gräte,
grate,
f. , (
n., m.).
als n. das grAet Dasypodius
dict. lat.-germ. (1537) Y 3
b; (1565)
bei Fischer
schwäb. 3, 803; das grede G. Maier
histor. lustgart. (1625) 1, 218;
schweizer. das grät
vereinzelt neben hier sonst allgemein üblichem der grat
schweiz. id. 2, 820.
unsicherer bleiben spuren eines grät,
m.: der grät Hulsius (1618) 2, 291
b; der gräde
aus einer ungenannten quelle bei Schmid
schwäb. wb. (1831) 240. —
als fem. bildung ist gräte
aus dem plural von grat
abzuleiten, nach art von hüfte, blüte
u. a., vgl. A. Lindqvist
plurale singularformen (1930) 63; 76,
das n. wohl urspr. collectivum. mhd. græte,
f. fehlt bei Lexer,
doch sind einige der dort unter grât,
m. stehenden nachweise als græte,
f. zu deuten. das früheste einigermaszen sichere zeugnis steht bei Reinmar v. Zweter: ist cluoc ein lop, sô cluoge alsô, daz dâ iht græte stecke bî (
kaum g. pl.) 123, 6
Roethe (
neben sicher maskul. ein grât [: stât] 140, 11
und zweifelhaftem n. pl. græte 128, 3);
mit einiger sicherheit auch, angesichts des stilistischen gefüges der ganzen aussage: græte in der keln Berthold v. Regensburg 1, 353, 9
Pf. (
s. u.A 1 a);
ferner: ir wrget hie (
einerseits) mit grete, da wider (
andererseits) kvnt ir manige szze wisen
j. Titurel 2582, 2
Hahn (
neben eindeutig maskul. grat 2983, 2; 3833, 3; 4222, 4
und einigen doppeldeutigen formen, z. b. 1285, 4; 2403, 2; 3858, 2).
da man bis etwa 1500
auch für græte
starke flexion des plurals voraussetzen musz, ist es mhd. und frühnhd. in vielen fällen unmöglich, die zugehörigkeit zu grat,
m. bzw. graete,
f. eindeutig zu bestimmen (
vgl. dazu und überhaupt zur behandlung doppeldeutiger formen die bemerkung im kopf von 1grat).
anscheinend bleibt aber græte
in mhd. zeit noch ziemlich vereinzelt. häufiger erst tritt es auf in meist nd., seltener obd. quellen des späten 15.
jhs. (
s. u.A 1 a). Luther
scheint die ältere bildung vorzuziehen, vgl. z. b. 15, 36
W.; 28, 638; 30, 1, 168; 49, 350; 51, 104;
br. 9, 362
u. ö., kennt aber auch gräte: die grethen und beine 33, 656; die grat (
acc. sg.) 13, 314. —
apokope des auslautenden -e
ist in älterer sprache häufig, später besonders noch in obd., gelegentlich auch in nd. mundart. der dental erscheint auslautend (
bei apokopierten formen)
im älteren obd. manchmal als -d: gräd (
obd. 1466) Diefenbach
n. gl. 274
b; Hulsius
dict. (1618) 1, 141
a,
jünger in obd. und bes. nd. mundart: grád Schmeller-Fr. 1, 1016; graad Mensing 2, 460; grad Mi
Mecklenb. 28
b; Dähnert
plattdt. wb. 159.
inlautend begegnet -d-
statt -t-
in älterer zeit nur nd., später auch auf md. und obd. mundartboden, vgl. grade Bauer-Collitz
Waldeck 41
a; Χreden
rhein. wb. 2, 1363; grádn Schmeller-Fr. 1, 1016; grade Loritza
Wien 53.
daneben begegnet -tt-
in gretten
voc. rei numer. (
Wittenberg 1558) H 3
a; grätte Loritza
a. a. o., -dt-
in gradten Joh. Agricola
sprichw. (1534) H 3
a,
ferner -th-
bes. im 18.
und frühen 19.
jh. ausfall des inlautenden dentals in bes. nd. pluralischen mundartformen wie graen Strodtmann
Osnabr. (1756) 75; gra'an Böning
Oldenb. 40; gron, grahn Mensing 2, 460; grō.ə.nə
rhein. wb. 2, 1363.
schwankungen des vokals ergeben sich im rahmen des mundartlichen; für jüngere zeit ist die schreibung grete G. Köhler
kriegswesen 3, 1 (1887) 12
auffallend. umlautlose formen sind im sg. wie im pl. für das ältere nd. charakteristisch, sie herrschen dort auch heute mundartlich noch vor, vgl. z. b. grad Mi
Mecklenb. 28
b; graad Mensing 2, 460,
begegnen aber auch in den östl. mundarten des obd., vgl. z. b. grat
[] Schöpf
Tirol 207; grate Lexer
kärnt. 122; Unger-Khull
steir. 301
a. —
die flexion des wortes ist anfangs stark, seit etwa 1500
treten die schwachen pluralformen auf: der graden (
gen. pl.) (1498)
Reinke de vos 13
Prien; die grethen Luther 33, 656
W.; spinae gretten
voc. rei numer. (1558) H 3
a; die grathen stechen sehre C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 376
a; reine gräten L. Ercker
beschreib. (1580) 10
b u. ö. in älterer sprache ist gelegentlich auch schwache singularflexion bezeugt, nd. bereits im 15.
jh.: nicht visch vppe de graden (
nach ausweis der übrigen zeugnisse für diese feste redensart als acc. sg. zu fassen, s. u. A 1 c
α, grat A 3 d) (1458)
urk.-buch d. st. Lübeck 9, 621;
jünger: unten an der graten
Ch. Sorel v. d. leben der Francion (1662) 528.
die in bair.-österr. maa. auftretende schw. nebenform die graten (
neben die grat, die grate)
geht wohl auf in den sg. eingedrungene pluralformen zurück: grádn Schmeller-Fr. 1, 1016; grâtún Schöpf
Tirol 207; die gradún Castelli
Wien 147;
vgl. noch nit a graten (
acc. sg.) Anzengruber
ges. w. (1890) 10, 154. AA.
wie 1grat A
für etwas spitz und hart hervorstechendes, auch hier eigentlich-gegenständlich wie bildlich und redensartlich. A@11) '
fischgräte'.
so schon mhd., im lauf des 17.
jhs. das ältere grat
in dieser bedeutung verdrängend. A@1@aa) wan rüemen zimt rehte in der bîhte als græte in der kelen und als der fluoch bî dem segene Berthold v. Regensburg 1, 353, 9
Pf.; cromus grade, eyn wisches knoke
i. ostpisis (
aus os piscis) (
nd. 1417;
nd. 15.
jh) Diefenbach
n. gl. 121
a;
ospiscis grade (
nd. 1425) Diefenbach
gl. 402
c;
ospiscium gräd (
obd. 1466) Diefenbach
n. gl. 274
b; enes visches grade de was em geuallen in den hals (
Lübeck 1499)
bei Schiller-Lübben 2, 137
a; do Ysegrym der graden nicht en mochte, der suluen he em eyn weynich brochte (1498)
Reinke de vos 197
Prien; vgl. 4412; reichtumb seindt die grethen und beine, so von der herren tische uberbleibenn Luther 33, 656
W.; da der krebs sihet die beine vnd gradten der gefressenen fische Joh. Agricola
sprichw. (1534) H 3
a; da fengt er (
der geizige) ernstlich an zu schaben und zu kratzen, er gibt die graden nicht den hunden oder katzen Rachel
sat. ged. 44
ndr.; das geschuppte silber-stück deckt gall und gräten in den fischen Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 2 (1711) 226; haben sie etwa eine gräte im halse stecken? Gottsched
dt. schaub. (1740) 6, 303; als nun ... von den heringen ein paar traurige gräten und von der bewunderungswürdigen speckstippe gar nichts mehr da war Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 34.
in kollektivem sg.: pesce senza ossa fisch, der keinen grAed hat Hulsius
dict. (1618) 2, 291
b; sich treu zu bleiben, zum eigenen wesen zu stehen, wie die forelle zu ihrer gräte A. Zweig
einsetzg. e. königs (1950) 177. A@1@bb)
entsprechend der älteren beurteilung des wal '
fischs'
von den knochen dieses tieres: (
die einwohner am Kap der Guten Hoffnung) leben ... von den groszen todten durch sturm an den strand geschlagenen wall-fischen, darauff liegen sie, mann weib und kinder, und nagen wie hunde von den gräten das fleisch Andersen
orient. reisebeschr. (1696) 4
b Olearius; die Grönländer nähren sich von dem fleische und dem öhle der fische; sie ... bauen sich von ihren gräten hütten (
kann sachlich nur die knochen der wale meinen) (1769)
allg. dt. bibl. (1765) 10, 2, 179. A@1@cc)
im engen anschlusz an a
häufig redensartlich, sprichwörtlich und bildlich. A@1@c@aα)
die unter grat A 1 d
α häufige redensart nicht fisch bis auf den grat sein '
nicht echt sein'
klingt bei gräte
nur nach: he en is nicht visch vppe de graden, dat merke ik vthe sinen vorgifftigen scrifften (1458)
urkdb. d. stadt Lübeck 9, 621; he is nich rein an de graden '
er ist krank',
aber auch '
er ist moralisch nicht einwandfrei'
oder '
ersteht [] in schlechtem ruf' Mensing
schlesw.-holst. 2, 460;
vgl.rood (
of niet zuiver) op de graat
woordenboek 5 (1900) 525. A@1@c@bβ)
in wendungen wie keine, nicht eine gräte fangen, sehen
u. ä. steht gräte
als pars pro toto für den ganzen fisch; dabei bleibt der zusammenhang mit der vorstellung des fischfangs noch enger als in dem entsprechenden gebrauch unter grat A 1 d
β: von selbiger zeit an (
da der oft bestohlene teichbesitzer seinen knecht als gespenst verkleidet am teich spuken liesz) sey ihm nicht eine grAete mehr entwendet worden Joh. Riemer
polit. colica (1681) 224; 'du lieber gott! die ganze nacht in frost und nässe durchgewacht, und keine gräthe noch gefangen!' (
worte eines fischers) Wieland
s. w. (1794) 18, 221; wenn's mir nachgeht, sollst du keine gräte davon (
von den gefangenen fischen) zu sehn kriegen Göthe I 12, 108
W.; IV 28, 50; es war nix mit'n fischen, nit a graten g'fangen, frau Käsmeier, nit a graten Anzengruber
ges. w. (1890) 10. 154. A@1@c@gγ)
in dem bei mhd. grât (
s.grat A 1 d
γ)
sehr verbreiteten bildgebrauch, der unter der fischgräte etwas verderbliches oder verfälschendes versteht: ist cluoc ein lop, sô cluoge alsô, daz dâ iht græte stecke bî Reinmar v. Zweter 123, 6
Roethe. A@1@c@dδ)
im übrigen wurzeln in der vorstellung, dasz die gräte
im fisch etwas lästiges, unangenehmes, störendes darstellt, das sprichwort kein fisch ohne gräte(n)
und andere, z. t. lockerer gefügte wendungen: die leut nicht ohn gebrechen sind, wie man kein fisch ohn graden find Petri
d. Teutschen weiszh. (1605) Q 7
b; ohne grAed kein fisch man find, ohne mangel die leut nicht sind Lehman
floril. polit. (1662) 3, 276.
die wendung nicht fisch bis auf die gräte
variierend und umdeutend: se is nig fisch ane grade
sie hat neben der guten seite auch eine schlechte Dähnert
plattdt. wb. 159
a.
ferner: dieser hechte wir essen nicht, die gräten stechen sehre (
mit bezug auf einen nicht zu bezwingenden gegner) (1572) Erlach
volksl. (1834) 2, 344; gräten biegen sich wol, aber sie stechen auch Wander
dt. sprichw.-lex. 2, 128; s hōt wull gräta drinne? — s hot an krēt im trumpf (
Hirschberg) K. Rother
schles. sprichw. 431
b; die herren haben sich, wie es scheint, die sache gar leicht vorgestellt, hintennach aber gefunden, dasz es seine gräten hat Görres
ges. br. (1858) 3, 117; je kleiner fisch, je weniger gräte J. Hoffmann
polit. Jesus Syrach (1740) 37.
in freier übertragung: wenn ihnen das gerichte nur mundet, und die vielen gräten von noten und citaten nicht die eszluszt rauben Görres
ges. br. (1858) 2, 587. A@1@c@eε)
offenbar aus dem nl. stammt eine im nd. weit verbreitete redensart von den gräten fallen '
sehr mager sein'
mit ihren varianten, die von '
fischgräte',
nicht aber von einer (
trotz der bedeutung '
rückgrat')
weder bei grat
noch bei gräte
auftretenden allgemeinen bedeutung '
knochen'
herzuleiten ist; die vorstellung des grätengerüstes ist hier scherzhaft auf das menschliche knochengerüst übertragen, vgl. dazu woordenboek 5, 525
s. v. graat 1 d van de graat vallen.
zufrühest in einer übersetzung von Jer. de Decker
s (†1666) '
lof der geldzucht': bisz dasz ihr (
frauen) stinckt und hinckt, und von den grAeten fallt (
en wechvalt van den graet) J. G. v. Perlensee (1709)
lob der geldsucht 785; he wil van den graden vallen (
de macilento) (
anf. 18.
jhs. Bremen)
bei Schiller-Lübben 2, 137
a; Danneil
altmärk. ma. 69
b;
rhein. wb. 2, 1363; he hangt man eben bi de graden tosamen
oder höllt bloots noch bi de graden tohoop '
er ist sehr elend, krank, mager'
; auch übertr. he hangt bi de graden '
ist nahe vorm wirtschaftlichen zusammenbruch' Mensing
schlesw.-holst. 2, 460; Dähnert
[] plattdt. wb. 159
a.
vereinzelt auf sachliches übertragen: graf Strachwitz ... hatte glücklich ein paar mächtige bauernpferde und einen nur dürftig in seinen gräten hängenden wagen requirirt Wachenhusen
tageb. v. österr. kriegsschaupl. (1866) 214. A@22)
die bei dem älteren wort grat (
s. d. A 2)
noch einigermaszen feste bedeutung '
stachel, dorn, spitze'
tritt bei gräte
zurück. namentlich ostobd. maa. verzeichnen für gräte '
granne',
auch '
spreu',
vgl. Schmeller-Fr. 1, 1016; Lexer
kärnt. 122; Unger-Khull
steir. 301
a; Fischer
schwäb. 3, 803;
daneben ferner grat,
f., n. '
hervorstechende spitze an disteln und anderen pflanzen' Neubauer
Egerländ. ma. 64
b.
literarisch nur vereinzelt: die ameisz beisset vnd zwicket mit jren negeln das grede ab von dem körnlein Georg Maier
hist. lustgarten (1625) 1, 218 (
ebda 215: das spitzlein); nimmt man den ... getraideähren die ... graten, so gedeihen die körner nicht
allg. dt. bibl. (1765) 106, 206. A@33) '
rückgrat'.
zur herleitung der benennung s. grat A 3. A@3@aa)
beim menschen: wie nemlich Raymond wein holen lassen, und selbigen den rückgraden herab auszgeschüttet habe an diesem schönen bloszen leibe, und allen anderen befohlen, dasz sie kommen und an der graten, als aus einer quellen trincken solten
Ch. Sorel v. d. leben d. Francion (1662) 528.
wohl kaum noch lebendigem sprachgebrauch gemäsz: so wird ... die gräthe genannt ... in der anatomie ... die spitzigen hintern fortsätze der wirbelbeine, welche eigentlich den rückgrath ausmachen Krünitz
encycl. 19 (1780) 693;
danach noch bei Adelung
und Campe
s. v. gräthe
bzw. gräte. A@3@bb)
beim pferd, nur in lexikalischen nachweisen des 16.
und 17.
jhs.: postilena das hinder grAet, buog am sattel Dasypodius
dict. (1537) Y 3
b; grAed, der sattel vorn oder hinden
groppiera del cauallo (
was im ital. teil übersetzt wird mit '
schwantzriemen') Hulsius
dict. (1618) 1, 141
a. A@3@cc)
beim fisch vom rückgrat als der einzigen gräte oder der hauptgräte, mit oben 1 a
gekreuzt: einige fische haben nur eine gräte
quidam piscium dorsualem spinam tantum habent Steinbach
dt. wb. (1734) 1, 635; nur die gräte des rückgrates spuckte sie vor sich hin Cl. Viebig
d. schlafende heer (1904) 2, 407. A@3@dd)
nur selten in der dem sehr verbreiteten gebrauch grat A 3 d
entsprechenden redensart bis auf die gräte schinden, aussaugen: seynds denn etwan Juden die arme leute aussaugen bisz auf die gräte
kipper und wipper (1621) A 3
a; dardorch wert de arme man geschindet bet up de grade (
protest. glosse zu Reinke de vos 100)
bei Schiller-Lübben 2, 137
a.
in freierer pluralischer fassung: wenn sie mich die reichhaltige tiefe jener (
ihrer körperlichen reize) nur errathen liesz, so enthüllte sie mir hingegen diese (
ihre mission, ihren auftrag), wie sie sich selbst ausdrückte, bis auf die gräten Thümmel
reise (1791) 3, 467, BB.
von schmal oder scharfkantig verlaufenden gebilden. wie grat B
und an einzelnen stellen über dessen anwendungsbereich hinausgreifend, im ganzen aber weniger ausgeprägt. B@11)
in der bedeutung '
schmale kammlinie eines berges oder felsen'
literarisch anscheinend auf die erste hälfte des 19.
jhs. beschränkt (
doch verzeichnen auch Adelung
und Campe
die bedeutung nur unter grath
bzw. grat,
nicht unter gräthe
bzw. gräte): gräten heiszen in der Schweiz die hohen ... spitzig ansteigenden berggipfel Zappe
mineral. handlex. (1817) 1, 451; von da führt eine ziemlich gerad fortlaufende gräte, mit sehr schroffen abhängen zu beiden seiten, bis zum gipfel Ritter
erdk. (1822)
teil 10, 505; so lieszen wir uns denn abermals ... ans land setzen, stiegen über die scharfen gräten der felsen hinüber und giengen dann in der schlucht am gieszbachbette hinan G. H. v. Schubert
Morgenland (1838) 1, 434; hebungen ..., in denen kleine theile des bodens ... ihr niveau um mehrere fusz bleibend verändern und dachförmige gräten oder flache erhöhungen bilden A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 310;
vielleicht noch hierher: finster, fast schwarz erscheint der fels, scharfzackig seine gräte Barth
Kalkalpen (1874) 84 (
i. d. [] gleichen quelle an zahllosen stellen grat,
m.; im pl. grate,
z. b. 73; 217; 259; 488).
mundartlich nur aus dem östl. obd.: grâte Lexer
kärnt. 122;
vgl.auf də grád furt ge~
s. v. grät, grat,
f. bei Schmeller-Fr. 1, 1016.
bei einem älteren, für die bedeutung '
berggrat'
in anspruch genommenen schwäb. beleg ist die richtigkeit der interpretation nicht nachprüfbar: Sebastian sprach da sein gebet vnd gieng vff den gräde
M. J. Chr. v. Schmid
schwäb. wb. (1831) 240. B@22)
für kanten- und kammförmige gebilde anderer art. B@2@aa)
nur vereinzelt im sinne von grat B 2 a
für kammartige, scharf schneidende organe am tierkörper: und erkennen an der besonders dargestellten spitze desselben (
des legbohrers der holzwespe) ... die beiden gräten (
in der art gezähnter messerklingen) Brehm
tierl. 9, 211
P.-L. B@2@bb)
in der fachsprache der anatomie, grat B 2 b
gegenüber verhältnismäszig stark entwickelt, vom frühen 18.
bis zur mitte des 19.
jhs. B@2@b@aα)
in direkter benennung bestimmter knochen bzw. knochenteile. über das verhältnis zu A 3 '
rückgrat'
s. unter grat B 2 b
α.
für die spina scapulae: das schulterblatt; ... es ist an ihm zu bemerken die gräte (spina scapulae)
Blancard arzneiwb. (1788) 2, 143
b; auf der hintern fläche (
des schulterblatts) erhebt sich von der basis bis an den hals hin die gräte (spina scapulae) Sömmerring
menschl. körper (1839) 2, 155;
vgl. 4, 558;
für die spina tibiae (
modern fachsprachlich aber crista anterior): gräte des schien-beins,
siehe schien-bein
Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1307; schien-beins-gräte,
lat. spina tibiae, ist der vordere und ziemlich scharfe theil des schien-beines ebda 8, 790.
für beide knochen noch Krünitz
öcon. encycl. 19 (1780) 693; Campe 2 (1808) 444. gräte
auch für den oberen scharfrandigen knochenteil der nase. so wohl schon: zu den äuszerlichen (
teilen der nase) werden gerechnet der rücken, die wurtzel, gräte, die kugel und flügel H. v. Fleming
teutscher soldat (1726) 350; so wird der scharfe obere theil der nase von einigen die gräthe genannt Adelung
vers. 2 (1775) 781. B@2@b@bβ)
nur vereinzelt wie unter grat B 2 b
β für kantige formen, wie sie allgemein an knochen auftreten: einzelne knochen sind beym weiblichen geschlechte viel zarter, ... haben weniger scharfe ränder, gräthen und hervorstehende ecken Lavater
physiogn. fragm. (1775) 2, 158. B@2@cc)
entsprechend häufigerem grat (
s. d. B 2 d
β)
als '
dachkante'
nur vereinzelt: 'gräte,
im bauwesen, scharfe, feine, spitzwinkelige kante, insbesondere ausspringende kante zweier zusammenstoszenden dachflächen, sofern sie nicht horizontale lage hat, in welchem falle sie first
heiszt' Lueger
lex. d. ges. techn. (1894) 4, 753. B@2@dd)
im 18.
und 19.
jh. als terminus im befestigungsbau: 'gräte des glacis,
arrête de glacis, heiszt die zusammenstoszung der abdachung des glacis. sie sind erhoben, oder eingebogen, nachdem der winkel entweder aus- oder eingehend ist' Eggers
kriegslex. (1757) 1, 1094; Krünitz
encycl. 19 (1780) 693.
anders: 'gräte ...
kamm einer brustwehr' Mothes
ill. baulex. (1881) 2, 519. B@2@ee)
fachsprachlich auch im waffen- und rüstungswesen, vgl. eine ähnliche anwendung unter grat B 2 f: 'gräte ...
nennt man die linie, welche die brustplatte (
am kürasz)
in der mitte von oben nach unten theilt' Demmin
kriegswaffen (1869) 330;
dazu als kompositum grätenkürasz E. v. Handel-Mazzetti in:
dt. rundschau 155, 11; die spieszeisen haben in den zeichnungen die form eines langgestreckten blattes mit kaum markirter grete G. Köhler
entwicklg. d. kriegswesens 3, 1 (1887) 12 (
oder entsprechend dem für gräte
sonst nicht belegbaren botanischen gebrauch unter grat B 3 b?). B@33) grat B 3
entsprechende anwendungen im sinne von '
schmale, fortlaufende erhöhung, schmaler streifen'
begegnen nur in unsicheren spuren. B@3@aa)
als ausdruck der zeugweber: 'gräte
nennen die zeugwürker das wahrzeichen im gewürcke, dasz es ihres handwercks eigene arbeit sey'
Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1307;
von da her noch bei Krünitz
encycl. 19 (1780)
[] 694
u. Jacobsson
technol. wb. 2 (1782) 147
b.
wenn hier überhaupt zutreffend glossiert ist, bleiben ausgangsvorstellung und beziehung zu den unter grat B 3 a
begegnenden webtechnischen ausdrücken unklar. B@3@bb)
vereinzelt in einer grat B 3 b '
blattrippe'
vergleichbaren anwendung von den fäden der bohnen: gleichsam wie man mit den bonen-schelfen, phaseoli genant, umgehet, wan man selbige von jhren gräthen reiniget Grimmelshausen
Simplic. continuatio 99
Scholte (
oder zu grat,
m?). B@3@cc)
entsprechend grat B 3 c
nur vereinzelt in obd. flurnamen: gräte,
f. Heiszgräte, Altgrätin
fortlaufende erhöhung in einem acker, kiesbank, gew. alte (
Römer)
strasze Buck
flurnamenb. (1888) 89;
vgl. Fischer
schwäb. 3, 1397
s. v. heiszgräte
u. heiszgrätig.