da ,
ahd. dô,
bei Isidor dhuo,
mhd. dô,
altsächs. duo,
ags. þâ,
dän. da.
das gothische kennt kein þô
und braucht dafür þan þanuh:
ebenso kommt in einigen ahd. denkmälern kein dô
vor, die dafür denne, danne
verwenden. dô
ist von der vorhergehenden, jetzt gleichlautenden partikel zu scheiden. ursprünglich ist es ein acc. sing. fem. von dem pronom. demonstr. diu,
der im gothischen þô,
im ags. und altnord. þâ
lautet: auch im ahd. war wol früher dô
vorhanden, bis es durch dia
verdrängt ward; vergl. Grammatik 3, 169.
dieses da
bezieht sich auf eine vergangene zeit und niemals auf den raum, das ist die regel. 11.
als demonstrativum tum tunc, zu der zeit, damals, darauf, indem es einen eingetretenen zeitpunct bezeichnet. am nächsten morgen da eilte er weg, da war ich beruhigt. einen arzt schickte er mir da. er war noch jung, da (
damals) konnte man alles von ihm erlangen. er zeigte sich wieder freundlich, da (
nun) war alles gut. er hatte alles erzählt, da gieng er fort.
die alte sprache stellt es gerne in den anfang des satzes (Benecke 1, 374),
z. b. dô (
zu der zeit) wuohs in Niderlanden eins rîchen küneges kint
Nibel. 20, 1. am andern tag da kam das alte weib wider zuo der eefrawen Keisersberg
Sünden des munds 47
a.
häufig bei Luther, da ward aus dem abend und morgen der erste tag. da machte gott die feste. da liesz gott einen tiefen schlaf fallen auf den menschen 1
Mos. 1, 5—7. 2, 21. auch der ward nun so in die glut hineingestoszen: da fiel ich ungefähr ihm in die arme, da blieb ich ungefähr, so wie ein funken auf seinem mantel, ihm in seinen armen Lessing 2, 263. Göthe
häuft es, um in der naiven erzählung die rasche folge der ereignisse in lebendige nähe zu rücken, da nannt ich sie alle bei namen laut, 'was willst du, Anne? was willst du, Beth'? da rüttelten sie sich, da schüttelten sie sich und liefen und heulten davon. 1, 173. da haschte er mich, und kitzelte mich, und da schrie ich, und da balgten wir uns, und da warfen wir, und da warfen wir die stühle um, und da fiel einer dem vater auf die füsze. 14, 297. von da an,
von dem zeitpunct an, von da an besserte sich der kranke. darnach gab er inen richter bei vierhundert und funfzig jahr lang bis auf den propheten Samuel, und von da an baten sie umb einen könig
Apostelgesch. 31, 20. 21. er hatte aus der Offenbarung geschlossen, dasz im jahr 1862 die welt voll 6000 jahr würde gestanden haben und dasz von da an das siebente jahrtausend und mit demselben der noch bestehende sabat oder die glückliche ruhezeit der kirche gottes auf erden ihren anfang nehmen würde. Lessing 3, 156. 22.
für cum, relativisch. Luther
gebraucht daneben auch als,
das hernach vorherschend ward. der nachsatz folgt oder geht voran ohne eine zweite partikel, diese kann aber auch zugefügt werden. 2@aa. da es wolt zu dürr werden, er bat (
gott) aber (
abermals) umb ein regen Keisersberg
Sünden des munds 18
a. wie wol, da er (
Christus) ein kint gewesen ist, hat er sein muter dick angelacht, als ein ander kint thuot 54
b. da das hort der tribunus, er forcht sich 55
b. da er an das todtbet kam, er schickt nach dem priester ze beichten 61
a. da gott den menschen schuf, machte er ihn nach dem gleichnis gottes 1
Mos. 5, 1. da sie gessen hatten, blieben sie auf dem berge zu nacht
1 Mos. 31, 14. da sie es hörten, verdrosz es die männer
1 Mos. 34, 7. das letztemal, da ich euch sah, machtet ihr mir viel sorge Klinger 1, 46. ach da ich irrte, hatt ich viel gespielen, da ich dich kenne, bin ich fast allein Göthe 1, 5. da der Griechen schiffe brannten, war in deinem arm das heil Schiller 53
b. 2@bb. Joseph war schon siebenzehen jahre alt, da er ein hirte des viehes ward
1 Mos. 37, 2. sie haben sich verwundert, da sie solches sahen
Ps. 48, 6. merk, Daniel dem gieng es trub, da er sasz in der löwen grub Schwarzenberg 156, 2
a. kaum hatte er Athen verlassen, da das unbeständige und unerkenntliche volk alle seine statuen umwarf und zerschmelzen liesz Winkelmann 6, 124. der junge Revanne hörte noch zu, da sie schon ausgesprochen hatte Göthe 21, 91. 2@cc.
wenn eine zweite partikel gebraucht wird, so kann da
in seinen bedeutungen von cum und tum gegenüber stehen, da er das gesagt hatte, da gieng er weg. da ich sie erblickte, da ward ich bewegt. da der deckel geöffnet ward, da sprang das thier heraus. darnach erst da sie starb, und als man iren leichnam wuosch, als man in den klöstern pfligt zuo thun, da sach man erst dasz sie ein frawenbild was Keisersberg
Sünden des munds 16
a. da das sahe sein wapner das Saul tod was, da nam er sein schwert und fiel auch darein und starb mit im 29
b. da das jar herumb kam, da fragt in der altvatter 36
a. da Adonia sich hab wollen zum könig machen, da hab Nathan der königin geraten Schuppius 12. da der könig Belsazar die deutung der wort wissen wolte, da gab die königin den rat 13. da Johannes dem Herodi auf den fusz trat, da war er kein guter prediger mehr 14.
im mhd. war das nicht selten (Benecke 1, 375),
jetzt gebraucht man häufiger als,
wie schon Keisersberg als sie zuo land wolten faren, da brach das schiff
Sünden des munds 68
b.
das mhd. zeigt auch nû
im nachsatz. 33.
blosz relativ steht da
für wo,
was man jetzt lieber gebraucht. die alte sprache kennt dies relativum nicht, sie hat andere constructionen, ichn gewinne gemach nochn wirde vrô niemer mê unz ûf den tac, daʒ ich wider haben mac mîner vrouwen hulde
Iwein 5466. nû wachet! uns gêt zuo der tac, gein dem wol angest haben mac ein ieglich kristen, juden unde heiden Walther 21, 25. doch müeʒe ich noch die zît geleben, daʒ ich sie willic eine vinde 98, 22.
bei Luther
nicht selten, zu den zeiten da Mose grosz geworden 2
Mos. 2, 11. zu der zeit da der herr mit Mose redete 4
Mos. 3, 1. ich gedenke (
der zeit) da du eine freundliche junge dirne und eine liebe braut warest
Jerem. 2, 2. bis auf die zeit da sich die Wenden hinein gesetzet Micräl.
A. P. titelblatt. sie fand nunmehr nach einem halben jahre den gatten noch so liebenswert als an dem tag da er, gefragt vor dem altare, ihr durch ein seufzend ja sein zärtlich herz erklärt. Gellert 1, 185. endlich kam der tag da die blaue pagode eingeweiht werden sollte Wieland 6, 282. o goldne zeit da sich noch schwesterlich umfaszt die grazien und musen hielten, da helden noch die sanfte lyra spielten 10, 100. das letzte mal da ich euch sah Klinger 1, 46. 47. den schönen morgen da er ihn pflanzte, die lieblichen abende da er ihn begosz und da er an dem wachsthum seine freude hatte Göthe 16, 40. o fluch dem tag da dieses landes küste gastfreundlich diese Helena empfieng! Schiller 406
a.
Unorganisch und tadelnswert ist dieses relativum, wenn es beim präsens angewendet wird: da es weder auf den raum noch auf die vergangenheit geht, so kann nicht das alte dâ,
auch nicht das alte dô
darin liegen. schon bei Luther
zeigt sich dieser misbrauch, bis auf den tag, da (
an welchem) ihr euerm gott opfer bringt
3 Mos. 23, 14. dies ist der tag, da Tauris seiner göttin dankt Göthe 9, 5. wenn es in dem augenblick geschieht, da wir eine höhe glücklich erreicht haben
ders. 18, 16. zu eben der zeit da sich droben der himmel läutert und sondert. Herder. 44.
aber auch demonstrativ findet sich da
in beziehung auf die zeit im präsens, steht man da (
in dem augenblick) auf, wann man hat jetzt zu sitzen aufgehört, oder wann man zu dem stehen sich hat erstlich aufempört? Logau 2. 5, 12. so seid ihr aber alsdann gemeiniglich schon so abgelebt, dasz man bedenken haben musz euch zu befördern, dann da ist die hitze der jugend verloschen
Simpliciss. 1, 63. 55.
eine ahd. glosse erklärt duo
durch nunc (Graff 5, 67),
ein paar mal findet sich in Gottfrieds
Tristan die frage wie dô? wie dô? wie ist mir sus geschehen? 132, 27. 'wie dô?' sprach Môrolt 175, 17. 'wie dô? wie dô?' sprach Tristan 178, 31.
auch einmal bei Rudolf von Ems, er sprach 'wie dô?' nu sage mir, ob dirre kouf gevalle dir?
Gerhart 2387.
gleichbedeutend damit im Tristan 111, 19 wie nû?
sie bezieht sich auf vorangegangene überraschende ereignisse, geht aber doch auf die gegenwart. wie nun?
wird heute oft gehört und heiszt was ist jetzt zu thun, wie ist jetzt die sache zu betrachten? aber wie da?
kommt selten vor, doch Lessing
gebraucht es, wie aber, wenn alsdann die traube die probefrucht gewesen wär? wie da, mein freund? 1, 48.
in folgender stelle steht es für wie so?
einer der mit trauriger miene einher geht, wird von einem freund nach dem grund gefragt, er erwidert er habe seinen procesz verloren. worauf der befreundete sprach 'wie da, herr? habt ihr mir nicht beigebracht dasz euch jener berühmte advocat versichert einen gewonnenen handel zu haben?
Fliegenwadel 9. Stieler
erklärt es wieder anders, wie da
quare? 267. 66.
durch die vermischung von dâ
und dô
hat sich Olearius
verleiten lassen statt da
in der bedeutung von cum dar
zu sagen, was nicht zu entschuldigen ist, dar ich weisz dasz ich selbst mit einer solchen sünde befleckt bin
Baumgarten 7, 30.