auf ,
partikel, die ursprünglich nur adverb war, allmälich zur praeposition gedieh, goth. iup
ἄνω,
ahd. uf?
oder immer schon ûf,
anzusehn als verdichtetes iuf?,
mhd. ûf;
aber altn. upp,
alts. ags. engl. up,
fries. nl. dän. op,
mit entschieden knrzem vocal, der auch im nahverwandten ahd. oba, obana,
goth. hingegen iupa, iupana,
waltet. diese ablaute berechtigen noch mehr als bei ab
auf iban,
bei an
auf inan,
einen stamm goth. iupan aup upun,
ahd. iofan ouf ufun
anzusetzen mit [] den bedeutungen tollere, erigere, pandere, wie sich ofan, offen
expansus, apertus deutlich als part. praet. darstellt, dem die goth. form upans
oder schon in adjectivischer anwendung upns
dürfte zugetraut werden. vgl. nachher aufen.
demnach drückt auf
aus das in die höhe strebende, sich aufrichtende, entfaltende und bildet den natürlichen gegensatz zu nieder, nieden,
ahd. auch noch nida,
dem niederwärts gerichteten, vom stamm niþan naþ nêþun,
für den unser gnade,
ahd. ginâda,
altn. nâð
gratia, d. i. neigung, propensio gewähr leisten, und wiederum entsprang hier praepositionskraft, wie noch heute die Schweizer nidsi
und obsi, nid dem wald
und ob dem wald
einander entgegensetzen. Das goth. adv. iupana
drückt aus ἄνωθεν,
von oben her, entspricht dem ahd. obana,
unserm oben
und musz vom ahd. ufan, uffan,
worin sich uf
und ana
binden, unterschieden werden. diesem ufan
steht gleich das altn. uppâ,
schw. p,
dän. paa (
sp. 285),
welche letztern nur den auslaut von upp
behalten, während nhd. die verschmelzung des auf
mit an
wieder ausstarb und an
wie auf
uns rührige praepositionen sind. Schweden und Dänen entgehn sie als solche beide, ihnen gilt für unser an
überall jenes p, paa
und ihr up, op
ist blosz adv., nie praeposition. Auf
und an
verhalten sich wie gipfel und seite, wie höhe und nähe; dem auf
steht das nieder,
dem an
das ab
entgegen. wer an dem berg
ist, ist noch nicht auf ihm,
die stüle werden gestellt an den tisch,
die teller auf den tisch,
die stüle abgerückt, die teller heruntergenommen; weil aber der niedersteigende sich zugleich von der höhe entfernt, an
die er gelangt war, steigt er auch ab
und die teller werden in diesem sinn abgenommen.
oft können an
und auf,
noch öfter ab
und nieder
sich begegnen, an
oder auf der erde liegen, der vogel ist an das dach
oder auf das dach geflogen
meint dasselbe; der apfel fällt nieder
oder ab,
der abfallende
musz nach dem gesetz der schwere niederfallen,
er sei denn schnell aufgefangen. In der abstraction pflegt an
den beginn, auf
das ende auszudrücken, und so steht anbrennen
neben aufbrennen, anheben
neben aufheben, ansagen
neben aufsagen, abbrennen
jedoch würde mit niederbrennen
beinahe zusammentreffen und es heiszt nur abheben, absagen,
nicht niederheben, niedersagen.
Bei dieser partikel ist voraus die adverbiale bedeutung, hernach die praepositionale zu erwägen. II.
Auf als adverb, lat. sursum,
in die höhe, empor, ahd. inpor. I@11)
am deutlichsten, wenn es ermunternden ausruf bildet, den sonst häufig imperative ausdrücken: auf, und jage den mennern nach!
1 Mos. 44, 4; auf, und mach uns götter, die fur uns her gehen!
2 Mos. 32, 1; auf! das ist der tag, da dir der herr Sissera hat in deine hand gegeben.
richt. 4, 14; auf, laszt uns zu ihnen hinziehen! 18, 19; auf laszt uns fliehen!
2 Sam. 15, 14;
anfang vieler geistlichen wie weltlichen lieder: auf auf ihr reichsgenossen! auf auf, mein geist erhebe dich! auf seele auf, und säume nicht!; freund, auf! und lasz uns gehn, auf! es ist hohe zeit. Fleming 106; auf, ihr reisigen Troer wolauf! Voss
Il. 4, 509; da heiszt es auf, auf ins schif! lasz die sachen zurück. Weise
kl. leute 269; auf auf! an an! die waffen erklirrten. Göthe 8, 52; auf auf ihr brüder und seid stark! Schubart; auf! sprenge dieses schlummers bande, der deinen geist gefesselt hält. Gotter 1, 223; auf maienlüftchen, aus den blumenbeeten! Bürger 4
a auch mit angefügtem denn
oder vorausgeschicktem wol: auf denn! die gläser gefüllt.
Luise 3, 615; auf denn! werd o lied laut. Bürger 4
a;
im beginn vieler alten volkslieder: wolauf, ir landsknecht alle! wolauf gut gesell von hinnen. wolauf, wir wollens wecken! wolauf mit reichem schalle! wol auf und wol her!
fastn. sp. 403, 9; wol auf zum wein!
Garg. 87
b;
ursprünglich zumal ein wecken aus dem schlaf zum kampf, aus der ruhe zur arbeit; wolauf, kameraden, aufs pferd, aufs pferd, ins feld, in die freiheit gezogen!
[] ebenso frisch auf
und anderes ähnliche: frisch auf, mein seel und traure nicht! frisch auf, gut gsell, lasz rummer gan! frisch auf ihr gesellen!
Garg. 82
a; frisch auf, doll auf! 88
a.
man wandte das wol auf
und frisch auf
aber auch auszer dem ausruf an: ich befinde mich noch gesund und wol auf; du bist immer frisch auf; hat es mir als einem jungen menschen gar wol gegangen, bei gesund und wolauf. Schweinichen 1, 62.
noch häufiger sind die verbindungen herauf! hinauf!
wofür auch heran! hinan!
gerufen werden kann, wie für wolauf wolan!
und wie auf und an!
sich knüpfen. glück auf!
ist der bergleute grusz. damit auf und holla!
der arme mann im Tockenburg 90. I@22)
dem frischauf
gleichen vollauf, hellauf, lautauf,
in welchen voll, hell
und laut
adverbia sind: schenk ein vollauf; die jäger blasen hellauf; die mutter schrie lautauf, als sie ihr kind wieder fand; er schluchzte lautauf; und laut auf lachten die mädchen, laut auf lachten die knaben. Göthe 40, 255.
doch wird man das auf
besser zum verbum ziehen und die redensart fassen: voll aufschütten, hell aufblasen, laut aufschreien.
Nuu folgt aber auch ein auf
adjectiven, denen von
vorausgeht: von frühauf arbeiten, von frischauf überlegen, von jung auf gehorchen, von klein auf an dem ort wohnen,
was doch eigentlich heiszen sollte von frühem, frischem, jungem, kleinem auf. in einem lande von klein auf erzogen werden. Kant 10, 82.
Denn dasz von
einen abhängigen casus verlangt, geht aus der analogen fügung von substantiven hervor: von meiner jugend auf.
Marc. 10, 20; von jugend auf,
a pueritia. Sirach 7, 25. Göthe 24, 274; von kindheit auf, von kindesbeinen auf: ich hatte von kindheit auf die wunderliche gewohnheit. Göthe 24, 249.
hier steht auf
wieder gleichbedeutend mit an,
da ebenwol gesagt wird von jugend, von kindesbeinen
an. verschieden ist das von unten auf,
wenn man sagt: von unten auf dienen, von unten auf rädern;
oder mit subst. von der hölle auf, vom tiefsten grund auf seufzen.
anderemal verbindet sich auf,
gleich dem an
und ab,
auch mit dem acc. der substantive: wir fahren jetzt stromauf, Rheinauf, bergauf; die seele schwingt sich himmelauf; Christus ist gefahren himmel auf. Opitz; warf die augen den himmel auf.
Argenis 2, 103; himmel auf und selbst zu gott ist der reine geist geflogen. Fleming 338; und heulte himmel auf. Zachariä; welch getümmel straszen auf! Schiller 78; das wird die letzte thrän nicht sein, die glühend herz auf quillet, das mit unsäglich neuer pein sich schmerzvermehrend stillet. Göthe
in Hirzels fragm. s. 4;
den strom hinauf, den himmel hinauf, das herz hinauf. folgt der acc. nach, so ist auf
praeposition: was zagt ihr, tapfre Franken? auf den feind! Schiller 458. I@33)
verbindung mehrerer partikeln. lebendig und unübersetzbar in andere sprachen, sagen wir auf und davon,
was ursprünglich von einem vogel entnommen scheint, der sich aufschwingt und die weite sucht; die redensart hat sicher ein hohes alter: auf und darvon! laszt den zelter gon. Fischart
Garg. 39
a; ist auch damit auf und darvon. 42
b; auf und darvon, bereit und beschoren. 249
b; auf und davon reisen.
irrg. der liebe 35. 498; meine zwei geiszen seien auf und davon.
der arme m. im Tock. 198; wenn es gefährlich wird, geh ich morgen früh auf und davon. Göthe 15, 6; wegen einer gequetschten nase, mit der so viele kinder auf und davon springen. 15, 55; ich entschlosz mich, als es nacht wurde, kurz und gut, auf und davon zu gehn. 23, 101; ich war indessen bei den ersten anstalten auf und davon gegangen. 32, 123; unter andern giengst du auch auf und davon. 57, 129; und gieng endlich auf und davon. 57, 154.
eigentlich fügt sich die formel nicht recht nach gehn,
blosz nach fliegen, springen (
aufs pferd).
bei den hexen heiszts auf und davon!
nemlich auf die gabel oder den bock. auf und darab
würde dasselbe sein mit auf und davon,
begegnet aber nicht, häufig auf und ab
in der bedeutung von hin und her, einen gang hinauf, den andern zurück, auch im sinne von zu
oder ab: lang in dem garten auf und ab gieng.
Galmy 25; die fahrend hab gaht auf und ab.
Garg. 89
b;
[] hier musz ich auf und ab durch wild gestrüpe reisen. Fleming 118; sie frug den zug wol auf und ab. Bürger 13
b; sie schweben auf, sie schweben ab in seltsam fremder weise. Heine; in diesem bad auf bad ab ziehen. Klinger 1, 94; sie sind wol viel in der welt auf und ab gereist? 1, 141; ich will dort unter den bäumen auf und ab schleichen und passen bis er kommt. Fr. Müller 3, 161; lasz uns derweil auf und ab schlendern. 3, 162; ein oder zwei worte auf und ab werden nicht viel austragen.
causenmacher 78; es ist nöthig, dasz nichts gepflückt werde, ehe es reif ist, und vierzehn tage auf oder ab thun viel. Göthe 16, 155; wenn man ein wenig vorurtheil auf oder ab, mehr oder weniger lebhaftigkeit oder bedacht nicht eben in anschlag bringt. 38, 85; weil, das vorhergesagte zugegeben, auf oder ab die heilung immer bereitet ist. 56, 172; wenig tage auf ab. Göthe
an fr. von Stein 1, 137; die wissenschaft steigt daher ewig zwischen theil und ganzem, oder besonderem und allgemeinem auf und ab. J. Paul
bücherschau 1, 181; es war die zehnte stunde oder später, ein wenig auf und ab hat nichts zu sagen. Tieck 2, 37. auf und nieder,
mnl. op ende neder: so gehts schlag auf und nider.
Garg. 86
a; gasse auf gasse nieder. Schiller 120
a; er der auf und nieder geht. Gotter 1, 54; die niedliche gestalt, die schlanken zarten glieder besah er auf und nieder. Bürger 21
b; ich aber habe nun die alten lieder der schmeichelei genugsam hören müssen, wie man sie ganz vergöttert auf und nieder. Rückert 142. auf und dran,
im ausruf, gleicht dem wolauf
und wolan! auf und dran, spannt den hahn!
auszer dem ausruf: ich war drauf und dran es zu thun,
mitten darin begriffen; er ist drauf und dran zu sterben,
liegt im sterben. auf und an,
bald so, bald so, beinahe: ein schöner und würfelter markasith oder brennender kis, sihet wie ein gold oder auf und an wie ein messing, der mit trippel abgerieben ist. Mathesius 74
b; andere schöne bergkart, die auf und an sihet wie ein gutes erz. 113
a.
vor dem verbum gehäuft: auf und annehmen.
Garg. 64
b. I@44)
wann ist die verstärkung der conjunction dasz
durch auf
entsprungen und wie zu verstehn? bei Luther
begegnet dieses auf dasz allenthalben, z. b. (nim zu dir) das menlin und sein frewlin, auf das same lebendig bleibe auf dem ganzen erdboden.
1 Mos. 7, 3; darnach liesz er eine tauben von sich ausfliegen, auf das er erfüre, ob das gewesser gefallen were. 8, 8; lieber so sage doch, du seist meine schwester, auf das mirs deste basz gehe. 12, 13; auf das der herr auf Abraham komen lasse was er im verheiszen hat. 18, 19; ehre vater und mutter, auf das dirs wol gehe.
Eph. 6, 3
u. s. w. durch die bibelsprache wurde nun diese partikel auch bei andern schriftstellern des 16
und 17
jh. verbreitet: und hatte sie (fräulin Loisam) Philip Marnix aus Holland herauf nach Dillenberg geführt, auf dasz man sie in der nähe haben möchte. Bange
thür. chron. (
Mülh. 1599) 206
a; an einem könige wird erfordert die freundlichkeit, auf dasz die leute zu ihm kommen, billigkeit, auf dasz sie geruhsam und sicher unter seinem regiment wohnen können.
pers. rosenth. 1, 8; auf dasz ich nichts begehe wider pflicht. Opitz,
der noch öfter in gleichem sinn um dasz
verwendet, z. b. von der nachtigal, die mit singen lustig ist, umb dasz sie los und frei von ihrer dienstbarkeit und nun ihr selber sei.
Zlatna 3.
im 18
jh. und heute selten, nur im biblischen ton oder zur versfüllung: nimm die peitsch und fahr, auf dasz ich fechten mag. Bürger 161
a; auf dasz erwarten sie möchten ihren könig. Stolberg 12, 5;
dies auf dasz
hat nun den sinn des franz. afin que,
wie um dasz
dem pour que
entspricht, wofür mhd. dur daʒ
gesetzt wurde. nie aber erscheint ein mhd. ûf daʒ,
mit unmittelbar [] der conjunction vorangehendem ûf,
wol aber einmal die volle, unser nhd. auf dasz
erhellende redensart: also wil ouch dû, ûf daʒ daʒ wir dir gar gelîch werden.
myst. 376, 6.
hiernach ist also auf dasz
zu ergänzen in auf das dasz,
in eum finem ut, folglich auf
hier stets die praeposition; von welcher das erste das
abhängt. Ungleich häufiger begegnet die redensart schon mnl., z. b. ons en derf roeken wat wi hier doghen, op dat wi hemelrike hebben moghen.
lekensp. I. 37, 134; ende daer helpt hi ons gherne toe, op dat wi selve willen alsoe. II. 40, 176; ghi sijt mine vrint, op dat ghi doet dat ic u ghebiede.
Jesus cap. 215
; doch hat es in diesen stellen mehr die bedeutung von wofern dasz, indem dasz,
und de Vries
erklärt es im glossar zum lekensp. s. 547 op voorwaarde dat,
unter der bedingung dasz. einfacher wäre op dat dat,
wie vorhin ûf daʒ daʒ.
die nl. sprache wirft gleichfalls das erste dat
weg. man darf in Luthers auf dasz
niederdeutschen einflusz erblicken. I@55)
schon ahd. fügte sich uf
oder ûf
selten an nomina und die zusammensetzungen ufhimil, ufhûs, ufchiricha, ufwec,
womit der hohe himmel, ein hohes haus, eine hohe kirche, ein hoher weg bezeichnet wurde, starben allmälich aus. desto öfter hingegen verbindet sich die partikel mit dem verbum, aus dessen zusammensetzung hernach wieder nomina geleitet werden können, aufgang, aufsicht, aufzug
u. s. w. stammen von aufgehen, aufsehen, aufziehen.
Während die mit ab
und an
zusammengesetzten verba in vielen fällen noch die alte praeposition verkündigten und getrachtet wurde, sie darauf zurückzuführen; wird bei den zusammensetzungen mit auf
ein solches verfahren unthunlich sein, da wir erkannten, dasz es keine alte und ursprüngliche praeposition auf
gab, sondern sie erst im verlauf der zeit erwuchs. die composita mit auf
müssen demnach, wo nicht alle, doch die meisten und ältesten für ihre partikel den begrif des adverbs, nicht der praeposition entfalten, d. h. diesem auf
ist nicht ein im satz ausgedrücktes oder zu ergänzendes nomen angehörig, sondern es fügt zu dem verbum selbst und unmittelbar die vorstellung empor, sursum, so wie ausnahmsweise einzelne composita mit an
statt der praeposition das adverb an,
in der bedeutung des fortschritts oder anhalts enthielten. Hauptsächlich also drückt es die in seiner wurzel selbst gesuchte richtung von unten nach oben aus, ein aufwärts und in die höhe, der aufstehende
richtet sich empor, der aufhebende
nimmt vom boden zu sich auf und aufhängen, aufführen, aufbauen, aufbinden
bedeuten in die höhe hängen, führen, bauen, binden. Je einfacher das verbum ist, zu welchem auf
tritt, desto frischer und lebendiger erscheint der sinn, und in vielen fällen bringt die partikel natürliche und treffende vorstellungen zu wege. sowol Ulfilas
als Luther,
wenn sie Luc. 19, 5
verdeutschen insaihvands iup
und sahe er auf,
überbieten das gr. ἀναβλέψας und lat. suspiciens,
denn insaihvands iup
wäre ἀναβλέψας ἄνω,
wie es auch Joh. 11, 41
heiszt uzuhhôf augôna iup,
hub seine augen empor, ἦρεν τοὺς ὀφθαλμοὺς ἄνω,
vulg. elevatis sursum oculis, iup
und auf
erhöhen die schon in den partikeln ἀνά, in, ex, us
gelegne vorstellung, so nahe sich ἀνά und ἄνω selbst liegen. Wie treffend und anmutig bezeichnen wir das erscheinen des himmlischen lichts am horizont und das hervorbrechen der blüte ganz mit denselben worten: die sonne (
die gehende) geht auf, die blume geht auf,
sie richten sich empor, stehn nun oben, sind aus ihrer verborgenheit und hülle getreten; hier wir die verwandtschaft zwischen auf, oben
und offen
recht sichtbar. wie kurz und tüchtig ist die redensart auf sein: die sonne ist auf, der mond ist auf, die blume ist auf; ich bin auf
kann meinen, ich bin aus dem bette, ich bin wol auf, frisch auf,
stehe aufrecht und gesund, bin gerüstet zu that und handlung; flugs laszt uns auf sein und dahin ziehen!
Garg. 224
b;
ein behend erzählender darf es unmittelbar hinters persönliche pronomen stellen und das verbum unterdrücken: er auf, und folgt mit blitzesschnelle; kaum war sie entwichen, ich auf, als trieb mich ein wespenschwarm, fuhr in den kaftan und komm ihr nachgeschlichen. Wieland 18, 224; sie auf, und streckt den fusz von sich. Fischart,
vgl.da Kampfkeib disen vortheil ersahe, er vom pferd, zeucht von leder.
Garg. 231
a.
noch kühner steht auf derselben blattseite: sie vergaszen die mäuler auf,
vergaszen dasz ihre mäuler offen standen, vergaszen sie zuzumachen, woraus man doch kein zusammengesetztes aufvergessen
folgere, es ist die frei [] geschaltete partikel. aber gott helfe dir bald auf! (
vom bette, krankenlager)
ist schon von aufhelfen.
An dies empor schlieszt sich von selbst die vorstellung des öfnens, die aufgehende blume öfnet ihren kelch. darum heiszt es zugleich von der aufgehenden knospe sie bricht auf, berstet auf, platzt auf
und dasselbe aufbrechen, anbrechen
kann wiederum von tag und sonne gelten. die nusz aufbeiszen
ist sie öfnen und nicht anders verhalten sich den brief aufbrechen, aufmachen, das eis aufhauen, den knoten aufknüpfen.
Leicht ergänzen sich die ausrufe den gürtel auf! die thür auf!
in den gürtel, die thür aufgethan: den gürtel auf, lasz dem bauch seinen gang wie ein fromme fraw!
Garg. 99
b.
Wiederum aber bezeichnet die erreichte höhe zugleich gipfel und vollendung, wer aufgeklommen
ist, hat sein steigen zu ende gebracht und so entspringen die vorstellungen des aufessens, aufzehrens, aufkaufens,
ohne dasz man sich dabei noch ein empor zu denken hat, obschon der aufkaufende
zugleich auch aufhäuft,
wie in aufbauen
fertig bauen und in die höhe bauen gelegen ist. Das auf
kann auch vor verba treten, die schon mit andern partikeln zusammengefügt sind und von auf
unterscheidet sich aufbe
und aufer,
jenes stärker, dieses schwächer. aufhalten
weicht ganz von aufbehalten, aufstellen
von aufbestellen
ab. aufwachen
und auferwachen, aufwachsen
und auferwachsen, aufstehn
und auferstehn
liegen einander näher: aufwachen
vom schlafe, auferwachen
vom tode; aufstehen
vom bette, surgere, auferstehen
vom tode, aus dem grabe, resurgere; das kraut wächst auf,
geht in die höhe, erwächst auf,
sprieszt aus der erde, aus dem samenkorn. durch er
kommt in die zusammensetzung der begrif des wieder, den wir doch auch schon ins blosze auf
legen, vgl. aufkündigen, aufsagen,
renuntiare, widersagen. IIII.
Auf als praeposition, nhd. von sehr groszem umfang, weil es als solche den platz der älteren praepositionen an
und in
eingenommen hat, die sich ursprünglich zur hervorhebung des empor und in die höhe mit dem adverb auf
verbanden, nachher von ihm aus einem theil ihres gebiets verdrängt wurden. oft also verwenden wir nhd. die praep. auf,
wo die mhd., noch öfter, wo die ahd. sprache an
und in
gebraucht hätte. statt unseres auf dem stul sitzen
hiesz es goth. sitan ana stôla,
ahd. sizan ana stuole;
statt unseres auf allen vieren gehn, auf sechs beinen stehn
mhd. noch an allen vieren gân, an sehs beinen stân;
der ausdruck forderte nicht, dasz hier schon immer die vorstellung aufwärts äuszerlich und lebhaft beigefügt würde, da sie innerlich und still dem an
selbst beiwohnte. Dennoch fahren wir auch heute fort, in manchen fällen an
und auf
zu unterscheiden: an den berg
und auf den berg gehn, an dem thurm stehn
und auf dem thurm
ist nicht dasselbe; der faden reicht an, aber nicht mitten auf die thür; die füsze an einander
und aufeinander stellen, an den wagen treten
und auf den wagen steigen
sind ganz etwas anderes. es wird aber gleichviel sein zu sagen an den ambosz schlagen (
in ambosz
selbst steckt schon an)
oder auf den ambosz, den finger an die nase legen
oder auf die nase, die blätter kleben an einander
oder auf einander, der vogel fliegt an das dach
oder auf das dach, die rose wächst an
oder auf dem stock.
einigemal zeigt sich auch die verschiedenheit des auf: der herr sitzt in dem wagen, der kutscher auf dem bock, der missethäter wird in
oder auf die wange gebrennt,
aber es heiszt sich in den finger, in die hand schneiden,
nicht auf,
umgekehrt eine zeichnung auf die platte übertragen,
weder in
noch an; eine stadt in die ebene, auf den berg, an den flusz bauen,
daher auch Frankfurt am Main, an der Oder, Francofortum ad Moenum,
allein franz. sur le Main.
ebenso Stadt am hof, Lutter am Barenberge, Steinau an der strasze.
nicht selten vertritt auf
die praepositionen nach
und gegen,
oder wechselt mit ihnen, in vielen der hernach angeführten beispiele liegt in auf
die mehr oder weniger starke richtung hin zu. Zwischen auf
und zu
waltet die wesentliche verschiedenheit, dasz auf (
wie an
und in)
bewegung durch den acc., ruhe durch den dat. ausdrücken, in beiden richtungen zu
aber nur den letzten casus neben sich hat: zu berge, zu walde
heiszt sowol auf den berg, wald
als auf dem berge, walde; sich zu pferde setzen
ist gleichviel mit sich aufs pferd setzen, zu pferde sitzen
mit auf dem pferde sitzen.
die praeposition zu
ist ungelenker als auf
und an. II@AA.
bewegung und acc. II@A@11)
mit den sinnlichen wörtern des setzens, legens, stellens
[] u. a. m. verbindet unsere sprache doppelten acc., der sache wie des orts, in fällen, wo die lateinische den abl. des orts vorzieht: den fusz auf die erde setzen, den stul auf den boden stellen, sich auf den stul setzen, einen baum auf den hügel pflanzen, eine stadt auf den berg bauen, sich auf das bett legen.
es scheint lebendiger eine einwirkung auf den raum auszudrücken, als zu sagen, dasz etwas auf dem raume geschieht. in der volkssprache wird sogar das intransitive sitzen, stehen, liegen
gleich jenen transitiven construiert: er sasz auf das pferd, sasz auf den harten boden.
Garg. 128
b, steh auf das brett! lieg auf das bett!
besser doch ist zu sagen sich setzen, stellen, legen. Luther
verdeutscht: den vergleiche ich einem klugen mann, der sein haus auf einen felsen bauet.
Matth. 7, 24;
ahd. gizimbrôta sîn hûs ubar stein,
doch die ältere übersetzung hat oba steine, Ulfilas gatimrida razn sein ana staina.
hierher gehört nun eine menge ähnlicher wörter: ein kind auf die welt bringen, den strausz auf (an) den arm binden, das pflaster auf die wunde legen, die leinwand auf die wiese breiten, das tuch auf den rahmen spannen, das korn auf den haufen schütten, den knaben auf das pferd heben, etwas auf die lange bank schieben u.
s. w. II@A@22)
gleich häufig folgt auf
nach intransitiven: auf die uhr sehen, auf das wort hören, auf den berg klimmen, die raupe kriecht auf den baum, der vogel fliegt auf das dach, auf den kopf fallen, auf das pflaster stürzen, nebel hängen herab auf die thäler. II@A@33) liegen, sitzen, siechen auf den tod: er liegt auf den tod, sitzt auf den tod, auf den hals: in London sasz ein böser bube nebst einem andern auf den tod. Gellert 1, 208; da nun begab sichs, dasz einsmals ob vielem teufelsspasz ein lumpenhexchen auf den hals in kett und banden sasz. Bürger 24
b; er stach meinen Karlo auf den tod. Klingers
th. 2, 248,
so dasz er auf den tod lag, verschieden von stach ihn zu tod,
so dasz er gleich todt war. ebenso verwunden auf den tod, Schiller 104
a, siechen, ermüden, ermatten auf den tod. II@A@44) trinken, zutrinken, zubringen, abschied nehmen: ich trinke das auf deine gesundheit; ich bring dir ein auf siben stein.
Garg. 92
b; Eckart liesz ihm ein frisch glas mit bier reichen, brachte es dem berggeschwornen auf reiches glück zu.
unw. doct. 3; freund, ich trinke dirs zu auf frohes wiedersehen! auf du und du!; auf kundschaft und du!
Garg. 84
a; leben sie wol auf wiedersehen beide! Göthe 14, 164; auf bessere zeiten! auf bessere tage warten, hoffen. II@A@55) sterben, verscheiden auf etwas,
mit festem glauben an seine wahrheit: er starb auf Christum, auf das evangelium; er bekannte und starb auf seine aussage; in dem feld auf Christum wird erschossen. Ringwald
laut. warh. 443; auf Messie bitter leiden sanft verscheiden.
tr. Eck. K 7
a; auf Messiam sein vorschidn. M 6
a; bisz wir auf dich unsern mund beschlieszen. P 2
b; sie liesz sich auf alles, was sie bekannt hatte, foltern und martern.
ähnlich bei taufen: wir sind auf Christum getauft, auf Christi namen; das kind ist auf ihn (
als angeblichen vater) getauft worden; auf seinen namen getauft. II@A@66) wagen, unternehmen, beginnen: es auf gott, auf gut glück, auf abenteuer, auf gerathewol wagen; das ich nicht auf gottes versuchen (
um gott auf die probe zu stellen) in die fahr mich wagte. Luther 5, 13
a; wer etwas guts anfahen will, der schawe zu, das ers auf got anfahe und wage es auf seine güte und beileib ja nicht auf menschlichen trost oder hülfe. 5, 53
a; und fahe nichts an auf menschentrost; auf ein gerathewol wagen.
irrg. der liebe 46; wie viele freiten nie die jetzt auf gutes glück es wagen. Gotter 1, 80; es steht bei ihnen, versetzte Wilhelm, wenn sie es auf meine zerstreuung hin wagen wollen. Göthe 20, 210; man wagts auf sein gesicht sich ihm zu überlassen. Wieland 17, 89; ich wage es auf ein gleich günstiges schicksal. Kant 8, 427; sich mit jemanden auf diese waffen einlassen. 8, 112; mutig sich auf den kampf einlassen; keine die durch das land auf abenteuer umher schweift. Göthe 40, 281; diesen nimmt man nur so auf glück und zufall ins haus ein. 40, 314; dann ich hatte zuvorne gesagt auf ebentheur (
auf gerathewol), die feind würden uns begegnen. Hans Staden M 2; bei lebzeiten des vorigen fürsten trieb man das geschäft auf hofnung, jetzt
[] fragte man nach dem unmittelbaren nutzen. Göthe 25, 332. II@A@77) kochen, brauen, münzen, spitzen, den zahn wetzen: es ist auf dich gekocht, gebraut, gemünzt,
abgesehn, in bösem sinn, aber auch in gutem, für einen kochen: koch nicht auf mich. H. Sachs IV. 3, 9
c; die frau soll heute auf zwölfe kochen,
für zwölf gäste; die person, auf die sie es gemünzt (
abgesehn) haben.
hebamme 293,
aber auch in gutem sinn: alles geld wird umgeprägt und auf den jetzigen könig gemünzt; es war längst auf dich gespitzt; schon wetzte meister Urian auf diesen braten seinen zahn. Bürger 24
b. II@A@88) verstehn, meinen, deuten, zielen, drohen. verstehst du es auf mich oder einen andern?; ist es onzweifellich auf den pabst zu Rom zu verstehn. Fischart
bienenk. 122
b; schweige, weil nichts auf häuslichkeit verstohst.
ehz. 49,
weil du dich nicht auf häuslichkeit verstehst. als wär es nicht auf sie gemeint. Wieland 21, 15; man mag die form der dinge auf den zufall oder blinde nothwendigkeit deuten. Kant 7, 316; arbeiten auf ein ziel (
s. sp. 541); kommst nicht, so must in thurm hinein — es steht so ubel nicht mein sach, dasz ir mir trohet auf den thurn. Ayrer
fastn. 129
b;
wir sagen heute drohen mit dem thurm,
doch mhd. hiesz es ebenwol: ûf ir friunde drôent.
Renn. 7506.
vgl. aufdrohen. II@A@99) schreien, klagen: ich werd auf hülfe schreien. Lohenst.
Ibr. 9,
d. i. hilfio schreien,
heute um
oder nach hülfe; schrie auf gewalt.
unw. doct. 311; sie klagt gegen ihren verführer auf die ehe; ich klage auf entschädigung. II@A@1010) zürnen, sorgen, leid sein, verdrieszen: mir ist auf den tanawässchel zorn.
fastn. sp. 470, 28; dasz uns auf in ernst sei. 461, 36; es tut mir auf dich zorn. 586, 5; es thut der mutter auf in weh. H. Sachs III. 1, 43
a; iederman grosz sorg auf mich hat. III. 3, 64
a; darumb thut mir auf ihn gar wehe. Ayrer 262
b; es thut ihr leid auf dich; es hat sie stark auf dich verdrossen; was ihn am meisten auf den sohn verdrosz. Engel
im Lor. Stark; sollte es ihn nicht auf dich ärgern?
nicht anders mhd. den goten was ûf mich zorn.
Geo. 2117; im was zorn ûf den diep.
Renn. 7258. II@A@1111)
wenn sonst nach sein auf
folgt, lassen sich ellipsen, aber verschiedenartige, hinzudenken. er ist schon auf die reise, auf die fahrt (gegangen); er ist aufs feld, aufs land, auf den fechtboden, auf die strasze; du bist auf urlaub. Göthe 11, 11; ist sie schon auf den flug die seele, so ists aus. Fleming 30;
mhd. sagte man noch an: uns ist unsers sanges meister an die vart. Walth. 108, 6. das ist balsam (
triefend) auf seine wunde; wasser (
flieszend) auf meine mühle. II@A@1212) gehn: auf die jagd, auf beute gehn, auf raub gehn; auf die strasze gehn; das haus geht auf die gasse (
donne sur la rue); auf die jetzige strasze steht es (
das thor) ganz falsch. Göthe 27, 61; sein leben geht schon aufs ende (
zu ende); der wein geht auf die neige; es geht stark auf die nacht,
mhd. eʒ was verre ûf die naht, ûf den tac; es geht auf die ernte,
mhd. daʒ snit ist ûf uns (
steht uns bevor). Helbl. 1, 828; die uhr geht auf drei, auf ein viertel nach drei; dreiszig groschen gehn auf den thaler, zwölf pfennige auf den groschen. aufs feld, aufs land gehn; wir gehn hinaus aufs jägerhaus. Göthe 12, 48; Görge ist aufs feld und Röse zu ihm. 14, 265;
und mit ausgelasznem gehn: ich will aufs nächste dorf (
nach dem dorfe). 8, 93; Ottilie sollte mit auf die lust- und schlittenfahrten, sie sollte mit auf die bälle. 17, 246. auf die hohe schule (
universität) gehn,
verschieden von in die schule gehn,
und das beiwort hoch
könnte dem auf
zur erklärung gereichen, obschon bei aufs feld, aufs land, aufs dorf
kein gedanke mehr an hinauf
ist. man sagt auch auf den markt, auf die messe, aufs schlosz, auf die burg, auf den kirchhof (
doch nur in die kirche) gehn;
sogar hiesz es auf die apotheke gehn.
Felsenb. 3, 144. 145,
heute in die a., nach der a. gehn,
doch auf
[] die bibliothek. ich will gleich an die arbeit (gehn); ich musz flugs auf die that (
los gehn). Schiller 146
a.
der sprachgebrauch hat sich im einzelnen für diese oder jene praep. entschieden. II@A@1313) sich rüsten, kleiden, anschaffen: alles rüstet sich auf den krieg; wir sind auf alle angriffe gerüstet oder vorbereitet; auf ein brillantes fest, bei dem er nicht zugegen war, konnte ich mir etwas neues anschaffen. Göthe 19, 289; sie kleidete sich geschmackvoll auf den bevorstehenden ball. II@A@1414) bitten, einladen: auf die hochzeit, kindtaufe, leiche bitten; auf den schmaus einladen; auf die suppe, auf ein glas wein, auf hausmannskost, auf ein freundschaftliches mahl; du mögest heute auf ein gern gesehn mein gast sein; auf den ball (
zum ball) einladen. Klopstock
lädt Gleim 16
juni 1750
ein: vergessen sie nicht zu mir auf einen kaffee und auf einen kus zu kommen.
Klopst. und seine freunde 1, 16. auf pistolen fordern. II@A@1515) denken, sinnen, trachten: er denkt auf mittel, sinnt auf eine lüge, auf eine entschuldigung; er geräth auf den seltsamen einfall; ist auf den gedanken gekommen; denkt auf alles, was ihm vortheil bringt; erinnert, besinnt sich auf die vergangnen dinge.
man sagt: auf einen doctor studieren. II@A@1616) dienen, sich ergeben: dienten auf genade. Ringwald
evang. K 2
a; auf hofnung dienen. Wieland 19, 302; sich auf gnade oder ungnade ergeben. 13, 61; meine sachen dem lieben gott auf gnad oder ungnad übergeben.
arme mann im Tockenb. 198.
gerade so mhd. dienen ûf genâde, ûf minne,
vgl. aufdienen. II@A@1717) sagen, offenbaren: sage mir auf dein gewissen; auf vertrauen saget man je einem guten freunde wol was. H. Jul. von Br.
Susanna 1, 5; ich glaube dirs auf dein wort; ich sage das auf meine ehre; ich offenbare dirs auf deine treue.
ähnlich, auf treu und glauben verheiszen, zusagen, annehmen, beischlafen: und wenn ich schlaf auf glauben bei, bei wem kond das verdächtig sein.
der deutsche schlemmer. Magdeb. 1588 E 1
a; sich in mantel und kleidern zu der jungfrau ins bette legen (wie beim kiltgang), das heiszen sie auf treu und glauben beischlafen. Schweinichen 1, 77; bei einander auf glauben ligen. Lorichs
anm. zu Wickrams
Albr. von Halberst. s. 219; auf glauben ein liebe lange nacht in liebesarm schlafen.
s. 231;
vgl. Hutten 5, 343. Rommel
hess. gesch. 4, 444. II@A@1818)
vermischte beispiele: ich thue es auf meine hand; thu das auf deine faust; auf meine faust bestellt. Schiller 164
a; und wüste er einen mord auf dich, er sagte es nach.
Sirach 6, 9; auf wen willst du sparen? man spart das schwarze kleid auf ein andres leid (
auf neuen trauerfall). Gotter 1, 95; und leg auf vorrat, wenn was übrig bleibt. Lessing 2, 305; er spielet förder aufs gewisse. Fleming 501; das dauert auf dein ganzes leben; in jenen verhältnissen, die sehr selten eine dauernde folge auf das leben bewirken. Göthe 25, 27. II@A@1919)
sehr oft verwenden wir auf
im sinne von nach (
versus)
und damit abwechselnd: do schleich ich zu in auf ein ort.
fastn. sp. 562, 9; auf disen (flusz) lauft die Pregora (
Pregel), nach disem Memula (
Memel), die Niemen genant. Frank
weltb. 33
a; der herzog eilete mit leichten pferden auf Venedig. Micrälius 3, 472; giengen von dar auf Rotterdam. Weise
erzn. 438; ich will ihnen entdecken, dasz meine reise auf den Harz war. Göthe
an fr. v. St. 1, 139; ich will morgen auf Gotha reisen. 3, 203,
doch steht gewöhnlicher heute nach,
ohne dasz auf
darum ein fehler ist. ihr Hylax will auf den verwegnen schäfer springen. Rost; rasch auf ein eisern gitterthor giengs mit verhängtem zügel. Bürger; auf Dorotheen sprangen sie dann und grüszten sie freundlich Göthe 40, 312. II@A@2020)
auch bei der kraftvollen wiederholung oder folge desselben substantivs hat das zwischen sie tretende und das zweite regierende auf
die bedeutung von nach,
doch mehr im sinne des franz. sur
als vers: es folgte blitz auf blitz, krach auf krach, schlag auf schlag, gusz auf gusz; mann folgt auf mann, bild auf bild; wir zeugen kind auf kind, ein denkmal hinter uns das (
l. dasz) wir gewesen sind. Logau 1, 8, 98;
[] und wagen auf wagen mit allem geräth. Göthe 1, 196; bis endlich thrän auf thräne flieszt. 3, 31; sorg auf sorge schwankt mir durch die brust. 9, 63; leider hab ich nichts zu erzählen als irrthümer auf irrthümer, verirrungen auf verirrungen. 20, 46; so fall ich streich auf streich, sturm auf sturm dieses leben
an. Schiller 113; schuld auf schuld häufen, sünde auf sünde; die schollen rollten, schusz auf schusz, die schollen rollten, stosz auf stosz. Bürger 36
b; und jach durchzuckte sie weh auf weh.
aber die formel ermattet bei mehrsilbigen wörtern, sie verlangt einsilbige, männliche. Diesem auf
gleicht das an
zwischen wiederholten substantiven (
sp. 287),
drückt aber nähe, das auf
folge aus: die leute standen mann an mann, sanken mann auf mann; wolke an wolke thürmte sich, strahl auf strahl schosz nieder.
mit demselben unterschiede des an
und auf
sagen wir: dörfer lagen an einander (
dorf an dorf)
oder auf einander (
dorf auf dorf),
jenes meint ihre dichte nähe, dies ihre rasche folge. II@A@2121)
noch auszerhalb solchen wiederholungen steht auf = nach: auf solche red (
nach solchen worten, his dictis) warf er seine weite kleidung von ihm.
Garg. 204
b; auf solche that (
hoc facto) gab der mönch seim pferd die sporen. 256
b; wir kämen auf den krieg wol wieder was zu rechte, wenn nur nicht aug und mund, pracht, schwälgerei uns schwächte. Logau 3, 9, 95; der richter ward auf anhörung dieses gesprächs dermaszen ins enge gebracht.
pers. baumg. 4, 5; dieses gespräch wurde des königes sohne hinterbracht, der auf anhörung desselben erschütterte. 4, 6; er ward auf sein geschrei von fischern aufgenommen. Hagedorn; wir wollen auf den streit auch heute lustig sein. Gellert 3, 407; erbarmt hast du dich meiner klagen, auf wunden, die du mir geschlagen, mit neuen freuden mich getränkt. Gotter 1, 9; Ännchen läuft auf ihr geschrei athemlos zum neuen thurme. 1, 54; auf schweres gewitter und regengusz blickt ein philister zum beschlusz ins weiter ziehende grause nach. Göthe 3, 199; der tod der beiden hofleute auf den Uriasbrief. 19, 161; nur Wilhelm hielt für schimpflich, einen plan, in den man mit so viel überlegung eingegangen war, nunmehr auf ein bloszes gerücht aufzugeben. 19, 32; ich bin in dem augenblicke so für Michel Angelo eingenommen, dasz mir nicht einmal die natur auf ihn schmeckt. 27, 235; dasz auf ankunft der neuen herzogin lady Milford den abschied erhalten soll. Schiller 185; der baum fällt nicht auf den ersten hieb: auf eine solche rede müssen die andern das maul halten; auf den spaziergang soll man ein schläfchen thun; auf diesen fisch gehört sich ein schluck wein,
was man auch fassen kann wie auf groben klotz gehört ein grober keil,
d. h. dahinter her, oben darauf. II@A@2222)
bei zeitbestimmungen pflegt dem acc. die praeposition auf
vorgesetzt zu werden, ist aber oft auch entbehrlich. erlauben sie mir, Danae, auf einen augenblick (
pour un moment) diesen rückfall in meine grille. Wieland 10, 91; ich komme auf die minute; sei auf die stunde da. Göthe 8, 208; kein Berlinger der auf den tag bei der schlacht ist gewest; Rom ward nicht auf einen tag gebaut; gott fragt nit viel nach irem klagen, sie schreien auf den heutigen tag. Alberus 22; sie leben beid auf diesen tag. 46
b; auf den heutigen tag.
Garg. 269
a; auf nachmittag; ich hab nie ghabt solch grosze freud, als ich auf den tag hab erlebt. Ayrer 423
b; sein vorrat ist auf heute, auf morgen hat ihn gott. Fleming 73; gott geb euch, was auch wir euch sämtlich wünschen sollen, auf heut und alle zeit. itzt aber wünschen wir, dasz ihr auf diesen tag noch möget sein allhier. 77; auf heute (
d. i. auf den tag von heute) kommen wir. 173; Baldus führet alle sachen, die er führet, aufs verschieben, wil sie bei dem weltgerichte dann auf einen tag ausüben. Logau 3, 138, 5; pavillon, in welchem er alle jahr auf seinen geburtstag die ältesten freunde und die neusten bekannten einlud. Göthe 22, 75; Charlotte war überzeugt, Ottilie werde auf seinen geburtstag wieder zu sprechen anfangen. 17, 399;
[] so darfst du mirs nur auf Walpurgis(tag) sagen. 12, 132; ich mag ie auf heint nit mer schwatzen. H. Sachs 1, 453
a; auf die dritte nacht. Schweinichen 1, 260; auf eine nacht sahe er seinen vater im traum.
pers. baumg. 5, 13; ich sasz auf eine nacht zur zeit meiner jugend bei andern jungen burschen. 9, 2; vielleicht lauf ich auf die nacht alsdann zu ihnen. Göthe
an fr. v. St. 1, 39; es wird regen geben auf die nacht. Lenz 1, 216; auf morgen.
Garg. 136
b; er könne auf die woche die verlangte summe nicht schicken. Göthe 8, 211; kan man andere neuwe regimenter auf den frühling wieder bewerben. Kirchhof
mil. disc. 200; Neptun kann keinem gut für seinen schaden sagen, der sich in seiner flut auf speten herbst will wagen. Fleming 79; ein haus auf drei jahre miethen; auf zehn jahre warten; alt auf hundert und vierzig jahr. H. Sachs 1, 454
c; es begab sich aber auf ein zeit (
quodam tempore). Alberus 5; auf ein zeit begab sichs. 12; die händ und füsz und alle glider warn auf ein zeit dem bauch zuwider. 32; man sagt der teufel auf ein zeit fast reizet durch seinen alten neid ein abt zu einer nunnen gier, bis er sie bracht zusammen schier. Schwarzenb. 142, 1; es hatten auf eine zeit etliche räuber sich zusammen gethan.
pers. rosenth. 1, 5; als ich auf eine zeit bei des h. Johannis grabe sasz. 1, 12; auf eine zeit sasz ich die ganze nacht in gegenwart meines vaters. 2, 7; er fragt auf ein zeit seiner bekanten einen. Zinkgr. 263, 8; auf zeitlebens (
auf immer). Göthe
an fr. v. Stein 2, 247; auf éins (
auf éinen schlag) in zweien tagen sind zwei geschwister hin. Fleming 330; wil volk und ich auf éins (
auf éinmal) zu grunde gehn. 115; auf éinmal (
tout d'un coup) schien die sonne durchzudringen. Göthe 1, 4; so hatte ich das vergnügen, sie beim ersten blick auf éinmal in ihrer ganzen anmut zu sehn. 25, 349; wenn wir auf éinmal aus einem ruhigen dache eine flamme gewaltsam ausbrechen sähen. 25, 364; als sie aber auf éinmal das fremde gesicht erblickte. 25, 366; aufs nechst (
proxime).
Garg. 138
a; damit er aufs künftige (
imposterum) solchen gefahren nicht mehr ausgesetzt wäre. Klinger 6, 244; lasset uns auf dismal (
hac vice, pour cette fois) weichen. 1
Macc. 9, 9; doch auf dismal wollen wir ein wenig davon sagen. Luther 1, 66.
statt auf einmal
auch auf einen schlag, hieb, sitz,
welches letztere auch im dat. stehen kann: hat nechten verspielt hundert ducaten fast auf eim sitz, ich stund dabei. H. Sachs III. 3, 71
b; von jenen wunderlichen sprüngen ist mir eine dunkle erinnerung auf mein ganzes leben geblieben. Göthe 18, 17; ich bin elend, auf mein ganzes leben elend. 18, 64; sie auf ihr ganzes leben elend zu wissen. Gotter 3, 56; sie glauben mich aufs leben zu haben und nun entwisch ich ihnen. Klinger 8, 182.
Bei diesem zeitbestimmenden auf
scheint der sprachgebrauch oft ungenau. eigentlich sollte auf den abend
ausdrücken gegen abend, franz. vers le soir, sur le soir, hingegen den abend
oder an dem abend
vespere, le soir, au soir, wann der abend eingetreten ist; wir setzen aber auf den abend
auch im letzten fall, und auf drei jahre miethen
bedeutet uns nicht gegen, sondern für drei volle jahre, und aufs ganze leben
pour toute la vie. besser sagt man: was heute wahr ist, ist es auch morgen,
als was auf heute. II@A@2323)
unentbehrlich wird auf sobald bis vorausgeht oder verstanden werden musz: der erbe ist unter den vormünden und pflegern bis auf die bestimmte zeit vom vater.
Gal. 4, 2; dann Loth und sein gesind genas, bis auf sein weib, die sich vergasz. Schwarzenberg 156
a; ich bleibe von montag bis auf donnerstag, von heute bis morgen.
tadelhaft von heute bis morgen,
da auch hinter lat. usque
nicht ad,
hinter franz. jusque
nicht à
fehlen darf, und mhd. hiesz es: unz ûf den tac.
Iw. 5467.
wol aber kann das bis
unterbleiben: traurig die lange nacht von gestern auf heut. Göthe 1, 322; wie lang ists noch auf ostern? 11, 9;
[] zu Quinsay hat es birnen die wägen auf zehn pfund. Logau 3.
zugabe 133; als Mahomet auf die 50 jahre alt war.
pers. baumg. vorr.; fand in der zahl von zwölfen alle treu auf einen nach (
bis auf einen). A. W. Schlegel
im Richard 2.
act 4
sc. 1; man riecht den brand auf eine stunde weit; er quälte mich aufs blut. Göthe
setzt meistens, wo nicht immer auf den grad
für bis auf den grad: die welt noch grosz genug und die menschen nicht auf den grad sorgfältig. 24, 207; personen, die sich einmal auf einen gewissen grad verbunden. 29, 126; hoffe ich noch auf einen grad im zeichnen zu kommen. 29, 64; wenigstens musz man vieles und zwar auf einen bedeutenden grad mitgemacht haben. Klinger 11, 185. II@A@2424)
ähnlich den mit auf
und dem acc. gebildeten zeitadverbien sind andere, die art und beschaffenheit ausdrückende: das geschieht auf diese oder jene weise (
hoc illove modo, in hunc modum),
ahd. aber in dia wîs, in andra wîs, in desa wîsûn
u. s. w.; auf gewisse weise (
quodammodo); auf solche oder andere art; man ist auf diese art bald auf einem warum, worauf keine antwort gegeben werden kann. Kant 3, 94; ich sehe nicht ab, auf was art (
auf welche art) das herausgebracht werden könne. Hahn 3, 177; auf diese oder solche masze (
gewisser maszen). Liscov
vorr. s. 40.
bei liedern und gesängen heiszts: auf die weise vom Benzenauer, auf den schwarzen ton, auf den langen Marner u.
s. w.; fieng Philine ein liedchen auf eine sehr zierliche und gefällige melodie zu singen
an. Göthe 19, 195; ich brech immerhin, auf das alt liedlein (
nach dem alten lied).
Garg. 77
a. die euszersten Indi haben büchsen und allerlei wör auf unsern brauch. Frank
weltb. 191
b; auf allen, auf jeden fall; meine gewohnheit bleibt auf jeden fall um fünf uhr abends spazieren zu gehen. Göthe 36, 3; es gab scandal auf alle fälle. 48, 94; was uns auf alle fälle nicht berechtigt. Kant 7, 265; auf die länge (
à la longue) kann dieses märchen nicht halten. Göthe 14, 144.
Die weise der kleidertracht, welche wir jetzt mode
nennen (
s. dies wort)
hiesz mhd. der alte
oder niuwe site, diu alte
oder niuwe hant,
später auch der alte
oder neue schlag;
unser heutiges adv. nach der mode (
à la mode)
lautete also mhd. nàch dem site, nâch dem hovesite, ûf den site, ûf die niuwe hant;
nhd. uf die alten hant zierlich gemacht. Götz von Berl.
herausg. von Zöpfl s. 14; kleidet ihn fein auf den neuen schlag.
Garg. 112
b; ein närrisches kleid auf die neue mode.
Simpl. 1, 1. II@A@2525)
hieran unmittelbar reiht sich die redensart auf deutsche
sprache und auf deutsch,
nur dasz der letzte, gleichfalls den acc. enthaltende ausdruck nicht allein auf sprache, sondern, wie mode,
auf jede andre gewohnheit und sitte gehn kann. er aber antwortet auf seine sprache (
in seiner sprache). 2
Macc. 7, 8; schmähet ihn auf ire sprache. 7, 24; redet heimlich auf ihre sprache mit im. 7, 27; lobeten gott auf ire sprach. 15, 29; und es war geschriben auf ebreische, griechische, lateinische sprache (
ἑβραϊστὶ ἑλληνιστὶ ῥωμαϊστί).
Joh. 19, 20; warumb solten wir Deudschen nicht mess lesen auf unsere sprach, so die Latinischen, Griechen und viel andere auf ire sprach mess halten? Luther 1, 333
a; so dasz man auf unsere sprach sagen möchte.
pers. baumg. 8, 3; sprach sie auf ihre sprache.
unw. doct. 399.
ahd. galt statt auf in,
doch ebenso mit dem acc.: nu iʒ filu manno inthîhit, in sîna zungûn scrîbit. O. I. 1, 31; ni sie in frenkiskûn biginnê
n. I. 1, 34; sô scrîbent gotes thegana in frenkiskûn thia regula. I. 1, 46; sô wir nu hiar bigunnun in frenkisga zungû
n. I. 1, 114; thaʒ wir imo hiar gisungun in frenkisga zungû
n. I. 1, 122; thaʒ wir Kriste sungun in unsera zungû
n. I. 1, 125;
wiewol Otfried
selbst in den angezognen versen 34. 46 in frenkisgon
schrieb, erst die strengahd. Freisinger hs. frenkiskûn
daraus machte; sein frenkisgon
musz acc. m. sein von frenkisgo (
mos francicus),
gleichviel mit dem f. frenkiskâ. Notker
sagte stets in diutiskûn
teutonice, in chriechiskûn
graece, in himelskûn
supera lege, auf himmlisch,
wie Gryphius: dann wird die pracht zutreten, die von dem pövel sich auf himmlisch an liesz beten. 1, 298.
schon mhd. scheinen die schwachen f. diutische, himelsche
veraltet und durch das unflectierte neutrum in diutsch
En. 13277 = ze diutsche 13271
ersetzt, nhd. trat an die stelle des in auf,
der acc. blieb. Fischart,
wie er sagt: auf schweizerisch, kölnisch, auf niderländisch, auf französisch, auf gut engellendisch.
[] Garg. 77
a; auf duarenisch, alciatisch, ochslinisch,
auf Duarens, Alciats, Ochslins weise, musz auch gesagt haben auf griechisch, französisch (
graece, gallice); wir steigen auf geistlich gen Jerusalem. Keisersb.
schif der penit. bl. 1; wie man vom hasen auf gut weidmännisch reden soll.
weidwerkbuch 92
a; lasz uns unverdrüszlich leben, recht auf gut philosophisch ( ). Weckherl. 412; dann zlato das heiszt gold auf windisch. Opitz
Zlatna 10; wir wollen brot und wein, und was sie mehr uns heiszen, mit räuchern ehr anthun, auf jüdisch einher gehn. Gryphius 1, 501; der redet etwas auf persisch.
pers. roseng. 6, 1; diese wort verdolmetschte ich auf arabisch.
ebenda; weil das haus auf stättisch (
in städtischer weise) gebauet war.
Simpl. 1, 238; sie legte, ja doch, nur gemach! schlagt euern Plato selber nach, es läszt sich nur auf griechisch sagen. Wieland 10, 150; und fieng auf polnisch schön zu tanzen
an. Gellert 1, 42; die hymnen, die auf gut israelitisch dem herrn der heerscharen gesungen werden. Kant 5, 431.
wie auf gut philosophisch, auf gut weidmännisch, auf gut israelitisch
heiszt es auch auf gut, rein, gemein, schlecht deutsch
und die beigefügten adjectiva lassen über den acc. keinen zweifel, denn ebenwol sagt man auch: auf reines, gutes deutsch.
stände, ohne auf,
blosz deutsch, französisch,
so wäre es das adv. =
theotisce, gallice. neben lateinisch
aber erscheint zugleich latein (
wie mhd. neben ze diutsche ze diute): bei solchen talenten konnte er seinen beruf zum journalisten von profession nicht lange verkennen, er ward es, doch auch nur erst auf latein. Lessing 8, 201. II@A@2626)
bei den unter 22
angeführten zeitadverbien erschienen schon einzelne mit dem adjectiv gebildete: aufs nächste, aufs künftige,
welchen manche hinzugefügt werden können: aufs schnellste, aufs baldigste, aufs schierste.
apost. gesch. 17, 15.
auszerdem gibt es eine grosze zahl, die nicht zeitliche, sondern andere beschaffenheiten ausdrücken, und, zumal im 16
jh. das adj. lieber stark als schwach setzen, obschon der vorausstehende artikel schwache form zu bedingen scheint. bei Luther 3, 140
b findet sich aufs erst, Bindseils
ausg. des N. T. wird zeigen, ob er es auch da schrieb, wo die gangbaren texte bereits schwache form haben: aufs erste.
apost. gesch. 15, 14.
Röm. 1, 8.
1 Cor. 12, 28.
Ebr. 7, 2;
indessen steht aufs erst
Jac. 3, 17. aufs schierst
Ebr. 13, 19. Frank
spr. 1, 87
a hat auf erst,
ohne artikel, womit unser zuerst
und vorerst
stimmen. aufs best.
apost. gesch. 25, 10
in mehrern ausgaben; so wöltest doch bis an das lest gott dien und lieben auf das pest. Schwarzenberg 155, 2; darnach behend, aufs best ihr wiszt, die wagenburg zusammen schlieszt. Ringwald
laut. warh. 383; aufs freundlichst.
Garg. 257
b.
Allmälich aber wird die flexion mit recht hergestellt: sie verwahrten es aufs beste sie konnten. Opitz
Arg. 1, 612; sie hatten sich ausgezieret aufs beste möglich gewesen. 2, 189; du aber bringest aufs höchste zwei kinder zur welt. Lokman
fab. 10; wartete seiner aufs beste er kan.
fab. 22; denn er verfolget mir aufs euszerste mein leben. Fleming 26; ich bat ihn aufs inständigste. Wieland 1, 46; sich aufs eilfertigste zu verbergen. 1, 49; doch schlürft es und schlampft es aufs beste. Göthe 1, 208; anmutig thal! du immergrüner hain, mein herz begrüszt euch wieder auf das beste. 2, 145; auf das behendeste. 24, 230; bis aufs letzte. 25, 59; alles auf das fleiszigste und bunteste gemahlt. 26, 33; vorzüge, die sie so eben aufs freiste vor mir entwickelte. 26, 12; sah ich eine meiner hörerinnen aufs äuszerste verzaubert. 26, 5.
die belege ergeben in dieser fügung beinahe lauter superlative, wiewol der positiv statthaft ist: aufs neue (
von neuem) = auf ein neues (
Garg. 95
a); aufs wiederholte (
iterum), aufs andere (
zweitens); man fuhr aufs ungewisse fort, in hofnung die verlornen wieder zu finden. Göthe 17, 334.
auch hier ohne flexion auf ewig (
für immer): nein ihr seid herscher auf ewig. Voss
Od. 15, 534; lisch aus mein licht, auf ewig aus! Bürger.
[] II@A@2727)
beachtenswerth sind die lagen, in welchen die praep. auf
unmittelbar hinter einem nomen, sowol subst. als adj. erscheint, wobei sich aber ausgefallne verba hinzudenken lassen oder die nachwirkende verbalbedeutung des nomens in betracht kommt: rede auf Friedrich den groszen, gedicht auf den frühling, antrag auf freisprechung, ehscheidung, gastmal auf zwanzig leute; vorrede und unterricht auf alle bücher und schriften D.
M. L. Luther 1, 1
a; meinung und gutdünken auf die artikel. Luthers
br. 1, 575; Melanchthon bedenken aufs interim; schade auf das buch, schade auf das wetter
sagt Lessing
im jungen gelehrten und in der alten jungfer für schade ists um das buch, um das wetter; was hiervon im druck erschienen, vermehrte nur die bewegung im publicum und die neugierde auf den verfasser. Göthe 26, 239; ich habe einen wunsch auf den vollmond. Göthe
an fr. von Stein 1, 133. 139; die erfahrung hat uns den werth dieser wahrheit auf das allgemeine und recht im groszen kennen gelehrt. Klinger 11, 192; ein verbrecher auf den tod (
vgl. sitzen auf den tod). Kant 5, 167; deutung ästhetischer urtheile auf verwandtschaft mit dem moralischen gefühle. 7, 160; in bezug, in rücksicht auf das gesetz.
hinter adjectiven: gierig auf essen, neugierig auf alles; hund auf den hasen begierig.
weidwerkbuch 89
b; stolz auf beifall; wund, krank, müde auf den tod (
bis auf den tod, vgl. siechen auf den tod); ein maul schnell auf schmach, auf loben faul. Fleming 460; drum ist er stets bereit auf samen zu erwecken. Logau 1, 5, 84,
wo das auf
von bereit
abhängt, nicht mit erwecken
zu verbinden ist; bei allem diesem zeigt sich die junge gräfin entschieden heftig, parteiisch auf ihren stand, hartnäckig auf ihren besitz. Göthe 15, 49; auf eigne fehler streng und gegen freunde billig. 56, 58.
bei participien, wie erhitzt, erpicht, versessen
u. a. m. versteht sich das folgende auf
von selbst. II@BB.
ruhe und dativ. II@B@11)
sinnliche vorstellungen: auf der erde, auf dem boden liegen, ein stein liegt mir auf dem herzen; auf dem feld, auf dem acker, auf dem tisch stehn; auf éinem fusz stehn; auf dem stul, gras, stein, berg sitzen.
die praep. meint sowol den grund, als was ihn berührt, der auf der erde stehende
steht zugleich auf seinen füszen,
der auf dem gras liegende
liegt zugleich auf seinem rücken. das mädchen sitzt auf der stube, auf der kammer und spinnt,
weil frauenstuben und kammern hoch, d. i. oben im haus gelegen waren, heute ist üblicher zu sagen in der stube, in der kammer; und sasz, wenn alles schlief, und wacht, und weint auf ihrer zelle. Gökingk 3, 143
die sinnlichen verba können oft unausgedrückt bleiben: ich sehe den vogel auf dem ast (sitzen); so doch jener könig den zwerg auf seiner frawen (liegen) fand.
Garg. 29
a. II@B@22)
bei sein,
das dann meistentheils die bedeutung von manere, wesen hat: das kind ist auf der welt (
erschienen); er ist auf dem meer, auf der see, auf dem lande, er ist eben auf dem landhause, wohin die betrieger gehen. Göthe 14, 222; er ist auf der hohen schule (
aber in der schule,
in der niederen), auf der universität; er ist auf der reise, auf dem wege (
unterweges); auf dem ball, dem schmaus, auf der bühne, auf der kanzel (
aber im schauspiel, in der kirche, im haus), auf der hochzeit, kindtaufe; er ist (
steht) auf meiner seite. ich bin (
stehe) auf dem sprunge, auf der warte, lauer, ich bin auf meiner hut. es ist doch auch nichts, wenn man so ganz auf dem sand ist. II@B@33) auf dem pferde reiten, auf dem stecken reiten; auf der geige spielen, auf der geige arbeiten. J. Paul
Hesp. 2, 91; auf dem waldhorn blasen; auf dem eis laufen. II@B@44) auf den händen, armen tragen, auf beiden achseln, auf dem rücken;
das kind wird auf dem arm,
der korb am arm getragen; kein kleid, keinen trocknen faden auf dem leibe haben; eine spanische fliege auf der brust haben; du hast das herz auf der rechten stelle; auf beiden theilen ist mir weh. H. Sachs III. 2, 6
b; der fürst hat ein groszes heer auf den beinen. II@B@55) wir trinken caffee auf dem weinberg, bier auf dem felsenkeller; wir nehmen unser mittagsmahl auf der mühle. Göthe 18, 146; sie wollten an einem andern orte, auf einem benachbarten jägerhause ihr mittagsmahl einnehmen. 18, 154.
[] auf den alpen lebt sichs frei, auf dem wald (
waldgebirge) lebt sichs gesund; kannst du von veilchen dir im lenze, im herbst von astern späte kränze auf einem stillen dörfchen drehn. Gökingk 1, 180; bin auf dem holz beraubet worn. H. Sachs V, 359
b; die unser töchter haben genommen mit gwalt, als mörder auf dem wald, den raub ihn mit dem schwert bezalt. V, 256
d,
d. h. als waldräuber, strauchdiebe, man darf auf dem wald
nicht zu genommen
construieren. auf dem walde wohnen
ist gleichviel mit zu walde wohnen,
briefe an gutsbesitzer pflegen ein auf und zu
vor dem ortsnamen zu häufen: freiherr von Maltzahn zu Penzlin auf Rothenmoor; auf und zu NN.;
sonst aber heiszt es, mit unterscheidung jeder praeposition: wohnhaft auf dem schloszplatze zu Berlin, auf der messe zu Leipzig, auf dem ersten turnier zu Magdeburg. II@B@66)
hier sei einer sünde gegen die sprache bei schriftstellern aus Niederdeutschland gedacht, welchen ihr to (
sp. 607)
im sinne liegt und die nun auch auf
mit dem falschen casus construieren: als wir nun auf der höhe von China kamen. Claudius 3, 50; der mangel der vernunft würde uns auch auf dem fall dienste thun. Liscov
s. 533;
erträglicher scheint bei Hippel 7, 86 auf einem haar wissen,
doch auf ein haar
besser. auch Luther
verfällt in den fehler mit auf stücken: er wolt sich auf stücken zureiszen lassen, ehe er die messe wolt lassen faren oder endern. 5, 295
b; wenn man es auf stücken zurisse.
br. 2, 62, zu stücken
wäre richtig (
wie 5, 295
b gleich folgt),
oder auf stücke, in stücke. reiszet mich auf etlich tausend stück entzwei. Ringwald
tr. Eckh. G iii
b;
doch falsch grosze macht auf stücken springt.
laut. warh. 341;
in der bibel aber unterscheidet Luther
vollkommen recht zwischen in stücke
und zu stücken.
doch auch Opitz
setzte: auf stücken schneiden.
Argenis 2, 305
und Gryphius: wo mein herz auf tausend stücken bricht. 286; risz und bisz alles auf stücken.
froschm. II. 1, 5. II@B@77) auf sich selbst sitzen,
sagte man im 15. 16
jh. für allein, in sich gekehrt und von andern zurückgezogen sitzen: wenn du doheimen uf dir selber säszest und betrachtetest. Keisersb.
post. 3, 91; ein mensch mag nit alwegen also in gezogen sein und uf im selber sitzen; wie sitzt du also auf dir selb, bist so erschluchzet, bleich und gelb? H. Sachs III. 1, 107
b;
später aber veraltete die ausdrucksvolle redensart. die gratien stehn tief betrübt auf diesem falle. Fleming 137,
über den tod eines knaben; o du verletzte charitinne bist noch auf deinem harten sinne. 502; mein vater bleibt auf dem verhaszten ton. Göthe 7, 112; alle meine hofnung steht nun auf dir; du gehst auf dem grabe; man fährt rechts und hat auf derselben hand gartenhäuser und weinberge neben sich. 43, 150; Philibert ertappt den Joachim über den schmeicheleien und nimmt sie auf der schlimmsten seite. Lessing 2, 475; ich erstaune über ihre geschicklichkeit alles auf der schlimmsten seite zu betrachten. Lessing
im freigeist. auf der stelle,
confestim; auf der stätt.
Garg. 257.
mhd. ze stete. II@B@88) auf sich haben,
sinnlich genommen, bedeutet auf oder an sich tragen, abstract aber ertragen, werth sein, gelten, importer: das hat viel oder nichts auf sich,
summi aut nullius momenti est. der weisen Romer volk das lern hinfort verstehn, was ihre (
der Christen) sabbattag und märlein auf sich haben. Gryphius 1, 501; bistu ein weiser mann, so durchgründe das innerste aller sachen, sintemal dieses und nicht die euszerliche gestalt, was es auf sich hat, anzeiget.
pers. baumg. 2, 1; lasz mich gehen, mein unglück ist gewis, sie hat es sogar in meiner hand gelesen — was hat das auf sich? unterbrach ihn Pedrillo, wenn man es nur nicht an ihrer stirne liest. Wieland 11, 234; du wirst es erfahren, was es auf sich hat, eine hübsche frau zu haben. 11, 236; was hat das auf sich? qu'importe? Lenz 1,
[] 168; diese schwierigkeit hat weniger auf sich. Kant 2, 584. ich habs auf andern leuten.
Garg. 89
b will sagen, ich habe mein geld bei andern leuten stehen. II@B@99) auf
mit dem dat., unmittelbar hinter dem nomen, kommt weit häufiger vor, als mit dem acc., z. b. ein haus auf dem berg, ein vogel auf dem baum; blind auf beiden augen, taub auf einem ohr, lahm auf der rechten seite,
weil dadurch blosze oft geschilderte zustände bezeichnet werden.