grammatik,
f. ahd. gramatih, grammatih,
m. oder n. (
vermutlich m. wie die ebenfalls entlehnten oder zu lat. wörtern gebildeten estrih, epfih, ezzih, pfenih, kelih, pferrih, pforzih, retih, tepih Wilmanns 2, 380),
mehrfach bei Notker,
vgl. 1, 463, 29
P.; 795, 13; 424, 29; 459, 27; 2, 318, 12
gl.; 314, 11
gl.; aus lat. (
ars)
grammatica (
gr. γραμματική [
τέχνη]) '
schriftkunde, elementarlehre der sprache, sprachwissenschaft'
und mit reibelaut -ch
für -c
entlehnt, s. dazu Schatz
ahd. gramm. § 215; Frings
Germania Romana 212.
mhd. grâmatic,
meist grâmaticâ,
f., vielleicht über lat. grammatica und afrz. grammatique neu entlehnt. form und schreibung schwanken lange. die lat. form gramatica
herrscht im 16.
jh., auch bei Luther,
noch entschieden vor, wird aber auch im 17.
und frühen 18.
jh. noch angewandt. die deutsche form begegnet älter in den schreibungen gramatic, grammatic (
so noch Heräus
ged. [1721] 271; Schiller
br. 6, 205
Jonas), gramatick (
so noch Hippel
lebensläufe [1778] 1, 68),
häufig grammatick (
so noch Antesperg dt. grammatick [1747]
titel), vereinzelt grammattick;
aber im 16.
und 17.
jh. auch schon in der modern allgemeingültigen schreibung grammatik.
vereinzelt bleibt der latinisierte pl. grammaticalia
an stelle von grammatica,
s. Zimmer. chron. 23, 136
Barack. das 16.
jh. kennt schw. flexion des wortes: der grammaticken (
gen. sg.) Luther 33, 251
W.; (
dat. sg.) Mathesius
leychpred. 1 (1569) 137
a. 11)
auf grund antiker tradition das ganze christliche mittelalter hindurch als terminus technicus für die erste und grundlegende der septem artes liberales, für jene disziplin und jenes unterrichtsfach an kloster- und domschulen sowie an der artistenfakultät der universitäten, die es mit der sprache im allgemeinen sinne und ihrer erlernung zu tun haben; die speziellere bedeutung des wortes (
s. 2)
einschlieszend, aber nicht auf sie eingeengt, des weiteren auch lektüre und interpretation antiker autoren umfassend (
s. dazu noch grammatiker 2 b).
so zwar nicht im frühesten, aber doch im vorherrschenden gebrauch älterer zeit bis ins 16.
jh.; nach der hellenistischer tradition gemäszen definition des Hrabanus Maurus als scientia interpretandi poetas atque historicos et recte scribendi loquendique ratio. zum sachlichen des ganzen fragenkomplexes vgl. neuerdings E. R. Curtius
europ. liter. u. lat. mittelalter (1948) 44—68. 1@aa)
kunst des lesens und schreibens und unterricht in diesen fertigkeiten, meist zugleich kenntnisse bzw. unterricht in der lateinischen sprache und literatur; vgl. glossierungen wie ein kunst des latins, lateins, ein kunst der buchstaben, recht reden o. schreiben
bei Diefenbach
gl. 268
a; grammatic wirdt ... verteutscht ein schreibkunst, die da lehret schreiben vnd lesen oder ... ein buchstaberey, da man lehrt mit den buchstaben vmbgehen Simon Roth
dict. (1571) G 7
b: vil hoher tugende lere was man im (
dem jungen Titurel) willic gebende ... an der grâmatic wart er schier vol varnde
d. jg. Titurel 174
Hahn; wann er ein slechter lai was, der nie chain schrift gelert, noch laz, und hat materig tzu deutsch erpracht, die einem glerten nicht versmacht hiet in der gramatica: slechtleich nain, slechtleich ia (
vor 1400) Peter Suchenwirt
w. 64
Primisser; als ich ain jüngling in der hohen schuol Ertfurt wonet, hat ich ainen maister in der kunst gramatic (1486) Tünger
facetiae 143
lit. ver.; es gehört yn die grammatick vnd kinder schulenn (1521) Luther in:
Luther u. Emser 2, 84
ndr.; wie tolle bacchanten uff die wichinen zugen, wurden (
zu priestern) gewicht, das sy ein wenig konden singen, sunst weder exponieren noch grammattick Th. Platter 37
Boos. vereinzelt geradezu '
sprache': er (
der meister) kunde niht ein (
nicht nur eine einzige) gramatica; er kund latin, er kund ebreisch, er kund krichisch unt kaldeisch mit geblumter rede gemacht guter reht sam die sproch siner muter
minneburg 18
Pyritz. historisch referierend: die grammatik ... ist die wissenschaft, die alten poeten und geschichtsschreiber auszulegen, und zugleich ohne fehler zu reden und zu schreiben
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 503; die generation (
Hartmanns von Aue) mochte in den künsten der schule nicht zu bewandert sein — noch jahrzehnte später wird kenntnisz der grammatik und des lateinischen an einem herrn von Neifen als etwas besonderes gerühmt Nitzsch
dt. studien (1879) 46.
gelegentlich in diesem rahmen in der engeren, für 2
und 3
maszgebenden bedeutung des sprachsystems, der grammatischen sprachform; so vor dem hintergrund des unterrichts in der zumeist gebrauchten lateinischen grammatik des Aelius Donatus, wobei die grammatik
bestimmte einzelgebiete wie etymologie, syntax und prosodie umfaszt: die Donatisten schal men alle dage vor middage ... in der grammatica, etymologia, syntaxi und prosodia sehr vlytich öuen (
Braunschweig 1543)
bei Nyström
d. dt. schulterminologie (
diss. Helsinki 1915) 201.
vgl. noch: item zu sumerzit sol der schulmeister morgens so es fünfe slecht examinieren in grammatica ein stund und darnach lesen und darnach sollen die clain knaben ir letz (=
lektion) sagen. darnach sol man das latin examinieren und declinatz (
etwa 1470)
urkundenb. Heilbronn in: württemb. gesch.-qu. 5 (1904) 496. 1@bb)
oft ausdrücklich oder eindeutig innerhalb des systems der freien künste und des studium generale als erstes fach des triviums neben rhetorik und dialektik (
logik, philosophie)
und neben den fächern des quadriviums: künste muoter und schuoler amme gramaticâ, von der diu flamme gotes liebe wirt entzündet, di si gelêrten herzen kündet, diu hât sehs töhter in irm krâme Hugo v. Trimberg
renner 16 666
E.; vgl. 16 725; ich will schweigen von den gelerten in der gramatick rhetorick philozophia naturlichen kunsten, geometria vnd in den kunsten von der mas des erdreichs, vnd in den kunsten der loyca, vnd musica vnd astronomia, astrologas, medicinis
erste dt. bibel 3, 15
lit. ver. (
vorr.); so sassen (
die lehrer) auff der künsten stul, der grammatica, rhetorica, der logica und musica, arithmetica, astronomia, poetrey und philosophia Hans Sachs 15, 550
lit. ver. in freierer anordnung, aber innerhalb des systems: astrologi mit cluogen listen ... guot tichter in retorica, guot singer in der musica; da was gramatica grundlich, geometrie ganz kundlich; arismetrica die guldin zal ... die loik sophistri regnirt ... das was ze Constenz gegenwertig (15.
jh.)
histor. volkslieder 1, 237
Liliencron. historisch referierend: bei jeder stiftskirche ... wird ein lehrer angestellt, welcher die jüngeren geistlichen in der grammatik und in allen andern nothwendigen wissenschaften unterrichtet Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 3, 302. 22)
in engerem sinne die einer sprache zugrundeliegende formale struktur, die summe und das system der in ihr sich ausdrückenden und auswirkenden regeln, gesetze und ordnungsprinzipien; ebenso deren kenntnis und anwendung. so schon im frühesten gebrauch, dann erst wieder seit dem älternhd., heute die gewöhnliche bedeutung des wortes. von den zahlreichen synonymen sind in älterer zeit mehrere gebräuchlicher, so vor allem das vom 16.
bis ins 18.
jh. geltende sprachkunst (
s. d.)
und das vom 17.
jh. bis in modernen gebrauch übliche sprachlehre,
vgl. auch unten 3 a.
nur gelegentlich in lexikalischer verzeichnung, und dann meist im sinne der anzueignenden voraussetzung für den richtigen und regelrechten gebrauch einer sprache: grammatica vel grammatice, -tices grammatic: ist ein kunst die recht und wol leert schreyben, läsen, reden oder auszsprechen Frisius
dict. (1556) 609
a; grammatik
die kunst recht zu reden und zu schreiben, grammatica. dazu die anm.: '
dieses wort ist durch die lateinische schulen so ins teutsche gekommen, dasz es durch das neue wort sprach-kunst
schwerlich wird zu vertreiben seyn' Frisch (1741) 1, 366
a; grammatik
die kunst, eine sprache richtig zu reden und zu schreiben; die sprachkunst Adelung
wb. 2 (1811) 773. 2@aa)
unter betonung des normativen gesichtspunktes, als '
grammatische regel, richtiger sprachgebrauch',
im einzelnen oder im ganzen, auf dem gebiet des praktischen sprechens. bei Notker
so mehrfach in der übertragung von lat. grammatica: nunc stringere i. arguere quid grammatica regula ... unde eteuuaz lasteron mit cramatichis eo Notker 1, 795, 13
P.; vgl. 463, 29; daz Taneos si selbnamo dero burch uncherlich in gramatiche (
nomen ciuuitatis indeclinabile)
ebda 2, 318, 12
gl. P. (
ps. 77, 43);
vgl. 314, 11 (
ps. 77, 12); dan er (
Luther) vber an tausent stelln presens pro preterito uel futuro ... vnd eins fur das ander gesetzt hat, wOelches ich (wo der jrrthumb allein die grammatick, vnd nit den glauben an trifft) vbergehen, vnd verschwigen wil Emser
annotationes (1535) 15
a.
so oft bei Luther,
besonders im zusammenhang der bibelübersetzung und -auslegung, für das, was das rein sprachlich-philologische eines wortes oder textes betrifft: gleich wie einmal ein meszpfaff gewest ist, derselbe da er uberm altar viel hostien sollte consecriren, meinete er, es wäre nicht congrue nach der grammatica geredt, das ist mein leib, sondern sprach: dies sind meine leibe Luther
tischr. 5, 615
W.; vgl. 668; denn Moses der erst fehet sein buch also an: im anfang schuff elohim himel und erden. nu ists ia offenbar, das elohim pluralis numeri, und deutet nicht einen, sondern viel, das mans nach der grammatica mus also verdeudschen: im anfang schuff die götter himel und erden
ders., w. 50, 278
W.; weil das wort hemdath heisst eigentlich, nach der grammatica, begird oder lust
ebda 53, 477.
hier auch als buchstäblicher sinn in kritischer gegenüberstellung zum höheren, theologischen: den die grammatica soll eine dienerin und nicht richterin sein in der heiligen schriefft
ebda 47, 29;
vgl. 45, 560; aber das sind erst die grammatica, nu last uns die theologia sehen
ebda 53, 505.
und jünger: und so e. gestr. etwas wollte lassen aus den allhie mitgeschickten schriften abschreiben, so thut dem schreiber noth, dasz er ein gelehrter, verständiger mann sei; denn die sylben sind nicht alle genug ausgestrichen, auch nicht nach der grammatica. es mögen auch wohl in vielen worten buchstaben fehlen (1620) Jac. Böhme
s. w. 7, 397
Schiebler; eine ziemliche anzahl von druckfehlern, die theils manchmal den sinn verstellen, theils die regeln der grammatik verletzen Miller
pred. f. landvolk (1776) 3, a 8; über jeden schnitzer wider die grammatik konnte er sich ärgern, dasz er das podagra bekam Rabener
s. schr. (1777) 2, 57; darum steht die grammatik als die technik der sprache in keinem anderen dienste als in dem des sprachlichen und nicht des logischen gedankens K. Vossler
ges. aufs. z. sprachphilos. (1923) 5. 2@bb)
als umfassender begriff innerhalb der sprachtheorie, vgl. schon: so du ... verstan macht, wie uns Carmenta (
die tochter des königs von Arkadien) die geschrifft gegeben hat, so solt du dar by verstăn, daz sie ŏch ain anfang gewesen ist der geregelten sprach gramatica genennet Steinhöwel
de claris mul. 98
lit. ver.; declination abweichung, neigung, vermeidung, renckung, biegung, in der grammatic Simon Roth
dict. (1571) E 4
b s. v. declination; sie bilden ihnen ein, diese schöne sprache sey in keine grammatik, gleich andern, zu bringen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 423; unter allen völkern der erde ist die grammatik beinahe auf einerlei art gebaut. die einzige chinesische macht, meines wissens, eine wesentliche ausnahme Herder 5, 138
S.; vgl. 13; das medium des dichters sind worte; also abstrakte zeichen für arten und gattungen, niemals für individuen; und deren verhältnisse durch regeln bestimmt werden, davon die grammatik das system enthält (1793) Schiller
br. 3, 297
Jonas; die grammatik —! sagte sie (
die lateinlehrerin) leidenschaftlich und atmete heftig aus. die grammatik ist die askese der sprache, ohne die man nicht vorwärtskommt El. Langgässer
märk. Argonautenfahrt (1950) 119.
in ihren einzelteilen nicht genau abgegrenzt, älter z. t. orthographie, etymologie und prosodie u. a. einschlieszend. jüngerer wortgebrauch unterscheidet gelegentlich ausdrücklich grammatik
und syntax: doch ist das griechisch dieser inschrift ... der grammatik und der syntax nach, weit barbarischer abgefaszt Ritter
erdkde (1822)
teil 1, 603; vom alphabet bis zur syntax und grammatik, von der zahlenreihe und den vier spezies bis zum dreisatz und der einfachen proportionsrechnung Th. Mann
Faustus (1948) 56.
in der verbindung grammatik und wörterbuch.
das ganze einer sprache nach ihrer form und ihrer substanz umschreibend: jede sache hat ihren genius, ihren geist, und dasz es bei Griechen und Morgenländern eben so gewesen, zeugt ihr ältestes wörterbuch und grammatik — sie sind wie die ganze natur dem erfinder war, ein pantheon! ein reich belebter, handelnder wesen Herder 5, 53
S.; vgl. 12, 10; wenn wir ... lernten, wie sich (
bei einfachen menschen) die natur bei gewissen erheischenden anlässen ausdrückt, die weder in der grammatik noch im wörterbuch stehen; wie unendlich könnten wir unsere gebildete sprache bereichern Lenz
ges. schr. 2, 323
Tieck. ein leicht abwertender nebensinn, von der vorstellung des regelzwangs her, wird gelegentlich spürbar: die deutsche sprache hat so wenig grammatik, weil ihr frisches leben überall wuchert Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 1, 80; woran dachte wohl hier Pygmalion? ganz gewisz an die grammatik und an das wörterbuch (
bei dem versuch, dem noch stummen, aber lebendiggewordenen mädchen die sprache beizubringen, in Ramlers darauf bezüglichen versen) Gerstenberg
recensionen 85
lit.-denkm. 2@cc)
in mehrfacher versachlichter bedeutung und anwendung. 2@c@aα) '
grammatisches wissen, beherrschung der grammatik',
auf eine bestimmte sprache bezogen: was ich kann in theologia, das weisz ich daher, dasz ich gläube, Christus sey alleine der herr, da die heilige schrift von redet. meine grammatica, auch meine hebräische sprache, hätte mirs nicht gegeben Luther
tischr. 6, 367
W.; ich habe Tancred und Cismonda übersetzt und musz es nur erst noch weiter ausbilden; es ist mir aber so sehr dabey aufgefallen, wie es mir an grammatik fehlt, dasz ich mir auf diesen monat eine stunde bei dem professor Köchy nehmen werde (1801) Caroline
br. 2, 45
Waitz; mag es mit rechtschreibung und grammatik noch so schwach bestellt sein, wenn sie nur den 'Pariser accent' hat, so steht sie gleich hoch in ehren Holtei
erz. schr. (1861) 12, 54. 2@c@bβ) '
pflege der grammatik, beschäftigung mit der grammatik': dasz man (
bei den mitgliedern einer zu gründenden deutschen sprachgesellschaft) nicht auf schlechte, eigennützige, von der grammatik ein handwerk machende leute das absehen richte Heräus
ged. u. l. inschr. (1721) 271; die erste französische akademie, schon im jahre 1634 eingerichtet, war der sprache im allgemeinen sinne, der grammatik, rhetorik und poesie gewidmet Göthe II 4, 112
W. 2@c@gγ) '
unterricht in der grammatik'
: (er) hat zustände kennen gelernt, in welchen sich der mensch sogar nach dem bakel eines ehrn Valentin Fichtner und nach der lateinischen grammatik zurücksehnen kann W. Raabe
s. w. I 3, 66
Klemm. ähnlich: die grammatik (
eine vorlesung über grammatik) musz ich sehr ins kurze ziehen, 3 stündig in 2 monaten (1868) W. Scherer
an K. Müllenhoff in: briefw. 89
Leitzm. 33)
als buch und buchtitel, besonders im anschlusz an 2. 3@aa)
so namentlich von den normativen, der festlegung wie der erlernung der deutschen sprache dienenden sprachlehren seit dem 16.
jh.; hier zunächst von den elementarbüchern des lese- und schreibunterrichts, später mit höherem anspruch; in den titeln des 16.
jhs. haben grammatik
bzw. grammatica,
in denen des 17.
jhs. sprachkunst,
in denen des 18.
jhs. sprachkunst
und namentlich sprachlehre
das übergewicht, neben mehr gelegentlichen titelstichwörtern wie unterricht, anleitung, grundsätze
u. ä., vgl. Jellinek
gesch. d. nhd. grammatik (1913) 4
ff., zum 16.
jh. bes. J. Müller
quellenschr. u. gesch. d. deutschsprachl. unterr. bis z. mitte d. 16.
jhs. (1882): Val. Ickelsamer ein teütsche grammatica (
o. j., vor 1537)
titel; Joh. El. Meichszner handbüchlin gruntlichs berichts, recht vnd wolschrybens, der orthographie vnd gramatic (1538)
titel; Jac. Brücker teutsche grammatic (1620)
titel; Herm. Wahn kurtzgefassete teutsche grammatica (1723)
titel; J. B. v. Antesperg
d. kayserl. deutsche grammatick (1747)
titel. als sachbezeichnung, von den lehrbüchern einer sprache: inn welcher grammatick er (
Luther) aber gelesen, daz iussus oder hortatus ein feltgeschrey heis, ist mir verborgen Emser
annotationes (1535) 103
a; alle buchläden ... von solchen teutschlehrenden grammatiken und prosodien ... wissenschaft haben Neumark
fortgepfl. lustwald (1657)
zuschrift 5; nicht in wörterbüchern und grammatiken (da sind nur die materialien und bauregeln zu finden), im lebendigen gebrauch und bau derselben (
sprache), da zeigt sich ihre energische schönheit Herder 22, 138
S.; verfasser einer griechischen grammatik Fontane
ges. w. (1905) I 4, 320. 3@bb)
jünger auch als titel nicht normativer, sondern historischer darstellungen eines sprachsystems oder eines systems verschiedener sprachen: Jac. Grimm deutsche grammatik (1819)
titel; wir Deutschen um so eher, da nach Grimms grammatik das wort aus dem niederdeutschen stammt Grabbe
w. (1874) 4, 531
Bl.; Franz Bopp vergleichende grammatik des sanskrit, zend, griechischen, litthauischen, gothischen und deutschen (1833)
titel; R. Kühner ausführl. grammatik
d. griech. sprache (
31890)
titel. 3@cc)
rein gegenständlich für das buch selbst: dieser (
schüler) hatte eine grammatik in der hand, um die sprache rein und gründlich zu lernen Göthe I 7, 147
W.; nach der grammatik greifet die müszige schöne verdrieszlich, stammelt russischen laut, weil es der vater befiehlt Mörike
ges. schr. (1905) 1, 95; bei strenger aufmerksamkeit hätten sie (
unsere lehrer) ebenso entdecken müssen, dasz in dem umschlag unserer lateinischen grammatiken die gedichte von Rilke steckten Stefan Zweig
welt v. gestern (1947) 57.
verächtlich kennzeichnend für das buch sprachlichen elementarunterrichts: wenn ein jeder neuling, dem noch der schmutz von seiner grammatic an den finger (!) klebt, sein unzeitiges gutachten von ihnen (
berühmten universitätslehrern) an den tag geben will Gottsched
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 169. 44)
in übertragenem gebrauch. mit bildlich-vergleichendem gehalt nur vereinzelt: und ist ein solcher ehestand eine grammatic in dero man nichts als amo conjugirt Abr. a
s. Clara
mercks Wien (1680) 107.
sonst von der vorstellung aus, dasz grammatik
ein grundlegendes, elementares darstellt, auf verschiedene geistige gebiete übertragen: allein hier zeigt sich meistens die gröbste ignoranz, bei gänzlichem mangel an philosophischer grammatik (
d. h. elementarkenntnissen)
Europa (1803) 2, 20
Schlegel; es fehlte durchaus an dem (
für die ausbildung von schauspielern), was ich grammatik nennen dürfte, die doch zum grunde liegen musz, ehe man zu rhetorik und poesie gelangen kann Göthe I 33, 250
W. hier auch in leicht einschränkendem sinne: die gewöhnliche logik ist die grammatik der höhern sprache oder des denkens Novalis
schr. 2, 172
Minor; moral ist die grammatik der religion; es ist leichter gerecht, als schön zu handeln Börne
ges. schr. (1829) 6, 137.
mehr unter dem gesichtspunkt des normweisenden: 'sie rächet sich gegen ihre verächter!' dies sagt Luther von der grammatik der worte, und noch mehr liesze es sich von der grammatik der gedanken, von der philosophie, sagen Herder 3, 472
S.