ainen schütter haben, und ieclich vorster in seiner hute ainen schüter, und ain ieclich man, der in der gewalt sitzet, der mac seine swein, die er in sinem hause biderben wil, wol in die aicheln treiben. 302. III@3@a@g@1@a@bβ)) doch so find ich si (etlich geschlecht) nit, das si in dem gewallt sein gewesen als burgermaister und pfleger oder ander zeugen. Hector Mülich, d. städtechroniken 22, 342 (Augsburg); man hat auch nach den zunften etlichen, die im gwallt seind gewesen, auch herr geschriben. 346. ebenso 341; Herodes mächtig ist im gwalt, zehandlen was und wies im gfalt. tragödie Johannis des töuffers L 5a; [] Virgineus, ein herr zu Rom, het ein dochter, die hies mit nom Virginea, suptil und zart, die iniclich geliebet wart von Appio Claudio alde, der zehen ainer im gewalde. Hans Sachs (die kewsch ermört Virginea) 22, 294 Keller-Götze; man tribt jetz muotwill in dem gwalt grechtickeit ist in üch erkalt. Val. Boltz der welt spiegel N 1b; frier zeleben was im gewalt. Terenz 11a (1499). III@3@a@g@1@a@gγ)) und wann ein mözger umb ain viertl von einem rünt und ain böck umb 2 oder 3 pfenning brod und fleisch in dem gwalt blib, ... so sollen es die würt unter einander ausztailen. artikel des marktes Hermagor (1562), österr. weisth. 6, 423. III@3@a@g@1@bb)) abstraction und verallgemeinerung. III@3@a@g@1@b@aα)) unde de Lubessche schillinger olt scholde stan midde in gewolt vor seven penningh unde ein scherff. Reinerus Groningen (schichtspiel zu Braunschweig 2721), d. städtechroniken 16, 188; da er (Cicero) nun etlich jar, also inn grossem gewalt stuonde, und dz regiment gemainer ding enthielte, vertrib in di ungestümigkait Clodii. Schwartzenberg teutsch Cicero (1535) 9a; vgl. dein krancker leib sol ... offt vermden und in ungewalt ston sein aigen begirde zuo erfüllen. Suso buch von der ewigen weisheit 2, 1 (druck von 1512); so du widerumb in gewalt kumbst, wöllest unser auch, die du jetzundt verlassest, nit vergessen. Hedio übers. des Josephus (1553) 24a. III@3@a@g@1@b@bβ)) da wirckt in der drivalte die drei in eim gewalte des sunnsz menschait. bei Wackernagel das deutsche kirchenlied 2, 1159b; von eim propheten der ouch seit, den gott hab gsendt in d' Judischeit der werd thuon grosse wunderzeichen, in gwalt all menschen uberreichen. tragödie Johannis des töuffers L 4b. III@3@a@g@1@b@gγ)) und wenn unser frünnd der von Appenzell bottschafft mit namen Amman Schedler als er maint von sinnen frünnden nit in bevelhnusz noch gewalt hant gehept, ains sölichen rechten inzegon, so ist hierin beredt worden, das er sölichs hinder sich an sin herren und frünnd bringen ... wil. spruch der Schaffhauser von 1457 bei Zellweger urkunden 2, 1, 26. III@3@a@g@22)) an der gewalt, an gewalt. III@3@a@g@2@aa)) elliptische fügungen: am gewalt oder regiment sitzen, ein oberkeit verwalten, gerere potestates. Maaler 178b. ebenso Frisius 1028a; gewan er (Labienus) doch am lesten die stat durch verreterei, wan in der stat waren zwen herren an der gewalt, Dulcemar und Signator genant, wider einander. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 270 (Nürnberg). III@3@a@g@2@bb)) vollmacht und abstraction: so höbet ewer haupt entpor, erweittert euch, ihr der welt thor, ihr pforten seit hoch, doch deemüthig: dasz durch euch seinen einzug halt der könig, welcher an gewalt allmächtig, und an gnad allgütig. Weckherlin gedichte 2, 82 Fischer; der berühmte Italiäner Boccalini meldet uns aus seinem Parnasso, was gestalt alle potentaten in Europa ein sonderlich wag amt hetten, also beliebt und angestellet, dasz sie alle fünfzehn jahr zusammen kommen wolten ... und wann sich alsdan befünde, dasz der eine an gewalt so viel zugenommen, also dasz sich andere für ihm zu befürchten haben möchten, demselben alsdan sein gebührend gegengewicht .. gegeben werden solte. Schottelius friedens sieg 3 neudruck; könnt ihr länger es mit ansehn, wie der eingedrungne fremde, euer und der euren spottet? jeden tag an kühnheit wachsend, jede stunde an gewalt. Grillparzer (der traum, ein leben 4) 75, 186. III@3@a@g@33)) klein von gestalt, grosz von gewalt. Göthe (Faust II) 41, 164. III@3@a@g@44)) ob iemant war oder furwas wurde, er war des clainen rates oder des grozzen rates, er wer rich oder arm, der nach gewalt hie ze Augspurg stan wolt und grozzen gewalt furen und haben wolt, das das nit beschehen sull noch enmug, darumb .. (zunftverfassung von Augsburg 1340) d. städtechroniken 4, 129. III@3@a@g@55)) zu gewalte geben bei Otfrid s. oben sp. 4916. ähnlich aus jüngeren denkmälern sp. 4926. 4927; vgl.ze gewalte lâzen Gregorius 2873; die stat hat ein vischgruben pei sant Katherein under der [] müll doselbst an der Begnitz, die hat der Knopf, der stat vischer, zu gewalt. Tucher baumeisterbuch 268; ach, ich hets nicht begert fürwar, habt danck! ir schenkt mir immerzu, kein schenck ich euch herwider thu, wann mein herr lest mir nichts zu gwalt. H. Sachs (die listig bulerin) 17, 22; wiewol er höchste ding zu gewalt gehabt (summis rebus praeesse). Frontin von Tacius bei Fronsperger 3, 276a. III@3@a@g@66)) auf der gewalt, auf gewalt. III@3@a@g@6@aa)) darnach offent man euch, dasz iederman melde und rueg auf sein gewissen, was er wisse, da dem gottshaus künftiger schad von werden oder komen müg, das sei an pauvell von zimerschlaipf, an krieg, den pauleute gen einander habent, und ob iemand auf der gewalt kert hab, oder der darzu gewachsen sei, dasz er verporig, dasz er aus der gewalt icht ker. öffnung zu Anget, österr. weisth. 2, 68. III@3@a@g@6@bb)) zu viel trutz keiner auff gewalt die urtheil gottes sein manigfalt. Kirchhof wendunmuth 54a. III@3@a@g@77)) aus der gewalt, ohne gewalt. III@3@a@g@7@aa)) wer zimerholcz oder prennholcz ... aus der gewalt gibt ... der gibt die alten puss. Nürnberger polizeiordnungen 307; es sullen auch die hawer kein holcz geben auss der gewalt, es sein burger oder ander lewt, die sich versehen, die es aus der gewalt füren oder geben, ongeferde bei dem aide. 308; auch sol kein hafner dheinen auss der gewalt geben. wer aber darüber tet, denselben und auch sein vihe sol man halten als einen auss der gewalt. 305; ietweder teile tribend und suochende gewesen ist, wie er den anderen teil von dem selben ampte und usser gewalt getrúcken und verstossen möchte. Basler chron. 5, 79. III@3@a@g@7@bb)) doch sollen solche gesipte und verwandte personen, wann sie also sonder gewalt handlen wöllen, gnugsame caution und sicherheit thun. Frankfurter reformation (1578) 1, 6 § 9 u. a. vgl. sp. 4962; die wahrheit des wirksamen und der materie können wir nicht einsehen, ohne grosze gewalt der mathematik. Göthe (geschichte der farbenlehre 1) 53, 97; die minister sind ohne gewalt, ohne vertrauen, ohne wahre verantwortlichkeit, sie können es nicht wagen, mit einer neuen grossen idee, mit einem umfassenden plan hervorzutreten. C. v. Clausewitz nachrichten über Preuszen in seiner groszen katastrophe (kriegsgeschichtliche einzelschriften 10, 422). III@3@bb) die präpositionalverbindungen für die parallele von gewalt mit vis, violentia. wenn für gewalt = potestas in erster linie die verbindung in gewalt anzuziehen war, so kommt hier fast ausschlieszlich mit gewalt in betracht. III@3@b@aα) auf die mannigfaltige verwendung der verbindung mit gewalt und auf die rolle, die sie in der bedeutungsentwicklung unseres substantivs spielt, hatte schon die bisherige darstellung mehrfach bezug zu nehmen. dabei zeigte sich für älteste zeit nur die bedeutung potestas entwickelt, die später gerade in dieser verbindung ganz zurücktritt (vgl. sp. 5052). in dieser durch einen individuellen träger eingeengten bedeutung ist mit gewalt zuerst bei Otfrid belegt (er quimit mit giwelti 1, 15, 37 u. a. vgl. oben sp. 4915) und gewinnt in der geistlichen dichtung der mittelhochdeutschen periode unter anknüpfung an Gott oder Christus weite verbreitung: vgl. got mit sîner gewalt. Ezzolied 23, 1, vgl. oben sp. 4922 ff. aus jener zeit ist auch der typus des absolut gebrauchten substantivs belegt, in dem die bedeutungen kraft und zwang ihre gemeinsame erklärung finden: der Meie mit gewalte den Winter hât verdrungen. Neidhart 8, 13 u. a. vgl. oben sp. 4939; si wanden mit gewalde ... iren willen volle bringen. Trierer Silvester 546 u. a. vgl. oben sp. 4940. die verbreitung, die diese und ähnliche verwendungen in der neueren sprache gefunden haben, ist andeutungsweise schon mehrmals gestreift worden, vgl. sp. 4967. 4969. 4972. im folgenden sollen die bedeutungsübergänge dargelegt werden, soweit sie mit der bevorzugung bestimmter verba neben der präpositionalverbindung in wechselwirkung stehen; auszerdem beansprucht die verengerung der wortgruppe unsere aufmerksamkeit. in der formelhaften erstarrung verblaszt die bedeutung, so dasz mit gewalt schlieszlich im sinne von 'durchaus' gebraucht wird, vgl. oben sp. 5007 mit teufels gewalt. III@3@b@a@11)) ausprägung der bedeutung 'kraft, stärke, ungestüm': mit gewalt, per vim. Dasypodius 340b, ebenso Henisch 1591; mit gewalt, vi, per vim. Spieser (Basel 1700) 150, ebenso Weismann 156. III@3@b@a@1@aa)) darnach haben die Griechen sich besorgt, dz sie mit irem verziehen durch zwischen kommung des winters (der jetz schon mitt gwalt dahär gieng) von dem schiffen verspert [] oder verhindert wurden. Herold Dictys 74; der sommer kommt mit gewalt angeflogen. med. maulaffe 676; wenn nun erst das frühjahr mit gewalt eintritt! Göthe (ital. reise 2, 16. märz 1787) 28, 54; gleich darfür hinausz, erhörten wir bald von ferne ein grosses getösz, wasserreichen brunnenquellen, welche innerhalb in der gegne mit solchem gewalt entspringen, das die gleich darbei etliche mülinen treiben sollen. Rauwolf reisz in die morgenländer (1582) 305; und für anderen bädern auch dise art hat, das es (das wasser) sich vom October an bisz fast inn Maien verleust, unnd dann im Maio mit gwalt wider herzuo kompt. 3; indem das wasser mit gröster gewalt, und an vielen orten etliche ellen hoch, zwischen dem gesteine herausstürtzte. J. G. Schnabel insel Felsenburg 122 neudruck; der weizen wächset mit gewalt, darüber jauchzet jung und alt und rühmt die grosze güte desz, der so überflüssig labt und mit so manchem gut begabt das menschliche gemüte. P. Gerhardt 240 Gödeke; es wird mit gewalt grün, und des armen menschen freude, wenn wieder einmal etwas iung wird, ist gar gros. Göthe (an Charlotte von Stein 15. mai 1782) briefe 5, 329; dazwischen regnete es mit gewalt, woraus manche unbequemlichkeit entstand. (wahlverwandtschaften) 17, 228. III@3@b@a@1@bb)) mit gewalt herauszbrechen, erumpere. Dasypodius 341; als nun das schwein ihn darinn vermercket, hiebe es mit gewalt durch den baum. Kirchhof wendunmuth 247b; der braune hörte den wachsenden lärm in seinen schrecklichen nöthen und er risz mit gewalt das haupt aus der spalte. Göthe (Reineke fuchs) 40, 26; ich sahe einen ungeheuren leuen mit gewalt auf mich zulauffen, welchen ich mit meinem dägen so lang' abhihlt, bis mihr etliche unbekante mänschen zu hülfe kahmen. Zesen adriatische Rosamund 68 neudruck; zuletzt sprang Rustefeils bruder mit einem dicken und langen knüttel herbei, und gab ihm einen solchen schlag auf den kopf, dasz ihm hören und sehen davon vergieng. von diesem schlage sprang er mit gewalt auf. Gottsched Reineke fuchs (1759) (9. hauptstück) s. 17 Bieling (doch fuhr er empor vom mächtigen schlage. Göthe 40, 28); da nun Hinze den strick an seinem halse verspürte, fuhr er ängstlich zusammen und übereilte sich furchtsam, denn er sprang mit gewalt: da zog der strick sich zusammen. Göthe (Reineke fuchs) 40, 40; noch lange hingen die apostel immer an irdischen begriffen; aber da der niedrige, gestorbne, auferweckte, und nun gar in die himmel erhöhte heiland ihnen ganz etwas anders lehrte, so brach mit gewalt die scherbe. sie empfingen und verkündigten begriffe von einem höhern, geistigen, glückseligen reiche. Herder (erläuterungen zum neuen testament 1775) 7, 451. III@3@b@a@1@cc)) kieset uch selbest zwelff man, so starck ire si moget gehain, die die baner halten mit macht und gewalde! negen sich dann die baner nicht, so wel ich sittzen recht gericht. Alsfelder passionsspiel 3897 Grein; die bauren gruben die schanz mit gwalt, aber die im schlosz vernommens alsbald, sie theten bald zu ihn schieszen. Helffensteiner lied. bei Adrian mitth. 133; da si er mit gewalt usser dem kommer gangen und Odeber von Wonnisscheim habe Hennen von Leien ein streich geben mit einem swinspisse unden under sich geworfen. (Rummelsheim 1440) der Ingelheimer oberhof 101 Lörsch; ein anderer ist so unverschämt, dasz er in die schüssel mit solchem gewalt hinein sticht, als wollt er einen wilden schwein den fang geben. Stranitzky ollapatrida des durchgetriebenen Fuchsmundi, Wiener neudrucke 10, 138; zwei mal warf er ihm den hut herunter, und ermüdete ihn so sehr, dasz jener aus verdrusz, zorn und wuth den degen bei dem griffe faszte, und ihn mit solcher gewalt durch die luft schleuderte, dasz einer von den gegenwärtigen bauern ... nachher zeugnis abgelegt hat, dasz er ihn beinahe dreiviertel meilen weggeschmissen habe. Tieck don Quixote 2, 170; er wirft das messer mit solcher gewalt an den boden, dasz es zerspringt. Werner 24. februar (3. auftritt) Minor; ja sprach sich der galander in tausentlai stimmen, die lerch usz lautem grimmen so streitticlich herwider hal, doch mit gewalt die nachtigal si alle übersang. Clara Hätzlerin 2, 68, 14; [] himlisches hör erfreidt sich paldt, die engln singen got mit gwalt den herttern war auch offenwar der hertter, pschaffer aller zwar. hymnarius bei Wackernagel kirchenlied 2, 1110b. vgl. oben die brut sprach abir mit gewelde. Brun v. Schonebeck hohes lied 7634; bis-weilen kahm auch ein heisser seufzer härauf-gestigen, und brahch mit solcher gewalt durch den mund, dasz man ihn gahr von färnen vernähmen konte. Zesen adr. Ros. 143 neudruck; ich bin sehr fleiszig an der geschichte der farbenlehre und stecke im 17. jahrhundert, das ich mit gewalt angreifen musz, wenn es durchkommen will. Göthe an Knebel 18. märz 1809, briefe 20, 307; ich verfolgte jeden zweck mit ernst, gewalt und treue. (aus meinem leben, fragmentarisches) 60, 297; wir sahen in der sessionsstube des capitels die scizze zur hochzeit von Cana durch Paul Veronese ein treffliches stück, mit groser liebe und leichtigkeit gemahlen und gewalt und tüchtigkeit. an Charlotte von Stein 25. september 1779, briefe 4, 64; warum giebt herr Semler beinah alles streitend von sich? warum ladet er, eben durch streitigkeiten und ewige vertheidigungen gegen ketzerei, ja also am meisten selbst den verdacht von ketzerei auf sich, und hält auch den leser mit gewalt immer auf dem gedanken fest. Herder (über Semlers paraphrase des evangel. Joh.) 5, 443. III@3@b@a@1@dd)) du weist, mein allerliebster Galmy, das dann ich dir erzölen kan, mit was gwalt die liebe gegen denen, so sich ir underwürflich machen, herschen thuot. Wickram Galmy 22; man musz nothwendig glauben, dasz sie alle ihrer nicht mächtig gewesen sind, und dasz sie eine art von enthusiasterei müsse befallen haben, welche sich auf ihre kinder mit solcher gewalt fortgepflanzt, dasz sie ihrem ehrgeitze und dem ruhme ihres vaterlandes, güter und freunde, ältern und weiber, und alles was ihnen am liebsten war, aufopferten. Lessing (Vossische zeitung 1753) 5, 182; nennen sie mir etwas, was gleich mit solcher gewalt die seele ausweitete als die bloszen namen: Rom, Athen. Immermann 5, 199. III@3@b@a@1@ee)) in der bedeutung 'kraft, stärke, ungestüm' verbindet sich gewalt gern mit den schon oben (sp. 5033 ff.) besprochenen attributen voll, ganz, all. in wie weit diese verbindungen den formelhaften gebrauch des wortes und die abschwächung der bedeutung begünstigen, wird sich unter 3)) zeigen. dasz die grundbedeutung jedoch auch noch in der heutigen verwendung weiterlebt, zeigen nicht blosz wörterbuchnotizen, sondern auch litterarische belege. III@3@b@a@1@e@aα)) summa vi, mit gantzem gewalt und mit gantzer stercke. Frisius 1389a; omni vi, mit allem gewalt, mit aller maacht. 1390a; mit gantzer gewalt. Erasmus Alberus K 2a; mit gantzer gewalt, remis velisque, omni contentione, velis equisque. Henisch 1591; mit allem gewalt, omni vi et conatu. Weismann (1715) 156c; mit aller gewalt, omni vi, et conatu, magno conatu, studioque agere. Aler 933a; mit gantzer gewalt, enixe, obnixe, summa opum vi. ebenda, ebenso Bayer (manibus pedibusque) 290. Steinbach 2, 921. Kirsch cornucop. 179; mit aller gewalt, de toute sa force, de toutes ses forces. Rondeau-Buxtorff 253; mit grosser gewalt, with main force, mightily, powerfully. teutschengl. wb. (1716) 768. III@3@b@a@1@e@bβ)) da nu die nacht vergangen und ietz die edle morgenröte mit gantzem gewalt dohar trang. Wickram Galmy 69; ich kunte mich mit gantzer gewalt des lachens nicht enthalten, I was by no means apt to forbear laughing. teutsch-engl. wb. (1716) 768; die andern pfaffenknechte lieffen mit voller gewalt davon, dasz ihnen die schuch entfallen möchten. Bünting Braunschw. chronik 427; als man in das haus zurückgekommen war, nahm die unterhaltung einen höhern schwung und warf sich mit voller gewalt auf kunst und wissenschaft. Immermann (der neue Pygmalion) 8, 23; last uns bald, ihn werffen naus mit aller gwalt. Martin Hayneccius Hans Pfriem 37 neudruck; er küssete meine hand mit aller gewalt wohl 50 mahl. J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 11 neudruck; das schneiderlein ... suchte den dicksten stein aus und warf ihn dem riesen mit aller gewalt auf die brust. Grimm (das tapfere schneiderlein) 1, 131; mit aller gewalt schreien, to cry as loud as one can, with all one's might. Hilpert 1, 462b; mit aller gewalt klopfen, to knock as hard as one can. ebenda; so drang er mit aller gewalt auf einen frieden zwischen Kromweln, und dem könige von Frankreich. Zesen gekrönte majestät (1661) 252; ich werde das immer deutlicher und deutlicher einsehen, immer lebhafter und lebhafter fühlen lernen, bis [] vernunft und herz mit aller gewalt meiner seele einen entschlusz bewirken. H. v. Kleist (an seine braut) 210. III@3@b@a@22)) die ausprägung der bedeutung 'zwang, vergewaltigung': mit gewalt, par violence. Hulsius (1596) G 2a (fehlt 1614); mit gewalt, per forza, a forza, con impeto, di potenza, con violenza, par force, avec violence. Rädlein 380b; mit gewalt, gewaltthätiglich, vi, per vim, violenter. Bayer 290. III@3@b@a@2@aa)) die verbindung mit all, ganz u. a. als mitteln der steigerung ist hier selten: sie würden alsdenn mit offenbaarer gewalt, brauchbare, verheurathete, angesessene leute mit wegnehmen. Göthe (an Karl August 1779) briefe 4, 9; mit offenbarer, ganzer gewalt, by open force. Hilpert. dagegen sind hier negierende attribute häufiger belegt: hat die etliche zeit nie zulassen wellen, derhalben herr Wörnher, als ain vernunftiger weiser herr, solchs mit kaim gwalt, demnach er dann der sach wol gesessen und die dorfer einzuenemen vermugt het etc., ausrichten, sondern hat die mit listen und pessern fuogen bekommen wellen und hierumb ain sollichen schick an die handt genomen. Zimmersche chronik 1, 374; allermaist aus der ursach (ward das concilium zu Basel ausgeschrieben), damit die Behem, so bisher mit kainem gwalt gedempt, mit listen und freundlichhait widerumb zu der romischen kirchen möchten gebracht und mit derselben verglichen und veraint werden. 1, 241; von den Nider-deutschen wül fast das wider-spihl erfolgen, weil sie an ihrem reichtuhme so hart und fäste kläben, dasz si fast mit keiner gewalt dahr-von zu bringen sein. Zesen adriat. Rosam. 221 neudruck; nur zu so gemeinen bürgersleuten hätte man ihn mit keiner gewalt gebracht. J. Gotthelf Uli der pächter, cap. 9. III@3@b@a@2@bb)) mit verbis, die den begriff des zwangs schon in ihrem eigenen bedeutungsgehalt führen, bleibt die präpositionalverbindung in loserer fühlung. da sie der steigerung und verstärkung dient, gewinnt sie auf das verbum weniger einflusz. III@3@b@a@2@b@aα)) solchs war den hohen fürsten entgegn, thetn sich mit gwalt dawider legn. Chryseus hofteufel B 1a; da fanden wir sie feindlich hier gelagert und uns den eingang sperrend mit gewalt. Schiller (braut von Messina 3, 2) 14, 83; unnd wo man nit mit gewallt werenn kann unnd der warheit helffen. das man doch daselbs bekenne. Luther (von den guten werken, 1520) 9, 253; der besitzer darf sich verbotener eigenmacht mit gewalt erwehren. bürgerliches gesetzbuch § 859 u. a. vgl. oben sp. 4971; darumb die rechtsprüche: vim vi repellere licet, man möge gewalt mit gewalt steuren, helfen hie nichts. Luther (an kurfürst Johannes 1530) briefe 3, 561 u. a. vgl. oben sp. 4971; (es) kan der jagd- und wildbannsherr ... gewalt mit gewalt in continenti abtreiben. Beust jagd- und wildbannsgerechtigkeit 640; mit gewalt abtreiben. Steinbach 2, 921 u. a. vgl. oben sp. 4971; zu arm an soldaten, um sein land zu vertheidigen, und ohne hülfe gelassen von dem kaiser, der zu den beweglichsten vorstellungen schwieg, befahl endlich der churfürst von Brandenburg seinen unterthanen in einem edikt, gewalt mit gewalt zu vertreiben. Schiller (dreiszigjähriger krieg) 8, 161; sie (die nationalversammlung) hat das deutsche volk aufgerufen, die reichsverfassung zu schirmen, gewalt mit gewalt zu vertreiben. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (9) 6883a; gewalt mit gewalt vertreiben, opporre la forza alla forza, repousser la force par la force. Rädlein (1711) 380b; man kan gewalt mit gewalt vertreiben, vim vi defendere (Cicero). Aler 933a. ähnlich Bayer 290. Frisch. Rondeau-Buxtorff 283. teutsch-engl. wb. von 1716. Hilpert u. a. vgl. oben sp. 4971; wo man mit gewalt helt dieser natur werck, da mus es in das fleisch und blut schlahen, und gifft werden. Luther 2, 173a; bapst und keiser, bischoff und fürst, ertzpriester und schultheis halten zuosamen, wöllen uns mit gewallt hinderen am erlichen standt. J. Eberlin v. Günzburg (sieben fromme .. pfaffen klagen einer dem andern ihre not) 2, 63; fast mit der gewalt muszt ich sie hindern, hier hineinzudringen. Immermann (trauerspiel in Tirol 3, 1) 17, 74, der artikel ist hier nicht durch das metrum veranlaszt, vgl. auch sp. 5065. 5067; da die auf montag den 18. juni ... angesetzte auszerordentliche sitzung in dem locale der nationalversammlung ... auf anordnung der würtembergischen regierung mit gewalt verhindert wurde, indem ... die abgeordneten vom eintritt in den sitzungssaal mit gewalt zurückgewiesen wurden, so versammelten [] sich dieselben nachmittags nach 3 uhr im saale des hôtel Marquardt. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (9) 6875a. III@3@b@a@2@b@bβ)) doch han sie mit gewalt und frevel etlich kloster wollen sturmen. Wolfgang Königstein (tagebuch), quellen zur Frankfurter gesch. 2, 84; impeto, impetum facio in aliquem ... stürm zu ihm ein mit gewalt. Erasmus Alberus Y 4b; und ich war selbst zeuge einer solchen scene, wo sie mit umgekehrten hellebarden auf herrn und damen losschlugen, die mit gewalt die thüre erstürmen wollten, die zu dem saale der fuszwaschung führt. Grillparzer (tagebuch auf der reise nach Italien) 195, 223; eine festung mit gewalt ubersteigen, forcer une place, l'emporter de vive force. Rondeau-Buxtorff 283; in das lager, in ein haus mit gewalt einbrechen, forcer un camp, une maison. ebenda; eine thür mit gewalt aufbrechen, to break or bounce open a door with violence. teutsch-engl. wb. (1716) 768. ebenso Hilpert. III@3@b@a@2@b@gγ)) esz ist ein rechtte rauberei geweszen. esz sein vorheitte, bosze buben gewest, haben mit gwalt und durst ihn hinweg getriben. Luther (predigten über das 1. buch Mose, 1523/24) 14, 351; dringen inn etlich mal mit freuel unnd gewalt, on alle ursach, von dem seinigen. Mathesius hochzeitspredigten 105 neudruck; laszt mit gewalt sie uns vom altar reiszen, ihr theures dasein, fürcht' ich, ist bedroht. Grillparzer (Libussa 5) 85, 216. III@3@b@a@2@b@dδ)) Darius von Hesperg zwingt den erwergen man mit gewalt, das er dez geltz 30 gulden hat müsen bezalen und daz ander auf weinnachten. Dorothea v. Brandenburg an ihre mutter (Bamberg 1494) bei Steinhausen privatbriefe 1, 309; der text und die meinung s. Pauli foddern und erzwingens mit gewalt. Luther (sendbrief vom dolmetschen 1530) 5, 143b; warumb sollen wir denn solche hoffertige geister mit gewalt in sein reich zwingen? (warnungschrifft an die zu Frankfurt am Main 1533) 6, 108b; man sei in züchten guoter ding, und einr dem andern einen bring. doch also, dasz mann niemand dring, und mit gewalt zu sauffen zwing. Erasmus Alberus praecepta vitae et morum 62a; liebste wunderliche seele, warum wollen sie mich nun mit gewalt zwingen, einer kleinigkeit zu gedenken, die ich ihnen in eben dem augenblicke vergab, in welchem ich sie erfuhr? Lessing (misz Sara Sampson 2, 3) 2, 284; mit gewalt zwingen. nouveau dict. (Straszburg 1762); das wasser war nicht selber schuld, der baum hat's nicht begangen, sie hatten ihre meister schon, die mit gewalt sie zwangen. Robert Waldmüller edelweisz (1860) 69; er sei nämlich ... fest überzeugt gewesen, dasz Christus sich als regent und volkshaupt erklären werde, und habe das bisher unüberwindliche zaudern des herrn mit gewalt zur that nöthigen wollen. Göthe (dicht. u. wahrh. 15) 26, 310; mit gewalt überwinden, aliquem debellare. Aler 933a; der übereilte knabe will des mann's vertraun und freundschaft mit gewalt ertrotzen? Göthe (Tasso 2, 3) 9, 157; herr musz ich sein, dasz ich das mit gewalt ertrotze, wozu mir die liebenswürdigkeit gebricht. Schiller (räuber 1, 1) 2, 28; mit gewalt ertrotzen. Platen (1843) 4, 154; das einz'ge mittel, ihn vom bann zu lösen, war diese busze, vor der welt vollbracht. er durfte mit gewalt sich nicht ertrotzen, was frei gewährt allein ihm frommen konnt. F. v. Saar (Heinrich IV. 1, 4, 3) s. 169. III@3@b@a@2@b@eε)) die burgman zu Liningen hielten ime sein eigenthum vor mit gewalt und meinten das nit zu ubergeben. M. v. Kemnat chronik Friedrichs I. 49; er sol ouch den iren daz dorff Thonsel, den er daz mit gewalt vorhatte, keren one fúrworte. (Basler rathsbücher) Bas. chroniken 4, 31; wo sie nicht gutwillig sein wurde, dass er wol verschaffen köndte, dass ir herr heimlichen umbgebracht wurde, oder sie durch seine diener mit gewalt zu rauben. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 27 f.; hierumb wie mögen wir lenger leiden, dz die uns vor zeiten das gelt und guot abschmeichelten, dz selbig ietzo mit gewalt zuo rauben understehen? Hutten (Vadiscus) 4, 212 (quando per oppressionem eripiunt); da nun das spiel im besten war, und niemants sich des versahe, liesz Romulus die seinen mit gewalt die frembden frauwen, und jungfrauwen rauben. Livius (Straszburg 1562) 5b; was man mit gewalt raubt, das musz mit gewalt verthädigt werden. Henisch [] 1592; er entführte sie mit gewalt, he carried her off by force. Hilpert 1, 462b. III@3@b@a@2@b@zζ)) unnd (da) ime das seine wider gott unnd recht, mit gewalt abgedrungen wart. Mathesius hochzeitspredigten 93 neudruck; si trungen mit gewalt die stigen hinauf. Wilwolt von Schaumburg 149; aber die verschworenen brachen durch die geöffnete thüre mit gewalt herein. Platen geschichten des königreichs Neapel 2, 10; ach got von himelreiche, durch Christum deinen son verlei mir gnedigleiche dein heilig geist so fron, das ich mag frölich singen von deinem heiligen wort das itzt mit gewalt thut dringen herfür an manchem ort. bergreihen 3 Meier; die hoffart dringt euch mit gewalt, zeitlich ehr, und weltlicher bracht ist euwer andacht tag und nacht. Wickram der irr reittende bilger 55a; und wird also (der eingezogene athem) mit gewalt zu den augen getrieben. Aristoteles problemata (1589) 23; haben ihn (den Clitus) die anwesenden räthe mit gewalt hinauss gestossen, der doch zu einer andern thür wider hinein kam, und diesen poetischen spruch mit lauter stimme ohne schew aussgeruffen: 'heu! was grimmiger sitten kommen in das Griechenland!' Kirchhof wendunmuth (2, 3) 2, 15 Österley; andere sagen, der castellan, Sannuto da Capua, ein starker und handfester mann, habe es (das pferd) bei'm zügel ergriffen und mit gewalt jenseits der brücke zurückgestoszen, die sogleich in die höhe gezogen ward. Platen geschichten des königreichs Neapel 2, 5; vater, anverwandte und freunde, alle, alle verdienen es nicht, dasz ich sie länger kenne, weil sie Deutsche sind; weil sie aus dem volke sind, daz ihre gröszten geister mit gewalt von sich ausstöszt. Lessing (der junge gelehrte 3, 15) 13, 367; dieser dem stück natürlichste gesichtspunkt, zu dem uns doch jeder zug jedes bildes fast mit gewalt hinstöszet. Herder (älteste urkunde des menschengeschlechtes) 6, 257; sie ist immer eine art von kleiner entzückung, ein zustand, da der ordentliche, schnelle, natürliche lauf der ideen durch etwas erhabnes aufgehalten und mit gewalt auf sich gefeszelt wird. (archäologie des morgenlandes) 6, 91; denn während der letzten stunde hatten die zwei älteren mitglieder der expedition förmlich mit gewalt geschleppt werden müssen. Schack ein halbes jahrhundert 1, 199; ein kätzchen, das der wirthinn liebe nie mit gewalt zum mausen triebe, und itzt in ihrem schosze sasz, war schlau, vernahm und merkte das. Lessing (die nusz und die katze) 13. 187. III@3@b@a@2@b@hη)) darnach fuorn die von Venedig uz mit gantzer macht fur Glötz und der herzog von Venedig fuor mit sin selbs lip fur Glötz und lagen darvor mit gewalt piz in daz 80. jar. d. städtechroniken 4, 65 (Augsburg 1379). ebenso B. Zink, d. städtechroniken 5, 21; bi des ziten besoszent die Lamparter die stat zu Rome mit gewalt. Closener chronik, d. städtechroniken 8, 20; als einmahls der bluthund seinen wegk daselbst fuoruober genommen, sein die kriegsleut ausz dem schlosz herausz gefallen, haben in den grossen hauffen, den der tyrann umb sich hatte, mit gewalt hinein gesetzt, sie getrennet, und in die flucht gebracht. Bünting Braunschweiger chronik 18; ich hatt dir ach offt gern in khaim geschriben, aber es wer hart verschwigen bliben, denn du hasst mir mein hertz mit gwallt pessessen. Sterzinger spiele 1535, Wiener neudrucke 11, 224; die zugen fur Stuotgarten und wuosten da die winreben ain gantzen tag mit gewalt und schuzzen hinein und si heruz. d. städtechroniken 4, 56 (Augsburg 1378); enmorent do rait daz rittent folk uz und pranten in des von Wirtenberg land aber mit gwalt vil dörfer neben sich und fur sich. 57; denn ob man gleich alle juden und ketzer mit gewalt verbrennet, so ist und wird doch keiner dadurch uberwunden noch bekeret. Luther von weltlicher oberkeit (1523) E 2b; und komen an die vorbenanten ritter und knecht und fiengen ir ain tail und triben daz vieh mit gwalt gen Rottenburg. d. städtechroniken 4, 55 (Augsburg 1378); denn als Herman und Heinrich graffen zu Wernigerode, das schlosz Lichtenberg mit gewalt eingenommen hatten, zog hertzog Wilhelm, herr zu Lüneburg davor, und belagert das schlosz mit solcher gewalt, das die darauf waren, besorgten, sie müsten hunger sterben. Bünting Braunschweiger chronik 398; eine stadt mit gewalt einnehmen [] oder mit sturm erobern, to take a town by storm. teutschengl. wb. (1716) 768; so haben doch ire curfurstliche und furstlickaiten schlosz und stadt Cronberg mit gewalt erobert. Hartmuth von Cronberg 130 neudruck; als des königs gesandte ankamen, befand er sich in Aquila, das ihm ... zuerkannt worden, das er jedoch mit gewalt erobern musste, da es der provenzalischen partei ergeben war. Platen geschichten des königreichs Neapel 2, 6; das schlos zuo Tibingen hett man fast wol gewunen mit gewalt. Wilhelm Rem cronica newer geschichten, d. städtechroniken 25, 104; darnach seind zwei stättle mit gewalt gewunnen worden und geschleift, Mutila und Faveria. Livius (Straszburg 1562) 5a; die eidgenossen verordneten Heini Wolläben, den hauptmann von Uri, mit 2000. knechten auff den berg, eroberet den berg, und schluog sie mit gewalt darab. Stumpf Schweizer chronik 647a (1606). III@3@b@a@2@b@thθ)) wenn schon in vielen der letzt angeführten belege der begriff der violentia nicht aus der grundbedeutung des verbums, sondern aus deren weiterentwicklung im rahmen des militärischen wortschatzes hervorging, so gilt dies noch mehr für die nachfolgenden beispiele. auch hier aber dient die präpositionalverbindung mehr der wiederholung und steigerung als der bedeutungsverengerung: darnach zugen des richs stet, die den pund hielten, ze feld mit gwalt und tauten dem von Wirtenberg grozzen schaden. d. städtechroniken 4, 55 (Augsburg 1378); der pundt schickt etlich rätt gen Zürich zuo den aidgenossen und handletten so vil, dasz die Schweitzer den iren schriben, welten sie nicht haim komen, so welten sie mit gwalt über sie hinaus ziechen und welten sie hollen. Wilhelm Rem cronica newer geschichten, d. städtechroniken 25, 103; darauf dann ein ufruhr ward, und lieffen sie den pfalz-grafen an um glaidt, und gab man ihnen reuter zu, und verglaidt sie mit gewalt hinweg. Götz von Berlichingen 37 neudruck. III@3@b@a@2@cc)) ganz andere functionen übt die wortgruppe neben verbis allgemeinerer art wie nehmen, handeln, fahren, geschehen aus, hier giebt sie dem bedeutungsgehalt erst eigentlich die richtung und läszt sich im rahmen des jeweiligen zusammenhangs vom verbum gar nicht lösen. III@3@b@a@2@c@aα)) arripio, eripio, ich raub, nem mit gewalt. Erasmus Alberus novum dictionarii genus 23a; dem baursmann das korn mit gewalt nemmen, frumentum ab aratore abripere. Maaler 178b; doch hüte Chreme das du die nit verlierest. ee du sie von mir entpfahest. wann sie ist die umb die der ritter ietz kumpt sie von mir mit gewalt ietz zenemen. Terenz (1499) 71a (vi ereptum); wie der kaiser durch Orliens geraist, do hat der Delphin eim edelman in sein haus einfallen lasen und ein schöne junge dochter, die noch unverheirat gewesen, mit eim gewalt herausz nemen lasen. Zimmersche chronik 3, 316; dann wo er also solt abgan so möcht sich mancher understan, die tochter zu holen mit gewalt. Teuerdank 1, 67 Gödeke; dem ritter sie haimlich verschrib, wie sie sich müsset scheiden, sie ermant in der grossen lib, das er zu hilff ir keme und mit im nem die pesten ritter sein, das er sie auf dem mer nem mit gewalte; wan mon sie schicken wolt dem künig alte. H. Sachs (Constancia und Gerbino) fabeln und schwänke 3, 26 neudruck; mit gewalt werben, wegnehmen, estringere con forza al servizio militare, usar violenza per inrollare la gente, forzare la gente a prendere partita nel servizio militare, .. mit gewalt geworben, weggenommen werden, gezwungen werden, venir con forza astretto al servizio militare, être forcé à prendre parti dans les troupes. Rädlein s. 380b; das dritte (theil) wil ich haben, darumb das ich stercker bin und mehr darnach gelauffen und geerbeitet habe, denn ihr alle drei, wer aber das vierde haben wil, der mus mirs mit gewallt nemen. Luther fabeln 18 neudruck; das er seinem neben menschen verleugnet, was er im befolhen hat, oder das im zu trewer hand gethan ist, oder das er mit gewalt genomen, oder mit unrecht zu sich bracht, oder das verloren ist, funden hat und leugnet solchs mit einem falschen eid. 3 Mos. 6, 1; da werden sein die den armen leuten nit allein kein hülffe gethan, sonder auch das ihr mit gewalt genommen. Erasmus Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken E 4b; apt Uli lasz dich nit herfür, grosz unglück lit dir vor der tür, dar in machtu wol komen, won du vil mengem gotshusman das sin mit gewalt hast gnomen. vom Rohrschacher klosterbruch 1489. Liliencron volkslieder 2, 277; [] gewinst du einem das sein mit gewalt an dem mach ein anders underthan. kaiser Maximilians leer bei Frontinus (Mainz 1532) s. 51a; doch Lykodes will das lamm dem Hylax mit gewalt nehmen; Hylax will es mit gewalt behaupten, und das arme lamm — treffliche beschützer! — wird darüber zerrissen. Lessing (das beschützte lamm) 13, 211; so wollte er sich nun mit gewalt die speise nehmen. Gottsched Reineke der fuchs 299 (bei Göthe 40, 203 gewaltsam); er hats ihnen mit gewalt und unrecht genommen, he has violently ... abstorted it from them. teutschengl. wb. (1716) 768; wird eine bewegliche sache dem besitzer mittelst verbotener eigenmacht weggenommen, so darf er sie dem auf frischer that betroffenen oder verfolgten thäter mit gewalt wieder abnehmen. bürgerl. gesetzbuch § 859; mit den neuen erzählungen steht es so. dieselben sollen in der 'deutschen rundschau' erscheinen ... und ich werde mir die zeit mit gewalt dazu nehmen. G. Keller (an die Göschensche buchhandlung) bei Bächtold 3, 221. das gegenstück zu nehmen ist hier begreiflicher weise nur selten belegt, vgl.: gab im, wie ers nit gewölt, mit gewalt viertzig kronen. Kirchhof wendunmuth 363a. vgl. sp. 5066 mit gewalt geben wollen. III@3@b@a@2@c@bβ)) nun zeiget zwar die nechst beirisch auffruor genuogsam, was für lust unnd freundttschafft die underthonen zuo iren herren haben, die also mit gewalt faren. S. Franck weltbuch 55b. vgl. auch oben sp. 4944; aber todtschlag, kriegen, mit gewalt faren, gottes gebott übertretten, ist ein ring ding. 97a; die weltliche fürsten herschen, und welche die obersten seind, faren mit gewalt. Luther von weltlicher oberkeit (1523) E 4a; werdet ir aber mit gewalt faren, steiff und halsstarrig hindurch wöllen (da gott für sei), so bezeuge ich hie mit sampt allen ... das ir zu drümmern gehet. (vermanung an die geistlichen 1530) 5, 94a, ebenso 93b; das machet, schönes lieb, deine gute gestalt. farhin, farhin mit gewalt: du hast mein iunges hertze noch nie kein mal getröstet, getröstet. bergreihen 39 Meier; das man ein mas in allem halt und nicht schwind fahr und mit gewalt. Lobwasser cal. 38; mit gewalt fahren wehret nit lang, nullum violentum diuturnum. Henisch 1592. III@3@b@a@2@c@gγ)) ago meo injure, ich handel mit gewalt. Erasmus Alberus i 4b; die gewaldt haben die handeln mit gewalt, die schwachen handeln mit recht. Lehmann florilegium 307; ich treib mit gewalt, ich betrüb, beleidige, mach unrüwig, vexo. Dasypodius 256a; alles mit gewalt verrichten, omnia per vim facere. Steinbach 2, 921; so müssen auch dergleichen actus nicht vitieus, das ist, nec vi, nec clam, nec precario, nicht mit gewalt, nicht heimlich, nicht bitt-weise exerciret worden sein, weil sie sonst keinen effect haben. Beust jagd- und wildbanns-gerechtigkeit 603; und wäre vielleicht zeit vorhanden, noch ein kleineres stück, aus der reformationszeit, auszuarbeiten ... mit gewalt fabrizieren wollen wir nicht. G. Keller (an die Göschensche buchhandlung) bei Bächtold 3, 221. III@3@b@a@2@c@dδ)) ein wever dat vernam, hie wart zornich ind gram, van den husen dat hie leif, dat volk hie anreif, dat si leifen zo velde ind hoilden den man mit gewelde. (die weverslaicht. Cöln) d. städtechroniken 12, 253; mit gewalt wirst du wahrlich keinen freund weder bekommen noch behalten. Wieland (Aristipp 1, 14) 33, 169; vgl. oben sp. 4940: mit gewalte nieman erwerben mac die maget. Nibelungenlied 58, 1; schaff das du mir die mit gewalt heimlich oder mit gebet zuweg bringest, es gilt mir glich das ich sie nun bruche. Terenz (1499) 46a; einen mit gewalt worzu bringen, to force, compel or constrain one to something. teutschengl. wb. (1716) 768; eilt ihr zur stadt, und trefft ihr meinen bruder, bringt ihn zurück mit güte, mit gewalt. Grillparzer (ein treuer diener seines herrn 5) 65, 240; dann bringe sie, sei's mit güte, sei es mit gewalt, doch leise in den losgebundnen nachen, und fort nach Chios, auf der stelle fort! (Sappho 4, 2) 45, 194; da müssen jedmal die ihren heraus und sie mit gewalt wieder zu bette bringen. Anzengruber (dorfgänge) ges. werke 3, 26. [] III@3@b@a@2@c@eε)) da war ein behertzter unter den räubern, der kam mit gewalt in unser schiff. buch der liebe 202c; also kam des kunigs hauptmann mit gwalt in die statt und lies 2 oder 3 heuser anzinden. Wilhelm Rem cronica newer geschichten, d. städtechroniken 25, 134; also kamen sie alle wider haim mit gwalt ungeirrt aller herren halb und verprannten an der widerfart auch alles, das der feind was. Burkard Zink, d. städtechroniken 3, 34 (Augsburg); doch wurden sie gar wol bezahlt, dann als gestorben war der alt, da kam der landherr mit gewalt, grosz unfug er im kloster stalt, Frischlin (st. Christoffel) 175; sie selbs befanden sich betrogen, und, da schier sie mir schon mit gewalt fürkamen, fürgekommen; dieweil got ihnen selbs das leben eh sie mir die hofnung, weggenommen. Weckherlin (der 18. psalm) gedichte 2, 44 Fischer. III@3@b@a@2@c@zζ)) fürwor er irret wit von meinem urteil der gloubt, gebietung schwerer si und basz gefestnet die mit gwalt geschicht dann das das durch früntschaft zesamen gefiegt würt. Terenz (1499) 96b; was mit gewalt geschehen musz, dasz ist nichts wehrt, und wird zeitlich wormstichig. Lehmann florilegium 307; hat pflegen zu sagen: wer ein weib nimpt, der bilde ihm nur ein, sie werde das dominium (regiment) haben, es geschehe gleich clam, vi oder precario: heimlich, mit gewalt, oder aber bittsweisz. Zincgref apophthegmata 1, 149; es ist alles mit gewalt geschehen, omnia temere, turbulente, per vim, per furorem sunt gesta. Steinbach 2, 921. III@3@b@a@2@dd)) nicht so eng an das verbum geknüpft, aber doch mit dem verbalen satztheil in näherem zusammenhang bleibt die präpositionalverbindung in den fällen, in denen sie die bedeutung eines verbums nach der seite ergänzt, der sich das verbum schon an und für sich zuneigt. diese verbindungen halten die mitte zwischen den unter b)) und c)) aufgeführten gruppen. III@3@b@a@2@d@aα)) was thust du, Fauste, Fauste, — mit gewalt faszt er sie an, schon trübt sich die gestalt. Göthe (Faust II, 1) 41, 91; nun glauben wir's zu kennen! mit gewalt ergreift uns liebreiz weiblicher gestalt. (trilogie) 3, 22; der jugend, guter freund, bedarfst du allenfalls, wenn dich in schlachten feinde drängen, wenn mit gewalt an deinen hals sich allerliebste mädchen hängen. (Faust I) 12, 15; es wirft sich dem freunde ihres liebhabers so mit gewalt an den hals, dasz sich der junge der dirne nicht erwähren kann. J. v. Sonnenfels briefe über die wienerische schaubühne (Wiener neudrucke 7, s. 58). III@3@b@a@2@d@bβ)) zoge mich also, unangesehen mir noch die augen voller schlaffs waren mit gewalt mit sich. Hörl von Wätterstorff Bacchusia 3; sollicher gestalt ist der glaub von den abgöttern mänig (weil si die betrachtnusz von den götzen, auff die unsichtbarliche gaisten mit gewalt hat gezogen) dahin gewachssen. Alpinus Vergilius 1b; welch tiefes summen, welch ein heller ton, zieht mit gewalt das glas von meinem munde? Göthe (Faust I) 12, 44; Ottilie ward durch diese traulichen reden in den schrecklichsten zustand versetzt: denn es zerrisz mit gewalt vor ihr der anmuthige schleier. (wahlverwandtschaften 2, 10) 17, 318. III@3@b@a@2@d@gγ)) endlich greifft sich der vater an; er überschreit ihn mit gewalt, und besänftigt ihn mit einer menge solcher lobsprüche, die in der welt niemand verdient hat, verdient, noch verdienen wird. Lessing (der junge gelehrte) 13, 314; mit kewalt heipt me e kās rum = mit gewalt bringt man schlieszlich alles fertig. Lenz der Handschuhsheimer dialekt 1, 21; hätte ich das nicht mit gewalt durchgesetzt, so war mir der tod gewisz. Grimm (strohhalm, kohle, bohne) 1, 111; er will alles mit gewalt durchsetzen, he wishes to carry all by authority. Hilpert. III@3@b@a@2@d@dδ)) der esel will schlege haben, und der pofel will mit gewalt regirt sein, das wuste gott wol, darumb gab er der öberkeit nicht einen fuchsschwantz, sondern ein schwerd inn die hand. Luther sendebrieff von dem harten büchlin c 2a; der pöfel will mit gewalt regiert sein. Henisch 1592; und er befahl sie zu taufen im namen Jesu, und legte die hände auf sie und sie empfingen den geist. dem spruch ist so viel gewalt angethan, da die jünger Johannes bald zu unwissenden einer katechismusfrage, bald Paulus zum wiedertäufer gemacht, bald mit gewalt bewiesen ist, dasz sie nicht zum [] zweitenmal und so unwissend getauft worden. Herder (erläuterungen zum neuen testament aus einer neueröfneten morgenländischen quelle. 1775) 7, 406. III@3@b@a@2@d@eε)) 's ist der zerbrochne krug nicht, der sie warnt, die hochzeit ist es, die ein loch bekommen, und mit gewalt hier denkt sie sie zu flicken. H. v. Kleist (der zerbrochne krug 7) 2, 29 Zolling. III@3@b@a@2@ee)) in anderen fällen dagegen steht die präpositionalverbindung dem verbum selbständiger gegenüber, sie dient dem satzganzen, nicht dem verbalen satztheil, als ergänzung. III@3@b@a@2@e@aα)) o herr dir si lob ehr und prisz das ich ... den sun gots gsen in menschlicher art der on mans samen geboren ward, uff wölchem gsessen mit gewalt der heilig geist in der tuben gstalt. tragödia Johannis des töuffers (1549) E 2b; haben wir und unnser gesellen den dannck mit gewallt erstochen, wiewol sein liebe viel guter sticher von Bayern und Swaben auff seiner seiten gehabt hat. Markgraf Friedrich von Brandenburg an herzog von Baiern 1481 bei Steinhausen privatbriefe 1, 239; manch schwanger frawen sitzen do, wan sie dan schreien lut also, und ziehen uff die stirn mit gewalt, ein schrecken in die weiber falt. Th. Murner vom groszen Lutherischen narren 41 Kurz; wan er nuhn (fuhr ich fort) zu ihr kömt, und si sich wider verhoffen noch was fremde gegen ihn ställen würde, so darf er sich nicht entzühen, ihr einen fuhs-fal zu tuhn, und si mit fohrabgefassten bewähglichen und härz-drüngenden worten gleichsam mit gewalt zur verzeuhung zu zühen. Zesen adriat. Rosamund 139 neudruck; er, der nun gar in angst der seele wider willen andächtig sein will, oder soll, schüttelt sie mit gewalt auf. Herder (über die ältesten urkunden) 6, 164; er ist von sinnen! hörst du nicht! Leander! noch geb ich ihn nicht auf.die freunde samml' ich, wir halten ihn, und wär' es mit gewalt. Grillparzer (des meeres und der liebe wellen 4) 75, 80; die obrigkeit selbst hielt es ihrer aufmerksamkeit nicht für unwürdig, den künstler mit gewalt in seiner wahren sphäre zu erhalten. Lessing (Laocoon) 9, 12. III@3@b@a@2@e@bβ)) do Cresus der könig vonn Lydien, Halim das wasser nit mocht überziehen, auch weder brücken noch schiff hett, ... liesz er eilendt ein tieffen graben ... auff werffen ... und leitet also mit gewalt unnd grosser arbeit den flusz des wasser darein. Frontinus (1532) 9a; dann gott mehr gfallens hat an dem opffer, in welchem er von freiwilligen unnd von natur gebornen früchten verehret ward, dann an jhenen, welche ausz erfindung eins geitzigen menschen gleichsam dem erdtrich mit gewalt abgetragen seind. Hedio übers. des Josephus (1553) 4a; und wan nuhr auch ändlich diser sünnenspruch, auf last komt lust, darauf folgete, so könte sich ein härz noch wohl mit fräuden, wi ein palmbaum, der aufgelägten bürde widersäzzen, und seine beiden hügel wider alles unglük mit gewalt auf-rüchten. Zesen adriatische Rosamund 25 neudruck. III@3@b@a@2@e@gγ)) und wiewol wir mit gewalt und auch spott manigfaltiglich von in verletziget sein, so wöllen wir uns doch nit mit bestürmung oder wider wer entgegen setzen. Hutten (Vadiscus) 4, 222 (tot modis offensi contumeliam non defendimus et iniuriam propulsamus); denen die sich ergeben, musz man verschönen, und die hoffärtige mit gewalt under die füsz bringen, memento, parcere subjectis et debellare superbos. Aler 933a; etwas mit gewalt nicht vertilgen können, aliquid ferro, facibus, vi, manu, copiis delere non posse. Steinbach 2, 921; ich wil dich mit gewalt nach hause führen, rapiam te domum. Aler 932b; diese mit gewalt in fremde hände gegebne leute, werden in kurzem desertiren, und in ihr vaterland zurückkehren, die Preusen werden sie wieder fordern, im fall sie fehlen, austreten oder sich verbergen, an ihrer stelle andre wegnehmen. Göthe (an Karl August 1779) briefe 4, 5. III@3@b@a@2@e@dδ)) von Christi geburt 1410. empfieng Johannes 23. von Neapolis, vormals Balthasar Cossa genannt, ein cardinal, mehr mit gewalt denn ausz freier wahl das bapstthumb zu Bononia. Kirchhof wendunmuth 369a; doch do mit der pabst nitt verfür, und etwan ersuocht würd siner besitzung halb, auch das er ein rucken hett wider sine find, so beschrib der pabst Johannes der XII des namens, der sich mit gewalt pabst macht usz bistandt siner fründtschafft, und schendtlichen lebt, Ottoni ein sölchen eid vor. Judas Nazarei vom alten [] und neuen gott 30 neudruck; Clemens was bobst 9 jor und 19 tag. der was bobst mit gewalt und widers recht. Closener chronik, d. städtechroniken 8, 25; der pur lernts von den burgern ouch, ein narr zu sin und ouch ein gouch, und fiert mit gwalt der narren orden, sit das der pur ist schamper worden. Th. Murner narrenbeschwörung 273 (92, 141) neudruck; ob iemant den andern beclagt umb entwerrung so im mit gewalt und on recht sollt gefügt haben oder beschehen sein. so soll er fürpringen und beweisen. Nürnberger reformation (1479) titel 29, gesetz 4; also ist er durch und mit gewalt verurtailt worden. ein warhafft geschicht, wie Caspar Taube, bürger zu Wien .. (1524) B 4b; do die junckfrow gesehen hat, das man ir kindt so unschuldig mit gewalt verdammet hat und im so grosz unrecht geschahe, hat es ir im herczen und allen krefften wee than. Luther (predigten 1519—1521) 9, 540; derjenige aber jaget mit gewalt, der wieder geschehenes verbot einen actum zu exerciren fortfähret. Beust jagd- und wildbanns-gerechtigkeit 604. III@3@b@a@2@e@eε)) Mathusalem der warde alt neunhundert neunundsechzig mit gwalt. Wickram der irr reittend bilger 7a; seel die ungern vom leib scheidet so der mensch noch unauszgezeert mit gewalt verscheiden muosz, vivax anima. Maaler 369a; fast schien's, du habest leid und wonne in dir getödtet mit gewalt; dein auge war wie wintersonne so klar, so lächelnd und — so kalt. Geibel juniuslieder 79. III@3@b@a@33)) durch solche lockerung des zusammenhangs mit dem verbum wird die formelhafte erstarrung der präpositionalverbindung vorbereitet: mit allem gewalt, durchaus, platterdings. Schmeller 22, 908; med der gewald. Frommann 3, 264; mett jewalt, met aller jewalt, sehr gern, unter allen umständen. Jecht wörterbuch der Mansfelder mundart 42. vgl. auch oben mit teufels gewalt. III@3@b@a@3@aa)) den ausgangspunkt der verschiebung bildet die engere verbindung mit verbis des wollens, strebens, müssens, in der die präpositionalverbindung ihre bedeutung ändert. am anschaulichsten läszt sich der unterschied an solchen beispielen darlegen, in denen das verbum der willensthätigkeit als hilfsverb einem anders gearteten verbum gegenübertritt. insofern die präpositionalverbindung mehr mit diesem letzteren in beziehung bleibt, hält sie auch an ihrer grundbedeutung fest: da könig Philometor nu erwachsen war, und das reich einnam, wolte er das seine mit gewalt wider holen. Luther (vorrede auf den propheten Daniel), vgl. Bindseil-Niemeyer 7, 374. wo sie dagegen in dem vorstellungskreise des hilfsverbs zurückgehalten wird, entwickelt sie die oben belegten bedeutungen, vgl.: doch will si (die gäuchin) es (das hemd) mit gewalt dir selb weschen, so wesch du mit seuffen die gel farb vor usz. Thomas Murner gäuchmatt s. 41 Uhl. die überwiegende zahl der einschlägigen belege zeigt denn auch das hilfsverb wollen, einige wenige sollen oder müssen, eine spärliche gruppe weist als verbum finitum ein bedeutungsverwandtes wort auf, und ganz vereinzelt dringt die geschlossene verbindung mit ihrer neuen bedeutung auch in andere sätze ein. die verstärkung durch eingeschobene attribute (mit ganzer gewalt, mit aller gewalt, vgl. auch mit teufels gewalt sp. 5007) ist aus jüngeren quellen belegt und bleibt in der minderzahl. die einführung des demonstrativen artikels ist mundartlich bezeugt: dat gefäld eam so bister schlecht, dat hä sinen bischloap med der gewld wêr kwit sin wel. Frommann mundarten (märkisch-niederd. mundart) 3, 264. unter den schriftstellern ist es Immermann, der diese mundartliche erweiterung der verbindung in seinen stil aufgenommen hat, vgl. sp. 5058. vgl. sp. 5067. III@3@b@a@3@bb)) neben dem hilfsverb wollen: III@3@b@a@3@b@aα)) fälle, in denen die präpositionalverbindung auch mit anderen satztheilen als dem hilfsverbum in beziehung gesetzt werden kann: da begundt er von dem bischof der selben stat aischen ein kirchen die er seinem irsal weihet. und da im der bischof das häfticlich versaget. da sprach der selb Arrianus offenlich, das er des andern tages in sant Paulus kirchen mit gewalt gan wolt. Gregors dialoge (Augsburg 1473) 3, 29; er will uns mit aller gewalt zum lachen zwingen. Weise die drei ärgsten erznarren 168 neudruck; als ich solches hörete, so wolt' ich meinen abschihd mit gewalt nähmen, und bemühete mich so vihl als ich imer konte, disem instähenden blizz' aus dem wäge zu weichen. Zesen adriatische Rosamund 44 neudruck; du spitzbube, willst mich mit aller gewalt vom [] platze haben. Lessing (der freigeist 1, 4) 23, 60; kurz, der major sahe, dasz er mit aller gewalt höher wollte. (Minna 3, 2) 1, 546. III@3@b@a@3@b@bβ)) die präpositionalverbindung ist in engeren zusammenhang mit dem hilfsverb abgedrängt: dann vil sint an in selbs erblint die mitt gwalt went witzig sin do iederman sicht und ist schin ir narrheit. S. Brant narrenschiff 46, 3; es hilfft kein wort an üwerm bschwören; dann ir üch klieglich kinnendt weren und kindts glosieren alles fin, ouch wölt mit gwalt kein narren sin. Th. Murner narrenbeschwörung 21 (5, 97) neudruck; dann sie mich ie mit gewalt für einen narren haben wöllen. luth. narr 3 Kurz; der (Theagenos) wolte mit gewalt mit dem schwerdt dran, sie wolt nicht von jm, sonder mit jhm sterben und genesen. buch der liebe 202a; ich sag euch, dasz man sie (die tafel) gleichsam mit gewalt von mir hat haben wollen. Dürer (an Jacob Heller 26. aug. 1509) nachl. 58; wolten mit gewalt die bezahlung von mir haben. Hörl von Wätterstorff Bacchusia 97; ein offner kopf, ein muntrer geist, kurz, einer von den feinen leuten, die ihr beruf zu neuigkeiten nie denken, ewig reden heiszt, die mit gewalt es haben wollen. dasz kluge närrisch werden sollen; ein solcher schwätzer trat herein, dem dichter den besuch zu geben. Gellert (der gütige besuch) fabeln und erzählungen (1748) 1, 91; er ist allein, hat vom vater schöne güter, ist jung und frisch; nun will er mit gewalt eine frau dazu haben, und just mich. Göthe (Jery und Bätely) 11, 6; von einem mägdlein, welches einen beichtpfennig mit gewalt geben will. Sandrub historische und poetische kurzweil 14 neudruck; ihr nötiget euch zu mir und wollt mit gewalt kugeln mit mir wechseln. Schupp (antwort auf Schmidts discurs) schrifften 798; dann grob sein hat ein solchen bscheid, dasz ichs für grobe thorheit halt, wer geschlagen sein will mit gewalt. Kaspar Scheidt grobianus 52 ueudruck; ein mensch, der mit gewalt will einen gelährten bedeuten. Weise die drei ärgsten erznarren 48 neudruck; ich wünsche ihro gnaden eine gute nacht! und hierauf will er mit gewalt fort. Lessing (entwürfe ungedruckter lustspiele) 6, 325; sie wollte mit gewalt zu ihm, aber man hielt sie ab. Heinse (Ardhingello) sämtl. schriften 1, 73; und wenn graf Appiani nicht mit gewalt einen seiner ergebensten freunde in mir verkennen will. Lessing (Emilia Galotti 2, 10) 2, 406; und dennoch — willst du mit gewalt denn hahnrei sein. (fabeln, Nix Bodenstrom) 13, 179; sie fuhren immerzu und wollten mit gewalt neue länder entdecken. Eichendorff 3, 229; dieser Heinrich hat mit gewalt sein glück nicht erkennen wollen. Th. Storm (drauszen im haidedorf) 3, 95. III@3@b@a@3@b@gγ)) verstärkung der präpositionalverbindung durch einschübe: Amandus wolte mit gantzer gewalt wissen, wo sein gast blieben wäre. Ch. Weise die drei klügsten leute der welt 162; indem sie mit aller gewalt ihren Carl Frantz sehen, oder sich selbsten den kopff an einem felsen einstossen wollte. J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 154 neudruck; ein junger kerl, der wolte mit gantzer gewalt ein narr sein. Ch. Weise die drei ärgsten erznarren 168 neudruck; hielt ihm verweiszlich vor, warum er mit aller gewalt in das narren register wolle gesetzt sein. 19; aber wenn er mir auch ein testament mit aller gewalt hätte machen wollen, musz er denn ein so wahnwitziges machen? Lessing (die glückliche erbin) 3, 341; es ist gut, ihrem geiste zu dienen, den das neue, das besondere geblendet hat, den ein anschein von gründlichkeit zu glänzenden irrthümern dahinreiszt, und der, aus begierde bemerkt zu werden, sie mit aller gewalt zu etwas machen will, was nur feinde der tugend, was nur bösewichter sein sollten. (der freigeist 1, 1) 2, 52; nun sagen sie mir, Staleno, als ich hörte, dasz Lelio das haus, eben das haus, worinn die barschaft verborgen ist, mit aller gewalt verkaufen wollte: sagen sie mir was sollte ich thun? (der schatz) 13, 136; weil du mit fleisz, mit aller gewalt verlieren willst. (Nathan 2, 1) 3, 40; du willst es also mit aller gewalt wissen? (misz Sara Sampson 1, 2) 23, 269; beide herren musz ein verborgenes geschwür jucken, das sie mit aller gewalt aufgestochen wissen wollen. (briefe, die neueste litter. betreffend) 6, 261; mit aller gewalt hineinwollen, to want to enter with might and main at any [] rate. Hilpert 1, 462; furt wollen se mett aller jewalt. Jecht wörterbuch der Mansfelder mundart 42. III@3@b@a@3@cc)) verbindung mit müssen oder sollen. III@3@b@a@3@c@aα)) ist sie (die veränderung) aber durch äussere umstände veranlaszt worden, hat er sich, aus absichten, mit gewalt in seine itzige denkungsart versetzen müssen, so betauere ich ihn aus dem innersten meiner seele. Lessing (briefe, die neueste litter. betreffend) 83, 15. III@3@b@a@3@c@bβ)) inn dem wir fort fahren, kam unser vilen ein solcher widerwill, das wir gleich darauff mit gewalt muosten von uns geben, ... was wir in langer zeit gesamlet. Rauwolf 11; denselben faulen schaafe musz man solch gemengt saltz mit einer hollunder-röhre in den hals schütten und halten, dasz es mit gewalt fressen musz. Becher hausz-vater 634; selbige meine liebe ehe-gattin muste sich also mit gewalt gute tage machen. J. G. Schnabel insel Felsenburg s. 218 neudruck; zehlete sie mir 50 holländische spec. ducaten auf den tisch, welche ich, solte sie anders nicht zornig werden, mit aller gewalt in meine tasche stecken muste. 1, 34; weil er nun dem ritter vorgestellt, dasz es gott versuchen heisze, wenn man den löwen anreizte, dasz er mit gewalt heraus müszte, wie er gewollt, dasz man thun solle. Tieck don Quixote 2, 147; mit gewalt etwas thun müssen (gezwungen werden), met geweld iets doen moeten. Kramer nieder-hoch-teutsch wb. 2, 96c (Nürnberg 1719). III@3@b@a@3@c@gγ)) man wil auch dergleichen mit allen zeit-wörtern, welche die weise zu gebüten bedeuten, als ich liebe, lobe du, u. a. m. und mit aller gewalt fohr wurzeln der andern sollen gehalten wärden, anfangen. Zesen bei Johan Bellinen etlicher der .. deutsch-gesinnten genossenschaft mitglieder sendeschreiben .. (Hamburg 1647) 8. sendschreiben; daher die erdichteten umstände der ausschmückung Hegesippus und andrer: er sei ins heilige gegangen, habe das stirnblatt getragen u. f. — weil er bischof jüdischer christen zu Jerusalem war, so sollt' er auch mit gewalt der erste jüdisch-christliche hohepriester sein, wie es die sage ebenfalls von Johannes dichtet. Herder (briefe zweener brüder Jesu in unserm kanon. 1775) 7, 490; genug, es sollte nun mit aller gewalt eine religiöse schule am Rheine erblühen. Immermann memorabilien: Düsseldorfer anfänge (werke 20, s. 202); wollt ihr nicht in der güte, so sollt ihr mit gewalt, if by means you would not, I shall make you do it by foul. teutsch-engl. wb. (1716) 1768b. III@3@b@a@3@dd)) verbindung mit verwandten verbis: mit aller gewalt nach einem bubenstuck stehn, anhelare scelus, summo ardore animi scelus admittere velle. Henisch s. 1591 (1616); wenn Adrast eben der fromme mann wäre, der Theophan ist; wenn seine seele von eben so göttlichen stralen der wahrheit, die er sich mit gewalt zuverkennen bestrebet, erleuchtet wäre: so würde er ein engel unter den menschen sein. Lessing (der freigeist 2, 1) 23, 68; geld und gut sollst du haben, so viel du mit aller gewalt durchbringen kannst. Grimm (der bärenhäuter) kinder- und hausmärchen 2, 94; darum ist an ihnen eine thorheit gesetzt, das schieszen ohne treffen. sie sollen aber suchen, mit der gewalt davon loszukommen. Immermann 1, 276; drei tage muszte die gesunde kranke im bette zubringen, drei nächte hatte die friedensstörerin auf dem wächterstuhl zu versitzen. endlich erklärte jene sich mit gewalt für hergestellt. 5, 85; deswegen eilet es (das podagra) mit gewalt zu denen reichen, und verlässet sie nicht. Albertus abhandl. vom podagra (1725) 19. III@3@b@a@3@ee)) erweiterung des gebrauches: recht lieb auch yeb gen mir min hort du schaffst sunst mort inn mir mit gwalt. volkslied: min gmt unnd plt ist gantz entzint. vgl. Singer z. f. d. a. 45, 173; eines ungunst mit gewalt auff sich laden, irruere in odium alicujus. Aler 933a. III@3@b@bβ) neben dieser mannigfaltigkeit der verwendung treten alle anderen präpositionalverbindungen weit zurück; sie werden daher im folgenden mehr zum vergleich und zur ergänzung herangezogen. III@3@b@b@11)) am nächsten kommen noch die verbindungen mit durch, die einigemale das substantiv auch in individueller bestimmtheit darbieten: III@3@b@b@1@aa)) item alle wuchrer und alle die, die durch iren aigen gewalt absagen und kirchen verprennt haben und die kainerlai schaden christenleuten zugezogen haben und fremde hab und gut gewaltiglichen innen haben, alle die weil sie also peleiben, so sein sie des ablas und der genaden unwirdig. (jahrbücher [] des 15. jahrh. Nürnberg) d. städtechroniken 10, 183; so aber nuon die ungestúmm und last der schlacht sich anfecht, als dann vil ding durch etlichen gewalt gebrochen werden. Onexander von den kriegszhandlungen und räthen der guten hauptleut (Mainz 1532) 39e; durch gewalt der waffen austreiben. Wieland Shakespeare 1, 217 anm. III@3@b@b@1@bb)) alles ist durch gewalt geschehen, omnia per vim gesta sunt; omnia temere et per furorem sunt acta, contra leges, moresque majorum. Aler 933a. vgl. auch oben sp. 4976; was durch gewalt gewonnen wurde, muszte behauptet werden durch gewalt. Schiller (dreiszigjähriger krieg 1) 8, 18; wer zu ohnmächtig war, gewalt durch gewalt abzuwenden, flüchtete sich unter die flügel der justiz. 19; auch in den folgenden zeiten setzte sich die katholische kirche lieber aus, alles durch gewalt zu verlieren, als einen kleinen vortheil freiwillig und rechtlich aufzugeben. 17; diese zu rechter zeit hingeworfene drohung, vielleicht auch der blick auf die schwedische armee, welche mächtig genug war, dem könige durch gewalt zu verschaffen, was man ihm auf dem wege der güte verweigerte, brachte endlich den churfürsten zum entschlusz, Spandau in seine hände zu übergeben. 178; wir uns abtrotzen lassen durch gewalt was wir der güte weigerten? (Tell 2, 2) 543a; zwingt man dich nicht durch drohungen? durch gewalt? Kotzebue almanach dramat. spiele (1807) 5, 207 (d. lustspiel am fenster); die erschütterung in Frankreich wirkte weit über die gränzen dieses landes hinaus, von allen seiten erhoben sich bewegungen, die durch klugheit zu beschränken, durch einsicht zu meistern oder durch gewalt zu hemmen waren. Varnhagen denkwürdigkeiten 5, 90 (biographisches: Fr. v. Gentz). III@3@b@b@22)) van des rades borgen inholde, we rochte repe in gewolde we sik ok tughen birepe, dat sin sake sus andrepe. Reinerus Groningen schichtspiel zu Braunschweig 935, d. städtechroniken 16, 132; man hat dich an der Donau überlistet, versuch, ob in gewalt er auch obsiegt! Grillparzer (könig Ottokars glück und ende 4) 65, 114; er hatte grosse lust zur beute; nur dasz er jeden gegner scheute, der stärker war, als lamm und schaf. drum sollt' es ihm durch list gelingen, den jungen streiter zu bezwingen der an gewalt ihn übertraf. Hagedorn poetische werke 2, 41 (wolf und pferd). III@3@b@b@33)) die sich mit innigem gaist zuo got halten die pflegent in baid weise zaichen zuo beweisen so das die noturft aischet, also das si iegliche wunder etwen durch das gebett tuond und etwen von gewalt. Gregors dialoge (Augsburg 1473) II cap. 30; der schelmen zunfft hat disse art, das mancher schelm sein geltli spart, do er billich mit bezalt, und kumpt im denocht usz gewalt unnutzlich an eim ander ort, der offt nit dancket mit eim wort. Thomas Murner schelmenzunft 29 neudruck; denn ich das uff der geuchmat findt, das ettlich nit gantz witzig sindt; darumb muosz ichs mit gwalt besehen, ob si usz gwalt etwas veriehen. gäuchmatt 34, 18. III@3@b@b@44)) item solle kein parthei noch zeuge von den richtern oder commissarien vor peinlicher rechtfertigung vergleidt werdenn, aber fur gewallt mogenn die parthien unnd zeugen fur gericht vergleidt werdenn. Carolina (76) 44 Kohler-Scheel; die Teutschen solten des römischen reichs mitgenossen und pundsverwonten, von denen in nichts übels geschehen wär, unpekümmert lassen, abziehen und sich wegkmachen, wo nit, so künten und möchten die Römer die iren nit verlassen, müesten und würden darzue gezwungen und genöt, das si den iren zue hilf kämen, si vor g'walt und muetwillen peschüzeten und beschirmeten. Aventin (baierische chronik) 4, 319; das land ist voller gräben für gewalt gemacht. S. Franck weltbuch 197a; clathri vel clathra, getter für gewalt. Schenck nomenclator H. Junii ad usum scholarum (Augsburg 1571). vgl. Ludin Adam Sibers bearbeitung des nomenclator H. Junii 75; in der gehorsam sie in baten, das er wolt folgen irem rat und sein tochter vor seinem tot verheiraten nach den eren, damit sie wüsten einen herren, der sie schirmet und entschüttet und vor allem gewalt errettet. Teuerdank 1, 67 Gödeke; [] er (der vater) sprach, dabei ein jeder merck, wann ihr euch fest zusamen halt, so werdt ihr wol stehn für gewalt. Erasmus Alberus fabeln 196 neudruck; der jetzt mit trewen ander leüt, regiren sol zu diser zeit, und unrecht wehren, für gwalt beschützn, wird offt gewis für engsten schwitzn. Chryseus festteufel c 1a; wider gewalt kan ich nicht, non possum mihi praestare a vi. Serz teutsche idiotismen 54b (1797); es gibt noch männer, die auch der gewalt gegenüber ein gewissen haben. J. Grimm (meine entlassung) kl. schr. 1, 35. III@3@b@b@55)) wie der elende, dessen vom fieber geschwächte gelenke, wie losgeriszne angeln, unter der gewalt des lebens wanken, in einem ungeduldigen anstosz von hize, wie ein feuer aus seines hüters armen ausbricht, so sind meine von gram geschwächte glieder, nun vom gram zur wuth getrieben, dreimal stärker als sonst. Wieland Shakespeare 5, 300 (Heinrich IV. 2, 1, 2). III@3@b@b@66)) über gewalt, über allen gewalt, über teufels gewalt. Schmeller 22, 908; moust halt eppes übe' gewalt toñ (nolens, volens). ebenda. III@44) die unmittelbaren verbindungen mit verbis beschränken sich fast ausschlieszlich auf objectiverbindungen. als subject geht das substantiv feste verbindungen nur mit stehen und geschehen ein. vgl.: wol hette man einen ammanmeister gehebet, aber es stunt kein gewalt an ime, wande daz er die schoffel samete so man üte mit in wolte zuo rot werden. Closener, d. städtechroniken 8, 123 (Straszburg) u. a. vgl. sp. 4955. 4996; zu es geschieht gewalt (= violentia) vgl. sp. 4946 und unten 4, b; die grundlegende bedeutung, die gerade die objectiverbindungen für die geschichte unseres substantivs gewonnen haben, kam in der bisherigen darstellung schon zur geltung. aus den belegen für Ulfilas, die Tatianübersetzung, Heliand und Otfrid (vgl. sp. 4912. 4914. 4916) hatte sich ergeben, dasz der älteste gebrauch unseres wortes fast ausschlieszlich an die objectverbindung mit geben oder haben anknüpfte. diese beiden verbindungen tragen auch bei Notker und in der mittelhochdeutschen periode hauptsächlich die verwendungen des substantivs in der bedeutung von 'potestas' (vgl. sp. 4918. 4921. 4926—4928. 4931—4933. 4934). dem gegenüber kommen andere ähnliche verba kaum in betracht, sie sind entweder zeitlich beschränkt wie das mittelhochd. pflegen, das den genetiv erfordert (vgl. sp. 4921), oder weisen nur spärliche verwendung auf wie lassen, einräumen u. a. verhältnismäszig spät belegt sind objectverbindungen, die die bedeutung 'vis, violentia' zum ausdruck bringen. auszer der vereinzelten Tatianstelle giwalt bigangent in sie (112, 3 für 'potestatem exercent' vgl. sp. 4915) gehören sie erst der mittelhochdeutschen periode an und kommen an häufigkeit der verwendung alle zusammen nicht gegen die gerade hier so beliebte präpositionalverbindung mit gewalt auf, vgl. gewalt begehen (sp. 4943. 4944), treiben (sp. 4944), üeben (sp. 4945), thun (sp. 4945). III@4@aa) die alten verbindungen, die in der bedeutung 'potestas' zusammentreffen. bei einzelnen fügungen ist hier ein übergreifen über den rahmen dieser bedeutung nicht ausgeschlossen, vgl.: gleich dem wadel an einem hund ... so bald du im seinen gewalt leszt, so wirdt er wider krumb als vor. alte weisen (1565) 43b; Servilius wünscht frieden, und sein alter, sein verdienst, giebt seinem wunsch gewalt. J. W. v. Brawe Brutus 2, 2. vgl. auch sp. 5074 unter gewalt haben. aber die grundrichtung der bedeutungsentwicklung wird durch solche seitentriebe kaum berührt. mehr beachtung fordert die zunehmende einführung des individuell begrenzten begriffes in diese verbindungen, die anfangs nur zielbestimmungen neben dem substantiv begünstigt hatten, vgl. oben sp. 4931. III@4@a@aα) gewalt geben und ähnliche verbindungen. III@4@a@a@11)) der kreis der einschlägigen verba ist hier am weitesten bei der verbindung des substantivs mit einem reflexixpronomen. III@4@a@a@1@aa)) von dieser verbindung wird die allgemeinere bedeutung von potestas seltener getroffen: ist dein gesank also getan, als schön du sunst pist gestalt, so hat got wol sein gewalt mit seinem fleiz an dich gelait. Hans Vintler plumen der tugent 2491; gewisz würde ich mich zu dir nicht herablassen, wenn mir ein tyrann seine gewalt, oder der himmel seinen blitz anvertrauen wollte. Lessing (misz Sara Sampson 4, 6) 2, 325; kurz, sie erhielt wieder ihre vorige gewalt über mich; und kaum hatte ich sie aus den augen verloren, als ich in einer plötzlichen [] anwandlung von reue ... ihr ... nachzugehen anfing. Wieland (Peregrinus Proteus) 27, 205. III@4@a@a@1@bb)) viel häufiger dagegen wird hier die engere bedeutung 'vollmacht' angezogen. III@4@a@a@1@b@aα)) swenn auch die burgermaister an dem geriht niht gesin mügen, so sullen si zwaien under den zwelf gesworn rihtern welhen si wellent, iren vollen gewalt empfelhen. (zweiter zunftbrief von Augsburg 1368) d. städtechroniken 4, 145; lantgraff Hans von Leuchtenberg hat sein gewalt dem bischoff von Mentz bevolchen. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 286 (Augsburg); ain ieder mag in burgerlichen sachen personlich erscheinen, oder seinen gwalt und volmacht in gericht ainem andern bevelhen. Nürnberger reformation (1564) 18c. III@4@a@a@1@b@bβ)) ich Ulreich von Hohenloch bekennen offenlichen mit disem brif etc. als uns der aller durchlewchtigst fürste und herre her Wentzlaw römischer künig ... empfolhen und auch seinen gantzen vollen gewalt und macht mit seinen küniglichen brieffen gegeben hat. (vertrag der bevollmächtigten Wenzels mit dem städtebund wegen der judenschulden 1385) d. städtechroniken 1, 116 (Nürnberg); hierumb in der aller bestentlichsten und krefftigsten form, aller gerichten und rechten, so gab und bevalch er seinen vollmächtigen gewalt und gantze volkomne macht, dem ehrsamen N. der zuogegen under augen stuond. rhetorica und teutsch formular (Tübingen 1560) 74b; hertzog Öbreht von Osterrich nam mit ime den hertzogen von Sahsen, den hertzogen von Kernten und den hertzogen von Opulie, dem der kunig von Behem sinen gewalt hette gegeben an der walunge. Closener chronik, d. städtechroniken 8, 58; hertzog Hans von Bairen, graff zuo Veldentz und hertzog Ludwig zuo Bairen, graff zuo Spanhaim, haben iren gwalt geben margraff Philipps cantzler von Baden. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 285 (Augsburg); derhalben ist ainer ersamen nachperschaft verordnung, wann ain haubtman die nachperschaft wissen lasst, dass ieder persondlich gehorsam erscheinen und nit ainem andern seinen gewalt zu geben macht haben soll, er sei dann mit sondern eehaften geschäften beladen, mag er sich gegen dem haubtman entschuldigen. gemeinschaftsbrief von Lorenzen (1565), österr. weisth. 5, 458. III@4@a@a@1@b@gγ)) darzu wir dir hiemit in der allerbesten form all unser gewalt und macht übergeben. Jac. Ayrer proc. 435; und aber ich in eigner person, abwesenheit halben, nit erscheinen kan, bekenn, dasz ich meinen vollkommenen gewalt und macht, auf und übergeben habe, dem wolerfahrnen und frommen Moisi. 76. III@4@a@a@22)) über den rahmen der reflexixen fügungen reicht unter den angeführten synonymen eigentlich nur die verbindung gewalt geben hinaus, die bald auf attributive bestimmungen anziehungskraft ausübt, bald das bild formelhafter erstarrung zeigt. III@4@a@a@2@aa)) und soll man wiszen, dasz es den bischoff und sein pfaffhait gar hart gerewen hett, dasz er den burgern den gewalt hett geben. B. Zink, d. städtechroniken 5, 67 (Augsburg); nu horet, wie hie luget und uns und alle die wernt betruget! ... hie enist nicht funffzigk jar alt und gibbet sim monde solch gewalt. Alsfelder passionsspiel 1765 Grein; es war noch nit kein mensch im leben dem solch gewalt wer ie gegeben. B. Waldis das päpstisch reich D 2a; vgl. oben sp. 4914 suliha gewalt Tatian 54, 9; wer hat im sunderlichen gewalt an dem end geben für mich und ander? warumb solt es nit mir als im erloubt sin? buch der beispiele alter weisen 183; (ich) bit dich auch, durch deiner einigen dochter willen, und meines sons, welches sons, zuo bewaren würdt dir höchste gewalt geben, das du nur helffest in disem handel, und das die hochzeit also geschehe, wie es dann vorhanden war. Valentin Boltz Terenzübers. 27b; malern und sprechern oder dichtern ist geleicher gewalt geben zu malen und dichten. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 78 (Nürnberg); ich bit üch, lassent ab durch gott, ich thuo mim herren nit den spott, er hat mir allen gwalt gegeben, da durch ich fr ein erlichs leben. Thomas Murner gäuchmatt z 4a; es hat sich begeben, als ir, allergnädigster herr, in ewer weiten reisz mir allen gwalt in ewerem abscheid übergeben hand und ich mich ietzund ein gewaltigen regierer in gantzem Britanien gesehen hab, ich mir in meinen sinn genummen, die edel hertzogin umb ir ehre zuo bringen. Wickram Galmy 168 neudruck; der rat het auch erkiest ausz in treffenlich, die [] in namen der stat die sach füerten, und gaben denselben vollen gewalt. S. Meisterlin, d. städtechroniken 3, 164 (Nürnberg); also bedacht sich der bischoff gar schnell und empfalch den von Augspurg, dasz sie den pfaffen tätten, was sie verschult hetten, und gab in vollen gewalt. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 67 (Augsburg); infinitum imperium alicui dare, einem vullenkament gewalt unde macht geven. Chyträus 160; demnach so bewilligen wir dir, von unser aller herrschenden macht wegen, und geben dir hierzu, hiermit und in krafft dieses brieffs vollkommenen gewalt. Jac. Ayrer proc. 32 (1680); er hingegen wolte indessen meine geschäffte, wan ich ihm deszwegen vollkommen gewalt geben würde, so getreulich befördern, als ob ich persöhnlich gegenwärtig wäre. Grimmelshausen Simplic. 290 neudruck. III@4@a@a@2@bb)) den allen sei er hingestelt mit im zu thun was den gefelt, gebn alln auch volle macht und gwalt gegn im zu wüten manichfalt. drei neue und lustige gespreche bei Schade satiren 1, 142; wir geben ine auch den gewalt, sollich stend, wie sie die austailen oder weisen, zu verpenen, das niemants von den kauffleuten dem andern doran kein gewalt thue. oberrhein. stadtrechte 1, 101 Schröder; er hat ihm volle gewalt gegeben, für ihn zu handeln, he has given him full power for him or in his name. Hilpert 1, 462; den gab er gewalt ze werden di sun gotz. cod. Tepl. Joh. 1, 12 (gotes suni zi wesanne. Tatian 13, 6), ebenso cod. Tepl. Lucas 10, 19 (s. Tatian 67, 5, vgl. oben sp. 4914) u. a. dazu vgl. oben sp. 4916 (Heliand 1078 u. a.); wan so Johannes spricht, wie vil in enpfangen hand, den hat er gewalt gegeben kinder gottes ze werden, ist es das si sind kinder gottes von gewalt, was wunders ist das ob si mügent zaichen tuon von gewalt. Gregors dialoge (Augsburg 1473) II cap. 30; er (gott) hat einem ietlichen geben gewalt ein kindt gottes, und ein erbe seines ewigen reiches zu sein. Hartmuth von Cronberg 20 neudruck; dan ich bins liecht das euch ist komen, dasz all die mich hand angenomen, den hat got geben gwalt und macht, dasz sie seind seine kind geacht. triumphus veritatis bei Schade sat. u. pasqu. 2, 246; allen gewalt gäben den zanck zuo zerlegen, allen miteinanderen die sach zeentscheiden übergäben, arbitrium litis in omnes trajicere. Maaler 178b; copiam pugnae facere, gwalt geben oder erlauben zeschlahen. Frisius (1568 u. 1574) 332b; die alten herren haben uns gewalt geben, den Linhart Mendel und Jacob Schopper an solt schreiben und nemen, idem mit 2 pferden. (berichte und handlungen ... in der Waldenfels'schen fehde 1444) d. städtechroniken 2, 84 (Nürnberg); mir sagt ain frummer kaufman, ... dasz der müntzmaister zu Grätz dem kaiser 12000 ℔ Wiener geben hab umb das, dasz im der kaiser gewalt geben hab zu müntzen dreie jar lang. Burkart Zink, d. städtechroniken 5, 113 (Augsburg); der glaub in Christum macht den menschen guot unnd frumm, unnd gibt im gewalt alle creatur zuo gebrauchen zuo not, nutz und trost, wann, wo, wie er will. J. Eberlin von Günzburg (wider die schänder der creaturen gottes) 2, 14 neudruck; ir mogent mit keinem grundt der geschrifft sagen das der allmechtig gott euch oder einichem anndern gewalt hab geben die menschlichen gesetz auch die menschen trawme und gutt duncken under das clar ewangelium zw vermischen oder dorneben zupredigen. Hartmuth von Cronberg 88 neudruck; welche im pann, acht oder den das land umb übelthat verbotten seind zuo achten als weren sie tod, und mögen zu clagen nit gwalt geben. Tengler laienspiegel (1527) 8c; uns ist gewalt geben zu bawen, nicht zu verderben. Melanchthon confess. August. (corp. doctr. christ. 16a); und (Milo) sovil auszrichtet, dasz in die bürger zuo Papyrio schickten, unnd mit den Römern zuo teidingen gewalt gaben. Frontinus (1532) 20b; das gebürt sich, sprach sanct Peter, rüfft dem mann und seiner frauwen und gab inen gewalt, drei mal zu wünschen; was sie wolten, solt geschehen. Kirchhof wendunmuth (1, 180) 1, 219 Österley; so west ir doch, dasz Christus auf erden und in himel sanct Petro und allen seinen nachkomen gewalt zuo thuon und zuo laszen geben hat. ein unterred des bapsts und seiner cardinelen bei Schade sat. 3, 84; nun harrent da mit guotem gemüt, gebent mir gewalt, das ich mit stillschweigen mög fürtragen dise stille comediam. Valentin Boltz Terenzübers. 89a; wenn sie ein oder dreimal so verbunden im rath gesessen, bindet er ihnen das maul [] wieder auf, und giebet ihnen macht und gewalt, dasjenige zu reden, was zur gemeinen wohlfart der kirchen verträglich ist. A. Frencel de diis Soraborum (script. rer. Lus. 2, 112b); gott gab ihn gwalt im paradeis zuo essen aller frücht zuor speis. Wickram der irr reittende bilger 12a; er gibt gewalt, verdächtige personen in verhaft und unter polizeiliche sicherung zu stellen. 1829. Tobler appenzellischer sprachschatz 427. III@4@a@a@2@cc)) er liez sein haus und gab den gewalt ainz iegleren werkes sein knechten. cod. Tepl. Marcus 13, 34, vgl. oben Tatian 147, 6; ich find wol daz Christus seine priester erwölt hat, und nach der erwölung inen den gewalt geben des priesterlichen ampts. Murner an den ... adel tütscher nation 18 neudruck; ich gib dir gewalt über mein leib, potestatem. Memminger vocabular von 1487 18a; geh, bring die geisterschaar, über die ich dir gewalt gegeben habe, an diesen ort. Wieland Shakespeare 2, 414 (sturm 4, 2); nimmer gebe ich euch gewalt über kleid und leib trotz eurem drohwort, marschalk. G. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 68. III@4@a@a@2@dd)) facere potestatem, einem gewalt oder erlaubnusz geben. Frisius (1568 und 1574) 1028a; date crescendi copiam novarum, gäbend gewalt und freiheit, thund steur und hilff darzuo. 332b; gewalt geben, donner procuration et pleine puissance. Hulsius (1596) G 2a; gewalt geben, macht geben, heimstellen, zulassen, potestatem dare, tradere, permittere, facere, concedere potestatem. Emmel silvae o. o. 7; gewalt geben, potestatem tradere, dare, facere. Stieler 2426; gewalt geben, potestatem dare, facere, permittere, concedere potestatem, copiam facere. Spieser 150; ähnlich Weismann 156. Bayer 290. Kirsch 179; gewalt geben, dar autorità, licenza, donner procuration, puissance, licence. Rädlein 381a; gewalt geben, autoriser, donner plein pouvoir. nouveau dictionaire (Straszburg 1762) 338; ähnlich Rondeau-Buxtorff 253. III@4@a@a@2@ee)) aber ehe und er gehn himel hinauff kommen sei, hat er den apostlen gewalt gegeben, wasz sie fuor ein christliche pollicei auff richten solten. Alpinus Vergilius 84a; die von Augspurg wolten sich daran nit keren und sprachen, er hett in gewalt geben, also wolten sie auch mit in tuen, als sie dann erkent hetten. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 67 (Augsburg); da hat ain rat zuo andtwurt geben, er hab inen bevelch und gewalt geben, darauf haben sie urtail gesprochen, das miesz unwiderrieft beleiben. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 33 (Augsburg); der allerhöchste hat zwar der geistlichkeit gewalt gegeben, nicht aber, dasz sie solchen durch aberglauben hand haben solte. Abele künstl. unordn. 2, 273. III@4@a@a@33)) in der vereinzelten fügung mit anderen ähnlichen verbis geht die formelhafte erstarrung selten so weit. III@4@a@a@3@aa)) Sethosis hat im (Arman) allen andern künigklichen gewalt verliehen, allein des künigklichen diadems solt er sich nit gebrauchen. Hedio Josephus wider Appionem 150b (1553); gewalt zuo regiren, verleicht nit ainem iden der homerisch Jupiter. S. Franck enc. mor. 38a; du könig bist ein könig aller könige, dem gott von himel königreich, macht, stercke und ehre gegeben hat, und alles da leute wonen, dazu die thiere auff dem felde, und die vogel unter dem himel in deine hende gegeben, und dir uber alles gewalt verlihen hat, du bist das guolden heubt. Luther Dan. 2, 38. III@4@a@a@3@bb)) weil nu der königin so viel gewalt war eingereumet, gewann sie lust, den gefangenen marggraven, der ihr von wegen seiner jugent und geradem leib warhafftig gerümbt worden, in der person selbst zu sehen. Kirchhof wendunmuth (2, 47) 2, 95 Österley; einem gewalt einräumen, geben, verleihen, to give any one power or authority, to empower, to authorize any one. Hilpert 1, 462. III@4@a@a@3@cc)) einem gewalt über sich gestatten s. Eberhard-Maasz 3, 190; er versprach also der Marianne, ihr in allen stücken freie gewalt zu lassen, wann sie den aufenthalt ihres geliebten entdecken könnte. Lessing (das neueste aus dem reiche des witzes 1751) 4, 434. III@4@a@a@3@dd)) bleibt abgeschiednen geistern die gewalt, zu kehren nach dem ird'schen aufenthalt, so kehrest du nicht in der mondennacht, wenn nur die sehnsucht und die schwermut wacht. Uhland auf den tod eines landgeistlichen. III@4@a@bβ) gewalt nehmen, an sich ziehen, anmassen, gewinnen, erlangen, halten u. a. die meisten dieser verbindungen sind [] jüngeren ursprungs und entziehen sich der bedeutungsabschwächung und verschiebung, die sich bei gewalt geben und gewalt haben aus der formelhaften erstarrung der verbindung ergiebt. III@4@a@b@11)) unter die ältesten verbindungen der gruppe gehört gewalt nehmen mit dem reflexivpronomen im dativ commodi. die gegentheilige fügung (einem andern die gewalt wegnehmen) ist jünger und seltener. III@4@a@b@1@aa)) wir haben uns ouch vollen gewalt genomen und usgedinget dise vorgeschriben gesatzte und artickel ze bezzern. zweiter zunftbrief von Augsburg 1368, d. städtechroniken 4, 138; wie du doch sonst dir selb gewalt genommen hast alle ding deines gefallens wandeln und keren. Luther (auf das überchristlich ... buch Bock Emsers antwort) 7, 676 Weim.; so wollen wir gewalt nemen an allen orten also zu sagen, das hinfurt kein wort bleibe in der schrifft, das nicht müge ein anders heissen, denn es lautet. (antwort auf könig Heinrichs von Engelland buch) 2, 154b Jena; die wahre rechte christliche philosophiam anzugreiffen, oder zu tadlen, will ich mir nicht gewalt nemmen. Moscherosch insomnis cura parentum 40 neudruck; ihm selbst die gewalt nehmen, potestatem sibi arrogare. Stieler 2426. III@4@a@b@1@bb)) wer ist der peürisch man der sich des gewalcz der predige hat angenomen, und ungelert, dasz er sich von im selbs des ampts unsers herren des bapsts underwinden. Gregors dialoge (Augsburg 1473) 1. cap. 10; gwald ufneh, gwald öberchoh, um bewilligung zu rechtlichem einschreiten nachsuchen, bewilligung zu rechtlichem einschreiten erhalten. (diese vollmacht wird einem landsmanne mündlich mitgetheilt.) Tobler appenzellischer sprachschatz 247. III@4@a@b@1@cc)) Hanns Waldman hat ein sinn erdacht und wolt uns nüwe gest han bracht, das hat man im verkomen, die fromen gemeind am Züricher se hand im den gewalt genomen. der gewalt ist nummen sin, darumb so muosz er liden pin. Liliencron volkslieder 2, 272 (Hans Waldmann 1489—1490); einem die gewalt nehmen, potestatem abrogare, minuere, praecidere, tollere, adimere. Stieler 2426, s. u.; einem die gewalt benehmen, die flügel beschneiden, disautorare uno, ôter le pouvoir ou l'autorité à quelcun. Rädlein 381a; einem die gewalt benehmen, alicui potestatem adimere. Steinbach 2, 921. III@4@a@b@22)) wiewol aber solche stat anfengelichs durch den adel regiert, auch das hovegericht daselbst mit der ritterschaft besetzt worden, so ist doch das regiment oder forma reipublicae mit der zeit verendert worden und in ein solche oligarchiam gerathen, das her omnes oder der gemain pöffel allen gewalt an sich zogen. Zimmersche chronik 3, 350; wer viel plaudert, der macht sich feindselig, und wer sich viel gewalts anmasset, dem wird man gram. Luther Sir. 20, 8; traumt einem, wie er apffelmost trincke, so wird er vergeblicher gewalt sich anmassen, doch ohne fruchtbarkeit. traumbuch cap. 187, anhang zu Colerus hauszbuch (1656); was meszt ihr euch zuo den gewalt der euch gar nicht ist zuogestalt, dann ihr solt bhelffen euch im staub. Fischart flöhhatz 1025. III@4@a@b@33)) (der doctortitel) welchen namen oder gewalt einer musz erlangen vom babst. Geiler post. 2, 38a (Ch. Schmidt elsäss. mundart 143); gewalt erlangen, potentiam consequi. Steinbach 2, 921, ebenso Frisch 420b; mit freude bemerkt er dasz seine kinder nur von den weiszen früchten gegessen, mithin krankheit und tod noch keine gewalt über sie erlangt hatten. W. Grimm vorrede zu den kinder- und hausmärchen xxxii; so gespannt waren sie auf das nächste, auf das nothwendigste, dasz die furcht keine gewalt über sie erhielt. Henrich Steffens bei Wackernagel 3, 2, 1301; Livia ... eine frau, welche die gewalt, die sie in ihrem achtzehnten jahre durch ihre blendende schönheit über den ausschweifenden Oktavian erhielt, über den herrn der welt Augustus vierzig jahre lang ... zu erhalten wuste. Wieland (ehrenrettung der Julia) 24, 342. III@4@a@b@44)) gwald öberchoh. Tobler appenzellischer sprachschatz 247, vgl. oben; wann einem traumt, wie er einen gantzen flusz mit wein sehe (solcher traum aber kan keinem andern fürkommen, als dem könige selber, oder seinem fürsten einen) und so der flusz sein, so wird er grösser gewalt bekommen. traumbuch cap. 185, anhang zu Colerus hauszbuch (1656); gewalt bekommen, facultatem nancisci, consequi. Stieler 2426; die kammerjungfer hatte aber zugesehen und freute sich [] dasz sie gewalt über die braut bekäme. Grimm (die gänsemagd) kinder- und hausmärchen 2, 17; trüg' ich wirklich ein stilles heimliches bild in sinn und herz — nie wird es so viel gewalt gewinnen, mich mir selbst zu rauben und meinen pflichten. Holtei (erinnerung) beiträge für das Königstädt. theater 1832 s. 9. III@4@a@gγ) gewalt haben vgl. sp. 4912. 4914. 4916. 4918. 4921. 4926 ff. 4931 ff. 4934. aus allen perioden unserer litteratur reichlich belegt, hat diese verbindung ihre bevorzugte stellung auch in der neueren sprache behauptet, ohne durch verschiebung der bisher beobachteten grenzlinien gerade neue züge zu entwickeln. es entspricht mehr dem allgemeinen anwachsen der neueren belege, wenn attribute und ähnliche bestimmungen auch hier neben dem substantiv mehr bedeutung gewinnen gegenüber den zielbestimmungen früherer perioden (vgl. sp. 4931—4934). III@4@a@g@11)) das substantiv entbehrt einer zielbestimmung, wird aber in seinem bedeutungsgehalt durch attributive und andere verbindungen beeinfluszt. III@4@a@g@1@aa)) pronominalformen führen aus dem zusammenhang bestimmungsmomente ein. III@4@a@g@1@a@aα)) mein herr hat auch solichn gbalt, den hat im ain ungebeichter pischof gebm, welicher man seins weibs nit mag phlegn, die schait er von ainnander pald, si seien jungckh oder alt. Sterzinger spiele (1511: Wiener neudrucke 9 s. 86); darumb, lieber herr, hap ir nun solhn gbalt, so schaidet mich von im pald, dan er ist mich nur schlachen und scheltn umb mein anlignde ding, des mues ich engeltn. ebenda s. 92; ich sagt hand die wirt solchen gewalt im stall was hand sie dann im haus. Wickram der irr reittende bilger 56b; vgl. Heliand 842, s. oben sp. 4916. III@4@a@g@1@a@bβ)) das ich ... melden müg und richten aim jeden der heut mit klag fur kumbt zu verlust und zu gebin, vorbehalten dreierlei sachen: dreu, eer und das pluet, das die malefitz berueret, und ob ich nicht billichen allen den gewalt hab, als ob mein genadiger herr von Admund selbs gegenwurtig da wär. banntaiding zu sanct Gallen (anfang des 16. jahrh.), österr. weisth. 6, 35, vgl. oben sp. 4931 (Nibelungen 1015, 1 u. a.); es ist war, mein tochter, wir haben so vil gewallt als der bapst oder ein penitentzer. Michael Lindener Kalzipori 150; und sol keiner kein hochgewild, auszerhalb lands weder verwenden, nach verkauffen ohne vorhergehende bewilligung eines land-ammans oder seines statthalters, der deszwegen gewalt hat. landbuch des kantons Appenzell-Ausserroden artikel 185; um das höchste und edelste zu sein, musz er (der könig der elemente) die massen aller andern durchdringen, gewalt darüber haben, sie an sich ketten und nach seiner eignen natur formen und bewegen. Heinse (Ardinghello) 1, 249. III@4@a@g@1@a@gγ)) hastu die gewalt denck sie kompt von gott, der sich von niemandt trotzen lot. Kirchhof wendunmuth 32b; an erit haec optio et potestas tua, wirst du die waal oder disen gewalt haben. Frisius (1568 und 1574) 1028a; ein mann, der die gewalt in seinen händen hat, kennt weder furcht noch überlegung. Lessing (auszug aus dem trauerspiele Virginia) 6, 91; vor der nahen wirklichkeit konnte das spiel der phantasie sich nicht entzünden; die nüchternen gedanken hatten allein jetzt die gewalt. Th. Storm (zur wald- und wasserfreude) 5, 320; na, nu sehen sie mal, der racker, der hauptmann Micheli macht mich zum kommerzienrath; aber — herr du meines lebens! — mit unserer macht ist nichts gethan, er hat ja nicht die gewalt — die gewalt hat der groszherzog. F. Reuter reis' nah Konstantinopel s. 160; 'holt' säd de oll und gung up den lütten, fründlichen kopmann ut Thüringen tau: 'mein lieber herr, sie haben ein so freundliches wesen ... wollen sie vielleicht ihre kabine mit meiner vertauschen? sie kämen dadurch mit dem vater dieser jungen dame hier zusammen'. — 'o, bitte, die damen haben immer die gewalt, ja, ja immer die gewalt'. s. 158; gutsbesitzer aus Merseburg! ja, ja, die haben die gewalt. s. 159; un de storm ras'te, un de lütte kopmann stähnte dormang: 'herr du meines lebens! — ja, der hat die gewalt! — mit unserer macht ist nichts gethan'. s. 170; hup! — hup! — oh das hat die gewalt. s. 171; 'ja, ja, der herr Boes weisz bescheid, der hat die gewalt'. s. 245. vgl. s. 249. 155. [] III@4@a@g@1@bb)) indefinite pronomina und ähnliche formen. III@4@a@g@1@b@aα)) ich züch zuo mir der narren vil und mach ein gauch usz wem ich wil min kunden niemans nennet all wer hat gehört von Circes stall, Calypso, der Syrenen joch der gdenck, was gwaltes ich hab noch. Sebastian Brant narrenschiff 13, 8 Zarncke; darin (in dem brief) ist gestanden, was der legat für ain gwalt und bevelch hat. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 288 (Augsburg); beschreibung des parlaments wie es nehmlich sitzt und was es vor gewalt hat, beschrieben von Th. Smith. o. o. 1689; es ist mir daran gelegen, mein amt recht zu kennen. ich habe eine gewalt; aber ich bin nicht belehrt, wie weit sie sich erstreckt. Wieland Shakespeare 2, 155 (masz für masz 1, 2). III@4@a@g@1@b@bβ)) da hofft er zu gott, er wolt in und sein vettern auf ain ganz end richten. wann er hiet vil. gewalts von herzog Ludwigen. Jörg Kazmair (denkschrift), d. städtechroniken 15, 498; es ist stockfinster; es geht nach den zwölfen, und in der charwoche hat der teufel sonst viel gewalt. Pestalozzi (Lienhard und Gertrud) 142 (pädagog. biblioth. 7); Karsthans. lieber suon, die wil du so gelert bist worden, sag mier, hat ain schaffner mer gewaltz, dan im sein herr geben hat? ich als ein pur acht nein. Karsthans s. Böcking Hutten 4, 632; wie dann der brauch im hausz, das der siman mehr gewalt hat dann der eman. Seb. Franck chronik der Teutschen 317a (1538). III@4@a@g@1@cc)) von adjectiven werden seltener solche in die verbindung eingezogen, die der bedeutungsverengerung an sich dienen, oder die einen einzelnen zug aus dem bedeutungsgehalt hervorheben; der haupttheil entfällt vielmehr auf die mittlere gruppe (vgl. oben sp. 5033 ff.) der steigernden adjectiva wie grosz, voll u. a. III@4@a@g@1@c@aα)) als dann die edelleut grossen gewalt haben, vermeint er, im auff morgen ein stropacorda lassen zuo geben. Wickram rollwagenbüchlin (35) s. 58 Kurz; vgl. thu habe grote giwald. Heliand 3075; schöne gestalt hat grosz gewalt. Lehmann florilegium 705; bischöff haben nit grössern gewalt weder andere priester. Zell christl. verantwortung e 2a (Ch. Schmidt els. mundart 143); grosze gewalt haben, in magna potentia esse. Steinbach 2, 921; die gröszte gewalt haben, summam habere potestatem. ebenda; vgl. oben sp. 5036 ff. III@4@a@g@1@c@bβ)) drumb ist des bischoffs weihen nit anders, den als wen er an stat und person der gantzen samlung, einen ausz dem hauffen nehme, die alle gleiche gewalt haben. Luther an den christlichen adel 8 neudruck; dann weil wir alle gleich priester sein, musz sich niemant selb erfur thun, und sich unterwinden, an unszer bewilligen und erwelen, das zuthun, des wir alle gleichen gewalt haben. 9; das aber nicht alle christen gleichen gewalt haben, so vil die priesterschafft betriffet, gibt das ein anzögen, das Christus unser her allein zuo den zwölfbooten geret hat, nemen den heiligen geist. Murner an den .. durchlüchtigsten adel tütscher nation 17 neudruck; doch wurden sie nach irer spraach nit consules, sonder tribuni militum genant, und hatten doch gleichen gewalt. Livius (Straszburg 1562) 47a; vgl. oben sp. 5031. III@4@a@g@1@c@gγ)) ich armer sündhafftiger und boshafftiger, der ich bin eine creatur, einer gifftigen natur, klag mein not, dem almechtigen got, und seiner mutter schon, und ihrem son, und euch priester an gottes stat, der volkumlichen gewalt hat. Erasmus Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken M 5a; weil ich hierzu laut meiner paesse und freibriefe von denen häuptern der Ost-Indischen compagnie sattsame gewalt und macht habe. J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 352; vgl. oben sp. 5033. III@4@a@g@1@c@dδ)) eigenen gewalt haben, eigenes gewalts sein, seinen eigenen willen haben. Emmel sylva o. o. 7; obersten gewalt haben. ebenda; vgl. oben sp. 5030. III@4@a@g@22)) dem substantiv wird durch eine zielbestimmung die richtung gewiesen, es führt aber überdies noch attributive und ähnliche verbindungen mit. III@4@a@g@2@aa)) fraw wirtin! habt ir nit so vil gewalt dasz ir ein furman über nacht behalt, vier rosz und ainen — hederle zum sitz und federle! vier rosz und einen wagen? Uhland volkslieder 2, 734; fraw schecherin, habt ihr nicht sovil gewalt, das ihr die lenninger uber nacht behalt, das ihr die landsknecht ubernacht behalt? stampen müssen die staden. [] so vil gewalt hab ich gar wol, wie ein fraw schecherin haben soll, wie ein fraw wirtin haben soll. stampen müssen die staden. niederländisches lied von 1608, zs. f. d. wortf. 1, 58, 5 (rotwelsch); anfangs zwar hatte die königin noch so viel gewalt über sich selbst ihre krankheit zu verbergen. Wieland Lucian 5, 308; es hatt auch gemeltter patron ob solchem schüff kein anderen gewaltt gehaptt, als iber seine schüffleuth gute justiz zuhaltten. Krafft reisen 19; morgen soll sie schon andere saiten aufziehn. denn so eine todte mutter, die hat mehr gewalt über eine tochter, als die lebendige. Kotzebue almanach dramat. spiele 5, 195 (d. lustspiel am fenster); und nie hatten die weiber mehr gewalt über mich, als wenn mir's an geld gebrach, um zu spielen. Schiller (geisterseher) 4, 327; da flog der teufel mit einem lauten schrei fort und hatte keine gewalt mehr über sie. Grimm (der teufel und seine groszmutter) 2, 222; er hat nicht weniger empfindlichkeit denn ein anderer, aber er hat mehr gewalt und vermögen über sich und seine bewegungen. Besser (1732) 164; sein oberkeit und herrschafft hette also ein gestalt, dasz die menge nicht minder gewalts uber ihn, denn er uber der statt volck hette. Ringmann Cäsar (1588) 51a; nach dem Ödipus des Sophokles musz in der welt kein stück mehr gewalt über unsere leidenschaften haben, als Othello, als könig Lear, als Hamlet. Lessing (briefe, die neueste litteratur betreffend 1, 17) 8, 43; sie hat über das herz ihres herrn immer noch gewalt genug, um mein glück zu unterstützen. Rabener 3, 156; hat (gott) auch macht und gewalt genug sie zu stürtzen, wie er bisher auch so vielen grossen königreichen gethan. Luther exempel einen rechten christl. bischoff zu weihen (1542) C 3a. III@4@a@g@2@bb)) die hand vollen gewalt über alle samlung, die zu dem obgenanten pau beschicht. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 314 (Augsburg); arbitrium urbis Romulus habet, Romulus hat allen gwalt über die statt Rom, die statt ist in desz Romuli gwalt. Frisius 130c; der papst hab in seinem herzen vollen gewalt ubir alle rechte. Luther (warum des papsts und seiner jünger bücher verbrannt sind 1529) 24, 154 Erl.; ich hatte eine uneingeschränkte gewalt über ihren verstand, denn ich kannte alle mittel, ihre kleinen neigungen zu befriedigen. Göthe (W. Meisters lehrjahre 7, 8) 20, 95; auf das mal hett man gesetzt siben man, die des kriegs solten walten, und die hetten vollen gewalt ze tuen und zu lassen alle ding die darzu gehorten. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 4 (Augsburg); dieselben 18 man sollen nidersitzen und vollen gewalt haben zu verhören und ze lesen alle freihait. 5, 119; darauff sollen dieselben verordneten obbenenten factoren .. dieselben schulden zuo erfodern, einzuoziehen .. völligen gewalt und macht haben. Clemens Sender, d. städtechroniken 23, 229 (Augsburg); selben pene sullen gefallen auf zwai tail der gemainschaft, der drit tail (dem) gerichte, und welliche man darzue geschaffen seint, die sollen vollen gewalt haben, den wein zu schätzen und anzegieszen. dorfbuch von Naturns, österr. weisth. 5, 20; nach verscheinung ieder jarsfristen sollen die verordneten dorfmaister vollen macht und gwalt haben, zween andere, di si darzue für taugenlich erkennen, fürzunemen. dorf- und ordnungsbrief von Biberwier (1598), ebenda 3, 146; ich habe völlige gewalt sie (die briefe) drucken zu lassen, wie und wenn ich will. Lessing (briefe, die neueste litteratur betreffend) 8, 3; wenn sie gleich mein mandatar sind, — ich habe volle gewalt, mein testament zu ändern. Th. Storm (im nachbarhause links) 8, 28; man machet da ein regiment und satzt ain ratt gen Nürmberg, der hett allen gewalt auszuorichten, was dann anlag dem hailigen remischen reich. (fortsetzungen der chronik des Hector Mülich) d. städtechroniken 23, 433; hat er allen gewalt, einen papst oder bischoff zu erwehlen, von den Römern und pfaffen an den keiser gewendet. Bünting Braunschweiger chronik 87; darum wol-auf, meine sel, zuon im sprich, duo bist mein her, meiner hast aln gewalte: uont kömt zuo dir von meim guoten verdinste, welchs duo dörfest, dennoch nicht's aller-minste. Melissus psalmen 53 neudruck; woher auch dieses bildnisz sei, oder wen es vorstelle, so sagt mir mein auge, dasz es das ihrige ist, und mein herz, dasz es alle die gewalt, die es über mich hatte, allein von dieser wunderbaren ähnlichkeit mit ihnen empfangen hat. Wieland (don Sylvia 7, 2) 12, 318; so ist mein brueder Sigmund ain knab, des hab ich auch chainen gewalt. Georg [] von Wolkenstein an Oswald von W. 1444 bei Steinhausen privatbriefe 1, 356; ich hab dir auch kein gnad mer zuo beweisen, dann ich dein keinen gwalt mer hab. der frumm man, so dich ritterlichen überwunden, hatt dich macht zuo tödten oder zuo lösen. Wickram Galmy 169 Boltz; desto groszer ist din schande, dasz du einen andern regieren salt und enhost din selber kein gewalt. Alsfelder passionsspiel 565; non es compos tui, du hast dein selbst kein gewalt. Erasmus Alberus c 4b; eos sibi ipsis eripit, sie müssen thun was er wil, haben jrer selbst kein gewalt. ebenda; non est tibi auctoritas in me, du hast kein gewalt über mich. ebenda C 4a; du hast keinen gewalt über mich, vous n'avez point de pouvoir sur moi. nouveau dictionaire du voyageur 144b; es ist ein gar unschuldig ding, das eben für nichts zur beichte ging; über die hab' ich keine gewalt. Göthe Faust I, 2626; alle guten geister loben ihren meister, und die bösen hätten erst recht keine gewalt über ihn. P. Heyse (Judith Stern) 6, 45; ja warumb vorpeut der bapst der gantzen pristerschafft den ehelichen stant, ... wider got, wider recht, wider vornunfft und natur, der er keinen fug, gewalt noch recht hat. Luther von dem pabstum E 2b, ebenso Stimmer com. 249; sie sprach: 'schweig still! du hast kein gwalt uber hüner, gensz oder uber keucheln'. B. Waldis Esopus 2, 289 Kurz; hätt' ihn der teufel geholt, so wär das gewand zurückgeblieben, denn das gewand, sagt der Wurzentoni, ist unschuldig, über das hat der teufel keine gewalt. Rosegger schriften des waldschulmeisters 12; auffs dritte, ob sie gleich nicht geirret hetten, so haben sie doch keinen gewallt artickel des glawbens zuo setzen. Luther deutsch antwort auf könig Heinrichs von Engelland buch wider den tractat von der babylonischen gefängnisz (1522) B 4b; der babst gab im brief, das gnadenjar solt also bestan von ostern bisz auf Jacobi und erlaupt im 30 benedicier, die beicht solten hörn und ir sünd zu vergeben, auszgenomen was todschleg waren, hetten sie kain gwalt zu vergeben. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 45 (Augsburg); arbitrio suo carere, kein gewalt haben nach seinem willen ze thuon, in knechtschafft sein. Frisius 112b; da das historische wahre nicht immer auch wahrscheinlich ist, da Aristoteles selbst die sentenz des Agatho billiget: ... da er hier selbst sagt, dasz das vergangene nur gemeiniglich (ἐπι το πολυ) dem zukünftigen ähnlich sei; der dichter aber freie gewalt hat, hierinn von der natur abzugehen, und alles, was er für wahr ausgiebt, auch wahrscheinlich zu machen: sollte ich wohl meinen, wäre es wohl klar. Lessing (abhandlungen über die fabel) 7, 446; über welche üble erscheinung sich Rozinante dermaszen entsetzte, dasz er, ohne dasz don Quixote gewalt genug hatte, ihn zurückzuhalten, den zügel zwischen die zähne nahm, und über das feld mit einer leichtigkeit hinwegfloh, die man niemals den gebeinen seines gerippes zugetraut hätte. Tieck don Quixote 2, 93; wie Plato saget, die poeten haben auff beiden theilen grossen gewalt, nemlich, zu loben und zu schelten. Aristoteles problemata (1589) 206; schwerter halten den brunnen bewacht, speere starren, die heiden haben grosze gewalt über Israel. Hebbel (Judith) 1, 33; tabellarius, tabellio, scriba, scriptuarius, classicus testis, ein offentlicher schreiber, der snderlich gewalt hat zeugnus zu geben. Erasmus Alberus 10e; dann kein heilig schier in canone verzeichnet, der nicht ein eigene namhafftige gewalt gehabt, etwas sonderlichs guts zu geben oder böses abzuwenden, ja die lieben heiligen hetten alle kirchen und clausen eingenommen und Christum schier verdrungen. Kirchhof wendunmuth (2, 89) 2, 142 f. Österley. III@4@a@g@2@cc)) darz hat ein ieglich stat den gewalt, daz sie irn burgern umb sölch gelt, daz sie den juden geben süllen, uober das vorgenannte zil oder darunter lenger oder kürczer geben mügen. (vertrag der bevollmächtigten könig Wenzels mit dem städtebund wegen der judenschulden 1385) d. städtechroniken 1, 117; der bobest was vor gebetten, das er von Avion gein Rome keme und den künig zuo keiser krönete, oder aber ieman den gewalt enpfülhe, den künig zuo krönende. Königshofen chronik, d. städtechroniken 8, 469; wo die von Appenzell suommig wurdint, das si die bezalung dem gottzhus nüt tättint, so [] sont si demselben gotzhus noch harzu ze rechtem ursatz, pen und busz, aber dritthalbhundert guldin zegeben vervallen sin, und das gottzhus oder sin pfleger unnd anwalten, hand dann dafürhin den gewalt unnd alles recht, die fünffhundert guldin zusammenhafft den von Appenzell jnzeziechent. (1458) bei Zellweger urkunden 2, 1, 34; ouch wähnend sie, ich häb den gewalt in die höll zu binden, wer mir gefallt. N. Manuel fastnachtspiele 4; wolan, min libs kindt heb den gwalt z' kurtzwilen nach dim lieben willen, dins hertzen bgird wil ich erfüllen. tragödia Johannis des töuffers Q 8b; ob er nit geviel, so habent die bröbst den gewalt, das sei haiszent ainen richter nider sitzen und soll in richten drei tag nach einander. taiding zu Pfunds (handschrift von 1586), österr. weisth. 3, 310; so si das gewalt hant. Geiler von Keisersberg 21 artikel 5; schwacher tropf! warum hat er's nicht mehr gewalt, einen länger festzuhalten? Fr. Müller Golo und Genoveva 1, 6; warum lasz ich mich denn wegtreiben von ihr? wer hat's gewollt? — nein, ich musz! musz! verdammte welt, darin ein ehrlicher kerl sich so herumschinden soll; verleugnen, was man nicht kann, nicht gewalt hat. 2, 2. III@4@a@g@2@dd)) ich aber hab pebstlichen gwalt, das ich virczig person mag absolviren. H. Sachs (die drei beichtstücke) fabeln und schwänke 3, 262. III@4@a@g@33)) das substantiv hat nur eine zielbestimmung neben sich. III@4@a@g@3@aa)) einführung von personen. III@4@a@g@3@a@aα)) also muesten die gefangen zu Ingolstat beleiben und wolt man in nit mer tag geben und muesten fürbasz, nachdem und sie den brief wider genommen hand, allbeg in der hörberg beleiben und getorsten darausz nit bei geschwornem aid on urlaub des vogts, der ir gewalt hett. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 232 (Augsburg); als eur lieb sreibt des von Heitteck halben, las ich eur lieb wiszen, das ich mein selbst in den sachen nit gwalt hab. Barbara von Brandenburg an herzog Georg von Baiern (1494) bei Steinhausen privatbriefe 1, 307; so hab du nun zumal dein selb gewalt, unnd meid so fast du magst, weg und steg, so sich die jungfraw gebraucht. buch der liebe 244b. III@4@a@g@3@a@bβ)) ciliarcha, der gewalt hat über tusend; centurio, der gewalt hat über hundert; decurio, der gewalt hat über zehen. vocab. optimus 39 Wackernagel; animadverto in te, ich straff dich, als indem ich recht und gewalt über dich hab. Erasmus Alberus J 1a; und haben die männer uber ihre frauwen gleich wie uber die kinder gewalt. Ringman Cäsar (1588) 61a; zuo denen zeiten hetten auch die Römer gewalt uber ire kind, die lebendig oder todt zuolassen. Livius (Straszburg 1562) 44a; uber Job, sathan, hab gewalt, jedoch das er sein seel behalt. Schwartzenberg memorial der tugent 108a (1535); genug sowohl für uns, als für die, welche gewalt über uns haben. Wieland (franz. revol. 4) 29, 279; jus habere in aliquem, gewalt über einen haben. N. Gürtler 1, 459. III@4@a@g@3@a@gγ)) wir werden gewalt bi ir haben es si dir lieb odir leid. Terenz (1499) anmerkung des übersetzers 60b; vgl. oben sp. 4917 (that he giwald mid gode ... habdi. Heliand 2876). III@4@a@g@3@bb)) unpersönliche objecte. III@4@a@g@3@b@aα)) sei frölich, wenn uns gott der allmächtige ausz dieser not hilfft, so soltu meines königreichs gewalt haben. buch der liebe 22b; vgl. oben sp. 4917 (he habdi alles theses landes gewald. Heliand 1678 u. a.); der stolzere wollt' es niemals lernen, dasz gott der königreiche gewalt hat, und, wie er will, die könige stürzt. Klopstock Messias 11, 668; der mann hatt nitt gewalt seines leibs, sonder das weib. Cochläus ein heimlich gespräch 32 neudruck; der man ist mein und seines leibs hab ich allein gewalt. s. 30; wie ein kläglich ding, Zeus und o ihr götter, ist doch das als knecht gesellt sein einem halbverrückten herrn! ... denn seines leibes hat ja nicht der eigener gewalt vom dämon, sondern er, der ihn gekauft. J. H. Voss Aristofanes 3, 297; nach dem nu die kinder fleisch und blut haben, ist ers gleichermasse teilhafftig worden, auff das er durch den tod die macht neme, dem, der des todes gewalt hatte, das ist. dem teufel. Luther Ebr. 2, 14; [] sie stunden da, und warn verzagt, der löw fuhr immer fort, und sagt, sölln wir nun gut gesellen sein, so müst ir euch ergeben drein, das mir das vierdt theil auch zusteh, auff das es euch nicht ubel geh, und forthin meine gnad behalt, dann ich hab aller ding gewalt. Erasmus Alberus Esop 34 neudruck; und hett ich aller wunsch gewalt und solt auch nimmer werden alt und solt der obirst sein auf erden, ee ich wolt frauen gunst an werden, bei disem reichtum allen sant, ee wolt ich sein der ermest genant. fastnachtspiele 1, 266 (ein hubsch spil), vgl. sp. 5001; nach dem in dieser stat gemeinlich herpracht ist. dz die gesatzten vormund in gescheften. nit allein derselben gescheft auszrichtung und volziehung. sonnder auch der vormundschaft tutela genant. und darzu der vertrettung derselben kinden oder personen in iren minderen jaren cura genant. gemeinen gebrauch und gewalt gehabt haben. darumb zu hanthabung söllichs gemeinen herkomens und gewonheit. ist geordent und gesatzt. Nürnberger reformation (1479) titel 18, gesetz 10; do wir gon Lutzern fúr rt und die hundert kment, und mit inen retten umb friden, gabent si uns gar gütig antwurt: dann si desz nit gwalt hetten on die andren. Basler chroniken 5, 246. III@4@a@g@3@b@bβ)) fresz ich mich arm: unnd sauff mich zu tod, so hab ich gewisz gewalt uber den tod. Fischart Gargantua 125 neudruck, vgl. oben sp. 4917 (thu habes gewald ober al. Heliand 4768 u. a.); nur über einzelne worte hatte er jetzt mitunter noch gewalt; auch die, so hoffte sie, sollten bald verstummen. Th. Storm (ein fest auf Haderslevhuus) 6, 253; er hat gewalt darüber, er hat darüber zu befehlen, he is master of it; it's at his command. teutsch-engl. wb. (1716) 768. III@4@a@g@3@b@gγ)) lasz dich nit betriegen ... die do schwetzen, du habst gewalt inn den himel, in die hel und insz fegfewr. Luther (sendbrief an papst Leo) 7, 10 Weimar; und die musik ist lieblich zu hören, und hat wirklich gewalt aufs herz. Claudius 1, 33; wir haben nicht gewalt der warheit zu wider, sondern für die warheit. Melanchthon confess. August. (corp. doctr. christ. 16a). III@4@a@g@3@cc)) die infinitivverbindungen nehmen hier den gröszten raum ein und entwickeln mehrfache spielarten der bedeutung. je nach dem zusammenhang schlägt hier bald die bedeutung von vis, bald die von potestas vor; letztere bedeutung verengert sich andererseits unter dem einflusz einzelner verbindungen und nimmt die abstufungen 'amtsbefugnis', 'gerechtsame' oder 'vollmacht' oder 'erlaubnis' an. III@4@a@g@3@c@aα)) o Leo du wurdest nit weniger selig sein dann sanct Peter, wo du durch die gnad gottes noch gewalt hast ein kindt gottes tzuwerden. Hartmuth von Cronberg 37 neudruck; vgl. oben sp. 4916 (hi giwald habda te togeanna tecan. Heliand 2162 u. a.); Christus lernet uns das wir die nit furchten sollen, die uns den leip todten, sonder vor dem sollen wir uns forchten der weiter gewalt hat unser sele in die grausamen helle zusetzen. 15; gib im ein glückselig leben, und besitzung der gütter, welche du auszzutheilen gewalt hast. Hedio übers. des Josephus 96a; darumb so ist zu besorgen (wie der psalmist spricht), dasz er sicht von oben herab, und sicht nit einen, der gut ist, das ist, der gewalt hatt gesundt zu machen, oder ohn falsch predigen oder lehren. dann die ding gehen alle ausz dem menschen, unnd durch den menschen, der da ist der newen geburt und des newen lebens. dieselbigen haben gewalt, mit einem kew von einem esel, tausent mann zu erschlagen, haben gewalt risen zu werffen mit spöttlicher gewehr, wie David Goliam. Paracelsus 10, 292; guter vater cardinal, sprich du amen zu meinen flüchen; denn ohne eine kränkung, wie die meinige, ist keine zunge, die gewalt hat, ihm recht zu fluchen. Wieland Shakespeare 3, 376 (könig Johann 3, 3); der geist, den ich gesehen, kann ein teufel sein; der teufel hat gewalt sich zu verkleiden in lockende gestalt. Schlegel Hamlet 2, 2 (hath power to assume, hat die macht. Eschenburg); vgl. auch Hilpert 1, 462. III@4@a@g@3@c@bβ)) darzu sol man wizzen, das die vier und zwainczig ratgeben ... gewalt sullen haben ze tun bis zu funf pfunden Augspurger pfening und daruber nicht. (zunftverfassung in Augsburg 1340) d. städtechroniken 4, 131; und noch danne fúrbaz [] sol ein rat gewalt haben, einem genade zetuonne, der gewerket hat für sin búse, das im dú gelichtet wurde, ob er dem rate als wol gedienet het. Züricher stadtbücher (14. jahrh.) 1, 146 Zeller-Werdmüller; die obgenanten schwösteren in dem Wohnenstein und ihr nachkommen, sollen auch gewalt haben, unter ihn selbst ein meisterin zu erwehlen. (1453) bei Zellweger urkunden 2, 1, 3; als dahar der friamptmann, des gerichttes gwalt gehept hat solich schlecht friden zeschencken, dadurch den reten 10 sz. pfenn. abgangen und nit worden sint da sol hinnnathin der friamptman nit witter gwalt hahen solich friden zeschencken. älteste gerichtsordnung von Basel 1457 (herausgeg. von Schnell, Basel 1841) 17a; alszdann hat der aigenherr macht unnd gewalt nach diser stat herkomen unnd recht vierzehen tag die wal zehaben. denselben kauff dermassen anzenemen. Nürnberger reformation (1479) titel 26, gesetz 2; etlich sagen, daz solches niemants gewalt hab zuo thuon dan der bapst ... alsz dan sol ein jeder gewalt haben ein concilium zuosammen bringen. Murner an den ... adel tütscher nation 29 neudruck; disen eidt hat der bapst gewalt zuoheissen nach laut seines geistlichen rechtens. Hutten (wie die bäpst allwegen ..) 5, 366 Böcking; dise knöpff haben mich zwungen zuo gedencken das die geistlichen obren nit nun nit gewalt habend söliche ding ze gebieten, sunder ... Ul. Zwingli von freiheit der speisen 42 neudruck; denn es von eim gantzen lande beschlossen, in langem gebrauch gewesen ist, das ein jgliche pfarrkirch nach irem guten willen einen pfarrherrn oder prediger setzen oder entsetzen gewalt habe. Luther (auslegung des 9. psalm 1525) 3, 32b Jena; halt dich von denen, so gewalt haben zu tödten, so darffestu dich nicht besorgen, das er dich tödte. Sir. 9, 18; hat der vater gewallt, des kinds gelübd und ehe zu hindern, und zureissen, so hat er auch gewallt ihm die ehe gar zu verpieten. (das eltern die kinder zur ehe nicht zwingen sollen 1524) 15, 162 Weimar; der klagte das die burgermeister gewalt hetten recht zuosprechen nach ihrem willen. Livius (Straszburg 1562) 40a; wölt aber (als ich nit hoff) ein weltlich öberkeit auch verplent sin, so hat ein gemein gewalt usz der geschrifft, dem evangelio hilff und ere zuobeweisen. Judas Nazarei vom alten und neuen gott 60 neudruck; den eid hat der pabst gewalt zuo heischen, nach lut sins geistlichen rechten. ebenda 31; magistratus, oberkeit, die gwalt hat zegebieten und zerichten. Frisius 793a; pro potestate aliquid facere, ampts halben etwas thuon, als ein gemeine person die gwalt hat söliches zethuon. 1028a; es sollen auch unser hoffrichter und beisitzer, auff anruffen der partheien, solche urtheil, die also in ir krafft ergangen, zu exequiren macht und gewalt haben. hoffgerichts ordnung der hindern graffschafft Spanheim (Frankfurt 1587) 30; da ain oder mehr umb den markt Weiz in selbigen purkfridt wohnente der herrschaft Guettenberg oder anderer frembter herrschaften gehörige unterthanen sich an gewenlichen rathausz zu Weiz anmelten und auch burger zu werden begehren, solle richter, rath und die ganze burgerschaft zu Weiz gewalt haben solche alsz mitburger aufzunemben. banntaiding zu Weiz (17. jahrh.), österr. weisth. 6, 192; denn man sagt: der ist schuldig der that, der zu strafen gewalt hat, und nicht strafet. Göthe (Reineke fuchs) 40, 116 (wer missethat nicht strafet. Gottsched u. a.). III@4@a@g@3@c@gγ)) sunst haben si nit gewalt, von verern mitelen ze reden und miezen also ains bei dem anderen staun und bleiben lassen. aussage der bauerngesandten beim Günzburger tage (januar 1525) bei Baumann acten 83; und für solche öberste hauptmannschafft solt du haben und einnemmen das einkommen, rennt und nutzung der graffschafft Carpen ... dieselbige innzuhaben, zu besitzen, zu nutzen, und zu niessen, in form und weisz, wie sich unsere gesandte oratores befelch und gewalt haben mit dir vergleichen. Reissner Frundsbergs ritterliche kriegsthaten (1572) 5, 91a. III@4@a@g@3@c@dδ)) der sol es darnach die nästen erben an pieten, wellnt si uns gelten, als ander läwt, so sol er in es geben. tätn si des nicht ze hant, hat er gewalt ze geben, wem er wol. bairisches landrecht von 1346, Heumann opuscula 106; so haben wir, unser erben oder nachkommen, denselbigen hauptstifftbrief gewalt auffzuheben. urkunde von Abensperg 1463, Hund 2, 229; wenn aber ein mauwr jedem zuo sein nutzen gemein were, so hat ein jeder für sich selbest auff sein kosten fenster gewalt und macht zuo machen. Frönsperger bauordnung (1564) 46a; wir habend fuog unnd gewalt oder freiheit [] auszhin zegon, copia est ut pedem efferamus ex aedibus. Maaler 178b, ebenso Frisius 332b; wer von den dienstleuten wissentlich kaufft: schmalz, kaasz, vleisch, haar und ander solch hausznotturft, und woll wisste, das die dienstleut solches nit gewalt hieten zu verkaufen; so sollen der kaufer und verkaufer leib und gut verfallen sein. ordnung des landgerichts Wolkenstein (1478), österr. weisth. 6, 30; item und was holtzes die von Wultertingen wöllend füren oder bruchen zuo dem dorff, söllend si gewalt haben, was sie mit zwaien zügen den berg uff füren, das selbig haim zuo fürend und zuo bruchen an der halden under den Runsen und under dem Hallenberg und sollend kain bom den berg ab füren gegen den Breg. weisthum von Wolterdingen (1489), Alemannia 2, 180; zum ersten ist unser begeren, das wir hinfüro gewalt und macht sollen haben, ainen pfarrer selbs erwölen und kiesen, auch gewalt haben, denselbigen wider zu entsetzen, wo er sich ungeburlich hielte. Langenerringer artikel (23. märz 1525) bei Baumann (acten) s. 161; zum vierdten, ist bisher im brauch gewesen, das kein armer man gewalt gehabt hat, das wildbret, gevögel oder fisch, im flissenden wasser zu fahen. beschwerung und freundlich begeren der bawrschafft in XII artikel gefasset bei Luther 3, 112c Jena; wer sich selbs martert, der hat allzceit gewaldt, auff zcuhoren, wen es im gefellet. Luther (predigten) 9, 546 Weimar; so wir gewalt hetten einen vatter uff erden zuruoffen, so mechten wir euch billich fuor einen vater halten. Hartmut v. Cronberg 61 neudruck; all frücht zuo essen hab gewalt vom holtz desz wissen dich enthalt. Schwartzenberg memorial der tugent 99b; die ding, die uns gott geben hat, die seind dein, und du hast gewalt, sie uns zuo geben und zuo nemmen, dann auff die weisz kanstu der güte gottes nachfolgen, und etlicher masz gott gleich werden, dann so einer beiderlei gewalt hat, ist dz das allerbest, das er sich des gewalts zuom guten gebrauch, und des gewalts der zuom bösen ist, ... vergesse. Hedio übers. des Josephus 28c; aber von den zuegüetern soll kainer nichts aufzukeeren gwalt haben, allain er besetz denselben zuehof mit ainem der herrschaft annemblichen und gefelligen pauman. almbrief zu Völs im Eisackthale (1567), österr. weisth. 5, 771; solt ich dann nit gewalt haben zu schreiben anders dann ein ander schreiber. Paracelsus 2, 165. III@4@a@g@3@dd)) substantivsätze sind hier selten untergeordnet, ohne neben dem substantiv pronominal vertreten zu sein, vgl. oben sp. 5075. 5077. 5078; so hat ers (der gütige gott) wol, und hat gewalt, das er üch alles leisten mag, was er üch ie hat zuo gesagt. Th. Murner narrenbeschwörung 199 (65, 50) neudruck; wölche ding alle, unser hailmacher Christus, das si weit von unns seien, gwelt hatt, da er gesagt, halte die gebot. Alpinus Vergilius 29a. III@4@a@g@44)) die wortverbindung ohne jede weitere bestimmung. die älteste hier belegte verwendung nähert sich der parallele von gewalt mit vis: lerenti soso giwalt habenter, potestatem habens. Tatian 43, 4, vgl. oben sp. 4914; der hauptgebrauch zielt aber auch hier auf die parallele mit potestas. III@4@a@g@4@aa)) als sie nun in die stat kamen, da hiesz der von Mailand erstechen und erschlahen ze tod alles, das man an kam und macht sackman über die stat und liesz ausztreiben alle die burger, die gwalt hetten. Burkard Zink, d. städtechroniken 5, 43 (Augsburg); ich (Venus) hab gewalt und ietz den nãmen (was man doch sag mir von der schãmen!) und acht nit was man klagen fiert; ich bin, die ietz die welt regiert. Thomas Murner gäuchmatt 4, 1 Uhl; er gibt sinr sach mit molen ein schöne gstalt und spricht gar unverholen er heige gewalt darzuo im eigen rich. Uhland volkslieder 2, 897; das nun du deme gelebest nach, und also stellest an dein sach, das du von hinnen weichest baldt. drumb sind wir da, und han gewalt. Martin Heyneccius Hans Pfriem 56 neudruck; hirtuschen hebben de Pamern, de tho Wolgast weren, nicht leiden khonen, dat de Ruyaner und Mekelborger van wegen des khoniges van Dennemarcken und hertoch Hinriks mit en in der stat scholden sin, und gewelde hebben. aus Böhmers ausgabe von Kantzow chronik von Pommern 50; ich fange an, eine alberne und allzu gutherzige sclaverei in der unterwerffung [] unter bejahrte tyrannei zu finden, welche nicht herrschet, weil sie gewalt hat, sondern weil sie geduldet wird. Wieland Shakespeare 1, 151 (könig Lear 1, 5); an einigen orten der vorstadt ist das übel gros, und in einer allgemeinen noth auch ein gemeiner verstand nütze, wenn er gewalt hat. Göthe (an Charlotte von Stein, 1. märz 1784) briefe 6, 248. III@4@a@g@4@bb)) senator, der gewalt hat in dem rat ze Rome. vocab. opt. 39 Wackernagel; cum potestate est, er ist gewaltig, hat gewalt. Erasmus Alberus c 4a; habere potestatem, macht und gewalt haben. Frisius (1568 u. 1574) 1028a u. a.; gewalt haben, cum potestate esse. Dasypodius 341a; jus habere, in manu esse alicui. ebenda; gewalt haben, macht haben, habere potestatem, potestatem gerere, armatum esse, versari cum potestate ... esse in magna potentia. Emmel silvae O. o. 7; gewalt haben, avoir procuration, avoir en sa puissance. Hulsius (1596) G 2a (fehlt in der ausgabe von 1614); gewalt haben, herrschen, dominari. Henisch 1591; wer gewalt hat, der gebraucht gewalt. ebenda 1592; gewalt haben, valere, posse. Stieler 2426; gewalt haben, dominari, valere imperio. Aler 933b. ebenso Kirsch 179; er hat die gewalt, potestas sita est in eo. Steinbach 179; gewalt haben, potestatem, copiam habere. Spieser 150. ebenso Bayer 230a; gewalt haben, manibus aliquid habere, continere in potestate sua, habere licentiam. Weismann 156. III@4@a@dδ) vereinzelte verbindungen: gewalt behalten, ausüben u. a. III@4@a@d@11)) gewalt behalten, s. sp. 4933; unnd von den zeiten an behielten die zunfftmeister den gewalt, das sie ein ieden zuo Rom für ein gemeind fordern, und urtheil umb sein leib und leben sprechen mochten. Livius (Straszburg 1562) 32a; dasz ich wirklich so viel gewalt über mich und sie behielt, dasz sie sich auch nicht des kleinsten sieges über meine enthaltsamkeit zu rühmen hatte. Wieland (Peregrinus Proteus 2) 28, 156. III@4@a@d@22)) gewalt üben, verüben entwickelt durchaus die bedeutung von violentia, dagegen herrscht neben ausüben diejenige von potestas vor: durch eine ihrer natur nach vorübergehende verhinderung in der ausübung der gewalt wird der besitz nicht beendigt. bürgerliches gesetzbuch § 856 u. a. vgl. unten sp. 5087. III@4@a@d@33)) seine gewalt sehen lassen, exercere vires in aliqua re. Stieler 2426; es ist bekannt, dasz unter Karl I. das parlament am ende alle gewalt im staate und selbst die ganze executivgewalt in sich vereinigte. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (7) 4991b. III@4@a@eε) verba, die im gegensatz zu haben, gewinnen, ausüben u. a. einen verlust, eine verminderung der gewalt zum ausdruck bringen, bevorzugen das individuell begrenzte substantiv und hier wieder das reflexivpronomen. III@4@a@e@11)) welcher innerhalb des pittelstabs seinen gewalt vor dem richter, oder einem geschwornen gerichtsschreiber. aufgibt das sol beschehen zum minsten im beiwesen eins geschwornen schöpfen. oder sunst eins des klainern rats. Nürnberger reformation (1479) titel 2, gesetz 1; sonst wird er seinen gewalt verlieren. Fischart ehezuchtbüchlein 25; der sich seines gewalts so weit eusert, das ... Butschky Pathmos 671. III@4@a@e@22)) der bischoff nam dem bropst seinen gwalt und satzt zwen minch, die solten dem bropst helfen regnieren, und er solt nicht on die selben handlen. Wilhelm Rem, d. städtechroniken 25, 141 (Augsburg); das man aber meinet, man soll eines concilium erwarten, kumpt aus dem irsal, das man hat genummen den gewalt dem gottes wort in der bibel geschriben, ... und man hat den gewalt gezogen uff menschlichen rhat. J. Eberlin v. Günzburg (ein büchlein, worin auf drei fragen geantwortet wird) 2, 166 neudruck; eines gewalt brechen, comprimere alicujus impetum, alicui potestatem adimere. Aler 934a. ebenso Kirsch 179. III@4@a@e@33)) gewalt soll niemand brechen, noch widerstehen, denn allein der, der sie eingesetzt hat. Henisch 1592. III@4@bb) die verbindungen, innerhalb derer gewalt die bedeutung von violentia entwickelt, zeigen ein lebhafteres bild der bewegung und verschiebung als die bisher betrachteten. einzelne verba wie begehen, anlegen, treiben, üben gehören bestimmten perioden der vergangenheit an, andere wie brauchen haben sich ihr gebiet erst später erobert, das verblaszte verbum thun hat sich in der erweiterten form anthun bis in die neueste zeit volle geltung bewahrt. III@4@b@aα) ausgestorben sind in der neueren sprache gewalt begehen, gewalt treiben. III@4@b@a@11)) gewalt begehen, vgl. Tatian 112, 3, s. oben sp. 4915; vgl. die mittelhochdeutschen belege sp. 4943. 4944; do beclagten die von Augspurg gemainen reichstetten den grossen gewalt, den [] hertzog Steffan mit in begieng in vil stucken. Hector Mülich, d. städtechroniken 22, 30 (Augsburg); bi des ziten begingent die Lamparter vil gewaltes und jomers in Italia. Closener, d. städtechroniken 8, 20 (Straszburg); wolt er (der Straszburger patrizier), so galt er ime die schulde, wolt ers nüt gelten, so getorste in der arme man nüt derumbe bekumbern in gerihtes wise. hiesche ers ime danne zuo dicke, so schluog er in dran und ging dernoch keine besserunge. solichen gewalt und andern manige unlüste begingent sü an armen lüten. dis dotent sü doch nüt alle, wand ir maniger waz die niemanne keinen gewalt dotent. d. städtechroniken 8, 123 (Straszburg). III@4@b@a@22)) gewalt treiben, vgl. oben sp. 4944. III@4@b@a@2@aa)) lockere verbindungen: er liesz auch den Lech herein graben auf unserm teil bei Hausstetten, des er doch nit recht hett, und trib vast grossen gewalt mit uns. Hector Mülich, d. städtechroniken 22, 218 (Augsburg); des jars ward enthauptet Jörig von Riethaim zuo Werd von den von Augspurg, der hett groszen gewalt getrieben mit armen leuten. ebenda 79; welcher pawer daz nit ton wolt, den fingen sie und namen im, was er hett, und triben groszen gewalt mit armen leuten. (Nürnbergs krieg gegen Albrecht 1449) d. städtechroniken 2, 167; darumb sein wir zw ewch her kemenn, ewch das selbig zu bedeuten, wie Rumpolt desz häuslas sun von der leiten kan leichnum woll hoffieren Adlhaitn des Temlprugls dieren, die er den zu ainem weib begert und wirt der pett von ir gebert; dan si ist lieb und raincklich gstalt. mit im treibt si gar grossn gbalt. Sterzinger spiele (1512: Wiener neudrucke 11, s. 15); der hertzog von Burgundi satzt in ainen hauptman, herrn Peter von Hagenpach, der traib grossen gewalt. Hector Mülich, d. städtechroniken 22, 224 (Augsburg); er hat auch den gürtlern von hinnen zuo sant Leonhart gürtlen genommen und ain wagen von diser stat mit stahel, und trib grossen gewalt wider das recht. 22, 143; und tribent vil grosser hochvart und gewaltz da mit im, und lagent den sumer also vor im. die Röteler chronik (Basler chroniken 5, 137); wann ehe es also alles fürgemelt aussgericht ist, so soll der schirmherr in obg. closters gericht nit so vil gewalt treiben, dass er sein pferdt an einen dürren zaun binde. weisthum von Biebern (1506) bei Grimm 2, 191; so triben mer mit den juden unser gewalt. Alsfelder passionsspiel 300. III@4@b@a@2@bb)) die geschlossene verbindung mit einer zielbestimmung: also gehet es mit Mahomet auch, da er mit iederman gewalt trib. S. Franck weltbuch 119b; es bringt und macht uns erst ein nammen, das wir die pündt hand gschworen zammen; all unsren finden es miszfallt, die gern mitt uns triben den gwallt; doch muosz uns das nit vil irren: ich hoff, kein fürst mög uns verwirren. Valentin Boltz der weltspiegel bei Bächtold schweiz. schausp. 2, 238; sihe da weren woll vill gutter werck vor handenn. dann das mehrerteill: der gewalltigen, reichen freunden. thun unrecht: unnd treiben gewallt widder die armen. geringen und widderpartheien. Luther (von den guten werken, 1520) 2, 253; wann ein ander herr wolt gewalt treiben auf meiner herrn guet von Freising, das soll ain vogt auszrichten. recht und gewohnheit zu Ebersdorf an der Donau (von 1491), österr. weisth. 8, 1050. III@4@b@a@2@cc)) absoluter gebrauch: Susannen richter noch vil sindt die muotwill triben. und gewalt. S. Brant narrenschiff 46, 45; und der Arianisch bischof der gewalt wolt treiben, ward mit verwäringer blinthait geplagt. Gregors dialoge III, 29 (Augsburg 1473); welche inn der gestalt als wolten si gold suochen, die insel blünderten und gwalt triben. S. Franck weltbuch 223a; zum sechsten gefragt, ob sie etwass wissen, das rugbar oder straeflich sei, ob iemandts gefrevelt oder gewalt getrieben hette, dasz sie das fürbringen. weisthum von Biebern (1506) bei Grimm 2, 190; gleichwie ein steüber hat den brauch, das er die hasen ausz dem strauch aufftreibt, also treiben gewalt die bürsten in dem lauser walt. Erasmus Alberus fabeln 201 neudruck; wir habend hie ein offen strassen da menglich würd hindurchi glossen, wolt drumb ein jeder gwalt triben der dörfft woll in der fallen bliben. Valentin Boltz der welt spiegel E 4b. [] III@4@b@bβ) verbindungen, die erst in der neuhochdeutschen periode auftauchen. neben vereinzelten wendungen sind hier in erster linie gewalt anlegen und gewalt brauchen zu nennen. das erstere hat den höhepunkt seiner verwendung schon zu anfang dieser periode erreicht und wird später mehr nur in den wörterbüchern mitgeführt, das zweite findet seine eigentliche verbreitung in der neueren sprache. III@4@b@b@11)) gewalt anlegen. als ältesten beleg vgl.: des en mochten die armen leut nit mer leiden und wurden des enain und verscriben dem jungen herzogen Ludweigen den grozzen chummer und gewalt, den in der alt herr, sein vater herzog Ludweig, anlegt. sächsische weltchronik 368 (4. bair. forts.). III@4@b@b@1@aa)) da gieng er zuo der truchen und legt gütticlich gewalt an, und zerprach die schlosz der truchen. Gregors dialoge (Augsburg 1473), 1. cap. 19; als der domdechant alda, herr Friderich von Hinweil, tödtlichen krank gelegen, ... hat sich bei etlich tagen vor seim todt begeben, ... das des nachts ain solch getumel, klopfen und schlagen in tom urschaidenlichen gehört worden, als ob man alle schlosz und thuren ufbrech und ein grosen gewalt anlege. Zimmersche chronik 4, 185. III@4@b@b@1@bb)) halt Abraham an dieser statt dann gott dein willen gsehen hatt, leg an den knaben keinen gwalt nim für in disen wider balt. Wickram der irr reittende bilger 46a; als die ärzt an im verzweifelten, ward er im schlaff gewarnet, dameit er kein gewalt an das weib des frembden leget. Hedio Josephus 12b; du kriegsgurgel, ich sag dir jetzund entlich, das du niergents kein gwalt an sie legest. Valentin Boltz Terenzübers. 74b; da er aber vernam, dasz sie seines willens zu pflegen ernstlich abschlug, legt er gewalt an sie in der gefengknisz. Kirchhof wendunmuth 30b; wiszten auch, das Martius bei aller seiner hertigkeit so fromm und auffrecht was, das er kein gewalt, an einiche bottschafft legt, oder ichts handelt, das seinen ehren nit wol anstünde. Livius (Straszburg 1562) 34c. III@4@b@b@1@cc)) inferre alicui vim, gewalt an einen legen. Frisius 1390a; adhibere vim, gewalt anlegen, stercke brauchen. ebenda; afferre vim mulieri, geweltigen, gewalt an si legen, si geschenden. ebenda; gewalt anlegig, faisant violence. Hulsius (1596) G 2a (fehlt in der ausgabe von 1614); gewalt anlegen, vergewältigen, gewalt uben oder brauchen an einem, gewalt thun, einen mit gewalt anlassen, gewalt zufügen, mit gewalt überfallen, afferre vim, inferre, facere, adhibere, admittere vim. Emmel o. o. 7; gewalt thun, an einem gewalt üben, gewalt anlegen, zufügen, vim adferre, inferre, facere, admittere, adhibere. Henisch 1591; gewalt anlegen, anthun oder brauchen, far forza, costringere, usar la forza o violenza, faire force, forcer, user de violence. Rädlein 380b. ähnlich Aler 933a; gewalt anlegen, manus et vim alicui afferre, inferre, adhibere, violenter inferre manus, vim facere. Weismann 156. III@4@b@b@1@dd)) in der neuesten sprache ist diese verbindung abgestorben. an ihre stelle ist die verbindung mit anwenden getreten, namentlich wo absoluter gebrauch vorliegt: denn so lange der sittliche geist noch gewalt anwendet, so musz der naturtrieb ihm noch macht entgegen zu setzen haben. Schiller (über anmuth und würde) 10, 100. 152b. für die verbindung mit einer zielbestimmung vgl. gewalt anthun. III@4@b@b@22)) gewalt brauchen, gebrauchen ist von vornherein mehr auf den absoluten gebrauch gerichtet als gewalt anlegen. die ältesten belege gehören dem 16. jahrhundert an. deutlich läszt sich hier auch der übergang der bedeutung von potestas zu violentia verfolgen. III@4@b@b@2@aa)) die beispiele für die bedeutung potestas weisen sämtlich attributive bestimmungen auf: ebenfalls sollen sie söllheusler und klain trager wegen des holzens, sonderbar des hagens halber, sich beschaidenlich verhalten, keinen aignen gewalt prauchen, sonder ieder zeit die dorfmaister darumb befragen. dorfbrief von Wörgl (1609), österr. weisth. 2, 71; und wa solche sein wort in gen ir nit hulffen, er seinen gwalt wolt brauchen. Bocc. (1535) 96a; es mag der ottomanische feind allen ernst anwenden, keine arbeit spahren, allen fleisz ankehren, keine mühe auszschlagen, allen gewalt brauchen, kein gefahr unversucht lassen, so wird er ungezweifflet wenig sig vnnd victori fischen, weilen Christus nicht bei ihme. Abraham a S. Clara auff auff ihr christen, Wiener neudrucke 1, 56. III@4@b@b@2@bb)) auch für die bedeutung violentia sind vereinzelt solche bestimmungen belegt, die der formelhaften erstarrung widerstand [] leisten: damit man aber ihne nit für ein tyrannen, sonder für ein gerechten und frommen fürsten halte, will er kein solchen gewalt brauchen, versicht sich aber, ir werden seinem willen gehorchen. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) s. 28; do si (die unterthanen) im gehorsam warend als arm lut irm heren, do hatt der apt lutt bestellt zu sant Jorgen, die fingen den fogt mit dem stab und ander richter och und lett si in den turn, from, redlich buren, und brucht groszen gewallt mit in. Hug Villinger chronik 19; und furwar, so haben die gaistlichen der zeit ein groszen gewalt gepraucht und sich ires thuens vil übernommen. Zimmersche chronik 1, 412; Christus selbert offt bekent, wie in sein vater hat gesendt. und das er mer verkündig nicht, dann was der vater jn bericht, nit mer gewalts, er hat gemelt, zuo brauchen hie in diser welt. Schwartzenberg beschwerung der alt teufelischen schlangen 11a; ich habe im Laocoon bereits angemerkt, dasz mehrere das gemählde des Protogenes, welches in der stadt war, und deszen wegen Demetrius nicht die äuszerste gewalt gegen sie brauchte, mit dem verwechseln, welches er während der belagerung auszer der stadt mahlte. Lessing (collectanea) 15, 351. III@4@b@b@2@cc)) die geschlossene verbindung: de' himmel braucht en gwalt. Schmeller 22, 908; gewalt brauchen, gewaltigklich zuofaren, grassari. Maaler 178b; grassari, uberausz wüten, toben und wild thun, raszlen, gewalt brauchen, überfallen, berauben, gewaltigklich zuofaren. Frisius (1568 und 1574) 610a, vgl. sp. 5084 die angaben von Emmel und Henisch; er hat wieder alle gewalt gebraucht, adversus omne genus hominum grassatus est. Aler 933a; er braucht gewalt, vi agit. Steinbach 2, 921; wenn güte nicht helffen will, musz man gewalt brauchen, ubi lenitas non locum habet, vis adhibenda est. ebenda; gewalt brauchen, user de force, de violence, vim adhibere. n. dict. du voyageur 144b. ebenso Rondeau-Buxtorff 283; gewalt brauchen, inferre alicui vim, manus. Kirsch 179; wobei ich vollends so hitzig verliebt wurde, dasz bei nahe resolvirt war, nach und nach gewalt zu brauchen. J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 35 neudruck; er (Piccinardi) sollte kein aufsehens machen, sondern auf churfl. befehl mit ihm fahren, sonsten er (Besser) genöthigt sein würde, gewalt zu brauchen. König lebensbeschreibung Bessers s. 74 (in Bessers ged. 1732); nu, das heiszt doch noch gewalt brauchen, ein ziehen und stoszen zugleich. Lessing (Plautus, captivi 3, 5) 4, 115; aber das heisst gewalt brauchen (vis est haec quidem). K. F. Romanus die brüder (5, 8 nach Terenz), vgl. Lessing (Hamburger dramat.) 10, 206; weder staub noch laub sehend, ging ich wieder in die stube, machte licht und nahm am laden wahr, dasz gewalt gebraucht worden. Bräker der arme man im Tockenburg 211; wenn es ein ehrlich mädchen ist, und sie haben gewalt gebraucht; so soll er sie drei tage hinter einander mit ruthen streichen lassen. Göthe (Egmont) 8, 211; gewalt wollte man nicht brauchen, aber ohne nöthigung wäre man gar nicht vorwärts gekommen. (dichtung und wahrheit 9) 25, 255; 'ich liebe dich, mich reizt deine schöne gestalt; und bist du nicht willig, so brauch ich gewalt.' (Erlkönig) 1, 184; hinaus darf niemand. wer gewalt braucht, niedergestochen. Schiller (Fiesko 4, 1) 3, 108; der schneider aber sprach 'du hast doch geld, und das soll auch heraus', brauchte gewalt und schlug ihn so lange, bis er nah am tod war. brüder Grimm kinder- und hausmärchen 2, 174; wenn ich weiter soll, müszt ihr gewalt brauchen, damit ein jeder sieht, dasz ich nicht von selbst komme. Hebbel (diamant 5, 8) 2, 80; es war derselbe fürst, der einige jahre darauf, als in Wittenberg die bilder gestürmt wurden, erklärte, er wolle lieber mit einem stecken in der hand aus seinem lande pilgern, als da gewalt brauchen, wo das gesetz gottes sein könne. G. Freytag (bilder 2) 19, 149. III@4@b@b@2@dd)) gewalt gebrauchen. III@4@b@b@2@d@aα)) aber nit das ir uns gestendig sin, noch sich iemand erzaigte, der uns darzuo hellfen, sunder habend nun ain lange zit semlichen trang und unbilichhaitt erliden muoszen und so dan semlichs hochmuotz und gewallts gegen uns zuo gebruchen kein end sin. Hug Villinger chronik 196; als ihr (der gerechtigkeit) aber die menschliche gebrechligkeit des schwertes gebrauch entwältigte, da ward sie gezwungen sich der gewalt, [] die gewalt zu verhindern, selbst zu gebrauchen. Zesen gekrönte majestät 145. III@4@b@b@2@d@bβ)) wer gewalt hat, der gebraucht gewalt. Henisch 1592; aber nun fragt es sich, ob du ihn gutwillig herausgeben willst, oder ob man gewalt gebrauchen musz. Hebbel (diamant 3, 4) 2, 52. III@4@b@b@2@ee)) ganz vereinzelt ist die unpersönliche construction im sinne von oportet: es braucht gewalt, utendum est vi et viribus. Weismann 156. vgl. dazu: wenn die leute gute tage haben — kost es freilich gewalt, das sie andere leute schinden. Luther 4, 45a. III@4@b@b@33)) gewalt zufügen, erzeigen, stiften. III@4@b@b@3@aa)) (Lucifer) begehrt rath von ihnen wie sie sich doch an diesem Jesu Nazareus, ... wiederum rächen, und seines unwiederbringlichen schadens, zugefügten gewalts, turbation und spolii, erholen, und zu der restitution kommen möchten. Jac. Ayrer histor. process. juris 2; man soll auch keinem hospital, schule oder closter, wenn sie sich nicht zur wehre setzen, einige gewalt zu fügen. Schwend discurs von bestellung des ganzen kriegswesens 179; die sinnlichkeit selbst musz mit siegender kraft ihr gebiet behaupten, und der gewalt widerstreben, die ihr der geist durch seine vorgreifende thätigkeit gern zufügen möchte. Schiller (über ästhetische erziehung des menschen 13. brief) 10, 319. III@4@b@b@3@bb)) nun haben wir ein tochter, die sich selbs beraubt hat der gnaden und ewigs lons unser götter und hat gehuldet unserm nefen dem creutzigtem gote, do mügen wir unsern grossen gewalt nit erzeigen an unserm plut, als unser nefen und vorfarn ... getan haben. d. städtechroniken 10, 169 (Nürnberg); wann die gött haben an mir volliglich allen iren gewalt erzöget. Terenz (1499) 82a (eunuch 5). III@4@b@b@3@cc)) liefre mich nicht girlichem wiln uont muot der feinden mein: dan wider mich aúfstẹn di falsch zeugnuos erlognes muonds verjẹn, nt dær gewalt stiftet aus ụbermuot. Melissus (psalm 27) 98 neudruck. III@4@b@b@44)) der gewalt sich unterstehen, gewalt sich anmassen, sich erlauben: so jemand sich gewalts unterstehen wolte in seinem abwesen, den sollen die nachbaren ins loch werfen. Pape bettel- und garteteufel P 6a; unstreitig müssen sich die gesetze über die wissenschaften keine gewalt anmassen, denn der endzweck der wissenschaften ist wahrheit. Lessing (Laocoon) 9, 13; und seiner wilden lust genug zu thun, erlaubte sich der freche gar gewalt! Schiller (Phädra 4, 1) 15, 1, 58. III@4@b@gγ) die verbindungen mit üben und thun, die schon in der mittelhochdeutschen periode belegt sind, verstärken ihre verbalformen in der neueren sprache durch präpositionen resp. präfixe: gewalt verüben, jemand gewalt anthun. III@4@b@g@11)) üben, verüben, ausüben. während gewalt üben (vgl. oben sp. 4915) fast ganz auf die parallele mit violentia beschränkt ist, die auch in gewalt verüben durchschlägt, dient die verbindung gewalt ausüben mehr der bedeutung von potestas. III@4@b@g@1@aa)) gewalt üben. III@4@b@g@1@a@aα)) lockere, durch attribute und ähnliche bestimmungen erweiterte verbindung: ubet nicht unrechten gewalt, betrieget niemand. Melanchthon corp. doct. christ. 323b (vgl. Lucas 3, 14); darumb wir euch als zeugen fürstellen wöllen und begeren mit entlichem beschlusz solchen seinen gewalt mit uns zu üben nimmer gedulden, vil weniger zuo leiden. (unterredung des bapsts mit seinen cardinalen) Schade sat. u. pasqu. 3, 84; herr Gotfridt, als er gesehen den gwalt und mutwillen, den Conradt Glick uber alles rechterpieten geuebt, hat er auf in als uf sein abgesagten feindt zu ros und zu fuosz straifen lassen. Zimmersche chronik 1, 470; so aber ain herr richter oder ambtman oder jemants ander dem herrn von Stubmberg in gemelter seiner freihait ainigerlai eingriff, gwalt oder fravel iebet, so mag des herren von Stubmberg phleger, richter oder ambtman den tätter fänklich einziehen. banntaiding zu Wenigzell (16. jahrh.), österr. weisth. 6, 106; ich verkünd dir ietz, das du nit einichen gewalt wider dise übest. Terenz (1499) 73b; sie (die Tusculaner) hetten auch bescheiden, das alle thor der statt, auch alle heüser darinn offen stuonden, on alle huot, und were ir begeren an Camillum, das er keiner gewalt gegen in üben wolt. Livius (Straszburg 1562) 57b. ganz vereinzelt ist der folgende beleg für die bedeutung von potestas: es sind nicht immer die vorzüglichsten menschen, weder an geist noch an talenten, selten durch herzensgüte sich empfehlend; [] aber eine ungeheure kraft geht von ihnen aus, und sie üben eine unglaubliche gewalt über alle geschöpfe, ja sogar über die elemente, und wer kann sagen, wie weit sich eine solche wirkung erstrecken wird? Göthe (dichtung und wahrheit) 48, 179. vgl. dagegen gewalt ausüben. III@4@b@g@1@a@bβ)) geschlossene verbindung: sind nicht die reichen da, die gewalt an euch uben, und ziehen euch fur gerichte. Luther brief des Jacobus 2, 6; und foddert zu euch alle, so das gesetz hatten, rechet den gewalt an eurem volck geübet. 1 Macc. 2, 67; ungern übe ich gegen einen verwandten gewalt; ihr selbst tragt schuld, wenn ihr in diesem thurme, den euer ahn gebaut, als gefangener bleiben müszt. G. Freytag (brüder vom deutschen hause) 10, 295; du hast gewalt im lande geübt, und prechtig drinnen gesessen. Luther Hiob 22, 8; wer gewalt ubet im gericht, der ist eben als ein hofemeister, der eine jungfraw schendet, die er bewaren sol. Sir. 20, 4; weh den schrifftgelerten, die unrecht gesetz machen, und die unrechte urteil schreiben, auff das sie die sachen der armen beugen, und gewalt uben im recht der elenden under meinem volck, das die widwen jr raub, und die waisen jre beute sein müssen. Jes. 10, 2; der teufel fület wol, was D. Martinus für gewalt in seinem reiche geübet hat, drumb gedenckt er sich redlich zurechen. Erasmus Alberus wider die verfluchte lere der Carlstader P 1b; einem verbieten gewalt zu üben, de vi alicui interdicere. Henisch 1591; gewalt uben, forcer, user de violence. Hulsius (1614) 163a; gewalt üben, usar di forza, ò violenza, forcer, user de force, ou de violence. Rädlein 381a; wan man nun, zum exempel deuten wil auf gewalt üben, oder mit der that verfahren, kan man sagen: gewaltsames weges verfahren. Schottelius hauptsprache 1231; dasz wir ... uns in der kammer bei berathung desselben gegenstandes befanden und daher nicht auf dem platze sein konnten, wo die gewalt geübt wurde. ber. d. Frankfurter nationalversammlung (9) 6878a; meine herren! man hat gewalt geübt, ich glaube nicht, dasz man dabei stehen bleiben wird. 6885a. III@4@b@g@1@bb)) im allgemeinen drängt der neuere sprachgebrauch das einfache verbum hier zu gunsten der erweiterten form verüben zurück, so dasz sich die zuletzt angeführten belege als ausnahmen und als proben eines am alten festhaltenden gehobenen stils erweisen: aber du bist so weit entfernt, England zu lieben, dasz du seinen rechtmäszigen könig unterdrükt ... an der jungfräulichen ehre der crone gewalt verübt hast. Wieland Shakespeare 3, 341 (könig Johann 1, 2); ist bei einem auflaufe gegen die beamten oder die bewaffnete macht mit vereinten kräften thätlicher widerstand geleistet oder gewalt verübt worden, so treten ... die strafen des aufruhrs ein. strafgesetzbuch für den norddeutschen bund (1870) § 116 (bundesgesetzblatt von 1870, s. 219); mit zuchthaus nicht unter zehn jahren oder mit lebenslänglichem zuchthaus wird der räuber bestraft, wenn bei dem raube ein mensch gemartert oder durch die gegen ihn verübte gewalt eine schwere körperverletzung oder der tod desselben verursacht worden ist. § 251. III@4@b@g@1@cc)) die verbindung gewalt ausüben (gewalt in den bedeutungen macht, einflusz, selten in der von zwang). III@4@b@g@1@c@aα)) denn so viel in den inseln gewalt ausüben und herrschaft, ... alle umwerben die mutter zugleich, und zehren das gut aus. Voss Odyssee 1, 246 (1806, vgl.so viel in diesen inseln gebieten 1781); die einigung des bisherigen besitzers und des erwerbers genügt zum erwerbe, wenn der erwerber in der lage ist, die gewalt über die sache auszuüben. bürgerliches gesetzbuch § 854; übt jemand die thatsächliche gewalt über eine sache für einen anderen in dessen haushalt oder erwerbsgeschäft aus ... so ist nur der andere besitzer. § 855, vgl. auch § 856. III@4@b@g@1@c@bβ)) ich denke die ersten tage des octobers in den tiefern gebirgen zuzubringen, da ich so nahe bin konnte ich der versuchung nicht widerstehen meine alten freunde wiederzusehen, die in früherer zeit soviel gewalt über mich ausgeübt haben. Göthe an Cotta (27. september 1797), briefe 12, 321; doch, wir wollen es so ganz genau nicht nehmen, immer ist es erfreulich, dasz dieser schriftsteller (Gutzkow), der nun einmal grosze gewalt in der literatur ausübt, einiges vermag. Hebbel (an Elise Lensing 1839) 1, 85; es wird wenige geben, welche nicht schon an sich selbst die gewalt empfunden haben, die gespenstergeschichten auf das gemüt ausüben. Schack ein halbes jahrhundert 1, 31. [] III@4@b@g@1@c@gγ)) nein, nein, das edle ist nicht ganz erstickt in euch! es schlummert nur, ich will es wecken, ihr müszt gewalt ausüben an euch selbst, die angestammte tugend zu ertödten. Schiller (Tell 3, 2) 14, 345. III@4@b@g@22)) gewalt thun ist von der jüngeren und erweiterten verbindung gewalt anthun durch keinerlei gegensatz in der bedeutung oder verwendung geschieden, für beide ist der begriff der violentia vorherrschend. III@4@b@g@2@aa)) gewalt thun, vgl. oben sp. 4945. III@4@b@g@2@a@aα)) lockere formen der verbindung: seitmal dann niemand bei dir ist, und dir niemand laid noch gewalt thuot, sunder dein schmertz und kranckhait von got her raichet (welches gewalt niemand entfliehen kan) so mügen wir dir auch nit helffen. Schaidenreiszer 39a; och schreibist du, ich habe dir ein grauelich bekentnisse geton: doran tust du mir unrecht und gewalt. bei Steinhausen privatbriefe 1, 352; also das ir keinen genügen habt, unns des gelts zuo berauben, sunder auch uber das ir uns unrecht und gewalt thuot, spottet ir unser noch darzuo. Hutten (Vadiskus) 4, 165 Böcking (injuriam re illatam verborum adhuc contumelia .. augeatis), vgl. 4, 194; der hertzog thet inen gewalt und unrecht. Bebel facetien K 33a; Karlstat. herr doctor .. ir thut mir gewalt und unrecht, das ir mich zu dem mörderischen geist ein brocket, unnd das ich nicht mit dem geist in dem auffruohr zuothun hab, protestir ich offenlich vor disen brüdern. Luther (bericht d. handlung zwischen Luther und Karlstat 1524) 15, 336 Weimar; vermainten auch der kaiser (Karl V.) thet den firsten gwalt und unrecht, es wäre der neid und has vons glaubens wegen, dan so er welt ain auffrichtigen krieg fieren, solte er si for mitt recht fürnemen. S. Fischer chronik von Ulm 123 Veesenmeyer; wenn uns jemand wil gewalt und unrecht thun, dawider hat uns gott gegeben die weltliche oberkeit. Erasmus Alberus wider die verfluchte lere der Carlstader L 6b; so ist inn burgerlichen sachen nie kein sonder mensch von mir beleidigt worden, noch ie von mir geklagt, das ich jemandt gewalt und unrecht hab gethon. Livius (Straszburg 1562) 35b; wer das ihm zuleget, der thut ihm gewalt unnd unrecht. Stettler Schweitzer chronik 1, 500a; du thust mir gewalt und unrecht, und du selbsten bist ein solcher gesell, der die gerechtigkeit verhindert. Jacob Ayrer histor. process. juris 136; ihr thut mir gwalt und gar unrecht, dann ich ein botenlauffer geborn und keinem artzt noch nie holt worn. J. Ayrer (wider der königin Podagra tyrannei) 2580; (sie) zeigten mir an, wie die Waldstrommer ihnen gewalt und unrecht eines erbs halben theten. Götz v. Berlichingen 37 neudruck; vor verräthern, vor verräthern hüte jeder sich, am meisten, wer gewalt und unrecht thut. Herder Cid 32; vgl. oben sp. 4982. 4983; thuet niemandt uberlast, noch gewalt: contenti estote stipendiis vestris, und seiet mit euerm sold zufriden. Abraham a S. Clara auff, auff ihr christen (Wiener neudrucke 1, 85); achtestu dann uns teütschen zuo diszen zeiten vor barbarisch? oder wie darffestu uns sollichen gewalt thuon. Hutten (Vadiskus) 4, 160 (et qua iniuria?); aber ich sagt die warheit, dan er hat mir kein gewalt gedain. buch Weinsberg 2, 126; das niemants von den kauffleuten dem andern doran kein gewalt thue. oberrheinische stadtrechte 1, 101 Schroeder; sei freundtlich, und thu kein gewalt, das glück hat sich gewendet baldt. Erasmus Alberus fabeln 27 neudruck; denn er dem reich that grosz gewalt, desselben ich darnach entgalt. Bünting Braunschweiger chronik 379. III@4@b@g@2@a@bβ)) die geschlossene verbindung mit einem dativ der person: dann wer sich für ein narren acht der ist bald z eim wisen gmacht aber wer ie wil witzig sin der ist fatuus der gfatter min der duot mir ouch daran gewalt wann er disz buochlin nit behalt. Sebastian Brant narrenschiff, vorrede 45; ich meine solche mühe und erbeit, da einer dem andern das seine nimpt und im gewalt thut. Luther (auslegung des 1. cap. Habak.) 19, 358 Weimar; do sei der teuffel komen, und dem maler ein gewaltigen backenstreich geben, und gesagt, er hab im gewalt gethan, mit unwarheit also gemalet, dann er nit so scheutzlich und greulich sei, als er in mit den luderhossen abcontrafeit hab. Musculus hosenteufel 8 neudruck; ir habt [] mir gewalt getan dismal. italienisch-deutsches sprachbuch 99b. Brenner 54. ebenso 103b; sie sagen auch das kein burger soll gepfent sein für den richter, ob er iemant gewalt thätt. banntaiding zu Triebensee, österr. weisth. 8, 495; nimbs, thuot er dir gewalt zúch in für recht, hasts gemerckt. Terenzübersetzung von 1499 s. 71 (bei Boltz 73a ebenso); bald klagt ich in dem herren an, als ob es mir gewalt hett than. Thomas Murner gäuchmatt 40, 33; sie wiszten wol, das man mir gewalt thet. J. Eberlin v. Günzburg (eine schöne und klägliche historie) 2, 107; Mahomet tröuwet, alle Mussulmannos, so einen christen, der sein tribut gibt, beleidigen, unnd ihm gewalt thun, am tag des gerichts schwerlich und mit grossem zorn zu verfolgen unnd zu straffen. J. Wetzel reise der söhne Giaffers (litter. ver. 208) 138 f.; der richter sie von erst gen dem vatter verklagen wolt, ehe er von ir desz gewalts halben den er ihr wolt gethan haben (verklagt wurde). Bocc. (1535) 97a; wer einem menschen thuot gewalt, denselben für ei buoben halt. Erasmur Alberus praecepta vitae ac morum 36b; kein winter ihm nit würdt zuo kalt kein summers hitz thuot ihm kein gwalt (dem gestorbenen). Wickram der irr reittende bilger 8b; icz ist im heis, dan ist im kalt, dan er an seiner war verhalt, icz veret er sich selber palt, dan thuot sein herschaft im gewalt, ietzund sein schüldner in nicht zalt. H. Sachs (das unglück) fabeln u. schwänke 3, 57 Götze; wer hie anderen leuthen gewalt thut, der musz in der höll widerumb von anderen gewalt leiden. Henisch 1592; einem gewalt thun, vim alicui inferre, injurium, injuriosum esse, violentes manus alicui inferre, violentum animum iramque in aliquem depromere. Weismann 156; einem gewalt thun, faire violence à quelcun. Rondeau-Buxtorff 253; derselb wolt der frauen geren gewalt tun. Geiler v. Keisersberg predigten 134a; mit dem nötet Tarquinius Lucreciam und thet ir gewalt, daz sie seines willen sein must. Albrecht v. Eybe ob einem manne sei zu nemen 14b; einer weibs-persohn gewalt thun, vim adferre fœminae. Frisch 2, 420b; ach! liebster vater, thue dir selber nicht gewalt! Gottsched Cato 5, 2; ihm selbst gewalt thun, se faire violence à soi même. Rondeau-Buxtorff 253; Merenberg. wie geht's der königin? Elisabeth. verwunderlich! doch thut sie sich gewalt, das sieht man wohl. Grillparzer (könig Ottokar 1) 65, 9; es kommen männer, weiber, jung und alt, an ihrer spitze steht der burgemeister. er thut sich, wie es scheint, etwas gewalt; die fassung seines amtes doch beweist er. Immermann gedichte 4 (werke 11, 167); die mutter führt zum kamine die maid, sie richtet ihr bettlein, sie trocknet ihr kleid, sie redet ihr trost, und sie thut sich gewalt, sie sieht erstarren die blühnde gestalt. Roquette gedichte (1859) 147. III@4@b@g@2@a@gγ)) die geschlossene verbindung mit einem unpersönlichen dativ: wer aber sinem lib thuot gwalt der selb wol gott dem herren gfalt. tragödia Johannis des töuffers M 2a; wenn man gegenwärtige nachrichten lieset, so wird man anfangs finden, dasz Christina bei verschiedenen gelegenheiten viel mäszigung bezeiget hat: aber that sie nicht hernach ihrer neigung gewalt? Lessing (critische nachrichten auf das jahr 1751) 4, 238; hie thuot man gwalt der predig dein, hie gibt man alles lasters schein. Hutten (klag über den Lutherischen brandt) 3, 456 Böcking; Luter thut der geschrifft hie gewalt, dann der text nith sagt wer das concilium beruffen hab. Emser wider das unchristenliche buch Martini Luters 45 neudruck; dem sinn des autors gewalt thun, ihn verdrehen, to wrest the sense of a passage. teutsch-engl. wb. (1716) 768; er wollte ihrer neigung auf keinerlei art gewalt thun. Musäus volksmärchen 3, 56. III@4@b@g@2@a@dδ)) der absolute gebrauch der verbindung: gewalt thun, manus inferre, vel manus adferre. Dasypodius 341a; gewalt thun und stercke brauchen, vim admovere. Maaler 178b. ähnlich Frisius 39b, Kilian K 4b (gheweld doen) und Erasmus Alberus c 4b; postulatus est de vi, vorklaget dat einer gewalt hebbe gedan. Chytraeus 161; wer gewalt thut der brennt aschen. Henisch 1592; man lehret uns sonst, dasz Christus allein durch sein theures blut und verdienst uns die seligkeit erworben, nun [] aber fodert man auch von uns, dasz wir darum lauffen, arbeiten, kämpfen, beten, gewalt thun sollen. Scriver seelenschatz 1, 427; er ist so ehrlich, ... dasz er einem nothleidenden armen lieber dient, als einem reichen, der gewalt thut. Rabener 3, 146; gewalt thun, vim facere, adhibere, vim et manus alicui inferre, grassari, manu agere, violare aliquem. Kirsch 179. eine andere richtung der bedeutungsentwicklung läszt sich im holländischen belegen: geweld doun, alle krachten inspannen. Molema wb. der Groningenschen md. im 19. jahrh. s. 123. III@4@b@g@2@bb)) gewalt anthun. III@4@b@g@2@b@aα)) lockere verbindung: als aber die Sodomiter die jüngling haben angesehen, die besundere hübsche angesicht hatten, und erkanten dz si zum Loth einkört, haben sie sich undernumen, gwalt und schmähung irer hübsche anzuothuon. Hedio übersetzung des Josephus (1535) 10b; von dem im nächsten schreiben gedachten hertzogen von Alba liset man, ... dasz nirgends einigem orth, auch so gar keinem baurenhäuszlein, einiger gewalt, oder schaden, angethan worden. Zeiller hundert episteln 463; si (die auf hohen schulen leben) mögen auch tuhn was sie wollen, so haben si doch solche freiheit, dasz ihnen kein statsdiner ein hahr krümmen darf, vihl weniger einige gewalt antuhn. Zesen adr. Rosam. 206 neudruck; das erstaunen, das ihn beim anfang ihrer rede befiel, verwandelte sich beim ende derselben in einen unwillen, den er kaum zurückhalten konnte. jedoch that er sich die aüsserste gewalt an, und nach einer ziemlich langen pause sagte er ... Wieland (don Sylvio 2, 3) 11, 106; ja, wenn es in meinem vermögen stünde, ihm bei der äussersten gewalt, die er sich meinetwegen anthut, das bitterste zu ersparen, wenn in dem augenblicke, da er mir alles erlauben wollte, ich ihm alles aufopfern könnte, so wäre es ganz etwas andres. Lessing (misz Sara 3, 3) 2, 304; die gewalt, welche sie sich anthun musste einem so liebenswürdigen prinzen zu widerstehen. Wieland (Agathon 12, 5) 3, 95; einem die gewalt anthun, alicui iniuriam inferre. Steinbach 2, 921; ich befinde mich in einer ähnlichen lage wie du, und habe mir schon eben die gewalt angethan, die ich dir nun über dich selbst zumuthe. Göthe (wahlverwandtschaften 1, 2) 17, 16; ich muszte ihnen gestern schrecken und gewalt anthun, damit wir heute die früchte ernten. Stifter bunte steine 232. III@4@b@g@2@b@bβ)) die geschlossene verbindung mit einem persönlichen dativ: der könig Xerxes ... ward ... in liebe entzündet gegen seines leiblichen bruders Masistes weib. als er sie nuhn weder mit worten noch gaben, deren er ihr viel zugeschickt, nicht bewegen mögen, hat er ihr doch kein gewalt anthun wöllen. Kirchhof wendunmuth (2, 18) 2, 32 Österley; zur selbigen zeit waren die Sodomiter irer reichtumm halb stoltz und ubermütig, und theten den menschen gewalt an. Hedio übers. des Josephus 11b. ähnlich 103b; got ist's dær gibt das ich mich rechen kan, macht mir duorch zwang di völker uontertan: dær mich errét von meinen feinden truotzig, erhaben hoch ụber al, di aufstuotzig wider mich warn: vom ungerechten man hạst mich gefreit, dær mir gewalt tẹt' an. Melissus (psalm 18) 63 neudruck; und dergleichen ist der gröste theil der menschen. was? es thut offt den weisen selbst, wenn sie das hertz verlieren, gewalt an, dahero wage, wage etwas, o bruder. B. Schupp lehrreiche schriften 631 (kunst reich zu werden); einem gewalt anthun, faire violence à qn. vim alicui inferre. n. dict. du voyageur 144b; einem gewalt anthun, to offer violence to one. teutsch-engl. wb. (1716) 768; offen thue keinem gewalt an, non vim facias ullam in ullum. Aler 933a; man hat mir gewalt angethan, vi ac necessitate coactus, et invitus hoc feci. 933b; einem gewalt anthun .., alicui vim inferre. Bayer 290a. ebenso Steinbach 2, 921. ähnlich Veneroni 74. nouveau dictionaire (Straszburg 1762) 339. Hilpert 1, 462; so ein garstiges thier du bist, so hab ich dir doch mit menschlicher fürsorge begegnet, und dich in meiner eignen celle beherberget, bisz du frech genug warst, meinem kinde gewalt anthun zu wollen. Wieland Shakespeare 2, 316 (sturm 1, 4); weib, wollt ihr mir gewalt anthun, hinweg. Schiller (Tell 4, 3) 14, 397; ja, um ihm (Beethoven) in letzterer beziehung gar keine gewalt anzuthun, sandte ich ihm das buch auf demselben wege zu, auf dem die anforderung geschehen war. Grillparzer (erinnerungen an Beethoven) 205, 208; dasz er ihr selbst nicht gewalt anthun solte, müste sie sich entschliessen, ihm ehe [] noch 3 nächte verlieffen, als seine ehe-frau beizuwohnen. J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 159 neudruck. ebenso 1, 244; einem mädchen gewalt anthun, to ravish, to violate a girl. Hilpert 1, 462; Butillo jedoch, ein wüstling, war in ein frauenkloster eingedrungen und hatte dort einer nonne gewalt angethan, worauf er, nach den bestehenden gesetzen, zum tode verurtheilt wurde. Platen (geschichten des königreichs Neapel 1, 2) 5, 58. III@4@b@g@2@b@gγ)) besonders beliebt ist diese verbindung neuerdings neben dem reflexivpronomen: sich gewalt anthun, sich zwingen etwas zu thun, sich zu etwas zwingen, farsi violenza, vinzersi se stesso, se faire violence. Rädlein 381a; ich kan mir diese gewalt nicht anthun, ich kan dieses nicht übers hertze bringen. ebenda; ihm selbst gewalt anthun, manus sibi violentas inferre. Aler 933a; er habe ihre schönheit ohne würcklichen genusz lange genug vergebens vor augen gehabt, nunmehro aber, da ihn nichts als der elende Albert daran verhinderlich sein könte; wäre er nicht gesonnen sich länger gewalt anzuthun, und kurtz! wolte sie haben. J. G. Schnabel insel Felsenburg 1, 159 neudruck; der himmel weisz, wie viel gewalt ich mir anthun musz, nicht so gelehrt zu sein, um meinen lesern nicht unerträglich zu werden. Rabener 3, 126; man kann dieses aus seinen gefangnen beweisen, wo er an unterschiedenen stellen, die ich anmerken werde, ganz ohne noth dergleichen unrath ausstreuet; da er doch in diesem stücke sich meint gewalt angethan zu haben. Lessing (critik über die gefangnen des Plautus) 4, 137; sie bewillkommte ihn mit dem edlen und anmuthsvollen anstande, der ihr eigen war, ob sie sich gleich gewalt anthun muszte, die unruhe zu verbergen, die in ihrem schönen busen kochte. Wieland (don Sylvio 5, 5) 12, 41; und so sollte ich denn, um auch schatten in meine gemählde zu bringen, von verbrechen und unheil, erdbeben und wasserfluth einiges melden, doch setzt das gegenwärtige ausbrechen des feuers des Vesuvs die meisten fremden hier in bewegung, und man musz sich gewalt anthun, um nicht mit fortgerissen zu werden. Göthe (ital. reise 1) 27, 232; ich thue mir gewalt an hier abzubrechen. an Hetzler 14. juli 1770, briefe 1, 239; ich muszte mir recht gewalt anthun, um nicht zu viel zu trinken. an Christiane 18. mai 1810, briefe 21, 305; sich selbst gewalt anthun (sich entleiben), to lay hands upon one's self. Hilpert 1, 462; sich gewalt anthun (sich oder seine begierden zügeln), to put or restraint one's self, to restrain one's passions. ebenda; thun sie sich keine gewalt an (= handeln sie, reden sie frei), do not lay any restraint upon yourself. ebenda; am ersten tag that sie sich gewalt an, war fleiszig und folgte der frau Holle. brüder Grimm (frau Holle) 1, 156. ebenso (die 12 jäger) 1, 420; darum that sie sich gewalt an, eine verschämte falschfreundliche miene anzunehmen. Musäus volksmärchen 1, 181; als ich indes auch dort nichts fand, und die mutter mir statt der geburtstags-chokolade gleichgültige milch vorsetzte, muszte ich mir gewalt anthun, um meinen schreck nicht zu verraten. Kügelgen jugenderinnerungen 44; die gewalt, die er (Macbeth) sich anthun musz, mit solchem innern zustande solche äuszere rolle zu spielen, wird wiederum zum triumphe des schauspielers. O. Ludwig (studien) 5, 119; sie muszte sich gewalt anthun, um den ausbruch derselben (der thränen) zurück zu halten. Hermann Schmid ges. schriften 3, 45; es war unverkennbar, dasz diese sich dann gewalt anthat, um nicht die ungewohnte liebkosung mit allem ungestüm der jugend zu erwidern. Th. Storm (der herr etatsrath) 6, 207; die gewalt, die er sich anthat, seinen ganzen zorn hinter der maske der gekränkten liebe zu verbergen, nahm ihm fast den athem. F. Lewald reisegefährten 2, 227; man merkte es, wie er sich gewalt anthat, gelassen zu bleiben. Rosegger schriften des waldschulmeisters 11. III@4@b@g@2@b@dδ)) auch der unpersönliche dativ nimmt an dieser verbindung groszen antheil, vielfach in verknüpfung mit reflexiven pronominibus: diejenigen schauspielerinnen, welche die mädchen vorstellen, müssen sich nicht allzusehr putzen, sondern ihrer eitelkeit ein wenig gewalt anthun. Lessing (auszug aus dem schauspieler) 6, 143; und er konnte seine rolle nie anders behaupten, als indem er seinem willen gegen seine eigne überzeugung gewalt anthat. Wieland Shakespeare 6 (viel lärmen um nichts 1, 4); ich wende mich unmittelbar zum gegenstande, der uns beschäftigt, und bin genöthigt, meinen gefühlen gewalt anzuthun. berichte der Frankfurter nationalversammlung (3) 2132b; ich bewundre mich täglich, bis zu welchem grade [] es mir gelingt, meiner angebornen tintenscheu und faulheit gewalt anzuthun. Bismarck an H. Wagener 27. april 1853; und dann, wisset ihr sehr wol, und habt gesehen, mit was leichtfertigkeit die wählsche völcker und heütige soldaten alle, den ledigen, und anderen weibspersonen, wo sie insonderheit noch irgend was mittel zu haben vermeinen, nachstellen, und ihren ehren gewalt anthun, wo sie können, ungestrafft und ungewehret. Moscherosch insomnis cura parentum 19 neudruck; wenn der mechanische künstler seine hand an die gestaltlose masse legt, um ihr die form seiner zwecke zu geben, so trägt er kein bedenken, ihr gewalt anzuthun. Schiller (über die ästhetische erziehung) 10, 283; unsere altvordern erfreuten sich einer richtigen und der deutschen aussprache vollkommen angemessenen rechtschreibung. wir haben uns in barbarischen jahrhunderten eine last von verkehrtheiten aufgebürdet, die sich freilich nicht mit einem male abschütteln lassen, wenn dem auge nicht zu viel gewalt angethan werden soll. Platen (über verschiedene gegenstände der dichtkunst u. sprache) 5, 33; einer stelle, einem gesetze gewalt anthun (sie auf eine gezwungene art erklären), to wrest the sense of a passage or of a law. Hilpert 1, 462; bei allem dem können wir nicht bergen, dasz wir aus verschiedenen gründen in versuchung gerathen sind, der historischen wahrheit dieses einzige mahl gewalt anzuthun. Wieland (Agathon 5, 6) 1, 254; ruhet dort aus, in desz dasz ich in dieses harte harte haus ... zurück kehre, und ihrer kargen höflichkeit gewalt anthue. Wieland Shakespeare 1, 231 (könig Lear 3, 3); der mildthätigkeit der leute gewalt anthun. ebenda (2, 7) 205; alle halfen denn an der quadratur des zirkels erfinden; selbst der alte Stilling verwendete vielen fleisz auf die sache. ich würde dem erfinderischen, oder besser, dem guten und natürlichen verstande dieses mannes gewalt anthun, wenn ich sagen sollte: er hätte nichts in dieser sache geleistet. J. H. Jung-Stilling Heinrich Stillings jugend (Kürschner 137 s. 25); hier finden wir ein genaues und tiefes studium, das vielleicht der menge nicht bemerklich wäre, das aber unser französischer dichter gar leicht mit glänzenden und volksmäszigen stickereien hätte ausschmücken können, ohne der geschichte die mindeste gewalt anzuthun. Göthe (auswärtige litteratur und volkspoesie) 46, 145; weil dieses gewaltthätige und fehlerhafte betragen des Malthesers alle nachfolgende situationen, und vorzüglich seine aufopferung herbeigeführt hat, so setzte man, ein wenig rasch, voraus, dasz sich der dichter von diesem unbedeutenden gewinn habe hinreiszen lassen, der innern wahrheit dieses characters gewalt anzuthun, und den gewöhnlichen lauf der handlung zu verlenken. Schiller (briefe über don Karlos 11) 6, 70; ich glaube, dasz wir unserer gestrigen abstimmung gewalt anthun, wenn wir sie nach dem wortlaut der buchstaben und nicht nach ihrer bedeutung dem sinne nach beurtheilen. Bismarck (18. juni 1847) 1, 33; Kleist verstellt auf eine selbst erfundene, freie weise die wortfolge und verschränkt seine sätze ineinander: man empfindet die kühnheit, mit welcher der sprache gewalt angethan wird. O. Brahm H. v. Kleist 131. III@4@b@g@2@b@eε)) der absolute gebrauch ist hier im grunde ausgeschlossen, er findet sich nur in wörterbuchnotizen: gewalt anthun, far forza, faire force. Rädlein 380b; gewalt anthun, geweld aandoen, geweld pleegen, overweldigen, overkrachten. Kramer niederhoch-teutsch wb. 2, 96a; gewalt anlegen, gewalt anthun, brauchen, alicui vim inferre. Aler 933a. III@4@b@dδ) gewalt leiden. III@4@b@d@11)) lockere fügungen: ein Christ soll gewalt und unrecht leiden, sonderlich von seiner oberkeit. Luther (an kurfürst Johannes 1530) briefe 3, 560; gewalt und unrecht leiden, to suffer violence and wrong. teutsch-engl. wb. (1716) 768; davon ist es das die heiligen martrer von den ungelaubigen vil hörter gewalt gelitten hand. Gregors dialoge IV cap. 20 (Augsburg 1473); gewust hat er, dasz das reich gottes, das obere Jerusalem einen gewalt leide, regnum coelorum vim patitur, dahero gedachte er mit einer gantzen armee für dasselbe zu rucken, diese armee aber waren die arme, in die er seine barmhertzige augen geworffen, denen er sich barmhertzig dargestellt. Abraham a S. Clara reimb dich, von d. heiligen Georg 6; der blasenhals leidet mittelst des zellengewebes, das ihn umgiebt, und das bei der operation gewaltsam angespannt wird, zwar einige gewalt, aber diese gewalt ist ohne gefahr; denn das zellengewebe giebt nach und läst sich verlängern, und wenn ja einige entzündung erfolgen sollte, so ist sie doch leicht zu heben. Richter chirurgische bibliothek 4, 576. [] III@4@b@d@22)) geschlossene verbindung: de worde des hilgen ewangeliums segen se vlitich an, dat alsus geschreven steit: dat rike der hemmel lidet gewalt. des dodes danz 1511 Bäthcke; denn also lehret der papst mit allen seinen aposteln und jüngern, juristen und theologen, man sei nicht schuldig gewalt zu leiden, sondern vim vi repellere licet. Luther (predigt am 24. sonntage nach trinit.) 14, 274 Erl.; gewalt leiden, vim subire, experiri, sustinere. Stieler 1135; ich halte, viele werden selbst gestehen müssen, dasz sie nicht wissen, was das sei: das himmelreich leidet gewalt, und die gewalt thun reissen es zu sich; dasz sie niemahlen eine rechte sorge um ihre sünde gehabt, keinen sonderlichen kummer um ihre seligkeit. Scriver seelenschatz 1, 427; das himmelreich leidet gewalt, und die demselben gewalt thun, reissen es zu sich, the kingdom of heaven suffereth violence. teutsch-engl. wb. (1716) 768; gewalt leiden, accipere, pati, ferre imperium, vim pati. Steinbach 2, 921; injuriam accipere. Kirsch 179; gewalt leiden, soufrir de la violence. Rondeau-Buxtorff 253; dafür (sollten die provinzen) aber den mächtigen schutz dieses reiches genieszen, und an keinem ihrer besondern vorrechte gewalt leiden. Schiller (abfall der Niederlande 1) 7, 55 anm. III@4@b@d@33)) in der verbindung mit der negation entwickelt sich an leiden die bedeutung 'dulden, zulassen': lasz mich! nein, ich leide keine gewalt! fasse mich nicht so mörderisch an! sonst hab' ich dir ja alles zu lieb gethan. Göthe (Faust I) 12, 245; und du muszt tanzen; fremde arme schmiegen sich an dein herz; o leide nicht gewalt! ich seh dein weiszes kleid vorüberfliegen und deine leichte, zärtliche gestalt. Th. Storm (gedichte) 8, 203. III@4@cc) mit gewalt leiden berührt sich der bedeutung nach die verbindung es geschieht gewalt, der haupttypus derjenigen verbindungen, in denen gewalt als subject zum verbum tritt. nur vereinzelt begegnen hier lockere formen: disz ist der gewalt und schad der mir geschen ist. d. städtechroniken 2, 65 anm. 7; sol dem edlen iüngling, zuo den iederman alles guot vorhoffen ist, ein sollicher gewalt widerfaren. Hutten Vadiskus (hanc ... iniuriam fieri) 4, 159 Böcking; vgl. wa dir und deim reich einiger gewalt von uns begegnet, wa wir deinen feinden etwas gonstes oder vorschubes beweisen. Fischart Gargantua 342 neudruck. in der älteren sprache wechselt gelegentlich auch das präfix, vgl.: der auff dem erdtrich pflanzet, und die beum vor dem vierdten jar frucht bringen, der soll gott nicht darvon die erstlinge opffern, noch ers selber essen, dann das nit der zeit nach gewachsen ist, dieweil es sich ansehen laszt, als ob der natur wider die zeit gewalt beschehen sei, darumb dann disz weder gott noch dem eignen herren zuessen, zugehörig ist. Hedio übers. des Josephus 47b. III@4@c@aα) mit persönlichem dativ: ghescheghe eime ghewalt. Stendaler urtheilsbuch (14. jahrh.) 26, 3 Behrend, vgl. auch das beispiel aus Konrad von Würzburg oben sp. 4946; ich were werdt, das man mich verbrennen solt, darumb das ich gesagt hett, mir wer gewalt geschehen. J. Eberlin von Günzburg (eine schöne und klägliche historie) 2, 110; die selbigen mügen schreien, wenn inen viel gewalt geschicht, und ruffen uber den arm der grossen. Luther Hiob 35, 9; denn es mus ja ein kind odder knecht im hause, den trotz und trost haben zu seinem herren, das er wisse, das er im nicht wolle lassen gewalt geschehen. von Jhesu Christo ein predigt E 3b; die richter werden an ihrer stadt gestrafft umb ihre missethat, die widwen auch gerochen werdn der ein gschach gwalt vom reichen herrn, der andern ward der schutz versagt das sie gott ihrem herrn geklagt. P. Rebhuhn Susanna 5 Palm; darumb diss unpartheisch gericht wuort ahn ihn lassen manglen nicht, wie dan dass kaiserlich recht inhalt, und soll auch niemandt gschehen gwalt. Endinger judenspiel 75 neudruck; zu freien oder nicht, keinem gewalt geschicht. Henisch 1593; am leibe bin ich schuoldig worden, aber mein hertz ist ohn alle schuld, dann mir gewalt geschehen, welchs die königin durch ihren bruder schendlicher weise verursachet hat. Bünting Braunschweiger chronik 218; es ist mir der grösseste gewalt geschehen in meinem stattlichen ellenden dienst, durch drei hündisch-ungerecht-wütende feinde. [] Moscherosch insomnis cura parentum 57 neudruck; es geschicht ihm gewalt, injuria fit ipsi, iniquitate opprimitur. Stieler 2426; es geschieht mir gewalt, unrecht, mi si fa iniustizia per forza, mi si fa violenza, on me fait injustice par force, on me fait violence. Rädlein 380b; es geschicht im gewalt und unrecht, manifesta injuria vinctus, oppressus. Weismann 156, ähnlich Bayer 290; du hast das erste wort, mein sohn! weil dir gewalt geschehen, wie du sagst, bist du mit dem Argiverheer heraufgezogen. Schiller (Phönizierinnen 4) 6, 140; o mein gebieter! gewalt, gewalt geschieht uns, Agamemnon. gewaltsam reiszt er deinen brief mir aus den händen. (Iphigenie in Aulis) 6, 164; groszvater, hilf! gewalt geschieht dem vater. (Wilhelm Tell 3, 3) 15, 354. III@4@c@bβ) mit unpersönlichem dativ: Joannes leer hat aber gmacht das vil lüt ietz nach guotem btracht, und gschicht dem himmelrich gewalt so ie der gottes wort zuo falt. tragödia Johannis des töuffers P 5a; doch nicht zu gedenken, dasz dem iis sonach gewalt geschiehet, wenn man es auf das nächststehende subject ziehet. Lessing (antiquarische briefe 44) 10, 375. III@4@c@gγ) vereinzelte gebrauchsformen: verschliesz das gelt auffs aller best, verwar des mammons kasten vest, mit schlossen, rigeln, eisern thür, dasz kein gewalt gescheh dafür. Erasmus Alberus praecepta vitae ac morum 85a; es geschicht gewalt, vi geritur res, adest vis. Aler (Cöln 1727) s. 933a.
793365 Zeichen · 10885 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gewaltadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +9 Parallelbelege

    gewalt adj. gewaltig. er ist uber al Egiptelant ein fiztuom gualt: geweltichlîchen er phleget al des ter chunich habet G…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gewaltF., M.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    gewalt , F., M. nhd. Gewalt, Macht, Machtbefugnis, Gebiet, gewaffnete Macht, Ansehen, Geltung, Gewalttat, Gewalttätigkei…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gewalt

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Die Gewalt , plur. inus. außer in einigen wenigen einzelnen Fällen, die Gewalten, und in Niedersachsen die Gewälter. 1. …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gewalt

    Goethe-Wörterbuch

    Gewalt auch -dt u Kleinschr, abgekürzt ‘Gew.’ GWB 42 2 ,354 , öfter Pl; rund 850 Belege. — Auffallend, wie wenig die neg…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gewalt

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gewalt . Im Privatrecht ist jede Anwendung von Privat-G. zur Erlangung eines Rechtes unzulässig, der durch G. Verdrängte…

  6. modern
    Dialekt
    gewalt

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    gewalt Band 15, Spalte 1641 gewalt 15,1641

  7. Sprichwörter
    Gewalt

    Wander (Sprichwörter)

    Gewalt 1. Alle Gewalt ist Unrecht. – Günther, III, 723; Graf, 4, 57. 2. Bei Gewalt soll Gnade sein. – Graf, 397, 605. Mh…

  8. Spezial
    Gewalt

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|walt f. (-,-en) 1 (körperliche Kraft) forza (-zes) f. , violënza (-zes) f. , brutalité (-s) f. 2 (Macht) podëi (-s) m…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gewalt

463 Bildungen · 278 Erstglied · 180 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von gewalt

ge- + walt

gewalt leitet sich vom Lemma walt ab mit Präfix ge-.

gewalt‑ als Erstglied (30 von 278)

Gewaltsau

SHW

Gewalt-sau Band 2, Spalte 1323-1324

gewaltact

DWB

gewalt·act

gewaltact , m. , vgl. DWB gewalt , violentia: es ( Preuszen ) kann, so lange die legitimen herren nicht durch einsetzung eines neuen entfern…

gewaltærinne

Lexer

ge-waltærinne stf. BMZ gewalthaberin Trist. 959.

Gewaltakt

Pfeifer_etym

gewalt·akt

Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. gewe…

Gewaltamt

Campe

gewalt·amt

○ Das Gewaltamt , des — es, Mz. die — ämter , ein Amt, das mit großer Gewalt, d. h. Macht und Ansehen verbunden ist. »Und dennoch wollten di…

Gewaltanmaßung

Campe

gewalt·anmassung

○ Die Gewaltanmaßung , Mz. die — en , (R.) die Anmaßung der Gewalt. Seine Gewaltanmaßungen durchsetzen. Dann, eine Anmaßung mit Gewalt, die …

gewaltanspannung

DWB

gewalt·anspannung

gewaltanspannung , f. , vgl. DWB gewalt , vis: er gewinnt durch sprünge den kraft-überschusz zu den schritten und tänzen ... weil eben die m…

gewaltausübend

DWB

gewaltausübend , participiales adjectiv, vgl. DWB gewalt , potestas s. sp. 5087: eine goldene schale nunmehr mit eigenen händen füllt' ich d…

gewaltausübung

DWB

gewalt·ausuebung

gewaltausübung , f. , verbalsubstantiv; bei Lavater ist diese bildung im gegensatz zu den sonstigen beobachtungen an gewalt ausüben mit dem …

gewaltbar

DWB

gewalt·bar

gewaltbar , adj. , vgl. DWB gewalt , violentia: da ein kaiser seiner autorität ordentlich und nicht gewaltbar gebrauchet. Hortleder de bello…

gewaltbarlich

DWB

gewaltbar·lich

gewaltbarlich , adverbialform zum vorigen: gewaltperlich in den Überlinger acten des 16. jahrh., s. Diefenbach-Wülcker 619 .

gewaltbereit

LDWB2

gewalt·bereit

ge|walt|be|reit adj. desponü ala violënza. ▬ gewaltbereit e Person porsona desponüda ala violënza f.

gewaltbete

DWB

gewalt·bete

gewaltbete , f. , vgl. DWB gewalt , potestas, imperium: sie sprochen und teilten auch in vorgeschriebener wise uff ire eide, were zu Derding…

gewaltbildung

DWB

gewalt·bildung

gewaltbildung , f. als gegensatz zu einem organisch entwickelten gebilde: die römische kunstsprache ... wurzelte fest im teutschen boden und…

Gewaltblume

Wander

gewalt·blume

Gewaltblume Gewalts Blumen riechen nicht. – Henisch, 1592, 46; Petri, II, 333; Schottel, 1120 a ; Körte, 2114; Sailer, 62. Gewaltsblume erkl…

gewaltbote

DWB

gewalt·bote

gewaltbote , gewaltsbote , m. , vgl. DWB gewalt , potestas, vollmacht. das compositum hat die ( sp. 4913) erwähnte ältere bildung waltpoto, …

gewaltbrief

DWB

gewalt·brief

gewaltbrief , gewaltsbrief , m. vgl. das einfache gewalt, vollmacht, beglaubigungsschreiben sp. 4963. vgl. dazu auch: das min sunder gut zit…

gewaltbrȫke

MNWB

gewaltbrȫke , m. , Buße für verübte Gewalttat .

gewalt als Zweitglied (30 von 180)

Wortgewalt

RDWB1

Wortgewalt f многословность, красноречие, говорливость

Adelsgewalt

Campe

adel·s·gewalt

○ Die Adelsgewalt , d. Mz. ungew. die Gewaltherrschaft des Adels. Kant.

Aftergewalt

DRW

after·gewalt

Aftergewalt Untervollmacht es sollen auch die procuratores, parteien gewalt- und aftergewalttrager alle anbot, ..., gewalt- und aftergewalt …

Alleingewalt

Campe

allein·gewalt

○ Die Alleingewalt , o. Mz. die Gewalt in den Händen eines Einzigen über Andere. Er hat die Alleingewalt an sich gerissen.

allgewalt

DWB

all·gewalt

allgewalt , f. omnipotentia, oft eins mit allmacht, welches in genauer anwendung mehr das ruhig wirkende, schaffende ausdrückt, allgewalt da…

amtsgewalt

DWB

amts·gewalt

amtsgewalt , f. potestas, auctoritas muneris: poch nit auf kunst, geld, ansehn oder herren gunst, und nit auf freundschaft, amptsgewalt, noc…

anegewalt

KöblerMhd

ane·gewalt

anegewalt , st. Sb. nhd. Mitherrschaft, Mitregentschaft Q.: Macc (vor 1332) (FB angewalt) E.: s. ane, gewalt W.: nhd. DW2- L.: MWB 1, 239 (a…

Angewalt

DRW

ange·walt

Angewalt I Bevollmächtigter MBoica 21 S. 167 Faksimile Schmeller² II 909 Faksimile II Mitherrschaft Maccabäer V. 11534

Bardengewalt

GWB

barden·gewalt

Bardengewalt Macht des urtüml Heldenliedsängers über die Empfindungen seiner Hörer Wir erwarteten hier keine markige Natur unsrer Älterväter…

BEFEHLSGEWALT

DWB2

befehl·s·gewalt

DWB2 BEFEHLSGEWALT f. DWB2 die macht oder befugnis, befehle, anweisungen geben zu können; zu befehl 3 a : DWB2 1912 im gegensatz zur methode…

blutsgewalt

DWB

blut·s·gewalt

blutsgewalt , f. durch solche deine blutsgewalt mich armen sünder auch erhalt. Ringwald tr. Eckh. B 5 a . besser: deine bluts gewalt.

Brachialgewalt

Pfeifer_etym

brachial·gewalt

Brachialgewalt f. ‘rohe körperliche Gewalt’. Das zu lat. bracchium ‘Unterarm, Arm’ gebildete Adjektiv lat. bracchiālis ‘zum Arm gehörig’ ist…

dienstgewalt

DWB2

dienst·gewalt

dienstgewalt f. : 1880 Laband staatsrecht ( 1876 ) 3,1,65. 1956 Esser ehrenstrafe 15.

Eigengewalt

Campe

eigen·gewalt

○ Die Eigengewalt , o. Mz. eine Gewalt, die man sich eigen gemacht oder angemaßt hat. Heß. »Die Königinn ist aus einem Hause, das unumschrän…

ENTSCHEIDUNGSGEWALT

DWB2

entscheidung·s·gewalt

DWB2 ENTSCHEIDUNGSGEWALT f. DWB2 zuss. mit entscheidung f. A 1 b. gewalt, berechtigung, etwas festzulegen, das für andere verpflichtend ist:…

erdgewalt

DWB

erd·gewalt

erdgewalt , f. potentia terrae: nun laszt auch niederwärts durch erdgewalt herabgezogen was sich hoch geballt in donnerwettern wüthend sich …

familiengewalt

DWB

familie·n·gewalt

familiengewalt , f. patria potestas: der edle und menschliche gebrauch, den der hausvater von seiner familiengewalt machen soll. Savigny sys…

Farbengewalt

GWB

farben·gewalt

Farbengewalt Kraft, Intensität von (organ) Farben Am auffallendsten .. zeigt sich die F., verbunden mit regelmäßiger Organisation, an denjen…

faustgewalt

DWB

faust·gewalt

faustgewalt , f. wie faustrecht: spuren einer frühern zeit der faustgewalt. mem. des ritters von Lang 1, 33 .

feindgewalt

DWB2

feind·gewalt

feindgewalt f. (zu DWB2 2 ): 1626 Gottfried Sardi, fortification (1623)1,218. 1931 Cunow wirtschaftsgesch. (1926)4,143.

Ableitungen von gewalt (5 von 5)

gewalte

BMZ

gewalte stv. das verstärkte walte. 1. ohne genitiv. der zepter wil gewalten Frl. 332,7. 2. mit genitiv. a. habe gewalt über etwas. daʒ er ne…

Mißgewalt

GWB

Mißgewalt in der Fügung ‘der Hölle M.’ okkasionell iSv verderbliche Macht GWB 9,267 RomJul 1874 Martina Eicheldinger M.E.

ungewalt

DWB

ungewalt , f. , im nhd. nicht häufiges gegenstück zu gewalt. ags. ungeweald; afries. unewald; mhd. ungewalt; mnl. ongewout, -gewelt, -heit. …

urgewalt

DWB

urgewalt , f. , gewalt mit ur- C 4 a und c. das adj. urgewaltig erscheint etwas früher. beide gehören erst dem 19. jh. an: eine massenthürme…

vergewalten

DWB

vergewalten , verb. in seine gewalt bringen, unterwerfen, ein einfaches gewalten nicht mehr nachzuweisen. seltnes wort, fehlt in den mhd. un…