ohne,
ohn,
adv. präp. und conj., ahd. âna, ânu, âno;
mhd. âne, ân;
alts. âno,
mnd. âne, ân,
mnl. aen,
nnl. (
im 17.
jahrh.) oon,
s. De Vries 1, 55;
altfries. âne, ân
und ône, ône, on;
altn. án,
älter ón (
aus anu). —
nhd. beginnt die trübung des â
zu ô
schon in der zweiten hälfte des 14.
jahrh. (
neben âne
und aune
hat Closener ône 65, 3. 95, 28. 120, 21, ôn 28, 30,
auch umgelautet oen 53, 15.
vgl. Weinhold
alem. gramm. § 92),
wird dann häufiger im 15.
jahrh. neben noch länger fortbestehendem und auch in obd. mundarten erhaltenem â (âne, ân, ahne, ahn),
s. th. 1, 194;
cimbr. âne, ân Schm. 106
b;
bair. ân, ôn,
oberpfälz. aun Schm.
2 1, 83;
kärnt. mit trübung zu û: ûne, ûn Lexer 202,
ebenso in Hugs
Villinger chron. 152: ûn irn gunst und willen (
vgl.un = ohne
in ungefähr).
in der schriftsprache haftet das alte â
nur noch in der composition anwerden (
s. theil 1, 519
und unten I, 2,
b). —
etymologisch gehört ohne
mit goth. inu (
ohne)
und dem negierenden un-
zu sanskr. an-a,
griech. ἄν-
ευ,
lat. in- (
aus en-, an-). Curtius
3 286. L. Meyer
goth. spr. § 392. Fick
3 3, 15.
Bedeutung und gebrauch. ohne
bezeichnet im allgemeinen den ausschlusz von etwas und negiert (
im gegensatze zu mit)
das mitvorhandensein, die verbindung und die gemeinschaft. II.
adverb mit adjectivischer bedeutung (
vergl. ohnig). I@11) ohne sein,
wovon frei, ledig, los sein, etwas nicht haben, mit vorausgehendem gen.: ahd. die ubeli (
maliciam) ne haʒôta er, fone diu newas er iro âno Notker
ps., Wiener hds. 35, 5;
mhd. ir fürsten, die des küneges gerne wæren âne. Walther 29, 15; wan ich wil durch den willen dîn êlîches wîbes âne sî
n. Tristan 5158; in vreuden wâne bin ich vreuden âne von dir gar al mîne besten tage. Lichtenstein 134, 9;
mhd. vereinzelt auch mit dem accusativ (
vergl. 2): die (
var. der, des) was ich ungerne âne.
Iwein 3539; daʒ er wære sîne sinne âne. Albertus
Ulrichs leben 1415;
nhd. got gbot den sünen Aaron das sie sin solten wînes on. S. Brant 16, 32; der selb ist aller wisheit on. 83, 122; do nun die Römer der Teutschen ân waren. Aventin. 4, 335, 7; so wenig nu möglich ist das man böser leute .. on sein kan. Luther 3, 261
a; sind wir der kost des todes wol feind und wolten der gerne on sein. 178
a; iedoch sy des weins nit on seind. Frank
weltb. 58
a; dʒ sy diser plagen on seien. 159
b; darumb allein das ellend und armut neidlosz ist und hasses on.
chron. 107
a; dasz er solicher übel empfindtnusz manglen und on sein mög.
mor. enc. 69, 19
Götzinger; ir solt auch gewis und alles zweifels on sein. Schade
sat. 3, 82, 36. 85, 5; sei du zweiffels ohn, so baldt das gelt wird aufgezehlt, soll er (
ablasz) dir werden zugestellt. Sandrub 114, 6.
daraus ist das elliptische, noch gebräuchliche zweifels ohne,
auch zusammengerückt zweifelsohne (= es ist zweifels ohne)
entstanden im sinne von ohne zweifel, gewisz, sicher: das ander concilium zu Nicen steckt zweifels ohn voll solcher hiezu füglicher schriften. Fischart
bienenk. (1580) 139
b; wie solches euer fürstlichen gnaden zweifels ohne gahr wol wissend.
[] Rist
Parn. vorr. a 2
a; er wird sich zweiffels ohn entsetzen. Gryphius
lustsp. 22
Pfaff; es hätte zweiffels ohn gelegenheit gegeben.
lyr. ged. 532; ein ungemeines band, das zweiffels ohn im himmel ist gebunden.
ungenannter bei Hofmannswaldau 5, 74; (
ihr) mögt itzo zweifelsohn' erzittern und erbeben. Schlegel
Shakesp. 1, 279 (
sommernachtstr. 1, 5).
ähnliche ellipsen sind entstanden I@1@aa)
durch hinweglassung von sein:
mhd. vrowe rein, gar valsches â
n. Lichtenstein 131, 17;
nhd. seid ich muoter ward genant und doch mannes âne.
Erlauer spiele 6, 129
Kummer; lösen irn fusz fein ausz der schlingen der sorgen on in allen dingen. Waldis
päpst. reich 1, 12; o leben lebens ohn! o selig, wer gestorben! Gryphius
trauersp. 708
P. I@1@bb)
durch verschweigung des genetivs: mhd. blîbet er âne (
ledig), er envint keine, diu in welle nemen.
fragm. 28
c;
md. dô vant her sînes herren tochter sitzen âne (
allein, einsam), und an eim rocken wollen spinnen. Rothe
Elisabeth, Koburger hs. 45
b;
nhd. so geben si uns das sacrament ... nit on gelt, als du in geboten hast, und sölten immer on (= des sacramentes on) sterben. Schade
sat. 3, 209, 23. I@1@cc)
die in ohne
enthaltene negation wird durch nicht
aufgehoben, woraus mit verschweigung eines betreffenden genetivs die nhd. redewendung es ist (war) nicht ohne, ohne ist es nicht (
nämlich des grundes, der wahrheit
u. s. w. ohne),
es ist nicht grundlos, es fehlt nicht, ist nicht zu leugnen, es hat manches für sich, es ist etwas daran, es ist wol wahr (
non est de nihilo Alberus Kk 4
b,
non nego, concedo, ita est Stieler 1384). I@1@c@aα)
unpersönlich mit directer oder indirecter satzfolge: nu ist nicht ohn, man kann dieses hoch schmucken. Luther
br. 4, 372; und wiewol nicht on ist, das ... in dieser spaltung dennoch ergernis, fürgefallen, so. J. Jonas
bei Luther 6, 475
b; es ist nit on, ich hab die vier süne .. entrahten.
Aimon bog. 1; es müste ja nit ohn sein .. Agricola
sprichw. 35
b; nun khan aber nit ân sein, der hirsch muesz müed sein. Schm.
2 1, 84 (
vom j. 1545); wiewol nicht ohn, dasz sie dise zeugnusz Pauli auch wider uns brauchen. Fischart
bienenk. (1580) 70
a; gleichwol ist nie ohn ...
Garg. 121
b; ach mein liebste fraw, es ist nit ohn, dasz.
Galmy 93; es wär wol nicht ohne, dasz sy sich gerne mit ihm unterreden wollten. Schweinichen 1, 372; truchtsess es ist nicht ohn, hast kirchen berauben thon. Soltau
volksl. 441 (
vom jahre 1583).
sehr oft im 17.
jahrh., z. b.: wiewol es zwar nicht gar ohn, das die Phillis nicht ... an schönheit dir mag weichen. Weckherlin 402; ohn ist es nicht, wer recht thut wird gehaszt. Opitz
ps. 37; was auch der poeten leben angehet, ist es nicht ohn, das freilich etliche von ihnen etwas ausz der art schlagen.
poeterey 14
neudruck; es were wol nit ohne, dasz er zwar in solche mittel anfangs gewilliget.
eselk. 177; es ist nicht ohne, das reisen hat ... viel nutzbarkeiten.
pers. rosenth. 3, 27; er heist sie in der angst wol gar die zäuberin, die ihm durch stillen gift verlähme kraft und sinn. und es ist ohne nicht. Fleming 153; es ist zwar nicht ohn, dasz man bei seinen obern ... sich nicht herfür thun soll mit worten. Philander (1650) 2, 112; es musz dir heut fast bang gewesen sein: und nicht ohne. 140; hingegen aber ist dieses auch nicht ohne, dasz am spanischen hofe keinem ... der geringste fehler nicht verziehen werde. Zinkgref 2, 90; es ist nicht ohn, er hat einen hitzigen kopf, aber er hat ein ehrlich gemüth und hertze. Schuppius 592; es ist nicht ohne, sagte er, es scheinet etwas liederlich mit dem tantzen. Weise
erzn. 160
neudruck; doch ist dieses nicht ohne, ein langer mensch, der ein narr dabei ist, schimpft seine statur ärger.
kl. leute 60; es ist nicht ohne, die federspitz richtet mehr ubels an, als die schärfste klinge. Butschky
Patm. 32 (16); es ist nicht ohne, dasz das glükke bei uns menschen ein groszes vermag. 608 (430); obzwar .. nicht ohn ist, dasz ich mir oft eingebildet, ich müsse ohnfehlbar auch von einem groszen herrn .. meinen ursprung haben.
Simpl. 1, 26, 2; es ist nicht ohn, dasz kein mensch glauben kan, wie jämmerlich einen die liebe peinigt. 2, 536, 24; es ist nicht ohne, dasz Hannibal einer der gröszten helden
[] der welt gewesen sei. Lohenstein
Armin. 1, 852; es ist nicht ohne, dasz man dergleichen ... fälle für schmerzlicher als andere hält. Hofmannswaldau
begräbnisged. 79; das volk, es ist nicht ohn, ist leichtlich zu bewegen. Gryphius
trauersp. 53
P.; man musz, es ist nicht ohn, die zeit recht unterscheiden. 80.
einige neuere beispiele ('
auszer der kanzleisprache veraltet'. Heynatz 2, 311): es ist nicht ohne, dasz die gesetzgeber gegen eingewurzelte und hartnäckige schäden ... Klopstock 12, 67; es ist nicht ohne, dasz kleine meister der liebeskunst sich oft und gern hierin betrü
gen. Wieland
Gandalin 5, 251; da will ich euch dienen! es ist nicht ganz ohne! Schiller 12, 39 (
Wallenst. lager 9). I@1@c@bβ)
seltener mit persönlichem oder sachlichem subject verbunden im sinne eines prädicativen adjectivs: dann es werden villeicht nit on sein (
wahrscheinlich vorhanden sein) zankgirig spotvögel. Frank
mor. enc. 4, 13
Götzinger; es sind auch nit on, die eben das sich understeen zuo erfolgen (
erreichen), so sie alte reiche vetteln buolen. 89, 5; der lehrer ist gar nicht so ohne (
nicht so übel, es ist etwas an ihm). Auerbach
dorfgesch. 2, 484. — seine anmerkung über den charakter des prinzen ist nicht so ganz ohne. Lessing 12, 357; was du über die abschriften meiner reiseberichte bemerkst, ist nicht ohne. Zelter
an Göthe 774 (6, 130); man sieht, dasz rührung im gange ist und thränen nicht ohne (
höchst wahrscheinlich) sein werden. Immermann
Münchh.2 3, 167. I@22) ohne werden,
los, ledig, frei werden, beraubt werden, verlustig gehn, etwas anbringen (
je nach dem zusammenhange),
mit genetiv: ahd. er ist âne uorden des muotes tugede. Notker
bei Graff 1, 283;
mhd. wan sî doch niht enkunden ir niemer werden âne baʒ (
sie besser los werden). Hartmann
armer Heinrich 905; (
sie) wart vil freuden âne.
Parz. 805, 5;
vereinzelt mit dem accusativ (
vergl. 1
und 2,
b): dô daʒ (
var. des) der helt âne wart.
Parz. 27, 19; daʒ hâstu boislich worden â
n. der maget crone 134
c; der wurde niemer âne weder guot noch êre (
var. des gûtis und der êre). Volmar
steinbuch 809.
nhd. ohne (ohn) werden,
zusammengerückt ohnwerden
und mit beibehaltung des alten a-
lautes unser jetziges anwerden (
th. 1, 519). I@2@aa) ohne (ohn) werden,
noch mit dem genetiv: also daʒ der jude laugent der pfande und daʒ er der on wer worden vor datum dicʒ briefes.
städtechron. 1, 126, 35 (
vom j. 1390); mich rewt dein sorgelich von mir gan, des bin ich muotes worden on.
liederb. der Cl. Hätzlerin 24
b; damit wir des unvollkommenen und gebrechlichen wesens ohn und los würden. Luther 12, 776
Walch; sein brueder ist seiner gueter .. ohne worden.
Zimmer. chron. 2, 494, 18; das sie ihres guts alles mit einander ahn werden. Pape
gartent. H 3
a; ja versprich mir mein wahr, dasz deiner desto thewrer ohn werdest. Fischart
Garg. 191
a; er ist seines geltes ohn (
i. e. los) worden. Stieler 1385. I@2@bb) ohnwerden,
loswerden, anbringen, im perfectum mit sein
und (
weil es wegen der accusativischen construction als transitiv aufgefaszt wurde) haben;
statt des genetivs steht schon wie bei anwerden (
und los werden)
der accusativ: und wir .. unsern reichthumb so unordentlich ausgeben und onworden sein.
Bocc. 13. 21
a (= on wordenn haben 66, 25
K.); wo er aber der kirchen gter zuo seinen henden wolt reiszen oder unnützlich wolt onwerden. Frank
chron. (1531) 356
b; so der bischof den zehenden unnützlich onwirt. 409
c; dasz er den (diebstal,
das gestohlene) gar oder zum theil verkauft, vergeben oder onworden habe.
Carolina art. 43; wo er (
der mörder) auch solche nam (
raub) hingethan, verkauft, vergeben, onworden oder verborgen habe. 48; die barmherzigkeit fragt keinn, wie er das sein hab onworden. Agricola
sprichw. 331
a; wie hast du das groszmechtig gut ohngworn so in kurtzen tagen? H. Sachs 12, 441, 3; da einer sein gut ... mit guten biszlein hat onworden. Mathesius
Syr. 2, 23
a; alles was sie (
schlemmer) der welt zu ehren ohnwerden, das halten sie für wol angelegt. Albertinus
narrenhatz 247; was ich erarnet, .. hab ich widerumb .. unnützlich ohnworden.
Simpl. (1684) 3, 278. I@33) ohne machen, thun,
frei, ledig, verlustig machen, um etwas bringen, berauben, mit genetiv; mhd. âne tuon:
[] wer hât mich mînes kindesund iuch des iwren man bî alsô guoten vriundenalsus mortlîch âne getân?
Nibel. 964, 4; (
er) hât uns der sinne mit sîme zouber âne getâ
n. Iwein 1369;
reflexiv, sich entledigen: er tuot sich ouch seiner muoter â
n. Wittenweiler
ring 42
d, 31;
nhd. ohne machen (
nun veraltet): undankbarkeit nimt bösen lon, sie macht den brunnen wassers on. S. Brant 59, 23; dasz er (
könig Karl von England) dürffe keiner krone, machten sie ihn kopfes ohne. Logau 2, 5, 53; der du die welt machst ohne der sünd, darin sie steckt. Corner,
Kehrein kirchenl. 1, 444, 30. IIII.
präposition sine und praeter. die präposition hat sich aus dem adverb wol dadurch entwickelt, dasz der bei diesem nur ausnahmsweise nachfolgende genetiv oder accusativ allmählich häufiger diese stellung eingenommen und dadurch das vorangehende ohne
den charakter einer präposition angenommen hat, die in der regel mit dem accusativ, aber auch (
jetzt als fehler geltend)
mit dem genetiv und dativ construiert wird. II@11)
mit der bedeutung sine, absque. II@1@aa)
mit dem accusativ, ohne artikel, vorzugsweise verwendet zur bildung substantivischer adverbia, s. gramm. 3, 157
f. und besonders F. Bech '
beispiele einer eigenthümlichen verwendung der präpositionen âne
und sunder
im mittelhochdeutschen' (
Zeitz 1885):
ahd. sitzent Israhêles sunî âno chuninc, âno hêrrun, âno offerunc, âno altari, âno bisscofheit, âno araucnissa.
Isid. 33, 11
ff. Weinhold; dâ tag âna naht ist, dâ lîb âna tôd ist, dâ lieb âna leid ist. Notker
ps., Wiener hds. 26, 4; âna wân, âna wank, âna nôt, âna enti
u. s. w. s. Kelle
glossar d. sprache Otfrids 13
b;
mhd. âne dîne helfekund eʒ niht gesî
n. Nib. 348, 6; (
ich fand) in dem walde verborgen ein breiteʒ geriute âne die liute.
Iwein 402; âne zal.
Nib. 485, 1; âne sloʒ und âne bant.
Iwein 505; âne seil.
Parz. 181, 7; âne spieʒ und âne swert. Konrad
Troj. 31830
u. s. w.; nhd. der .. keiser wart on des senatus gunst. Closener 28, 30; derhalben ist der ehelich stand nu nicht mehr rein und on sü
nd. Luther 1, 170
b; da ist tod on leben, sünd on gnade, pein on trost. 381
a; ich und mein gfert .. zogen also allein on alle geselschaft .. fort.
F. Platter 275
B.; wo dieselben (
kurzweil) one gottes furcht und one liebe des nehisten furgenommen werden. Spangenberg
jagteufel F 1
a; der mensch nur kömpt vom weibe gantz blosz als wie er ist im mutternacktem leibe ohn schupp, ohn borst, ohn horn. Opitz (1644) 1, 152; der tag war ohne tag, die nacht war ohne nacht. Fleming 79; und ich soll ohn dich leben. Haller 228
Hirzel; ein kolben ohne hals, ein antlitz ohne nase sind alle mangelhaft! Lichtwer 176 (4, 23); dumm ohn ein gutes herz und boshaft ohn verstand.
d. j. Göthe 1, 182; ohne absicht, ohne ende, ohne frage, ohne furcht, ohne hoffnung, ohne mühe, ohne noth, ohne nutzen, ohne schaden, ohne verzug, ohne zweifel, ohne zahl
u. s. w., wobei die betreffenden substantiva nachzusehen sind; hier nur einige beispiele: milch und hunig, das sü one erbeit fundent. Königshofen 317, 16; wie du denn gesehen hast einen stein, on hende vom berge her ab gerissen.
Dan. 2, 45; ohne zahl,
unzählig: (
dasz er) im beschaffen hab on zal vil diener und knecht. Aventin. 4, 46, 17; ohne bedacht. Fischart
Garg. 39
b; ohne weiteren bedacht.
bienenk. 200
a; ohne geschicht, ohngeschicht,
zufällig: ohne geschicht fiel der ain .. in einen pronnen.
Zimm. chron. 1, 413, 16; nun waren aber ohne geschicht die fenster im sal offen. 3, 260, 23; so waren die tresorier ohngeschicht auch nit bei der handt. 339, 17; derhalben er .. sich ohne verzug anlegt. 4, 177, 31; drumb komb balt her on widerstreit. Ayrer 3224, 29; on alles gefähr (
s.ohngefähr).
Petr. 37
a.
Garg. 89
a; ohne mittel,
unmittelbar: sie schouwen und nieszen gott on mittel. Keisersberg
bilg. 46
a; fünf landhaubtmanschaft, die on mittel dem kaiser zuegehört haben. Aventin. 4, 648, 3; hat alles zum reich on mittel gehört. 5, 284, 29; on zweifel,
nimirum, sine dubio. voc. 1482 x 8
b,
indubitanter Maaler 312
c: on zweifel wir verloren sein.
Bocc. 22, 3
K.; zele meine flucht .. on zweiuel du zelest sie.
ps. 56, 9; ohne zweifel haben die heiden dise lehr ausz dem ecclesiasito genommen. Albertinus
narrenhatz 43;
[] ir kommet von der schlang on zweiffel. Fischart
flöhhatz (1573) 1164;
ohne zu zweifeln: thut alles on murmelunge und on zweiuel.
Phil. 2, 14; beten ... on zorn und zweiuel.
1 Tim. 2, 8; ohne gleichen (
nämlich ohne seines
u. s. w. gleichen),
unvergleichbar: o buhler ohne gleichen! Hofmannswaldau
pastor Fido 87 (3, 6); ohne gleichen liebte ich dich von der ersten stunde. Klinger
theater 2, 259; eine genugthuung ohne gleichen verschaffen. Schiller 8, 248,
vergl. ohnegleich; sie haben sich überzeugt, dasz Genua ohne hoffnung (
hoffnungslos) ligt. 3, 258 (
Fiesko 2, 19); ohne kummer schlaf ich ein, ohne hoffnung aufzustehn. Rückert 1, 28; o ohne grenzen (
grenzenlos) ist dein glück. Schiller 11, 233; was ich dachte, lasz es ohne hehl mich, ohne scheu verkünden. Platen 4, 305; nicht ohne
s. nicht VI, 2,
z. b.: der leib läszt sich nicht ohne die seele gedenken. Lessing 11, 113; dieser stahl hat die sache des königs .. nicht ohne glück vertheidigt. Schiller 9, 18. II@1@bb)
mit dem genetiv, zu erklären aus I, 1 (
vergl. II, 2),
md. in den ältesten weisth. der stadt Erfurt (
herausg. von Kirchhof) 1, 10,
auch schon mnd. in adverbialen formeln (Schiller-Lübben 1, 85
b);
nhd. dasz man sich ohne eines winterpelzes nicht wohl behelfen mö
gen. Schweinichen 3, 304; du wirst nicht ohne meiner sterben mein vater. Crasset
japones. kirchengeschichte (1738) 1, 284; sie haben die rechnung ohne meiner gemacht. 2, 43 (
auch noch kärntisch ûne mein, ûne meiner, ûne dein
u. s. w. Lexer 202; ohne des andern,
neue freie presse vom 13.
juni 1881,
abendblatt, s. Halatschka
zeitungsdeutsch 34);
adverbial ohne gleichs,
incomparabilis Maaler 312
c; ohne verfehlens Butschky
kanzl. 683. II@1@cc)
mit dem dativ (
vergl. II, 3).
veranlassung dazu mag die construction der präposition mit,
die oft neben ohne
vorkommt, gegeben haben, doch ist auch einflusz des lat. sine und absque möglich. schon ahd. zweimal bei Kero (Graff 1, 285),
md. in den Erfurter weisth. 1, 12 (âne dem munzmeister),
und spät mnd. vom j. 1562
bei Schiller-Lübben 1, 85
b;
nhd. das ir zu derselbigen zeit waret on Christo.
Ephes. 2, 12; on meinem dank. Luther 5, 302
b; halbe messen ohne der gestalt des weins. Melanchthon 4, 976; daher mögen sie ohn allem scrupel gelesen und ohn aller scham allegiret werden. Albertinus
Gnev. sendschr. (1600) 3, 13
b; ohne einer persohn nicht leben können.
pers. rosenth. 5, 9; du bist es, Jesu, du, ohn dem nichts alles ist. Fleming 35; ich bin dir hold ohn allem schmertz. Rollenhagen
froschm. I, 1, 5 (D 7
b); was ist doch gut ohn diesem gut? P. Gerhard 13
Gödeke; wollen sie nicht schlagen, so werden sie ... ohne schlägen geschlagen werden. Weidner
apophth. 29; das ohne derselben (
standhaftigkeit) keine andere tugend den lohn ... zuwege bringen könne. Butschky
kanzl. 774; ohne dir (
sonne) der tag kein tag ist, ohne dir die sonne selber mag kein licht geheiszen sein. Lohenstein
bei Hofmannswaldau 1, 248; wenn Cynthia sich zeigt in ihrem vollen licht, so ist ir heller kraisz ohn allem tunkel nicht. Rachel 2, 48; ich verspreche ihnen das ende ihrer pein ohne dem ende ihres lebens. Lessing
miss S. Sampson (1755) 1, 7, ohne das
bei Lachmann 2, 10; in dem ganzen umfange der geschichte, und in allen mit ihr verwandten wissenschaften, bin ich ohne gleichem — —
werke 1, 273; nicht als ob diese furcht hier eine besondere, von dem mitleiden unabhängige leidenschaft sei, welche bald mit bald ohne dem mitleid, sowie das mitleid bald mit bald ohne ihr erregt werden könne. 7, 338; dieser umstand war allerdings zur verwickelung meiner fabel nöthig; ohne ihm würde es weit unwahrscheinlicher gewesen sein, dasz .. 389; dasz der menschliche verstand ohne jenem knoten noch lange nicht .. auf bessere .. beweise gekommen wäre. 10, 315; der pöbel von und ohne stande. Herder
lit. 11, 266; so war auch sein gesicht .. ohne gerade zuvorkommender miene. Göthe 60, 238; ohne komplimenten. H. L. Wagner
die kindermörderin 290
Sauer; noch bair.-österr. s. Schm.
2 1, 83
f. Lexer
kärnt. wb. 202. Halatschka
zeitungsdeutsch 34.
vgl.ohnedem
unten II, 2,
c, β. II@22)
mit der bedeutung praeter, auszer, ausgenommen. vergl. Heynatz 2, 311.
[] II@2@aa)
mit dem accusativ, der freilich nicht immer vom nominativ zu unterscheiden ist (
s. III, 2,
b, α). II@2@a@aα)
vor einem substantiv oder personalpronomen: ahd. ih bim eino got endi âno mih nist ander.
Isidor 19, 16
Weinhold; wer ist got âne in? Notker
ps., Wiener hds. 17, 32;
mhd. daʒ rieten im die besten ... âne Hagnen eine.
Nibel. 1398, 3; daʒ weste niemen dâ ân in.
Erec 9649;
nhd. und das vermöcht on gott niemen.
fastn. sp. 882, 20; und die königin ... hat niemand lassen kommen mit dem könige zum mal, on mich.
Esth. 5, 12; das land ist on dise stadt (
Mecca) onfruchtbar. Frank
weltb. 185
b; denn on die jar so bringt es (
alter) sust sorg, krankheit, mühe und grosz unlust. Waldis
Es. 4, 91, 41; in aller welt kein heilandt ist on dich du kindlein Jesu Christ. Leisentrit 1, 30; man lässet jetzt niemandt in den tempel .., ohne die, die zu dem tempel gehören und priester sind.
buch d. liebe 210
a; one uns, auszgenommen wir,
praeter nos Maaler 312
c; in der stadt hat man keine handwerker ohne becker und goldschmiede wohnen lassen.
pers. reisebeschreib. 2, 3; wenn ich ohne diese (
sechs geliebten) andere besuchte.
Simpl. 1, 484, 18; lobte ich jederman ohne mich selbst nicht. 486, 2. —
die ältere sprache liebt auch verstärkung durch allein: züch im synen balg ganz ab, on allain die hut des kopfes. Steinhöwel
Esop 211
Öst.; wir kennen keinen andern gott, on ihn allein.
Judas 8, 16; on allein kuofleisch (
essen sie nicht). Frank
weltb. 129
b;
ferner bis ohne
statt bis auf (
s.β und bis I, 4
am schlusse): dann Loth und sein gesind genasz, bisz on sein weib, dj sich vergasz. Schwarzenberg 101, 2; das gelt noch alles bei einander was, bisz ohn ein creutzer. Lindener
schwankb. 16
Lichtenstein. II@2@a@bβ)
vor zahlen, um das abgehende, das abzuziehende oder ausgenommene zu bezeichnen: funf jor one zwêne monot. Closener 65, 3; ân eines niunzich jar (89
jahre).
monum. boica 18, 12; on ain dreiʒʒig gulden. 23, 361
u. oft, s. Schm.
2 1, 84; on eins dreiszig, vierzig
u. s. w. (29. 39) Maaler 312
b; Zachariam den on ein letsten (
vorletzten) propheten under den xii. Frank
chron. (1531) 60
a; dasz gleich an dem on ein den letzten finger. Sebiz
feldbau (1580) 79; ein (versus) foemininus, welcher zue ende abschiessig ist, und den accent in der letzten sylben ohne eine hat. Opitz
poeterei 40
neudruck (
darnach bei Zesen
Helikon vorr. 2),
vgl. engl. the last but one,
der vorletzte; bis ohne (
s. bei α): in demselben jar warf dy stat Nuremberg 7 kleinat (
preise) auf wol bis on 2 50 gulden (
bei 48
gulden) wert.
städtechron. 1, 388, 16 (15.
jahrh.); nun kamen des graffen diener alle .. bisz ohn zween.
buch der liebe 264
c; ich will dir hievon nicht viel sagen, ohn eins. Fischart
nachtrab 268;
auch jetzt noch in redewendungen wie sechs personen ohne (
ungerechnet) die kinder, die reisekosten ohne die trinkgelder
u. dergl. Becker
gramm. § 199. II@2@a@gγ)
adverbial, ohne das, ohne dies,
zusammengerückt ohnedies,
auszerdem, überdies, ohnehin, sonst, ferner (
vgl. th. 1, 1141). ohne das (
nun veraltet):
ahd. joh findist thu ouh âna thaʒthâr dreso filu diuraʒ. Otfrid 3, 7, 85; diu scône ist an dir âne daʒ. Williram 54, 10;
nhd. on das,
praeter. voc. 1482 y 1
a,
caeteroquin, caeterum Maaler 312
b: es ist nicht not, das man der sonnen helf mit facklen .. denn sie lüchtet on das. Keisersberg
sünden des munds 12
b; du magst on das wol hie ussen (
aus dem kloster) bleiben. 21
b; ich bin on das ein lügner. 24
a; so im on das nichts nutz war. Aventin. 5, 96, 21; wan er on das zu Trient ist. Fischart
bienenk. (1580) 241
b; wie man ohn das den herren Nasen in keinem weg soll widder blasen. Rollenhagen
froschm. II, 2, 1 (X 2
a); denn ich ohne das bei dem frauenzimmer so beliebet bin. Rist 58
Gödeke; weil ich ohne das auf fourage zu reiten noch nichts nutz war.
Simplic. 1, 259, 19; dasz sie ohne das durch den krieg scheu gemacht .. waren. 266, 6;
selten bei neueren: der zweck, der uns auch ohne das .. aufgegeben ist. Kant 7, 342; ich bin ohne das elend genug. Klopstock 8, 133; so ist sehr ungewiss die dauer deiner rückkehr, die ohne das sehr schnell entstand. 9, 146. ohne dies (dieses): on disz,
alioquin Maaler 312
b; welcher (beilaut) ohne dieses im reimschreiben fast die beste richtschnur
[] ist. Logau
vorr. 1; sie würden ihre ohne dis geistreich lieder noch .. geistreicher gemacht haben. Zesen
Helikon 1, 14; welche (
reime) auch ohne disz nicht wohl klingen. 48; es ist ohn disz eine schande. Weise
erzn. 159
neudr.; gleich wie ohne dis nicht billich, das. Butschky
Patm. 691 (476); er ist ohne disz fleiszig, ich hätte es ohne disz nicht gethan
u. s. w. Stieler 1384. — ohnedies (
wofür ohnedem, ohnehin, überdies
gebräuchlicher ist): ohnediesz Klinger 11, 176; ich will derweil nach einem Bernerwägele umschauen ..., wir brauchen ohnedies eins. Auerbach
ges. schriften 9, 231; wir aber erkennen, dasz heerde und ackerland uns ohnedies zu klein werden für unsern bedarf. Freytag
ahnen 1, 123. II@2@a@dδ) ohne was
durch attraction für ohne das, was: on was (
ausgenommen was) villeicht S. Johannes .. mag gesehen haben. Fischart
bienenk. (1580) 29
a; sie dorften sich mit im nit zanken, ohn was sie thaten mit gedanken. E. Alberus 25
b; nun musz ... auf diese aufschwellung des rumpfes das zusammenziehen der extremitäten oder hülfsorgane erfolgen, ohne was (
abgesehen davon, was auszerdem) noch weiter für bestimmungen der übrigen organe daraus entstehen, die sich später zeigen werden. Göthe 55, 209. II@2@bb)
mit dem genetiv (
gramm. 4, 762):
ahd. âne sîn,
praeter eum Notker
ps. 141, 3 (
Wiener hs. wane sîn); âna thes,
auszerdem, ohnedies Otfrid 5, 24, 13;
mhd. âne mîn,
auszer mir Nib. 2308, 3
hs. B; nhd. dasz er aller seiner lang zusammen gesparten nahrung, on (
mit ausnahme) eins schOenen weingartens, queit ward und darumb kam. Kirchhof
wendunm. 170
a; hab ich ein zimlich jahr gehabt, ohn des vielen aufgangs. Schweinichen 2, 178. II@2@cc)
mit dem dativ. II@2@c@aα)
vor einem substantiv oder personalpronomen (
selten): ohne dir habe ich keinen helfer.
pers. rosenth. 8, 135; ach, wie gehets doch einem frembdling, wem gehet dessen noth zu hertzen! ohne dem, der selbst ein frembdling gewesen. 3, 27. II@2@c@bβ)
adverbial, ohne dem,
zusammengerückt ohnedem (
wie ohne das, ohne dies)
gramm. 3, 189. ohne dem: welche ohne dem beinahe ihre grosze freiheiten .. verlohren.
comm. zum Simplic. 1, 1088; dem müste sie ohne dem zu theile werden.
polit. stockf. 292; ihr solt doch ohne dem ein trinkgeld haben. Ettner
unw. doctor 402; sie zweifelt ohne dem sehr an der aufrichtigkeit meiner tugend. Gellert
lustsp. 145. — ohnedem, ohndem: es riecht mein sieges-crantz ohndem mir nach cypressen. Hofmannswaldau 4, 17; da muste Zipripor, der bei dergleichen sachen ohndem ein spotthund ist, recht ... lachen.
schles. Helikon 1, 841; da ohnedem alle .. pfandverschreibungen nichts mehr gelten.
der teutsche Esop (1733) 56; wie solches ohnedeme herkommlich ist. Wegele
gesch. der universität Würzburg 2, 387 (
vom j. 1734); den könnt ich ohnedem nicht leiden. Stoppe
neue fabeln 2, 31; weil mir der pasz zur flucht ohnedem verhauen war.
Felsenb. 1, 32; man ist ohnedem geneigt genug, an der guten absicht der satyre zu zweifeln. Rabener 1, 96. 3, 300; dessen (
des unglücks) lasten ich ohnedem nicht mehr ertragen kann. E. v. Kleist 2, 90; was ohnedem keinem menschen zu leugnen einfallen kann. Kant 3, 378; da es ohnedem eine reise zu wasser .. war. Lessing 3, 134; das .. war ohnedem seine sache nicht. 6, 314
u. oft; wer weisz ohnedem, ob sie nicht näher mit einander verwandt sind als man sich einbildet? Wieland 11, 175; es ist ohnedem jede feine lust etwas bitter. Hippel
über die ehe 148; kinder, die ohnedem zu nichts geneigter sind als zu habsucht und neid. Göthe 42, 23 (
d. j. Göthe 2, 57),
vgl. 18, 274. 293. 19, 33. 20, 94. 32, 73. 44, 321. Klinger 11, 169. 188
u. oft; Schmuhl. und als ein zweiter Archimed nehm ich der erde hemigloben in die hand!
Mopsus. die hemigloben allenfalls, worauf man sitzt.
Schmuhl. die ohnedem. Platen 4, 50. IIIIII.
conjunction. wie ausgenommen
und auszer (
theil 1, 874. 1031)
geht auch die präposition ohne
in die conjunction über, wenn dabei keine oder eine nicht mehr verständliche casusrection vorhanden ist. III@11)
nach ohne II, 1.
der mit der präposition ohne
verbundene, substantivisch (
als accusativ)
gebrauchte infinitiv (ohne aufhören, ohne wanken
u. s. w.)
verliert den substantivischen charakter, wenn er präpositional mit zu
gebraucht wird (ohne aufzuhören,
[] ohne zu wanken),
und ohne
gewinnt dadurch den anschein einer conjunction. der alten sprache ist diese construction fremd (
gramm. 4, 113;
auch cimbr. der blosze infinitiv âne nicht köden,
ohne etwas zu sagen, âne nicht vrübel halten,
ohne etwas für übel zu halten Schm. 106
b),
in der neueren tritt sie seit dem 18.
jahrh. (Ludwig
teutsch-engl. wb. 1358. Frisch 2, 30
c)
neben dem älteren ohne dasz (
s. 2,
a)
und statt desselben auf, wol beeinfluszt durch das mit dem infinitiv construierte ital. senza,
franz. sans
und engl. without.
belege finden sich aller orten, z. b.: ohne zu sterben trinken sie tödtlichen trank! Klopstock
Mess. 14, 1372; ohne dich in unser spiel zu mengen. Lessing 1, 588; ohne hier zu untersuchen, wie. 6, 391; ohne überrascht zu sein. Göthe 22, 52; ohne .. zu verrathen. Schiller 3, 114,
ebenso mit dem infinitiv der vergangenheit ohne gesehen zu haben, ohne getrunken zu haben, ohne gelobt worden zu sein
u. s. w. III@22)
nach ohne II, 2. III@2@aa) ohne dasz
für auszer dasz,
entstanden aus dem adverbialen ohne das (II, 2,
a, γ),
dessen das
nach einführung der schreibung dasz
nicht mehr als accusativ gefühlt worden ist. III@2@a@aα)
mhd. âne daʒ (
Nib. 604, 1),
im 16.
und 17.
jahrh. on, ohne das (dasz),
ausgenommen, nur dasz, wofür schon th. 2, 815
belege gegeben sind; hier nur ein paar beispiele: wir thun wie die papisten, on das wir .. zwang nicht leiden. Luther 3, 54
b; denn die welt, bawer, bürger, adel, sind doch des teufels, on das gott ir wenig als köstlich edelsteine .. eraus liset. 6, 64
a; (
Christus ist) so wol durch den tod gangen wie wir, on das wir nicht alle gleiches tods sterben. 74
b und oft in diesem bande; also das hierausz klärlich erscheint, das die mess sehr alt seie, die weil sie zu Vergilii zeiten allbereit im brauch war: ohn das sie damals kalbs- oder ochsenfleisch opferten, da unsere pfaffen nun ihre messen mit menschenfleisch und blut auszrichten. Fischart
bienenk. (1580) 73
a; ohne dasz sie also uber ihr selber sitzt.
Garg. 52
b; die tragedie ist an der maiestat dem heroischen getichte gemesse, ohne das sie selten leidet, das man geringen standes personen .. einführe. Opitz
poeterei 22
neudruck; dasz ich, ohn das mein hertz ist trewer dienste voll, undankbar leben musz.
werke (1644) 2, 24.
verstärkt durch allein: ihr priester haben nit vil underscheid für einen burger, on allein das sy aller beschwerd frei seind. Frank
weltb. 99
a; es (
haus) hat keinen mangel, ohn allein dasz du in der nachbarschaft wohnest.
pers. rosenth. 4, 9. III@2@a@bβ)
der heutige gebrauch von ohne dasz
ist schon theil 2, 816
erörtert und mit beispielen belegt; ohne dasz nicht
s. nicht VII, 1
sp. 710; ohne bis dasz,
bevor nicht, ehe nicht: und finden in ihrem hertzen keine ruhe, ohne bis das sie ein feld foller todten zum pflaster bekommen. Butschky
Patmos 832 (582).
s. bis II, 2. III@2@bb)
mit ausnahme (
im sinne von goth. niba, nibai,
ahd. mhd. wane, wan),
auszer, in verschiedenen stellungen; nun veraltet. III@2@b@aα)
vor einem nominativ (
vgl. II, 2,
a): bald hernach waren alle vogel da im heer, on die fliegen waren nicht da. Luther 8, 16
b; es werden die alten leut stehen fast, on schwanger frauen mögen haben rast.
pflanzbuch 60.
verstärkt durch allein: liebe gest .. was ir gessen haben, das .. sye euch geschenkt, on allein der braten kapaun kostet ein taler. Wickram
rollw. 24, 17. —
besonders nach einer negation im sinne von als I, 6 (
theil 1, 252): und sonst ist kein got on ich.
Jes. 45, 22; dann es ist kein erbe on du.
Ruth 4, 4; und folget niemand dem hause Juda on der stam Juda.
3 kön. 12, 20; denn kein mensch auf erden heist aufheben ein opfer, on dieser geist. Luther 3, 57
a; es ist kein unvernünftig thier, das seiner iungen nicht wartet .. on der straus.
an die radherrn B 1
b; keiner von den weisen understunde sich die deutung dieses traumes zu eröffnen, ohne ein derwisch.
pers. rosenth. 1, 3; wie .. unschätzbar dieser edle stein (
die freiheit) sei, das rechnet keiner genauer aus, ohne derjenige, welcher ihn verlohren und den mühlstein der schweren dienstbarkeit am halse trägt. Butschky
Patm. 202 (150); es war niemand ohne ein altes weib da. Steinbach 2, 155.
verstärkt durch allein: die (
schaubrode) doch niemand thurste essen, on die priester alleine.
Luc. 6, 4; denn es kann ihme (
teufel) niemand widerstehen on allein gottes wort. Luther
tischr. 1, 35. III@2@b@bβ)
vor andern präpositionen (
mit dem dativ oder accusativ): das euch der könig in Egypten nicht wird ziehen lassen, on durch eine starke hand.
2 Mos. 3, 19; und fastet teglich, on
[] am sabbath, newmonden und andern festen.
Jud. 8, 6; der herr .. den seinen .. eitel hulffe und liebe erzeigt, on wider die mörder, buben und schelke .. mus er ein richter sein. Luther 6, 71
b; jtzt aber nirgend, on in dem herrn Christo. 124
b; kein papst würde widerstehen können einigem rottengeist on mit freuel, fewr und schwert. 315
b; es bult und lacht je einer allenthalben, on in seinem hausz. Agricola
sprichw. 215
a; allenthalben gesund, ohn under dem htlin. Fischart
Garg. 251
a; in deren lande .. eine verwüstung sich begeben habe, ohne allein in dem königreiche ..
pers. baumg. 1, 14; nur schade, dasz ich nicht nachdenken kann, ohne mit der feder in der hand! Lessing 11, 461; das weib kann sich dem manne nicht hingeben .. ohne unter der bedingung der ehe. Kant 5, 124.
verstärkt durch allein: alles was er hat, sei in deiner hand, on alleine an in selbs lege deine hand nicht.
Hiob 1, 12. III@2@b@gγ)
in manchen andern attractionsfällen vor adverbien oder conjunctionen, statt auszer
oder (
nach negation)
statt als: gott hat auch von anbegin nie teudtsch geredt, on jetzt. Agricola
sprichw. nr. 78; ich habe in keiner widerwärtigkeit mich sehr gegrämt, ohne einmal, da ich barfusz gieng.
pers. rosenth. 3, 19; ohne so, ohne also: welchs ich nicht wol kan deudsch geben on also. Luther 4, 264
a; und lest sich nicht ferner anschawen ohn so weit sie gleicht einer frawen. Rollenhagen
froschm. I, 2, 3 (H 6
b). ohne wo, ohne wann: das gesetz Mosi gehet allein die jüden an, on wo sich die heiden williglich haben drein geben. Luther 3, 63
b; auch hab ich eim jeglichen vers acht sylben gegeben, ohn wo ein infinitivus am ende gefelt. E. Alberus
p. xi; und war nit unholdselig zu sehen, ohn wann er mit dem wagen besteckt, da schrei er ketzerjammer. Fischart
Garg. 111
a; der seine mannheit darthut nimmer ohn wann er kömt zum frauenzimmer. S. Dach 910
Öst. verstärkt durch allein: so sahe er auch wol, dasz die abgestreifte haut schon ... keine natürliche feuchtigkeit mehr hette ohn allein wo sie hinden am halse noch an der haut anhieng.
eselkönig 344; ich bin der meinung, das die zweihelligkeit der bürger einem prinzen ... nimals zum nutzen komme, ohn allein ... wenn der regent ein tyrann ... ist. Butschky
Patm. 891 (623). III@2@b@dδ)
auch vor einem imperativ, z. b.: thut nichts sonst mehr, ohn seht uns zu! Hayneccius
H. Pfriem 181. IVIV.
composition mit ohne, ohn
ist (
auszer wo es für un-
oder altes â-
steht)
immer auf uneigentliche weise durch zusammenrückung entstanden (
gramm. 2, 716
f.).
s. die folgenden composita.