unglaublich,
adj. adv. ,
gegenstück zu glaublich (
s. d.).
zur betonung s. sp. 31.
ahd. ung(e)loublîh;
mhd. ung(e)louplich, -g(e)loubelich, -lîchen;
mnd. un(ge)lovelik, -lôflik;
mnl. ongeloovelijc, -like;
nl. ongeloofelijk.
der umlaut (ungleublich
erste d. bib. 4, 416, 2; 7, 142, 21; unglöblich
md. Griseldis bei Lexer 2, 1845;
N. v. Wyle
transl. 223, 38
K.)
wird im 16.
jh. neben der nicht umgelauteten form md. und oberdeutsch ziemlich allgemein (Alberus, Frisius, Maaler, Decimator, Reyher, Dentzler, Spanutius, Steinbach, Frisch, Kramer-Moerbeek. 1768),
dauert in der schriftspr. vereinzelt bis ins 19.
jh. (Wieland I 3, 227; Holtei
erz. schr. 24, 79)
und haftet in mundarten (Staub-Tobler 2, 598;
obers. 2, 599
a;
lux. 316
a).
schriftsprachlich steht regelmäszig unglaublich (
incredibilis)
neben ungläubig (
incredulus).
gelegentlich das unglaublige Göthe IV 4, 239, 25
W.; veraltetes adv. unglaublichen A. v. Eyb
d. schr. 1, 14, 7, (unglouplichin vil W. Gerstenberg
chr. 10; das unglAeublichen ist zesagen H. Brunschwig
kunst zu destil. 93
a; Frisius 677
b). u.
und seltsam Weigand
syn. 3, 702; 'glaubenlos
für unglaublich
ist zweydeutig und nicht zu billigen' Kinderling
reinigkeit 395. 11) ungläubig 1
entsprechend. 1@aa)
activ: folgen, die den nichtarzt unglaublich an dem ganzen vorgeben machen Hufeland
makrobiotik (1823) X; Staub-Tobler 2, 589, 2; staunen sie mich ungläublich an Holtei
erz. schr. 24, 79. '
misztrauisch': warumb die alten vil unglaublicher und kärger seyen dann die jungen Albertinus
zeitk. 8.
mnd. und mnl. auch '
treulos, unzuverlässig'.
veraltet und mundartlich. 1@bb)
in der hauptbedeutung passiv. 1@b@aα)
unglaubbar, -haft, -würdig: das es wer ungleublich, das metra sOelten sein bey den hebreyschen
erste d. bib. 7, 142, 21
vorr. zu Hiob; u. zu sagen (
incredibile dictu, schon mhd. und mnd.)
N. v. Wyle
transl. 223, 38
K.; zu schreiben
Fortunatus 82
ndr.; anzunemmen Parac. 2, 638
u. s. f. (
vgl. Brunschwig
oben)
; mit dativ betb. (1518) 120
b; was ... einer zeit u. ist, ists der andern nicht Herder 16, 97; schier unglAeublich scheinet es Stumpf
chron. 67
a; das hohe und allen fast unglAeublich fallende wunder
Rein. Fuchs (1650) 46; sein zu Rom unglAeublicher tod Lohenstein
Arm. 1, 102
a; unglaubliche märchen Lessing 9, 228, 7; die mutter ... fand die rechnungen Boies zu hoch und u. (
keines glaubens würdig) Weinhold
Boie 24. das unglaubliche Winckelmann 1, 157; Herder 22, 159; etwas noch so unglaubliches Immermann 1, 8.
adv. das lautet nu zumal unglaublich und lecherlich Luther 34, 2, 391, 10
W.; es klingt u., ists gleich wahr Triller
betr. 1, 294; Göthe
nat. tochter 1920;
ra. u., aber wahr Ebner-Eschenbach 4, 195. unmöglich, prinz! u.! nimmermehr! Schiller 5, 11; D.
F. Strausz
Schubarts leb. 1, 7.
vgl. unglAeublicher weiss Xylander
Polyb. 4.
ähnlich wie lat. incredibilis '
unerwartet': litte ihr bestes fuszvolck unglaublichen schiffbruch Lohenstein
Arm. 1, 47
a; nun aber setzt mich dieser krieg, der uns
auf eine so unglaubliche art unglücklich überrascht, in grosze verlegenheit H. v. Kleist 5, 332;
vielleicht aber in beiden fällen nur steigernd. 1@b@bβ)
oft objectiv (
wie seltsam 3),
ungeheuerlich, fabelhaft, wunderbar, wunderlich, unfaszbar u. dgl., doch liegt meist noch die subjective ansicht über möglichkeit und wirklichkeit im hintergrunde: ich wil aber sagen ain wundersam liebe und gar nAvch ungelouplich
N. v. Wyle
transl. 21, 1
K.; wunder Luther 27, 416
W.; thaten Nigrinus
zäub. 199; lgen Pape
garteteuffel O 2
a; welches blei anzahl fast u. gewesen Schweinichen 199; keine metamorphosis könnte seltsamer und unglaublicher seyn Lessing 10, 176; die unglaublichsten wandelungen Gutzkow 4, 381; Hegel 11, 265; die unglaubliche kunde Freytag 9, 216.
als steigerung von wunderbar: wie die ausarbeitung der haare bis ins wunderbare, ja unglaubliche getrieben ist H. Meyer
g. d. bild. künste 3, 238; bis ins unglaubliche gröszer Droysen
Alex. 230, 19; sie verwunderten sich ... bis zum unglaublichen Naumann
vögel 11, 79; Stifter 3, 54. das unglaubliche (
incommensurable) verliert seinen werth, wenn man es näher im einzelnen beschauen will Göthe 25, 283, 14
W. adv.: das ein frommer man ... sich ab dem gesang eines vogels dermaszen unglAeublich vergessen hab Fischart
ehzb. 181, 22
H.; Wieland sieht ganz u. alles was man machen will Göthe III 1, 115; 1, 196;
vgl.auf eine unglaubliche weise (
miro quodam modo) 24, 193, 1
W.; Klopstock
gramm. gespr. 126. unglaublicherweise (
unfaszbar, wie das möglich war) erhielt er später das referat über beide hoftheater
jahrb. der Grillparzerges. 8, 285. 1@b@gγ)
schlechthin steigernd (
aus α flieszend, wie die ausdrücke lehren: es ist unglAeublich, wie weit und breyt sie sich auszgespreitet haben Münster
cosm. mxcii; es ist, genau besehen, u., was er in seiner lage geleistet hat Göthe IV 16, 367
W.): ain ferre ungleubliche weite Schaidenreiszer
Od. 40
a; grösse Ryff
thierb. C c 4; ein unglAeublicher stattlicher vorraht Stumpf
chr. 269
a; ausz unglaublichen groszen steinen (
vom adv. in ä. spr. nicht geschieden)
Faust volksb. 57, 100
ndr.; vgl. mit groszen unglaublichen büchsen Eschenloer
gesch. d. st. Breslau 1, 29
und δ; unkeusch
erste d. bib. 4, 416, 2; gerechtigkeit Franck
chr. Germ. (1538) 12
a; schnelligkeyt Carbach
Liv. 434
a; schätze Grimmelshausen 4, 447, 18
Keller; schaden Rist
friedej. Teutschland 113; eindruck
vern. tadl. 1, 402; blindheit Görres
br. 3, 156; bedauern Laube 2, 41;
lieblingswort Göthes (
besonders im gespräch Boucke 126): masse 46, 37
W.; groszheit IV 23, 115
W.; thätigkeit IV 37, 193
W.; stille IV, 7, 217, 13
W.; geschmack IV 30, 41
W.; ganz unglaubliche bewegungen in einem schönen herzen hervorbringen 17, 28, 20
W.; frost 43, 1, 239; elend 1, 356; verdrusz 1, 360
W. u. s. w., Bohner 92
f. zur steigerung von adj. und adv.: ein unmenschlich und ungeloblich strenges leben Suso
d. schr. 107, 21
B.; unglAeublich mürbe Sebiz
feldb. 273; so bin ich ganz u. übel daran Lessing 18, 297; Fritzens urtheil über die menschen ist u. richtig Göthe IV 5, 198
W.; das wetter ist u. und unsäglich schön IV 8, 185
W.; vgl. bis zum unglaublichen unverschämt II 2, 282
W.; auch in einem wort geschrieben: ungläublichweise Weckherlin 2, 283, 290; unglaublichtoll J. J. Engel 3, 258; u.dumm Hermes
Soph. reise 1, 303; u. sehr
obers. 2, 599
a.
oft für einfaches '
sehr, auszerordentlich': mein auge bildet sich u. Göthe 32, 10
W.; himmel, der u. auf mich lastet IV 9, 19
W.; vgl. in der unglaublichsten weise Mommsen
r. g. 2, 67;
it. incredibilissimo. 1@b@dδ)
manche ausdrücke erklären sich am einfachsten elliptisch oder durch fremdes vorbild; z. b. einen unglaublichen (
unglaublich langen) weg Zachariä 8, 93; einige unglaubliche (
u. feiste) hunde und dicke schweine liefen umher v.
d. Steinen
naturv. Brasil. 24; die wege ... waren u. (
in u. schlechtem zustande) Bismarck
br. an s. braut 210; die schlacht, die unglaubliche Laube 8, 41;
von personen: eine unglaubliche pianospielerin Göthe IV 37, 189
W.; ich unglaublicher esel! Laube 2, 45; es giebt unglaubliche leute, die mich wie ein neuigkeitsbureau betrachten Bismarck
br. an s. braut 124; sie sind u., diese gouvernanten Ebner-Eschenbach 4, 415; Polenz
Grabenhäger 1, 166;
vgl. fr. incroyable. für incroyable, stutzer, zierbengel, gigerl, schlug Campe (
verd. wb. 1813, 282
a, 371
a)
ohne erfolg ein unglaublicher
vor. 22)
viel seltener als ungläubig 2
in dessen hauptbedeutung mit bezug auf religiöse vorstellungen. ungläubig: Lexer 2, 1845; unglaubliche regenten (
unter den druckfehlern in ungläubige
verbessert)
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 3, 290;
ohne glauben, von unglauben zeugend: du ... ergerst auch durch unglaubliche werck, was du besserst mit worthen Eberlin v. Günzburg 2, 53
ndr.; Ch. Weise
pol. redner 98.
heute nur noch im wortspiel oder mit 1 b
zusammenfallend: unterricht
der priester in glaublichen und unglaublichen dingen Gutzkow 4, 340 (
vgl. B. v. Chiemsee 15, D.
F. Strausz 6, 47).
untreu, treulos mnd. wb. 5, 48
a.
veraltet. —