Auf, ein Berhältnißwort und Umstandswort. I) Als Verhältnißwort, wo es mit dem dritten und vierten Falle verbunden wird. 1) Mit dem dritten Falle in der Bedeutung des Seins oder Handelns an und über der Oberfläche eines Körpers, Ortes, mit verschiedenen uneigentlichen Bedeutungen. Auf der Leiter stehen. Auf dem Baume sitzen. Auf einer Isel leben. Auf dem Lande sein, leben, wohnen. Er ist auf dem Rathhause, auf dem Schlosse, auf dem Tanzboden. It für mich kein Brief auf der Post? Er ist auf mehrern hohen Schulen gewesen. Auf ähnliche Art darf man das auf nicht in andern Fällen gebrauchen, sondern muß es bei denen, welche der Gebrauch eingeführt hat, bewenden lassen. So kann man nicht sagen: auf der Kirche sein, wol aber auf der Erde liegen. Auf der Brücke, dem Felde, dem Markte, dem Platze, der Wiese stehen. Das Holz steht noch auf dem Stamme. Auf dem Wasser, auf dem Kahne, auf dem Schlitten fahren. Auf der Flöte, dem Waldhorne blasen. Auf der Geige, der Harfe, dem Flügel spielen. Daher eine Menge uneigentlicher Redensarten. Die Sache beruhet auf ihm. Auf der Stelle, sogleich. Er bestehet auf seinem Willen, seiner Meinung. Auf dem Sprunge stehen, alle Augenblicke bereit sein zu gehen Auf den Beinen sein, in Bewegung sein. Auf seiner Hut sein. Etwas auf dem Herzen haben. Auf den Händen tragen. Bei den Redensarten: auf dem Bauche liegen, auf dem Hintern sitzen, denkt man sich die genannten Theile des Körpers gleichsam als Unterlagen, auf welchen der übrige Körper ruht. Uneigentlich gebraucht man es, eine Gegenwart bei einer Sache anzuzeigen. Auf der Jagd, auf dem Balle, auf der Hochzeit, auf der Reise sein. — Für während. Auf der Reise hat er mir mehrmahls geschrieben. Für
an. Er hat keinen ganzen Rock auf dem Leibe. Er ist auf beiden Augen blind, auf beiden Ohren taub. Er ist auf meiner Seite, hält meine Partei. Auf der einen Seite lockt die Begierde, auf der andern Seite verbietet die Vernunft. ≠ Für von. »Er glaubte, dort besser auf seinem Handwerke leben zu können.« Klein. Hier würde von seinem Handwerke oder durch sein Handwerk besser gewesen sein. 2) Mit dem vierten Falle, wo es überhaupt eine Richtung und Bewegung, sowol in die Höhe, als nach der Oberfläche eines Körpers und nach jedem andern Orte und Gegenstande bezeichnet; aus welcher eigent lichen Bedeutung mehrere uneigentliche fließen, einen Endzweck, Ziel, eine Ursache, Zeit, Dauer, Folge und Ordnung, ein Verh ältniß, die Art und Weise anzudeuten. Auf die Leiter, den Baum, den Berg, den Stuhl steigen. Auf das Schloß, auf das Rathhaus, auf die Post gehen. Auf das Land, das Dorf reisen. Auf die Wache ziehen. Auf die Erde fallen. Auf den Boden werfen. Auf die Nase fallen. Einem auf den Fuß treten. Auf den Tisch setzen. Auf den Kopf schlagen, treffen, werfen. Schwert traf auf Schwert, zum Schlachtfeld ward die Stadt. Schiller. Den Mordstrahl auf die eigne Brust gezückt. Ders. Auf den Markt gehen. Auf einen los gehen. Es geht auf zwei. Es ist drei Viertel auf zwei. Etwas auf die Seite bring en. Es geht auf die Neige, es gehet zu Ende. Zuweilen wird auch das Verhältnißwort zu dem Sachworte, auf welches die Beziehung geht,
[] angehängt. Ih ging auf ihn zu. So auch in vielen uneigentlichen Redensarten. Auf die Welt kommen. Er hat es mit auf die Welt gebracht. Eine Mühe auf sich nehmen. Schuld auf Schuld, Sünde auf Sünde häufen. Sich auf die Beine machen, fortgehen. Einen wieder auf die Beine bringen. Auf freien Fuß stellen, befreien. Einem auf die Finger klopfen. Auf einen bauen, sich gänzlich auf ihn verlassen. Sich auf den Weg machen. Auf die Reise begeben. Etwas auf die lange Bank schieben, es verschieben. Sich auf das Ohr legen, sich niederlegen zu schlafen. Auf einen borgen, auf seinen Namen. Das † Kind ist auf ihn getauft, nach seinem Namen. I weiterer Bedeutung wird auf gesetzt, eine Beschäftigung des Gemüths mit, und eine Richtung des Geistes nach einem Gegenstande zu bezeichnen. Auf einen schelten, schimpfen, zürnen, eifersüchtig, neidisch sein »Daß dies vorzüglich auf die Dichtkunst geredet (gemünzt) war, ließ sich leicht errathen.« Bragur. »Nun erfindet man Lügen auf mich, und will mich verklagen.« Göthe. — niemand verlästert, auf niemand lügt. Schiller. Auf etwas Acht geben. Auf etwas zu sprechen kommen. Auf sich denken. Auf Mittel und Wege denken. — Idem sie hin und her Auf Wege denkt, — Wieland. Seine Gedanken auf etwas richten. Denn du erzeugtest diese Rasende, Verderbliche, die stets auf Unheil sinnt. Bürger. Auf etwas begierig sein, auf etwas erpicht sein, sehr begierig. Auf etwas zielen. Auf etwas hindeuten. Auf etwas hoffen. Anspruch auf etwas haben, machen. Ih sah und hörte nicht auf das, was er mir sagte. Ih merkte auf seine Mienen. Auf alle Fälle gefaßt sein. Sich auf etwas verlassen. »Wenn es jemand sähe, so würde er gewiß auf eine starke Vertraulichkeit schließen.« Gellert. Viel, oder große Stücke auf jemand halten. Ein Gedicht auf etwas machen. Eine Rede auf einen wichtigen Vorfall halten. I uneigentlicher Bedeutung wird auf gesetzt. 1) Wenn der Gegenstand, von welchem die Rede ist, zugleich die Veranlassung, die Ursache der Handlung ist, in sich faßt, oder als eine Folge derselben gedacht wird. Auf seine Kenntnisse und Geschicklichkeit stolz sein. Auf Kluger Beifall stolz, doch auf den meinen mehr. Lessing. »Auf die Wahl in der Liebe kömmt das ganze Glück in der Ehe
an.« Gellert. Auf den Brand betteln, weil man abgebrannt ist. Auf gut Glück, auf Treu' und Glauben handeln. Aufs Gerathewohl etwas unternehmen. Ein Baum fällt nicht auf Einen Hieb. Auf etwas, auf eine Frage Red' und Antwort geben. Auf den Wink bereit stehen. Bekenne mir auf dein Gewissen, was du von der Sache weißt. Gehorche mir aufs Wort. Auf deine Verantwortung, auf dein Wort will ich es thun. Auf das Geschrei lief ich hinzu. Dichterisch wird in diesem Falle das auf auch verschwiegen, und das Wort, welches der Gegenstand, oder die Veranlassung der Handlung, des Vorfalls ist, in den dritten Fall gesetzt. Unglückliche! Wenn diesem Wehausrufe Das Lager der Hellenen nun erwachte? Collin. Ih wage es auf sein Wort. »Er nöthigte den König mit seinen Treugebliebenen, sein Reich auf eine Schlacht zu wagen.« Ungen. Ih versichre es Inen auf meine Ehre. 2) Wenn der Gegenstand der Handlung zugleich den Endzweck, der dadurch erreicht werden soll, andeutet. Auf Gewinn, auf Beute, auf Lug und Trug ausgehen. »Von den Waisenknaben sind funfzig auf Handwerke gebracht.« Nation. Zeitung. Geld auf Zinsen geben, leihen. Etwas auf den Kauf, auf Vorrath machen. Erz auf Blei proben, um zu sehen, ob es bleihaltig ist. Ih bitte sie auf eine Suppe zu mir. Sich auf Gnade und Ungnade ergeben. Bier auf das Lager brauen, damit es aufs Lager gelegt werde. ≠ Auf einen Kaufmann, auf einen Geistlichen lernen.
[] Wir sä'n auf Wahrheit aus, und ernten Zweifel ein. Dusch. Oft deutet es auch auf ein Ziel, der Zeit nach, hin, wo zuweilen, aber unrichtig, das Wörtchen zu beigefügt wird. Es bereitet sich schon Alles auf das Fest zu vor. Ih habe auf die Feiertage zu noch viel zu thun. Er verlangt Alles auf die Stunde. Sich auf seine alten Tage etwas zu erübrigen suchen. Auf den Abend werde ich Sie besuchen. Ih bin auf morgen zu ihm bestellt. Aufs Ungewisse kann ich nicht gehen. 3) Wenn der Gegenstand der Handlung zugleich die Grenze ist oder bestimmt, bis zu welcher sich die Handlung oder Bewegung erstreckt, sowol dem Raume als der Zeit nach. Gewöhnlich wird dann das Wörtchen bis dazu gesetzt. Ein Glas bis auf die Hälfte anfüllen und bis auf die Neige austrinken. Er hat seine Schulden bis auf den letzten Heller bezahlt. Bis auf den Tod ärgern. Bis auf weitern Befehl Bis auf Wiedersehen. Bis auf Ostern. Er weiß Alles auf ein Haar, ganz genau. Auf den Tod krank liegen. »Auf hundert Jahre werde ich es wohl (wol) nicht bringen.« Gellert. — Der ward (wurde) genöthigt sich vom Dach herabzustürzen, dieser auf Den Tod gegeißelt — — Wieland. Es sind auf sechzig Meilen bis hin. Es sind auf hundert Menschen dabei umgekommen; auch, ≠ auf die hundert Menschen. Ih habe Vorrath auf mehrere Jahre. »Überlegen sie das Glück, das sich ihnen heute auf ihr ganzes Leben anbietet.« Gellert. Zuweilen wird auch auf weggelassen. Ih will nur ein Stündchen nach Hause gehen. Erlauben sie mir es noch einen Augenblick. 4) Wenn der Gegenstand das Verhältniß der sich auf denselben beziehenden Sache der Menge und der Zahl nach bestimmt. Bei der Vertheilung kam zehn Thaler auf die Person. Vier Viertel gehen auf ein Ganzes. 5) Dient auf zur Bestimmung der Folge und Ordnung. Auf das Essen darf man sich keine heftige Bewegung machen. Wie ist ihnen auf meine Arzenei? Auf Regen folgt Sonnenschein; auf Leid folgt Freude. Bei Sachen die plötzlich auf einander folgen, wird oft bloß das Sachwort auf eine nachdrückliche Weise wiederholt. Es folgte Blitz auf Blitz, Schlag auf Schlag. So auch, wenn zwei Körper einander unmittelbar berühren, auf einander wirklich gefesselt sind. — — keines mehr sich seiner selbst bewußt Doch immer noch im andern athmend, schwammen Sie, Mund auf Mund, dahin, und Brust an Brust. Wieland. 6) Druckt auf oft die Art und Weise einer Sache oder Handlung aus. Sie kleidet sich auf die anständigste Art. Auf Englische Art zu Mittag essen, das heißt, gegen Abend. Auf diese Art wird es bald ein Ende nehmen. Auf Einmahl läßt sichs nicht thun. Auf diesen Fuß kann er unmöglich länger leben. Aufs neue. Auf den Hieb, auf den Stich fechten. Auf Abschlag bezahlen. Х Auf Französisch, auf Lateinisch heißt das Wort so. Schlecht würde man aber sprechen, wenn man, auf Hebräische, Griechische, Lateinische Sprache sagen wollte, für in Hebräischer, Griechischer Sprache. Hieher gehört auch der Gebrauch des auf mit dem dritten Steigerungsgrade. Er hat uns auf das Beste, oder aufs Beste bewirthet. Sie ist auf das oder aufs Geschmackvollste gekleidet. 7) Unrichtige Gebrauchsarten des Worts auf sind außer den schon oben gelegentlich angeführten noch folgende: Für
an. »Der hohe Adel erinnert sich wol des Tages zehnmahl auf das Einfuhrverbot der Weine.« Ungen. — Für bei. »Schnüre, auf deren Anblick man sich wichtiger Begebenheiten erinnert.« Denis. — Statt für. »Die mehrmahlige Dienstveränderung eines würdigen Mannes beweißt (beweis't) so wenig auf seinen Wankelmuth, als « Moser. — Für in. Die Betten auf die Luft, auf die Sonne legen. — Für nach. Wann geht die Post auf Berlin? Ih reise morgen auf Leipzig. — Für nächst, in O. D. und in der Schweiz. »Zu den feinen Sinnen zählt Sulzer das Gesicht und auf solches (nächst diesem) das Gehör.« Hirzel. Nach sich erinnern, vergessen, verdrießen auf zu
[] setzen ist O. D. »Vergiß nicht auf den Schlosser,« vergiß nicht zu ihm zu gehen, ihn zu bestellen u. dergl. Es verdroß mich auf ihn. — Ausdrücke wie diese: »Auf die Bedingung hin, daß Alles vergessen sei.« Ungen. »Die Schulden wurden, bis auf einige tausend Thaler nach, bald bezahlt.« Busch; »Es ist Keiner, der es nicht auf einen Heller nach wüßte.« Bode; »Wenn ich auf diese Stunde (jetzt) eine solche Üebersetzung hätte.« Bengel. scheinen zwar mehr für die gemeine Umgangssprache, als für die edlere Schriftsprache geeignet zu sein; werden aber doch von guten Schriftstellern häufig gebraucht. — Das Verhältnißwort auf wird oft bei einem und demselben Aussageworte mit dem dritten und vierten Falle verbunden, wo aber jedes Mahl ein ganz anderer Sinn entstehet. Die Verwechslung des dritten und vierten Falles muß also sorgfältig vermieden werden. Der dritte Fall zeigt an, daß man schon an oder auf einem Orte sei, der vierte, daß man sich erst hinbegebe. Auf dem Berge gehen, sich auf demselben befinden und auf ihm herumgehen. Auf den Berg gehen, sich erst auf denselben hinauf begeben, ihn ersteigen. Auf die Erde fallen. Auf ebner Erde fallen. Auf der Erde knien. Auf die Erde knien. Die Raupen kriechen in Menge auf den Baum, und auf dem Baume. II) Als Umstandwort, wo es fast durchaus eine Richtung und Bewegung in die Höhe, nach oben, sowol eigentlich als uneigentlich anzeigt, und dem Grundworte nachgesetzt wird. Berg auf gehen. Die Stube auf und nieder gehen. »Wenn man den großen Kanal (Kunststrom) auf und ab gefahren ist, hat Venedig vielleicht auch nicht viel Merkwürdiges mehr.« Seume. »Die Abendglocke sprach über das schweigende Dorf herüber und tönte klagend auf und nieder.« I P. Richter. Auch allein: Berg auf! Strom auf! »Und heulte Himmel auf. Zachariä. Dann wird damit der Punkt angedeutet, von wo eine Handlung ausgegangen ist, oder ein Zustand angefangen hat. Von Jugend auf. Von Kindesbeinen auf. Von unten auf dienen. Von unten auf rädern. Ferner, als Zuruf der Aufmunterung. Auf, auf! Glück auf! Wohlauf, ihr Troer! Auf, ihr Reisigen! Bürger. Auf! auf ihr Brüder, und seid stark. Schubart. Zuweilen wird es auch mit dem Bindeworte daß verbunden, wenn der Endzweck einer vorhergegangenen Rede angedeutet werden soll. S. Daß. Auf wird als Verhältnißwort und als Umstandswort häufig zu Zusammensetzungen, vorzüglich mit Aussagewörtern gebraucht, welchen folgende Hauptbedeutungen dadurch mitgetheilt werden. 1) Des Seins oder der Bewegung und Handlung auf der Oberfläche eines Körpers, wie in aufliegen, aufhaben, aufhalten, aufsitzen, aufdrücken Oft wird in dieser Bedeutung das auf vor dem Grundworte wiederholt. 2) Der Richtung oder Bewegung auf eine Sache hin, wie in auflegen, aufdringen, aufwerfen 3) Der Richtung oder Bewegung in die Höhe, wie in aufsehen, auffliegen, aufrichten, aufheben 4) Des Öffnens, als aufbrechen, aufklopfen, aufmachen, aufschlagen. 5) Der Wiederherstellung oder Erneuerung durch Wiederholung der durch das Aussagewort ausgesagten Handlung, wie in auffärben, auffrischen, aufbürsten. 6) Der Wegschaffung, der Endigung einer Handlung, wie in aufessen, auftrinken, aufarbeiten. 7) Der Bestimmung einer Sache zum künftigen Gebrauche, als: aufkaufen, aufheben, aufbewahren, aufsparen. 8) Der Verstärkung des Begriffs, wie in aufhorchen. — Diese Bedeutungen erhalten noch mancherlei andere Bestimmungen und Nebenbegriffe, welche aber unter jedem Worte selbst nachgesehen werden müssen. I der Umwandlung wird auf vom Aussageworte, mit welchem es zusammengesetzt ist, getrennt, und gewöhnlich hinter dasselbe gesetzt. I Versen aber wird es demselben oft vorgesetzt, jedoch schreiben es auch dann die Meisten von dem Aussageworte getrennt.
Z. B. — dumpf auf hallte der Grund. Voß.
[] Und auf krachte von selbst des Himmels Thor. Ders. Und weit auf braust die Flut und dumpf auf dröhnt's am Strande.Kosegarten.