lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gefahr

nhd. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
14 in 13 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
42
Verweise raus
72

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gefahr f.

Bd. 4, Sp. 2061
gefahr, f. insidiae, dolus, periculum. II. Form und nebenformen, ziemlich manigfaltig. I@11) gefahr ist eine wesentlich erst nhd. bildung. die ursprüngliche form (s. unter fahr f.) war, im geschlecht verschieden ausgeprägt, mhd. vâre f. und vâr m. (wie kêre f. und kêr m., vgl. unter 4), ahd. nur fâra f. bezeugt, aber gewiss auch schon fâr m., wie alts. auszer fâr m. gewiss auch schon fâra f., wie mnd. vâre f.; ags. fær m. (engl. fear, s. u. II, 4)), altn. dagegen fâr n. (vergl. unter 4), norw. aber auch fare m. neben far n. Aasen 148a. I@22) auch nhd. war noch lange fahr vorherschend (s. III, 1245 fg.), das selbst Wieland, Herder, Göthe, Schiller noch brauchten und auch jetzt noch nachklingt in fährlichkeit; im 16. jh. selbst noch in voller form fahre, obwol selten (s.fahr 2): kirchendienen hat viel mühe, fahre und unlust. Luther vorrede zu Daniel, Bindseil 7, 381. Anderseits tritt doch auch schon mhd. allmälich öfter vâr f. auf, s. im mhd. wb. 3, 266a, 1. 4 sîne vâr, diser vâr, bei Lexer 3, 21 ân alle vâr Elis. 2157, in aller vâr Apoll. 1200 (wie nd. z. b. ût der vâr Rein. 1902), gewiss auch oft in dem formelhaften âne vâr u. ä.; das ist aber wol nicht ursprünglich, sondern gewaltsam gekürzt, durch die gewalt des häufigsten gebrauchs im leben (wie kêr f. für kêre), das schwanken und nachklingen des -e gieng aber eben bis ins 16. jh. Unser gefahr ist also anzusehen (oder anzuhören) wie etwa das ältere und mundartliche bahr für bahre, lehr für lehre, d. h. es ist bei der wiederherstellung der -e (vgl. sp. 1597. 1599 ff.) vergessen worden, wie kehr in rückkehr u. ä. (s. kehre). I@33, I@3@aa) die verstärkung durch ge- ist bis jetzt erst im 14. 15. jh. beobachtet (Lexer 1, 956), aber schon in fester formel mit gevar u. ähnl. (s. II, 2, a), sodasz es älter sein musz, zuerst natürlich gevâre; noch im 16. jahrh. schreibt der schreiber der Ambr. hs. im Biterolf 12596 on gfare für mhd. âne vâre. daneben aber ist im adj. gefährlich das ge- auch schon gut mhd. (s. dort). bemerkenswert übrigens im 16. jh. auch befahr f. (s. dort), in der bedeutung furcht (s. II, 4), vgl. sp. 1623 unter b. I@3@bb) auszer dem hd. ist es unbezeugt im nd., musz aber nach gevarlicheit u. a. im 16. jahrh. auch bestanden haben, vielleicht durch hd. einflusz; aber dem nnd. ist es wieder fremd, obwol das adj. nicht (s. gefährlich I, d). fürs nl. geben es am ende des 16. jahrh. Kilian, Binnaert, ghevaer, periculum, discrimen (neben vaer, s. unter II, 5); noch jetzt gevaar (aber als n.), bei Weiland zich in gevaar begeven, gevaar loopen u. ähnl., aber es steht doch wol auch unter hd. einflusz, vielleicht von anfang an, obwol es auch im leben gilt, z. b. fläm. Schuermans 153a; ist doch auch in schwed. fara f. neben altem fâr n. ein hochd. (oder nd.) einflusz nicht zu verkennen. I@3@cc) das anschieben des ge- muszte schon veranlaszt werden durch die zur seite gehenden mhd. gevære adj. und subst. (s.gefähr), geværde subst. (s.gefährde), bei denen es überliefert und natürlich war als adj. und subst. verb.: man mochte nun auch gevâr als subst. verb. fühlen, wie ein adj. verb. gevâr bestand (s. das vorige gefahr), während umgekehrt das zeitwort vâren, væren erst vom subst. vâre gebildet ist. wie lose man aber noch im 16. jh. das ge- fühlte, zeigt z. b. Ölinger gramm. (1574) 51, der es mit nennt unter composita quibus ge euphoniae tantum gratia apponitur, e. gr. die gezeugnus, die geschrift, die geschwulst, die gefar, die gelust, der gepräst (s.gebreste), der geschmuck (zugleich nachträglich zu sp. 1623 γ). I@44) auch das mhd. masc. vâr erscheint mit ge- verstärkt, im anfang des 16. jh., alem.: also verlech er (der päbstl. legat) .. dem gotzhus, das ain herr von Ow (der abt) möchte .. bichtvetter, weltlich priester oder ordensman .. erwellen und setzen (zur beförderung des beichtens) .. doch das söllich, so allda bichten wellen, kainen gevar und arglist mit iren pfarrer triben, sonder denselben in der vast korsamy (gehorsam) in bicht geton hetten. G. Oheim chron. von Reichenau 33, 18, dasz sie die rechte ihrer eigenen pfarrer damit nicht schädigten und verkürzten (s. II, 2, a). so vielleicht auch folg. bair. gefars gen.: ob sich ain zehentherr gefars oder betrugs zu besorgen het. landordn. von 1553 Schm. 1, 550, in derselben bedeutung. Aber auch ein neutr. oberd. und md., an das altn. fâr n. und nl. gevaar n. erinnernd: ohn alles gefar, casu, fortuito, temere, forte. Schönsleder S 5d; ein esel hat derselbig man .. der kam ins haus on als gefahr, des hunds ward er beim herrn gewar u. s. w. Waldis Es. I, 13, 11, wie sonst on alles gefär, von ungefähr (s.gefähr 1, c, β). noch bair. östr. das gefâr Schm. 1, 550, Höfer 1, 279, aber es fällt in der dortigen aussprache leicht mit gefär n. zusammen und wird auch von Schmeller als gefär aufgestellt, wie umgekehrt gefär bei Schönsleder als gefar aufgefaszt sein kann; auch bei Waldis könnte nur die gebräuchlichere wendung mit gefär das n. herbeigezogen haben, das sonst keinen anhalt hat. I@55) der heutige schwache plur. gefahren ist eigentlich unrichtig, noch im 17. jh. vielmehr stark gefahre, doch mit verlust des -e, z. b.: grosze gefahr bedörfen grosze arznei, in maximis periculis etc. Henisch 974; so bei Luther fahre pl. (Dietz 1, 624b). doch erscheint es auch im 16. jh. schon schwachformig, im alem., das die schwache bildung früh gern erstreckte: er hat vil gefaaren zuo wasser und zuo land bestanden und erlitten. Maaler 161a. IIII. Bedeutung und gebrauch. II@11) gefahr ist ursprünglich feindliche nachstellung, auflauern, auch der überfall (s. u.gefähr 2, b), als subst. zu mhd. vâren, ahd. fârên nachstellen, nachtrachten, auch auf der jagd, z. b. durch fallstricke (s.faaren, foren III, 1257 fg., auch gefahren, gefähren). II@1@aa) so noch im 17. jh. gefahr der feinde, überraschend genug, vgl. gefähren 1, a so im 17. jh.: gib deinen freunden dein geld nicht zum besten auf einmahl, und stehe auch auf der wacht vor der gefahr deiner feinde. Olearius pers. baumg. 2, 4, noch wie ahd. vâra des vîantes (teufels), mhd. vîentlîche, mortlîche vâre u. ähnl.; vgl. übrigens befahren gefährden, verfolgen auch noch im 17. jh. (I, 1248), gleich gefahren, und das adj. gefähr feindlich gesinnt. II@1@bb) ähnlich im 16. jahrh. einem gefar zufügen (vgl. zurichten nachher), wie mhd. wol einem vâre tuon: gedacht er (Neidelhart) im: warlich ich han nit wol darinn gehandelt zwar, das ich so mancherlei gefar hab zuogefgt dem edlen held. Teuerd. 99, 6, er hatte ihn mit tückischer berechnung aus einer lebensgefahr in die andere geführt. II@1@cc) auch der heutige begriff ist noch im grunde derselbe, nur so zu sagen auf das andere ende einseitig beschränkt (wie beim adj. gefahr 2) und mit vergessen des ersten endes oder anfanges, d. h. nur noch von der lage des gefährdeten, nicht mehr von dem thun des gefährdenden, von dem das ganze ausgieng. wie der begriff zwischen beiden enden schwankt, zeigt z. b. einem gefar zurichten im folgenden: so rupfen die den adler (das reich), die in beschirmen solten und der vögel meniklich richt im zu gefar und schaden. Nürnb. chron. 3, 58 (var. geferd und schaden); einem ein grosze gfaar zuo richten, eim auf leib und läben tringen. Maaler 181c. II@22) daher dann böse absicht, arge berechnung, arglist, betrug, übervortheilung u. ähnl., d. h. aus dem kriegsleben, in dem sichs ausgebildet haben wird (und auf der jagd) in das gewöhnliche leben übertragen. II@2@aa) so besonders im gemeinde- und rechtsleben. II@2@a@aα) mit gevar, on gevar. ein schreiber der stadt Augsburg, der 1370 von der stadt nach Nürnberg geschickt wird, entnimmt dann von den ratsherren weit mehr kosten als er gehabt hat, durch falsche berechnung: des wurdens hernach innen, das er von in ze vil mit gevar eingenommen hett wol 137 guldin. Augsb. chron. 1, 310, 30; nun solt ir wissen, dasz es ainem erbarn rat gar laid wär, solt iemant unpillich beschwert sein in diser stat, besonder mit gefar, also ob (wenn z. b.) ainer mer müest geben (steuern) dann der ander. 2, 119, 4, 'zumal mit absichtlicher, bewuszter schädigung', antwort des rates an die klagenden zünfte, vgl. bei Maaler 181d etwas mit gfaar thuon oder gfaarlichen handlen, facere periculose; dasz diese vorgeschr. stücke (einer schenkung) .. mit unsern willen .. geschehen seind und unverbrüchlichen gehalten werden one allerlei argelist und gefar. urk. v. 1402 bei Schamelius beschr. des klosters zu Roszleben s. 67. II@2@a@bβ) gefar brauchen, suchen, treiben u. ä.: und (dasz) darinn kain gevar oder laszung gepraucht würde. Haltaus 609, von pflichtschuldiger hülfeleistung, aus Worms vom j. 1495. beamte sollen beim erheben des zehnten kein gfar suchen noch ainichen fürkauf treiben, mit den zehentgarben kein gfar oder betrug brauchen. Schm. 1, 550 aus der bair. landordn. von 1553, vgl.gefar und betrug unter I, 4, gevar und arglist treiben das. in einem schützenbrief der stadt Meiningen von 1579, der das schieszen ausschreibt, wird zum schutze der gäste u. a. bestimmt: es werden auch keine krumme oder gleich gereifte, gewundene, holnätige rhor zugelassen, sondern alle gefahr ausgeschlossen. L. Bechstein d. museum 1, 284. noch um 1600: (er solle das geforderte) vollziehen und (dabei) gar kein gefahr brauchen. Ayrer proc. 1, 10; die mülner sollen dem malman die stund, wann man ihme das getraid aufschüttet, wissentlich benennen .. damit am malen ainige gefahr gespüret werde. östr. weisth. 1, 13, jede unredlichkeit bemerkt. auch altn. fâr n. von ränken und betrug im handel, s. Fritzner 133b. s. auch gefähr und gefahren 1, b, gefähren 1, c, betrügen. II@2@bb) jenes mit gevâr entspricht als gegensatz dem häufigen mhd. âne vâr oder vâre, ân alle vâre, womit betheuert ward dasz etwas in bester absicht, oder ohne absicht, ganz arglos gesagt, gethan werde (vgl. Boner unter 4, b), noch im 16. jh. on fahr (s.fahr 2 aus S. Frank). dafür denn später auch ân gevâr, on gefar, z. b.: (ein flöszer, der mit dem flosz aufgefahren, sagt aus) daʒ er an gevar gevaren sei und under seinen dank (wider willen) auf die wur gerunnen. Münchner stadtbuch bei Schm.; in dem sihet on alle gefar, oder vil mer durch gottes schickung Maximilian den glast (des lichtes hinter ihm, beim pulverfasse, und löscht es). S. Frank clavis zum Teuerdank c. 60, deutlich schon vom bloszen zufall, 'ohngefähr', eig. ohne absicht von jemandes seite (s. auch ungefar unter gefährde 1, e, ε). noch im 17. jh.: dise ding geschehen ohngefar, fors ita tulit, ohn alles gefar casu, fortuito Schönsleder S 7d. gewöhnlich doch on gefär (s.gefähr 1, c), auch neben mit gefar im 16. jh. z. b.: an S. Valentins tag (man kundte nit wissen, ob es ongefehr oder mit gefahr geschehen wer) gieng zu mitternacht ein grosz fewr auf in der statt München. Avent. chron. 494b, die worte klingen übrigens wie aus versen entnommen. II@2@cc) hierher gehört auch die gefahr im alten rechts leben, von der die rechtswissenschaft noch spricht, doch zugleich in die folg. bedeutung übertretend und sonst eigenthümlich entwickelt. die herschende alte form ist übrigens noch vâre, nd. und md. (vgl. übrigens mhd. unter gefährlich), und bezeichnet eigentlich den fall oder die lage, wo einer vor gericht sich einen formfehler zu schulden kommen läszt, z. b. beim ablegen eines eides, sich gleichsam eine blösze gibt (eigentlich im kampfe), die dann der gegner auflauernd (vârende) zum schaden des andern ausbeutet; denn aus dem kampfleben ist auch das übertragen, wie so vieles im rechtsleben (vgl. krieg II, 2). Aber auch gefahr, im anfang des 17. jh., als einleitung einer wichtigen rede vor dem geding: hat der älteste (scheffe, im namen der andern bescheid gebend) .. also gesprochen .. schulteisz, wollet ihr mich nit fahren, ob ich mehr red als ich bescheid seie (sicher weisz)? .. darauf der schulteisz gesprochen: die gefahr ist abgestattet. weisth. 6, 539, von der untern Mosel, d. h. das strenge aufpassen auf ein zu viel sagen und der daraus etwa euch oder der gemeinde erwachsende schade soll bei seite gesetzt sein (ab staten gethan), ich will euch nicht fâren, eigentlich nachstellen. Der eigentliche sinn tritt im 12. jh. noch deutlich hervor in dem lat. ausdruck dafür insidiae verborum 'quod vulgo dicitur vare' Brem. wb. 1, 346; in einem Naumburger rechtsbriefe von 1152 wird flämischen ansiedlern u. a. auch als schutz zugesprochen: si quis eorum juramento expurgare voluerit, nulla occasione impediatur, nullis verborum insidiis capiatur. Michelsen rechtsd. aus Thür. 145 (auch capere aus dem kriegs- oder jagdleben); daher lat. auch captio, calumnia verborum, juricapium, s. Homeyer Ssp. II, 1 s. 618, ausdrücke die zugleich darauf deuten, wie man dem gegner gegenüber 'gefährlich' verfuhr (s. u. gefährlich II, 2, c, auch gefähr adj. 1, c), ihn zu einem solchen 'gefährlichen' fehler zu verleiten, ihm eine falle zu legen suchte, ihn zu gefahren (s. d. 1, a); weiteres s. bei Homeyer a. a. o., auch richtst. landr. s. 431, H. Siegel die gefahr vor gericht u. im rechtsgang Wien 1866 (sitz. der ak. 51, 120 ff.). Es hiesz dann auch so der schaden, den sich einer zuzog, besonders die fällige geldbusze (gewedde, vergl. gefahren 2, c), aber auch der eid oder die bürgschaft die man zu leisten hatte dafür, dasz man âne vâre handeln wolle, s. Brem. wörterb. 1, 346 (vergl. gefährde 1, c, γ). übrigens auch 'gefährde, hinterlist in verträgen' das. 345; vergl.gefährde 1, c, auch gefähr. wie das zugleich in die folgende bedeutung einlenkt, zeigt z. b.: nun fällt jedem in die augen, dasz seine (des gegenadvocaten) letzte schrift nicht abgefaszt ist, dem urteil folge zu leisten, sondern dasselbe zu eludiren. er hat also seine sache mehr als jemals in gefahr gesetzt. Göthe als rechtsanwalt in Frankf. bei Kriegk kulturb. 307. II@33) gefahr von der lage des gefährdeten (vgl. 1 am ende), der gebrauch der nhd. allein auf dem platze geblieben ist. II@3@aa) schon bei der einfachen form findet sich auch diesz bereits in mhd. zeit, wenigstens im 14. jahrh., besonders md.; folgende stellen lassen zugleich den übertritt aus der ursprünglichen in die neue bedeutung sehen (vergl. 1, c): und di uberblibne schar, dî gesetzit bleib in vâr (von feinden umringt). Jeroschin 10870; und lac alsus mit grôʒir vâr bevlochtin und mit sorgin (vom teufel bedroht) unz an den lîchtin morgin. 22449; ir îclîcher hette (im bette liegend) sîn swert ûf sîne huf (hüfte) vorwâr gebundin durch (wegen) der nachte vâr. 2289. ebenso mnd., z. b. im Reineke vos: de slange, beide raven, wulf unde bare, hir mankt (mitten darunter) stunt he in groter vare. 4644, denn er war da in groszer gefahr. Reinicke fuchs Frankf. 1583 148a; bi nacht to wanken bringet var. R. vos 994, bei nacht wandern bringt gefahr. R. fuchs 45a; Isegrim bevol al de he kende .. dat se Reinkens nemen war, dat he nich wechqueme ut der var. R. vos 1902, dasz er nicht komm aus dieser gefahr. R. fuchs 70b. auszer dem hd. aber schon weit früher, z. b. ags.: flugon (flohen) forhtigende, fær ongêton (witterten gefahr). exod. 452. auch altn. fâr n. und nochn. fare, schwed. fara f., norw. faara m. II@3@bb) die verstärkte form ist noch im 16. jh. z. b. bei Luther äuszerst selten, nach Dietz 2, 35a, er hat nur eine stelle: auch mit gefahr des lebens. schr. 1, 405b; in den alten einzeldrucken aber scheint nur fahr gebraucht, und auch wo die bibeln gefahr geben, wie Tob. 4, 4. Sir. 13, 17. 1 Macc. 4, 18, hat noch die von 1545 vielmehr fahr; aber bemerkenswert ungefar schon in einem drucke von 1520: des nehsten far und ungefar. Dietz 1, 624a (durch den rhythmus empfohlen). auch von oberd. wbb. haben die neue form noch nicht der voc. inc. teut., der voc. 1482 (aber geverde); aber Dasypodius zwar im lat. theil nur gevarlichkeit u. ä. (s. gefährlichkeit, im 16. jahrh. häufig für unser gefahr), aber im deutschen neben fahr 323c auch gefahr periculum, discrimen 337a, sich in gefahr geben, in gefahr des lebens stohn, aus gefahr erlösen u. ähnl., d. h. erst bei der bearbeitung des 2. theils ist es in seinem bewusztsein durchgedrungen. dagegen bei Maaler nur noch gefaar 161a, öfter gfaar 181d, mit viel beispielen. merkwürdig ist dabei, dasz im j. 1523 in dem Baseler nachdruck von Luthers N. T. auch das einfache fahr (gefahr lag ja nicht vor) noch mit unter den auslendigen wörtern erscheint, mit ferligkeit, sorgligkeit erklärt (Fromm. 6, 42a). II@3@cc) es heiszt in gefahr sein u. ähnl., die gefahr noch wie ein raum, eine gegend gedacht, in dem ein feind, ein unheil oder schade auf uns lauert: in gfaar ston (vgl. d), in gfaar kummen, setzen, gäben, in ein gfaar bringen. Maaler 182a, in die gefaar bringen, setzen, dare in discrimen. 161a; auszert der gfaar sein oder weit von der gfaar, abesse a periculo. 181d (ohn gefahr sein, in portu navigare Henisch 1413); einer gfaar entgon, entrünnen. das.; sich in gfaar gäben. 182a; wer sich in gefahr begibt, kommt darin um (wer sich gern in fahr gibt, verdirbt darinne Sir. 3, 27); sich der gefahr entziehen. einen der gefahr entreiszen, aus der gefahr retten u. a.; in groszer gefahr schweben. Rädlein 330b; einen in gefahr stürzen. Frisch 1, 238c; und wie beide heilig geschworen, in allen gefahren tapfer zusammen zu halten. Göthe 40, 175. Wie sehr sich aber der begriff sachlich verdünnt oder seinen kreis erweitert hat, zeigt z. b. folgendes, selbst mit der alten kräftigen wendung in gefahr stehn, die noch sehr geläufig ist, obwol mit vergessen des ursprünglichen sinnes (s. d): denn wenn es, freund, noch zwanzig jahr beständig lenz und sommer bliebe, ich stünde wahrlich in gefahr, dasz ich kein wort, so sehr ich dich auch liebe, in allen zwanzig jahren schriebe. Gökingk 2, 142. auch ironisch, wie vielfach im alltagsverkehr, z. b.: A. sie wollen mir die summe doch nicht etwa schenken. B. nein, damit hats keine gefahr (wie davor sind sie sicher). II@3@dd) gefahr stehn, laufen, mit seltnem acc. bei intransitiven verben. II@3@d@aα) jenes in gefahr stehn wird unmittelbar aus dem kampfleben stammen, eigentlich wie mitten in der gefahr, von feinden umgeben (von gefahren umgeben, vgl. gefahrumgeben): bei dem mein leben offenbar zuo mermal ist gstanden in gefar. Teuerd. 98, 156. dazu dann mit acc. (seine) gefar stehen, eigentlich ihr gegenüber stand halten, dann sie mutig auf sich nehmen: kam ein jeger und bracht die mer, wie in dem wald ein pyrin (bärin) wer mit sambt iren welflein klein .. (Teuerd.) sprach: ja, weis mich newr allein dar, ich wil damit steen mein gefar. Teuerd. 14, 16; denke dran was sie für fahr gestanden hat, da sie dich unter irem herzen trug. Tob. 4, 4; so musz ich auch wol stehn gefahr. Rein. fuchs (1583) 99b; der wiedersprechende (der in der volksversammlung der mehrheit widersprach) muste aber auch so dann seine gefahr stehen, indem der stärkere theil sich selbst helfen konnte. Möser osn. gesch. 1, 216. auch ein gfaar beston, adire periculum (wie einen feind) Maaler 181d, ihr entgegen treten, gefahr ausstehen, defungi periculis Henisch 1413, eigentlich bis zu ende stand halten; die gefahr überstehen. Frisch 1, 239a. II@3@d@bβ) ähnlich gefahr laufen, sich einer gefahr aussetzen, eig. hineinlaufen: ich will alle gefahr laufen, auf mich nehmen, I will stand or run all hazards. Ludwig 707 (also auch englisch run und stand, franz. courir risque), vergl. noch in derselben zeit in doppelte gefahr laufen Aler 859a, noch später der ganze staat wird mit in gefahr laufen Steinbach 1, 406; aber ohne in bis jetzt: ich hätte gefahr gelaufen, mich ... vielleicht zu verschnappen. Lessing 12, 196; o ihr Athener .. werdet ihr jemals glauben können, was für gefahren ich laufe, um mir euere gute meinung zu erwerben. Wieland 9, 40 (Musar. 1, anmerk. 8); und wolltest du .. die gefahr laufen und einem freien volke .. fesseln schmieden? 8, 213 (Danischm. c. 26); in solchen fällen scheint uns rathsamer zu sein, den vorhang ein wenig wegzuziehen, als aus übertriebener bedenklichkeit gefahr zu laufen, vielleicht die unschuld selbst ungegründeten vermuthungen auszusetzen. 1, 257 (Agath. 5, 7); man müste also diese gefahr laufen, man möchte wollen oder nicht. Schiller IV, 165. die franz. wendung wird darauf einflusz gehabt haben. II@3@d@gγ) eigen aber 'gefahr laufen' wie éin wort selbst wieder mit acc., im 18. jh.: dasz er, anstatt diesen .. weg einzuschlagen, lieber das äuszerste gefahr läuft. Schiller VI, 69, 18 (11. br. üb. d. Carl.); aber ist sie die künstlerin, welche einen ostracismus gefahr laufen könnte? III, 591; doch wollten sie lieber die ungnade ihres herrn gefahr laufen. VII, 197, 28. 327, 25. jetzt herscht dafür riskieren, d. i. franz. risquer, und das franz. wort mag dahinter gedacht sein. früher hiesz es wagen, eigentlich besteht aber auch gefährden (3, c) und gefahren (3) in dieser bedeutung. II@3@ee) die gefahr wird näher bezeichnet II@3@e@aα) durch einen inf. oder satz: hier ist gefahr zu stürzen, auf gefährlichen wegen; die truppe kam in die gefahr abgeschnitten zu werden; fürchtest du nicht die gefahr, dein ansehen zu verlieren?; die gefahr, dasz er sein ansehen verlieren könnte. II@3@e@bβ) durch den gen.: gefahr des leibs und lebens, capitis discrimen. Henisch 1413, noch jetzt lebensgefahr (aber sonst lieber gefahr für das leben); er begibt sich in gefahr ehren und guts. Agricola spr. 10a; in gefahr des lebens stohn. Dasyp. 337a; er stehet in gefahr seiner ehre. Stieler 401; ich will sie mit gefahr meines lebens stehlen. Schiller II, 172, 23; ihm über die dringendste gefahr seiner person und des ganzen staats die augen zu öfnen. IX, 371; sie haften mir dafür ... bei gefahr des kopfs. V, 2, 374 (Carlos 4, 16). II@3@e@gγ) aber auch mit dem gen. dessen was uns mit der gefahr bedroht: gfaar des meers, maris alea. Maaler 181d, wie noch die gefahren der see, der nacht u. ähnl.; in gfaar ston des kräbses, es ist zeförchten, der kräbs schlahe darzuo. 182a; ehe der tag die gefahr der nacht vertrieben. Aler 858b; gefahr des tods. das., jetzt todesgefahr (neben lebensgefahr, doch sachlich gleich), feuersgefahr, kriegsgefahr, aber mit doppeltem sinne, gefahr die ein vorhandener krieg bringt und gefährliche möglichkeit dasz krieg werde. II@3@e@dδ) natürlich auch mit dem gen. dessen, den die gefahr trifft, z. b.: sie theilte alle gefahren ihres gatten; ich liebe meines herrn (d. h. 'ihre') gefahr nicht. A. Gryphius 1, 775; vgl. meine gefahr unter f, β, eigne gefahr: der hund mit seiner eigen gefahr hat uns gegeben diese lahr. Alberus Es. 19b; dagegen fremde gefahr, für einen andern übernommen: es darf (braucht) niemand frembde gefahr suchen, er hat sein selbst gnug. Henisch 1413, 51. II@3@ff) bemerkenswert sind noch andere wendungen. II@3@f@aα) einfach es ist gefahr (dasz u. s. w.), periculum est, von einer gefährlichen, nachtheiligen möglichkeit; es ist gefahr dabei, res est periculosa. Frisch 1, 239a; es ist gefahr vorhanden, imminet periculum. Stieler 401. auch es hat nicht gefahr Steinb. 1, 406, keine gefahr Frisch, Göthe 15, 8 (s. IV2, 68), das hat oder damit hats keine gefahr. früher mit stehn ähnlich: sonst möchte meinem g. h. eine fahr so wol als uns allen drauf stehn. Luther 4, 374b; es stat im gfaar darauf und nit mir, es stat im kein gfaar darauf. Maaler 181d. und dem entsprechend es hat gefahr auf sich, im 17. jh.: über das hatte es auch gefahr auf sich, so lang da zu bleiben, dann ich muste sorgen dasz .. ich verkundschaft würde. Simpl. 1, 344, 15 Kz. (3, 23); vgl. das heutige es hat nichts auf sich, das schadet nichts, was aus jenem gekürzt sein mag. II@3@f@bβ) auf seine gefahr, auf die gefahr etwas wagen u. ähnl.: auf meine gefahr, meo periculo, meo damno. Aler 858b; vor eure rechnung und auf eure gefahr, four your accompt and risk. Ludwig 707, im handelsleben, z. b. von einer waarenversendung (vgl.γ), schon bei M. Krämer 511b auf euer gefahr, a vostro rischio, alle spese vostre; dasz ers auf seine gefahr thut. Schiller Piccol. 5, 3. auch eingeschoben in den satz, wie ein ausruf, mit gehobenem tone: ich antwortete ihr .. dasz sie, auf ihre gefahr, über das leben meiner jungen freundin gebieten könne. Wieland 2, 65 (Agath. 7, 8); bleib du dem wahren getreu und der ungeschminkten natur, so kannst du, auf meine gefahr, die andern regeln verletzen. 4, 3 (Amad. 1, 2), d. h. ich nehme es auf meine gefahr, nehme den etwaigen schaden auf mich, übernehme die verantwortung: wie sie denn auch das gegentheil zu verantworten auf ihre eigene gefahr nehmen. Ludwig 707; er nahm es auf seine gefahr, nach aufgehobener tafel mit dem kaiser davon zu sprechen. Schiller 1104a. tirol. auf wag und gfar, a rischio Schöpf 122. Wenn bei einem vorhaben von einer drohenden schwierigkeit gesprochen wird, sagt einer wol auf die gefahr (hin) geh ich mit, d. h. davor fürchte ich mich nicht, das nehme ich auf mich; auf die gefahr, denkt Psyche, wollt ichs wagen. Wieland 9, 292. daher im Gottfried von Berl.: Georg. würden wir dann auch reiten (wenn dieser allgemeine friede einträte)? Gottfr. der unruhigste kopf wird zu thun genug finden. auf die gefahr wollte gott Deutschland wäre diesen augenblick so! Göthe 42, 145, Hirzels j. G. 2, 138 (vgl. 333), eine kühne volksmäszige wendung, bei der die ausgaben noch keine interpunction versucht haben; d. h.: auf die gefahr! fürchtest du das?! ich nicht, auch auf diese gefahr hin wünschte ich doch u. s. w., auch das sollte mir nicht bange machen. vgl. auf gefährd hin unter gefährde 2, c. II@3@f@gγ) im handelsleben: die verkaufte sache steht sogleich nach geschlossenem kaufcontracte auf der gefahr des käufers, ihn trifft der schade den sie etwa erfährt; der käufer trägt die gefahr; der verkäufer hat die gefahr bis zur ablieferung übernommen u. ä.; vgl. unter β auf eure gefahr, jetzt lieber ital. risico (neben franz. riskieren). II@3@gg) auch zum begriffe ist noch bemerkenswert, wie er sich auf einer seite nun so verdünnt hat, dasz man auch eine blosz unangenehme, ja nur unwillkommene möglichkeit eine gefahr nennt (vgl. unter c aus Gökingk, s. auch gefährlich 4, d), wie aber anderseits doch auch die alte volle kraft noch nachklingt z. b. in dem beliebten drohende gefahr, gefahrdrohend, es droht die äuszerste gefahr (das allerschlimmste denkbare), wo nicht eine blosze möglichkeit, sondern ein wirklicher schade das drohende oder gedrohte ist; so im 16. jahrh.: da ich noch war ein junger mann, fieng ich an jungen zieglein an, der hab ich mancher den tod gethan, manch lämblein jung bracht ich in gefahr. Reinicke fuchs (1583) 73a, d. h. habe sie erbissen, nicht blosz mit dem tode bedroht. daher mit schade verbunden, beide wesentlich gleich (s. auch ebenso gefähr 2, b a. e., gefährde 3, a): wir hettens alle schand fürwar und dar zu schaden und gefahr. 70a. in vocc. des 15. jahrh. wird auch periculum mit schade erklärt (Dief. 426c), wie bei Maaler 181d 'gfaar, schad' (s. auch gefähr 2, b, gefährde 3, a). im 18. jh. verdeutlicht Rädlein 320b gefahr mit not. doch auch das gefahr drohen ist da inhaltlich schon recht klein geworden, folgendes z. b. würde wol noch dem 17. jh. als stark übertriebener ausdruck fast lächerlich erschienen sein, in einem frühlingsliede: kein nordwind drohet weiter der zarten haut gefahr. Gotter 1, 27 (vom j. 1769). Auch mundartlich zeigen sich verdünnungen des begriffes, z. b. bairisch es is oder es hat e gfar, ob .., es ist ungewiss, ich zweifle, s. Schm. 1, 550; es is e leichte gfar, das schadet nicht viel, hat nichts zu bedeuten. 551, schwäb. 's ist a gfahr, hat wol etwas zu bedeuten, s. Schmid 178; schweiz. dagegen es is e gfahr, öb .. oder .., ist einerlei, eigentlich ironisch, s. Tobler 219b. II@3@hh) sprichwörtlich: nicht mehr denn täglich not und gefahr. Henisch 1413; gefahr und creuz machen andächtige und fleiszige leut. das.; vil jahr vil gefahr. 1414; vil jahr und gefahr bringt weisheit gar. das., also von den heimsuchungen, prüfungen des lebens. bemerkenswert ist: gefahr wird nicht ungefahr vertriben. 1413, 63, ungefahr schon für on gefahr, wie gleich darauf gefahr musz man mit gefahr überwinden, wo zugleich der ursprüngliche begriff noch herausblickt, anfeindung des lebens o. ähnl., der man nicht weichen, sondern mit eignem angreifen begegnen musz. II@44) zu erwähnen ist doch auch eine seite des begriffes, die nur gerade hd. nicht völlig entwickelt ward, die verlegung ins innere, d. h. die gefährliche lage wie man sie in sich empfindet, also furcht, angst, schreck (vergl. diesz schreck als äuszerlich und innerlich zugleich). II@4@aa) am bekanntesten ist so engl. fear, altengl. feer, fere, auch ags. fær schreck schon mit ins innere übergehend (gefæran schrecken). auch schwed. mundartlich fara f. furcht Rietz 128a, altdän. fare Molb. dansk gl. 1, 199, fries. fær Halbertsma 961, Outzen 69, nl. 'vaer metus, terror, horror et periculum' Kilian, noch jetzt alterthümlich vaar f., auch landsch., wie fläm. Schuermans 770a. auch dem hd. immer näher rückend nrh. im 15. jh. vair, sorge Teuth. 283a, mnd. vare pavor Dief. 418a, oft z. b. im Rein. vos; dann auch md. vâr, pl. vâre zwischen dem äuszeren und inneren schwankend, im pass. und bei Jeroschin, ins letztere wol ganz übertretend in eines vâr hân, ihn fürchten Herb. 14840, s. mhd. wb. 3, 267a. II@4@bb) aber hd. dennoch nicht, denn die beiden hd. stellen dort sind anders zu fassen. in der klage 1848 L. (3700 B.) ist für Lachmanns enwâge und envâr mit Bartsch enwage und envar zu schreiben, in wogender, fahrender bewegung, zu var weg, wanderung, wie das enwage schon im mhd. wb. 3, 641a so berichtigt ist. bei Boner 91, 29 aber, wolte trinken âne vâr (von dem heiszen weine, den er für kalt hielt), entspricht diesz dem on gevar unter 2, b, ohngefähr, so ohne weiteres, ohne acht zu haben, wie es im welschen gast 10418 heiszt er ist sîn gevære niht (var. wirt sein gewar), achtet nicht auf ihn, denkt nicht an ihn. allerdings ist beide male von schädlichem die rede, in der zweiten stelle von einem feinde, also zugleich wie ohne arg, arglos, das auch noch beide gegensätzliche bedeutungen vereinigt: ohne arges zu wollen, und ohne arges zu fürchten, was sich ja auch vereinigt in 'ohne an arges zu denken'. ein hochd. var furcht könnte folgendes bezeugen: verlicher oder vorchtsamer, timoratus, periculosus. voc. 1482 ii 2a; aber in diesem Nürnb. voc sind nd., md. quellen benutzt, s. z. b. brutlacht e 3b, hoike t 5b, wickersche oo 1b, buten e 4b. II@4@cc) auch ein gevar, gefahr furcht gibt es nicht, wol aber befahr f. nebst befahren fürchten (schwed. befara), auch sich befahren, im 16. jh. auch sich befehren (I, 1248 m.) und wol gefähren (s. d. 3, f), s. auch erfähren erschrecken, mhd. erværen; s. auch das östr. gefähr 3, abergläubische besorgnis. merkwürdig genug, dasz die sonst allgemein entwickelte bedeutung auch im hochd. so weit vordrang und doch von gefahr fern blieb, während sie im engl. umgekehrt siegte. doch in älterem mitteldeutsch und in norddeutschem hochdeutsch, das ja zugleich mit niederd. sprachbewusztsein arbeitete, ist es zu erwarten und liegt wol z. b. im folg. vor: sein hausfraw im entgegen gieng .. sagt, wie sein ausbleiben gar sehr sie hab manch zeit vorfert, und mehr, wie ihr für ihn sei bang gewesen, so leid, dasz sie nicht genesen hab können für angst, sorg und gfahr. Thedel Unvorferd D 2b, Gödeke 11 b. d. d. 1, 151a; so musz man eins fürs ander zwar gewarten mit sölcher gefahr. F 5a, Gödeke 152a.
31579 Zeichen · 842 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gefahr

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Gefahr , plur. die -en, die nahe Möglichkeit eines Übels, und dieses mögliche Übel selbst. In Gefahr kommen, gerathe…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gefahr

    Goethe-Wörterbuch

    Gefahr 1 bedrohliche, gefahrvolle Lage, widrige, heikle Gegebenheit a in allg Aussagen (auch in personifizierter Vorstel…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gefahr

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Gefahr , im gewöhnlichen Sprachgebrauch meist die mehr oder minder naheliegende Möglichkeit eines schädigenden Ereigniss…

  4. modern
    Dialekt
    Gefahr

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    G e fa h r [Kfôr allg. ] f. Gefahr. Wer d Gf. liebt, kummt drin um Osenb. Wë nn m e r uf de m Wasser is t , is t m e r a…

  5. Sprichwörter
    Gefahr

    Wander (Sprichwörter)

    Gefahr 1. Besser die Gefahr vermeiden, als Schmerz und Elend leiden. Dän. : Heller at fly for faren end at umage doctore…

  6. Spezial
    Gefahr

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Ge|fahr f. (-,-en) 1 prigo (-ghi) m. 2 (Risiko) risch (ri s ć ) m. ▬ auf meine eigene Gefahr sön mi risch; sön mia respo…

Verweisungsnetz

91 Knoten, 95 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Hub 2 Kompositum 77 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gefahr

42 Bildungen · 31 Erstglied · 8 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von gefahr

ge- + fahr

gefahr leitet sich vom Lemma fahr ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gefahr 2 Komponenten

gef+ahr

gefahr setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gefahr‑ als Erstglied (30 von 31)

gefahrbringend

DWB

gefahrbringend , jetzt gern so zusammen und adjectivisch gebraucht; vgl. gefahrdrohend .

gefahrdeich

DWB

gefahr·deich

gefahrdeich , m. nordd., in den marschländern, deich vor dem sich kein vorland, nur wasser befindet. Campe.

gefahrdrohend

DWB

gefahr·drohend

gefahrdrohend , nun gern als éin wort behandelt, wie gefahrbringend, schon bei Klinger 7, 180 .

gefahren

DWB

gefahren , verstärktes fahren, d. i. mhd. vâren, gevâren ( vgl. das vorige ), ahd. gifârên, s. unter fahren III, 1256 ff. 1 1) ursprünglich …

Gefahrenabwehr

DERW

gefahren·abwehr

Gefahrenabwehr, F., ›Tätigkeit der Polizei zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch die Be- kämpfung von Sachlage…

Gefahrenklassen

Meyers

gefahren·klassen

Gefahrenklassen heißen im Versicherungswesen die Klassen, in welche die versicherten Personen oder Gegenstände nach dem Grade der Gefährdung…

Gefahrenlos

Campe

gefahren·los

Gefahrenlos , — er, — este , adj . u. adv . ohne Gefahr, mit keiner Gefahr verbunden, außer der Gefahr. Ein gefahrloser Versuch  Seine Freu…

gefahrgewohnt

DWB

gefahr·gewohnt

gefahrgewohnt , wird aus Göthes liede kriegsglück angeführt, in der ausg. l. h. 1, 148 steht aber noch getrennt gefahr gewohnt, das zusammen…

Gefahr im Verzug

Meyers

Gefahr im Verzug , Bezeichnung für einen Zustand, bei dem nur durch sofortiges Eingreifen eine drohende Gefahr oder Schaden abgewendet werde…

gefahrlos

DWB

gefahr·los

gefahrlos , periculi expers, in portu navigans Stieler 1178 , z. b. ein gefahrloses unternehmen.

gefahrnis

DWB

gefahr·nis

gefahrnis , f. n. verstärktes gefahr, aber vom zeitwort gefahren gebildet: rühme nur, wie viel gefahrnis bei deiner kunst sei. Lessing 8, 50…

gefahrpfennig

DWB

gefahr·pfennig

gefahrpfennig , m. ein gewisses strafgeld, von rutzscher oder klopfzinsen und gefahrpfennigen spricht Gleichenstein beschr. der vorm. abtei …

gefahrsam

DWB

gefahr·sam

gefahrsam , gefährlich: auf dem gefahrsamen glückseis ist gar leicht den hals brechen. Otho 223 ; bei Schmeller 2 1, 742 ungefârsam, ohne ge…

Gefahrstoffverordnung

DERW

Gefahrstoffverordnung, F., ›Gefahrstoffe betreffende Verordnung‹, 2. H. 20. Jh., s. Gefahr, Verordnung

Gefahrtragung

DERW

gefahr·tragung

Gefahrtragung, F., ›Belastung mit dem Risiko des Unterganges des Leistungsge- genstandes‹, 20. Jh.?, s. Gefahr, tragen, ung

Gefahrts

LothWB

Ge-fahrts [gfârds Ri. Hom. Rom. Ha. ] n. Hin- und Herfahren. — els. 1, 128 .

gefahrumgeben

DWB

gefahr·umgeben

gefahrumgeben , von gefahren umgeben ( ags. færbifangen Beow. 2009): dem busen des gefahrumgebnen weibes. Göthe 9, 346 ( nat. t. 4, 2).

gefahrumhüllt

GWB

gefahrumhüllt [ betr den Sieg des Psaumis, den das Siegeslied verherrlicht ] Immer ringet an der Tugend Seite | Müh und Aufwand | Nach g-em …

Gefahrumwölkt

Campe

◬ Gefahrumwölkt , adj . u. adv . von Gefahr gleichsam umwölkt, d. h. von Gefahr umgeben, mit großer und vieler Gefahr verbunden. » Gefahrumw…

Gefahrzins

Adelung

gefahr·zins

Der Gefahrzins , des -es, plur. die -e, ein Zins, der, wenn er nicht zur bestimmten Zeit abgetragen wird, den Verlust des Zinsgutes nach sic…

gefahr als Zweitglied (8 von 8)

Einsturzgefahr

RDWB1

Einsturzgefahr f (Lakune) für etw. besteht ~ - что-л. грозит вот-вот рухнуть

lebensgefahr

DWB

lebens·gefahr

lebensgefahr , f. vitae discrimen, capitis periculum. Frisch 1, 591 c ; er rettete das kind mit eigener lebensgefahr.

Notsgefahr

DRW

not·s·gefahr

Notsgefahr, f. ernste, äußerste Gefahr das hette ... der einfeltig mensch denken söllen, daß in notsgefahr alle gesetz aufgehoben sind 1615 …

seegefahr

DWB

see·gefahr

seegefahr , f. fortuna, rischio, pericolo di mare. Kramer diction. 2, 729 c ; see- oder meergefahr, periculum piraticum Stieler 402 ; ewere …

todesgefahr

DWB

tod·es·gefahr

todesgefahr , f. gefahr, die den tod droht ( vgl. lebensgefahr ) Ludwig 1986 : todsgefahr ausharren Fischart ehz. 58 (454 Sch. ); mein tocht…

Ableitungen von gefahr (3 von 3)

gefahre

DWB

gefahre , n. vieles fahren ( s. sp. 1616 fg. ): es ist ein beständiges gefahre auf der gasse. Adelung. auch fläm. gevaar n. Schuermans 153 a…

ungefahr

DWB

ungefahr , n. ein mhd. ungevar s. v. a. ungeverte mhd. wb. 3, 251 a . dieses ungefahr erscheint noch in einem steir. bannteiding aus dem anf…

Ungefahren

Campe

Ungefahren , adj . u. adv . nicht gefahren.