nase ,
f. nasus. das dem sanskr. nas, nasâ, nâsa
f., lat. nasus,
lit. nosis
urverwandte (Fick
2 111. 783. 787),
im goth. und alts. nicht nachweisbare wort lautet ahd. nasa,
mhd. nase,
verkürzt nas,
altn. nös (
nasenloch),
plur. nasar
und nasir (
nase),
schwed. näsa,
dän. nöse,
ags. nasu, nosu (
vgl. Kluge in den beiträgen 8, 506—509),
engl. nose,
altfries. nose, nos,
mnd. nese, nase,
nd. nese, näse,
ndl. nese
und neuse (Kil. 335
a. 337
a. Kramer 217
c).
die älteren nhd. wörterbücher setzen an: nase
voc. 1482 x 2
b,
gemma gemm. (1508) Q 4
c. Rädlein 666
a, nase
und nasz Dasyp. K 7
a, nas Murmelius 45, nasz
und nasen Maaler 303
a, nas
und nasen Stieler 1332,
blosz nasen (
wie noch in oberd. mundarten, vgl. Schiller 2, 52, 10), Denzler 210
a;
durch geschärfte aussprache entstehen die formen nasse (Pauli
schimpf u. ernst 39
Öst. Baumann
quellen 1, 454)
und nasz (Dasyp. Maaler. Brant
narrensch. 71, 11. Keisersberg
post. 3, 23
a. 23
b. Fischart
Garg. 45
a. Ringwald
tr. Eck. J 4
b. Waldis
Es. 1, 94, 20).
im älteren nhd. wird nach mhd. art der singular des wortes stark oder schwach flectiert, während in der jetzigen schriftsprache der singular nur der starken form fähig ist (
aber schwacher genetiv bei zusammensetzung),
doch in oberd. mundarten auch der schwachen, die dem reime zu gefallen z. b. auch Göthe
manchmal anwendet: dann fängts
auf einmal an zu rasen, ein mächtger geist schnaubt aus der nasen. 2, 92; er sieht aus wie ein kohlenbrenner, geschwärzt vom ohre bis zur nasen, die augen roth vom feuerblasen. 41, 97 (
auszer dem reime 42, 6).
Bedeutung und gebrauch. II.
im eigentlichen sinne, das organ des geruchsinnes beim menschen und bei manchen thieren (
statt schnauze, rüssel, nüstern: die nase des hundes, der katze
u. s. w.; er gab mit dem schwerdt seinem pferdt eins auff die nasen.
Amadis 290. 369
K.; die nase des stiers. Rückert
Ham. 2, 43; ein elephant mit einem ringe in der nase. Lenz 3, 123). I@11)
die aus dem gesichte hervorragende äuszere nase
und deren gestalt und farbe: halb von knorpel halb von knochen ist die nase zugericht. Brockes 2, 339; ein kolben ohne hals, ein antlitz ohne nase sind alle mangelhaft. Lichtwer
die wächserne nase; wie sich im gesichte des thieres die nase hervordrängt. Herder
ideen 1, 274;
nd. sprichwort: eerst ene näse un denn een brill (
zuerst die haupt-, dann die nebensache).
brem. wb. 3, 219. Danneil 143
b;
redensart: einem die nase aus dem gesicht fluchen,
s. th. 3
sp. 1830; die grösze und gestalt der nase. Klopstock 12, 24; der rücken einer nase. Lessing 2, 202; viel hat er (
der sohn) zwar von mir (
dem vater), doch meine nase nicht. Claudius 1, 67; seine nase spielte in allen farben. Holtei
vagab. (1876) 1, 30.
Im einzelnen ist hervorzuheben: I@1@aa) die hohe, erhabene (römische), dicke, grosze,
lange nase: hie
vor (
vor der stirne) was sie (nase) sêre hôch.
krone 16663; dein nas ist als der turn des Libans, der do schauet gen Damascum.
hohes lied 7, 4 (
bibel von 1483
bl. 311
b); die hohe nase. Aler 1451
b; eine erhabene romanische nase. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1312; eine dicke nase.
ebend.; schau her, die römische nase. Kotzebue
dram. sp. 1, 25; diu nase (was im) als eim ohsen grôʒ.
Iwein 446; sîn nase grôʒ und gelûch.
krone 16659; einer der eine lange oder grosze nasen hat,
naso. Murmelius 45; eine lange und dicke nase. Rädlein 666
b; der selbige herr mit der grosen nassen. Pauli
schimpf u. ernst 39
Öst.; ein doctor, der uber die massen het gar ein grosse .. nasen. H. Sachs 9, 527, 13; so sagt man auch von einem phantasten, der geglaubt habe, seine nas seie so lang, dasz sie ihm bisz auff den boden reiche.
Simplic. 1, 252, 1
K.; sy hat ein lange nasen.
F. Platter 229
B.; er (
dein herr) hat das maul in der breite und die nase in der länge, wie ein mensch. Lessing 1, 411;
von thieren: bei vielen raubthieren verlängert sich die nase rüsselförmig. Brehm
thierl. 1, 181;
sprichwörtlich: lange nas und spitzes kinn, da sitzt der satan leibhaft drin. Simrock 400; sehen, denken, so weit
oder hoch die nase reicht, so lang die nase ist,
nur das gegenwärtige, vor augen liegende bemerken oder bedenken: er sihet weiter nicht, als ihm die nase gehet. Rädlein 667
a; man musz weiter sehen als die nase reicht. Simrock 400; so hoch die nase reicht, da mags wohl gehn, was aber drüber ist, können sie nicht sehn. Göthe 4, 313; im frühling wird ihm (
dem bauer) doch das herz gröszer und er denkt weiter als die nase lang. Gotthelf
Uli d. pächter (1859) 17; so weit dachte ich damals aber nicht, sondern wie ein junger schulmeister nur der nase lang.
schulm. 1, 185.
vgl.lange nase
unten II, 2
und IV, 1. I@1@bb) die spitze,
gegensatz stumpfe nase Aler 1451
b; spitze näse un spitzen kinn, daar sitt der levendige dvel in.
brem. wb. 3, 219; du (
krankheit) machst .. dünn backen, ein gespitzte nasen. H. Sachs 4, 433, 25; spitzige nase Rädlein 666
b. Schade
sat. 2, 258, 33; stumpfe nase,
obesae nares Aler 1451
b; eine etwas stumpfe nase. Göthe 25, 297; die stumpfe nase des hundes ist vorstehend. Brehm
thierl. 1, 311. I@1@cc) dünne, feine nase
s. unter 2,
a. I@1@dd) breite, flache, platte, geplätschte, eingedrückte nase: eine breite nase. Rädlein 666
a. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1312; sîn nase ... vlach, gewunden unde breit.
krone 16664; die ohren ellenlang, die nase flach und weit. Wieland 18, 123; etwas das ein flach nas hat,
simus. Murmelius 45; die flache nase der affen. Brehm
thierl. 1, 4, 28; eine platte nase (
des affen). Herder
ideen 1, 163; die geplätschten nasen, welche anfänglich von eltern an neugebornen kindern gekünstelt, in der folge von der natur in ihre zeugende kraft aufgenommen wären. Kant 10, 53; mich mit gepletschter nase freundlich drückend. A. W. Schlegel
in Wackernagels lesebuch 2, 1290, 41; der ein nidergedrukte breite nasen hat,
resimus. Dasyp. K 7
a; eingedrückte nase. Wieland 8, 81. I@1@ee) krumme, gebogene, bucklichte, aufgestülpte, aufgeworfene nase (
vgl. 4,
a): der ein krumme nasen hat,
epigryphus. Dasyp. K 7
a; gebogen nasz,
aquilinus nasus. ebenda; pucklete nase. Aventin. 4, 516, 16; bucklichte nase. Rädlein 666
b; einer der ein uberstulpte nas hatt,
resimus. Murmelius 45; krumme nase (
der alten frau), die mit der spitze ans kinn reichte. Stillings
jug. (1780) 116; bogige, gebogene, abwärts sinkende, aufwärts gehende, aufgeworfene, aufgestülpte nase. Lavater
hinterl. schriften 5, 10. 27. 38. 39. 43. 44; unter tausend mehr oder weniger gebogenen oder aufgestülpten .. nasen. Wieland 8, 81; diese schöne .. mit der holdselig aufgestülpten nase. H. Heine (1876) 3, 218. I@1@ff) rothe nase,
besonders die kupfer-, weinnase: das sie ein kannen wein mehr müssen trincken und also truncken werden, das sie .. ein rote nasz bekommen. Fischart
bienenk. 88
b; die nas ist feuerroth. Logau 1, 8, 49; süsser brandtwein, so .. die lippen (
der muhme) andachtvoll, die nase roth gemacht. Rachel 5, 56; seine purpurrothe nase zeigt bekanntschaft mit dem glase. Langbein (1854) 3, 200;
vergl. die rose schlich bei vollem glase sich auf des herrn gemahles nase. Voss
ged. 6, 262; kleiner mann .. mit röthlicher nase. Freytag
ahnen 5, 375. I@1@gg) bleiche nase,
s. th. 2, 97
und: ob es gleich wol zu zeiten ein blaiche nasen gab.
Zimm. chron. 4, 271, 17; und mach ein ordnung zu der schlacht, fürwar, es wird bleich nasen geben. J. Ayrer 1454, 31. I@22)
die innere nase,
die nasenhöhle als eigentlicher sitz des geruch- und spürsinnes und dieser selbst: er gap dem antlutzze .. zwei (locher) an der nas.
Milstätter genesis 5, 15; nasen underschaid,
diaphragma narium. Dasyp. K 7
a; die nase (
der wirbelthiere) besteht aus zwei hölen und dient nur ausnahmsweise als tastwerkzeug. Brehm
thierl. 1, xi;
plur. die nasen: di nasen (
nüstern) wâren ime (
dem Bucephalus) wît ûf getâ
n. Lamprecht
Alex. 283; sie haben nasen und riechen nicht.
ps. 115, 6; also .. (
hatten) die gäst aber ihre nasen voller gestank.
Simplic. 1, 171, 22; so viel specerei und blumen .. (
müsten) ohne nutz verrauchen, wär die nase nicht geschickt, dasz sie sich daran erquickt. Brockes 2, 346; wenn du diesen (
balsam) einmahl nur gerochen, wirst du götter und göttinnen bitten: macht, o macht mich doch zu lauter nase! Götz 2, 233; die düfte .., die aus dem korbe steigen, und die Kleanth mit mund und nase in sich schlürft. Wieland 9, 64; wer eine nase hat, spürt sie (
die moral der geschichte) unfehlbar aus. 9, 126.
Im einzelnen. I@2@aa) dünne, feine nase
mit dünnen nasenflügeln und feinen geruchsnerven, übertragen auf die geistige spürkraft: eine dünne nase haben,
aliquid subodorari; er hat eine dünne nase, er ist ein scharffsinniger mensch. Aler 1452
b;
nd. eene dünne nese hebben,
leicht etwas vermerken. Richey 173. Schütze
holst. idiot. 3, 141; eine feine nase haben,
in eigentlicher und übertragener bedeutung. Hennig
preusz. wb. 168; die herren haben zu feine nasen! sie haben ausgespürt, dasz gut bei uns zu leben ist. Wieland 8, 158; ein mann von witz und feiner nase.
Hor. sat. 1, 4, 12;
auch ein mensch mit feiner nase: doch manche gäste das verdrosz, gewisse feine nasen. Göthe 2, 210. I@2@bb)
ebenso gute (schlechte), treffliche, scharfe nase,
zunächst vom spürhunde: gute nase, sagt man, hat der hund, welcher die fährt richtig verfolget. Fleming
deutsch. jäger 107. Zedler 23, 715; eine gute, eine schlechte nase. Kehrein 217; hühnerhund .. mit schöner weiter suche, brillanter nase .. zu verkaufen.
Augsburger zeitungsannonce vom 26.
mai 1882.
vom menschen eigentlich und übertragen: ein kind, geboren diese tag, hat tieff augen .. ein scharpffe nasz, ein grossen mund. H. Sachs 4, 274, 25; er hat eine gute nase, er riecht scharff. Rädlein 667
a; der eine gute nase hat, bald etwas merkt. Frisch 2, 9
a; die nase ist ein sinnbild des witzes und verstandes .. eine gute nase, das ist, einen durchdringenden verstand haben. Zedler 23, 712;
Sacco. auf dich hoft er halbwegs zu einem kühnen komplot.
Kalkagno. er hat eine trefliche nase. Schiller 3, 116 (
Fiesko 1, 3); die ihr mit scharfen nasen ausgewittert viel höchst gefährlicher geheimer bünde. Uhland (1879) 1, 169.
Daher auch I@2@cc) gescheide, weise nase:
schweizerisch, e gschide nasa hah,
die sache geschickt angreifen oder etwas gleich merken, den braten riechen. Tobler 329
b. Seiler 219
b; doch dasz auch männer mit hochweiser nase sich täuschen lassen von dem falschen scheine, das weisz ich. Rückert (1847) 99. I@2@dd)
das innere der nase
wird angezeigt durch präpositionen (
vergl. I, 5): aus der nase flieszen, triefen, ziehen, schnauben
u. dgl.: darumb wird euch der fleisch geben, das ir esset .. bis das euch zur nasen ausgehe und euch ekel sei.
4 Mos. 11, 20; dann fängts auf einmal an zu rasen, ein mächtger geist schnaubt aus der nasen. Göthe 2, 92; die schönen basen fiengen an zu knixen, und wasser schnob der vetter aus den nasen (
nasenlöchern). Rückert
ges. ged. 1, 159; aus voller nase schreien (
sehr laut durch die nase reden). Klinger 10, 19; einem die würmer aus der nase ziehen, von einem was herauslocken. Rädlein 667
a; zieh ich .. den burschen leicht die würmer aus der nase. Göthe 12, 108. durch die nase: arzenei so man durch die nase ziehet. Stieler 1333; der hat ihm ein greuliche feder durch die nase gezogen (
ihn belogen). A. Gryphius 1, 887
a; wird ein überflüssig nasz .. durch die nase weggeführet. Brockes 2, 332; durch die nase reden (
näseln). Rädlein 667
a. Aler 1452
a; ich hörte vor mir seltsame silben durch die nase zählen. Chamisso (1872) 2, 261. in der nase: ich gribbel in der nasen. Fischart
Garg. 45
a; dieser (
gestank) meldet sich augenblicklich in unsern nasen.
Simplic. 1, 157, 26. in die nase: und gott .. blies im ein lebendigen odem in seine nasen.
1 Mos. 2, 7; in die nasen ziehen,
ad nasum venire. Denzler 210
a;
übertragen: in die nasen riechen, ungern haben.
ebend.; es hat ihm in die nase gerochen,
aspere id accepit. Aler 1452
b; jenes volk, das seinen glauben schminkt und ganz vor heuchelei in gottes nase stinkt. Fleming 197; weihrauch zu ziehn in meiner nase riechorgan. Platen (1847) 4, 83; wenn manchmal ein heiterer westwind .. ihnen die unerhörtesten wolgerüche in die nase weht. H. Heine (1876) 12, 194; in die nase stoszen, schieben: er schob den bärtgen stab (
getreidehalm) dem schäfer kitzelnd in die nase. Langbein (1854) 4, 199; in die nase (
als guter oder schlechter geruch) fahren, beiszen, stechen,
etwas riechen, spüren, merken: dem klugen wicht fährts ins gesicht und in die nase. Göthe 4, 323;
den appetit, das verlangen wonach reizen, etwas gerne haben wollen: so stach kein schinken je dem windhund in die nase. Göthe 7, 90; die goldbarren stechen mir verzweifelt in die nase. Lessing 12, 504;
unangenehm berühren, ärgern: (
als) im die red kroch in die nasen. Spangenberg
Saul a 1
a. cc 1
a;
henneb. das ist mir in die nase gefahren. Spiesz 171;
westerw. es hat mich in die nase gebissen. Schmidt 121; das stach mich verzweifelt in die nase, dasz man mir den ruhm ... zu wasser machen wollte. Gotthelf
schulm. (1859) 1, 117;
ebenso in die nase schnupfen Rädlein 667
a: leicht ist zu erachten, dasz dieses dem juden müsse mächtig in die nasen geschnupfet haben. Widmann
Faust 263; in die nase reiben
wie unter die nase reiben (5,
g): und alles das er uff in weisz das er gethon hat und das im ubel an stot, das ribet er im in die nasz und verbutzt in wol. Keisersberg
post. (1522) 3, 23
b; Elisi .. machte sich auf die füsze, um Vreneli alles .. in die nase zu reiben. Gotthelf
Uli d. pächter (1859) 440. von der nase: dampff gieng auff von seiner nasen.
ps. 18, 9. I@2@ee) rotzige oder fratte nasen wie die kind,
madidi infantia nasi Frisius 856
b; kranke (
verschnupfte) nase. Thümmel (1839) 2, 13; die nase voll haben,
rheumate laborare Frisch 2, 9
a. I@33)
die nase
als subject (
vergl. auch unter 1,
a): die nase riecht, schnaubt, schnarcht, trieft, blutet
u. dgl.; das
auge siehet nur, die zunge schmeckt allein, die nase reucht, das ohr hat einig das gehör. Lohenstein
Arm. 1, 1412
b; nicht jede nase riecht den braten. Simrock
sprichw. 400; geruch .., dergleichen meine nase lange zeit nicht empfunden.
Simpl. 1, 180, 15; ihre nasen weideten sich zum voraus an düften von bester vorbedeutung. Wieland 19, 235; mund und nase saugen den angenehmen schwall.
natur der dinge 5, 277; von dem odem und schnauben seiner (
gottes) nasen.
2 Sam. 22, 16; o aller nasen nas'! ich wollte schwören, das ohr kann sie nicht schnauben hören. Lessing 1, 8; hebet an mit schnaubender nasen zu wüthen .. und rasen. Rost
bei Gödeke elf bücher 1, 545
a, 77; wie seine nase schnaubt. Wieland
Oberon 5, 57; sieh .. wie die nas ihm (
dem teufel) schnaubt. Voss
ged. 2, 262; es zuckten die nüstern der nase. H. Heine (1876) 10, 243; mit schnarchender nasen schlafen. Aler 1452
a; als im diu nase bluote.
minnesinger 3, 104
b; das er sol in den hadern schliefen, und auch darzu sein nasen triefen.
fastn. sp. 786, 13; die nase treuft, blutet ihm. Stieler 1332; trieffende nase,
humentes nases. Aler; mir tröpfelt die nase. Ludwig
teutschengl. lex. 1312;
die nase wird lang
oder spitzt sich: secht nur, wie sich anspitzt sein nasen. H. Sachs 3, 3, 61
b; 'darf man wissen, was sie unter schönen augen verstehn?' fragte die kleine Myris, indem sich ihre nase merklich spitzte. Wieland 19, 46; die nase steht ihm hoch. Rädlein 666
b; die nase steht nach,
ist gerichtet auf: nach welchem doctor steht die nase? Günther 429. I@44)
die nase
als object. I@4@aa)
mehr äuszerlich: I@4@a@aα) die nase hoch (in die höhe) tragen, heben, erheben, aufwerfen (
vgl. 1,
e),
eigentlich, zunächst vom spürhunde: der hund trägt die nase hoch, wenn er was im winde hat. Zedler 23, 715; er spähte rings umher im grase; doch als er dort umsonst gesucht, erhob er plötzlich seine nase (
schaute aufwärts). Langbein (1854) 4, 211;
übertragen, als zeichen der überhebung, des hochmutes, der andere nicht beachtet, über sie hinwegsieht: die nase hoch tragen, hohe dinge begehren. Zedler 23, 712; ha! wie sie hoch die nase trägt. Gotter 1, 123; du sollst die nase nicht allzuhoch tragen. Engel 1, 92; so hätte es freilich ... seine gränzen mit dem hochtragen der adligen nase. Niebuhr 3, 104; er trug z. b. immer die nase höher als andere, schaute über die leute weg. Wieland 33, 101; ritter ..., der die nase in die höhe trägt, der den vorbeigehenden über die schulter ansieht. Göthe 36, 62; siehst du doch auf leute niedrer abkunft .. mit aufgeworfner nase nicht herab. Wieland
Hor. sat. 1, 6, 8. I@4@a@bβ) die nase niedrig tragen, senken, hängen lassen
u. dgl., zunächst wieder vom spürhunde, der die nase niedrig trägt,
wenn er mit niedriggehaltner nase sucht. Weber
terminol. lex. 386
c: beide senkten die nasen und sahen einander über die brillengläser ...
an. Freytag
ahnen 4, 15;
übertragen: henge die nase in deinen eigenen busen,
forsche dich selbst aus. Schottel 1117
a;
nd. de näse hangen laten,
sich schämen. brem. wb. 3, 219; die nase einspannen,
einziehen, nicht hoch tragen: ihr — ihr dort auszen in der welt die nasen eingespannt. Schiller 1, 344. I@4@a@gγ) die nase (
oder mit der nase) anrennen, anstoszen, die nase abbrechen: doch stündlich in gefahr .. an irgend einen baum die nase anzurennen. Wieland 9, 235;
baslerisch die nase, mit der nase anrennen,
sich täuschen. Seiler 219
a;
appenzellisch d' nasa i n' alem abrecha wöla,
in alles stecken wollen. Tobler 329
b. I@4@a@dδ) die nase biegen (
s. 1,
e), beugen, krümmen, herumdrehen: die nase krümmen,
rümpfen. Rädlein 568
b; wenn er auch dem Abdala die nasen krümmete. Luther 8, 19
a; einer (
dem weibe) die nasen krümmet .. der ander nambs beim har. H. Sachs 1, 340, 6; der ein die nas beugt dort hin umb, der ander macht sie hie her krumb. Schade
sat. 2, 242, 1719;
märkisch einem de nase rümdreen,
ihn prügeln Frommann
mundarten 3, 369, 27. I@4@a@eε) die nase rümpfen, kräuseln, kräusen (kraus machen),
wegen widerlichen geruches oder spöttisch: die nasen rümpfen,
corrugare nares Maaler 303
b; die nasen uber einen rümpfen,
subsannare Dief.
gl. 561
b; nase rimpfen, spotten, gucken, valscheʒ schimpfen.
Renner 14120; stinckt ihn was an, so rümpft die nasen. H. Sachs 7, 180, 33; so bald er ... (
wegen des übeln geruches) die nas ein wenig gerümpft hatte.
Simpl. 1, 192, 20; ich bin in allen buchhandlungen .. gewesen; aber niemand hat es, fast niemand kennt es (
das buch), und wer von den schönen geistern es ja kennt, rümpft die nase, dasz ich mich nicht schäme, nach einem solchen buche zu fragen. K. Lessing
bei Lessing 13, 474 (
vom jahre 1773); was rümpft ihr die nasen, ihr damen und herrn? Bürger (1778) 225; ihr sperren rührt mich nur, dasz ich die nase rümpfe.
d. j. Göthe 1, 187; nun schlendert nach haus, doch ja nicht rümpfet die nasen, und begnügt euch hübsch mit dem lustspiel selbst. Platen (1847) 4, 74; ei seht, sie macht die nase kraus. Claudius 4, 165; sie ward nicht sowohl den widrigen eindruck inne, als sie mit gekräuselter nase zurückfuhr. Engel 1, 340; nur zieht sich da, wo vorzüglich der geruch afficirt wird, die gekräuste nase mehr in die höhe. 7, 215. I@4@a@zζ) die nase spitzen: er spitzt die nase, er sturt sie an, betracht sie herüber, hinüber. Göthe 2, 194. I@4@a@hη) die nase in etwas stecken, stoszen, begraben, worin haben: du solt die nasen nicht darein stoszen,
haec nihil ad te. Denzler 210
a; müst ir denn eure nase auch drein (in allen dreck) stecken. Rädlein 666
b; die nase in die bücher stecken, fleiszig studieren. Zedler 23, 712; den es divertirt recht, wen man die nasz drin steckt. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 384; wo die jungens die nase hin steckten. Lenz 1, 180; herr nachbar naseweisz, steckt eure nase wo anders hin. Schiller 13, 417 (
Turandot 3, 4); steckt die nase in alle sachen, die euch doch nichts gehen
an. Ditfurth 4, 44, 3; ein so unruhiger kopf .., der das bedürfnis fühlt, sich um alle bedürfnisse der menschheit zu bekümmern und gern die nase in alle töpfe steckt. H. Heine (1876) 6, 224 (
vgl. Wander sprichw. 3, 962, 384); in jeden quark begräbt er seine nase. Göthe 12, 23; er will in allen dingen die nase haben,
aliena curat. Aler 1453
a; dasz niemand merke, dasz vergänglichkeit überall die nase im spiel hat.
d. j. Göthe 1, 403. I@4@a@thθ) die nase begieszen,
sie zu tief ins glas stecken, saufen, sich betrinken (Hennig
preusz. wb. 168. Albrecht
Leipz. mundart 175
a.
brem. wb. 3, 219),
s. th. 1, 1294
und: er hatte ein wenig die nase begossen, er hatte ein wenig zu viel getrunken. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1312; dem sauffen war er bitter feind, hielt keinen mann vor seinen freund, der liederlich die nasz begosz. Ringwald
tr. Eck. (1602) M 3
b; wenn er ... die dicke nase begossen hat.
laut. wahrh. 112; das man im rath sitzt und die nase begossen hat. 267; auf den abend, wann wir die nase wieder begossen haben. Jul. v. Braunschweig 46
Tittm.; es erzehlete, sobald die nasen begossen waren, ein jeder seine .. heldenthaten.
Felsenb. 2, 496. I@4@a@iι) die nase schlitzen, abschneiden, abbeiszen: mag ich, ich wil in allen die nasen schlitzen.
fastn. sp. 660, 33; sie sollen dir nasen und ohren abschneiten.
Hesek. 23, 25 (
über das nasenabschneiden als strafe vergl. Schultz
höf. leben 2, 150. 222. 257. Wander
sprichw. 3, 961, 341);
sprichwort: wer sin nese afnsnitt, de schendt sin angesicht,
von eltern und eheleuten gesagt, die ihre kinder oder andere hälfte lästern. Schütze
holst. idiot. 3, 141; darum ich sie gar früntlich bitt, das sie verschwörent ire nas abzuobiszen. Murner
narrenbeschw. 85, 66; du solt nichts geloben als nasen abbeiszen. Pistorius
anat. Luth. 1, 122; jetzt vor lieb solst du ihm abgebissen haben die nase. A. v. Eyb
Menaechmi 96
b; man hatt woll recht, dasz man sagt, dasz man vor nichts schweren solle, alsz nahszen abbeiszen undt ellenbogen küssen. Elis. Charl. (1867) 84. I@4@bb)
mehr innerlich. I@4@b@aα) die nase aufspünden (
th. 1, 744), aufsperren (1, 742), aufreiszen: er erzählete solche sachen, worüber ich maul und nase aufsperret (
vor verwunderung).
Felsenb. 3, 449; unterdessen sperreten alle .. fast die mäuler und nasen auf, als sie uns die probe mit den bomben machen sahen. 4, 239;
Lady. das sind schlechte .. menschen, die sich entsezen, wenn mir ein warmes herzliches wort entwischt, mund und nasen aufreiszen, als sähen sie einen geist. Schiller 3, 389 (
kabale 2, 1). I@4@b@bβ) die nase verhaben, zuhalten,
vor gestank: dan der meister .. koufft käsz, der stank so grusam übell .., das die frow die nasen muoszt verhâ
n. F. Platter 54
B.; dasz sich der arzt .. hält die nase zu. Fleming 1, 144
L.; hielt sich die nase zu und rief: was stinkt denn hier? Stoppe
neue fabeln 1, 141; wo einer .. dem Mäcenaten so unmäsziglich räuchert, dasz diesem schlimm darob wird, und er endlich die nase zuhalten musz. Klopstock 12, 54;
übertragen: es stinkt um dich von faulen aufgebrochenen beulen, dasz die himmlische luft sich die nase zuhalten möchte.
der j. Göthe 2, 175. I@4@b@gγ) die nase schneuzen, putzen, wischen: und wer die nasen hart schneutzt, zwingt blut eraus.
spr. Sal. 30, 33; so man die nasz zu sere zwinget, gar bald das blut dar nach springet. Weller
dicht. des 16. jahrh. 64; sich die nase am ärmel schneutzen. Wieland 15, 134;
übertragen: also sol man uns deudschen narren die nasen schneutzen. Luther 1, 264
a; die nasen butzen,
mungere Maaler 303
b; die nas ist ungeputzt. Rachel 1, 52; bei diesen worten putzte er sich die nase. H. Heine (1876) 2, 69; einem die nase putzen,
ihn derb zurechtweisen. Spiesz
henneb. idiot. 171; darumb wisch ich die nasz. Fischart
Garg. 45
a; die nase an den ärmel wischen,
emungere se cubito. Stieler 1332;
sprichwörtlich: wer dem kinde die nase wischt, küszt der mutter den backen. Lessing 11, 386. I@4@b@dδ) die nase kitzeln: kaum kizelt' ihre nase der duft aus seinem glase. Bürger (1778) 144. I@55) nase (
äuszerlich),
abhängig von einer präposition (
vergl. I, 2,
d),
im eigentlichen sinne und in vielen redensarten oder sprichwörtern (
s. Wander 3, 947—966). I@5@aa) an der nase: an der (
wie bei der, mit der) nase führen, herumführen, herumziehen (
s. th. 4
1, 434. 4
2, 1178. 1185); an der nasen herum führen,
dolis circumducere. Denzler 210
a; hat sie nun keinen .., den sie an der nase herumführt, der sich ihr zu liebe die rippen zerstoszen liesze? Göthe 11, 23; um meine nase bekümmerte sich niemand, bis man sie grosz genug fand, mich daran herum zu führen. Gotthelf
schulm. (1859) 1, 200; und sich noch an der nasen mit solchem übermuth herum geführt zu sehn von diesem hasen. Wieland 18, 323. an der nase zupfen: so zupfte er sich (
vor verlegenheit) wechselsweise bald an der nase bald am bart. Wieland 20, 224; zupf dich an deiner nase!
bekümmere dich um deine angelegenheiten. Spiesz
henneb. idiot. 171. an der nase zählen: warum sollte man nicht von dingen, die fast einzig in ihrer art sind, im scherze (
nach dem franz. compter avec le nez) sagen dürfen: dasz sie sich an der nase zählen lassen? Lessing 11, 655. an der nase sehen, spüren, lesen, merken, kennen: man sihet dir an der nasen wol an, wie alt du bist. Frank
sprichw. 2, 18
b; ha! ich merke wol an euren wehrten nasen, dasz ich mit hübschen phrasen eur ohr nur kizeln sol. Bürger (1778) 147; was ihm gefällt und was man lassen soll, kann man dem herrn nie an der nase spüren. Göthe 12, 172; so manch verdienst ums gemeine wesen, könnt ihr ihm nicht an der nase lesen. 2, 281; der doctor .. fand dieses unter der würde eines gescheiden menschen; das merkte ich an seiner nase. 16, 40; ob er schon den hut so ins gesicht geschoben hatte, so kannt' ich ihn doch an der nasen. 42, 6. an die nase greifen, klopfen (
s. th. 5, 1226): greif an deine nase!
spricht die mutter zum kinde, welches gern fleisch haben möchte. Spiesz
henneb. idiot. 171. an die nase halten, heben, hängen, heften, binden, legen, werfen, machen: und sihe, sie halten die weinreben an die nasen.
Hesek. 8, 17; an die nase heben,
naribus subducere Aler 1452
a; wer die leute richt, und ihnen .. ihr gebrechen an die nase hengt. Ringwald
laut. wahrh. 185; dem musz man so was an die nase heften, wenns morgen am marktbrunnen ausgeschellt sein soll. Schiller 3, 366 (
kabale 1, 2); einem etwas an die nase binden,
eine unwahrheit einreden. Spiesz
henneb. idiot. 171 (
vgl.auf die nase binden); so wil ich dir einen rink an deine nasen legen (
deinem trotze einhalt thun).
2 kön. 19, 28; ich legte meinen finger an die nase und sann lange nach. Gellert 8, 4; der heillose schnupfen, den mir die bise .. an die nase warf. Thümmel 3, 20; einen knopf an die nase machen (
s. theil 5, 1476). Simrock
sprichw. 400. I@5@bb) auf der nase: einem auf der nase sein, sitzen, liegen,
in unmittelbarer und belästigender nähe sein; die Preuszen aber sitzen hie uns fast schon auf der nasen. Ditfurth 5, 68, 2; er wird sie, dir auf der nase, beschwatzen. Schiller 3, 357 (
kabale 1, 1); auf der nase liegen,
auf die nase gefallen sein, besonders von kranken und schwächlichen: recht gesund ist er nicht, er liegt alle augenblicke auf der nase; nach jedem diätfehler liegt er auf der nase
u. dgl. auf der nase tanzen: dasz mir durch das alte morsche dach schnee und regen auf der nase tanzen soll. Göthe 11, 275; einem auf der nase herumtanzen,
jemandes willen und autorität misachten oder verletzen. Spiesz
henneb. idiot. 171. auf der nase geigen,
s. th. 4, 1
2, 2577; ich lasz mir nicht auf der nase spielen,
mich nicht zum besten haben. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1312. auf die nase: auf die nase fallen (Rädlein 667
a), sinken,
vorwärts, aufs gesicht fallen (
s. th. 3, 1280); so sah er die fremde dame und unsern helden, so lang sie waren, ihn auf die nase, sie rückwärts niedersinken. Lenz 3, 73;
übertragen: auf die nase fallen,
mit einem vorhaben scheitern. Stilling
häusl. leben 40, 89; das fasz ligt auf der nasen,
vinum in fundo est. Denzler 210
a. die brill auf die nasen setzen. Luther 2, 139
b; einem auf die nase sitzen, sich auf die nase setzen: mein bett umschwirrn die schwarzen fliegen; auf nas und stirn setzen sie sich. H. Heine (1876) 11, 173. einem auf die nase kommen,
ihn treffen, überfallen: ich will nicht sagen, dasz ich es (
unglück) ihm gönnen mag, aber recht ist, dasz dem auch mal was auf die nase kommt. Gotthelf
Uli d. pächter (1859) 318. auf die nase binden,
wie aufbinden,
offenbaren, wissen lassen: einem alles auff die nase binden. Aler 1453
a; wills weiter sunst niemand auff d'nasn binden, wasz ich erfarn thue. Schwabe
tintenf. 68; doch jedem narren musz mans nicht gleich auf die nase binden. Claudius 1, 75; kindern musz nicht alles auf die nase gebunden werden. Lessing 2, 463; er sagt von ihr, was man nun freilich von seiner frau nicht einem jeden auf die nase bindet. 8, 482; wer wirds denn dem auf die nase binden? Kotzebue
dram. sp. 2, 51;
mit dem nebenbegriff des unwahren, einem weis machen: weil er ... sich in einer so wichtigen sache nichts will auf die nase binden lassen. Claudius 6, 10.
vgl.an die nase binden, heften. auf die nase geben, treffen, schlagen, werfen: einem was auf die nase geben,
colaphum alicui infringere Steinbach 2, 111; ob ich dir d'fust uff d'nasen gAeb (
mit der faust ins gesicht schlage). Murner
gouchm. 1236; ich wolt euch sunst ufft d'nasen treffen. 618; einem eins auff die nasen gAeben, dasz sy im flach wirt,
nares contundere Maaler 303
b; weil das mohrengesicht sie (
die fische) etwas derb auf die nase geschlagen. Wieland 18, 239; wenn man sie (
die kühe) mit schlägen auf die nasen trieb an die deichseln der schwerbeladenen mistwagen. Gotthelf
schulm. (1859) 1, 158; einem eine hand voll finger auf die nasen werfen (
ihm mit voller hand ins gesicht schlagen).
pol. stockf. 286. auf die nase machen
wie an die nase machen: bruder memento mei, mach dir ein knopf auf die nasen und vergisz meiner nicht. Abraham
Judas d. erzschelm 1, 6; auf die nase bauen: zu eben der zeit, da ihnen die Peloponnesier eine festung auf die nase bauen. Heilmann
Thucyd. 936 (da die Peloponnesier die stadt durch die befestigung von Decelia sperrten. Jacobi). auf die nase scheiszen: Venus schisz mir ein dräck ufft d'nasen. Murner
gouchm. 525; ich scheisz dem alten baurn auf d'nasen. Ayrer 2950, 17; einen dreck auf deine nase! Schink
marionettentheater (1778) 186. I@5@cc) bei der nase: bei der nase haben, fassen, zupfen, nehmen; man hat ihn greulich bei der nasen gehabt, man hat ihn heszlich betrogen. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1312; wir sind verrathen, rief ich aus, der teufel hat uns bei der nase. Göthe 23, 114; wobei ich nicht versäumte .. meinen gönner bei der nase zu fassen, und sie merklich herüber und hinüber zu biegen. 112; ich will ihn bei der nase zupfen. 110; nimm dich selbs bei der nasen,
in tuum ipsius sinum inspue. Denzler 210
a; er heisset in sich bei der nasen nemen und an seine undankbarkeit denken. Luther 5, 70
b; er solt sich billich selbst bei der nasen nemen. 6, 25
a; hie solten die papisten sich bei der nasen nemen, wenn sie schreien über klösterbrecher. 86
b; und wenn sie sich auch selbs bei der nasen nemen wolten. 316
a; ein jeder nehme sich selber (wie ich mich) nur dapfer bei der nasen und forsche sein eigen hertz. Chr. Andreae
buszposaune (1643) B 2
a; nichts bessers, das man sich erst zem und selber bei der nasen nem. Waldis
Es. 2, 61, 22;
mhd. der vâch (
fange, fasse) sich selben bî der nasen. Helbling 2, 516;
ebenso bei der nase ziehen (
vgl. Wander 3, 964): ziehe dich selber bei der nase,
nosce te ipsum. Stieler 1333; ein jeder ziehe sich selbst bei der nasen.
facetiae facet. 411; ach fraw, ziehet euch selbert bei der nasen!
Zimmer. chron. 3, 544, 9; herr, zieht euch selbst bei der nasen. Stephani
geistl. action (1568) D 6
a. bei der nase ziehen, umziehen, herumziehen
oder führen, herumführen (
wie an, mit der nase),
närren, anführen, nasführen (
vgl. Wander 3, 956. 963
und oben th. 4
1, 434): erst merck ich, das mich hat betrogen Jupiter, bei der nasen zogen. H. Sachs 7, 281, 9; ich hab auch manchen mann betrogen, bei der nasen am recht umbzogen. 146, 18; wenn Günther durch ein beiszend lied die narren bei der nase zieht. Stoppe
Parnass 49; und so bin ich doch .. jämmerlich angeführt worden, so hat man mich doch .. bei der nase herumgezogen. Lessing 3, 58; by der nasen fren. Frank
sprichw. 2, 148
a; diesz mandat .. führte die leute allzugröblich bei der nase. Luther
br. 2, 369; alle frowen umendum, die uns man bi der nasen fieren. Murner
narrenbeschw. 9, 3; das heiszet bei der nasen fieren. 54
überschrift; wie führt ihn das weib bei der nasen. H. Sachs 5, 263
a; als bald hand sie uns bei der nasen gefrt. Schade
sat. 2, 221, 919; er läszt sich nicht regieren von einer frembden hand, nicht bei der nase führen. Opitz 1, 56; wenn er mich bei der nase geführt haben will, so hab er es! aber ich werde es ihm in meinem leben nicht vergessen. Lessing 12, 404 (
vom j. 1773); man musz den Paganin durch viel zusagen und aufschneidereien bei der nasen umführen. Gryphius 1, 865; gedachte sie beide der nasen umzuführen. Schütz
Preuszen 104; das heist bei der nasen herumb geführt. Weise
erzn. 55
neudruck; ob ich ... nur etwa bei der nase herum geführet bin.
Felsenb. 4, 388; aber dies ist eben der wahre charakter gewisser prinzen .., sich von ihren kammerherren bei der nase herumführen lassen. Nicolai
bei Lessing 12, 381 (
v. j. 1772); wenn man sich von solchen compangnons bei der nase herumführen läszt. Göthe
an Trapp (
d. j. Göthe 1, 236); wie sie uns bisher hätten bei der nase herumgeführt.
werke 8, 176; das denkt jeder gute ehemann (
dasz die frau hinter seinem rücken nur gutes von ihm spricht) und läszt sich bei der nase herum führen. 11, 310. I@5@dd) für der (
wie vor der) nase: aber es ist alles vergessen, wenn mans nicht alle stunde für der nase sihet. Luther 5, 530
b; für (
vergl. vor) die nase: ja ir bisset euch ehe in einen finger und machet den leuten dieweil einen blauen dunst für die nasen. Joh. Wigand 5
a; secht eben drauff, das euch nicht reut, wens unglück euch für d'nasen bleut. Scharpfenecker B 2
a; und wenn ich das bchlin für die nase nam. Ringwald
tr. Eck. (1602) J 8
a; für die nase halten, stellen, stoszen, reiben (Schm. 1, 1758
Fromm.), werfen,
in derber weise vorhalten, vorwerfen (
vgl. in die nase, unter die nase reiben, stoszen, rücken): da (
vor gottes gericht) wöllen wir ir (
der welt) ... für die nase halten, was wir für gute werck gethan haben. Luther 6, 62
a; darnach mögen sie uns auch für die nasen halten das ... concilium. Fischart
bienenk. 46
a; wenn dich der teufel recht angreiffen wird, und für die nasen stellen, was du gethan und nicht gethan hast. Luther 6, 69
a; da man die acta synodica wieder solte für die hand nemen und inen für die nase stoszen was sie gemacht. Joh. Wigand 7
b; solches hab ich dir hiemit entdecken und für die nasen stoszen müssen. Engerd
seelenartznei (1581) 44; wirfts in (
den frauen) für die nasen. Aventin. 4, 512, 23. I@5@ee) mit der nase: und stund eh ich michs versah, wieder mit der nase vor dem flusz. Göthe 57, 119; die mit ihren nasen dabei waren (
selbst theilnahmen). Thümmel (1839) 2, 209. mit der nase fallen: da ich die taube habe fangen wollen, so bin ich darüber mit der nase ins weiche gefallen. Lessing 1, 288; mit der nase den boden küssen, anrühren (
aufs gesicht fallen).
Amadis 126. 349
K.; mit der nase bis auf die schuhe sich bücken (
sich sehr tief verbeugen). Weisze
kom. opern 1, 35. mit der nase an, auf etwas stoszen (
transitiv und intransitiv),
vgl. I, 4,
a, γ: hast du vernunft, so muostus grifen und dich mit der nasen doran stoszen. Schade
sat. 3, 10, 11; doch was predige ich ihnen viel vor? sie müssen mit der nase darauf gestoszen sein. Lessing 3, 415; erlaubt, dasz ich euch mit der nase darauf stosze. Göthe 14, 109; den er nicht mit der nase aufs beszre gestoszen hätte. 14, 86. mit der (
wie an, bei der) nase führen, um-, herumführen, umziehen: der sich läszt schändlich um das licht als mit der nase führen. A. Gryphius 1, 16; das arme volck mit der nasen umbfüren. Luther 1, 306
a. Schweinichen 2, 61; wie lang laszt ihr euch aber mit der nasen umbziehen ... und brauchet ewer fünff sinn nicht? Pistorius
anat. Luth. 1, 181. I@5@ff) der nase nach (
adverbial),
nach der richtung der nase, gerade aus, eigentlich und bildlich: mhd. hiur als ouch verne gât diu welt der nasen nach. Wackernagel
leseb. (1859) 980, 14;
nhd. ganz der nasen nach. Keisersberg
bilger 197
a; geh der nase nach, so wirst nit irr. Ayrer 2, 126
b; die nennen mich ihren meister und gehen der nase nach. Göthe 4, 315; wir schlendern, wo natur vorangeht, mit; es geht gewöhnlich nur der nase nach. Wieland 10, 249; der einzge weg, sich noch heraus zu finden, ist — auf gut glück der nase nachzugehen.
Oberon 2, 26. I@5@gg) über der nase: es fehlt ihm zwei finger über der nase, sagt man im gemeinen leben von einem, der nicht viel verstand hat. Lichtenberg 4, 43. Simrock
sprichw. 400. über die nase: und eine bittre thrän lief über seine nase. Claudius 1, 128; Claudius, der, wie die Berliner sagten, weil er nicht über seine nase wegzusehen pflegte, die meinung faszte, des menschen sehkreis reiche nicht über die nase weg. Gervinus 5
5, 352; einem über die nase fahren und sagen: was wiltu hievon reden? Schuppius 797; einem über die nase hauen, ihm trotzige antwort geben. Ludwig
teutsch-engl. lex. 1312. I@5@hh) unter der nase: loch under der nasen,
der mund. Frank
sprichw. 2, 51
b; ein sehr ernsthaft, frölicher und redlicher mann, der meines wissens kein zank gesucht, doch ihm nicht gern under der nasen krawen leszt (
mit sich nicht gern spaszen läszt). Kirchhof
wendunm. 223
a; der zopf der ehmals hinten hing, der hängt jetzt (
als schnurbart) unter der nase. H. Heine (1876) 10, 197; einem etwas unter die nase reiben (
vgl.für,
in die nase reiben),
objurgare, increpare, redarguere aliquem Stieler 1333. Schm. 1, 1758
Fromm.; noch dem als der herr jenen hat verwissen iren unglouben und under die nasz geriben. Keisersberg
post. (1522) 3, 23
a; ja ich .. darff auch nichts mehr sagen, ich wolt es ihm sonst auch wol unter die nasen reiben. A. Gryphius
P. Squentz 25
neudruck; hätte es meine grosze schwachheit zugelassen, so würde ich ihm sein hitziges verfahren .. unter die nase gerieben haben.
ehe eines weibes 201; ich werde niemandem etwas unangenehmes unter die nase reiben. Lessing 7, 188; freilich war der, welcher es den christen zuerst gleichsam unter die nase rieb, nur ein getaufter jude. 10, 202; ich wills ihm unter die nase reiben. Klinger
das leidende weib 2, 2 (Lenz 1, 180); und sahen die bediente nicht aus, als wenn sie die wohlfahrt des hauses einem jeden unter die nase reiben (
derb zu verstehen geben) wollten? Möser 1, 162; ich verehre die Engländer sehr, aber ich mag gerne sehen, wenn ihnen von uns etwas unter die nase gerieben wird. Lichtenberg 8, 156.
ebenso unter die nase stoszen, rücken. Denzler 210
a; und aus diesem bedenken hab ich dis bchlin an tag geben und wil es den widersachern des evangelii unter die nasen gestoszen haben. Luther 5, 259
a; lasset euch die fackel offentlicher warheit unter die nasen stoszen. Joh. Wigand 10
b; das si es lesen und uns under die nasen rucken. Aventin. 4, 571, 1. I@5@ii) von der nase: bleib mir von der nase,
amove te a conspectu meo. Stieler 1333. I@5@kk) vor der nase,
unmittelbar, ganz dicht vor einem: nur sehen was vor der nase ist,
solum videre, quod ante pedes est. Steinbach 2, 111; was siehst du hier? 'wo denn?' grad hier vor der nase. Göthe 21, 54; sie suchen was ihnen vor der nase liegt. Wieland 36, 52; was einem vor der nase geschehen, nicht glauben dürfen, bei gott, ist hart! 18, 236; und vor der nas ihm gar sein einzig kind umfangen, bei gott! das hat doch wahrlich keine art!
Oberon 4, 62; und wenn sie dir die bewegung läugnen, geh ihnen vor der nase herum. Göthe 3, 296; ducaten, die er uns vor der nase weggeschnappt. 11, 130; einem die thür vor der nase zuschlieszen, zuschlagen (Rädlein 667
b),
eigentlich und bildlich: oftermals die thür eröffnen und gegentheils auch vor der nasen zuschlüssen.
polit. stockf. 3; zu gleicher zeit springt sie zurück und schlägt ihm die thür vor der nase zu.
Felsenburg 3, 408; da schlug man vor der nase die thür ihm zu. Wieland 18, 309; (
sie) wünscht angenehme ruh, und schlieszt die thür ihm vor der nase zu.
Klelia u. Sinib. 5, 344; (
die vernunft) macht sich die ganze welt zu feinden und schlägt oft unsern busenfreunden die thüre vor der nase zu. Gotter 1, 322. vor die nase setzen: setze mir nicht, du grobian, mir den krug so derb vor die nase! Göthe 5, 210. IIII.
schon unter I, 5
kann nase
manchmal metonymisch für das ganze gesicht oder den gesichtsausdruck genommen werden; noch deutlicher tritt diese bedeutung im folgenden hervor. II@11)
das angesicht. II@1@aa) ich solle mich im schweis meiner nasen neeren. Luther 6, 313
a; das brot im schweis der nasen verdienen. 8, 91
b. II@1@bb)
in folgenden präpositionalen fügungen. an der nase: sie fand die allermeisten gäste schöner an der ferse (
wenn sie fortgiengen) als an der nase. Gotthelf
erz. 3, 215; an, in, unter (Rädlein 666
b) die nase lachen: wie er den zärtlichen und angenehmen macht, fast überlaut ihm an die nase lacht. Wieland 9, 66; indem Aurora .. bei seinem ach ihm an die nase lacht. 10, 207; ich hielt mich aufrecht und lachte ihr in die nase. Holtei
vagab. (1876) 1, 8; erzählt ich in Europa diese sachen, sie würden mir unter die nase lachen. Schiller 3, 372 (
Turandot 2, 2); in die nase sagen, trutz bieten: so müssen sie hören, das Joh. Huss in ihre nasen sagt. Luther 1, 366
a; (
wir) boten, tieger von natur, dir in die nase trutz! Gleim
kriegsl. 2, 108
neudruck; unter die nase treten, sagen (
vgl.auge 5,
th. 1, 791): so musz er sich gefallen lassen, dasz ihm einer unter die nase tritt. Göthe 29, 247; ich trat jetzt sogar dem gespenste mit trotz und hohn unter die nase. Thümmel 3, 317; also das (
er) ihm gut rund teutsch under die nasen sagt. Fischart
Garg. 264
a; ich begreife gar nicht, wie der herr von Voltaire einem Engländer .. so etwas unter die nase sagen können. Lessing 7, 70. II@22)
der gesichtsausdruck, die miene, in der redensart mit einer langen nase abziehen,
d. h. unverrichteter sache und deshalb mit enttäuschtem, verlängertem gesichte abziehen: mit der langen nasen dervon gehen. Denzler 210
a; er ist mit einer langen nasen darvon gangen, abgezogen. Aler 1453
a; mit einer langen nasen abziehen müssen. Hennig
preusz. wb. 168; hat also mit einer langen nasen wider abziehen müssen. Harsdörfer
lust- und lehrr. gesch. 1, 86; woselbst er gewisz mit einer langen nasen abziehen müszte.
Pierot 1, 202; verzeihen sie meiner schwachheit, die ohnehin mit der etwas langen nase genug gestraft ist, mit welcher sie hat abziehen müssen. Bürger 496
b; da giengs aus .. und muszten abziehen mit langer nase. Schiller 2, 32 (
räuber, schausp. 1, 2); aber der schulrath ... ziehet mit einer langen nase ab. J. Paul
Siebenk. 1, 123; es soll sich gleich zeigen, wer von uns beiden mit der längern nase abziehen wird. Lessing 10, 240.
auch mit langer nase stehen lassen: sie geht und läszt mich hier mit langer nase stehn. Kotzebue
dram. sp. 2, 172.
da es aber auch heiszt einen mit der langen nasen abweisen (Denzler 210
a), einem eine lange nase geben (Frisch 2, 9
a),
so kann unter der langen nase
der obigen redensart wol auch die nase
verstanden werden, die einem gemacht, gezogen
worden ist, s. unter IV, 1. IIIIII.
die nase (
als der hervorspringende theil, gewissermaszen der haken des gesichtes)
ist aber auch das bild des hindernisses, widerstandes, daher eine nase (
wie einen haken) haben,
schwierigkeiten haben, nicht so glatt und leicht von statten gehen: das hat nasen (
aus der Eifel),
nd. dat heft e nä
s. Wander 3, 953;
basl. das hett e nase. Seiler 219
b; ja, rechnen hat seine nase, besonders wenn man es nicht wohl kann. Gotthelf
Uli der pächter (1859) 128. IVIV.
die künstliche (
aus pappe, wachs)
oder durch eine handbewegung gemachte nase,
woran sich wieder eine menge von redensarten knüpfen. IV@11) eine nase
oder lange nase: einem eine lange nase machen, ziehen,
ihn durch gestus einer mittels der ausgespreiteten finger gleichsam verlängerten nase verspotten. Schm. 1, 1758
Fromm., vgl. gecknasen
th. 4
1, 1925; einem ein nasen machen, einen vermupfen oder verspotten,
uncis naribus indulgere. Maaler 303
b; ein jedes aufgestutzte bäumchen höhnt mich an .. der buchsbaum zieht mir eine nase. Göthe 2, 92; mit der langen nasen abweisen,
respuere Denzler 210
a; eine nase laufen oder holen, seines suchens oder hoffens verfehlen. Zedler 23, 712; einem eine lange nase geben,
rejicere alicujus consilia, risui exponere Frisch 2, 9
a; eine nase bekommen (
wie einen korb bekommen),
repudiari ebend.; eine nase bekommen, kriegen,
einen verweis erhalten, weil demjenigen, der einen verweis bekam, ehemals eine bunte nase von pappe aufgesetzt wurde (
allgemeiner anzeiger der Deutschen 1841,
s. 569),
doch kann die redensart wol auch vom andrehen einer wachsnase herrühren, vgl. Wander 3, 955, 203: eine nase kriegen. Hennig
preusz. wb. 168; ene näse
oder ene lange näse krigen.
brem. wb. 3, 219; er kann noch eine nase dazu krigen.
d. deutsche student (1779) 16; nasen, die er .. von der regierung bekommen. J. Paul
flegelj. 1, 33; ohren, die beinahe noch länger sind als die nasen, die er wöchentlich von seinen obern zugesandt erhält.
grönl. proc. 2, 43; eine nase geben,
einen verweis ertheilen: drob der alte Fritz erstaunte und ihm eine gutgelaunte oheimliche nase gab. Freiligrath (1870) 3, 34. IV@22)
viele redensarten können bestimmt auf die angedrehte wachsnase, die sich nach allen seiten biegen und wenden läszt, zurückgeführt werden: das sie das recht wol bgen ... als ob es wer ein wAechsin nasz. Brant
narrensch. 71, 11; die geschrifft ihr biegen .. machen darausz ein wächsin nasen.
s. xxxvii
b, 26; welche schrifft doch ... nur ein loser dörfftiger toder buchstab ist, der nicht werd ist, das man sich vil mit ir bemühe, vil minder, das einer sein heil drauff setze: dieweil sie ein wAechssene nas ist, die einer inn allerlei gestalt biegen mag. Fischart
bienenk. 35
a; darumb die bauren nicht unbillich sagen, das recht hab ein nasen von wachs gemacht, die auff beide seiten und wie man wil, mag gedrehet ... werden. Kirchhof
wendunm. 128
a (1, 157
Öst.); das recht hat ein wAechsene nasen. Lotichius
ad Petron. (1629) 2, 96. Simrock
sprichw. 444 (die wächserne nase
soll die unbestimmtheit des rechtes, dessen geschmeidige, biegsame natur anzeigen. Hildebrand
rechtssprichw. nr. 13
a); dasz sie lieber den originaltext des
N. T. für eine wächserne nase erklären, als einen widerspruch in ihm zugeben wollen. Lessing 10, 65.
besonders sind hervorzuheben die redensarten IV@2@aa)
mit biegen: (
der) die warheit kan verschlahn mit liegen, dem recht ein wächssen nasen biegen. Waldis
Es. 4, 75, 158. IV@2@bb)
mit drehen (andrehen),
s. th. 2, 1365
und dazu noch: ein wAechsin nasen trAeyen. Frank
sprichw. 2, 148
a; nasen drehn, d'augen verkleiben. Kirchhof
wendunm. 128
b (1, 158
Öst.); einem ein nasen drehen. Denzler 210
a; also ist denn der arme Christus schendlich und ubel geteuscht .. weil sie im solch eine feine nasen drehen und einen solchen schönen ströern bart flechten. Luther 5, 55
a; so hat er nu dis stück auch widerlegt wider der jüden wahn, die der schrifft eine nasen dreheten. 392
b; also mus man der schrifft eine nasen drehen, das sie sich nach unsern gedanken dehnen lasse. 6, 180
b; der dreht der sachen wol ein nasen. H. Sachs 7, 176, 22; dasz ir damit den königen und aller welt eine nasen drehen ... wollet. Schade
sat. 2, 104, 3 (
v. j. 1537); damit ihr also dem armen verführten volck ein nasen trehet. Engerd
seelenartznei (1581) 36; (
er beredet sie,) was er wil, drähet ihnen eine nasen.
buch d. liebe 193, 3; ich sprach, ich wer seumlich in der sache gewesen, drähet ihm also ein nasen.
ebend.; o ihr solt heut noch wunder sehen, wie ich ihm wil ein nasen drehen. J. Ayrer 2802
K.; ir müst ... der gerechtigkeit ihren rechten gang und lauff lassen, und derselben weder durch bitt noch interesse eine wächsene nasen zu drähen verstatten. Albertinus
guld. sendschreiben (1625) 1, 63
b; allein war er ein meister dem recht ein wächsern nasen zu drehen. Harsdörfer
lust- und lehrr. gesch. 1, 10; wir solten ihm aber ja keine nase drehen, sonsten würde es uns zur sauren suppe gereichen.
Felsenb. 4, 270; nun war ihm gelungen, einen flächsenen bart und eine wächserne nase seinem könig zu drehen. Göthe 40, 97; wir haben sie lange genug in ihrer maske gesehn .. wir lieszen von ihrer maske uns keine nase drehn. Wieland
der neue Amadis 11, 31; ists möglich .. dasz dein orakelspruch und dein beseeltes bild und deine fantasie dir eine nase drehen?
Idris 5, 74; einem eine nase an (
an das gesicht) drehen,
ihm etwas aufbinden, s. th. 1, 316; meinen, man wolle ihnen eine nase andrehen. Arnim
schaub. 2, 349. IV@2@cc)
mit machen (
wie drehen): mit welchem honig ... der teufel sein angel beschmirt und ein nasz macht. Frank
weltb. 133
a; und der ausschus muszte die nasen helfen machen, das ire lose verlegung .. nicht eraus komen müste. Luther 5, 278
b.
mit dativ: machen sie dem armen volk ein nasen. 1, 381
a; damit man gott ein nasen gemacht und die leute betrogen hat. 5, 407
b; aber er macht mir die nasen (
spiegelt mir vor), er hette sie (
die bücher) drauszen geschrieben. 4, 374
b; bei geringer besatzung mag man dem feindt als ob sie sehr stark .. ein nasen machen (
ihn zu täuschen suchen). Kirchhof
disc. milit. 35; der geschrift mach ich ein wechsen nas. Murner
narrenbeschw. 3, 63; hie siht man, wie der geistlich standt die göttlich schrifft helt vor ein tandt .. und ir ein wächssen nasen machen. Waldis
Es. 4, 18, 70; hiemit entschuldigen sich die finantzer, welche den leuten mit falscher gefärbter ware und thand ein nasen machen und betriegen si. Schottel 1132
b.
überhaupt ein (
anderes)
gesicht und ansehen, den anschein oder die (
falsche)
deutung, auslegung geben: wie wolt er diser seiner meinung ein nasz und ansehen gemacht haben. Frank
chron. 354
b; ob sie schon für den unwissenden der sachen mit plaudern eine nasen machen können. Luther 5, 277
b; darumb müssen sie diesen geboten eine nasen machen, das mans nicht solle also strenge deuten. 378
b; so kan man nichts reden oder schreiben, man kan im mit worten ein ander nasen machen. 6, 427
a; ein jurist .. der auch einer ieden sachen, wie bösz ie dieselbig war, wann gelt darbei stund, ein nasen machen und das recht verdunkeln kondte. Kirchhof
wendunm. 127
a (1, 156
Öst.). IV@2@dd)
mit stellen: warumb solt nicht auch jemand dem spruch
s. Pauli ein solche nasen stellen (
eine solche deutung geben) können, das er auch von zweierlei bischoven zu verstehen were. Luther 2, 133
a; sondern sich auch vermessen, ihm gar ein wilde nasen zu stellen.
br. 2, 368. IV@2@ee) enem näsen ansetten (
ansetzen),
einem eine nase drehen. brem. wb. 3, 219. IV@33) eine nase gewinnen, bekommen, haben,
ein (
anderes)
gesicht und ansehen, eine andere gestalt oder (
falsche)
deutung erhalten: es mus noch alles viel ein andere nasen gewinnen, sol es recht hinaus gehen. Luther 1, 345
a; und müste auff Emsers glosiren
s. Paulus spruch ein solch nasen gewinnen: der geist macht lebendig
etc. 394
a; ich höre, das wol fünff mal dis edict sei verendert, und haben viel sich dran geerbeit, noch hat es nirgend wöllen eine nasen gewinnen, die im wol stünde. 5, 291
a; du hast einen guten kerl an der hand, der macht das höflein zuweg, dasz es eine nase hat (
gut aussieht). Gotthelf
schuldenb. (1852) 102. VV.
verschiedenes nasenähnliches. V@11)
kleines vorgebirge, landspitze Frisch 2, 9
a. Bobrik 506
b;
vorspringender fels Schöpf
tirol. idiot. 462; die blanke neese,
eine weisze landzunge. brem. wb. 3, 220; die obere und untere nase am Vierwaldstättersee. Stalder 2, 231; der (
Vierwaldstätter) see scheint nun durch die sogenannten nasen, zwei in den see vorspringende ausläufer sich schlieszen zu wollen. Meyer
Schweiz (1875) 337; die links in den (
Thuner) see vorspringende felsige ausladung heiszt die nase, sie ist der fusz des steilen .. Beatenbergs. 537.
die altnord. und ags. sprache hat dafür eigene formen des wortes entwickelt: altn. nes,
ags. näs,
woraus engl. ness
vorgebirge. V@22)
bergspitze, montis cacumen, de spitze edder nese eines berges. Chytraeus
cop. 10 (
bei Golius
nur spitze). Frisch 2, 9
a;
schweiz. mit eigener wortform: der nosen, nossen
die zinke, der gipfel. Stalder 2, 243. V@33)
in der baukunst der astförmig herausgebogene, zur ausfüllung der zwickel dienende theil der rippen im goth. maszwerk; der meist verkehlte vorsprung des auftritts vor der vorderseite der treppenstufe. Müller-Mothes
archäol. wb. 697
a;
vgl. dachnase, pechnase, wassernase. V@44)
der hakenansatz des dachziegels: nase heiszt auf denen dach- und hohlziegeln das an dem rücken derselben befindliche zäpflein oder häcklein, woran sie auf die latten gehangen werden. Zedler 23, 715. Vochs
baulex. 200. V@55)
die nase
des hobels, der gebogene griff am vordern ende desselben. Frisch 2, 9
a. Jacobsson 3, 129
b. V@66)
die nase
des pflugs, womit das streichbrett mit der griffsäule verbunden ist. Jacobsson 3, 129
b. Seiler
basl. idiot. 219
a. V@77)
die nase
des steigeradklobens, welche den vordersten zapfen des steigerads hält. Jacobsson 7, 433
b. V@88)
eine kleine erhöhung gegen die mitte des barts an den schlüsseln französischer schlösser. Jacobsson 6, 629
a. V@99)
bei den hutmachern ein holzstück, in dessen kerbe die saite des fachbogens liegt. Jacobsson 3, 129
b. V@1010)
bergmännisch, schlacken, die sich beim schmelzen an der mündung der form ansetzen. Zedler 23, 715; nase, die aus einer kruste von schlakken besteht, welche sich über der form ansetzet, worauf das geschmelze ruhen und nicht sogleich roh vor das gebläse kommen kann. Cancrin
bergwerke in Hessen 111.
Chemnitzer bergm. wb. 365
b. V@1111)
nautisch, der schiffschnabel: de näse van een schipp.
brem. wb. 3, 220; die nase in den wind setzen,
das schiff gegen land in den wind kehren. Jacobsson 2, 8
b; mit der nase in den wind stechen; den wind auf der nase haben; das schiff liegt in der nase (
wenn es vorlastig ist)
u. dgl. bei Bobrik 506
b. V@1212)
botanisch, abgeschnittene nase,
die pimpernusz, staphylea pinnata Nemnich 2, 1363. VIVI.
der näsling, cyprinus nasus Forer
fischb. 170
b. Nemnich 1, 1365. Brehm
thierl. 8, 675. Schm. 1, 1758
Fromm.; nd. nese Schütze
holst. id. 3, 142; wo die barbe beiszt, da sieht die nase nicht neben ume, und wo die nase beiszt, spaziert der alet vorbei. Gotthelf
erz. 2, 202.
schon mhd. im habsb. urbarb. 100: swaʒ der nasen væht ze dem laich;
mlat. naso
Ruodl. 13, 42. VIIVII.
die eigentliche composition (nasebein, nasbein
u. s. w.)
ist heutzutage fast ganz durch die uneigentliche (
mit dem schwachen genitiv nasen: nasenbein)
verdrängt worden, die auch in den folgenden compositis vorangestellt wird.