gefähren ,
wesentlich gleich gefahren,
mhd. nur væren
belegt (
vgl. unter 1,
b)
nebst erværen (
noch nhd. erfähren),
ahd. neben fârên
auch fârian, gifârian Otfr. IV, 17, 3. 35, 25 (
s. mhd. wb. 3, 268
a, 44),
vergl.gefähr gleich gefahr. 11)
in gefahr setzen, gefährden. 1@aa) einen gefehren, gefeeren, gefähren,
im 15. 16.
jh. doch selten: non est tibi periculum a me, ich will dich nit gefeern. Alberus
dict. Tt 1
a;
auch noch in der ursprünglich kräftigsten bed.: wolten die stat
gevert han mit ainem sturm.
städtechr. 5, 17, 15.
jh. (
s. dazu sp. 2072); er wirt ietz nicht gefehren mich .. weil ich geh in des königs geleit.
Rein. fuchs L 8 (1583 108
a gefähren).
gangbar besonders im 17.
jh. bis ins 18.: es ist ein wahn und eitler schein zu sehr ümm seelge traurig sein. wer todt ist, wird nicht mehr gefähret. Fleming 318 (
Lappenb. 261); ach wehe dir und mir, dasz wir uns so gefähren. 617 (510); der diesen ort (
ecke, spitze) zuerst die Sturmeck wollen nennen, der hat mit schaden ihn wol besser lernen kennen, als der, der ihm den nam von 'guter hoffnung' giebt. den lob ich nicht, der mich gefähret und betrübt. Iversen
ostind. reis. (
bei Olearius) 142; was meint der himmel doch mit so gehäuftem regen? ... mich dünkt, er traure so und giesze milde zehren um das, was sicherheit der welt wil noch gewehren, die friede brauchen wil, den himmel zu gefähren. Logau 2, 1, 13,
von d. nassen jahre 1649; wer nur so viel an sich findet, dasz er weiter nichts begehrt als von oben ihm geordnet, den hat glücke nie gefährt. 3, 10, 76; (
du hast) gewehret, dasz kein unglück noch hohn noch tück der feinde mich gefähret. A. Gryphius 2, 277 (
geistliche lieder); das macht dein güt, dein freundlichkeit, dein himmelsüsz barmherzigkeit, dasz mich nicht thut gefähren unglück, fallstrick
u. s. w. Berliner gesangb. 1640
s. 265,
der fallstrick
ist recht eigentlich gefährend,
aus jagd und krieg, vgl. gefahren 1,
b. c. auch in prosa: ist aber mit in den lerm gerathen und von einem kürsnergesellen gefähret worden. Micrälius
Pommern 3, 615; dasz man ihnen tribuliersoldaten einlege und sie aufs ärgeste despectiere und gefähre. 5, 242; Paulus wurde von jüden und heiden ... geängstet, verfolget und gefähret. Scriver
seel. 1, 681; die ihre eigene seelen durch so viel herrschende sünden gefähret. 1, 7; wenn ich was bitte, das meine seele gefähren kan.
Gotth. 326.
Und noch im 18.
jh. in wbb. anfangs, im part.: gefähret seyn,
sich in gefahr setzen. Ludwig 707;
s. auch unter c. bei Steinbach 1, 408
auch noch fähren, in periculum vocare, es mischte sich im part. mit gefähren. 1@bb)
bildlich im rechtsleben, einen hinterhalt legen mit worten, durch clauseln schädigen o. ä.: er hat alles gesuecht uns in den taidingen (
verhandlungen) zu geveren und zu betriegen. Lexer 1, 958, 15.
jh.; hernach über vier tag ongefarlich kam graf Froben Christoph sampt dem notario geen Hechingen und vermaint, es solte der verzig (
verzicht) nichs desto weniger furgeen und umb so wenig tag nit gefert werden.
Zimm. chr. 4, 73, 22; ob er mich nicht etwan in verfertigung der acten gefehrt hab. Ayrer
proc. 2, 3,
s. dazu gefahren 1,
a, auch gefährung;
noch schwäb. ich will dich nicht darum gfähren,
zur verantwortung ziehen Schmid 178,
auch gleich schikanieren (
s. Göthe
sp. 2074
β),
in schaden bringen u. ä., s. gefahren 2,
c von geldbusze. vom gläubiger dem schuldner gegenüber: ich gebe ihm meine parole, dasz ich ihm noch 14 tage nachsehen und ihn nicht gefähren will.
causenmacher 123; ich werde den herrn auch niemahls gefähren.
das. 1@cc)
im verkehrsleben, übervortheilen, verkürzen u. ä.: triegen, liegen, gefären. Schm. 1, 551
aus Avent.
chr.; dadurch dann die besteeholzer gefärt und betrogen werden.
ders. aus der Salzb. waldordn.; gefähren,
betriegen, ich bin gefähret,
hoc mihi fraudi est, circumventus sum. Aler 859
b (
die zweite lat. wendung auch aus dem kriegsleben, gleich mhd. væren); ich bin gefähret worden,
hoc mihi fraudi fuit Steinbach 1, 408, Frisch 1, 239
a,
bei Adelung
verschwunden. s. dazu gefahr II, 2,
a, gefähr 1,
b. c, gefahren 1,
b. 1@dd)
bemerkenswert sich geferen,
von einer gewagten that: baur (
spricht der fuchs), wann ich mit der schlangen, die stat wo sie gelegen zuo besichtigen, in das loch schleufe, so wil ich mich geferen zu ruck widder herausz zu springen, so stosz du bhend den stein wider für (
die schlange zu fangen). Frank
spr. 2, 29
a,
wie mhd. sich wâgen,
franz. se risquer.
s. auch sich gefahren 2,
b. 22)
von den andern bildlichen verwendungen von gefahren
zeigt sich hier nur die bed. scharf aufachtend bemerken (
s.gefahren 1,
d): in allen bawen war der graf gewon, seinen werkleuten uf herr Wilhalm .. zu trewen (
dräuen) mit vermeldung, er würde bald kumen und alsdann ire unschick und wölf im gebew glich sehen, welches auch manichmal geschach, das er, so bald er ankame, die mängl des bawens und wo man gefelet, het geferet und vermeldet.
Zimm. chron. 4, 399.
vgl.ungefert
participisch verstanden, unachtsam sp. 2076
bei Henisch. 33)
hierher wol auch, doppelt merkwürdig, folgendes gefiren: in dem zohen her durch die wäld zwen gsellen und ein junge dirn. Lew und sein gsell mit groszem gfirn (
var. gefirn), dieweil sie in eil der müln thür (
dat.) den rigel nit kunten thun für, flohen sie auf die bün mit sorg
u. s. w. Peter Lewe 142 (
weim. jahrb. 6, 428), mit gefirn,
wie nachher mit sorg;
darin musz wol ein gefêren
fürchten stecken, zu gefahr II, 4,
c furcht, das doch im hochd. nicht eigentlich entwickelt war, nur nahe daran, sodasz jenes doch glaubhaft ist (
s. dort).
die form gefîren
aber, mit ê
zu î
erhöht, ist als möglich auszer zweifel nach gebîrde
für gebêrde
sp. 1730;
erscheint doch für vär, vêr (
mhd. være)
sicher auch vier,
straszburgisch: pfenning, do
one vier nün schillinge by der marg sy.
Straszb. chr. 996
anm. 2,
d. i. ungefähr (
s. sp. 2070).
endlich vergl. auch das merkwürdige gefährt
gleich gefähr
adj. sp. 2069.