warm,
adj. mäszig hohe temperatur habend. II.
herkunft und form. I@11) warm
ist ein gemeingerm. wort, ahd. war(a)m,
mhd. as. mnd. ndl. afries. warm,
ags. wearm,
engl. warm,
anord. varmr,
schwed.-dän. varm,
got. ist warms
aus warmjan '
warm machen'
zu erschlieszen. die gewöhnliche etymologie stellt warm
mit apreusz. gorme '
hitze',
aslav. gorěti '
brennen',
lat. formus,
air. gor '
wärme, feuer',
gr. θερμός '
warm'.
alban. zjarm '
hitze',
arm. ǰerm '
warm',
avest. garəmō '
warm',
aind. gharmá- '
hitze'
zusammen Pedersen,
zeitschr. f. vergl. spr. 36, 320. Walde
2 309;
sie ist aber trotz der bedeutungsentsprechung nicht zwingend, da die vertretung von indog. gh
v im anlaut durch germ. w
zweifelhaft ist. eine andere etymologie kann auszer armen. var '
glut, glühend'
nur im balt.-slav. verwandte nachweisen: aslav. varŭ '
hitze', vĭrj, vrěti '
sieden' (
intr.), variti '
kochen' (
trans.),
lit. vérdu, vìrti (
trans.), versm '
quelle',
lett. wersme '
glut' Falk- Torp 2, 428. Fick
4 3, 395;
die grundbedeutung dieser sippe scheint nicht '
heisz sein',
sondern '
wallen'
zu sein. I@22)
die mundartlich verbreitete verdumpfung des a
zu o
tritt nur selten hervor: worm
ital.-deutsches sprachbuch v. 1424,
Bayerns mda. 2, 385.
im jetzigen ripuarischen ist ä
eingetreten Münch
rip.-fränk. mda. 48. Hönig
2 199
a.
der compar. und superl. hat regelmäszig umlaut, vereinzelt bleibt a: warmer Tauler
predigten 120, 32
und 415, 24
Vetter; am aller warmisten Frey
gartenges. 48, 16
Bolte. der umlaut wird gewöhnlich als geschlossenes e
gesprochen, dies erscheint zuweilen (
unter einflusz des w)
als ö: wörmer Murner
luth. narr 2700. Schaidenreiszer
Odyssea 71
a.
offenes ä
bezeugt Schmeller 2, 1000
an der Ober-Isar (wármər).
eine weitere verengung des geschlossenen e
zu i
zeigt die form wirmer Teichner A 247
d (
nach Lexer 3, 693).
sprachbuch v. 1424
a. a. o. (
jetzt bair. Schmeller
a. a. o., beitr. 28, 61, wiərmər
in Appenzell Vetsch 103),
vgl. wirme unter wärme. I@33)
zwischen r
und m
entwickelt sich zuweilen ein secundärer vocal: ahd. dat. pl. waramem
Benedictinerregel cap. 55
bei Hattemer 1, 107;
dat. sg. waremen Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 488, 27 (
daneben warm 2, 623, 41. 3, 609, 6);
mhd. warem B. Zink,
städtechr. 5, 186. Diefenbach
gl. 511
a s. v. sanguineus (
anf. 15.
jahrh.)
; auch in neueren mundarten häufig, z. b. in thüringen Kürsten
u. Bremer 100,
in Südfranken Lenz
vgl. wb. 76
a. I@44)
im 15.
u. 16.
jahrh. erscheint bisweilen e
angefügt: warme Diefenbach
gl. 578
c s. v. tepere. voc. inc. teut. C 2
b. H. Sachs 3, 23, 18. 17, 321, 26. Ruchamer
newe weldte (1508) d 1
b.
jetzt im Eichsfeld wærmə Hentrich 59. I@55)
im alemannischen wird zuweilen m
von n
verdrängt (
vgl. Weinhold alem. gr. § 203): warn (: scharn)
N. v. Reuenthal XXXVIII, 26 (
unecht), (: arn '
arm')
minnesinger 2, 131
b (Rost
kilchherre ze Sarne)
Hagen. Tauler
predigten 198, 13
Vetter. frühnhd. wurde gelegentlich warmb
geschrieben, das b
erscheint auch im inlaut: wermber Tucher
baumeisterbuch 232, 36.
gesprochenes b
in wärmb,
n. '
suppe' Hönig
2 199
a, wærəmp '
mehlsuppe'
zeitschr. f. d. mda. 1908, 172 (
Siegburg)
erklärt sich durch eine assimilation (
aus nd. warmet Münch 102). IIII.
bedeutung und gebrauch: II@11)
verhältnis von warm
zu heisz
und lau;
die höhe der als warm
bezeichneten temperatur. warm
ist der gegensatz zu kalt,
zwischen beiden steht kühl
und lau,
gesteigertes warm
ist heisz:
calidus, warm
voc. ex quo c 6
b,
calere, warm sein Dasypodius 452
a,
fovere, warm machen Diefenbach
gl. 245
a,
formidus, warm 243
b. II@1@aa)
der gegensatz zu heisz
wird z. b. in folgenden, übertragene bedeutung zeigenden belegen betont: am meisten ist und wahrsten der mein freund, der warm, nicht heisz, das gute, das ich habe, und, streng nicht, doch genau den fehl auch sieht. Klopstock 10, 6 (
David 1, 1); in warme freundschaft wandle die feurige liebe sich bald! Ramler
lyr. gedichte (1772) 275; die asiatische hitze in etwas abgekühlt durch die europäische mäszigkeit, bestimmte eben den mittlern ton einer warmen liebe, einer sanften wohllust Herder 3, 296
Suphan. II@1@bb)
doch auch gleichsetzung von warm
und heisz
kommt vor: warm,
caldo, ardente Hulsius 273; warmes wasser
bezeichnet häufig heiszes wasser; s. besonders warm
in der technik unten 3
c, warm thun 9
f; menge bley und ertz ... und setz es in einen warmen probirofen Ercker
beschr. aller mineral. ertzt (1580) 14
b;
das warme eisen
des sprichworts (
s. 13)
ist das glühende, entsprechend der schmiedesprache z. b. in Hohegeisz im Oberharz, zeitschr. f. d. mda. 1910, 252.
in westlichen mundarten z. b. an der Mosel ist warm
ganz für heisz
eingetreten, anz. f. d. alt. 20, 96. II@1@cc)
die höhe der temperatur, deren empfindung als warm
bezeichnet wird, ist schwankend. II@1@c@aα)
als warm
erscheint zunächst das, was merklich höhere temperatur als die äuszere haut (
bei speisen die mundhöhle)
hat; die hauttemperatur aber wechselt: also geschicht wann wir warm seind, dasz wir vermeynen, die ding seyen kalt so wir anrüren, und wann wir kalt, sie seyen warm
Cardanus, offenbarung der natur, übs. v. Huld. Frölich (
Basel 1591) 730; so können wir auch keinen körper für warm halten, der unserer hand, damit wir ihn anrühren, nicht mehr wärme geben kan, als sie hat Ch. Wolff
von den würckungen der natur (1723) 107.
nach Wundt
physiol. psychologie6 2, 6
liegt der indifferenzpunkt für gewöhnlich bei 28—29
grad C. II@1@c@bβ) warm
wird ferner die eigentemperatur des lebenden körpers genannt, aber auch ihre erhöhung durch bewegung, erregung, fieberhafte zustände, beides wichtig für die bedeutungsentwicklung und die mannigfaltigkeit der verwendung. II@1@c@gγ)
dann wird aber auch die temperatur als warm
empfunden und bezeichnet, in der sich der mensch behaglich fühlt: das zimmer ist warm
bei 15
grad R., das fluszwasser bei 20,
das wannenbad bei 28. II@1@c@dδ)
oft bezeichnet warm
aber nur '
höhere temperatur, als die gewöhnliche oder die soeben empfundene habend': ein winter ist warm,
wenn seine temperatur merklich über dem durchschnitt ist, es wird wärmer,
wenn die temperatur steigt, auch wenn sie an und für sich kühl ist. II@1@dd)
so kann warm
sich zuweilen mit lau
berühren oder ihm gleichgesetzt werden: egelidus, warm Diefenbach
n. gl. 145
b;
tepidus, lau oder warm,
tepefacere, warm machen
gemma gemm. B 4
b; '
nicht kühl genug': alle burnen ... sint in irme ursprunge luter und frisch, mer in den flússen sint sú warm und sur Tauler
predigten 55, 12
Vetter; dein kuch ist kalt, der keller warm, du bist ein würth, dasz gott erbarm. Marx Mangold
marckschiff (1596) B 3;
kalt zu genieszende getränke werden durch stehenlassen warm (
s. 9
c): ob er (
der wein) schon ungemischt, frisch, lauter und ungefelscht furgestelt wirt, ist er ihn (
den trunkenbolden) doch warm Ambach
vom zusauffen (1544) 103
a.
doch für gewöhnlich gilt der gegensatz zu lau: lâb haiʒt wol kalt gegen warm K. v. Megenberg 395, 12;
tepidus, lau,
wird als weder warm noch kalt
voc. pred. z 4
a (
vgl. u. 12)
bezeichnet, oder auch mit halb warm
umschrieben Dasypodius 452
a. Stieler 2435 (half warme Diefenbach
nov. gl. 361
b,
nd.): nur die halb warmen glauben gschwind was ihn vorleugt das spannisch gsind. Weller
lieder des 30 jähr. kr. 20. II@1@ee)
man kann auch mit warm
jede temperatur über dem nullpunkt bezeichnen: (
das wetterglas,) das mir von warm und kalt in sieben zungen spricht. Kästner
verm. schriften (1755) 1, 187; heute hammer 10 grad warm Müller-Fraureuth 2, 640. II@1@ff)
die grade des warmen
werden durch mancherlei composita ausgedrückt, die besonders mundartlich sehr beliebt sind; auszer halbwarm, lauwarm
z. b. badewarm Steinbach 2, 9431. Frommann 1, 232 (
hennebergisch), ofewarm Martin-Lienhart 2, 853
b, wächelwarm (
s. d.), wedelwarm Spiesz 275
in gleicher bedeutung. häufig ist brühwarm,
besonders in brühwarm etwas melden (
s. u. 8
a).
gern wird die lebenswärme zum vergleich herangezogen: lebwarm, kuhwarm (
s. d., läbwarm, küewarm Martin-Lienhart 2, 853
b), milchwarm (
s. d.), fistwarm (
s. d.) Ludwig 2384, fieszwarm Schumann
wortschatz v. Lübeck 31, seichwarm Martin-Lienhart
a. a. o., maulwarm (mülewarm
ebda.)
vom essen, handwarm (
s. d.)
vom wasser, wie es dem mund, der hand zusagt. II@22)
über die mystische bedeutung von warm
und kalt, feucht
und trocken
in der älteren naturlehre und heilkunde hat Hildebrand
ausführlich unter kalt
th. 5, 78
ff. gehandelt, so dasz hier die anführung einiger belege für warm
genügt; es wird seltener gebraucht als das stärkere heisz: das verwechszlen, welchs ... den samen söndert, theilt und vermischt mit den vier naturen, als kalt, warm, nasz und trocken, on welche eigenschafften kein mensch, thier, noch gewächsz der erden iren ursprung, wesen und leben haben noch überkommen kan J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 13; das kalte und warme, das truckne und feuchte ... sind in unabläszlicher kriegsverfassung Harsdörffer
gesprechspiele 1, B 8
a;
signa calida, warme zeichen, werden von den sterndeutern der widder, der löwe und der schütze genennet Ch. Wolff
mathem. lexicon (1716) 1269. — di seele ist wermer, oder ... hitziger, weder obgemelt digk und grobe lufft J. v. Schwarzenberg
teutsch Cicero (1535) 49;
sanguineus, warm und fucht, warem fewchtiger Diefenbach
gl. 511
a: sintemal der mensch anfangs seiner geburt die natur des luffts so feucht und warm mit sich auff die welt bringt Guarinonius
grewel der verwüstung (1610) 11; welche (
menschlichen leiber) warmer, und insonderheit diejenigen, so sehr hitziger natur sind, sollen sich den gemäszigten leibesübungen ergeben v. Hohberg (1715) 3, 108
b. — golt. daʒ ist warmer nâtûr K. v. Megenberg 474, 11; der paum ist gar ebenmæʒig an warm und an kalt 364, 20; der honig ist warmer und truckner complexion Ryff
confectbuch (1548) 2
b; wirfft ihr (
des salpeters und des schwefels) dunst, so also von kaltem und warmen entspringt, alles das was im widerstand thut Fronsperger
kriegsbuch 1, 25
b. —
mehrere grade wurden unterschieden: sambucus haiʒt ain holær ... der ist mit der kraft warm und trucken in dem andern grâd K. v. Megenberg 348, 6;
noch Zedler 52, 2142
f. führt vier grade an. ohne bestimmte beziehung auf diese naturanschauung wird das warme
als die quelle und bedingung alles werdens bezeichnet: das warm ist das leben, das kalt ist der todt Lehmann
bei Wander 4, 1786; ich höre die liebe, liebe stimme wieder, die ganze luft ist warm, ist blüthevoll. Göthe 2, 90
Weim. ausg.; doch segen quillt und warme fruchtbarkeit, wenn die gewitterlüfte sich entladen. Schiller 14, 414 (
Tell 5, 1); wie sich das kalte mag dawider sträuben, es musz dem warmen die gestaltung lassen. Rückert
werke 3, 143. II@33) warm
wird zunächst von leblosem gebraucht. II@3@aa)
das gefühl der wärme erweckend, wärme mittheilend, eigene (
wie sonne und feuer)
oder empfangene. II@3@a@aα)
von sonne, wetter, jahres- und tageszeiten, wind, regen: daʒ der warm schein dâselbs diu wolken umb und umb von im treibt K. v. Megenberg 97, 7; und da am warmen sonnenschein wessert (
das bächlein) viel beum und blümelein. Rollenhagen
froschmeuseler (1595) C 5
b; und (
sie) trückneten die kleyder nasz, am lufft und an der warmen sunnen. Spreng
Ilias (1610) 150
b;
adverbiell: aber um zwelff uhr brannte sie die sonne hitzig und warm
Amadis 1, 101; die frühlingssonne schien warm über die dampfende erde Eichendorff (1864) 2, 11; auch das das geschee vor sant Michels tag, so ist das wetter allweg wermber und der tag pei einer zimblichen leng Tucher
baumeisterbuch 232, 36; im warmen heiteren wetter glänzet fruchtbar die gegend. Göthe 1, 297
Weim. ausg.; waaren die für halb geld verkaufet werden, sind gemeinhin verdorben, oder es geschieht, ... weil es warme zeit ist Hippel
über die ehe (1774) 103;
in der bedeutung '
sommer', '
sommerhalbjahr': es war aber in der ... warmen zeit Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 36; wie, wann zur warmen zeit die breiten linden blühen. v. König
gedichte (1745) 52; kein sumer der wart nie sô warm von manicvalter hitze. K. v. Würzburg
troj. krieg 20018
Keller; dan es ain gar guter, truckner und warmer somer wasz Knebel
chronik v. Kaisheim 363;
vom winter '
mit höherer temperatur als für gewöhnlich': in dem jar 1448 was gar ain warem winter ... und belib also warem den gantzen winter B. Zink,
städtechron. 5, 186; jenner warm das gott erbarm Kirchhofer
schweiz. sprichwörter (1824) 312; nach warmen tagen ist schedlicher der winter, und nach freuden das trauren A. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) D 4
b; es ist ... ein heller, freundlicher, warmer tag Göthe
briefe 8, 55
Weim. ausg.; des rockes heter wol rât, wand eʒ ein warmer âbent was. Hartm. v. Aue
Iwein 6489; der glentz thet sich gewaltig nehen, liesz seine warmen lüfftlein wehen. H. Sachs 4, 265, 26
Keller; calidus (
auster), warm Steinmeyer-Sievers
gl. 3, 609, 6; als ich erwachte, wehte noch immer der warme südwind und es regnete fort G. Keller 2, 9; die schönste frucht verdorrt, wann stets die sonne scheint; doch sie erhohlet sich durch einen warmen regen. Neukirch
anfangsgr. zur teutschen poesie (1724) 718; ich war gleich nasz, und so warm der regen Bettine
die Günderode (1840) 1, 2;
witzelnd: en warmen regen
nennt man in Hamburg eine feuersbrunst Schütze 4, 340.
seit dem mhd. auch unpersönlich es ist warm: und wachsent ir (
der thiere) kleider, do in mit genget, ist warn, ist kalt Tauler
predigten 198, 13
Vetter; wer bist du, der über den anger louffst mit dem hütlin und hendtschuochen, so es doch warm ist? Steinhöwel
Äsop 211
Österley. II@3@a@bβ) warme gegend,
die viel sonnenschein, hohe lufttemperatur hat: apprica, warme stedde ane vrost Diefenbach
gl. 43
b; warm land Stieler 2435; in warmen ländern Ludwig 2384; in chalten lantscaffim mer ist kiduruftigot in waramem (
in frigidis regionibus amplius indigitur, in calidis vero minus)
Benedictinerregel cap. 55,
Hattemer 1, 107; dises lande ist vast warme Ruchamer
newe weldte (1508) d 1
b; Publius Terentius ... ist ausz dem warmen landt Aphrica Boltz
Terenz (1539) A 4
b; pomrantzen gülden von gestalt seind viel in warmen landen. Spee
trutznachtigall (1649) 124; (
ärzte weisen sie) in die luft der wärmern zone. Müllner
dramat. werke (1828) 2, 49 (
schuld 2, 1); von der kalten und warmen zone zur gemäszigten Ritter
erdkunde 1, 24; von allen seiten zieht es nun heran, wie schwärme nach dem süden ziehn, dem warmen. A. v. Droste-Hülshoff 2, 76
Kreiten. dann auch warme völker,
in warmen ländern wohnende: wenn man ... den wärmern nationen eine tiefere empfindung zugeben ... musz Herder 16, 223
Suphan; eine formenwelt der kunst, welche in den wärmeren völkern zur anderen natur geworden ist Laube (1875
ff.) 4, 204. warme lage,
nach der sonnenseite gerichtete: an den abhängen von warmer lage aber waren in Thüringen und Franken damals überall rebengärten Freytag 20, 102 (
bilder 3, 3);
vgl.: nur die geringen höhen sind ... (
zum ackerbau) geeignet, wenn sie warm liegen Ritter
erdkunde 3, 168.
eine besondere bedeutung hat warmer boden,
einer mit mäszig starken zersetzungsprozessen, im gegensatz zum hitzigen
und zum kalten; warm
oder mild
sind die lehmböden Krafft
landwirtschaftslex. 948
b,
bei F. Ben. Weber (1838) 634
a sand- und kalkböden (
diese zählt Krafft
zu den hitzigen): deszgleichen ist auch das süsz und warm erdtrich (
zu empfehlen), das ist den räben und den bäumen dienstlich, auch zu den kornäckern
M. Herr
der feldbau (1551) 35
a; ob der boden gut, warm, kalt, leberküsig, wässerig, oder trucken
würtemb. zehend- und erndt-ordnung (1650) 5. II@3@a@gγ) warmer
ofen, herd: ein feuerherd, eine warme stätte Stieler 327; sie hr. Schönkopf sitzen ... am warmen ofen Göthe
briefe 1, 164
Weim. ausg.; die übrige dienerschaft sasz ... in der hellerleuchteten küche um den warmen herd v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 4, 54.
adverbiell: er führete uns in seine stube, hiesz warm einheitzen Ch. Reuter
Schelmuffsky (vollst. ausg.) 50
neudr. hinter dem warmen ofen '
in behaglicher ruhe'
u. ä. (
vgl.ofen 4
e): liebte indesz seine tochter zu hause ihren secundaner ... und zwar fein hinter dem warmen ofen
polit. maulaffe (1679) 2; den (
reise-) plan hatten du und ich und dein bruder gar emsig, gar weislich hinterm warmen ofen mit einander abgezirkelt Kosegarten
rhapsodieen 2, 57. warme stube, warmes haus: wir suln uns mit freuden scharn jârlanc in einer stuben warn. Neidhart v. Reuenthal XXXVIII, 26 (
unecht)
Haupt; hett ich nur ain stüblin warm und darynn ain schönes weib. Hätzlerin
liederbuch 1, 96, 2 (
s. 74); es wären kleine kinder daheim, die müszten eine warme stube haben Grimm
d. sagen (1891) 1, 121; laszt sie eine warme stube machen Ludwig 2384; nun het aber der mann der frauwen bevolhen, dasz sie gedächt und ein warme stuben machte Lindener
rastbüchlein 26; dem winter begegnet man mit warmen stuben Agricola
sprichwörter (1534) d 8
b. in der warmen stube bleiben '
in behaglicher ruhe': bliebe juncker official auch daheim in warmer stuben, und schickete etwa einen schelmen oder buben, der auff dem lande und in steten umbher lieff Luther 7, 1
b Jen. ausg. warmes haus,
jetzt warmhaus '
treibhaus' Krünitz 233, 350. II@3@a@dδ) warmer umschlag: warm band,
mit warmem brei bestrichenes tuch, als heilmittel Stieler 1210. Zedler 51, 2132; einen warmen band über eine geschwulst machen,
dieselbe bähn Ludwig 2384; warme tücher auflegen Pomai 337; warmer überschlag Krämer 1210; bei geschwollnen gliedern ... wurden die trebern, als warme umschläge, mit ... erfolg gebraucht G. Forster (1843) 1, 26. II@3@a@eε) warmes bad,
entweder natürliches, warme quelle, warmer brunnen,
auch warme wasser
genannt, oder wannenbad von 23
bis 30,
höchstens 35
grad R., im gegensatz zum kalten und zum heiszen bad Hübner (1727) 1923. Krünitz 233, 346: er liebt auch die natürlichen warmen bad überausz S. Franck
chron. Germaniae (1538) 76
a; dise insel hat warme heylsame bäder Stumpf
schwytzerchronik (1606) 2
b; wo er einen sichern hafen, warme quellen, und grüne anger fand Haller
Alfred (1773) 220; Britannia ..., darin viel wasserflüsz, warme brünnen
volksbuch von dr. Faust 68
neudr.; der do fand die warmen wasser in der ainode Mentels
bibel, Gen. 36, 24; und jagten sie bis gen grossen Zidon, und bis an die warmewasser Luther
Jos. 11, 8,
vgl. 13, 6; er ... hat sich der warmen wasser zuo Callyrae gebrücht Hedio
chron. Germ. (1530) A 5
b. — warmes bad
bildlich für unannehmlichkeit, bedrängnis (
vgl. u. 9
i β 4)) einen warm halten): neben anderen kam auch Ruodolf ... in verdacht als solte er etwas grollens wider seinen schwager den kayser gefaszt haben: durch welche verlümbdung man ihme zuo hoff ein sehr warms bad überthan hatte Guler von Weineck
Raetia (1616) 116
a. II@3@a@zζ) warmes getränk, warme speise: warm tränck oder brüyen trincken Maaler 484
b; eine warme suppe zu sich nehmen Ludwig 2384; der bürger, er nimmt uns ins quartier, und pflegt uns und kocht uns warme suppen. Schiller 12, 44 (
Wallenst. lager); warmer wein,
vinum conditum, ignique eliquatum Stieler 2435 (
jetzt glühwein); warmes bier (
jetzt warmbier): während über den bivakfeuern in zahlreichen kesseln das nordische frühstück dampfte, warmes bier, in das man reichlich zucker warf
der feldzug gegen die badischpfälzische insurrection im jahre 1849
s. 276
anm.; bildlich für prügel: mein nachbar hüte sich, dasz er mir in voller weise nicht zu nahe kömt, ich wil ihm ein warm bier auff den buckel gieszen, dasz er seine fünff sinne drüber verlieren sol Chr. Weise
Jacobs doppelte heyrath (1699) 94. —
faritalia, warm muas Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 623, 41 (
s. warmus); im jenner man nit lassen sol, warm feuchte speisz die thuot dir wol.
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) A 2
a; wir essen selten oder niemer warme kost.
N. Manuel
ablaszkrämer 123
Bächtold; ich hatte täglich mein warmes essen vollauf und mehr geld, als ich zum weine brauchte Eichendorff 2, 375
Dietze; wann ich in drey tagen kein warmen bissen hab gessen. H. Sachs 17, 12 13
Götze. als redensart: so nemb der teufl 's gelt auch hin! ... jezunder hab ich (
Judas) nichts darvon, ja nit ein warmen biszen. Hartmann
volksschauspiele in Bayern u. Öst. 139. — warm brot,
panis ex furno recens Stieler 2435; daʒ do wurden gelegt warme (Luther frisch) brot Mentels
bibel, 1. Sam. 21, 6; man solle mir warm brod mit butter geben v. Schweinichen
denkwürdigkeiten 14
Österley; die rinde (
des brotes) bricht, sie ist noch warm. v. Droste-Hülshoff 2, 127
Kreiten. etwas geht ab wie warme semmeln,
es verkauft sich schnell, vgl. th. 10, I, 562. II@3@a@hη) warmer dunst, geruch: am liebsten schlürfen die götter den rauch von brandopfern und warmen dunst vom blute der opferthiere Wieland
Lucian 1 (1788), 232; des feindes jauchzen über dem wohlgeruch, welcher warm dampft aus dem eingeweid. Hölderlin 1, 69, 63
Litzmann; das essen roch schon. aus allen souterrains kam dieser warme, flaue, knoblauchgeschwängerte garküchengeruch H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 166. II@3@bb)
auch die die körperwärme zusammenhaltende bedeckung, umhüllung wird warm
genannt: warm gewant (
voc. 1420) Diefenbach
nov. gl. 362
b; warm kleid,
vestis spissa, densa, villosa Stieler 2435; so hab' ich ein warmes kleid, und die allerbeste decke. v. Schönaich
Hermann (1751) 13; schaue, wie die halbe welt sich in warme pelze hüllet. Gottsched
gedichte (1751) 1, 282; schlaff mit rhu on sorgen hin, bisz dir die sonn in d' augen schein, und solt in warmen federn bleiben. Scheit
Grobianus 2421
neudr.; in das behagen des ... warmen bettes mischte sich ... das grauen der bittern kälte Raabe
der hungerpastor (1864) 1, 29; das leichte federvieh verläszt die warmen nester. Fleming 149 (
poet. wälder 4);
bildlich '
pflanzstätte': diesmal aber verhielten sich Süd- und Mitteldeutschland ... feindselig; denn hier im lieben, warmen neste deutscher dichtung und sprachbildung witterte man rasch heraus, dasz die neue literarische bewegung ... unfruchtbar bleiben muszte Treitschke
d. gesch. 4, 429; '
behagliche unterkunft': auch ich halte das für's beste was dem wackern mann gefällt, wenn im stillen, warmen neste sich ein heiliges lebend hält. Göthe 15, I, 170 (
Faust 2
v. 8357)
Weim. ausg.; das reich Hammurabis muszte also den weg seiner vorgänger gegangen ... sein, ehe es den barbaren leicht ward, sich in das warme nest zu setzen H. Winckler
in Helmolts weltgeschichte 3, 16 (
vgl. 9 warm sitzen, sich warm setzen).
ähnlich warme herberge: in Alemannien und Österreich war der orden nur reicher grundbesitzer, bot den nachgeborenen söhnen des adels eine warme herberge Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 2, 26.
hier schlieszen sich adverbielle verbindungen an, wie warm zudecken
u. ä.: samfte du dich nider legis in dîn bette. du hâs dich bedechet dâ inne vil warme. Hartmann
vom glauben 2482
v. d. Leyen; der doctor macht sich sehr warm zu und wolt jetzt schwitzen in der ruh. Fischart
Eulenspiegel 2027
Hauffen; er leit in einer krippen arm mit tücherlein verhüllet warm. Ringwaldt
evangelia C 4
a; des bauern kleider hüllen minder warm nicht als eines fürsten rock. Grillparzer
2 6, 128 (
Libussa 1).
ironisch warm zudecken,
prügeln: sie kamen mit prügeln über ihn her, und deckten ihn fein warm zu Ludwig 2383. II@3@cc)
besondere bedeutungen von warm
in chemie und technik (
s. auch warm thun 9
f, laufen 9
l, warmfrischen): warme stürze, feuertopf, (
zum essenwärmen in der asche) Stieler 2435;
die warme fällung,
die durch hitze geschieht, z. b. die des silbers im scheidewasser Schlüter
probierbuch (1738) 154. Jacobsson 4, 591
b;
die warme versilberung
oder vergoldung,
bei der das mit dem silber oder dem gold verbundene quecksilber durch feuer verflüchtigt wird Poppe
handbuch für uhrmacher 2, 432; warme presse,
pressung von zeugen durch geheizte eisenplatten Jacobsson 4, 591
b; warme pressung
von stearinsäurekerzen Prechtl
techn. encycl. 24, 9; warme küpe,
das gährenlassen des indigs bei erhöhter temperatur 2, 203. warm
beim kupferstich: '
sehr sorgfältig und fein ausgeführte stiche dagegen werden warm (
mit erwärmter platte)
gedruckt' 9, 108. warm schmieden,
battre le fer à chaud Dabovich
ergänzbd. 831
b. II@44) warm
vom lebenden körper und dessen theilen gesagt, zeigt folgende bedeutungen. II@4@aa)
das gefühl der wärme habend (
durch äuszere einflüsse): die füsze auf dem wärmstein sind warm; in der geheizten stube wird man warm.
von gesteigertem wärmegefühl (
wo warm
neben heisz
steht): mir ist vom laufen warm geworden; der ärger hat mir warm gemacht.
vom wärmegefühl durch kleidung: der rock macht mir warm; des sint si nû gewîset, daʒ si mich selbe(n) sehent arm unt von gewande selden warm.
gesammtabenteuer 2, 422, 422. II@4@bb)
die eigentemperatur des lebenden körpers wird an sich als warm
empfunden; daher II@4@b@aα)
das warm sein
ein zeichen des lebens: er (
der aus dem wasser gezogene) ist noch warm, verzag nicht drumb. Dähnhardt
griech. dramen 1, 183 (
Eur. Hecuba 483); Elisa ... legt seinen mund auff des (
toten) kindes mund ... und breitet sich also über in, das des kinds leib warm ward
2. kön. 4, 34; ehe der mann recht erkaltet, so hat sie schon einen warmen in den armen, und nimt den rothen für den todten Philander (1650) 1, 80.
betheuernd: so siehet man aus der belagerten gegenwehr, dasz sie sich ... müssen verschworen haben, den wall zu erhalten, als lange sie warm sind Bucholtz
Herkuliskus (1665) 49.
redensart: du bist e esel, soweit de warm bist! (
von kopf bis zu fusz) Müller-Fraureuth 2, 639. II@4@b@bβ)
vom körper eben gestorbener menschen oder thiere: drauff opferte sie ihm des brudern warme leiche. Lohenstein
Ibrahim Sultan (1680) 53, 55; da weist mir seine siegesbahn, durch gräben, wälle, schutt und hügel warmer todten. Gottsched
gedichte (1751) 16; itzund wühlt die rothe faust in dem warmen eingeweide (
des opferthieres). v. Schönaich
Heinrich der vogler (1757) 97; der löwe ... ... friszt des hirschkalbs warme reste. Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 1, 54. noch warm: er will ... geätzet sein ... von frischem flaisch, das da noch warm ist Mynsinger
von den falken 7; ihr mann war augenblicks zuvor gestorben, der leichnam lag noch warm in seinem bett. Hebbel 2, 200 (
Her. u. Mar. 1, 1)
Werner. II@4@b@gγ) warmes blut
ist ein zeichen des lebens, daher die wendung: sie seien bereidt ..., für den christlichen glauben zuo streiten, weil sie ein warmen plutsdropffen haben S. Franck
chron. Germaniae (
Augsb. 1538) 111
b; so lange aber ein warmer blutstropffen in mir schwebet, so soll es mir durch keine gewalt entfremdet werden v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 231.
zeichen des eben entflohenen lebens: da er (
der löwe) ein rêch stênde vant, unde vienc ouch daʒ zehant und souc im ûʒ daʒ warme bluot. Hartm. v. Aue
Iwein 3899; und warmes bock- und ziegenblut soll diamanten brechen. Neukirch
gedichte (1744) 26. noch warm: streuweten sie das blut, noch so warm, in frische erden G. Nigrinus
von zäuberern (1592) 32; bring zur versühnung ihr mein blut! — es treuft noch warm von diesem speer. v. Ayrenhoff 2, 51, 10.
auch vom lebenssaft der pflanzen: der warme safft steigt auff und bringt den bäumen neue blätter. Robertihn,
ged. des Königsb. dichterkreises 122
neudr. warme ader: an die mütterliche brust will ich dich pressen, bis vom todesfrost gelöszt die warmen adern wieder schlagen! Schiller 14, 100 (
braut v. M. 4, 3). warmes herz,
zeichen des lebens: swaʒ er ritter dar het brâht, der was genuoc, von den vil warmer herzen muoste erkalten.
Lohengrin 5306
Rückert; vgl. die betheuerung: so lang mir warm zum hertzen ist, wil ich nicht nachlassen, der weltweyszheit und allen tugenden nachzuhengen
Reinicke Fuchs (
Rostock 1650) 97. — warmer busen, warme brust;
bildlich: ja was ist aber dagegen die kenntnisz der natur, die ... euch in ihren warmen busen einhüllt Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 63. — warme füsze,
eine vorbedingung für körperliches wohlbefinden: er fasset es aber rund und kurz, wie jener französischer arzt seinem könige: kopf brust und füsze warm und darneben wol gegessen und ziemlich getrunken Mathesius
Syrach 2, 128
b; man lobt die tugend, aber ... man läszt sie frieren, und in dieser welt musz man die füsze warm halten Göthe 45, 64
Weim. ausg.; den kopf halt kühl, die füsze warm, das macht den beszten doktor arm. Kirchhofer
schweiz. sprichw. 243. warmen fuszes
s. u. 8. — warme hand,
als zeichen des lebens: kein athem hebt den busen mehr, doch leben ist noch zu spüren in der warmen hand. Schiller 13, 334 (
jungfrau v. Orl. 5, 14).
daher mit warmer hand erwerben, geben,
bei lebzeiten, im gegensatz zum testamentarischen vermachen Sallmann 2, 132; met de warm hand iet geven Cornelissen
en Vervliet 1418; warmer hand iets geven De Bo
2 1182. — warme arme,
das sinnbild der liebe und der mütterlichen sorge: der weinstock kann den ulm so kräftig nicht belauben, als euch verschrenken wird der warmen arme zwang. Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 172; aus des frühlings warmen, weichen armen risz das schnelle unglück ohn' erbarmen ihn hinunter in das tiefe meer. Lenau
ged. (1857) 1, 277. warmer athem, hauch: der Zephyr selbst entzog (
im herbst) den warmen odem. Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 16; so mächtig rief er gestalten in das leben; es hauchte die leinwand warmen athem. Herder 27, 51
Suphan; während ich den warmen hauch ihres mundes auf meiner hand fühlte A. Schnitzler
Anatol 79. — warmer schweisz: (
er) macht sein badstub also heisz das in durchtrang der warme schweisz. Murner
badenfahrt 4, III, 22; ein warmes schweiszlein mir entrinnt (
aus angst). Mörike 1 (1905), 204; die ersten dürftigen spracherfinder, ... die überall in der sprache noch den warmen schweis fühlten, den er ihrer würksamkeit gekostet Herder 5, 118
Suphan. warm
vom darminhalt: der krank. ach, lieben freunt, ich muesz ie scheiszen: tragt mich hin ausz ee fur die thür ...
der paur. ach, halt nür vest, du lieber gsell! behalt bei dir den warmen gast!
fastnachtsp. 1058.
obscön ein warms trinkgelt (
fututio) Schade
satiren 3, 177, 36.
im folgenden bedeutet warm '
die körpertemperatur angenommen habend, dem körper völlig einverleibt': die mutter toben auch anfieng, wann das gifft war yetz bei ir warm. (
sparsi causa veneni.) Wickram 7, 193, 1005
Bolte. II@4@cc)
in krankheitsnamen geht warm
auf fieberhafte oder entzündliche zustände: der heisze
oder warme brand,
auch S.
Antoniusfeuer genannt, die brandige form der durch mutterkornvergiftung entstehenden kriebelkrankheit, ergotismus gangraenosus Zwinger
sicherer artzt (
Basel 1695) 337; unser herr Jesus zog über land, er segnet den kalten und warmen brand, dasz der brand ihn nicht brenne und in den leib begehr.
zeitschr. d. ver. f. volksk. 5, 20 (
aus Pommern). das kalte und das warme
von zwei arten fieber (
vgl. th. 5, 86): du stirbst weder am warmen noch am kalten, der galgen wird sein recht behalten. Ch. Weise
zittauisches theatrum 213 (
Jacobs heyrath); wenn man das fieber hat, musz man ... eine eiche umgehn und dabei sprechen: goden abend du gode olle, ick brenge dî dat warme un dat kolle. Kuhn
u. Schwartz
nordd. sagen 439.
die warme faulbrut
der bienen, die durch zu grosze wärme entsteht, die brutpest F. Ben. Weber
ökon. lex., suppl. 21
b. II@55)
an das behagliche wärmegefühl in der stube, im bett oder durch kleidung knüpfen einige übertragene bedeutungen an: warmer bruder,
ofenhocker: ein warmer bruder, der sich gern hinter dem ofen kühlet
Simplic. (1684) 3, 755. warm '
behaglich, vertraut, heimisch' (
schon mhd. s. u. 9
c warm werden Reinmar v. Zweter,
vgl. auch das schon im 16.
jahrh. übliche warm sitzen): hernach schleppt man sich eine zeit lang herum, und kaum sind sie ein biszchen warm bei einem, hat sie der teufel gleich mit heirathsgedanken und heirathsvorschlägen, die ich fürchte wie die pest Göthe 11, 51 (
Clavigo 1)
Weim. ausg.; er glaubte selbst aus schwedischem geschlechte zu stammen ..., also fühlte er sich warm und heimisch dort im norden Treitschke
d. gesch. 4, 471. '
in behaglichen verhältnissen lebend, reich' (
wie engl. warm): das hausz liebet gar nit die armen, allein die reichen und die warmen. H. Sachs 7, 131, 8
Keller; bey uns findet man warm, arm, und das gott erbarm in einem tag, und ist unser fried so weit von krieg, wie Sachsenhausen von Franckfurt Abr. a S. Clara
reimb dich 201; warmer fuchs,
junger, reicher student. sie studieren (1782) 64
citirt in zeitschr. f. d. wortf. 293; ein warmer '
reicher' Spiesz 275;
ironisch jo er is ə warme '
es ist nicht weit her mit ihm' Hunziker 287.
vgl. auch die redensart: da musz mer warm angezogen sein, '
viel geld einstecken haben' (
aus Leisnig) Müller-Fraureuth 2, 640.
hierher wol auch eine sache steht warm '
gut, günstig': ouch ratendt im ins kamergericht. spricht er dann, er sy zuo arm, so sagt ir, das syn sach stee warm — euch statt sy warm, ir wermt üch fry. Murner
narrenbeschw. 23, 32
neudr. II@66)
von warm
als eigenschaft des menschlichen körpers aus konnten sich nach verschiedenen richtungen übertragungen entwickeln. von warm
als zeichen des lebens '
lebensfrisch, lebenslustig'
u. ä., von warm
im verstärkten sinne, wärmer als gewöhnlich, erhitzt, durch innere erregung oder durch anstrengung (
besonders beim kampfe),
einerseits '
innerlich bewegt, lebhaft in empfindungen und deren äuszerung, leidenschaftlich',
andererseits '
gepeinigt, bedrängt' (
besonders in den verbindungen warm werden, machen, halten,
s. u. 9). II@6@aa)
doch sind die belege in älterer zeit selten. die ersten zeigen aber durch die präpositionale anfügung schon ziemliche loslösung von der eigentlichen bedeutung; warm zu, auf etwas '
begierig darnach': vil manic schilt gevaʒʒet wart nâch ritters rehte. ze strîte und z' einer vehte in allen wart heiʒ unde warm. K. v. Würzburg
troj. krieg 12223
Keller; wie möht ich nu wesen arn, sit ein tak mir enden me sol, des ich meine, danne ein jar, des wil ich singen. uf den tak mir ist so warn.
minnesinger 2, 131
b Hagen. noch mehr bildlich, in religiösem sinne, einen, das herz warm machen,
läutern, mit inbrunst erfüllen, entsprechend warm werden: so wil mit edelen sachen der (
heil.) geist in warm machen an einem vremdem vure.
Passional 117, 86
Hahn; drum, herzes herze, bitt ich dich, du wollest disz mein herz und mich warm, weich und sauber machen. P. Gerhardt 47, 30
Gödeke; sin dúrre, steinin, stehelin hertze muos warm, weich, fúrig und gOettelich werden Tauler
predigten 123, 25
Vetter; drumb willtu hir auch erleucht und warm werden, gottlich gnade und wunder sehen, ... szo gang hynn, da du stille seyest Luther 10, I, 62
Weim. ausg. '
eindringlich'
von worten: lasse nur die wort nicht kalt hingehen, sondern wol handlen und treiben, das sie warm werden, safft und krafft geben 28, 28, 21.
im 17.
jahrh. treten die bedeutungen '
eifrig, zornig, kampflustig'
und '
beengt, bedrängt' (
s. u. 9)
auf: er hat eine warme stunde gehabt,
tota hora vexatus, exagitatus est Stieler 2435; man solte ... weil das kriegsvolck noch vom eyver warm wäre, das lager stürmen Lohenstein
Arminius 2, 1071
b; wurde ihm der kopf auch warm, und liesze er den Italus wieder in das gemach ruffen Anton Ulrich v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 725; und machte mich hierdurch so behertzt, dasz, als ich nur warm worden, ich dermaszen grausam um mich hieb und stach ... v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 66. zu etwas warm werden: (
die zunge macht) dasz auch kalte sinnen zur kühnheit werden warm. Logau 2, 1, 38 (
s. 235
Eitner). II@6@bb)
erst seit mitte des 18.
jahrh., besonders seit Wieland
und Lessing,
beginnt eine reiche bedeutungsentfaltung; warm
wird viel verwendet zum ausdruck der lebensfrische, lebenslust, herzlichkeit, innigkeit, begeisterung, leidenschaft; den übergang von der eigentlichen zur übertragenen bedeutung weisen belege, die an beiden theilhaben; so wird das leben selbst warm
genannt: hier lag das kind! mit warmem leben den zarten busen angefüllt. Göthe 14, 134 (
Faust 1; 2713)
Weim. ausg.; was alles es (
das maidel) hätt, gar freud' genung, frisch junges warmes leben. 2, 187; warm wie das leben ist deine liebe, und ohne schranken, wie's unermeszliche Schiller 3, 437 (
kabale u. liebe 3, 4).
dann auch vom volksleben: dasz in diesem schönen (
Mosel-) lande ... friedliche thätigkeit, heiterer genusz und warmes leben pulsirt hat Mommsen
röm. gesch.2 5, 106. warmes blut
als zeichen von jugend, lebensfrische, sinnlichkeit, leidenschaftlichkeit: was nit Dido in blender jugend desz warmen bluotes? Steinhöwel
de claris mulieribus 152
Drescher; ich habe blut, mein vater; so jugendliches, so warmes blut, als eine Lessing 2, 187 (
Em. Gal. 5, 7); er war ein hitziger mann, voll warmen blutes U. Bräker (1789
ff.) 1, 5; immer warmen blutes und der besten hoffnungen voll, meinte er eine allianz zu schlieszen, welche ihm noch den sieg verschaffen könne Ranke
2 16, 247; bey leuten von so warmem blut (
ungestümen liebhabern) ist diese vorsicht wohl nicht allzu weit getrieben. Wieland 9, 87 (
Musarion); habt getrost ein warmes blut froh und frei wie ich. Göthe 6, 24
Weim. ausg. warmes herz
als zeichen der leidenschaftlichkeit: als mir nach dem wärmern, vollern herzen feuriger itzt stürzte jünglingsblut. Hölderlin 1, 54
Litzmann; ihr busen warm und treu! Fr. Müller 1, 266. hand, händedruck, lippen, küsse, umarmung: (
ich) biete dir die warme hand Schubart
gedichte (1825) 1,
vorbericht VIII; vergebens ausstrecken deine sterbenden hände wirst du nach einem sohn, vergebens wähnen zu umfassen die warme hand deines Karls Schiller 2, 192 (
räuber, schauspiel 5, 2); wie viele treue herzen und warme hände fehlen uns immer in der besten stunde Raabe
hungerpastor (1864) 3, 189; den warmen liebevollen druck seiner hand J. J. Engel (1801
ff.) 2, 201; du behandelst mich so freundlich, dasz ich ... dir mit einem warmen händedruck erwidre A. Ruge
briefw. u. tageb. 2, 366
Nerrlich; himmlische anmuth! warme glühende lippen! Schiller 13, 360 (
Turandot 1, 3); wie träume fliehn die wärmsten küsse. Göthe 1, 45
Weim. ausg.; aber es war nicht wie eine warme umarmung von fleisch und blut, sondern weit feierlicher G. Keller 5, 79. warm
als beiwort von thräne
betont die innigkeit des leids, des mitgefühls oder der freude: ringende hände, heisze seufzer, warme thränen, tiefe sorgen
F. C. v. Moser
der herr u. d. diener 205; und wieder flossen ihre thränen, aber es waren linde, warme und selige Stifter
werke (1901
ff.) 1, 33; mein augen beyd für frewd und leyd in warmen zähren baden. Spee
trutznachtigall 34; gewisz, es wird ihn rühren. seine augen werden von warmen thränen übergehn, und dir und mir wird er verzeihen. Schiller 5, 2, 413 (
don Karlos 5, 3); und fallen lieszest du ... eine begeisterte, warme thräne. Platen 106 (
oden 1).
einen übergang bezeichnet auch warm '
erregt von berauschenden getränken': warm von wein (
calda di vino)
Decamerone 109, 34
Keller; so trink ich halt mein schöpple wein, ... dann geh' ich heim, im köpfle warm. R.
Z. Becker
Mildh. liederbuch (1799) 53. '
trunken': nach dem wann sie vol betruncken seind ..., so brechen sie einen zanck ab einem zaun ... bisz offt einer auff dem platz bleibt, und also vol und warm dahin fert inn sant Patricius loch S. Franck
trunkenheit (1531) C 2
a. II@6@cc)
die schattirungen der ganz übertragenen bedeutung. II@6@c@aα)
von personen. '
lebensfrisch': welkes alter — rosenfrische jugend, warme jungen mit dem muntern blut, spröde damen mit der kalten tugend, blonde schönen mit dem leichten mut! Schiller 1, 186; die jugendlich warme gestalt Cesara's wurde ... durch die trotzige entschlossenheit junger frischer kräfte noch mehr veredelt J. Paul
Titan 1, 3. '
mutig': doch du warst mein zeitvertreib, goldne phantasie, und ich ward ein warmer held, wie der prinz Pipi. Göthe 1, 13
Weim. ausg. '
leidenschaftlich': denn ich war ziemlich warm vor der stirn, hatte sehr heftige lebensgeister Bode
gesch. des Thomas Jones 3, 392; die tänze der natur- und überhaupt der warmen heftigbewegten völker sind alle pantomimisch Herder 22, 181
Suphan. ein warmer kopf,
der leidenschaftliche gedanken hat: die gesunde vernunft ist nicht für so warme köpfe gemacht, wie der deinige Wieland 1, 178 (
Agathon 4, 1); was einst schwüle ausdünstung warmer köpfe war, ist am kirchenhimmel in die luft gestiegen und blitzt und donnert Herder 20, 148
Suphan. '
sanguinisch, enthusiastisch': die kleine gräfin von Romeiro war sehr schön; kalte hieszen sie einen engel und warme eine göttin J. Paul
Titan 1, 111. '
lebenslustig, sinnlich': er war ein warmer lebemann, und sein bedürfnisz reichhaltigen lebens war es wohl, welches ihn .. zu frühzeitiger erschöpfung seiner kräfte getrieben Laube (1875
ff.) 16, 125.
mundartlich: ə~ warmər, ə~ warmé, '
ein zweideutiges beywort' ('
wollüstig'?) Schmeller 2, 1000; e warmi (
mannssüchtige weibliche person) Martin-Lienhart 2, 853
a. '
verliebt': wir mahler rechnen darauf, dasz das fertige bild den liebhaber noch eben so warm findet, als warm er es bestellte Lessing 2, 118 (
Em. Gal. 1, 4); das eis in ihrer engen brust zerstört des wärmsten lieb' und lust. Herder 27, 384
Suphan. '
temperamentvoll': denn wär' er (
der tempelherr) anders; wär' er minder warm und stolz: er hätt' es bleiben lassen, dich zu retten. Lessing 2, 355 (
Nathan 5, 8). '
gefühlvoll, gemütstief': (
Adelheid zu Franz). lieber warmer junge! Göthe 8, 135
Weim. ausg. (
Götz 4); er ist ein lieber warmer junge Boie
bei Weinhold
Boie 92; Gisella! warmes, trefliches mädgen; könnt ich dich noch einmal sehen, ... deine thränen wegwischen von den schwarzen, seelenvollen augen Klinger
Otto 39, 9 (2, 7)
neudr.; was jene kalt aus pflichtgefühl, das thun diese warm aus instinkt und gutem herzen Gervinus
gesch. der deutschen dichtung (1853) 5, 10.
von schriftstellern: alle neuere dichter, die aus dieser quelle ... geschöpft, bis auf unsern lieben warmen Wieland zu Herder 3, 262
Suphan; golden und warm ist Uhland, wie die krone in der schäferin hand Börne (
Hamb. 1829 ff.) 8, 119. '
weichherzig': Lear, der rauhe, warme, edelschwache greis Herder 5, 220
Suphan. '
empfindsam': ich habe jünger und wärmer stunden lang so ihr (
der sonne) zugesehn hinabdämmern auf meinen wanderungen Göthe
briefe 2, 49
Weim. ausg. '
freundlich, herzlich': als ich im zimmer vorschritt, kam mir Göthe entgegen und war so liebenswürdig und warm, als er neulich steif und kalt gewesen war Grillparzer
2 10, 173 (
selbstbiogr.). warmer (
treuer, eifriger, begeisterter) freund, vertheidiger, anhänger
u. dgl.: Laokoon ist eben derjenige, den wir bereits ... als den wärmsten vater kennen und lieben Lessing 6, 392; sie sind ein warmer, ein angenehmer freund Göthe 17, 122 (
grosz-cophta 1, 1)
Weim. ausg.; den wärmsten freund würd' er an mir erhalten. H. v. Kleist (1863) 2, 403 (
Hermannsschl. 2, 1); ein warmer anwald ist graf Shrewsbury für meine feindin und des reichs. Schiller 12, 456 (
Maria Stuart 2, 3); manchen warmen verteidiger hat sie (
die plattdeutsche sprache) gefunden Allmers
marschenbuch 1/2, 208; die warme bekennerinn eines glaubens, der auf liebe gebaut ist Gotter 3, 123; vielleicht wird selbst dem warmen bewunderer in kältern stunden auch nebel und doppellicht erscheinen Herder 5, 581
Suphan; sein warmer lobredner, Ellenhard von Straszburg Freytag 18, 88 (
bilder 2, I, 3); in Böhmen gab es ... warme anhänger Zapolyas Ranke 3, 149. warmer bruder
mit obscönem nebensinn '
päderast' Brendicke 191,
auch warmer onkel Rabben
gaunersprache 139,
auch nur ein warmer Ostwald
rinnsteinsprache 165;
schon im 18.
jahrh.: eine erfindung, wodurch sie (
die weiber) das mannsvolk an sich und von der gesellschaft der warmen brüder (
masles) abziehen wollen, zu welcher diese nation durchgängig geneigt ist Bode
Montaigne 5, 190; erschlaffung und übergenusz bringt zur unnatur der sogenannten warmen brüder (
sprache Berlins) Weber
Demokrit4 5, 131. II@6@c@bβ) warmer,
heftiger, erbitterter, kampf (
wobei den kämpfern auch körperlich warm wird): und wo die schlacht am wärmsten wird. Mastalier
gedichte (1774) 47, 14; unterm schall der hellen zinken fänget an das lanzenwerfen, wird so warm und so verwirret, dasz es eine schlacht erscheinet. Herder 25, 229
Suphan; immer sei zum kampf bereit! suche stets den wärmsten streit! Fr. L. Stolberg 1, 45; ein warmer tag
auch '
an welchem es warm oder lebhaft zugehet' Adelung. warme leidenschaft, begeisterung
u. ä.: lasz ihn euch das geheimnisz finden, groszmuth und arglist zu verbinden, und euch, mit warmen jugendtrieben, nach einem plane, zu verlieben. Göthe 14, 85 (
Faust 1, 1799)
Weim. ausg.; wir sind die alten noch, die sich vor euch mit warmem trieb und eifer ausgebildet. Schiller 12, 5 (
Wallensteins lager); Wilhelm fühlte oft einen herrlichen triumph, wenn er seinen bedächtlichen freund in warmer aufwallung mit sich fortnahm Göthe 21, 91
Weim. ausg.; dasz das arme mädchen leichte neigung mit warmer leidenschaft erwiderte Grillparzer
2 9, 251; den muth als kalte herzhaftigkeit und unerschütterlichkeit und den muth als hitzige, halbblinde bravour, — beides nennt man mit einem namen! wie verschieden sind doch die kalten tugenden von den warmen! Nietzsche 4, 242; der warme eifer seiner liebe suchte vergeblich mir ... das zu geben, was mir fehlte, den glauben v. Bismarck
briefe an seine braut u. gattin 3. warmes herz,
zeichen innigen gefühls: warmes hertz, nasse augen H. Müller
erquickstunden (1686) 172; mit eben so hellem sinn, als warmem herzen fühlte er alles in sich erfüllet Herder 14, 294
Suphan; aber ein redliches, warmes herz, das vor lauter gefühl verstummte, das konnte ich ihnen entgegensetzen G. Forster (1843) 7, 102; du siehst mich hier mit warmem herzen einer edeln freundin in trüber stunde beizustehn bemüht. Göthe 11, 302 (
Erw. u. Elm. 1, 2)
Weim. ausg.; empfindung, gefühl, gemüt, seele
u. ä.: alle lobsprüche ..., die die warme empfindung einer guten that eingeben kann Nicolai
Seb. Nothanker (1773) 1, 205; diese einfachen und ausdrucksvollen ... melodien, ... voll warmer und tiefer empfindung ... scheinen ein glückliches erbtheil jener zeit O. Jahn
Mozart 4, 31; des ehrenvollen antrags ... darf ich mich mit warmem gefühle erfreuen Göthe
briefe 41, 6
Weim. ausg.; ein warmes und stätes gefühl für sein land hat er (
der grundbesitzer) nicht Freytag 17, 6; vom antheil, den die warmen jungen seelen an allem nehmen, wird's ihm selber warm dabey. Wieland 23, 99 (
Oberon 8, 48); seine (
v. Dalbergs) aufgeklärte warme seele zeigt sich überall und er hat sich mit dem styl und geist des Plato das herz eines Sokrates eigen gemacht Knebel
an Herder, von und an Herder 3, 39; aus gewohnheit der liebe wird eine warme seele schon durch die vorstellung ... eines hassers durchdringend verwundet J. Paul
leben Fibels 146. warme,
lebhafte, einbildungskraft: Spensers poesie ist die sorglose ergieszung einer warmen einbildungskraft und lebhaften empfindung Gerstenberg
Schlesw. literaturbriefe 41, 35
neudr.; dasz Ferdinand, mehr auf den flügeln einer warmen phantasie getragen, zwar kühnere dinge unternehmen mögte Klinger
werke 8, 10. warme freundschaft, liebe, anhänglichkeit: unsere bekanntschaft ist noch blutjung. sie ist von heute. aber junge bekanntschaft ist warm Lessing 1, 558 (
Minna 3, 9); meine warme unwandelbare freundschaft v. Gentz 1, 36
Schlesier; wie ihm von den schülern ... warme liebe und achtung nach dem tode zu theil wurde Göthe 46, 89
Weim. ausg.; auch sasz auf ihrem augenliede nicht diese warme zärtlichkeit. Ramler
lyr. gedichte (1772) 290; deutsche liebe, warm und rein, nahm ein deutsches mädchen ein. Blumauer
gedichte (1782) 104; die Deutschen, die in allen ländern der welt sich ... wiederfinden, (
haben) sich eine so warme anhänglichkeit an ihre ältere heimath bewahrt v. Bismarck
politische reden 4, 10. warme theilnahme: du weist, dasz ich an allen deinen schicksalen ... warmen anteil nehme Miller
briefwechsel dreier akad. freunde 1, 161; er ... behandelte meinen immer kränkern mann mit warmer sorge Göthe 22, 104; der herzog ... äuszerte ein sehr warmes interesse Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 80; nachdem die spittler ihr wärmstes ... mitleid geäuszert hatten v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 1, 98. warme freude: so rinnt doch zugleich aus diesem schmerz eine warme wonne Heinse 3, 378
Schüddekopf. warmer grusz: mich sendet eu'r gemahl, mein würd'ger freund, mit seinem wärmsten grusz und diesem brief. Hebbel 1, 145 (
Genoveva 3, 8)
Werner. warmer blick,
empfindung widerspiegelnd: der himmel seh ihn stets mit warmen blicken
an. Stoppe
Parnasz (1735) 321; kaum glitschte, ohne dasz sie wuszte warum, ihr warmer blick von sankt Kathrinen ab. Wieland 21, 178 (
Klelia); Ferdinand ... heftet wärmere blicke auf die lady Schiller 3, 401 (
kab. u. liebe 2, 3), warmes auge,
mit herzlichem blick: da ich in zwei so lichte warme, gegen mich aufgethane augen ... hineinschauen muszte J. Paul
Kampanerthal 42. warme,
herzliche, eindringliche, begeisterte, worte, reden, briefe, schriften: wenn mir ein warmes herzliches wort entwischt Schiller 3, 389 (
kabale u. liebe 2, 1); sprach ich einmal auch vom alten Griechenland ein warmes wort, so gähnten sie Hölderlin 2, 80, 42 (
Hyperion)
Litzmann; seine sprache war schön und warm Zimmermann
einsamkeit (1784) 259; die schwingen seiner warmen, naturgewaltigen rede entfalteten sich prächtig Dahlmann
gesch. der franz. revolution 427; er (
Luther) schrieb ... an dem schönen und warmen buche 'auslegung von Maria's lobgesang' Freytag 19, 92 (
bilder 2, II, 4); seine (
Huttens) schriften sind voll der wärmsten, edelsten stellen Herder 16, 280
Suphan; alles schmachvolle was vorgegangen ist in einer warmen unverhaltenen schilderung zusammenzufassen J. Grimm
briefwechsel 1, 349.
häufig auch vom ton der gespräche, schriften: der warme, dringende ton, womit sie mir ... grüsze ... auftrug Pfeffel
pros. versuche (1810) 5, 94; wenn man den warmen ton und die gehobene weise beachtet, mit welcher er (
Tacitus) die vorzüge deutscher natur hervorhebt Freytag 17, 33 (
bilder 1, 1). lob, beifall, empfehlung, dank: schon lange war ich über und über deines warmen lobes voll. Bürger 55
a; eine unterscheidung ..., die auch Lessing's warmen beifall fand Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 39; inzwischen sind solche ideale ... äuszerst ersprieszlich und verdienen warmen dank Heinse 4, 157
Schüddekopf. gern im superlativ: nehmen sie ... meinen wärmsten dank für die bemühungen ... an Kant 10,507; und doch recht warmen dank! gott geb' euch tausendfach was ihr gern geben wolltet. Lessing 2, 214 (
Nathan 1, 5). rat, bitte, wunsch: dasz sie meinen warmen, angstvollen rath ... bei seite geschoben ... haben A. v. Droste-Hülshoff
briefe an Schücking 206; was ich ihnen jezt sagen werde, wird ... eine warme abbitte des vergangenen seyn Schiller 3, 405 (
kabale u. liebe 2, 3); trotz meiner warmen bitte Grillparzer
2 2, 98 (
ahnfrau 4); wenn denn nun meiner wünsche wärmster, innigster erfüllet ist: was dann? Lessing 2, 260 (
Nathan 3, 1).
auch die zeit, die voll warmen (
leidenschaftlichen, empfindsamen u. s. f.)
erlebnisses ist, wird warm
genannt: vernichtet sey der schreckliche vertrag, den du im süszen taumel einer warmen stunde vom träumenden erzwangst. Schiller 4, 23; die lautenhauche der flöte, mit der der blinde eine schönere wärmere vergangenheit vor die erstarrte seele zog J. Paul
Hesperus 4, 81.
selten steht warm
bei niederdrückenden oder schädigenden gemütszuständen und deren äuszerungen: wer einem kalten herzen warmes elend vertraut, ist ein tohr Göthe
briefe 1, 128
Weim. ausg.; nehmen sie auch von mir die versicherung der wärmsten antipathie Nestroy (1890
ff.) 2, 12; dann, dann ist auch mein wunsch, ist mein gefluchtester wärmster heisester fluch ganz dann gesättiget. Schiller 1, 44. II@6@c@gγ) warm
mit präpositionalen bestimmungen. II@6@c@g@11)) und (
ich sang), warm von Herthas honigwein, den frischen bunten herbst im hain. Kretschmann 1, 40; Theophron, noch ganz warm von dem was seinem blick entzogen war, und voll von wollustreichen bildern. Wieland 9, 58 (
Musarion); dann stürz' ich dir — ach! von seligkeit warm als deine vertraute, mein engel, in arm. Schubart
gedichte (1825) 2, 156; bis warm von sympathetschem triebe, sie freundlich mit dem freund empfand. Schiller 11, 24 (
die ideale). II@6@c@g@22)) für alles gute wird er leicht warm Campe; wie warm werde ich nicht für diesen mann! wie emsig, mich mit ihm zu verbinden! Abbt
vom verdienste (1768) 140; ich sah ihr in die seele, und doch, wenn ich nicht so warm für sie wäre, sie hätte mich erkältet Göthe
briefe 3, 25
Weim. ausg.; ich bin vielleicht für meine sache wärmer als ein absolut unbeteiligter Dernburg
in den Leipz. neuesten nachr. 22. 1. 1907,
s. 14. II@6@c@dδ)
adverbieller gebrauch. es geht warm zu
bei einem streite, einem vorhaben Rondeau. Adelung; (
ich) half Wien entsetzen, und schlug den Turken. das gieng warm zu, frau tochter Rabener (1752) 3, 314.
anders österr. da geht's warm her '
da gibt es etwas zu gewinnen, da trägt's was ein' Wander 4, 1784.
besonders aber erscheint das adv. synonym von innig, herzlich,
mit denen es gern zusammengestellt wird: dank' ich der gütigen vorsehung warm und herzlich U. Bräker (1789
ff.) 2, 148; und (
ich) wünsche jedem guten tag, so herzlich und so warm. Uhland
ged.2 17. warm umarmen, die hand drücken, anblicken, empfinden, fühlen, lieben, sprechen, bitten, danken, empfehlen
u. ä.: der zehnt (
knabe) drückte mich also warm. Arnim (1857) 11, 121 (
wunderhorn); sein arm umschlingt sie warm und inniglich. A. v. Droste-Hülshoff 2, 39
Kreiten; so warm ich ihnen die hand drückte Schiller 2, 30 (
räuber, schauspiel 1, 2); da faszt des vaters rechte sein junger sohn so warm. Uhland
ged.2 210; sein auge ruhte warm in ihrem (
vom wasser) widergestralten J. Paul
Hesperus 3, 211; zwar erst wird etwas kalt gethan, doch endlich warm gelacht. Ramler
fabellese 3, 142; nie schlugen zwei gröszere herzen zusammen, wir liebten uns doch so brüderlich warm Schiller 3, 160 (
Fiesko 5, 16); sie war so eigen und fühlte über solche dinge immer wärmer, als ihre freundinnen Klinger
werke 1, 204;
lady. sie werden ihr vaterland wieder sehen.
kammerdiener. (warm und voll) das weisz der himmel! das werden sie Schiller 3, 394 (
kabale u. liebe 2, 2); ihr wiszt so schön, so warm von meiner heimath zu sprechen v. Gaudy (1844) 4, 73; was könnte Sittah so feyerlich, so warm ... bey ihrem bruder sich verbitten wollen. Lessing 2, 235 (
Nathan 2, 2); das zeichen sieht er prächtig aufgerichtet, ... zu dem viel tausend herzen warm gefleht. Göthe 16, 173
Weim. ausg.; ergeht's euch wohl, so denkt an mich, und danket gott so warm, als ich für diesen trunk euch danke. 1, 163; ein ... dankschreiben, für welches wieder ich wärmstens dankte v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 4, 315; der minister hat sie mir sehr warm, ja ich kann wohl sagen, mit leidenschaft empfohlen Eichendorff 2, 172
Dietze; setzt er die reise fort, und kehrt, wohin ein freund ihn warm empfohlen, in eines städters reiche wohnung ein. H. v. Kleist (1863) 3, 365. warm,
mit lust und liebe, bei einer sache sein: er selbst war nur eine zeitlang warm bei seiner schriftstellerei Laube (1875
ff.) 16, 17. das herz schlägt warm: hier ist es öfters sehr schwer zu entscheiden, und am schwersten, wenn das herz für wahrheit und aufklärung warm schlägt Nicolai
reise durch Deutschland 1, XV; o dasz er Moors name nicht trüge! dasz mein herz nicht so warm für ihn schlüge Schiller 2, 18 (
räuber, schauspiel 1, 1); es (
das herz) schlägt für wen'ge wärmer, als es für viele schlug. Rückert
ges. ged. 6, 211.
ähnlich: warm geht das herz mir auf bei eurem anblick. Schiller 14, 296 (
Tell 1, 4); indem ich mich auskleide, singt meine veraltete nachbarin einen psalm ab, der mir warm an das herz geht; so volltönend, so einschmeichelnd singt sie ihn! v. Thümmel
reise (1794) 3, 74. II@77) warm
von farben und tönen. II@7@aa)
in der zweiten hälfte des 18.
jahrh. tritt warm
als attribut von farben auf; zunächst in ziemlich allgemeiner, unbestimmter bedeutung: warm (
chaud) in der malerey, wird von einer feurigen, kecken, freyen, und ihren gegenstand wohl charakterisirenden zeichnung gesagt. man sagt es auch von dem farbenton eines gemäldes, wenn er kräftig, fest, natürlich und wohl gewählt ist
Pernety handlex. der bildenden künste, deutsch (1764) 467 (= Jacobsson 4, 590
a); die ausführung (
des bildes ist) sehr warm, ausgearbeitet und kraftvoll
Europa (1803) 2, 103.
auch in folgendem bilde '
kräftig': die schrecklichsten der mögligkeiten mahlt ihr die fantasie mit warmen farben vor. Wieland 23, 34 (
Oberon 7, 51, 2);
vgl. 21, 79.
von Göthe
verbreitet, wenn auch nicht von ihm geschaffen, ist die anwendung von warm
auf bestimmte farben: ein hauptgesetz, welches die künstler entdeckten, ... war das gesetz der sogenannten warmen und kalten tinten Göthe
naturwiss. schriften 5, I, 13;
vgl. werke (1.
abt.) 47, 16.
durch complication der empfindungen werden '
die temperaturempfindungen in den warmen
und kalten farben
der maler auf die lichtempfindungen angewandt' Wundt
völkerpsychologie2 2, 541; warm
heiszen die farben am anfang des spectrums, deren lange wellen erregend wirken, doch haben zu dieser bezeichnung wol auch ideenassociationen beigetragen, so bei gelb die farbe des warmen sonnenlichts, bei rot die farbe des blutes, das durch die haut schimmert: beide sind überaus edle schöne köpfe, ... das colorit zart und warm Göthe 48, 160
Weim. ausg.; diese thür ... hat vier grosze figuren, welche farbigt und in einem sehr warmen tone gemacht sind Rumohr
in Schlegels deutschem museum 4, 491;
die mit warmen farben
versehenen oder gemalten gegenstände werden selbst warm
genannt: die eine (
landschaft) hat einen sehr warmen himmel wovor linker hand eine felsenmasse, hinter welcher ein kühles gewässer mit hohen eichbäumen voll schatten Heinse 7, 10
Schüddekopf; wer malt mir dies süsze, schimmernde blau, und wer rundum das warme gebirg? Mörike 1 (1905) 273.
auszer rot, orange, gelb gilt auch braun, grün und violett als warm, '
wenn in deren mischung eine der ersteren farben vorherrscht' Spemann
kunstlexikon 1004.
in erster linie steht gelb, goldig: so ist es der erfahrung gemäsz, dasz das gelbe einen durchaus warmen und behaglichen eindruck mache Göthe
naturw. schriften 1, 311
Weim. ausg. (
vgl. 361); wir wünschen zu freudigen und lebhaften scenen warm gelben, zu leidenschaftlichen und fürchterlichen rothen ... ton Vischer
ästhetik 2, 53; gelb wird daher von malern vorzugsweise als die warme, blau als die kalte farbe bezeichnet Wundt
physiol. psychol.6 2, 333; warmer sandstein
wol '
mit gelbwarmem ton'
in einer schilderung des Mainzer doms in der Augsb. zeitung 28.
aug. 1864; bald siehst du, wenn der schleier fällt, den blauen himmel unverstellt, herbstkräftig die gedämpfte welt in warmem golde flieszen. Mörike 1 (1905) 127; die travertinblöcke, aus der blaugrünen sumpfebene aufsteigend, leuchten warm wie dunkles gold Hehn
Italien 74; zwischen den bleigrauen oliven liegen warme braune erdflecke offen 60;
goldiggrün (
sonnenbeschienenes grün? s. u. Scheffel
Ekkeh.): ihn erquickt nicht mehr der matten warmes grü
n. Schiller 14, 300 (
Tell 1, 4).
doch auch für rot wird die bezeichnung warm
in erster linie beansprucht Otte
archäol. wb.2 263: der verkürzte körper des kindes hat die wärmste fleischfarbe A. W. Schlegel,
Athenäum 2, 115; der grünen landschaft gibt das rote kleid eine warme note
kritikerphrase; von der wangenröte (
wobei auch an die blutwärme gedacht werden kann): warme röthe stieg auf meine wangen Geszner (1778) 2, 13; warmes licht
ist rötliches licht, bei den dichtern besonders von der abendbeleuchtung: nur einzeln funkeln am gestad vergüldete rosen im warmen schimmer des abendstrahls. Wieland 21, 93 (
Gandalin 6, 11); purpurwarme abendschatten färben der gebirge schnee. Scheffel
frau Aventiure 187; wenn der spiegel desselben (
sees) mit den anliegenden gebirgen von abendroth erleuchtet sich warm und allmählich tiefer und tiefer schattirt Göthe 25, I, 234
Weim. ausg.; die sonne ... neigte sich zum untergang ... und wärmer und wärmer färbte sich alles auf der alp, goldbraungrün leuchteten die matten, leiser abglanz der röte warf sich auf die grauen kalksteinwände Scheffel
Ekkeh. 381; der alten frau leuchtet der warme hauch (
des abendlichts) voll über gesicht, hals und brust G. Hauptmann 1, 159 (
weber 2).
vgl. warmbraun, warmgelb, warmrot. II@7@bb)
man spricht auch von warmen tönen, klängen,
dies beruht wol auch auf complication unter einmischung der übertragenen bedeutung '
innig, gefühlvoll, leidenschaftlich': und ihre (
Thusneldas) seele schmolz in warmen minnegesang. Kretschmann 1, 137; die warmen töne der nachtigall zogen ihnen ... entgegen J. Paul
Hesperus 3, 218; nun wiegt sich das paar in den klängen der warmen musik Heer
der könig der Bernina 46; die stimme des sängers hat einen warmen klang
oder auch, mit doppelter vermischung, eine warme klangfarbe; er versteht sich auf farbenprächtige ... warme klangwirkungen W. Niemann
die musik Skandinaviens 117. II@88)
oft wird etwas als noch warm (
früher und noch jetzt mundartlich auch also warm),
auch nur warm
bezeichnet, wenn noch nicht so viel zeit verflossen ist, dasz es sich abkühlte (
vgl. 4
b), warm
vertritt so häufig ein betontes neu, frisch (
dies zeigt ähnliche entwicklung)
oder auch das adv. sogleich. II@8@aa) warme milch,
frisch gemolkene (
vgl.kuhwarm): weil ich sie jetzt von der kuh gemolcken, davon sie noch warm
engl. comedien u. tragedien (1624) C 6
b; unsre schlippermilch ..., welche ... warm von der kuh gezogen wird Immermann
Münchhausen2 1, 7. warme '
frische' semmel
s. 3
a ε. noch warme speisen,
noch nicht durch abkühlen unschmackhaft gewordene: dieser Lurius Surius und Cochleus verdienen wol ein gut stuck specks fein warm ausz der pfannen Fischart
binenkorb (1588) 214
a.
daran knüpfen wendungen wie die folgenden: man nennt sie nur die extrapost der hölle. wenn Mephistofeles einen gelust bekommt, brauchts nur einen wink, und er hat den braten noch warm Schiller 3, 31 (
Fiesko 1, 9);
Leopold (
der den kaiser überredet hat, gegen Mathias ein heer aufzustellen). und nun die pferde! nichts theurer ist hier lands, als der entschlusz, man musz ihn warm verzehren, eh er kalt wird. Grillparzer
2 7, 97 (
bruderzwist 3).
in andern tritt das bild nicht so scharf hervor (
doch beachte brühwarm, auftischen): gedichte und allenfalls einzelne romane ... können, besonders so lang die mode warm ist, mit glück in der (
ungarischen) landessprache debitirt werden Grillparzer
2 9, 49.
besonders etwas warm wohin bringen, etwas kommt warm woher '
sogleich, eilends': und dürffen unsere schneider nur mit zwey worten sagen: diese mode komme nur gantz warm aus Franckreich, so ist es schon gut Thomasius
von nachahm. d. Franz. 32
neudr. am häufigsten von mündlichen mittheilungen: und darnach sagt ichs also warm. H. Sachs 8, 71, 3
Keller; liesest du erst ein wenig im bett? ein kapitel der bibel ... dasz du es warm mittheilst bei dem frühstück? Voss
Luise 2, 71; nun gleich mit den vorschlägen zum vater, und dann warm zu der tochter Schiller 3, 433 (
kabale u. liebe 3, 3); was bringst du mir? ... ein aufgebot zu neuer fehde, warm, wie sie (
eure mutter) es eben von des herolds lippen empfangen hat H. v. Kleist (1863) 2, 155 (
Käth. v. H. 2, 3); ich ... schlosz mich als studiosus meinen kameraden an, die mir die neuigkeit ganz warm auftischten Hauff 7, 45 (
mem. des Satan)
Hempel. von schriftlicher mittheilung: Fiesko. Dorias eigene unterschrift! — wo bringst du das blatt her?
mohr: warm aus den händen meiner Bononi Schiller 3, 89 (
Fiesko 3, 4); darf man der depesche des päpstlichen nuntius glauben, welcher die neuigkeit brühwarm an den staatssekretär ... meldete J. Scherr
hammerschläge 294. — die seltsame neuigkeit ... kam auch dem grafen Gombald warm zu ohren Musäus
volksmährchen 1 (1804) 130; da kam die mähre denn brühsiedend warm zu uns Alexis
hosen8 146. II@8@bb) warme fährte
ist eine frische, kalte
eine schon ältere v. Train
waidmanns neue practica 1, 162;
ähnlich Heppe
aufrichtiger lehrprinz (1751) 25: schon wird die meute laut, die auf der warmen fährte jagt!
neue preusz. zeitg. 1871
nr. 75.
hier knüpft wahrscheinlich an warms fusz '
sofort' Hier. Boner
bei Martin-Lienhart 2, 853
b,
vgl.auf heiszem fusze
th. 4, II, 907, auf frischem fusze
th. 4, I, 1, 973. 983. an warmer that
wie auf frischer that: daʒ dhain unser amptman chainen burger ... vahen noch benöten sol, an ... umb tewff, notnufft oder umb todschlag oder an der warm handtgetat Lori
gesch. des Lechrains 2, 51 (1332) (
nach dem lat. in flagranti?). II@8@cc)
noch eine ganze reihe anderer wendungen ergeben den sinn '
sogleich', '
bald', '
ohne verzug': in wart der geist enzuckit also frisch gedruckit und also sunden warme under deʒ tievil arme, der sol si iemer truten. H. v. Langenstein
Martina 216, 79; ein teufel gleich die seele nahm, so warm sie aus dem leibe kam. Uhland
ged.2 411; wo sie semlich verloren kinder ... ergreiffen, hencken sie die gleich als warm Wickram 2, 48, 12
Bolte; er wünschte mir 1000 übel auf den hals, sagte auch, er wollte mich in aller eil und noch jetzo fein warm hencken lassen
Simpl. 2, 303, 6
Kurz; allein ihr herz empörte sich nun gegen einen schritt, durch den sie ... die noch warme asche ihres vaters zu stören glaubte Pfeffel
pros. versuche (1810) 3, 43; so will ich mich lieber ungesäumt und bey warmem andenken an die arbeit machen, und ... übersezen
briefe die neueste litt. betreffend 16, 153; dasz er ..., noch warm von den umarmungen einer tänzerin, in die rathsversammlungen gehüpft kam Wieland 2, 237 (
Agathon 9, 8); der mund ist noch warm
vom sprechen, er hat eben gesprochen: mein bruder ist hier, und der mund ihm noch warm vom erzählen A. v. Droste-Hülshoff
briefe an Schücking 314. II@8@dd)
im alem. ist ase warm
üblich, sowohl im eigentlichen sinn (d' milich ase warm trinke),
als auch übertragen, sogleich Hunziker 287. Seiler 310
b;
aus erster hand, auf frischer that Martin-Lienhart 2, 853
a. II@99)
eine reihe von festen verbalverbindungen zeigt warm
sowohl in eigentlicher als in übertragenen bedeutungen. bei der formalen anordnung erscheint der bedeutung nach zusammengehörendes zuweilen an mehreren stellen; so die bedeutung '
behaglich, heimisch'
unter warm werden
c β 1)), warm sitzen
d γ, warm halten
i β 2)); '
reich'
unter warm werden
c β 1)) (Spiesz), warm sitzen
d γ, sich warm setzen
h β; '
ängstlich, bedrängt'
unter es wird mir warm
c γ 2)), warm sitzen
d β, warm machen
e β 2)), warm (
ins gefängnis) setzen
h γ, warm halten
i β 4)), mir wird kalt und warm 12
a δ; der kopf, das herz ist einem warm
a β, wird einem warm
c γ 2)), den kopf, das herz warm machen
e β 3)). II@9@aa) einem ist warm. II@9@a@aα) alsus überslief den tac der êren rîche und lasters arm lag al sanfte unt im was warm. W. v. Eschenbach
Parzival 581, 2; dann wann sie wer in Obis krug, da ist ihr ohn das warm genug. Gilhusius
grammatica (1597) 4, 2, 98; spricht wo sein groszer mann: mir ist gewaltig warm! so trucknet er die stirne Logau 3.
taus. zugabe 102, 88 (
s. 632
Eitner). II@9@a@bβ)
übertragen '
er ist in erregung': sie müssen doch bald kommen! ist mirs so warm ums herz, so ungeduldig Klinger
Otto 39, 31 (2, 7)
neudr.; all den tag ist es mir warm, wenn den süszen leib ich soll nachts umschlingen. Rückert
ges. ged. 4, 352.
ebenso der kopf ist mir warm,
la tête me bout Rondeau; mir ist der kopf ganz warm von dem projekt und wenn mir lange einer bange macht, so geht's nur schief. Tieck 1, 348 (
Octavian 2, 4). II@9@bb) warm haben '
warm sein',
mehr der umgangssprache angehörig, nach franz. avoir chaud (
doch s. u. 12
a γ warm und kalt haben),
selten bezeugt: calens, warm, das warm hat,
caliturus, das warm wirt haben J. Frisius
dict. (1556) 176
b;
elsäss. hes nanit warm '
noch keinen mut'? Martin-Lienhart 2, 853
b;
gelegentlich auch in der litteratursprache: und wenn ihrer achtunddreiszig (
grad) wären ... ich spür's nicht, ich habe nie warm v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 4, 442;
auch in Estland warm
und kalt haben Sallmann 2, 147. II@9@cc) warm werden,
calefieri, calescere voc. theut. (1482) nn 1
a. Dasypodius 452
b u. s. w. II@9@c@aα)
in eigentlicher bedeutung. II@9@c@a@11)) eʒ sol an eines knechtes arm mîn vrouwe nimmer werden warm.
Mai und Beaflor 81, 10; und da der könig David alt war und wol betaget, kund er nicht warm werden, ob man in gleich mit kleidern bedeckt
1. kön. 1, 1. — durch die bewegung wieder warm werden Steinbach 2, 943; sie waren alle warm (
vom tanzen) geworden Fontane I, 5, 143; das pferd ist noch nicht warm geworden, wenn es eine meile zurückgeleget hat, wird es schon besser gehen Rondeau; so wie ein stät'scher gaul bocksteif ist eine frist, und erst gelenk wird, wenn er warm geworden ist. Rückert
werke 8, 465 (
weish. des brahm. 8, 168). II@9@c@a@22))
von kalt zu genieszenden getränken, lau werden, abstehen: unterdessen hatte man das bier nicht warm werden lassen
M. Meyr
erzählungen aus dem Ries (1868) 1, 247. II@9@c@bβ)
übertragen. II@9@c@b@11))
sich wohl fühlen, heimisch werden, sich einleben, auch reich werden (
vgl. 5): ein man sî rîch, ein man sî arm, vrô Êre diu enwirt bî ir deheines sîten warm, dâ si sich veile erkennet:er sælic man, der Êre unveile hât! Reinmar von Zweter 74, 5 (
s. 448)
Röthe; wenn sie (
die ehemänner) nur einmal bey ihren weibern wieder warm werden, so erzehlen sie ihnen alles miteinander Stranitzky
Fuchsmundi 202, 20
neudr.; elsässisch worm wore '
bequem, behaglich' Martin-Lienhart 2, 853
b;
dagegen nicht warm werden '
zu nichts kommen' Spiesz 275. — auf einem sitze, in einem amte, besitze warm werden (
im ersten beleg überwiegt noch die eigentliche bedeutung): sie waren kaum warmgeworden auf ihrem sitze (
im wirtshaus), als sich auch schon ... J. Messner
ausgew. werke 100; er war kaum warm auf dem thron geworden, da ward er schon wieder herunter gestoszen Ludwig 2384; der gast ist kaum warm in seinem nest, so geht das critisiren, sticheln, tadeln ... an
F. C. v. Moser
der herr u. d. diener 263; allmählich wird der jollenführer auf seinem posten warm und tritt zu den stammgästen seiner jolle in ein gewisses verhältnisz H. Smidt
marinebilder (1859) 214. — in einem orte warm werden,
sich einbürgern; kaum warm geworden sein an einem orte,
sich noch nicht lange daselbst aufhalten Nieremberger: wie das Sorbán vernahm, der noch im zug war und noch nicht warm in Burzenland war worden, so muszte er auch sein müdes und hungriges volk in die schlachtordnung stellen
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 4, 19, 25 (1611); um nicht von Wolfenbüttel aus wieder eine reise thun zu dürfen, ehe ich noch da warm geworden Lessing 12, 245; dasz ich schon 1764, kaum als ich in Geiszlingen warm wurde, mich ... verheurathete Schubart
leben u. gesinnungen 1, 103; se is dor nog nig warm worden,
sie ist da nur kurze zeit gewesen Dähnert 539,
ähnlich Brendicke 191; wann die dienstleut' amal warm werden (
bei einer herrschaft), san s' keck Hügel 185. mit einem,
sich befreunden: sie wuszte, welcher art die geselligkeit sei ..., sie war mit den frauen der forstleute nie recht warm geworden W. v. Polenz 7, 383. —
dann auch von unpersönlichem: als es (
das suffix -ieren) einmal bei uns warm geworden war, versuchte man es auch an deutsche stämme zu hängen J. Grimm
kl. schr. 1, 345. —
noch in anderen anschaulichen wendungen wird das längere verweilen von gegenständen an einer stelle durch warm werden
ausgedrückt: wem der bettelstab einmal in der hand warm geworden ist, der thut nirgends mehr gut Riehl
die deutsche arbeit 121; ich mag kein geld, das in ihrer tasche warm geworden ist, ... zahlen sie's in die bundescasse Gutzkow (1872
ff.) 8, 145. II@9@c@b@22))
in erregung, leidenschaft (
inbrunst, liebe, begeisterung, zorn u. s. w.)
geraten, in schwächerem sinne '
aufthauen' (
ältere belege s. 6
a): du ... sahest zu, der betrügerin (
dem glück), wie sie ihren günstling mit kleinen glükskarten lokte, bisz er warm ward, aufstand, die bank foderte Schiller 3, 130 (
Fiesko 4, 14); du setzest ein misztrauen in mich. wart, lasz mich erst warm werden; du sollst wunder sehen ... riesenplane gähren in meinem schöpfrischen schedel 2, 35 (
räuber, schauspiel 1, 2); der leser musz warm werden wie der held, oder der held wie der leser erkalten 4, 63 (
verbrecher aus verl. ehre); ich werde warm, entzückt, begeistert Ramdohr
an Böttiger, Göthejahrbuch 1, 316; klügere mitglieder wuszten jedoch die schon warmgewordenen zuhörer sogleich wieder mit kaltem wasser zu begieszen Novalis 2, 34
Minor; sie (
die schauspieler) spielen nicht eher gut, als bis sie warm werden Solger
nachgel. schriften (1826) 1, 20; als ich bald bemerkte, dasz sie sich sonderbar gemessen gegen mich betrugen und nur wärmer wurden, wenn ich wieder ein geldstück auf die strasze brachte G. Keller 1, 143; nur wenn's den herrn betrifft, da werd' ich warm, und unbewuszt flieszt mir das lob vom munde. Deinhardstein (1848) 4, 28; herr oberpriester, fiel ihm der archon, der endlich auch warm zu werden anfing, ins wort, sie sind ein empfindlicher mann wie ich sehe Wieland 20, 225 (
Abderiten 5, 5); der brave alpmeister war am Sennwalder rotwein warm geworden. und bei donner und blitz, schalt er weiter, was soll das heiszen? Scheffel
Ekkeh. 428; unser rat sagte, ich dürfte es schon hören und wissen, dasz der Wilmans ein tropf sei ... allgemach wurde er warm und schlug grimmig in den tisch hinein L. Thoma
kleinstadtgeschichten 78; er ist warm wórde,
er ereiferte sich Hunziker 287; worm wore '
keck, frech, grün' Martin-Lienhart 2, 853
b. — das herz wird warm: nein, freund! mein herz wird warm, es glühet, es zerflieszt, je mehr ich meinen becher fülle. Boie
im Gött. musenalmanach 1771, 79 (87, 3)
neudr. II@9@c@gγ) einem wird warm. II@9@c@g@11))
von der sonne, dem feuer, von anstrengung: ich ging mit Tischbein nach dem Petersplatze, wo ... es uns zu warm wurde Göthe
briefe 8, 63
Weim. ausg.; und wenn's ihr (
beim tanze) taumlig wird und warm. Göthe 1, 18
Weim. ausg.; der riese ... sprach zu ihm 'es ist uns warm geworden bei dem kampf, wir wollen uns erst im flusse baden' Grimm
märchen (1843) 2, 200. II@9@c@g@22))
übertragen '
er ist in miszlicher lage, angst, unruhe, zorn': es wird mir warm bey der sache,
conficior angoribus Stieler 2435; es wird dir warm genug werden Dentzler 2, 342; es wird ihm warm vor der stirn,
exardet iracundia Stieler 2435 (
vgl. 6
c α Bode); dem ritter wurde (
vor erregung) zum schwitzen warm. Wieland 21, 81 (
Gandalin).
meist nur '
er wird von empfindungen, gedanken bewegt': nun du mir davon sprichst, wird's mir ja ganz warm im kopfe Gerstenberg
Ugolino 224, 11
neudr. im herzen, ums herz: dem weiblein ward im herzen warm. Ramler
fabellese (1783) 2, 355; es wird dir warm um's herze. Göthe 9, 60 (
mitschuld. 1, 6)
Weim. ausg. der kopf, das herz, die ohren werden ihm warm: wo er von der bekehrung seines heimatvolkes ... spricht, wird ihm das herz warm und seine erzählung ausführlich Freytag 17, 255 (
bilder 1, 4); schlimme umstände! kein wunder, wenn ihnen der kopf warm wird! Ch.
F. Weisze
lustspiele 3, 200; de kopp wurt mi warm,
ich geriet in eifer Dähnert 539; ein paarmal gar riskiert' er (
der redner) liberal zu sein ... doch wurden ihm die ohren sichtlich warm dabei. Mörike 1 (1905) 234. II@9@c@g@33))
aber auch '
es wird einem wohl, behaglich': und wie bey ihren ersten worten ihm's wieder auf einmahl so heimlich und warm und lieblich bang ums herz geworden. Wieland 21, 63 (
Gandalin); mir wird's so wohl in deinem arm, so frei, so hingegeben warm. Göthe 14, 176 (
Faust 1, 3492)
Weim. ausg.; da ward's mir doch gleich so warm und herzlich dabey Fr. Müller 1, 228; es wird einem warm und zufrieden bei ihr A. Schnitzler
Anatol 117. II@9@dd) warm sitzen. II@9@d@aα) es gehört mit unter die läufigen anmerkungen unserer ... ärzte, dasz der landmann des winters zu warm sitze J. Möser
werke 2, 281. II@9@d@bβ)
sarkastisch warm sitzen,
in der hölle sitzen: mich dünckt sie werden fein warm sitzen, bey dem reichen manne
von dem itzigen zustande der kipper und wipper (1621) 103
a;
im gefängnis sitzen Frisch 2, 423
c. Nieremberger: diesen schlechten trost hatte sie, dasz Joseph sein lebtag keinem andern weibsbild zu theil werden könte, weil er so warm sasze Grimmelshausen 4, 783, 4 (
Joseph)
Keller; so fern sie dich ertappen, so wirst du wol warm sitzen Stranitzky
Fuchsmundi 344, 20
neudr. dann auch '
in verlegenheiten sein' Rondeau. II@9@d@gγ)
bildlich '
behaglich sitzen': ich meint gar offt, ich sesze warm, und hett im bad eyn guote hitzen: do muost ich schentlich nider sitzen zwischten zweyen kleynen stielen. Murner
schelmenzunft 19, 2
neudr. übertragen '
in sicherheit und ruhe leben': wir sind bisz hieher fein warm gesessen, denn wir haben obrigkeit gehabt, die mehr zu freundligkeit und frieden, denn zu krieg und blutvergieszen lust gehabt Mathesius
Sarepta 89
a; ihr sitzt hier warm. wir, in feindes land, muszten derweil uns schlecht bequemen. Schiller 12, 22 (
Wallenst. lager).
besonders aber '
behaglich leben können, sein gutes auskommen haben, reich sein' Stieler 2436. Ludwig 2384: zum dritten sprach ein fraw gantz arm: ach gott, ir sitzet bayde warm in ehr und gut vorhin erworben. H. Sachs 5, 244, 2
Keller; man freyt die wittben wol, man freyt auch ihre heller. wird iemand drum verdacht? wir sitzen warm und fest. Gryphius
gedichte 544, 94
Palm; es (
die hofmeisterstelle) ist ein gut plätzchen, worauf ein ehrlicher mann warm sitzt
F. Müller 3, 113; hätt' ich nur mich beugen ... mögen und können, dann säsz' ich warm und wäre gut versorgt Holtei 40
jahre 6, 112; bis der entscheid kam, sasz er (
der vicar) dort so warm wie ein richtiger pfarrer Anzengruber
3 3, 106 (
dorfgänge 1);
mundartlich auch bei Ruckert 193. Spiesz 275.
wb. der luxemb. ma. 476
a. Leihener 131. Woeste 316. De Bo
2 1182. warm zu sitzen kommen,
sich reich verheiraten: warm to sitten kamen ten Doornkaat Koolman 3, 517. Dähnert 539. II@9@ee) warm machen. II@9@e@aα)
wärmen voc. inc. teut. C 2
b. Dasypodius 452
b. Stieler 2435. II@9@e@a@11))
mit acc.: er hiesz an vier enden fewr machen der ellenden ... er salbet sy allenthalben mit der guten salben. er machte sy zu allen seyten warm. H. v. Neustadt
Apollonius 2700
Singer; dô nam si in sider an den arm und machte in vollîchen warm.
gesammtabenteuer 3, 58, 546.
die stube: geh, magdt! mach in die stuben warm! H. Sachs 9, 4, 18
Keller. getränke und speisen: man waschet ihm den leib mit warmgemachtem wein. Neumark
fortgepfl. lustw. (1657) 2, 104; speise wieder warm machen,
aufwärmen Ludwig 2384. II@9@e@a@22)) einem warm machen: Meljanz ein sper ouch muose tragn, daʒ stacte dem helde durch den arm: bluotec sweiʒ im machte warm. W. v. Eschenbach
Parzival 385, 22; der tod liegt ihr am arm und macht ihr doch nicht warm. Logau 2, 2, 46 (
s. 257
Eitner); da ist der kaffee, ... er wird dir warm machen Stifter (
Prag 1901 ff.) 5, 1, 244.
durch körperliche anstrengung: so magstu jetzund auch wol springen, und machen dir mit tantzen warm. Waldis
Esopus 1, 84, 31
Kurz; er setzt ihr nach, sie läuft, er macht ihr warm, und jagt sie, wie ihr wiszt, zuletzt in Idris arm. Wieland 17, 295 (
Idris u. Zen. 5, 108, 7). II@9@e@a@33)) es macht warm,
vom wetter, von Kinderling 66
als gallicismus getadelt, elsäss. Martin-Lienhart 2, 853
a.
schweiz. Hunziker 247.
schwäb. Fischer 4, 1361;
aber auch bei Mitteldeutschen: hauptmann. Freilich! wiszt ihr dasz wir schon um hundert geschmolzen sind?
ritter. drum geschwind, eh der ganze eisklumpen aufthaut; es macht warm in der nähe, und wir stehn da wie butter an der sonne Göthe 8, 98 (
Götz 3)
Weim. ausg.; 's hat heint warm gemacht, und du willst ein biszle ins wasser O. Ludwig 2, 74. II@9@e@bβ)
übertragen. II@9@e@b@11))
mit acc. '
erregen, begeistern'
u. ä. (
vgl. auch 6
a): sie machen mich nicht warm, sondern böse, wenn sie die religion auf eine so zurücksetzende art ins spiel mischen Herder 15, 262
Suphan. '
abmühen': doch so manches ritters arm machet ihn von allen seiten und mit solchen hieben warm. Schönaich
Heinrich der Vogler (1757) 132; gelobt sei uns die ewge nacht, gelobt der ewge schlummer, wohl hat der tag uns warm gemacht, und welk der lange kummer. Novalis 1, 53
Minor. mundartlich '
einem scharf zusetzen, ihn ärgern' Hügel 185. Follmann 530
b.
wb. der luxemb. ma. 476
a. II@9@e@b@22)) einem warm machen,
ihm zusetzen im kampfe, im wortgefecht, ihn in die enge treiben, in unruhe versetzen, '
bange machen' Dentzler 1, 107: do grubend si ouch vast ... under den schirmen ... und machtend denen in der vesti gar warm und angst Tschudi
chron. helv. 2, 415; wobei sich Archimbald recht von herzen freute, dasz nun doch die adlerrüstung dem zierlichen Folko von Montfaucon noch einmal warm machen werde Fouqué
zauberring2 1, 89. — ein glück, dasz ich solch einen schwiegersohn bekomme, meine liebreiche ehehälfte hätte mir sonst warm gemacht Stephanie
d. j.
singspiele (1792) 164, 15; ihr habt mir diesmal mit all euern vorschlägen warm gemacht Storm 7, 177. —
anders: einem warm machen,
ihm viel kosten verursachen Spiesz 275. —
mit unpersönlichem subject: ein mägdlein, dem ein traum hat etwa warm gemacht. Logau 1, 8, 35 (
s. 169
Eitner); der verlust macht manchem warm wenn uns nichts zu fürchten stehet, denn gottlob! wir sind schon arm. Stoppe
Parnasz im Sättler 40; nun, Fanias? macht dir mein antrag warm? Wieland 9, 33 (
Musarion 1); mir macht die sache sehr warm, und manchmahl sehne ich mich zu meinen stillen studien zurück Dahlmann,
briefwechsel zwischen J. u. W. Grimm, Dahlmann u. Gervinus 1, 25; ja, ja, diese augen haben der Leonore ganz warm ums herz gemacht J. E. Schlegel 5, 153. II@9@e@b@33)) einem das herz warm machen: die hier ... macht mir (
auf das herz deutend) den fleck da warm, und sie sucht' ich zu bekommen. Müllner
dramat. werke (1828) 1, 39. einem den kopf warm machen,
ihn nachdenklich machen, in argwohn, sorge, aufregung versetzen, stomachum alicui facere, movere Nieremberger: sie (
die briefe) nützen nichts als mir den kopf warm und das herz und gemüth unruhig zu machen Mozart
bei O. Jahn
Mozart 3, 25; sorg nur, dasz du ihm den kopf recht warm machst, was zu denken giebst — wenn er zu tisch' kommt, dasz er sich nicht lange bedenke, bey der unterschrift. Schiller 12, 132 (
Piccolomini 3, 2); spanische, deutsche, caraibische ... namen ... machten den genealogisten nicht selten den kopfwarm C. Fr. Cramer
Neseggab 1, 124;
abwehrend machet mir den kopff nicht warm damit,
do not heat my brains with it Ludwig 2384; macht mir den kopf nicht warm, mit eurer erzählung! Göthe 12, 52 (
Lila 1)
Weim. ausg. sich den kopf warm machen: Hans machte sich den kopf warm mit allerley entwürfen Hippel
lebensläufe (1778), 3.
theil bd. 1, 284. sich den kopf warm lassen machen: herr stadtrath Bockböse ... ist ein kühler mann, und sein drittes wort ... ist: 'ich lasse mir den kopf nicht warm machen' Raabe
Horacker (1876) 114. mit,
früher auch von etwas: es ist mir eben lieb, dasz ich mir den kopff nicht habe dürffen warm machen lassen von ihren tollen discoursen Stranitzky
Fuchsmundi 33, 31
neudr. früher auch die stirn, die haut warm machen: diese reden machten meinem printzen die stirn ziemlich warm v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 282;
einen tribulieren, die haut warm machen,
calefacere aliquem Apinus
gloss. nov. (1728) 265. einem die ohren warm machen,
durch klagen, aufhetzen u. dgl. II@9@ff)
technisch warm thun '
heiszt die hitze im probirofen vermehren' C.
F. Richter
berg- u. hüttenlex. (1805) 2, 610 (
vgl. Jacobsson 4, 593
b). II@9@gg) warm geben,
landschaftlich im südwesten (
s. auch u. 12
a β Wieland). II@9@g@aα)
warm machen, erwärmen, mit dat. (
vgl. th. 4, I, 1700. 5, 85): inen syn guot dchin schlecht erbere hendschuo gnuog, die inen warm geben Keisersberg
bilg. 102
c; ob gleych wol etlich sagen, er (
der eichhornbalg) gebe dem menschen vil wermer dann ander fälwerck
Gesner thierbuch v. Herold
u. Forer (1563) 13
b; der h. schultheisz antwortet: wann er (
der pelz) mir gerecht ist, so gibt er meinem weyb ... auch warm
Lalebuch 79
neudr.; auch fieng ich nach und nach an, meines (
verstorbenen) rittmeisters zu vergessen, weil er mir nicht mehr warm gab
Simpl. schr. 3, 27, 32 (
Courage 5)
Kurz. absolut: ist er (
der herd) gleich arm, so gibt er doch warm Kirchhofer 189; es war der schönste himmel, die sonne gab warm J. v. Müller (1810
ff.) 10, 126; der lieb gott im himmel und 's schätzli am arm: der lieb gott macht selig und 's schätzli git warm.
Schweizer volkslieder 1, 215
Tobler. II@9@g@bβ)
gut sorgen für einen: und ist a mutter no so arm, so git si ihrem kind no warm. Kirchhofer 348,
ähnlich Hunziker 287. II@9@hh) warm setzen, stellen. II@9@h@aα) das essen warm setzen,
auf den ofen Rüdiger 2, 128; und wenn ich es (
das essen) nicht warm stelle, ist es auch nicht recht Fontane I, 6, 29. II@9@h@bβ) sich warm setzen,
sich in gute umstände bringen: ich könnte mich ... aus allen ängsten dadurch ziehen und wieder warm setzen, dasz ich meine loos-nummer mit einer schwachen einbusze verkaufte J. Paul
herbstblumine 3, 151; das mädel ... verschlägt mir am end einen wakern ehrbaren schwiegersohn, der sich so warm in meine kundschaft hineingesezt hätte Schiller 3, 359 (
kab. u. l. 1, 1);
fränk. dar kann si warm setz,
ist in guten verhältnissen Ruckert 193. II@9@h@gγ) warm setzen '
einsperren': na! endlich haben wir einmal diese schlingel! vogel, man wird ihn warm setzen! Hackländer
3 7, 81 (
handel u. wandel). II@9@ii) warm halten. II@9@i@aα)
wärmend einhüllen, '
warm zuodecken, fovere' Maaler 484
b.
jemand, einen körpertheil: er hält den arm warm (
mit umschlägen) Steinbach 2, 943; was soll heiszen der lange fuchsschweiff um den halsz? habt ihr dann ein katharr, dasz ihr also den halsz warm haltet Abr. a S. Clara
Judas (
Cöln 1687) 1, 93: ferner ist zu bemerken, dasz kinder nicht sehr warm gehalten werden müssen, denn ihr blut ist an sich schon viel wärmer Kant 10, 402; eine schöne seidne schärpe, die er ... unter dem vorwande, den leib warm zu halten, umband Göthe 22, 15
Weim. ausg.; er hat den knaben wohl in dem arm, er faszt ihn sicher, er hält ihn warm. 1, 167.
essen, getränke warm halten: ein gebratenes warm halten Krämer 1210; ich habe auf die milch wieder vergessen, dasz ich sie warm gehalten hätte Stifter
werke 3, 268.
kleidung, feuer u. ä. hält warm: ein beckelhaub würd den narren wärmer halten Fischart
groszmutter 6
neudr.; diese stämme verbrennen hier am herde, auf ein kurzes stündlein mich warm zu halten. Lenau
ged. (1857) 1, 244. II@9@i@bβ)
übertragen II@9@i@b@11)) einen platz für jemand warmhalten,
ihn freihalten: und wenn dir's in Halbenau nich gefallen will, dann denk' an Häschken. ich wer' dir'n platz hier warmhalten W. v. Polenz
Büttnerbauer 420. II@9@i@b@22))
mit sorgender liebe hegen und pflegen: wer gott liebt, bleibet gottes kind ... er sitzet in des vaters arm; er gibt ihm schutz, der hält ihn warm und spricht: sei unerschrocken! P. Gerhardt 13
Gödeke; das schicksaal habe seine mutterhand über dir und halte dich so warm, wie's mich hält Göthe
briefe 3, 188
Weim. ausg.; er schreibt 'halte meine mutter warm, und behalte mich lieb' Bettine
Göthes briefwechsel mit einem kinde (1835) 2, 23; 't ass kèng mamm (
mutter) so
u ârem, se hält hir kanner wârem.
wb. der Luxemb. ma. 275
a.
mit unpersönlichem object: bis dahin halte das ideal von ihm warm in deinem busen Klinger (1809
ff.) 3, 127; er reiszt noch frau und kindern die kleider vom leibe, damit er nur seinen eigensinn warm halten kann O. Ludwig 3, 54 (
erbförster 2, 8). II@9@i@b@33))
dann auch '
sich jemandes gunst zu erhalten suchen',
tenere aliquem captum Frisch 2, 423
c;
pousser quelqu'un vivement Rondeau: ihr jungfern, haltet doch die junggesellen feste, ... ach haltet sie recht warm. Picander
gedichte 3, 252; zu Colchis sah man Müllern als einen neuen günstling des fürsten an, den man, wie sie sagten, warm halten müszte Laukhard
annalen der universität zu Schilda 1, 429; doch waren sie klug genug, 'diesen neuen alliirten Frankreichs' durch schmeicheleien warm zu halten Treitschke
d. gesch. 4, 419. II@9@i@b@44))
auch '
einen nicht zur ruhe kommen lassen, ihn peinigen',
lacerare, vexare Stieler 2435: die vierte königliche schwedische brigade ... ward von des feindes stücken ... ziemlich warm gehalten, und retirirte sich ein weinig v. Chemnitz
schwedischer krieg (1648) 1, 465; die tapffern Deutschen aber hielten den Tiberius damahls so warm, dasz er mehr das seinige zu schützen, als frembden etwas zu erwerben bedacht seyn muste Lohenstein
Arminius 2, 1620
b; dasz wenigstens der mann ... zuweilen den text lieset und wettert; was aber auch die frau mit dank erwiedert, indem sie den gatten gleichfalls durchnimmt und warm hält J. Paul
nachdämmer. (
bd. 34) 76; he heeld em brav warm,
er trieb ihn ... sehr in die enge Dähnert 539. II@9@i@b@55))
beim gelage zurückhalten, berauscht machen, mergere vino Stieler 2435:
Terzky. wie sieht's an eurer tafel aus? ich hoffe, ihr haltet eure gäste warm?
Illo. sie sind ganz kordial. ich denk' wir haben sie. Schiller 12, 159 (
Piccolomini 4, 3). II@9@i@gγ) sich warm halten,
frigora fugere Stieler 2435,
ähnlich Frisch 2, 423
c: wenn man heym-kommet ausz dem bad, dasz sich ein mann gantz warme halt. H. Sachs 17, 321, 26
Keller-Götze; halte dich warm mit kleidern Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 250. sich den magen warm halten,
bildlich '
sich ängstlich sichern'
: pater. ist das das drachen nest? — mit eurer erlaubnis, meine herren! ich bin ein diener der kirche, und drauszen stehen siebenzehnhundert, die jedes haar auf meinen schläfen bewachen.
Schweizer. bravo! bravo! das war wohlgesprochen sich den magen warm zu halten Schiller 2, 100 (
räuber, schauspiel 2, 3). II@9@i@dδ)
im particip: wilde widder ... mit warmhaltenden wollpelzen Ritter
erdkunde 2, 341. II@9@kk) einem warm betten '
ihn in behagliche verhältnisse bringen': Langen-Nauenheim ist eines jener nordhessischen dörfer, die mitten im herzen Deutschlands liegen und denen doch nicht so warm gebettet ist, wie es an der brust einer so groszen mutter ... sein sollte Gutzkow
zauberer von Rom 1, 3. II@9@ll) warm
als verbalergebnis bei verben mit dem refl. pron.: sich warm gehen, laufen Rondeau; wer auf dem Harze friert, kann sich nicht in Arabien warm spatzieren Gleim
briefwechsel 1, 312
Körte; da sitzt der held, statt zu streiten, warm im herzen des dichters — warm, weil er sich warm gelaufen Börne (
Hamb. 1829 ff.) 1, XIX;
daher warm laufen, warm gehen,
von der reibung ausgesetzten maschinentheilen, achsen, wellenlagern u. dgl. v. Hoyer
u. Kreuter
5 1, 831
b. Dabovich 1, 547
a. Eitzen 840
a. — sich warm arbeiten Adelung; doctor Schelle macht seine sache ganz gut, nur will es mit dem styl noch nicht recht fort, besonders anfangs; es ist als wenn er sich erstlich warm schreiben müszte Göthe
briefe 17, 9
Weim. ausg.; lern ein glas leeren, nur mit maaszen ... sich am wein warm trinken, heiszt menschlich werden Hippel 1, 217 (
lebensl. 1); diese nacht ist zu schwül, um sich noch den kopf warm zu philosophiren. werfen sie ihren Schopenhauer beiseite Heyse
kinder der welt 1, 7. II@1010)
das substantivirte neutrum das warme (
vgl. auch das kalte
th. 5, 86)
kann II@10@aa)
z. b. warme kleidung, die wärme des körpers, der sonne, der stube, des ofens u. s. w. bezeichnen: und swaʒ er warmes an geleit, daʒ giht er eʒ sî wirtes cleit. Hartm. v. Aue
Iwein 2817; in ir genâde dô nam diu junkvrouwe lustsam den gesunden siechen. der begunde kriechen zuo ir an daʒ warme.
gesammtabenteuer 3, 55, 449; der lenden marck verrinnet und ich dorr' aus wie grasz, das man am warmen sönnet. Fleming 23; wie froh jeder war, bei so üblem wetter im trocknen und warmen zu sitzen Laube (1875
ff.) 5, 72;
ironisch er huckt im warme, im druckene,
im zuchthaus jahrb. f. Elsasz-Lothr. 11, 131. ebbs ins warme dun,
warm halten Follmann 530
b; z warme tue,
an die wärme stellen, aufwärmen Greyerz 23. II@10@bb)
besonders aber '
warme speise, warmes getränk'; etwas, nichts warmes: damit aber die kinder gleichwol etwas warms in leib kriegen möchten
Simplic. schriften 2, 70 (
vogelnest 1, 13)
Kurz; eh will ich mit meiner geig' auf den bettel herumziehen, und das konzert um was warmes geben Schiller 3, 359 (
kab. u. l. 1, 1); geh doch zu bett. ich will dir etwas warmes machen Pestalozzi 2, 61; komm hinein und nimm ein bischen brod, bis ich warm's (
kaffee) gemacht Gotthelf 4, 62; er fand zur erquikung, gott erbarms! weder thee, kaffe noch sonst was warms. Kortum
Jobsiade (1799) 2, 67; gnädige herren, einen bissen und trunk, haben heut noch nichts warmes gegessen. Schiller 12, 15 (
Wallensteins lager); ein bissen, ein löffel, ein tropfen
u. dgl. warmes: wenn ihr mich 'nein lieszet, und gebt mir ein tröpfchen warmes, ... es würde mir ... besser
theater der Deutschen (1768
ff.) 16, 160; mir thät ein löffele warm's noch nöther Herm. Kurz
der sonnenwirth 2, 180.
in den mundarten: Martin - Lienhart 853
a. Seiler 310
b. Schöpf 802 (
besonders suppe); wärms (
daneben wärmb,
n. '
warme frühstückssuppe',
s. o. I 5) Hönig
2 199
a; barmez '
suppe' Schmeller
cimbr. wb. 171; wat warmet Brendicke 191.
übertragen '
prügel': do gab ich im warms mit einem schlag.
schweiz. schausp. 3, 34, 412; es setzt was warmes, aber nischt gekochtes Albrecht 233. '
vorwürfe': einem warms geben,
das gewissen heisz machen Seiler 310
b. das warme '
warmes fieber'
s. o. 4
c. II@10@cc)
es zeigen sich auch ansätze zu einem neutr. warm (
s.kalt,
n. th. 5, 85),
das aber vereinzelt bleibt. bei den älteren nhd. belegen kann auch abfall des endungs-e
vorliegen (
s. auch Lehmann
oben 2): sonder gleich so wol das kalt brennt als das warm Paracelsus (1616) 2, 5
c; so setzt sie die ins warm daheim, und lesset sie auszblhen fein. Rollenhagen
Froschmeuseler (1595) N 3
b; dasz warm ist menschen mehr als kaltes angeboren, dem fürsten sey die güt als schärffe mehr erkoren. Logau 2, 3, 68 (
s. 289
Eitner); selbst die veränderung des wetters dieser zeit vermehrt, durch warm und nasz, der erde fruchtbarkeit. Brockes
4 2, 524; dasz gott erbarm! der meint, ich sehnte mich zurück in's deutsche warm, in's dumpfe deutsche stuben-glück! Nietzsche
gedichte und sprüche (1898) 120.
rotwälsch warm,
das zimmer (
daneben wärm) Kluge 1, 354 (
Prag 1821). II@1111)
beliebt ist die allitteration weich und warm: hart arbeiter die macht ich arm, die feyrer setzt ich weich und warm. H. Sachs 22, 218, 19
Götze; gieb mir die hand, — wie weich! wie warm! Ramler
lyr. gedichte (1772) 299; sie schien belebt, und weich, und warm, war nur von kaltem stein. Göthe 37, 40
Weim. ausg.; doch will ich mich ihm entziehen, trifft sein blick mich weich und warm. Grillparzer
2 2, 66 (
ahnfrau 2);
auch bei Tauler
pred. 123, 25. P. Gerhardt 47, 30
Gödeke. Lenau
ged. 1, 277; he sitt warm un wêk '
ist im wohlstande' Wander 4, 1785. warm und wohl: ich kann nicht warm und wohl daran (
an Klopstocks oden) werden, es ist mir als wenn ich steine essen müszte Zelter
an Göthe 2, 43 (
nr. 186).
bei Göthe
häufig wahr und warm: der ton des colorits ist wahr und warm 32, 285
Weim. ausg.; (
dies) wünschte ich wohl so wahr und warm aussprechen zu können, als ich es fühle 41, II, 385; einen trefflichen freund so wahr und warm ... wieder zu finden
briefe 21, 419; sie werden viel wahres und warmes (
im musenalmanach) finden 2, 111; er (
ihr bräutigam) ist wahr und warm v. Ebner-Eschenbach (1893) 6, 35; wo ich so grenzenlos, so warm, so wahr mich angebetet glaubte. Schiller 5, II, 243 (
Don Carlos 2, 9). II@1212)
unter den redensarten mit warm
heben sich II@12@aa)
einige hervor, die die zusammenstellung warm und kalt
zeigen. II@12@a@aα) warm und kalt '
des lebens notdurft': er hâte alles des gnuoc des diu werlt guotes getruoc; er hâte kalt unde warm: an der sêle was er arm. Otto von Freising
Barlaam 79
Perdisch; dazu stimmt gut die schon unter kalt
th. 5, 85
wiedergegebene rechtsformel bei Zedler 15, 133. kaltes und warmes daran setzen
bei Ayrer
s. th. 5, 86. II@12@a@bβ) weder warm noch kalt '
lau, nicht entschieden partei ergreifend, zweiächslig, doppelzüngig'
u. ä. geht auf offenb. Joh. 3, 15
f. zurück (
vgl.kalt th. 5, 81): ir sult niht sin der vürsten rat, ir schende gast, ir sit weder kalt, noch warm, gelüppet ist iu der zungen last.
minnesinger 3, 109
b Hagen; dan sye nit christen seind, aber christheyden und heydenchristen, weder hund noch hunden, weder kaldt noch warm Eberlin v. Günzburg 2, 50
neudr.; der eine spricht: er sey weder kalt noch warm, er henge den mantel auf beyden achseln
Reinicke Fuchs (
Rostock 1650) 342.
positiv ausgedrückt: Luther, Brentius ... sein anderst gesint, Bucerus ist ain weil kalt, ain weil warm, in dem fall J Nas
antipap. eins und hundert 1, 7
b; ich will von keiner neutralität nichts wissen noch hören. sr. lbd. musz freund oder feind sein. wenn ich an ihre grenzen komme, musz sie kalt oder warm sich erklären
bericht v. Wilmerstorffs
an den kurf. v. Brandenburg bei K. G. Helbig
Gustav Adolf 14. weder warm noch kalt
weniger scharf '
nur mäszig im innern bewegt': ich empfing die absolution und entfernte mich weder warm noch kalt Göthe 27, 126
Weim. ausg. von reden, lehren, schriften '
zweideutig, unbestimmt, nichtssagend': die warent gescheit und gabent in herwider wort, die weder warm noch kalt warent Meisterlin,
städtechron. 3, 142, 8; ihr schmecken etwas in der astronomia, etwas in der philosophia, etwas in der logica: aber das ihr schmecken, ist weder kalt noch warm Paracelsus (1616) 1, 84
c; die darinnen enthaltene recension ist ... weder warm noch kalt Göthe
briefe 19, 27
Weim. ausg. weder kalt noch warm machen,
ziemlich gleichgültig lassen: wenn Bürgern ein neues buch von der art vorkam, die einen weder kalt noch warm macht W. Schlegel,
Athenäum 1, 2, 33; ich bewunderte ihren (
der gedichte) wohlklang, des dichters reife künstlerschaft ... und die wärme und zartheit seiner empfindung, und doch, sie machten mir weder kalt noch warm Heyse
jugenderinnerungen 51.
ebenso weder warm(es) noch kalt(es) geben '
nichts nützen': ich gsichs schon leyder gott erbarms es gibt mir weder kalts noch warms. H. R. Manuel
weinspiel v. 3951
neudr.; der gute Sokrates hätte mit aller seiner weisheit, die am ende den Athenern weder warm noch kalt gab, ihrentwegen noch lange leben können Wieland 34, 38 (
Aristipp 2).
mundartlich net warm a net kâl,
gleichgültig wb. der luxemb. ma. 476
a;
dann auch '
wertlos': zęs nįt khōlt ųn nįt wærmə,
es ist nichts rechtes Hentrich
Eichsfeld 59; dis is nit für warm un nit für kalt,
damit ist gar nichts zu erreichen Martin-Lienhart 2, 853
b. II@12@a@gγ)
ähnliche bedeutung wie weder kalt noch warm sein
hat warm und kalt aus einem munde blasen (
nach Äsop
fab. 26)
von schwankender gesinnung '
auff beiden achslen tragen' Henisch 10, 58 (
vgl.kalt th. 5, 81): mit solchen knaben wolt ich nicht gern zu schaffen haben, so jetzundt warm, und darnach baldt ausz eim mundt blasen warm und kalt. Alberus
fabeln 111 (23, 147)
neudr. häufig bei Luther: das heiszt warm und kalt aus einem maul blasen, wenn ich sage, der glaube macht gerecht und ist doch on werck nichts 6 (
Jena 1557) 111
b,
ähnlich 7, 641, 19. 30, iii, 289, 33
Weim. ausg. sprichwörtersammlung nr. 136
Thiele; ferner bei Agricola
sprichw. (
Hagenau 1534) L 3
a. S. Franck
sprichw. 2, 102
b u. s. w. in etwas veränderter form: zwô zungen habent kalt und warm, die ligent in sîme rachen. Walther 29, 11; empter und pflegen thuet man ihn (
den guten ratgebern) nemen; sobald aber die schmeichler kemmen, die kalt und warm haben im mund, denselben steckt mans in den schlund. Hartmann
hist. volksl. 1, 8, 150 (1586); wann was recht ist im Orient und ungerecht im Occident, wann man heut recht glaubt, morgen nicht, weil kalt und warm der bapst nur spricht. Fischart
nachtrab 21, 696
Kurz. II@12@a@dδ) es wird einem warm und kalt
u. ä., bei einer plötzlichen heftigen erregung, zunächst wol von den empfindungen eines fiebernden, wie noch jetzt: 's lafd em kalt u warm de buggel enuf,
es ist fieber im anzuge Follmann 530
b.
bei freudiger erregung: nu merkent wie mir do geschach von ainem frOedenrichen schrick, der gie mir durch daʒ hertz dick ietz warm danne kalt.
liedersaal 1, 148, 795.
meist aber aus angst, verlegenheit: und als er (
der barbier) mit dem messer blosz nun geht auf meine kehle los, da wird mir's kalt und wird mir's warm. Brentano 2, 71. II@12@bb)
vereinzelte redensarten: da man denn hoffnung gehabt, es solte nu besser (oder wie man saget) umb einen rock wermer werden Luther 16, 31, 29
Weim. ausg.; warme asche '
wertloser überrest': wie er inn rum seckel und täschen, das inen kum blyb warme äschen, H. R. Manuel
weinspiel v. 108
neudr.; ein anders gebott ist: du solst nicht ehebrechen. das haltet ihr so starck, wie ein aff die warme nuszschalen Abr. a S. Clara
reimb dich 237 (
auff, auff, ihr Christen); je du quint-essenz aller bernhäuter, wiederholte nochmahls Caraffa, blase mir in eine warme pfeiffe! (
und damit dir die glühende asche ins gesicht) J. Kuhnau
music. quacksalber 215, 2
neudr.; leute die keine warme läuse haben, das ist, keine arme und verächtliche, lumpige u.
d. g. Frisch 1, 588
b; loop dat du warm warst (
in Dithmarschen),
geh zum henker! Schütze 4, 340; jetz kannst de dich warm lahfe,
trostwort bei einer starken enttäuschung Martin-Lienhart 2, 853
b; wenn sie blosz nicht in die nähe kommen! so von weitem techtlemechtle ich auch ganz gern. immer kalt blut und warm angezogen E. Georgy
die Berliner range 4, 7. II@1313)
nur ein allgemeiner gebrauchtes sprichwort mit warm
giebt es: man musz schmiden, weil das eisen warm ist Stieler 2436; man musz das eisen schmieden, weil es warm ist Nieremberger. '
günstige umstände benutzen, eine begonnene sache schnell zu ende zu führen': ich mus die zeit nicht verseumen, dann man saget, weil das das eisen warm sey, so müste mans schmieden Heinr. Jul. v. Braunschweig 363
Holland (
ungerat. sohn 4, 4); weil
hält sich bis ins 19.
jahrh., jetzt so lange: izt frisch mit den Türken aus Asien, weil's eisen noch warm ist Schiller 2, 31 (
räuber, schauspiel 1, 2); nehmt's nicht übel, dasz noch eu'r wirth den hammer etwas schwingt. man musz das eisen schmieden, weil es warm ist. Fouqué
altsächs. bildersaal 1, 257; jedenfalls scheint es mir rathsam, das eisen zu schmieden, so lange es warm ist Bismarck
gedanken u. erinn. 1, 341
volksausg. vgl. nihil est, nisi dum calet, hoc agitur, dieweyl die sach noch warm ist, oder in der hitz Frisius
dict. (1556) 176
a.
vereinzeltes: ettlich (
geistliche) sindt gewillig arm, — hy! das ist war, das gott erbarm, hinderm ofen ist es warm! Murner
narrenbeschw. 82, 48
neudr. (
etwas selbstverständliches zu bezeichnen, hier ironisch, vgl. Spaniers
anm. zu 11, 119); es muosz das kalt mit warm vermischt werden, so ist es eben recht S. Franck
sprichw. 2, 57
b; warmes glück braucht kühlen grund Ganghofer,
gartenlaube 1909, 900
b; wenn dir warm ist, denk' an den, der arm ist Wander 4, 1784; zu warm (
eifrig) ins zeug hält nicht an 1785.