gebrest,
gebreste,
gebresten,
m. n. gleich gebrech,
gebrechen,
subst. verb. zu gebresten
gleich gebrechen,
ein im laufe der nhd. zeit absterbendes, endlich erstorbenes wort, das aber in unserm jahrh. wieder erweckt wurde. II.
Die formen sind, wie die bed. gleichfalls, wesentlich denen von gebrechen
gleichlaufend entwickelt, das zu vergleichen ist. I@11)
jetzt bekannt ist nur das gebresten,
als inf. vom zeitwort gemeint, als gewählte, seltene nebenform von das gebrechen,
das selbst nur später für das masc. gebreche
eingetreten ist (
sp. 1840),
und allgemein bekannt blosz seit und durch Schillers
gebrauch im Tell (II, 5,
a).
denn wie sehr das wort den Mittel- und Norddeutschen entrückt war, obschon es auch in md. rede sich noch findet als volkswort (
s. II, 4,
d),
das sieht man daran, dasz noch Adelung,
selbst Campe,
das ganze wort, auch das zeitwort, nicht aufführen, und schon früher im 18.
jh. Steinbach, Schmotther, Kirsch
nicht; nur beiläufig gibt es noch Ludwig
unter gebrechen, Rädlein 326
b als landschaftlich, auf gebrechen
verweisend, Adelung
nur gebrest
als alt unter bresthaft; Aler 427
b kennt blosz brest
mangel, bresten
deficere, bresthaft.
die Oberdeutschen kennen es freilich auch im 18.
jh. noch, wie der Schweizer Denzler,
der doch auch nur das zeitwort beiläufig gibt ('gebresten,
s.manglen' 2, 123
a);
auch Frisch 1, 135
c kennt es nicht blosz aus den alten wörterbüchern, behandelt es aber gleichfalls als veraltet, er war ja Norddeutscher geworden. selbst im 17.
jahrh. nennt es zwar der Thüringer Stieler 236,
aber auch Oberdeutsche, wie M. Krämer,
geben nur brest (
s. 2,
b)
und bresthaft,
selbst im anfang des jahrh. so Schönsleder II 6
a (
anders Henisch),
d. h. es war ganz durch gebrechen
verdrängt, den Oberdeutschen nur in ihrer gestutzten form geläufig (
s. 5).
so ist das wort durch Schiller wieder auferweckt worden (
nicht ohne eingeschlichnes misverständnis, s. II, 5),
der übrigens durch einen Schweizer, Tschudi
dazu veranlaszt war, obwol es ihm aus der heimat bekannt sein muszte (
s. u. 5).
es ist aber ein bruchstück ohne halt, da ihm im bewusztsein das zeitwort fehlt, denn an bersten,
das eigentlich dazu gehört (
vgl. gebirste
unter 6)
kann man nicht mehr denken. schon im 16.
jh. übrigens macht z. b. Luther
keinen gebrauch davon, obwol es sich früher auch bei mitteld. schriftstellern findet. I@22, I@2@aa)
die alte vorherschende form ist vielmehr der gebreste (
wie der gebreche),
mhd. und auch nhd., ahd. gewiss nur zufällig blosz in einfacher form bezeugt bresto
defectus, detrimentum Graff 3, 274,
das auch mhd. als breste
und oberd. bis in neue zeit galt, neben gebreste
hergehend, wie im zeitwort bresten
neben gebresten. I@2@bb)
neben dem m. bestand übrigens ahd. auch ein fem. bresta,
von der hochzeit zu Cana heiszt es: thes wînes ist in bresta. Otfr. II, 8, 14 (
alts. thô im thes wînes
brast Hel. 2012);
und das könnte wol noch nhd. vorliegen im folgenden: dieses wasser ist eine sonderliche herz- haupt- und hirnstärkung, benimmt alle breste und kälte derselben. Hohberg 3, 1, 551
b;
wirklich gibt im 17.
jh. M. Krämer
teutsch-it. wb. 297
b brest
f., mangel, gebrechen (
im nl. wb. 2, 46
a ohne geschlecht),
vgl. auch niederd. brast
f. beschwerde Schamb. 32
b (
vgl. II, 4,
e),
mnl. ghene berste hebben,
keinen mangel Oudemans 1, 543. I@2@cc)
nhd. auch im nom. gewöhnlich gebrest
oder gebresten,
doch auch noch voll: gebreste,
defectus. Dasyp. 308
d,
während er das. und 69
b daneben setzt: defectio., ein abfal, mangel, gebresten (
aber als m.).
dagegen Maaler 159
d gibt nur der gebrästen,
daneben der gebräst.
im acc. z. b.: ir habt mir meinen gebresten gesaget.
buch d. liebe 290
a. I@33)
ein wirklich starkes gebrest
m. bestand aber mhd. (
wb. 1, 258
a),
gewiss schon ahd., wie ja auch altn. brestr
m.; doch fehlt es in den wörterbüchern noch an einem gen. gebrestes,
dat. gebreste,
pl. gebreste,
und die belegstellen lassen auch das n. zu (
s. 4),
der dat. aber: von gebreste der spisen Closener 39, 51;
das m. ist gesichert durch deheinen brest
Lanz. 8072, sôgetânen gebrest
Augsb. stadtb. s. 214,
vgl. gebrist m. unter 6,
schon im 11.
jh. disin gibrist II, 1,
c. s. auch nhd. brest
m. als acc. oben II, 372.
vgl. auch das gepreste
acc. bei Suchenwirt
unter II, 1,
b. I@44)
ein neutr. gebrest,
das noch nicht verzeichnet ist, findet sich doch auch hier, wie bei gebrech (I, 4);
so noch jetzt landschaftlich das gebräst (II, 4,
e),
und schon mhd. in grôʒ gebrest machen Rothe
rittersp. 3899 (
s. II, 3,
c),
auch wenn in der gold. schmiede 4057
für ob an ir ougen sî gebrest
die Münchner hs. aus dem 14.
jahrh. sint gebrest
setzt (
obwol das auch gekürztes gebreste
plur. m. sein könnte).
dagegen kann ich ein neutr. gebresten,
das auch mit diesem n. gebrest
durchaus nicht eins wäre, vor Schiller
nicht finden, auszer: 'brest, gebresten, das,
vitium, defectus' Stieler 236,
der es doch im beispiel gleich darauf (
s. II, 6
a. e.)
selbst als m. behandelt; wenn Pfeiffer
im Jeroschin
s. 154
einen dat. gebristen
auf das heutige sprachgefühl hin zweifellos als n. ansetzt (
und danach Lexer),
so bedarf das weiteren beweises, dasz es nicht der dat. zu gebreste
m. ist; vgl. unter gebrechen I, 3
sp. 1840. I@55)
oberd. erscheint gebreste
um das ge-
verkürzt, mit dem ursprünglich einfachen breste
sich begegnend, doch erkennbar an p-
für gb- (
s. sp. 1606
fg.): natürlicher präst. Zwingli
u. II, 4,
d, er braucht doch zwischendurch gebresten (
dat.)
touf p ij
a,
von der erbsünde; präst,
mangel, kein prästen noch mangel haben,
plur. die prästen. Maaler 319
d; präst, gebräst,
vitium. das., wonach er sich des p-
gleich gb-
bewuszt war (
das ä
drückt das tiefe, gebrochne ë
aus).
so noch bei Wieland
brieflich: hilf mir nur treulich, bruder, dasz der Merkur immer mehr eingreifendes in den gegenwärtigen moment unsrer zeit, unsrer sitten .. unsrer narrheiten und mancherlei presten bekommt.
an Merck in dessen briefs. 2, 144,
vom j. 1778,
vgl.presthaft unter gebresthaft.
beides war dort als canzleiausdruck geläufig geblieben, und Wielands
gebrauch ist so gemeint. I@66)
ältere nebenformen sind: gebrust (
s. d.),
gleich gebruch
mangel, das sich mit seinem vocal zum part. gebrosten
stellt, wie gebreste
zum praes.; eigen aber auch gebrist m., so md. oft bei Jeroschin (
s. Pfeiffer
s. 154,
vgl. unter II, 1,
d),
wie brist (: ist) Herb. 14154,
aber auch oberd. schon im 11.
jahrh. gibrist,
s. II, 1,
c, d. h. ohne brechung des vocals, wie eben in gebrust (
und nord. brist
u. 7),
während ein gebrich
für gebrech
nicht da ist (
wol aber gebroch
für gebruch);
vgl. entsprechende abweichungen im praesensvocal beim verbum I,
b. noch im 16.
jh. gebrist leiden: solches alles ist umb geld verkauft, des ich gebrist musz leiden und kein pfennig han. Glaser,
phasma Frischlin. 1, 2.
Am bemerkenswertesten gebirste, d. h. mit dem umsprung des r
wie in bersten,
der sonst nur nd., nl. ist, aber hier schwäb. im 14.
jh. (Lexer 1, 760): und wAer daʒ daʒ guot ze Aphelsteten gewst und zergengt würd .. so sol ain ieglicher kircherr (
dem das gut jährliche leistungen schuldet), der also dar an gebirsten het (
davon nicht befriedigt würde), die selben zehen schöffel .. nemen usz dem zehenden ze Eglingen.
mon. Zoll. 1, 255,
vom j. 1384,
nachher doch ebenda: ob im dar an gebrAest,
gebräche. Auch die form mit dem vocal des praet. fehlt nicht, brast, doch mit eigner entwickelung, s. II, 4,
f. I@77)
auszer dem hd. findet sich nur im nd. gebiete: mnl. berste
defectus Dief. 169
c, Oudemans 1, 543 (
fem., wie es scheint, s. 2,
b);
mnd. dagegen nur burst, borst,
mangel, abbruch, wie hochd. gebrust, bruch,
s. Schiller
u. Lübben 1, 399
b;
es musz aber im nd. gebiete überhaupt früh eingegangen sein, wie das zeitwort. nordisch dagegen bis heutzutage jenes, wie dieses und zwar der hd. form näher als der niederd.: altn. brestr
m., mangel, norw. brest Aasen 79
a,
schwed. brist,
dän. brist
und bröst. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11) der gebreste
ist eigentlich ein bruch, der einen schaden mit sich bringt, wie gebreche;
dann schaden, lücke u. ä. II@1@aa)
so im eigentlichsten sinne noch im 15.
jahrh.: bruch oder geprest, als ein schart an einem ding,
fractura. voc. 1482 e iij
b.
mhd. z. b. in einem schwerte, gleich scharte, lücke,
s. die stelle aus Tristan unter gebrech II, 1,
e, wo auch das ausgebrochene stück selbst, daʒ vertâne stücke,
noch ebenso der gebreste
heiszt; ist doch das letztere auch noch jetzt zu erkennen in bair. brästen
plur., bruchstücke, z. b. zerbrochene, zerbröckelte kohlen Schm. 1, 266,
während fürs ahd. blosz die bildliche bedeutung defectus bezeugt ist (I, 1),
ein handgreiflicher beweis, wie dürftig gerade nach der sinnlichen seite die ahd. aufzeichnungen sind. auch im nord. liegt diese noch wolerhalten vor, denn dän. brist,
norw. brest
mangel bezeichnen auch noch scharte, ritze, wie altn. brestr,
daneben auch den knall des brechens, wie hd. gebrech
und zu gebreste
gehörig brast. II@1@bb)
das übertreten ins unsinnliche, die schädliche bedeutung eines solchen bruches oder schadens zeigt z. b. folgendes, von der beschädigung einer urkunde: und were, ob dirr insigel (
an dem kaufbriefe) ains .. zerbrochen würt .. oder ob disem briefe sus dehainerlay schade oder gebresten zuo fiele ('
zufällig'
geschähe) oder beschAech von wasser, von fiure .. das alleʒ sol noch mag im (
dem käufer) dehainen schaden, kumber (
rechtliche verkümmerung) noch gebresten bringen.
mon. Zoll. 1, 392,
vom jahre 1404,
zugleich von der beschädigung des briefes und seines inhabers (
wie schade
eben auch),
den allein ja der gebreste
trifft. von diesem gebreste,
das so in urkunden oft erscheint, macht ein dichter bildlichen gebrauch, indem er einen freigebigen herren preist, wie zuverlässig seine versprechen waren, gleich '
brief und siegel': wem er mit worten icht verhieʒ, der het der priefe guoten rat (
konnte ihrer gut entraten) sein herze (
gesinnung) was mit rainer tat insigel und hantfeste (
urkunde), dar an nieman gepreste chund erchennen (
ausfinden). Suchenwirt 6, 118,
wo gepreste
doch für geprest
stehen musz, mit dem unechten -e
z. b. bei Beheim
sp. 1848,
das sich besonders in Österreich für den reim früh entwickelte (
s. greife schon Neidhart 90, 13).
vgl. übrigens gebrech II, 1,
c in gleichem gebrauch. II@1@cc)
daher für lücke, leere stelle, die erfüllt,
ausgefüllt werden musz; noch im 16.
jh.: cartilago,
i. e. knorbel, ist gemacht zuo erfüllen den gebresten der gebein. Gersdorf 3,
die stellen wo die knochen enden, zu fehlen anfangen, ganz wie schon im 11.
jahrh., von der leeren stelle, die durch den fall Lucifers in der himmelsordnung wurde (
vgl. unter kor 3,
b a. e.): der selbo, derdir wîsi und almechtig ist, samfti (
leicht) irvulter disin
gibrist: er gischûf zi der selbin heimi Adam ûʒʒir demo leimin. Diemer
ged. 95, 2, Müll.
u. Scherer
denkm. XXXIV, 7. II@1@dd)
ähnlich von der verfinsterung der sonne (
wie gebrech III, 3,
c): darnâch di sunne leit
gebrist, in dem heumânde, sô man list ... an des tagis sechzênder stunt wart dirre
gebreche kunt. Jeroschin 186
c; daʒ di sunne leit (
litt) gebrist an irme schîne. 40
b. II@1@ee)
schaden überhaupt, z. b. den ein ausgetretener flusz thut: der selbe hof, diu huobe .. gebent .. v müt kernen (
als zins) .. âne ein vierteil das gât abe, von dem gebresten, den diu Ture getân hât an den ackern.
habsb. urb. 239, 16,
wird erlassen wegen, in folge des schadens —
man sieht wol, wie das herkömmliche hartnäckige festhalten des abstracten '
mangel, fehler'
als begriff des wortes das wirkliche verstehen hindert, wie bei gebrechen. II@22)
von krankheit, leibesschaden, wie gebrechen
sp. 1842
fg., vgl. das zeitwort 3,
b. II@2@aa)
von krankheit im allgemeinen: mit den selben segen vertreip men ouch meniger hande gebresten unde siechtagen.
Straszb. chron. 272, 7; präst, gebräst, krankheit am ganzen lyb oder an besunderen glideren,
vitium. Maaler 319
d; das gebrännte wasser kann auch zu innerlichen gebresten gebraucht werden. Tabernaem. 1067; ein fast gelerter doctor medicine, der all gebresten an iederman vertreiben und curiren konte. Kirchhof
wend. 1, 112
b (138
Öst.); mit einem kreutlein .. allerlei gebresten zu heilen. 120
a (147). die gebresten
des alters, s. gebrechen II, 2,
d, vgl. gebresthaft. der gebräst, anlaster, präst,
vitium Maaler 159
d,
während er für mangel gebrästen
m. gibt. einen gebresten haben,
defectum corporis habere Frisch 1, 135
c (
vgl. unter c),
s. die begriffsbestimmung Zwinglis
unter 6,
a. II@2@bb)
im besonderen von seuchen (
wie gebrech): mein vater Burkhart Zingk starb zu Memingen an dem gepresten der pestilenz.
Augsb. chr. 2, 135, 15.
jh.; kam der gebresten der pestilenz unversehenlich in ain haus zu Mösskirch.
Zimm. chron. 2, 455; in diesen reden aber, die in lateinischer sprach beschahen, war ain misverstand, dann die kinderkrankhait bei den arzten im latein haiszt sovil als der hinfallend geprest. 3, 330,
vgl.gebrech sp. 1843 (
α)
von epilepsie. bair. vichpresten,
viehseuche Schm. 1, 267,
schweiz. bresta
m. Tobler 76
b,
vgl. bei Maaler 319
d ein prästen der rinderen,
coriago. II@2@cc)
der nachweis bei gebrechen,
dasz es von wirklichem, sinnlichem brechen,
von knochenbrüchigen wunden ausgegangen (
zugleich als schaden
gedacht),
nicht von dem abstracten gebrechen,
fehlen, ist hier zur zeit nicht möglich; aber es wird hier ebenso sein, auch die innerlichen gebresten
unter a deuten darauf hin, und dasz schweiz., appenz. der bresta,
leibesgebrechen, besonders eine äuszerliche krankheit, z. b. einen bruch, bresthaft
herniosus bezeichnet, s. Tobler 76
b, Stalder 1, 217,
vgl. noch im 18.
jh. ein bresthafter
verstümmelter soldat Adelung 1, 1189.
kein wunder übrigens, dasz mans später zu jenem allgemeinen gebrechen
hinüberzog, wie denn später gefragt wurde was gebricht dir,
was fehlt dir? und ebenso was gebrist dir? II@33)
wie gebrechen II, 3,
d im rechts- und gemeindeleben, so auch gebreste,
gewiss auch mit demselben ursprung, vom rechtsbruch ausgegangen. II@3@aa)
übelstand, misstand, eigentlich wol unrecht, verkürzung worüber man sich zu beklagen hat (
vgl.gebrech II, 3,
c);
so ungefähr im folgenden: swär einen êhalten dinget, der mak des niht vertrîben ê ze sînem jâre (
ihn nicht vertreiben vor ablauf des dienstjahres), unde mag auh er von im niht chomen ân sîner herschefte willen, eʒ enmüge danne eintwederʒ (
eins von beiden) für geziehen sôgtânen gebrest, dâ mit eʒ von dem andern ledik müge wärden.
Augsb. stadtb. s. 214,
ein derartiges unrecht vorbringen; wir Wenczlaw, von gots gnaden romischer kunig .. zu besorgen und untersteen (
verhüten) irrsal, gebresten und schaden, die von .. schedlichen münzen uf erstanden sind .. und wann auch wir küntlichen, merklichen schaden und gebresten gefunden haben an der werung ..
Nürnb. chr. 1, 240,
nachher dafür groʒ gebrechen und schaden.
die begriffe schaden, not, mangel mischen sich von selber ein. II@3@bb)
der begriff beschwerde, eigentlich beschwerdegrund, tritt stärker hervor, wie bei gebrech
sp. 1845,
z. b. im folg.: würde aber ieman mit dem andern darumbe stöszig (
im handel), obe pfenninge guot oder nit guote sin solten, die süllent ire gebresten bringen vür die (
die wir dazu bestellt).
Straszb. chron. 997, 25; fursumetent sich des die vögete zuo tuonde (
dem priester ein haus zu geben), so mögent die dorflüte umbe den gebresten die zehende unde andere ire rechte (
leistungen, pflichten) inne behaben, unze das der pfaffe do seszhaft wirt.
weisth. 4, 145,
elsässisch; vgl. Immermann
unter 5,
b. II@3@cc)
hier erklärt sich vielleicht auch folgendes merkwürdige gebrest machen;
von einem feldherren, der nicht nach rang und reichthum gewählt wurde, sondern nach wirklicher kriegserfahrung, heiszt es: der dorfte nicht machin grôʒ gebrest, god hulfe em harte schêre (
schier, bald). Rothe
rittersp. 3899,
brauchte gott nicht heftig anzuliegen, eigentlich etwa von leuten, die von ihren gebresten
groszes wesen machen? s. auch brast unter 4,
e. II@44)
mangel, not, womit es zugleich entschieden zu dem bildlichen es gebrist einem
übertritt, doch mit der vorigen bedeutung fortwährend sich berührend oder mischend. II@4@aa) gebreste an
vorräten, bedürfnissen: dâ was dekein gebreste an spîse und an geræte. Konrad
troj. kr. 16388; si heten niht gebresten gegen einigem sporn.
Gudr. 1391, 2,
von ausrüstung eines heeres, das zum kampfe ausrückt, auch kein gamaschenknopf fehlte ihnen, wie es da wol jetzt heiszt (
vergl. rieme
so unter gebresten II, 1); do wart gebreste mangerhande dinge .. ein hennenei galt 9
d. u. s. w. Closener 53, 9.
nhd.: geprest oder geprech,
defectus. voc. 1482 l 8
a; der gebrästen,
mangel, indigentia. Maaler 159
d.
aber gebrechen
ist da im nhd. bald vorwiegend geworden. II@4@bb)
mangel, not aller anderen art, z. b.: aus was gebresten oder aus was ursachen wird euwere farb (
miene) in trawrigkeit verwandelt?
buch d. liebe 23
b,
was gebrist, was fehlt euch, dasz .., aus was für not? unter urkunden heiszt es, wenn ein zeuge kein eignes insiegel hat, z. b.: ich Diem von Lichtenfels vergih under der drîer insigel Dietrichs
u. s. w., daʒ ich da bi und mit bin gewessen ..
brestenhalp des minen.
weisth. 1, 388,
wegen mangels; auch vollständig gebrestenhalb des meinen Geszler
rhet. 40
b,
ganz wie prechenhalb des meinen
unter gebreche III, 1,
c. II@4@cc)
auch für mangel, not überhaupt gebreste
schlechtweg (
wie gebreche III, 2
sp. 1847): dâ ist kein gebreste .. goldes überlesteligent dâ berge hôch.
jüng. Tit. 4763; der do gibet den armen, dem gebrist nicht, der do verschmeht die bittenden, der wird leiden den gebresten.
Nürnb. bibel 1483 305
a,
spr. Sal. 28, 27,
vulg. sustinebit penuriam,
bemerkenswert ist dabei der bestimmte artikel. noch im 16.
jahrh. gebrist leiden Glaser
unter I, 6; gebreste,
defectus, penuria. Dasypod. 308
d;
egestas, mangel, armuot, prästen. Frisius 464
a.
s. auch dazu das zeitwort II, 2,
c. II@4@dd)
auch für bedürfnis: das wir mszend geessen und trunken haben, ist ein natürlicher präst. Zwingli
touf o iij
b,
es entspricht dem mir gebrist,
ich brauche unter gebresten 3,
d. II@4@ee)
in Sachsen findet sich volksmäszig das gebräst (
mit verlängertem ä)
für unglück, z. b. in Roszwein, stimmend zu nd. gebræk
in der Altmark '
gebrechen, noth, unglück' Danneil 262
a,
sodasz es an gebresten
sich unzweifelhaft anschlieszt, obwol für beide noch ein mittelglied in der entwickelung fehlen wird; s. auch wetterauisch das gebrest
unter f. vgl. für allgemeines unglück landpräst,
landgebrest, wie landgebrech
sp. 1846: wäre auch sach dʒ landtpräst einfiel (
so soll der termin verschoben werden).
weisth. 1, 269,
schweiz. landpresten
plur. 5, 129. II@4@ff)
nahe liegt auch das noch landschaftlich geltende brast m. (
s. d.), '
herzbrechender kummer' Weigand,
schwäb. '
beklemmung', herzensbrast Schmid 91,
wie denn auch sonst besonders von herzensbrast
die rede ist (II, 308, Stieler 237),
sodasz es wirklich ursprünglich den fall bezeichnen könnte, wo eins durch schweres unglück sich das herz wie gebrochen, gebrosten fühlt, diesz dann veräuszerlicht, z. b. im 16.
jahrh. noht und brast Vilmar
hess. id. 51,
vgl.brast f unter I, 2,
b. wenn es im Alsfelder pass. 809
heiszt: geschêhe uns der hon, es wêr mer (
mir) ouch brast,
so könnte da wol auch gebrest
stehn, was denn als n. und coll. zu brast
auch noch in der Wetterau gehört wird (Weigand).
dazu noch schweiz. brästen
in kummer leben Stalder 1, 218,
rheinisch aber (Kehrein
Nassau 94)
und hess. sich bresten,
sich grämen, auch es brest mich,
grämt mich Vilmar 53 (
s.brasten 2),
was dann im folgenden einen anschlusz findet, s. besonders 5,
c; dazu übrigens schon ahd. brestan,
praet. brasta,
exacerbare, s. Graff 3, 274. II@55)
das heutige gebresten
n., II@5@aa)
zuerst bei Schiller: auf deinem herzen drückt ein still gebresten, vertrau es mir, ich bin dein treues weib.
Tell 1, 2 (1804
s. 18).
den anlasz dazu gab Tschudi 1, 235
b: nun hat (
l. het) si gern gewuszt, was im doch gebrest,
d. i. gebræste,
fehlte; aber Schiller
dachte offenbar dabei an das bresten,
den brast
vorhin, der '
auf dem herzen drückt',
und das drückt
gleich brestet
oder brest (
s. Vilmar
vorhin)
wird noch deutlicher in den worten der Gertrud nachher: denn was dich
preszte, sieh das wuszt ich längst (1804
s. 20),
wobei vermutlich mehr breste
gemeint ist, d. i. '
gebresten machte'
; zu diesem preszte
kam überdiesz dem sprachgefühle zu statten, dasz man im 18.
jahrh. das nun in der luft stehende bresthaft
sich ziemlich allgemein in preszhaft
umdeutete (
das auch z. b. Göthe
braucht, s. unter breszhaft),
was denn Adelung
unter bresthaft
zwar berichtigte, aber noch bei Heynatz
antib. 1, 273
heiszt es: »bresthaft
halten viele für besser als preszhaft,
welches einen ausgebreitetern gebrauch für sich hat«,
bei den Oberdeutschen zudem unterstützt durch ihre form prest (I, 5,
vgl. dort Wieland),
schon im 16.
jh.: prästhaft,
mancus, egenus Maaler 319
d.
man sieht wol, dasz das misverständnis so gut wie notwendig war. wie bei Schiller gebresten
als '
drückend',
so schweiz. prast: so bald ein prast mich heimlich drückte, vertraut ich ihn nur seinem schosz. J. J. Spreng
zu Drollinger (1743)
s. XLIII. II@5@bb)
nachher ist es denn wieder in gang gekommen, richtig gleich gebrechen,
zumal als willkommenes reimwort: 'wohin wir bei unsern gebresten uns im augenblick richten sollen'. denke nur immer an die besten, sie mögen stecken wo sie wollen. Göthe 4, 326 (
zahme xen. IV),
er mochte es auch aus der alten canzleisprache kennen; kommt, gläubige, dasz ihr am heilandsodem genest von seelen und des leibs gebresten. Rückert
poet. w. 6, 87 (
erbaul. u. besch. 2, 78); diese würd'gen tugendfesten widersacher sollen erben all mein siechthum und verderben, meine sämmtlichen gebresten. H. Heine
romanzero 199.
dann auch in prosa: eines friedensrichters .. der ähnliche gebresten über die kurzsichtigkeit seiner vorgesetzten ihm verstohlen entdeckt .. hatte. Immermann
Münchh. 1839 3, 412 (
in der 2.
ausg. s. 221
doch in gebrechen
geändert),
wie das über
zeigt, als beschwerden gemeint (
s. 3,
b); dasz nämlich der leib der sichtbare geist ist und die geistigen gebresten sich auch in der körperlichkeit offenbaren. H. Heine
verm. schr. (1854) 2, 51; wenn auch nicht der geist, so ist doch der leib des dichters hinlänglich belastet von lähmenden gebresten. 3, 254. II@5@cc)
man hat sich aber daraus einen sing. das gebreste
entnommen, das nun auch schon in den wbb. auftritt und doch nur eine willkürliche, falsche bildung ist: das gebreste hat viele namen. Heine
verm. schr. 2, 231; diese gesteigerte noth ist ein gebreste, das die unwissenden feldscherer durch aderlässe zu heben glauben. 3, 50; ein europäischer krieg .. um dem innern gebreste einige ableitung nach auszen zu bereiten. 3, 48.
und dazu gebreste
als plur.: wo es sich um gebreste der innern verwaltung Frankreichs handelt. 3, 131.
also wie subst. verb. wie gedränge
u. ä., veranlaszt vermutlich durch das landschaftliche bresten
unter 4,
e, das Heine
gewiss vom Rhein kannte, wie Dingelstedt,
der es gleichfalls braucht, aus Hessen. II@66)
auch von sittlichen mängeln und fehlern (
s. dazu unter gebrechen III, 4). II@6@aa)
mhd.: er hât dich erlôst von allen dînen erbegebresten. Eckhart 452, 39; ich befant alle die gebresten, die die cristenheit in disen gegenwertigen zîten üebende ist. Nic. v. Basel
bei C. Schmidt, Tauler s. 220,
nach dem üeben
schlechtweg gleich sünden, sündhaftes thun. der genaue begriff war aber ein philosophisch metaphysischer, von den mystikern her (
vgl. z. b. Eckhart
unter gebrestlichkeit),
wie ihn noch im 16.
jahrh. z. b. Zwingli
vorträgt: die erbsünd ist nütz anders weder der präst von Adamen har .. wir verstand hie durch das wort präst einen mangel, den einer on sin schuld von der purt har hatt oder sust von zuofällen.
vom touf o 3
b; die erbsünd ist ein präst, der allen menschen an erborn ist
u. s. w., der von im selbs nit süntlich ist. o 4
a; der erbprest mag uns nit verdammen, sunder wenn wir das gsatzt (
gesetz) vor uns sehend und demnach usz der ard des erbprästen wider das gsatzt tuond. 4
b.
vgl. dazu Melanchthon, Luther
unter gebrech III, 3,
f. 4,
a. II@6@bb)
nhd. sonst: defectus .. gebrest
vel gebrust, blodikeit (
d. h. menschliche schwäche), gebrech. Melber
varil. f 2
a; die .. leichtfertigen geister, die solch ire gepresten gering achten. Luther
ausl. des vat. unsers 1518 C ij
b,
in den schr. 1, 75
a in gebrechen
gebessert (Dietz 2, 28
a); ir habt mir meinen gebresten gesaget und verwiesen, so musz ich euch den euwern auch sagen, und ist die meinung, dasz ich nicht bin so leichtfertiger rede als ihr.
buch d. liebe 290
a; diweil du auferstanden bist, so wais ich, das ich werde auch erstän aus der erde on geprest und beschwärde. Fischart 3, 145
Kz. (
gesangb. 6, 8); der freunden gebresten soll man kennen, aber nicht nennen. Henisch 1396; er hat einen groszen gebresten an sich,
vitio haud levi laborat. Stieler 236.
vgl.seelengebresten
bei Rückert
vorhin. s. auch das zeitwort 3,
e so gebraucht.