wassern. aqua. II.
verwandtschaft und form. I@11)
das wort lautet ahd. waʒʒar,
mhd. waʒʒer,
as. watar,
mnd. nnd. ndl. water,
afries. wetir, weter, wetter, water, watir Richthofen 1145
a,
wfries. wetter Dijkstra 3, 430
b,
ags. wæter,
mengl. nengl. water.
dieser westgerm. bildung mit r
stehen im ostgerm. bildungen mit n
gegenüber: got. watô,
anord. nnorw. vatn,
schwed. vatten,
dän. vand.
beide bildungen gehen auf ein zur wurzel *ved,
*ud
gehörendes indogerm. neutrum zurück mit einem r -
suffix im nom. acc. sg., einem n-
suffix in den übrigen casus, wie noch gr. ὕδωρ ὕδατος <
*udtos
und umbr. nom. acc. sg. utur '
wasser',
abl. une <
*udne
zeigt. zur n-
form gehört noch skr. udán-,
alban. uje <
*udnio '
wasser'
; mit n -
infix lit. vand,
gen. vandens,
apreusz. unds, wundan '
wasser',
lat. unda '
woge',
vgl. skr. unádmi, undmi '
benetze'
; an die r -
form schlieszt sich skr. an-udrá- '
wasserlos'
und otter (
s. d.)
mit seinen verwandten an; ferner stehen in der bildung asl. voda '
wasser',
arm. get '
flusz',
air. os, usce '
wasser'
s. Brugmann
grundrisz2 2, i, 579. 343. 310. Walde
2 850. Falk-Torp 2, 424. Fick 3
4, 384.
aus dem germ. gehört noch hierher die ablautende bildung afries. wet '
nasz',
ags. wǽt,
nengl. wet,
anord. vátr '
feucht',
schwed. vt,
dän. vaad;
vgl. auch waschen I, 1. I@22)
die declination ist durchgängig stark, nur in Schweizer drucken begegnet der mundartliche schw. gen. pl. wasseren
Züricher bibel 1. Mos. 1, 10. Frisius
dict. (1556) 936
b. Calepinus
XI ling. (1598) 340
b. 618
b. 819
a. Stumpf
Schwytzerchr. 9
b;
acc. pl. über tiefe wässern reyszen S. Münster
cosmogr. vorr. 3. I@33)
der plural hat gesetzmäszig keinen umlaut, doch begegnet er zuweilen seit dem 16.,
häufiger seit dem 17.
jahrh.; örtliche abgrenzungen sind hierfür kaum möglich; der plural wird, besonders in der volkssprache, so selten gebraucht, dasz er wol in den meisten fällen neu aus dem sprachgefühl des einzelnen heraus theils ohne, theils (
unter gelegentlichem einflusz von gewässer)
mit umlaut gebildet wird, und zuweilen auch schwanken bei ein und demselben schriftsteller zu beobachten ist; mitbestimmend ist gewisz auch das bedürfnis der unterscheidung vom sing. die litterarischen belege für den umlaut vertheilen sich auf das ganze sprachgebiet; das gewöhnliche ist er bei den Schlesiern des 17.
jahrh., am wenigsten betheiligt erscheint das thüringisch-obersächsische. Adelung
gibt die unumgelautete form als regel an; das häufige vorkommen in der Lutherbibel (1.
Mos. 1, 6.
Jes. 40, 12.
sprüche 30, 4
u. s. w.)
gibt ihr starken halt, sie herrscht auch jetzt im schriftdeutschen [] und wird als die edlere empfunden. nur bei der bedeutung '
mineralwasser, essenz' (
s. II E 3. 4)
scheint sich der plural wässer '
verschiedene sorten davon'
besonders in zusammensetzungen (mineralwässer, mundwässer)
einzubürgern (
im 17., 18.
jahrh. ist eine bevorzugung der umlautform für diese bedeutung nicht nachzuweisen)
; auch die jetzt als plurale tantum gebrauchte zusammensetzung abwässer
hat den umlaut. im 18., 19.
jahrh. haben z. b. den pl. wasser: Gottsched
ged. (1751) 69. Bodmer
Noah (1752) 4. Haller
Usong 19. Klopstock
Messias 8, 501. 17, 87. Lessing 2, 211. Herder 3, 69. 26, 312
Suphan. Göthe
werke 2, 68. 7, 110. 8, 147. 25, i, 109. 30, 6
Weim. ausg. wohlriechende wasser 44, 113.
naturw. schriften 1, 66. der gebrauch heilsamer wasser
briefe 41, 88,
aber die mineralischen wässer 36, 113.
pl. wasser
ferner Schiller 14, 271. 277. Uhland
ged.2 41. Rückert
ged. 3, 357. 519. Geibel 2, 63. Storm 4, 229.
der pl. wässer
ist seit dem 16.
jahrh. belegt, z. b. bei Eberlin 2, 18
neudr. Fischart 2, 9 (
v. 217)
Hauffen (
meist aber ohne umlaut 3, 28, 17. 175, 13). Münster
cosmogr. (1588) 103. 296. 378.
im 17.
jahrh.: Albertinus
thurnierplatz 121. 280.
Lucifers königreich 11, 26
v. Liliencron neben wasser
weckuhr 1, 19
b ('
essenzen'). 2, 38
a. Micraelius
altes Pommern 1, 1 (
neben wasser 1, 8). Spee
trutznacht. (1649) 39. 105. 119
u. ö. Dach 273
Österley. Bürster
schwed. krieg 5. Prätorius
winterflucht (1678) 56;
besonders auch bei den Schlesiern Opitz
poem. (1624) 121
u. ö. Hercinia 40.
psalmen 34 (18, 5). Scherffer
ged. 687. Gryphius
bei Adelung ('
essenzen'). Lohenstein
Arminius 2, 302
b. 1147
b.
im 18.
jahrh.: Krämer 1212
a. Kant 6, 87. Schubart
ästhetik der tonkunst 304. A. G. Meiszner
Alcibiades 3, 283 (wohlriechende wässer). Hip pel 12, 152 ('
mineralwasser'),
auch im deutsch-orthogr. handbuch (
München 1778) 191
a.
im 19.
jahrh.: Tieck 4, 241 (wasser 4, 8). Görres
briefe 3, 91. Pyrker
Tunisias (1832) 1, 129. Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 2, 437.
die Günderode (1840) 1, 157 (
daneben wasser 1, 102). Varnhagen
Rahel 2, 541 ('
mineralwasser'). 453. Immermann
Münchh.2 4, 129.
werke 12, 108
Boxberger. v. Gaudy (1844) 13, 23. 20, 111. Stifter
werke (1901
ff.) 2, 245 (
neben wasser 2, 23). Mommsen
röm. gesch.4 1, 34. Scheffel
frau Aventiure13 127. Steub
wanderungen im bayr. gebirge 172 (geistige wässer). 138. v. Polenz
der Grabenhäger 2, 130.
im bergbau des 18.
u. 19.
jahrh., bes. österr. Veith 553.
von den dialektwörterbüchern führen den pl. mit umlaut an Schöpf 803 (
pl. wasser
zum sg. wàsser), wässer
neben wasser Müller - Fraureuth 2, 643
a; weters Woeste 317
a (
aber wàsər, wàsərə Martin-Lienhart 2, 863
b). I@44)
die hd. form wasser
ist auch ins nd. gebiet eingedrungen, sie begegnet nach Wrede
zeitsch. f. d. alt. 19, 283
häufig zwischen Elbe und Oder und östlich der unteren Weichsel, doch auch im nfr., z. b. in Cleve op sterk wasser sette Firmenich 1, 382, 20;
das schwanken in den übergangsgebieten zeigt z. b. dat wilde water ind den waszer stroyne
weisth. 2, 784 (
Cornelismünster 1482). —
über mundartliche längung des a
und seine verdumpfung zu o
s. Wrede
a. a. o. und dazu Bremer
beitr. z. geogr. der d. mda. 165. IIII.
bedeutung und gebrauch. II@AA. wasser
in eigentlichem sinne ist die auf der erde verbreitetste flüssigkeit, wie sie kreislaufend im regen, in wasseradern, quellen, flüssen, seen, im meere (
und diesen entnommen im gebrauch des menschen, s. B)
erscheint. II@A@11)
allgemeine bedeutung und bedeutungsverengungen. II@A@1@aa)
das wasser
als stoff. II@A@1@a@aα)
es galt bis ins 18.
jahrh. als einer der vier grundstoffe: vier dinc von gote der krefte waltent, daʒ si die werlt alle ûf haltent und alliu dinc nâch irem werde: fiur, luft, waʒʒer und erde. waʒʒer und erde wegent nider, fiur und luft diu strebent wider, zwei sint lîhte, zwei sint swêr. H. v. Trimberg 6057
Ehrismann; auch fewr, lufft, erd, und wasser, ihr elementen vier. Spee
trutznacht. 62.
auch der mensch besteht aus ihnen: wie unser leib sey gefüget ... usz truckner erd, usz wassers tuft, usz heiszem fewr, usz windes luft. Hätzlerin
liederbuch 2, 68, 281 (
s. 267);
[] fewr, lufft, erd, wasser, dardurch sol der mensch sein leben haben wol. B. Krüger
v. d. anfang u. ende d. welt (1580) B 5
a.
in der alten naturlehre wurden die eigenschaften des wassers
in beziehung gesetzt zu den temperamenten (
vgl.kalt 3
a): unde ist och daʒ waʒʒir kalt unde fiuhte. der naturen sint och die liute, den die meister sprechint sanguinei
Meinauer naturlehre 1
Wackernagel. die neuere chemie fand, dasz reines wasser
aus zwei theilen wasserstoff und einem theil sauerstoff besteht. II@A@1@a@bβ) wasser und feuer
sind scharfe gegensätze; daher die redensarten wider einander sein
u. dgl., ironisch zu einander passen, übereinkommen
u. dgl., wie feuer und wasser: dasz die gleisznerey, das heüchlen, das schmeichlen dem teütschen blut und siten nicht anderst als das fewer dem wasser zu wider gewesen Philander (1650) 2, 94; dann gott der ain gaist ist, des flaisch gegensatz und widerfuog, die gantz welt aber und alle menschen flaisch sind, müssen sie von not wegen auff ainander stoszen wie feur und wasser S. Franck
paradoxa (o. j.) 118
b; das werde nie, nie geschehen. solches sei ihm fremder, als sich nur immer feuer und wasser fliehen können Stifter
werke 3, 162; das dise zween sprüche so ehnlich sind alls wasser und fewr Luther 18, 210, 24
Weim. ausg.; die (
strophen) schicken sich denn an einander, wie feuer und wasser
das neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 748.
die mischung von wasser
und feuer erzeugt wallung: und es wallet und siedet und brauset und zischt, wie wenn wasser mit feuer sich mengt. Schiller 11, 221 (
taucher).
bildlich wasser mit feuer mischen,
gegensätzliches zu vereinen suchen: feur und wasser in einander mischen. das ist krieg anrichten S. Franck
sprichw. 1, 4
b; ich soll sparsamkeit mit grösze, anstand mit einschränkung, und folglich das feuer mit wasser vereinigen J. Möser (1842
f.) 3, 16; da man mit dem wasser der kleinstaaterei auch das feuer der nationalen macht verschmelzen wollte, so war allen politischen tausendkünstlern thür und thor geöffnet Treitschke
d. gesch.3 1, 678; eh mögen feu'r und wasser sich in liebe begegnen und das lamm den tiger küssen — ... nie ist zwischen uns versöhnung! Schiller 12, 492 (
Mar. Stuart 3, 3).
auch noch auf manche andere weise wird der gegensatz verwertet: denn der goldschmiede feur ist wasser gegen diesem feur (
fegefeuer) Luther 30, ii, 378, 28
Weim. ausg.; wie die blinden, die nach dem wasser tappen und greiffen yns fewer 26, 148, 32; in eyner hand tregt er wasser, und aber in der andern fewer (
in Westfalen gebräuchlich) Tappius (1545) 98
a;
vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 521
a; in einer hand tregt er ein brod. in der andern ein stein er hat. in einer hand thut fewr haltn, und in der andern wasser kalt. Eyering 3, 101.
anders gewendet: (
die gottlosen wollen dich betrügen) so sie dir das feur bieten, so suoch du wasser
sprichwörter (1548) 107
b.
ferner: heut ein heiliger, morgen wieder ein lauer, heut feur, morgen wieder wasser, heut ein züchtiger, morgen wieder ein prasser Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 238. II@A@1@bb) wasser
als '
wassermasse'. II@A@1@b@aα)
als wassermasse eines gewässers im allgemeinen. II@A@1@b@a@11))
sehr häufig bezeichnet wasser
einen seiner menge nach unbestimmten oder durch den zusammenhang mehr oder weniger bestimmten theil des inhalts eines wasserbettes, z. b.: wann zween oder mehr ausz einem flieszenden wasser jeder zu seinem gut wasser füren wolten Meurer
wasserrecht (1663) 47. II@A@1@b@a@22))
in andern fällen ist der gesammte inhalt eines wasserbeckens oder eines wasserbettes gemeint, z. b.: ein sauber gefaszter brunnen sendet sein wasser über wurzeln, steine und rasen Göthe 24, 73
Weim. ausg. II@A@1@b@a@33))
eine gröszere wassermasse kann als zusammengesetzt aus kleineren massen gedacht und mit dem plur. wasser
bezeichnet werden; dieser gebrauch geht auf die bibelsprache zurück, die wasser
ist seit ahd. zeit eine übersetzung von lat. aquae (
gr. ὕδατα),
bei Luther
im alten test. [] von dem diesem zu grunde liegenden hebr. plur. majim (
doch werden diese plur. auch durch den sing. wiedergegeben).
die allgemeinere bedeutung '
fluten'
nähert sich häufig der von '
wogen, wellen, wasserwirbel' (
der sing. bedeutet aber nie '
die woge'),
doch auch von unbewegten wasserflächen wird der pl. gebraucht. bei gröszeren wasserflächen wird mehr an das nebeneinander der wassermassen gedacht, bei gröszeren flieszenden gewässern auch an das nacheinander, was bei bächen, quellen, röhrbrunnen, springbrunnen in den vordergrund tritt. in dichtung und gehobener, auch in der wissenschaftlichen sprache ist dieser plur. bis jetzt gebräuchlich (
bisweilen kann sich die bedeutung des plur. wasser '
die gewässer'
einmischen),
in der umgangssprache kommt er kaum vor (
doch vgl. β).
von der urflut: ich waiʒ, er do samenotediu waʒʒer gnote al in eine stat:vil michel ist diu gotes chraft. mere hieʒ er daʒ waʒʒer.
Genesis, fundgruben 2, 12, 19; es werde eine feste zwischen den wassern, und die sey ein unterscheid zwischen den wassern
1. Mos. 1, 6; der geist gotz ward getragen auff die wasser Mentels
bibel 1.
Mos. 1, 2 (auf den wassern Eck, Dietenberger); Luther
hat hier den sing. (der geist gottes webete auf dem wasser),
ebenso die Züricher bibel. aber gerade bei diesem häufig citirten oder freier verwendeten verse hat sich der pathetischere plural festgesetzt: der geist gottes webete auf den wassern Herder 26, 312
Suphan; über den wassern wehet der geist gottes Droysen
gesch. Alexanders d. gr. (1838) 1, 17; der geist schwebt eben nicht über einem glas wasser, er schwebt über den wassern G. Keller
nachgel. schriften 61.
ferner: Petrus quad ... heiʒ mih queman zi thir ubar thisiu waʒʒar (
aquas)
Tatian 81, 3; sin stimma schillet uber diû waʒʒer (
aquas) Notker
psalmen 28, 3
Piper; gînc inwec di gancze herte (
der säue) snellîche in daʒ mer, und si sint gestorbin in den waʒʒeren (
in aquis) Matthias von Beheim
evangelienbuch 8, 32
Bechstein; (
der herr) macht das meer trocken, und die wasser teileten sich von einander
2. Mos. 14, 12; welche die wütende wellen und wasser des meers eynen nach dem andern ersäuffen Ambach
vom zusauffen 102
a; alle wasser des Nils und der Donau würden diesen durst nicht löschen Wieland
Lucian (1788) 3, 453; mitten aus den fluthen hebt sich ihre (
der schlangen) brust empor: über die wasser ragen ihre blutrothen kämme Herder 3, 69
Suphan; gesang der geister über den wassern Göthe 2, 56
Weim. ausg.; am rechten ufer, wo der see seine wasser als Limmat zusammendrängt 29, 107; wenn ... die wässer wieder im ablaufen sich befanden Immermann
Münchh.2 4, 129; ihre klänge zerflossen leise über den wässern v. Gaudy (1844) 13, 23; das schiff schwankte in die wässer (
den see) hinaus Stifter
studien (1850) 5, 211; licht und dunkel jagten abwechselnd über die schäumenden wasser Storm 5, 143; (
Jesus) gieng wie auf platter erden auff wässern überhin. Opitz
poem. (1629) 1, 42; fürchterlich schlug in das meer des todes der schlag! und die wasser fuhren schäumend empor. Klopstock
Messias 8, 501; und wie er erwachet in seliger lust, da spühlen die wasser ihm um die brust. Schiller 14, 271 (
Tell 1, 1); nächtlich am Busento lispeln, bei Cosenza dumpfe lieder, aus den wassern schallt es antwort, und in wirbeln klingt es wieder! Platen 33 (
balladen); ich schritt mit meinem schönen kinde den flusz hinab im morgenthau, das schilfrohr wogte sacht im winde, die wasser glänzten still und blau. Geibel 2, 63 (
Juniusl.). die wasser
der bäche, quellen: dánnanûʒ (
aus dem felsen) flúʒʒen waʒʒer genúhtigiu Notker
psalm 77, 20
Piper; er öffenet den felsen, da flossen wasser aus
ps. 105, 41; die brünlein sich ergieszen, und ihre wässer klar wie silber-stralen schieszen von felsen. Spee
trutznacht. 112; Al Hafi gleicht verstopften röhren nicht, die ihre klar und still empfangnen wasser so unrein und so sprudelnd wieder geben. Lessing 2, 211 (
Nathan 1, 3).
[] belege für diesen plur. s. auch unter β—
ζ. (
den plur. wasser, wässer
in der bedeutung '
nacheinander verwendete wassermengen'
s. u.β im salzbergbau, B 5
bei der tuchbereitung, als '
verschiedene flüssigkeitsarten'
s.E 3
und 4). II@A@1@b@bβ)
im bergwesen bedeutet wasser
im engeren sinne das grubenwasser; der plur. hat hier den sing. fast ganz verdrängt (Veith 553),
s. 2
a die wasser gehen auf, 2
b die wasser wältigen
u. ä.;
im (
süddeutschen)
salzbergbau bedeutet ein wasser
die gesammtmenge des auf einmal ein- und abgelassenen wassers, es heiszt dann auch das 58. wasser, 58 wässer Veith 555. II@A@1@b@gγ) wasser
kann auch die engere bedeutung '
hochwasser, überschwemmung'
annehmen (
s. auch 2
c α unter wasser stehn, 2
d β groszes, hohes wasser): umb die sonnenwend im winter wurt das wasser zu dulden sein Herr
feldbau (1551) 23
b; die par kartoffeln hat uns 's wasser mitgenommen G. Hauptmann
die weber (1892) 29; du rühmest deinen hof, der reich an allen dingen, du sprichst, es könn' ihm auch kein wasser schaden bringen. J. Grob
dichter. versuchg. 51.
im plur. '
nacheinander folgende überschwemmungsgewässer' (
s. c): in diesem jare hatte sich die Elbe oft ergossen und sein 16 wasser nach einander in diesem jare komen
städtechron. 27, 11, 11 (
Magdeburg 16.
jahrh.).
von der sintflut: hundert eins und dreiszig jar nach dem heyl von dem wasser und syndtflusz S. Franck
chron. Germaniae (1538) 1
a.
im plur.: das die wasser Noah solten nicht mehr über den erdboden gehen
Jes. 54, 9; da der wasser gericht der erde nahte. Klopstock
Messias 17, 87. wasser und feuer,
überschwemmung und feuersbrunst: beschütz mich auch auff heute ... für wasser und für brand. Ringwaldt
handbüchlin D 6
a; (
die obrigkeit) ist munter in gefahr, wen feür und wasser wühtet. Rist
Parnasz 307. II@A@1@b@dδ) wasser '
eisfreies, schiffbares wasser': (
bei plötzlichem thauwetter soll der zu schlitten gekommene von Nowgorod) varen mit deme eersten watere
hans. urkundenbuch 3, 34 (1346)
Höhlbaum; dat jenich man dat vørbenomede leste water vorzuomede 3, 35. II@A@1@b@eε) wasser
im besondern das aus den wolken fallende wasser, der regen: bis das wasser vom himel über sie troff
2. Sam. 21, 10; wenn wolcken von orient auffgeen als dye heüt mit woll, bedeüt wasser in dreyen tagen Reynmann
wetterbüchlein 6
neudr.; der himmel ist voller wolcken, wir werden wasser bekommen Rädlein 1032
a; haben sie ... das schönste wetter gehabt, nur von zeit zu zeit ein wenig wasser (sie sagen acqua, um den gelinden regen auszudrücken) Göthe 30, 53 (
ital. reise 1)
Weim. ausg. im plur.: die wasser, die drauszen nach wie vor niederströmten Fontane I, 4, 149; wie die gewalt himmlischer wasser aus wolkenbrüchen herabstürzt. Denis
lieder Sineds (1772) 192. II@A@1@b@zζ) die wasser '
die strahlen oder die zuleitungen eines springbrunnens'
s. u. 2
a θ die wasser springen, spielen. II@A@1@cc)
das wasser
als inhalt eines wasserbettes kann als eine einheit aufgefaszt werden und gewinnt so die schon im ahd. belegte bedeutung '
flieszendes oder stehendes gewässer',
wie lat. aqua,
got. aƕa,
ahd. aha,
mhd. ahe '
wasser'
und '
flusz'
bedeutet; wasser
ist in dieser bedeutung bis ins 18.
jahrh. ganz gebräuchlich, wird aber jetzt meist nur in der gehobenen und in der mundartlich gefärbten sprache verwandt, während es der eigentlichen umgangssprache ziemlich fremd geworden ist; am ehesten wird es noch für '
bach, rinnsal'
gebraucht, wofür aber wässerchen
üblicher ist. II@A@1@c@aα)
gewässer jeder art: wasser
id est der flusz, das meer, die see Krämer 1212
a; recke deine hand aus über die wasser in Egypten, über ire beche und ströme und see, und über alle wassersümpfe, das sie blut werden
2. Mos. 7, 19; den erdball umgibt ringsum die lufthülle; einen theil seiner auszenseite bedecken die wasser Ritter
erdkunde 1, 59; diese (
libellen) sind des tages nur ... arg verzaubert in die leiber, die wir sehn um wässer flattern. Immermann 12, 108
Hempel (
Tulifäntchen 3, 563).
[] die wasser,
die gewässer eines bestimmten bezirks: ampt über die wasser,
aquaria provincia Maaler 486
a; dem sie entzückt die berge, die wässer, die gegenden zeigen wollte Varnhagen v. Ense
Rahel 2, 453.
collectiv im sing.: das wasser ist das auge der landschaft
ausspruch Lennes
bei Wander 4, 1801. II@A@1@c@bβ)
am häufigsten begegnet früher wasser
als '
gewässer'
in der engeren bedeutung '
flieszendes gewässer'. II@A@1@c@b@11))
im mhd. ist es die üblichste bezeichnung für '
flusz',
es verdrängt ahe
und wird selbst von flusz
verdrängt: nidir wendint diu waʒʒer irin vluʒ.
Annolied 50
Rödiger; in dem waʒʒer, daʒ Nilus haiʒt K. v. Megenberg 273, 1; daʒ sind die vier wasser die aus dem paradeis flieszend Diefenbach
gl. 236
c s. v. Phison.
spätere belege: an den wassern (strömen de Wette) zu Babel saszen wir und weineten, wenn wir an Zion gedachten
ps. 137, 1; wyr wend an dyssem lustigen wasser (
riviere) herbergen dysse nacht
Haimonskinder 47, 32
Bachmann; die Tonaw ... schöpfft in sich sechtzig andere grosze und schiffreiche wässer S. Münster
cosmogr. 378; kein wasser (
ist) dir zu schnell, du bist hindurch geschwommen. König
ged. (1745) 35; ihr musztet über den Euphrat, Tygris, Jordan; über — wer weisz was für wasser all? Lessing 1, 198 (
Nathan 1, 2).
mundartlich ersetzt jetzt noch in manchen gegenden wasser, wâter
das fehlende wort flusz Schambach 288. Danneil 245. II@A@1@c@b@22))
von einem kleineren flieszenden gewässer (
vgl.berg-, wald-, wildwasser): da flos ein wasser heraus unter der schwelle des tempels
Hes. 47, 1; wann die wasser zusammen rinnen und einen starcken flusz gewinnen. Spreng
Ilias 20
a; des rasens grün, des wassers silberfall. Göthe 16, 136
Weim. ausg.; am hochgebirge schmolz der schnee; der sturz von tausend wassern scholl. Bürger 36
a. II@A@1@c@b@33)) die wasser,
die gesammtheit der flieszenden gewässer eines flusz- oder gebirgsgebietes: die wasser flieszen einem entgegen, nach der Eger und Elbe zu Göthe 30, 6
Weim. ausg.; die kanäle, darin die wässer derselben (
unebenheiten) rinnen Kant 6, 87. II@A@1@c@b@44))
dasz wasser
als bezeichnung für ein flieszendes gewässer häufiger belegt ist als für ein stehendes, beruht zunächst wol auf dem zahlenmäszigen überwiegen jener über diese; es finden sich aber auch ansätze dazu, dasz wasser
ausschlieszend als flieszendes im gegensatz zu anderem gewässer gefaszt wird: flumen, fluvius, ein grosz wasser Alberus Z z 1
a; ein wasser oder flussz der schiff tragt Frisius
dict. 958
b.
auch im gegensatz zu quelle, brunnen: die brunnen quellen, die wasser fliesen. H. Sachs 1, 24, 36
Keller; sein unterirrdischer schatz müste allen ... brunnen und wässern ihre farbe ... einflöszen Lohenstein
Arminius 2, 302
b.
noch jetzt landschaftlich: der born,
quell- oder trinkwasser, zum unterschied von jedem andern flieszenden oder bachwasser, welches (
in der Rhön) wasser
schlechthin heiszt. archiv des histor. vereins von Unterfranken 7, iii, 169. II@A@1@c@gγ)
von stehenden gewässern: inti mittiu quamun sine jungoron ubar iʒ waʒʒer (
den see Genezareth, trans fretum)
Tatian 89, 4; ehe aber die Oder ins mehr khumpt, macht sie etliche grosze wasser, als ... den dammischen sehe Kantzow
chronik v. Pommern (letzte bearb.) 410
Gäbel. vom meer (
s. 2
d β groszes wasser
und besonders 2
f α den gegensatz zu land): als ich mich zum ersten mahl auf das wasser begab Ch. Reuter
Schelmuffsky (vollst. ausg.) 35
neudr.; wenn die, welche immer die historische oder gar die germanischhistorische flöte blasen, doch ein wenig über das wasser nach dem germanischskandinavischen norden schauten Arndt
pro populo germanico (1854) 155; unsere zukunft liegt auf dem wasser
kaiser Wilhelm II.
bei der einweihung eines hafens 1898; er isch
[] über's wasser (
nach Amerika) Seiler 311. Hunziker 288; aus Grabenhagen war vor etwa zwanzig jahren ein ganzer trupp übers wasser gegangen W. v. Polenz
der Grabenhäger4 86. wasser und bach '
meer und flusz'
?: wie dem Arion zu der zeit geschach, da er reyset über wasser und bach.
M. Agricola
musica instrumentalis deudsch 60
Eitner. II@A@1@c@dδ) wasser
als künstlich abgetheiltes gewässer, mühlwasser, fischweiher (
s. u. 2
b α das wasser abschlagen
u. a.). II@A@1@c@eε)
für die anwohner eines gewässers ist dies das wasser
schlechthin z. b. ns wás '
hinab zur Elster' Gerbet 165.
dichterisch: unsre deutschen brüder strecken ihre hände tag und nacht übers wasser (
den Rhein) uns und wecken jeden Deutschen zu der schlacht. v. Schenkendorf
gedichte (1815) 81. II@A@1@c@zζ)
bis ins 17.
jahrh. steht wasser
auch als apposition bei eigennamen, meist in anlehnung an das latein. oder hebr.: ubar thaʒ waʒʒar (
torrentem) Cedron
Tatian 180, 1; die Sal daʒ wasser da her waʒ Ulenspiegels muoter
Eulenspiegel 6
neudr.; bis an das grosze wasser Phrat
1. Mos. 15, 18. II@A@1@dd)
andersartige bedeutungsverengungen. II@A@1@d@aα) wasser
kann auch den lauf, die strömung des wassers bedeuten, s. 2
c β 10)) mit dem, gegen das wasser;
besonders im seewesen (
vgl. 2
d γ wachsendes, fallendes wasser)
ebbe und flut: do pflegt man uff das wasser zu süzen und follendt nach Londen zu fahren, aldo täglich vül barca hün und wüder fahren, denn man des wassers erwartet, wüe dann solches 6 stundt ab und andere 6 stundt wüderomb zu left Kiechel
reisen 22
Haszler; mit dem lauff des wassers und auch mit dem winde segeln, wasser und wind zum vorthel haben,
to have a leeward-tide Ludwig 2393; wasser mithaben, '
sich der ebbe oder flut bedienen können'
Robinson Crusoe (
Hamburg 1731) 2, 396.
bildlich: hier war nicht gleiches wasser und wind, hier haben die parteien nicht gleich gekämpft, sondern hier war auf seiten der einen partei eine gewalt, die die andere partei nicht aufbieten konnte
stenogr. berichte des reichstages 17. 4. 1871,
s. 237
a. II@A@1@d@bβ)
in vielen fällen wird bei wasser
hauptsächlich an die oberfläche des wassers, den wasserspiegel gedacht, z. b. bei das wasser steigt, fällt, der wind kräuselt das wasser
u. s. f., besonders auch nach auf, über, unter (
s. 2
c): das ufer liegt ein meter über dem wasser, etwas sinkt unter das wasser,
s. auch 2
f κ zwischen wind und wasser;
auch bei das wasser wägen 2
b ζ ist von der '
wasserrechten'
oberfläche auszugehn. II@A@1@d@gγ)
die bedeutung '
wasserstand'
zeigen wendungen wie bei niedrigem, hohem wasser (
s. 2
d β). II@A@1@d@dδ) wasser
heiszt auch in der seefahrt die tiefe: die fahrt hat wassers genug,
d. i. sie ist tieff genug; so viel faden wassers,
d. i. tieffe haben Hübner
naturlex.5 2066. II@A@1@d@eε) wasser
kann auch den nebensinn haben '
benutzung eines gewässers',
besonders das recht zu fischen (
vgl. auch 2
f ε wasser und weide): wasser und die jagd ist gemein
weisth. 3, 739 (
Tirol um 1400); es solt hinfur bleiben da bei, dasz holz und wasser frei solten wesen iderman. v. Liliencron
hist. volksl. 2, 118 (148, 66).
das befahren oder überschreiten eines gewässers: das wasser ist zollfrei Abr. a S. Clara
bei Wander 4, 1802. II@A@1@d@zζ)
im zusammenhange auch '
tod des ertrinkens, strafe des ertränkens': hatt man doch galgen, reder, schwerd und wasser, wer nicht recht will, den kan man wol weren Luther 10, ii, 35, 21
Weim. ausg.; was hat man in zu lohn geben ...? feur, schwerdt, wasser, galgen
sprichwörter (1548) 103
b. mit wasser '
durch ertränken': mit fiuru sie nan brantin,mit waʒaru ouh irqualtin. Otfrid 5, 1, 11; dise mit gift, wasser, schwert, oder strick über sich selbs schröcklich ein urthail sprechen. Weckherlin 1, 150 (1, 11, 3)
Fischer; ob si aber daʒ verbræch, so sol man si richten mit dem wasser zem tod
stadtrecht von Bern 1, 213, 29 (1448)
Welti; so erkennen sie, dasz es (
das thier) solle gerichtet werden,
[] als ein leutbetrieger und ein mörder, mit dem wasser und was darzu gehört
Lalebuch 136
neudr. II@A@22)
herkömmliche verbindungen (
mit einschlusz einiger z. th. auch zu B
gehöriger). II@A@2@aa)
bezeichnung der bewegung und ruhe, des geräuschs, auch der färbung des wassers. II@A@2@a@aα) es flieszt, strömt, rinnt, rieselt, fällt '
flieszt hinab', geht, läuft, eilt, schieszt, schleicht, schlängelt sich, wälzt sich
u. ä.: er hôrte waʒʒer gieʒen:losen er began.
Nibel. 1473, 2; die wasser rünnend oder lauffend durch die statt Maaler 486
a; auf gebirgen wird die wasserscheide ... ausgedrückt: wie kugel rollt und wasser rinnt Grimm
rechtsalt.4 1, 117; dort rieselt wasser vom felsen S. Geszner
werke (1770) 2, 6; dasz uff denen klüfften ... wasser denen gebäuden zufallen v. Schönberg
berginform. 2, 55; die (
geister) haben einen ort erkiest, wo kein geschwätzig wasser schieszt. Triller
poet. betrachtungen 2, 42; ach! oder lasz' uns weiter flieh'n, als winde weh'n und wasser zieh'n! Hilscher
dichtungen (1840) 213
Fränkl. II@A@2@a@bβ) es strudelt, wirbelt, wogt, brandet, schäumt, (
kochendes, dann auch quellendes, aufschäumendes) brodelt, wallt, sprudelt: o herz, o herz, was sprudelst du, wie wasser auf der gluth? Schubart
ged. (1825) 2, 13. II@A@2@a@gγ) es kommt (
bei überschwemmung), dringt ein, bricht ein: ob ein wasser cham in das veld und sein flus gewunn an gefar, das sol man lassen gen
weisth. 3, 699 (
Österr. 1460); do das wasser quam, do sleffen dy luthe an dem besten Stolle
chronik 174; das eingedrungene wasser aus dem schiff bringen Rondeau; were daʒ daʒ selbe wasser ieman breche durch sin eigen
weisth. 1, 302; das der von Friberg ingeleytet wasser in dennselben erbstollen brechen ... und den auch vorderben möchte
urkundenbuch der stadt Freiberg 2, 207 (1470)
Ermisch. II@A@2@a@dδ) es bespült das ufer, schlägt ans ufer: das wasser schlecht an die velsen Maaler 486
a. II@A@2@a@eε) es steigt, wächst, schwillt,
in der älteren sprache auch es geht an: gienge da daʒ wasser an, daʒ sich der meiger schadens versehe von dem wasser
weisth. 5, 58 (
Basel 1413); die wasser steigen vierzig tag, das man kain berg mehr sehen mag. Fischart 2, 287 (
biblische historien 27)
Kurz; iegelichis brunnin urspring in sinin kreftin so zerbrach, das man dú waʒʒer swellen sach wachsende alliʒ ubir sich. R. v. Ems
weltchronik 766
Ehrismann; da kam die sindflut vierzig tage auff erden, und die wasser wuchsen, und huben den kasten auff
1. Mos. 7, 17; ich wäre nach Jena gekommen, da ich höre dasz das wasser wächst Göthe
briefe 7, 44
Weim. ausg.; die wässer nehmen zu, die schwangern wolcken weinen. S. Dach 273
Österley; das wasser schwelt sich,
consistit aqua Maaler 485
b; das wasser rauscht, das wasser schwoll, ein fischer sasz daran. Göthe 1, 169
Weim. ausg. II@A@2@a@zζ) es geht, läuft, tritt über, tritt aus
u. ä.: daʒ waʒʒer was engoʒʒen (
ausgetreten) ... der wâc was in ze breit.
Nibel. 1467, 1; wie das wasser Tygris, wenn es übergehet im lentzen
Sir. 24, 35; die wasser giengen über und über Güntzel 838; das wasser leuft über Stieler 2443; die wasser sind ausgetreten von dem groszen regen. Schiller 14, 393 (
Tell 4, 3). es schlägt zusammen (über etwas): wie damals die wasser zusammenschlugen und bedeckten wagen und reiter ... des Pharao Fontane I, 1, 46. II@A@2@a@hη) das wasser steht, bleibt stehen über, auf, in, bis an etwas: wasser das still stadt, das nit rünt Maaler 485
b; das wasser bleibt hier stehen, steht im graben, auf der saat Steinbach 2, 2443. 947. 948. das wasser geht '
steht'
[] bis an etwas,
mit übertragung der bewegung des hineintauchenden auf das wasser (
vgl. auch C 2
b β): das wasser gehet bis an den hals, an die knie Rondeau. II@A@2@a@thθ) es entspringt, springt, quillt, geht, bricht heraus
u. ä., es kommt (
beim graben nach wasser): waʒʒar thaʒ ih imo gibu ist in imo brunno waʒʒares ufspringanti in ewin lib (
aquae salientis)
Tatian 87, 4; Mose ... schlug den fels mit dem stab zwey mal, da gieng viel wassers eraus
4. Mos. 20, 11; das wasser bricht ausz,
eluctatur Maaler 485
b; er (
Diemer) grub (
in der wissenschaft) immer tiefer und tiefer und hörte nicht eher auf zu graben, bis wasser kam Scherer
kl. schriften 1, 89.
das hervorquellen wird in der älteren sprache auch aufgehen
genannt: aufgan das wasser im pronnen,
scatere, scaturire. voc. inc. teut. b 1
b.
von den grubenwassern: und muoʒ der bû wüeste stên und beginnet daʒ waʒʒer ûf gê
n. märe vom feldbauer, Germania 1, 348; die wasser gehen auf,
wenn die wasser in der grube aufsteigen, und die arbeiter austreiben v. Schönberg
berginformation (1693)
bergmänn. redensarten 8; das wasser springt aus einer röhre Steinbach 2, 947; die wasser
des springbrunnens springen: die wasser sprangen heute, als vorfest des nahen Ludwigstages Börne
schriften (
Hamb. 1829
ff.) 5, 106; das wasser (
des springbrunnens) springen lassen Rondeau.
bei groszen anlagen heiszt es man läszt alle
oder die groszen wasser spielen,
wenn alle zuleitungen in betrieb gesetzt werden: wenn du uns später einmal wieder besuchst, werden wir zur feier des tages die groszen wasser spielen lassen H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 67.
übertragen: das ist unser altes Evarecht, die groszen wasser spielen zu lassen und unsere kräfte zu gebrauchen ... bis man um uns wirbt Fontane I, 8, 62. II@A@2@a@iι) es fällt, sinkt, setzt sich, läuft ab, verläuft sich, sickert ein
u. ä.: (
gott) lies wind auff erden komen, und die wasser fielen
1. Mos. 8, 1; so der regen begunde stillenunde dei waʒʒer bigunden vallen.
Genesis, fundgruben 2, 27, 30; das wasser sinkt, das land erscheint. Göthe 2, 38
Weim. ausg.; umme vesperczid satczte sich das wasser eine halbe elle tiff Stolle
chronik 173; do das waʒʒir (
der sintflut) virswein. R. v. Ems
weltchronik 810
Ehrismann; die wasser werden verlauffen, das die seen ... treuge werden
Jes. 19, 6; das wasser verleürt sich, oder verlaufft Frisius
dict. (1556) 140
b; sobald das wasser (
der Elbe) verlaufen sein wird, fliege ich wieder nach norden v. Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 7. II@A@2@a@kκ)
durch zurück- und übertreten, durch anschwemmen und wegreiszen bewirkt das wasser, besonders flieszendes, besitzveränderungen; formelhaft wasser gibt, wasser nimmt Wehner
observat. (1701) 503
a: esz soll auf der auen, freiung, griesz, perg oder bei der Muer niemant, so etwann das wasser genomben oder geben ... nichts einzuzeinen sich unterstehen
österr. weisth. 6, 257, 29 (
Steiermark 1629); wie dan die wasser jetzt dem einen geben dem andern nemmen Meurer
wasserrecht (1663)
vorrede A 2
b; was das wasser an einem ufer wegreiszt, setzt es am andern wieder an Wander 4, 1816; was s' wasser schwemmt, und der wind wendt, ist nit g'schändt (
gestohlen). Kirchhofer 307. II@A@2@a@lλ) es tropft, sprüht, zerstäubt: wasser sprüet,
zertheilet sich in tropfen Zedler 53, 733. II@A@2@a@mμ) es verdampft, gefriert: das die berge für dir zerflössen, wie ein heis wasser vom hefftigen fewr verseudet
Jes. 64, 2; die wasser gefroren ehe sie verlaufen konnten Göthe 24, 328
Weim. ausg. II@A@2@a@nν) es rauscht, braust, tost, plätschert, murmelt, gurgelt
u. ä.: ich hôrte ein waʒʒer dieʒen und sach die vische flieʒen. Walther 8, 28;
torrens, ruschende water Diefenbach
nov. gl. 368
a; wo das wasser mit vollem lauff rauschet
weish. Sal. 17, 19;
[] es rauschet das wasser und bleibet nicht stehn. Göthe 1, 5
Weim. ausg.; das rauschen der bäume, das brausen und tönen der wasser Tieck
schriften 4, 8; wo in ungezügeltem lauf noch die wasser tosen. Herwegh
ged. eines lebendigen 2, 50; wir wollen oft nach Zephyrs weichen ... um murmelnd wasser fröhlich seyn. Uz
werke 32 (11, 20)
neudr.; die kühle dämmerige (
marmor-) schleiferei, wo ... unter dem boden das wasser plätscherte H. Hesse
diesseits 62; das wasser gurgelte dumpf am bug
Peter Camenzind 167. kochendes wasser bullert, zischt, singt (
bes. in der kannentülle): aber nu mach' einen tee, Lene, das wasser kocht un bullert schon Fontane I, 5, 184; von zeit zu zeit zischte das wasser, das aus den naszgewordenen stücken ... ins feuer lief I, 1, 23; dat water singt ten Doornkaat-Koolman 3, 184
b. II@A@2@a@xξ)
man sagt das wasser blüht,
wenn es durch wasserflöhe rötlich gefärbt erscheint J. A. Fabricius
hydrotheologie (1734) 420,
oder durch gewisse algenarten grün Leunis
bot.3 3, 322.
vgl. wasserblüte. II@A@2@bb) wasser
in obliquen casus, bes. im acc. II@A@2@b@aα)
beeinflussung des wasserlaufs. II@A@2@b@a@11)) das wasser führen, leiten, treiben, legen: es súllent ouch die herren von sant Urban das wasser, daʒ da heissút die Langat, fúeren ane alle geverde
weisth. 1, 180 (
Bern 1336); wer wasser ab dem rechten grund fiert, der soll es dem andern thail ohne schaden fiern
österr. weisth. 1, 235, 34 (
Lungau 1673); gerinn, darinn das wasser aus dem kunst-graben auff das rad geführet wird Berward
interpres phraseologiae metallurgicae (1702) 16; (
Hiskia hat) wasser in die stad geleitet
2. kön. 20, 20; dasz ... das wasser ainer auf den andern nit laiten (
soll)
weisth. 3, 707 (
Österr. 1575); wassergräben dardurch man wasser leitet oder düchlet,
aquaeductus Maaler 486
a; einer der ob dem andern hat, und des wassers dem understen auff seyn hausz oder garten treibt
weisth. 3, 591 (
Franken 1506); das beid teil das obbemält wasser, die Suren, uf ir núwen und alten matten legen und fren ... söllen
stadtrecht von Arau 174, 25 (1515)
Merz. II@A@2@b@a@22)) das wasser fassen,
aquam coërcere Reyher (1733) 161, '
in gerinne leiten' Veith
bergwb. 174: würde auch einer oder mehr ein wasser ... innerhalb eines jahres nicht fassen oder füren Löhneysz
vom bergkwerck (1617) 238; wenn man die wasser nicht recht fasset, und alle dem tieffesten zufallen lässet Röszler
speculum metall. (1700) 92
b; man fasset das wasser ... in ein wasserbett oder kleinen graben ein J.
M. Beyer
mühlenbaukunst 3 (1788) 7.
ebenso fangen: daʒ sie daʒ waʒʒer uf des spytals gute zcu Freiberg gefangen unde yn daʒ closter zcu Fryberg geleitet habin
urkundenbuch der stadt Freiberg 1, 336, 11 (1388)
Ermisch; die mulherren und die mulner habent gewalt das wasser ze vahen wo sie nagst mügen
österr. weisth. 7, 688, 26 (
Schwechat um 1430); eyn icklich man schol seyn wasser von seynem erb awf vahen, das es seynem nachgepaweren nicht czu schaden ge
der oberhof Iglau 70 (
s. 72)
Tomaschek. II@A@2@b@a@33)) abtheilen; abführen, ausführen, ableiten, abkehren, ablassen
u. ä.: soll der meszner und dorfmeir ... sich nach Tanas begeben und aldort das wasser abtheiln, denen Tanasern gebiehrt der drite theil des wassers
österr. weisth. 4, 183, 17 (
Vinstgau 1775); tamm, dadurch das wasser in flutzeiten abgeführet wird Berward 18; im fall er das wasser ausführen wolte und aber auf sein anstöszer laiten müeszte
weisth. 6, 241 (
Schwaben 1603); item weisen sie auch ... das wasser dem abt ... zu, und soll man dasz in die vorgen. freyheit lauffen lassen, und soll dasz niemandt abkehren 2, 73 (
Taben a. d. Saar 1486); wasser abkehren, '
es von seinem lauf ab- und dem werkbetriebe zulenken' Scheuchenstuel 259. II@A@2@b@a@44)) das wasser abgraben (
übertragen s. D 1), abschneiden: wird iemand daran begriffen der der mul daselbs wasser abgrub und nëm
österr. weisth. 7, 688, 37 (
Schwechat um 1430); wo den belägerten die trencken, brunnen oder ander wasser abzustricken und abzugraben seien Kirchhof
[] discipl. milit. 35; sie umringten das schlosz, und schnitten den belagerten das wasser ab v. Haller
Alfred 27. II@A@2@b@a@55)) das wasser lösen: die hauptschleuse ist grosz genug um alles wasser des Rheinlands zu lösen Niebuhr
nachgel. schriften 143;
vgl.wasserlösung. abnehmen: wa einen das wasser truckt, so soll der under ... im das wasser abnemen
weisth. 4, 310 (
Zürich 15.
jahrh.).
nur bergmännisch belegt nehmen, benehmen, abzapfen, fertigen, erschroten, verschroten: bis solange das rechte tiefe erbstollort einkompt und nach bergkwergks gebrauch wasser nimpt und wetter brengt
codex diplom. Silesiae 21, 99 (1543); stollen ... das wasser zu benemen und wint darzu zu brengen
urkundenbuch der stadt Freiberg 2, 181, 2 (1461)
Ermisch; wasser abzapfen,
den wassern in den bergwerksgruben einen abflusz verschaffen Jacobsson 4, 598
a; das eyn yczlich man syn wasser vertige von deme synen
urkundenbuch der stadt Freiberg 2, 275, 24 (
das ältere bergrecht); wasser erschroten, '
offene klüfte machen, darauf die wasser zufallen' v. Schönberg
berginformation (1693),
bergmänn. redensarten 107,
auch verschroten '
antreffen (
in sinnlicher bedeutung)
oder los hauen' Berward 20; unterirdische wässer verschroten, '
ihnen abzugskanäle graben' Mothes
baulex.3 4, 312: so man den (
stollen) forttriben solde, wurde man der stad ir wasser verschroten und abefuren
urkundenbuch der stadt Freiberg 2, 205, 34 (1470). II@A@2@b@a@66)) stauen, spannen, schwellen
u. ä.: das wasser verstellen oder verhindern und aufenthalten Frisius (1556) 240
a; das wasser stellen Maaler 485
b; wann das gespannete (
vgl. th. 4, i, 4135) wasser gelossen und gefreiet wird, dasz sie denselben alten erbstollen mit allerlei gerechtickeit ... gebrauchen sollen
codex. diplom. Silesiae 21, 14 (1530); die höhe des gespannten wassers, in welcher es durch die schutzbretter gehalten wird, (
nennt man) den wasserstand Benzler 17;
restaurare (
für restagnare), stauwen, alsome dat water stauwet Diefenbach
nov. gl. 317
b; ein starker westwind staut bekanntlich die wasser der Elbe auf Moltke
schriften 7, 26; dat water im stau holden,
zurückhalten, z. b. oberhalb der mühlen brem. wb. 4, 1007; die wasser stemmen Hayme
jurist. lex. 157 (
sächs. verordnung von 1717); das wasser schwellen,
refraenare Maaler 485
b; es soll niemant wasser schwöllen, damit seinem nachparn schaden geschäch
österr. weisth. 9, 723, 26 (1570); so auch ein müller den andern ... die wasser ufhalten, schwellen ... würde
weisth. 3, 470 (
Wetterau 1611); wasser aufschwellen
oder schützen Zedler 53, 513; wie sie vorhero das wasser Michaelis gedämmet Klingner
dorfrechte 1, 750 (1704). II@A@2@b@a@77)) das wasser aus
oder in etwas schlagen '
leiten',
mhd.: wer den krumben das wasser vergummert, ... oder wasser darus slecht, das er den vischen schaden tut
weisth. 1, 333 (
Kirchzarten 1395); es sol ouch nieman kein wasser us dem grinig slahen 1, 335;
vgl. auch th. 9, 374; die wasser ... in die schleuszen schlagen lassen Hayme
a. a. o.; wasser abschlagen
kann bedeuten '
es ableiten, ablassen'
und '
es durch einen verschlag absperren, stauen' (
vgl.abschlagen Fischer 1, 62. Mothes
baulex.3 1, 21
b, den bach abschlagen
th. 1, 103): wanne die pach klein sey, und der molener wasser nit hett, so sulle er die höber desz ... thun warnen; und were ihme alsdan nach der warnungh dasz wasser abschlage ...
weisth. 1, 609 (
Ehrenbreitstein 1507); würden aber die müller ihres mülbawes halben das wasser abschlagen
Sachsen- Weimarer polizeiordnung (1589) Q 4
b; fahls aber eyner ... zur zyt der keeri einanderen das wasser abschlachen und uff syn stuck richten wurde
stadtrecht von Zofingen 358, 33 (1623)
Merz; das wasser abschlagen,
es aus einem teiche laufen lassen Gottsched
beobachtungen 7; 'das wasser aufschlagen,
oder besser, das wasser auf die räder oder kunstgezeuge schlagen,
es darauf flieszen lassen, im gegensatz des abschlagens' Campe,
ähnlich Frisch 2, 425
b; wann dasz wasser auf der Fresznitz so klein ist, so solt es keiner auf- noch abschlagen
österr. weisth. 7, 58, 3 (17.
jh.). II@A@2@b@a@88)) das wasser laufen lassen, dem wasser seinen lauf lassen
u. ä. (
vgl. auch D 1): man soll dem wasser seinen alten gang laszen
weisth. 3, 47 (
Westfalen). II@A@2@b@a@99))
von dem wasserbett sagt man es hat, führt,
früher auch es trägt wasser: gottes brünlein hat wassers die fülle
ps. 65, 10;
[] und sie felt plötzlich in den graben, der doch nit mocht viel wasser haben. Fischart
Eulenspiegel 1, 98
Hauffen; ein grab sol ... das wasser tragen ... untzit an das lô
weisth. 4, 310 (
Zürich 15.
jh.); die klüffte tragen wasser zu v. Schönberg
berginf. 2, 55; ein flusz, der nur sein wasser führt Steinbach 2, 948; die gänge führen wasser bey sich Veith 206 (1758),
vgl.wasserführend; ein stollen, der ... der ganzen zeche die wasser ab-, und wetter zuführt
allg. gesetzbuch f. d. preusz. staaten 2, 995 (§ 434); sprich ... woher die süsze quelle die verborgenen wasser führt? Mörike
ged.8 50.
bergmännisch auch wasser halten '
enthalten, führen, aufnehmen' Veith 260. II@A@2@b@a@1010))
der brunnen, die quelle, der quellgrund gibt wasser '
läszt es entspringen',
dafür mhd. auch leiten: redet mit dem fels fur iren augen, der wird sein wasser geben
4. Mos. 20, 8; dasz an denen bornen kein mangel, dieselbigen wohl geliedert und reichlich wasser geben
der stadt Leipzig ordnungen (1701) 514; etslich erde ist sô herte, ê daʒ man sie verscherte daʒ sie daʒ waʒʒer welle leiten, sô muoʒ man vil dâzuo arbeiten. L. v. Regensburg
tochter Syon 3442
Weinhold. II@A@2@b@bβ) wasser graben: ich habe gegraben und aus getruncken die frembden wasser
2. kön. 19, 24. suchen, finden: etslich erde ist sô gelindet, daʒ man daʒ waʒʒer lîhte vindet. L. v. Regensburg
a. a. o. 3439.
besonders mit der wünschelrute: das holtz von haselstaud, erlen, hag-eichen, so man gemeiniglich zum wassersuchen gebrauchet
beschreibung von der wünschelruthe (
Nürnb. 1694) 130; vermittelst der häselnen wünschelruthen wird man ... wasser finden 372.
dafür wasser fühlen, schmecken Krünitz 234, 176. II@A@2@b@gγ) das wasser erregen, bewegen: ein engel fuhr erab zu seiner zeit in den teich, und bewegete das wasser
Joh. 5, 4;
bildlich: in dem 55 sten stück ist sein eifer noch so gemäsziget, ... im 61 sten stück ... musz Lessing namentlich geknippen werden, ... dort will er das wasser kaum regen: und hier, plumps! Lessing 10, 126 (
vgl. Rondeau D 1). das wasser trüben: unde wúrdent getruôbet (
turbatę) sîniu waʒʒer Notker
psalm 45, 4
Piper; (
du) trübest das wasser mit deinen füszen, und machest seine ströme glum
Hes. 32, 2. II@A@2@b@dδ) das wasser durchschwimmen, zerteilen, zerschneiden: schwümmen oder das wasser zerschneyden Frisius
dict. (1556) 110
b. das wasser durchwaten, durchreiten,
mhd. rîten: und wer diu waʒʒer rît ân vurt, der verliust grôʒer arbeit vil.
gesammtabenteuer 2, 219, 6. das wasser treten,
zunächst '
auf ihm hinschreiten': wie das wasser gnädig seye gegen allen frommen dienern gottes, wissen alle die jenige, welche gehört haben ... vom Petro, wie er das wasser getretten Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 353.
dann im wasser stehend oder liegend sich durch treten vor dem untersinken bewahren: er sprang in einen tieffen see gar freye, darin trat er das wasser stoltz, er stund aufrecht als wie ein boltz.
Ambraser liederbuch 226, 118; in das wasser schlahen oder das wasser trätten,
plaudere aquas natatu Frisius
dict. (1556) 110
b; die engel seind artzet, sie können fliegen, wasser treten, durch mawren gehen Paracelsus (1590) 9, 428; endlich haben etliche gelernet wasser tretten, indem sie bis an den gürtel unter dem wasser gehen Comenius
orbis pictus (
Nürnberg 1746)
s. 179; der andre (
badende) ... warf sich wassertretend auf den rücken W. Herzog
die Wiskottens 170. wasser fahren,
auf dem wasser, im kahn fahren (
vgl.kahn fahren
u. ä.): sie ... sagte rundweg, dasz sie gern wasser fahren möchte Fontane I, 5, 188. H. Meyer
der richtige Berliner 149
b. das wasser halten
im rudersport: 'pullt aus!' ermuntert der kadett die leute, und das boot fliegt nur so dahin. 'halt wasser!' die eingetauchten riemen hemmen die fahrt
der gute kamerad 24,
[] nr. 1; wâsser ze
ien,
das ruder des kahnes im wasser an sich ziehen, um zu lenken, übertragen '
klein beigeben'
wb. der luxemb. mda. 476. II@A@2@b@eε) das wasser,
besonders seine tiefe, messen: ein instrument, damit man ein wasser misset, wie grosz und tieff es sey Ludwig 2393. II@A@2@b@zζ) das wasser wägen (
s.wägen iii 3
c),
den höhenunterschied zweier wasserspiegel, dann überhaupt zweier wagerechten durch meszinstrumente feststellen, zunächst im bergwerk zur messung des wassergefälls verwendet; in der älteren zeit heiszt es meist abwägen: ein bergmann ist auch ein meister auff wasser abwegen und füren Mathesius
Sarepta (1587) 128
b; wasser abwägen, ist durch die wasser-wage erfahren, ob der wasserfall, und auf was weise er ... anzubringen sey? Kirchmaier
institutiones metallicae (1687)
bergmänn. wörter 41;
libratio aquarum, das wasserwägen, ist eine kunst zu finden, wieviel ein gegebener ort niedriger ... liegt, als ein anderer Chr. Wolff
mathem. lexicon (1716) 786; wasserwägen,
nivelliren Zedler 53, 780. II@A@2@b@hη) wasser schöpfen, ziehen, pumpen
u. ä., zu gebrauchszwecken oder zur erniedrigung des wasserstandes: quam tho wib fon Samaria sceffen waʒʒar
Tatian 87, 2; wenn die weiber pflegten eraus zu gehen, und wasser zuschepffen
1. Mos. 24, 11; er gieng hinaus, schöpfte wasser, besorgte unsre mahlzeit Wieland
Lucian (1788) 1, 192. wasser ziehen,
zunächst '
in gefäszen, die an seilen, ketten hängen, emporziehen, emporwinden' (wasser haspeln Mathesius
Sarepta (1571) 145
a),
dann auch '
pumpen': das sich (
bei feuersnot) alle wasserzciher als balde zcu den bornen ... sullen finden, und wasser zcyhen
script. rer. lusat. n. f. 1, 418 (
Görlitz 1476); Cleanthes hat wasser gezogen und gärten umb lohn begossen
M. Herr
sittliche zuchtbücher (1536) 82
a; aymerlin an einem rad, damit man wasser zeucht Henisch 163, 14; wir ... sehen prinzessinnen wasser aus einem brunnen ziehen Dusch
verm. schriften 277; so schlugen auch die wellen mit solcher ungestümm zum schiff hinneyn, dasz sie tag und nacht an den bompen arbeyten und das wasser aus ziehen müssen
oriental. Indien (1598) 7, 13; wasserzucken,
in Niedersachsen so viel, als wasserpumpen Jacobsson 8, 157
b.
seemännisch wasser schlagen,
ndl. water slaan '
mit einer pütse (
eimer)
wasser aus der see schöpfen' Röding 6, 876; wasser aufschlagen Dabovich 1169
b. wasser heben: welcher wasser heben wolte ausz der muter (
bachbett)
österr. weisth. 1, 24, 28 (
hs. v. 1625).
besonders in bergwerken: in welchem schacht ... durch angezaigt wasserkunst das wasser gehebt und gehalten wird
codex dipl. Silesiae 20, 231 (1526); das wasserheben Lueger 7, 853.
nur bergmännisch ist das wasser schieben, treiben, fällen, halten, zu sumpfe halten, zu sumpfe ziehen, wältigen, be-, gewältigen: zug ist das holtz in der gosse, daran der holm, spindel, und leder, durch welche das wasser geschoben wird Berward 17; wassertreiben,
so viel als das wasser gewältigen Krünitz 235, 164; wasser fällen '
gewältigen' Minerophilus (1743) 595; wasserhalten (zu sumpf halten), '
die stete befreiung der tiefsten stelle einer grube von den daselbst sich ansammelnden wässern' Scheuchenstuel 259: mit zwein und mit drin umbgern halde wir (
bergleute) berk und waʒʒer wol.
kleinere mhd. erzählungen 3, 37, 62
Rosenhagen; pferde, seil und andern zeug, so man zum wasser halten gebraucht Deucer
metallicorum corpus juris (1698) 24
a; wasser zu sumpff halten Minerophilus (1730) 711; röhren, dadurch ... wasser in den sumpff gezogen wird Berward 16. wasser wältigen
s. sp. 1401, gewältigen
s. th. 4, i, 5177; bewältigen
vgl.zu bewält- und erhaltung der wasser in den gruben
codex dipl. Silesiae 21, 220 (1657). II@A@2@b@thθ) wasser tragen, holen
u. ä.: waʒʒer und holz tragen
als gemeine arbeit nach Lexer
hdwb. 3, 708
bei Ulrich von Türheim
Willehalm 116
d; knechte die holtz hawen und wasser tragen zum hause meines gottes
Jos. 9, 23.
zum löschen: die bruwerknechte mit iren amen ind die beckerknechte mit iren zyven suoellin (
beim brande) wasser zudraigen Keutgen
urkunden z. städt. verfassungsgesch. 436 (
Köln um 1360);
[] wer's angezündet hat, mag auch das wasser tragen. Müllner
dram. werke (1828) 7, 141. (
bei nächtlichem feuer sind die gassen zu erleuchten) auff dasz mit dem wasserführen, reiten und lauffen man sich wohl besehen ... möge
der stadt Leipzig ordnungen (1701) 516. wasser holen,
besonders aus dem brunnen, dem flusze: so quam ein wîb thara thô, thaʒ si thes gizilôti,thes waʒares giholôti. Otfrid 2, 14, 14; wasser holen geht die reine schöne frau des hohen bramen. Göthe 3, 10
Weim. ausg.; hole mir ein wenig wasser im gefesze das ich trincke
1. kön. 17, 10; nach wasser gehen, wasser holen Güntzel 838. wasser fassen,
trinkwasser ins schiff bringen: wir ... fuohren unser etliche sampt dem patrono hinausz ans land, da wasser zufassen Rauwolf
raisz (1582) 19.
ebenso wasser einnehmen Jablonski (1748) 1341
b. II@A@2@b@iι)
dieselben oder ähnliche wendungen werden gebraucht, wenn dinge das subject sind (
s. auch oben α 9))
und 10))). II@A@2@b@i@11))
wenn die durch wolkenlücken scheinende sonne die in der luft schwebenden, meist aus wasser bestehenden theilchen streifenweis beleuchtet, was besonders häufig gegen abend erscheint und regen anzeigt, so sagt man die sonne schöpft, zieht wasser;
die belege gehen bis ins 16.
jahrh. zurück (
vgl.sonnenzopf): schöpffet die sonn heut wasser, so gieszet sie morgen das bad ausz Fischart
groszmutter 560
Scheible; die sonn wirt drumb nicht wst, wann sie schon wasser ausz pfitzen ziecht
Garg. 5
Alsleben; eine frühlings-sonne, die sich oft unter wolken verdeckt, und oft, wie der pöbel sagt, wasser zieht Herder 2, 212
Suphan; die sonne zog wasser in langen, wolkigen stralen J. Paul
flegeljahre 4, 121; das mädchen mahnte zur arbeit, es würde das wetter nicht anhalten, thäte schon 'wasser ziehen' Rosegger II, 3, 37.
in vergleichen: nicht dem registrator sahen die beiden damen ... nach, sondern jemand anders wünschten sie herbei, wie zwei sehnsüchtige sonnenstrahlen, welche wasser ziehen Gutzkow (1845
ff.) 7, 338; dasz, wenn die sonn am schärffsten ihn (
den günstling) berührt, sie wasser zeucht und regen nach sich führt. J. Ch. v. Schönborn
bei Gryphius (1698) 2, 503. II@A@2@b@i@22))
ein leckes schiff schöpft, fängt, macht wasser: in dem aber das eine schiff leck wird, wasser zu schöpffen beginnt Mandelslo
morgenl. reisebeschr. (1696) 156
b; sie ... legte das ruder in den kahn, der sich immerwährend drehte ... der kahn schöpfte schon wasser Novalis (1826) 1, 103; fieng unser schiff an mit gewalt wasser zu fangen Heberer
aegyptiaca servitus (1610) 85; wasser fangen, leck sein, wie die schiffe, so ritze haben,
far' acqua, faire eau Rädlein 1032
a; es (
das lecke schiff) macht so und so viele zentimeter wasser in einer stunde Gödel
etymol. wb. der seemannssprache 508; die 'Wacht' neigte sich zunächst nach backbord über, dann, als die 'Sachsen' los kam, tief nach steuerbord und machte schnell wasser
der tag 5.
sept. 1901.
in gleicher bedeutung wasser ziehen Dabovich-Heinz
ergänz.-wb. 833
a: dennoch ruderte ich schneller, als ich merkte, dasz der schlechte alte nachen wasser zog H. Hesse
Peter Camenzind 167.
im seewesen heiszt aber wasser ziehen
auch allgemeiner '
einsinken': ein schiff ziehet 12 schuh wasser,
wenn es so tieff im wasser gehet Hübner
naturlex.5 2066; ein schiff das viel wasser zieht,
sehr tief geht Röding 6, 876.
es läszt wasser fallen: ein schiff das viel wasser fallen läszt, '
ein schiff das hinten scharf und vorne voll gebauet ist und steuerlastig (
hinterlastig, hinten tiefer im wasser liegend als vorn)
geht' Röding 6, 876.
es nimmt wasser über,
die wellen gehen über bord: das schiff rollte schwer und nahm viel wasser über
die woche 12.
juni 1909,
s. 1020. II@A@2@b@i@33))
ein körper zieht wasser (an sich),
saugt es (
durch capillarität)
ein: häfen die wasser an sich ziehend,
bibulae ollae Frisius
dict. 155
b; als vil und das sand am meer wasser trinckt oder an sich zeücht 144
a.
von einem ausgegrabenen grunde heiszt es er zieht wasser,
wenn sich quellwasser darin sammelt Benzler 2, 272. Jacobsson 8, 157
b.
übertragen sagt man: die strümpe ziehn wasser,
hängen herunter Brendicke 192; die trikots dürfen kein
[] wasser ziehen,
d. h. falten zeigen Borée
kulissenrotwelsch, die woche 9.
oct. 1909
s. 1768. II@A@2@b@i@44))
bodenschichten, gefäsze, stoffe u. s. f. halten wasser
oder lassen wasser durch,
sie sind wasserdicht oder nicht: aber beym kohlenwercke mache das gefluder zu schaffen, wie an andern orten der graben auch noch wasser durchlasse Göthe
briefe 8, 27
Weim. ausg.; gott gibt kleider für den regen, der auf dich vom himmel fällt, wahr' dich selbst in deinem hause wenn das dach nicht wasser hält. W. Müller
verm. schriften 2, 447.
redensart kein wasser halten, '
nicht gediegen, unreell sein': ich fand zuletzt, dasz ... ich ein falsch zeugnisz ... ablegen sollte ... herr! sprach ich: das geschäft hält kein wasser — damit, musz ich bitten, mich zu verschonen
F. L. Schröder
dram. werke 2, 107 (
die wankelmüthige 3, 6). II@A@2@cc) wasser
nach raumpräpositionen. nach zu, unter, über,
früher auch nach auf
fehlt häufig der artikel (
vgl. see ii, 2
h). II@A@2@c@aα)
nach präpositionen der ruhe, abhängig von verben und als freiere bestimmung. II@A@2@c@a@11)) bei dem wasser
ist jetzt hinter am wasser
zurückgetreten: swâ oben bî dem waʒʒerein herberge stât, dar inne ist ein verge,und nindert anderswâ.
Nibel. 1484, 2; hanenfusz ... der bey den wasseren wachszt Frisius
dict. 152
b; nahe beym wasser wohnen Ludwig 2393. II@A@2@c@a@22)) gesegnet aber ist der man, der sich auff den herrn verlesst ... der ist wie ein baum am wasser gepflantzt
Jer. 7, 8. II@A@2@c@a@33)) um das wasser:
aquaticum, das nach (
dem) oder umb das wasser wachszt Frisius
dict. (1556) 110
b. II@A@2@c@a@44)) im wasser leben: ein yetlich thier das im wasser läbt Frisius
dict. 110
b; ein fisch der im wasser nistet 218
b. im wasser stehen, liegen,
ganz oder theilweise von ihm bedeckt, umgeben sein: stunden dy husere im wassere Stolle
chronik 173; bergwerck die im wasser stehen, trucken machen Schupp
schriften 795. sich im wasser spiegeln: indesz der reine himmel sich im wasser zu unsern füszen spiegelt Göthe
naturwiss. schriften 5, i, 5. im wasser umkommen, ersauffen, ersäuffen Ludwig 2393. den tod im wasser suchen, finden: ein sehr schönes mädchen, verwirrt durch unglückliche liebe, hatte den tod im wasser gesucht und gefunden Göthe 25, 85
Weim. ausg. II@A@2@c@a@55)) zu wasser '
auf dem wasser',
besonders '
auf dem meere' (
weitere, auch ältere belege s. f α zu wasser und zu lande): ain son Marci Duilli, der ... gegen den von Carthagine zuo wasser gesiget v. Schwarzenberg
t. Cicero (1535) 32;
admiral, general zu wasser Duez
nomencl. (1652) 137. zu wasser sein,
von einem schiff '
von stapel gelassen sein': wenn das schiff zur zeit der beschädigung noch nicht ein volles jahr zu wasser war
handelsgesetzbuch § 710, 1.
bei see- und fluszreisen so viel wie '
zu schiff': ich hab offt gereiset. ich bin in ferligkeit gewesen zu wasser
2. Cor. 11, 26; er kam gen Aca zu wasser im augstmonat S. Franck
chron. Germ. (1538) 177
a; für sie mögt ich nichts aufpacken als gypssachen, die zu wasser gehn könnten Göthe
briefe 8, 84
Weim. ausg.; den 12. wollt er zu wasser nach Wien hinunter 31, 240. II@A@2@c@a@66)) auf dem wasser,
auf seiner oberfläche: Petrus trat aus dem schiff und gieng auff dem wasser, das er zu Jhesu keme
Matth. 14, 29; das holz schwimmt, der kahn fährt auf dem wasser.
im besondern '
auf einem das wasser befahrenden beförderungsmittel': 5 scot vor 1 last birs vom Elbinge ken Marienburg zu furen ... of dem wasser Joachim
Marienburger tresslerbuch 9, 28; das er muste in ein schiff tretten, und auff dem wasser sitzen
Marc. 4, 1; der haubtman lies leitern und ander geretschaft, di er auf dem waszer hinab het geen laszen ... von den schiffen bringen
Wilwolt v. Schaumburg 152
Keller; ich wollte fischer werden, und machte den versuch, allein das leben auf dem wasser stand mir auch nicht an Tieck
schriften (1828) 1, 218.
ohne artikel (
s. auch u. f α auf wasser und auf land):
navigo, auff wasser faren Frisius
dict. (1556) 858
a; ein schiffschlacht, oder ein streyt auff wasser 857
b. auf dem wasser
kann auch '
in einiger entfernung über dem wasser'
bedeuten, z. b. die
[] schwalbe fliegt, die mücken spielen auf dem wasser;
so auch: der geist gottes schwebet auff dem wasser
1. Mos. 1, 2. II@A@2@c@a@77))
in der älteren sprache ob dem wasser: giang er after in thô sâroba themo waʒare thâr. Otfrid 3, 8, 17. II@A@2@c@a@88)) über dem wasser '
über der wassermasse',
häufig bestimmter '
über der wasseroberfläche' (
s. 1
d β): über dem wasser schwimmen,
nager sur l'eau Rondeau; sich, den kopf über wasser halten (
übertragen s. C 2
b ι); ein schiff über wasser halten, '
wenn es leck geworden, durch pumpen verhindern, dasz es nicht sincke' Jablonski (1748) 1341
b.
dagegen über dem wasser '
jenseits des wassers'
in dem sprichwort über dem wasser wohnen auch leute,
vgl.da gedachte er aber bey sich selbst, vielleicht hats jenseits desz wassers auch leute, zog über meer, und kam in eine insel, da fand er ein reiches, schönes, lustiges volck Philander 2, 162. II@A@2@c@a@99)) unter dem wasser '
unter der wassermasse': unter dem wasser liegt eine kreideschicht;
ein landstrich, gebäude stehen
bei überschwemmungen unter wasser: mit diesem könnte man die unter wasser stehende gebäude in kurzer zeit abgewältigen
cod. diplom. Silesiae 21, 260 (1701); meine wiesen ..., die vier jahre von fünf immer unter wasser stehen Fontane I, 5, 136.
eingeengt zu '
unter der wasseroberfläche': der grab soll so weyt und so tieff sein, das zway pflugsreder dardurch under dem wasser wohl gohn mögend
weisth. 1, 271 (
Thurgau); weil er (
der walfisch) aber nicht lang unter dem wasser bleiben kann Comenius
orbis pictus (
Nürnb. 1619) 77; ich stürze mich in den flusz, schwimm unterm wasser fort Schiller 2, 92, 19 (
räuber 2, 3
schausp,). II@A@2@c@a@1010)) jenseits, diesseits des wassers: (
länder) die auch jhenseit dem wasser Iberus in Hispaniam gelegen waren
Livius bei Carbach 102
a; jenseit des wassers
scherzhafte verörtlichung, wie mhd. jensît Rînes Lexer
hdwb. 2, 441
und jenseit des bachs
th. 1, 1059: der ist nun vier wochn pey mir glegn und hat sich des nie durrn verbegen, das er mich het peruert mit Adens ruett, als mans enhalb das wasser tut.
Sterzinger spiele 2, 176
Zingerle; drumb sie in (
die junge metze den alten) nam, dabey gedacht: 'er kan dir doch nit geben muth, wie man jensit des wassers thut'. Waldis
Esopus 4, 81, 10
Kurz. II@A@2@c@bβ)
mit richtungspräpositionen. II@A@2@c@b@11)) ans wasser gehen, sich ans wasser setzen. II@A@2@c@b@22)) ins wasser werfen, stoszen
u. ä.: sie ... brachten mich zum mühlthor aus auf die brücke ... stieszen mich ins wasser Bötzinger
bei Krausz
Hildburghäus. landeshistorie 1, 354; heb dich dor von, ee das ich dich pasz straffe und mit gesang hie schaffe, das man dich in ein wasser dreyt. Hans Folz
meisterlieder 45, 36
Mayer; man solt sie an die beum forth henckn oder im sack ins wasser senckn. Hollonius
somnium vitae humanae 12
neudr.; ein neugebauet schiff ins wasser bringen oder stoszen,
es ablauffen lassen Ludwig 2392, ins wasser lassen.
im bilde: ich denke so manchen versandeten kahn wieder vom ufer in's frische wasser zu schieben Göthe
briefe 28, 66
Weim. ausg. ins wasser springen, gehen,
im besondern von selbstmördern '
sich ertränken': ach! ich ermorde mich, ich springe ins wasser. ist denn niemand da, der mich auffhält?
der schlimme causenmacher 18; man fürchtete, es (
das kind) möchte in ein wasser gesprungen, oder sich sonst ein leids angethan haben Göthe 21, 163
Weim. ausg.; doch der selbstmord, sprich, Zelinde! deucht er dich moralisch gut? denn ich will in's wasser springen, um zu löschen meine glut. Platen 284 (
Oedip. 2); eh ich das thät, wollt ich lieber ins tiefste wasser gehen Grimm
märchen (1843) 2, 94; ich gehe ins wasser, oder du nimmst mich mit Frenssen
Jörn Uhl 165. ins wasser fallen (
übertragen s. C 2
b μ): er gleicht einem
[] wanderer, der nicht weit von der herberge in's wasser fällt Göthe 21, 291
Weim. ausg. von bergwerken '
sich mit wasser füllen' (
vgl.ersaufen
th. 3, 950): der berghauptmann ... berichtet (1557) ..., dasz der bergbau zu Sowitz ins wasser gefallen sei
codex diplom. Silesiae 21, 115. II@A@2@c@b@33)) (
sie) hies in Mose, denn sie sprach, ich habe in aus dem wasser gezogen
2. Mos. 2, 10; bis Menz den kleinen fähnrich ... aus dem wasser zog Fontane I, 6, 21. II@A@2@c@b@44)) von dem wasser
mhd. auch '
aus dem wasser': das kroten mere danne vil und so vil uʒ der maʒe zil gie von den waʒern uf das lant. R. v. Ems
weltchronik 10020
Ehrismann. II@A@2@c@b@55)) zu, zum wasser,
an das wasser: und heis si gan ze mittentage ... zeim wasser trinken. 18468.
zuweilen mit dem nebensinn '
hinein in das wasser': so der hirtz dise hunde alle úberwunden hat und zuo wasser kummet Tauler
predigten 53, 8
Vetter. jetzt noch bei nordd. schriftstellern, nach dem nd. tau water: ich bin schlecht ... so schlecht, dasz es am besten wäre, ich ginge zu wasser Frenssen
Hilligenlei (1905) 264. '
auf das wasser': und Moses kam von mtter leib. zuo wasser legten in di weyb. v. Schwarzenberg
t. Cicero 104
b; wan die gense zu wasser khomen Kantzow
Pomerania 2, 359
Kosegarten. seemännisch ein boot geht (
vom schiff aus) zu wasser; das steuerbordsche (
boot), die gig, hing noch unversehrt an den davids, und wir brachten es schleunigst zu wasser R. Werner
salzwasser 11; wenn er es (
das schiff) jetzt ... zu wasser (
vom stapel) liesz R. Herzog
Hanseaten 33. zu wasser führen, treiben, reiten (
zur tränke oder zur schwemme): eʒ (
das rosz) het des wirtes garzûn ein gefüeret ze waʒʒer. dar ûf saʒʒer. Hartm. v. Aue
Erec 6716; er weidet mich auff einer grünen awen, und füret mich zum frischen wasser
ps. 23, 2; ein ieclicher brotbecker mag wol aht magere und aht veiszter swine haben ... und sollent die zuo wasser triben von ostern untz unser frowen dag
Straszburger zunftordnungen 105
Brucker; ein pferd ins,
oder zum wasser reiten Ludwig 2391 (
vgl.C 2
b η). II@A@2@c@b@66)) auf das wasser: die zweige neigen sich auf das wasser; wer sich auff das wasser begibt,und nicht versteht den wind.
Venus-gärtlein 6, 1
neudr.; hennen, denen die anvertrauten entlein aufs wasser gehen W. v. Polenz
pfarrer v. Breitendorf 189; aufs wasser gehen,
in Caub '
schiffer werden' Kehrein
nachträge 58.
ein schiff aufs wasser werfen: es sollen auch bemeldte schifknecht, wann ein neues schif aufs wasser geworfen wird, das mark anzuschneiden ... schuldig seyn v. Lori
baier. bergrecht 495
a (1616). II@A@2@c@b@77)) über das wasser '
von unten her an, über die oberfläche': (
der mann) unterginge und swiment wider auf über das wasser kam
Decamerone 76, 18
Keller; das haupt über das wasser auszstrecken Frisius
dict. (1556) 460
a; über wasser kommen,
unter dem wasser hervorkommen Rondeau. über das wasser
bezeichnet auch die richtung von einer seite zur andern: nû zeig uns überʒ waʒʒeraller wîseste wîp.
Nibel. 1483, 4; si muosen über waʒʒerdâ si funden velt. 1569, 3; (
Jacob) machte sich auff, und fuhr über das wasser
1. Mos. 31, 21; (
der feind,) der bey dem dorfe Rippach über das wasser dieses namens setzte Schiller 8, 285. über wasser '
über das meer': in guter gesuntheidt (
aus Dänemark) über wasser komen Steinhausen
privatbriefe 1, 194 (
Roszla 1478); er ist über's wasser,
übers meer Hunziker 288.
früher hiesz es auch über ein wasser gehn
u. ä.: vadare, uber wasser geen Diefenbach
nov. gl. 375
b (
Hall 1429); nieman sol trenken sîn pfert, dâ man uber ein waʒʒer rîtet
statuten des deutschen [] ordens 112, 15
Perlbach. man sagt über
oder durch das wasser schwimmen. II@A@2@c@b@88)) unter das wasser '
unter die oberfläche': so duckt sich dann der münch mit dem haupt under das wasser
Zimmerische chronik2 2, 638, 26; weren die wasserfräulichen ... in einen gumppen under dasz wasser gefallen, dasz sie es batschen gehört Widman
chronik der stadt Hall 79, 11
Kolb; so that diese bestie, mit der andern bestie, seinem pferde, einen groszen sturz, beide unter's wasser Göthe 43, 294
Weim. ausg. unter wasser setzen (
von menschen und vom gewässer selbst gesagt): das land unter wasser setzen Krämer 1212
b. Rädlein 1032
a; wenn er einmal wasserträger worden ist, ... so würde er das ganze haus unter wasser setzen Wieland
Lucian (1788) 1, 193; die Zirder war ausgetreten und setzte einen theil der wiese ... unter wasser Stifter
werke (1901
ff.) 5, i, 90; die beiden obergeschosse des mittelbaues muszten durch zwei löschzüge ... mit acht rohrleitungen unter wasser gesetzt werden
Leipziger tageblatt 17. 12. 1915
abend s. 3.
im vergleich: die grosze überschwemmung von romanen, die, nach ihrer eignen mitteilung, auch ihre phantasie einst unter wasser gesetzt hat H. v. Kleist 4, 71
E. Schmidt. II@A@2@c@b@99)) durch das wasser waten, schwimmen, reiten
u. s. f.: sie trägt die mutter durch's wasser schon. Göthe 2, 36
Weim. ausg. II@A@2@c@b@1010))
die bewegung in der längsrichtung an oder auf einem wasser '
flieszendem gewässer'
wird ausgedrückt durch das wasser entlang, dem wasser nach, wider, gegen das wasser
oder mit dem wasser '
der strömung', das wasser auf, hinauf
oder ab, hinab, hinunter: ich züg als lîht an einem seil wider waʒʒer einen flôʒ. Ottokar
österr. reimchron. 983
Seemüller; wer die leng wider waʒʒer swimmet ... der verliust grôʒer arbeit vil.
gesammtabenteuer 2, 219, 1.
adverbiell widerwassers: das er und all sein nachkomen ... allen wein und getraid ... lediclich freylich ennaw und widerwassers, an all mauttzol ... gefüren mugen
monumenta Boica 31, II, 475 (1459); das wasser auff,
oder wider das wasser sind wir gefürt worden Maaler 486
a; wâter af, up,
stromab-, -aufwärts Schambach 288; das wasser auffahren, abfahren Dentzler 343
a; nachdem aber mein neunzehentes jahr verstrichen war, liesz ich mich nicht länger aufhalten dem wasser nachzulauffen, nahm also ... abschied, und reisete nebst zwei andern mühlpurschen fort
Felsenburg 2, 364. II@A@2@dd)
mit adjectiven. II@A@2@d@aα) rinnendes, flieszendes, strömendes wasser,
das wasser eines baches, flusses, der bach, der flusz selbst, im gegensatz zum stehenden: der bôum, der bî demo rínnenten waʒʒere gesezzet ist Notker
psalm 1, 3
Piper; und ward also das läger ... bey einem rinnenden wasser geschlagen
quellen z. gesch. des bauernkriegs in Oberschwaben 770
Baumann; von dann bi der Murzze her abe, ouch als di rinnunde waʒʒer unt di vlieʒʒende waʒʒer vlieʒʒent
landbuch von Österreich und Steier 706, 8
Lampel, vgl. 709, 6; swer ovir einen vort einis waʒʒiris geit odir ritet, der ne sol cheinen zoln gebin wan iegelich vliʒinde waʒʒir heiʒet des riches straʒe
Görlitzer rechtsbuch, script. rer. lus. n. f. 1, 430, 29; si worden getouft von ime in dem Jordâne in dem vlîʒenden waʒʒere (
in Jordanis flumine) Matthias von Beheim
Marcus 1, 5; die hundert und zehen flieszende wasser Teutschlandes H. Sachs 7, 464, 1
Keller; mein mädchen ward mir ungetreu ... da lief ich an ein flieszend wasser, das wasser lief an mir vorbei. Göthe 1, 22
Weim. ausg. flieszendes wasser
auch '
aus einem quell, bach, flusz geschöpftes wasser': wâr nimist thu thanne ubar thaʒwaʒar fliaʒantaʒ? Otfrid 2, 14, 30; und (
er) sol also das haus entsündigen mit dem blut des vogels, und mit flieszendem wasser
3. Mos. 14, 52; seuds in einem newen hafen, mit flieszendem wasser Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 66; das gepiszene vieh
[] soll man alsbald auch mit fliszenden wasser wohl abwaschen
beiträge z. deutsch - böhm. volkskunde 5, 3, 60 (
arzneibuch 19.
jahrh.). laufendes wasser
früher dasselbe wie flieszendes:
fluentum, lopende water (1420) Diefenbach
gl. 240
c; zuo einem külen frischen laufenden wasser
Decamerone 53, 31
Keller; flieszwasser, lauffend wasser,
oder ströhmend wasser Zedler 53, 239.
jetzt in engerer bedeutung (
die auch flieszendes wasser
neben der weiteren haben kann) '
aus einer rohrleitung flieszendes wasser': die photographischen platten in laufendem wasser wässern. fallendes '
niederflieszendes' wasser: das ain ieglicher pawr in dem veld sol understeen, das mit der veldgüsz seinem nachparn nicht schad widergee und das sölhe vallende wasser haben irn lauf als von alter herkömen ist
österr. weisth. 8, 162, 21 (15.
jahrh.). gieszendes, schieszendes, reiszendes, schnelles wasser: swem sein gut von der vraise des gieʒenten waʒʒers wirt entragen Keutgen
urkunden zur städt. verfassungsgesch. 215 (
Wien 1296);
gurges, schiszend wasser (
Hall 1429) Diefenbach
nov. gl. 199
a; die Zirder schwillt oft an und kann dann ein reiszendes wasser sein, das in schnelle daherkömmt Stifter
werke (1901
ff.) 5, 1, 136; ich seh ihn noch ... sich durch der Elbe reiszend wasser schlagen. Schiller 12, 64 (
Piccolomini 1, 1); daʒ snelle waʒʒer (
torrens) der helle Schönbach
altd. pred. 1, 284, 22; eyn snel water,
fluvius velox Diefenbach
nov. gl. 141
a; scharfe wasser,
schnell flieszende wasser Adelung
unter scharf. — springende wasser
bedeutet zunächst quellwasser: scatebra, uffspringend wasser
vel ein springender brun Diefenbach
gl. 517
b;
latex, springend wasser 320
b;
noch bei Zedler 53, 438 springendes wasser, springwasser '
quellwasser'.
auch das wasser eines röhrbrunnens: springend-
oder röhrwasser Rädlein 1031
b.
seit dem 18.
jahrh. üblich für das emporsteigende wasser einer wasserkunst Jablonski (1748) 1343
b: ein angenehmer prospekt von orangenalleen, boskagen, statuen, urnen, und springenden wassern Schiller 5, 5 (
Dom Karlos 1, 1). — lebendes, lebendiges wasser
ist quellendes und flieszendes wasser (
vgl. th. 6, 430): die lebendigen wasser, so ausz harten felsen entspringen Ryff
lustgarten der gesundheit (1546) 3
a; rinnendes oder lebendiges wasser Ludovici 5, 659; auf der stelle des heutigen Azzelbrunn quoll damals ein lebendiges wasser aus einem felsen S. Brunner
erzählungen und schriften 1, 2.
in engerer bedeutung lebendiges wasser,
flieszendes wasser, dessen bewegung stark genug ist, um die mühle zu treiben, im gegensatz zum toten Zedler 16, 1271. Jacobsson 4, 410
a.
das aus einer quelle, einem brunnen geschöpfte wasser: der brun ist tieff, wo her hastu denn lebendig wasser?
Joh. 4, 11; lebendig wasser, dessen man sich im menschlichen leben bedienet Zedler 2, 989.
in der bibelsprache bildlich von gott und seinen offenbarungen: si haltent sich an ire cisterne ... och trinkent si von dem lebenden wasser nút, das lossent si sin Tauler
predigten 287, 12
Vetter; sie verlassen den herrn, die quelle des lebendigen wassers
Jer. 17, 13. — bewegtes wasser: ihr gesicht kann ich nicht sehen; die ganze gestalt schwankt vor meinen augen wie ein bild auf bewegtem wasser Göthe 17, 200 (
Grosz-Cophta 3, 9)
Weim. ausg. — wildes wasser,
von regen oder schmelzwasser entstehendes gewässer oder bei überschwemmung austretendes wasser, dann auch so viel wie reiszendes wasser; flus des wilden wassers,
flumentum, fluctus, flumen. voc. inc. teut. e 8
a; reiszend,
sive wildes wasser,
torrens unda Stieler 2443; die wilden wasser, so keinen ordentlichen lauff haben, sondern von einem starcken regen entstehen Zedler 53, 496; wild water '
das wasser, so auszerhalb der siel-acht von den moren oder geesten in diese fällt, oder auch über die deiche einstürzet'
brem. wb. 5, 205; alle ... flieszend wasser (
flumina) und alle wilde wasser (
torrentes) Mentels
bibel, Jos. 2.
vorrede; wo sich etwasz von ungewitter halben mit wildem wasser begebe
weisth. 3, 590 (
Franken 1506); an der winterzeil sol alweg am drittn haus ain durchlauf zu dem wilden wasser sein
österr. weisth. 8, 76, 29 (1512); solltest du baum in dies wilde wasser stürzen S. Geszner
schriften (1777
f.) 1, 39; dasz der winterschnee und die wilden wässer auf den bergen und almen aufgetrocknet Steub
wanderungen im [] bayer. gebirge 138.
in das bergwerk oder in den salzbrunnen eindringendes wasser: in grossen gewässern, wenn die Sahl ... auszleufft, da musz man offt den deutschen born (
einen salzbrunnen in Halle) zuspünden ..., damit das wilde wasser nicht drein falle Mathesius
Sarepta (1587) 114
a; sie ... arbeiten in schachten, wo viel wilde wasser auszupumpen sind Brentano 4, 180; bösen wassern schnell gebiete, wilde wasser schliesze zu.
bergreien bei Veith 555;
auch das im salzgradirwerk über reisig verdunstende wasser Hübner
naturlex.5 821.
bildlich: wäre das versammlungsrecht zu einem geregelten geworden, wären die wilden wasser verlaufen und alles in ein regelmäsziges bette gelenkt Auerbach
schriften (1857
ff.) 18, 300. — stehendes wasser,
nicht flieszendes, teich, see: lacus, staende wasser Diefenbach
gl. 316
a; stendig wasser Dasypodius 453
a; in einem see oder stehendem wasser wohneten drey fisch Kirchhof
wendunmut 1, 111
Österley; dasz sich die stehenden wässer mit einer eisdecke überzogen hatten Stifter
werke (1901
ff.) 2, 245.
bildlich: wenn man immer auf einerlei bleibt, wird man stehend wasser Hippel 1, 292 (
lebensl.); so im stehenden wasser (
in der kleinstadt) hat man keine ahnung, was der strom des zeitgeistes (
ist) Heyse
kinder der welt 2, 245. — stilles wasser,
ohne geräusch, weil langsam flieszendes, still wasser,
aqua pigra Maaler 485
b; still, faul und schlaffend wasser Duez 16;
auch '
stehendes wasser' Kramer
holl.-dtsch. 504
b.
nicht bewegtes wasser: die bilder der gegenstände in einem stillen wasser ... gefallen uns blos ihrer ähnlichkeit wegen Mendelssohn
philos. schriften (1777) 2, 110. ruhiges wasser; glattes wasser: bei stiller luft und glattem wasser Linde
die Niederelbe 96. — totes wasser,
im mühlenwesen so viel wie stehendes wasser J.
M. Beyer
mühlenbaukunst (1803) 1
im reg. (
s. auch oben sp. 441
den beleg Michelsen 121),
dann auch zum drehen der räder unfähiges wasser, bei zu langsamen flieszen, im gegensatz zum lebendigen (
s. o.),
oder auch bei zu hohem wasserstande: die flüsse des Sauerlandes ... überschwemmen die angrenzenden gelände. die auf wasserkraft angewiesenen werke in den fluszthälern muszten den betrieb einstellen, da die wasserräder im todten wasser stehen
Leipz. neueste nachrichten 11. 12. 1901.
im seewesen ist das tote wasser des schiffs
dasselbe wie kielwasser Röding 6, 791 (
s. auch unter den adj. für ebbe und flut);
ferner das wasser, das aus dem stiefel einer wassersäulenmaschine abflieszt, nachdem es auf den treibkolben gewirkt hat Pierer
univ.-lex.4 18, 917. II@A@2@d@bβ) groszes wasser
kann ein breites und tiefes gewässer bezeichnen: ein waʒʒir michil unde groʒ von der selbin mitil vloʒ. R. v. Ems
weltchronik 283
Ehrismann. in der bibel stehen zuweilen die groszen wasser
in parallelismus zum meer,
doch ist das grosze wasser
in der besonderen bedeutung '
ozean'
erst seit dem 19.
jahrh. belegt (
alleinstehendes wasser '
meer'
s. o. 1
c γ): die mit schiffen auff dem meer furen, und trieben iren handel in groszen wassern
ps. 107, 23; sie (
die weisheit gottes) füret sie durchs Rotemeer, und leitet sie durch grosze wasser
weish. Sal. 10, 18; jene Angelsachsen hatten einst bei ihrer überfahrt über das grosze wasser ... alles peinigende privilegirte ungeziefer zurückgelassen Gervinus
gesch. d. 19.
jahrh. 4, 6; das liegt in Südamerika, weit überm groszen wasser J. Greber
Lucie (1901) 25. groszes wasser,
auch hochstehendes wasser, hochwasser, überschwemmung: da was grosze flut unde waszer uf erden ... unde quam, daʒ die waszer also grosz waren
Limburger chronik 28, 23
Wysz; das wasser Phison, wenn es gros ist
Sir. 24, 35; do brach das wetter und touwete wedder, und wart grosz waszer unde stisz umme den stegk by deme groszen spetal Stolle
chronik 168; vom odem gottes kompt frost, und grosze wasser, wenn er auffthawen lesst
Hiob 37, 10; disz jar seind gewest grosze wasser, und hat sich die Tiber zuo Rom ergossen
Livius bei Carbach 284
b; man kan vor dem groszen wasser nicht fortkommen,
torrentes et eluvies itinera morantur Stieler 2443; bim grosze
n wasser Martin - Lienhart 2, 863
b.
bildlich: Judith, die nach
[] dem fallen des vorhangs noch ... in der loge blieb, um sich die groszen wasser drauszen erst verlaufen zu lassen Fontane I, 4, 212. hohes wasser,
dafür jetzt üblicher hochwasser: bey hohem wasser wird man auf einer fähre übergesetzt Nicolai
reise durch Deutschland (1783) 1, 118; ein freigut, dort oben, wo das hohe wasser herkommt Freytag 4, 267 (
soll u. h. 2, 5); der (
mühlgang) ist mit hohem wasser hergeschossen W. Fischer
die freude am licht12 2, 64. tiefes wasser: der rat im hertzen eins mans ist wie tieffe wasser
spr. Sal. 20, 5
vgl. 18, 4; do sie ... über tiefe wässern haben müssen reyssen S. Münster
cosmogr. vorr. 3. volles wasser,
hochstehendes, eigentlich das bett bis zum rande füllendes wasser: so sollen die mühl-währe in gewisser höhe nach den sichern pfählen gemacht, und die schutzbreter bey wenig wasser also gesetzet werden, dasz gleichwohl noch ein durchgang des wassers verbleibe, bey vollem wasser aber dieselbigen gantz abgethan werden
altenburgische landes-ordnung (1705) 3, 493. (
vgl.das wasser geht voll Stifter
studien5 1, 102.) überflieszendes
u. ä.: diser zeyt ist Rhom durch überflüssige wasser inn groszer thürung und not gewest v. Schwarzenberg
t. Cicero 4
b.
vereinzelt starkes, schweres wasser: so spricht der herr, der im meer weg, und in starcken wassern ban machet
Jes. 43, 16; dasz sich ain sollich schwer wasser versamlet hat Knebel
chronik von Kaisheim 87. hohl wasser, hohle see,
ndl. hol waater,
wenn die wellen sehr hoch gehen (
höhlungen bilden) Röding 3, 731. — kleines wasser,
schmales gewässer: die kleinen wässer rauschten von den bergen nieder Bettine
die Günderode 1, 157. '
niedriger wasserstand': da sie (
die regulirung) den strom bei mittlerem und kleinem wasser in eine bestimmte rinne zwingt W. Tietze
die Oderschiffahrt (1907) 118. niedriges: die strömung ist stark und bildet bei niedrigem wasser starke wirbel v. Moltke
schriften 1, 118. flaches, seichtes: während einige zimmerleute eine brücke über das seichte wasser geschlagen G. Keller 1, 115. II@A@2@d@gγ)
für die erscheinungen von ebbe und flut gebräuchliche adjectiva und participia. die flut heiszt auflaufend, steigend, wachsend,
die ebbe ablaufend, fallend wasser Röding 6, 876: kome gy uppe vallende water uppe Welle
das seebuch 61 (14, 5)
Koppmann; dasz allerhand schiffe ... mit dem ablauffenden wasser häuffig hinunter nach der see, andere aber mit dem wachsenden wasser oder der fluht herauf nach Hamburg segelen Rist
Parnasz C 3
b.
als hohes, hoch, höchstes wasser
wird der einige minuten unverändert bleibende höchste stand der flut, als leeg wasser (
s.läg), niedrig, niedrigstes wasser
der niedrigste stand der ebbe bezeichnet, beide auch als stillstehend wasser (das wasser ist im stau
s. th. 10, II, 1069) Ludwig 2392
f. (
high, low, dead water). Hübner
naturlex.5 1066. Frisch 2, 425
c. Röding 3, 501. 6, 730. hohes wasser
heiszt aber auch die stärkste flut bei neu- und vollmond, spring-tide, niedriges, leeges wasser
die schwächste flut in den mondvierteln, neap-tide Ludwig 2392: van Blanckenborch to sunte Kattrinen maket upper stille (
stillstand des wassers bei höchster flut) sudwesten mane, dat is hoch water
das seebuch 3 (1, 28); dar maket dat hogeste water an dat land en suden mane 51 (11, 35); to Calismains maket lege water ene oestsudoesten mane 1 (1, 1).
bei Bobrik 691
a hierfür auch todt wasser,
l'eau morte. II@A@2@d@dδ) altes, verfallenes wasser: ein alt wasser ..., da der Rhein von alters gangen Meurer
wasserrecht (1663) 13 (altwasser Benzler 12); dasz sein sohn im wahnsinn ... in alte gesammelte wässer und untiefen versunken sei Tieck
schriften 4, 241; die von Thierhoupten (
dürfen fischen) in den töpfen (topf '
gurges') und verfallenen wässern des Lech Buck
flurnamenbuch 280. — gefrornes wasser '
eis': dasz wir allhie in diesem leben auff einem gfrornen wasser rütschen, und leicht mit beyden füszen glitschen.
jahrbuch f. Elsasz-Lothringen 25, 150 (
Straszburg 1632).
dafür auch das feste wasser
im gegensatz zum flüssigen Ratzel
die erde 2, 16; das wasser ist geschlossen, wenn es mit eis belegt; offen, wenn es wieder aufgetauet Hübner
naturlex.5 2066,
ähnlich Kramer (1719)
holl.-dtsch. 504
c: als wir aber ... offen wasser, so nicht verfroren
[] war, gesehen Hulsius 3.
schiffahrt 58. — offenes, freies wasser
ist aber auch das vom ufer, der küste entfernte, durch untiefen nicht beengte: Livingstone beobachtete in ... buchten einen brackigen charakter des wassers, der aber sogleich schwand, wenn man das offene wasser des sees erreichte Ratzel
die erde 2, 179; freies wasser vor sich haben '
seeraum haben' Dabovich 1169
b.
auch das nicht durch planken u. dgl. eingehegte: das baden im freien wasser, unter offnem himmel Göthe 29, 94
Weim. ausg. freies
auch '
jedem zur benutzung freistehendes': von des frygen wassers wegen der Wygerren ist von alter harkomen ..., das kein vischer dhein eigenschafft ... daran nitt haben sol, denn das ein jeklicher recht daran haben sol ze vischen
stadtrecht von Zofingen 142, 32 (
um 1450)
Merz. beschlossene
oder auch gehegte
und verbotene wasser,
aquae inclusae (
die nur von der obrigkeit oder mit deren erlaubnis benutzt werden dürfen) Zedler 53, 159; in verbotenen wassern fischt man gern Wander 4, 1808. gespalten waszer '
flumen, quod pro dimidia parte uni dominorum competit' Stieler 2443;
ähnlich Hayme
jur. lex. (1738) 253: es ziehen sich aber die gräntzen dem lauff des wassers nach, also dasz der flusz zweyer herrschafften gemeines untermarcks, und desz wegen jeder zum halben theil zuständig ist, so man ein gespalten wasser heiszt Oetinger
von den gräntzen (1711) 338. II@A@2@d@eε) frisches wasser,
quelle: zu der zeit, werden frissche wasser aus Jerusalem flieszen
Sacharja 14, 8; wie der hirsch schreiet nach frischem wasser, so schreiet meine seele gott zu dir
ps. 42, 2; dann es ist da (
in Mailand) kein anzeigung der hitze, auch sind da frische wasser
volksbuch v. Faust 60
neudr. eben dem brunnen entnommenes: nim ein groszen schwamm, netze ihn in essig oder ... in frischem wasser Gäbelkover
artzneybuch 1, 197.
dem seefahrer bedeutet frisches wasser
dasselbe wie süszes wasser Röding 6, 875: ward beschlossen, alda anzufahren, das schiff mit frischem wasser ... zu versehen Heberer
aegyptiaca servitus (1610) 76; auf der portugisischen insel Madera nahmen wir frisches wasser ein Schnabel
insel Felsenburg 50
neudr.; der flusz hat frisches oder süszes wasser G. Forster
schriften (1843) 4, 27. faules wasser,
durch langes stehenbleiben verdorbenes: sentina, ful waszer in dem schiffe Diefenbach
gl. 527
b; so auch einer wüst und faul, bösz wasser hette getruncken Tabernaemontanus (1664) 140; ins loch schmeiszen, darin schon mancher bürgerfreund faules wasser trank Alexis
Roland v. Berlin (1840) 1, 34.
von einem gewässer: vertrocknete der strom, und es blieb nichts übrig, als ein faules stehendes wasser Rabener
schriften (1777) 5, 88.
in ähnlicher bedeutung pfulicht wasser Stieler 2443, möszicht Rädlein 1031
b, moddericht Kramer
holl.-dtsch. 504
b, stinckend Maaler 485
b, schmutzig. — lauteres, reines, klares, blankes, helles wasser
u. ä.: theiʒ waʒar lûtaraʒ was,thô sie vultun thiu faʒ. Otfrid 2, 8, 42; als denn wil ich ire wasser lauter machen, das ire ströme flieszen wie öle
Hes. 32, 14; dû bist diu wünschelgerte, dâ mite ûʒ eime steine wart ein waʒʒer reine geslagen in der wüeste. K. von Würzburg
goldene schmiede 666; hier spreng' ich reines wasser, geschöpft aus einem quell. Rückert
werke 1, 131; und (
er wird) wie ein bawm am wasser klar gepflantzt viel früchte bringen. Ringwaldt
handbüchlin A 4
b; treff ich dir das klarste wasser im kies Schiller 2, 118, 20 (
räuber 3, 2
schausp.); hälles wasser aus dem brunnen leiten Steinbach 2, 947; nun musz ich das helleste wasser meiner Hippocrene ausschütten v. Petrasch
lustspiele (1765) 1, 237; das helle wasser (
vgl.hell
th. 4, 2, 964) tropft an dem hut-überzug herab v. Gaudy
werke (1844) 2, 47. trüb, unklar wasser Kramer
holl.-dtsch. 504
b; trübes wasser zu läutern Zedler 53, 487. — gutes, schlechtes wasser '
trinkwasser': Greifswald, welches schlechtes wasser und schlechte luft ... hat Arndt (1892
f.) 1, 56. — kaltes, laues, warmes,
[] heiszes wasser: das sie auch in den kältesten ländern ... sich in kalten wassern zu baden nicht schew getragen haben Micraelius
altes Pommerland 1, 8. kochendes, siedendes, siediges wasser: glider so vom süttigen wasser gebrennt sind Frisius
dict. 82
a; abgekochtes (
gekochtes und wieder abgekühltes) wasser; gesotten wasser,
lixa et aque decocta. voc. inc. teut. g 8
a. Maaler 485
b; abgesotnes wasser Nieremberger. — hartes wasser,
kalkhaltiges, zum waschen und für manche andere zwecke ungeeignetes; gegensatz weiches,
mhd. auch lindeʒ wasser;
bei Zedler 53, 260
daneben rohes
und leichtes wasser; (
man soll) mit linden waʒʒern hende twahen. Spervogel,
minnesangs frühling 420, 12; swâ diu erde ist linde, dâ wirt daʒ waʒʒer swinde unde weich in dem munde. L. v. Regensburg
tochter Syon 3445
Weinhold. bildlich: früher war der streit mit den eltern, gleichsam diese poëtische härte für Lianens nerven, noch eisenwein gewesen, die nachher im weichen wasser der entsagung ... schmolzen J. Paul
Titan 4, 20. —
als bitteres wasser
wird in der älteren sprache unrein schmeckendes wasser bezeichnet, besonders auch das meerwasser, das genauer salziges wasser
genannt wird. im gegensatz hierzu heiszt das geschmacklose, zum trinken geeignete wasser des binnenlandes süszes wasser (
lat. aqua, unda dulcis): fleuszt denn aus der brunn von dem selben ursprunge das súsz wasser und das bitter Mentels
bibel, Jac. 3, 12; da ward das bitter wasser süsze, das sie es trincken kunden
Jud. 5, 13; daʒ ain grôʒ geladen schif in gesalzem waʒʒer ob gêt, daʒ in süeʒem waʒʒer undergieng K. v. Megenberg 101, 20; also kan auch ein brun nicht saltzig und süsze wasser geben
Jac. 3, 12; süsz wasser in das schiff tragen S. Franck
weltbuch (1542) 218
a; pudding, den wir aus muffigem mehl halb mit seewasser, halb mit süszem wasser ... machen muszten Seume 25; doch süszes wasser und guter rath sind oft zu schiffe theuer. Uhland
ged.2 356. süszes wasser, '
binnengewässer'
: ampnis, zote wasser (1417) Diefenbach
nov. gl. 21
a; (
sie) in kurzer zeit in daʒ süsze wasser genant die Magra kamen
Decamerone 94, 16
Keller; (
fische) die sich im süszen wasser enthaltend Frisius
dict. 1313
a; das haff, einige grosze süsze wasser in Pommern und Preuszen Gottsched
sprachkunst (1748) 76.
bildlich von etwas, das seine reinheit bewahrt hat: gelt, wenn so ein musje von, sich da und dort, und dort und hier schon herumbeholfen hat, ... schmekts meinem guten schluker freilich, einmal auf süsz wasser zu graben Schiller 3, 357 (
kab. u. l. 1. 1). saures wasser, '
kohlensäurehaltiges, sauerbrunnen': welche schon so lange zeit eitel wein getrunken haben, wollen iezt durch berg und thal zu dem sauren wasser traben. Grob
dichter. versuchg. 68 (2, 54).
im bergbau wasser mit schwefelsauren salzen, im süddeutschen salzbergbau kochsalzhaltiges wasser im gegensatz zu süszem Veith 554.
vgl. auch E 3. II@A@2@ee)
von den verbindungen mit wasser
im gen. seien hervorgehoben II@A@2@e@aα) ufer, rand, saum, böschung, damm; bauch, bett, grund, boden; fläche, breite, tiefe, höhe; lauf, flusz, strom, flut, gefäll; wuchs, fall; getöse; strahl
u. ä. des wassers: in den schilff am ufer des wassers
2. Mos. 1, 22; ire jungfrawen giengen an dem rande des wassers 2, 5; der bauch (
alveus) oder bett des wassers Meurer
wasserrecht (1663) 31; der bauch oder thal des wassers, darinnen es laufft 38;
fundus, grunt des waters Diefenbach
nov. gl. 186
a; dorumb lond in (
Tell) ufbinden zestund, das wir nit sterbend in wassers grund.
schweiz. schauspiele 3, 31, 364; wie in der wasser stillem grunde der meergott seine göttin hält. Uhland
ged.2 41; wie sich ... eine ruhende fläche der wasser aufhebt. Denis
lieder Sineds (1772) 200, 4; er wird ... die wellen im meer schlahen, das alle tieffe des wassers vertrocken werden
Sacharja 10, 11; sie ...
[] zieht sie mit sich hinab in ihre wohnung, in die tiefe der wasser Fr. Müller
werke (1811) 1, 48; des waʒʒirs hOehi sih gezoh fúnfzehin klaftir hoch uber der hohsten berge joch. R. v. Ems
weltchronik 785
Ehrismann; als er (
gott) der wasser lauf begränzte. J A. Cramer
ged. (1781
ff.) 1, 53; man wehret dem strome des wassers
Hiob 28, 11; ward schnell erdrencket alles land mit desz gar dieffen wassers fluot. v. Schwarzenberg
t. Cicero 100
b; er rehôrte eins dræten waʒʒers val: daʒ het durchbrochen wît ein tal. W. v. Eschenbach
Parzival 602, 9; fóne mánigero wáʒʒero dôʒʒe Notker
psalm 92, 4
Piper; in sich gekehrt bleibt sie vor'm hellen strahl des wassers stehn und scheint zu sinnen. Göthe 11, 30 (
Elpenor 1, 5)
Weim. ausg. II@A@2@e@bβ) ein tropfen, glas wasser(s)
u. ä.: do was nyemant der die edeln frawen mit einem troffen wassers gelabt oder getröst het
Decamerone 92, 9
Keller; so wer zi trincanne gibit einemo fon thesen ministun kelih caltes waʒares
Tatian 44, 27; sie ... mochte nichts als ein glas wasser nehmen S. v. Laroche
frl. von Sternheim 2, 206; ich wollt euch bitten mir eine handvoll wassers aus diesem strome zu holen Schiller 2, 115, 1 (
räuber 3, 2
schausp.). II@A@2@e@gγ) wassers not,
durch das wasser hervorgerufene: ausz wassers not und fewres zwang errettet vor dem undergang. Spreng
Aeneis 18
a. wassers mangel. das ire fische fur wassers mangel stincken, und durst sterben
Jes. 50, 2; dasz sie im dorff wassers mangel hetten
weisth. 2, 235 (
Hunsrück 1664). II@A@2@ff) wasser
als '
gewässer'
erscheint gern in formelhaften, daher meist artikellosen, z. th. allitterirenden zusammen- und gegenüberstellungen; weit überwiegend steht dabei wasser
an erster stelle, von den ältesten belegen an bis jetzt; Luther
bevorzugt in der bibel die umgekehrte stellung, sogar abweichend vom urtext, doch ist er hierin ohne einflusz geblieben. II@A@2@f@aα) wasser und land,
besonders gern bei der schilderung von reisen und kriegen: II@A@2@f@a@11)) er suocht die verren ritterschaft, niht wan durch des grâles kraft streich er waʒʒer unde lant. W. v. Eschenbach
Parzival 479, 23; ir heuchler, die ir land und wasser (
τὴν θάλασσαν καὶ τὴν ξηράν) umbziehet, das ir einen jüdenossen machet
Matth. 23, 15. II@A@2@f@a@22)) auf wasser und land,
vom 14.
bis 17.
jahrh. belegt: daʒ sie daʒ allenthalben in unserm land auf waʒʒer und auf land fren mgen auch an alle zOell und maut
urkunden der kartause Aggsbach 51 (1380)
Fuchs; er hab vil gerayst und geverlikait überstanden awf wasser und lande Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 527; vil kalchs, den die jhenigen, so zuo bauwen haben, auff wasser und land abholen lassen Guler von Weineck
Raetia (1616) 193
a.
selten in anderer reihenfolge: auff land und wasser herrschen Frisius
dict. (1556) 1305; das konnte der furchtsame Erasmus wohl, der immer auf land und wasser zugleich lebte (
zwiespältig war) Herder 9, 481
Suphan. II@A@2@f@a@33)) zu wasser und zu lande,
seit dem 15.
jahrh. belegt und noch jetzt gebräuchlich: da (
vor der stadt) lag er 16 tag vor zu wasser und zu landt Schiltberger
reisebuch 3, 1
Langmantel; krieg ... zu wasser und zu land Stumpf
Schwytzerchronik (1606) 270
a; meine warhafftige ... reisebeschreibung zu wasser und lande Reuter
Schelmuffsky (
vollst. ausg.) 3
neudr.; bald darauf fing Wallenstein an, sich einen generalissimus des kaisers zu wasser und zu lande zu nennen Schiller 8, 129.
in umgekehrter stellung: Antiochus ... belagert die stad zu land und zu wasser 1.
Macc. 15, 14,
vgl. 8, 23. 32; die hülfsquellen ... für den krieg zu lande und zu wasser schienen unermeszlich (
hier wol beeinfluszt von terra marique) Mommsen
röm. gesch. 2, 276;
[] vom morgen bis zum abend steh' ich auf dieser stell', und spähe zu land und wasser. Rückert
ged. 3, 512. II@A@2@f@a@44))
selten in, über, bei wasser und land: Darius sîne boten sande in waʒʒer und in lande. Lamprecht
Alexander 1942
Kinzel; wîser des heres was Hildebrant. über waʒʒer unde über lant riten si alle die naht.
Dietrichs flucht 8684
Martin; so solle sich ... auch meniclich des pirschen und schieszens auf und bei wasser und land, perg und thall ... genzlich enthalten
österr. weisth. 1, 223
anm. 5 (
Rauris 1624). II@A@2@f@bβ) wasser und erde: der wurm lebt geleich in waʒʒer und auf erden K. v. Megenberg 307, 11; dem ... so vyl land (und) leüt uff erden und in wasser gehorsam ist Eberlin 1, 2
neudr.; herrschen sollt du ... über wasser und erde Fr. Müller 1, 42; (
die nacht) spreitet auf erd und wasser herab ihr düsternes haar 1, 79; es sye uf wasser oder uf erden.
N. Manuel 77 (
vom papst 1234)
Bächtold. II@A@2@f@gγ) wasser und feld,
mhd.: er gap in strîtes widergelt, er angt in waʒʒer unde velt ze rossen und in kielen. Ottokar
österr. reimchron. 250
Seemüller; als er mein hertz on alle rast ziucht, wǎ er ist in der welt. ist er uff wasser oder velt, o das mag ich wissen nicht. Hätzlerin 2, 49, 36 (
s. 215); vur der porzen, dair si us und in wandelen, it si zo wasser of zo velde wart
Kölner zunfturkunden 2, 543, 19 (1455)
v. Lösch. wasser und plan: acker, wissen, wasser und plan, die mssent dir werden undertan. Mone
schauspiele 2, 200, 413. II@A@2@f@dδ) wasser und wald: die fürsten twingent mit gewalt velt steine waʒʒer unde walt, dar zuo wilt unde zam. Freidank 76, 6; da hatt man gehört ein gebeth, das die gantze gemeine thet, das erfüllet wasser und wald. Rollenhagen
Froschmeuseler Hh 3
b (II, 4, 2); wa aber uff disen vorgenanten gütern, walt und wasser dem gotzhus dehein schade oder unlust beschähe
weisth. 1, 337 (
Breisgau 1397); voran ging's dann immer im sturm, an wasser und wald, steg und hecken jetzt vorüber Fr. Müller 2, 4. II@A@2@f@eε) wasser und weide (
s. weide B 3 a
und 4),
auch mit weiterer beifügung von wunne: (
die alten störche die jungen) in wasser und weide führen Dannhawer
catechismusmilch 3, 358; dâ vind wir waʒʒer unde weide, daʒ ist uns tiwer ûf dirre heide.
bruder Philipp
marienleben 3136
Rückert; ains mals in düerrem sumer drücknet aus wasser, wunn und waid. H. Sachs
fab. u. schw. 5, 780, 2
Götze-Drescher. besonders in rechtlichen festsetzungen: daʒ waʒʒer und weide des koneges si, und niemannes me, und daʒ man da fone deme konege dienen sal
weisth. 3, 483 (
Wetterau 1303); sie ... weisen ihm zu man und ban, wasser und weyde, zuck und fluck, font und pront 2, 73 (
Taben a. d. Saar 1486),
ähnlich 2, 324; wasser und weyde haben wir von dem himlischen vater czu lehen 2, 492 (
Untermosel vor 1563).
noch im 18.
jahrh.: zweitens haben wir in allen ... waldungen wasser und weid für unser hornviehe
weistümer des kurfürstentums Trier 1, 196, 15 (1784)
Lörsch. verändert: was der junge baur sich gäntzlich zu genieszen hat? saltz, maltz, holtz, wasser in der weide, das honig in der heyde
Wendthagensches bauernrecht (1731)
bei E. Spangenberg
beyträge zu den teutschen rechten 203. '
alicui aqua et igni interdicere'
wird verdeutscht mit wasser und wede vorbiten Trochus M 6
a; wa er ... die auffgelegten buosz zugeben sich widert, so verbannen sy (
die pfaffen) in, verbieten im wasser und weyd, ja alle gmeynschafft der menschen S. Franck
weltb. 129
a; der mus ein auffrhürer sein, dem hawet man die zeune umb, verbeut im wasser und weide und allen gemeinen
[] gebrauch Milich
schrapteufel O 3
a; wuhn, wasser und waid einem verbieten, wird von denen in die acht erklärten genommen, die zu dorff und feld geächtet und verbotten sind
M. Zeiller
episteln 4, 397.
bildlich, übertreibend: die maitresse kostet den ältesten bruder in einem jahr mehr, als seine brüder, so lang sie leben. da ist keine quelle so klein, es graben ihrer zehen darnach, nur dem bruder, der ein cadet ist, ist wasser und weyde aufgesagt
F. C. v. Moser
der herr u. d. diener 40. II@A@2@f@zζ) wasser und gries, wasser und grund,
weidmännisch: sag an weidmann was hat der edle hirsch zwischen wasser und gries (
im flusz) gethan? zwischen wasser und gries hat der edel hirsch gewaschen seine füsz.
altdeutsche wälder 3, 110; da lauft der edel hirsch wasser und grund, mich freut meins buhlen rother mund. da lauft er wasser und griesz, wie gern der edel hirsch heut genesz, wer in liesz. 135. II@A@2@f@hη) wasser und weg: der fuor waʒʒer unde wege, unz wider in des grâles pflege. W. v. Eschenbach
Parzival 826, 23; 'Jêsus von himelrîche' sprach er 'müeʒ unser aller pflegen beide ûf waʒʒer unde ûf wegen'.
Mai und Beaflor 203, 2. II@A@2@f@thθ) zu wasser und zu wagen: dasz ich (
kranke) weder zo wasser noch zo wagen dar zo brengen were gewest Steinhausen
privatbriefe 2, 115 (
Trier 1495); er hat ein schiffgraben ... auffwerffen lassen, damit er auch zu wasser und zu wägen fahren möchte Guler von Weineck
Raetia (1616) 194
a.
ähnlich: auff der achss oder auff dem wasser führen Duez
nomencl. (1652) 62. II@A@2@f@iι) wasser und wind: er gebeut dem winde und dem wasser, und sie sind im gehorsam?
Luc. 8, 25; da widder wind und wasser brausen. Rollenhagen
Froschmeuseler E 2
a (I, 1, 6); dat hövet vei hefft sich verfangen im water und im winde.
besprechungsformel (
Mecklenburg 1689),
zeitschr. f. d. phil. 6, 159; den schieppers un miüllers (
wünsche ich) brov water un wind Bauer-Collitz 194
b; zwischen wind und wasser,
in der ebene des wasserspiegels; schüsse zwischen wind und wasser Röding 6, 920,
veraltet, vgl. Stenzler 368
a. II@A@2@f@kκ) wetter und wasser (
im bergbau): wir wollen unser lehin belegen und dy weyle wir vor wetter und wasser mogen arbetten
urkundenbuch der stadt Freiberg 2, 238, 15 (1482)
Ermisch. II@A@2@f@lλ)
tautologisch woge und wasser: da wir allenthalben beschlossen sind ... mit eytel woge und wasser Dannhawer
catechismusmilch 4, 71. II@A@2@f@mμ) himmel und wasser: oben blau, unten blau, nix als himmel und wasser und wir mittendrein
graf Pocci
komödienbüchlein (1859) 44. II@BB. wasser
als stoff im gebrauch von mensch und thier. wie bei andern stoffbezeichnungen kann auch bei wasser
im mhd. und älteren nhd. und noch jetzt in obd. mundarten der unbestimmte artikel stehen, wenn eine bestimmte menge wassers (
die ein gefäsz füllt)
bezeichnet werden soll: ein waʒʒer iesch der junge man, er twuoc den râm von im sâ
n. W. v. Eschenbach
Parzival 228, 1; sie viel mit der rîchen wât ûf daʒ gras die lenge. sie sprach: 'ein waʒʒer brenge iuwer eineʒ balde mir'. H. v. Freiberg
Tristan 4612
Bernt; die (
flöhe) streifft sie danach alle sampt in ein wasser mit ihrer handt so sie in einem zuber het. Fischart
flöhatz 504
neudr.; die sol man vorusz usz ainem kalten wasser wäschen Mynsinger
von den falken 12. wasser
mit cardinal- oder ordinalzahlen kann nach einander benutzte wassermengen bezeichnen: ein salat in drey und mehr wassern gewaschen,
a tre acque Krämer 1212
b;
eine in Littauen gebräuchliche redensart lautet: er ist das zehnte wasser vom kiszeel (
hafermehlbrei, der mehrmals abgewässert [] wird) '
ein weitläufiger verwandter' Frischbier
preusz. sprichwörter2 277 (
nr. 3980); das erste, zweite wasser
beim tuchscheren s. u. 5 (
vgl. auch oben A 1
b β im salzbergbau). II@B@11) wasser
als getränk, in speisen. II@B@1@aa) wasser trinken; das wasser schlucken,
aquas sorbere Maaler 485
b;
auch unfreiwillig beim baden, ertrinken: Gustel! was fehlt dir (
der aus dem teich gezogenen)? hast wasser eingeschluckt? Lenz 1, 54 (
hofmeister 4, 5)
Tieck. II@B@1@bb) wasser
kann besonders wein und branntwein gegenüber in groszer menge genossen werden, daher die redensart etwas wie wasser (
in menge, hastig) trinken: der ist nicht werth des weines, der ihn wie wasser trinkt! Bodenstedt
lieder des Mirza-Schaffy 18128.
dann auch vom essen: Heintz ... friszt alle bayde augen hinweg wie ein wasser, das das beszte ist an dem kalbszschedel Lindener
Katzipori 153
Lichtenstein. bildlich blut trinken '
blut vergieszen' wie wasser: das zetergeschrey verlassener mütter heult deinen fersen nach, blut saufst du wie wasser Schiller 2, 101 (
räuber 2, 3
schausp.).
in der bibel auch unrechtes trinken '
thun' wie wasser: ein mensch, der ein grewel und schnöde ist, der unrecht seufft wie wasser
Hiob 15, 16; wer ist ein solcher wie Hiob der da spötterey trincket wie wasser? 34, 7.
darnach: sie (
die weltkinder) sauffen die boszheit hinein wie das wasser Abr. a S. Clara
etwas für alle 2, 160; er soff die wollust ein wie wasser Aurbacher
ein volksbüchlein 8. II@B@1@cc) ein trunk, ein schluck wasser(s): gebt mir ein kalten trunck wassers ein. H. Sachs 6, 170, 16
Keller; für mich einen trunk wasser Göthe 8, 12 (
Götz 1)
Weim. ausg. II@B@1@dd) wasser
ist das gewöhnlichste, verbreitetste getränk. II@B@1@d@aα)
es steht besonders in der bibelsprache für trank, wie brot
für speise, wasser und brot (
seltener brot und wasser)
für nahrung überhaupt: dem herrn ewrem gott solt ir dienen, so wird er dein brot und dein wasser segenen
2. Mos. 23, 25; es ist gnug zu diesem leben, wer wasser und brot, kleider und haus hat
Sir. 29, 28; daʒ machte daʒ er im her vür deste willeclîcher bôt sîn waʒʒer unde sîn brôt. Hartm. v. Aue
Iwein 3311; und danktest gott für wasser und für's liebe brod. Schubart
ged. (1825) 2, 271. II@B@1@d@bβ) wasser
ist aber auch das mindeste, geringste, was der mensch als trank braucht (
vgl.C 2
a α),
es ist der trank der darbenden, mäszigen, fastenden, gefangenen: in der not musz man wol wasser lernen trinken, mit kes und prot, milch und haberprei sich behelfen Aventin
kleinere schriften 222, 29; frysch wasser was in (
unsern vorfahren) edel tranck. Gengenbach 2, 59 (
s. 13)
Gödeke; ytz isz ich brey, musz wasser sauffen. H. Sachs 9, 5, 12
Keller. wasser und brot: niwan ich fant gescribendaʒ si den hunger mit chrute vertriben. der da zuo hate prot unt waʒʒer,der ne gerte wirtscefte beʒʒer.
Genesis, fundgruben 2, 24, 40. sol man in behalten in dem torme und wasser und brot geben, untz das er die 10 mark (
strafe) gerichte
Zürcher stadtbücher 1, 31
Zeller-Werdmüller; daheym schmecket eim bidermann wasser und brodt bei seim kind und weib basz dann dauszen gesottens und gebratens
sprichwörter (1548) 37
b. mit wasser und brot: diesen setzet in den kercker, und speiset in mit brot und wasser des trübsals
1. kön. 22, 27; mit wasser und brod der trübsal
Simpl. 1, 389, 10
Kurz; im untersten gewölb seiner thürme mit wasser und brod so lang traktirt zu werden Schiller 2, 38 (
räuber 1, 2
schausp.). zu, in,
jetzt allein üblich bei wasser und brot leben, sitzen
u. ä.: dar ümbe wolt ich drîʒic jâr ze waʒʒer unt ze brôte gerne vasten.
minnesinger 2, 32
b Hagen; der sal eyn half jaire unden in der steide thurne eynen lijgen zo wasser ind zo broide Keutgen
urkunden zur [] städt. verfassungsgesch. 303 (217, 35,
Köln mitte 15.
jahrh.); der fast alle tag zu wasser und brot Luther 10, iii, 349, 9
Weim. ausg.; in wasser und brodt fasten,
jeûner au pain et à l'eau Rondeau; bey wasser und brod (
zur strafe) gespeiset werden Fleming
der vollk. teutsche soldat 133; ein räuberleben ist doch auch besser, als bey wasser und brod im untersten gewölbe der thürme Schiller 2, 47 (
räuber 1, 2
schausp.); ich will vier wochen bey wasser und brod sitzen, wenn sie es nicht war v. Kotzebue
dram. werke (1827) 6, 58. einen bei, auf, zu wasser und brod legen, setzen: dasz er den Orello, schulden halber bey wasser und brod habe setzen lassen
das neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 8, 233; bei wasser und brod ins gefängnisz setzen Schiller 7, 143; einen auf wasser und brot setzen Eiselein 629; er soll vier wochen auf wasser und brod! Fr. L. Schröder
dram. werke 2, 106; schlieszt ihn g'rad, und setzt ihn augenblicklich zu wasser und brot Bäuerle
kom. theater 1, 31. II@B@1@d@gγ) wasser und brot,
als einheitliches gericht, brot in wasser getaucht, brotsuppe: ipa, wasserundprot
voc. theut. nn 2
a; wātər on brūúe.t Leihener 131. II@B@1@ee)
das nüchtern lassende und ernüchternde wasser
steht im gegensatz zu den anregenden, begeisternden, berauschenden getränken, besonders zum wein: die starken wîne gevieln im baʒ danne in der küchen daʒ waʒer. W. v. Eschenbach
Willehalm 276, 9; ihr dauert mich, ihr armen thoren ... sauft wasser, wie das liebe vieh, und meint, es sei crambambuli!
allgem. reichs-commersbuch10 369; denn alle zeit wein oder wasser trincken ist nicht lustig, sondern zu weilen wein, zu weilen wasser trincken, das ist lustig 2.
Macc. 15, 40; wasser macht weise, und fröhlich der wein Hippel 1, 335 (
lebensl. 1).
sprichwörtlich: wer nit wein hat, der muosz sich mit dem bier, oder wasser behelffen Tappius (1545) 210
a; trink wasser wie ein ochs und wein wie ein könig v. Reinsberg-Düringsfeld 2,
nr. 597.
wassertrinken soll die dichterische begeisterung hemmen: bei wasser wird kein feurig lied Philippi
bei Wander 4, 1800; wasser macht magere poeten Frischbier
preusz. sprichwörter2 277 (
nr. 3986); ihr (
der muse der falschen Anakreontiker) ist Lyäus unbekannt: sie sieht so nüchtern aus, als ob sie wasser tränke. doch jauchzt sie, als vom wein enbrannt. Uz
werke 69 (27, 10)
neudr.; vgl.: ich sang vom süszen saft der reben und wasser trank ich oft darzu. Ch.
F. Weisze
scherzh. lieder (1759) 169. II@B@1@ff)
flüssigkeiten, getränke, besonders der wein, werden mit wasser
verdünnt: si söllend ouch kein wasser noch fúlwin in den win tuon, nach dem und die vasz in den keller koment
stadtrecht von Arau 60, 27 (1410)
Merz; von wasser verdirbt der beste wein Eiselein 637; ich main man deht ym (
dem wein) sunst we gnugk mit schwebel und ausz dem milchkrugk, senff, weidasch, eyerclar und thaen, an was man thut mit wasser tzwagen. Folz
von allem hausrat A 4
b Hampe; und läszt er (
Tasso) nicht vielmehr sich wie ein kind von allem reizen was dem gaumen schmeichelt? wann mischt er wasser unter seinen wein? Göthe 10, 222 (
Tasso 2889)
Weim. ausg. einem andern oder sich selbst wasser unter, in den wein mischen Rädlein 1032
a. Nieremberger, schütten Rondeau, gieszen
bedeutet übertragen '
sich mäszigen, die begeisterung dämpfen, die freude verderben'
; in ausgeführtem bilde: wer mich aber aus ursache seines eigendünkels beleidigt, mir, um mich zu hänseln, wasser in meinen wein mischt, darf sich nicht wundern, wenn ich, ohne lange daran zu schlucken, den unreinen trank ihm in das fratzengesicht sprudele v. Thümmel
reise 10 (1805), 260.
ferner: wurden jetzt die Oesterreicher ... zum frieden genötigt, so muszte auch Frankreich wasser in seinen wein gieszen Prutz
preusz. gesch. 3, 123; aber wir sind ebenso schnell berauscht wie verzagt, und ich habe die undankbare aufgabe wasser in den brausenden wein zu gieszen Bismarck
briefe an seine braut u. gattin 572.
[] II@B@1@gg)
von dünnen, unschmackhaften, faden getränken sagt man, sie schmecken wie wasser: der kaffe schmeckt wie pures wasser Rondeau.
bildlich werden daher dichtwerke ohne gehalt und feuer wasser
genannt: ich habe oden von ihm (
Füszli) gelesen, gegen die viele von Klopstocks oden wasser sind Zimmermann
an Herder, aus Herders nachlasz 2, 348; seine kirchenlieder, die nicht wäszricht, sondern ganz wasser sind Voss
briefe 1, 57; Louise las davon (
von den versen) eine halbe strophe. nein, rief sie, das ist wasser, das sind die feuerworte nicht Gutzkow
ritter vom geiste2 5, 184. (
in ähnlichem bilde: wasser in die tinte thun,
gehaltloses schreiben: neuere poeten thun viel wasser in die tinte Göthe 42, ii, 198
Weim. ausg.) II@B@1@hh) das wasser des lebens,
das wort, die offenbarungen gottes (
vgl.A 2
d lebendiges wasser): unde her wisete mir vorgebenes den flum iʒ waʒʒers des lebenes, schinic als die cristalle ... daʒ lamb gotes daʒ ist Crist; der ist des (
ewigen) libes waʒʒer. H. v. Hesler
Apokalypse 22392. 22401
Helm; wen dürstet, der kome, und wer da wil, der neme das wasser des lebens umb sonst
off. Joh. 22, 17.
ähnlich: das wir also lossent alle cisternen, das uns das wasser der waren minne werde in gegossen Tauler
predigten 291, 25
Vetter; got hab lob, der mich auch gefürdt hat zuo den flüssen hailsamer wasser des evangelj, genn Witenberg Eberlin 2, 174
neudr. II@B@1@ii)
das stillen fleischlicher begierde wird in der bibel dem löschen des durstes durch wasser
verglichen: wie ein fuszgenger der durstig ist, lechtzet sie (
das schamlose weib), und trinckt das nehest wasser, das sie krieget
Sir. 26, 15.
wol auf diese stelle bezug nehmend: daʒ die frouwen werdent êren bar, die sich mit minne wellen swechlich gesellen ... daʒ si trinkent waʒʒer oder bier, sô der wîn niht kumt gar schier. Ottokar
österr. reimchronik 11388
Seemüller. auf diesem vergleich beruht auch: die verstolen wasser sind süsze, und das verborgen brot ist niedlich
spr. Sal. 9, 17;
vgl. Freidank 136, 9; verboten waʒʒer beʒʒer sint, den offen win, des hœr' ich jehen, den liuten, die mit sende sint bevangen.
minnesinger 1, 63
b Hagen. leicht verändert: gestolen wasser ist wein
sprichwörter (1548) 107
b; gestolen wasser seind malmasier 5
b.
dafür auch fremdes wasser: so du wirst urdrütz deiner frawen, magstu wol nach andern umbschawen, wann das frembd wasser schmecket wol. H. Sachs 7, 194, 13
Keller; enthalte dich von frembdem wasser Henisch 1211, 7. II@B@1@kk) wasser
wird zum zubereiten der speisen verwendet. im wasser kochen:
lixare, in
vel im wasser syeden
vel kochen Diefenbach
gl. 334
c.
eine speise aus dem wasser essen: ir kint müeʒen eʒʒen ûʒ dem waʒʒer daʒ koch.
Meier Helmbrecht 1240; bars aus dem wasser (
uit het water) essen,
nicht in einer brühe Sicherer
holl.-deutsch 1263
b.
bildlich im folgenden verwandt: ein weib, so jung, so schön und säuberlich, dasz selbst der leckerste der prasser es schmausen möcht' aus salz und wasser. Bürger 90
a. mit wasser zubereiten: ir solts (
das fleisch) nicht roh essen, noch mit wasser gesotten
2. Mos. 12, 9.
im gegensatz zum kochen mit schmalz (
vgl.kochen II 1
c): arme leud' koch'n mid wasser,
entschuldigung bei einfachem essen Hügel 186.
wb. der luxemb. mda. 477.
bildlich: es wird überall mit wasser gekocht Frischbier
preusz. sprichw. 2, 193 (
nr. 2858); ich halte nicht für gefährlich, ihn in unsre karten sehen zu lassen. wir kochen alle mit wasser und das meiste, was geschieht oder geschehen soll, wird gedruckt Bismarck (1864)
bei Keudell 177; andere leute kochen auch mit wasser v. Reinsberg-
[] Düringsfeld 1,
nr. 118. ins wasser legen '
auswässern': gesalzene heringe ins wasser legen
oder wässern Ludwig 2391. II@B@22) wasser
ist das gewöhnlichste reinigungsmittel. II@B@2@aa) wie reinigendes wasser und erfreuender wein D.
F. Strausz
ges. schriften (1877) 3, 14.
es beseitigt allen unrat: so nem den löffel allmal vol, wen du dich gleich dreiffst, es stet wol, das es gleich auf das tischtuch rin, nimpts doch das wasser alles hin. H. Sachs 17, 417, 19
Götze; vgl. 368, 18.
redensart: he is dog sien vader, dat kan kien water af wasken,
er ist und bleibt doch einmal sein vater. brem. wb. 5, 205.
es dient besonders zur reinigung des körpers: sich, einen körpertheil aus, in einem wasser waschen
s.waschen II 1
e; ar förcht si vorn wasser,
von einem unreinlichen Ruckert 194.
in verbindung mit seife: das gelbe ... gesicht sah gerade aus, als seien ihm wasser und seife gänzlich unbekannte dinge Schaumberger
Bergheimer musikantengeschichten5 1, 165. II@B@2@bb)
im orient war es sitte, dem zugewanderten gast wasser
zum füszewaschen, im mittelalterlichen kulturkreis, den gästen vor und nach dem essen wasser
zum händewaschen zu bieten; dies heiszt früher wasser tragen
oder geben; reichen,
das in der übertragenen bedeutung am üblichsten ist, ist in älterer zeit nicht belegt; von seiten der gäste heiszt es wasser nehmen: dô rihte man die tische,daʒ waʒʒer man in truoc.
Nibel. 1835, 3; wann nun das dischthuoch hin ist glegt, und dasz man dar frisch wasser tregt. Scheit
Grobianus 3593
neudr.; der wirt nâch dem eʒʒen sol daʒ waʒʒer geben, daʒ stât wol. Th. v. Zirclaria
der wälsche gast 520; und er solt als rich und edel werden und als mechtig uff diser erden, das ich und die muter sin, der gemahel ich hie bin, wir mstent im dienen und wasser geben. H. v. Bühel
Dyocletianus 9249; ich bin komen in dein haus, du hast mir nicht wasser gegeben, zu meinen füszen
Luc. 7, 44; reiche mir wasser zum händewaschen Nieremberger; die tische wurden geriht, tuoch und brôt dar ûf geleit. nu was daʒ waʒʒer bereit ... die vürsten waʒʒer nâmen. H. v. Freiberg
Tristan 607
Bernt; gieng er bald wieder hinein zu seinen gesten, lies sie wasser nemen und zu tisch sitzen
volksbuch v. Faust 137
neudr. II@B@2@cc)
seit dem 16.
jahrh. häufig belegt und bis heute lebendig ist die redensart einem nicht das wasser reichen,
ursprünglich reichen mögen, können,
nicht einmal wert sein, ihm niedere dienste zu leisten, überhaupt oder auf bestimmtem gebiet tief unter ihm stehn: esz konndt esz ihm keiner thuen nach, reichten im alle dasz wasser niet.
Pyramus-Thisbe-spiele 220, 1777
Schaer. Luther
knüpft im folgenden an das fuszwasser an: was du fur heiliges leben preissen ... kanst, so reichet es dem gemeinen christenleben das wasser nicht, ja es ist nicht werd, des herrn Christi fustuch zu sein 28, 104, 30
Weim. ausg. später denkt man auch an trinkwasser: er sollte einem nicht einen trunk wasser reichen Rondeau; allein unsrer sprache würde selbst ein Johnson zwar wol das wasser aber keinen wein reichen. sie hat dazu einen zu groszen umfang Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 304.
auch bieten, langen: er mag ihm die füsz nicht wäschen, oder das wasser bieten Dentzler
lat.-deutsch 437
b; so doch sollich freveler nit mochten das wasser bieten vylen papisten Eberlin 2, 55
neudr.; weyl aber bey uns gewonhait ist, das bey in ausz anregen der angebornen erbarkait ain schand ist gewesen, mügen wir ihn nicht das wasser bieten S. Franck
trunkenheit C 4
a; es ist doch schade ... dasz ein so verständiger kopf wie ihr seid, einem manne ums brot dienen musz, der euch das wasser nicht bieten kann Hebel
schatzkästlein 138 (
nr. 80)
Behaghel; [] nach dem du doch viel besser bist an schönheit, stercke, muth und prangen? ich könt dir nicht das wasser langen. Waldis
Esopus 2, 70, 12
Kurz; er könde im nit das wasser langen, die schuoch auflösen oder nachtragen S. Franck
sprichw. 2, 59
b.
jetzt noch im nd.: hai langet em 'et wâter nitt Woeste 317. das blosze, kalte wasser: bey ihrer stimme mag kein nachtigal sich gleichen, Arion mag ihr nicht das blosze wasser reichen. Rachel
sat. ged. (1742) 15; er reicht em nid 's chalt wasser Hunziker 288.
selten positiv angewendet (
s. auch oben Klopstock): ob ich ein genie bin ... weisz ich nicht; aber mein sohn ist eins, und meine tochter kann ihm beinahe das wasser reichen Gutzkow
werke (1872 ff.) 5, 97.
auch von dingen und abstracten: was sollen denn wyr auff unsere concilia vertrawen, welche, wenn man sie gegen die helt, die die apostel gehalten haben, yhn nicht das wasser konden reychen? Luther 12, 418, 1
Weim. ausg.; mit meinem versuch werden sie das ding vergleichen; ich halte es gegen die arbeit des alten Törring und bin der meinung, dasz es dieser nicht das wasser reicht Hebbel
briefe 4, 346
Werner; dés raəcht eəm 's kólt wassə' nét Schmeller 2, 1019.
mit präpositionalen zusätzen mit, in, an etwas: alsz wann diser dúrstige theologus der mann were, der es dem Luther mit schänden, lästern und liegen solte können das wasser reichen, will geschweigen, gleich thun C. Andreae
antwort auff desz Heilbrunners keuschen papst (
Ingolst. 1600) 25; in der kunst kan ihm niemand das wasser reichen Ludwig 2391; die geistlichen dichter oder propheten des a. t. ..., denen die heydnischen an erhabenheit der gedanken und ausdrücke nicht das wasser reicheten
das neueste a. d. anmuth. gelehrs. 6, 579; dasz diese prinzessin, für die ihr brennet ... der meinen, hinten auf meinem schimmel, an schönheit nicht das wasser reicht. Wieland 21, 108 (
Gandalin 6, 352). II@B@2@dd)
es dient zum baden; daher zu wasser gehn
auch in der engeren bedeutung '
ins bad gehn': (
wenn) der gesert nach der wundaten sich miszhte, muotwillenclich zuo kilchen oder zuo merit, ze wasser oder ze wine gat
stadtrecht von Bern 1, 54, 18 (1418)
Welti; zuom wasser
stadtrecht von Brugg 128, 25 (1512)
Merz; einem das (
bade-) wasser wärmen '
ihn in ungemach bringen'
s.wärmen 9. II@B@33) kaltes wasser
dient zur erfrischung, zur abkühlung, zum beruhigen der leidenschaften. II@B@3@aa) (
die gesellschaft hat) ir gesichte und hende mit dem külen wasser erfrischet
Decamerone 164, 34
Keller; waʒʒer solt du vor dîneme bette hân: wanne dich dîn manheit wil betwingen, sô solt du in daʒ waʒʒer springen.
Münchener Oswald 3505
Bäsecke; gieszt auf Creuzens kopf kaltes wasser, vielleicht löscht ihr sein talent mit seiner eitelkeit zugleich aus Göthe 45, 19
Weim. ausg. bildlich mit (kaltem) wasser begieszen: vorher steck' deine ungeduld in die scheide; giesz kalt wasser auf deinen zorn
Shakespeare, lust. weiber 2, 2; eim kalt wasser über den kopf schütten,
die meinung sagen Martin-Lienhart 2, 863
b; wie mit (kaltem) wasser begossen werden,
beschämt, ernüchtert, entsetzt werden: es war, als wenn ich mit kaltem wasser begossen würde Wander 4, 1830; Hans Jürgen stand wie einer, der mit wasser begossen ist Alexis
hosen8 206.
ähnlich: da lief das helle blut, und laget am boden ... war mirs nicht, als wenn mir ein kübel eiskalt wasser übern naken sprizte Schiller 2, 143, 7 (
räuber 4, 3
schausp.). II@B@3@bb) wasser
dient als äuszerliches und innerliches heilmittel; das kalte wasser,
die kaltwasserkur: in dem kleinen kurorte, wo ich auf anraten des arztes das 'kalte wasser' gebraucht hatte v. Saar
werke 9, 81
Minor. II@B@3@cc)
pflanzen und blumen wasser geben: ich hab ihm (
dem schilf) frisch wasser geben lassen Bettine
die Günderode (1853) 1, 22.
sie ins wasser stellen, setzen: was fang ich mit der pflanze an, soll ich's ins wasser stellen, damits frisch bleibt? Meisl
theatr. quodlibet (1820
ff.) 2, 119; trage die blumen in mein zimmer, um sie in wasser zu setzen v. Ebner - Eschenbach 4, 143.
[] bildlich: dasz der kaiser Napoleon ... genöthiget worden ist, seine lorbeern in Schlesien ins wasser zu stellen, und noth zu wehren in Sachsen Hebel 3, 374. II@B@44) wasser
löscht das feuer aus (
s. auch A 1
a β): es was gar ein angstlicher brant ... da man aber allenthalben in der stat schrye: 'wasser her, wasser her' Frey
gartenges. 71, 27
Bolte. in vergleich und bild: wie das wasser ein brennend fewr lesscht, also tilget das almosen die sünde
Sir. 3, 33; ir glut ist fewrig ... das auch viel wasser nicht mögen die liebe auslesschen
hohel. 8, 7; ich bemerkte, dasz er trotz seines spöttischen zuges (
dem begeisterten) andächtig zuhörte ... zuweilen konnte er es nicht lassen, ein paar tropfen wasser in die glut zu spritzen Heyse
nov. 1, 151; mit diesem worte hast du wasser zu meiner liebe flammen hingetragen. H. v. Kleist 1, 238 (
Amphitryon 2, 2)
E. Schmidt. II@B@55)
das wasser
findet ausgedehnte verwendung zu technischen zwecken; hervorzuheben ist das erste, zweite
u. s. w. wasser
beim rauhen des tuches, das wasser,
in das es beim ersten, zweiten u. s. w. rauhen getaucht wird; dem rauhen folgt das scheren: einige tuchbereiter haben die gewohnheit, dasz sie nach dem ersten und zweiten wasser mit scharfen, nach dem dritten wasser aber mit stumpfen scheren scheren Jacobsson 1, 95
b; aus dem zweyten wasser oder zur halben wolle rauhen, scheren 1, 96; von einem ausschosz, so aus 3 wässeren bereidet, 2 rthl. Krumbhóltz
die gewerbe der stadt Münster 461 (1619).
ebenso spricht man bei der seifenfabrikation vom ersten, zweiten
u. s. w. wasser Krünitz 152, 580. II@B@66)
das wasser
im cultus. II@B@6@aa)
bei der taufe ist das wasser
das symbol der sittlichen reinigung. II@B@6@a@aα) ther douf uns allen thîhit;thaʒ waʒar theist giwîhit. Otfrid 1, 26, 1; noch sin druo die suln uns urkuonde gebn ob wir gotis kindere sin, daʒ ist der geist und daʒ waʒʒer und daʒ bluot. mit dem waʒʒere ist bezeichint die taufe, mit dem bluote die martere, mit dem geiste die minne Schönbach
altdeutsche predigten 1, 304, 8; es sey denn, das jemand geboren werde, aus dem wasser und geist, so kan er nicht in das reich gottes komen
Joh. 3, 5; er würde sich damit (
mit der taufe) um allen kredit gebracht haben; denn Israel setzt gegenwärtig wieder mehr denn je seinen stolz darein, dem wasser auszuweichen v. Saar
werke 9, 113
Minor. II@B@6@a@bβ)
die stelle in Luthers
catechismus (30, i, 311, 27
Weim. ausg.) wasser thuts freylich nicht (sondern das wort gottes, so mit und bey dem wasser ist)
wird gern scherzhaft angewandt, z. b. aber das wasser thut's hier (
bei der brunnenkur) freylich nicht Bremser
med. parömien 181,
besonders auch beim genusz geistiger getränke. II@B@6@a@gγ)
andere redensarten: de is in unsern water nig döfft,
das ist ein fremder Dähnert 541; dia zwä sen mit'n nämlin wasser getäfft,
haben gleichen wert oder unwert, dar it scho mit'n dracket'n wasser getäfft,
taugt nichts von jugend auf Ruckert 194.
s. auch unter D 1 mit allen wassern getauft,
und vgl. mit Spreewasser getauft,
an der Spree, in Berlin geboren. II@B@6@bb)
das weihwasser der katholischen kirche heiszt gesegnetes, geweihtes wasser: der groszmächtig pfenning kan ouch die entwychten stett on wachskerczen und gesegnetem waszer wider wyhen Steinhöwel
Äsop 349
Österley; er sprengt ihn mit dem weywasser und sagt: auch nemet hin das gsegnet wasser! das wescht euch von den sünden nasser. Ayrer 1762; vom geweihten wasser (
titel) Luther 50, 670, 1
Weim. ausg.; der (
mönch) soll mir schwert und pike tauchen in geweihtes wasser, und einen kräftigen segen drüber sprechen. Schiller 12, 370 (
Wallenst. tod 5, 2).
das wasser weihen: do babst Alexander ... spricht: 'wir weihen das wasser mit saltz besprenget unter dem volck, das alle damit besprenget, geheyliget und gereyniget werden.' Luther 50, 670, 9; ain buchlin, damit man
[] wasser und salz segnet
inventare aus Tirol und Vorarlberg 3, 6 (1479)
Zingerle. II@B@77)
das wasser
wird zu gottesurtheilen verwendet (
s. wasserurtheil
u. Grimm
rechtsalt.4 2, 578
ff.),
heiszes beim kesselfang: daʒ man mit heiszem waszer und heiszeisen schuldig leut erfund. Mich. Beham,
Mones anz. 4, 450.
wurde der angeschuldigte ins wasser
geworfen, so galt ursprünglich der obenschwimmende als schuldig, der untersinkende als unschuldig; später ist aber auch der umgekehrte glaube bezeugt: man ... sall yne werffen in eyn meysche boden von dryen fuder wassers; fellet er tzu grunde, so ist er schuldig
weisth. 1, 500 (
Dreieich 1338); man ... soll ihn in eine meisse büden voll wasser werfen; schwimmt er darüber off dem wasser, so ist er unschuldig 1, 466 (
Lorsch 1423).
auf den alten glauben, dasz der übelthäter nicht untersinken kann, wird aber noch viel später angespielt: wär'n gute leute auf dem schiff gewesen, in grund gesunken wärs mit mann und maus, dem volk kann weder wasser bei noch feuer. Schiller 14, 395 (
Tell 4, 3); was am galgen vertrocknen soll, ersäuft nicht im wasser v. Reinsberg-Düringsfeld 1,
nr. 537. II@B@88)
heiszes wasser
als kampfmittel: die weyber hetten sich mit stainen und hayszem wasser in den hewsern und auf den dechern zuo dem sturm gerust
quellen zur gesch. d. bauernkriegs in Oberschwaben 398
Baumann. II@CC. wasser
in vergleichen, bildern und übertragungen (
soweit sie nicht schon erwähnt sind oder unter den einzelnen redensarten in D
verzeichnet werden). II@C@11)
das wasser
wird gern in vergleichen verwandt, besonders seine menge, die daraus entspringende geringachtung, das zerflieszen, dahinflieszen, das gefahrdrohende. II@C@1@aa) wie wasser '
in groszer menge': wan wir geweinen also vel also waʒʒers ist in dem mer!
spiel von den zehn jungfrauen 118
v. 399; wie wasser flieszen, vergieszen
u. ä. (trinken
s.B 1
b): mein heulen feret er aus wie wasser
Hiob 3, 24; darumb fellet inen ir pöbel zu, und lauffen inen zu mit hauffen, wie wasser
ps. 73, 10; ausz denselben (
bergen) flieszet gold und silber wie wasser P.
F. Procopius
patrociniale (1674) 400.
besonders vom blut: so dasz man siehet flieszen wie wasser menschenblut. P. Gerhardt
bei Fischer - Tümpel 3, 344
a; wie wasser flosz in beiden heeren das blut. Ramler
fabellese 3, 227; sie haben blut vergossen umb Jerusalem her, wie wasser
ps. 79, 3; dasz er ... das blut seiner unterthanen wie wasser vergieszet Ch. Thomasius
kleine teutsche schrifften2 586. II@C@1@bb) wie wasser achten,
für wertlos halten: der Philip, dessen blut, wornach du durstig trachtest, gott für sein eigen schätzt, doch du wie wasser achtest. J. E. Schlegel 4, 33. II@C@1@cc)
neben der menge dient das gefahrdrohende in folgenden bibelstellen als vergleich: dein schrecken drücket mich. sie umbgeben mich teglich wie wasser
ps. 88, 18; es wird in schrecken überfallen, wie wasser
Hiob 27, 20. II@C@1@dd)
das wasser
in vergleichen als bild der vergänglichkeit. II@C@1@d@aα) wie wasser verflieszen
u. ä. '
vergehen': denn eines undanckbarn hoffnung wird wie ein reiffe im winter zugehen, und wie ein unnütz wasser verflieszen
weish. Sal. 16, 29; denn würdestu der mühe vergessen, und so wenig gedencken, als des wassers das fur übergehet
Hiob 11, 16.
besonders, aus der bibelsprache stammend, als bild des menschlichen lebens: das wir all bilger werent, und kein blybende stat hie hetten funden, sunder hinflieszen als das wasser, das nit wider kümpt Keisersberg
bilgersch. (1512) C 1
c; sie (
die menschen) werden zergehen wie wasser, das da hin fleuszt
ps. 58, 8; seele des menschen, wie gleichst du dem wasser! schicksal des menschen, wie gleichst du dem wind! Göthe 2, 57
Weim. ausg. [] vom dahineilen der zeit: die (
ferien-)zeit lief weg wie wasser H. Hesse
diesseits 81; die zyt flüszt als das wasser hyn. Murner
gäuchmatt 1971
Uhl. II@C@1@d@bβ)
auch zur bildlichen umschreibung von '
kraftlos, mutlos': wann das hertz des volckz vorcht sich: und ward gemacht linde zuo der gelichsam des wassers Mentels
bibel, Jos. 7, 5 (weych wie eyn wasser Zainers
bibel, zu wasser Luther); aller knie werden so ungewis stehen, wie wasser
Hes. 7, 17,
vgl. 21, 7. II@C@1@d@gγ)
aus der bibel stammt auch wie wasser ausgieszen, ausschütten: ich bin ausgeschütt wie wasser, alle meine gebeine haben sich zurtrennet
ps. 22, 15.
hierauf geht vielleicht auch als symbolische handlung zurück: ein wasser nam er do von in, uf die erde ers nider gos. er sprach: 'als hie des wassers flos zergat und gahes muos zergan, als muos der gahes ende han der sich von gotte scheidet.' R. v. Ems
weltchronik 17211
Ehrismann. ähnlich: o meine verlorne jugend! ... wie ein glas abgestandenes wasser hab' ich mein leben und den inhalt meines herzens ausgegossen Tieck
novellen (1852) 1, 15. II@C@1@d@dδ)
vergänglich wie schaum, blasen
u. ä. auf dem wasser, wie ein bild im wasser: der könig zu Samarien ist dahin, wie ein schaum auff dem wasser
Hos. 10, 7; (
das leben ist wie) auf dem wasser ein faum Abr. a S. Clara
mercks Wien (1680) 16; es wurde kein gedanke in mir fertig, sie stiegen nur wie blasen aus einem stillen wasser in mir auf H. Hesse
diesseits 98; bist du doch ein bild im wasser, ohne wesen und bestand, wenn du auch dem auge schmeichelst, weichst du doch den händen aus! Platen 88 (
gas. 141). II@C@1@d@eε)
ereignisse, reden laufen an einem wie wasser ab,
machen keinen eindruck: auch da habe ich wieder gesehn, dasz ich für alles zu alt bin, nur fürs wahre nicht. ihre cärimonien, und opern, umgänge und ballette, es fliest wie wasser an einem wachstuch ab Göthe
briefe 8, 118
Weim. ausg.; jeder vorwurf lief wie wasser an ihr ab v. Polenz
werke 7, 232. II@C@1@ee)
geläufige rede flieszt wie wasser, man spricht, liest etwas,
besonders eine fremde sprache, wie wasser: so flosz das gespräch ... wie ein angenehm plätscherndes wasser dahin v. Polenz 3, 123; der legat der war geschäfftig und thet eine statliche oration lateinisch, die da her flosz wie ein wasser, dann er darauff gestudiert hette und mit solchen händeln gewieget war Lindener
Katzip. 73
Lichtenstein; (
ich) bekam einen ordentlichen respect vor ihnen, besonders da ihnen das latein nur so wie wasser vom munde flosz v. Eichendorff
werke (1864) 3, 86; er spricht alle sprachen wie wasser Clauren
schriften (1827) 25, 48; swaʒ vor im die meisterschaft hete an schriften behaft, daʒ las er als ein waʒʒer hin und verstunt der schrifte sin.
Passional 415, 49
Köpke. vom ursprünglichen bilde entfernt sich: in der schule sasz er beständig obenan, denn das spruchbuch und den katechismus lernte er wie's wasser Herm. Kurz
der sonnenwirth 1, 29. II@C@1@ff) einander gleichen, wie zwey tropfen wassers Rondeau; welches bild euch gleicht, wie ein tropfen wasser dem andern Lichtenberg 4, 233; sie sehe der berühmten Montespan wie zwey tropfen wasser gleich Wieland 15, 121; ein wesen völlig wie das meinige, von diesem anstand, seht, und diesem wuchse, zwei tropfen wasser sind nicht ähnlicher. H. v. Kleist 1, 234 (
Amph. 2, 1)
E. Schmidt. II@C@22) wasser
steht bildlich II@C@2@aa)
für '
wertloses, haltloses, nichtiges'. II@C@2@a@aα)
wertloses (
s. auch B 1
g '
fades machwerk'): wüsten die leüt, wie faul und unwillig wir sind zuo kor ..., die leüt geben unss nit wasser dar umb, do mit wir unser hend wüschen Eberlin 1, 93
neudr.; da war ich ein tropf ... zu nichts nütze, das glas wasser nicht werth, das mir gereicht ward Göthe 45, 94
Weim. ausg.; das sie mit ihrem gesindt kaum das wasser darob verdienen
[] Keisersberg
narrenschiff 491
Scheible; er verdient nit emol s wasser üwer s brod Martin-Lienhart 863
b; ar verdiant 's wasser nit zo die supp'n Ruckert 194; er ferdienet nid 's chalt wasser Hunziker 288. Seiler 311; dabei kommts wasser nicht heraus Wander 4, 1824. Tendlau
deutsch-jüd. sprichw. nr. 862; der berühmte Opitz, Tscherning ... seyn nur kalt wasser gegen diesen fürtrefflichen kopf
vertheidig. des löbl. schneider - handwerks von Cosmo Pierio Bohemio (1745) 37; die gemeinen des heeres, deren blut auch wasser nicht ist. Klopstock
Oden 2, 75, 32
Muncker u. Pawel. der begriff des ertraglosen oder geringwertigen zeigt sich auch in zusammensetzungen wie wasserast, -reis, -schosz, -rebe, -pflaume, -biene, -diamant. II@C@2@a@bβ) '
grundloses, haltloses': mein meinung hat ein grund im ewangelio, aber üwer fabel ist wasser und lufft Eberlin 1, 64
neudr.; es hat mir des Granvell secretarius anzeiget, ... der Granvell wollte
d. Capito'n und mich zu sich beruffen; es will aber wasser sein Bucer
an landgraf Philipp 1540,
publikationen aus preusz. staatsarch. 5, 269; die alles wissen wollen, doch nichts wissen: die zwar viel einbildungen, doch dabey nichts als wasser und schaum haben Philander (1650) 2, 180; machen s' ka wasser,
übertreiben sie nicht so stark Hügel 185. II@C@2@a@gγ) zu wasser werden. II@C@2@a@g@11))
in der bibelsprache '
den halt, den mut verlieren' (
vgl. 1
d β): da ward dem volck das hertz verzagt, und ward zu wasser
Jos. 7, 5. II@C@2@a@g@22))
die jetzt herrschende bedeutung '
zu nichte werden, vergehen'
wird an das hinschmelzen des schnees und eises anknüpfen ('
zerschmelzen' Frisius
dict. 468
a. Ludwig 2391): wo ist der schnee, der für hundert jahren fiel? gleich wie der lengst zu wasser worden, ... also seyn auch solche kriegesknechte fast dahin
theatrum diabolorum (1587) 2, 188
d; es wird mir zu wasser wie schnee im märz Wander 4, 1830; unsres lebens gantzes thun ist wie eine schlittenfahrt, eilet immer mit uns fort, bisz es gar zu wasser ward. Logau 2.
taus. zugabe 5 (
s. 409
Eitner).
ähnlich: schneemännern gleichen solcherlei tragödienverfasser; karikaturen sind sie heut und morgen sind sie wasser! Platen 260 (
verh. gabel 2).
doch kommt dieser ursprung wol meist nicht zum bewusztsein, wasser
wird überhaupt als verflieszendes oder als nichtiges, wertloses (
s. auch δ bei Luther wasser und stroh)
aufgefaszt: zu wasser,
id est, zu nichts werden Krämer 1212
b;
oder es geschieht (
wie bei Mathesius
Sarepta 13
a)
anlehnung an ins wasser fallen (
s. b μ),
vgl. die zusammenstellung: alle seine hoffnung war in den brunnen gefallen, oder zu wasser geworden Praetorius
glückstopf (1669) 111;
wenn man jetzt sagt ein ausflug, eine reise wird zu wasser,
so meint man oft '
sie wird durch regen gestört oder vereitelt'.
die anwendung der redensart ist auf bestimmte vorstellungskreise beschränkt; in älterer zeit belegt von geld und gut '
verschwendet werden'.
in einem gleichnis: er wird auch wider arm ... denn weil er zu vil wasser zuschlegt auff sein planherd, so scheuszt das gold über, und verleurt sich, und wird im unter sein henden zu wasser Mathesius
Sarepta (1587) 13
a,
ähnlich 36
b.
ferner: weyl sich mancher nicht mit einer zimlichen narung wil genügen lassen, wird im sein gewonnen gut untern henden zu wasser
historie d. Luthers 437, 28
Lösche; das grosze gut ist endlich zu wasser worden Rondeau.
vereinzelt von behauptungen, angemaszten rechten, die zurückgewiesen werden: also wird sein tropus zu wasser und kan nicht stehen ynn der schrifft Luther 26, 383, 13
Weim. ausg.; alles was sie furgeben, zu wasser wird unter iren henden 28, 332, 18,
vgl. 30, ii, 473, 20.
ganz überwiegend aber von erst zukünftig zu verwirklichendem; im 16.
jahrh. von versprechungen '
nicht gehalten werden': ain slechter mensch wil daʒ seine wort nit zuo wasser werden, ee mueszen himel und erd zergeen dann die wort gots Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey (1852) 82; aber die verheiszung lesst sich ansehen, als wolt sie gar zu wasser werden Luther 16, 3, 34
Weim. ausg.; himel und erden müssen eh brechen, ehe ein tittel oder buochstab darvon felt und zuo wasser wurd
[] S. Franck
laster der trunkenh. (1531) B 2
a.
am häufigsten und jetzt allein üblich von anschlägen, plänen, vorsätzen, wünschen, hoffnungen, aussichten: welche reise ich auch den 26. april angieng, aber mein vornehmen wurde zu wasser Andersen
orient. reiseb. (1669) 177; meine guten absichten mit ihr (
der tochter) wurden mir zu wasser K. G. Lessing
die mätresse 80, 2 (4, 10)
neudr.; alle drey beschützten ihn so, dasz alle anfechtungen immer zu wasser wurden Göthe 46, 279
Weim. ausg.; eine andere aussicht, von der ich ihnen schrieb, ist abermals zu wasser geworden Hebbel
briefe 2, 22
Werner; dasz seine letzte hoffnung, ein geschlecht zu gründen, zu wasser werde G. Keller 5, 79.
hierher auch: der mond musz darbey seyn, wenn wir die comoedi spielen, sonst wird das ding zu wasser: das ist die comoedi wird zu nichte Gryphius 1, 723 (
P. Squenz 1). zu wasser sein: da war ... all ihr rath und anschleg zu wasser S. Franck
sprichw. 1, 81
b; unsere freude ist zu wasser Göthe
briefe 5, 37
Weim. ausg. II@C@2@a@dδ)
entsprechend zu wasser machen,
vorhandenes zu nichte machen, geplantes vereiteln; einem sein gut zu wasser oder zu nicht machen B. Faber
thesaurus (1587) 568
b: es werde dadurch (
durch die münzverringerung) ... denen wittwen und wäisen, so etwas auff zinsz liegen haben, das ihrige zu wasser gemachet Andr. Lampius
von den kippern und wippern vorrede; ihr eignes vermögen ist gar nicht beträchtlich; durch ein wenig eigennützige rechnungen können es ihr die vormünder völlig zu wasser machen Lessing 1, 585 (
Minna v. Barnh. 5, 3); fein mäszig wie ein weiser zehr und sey nicht ein vergessner prassr, der seine güter macht zu wassr. Ringwald
laut. warh. (1598) 103.
macht und recht: qui abstulit morti vim und hat zw wasser und stro gemacht Luther 34, i, 491, 16
Weim. ausg. aussagen, versprechungen: sollen die richter sich wol fursehen, damit sie behutsam seyn in ihren worten, und gerecht in sententiren. denn sonst machet er seine eigene wort zu wasser, und anderer leut recht machet er krum Albertinus
fürstl. lustgarten (1619) 3, 24; (
die Trojaner haben) ihr eigne bündtnusz nit betracht, zu wasser ihre wort gemacht. Spreng
Ilias (1610) 42
b.
hoffnungen, pläne u. ä.: damit ... der teuffel uns nicht diesen unsern höchsten trost umbstoszen, und zu wasser machen möge D. Schaller
theologischer heroldt (1610) 178; also hat sie mir auch alle meine deszhalben geschöpffte hoffnungen zu nichte und wasser gemacht
junker Harnisch 231; ich hätte dann zuvor ihren anschlag zu wasser gemacht
Simplic. schriften 3, 365, 31 (
vogelnest 1, 12)
Kurz; du böses weib! du willst mir auch meinen (
erwarteten) recompenz zu wasser machen Lessing 2, 390 (
alte jungfer 1, 1); eine verwickelte geschichte ... wird wahrscheinlich für dieses jahr meine amerikanische reise zu wasser machen
fürst Pückler
briefw. u. tageb. 6, 4. II@C@2@bb)
wegen der gefahr des untergangs, des ertrinkens, die dem menschen im wasser droht, wird wasser
häufig bildlich für not, gefahr, trübsal, abgeschwächt verlegenheit, mühe gebraucht; der ursprung einiger wendungen kann auf die bibelsprache zurückgeführt werden. II@C@2@b@aα) tu wir daʒ, sone muogen uns winde noch waʒʒer bewegin. die waʒʒer daʒ sin die muosal und anvechtunge. die der gerechte und der gute mensche lidet von bosin luoten Schönbach
altdeutsche predigten 1, 328, 2,
ähnlich 339, 21; ynn allen dissen zustuormenden wasser der anfechtunge bistu mein fels, darauff ich stehe, das sie mich nicht erseuffen und verschlinden Luther 18, 489, 2
Weim. ausg.; zu gott rief ich in meiner noth, als grosze wasser mich umgaben, und keine hand mir hülfe both. Uz
werke 186 (83, 7)
neudr. II@C@2@b@bβ) das wasser,
die not, die gefahr, geht, kommt II@C@2@b@b@11)) bis zu einem, bis zum leben, zur seele: wasser umbgaben mich bis an mein leben
Jona 2, 6; gott hilf mir, denn das wasser gehet mir bis an die seele
ps. 69, 2.
in dieser form wird es im pathos von neueren schriftstellern gern verwendet: wenn ich nicht mit gewiszheit wüszte,
[] dasz der friede gemacht und der könig schon auf dem trocknen wäre; wenn ich sähe, dasz ihm das wasser schon an die seele gienge, und dasz er schon anfangen wollte, zu sinken Engel
der dankbare sohn (1771) 26; dazu kam nun noch die nachricht, sie seye bei
M. in den Rhein gesprungen, und ertrunken. jetzt ging dem Hannes das wasser an die seele, jetzt drang die reue ... in sein herz Jung-Stilling 12, 431; wenn die noth an mann geht, wenn euch das wasser an die seele geht, ihr werdet alle schäze der welt um ein christliches seufzerlein geben Schiller 2, 188, 1 (
räuber 5, 1
schausp.). II@C@2@b@b@22))
anschaulicher wird die höchste not, die gröszte zwangslage bezeichnet durch die jetzt noch der volkssprache eigene wendung einem geht, läuft das wasser in den mund, ins maul,
schwächer bis an den mund: er stund in höchster not gantz tieff, das wasser im zum maul einlieff. Eyering 1, 349; sô man in dâ von prediget, sô winket einer ûf den andern ... unde trîbent alsô ir gespötte, als jene in der alten ê, unz in daʒ waʒʒer in den munt gêt Berthold v. Regensburg 1, 82
Pfeiffer; mein meinung ist man solle bemelten grafen von Solm kein perdon geben ... wenn er die gnadt gesucht hatt wie ihm das wasser ins maul gerunnen undt sich nicht lenger hatt halten mügen Wallenstein
briefe 66 (
nr. 119) (
regesten der mährischen archive I, 1
beilage); das wasser gienge der deutschen freyheit in mund v. Lohenstein
Arminius 1, 23
b; das wasser laufft ihm ins maul,
angustia premitur Dentzler 242
b; er rührt si' ned ender, als bis ihm 's wasser in's maul lauft Hügel 186; dise seind sein (
gottes), den wirdt er lassen das wasser bisz an das maul gehen, als dann aber sein arm der erlOesung wider auszstrecken, dasz er sie ausz der tieffe errette Fischart
discours (1589) E 1
b; das wasser gehet ihn bis an das maul Frisch 2, 425
b; von einer frommen muhme ... deren fürsprache im himmel sie, wenn das wasser des elends ihr bis an den mund stieg, mit nutzen anzurufen pflegte C.
F. Meyer
könig und heiliger 23.
sprichwörtlich: wann eim das wasser ins maul geht, so wirt er wol lernen schwimmen
sprichwörter (1548) 95
b,
vgl. Luther
tischr. 333
b; dem das wasser in mundt geht, musz schwimmen lehrnen oder ertrincken Kirchhof
wendunm. 1, 130
Österley; ich weisz wohl mein kind, dasz ich wider gott ... thue, indem ich auf solche gedancken gerathe, aber der, dem das wasser bisz an die lippen laufft, musz lernen schwimmen A. Gryphius 1, 767 (
Horrib. 1).
anders gewendet: einem das wasser ins maul richten,
adducere in summas angustias Dentzler 342
b. II@C@2@b@b@33))
seit dem 17.
jahrh. ist belegt und noch jetzt üblich das wasser geht einem (bis) an den hals, die kehle, den kragen: wem das wasser an den halsz gehet, der musz lernen schwimmen Corvinus
fons latin. (1646) 643; so könnte ich mich jetzt nicht mit staats-, privatrecht
etc. abgeben, und zu solchen sachen musz mir das wasser bis an den hals gehen, ehe ich sie angreife J. Grimm
an W. Grimm, briefwechsel 58; sie wird noch lang vergeblich auf einen käufer (
des häuschens) warten, und das wasser geht ihr an den hals Herm. Kurz
der sonnenwirth 2, 53; wann einmahl ein armer es versiehet ..., dem gehet das wasser flugs an die kehle A. Ch. Fabritius
verbessertes kippe die wippe (1688) B 4
b; jede schuldmahnung, und was es verdrieszliches gab, ging ausschlieszlich an sie. da stieg ihr wohl mitunter das wasser an die kehle Mörike
erzählungen2 325; für fünf thaler hätte ich's (
den verrat) schon heut morgen gethan und sein leben musz der mensch retten und wenn einem das wasser bis an den kragen geht, so schreit die creatur Immermann
Münchh.2 3, 178; deam gat's wasser scho' bis an kraga (
in Ulm)
zeitschr.f. d. mda. 1907, 284.
dasselbe meint uns steht halt's wasser bis hierum, Wittig G. Hauptmann
die weber (1892) 3, 61. II@C@2@b@b@44))
auch das wasser geht über die seele, über einen, schlägt über dem kopfe zusammen: wo der herr nicht bey uns were ... gingen wasser allzu hoch, über unser seele
ps. 124, 5; es sind eben zu viele wässer die zeit her über mich gegangen Görres
briefe 3, 312;
[] wyr wern als die eyn flut erseufft und über die gros wasser leufft und mit gewallt verschwemmet. Luther
in Wackernagels kirchenlied 3, 17; wo es aber naus wil und was für ein end darnach folgen, wird die welt nicht ehr erkennen, bis in das wasser über dem kopff zusam schlecht Musculus
hosenteuffel 8
neudr. II@C@2@b@b@55))
die redensart das wasser geht über die körbe
ist besonders bei md. und nordd. schriftstellern belegt (
die älteren hd. wörterbücher haben sie nicht);
die körbe
bedeuten ursprünglich flechtwerk, faschinen zum uferschutz (
s. th. 5, 1804. 2796. 2322),
vgl. auch korb '
rechtwinkliger einbau in den strom' Benzler 241, stramkorb
codex Augusteus 2, 719 (1568).
deutlich weist hierauf: das wasser stiesz an allen enden zusamen, über seine lenden ... ja da er kein land kont mehr sehen, unds wasser übr die körb wolt gehen. Rollenhagen
Froschmeuseler Ll 8
a (2, 6, 5).
es ist aber auch vermischung mit nd. korve '
das untere gekrümmte stück der kahnrippen'
eingetreten (
s. auch Thiele
Luthers sprichwörtersammlung 258): als't water over de korven gaet, so sall men't schipp osen (
ostfries.) Wander 4, 1799;
bei den vereinzelten alem.-schwäb. belegen (Keisersberg
s. th. 5, 1804, Birlinger
s. unten und bei Fischer 4, 630)
könnte an schweiz. gürbe
n, görbe
n '
schiffsrippe'
idiot. 2, 415
gedacht werden, doch ist die redensart in der mundart nicht üblich. auch auf das flechtwerk eines korbwagens ist korb
bezogen worden: zu Luther 29, 370, 32
Weim. ausg. es ist dem fleisch eyn schlechte frewde, wen das wasser über die korbe gehet
hat die Nürnberger hs. Rörers wenn der wagen schon in aqua schwimt.
den th. 5, 1804
gegebenen belegen seien hinzugefügt: nun hett er (
der gefangene) wol sorg, dasz das wasser über die körb gehen und seiner gansz den kragen kosten würde, darumb gedachte er es auff gerahtwol zuo wagen Kirchhof
wendunmuth 1, 129
Österley; wie nun die sach am höchsten stuend ..., dasz man vermeint das waszer wurd über die körb gen
chronik v. 1634
bei Birlinger 426
b.
vereinzelt noch in wörterbüchern des 18.
jahrh.: das wasser will uns über die körbe gehen Nieremberger. II@C@2@b@gγ) im, unter wasser sein: ich bin im tieffen wasser, und die flut wil mich erseuffen
ps. 69, 3; du stehest eben so weit im wasser als wir. freilich bin ich der verzweiflung eben so nah v. Petrasch
lustspiele (1765) 2, 204; in wssa sein,
verlieren beim spiel, auch unglücklich sein Castelli 264; ihr wiszt nicht, lieber junger prinz, wie tief ihr im wasser steht, wie euch von allen seiten betrug umlauert. Schiller 13, 417 (
Tur. 3, 4). er ist unter wasser,
in einer bedrängten lage Wander 4, 1828; hij is onder water '
betrunken' Lüpkes 57, 322. II@C@2@b@dδ) am wasser gehn '
dem untergang nahe sein': seit die litterarfabriken unsern schönheitssinn erquicken, feiern dichter und verfasser; denn ihr handwerk geht am wasser. Leuthold
gedichte4 65. II@C@2@b@eε) ins wasser gehn: 'r geaht nit gärn tieaf in's wasser,
er liebt die gründlichkeit nicht Sartorius 185.
als bild für '
gefahr'
ist wasser
wol auch aufzufassen in der redensart ins wasser gehen '
von mädchen und weibern gesagt, die ein unkeusches leben führen' Kindleben 212
neudr. (
vgl. in den bach treten
th. 1, 1060): ein gutes mädchen, das mit ihrem liebhaber zu tief in das wasser gegangen, und gefahr läuft, von ihm verlassen zu werden Lessing 7, 319; Najaden, göttinnen, welche in's wasser gehen Vollmann
burschic. wb. 335; sie geht ins wasser bis über die ohren, wie der marder in den taubenkobel Wander 4, 1832. 1826;
ferner verzeichnet wb. der luxemb. mda. 476. Spiesz 276. Bauer-Collitz 112
a. Schütze 4, 343. II@C@2@b@zζ) ins wasser stürzen, legen: nu aber bistu vom meer in die rechte tieffe wasser gestürtzt
Hes. 27, 34; er ist ins wasser gelegt,
unwirksam gemacht, auszer thätigkeit gesetzt Wander 4, 1830. II@C@2@b@hη)
in zu wasser reiten
ist wasser
zwar zunächst '
tränke, schwemme',
der sinn der redensart verschiebt sich aber [] von '
vollständig unterjochen, gefügig machen'
zu '
ins verderben bringen': so hat den einwonenden Sachsen der fürwurff auch wehe gethan, den sie teglich von den Schwaben hören musten, als weren sie dennoch noch herrn im lande, und wolten sie recht zu wasser reiten Cyr. Spangenberg
mansfeldische chronica 1, 62
a; vor dich will ich kempffen und streitn, die gegenpart zu wasser reitn. Gilhusius
grammatica (1597) 112.
auch zu, ins wasser führen: dasz er (
der trunkene) anhebt ein grosz geschrey, zu disputieren mancherley, und wil mit groszem jubilirn ein jederman zu wasser führn. Ringwald
laut. warh. (1598) 71; wer einen andern wil in das wasser reiten, mag wol zusehen, dasz er nicht selbst von demselben darin geführt werde Zinkgref
bei Wander 4, 1821; als künftiger oberherr deiner güter muszt du wenigstens eben so tief sehen, als deine beamten, und nicht als blinder an ihrer hand tappen, oder dich gar von ihnen ins wasser führen lassen Schlez
gesch. des dörfleins Traubenheim (1792) 2, 402.
auch dän. ride, trackke en til (
älter i) vand
nach Falk-Torp 2, 425,
causativ zu gaa i vandet '
schlecht davon kommen'.
dem zur tränke reiten war ein alter brauch bei trinkgelagen nachgebildet: einen zu wasser reiten, das ist: man setzt einem fern eine schale mit trincken, so musz sich derjenig, der trincken sol, auff hende und kny niderlegen, und einer, der ime zugetruncken hat, sytzt ime aufm ruggen, den musz er tragen und so hinkrichen, bis das er zur schale khumpt, und musz so niddergekniet die schale austrincken, und der ander sytzt oben ime, als der ein pferd zu wasser reitet Kantzow
chronik v. Pommern (
letzte bearb.) 305
Gäbel. die bezeichnung zu wasser reiten
blieb in der studentensprache für '
unter den tisch saufen' Vollmann
burschic. wb. 496. II@C@2@b@thθ)
eruar ... de profundo aquarum, lôse mih ... fóne déro wáʒʒero tiêffi Notker
ps. 68, 15
Piper; er ... zoch mich aus groszen wassern. er errettet mich von meinen starcken feinden Luther
ps. 18, 17; was draus entstehen kann, das mag daraus entstehen! ... im fall der noth (erwiedert Scherasmin) musz doch zuletzt der zwerg uns aus dem wasser ziehn. Wieland 22, 79 (
Oberon 4); jetzt bin ich (
der agent) aus dem wasser: ich gründe eine epochale versicherung
jugend 1915
nr. 50
s. 974
b; wër bafen water kamen oder wesen,
nicht mehr in gefahr sein, wieder emporkommen ten Doornkaat Koolman 3, 521
a. II@C@2@b@iι) einen über wasser halten,
verhindern, dasz er innerlich oder in seinen äuszern verhältnissen völlig in verfall gerät; in ausgeführten bildern: so viel tau, wie mir meine pflicht in der hand läszt, werde ich anwenden, ihn über wasser zu halten Bode
Montaigne 5, 11; die erinnerung an Roszbach und Leuthen war die letzte sittliche kraft, welche das lecke schiff der deutschen monarchie noch über dem wasser hielt Treitschke
d. gesch.3 3, 86.
ferner: die bürgschaft eines angesehenen und seiner worte sicheren mannes ... welcher im stande war diejenigen über dem wasser zu halten, die sich seinem rate anvertrauten G. Keller 1, 229.
häufig reflexiv: erhalten sie mir neigung und theilnahme, und so will ich mich auch wohl über wasser halten Göthe
briefe 29, 156
Weim. ausg.; so finde ich mich darein, ... mich durch privatarbeit über dem wasser zu halten J. Grimm
an Gervinus, briefwechsel 2, 31.
hierfür auch den kopf, den mund über wasser halten: der lieutenant ... forderte ihn (
den traurigen) nochmals auf, den kopf über dem wasser zu halten Raabe
hungerpastor (1864) 1, 245; altied de kop boven water hollen Lüpkes 22, 271; he het altied de mund boven water 22, 269. II@C@2@b@kκ)
als '
überschwemmung',
bildlich für '
unglück',
ist wol wasser
im folgenden zu nehmen: nicht gestatten, das sie (
die frau) ... mit einem jtzlichen ein geschwetz halte und des landes noth das ihr nicht befolhen ist bestelle, auch nicht einem jdern wie mann sagt wasser für die thür verkünde Spangenberg
ehespiegel (1544) D 7
a. II@C@2@b@lλ)
verstärkt wasser und feuer '
gefahren aller art': du hast menschen lassen über unser heubt faren, wir sind
[] in fewr und wasser komen
ps. 66, 12. durch feuer und wasser gehn, lauffen, schicken,
im ersten beleg noch im eigentlichen sinne: die edeln hunde die daʒ wilde gespúret habent, die gont durch fúr, durch wasser, durch spies, durch sper Tauler
predigten 82, 8
Vetter; dem cholerico gäbe ich forderist alles, wo gefahr auf dem verzug hafftet und etwas durchzusetzen ist, denn er scheut keine arbeit und geht durch wasser und feuer
F. C. v. Moser
der herr u. der diener 179; unser eins liefe ja gern durchs feuer und wasser für so ein liebreiches herz
Shakespeare, lust. weiber 3, 4; wenn ich sie (
die geldkiste) finde, vielgeliebte, gehst du durch? durch feur und wasser geh' ich, wie Pamina that, und lasse meinem gatten hier die kinderchen. Platen 255 (
verh. gabel 2); was sollten andre thun, die ihn genau gekannt? ... sie flogen, wenn er sie durch feur und wasser schickte. Neukirch
ged. (1744) d 5
b; 'traust dich etwa nicht?' mit diesen worten konnte man Zens ins wasser und feuer treiben W. Fischer
die freude am licht12 1, 106. II@C@2@b@mμ)
von dingen und von geistigem sagt man ins wasser fallen '
verloren gehn, vereitelt werden',
also fast wie '
zu wasser werden': das ist ins wasser gefallen (geworfen),
das ist verloren, unrichtig angelegt, angewandt Wander 4, 1824; die fräd it zo wasser worn'n,
auch nei'n wasser g'fall'n Ruckert 194; nun war das frühstück mit samt dem ganzen schönen plane ins wasser gefallen v. Polenz
der Grabenhäger 2, 200. sein geld ins wasser werfen,
es unnütz vergeuden. II@C@33) wasser
übertragen '
wasserheller oder wellenförmiger schimmer'. II@C@3@aa) wasser
als wasserheller glanz der perlen und der edelsteine, besonders diamanten, ist seit dem 16.
jahrh. belegt: ein heyter schön pärle, das hüpsch wasser hat, ... das nit treüblächt ist Frisius (1556) 492
a; waeter,
color margaritarum et adamantum Kilian 648
a; perlen, demanten, so ein schön wasser (
water) haben Ludwig 2393; die perle, der diamant ist schön von wasser Kramer
holl.-dtsch. 504
c; die orientalischen (
perlen) spielen mit einem leibfarbenen .. glantze, welchen man das wasser nennet
öcon. u. phys. lex. (1750
ff.) 7, 532; man weisz nicht, ob man die grösze der steine, ihre gleichheit, ihr wasser ... am meisten bewundern soll Göthe 17, 145 (
grosz-cophta 2, 2)
Weim. ausg.; ich schaue durch deine seele, wie durch das klare wasser dieses brillanten Schiller 3, 370 (
kab. u. liebe 1, 4); weltauge, eine eigenthümliche verietät des opals, welche ihr wasser verloren und hierdurch undurchsichtig geworden Karmarsch-Heeren
3 4, 456.
die durchsichtigkeit wird durch rein, reinstes
hervorgehoben: ein schöner ring, auf ehre! reines wasser Klinger
werke (1809
ff.) 1, 118 (
falsche spieler 2, 2); sieht sie ... mit den diamanten vom reinsten wasser nicht aus wie ein märchen? Immermann
Münchh.2 4, 157.
daneben erstes wasser
bei vollkommen durchsichtigen, zweites
und drittes
bei geringeren steinen Lueger 3, 534.
bildlich und übertragen vom ersten, von reinstem wasser '
von bester, ausgeprägtester art': wir können, wie juweliere ihre edelsteine, so mehre unserer poetischen edelsteine nach ihrem hellen weiszen wasser schätzen und ausbieten. wir besitzen dichter vom ersten wasser, vom zweiten, vom dritten J. Paul
fibel 90; er ist ein schauspieler vom ersten wasser v. Gaudy
werke (1844) 16, 104; menschen, welche im guten und im schlechten das metier ihres daseins und ihrer neigungen vollständig und charakteristisch betreiben, und dabei durchsichtig wie krystall, jeder vom reinsten wasser in seiner art G. Keller 4, 47.
häufig, jetzt am üblichsten, zur hervorhebung der politischen richtung, nach Ladendorf 50
seit 1848: gab es natürlicher weise demokraten verschiedenster farbe und vom reinen bis zum unreinsten wasser Arndt
pro populo germanico (1854) 136; diese drei ... waren republikaner vom reinsten wasser Gotthelf 9, 109; er war ein tory reinsten wassers Laube
schriften (1875
ff.) 1, 340.
dann auch: ich gelte für einen mann vom konservativsten wasser Gutzkow
ritter vom geiste2 3, 259.
selten von dingen und handlungen: ich hätte dem schlaftrunknen kellnerkameel eine ohrfeige vom reinsten wasser gesteckt Spindler
schriften n. f. 19, 106.
[] II@C@3@bb)
in bogen gelegtes, wellenförmiges wird mit dem wasser
verglichen: frangere comam in gradus, das haar krausz machen, oder krümben wie ein wasser Frisius
diction. (1556) 253
b. das wasser,
auch pl. die wasser, wässer
übertragen von schimmernder wellenförmiger zeichnung II@C@3@b@aα)
auf klingen: ire klingen haben fast zuo bayden seyten subtile kleine wasser, seind am zeüg gar guot, hart Rauwolf
raisz (1582) 66; (
Damaszener klingen, die) aus mechanisch zusammen vereinigtem eisen und stahl bestehen, und dadurch auf ihrer fläche das wellenförmige ansehen (das wasser) erhalten Hoyer
wb. der artillerie 2, 2, 176; eine unregelmäszige damastzeichnung, die man mit dem ausdruck wasser bezeichnet, weil die glänzenderen, härteren partien wie verschwimmende wassertropfen aus der weicheren dunkleren grundmasse hervorschimmern
gesch. der technischen künste hg. v. Bucher 3, 6. II@C@3@b@bβ)
glänzende wellige streifen in oder auf zeugen, eingewebt oder aufgepreszt (
s.gewässert 3
b th. 4, i, 5377, wasserstrich): die wässer in einem seiden- oder andern zeug,
le onde Krämer 1212
a; wasser
im taffet, mohr, les ondes, l'eau Rondeau. Ludovici 5, 662. Kronthal
lex. der techn. künste 2, 987
b.
im pelzhandel heiszt die durch die oberen konturhaare durchschimmernde grundfarbe des zobelpelzes wasser
deutsche revue 9, i, 245: leider fehlt ihm (
dem marderfell) der glanz, das 'wasser', und die seidige weichheit des zobelfelles
Leipz. neu. nachrichten 4. 12. 1909. II@DD.
auswahl aus den sehr zahlreichen redensarten und sprichwörtern (
s. Wander 4, 1799—1834, Lüpkes 21, 268
ff.),
soweit sie nicht schon erwähnt sind. II@D@11)
redensarten: ade, o tausend-schätzgen ... ich bleibe ihr knecht, so lange das wasser nasz ist Riemer
polit. maulaffe (1679) 9; so lang 's wasser rinnt und 's feuer brinnt, werd'n sich junge leut lieb haben (
steirisch) Wander 4, 1812. — indesz wird viel wassers verlaufen, und wird aus nachtsfrist jahrfrist werden Luther
briefe 5, 249
de Wette; es wird noch viel wasser verlaufen, ehe das geschieht Rondeau; es wird noch viel wasser dem berg hinab lauffen Rädlein 1032
a; wer weisz wer zehen jahr mag leben, in dem viel wassers abhin rinnt. Wolgemut
Esopus (1623) 2, 472.
verörtlicht: bisz nun die sache erörtert würde, könte viel wasser den Rhein hinunter lauffen
Simpl. 1, 344, 8
Kurz; es wird noch viel wasser den Mayn hinablaufen Schellhorn 57; bis dahin musz noch viel wasser durch die Oder laufen Holtei
Chr. Lammfell 3, 38; eh' wir alten uns zu 'was neuem bequemen ..., da kann mitunter viel wasser die Spree 'runterflieszen Fontane
frau Jenny Treibel 311.
anders gewendet: darumb fahren e.
f. g. fort und lassen entweder den bischof zu Rigen vom capitel erwählen und bestättigen, oder unter dem namen des bischofs ein ewiger electus ... seyn, bis das wasser verflieszt (
bis mit der zeit andere umstände eintreten) Luther
briefe 5, 309
de Wette. auf die vergangenheit angewandt: manch wasser ist geflossen seitdem herab vom berge. Arndt
ged. (1860) 178. — e di natur eitel lid, e prech ain erein hafen von geprechen ains linsen kornes ...; e geng daʒ waʒʒer ze perge K. v. Megenberg
deutsche sphaera 10, 2
Matthaei; wann das wasser bergan lauft! Fischart
bei Eiselein 629. — ich wolt, das sie (
die zechpreller) weren da alle wasser zuosamen kumen (
im meere), het ich mein kost bezalt
Eulenspiegel 112
neudr. — wie man dem wasser nicht raum lassen sol, also sol man dem weibe seinen willen nicht lassen
Sir. 25, 33. dem wasser den
oder seinen lauf lassen,
etwas, besonders schwer oder nicht zu änderndes ruhig geschehen lassen, nichts dagegen thun: wie ich mich dann verschryben han, uff das mal ich nit wyter kan, muosz recht dem wasser sin louff lan.
Daniel (
Bern 1545) P 3
b; ain furst oder ain gmain hat gwalt ain sollichen myssbruch abstellen, wil es nit zu gon durch ain öberkait oder gmain, sol man dem wasser sein flusz lenger lassen, und kain sonder unfrid anfahen Eberlin 1, 185
neudr.; man musz das wasser laufen lassen,
il faut laisser aller Rondeau; lasz das wasser flieszen, wo es geflossen ist.
[] lasz dem wasser den lauf und dem narren den gang Wander 4, 1809.
ähnlich: das wasser musz seinen lauf han S. Franck
bei Wander 4, 1802. —
die redensart lasz gottes wasser über gottes land laufen
ist wol zunächst einem in den mund gelegt, der bei überschwemmung keine lust zu künstlicher entwässerung zeigt; J. A. Fabricius
hydrotheologie 102
nr. 65
erklärt '
dominus providebit',
also '
stell es gott anheim'.
allgemeiner '
lasz die dafür sorgen, die es angeht, lasz es gehen wie's geht': lasz gots wasser über gots land lauffen (
zu: das wöllen wir den gelerten befelhen,
curabit praelia Conon)
sprichwörter (1548) 45
b.
noch jetzt mundartlich, lothr. godes wasser iwer godes land lâfen lossen '
sich um nichts kümmern' Follmann 532,
ähnlich wb. der luxemb. mda. 477;
auch ndl. gods water over gods akker laten lopen Sicherer
holl.-deutsch 1263
c. —
die redensart etwas ist wasser auf jemandes mühle (
s. th. 6, 2638)
erscheint zunächst in der form wasser auf seine mühle richten, wenden, ziehen, leiten
und bezieht sich auf das (
eigenmächtige)
leiten von wasser
aus einem wasserlauf in das mühlgerinne, vgl.: wan zweene nachbarn in der mitte zwischen ihnen ein bach, welchen sie in gemeinem gebrauch, und ein jeder das wasser auff sein mühle ziehen wil Meurer
wasserrecht (1663) 88.
dann heiszt es auch wasser auf seiner mühle haben, das wasser läuft, kommt
u. s. w. auf (
vereinzelt an) eines mühle.
der sinn ist '
etwas (
auch unter eingriff in anderer rechte)
seinen zwecken dienstbar machen, sich oder andern vortheil verschaffen'
u. ä.: der müller findt man warlich vil, die alle wasser uff ir mül richten, das es rusch do here, ob sunst niendert kein tropffe were. Murner
müle von Schwind. 754; weh die ausz ihren pflichten nur machen kinderspihl, und frembdes wasser richten mit list auf ihre mühl! Laurentius von Schnüffis
wald-schallmey 112;
lothr. s wasser uff sini mihl richte Follmann 532; wie wenig ich mich geforcht hab, den groszen Hansen zuo sagen, was und wan mich gedunckt hat nutz und not sein, das wasser auch auf ihr (
der armen) mülen zuo wenden Eberlin 3, 259
neudr.; es ist ein allgemeiner brauch der völcker: dasz dasselbte, welches die oberhand hat, ihme den verdienst aller seiner gehülffen zueigne. es ist nichts seltzames fremdes wasser auff seine mühle leiten Lohenstein
Arminius 1, 851
a; ein ieder leitet wasser auff seine mühle, ein ieder siehet auff seinen nutzen Rädlein 1032
a; das wasser auf seine mühle ziehen Rondeau; der immer wasser auf seine mühle sucht Hippel
lebensläufe (1778
ff.) 3, 2, 594; man müsse nicht immer calmeusern ..., da habe der teuffel dann wasser auf seine mühle Reinwald
studenten - spiegel (1720) 22; als kam (
durch den hasenfang) das wasser wieder auf meine mühle
Simplic. 1, 391, 17 (4, 9)
Kurz; daselbsten lieffe mir (
Courage) mehr wasser auf meine mühl als in dem vorigen läger
Simplic. schr. 3, 105, 25; deuchte mich das beste wasser auff meine mühl seyn, wann ich bey groszen herren ein secretariat oder cammerfunction erlangen könte Philander (
Leyden 1646) 3, 9; just da hört's (
der papierfetzen) auf, wo das best' noch hätte sollen nachkommen; recht so wasser an unsre mühle Fr. Müller 1, 284.
dann auch etwas gibt
u. ä. wasser auf die mühle: dieser punct giebt gut wasser auf derer weiber ihre mühle, die nicht gerne spinnen J. G. Schmidt
rockenphilosophie 3 (1718) 143.
negativ eine mühle hat kein wasser
u. ä.: mühlen der gelehrsamkeit, welchen das wasser,
d. h. die studenten, zu sehr fehlt Arndt
werke 1, 75; der arzt giebt (
dem erben) hoffnung. das fräulein hat nicht mehr viel wasser auf der mühle (
kann nicht mehr lange leben) Holtei
erzähl. schriften 1, 88; er hat nie genug wasser auf die müle Eiselein 628. — ich ... richt alle wasser uf mein wissen (
wiese) J. Römer
von den beschwernissen eines pfarrers 82
Lucke. — dichter und bildner beide beschäftigen sich an einer quelle, und jeder sucht, das wasser nach seiner seite, zu seinem vortheil hinzulenken Göthe 25, i, 14
Weim. ausg. —
demselben vorstellungskreise oder auch dem belagerungskriege ist die erst in neuerer zeit auftretende wendung einem das wasser
[] abgraben (
s.A 2
c α 4)) )
entnommen '
einem das zur wirksamkeit dienliche entziehen'.
ähnlich ableiten: diese knechtische humanität ... suchte Napoleon nicht ... noch zu mehren und zu befördern, sondern er griff sie in ihren quellen an und leitete ihr die wasser ab, die ihr nahrung gaben Arndt
schriften an s. l. Deutschen (1845
ff.) 1, 498. — er weisz, wo Barthel most holt, er weisz, wo das wasser zur mühle flieszt v. Reinsberg-Düringsfeld 2,
nr. 666. —
das wasser
ist das lebenselement des fisches; dies wird mannigfach gewendet zu vergleichen und redensarten gebraucht, um mangel an unentbehrlichem oder vorhandensein von dem leiblichen und geistigen befinden günstigen bedingungen zu versinnlichen (
vgl. th. 3, 1679): wie wöllen nun die pfaffen bston? das wasser wil in schier entgon wie ietz dem visch im sommer.
geschichtl. lieder u. sprüche Württembergs nr. 82, 10 (1534)
Steiff; alte müszige matronen ... jappen nach visiten ..., wie auf den strand geworfene fische nach wasser Zimmermann
über die einsamkeit 1, 12; freiheit ist das element des menschen wie das wasser des fisches Lenz
schriften 1, 16 (
hofmeister 2, 1)
Tieck; nicht ungestraft verachtete Milton die sinnlichkeit, welche dem dichter ist was den fischen das wasser Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 38; die alte erfahrung ..., dasz die fische ins wasser und die bauern aufs land gehören H. Hesse
Peter Camenzind 225; dieser fisch soll in sein rechtes wasser kommen (
d. h. Winckelmann nach Italien)
herzog August
bei Justi
Winckelmann 1, 385.
hier schlieszt sich an: die gemähldegallerie hat mich sehr gelabt, wir sind wohl und lustig, es war zeit dasz wir in's wasser kamen Göthe
briefe 4, 61
Weim. ausg.; ich hab bey hofe abgesagt, denn auf's gute leben, das ich wieder gestern im wasser getrieben habe, mag ich droben nicht im sande herumdursten 3, 39.
üblich in neuerer zeit besonders einem ist wohl wie dem fisch, er ist gesund, vergnügt
u. ä. wie der fisch im wasser: ist euch wirklich ganz wol, mein vater? wie dem fisch im wasser! Schiller 2, 14 (
räuber 1, 1
schausp.); es wäre heillos von mir, sie hier zu belästigen, wo sie so vergnügt zu sein scheinen, wie ein fisch im wasser Heyse
nov. 1, 139.
von geistigem: in dieser (
griechischen sprache) als in seinem ur-elemente, lebt und webt er (
der hexameter) wie der fisch im wasser Bürger 177
b. —
die redensart in trübem wasser fischen
wird früher gern in beziehung auf das öffentliche und staatliche leben gebraucht, '
die gemeine not oder die verwirrung der zeiten zu seinem nutzen wenden' Jablonski (1748) 1341
a,
allgemeiner '
profiter du désordre' Rondeau: damit dergleichen verschwenderische und in trüben wässern fischende fürsten ihre närrische auszgaben continuiren ... mögen, so belegen und beschweren sie die unterthanen Albertinus
der welt thurnierplatz 121; hat Amurathes ... durch innerlichen zweyspalt in dem königreich Hungarn seinen vortheil ersehen, und in solchem trüben wasser zimblich gefischt Abr. a S. Clara
reimb dich 220; denn ... nicht wenig stände in trübem wasser fischen, des reiches zerrüttung gerne sehen, eine richtige justiz, eine promte execution wie das feuer scheuen Leibnitz
deutsche schriften 1, 159
Guhrauer. —
auf die fabel (
Phaedrus 1, 1)
vom wolf, der das unterhalb aus dem bache trinkende lamm beschuldigt, ihm das wasser getrübt zu haben, geht zurück die redensart kein wasser (
häufig auch wässerchen,
s. d.) trüben (
früher auch betrüben), getrübt haben, trüben können.
das schaf ist an der trübung unschuldig, der wolf thut so, als wäre er unschuldig; meist bestimmt dieses den sinn der redensart, selten jenes; vereinzelt positiv, mit deutlicher beziehung auf die fabel: ich muste das schaff sein, das dem wolffe das wasser betrübt hatte, Detzel gieng frey aus, ich must mich fressen lassen Luther 7, 423
b Jen. ausg.; das schaff hat dem wolff das wasser betrübt Eyering 1, 340.
ferner: das ich bschissen hab vil land und hab gemacht vil wasser tryeb, in boszheit ich mich allzyt yeb. Brant
narrensch. 5, 13.
negativ '
keinem wehthun, unschuldig sein'
; zuweilen mit dem nebensinn '
allzu sanftmütig sein': sie denken wohl, dasz er kein wasser betrübt; aber trauen sie ihm nicht,
[] er hats hinter den ohren Gottschedin,
deutsche schaubühne 3, 459; vollkommen harmlos, er trübte kein wasser, aber er that auch sonst auf der welt nichts Th. v. Bernhardi
jugenderinnerungen 134.
häufig heuchlerisch oder ironisch: (
ich, der pharisäer) hab all mein lebtag recht gethan, kein wasser nie betrübet. Ringwaldt
evangelia C c 7
b; die prediger-münche ... sind nu heilig und haben noch nie kein wasser betrübt Luther 26, 562, 4
Weim. ausg.; kein wasser betrüben, sondern gar hineinfallen Rondeau. kein wasser getrübt haben wollen: gleichwol aber wolten sie niemals das wasser getrübt haben v. Lohenstein
Arminius 1, 95
b; restituirten sie den eingenommenen platz aus eigener bewegung, wollten auch nachmals kein wasser getrübt haben Hahn
reichshistorie 2, 140. sich so gebärden, stellen
u. ä.: dâ bî gebârt manger man sô, sam er niht waʒʒer trueben kunne und ouch nieman argeʒ gunne.
gesammtabenteuer 3, 460, 211; mein fraw meint, ich wer gar ein schaff, stellt sich so fromb und keusch (versteht!), sams nie kein wasser trübet het. H. Sachs
fastnachtspiele 38, 238; und sitzent etelîche dâ vor mir, sam sie niht waʒʒer trüeben kunnen und waʒ sie an der heimelîche tuont, daʒ weiʒ nieman baʒ, danne sie und ir herre der tiuvel Berthold v. Regensburg 2, 218, 35; es wird ein sölch mensch daraus, der dahin gehet, ... als hette er nie kein wasser betrübt und könne nicht mehr irren Luther 28, 757, 10
Weim. ausg.; wenn man mit tugend prunkt, sich stellt als trübe man kein wasser Kotzebue
dramat. spiele 2, 178. — er mag nit leyden, das die sonne ins wasser scheinet Tappius (1545) 130
a. — sonst aber müssen wir einfach ins wasser springen, um schwimmen zu lernen Eyth im
strom unsrer zeit 1, 431 '
etwas keck, ohne grosze vorbereitungen versuchen' (
vgl.C 2
b β 2)) ). —
die redensart dem regen entlaufen und ins wasser fallen '
aus dem regen in die traufe kommen',
ist sehr beliebt bei Luther: darumb sehet euch für mit ewr freiheyt, das yhr nicht dem regen entlaufft und fallet yns wasser, und so yhr meynet, leyblich frey zu werden, das yhr drüber verlieret leyb, gut und seele ewiglich 18, 308, 12
Weim. ausg.; man entlaufft dem regen und felt ins wasszer ... haben sie nit eweiber, szo haben sie jho indert huhren 14, 157, 19;
vgl. 6, 299, 25. 16, 28, 23. 23, 506, 32. 24, 123, 10.
ähnlich: er flieht den rauch (
auf dem brennenden schiff) und fällt ins wasser Lüpkes 129, 123. — wasser auf beiden achseln, schultern tragen,
zwei verschiedenen parteien dienen wollen, doppelzüngig sein: heut sin si französisch, morn keiserisch und tragen waszer uf beiden achseln Schade
satiren 3, 67, 31; oft musz man auch (
beim kritisiren) ganz diplomatisch zu werke gehen, es mit keinem ganz verderben, auf beiden achseln (dichter-) wasser tragen, und indem man einem freundlich ein compliment macht, hinterrücks heimlich ihm ein bein unterschlagen Hauff 7, 159
Hempel; wär' es nicht unser grundsatz, nie auf beiden schultern wasser zu tragen, so könnten wir von Camillen noch etwas wichtiges erzählen Waiblinger
die Britten in Rom 115
Zoller. auch nur wasser tragen Martin-Lienhart 2, 863
b.
als gegensatz: und dann tragen wir wasser auf eíner schulter; wir brauchen (gott sei dank!) nicht zweien herren zu dienen Hackländer
werke3 10, 137 (
Stillfried 1). —
für die redensart mit jemand wasser an einer stange tragen '
mit ihm einig'
oder '
seines gleichen, gleich viel oder wenig wert sein'
sind schon th. 10, ii, 802
belege gegeben (H. Sachs 5, 57, 11
Keller, ähnlich 17, 110, 28. 22, 63, 14): also ist nur ein bösz mensch Adam in allen menschen. drumb tragen wir all wol wasser an einer stangen, und hat hie nit statt, dasz ein esel den andern ein sacktrager heiszt S. Franck
teutsch. nat. chron. (1539)
vorr. 4
b; sie trüegen noch wol wasser an der stangen mit andern leuten '
ihr adel sei nicht alt'
Zimmerische chronik2 3, 139, 40; von denen die einig seind sagt man, sie tragen wasser an einer stang Lehmann 186. — wie es noch gibt die täglich red, das man spricht: wir sind nachbarn nach, wir schöpfen wasser aus aim bach. Fischart
glückh. schiff 1100. —
[] reines wasser ausschütten,
leichtsinnig wertvolles weggeben: man sagt, ... es (
Trochtelfingen) seie domals ain schlechts wesen gewesen ..., es hettens sonst die graven von Würtemberg nit so leichtlichen von handen gelasen (
verkauft), wie sie dann nie rein wasser, wie man sprücht, haben uszgeschütt
Zimmerische chronik2 3, 38, 40. — einem wasser in die schuhe schütten,
ihm einen possen spielen, ihn beleidigen s. th. 9, 1849. — er hat das wasser des orts noch nicht geschmecket (
ist dort noch nicht heimisch) J. A. Fabricius
hydrotheologia 102,
nr. 60. —
zu mit bösem wasser gewaschen (
s. sp. 2239,
vgl. oben B 6
a γ)
stellt sich: der Griechen list gantz vol mit argem wasser trüffet wol. Spreng
Aeneis 26
a; dar it mit alla wasser getäfft '
zu allen streichen fähig' Ruckert 194;
ferner steht in allen wassern erfahren '
weitgereist, bewandert': wenn man überall so gut aufgenommen wäre wie bei dem in allen wassern erfahrenen herrn Justus, würde man nicht nöthig haben, sich für eine reise in diesen gegenden so zu verproviantiren Gutzkow
ritter vom geiste2 1, 157; er watet durch alle wasser
wol '
er versucht alles, läszt sich durch nichts abschrecken' Körte 6514.
ähnlich: schicken die eltern ihre weinhänlen und zarte junckerlein übers meer ..., so vermainen solche gesellen, dasz sie aus allen wassern trincken, alle eytelkeiten sehen, versuchen ... müssen Albertinus
Lucifers königreich 194, 36
v. Liliencron. —
die redensart ein sturm im glase wasser '
aufregung in engem kreise'
geht nach Büchmann
21 314
auf Montesquieu
zurück, der die wirren in San Marino '
une tempête dans un verre d'eau'
nannte: kurhessische zustände seien in Preuszen unmöglich; ein sturm im glase wasser lasse sich nicht vergleichen mit einem solchen conflicte in einem groszstaate v. Bismarck
polit. reden 1, 31 (
aus einem kommissionsbericht von 1863).
ähnliches schon bei Wickram: sye (
die neider) warlich mit listen acht auff dich haben werden und dir dann auff einer kleynen quallen ein ungestüm wasser anrichten 1, 82, 8
Bolte. eine ganze reihe von redensarten ergeben den sinn '
überflüssiges, unnützes, vergebliches thun': das wasser, ins wasser schlagen,
keinen nachhaltigen eindruck machen (
an Xerxes' auspeitschung des Hellesponts anknüpfend?): dehein lêre hât die kraft daʒ si mache tugenthaft den an dem tugent niht enist. man mac daʒ waʒʒer slahen zaller vrist, daʒ eʒ doch enviuwert niht, wan im daʒ viur ze hân niht geschiht. Th. v. Zirclaria
der wälsche gast 14644;
s. th. 1, 1060
Eyering 1, 19; in die lufft bauen, ist umsonst bauen, auff sand bauen, ist umsonst bauen, ins wasser schlagen, ist umsonst schlagen Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 225; nichts mehr (
soll an der kleienmenge fehlen), als wann man mit einer ruthen ins wasser schlägt
Wendthagensches bauernrecht (1731)
bei E. Spangenberg
beyträge zu den teutschen rechten 203; mit der rood in't water slaan,
vergebliche mühe, besonders beim überreden, anwenden brem. wb. 5, 205.
erst im 19.
jahrh. belegt ein schlag ins wasser (
vgl.schlag
th. 9, 323
und unter bach
th. 1, 1060 streich in das wasser): so sind auch die ergebnisse seiner siege wie ein schlag ins wasser verschwunden Mommsen
röm. gesch. (1894) 5, 50; ich sollte warten, bis ich 'einen schlag damit thun könnte'. zu einem schlage nun kam es auch diesmal nicht, nur zu einem schlag ins wasser. denn diese wohlgemeinten patriotischen herzensergüsse ... gingen spurlos vorbei Heyse
jugenderinnerungen 90;
in Franken dös ît á schlôg 'nei~ 's kàlt wàszer,
gilt für nichts Frommann 6, 326. —
ähnlich: machen an loch inz bazzar,
far un fallo, irren Schmeller
cimbr. wb. 171. — ins wasser säen: an den (
undankbaren) hilfft wol thun recht verstet, als wenn man gtreid ins wasser seet. Eyering 1, 19; alsdann hat der fürst sein volk und geschosz in unser revier wohl angeleget, und herr David wird auch nicht seinen samen in das wasser, sondern in einen guten acker geworfen haben
quellen z. gesch. d. stadt Kronstadt 5, 229, 3 (1612). —
[] swer uber hapt vicht und in dem waʒʒer drischt und der welibt (
welbet) auf dem regenbogen.
Münchener hs., Germania 2, 137. — ins wasser schreiben, vergebne arbeyt
sprichwörter (1548) 143
b (
nach ἐν ύδατι γράφειν): (
wer) eim ziegel wil die röth abtreiben und fleiszig in das wasser schreiben, umsonst ein schwartzen moren wescht. Waldis
Esopus 4, 95, 176
Kurz. nur flüchtige wirkung haben: da die dramatische kunst doch eigentlich nur ins wasser schreibt, so ist es mir desto tröstlicher, dasz sich diese züge in ihren richtigen sinn ... einprägen konnten Göthe
briefe 19, 398
Weim. ausg. ins wasser geschrieben '
vergänglich': ihr (
lieder) sanget nur von meiner lieben; nun spricht sie meiner treue hohn. ihr wart in's wasser eingeschrieben; so flieszt denn auch mit ihm davon.
werke 1, 61; nach den erlebnissen der jahre 1849—1850 wird kein preuszischer minister mehr den wunsch hegen, abermals an einem deutschen kleinfürsten zu erproben, dasz nicht blosz der liebenden schwüre in das wasser geschrieben sind Treitschke
deutsche kämpfe2 23. — wasser in den brunnen schütten, tragen '
überflüssiges thun'
erscheint auch in der abänderung wasser ins meer tragen
z. b. Eyering 3, 36,
auch wasser in see '
lacus' tragen Frisius
dict. (1556) 697
a,
schwäb. in den bach Fischer 1, 551,
verörtlicht wasser in den Rhein tragen,
zumeist natürlich aus gegenden in der nähe des Rheins belegt: wasser in Rhein tragen S. Franck
sprichw. 2, 48
a, wasser in Rheyn schütten Frisius
a. a. o., noch jetzt wātər en dən Rhīn drāgən Leihener 131,
doch auch weiter verbreitet, s. th. 8, 854 Vintler;
auch wasser inn Tonaw tragen S. Franck 1, 3
a; des haaszt's wasser in die Donau trag'n Hügel 186;
in Berlin det heeszt wasser in de Schpree dragen Brendicke 192;
auch in den Main, die Reusz, Limmat, Aar v. Reinsberg-Düringsfeld 2,
nr. 471.
auszugehen ist von dem sinn '
etwas von einer sache dahin geben, wo davon schon überflusz ist',
wie holz in den wald tragen: die junge welt ist so verkert, mich dunckt, wer sy ietz boszheyt lert, der dreit das wasser in den Ryn. Murner
schelmenzunft 17, 17
neudr.; was sollt' ich dir wol bringen, als mich selbst? ich trug noch niemals wasser in das meer und sollte neue schätze bei dir häufen? du bist ja längst die reichste von der welt. Hebbel 4, 252 (
Nibel. 3, 3, 7)
Werner; wer dieser klarheit etwas hinzu zu setzen sich unterfienge, der würde das liecht der sonnen geben, und das wasser ins meer schütten wöllen Guarinonius
grewel der verwüstung 85; dat wär wasser en dr Reng geschott (
wenn ein reicher etwas geschenkt haben will)
rhein. geschichtsblätter 6, 42 (
sprichw. aus der Eifel).
auch betonung des leichtsinnigen wegwerfens kommt vor: desz glücks braucht er nicht unbesunnen, alsz schütt er wasser in ein brunnen. W. Spangenberg
Ajax 4390
Dähnhardt. meist aber verflacht sich der sinn zu '
etwas überflüssiges, vergebliches, undankbares, thörichtes thun': nu findet man hie viel, die das wasser ynn den brunn tragen, das sein die, szo sich mit geringen kleydern, ... worten stellen ... der meinung, das sie da durch ... fur gut mochten angesehen werden Luther 7, 561, 27
Weim. ausg.; sie thuon hiemit vor gott nichts dann ain läer stro treschen und wasser in Rhein tragen S. Franck
paradoxa 116
a; es ist eine verlohrne arbeit, wann man musz wasser in bronnen tragen Philander (1650) 1, 132; der htt der hewschreck an der sunn und schüttet wasser in eyn brunn, wer httet das syn frow blib frum. Brant
narrenschiff 32
überschrift. verengt zu '
vergeblich reden': '
dicta in dolium pertusum ingerere, wort und arbeit verlieren' Frisius
a. a. o.; wasser in see tragen,
vergeblich sagen Dentzler 342
b. — wasser im siebe tragen, holen, mit dem siebe schöpfen
u. ä. (
s. th. 10, i, 776),
in anlehnung an das Danaidenfasz in ein bodenloses, löcheriges fasz gieszen: swer waʒʒer in dem sibe treit, dast verlorn arebeit. Freidank 77, 16;
[] er wils wasser im sieb heim tragen Eyering 3, 344; wasser in eim sib holen
sprichwörter (1548) 143
b; mit dem siebe wasser laden. Logau 1, 7, 52 (
s. 149
Eitner); welcher will lernen ohn' ein buch, der schöpft mit eim sib wasser in krug. Kirchhofer 223; er geust wasser in ein bodenlosz (löcherig Tappius 183
b) fasz Eyering 2, 251.
ähnlich: er will wasser im garn (
netz) fangen Wander 4, 1830; eyne frouwe, de sick nicht en schemet ... de hefft Oer ere bewaret so recht alze eyn, de water yn dem korve drecht.
dat nye schip van Narragonien 5323
Schröder; und (
wer) alle wasser wil binden an ain sail und einen kalen wil bescheren, der tut, das da unnutz ist, gern. Keller
alte gute schwänke 22. — wasser auf einen stein gieszen: das alte sprichwort ist nicht hohl: mit groben leuten höflich seyn, heiszt wasser gieszen auf einen stein; der stein wird nicht durch wasser weich. Wieland 18, 379 (
vogelsang). das ist wie ein tropfen wasser auf einen heiszen stein
dient zur bezeichnung unzulänglicher mittel. ähnlich: Arndts wiedereinsetzung freut mich; ... aber es ist ein tropfen wasser in der wüste Dahlmann im
briefwechsel mit J. u. W. Grimm 1, 395. — es hilft, wie wenn man das wasser mit scheitern löscht Kirchhofer 306. — er hat den fröschen wasser geben Eyering 2, 270. — kinder so erziehen, heiszt, das feuer mit öle löschen, und den krebs im wasser ersäufen wollen (
vgl. Lalebuch 136
neudr.) Salzmann
krebsbüchlein (1792)
vorr. XIV. II@D@22)
sprichwörter und sprichwortartiges: alle wasser lauffen ins meer, noch wird das meer nicht völler, an den ort da sie her flieszen, flieszen sie wider hin
pred. Salom. 1, 7; alles wasser flieszt ins meer, kommt daraus auch wieder her Spanutius (1720) 630. — was wasser gewesen, wird widerumb wasser '
art läszt nicht von art' Eyering 3, 429; was wasser gewest ist, das kompt wasser wider S. Franck
sprichw. 2, 6
a; wo wasser ist gewesen, da kommt wasser wieder hin Dentzler 342
b,
ähnlich Tappius 7
a. Kirchhofer 306. Woeste
volksüberlief. in der Mark 79, 352; nun hab ich offt vernomen: wǎ wasser sey gewest, das müg wol widerkomen! Hätzlerin
liederbuch 1, 111, 17 (
s. 83). —
den sinn '
wer viel hat, dem wird viel gegeben'
hat wo wasser ist, da gieszt man wasser hinzu,
der teuffel scheiszt alles auff den reichen hauffen Rädlein 1032
b; wo wātər es, kømt wātər tūúe Leihener 131. — die kleinen wasser laufen in die grosze Henisch 1756. — das wasser läuft immer den berg hinab Körté 6529; das wasser läuft den berg nicht hinauf Simrock 11238,
vgl. wb. der luxemb. mda. 477;
böhmisch 's wossa laft ge tol und niat ge barg Wander 4, 1812; i tu, wie ich muesz: das wasser kann nit aufwärts rinnen Schönherr
glaube und heimat 40. — die thränen der witwen und weisen, das sind die rechten wasser, die über die berge gehen, wie im sprichwort ist Luther
bei Thiele
sprichw. 259. — viel bächlein machen ein grosz wasser Eyering 3, 347; er hubs (
das strohhälmlein) ehe selbst auf und trugs in die küchen, sagend: 'viel kleine wasser geben auch einen bach'; dann er gedachte: 'viel zahnsticher geben auch eine hitz'
Simpl. 1, 351, 5 (3, 24)
Kurz; kleine regen geben auch wasser Kirchhofer 314; viele tröpfchen machen wasser v. Reinsberg-Düringsfeld 2,
nr. 556. — swer beide lop behalden wil, der ere sin hus, daʒ ist min rat: daʒ waʒʒer niender ist so guot, so da eʒ uʒ von sprunge gat.
minnesinger 2, 230
b Hagen; das wasser ist am besten im ursprung Dentzler 342
b, beym ursprung Kirchhofer 306, bei der quelle Simrock 11234
b. — von lautern brunnen flieszen lautere wasser S. Franck
sprichw. 1, 27
a; wie die quelle, so das wasser Schellhorn 2. — wer dem wasser weren will, der musz die quelle verstopfen Lehmann
bei Eiselein
[] 629. Simrock 11232. — wann das wasser über die steine läuft, wird es rein 11250; bäs det wasser flisst iwer zä schtîn, äs et weder rîn (
siebenb.) Wander 4, 1800. — wasser so schnell grosz wird, felt liederlich wieder Schottel 1141. — diu waʒʒer niender dieʒent, wan dâ si sêre flieʒent. Freidank 77, 18; die tiefen wasser flieszen gemach, die kleinen flüsse laufen streng und machen ein groszes getön Kirchhofer 307; die tiefen wasser schleichen, aber rauschen nicht Petri
bei Wander 4, 1804;
westfälisch deipe waters sleipe sachte 4, 1803.
weit gebräuchlicher umgekehrt: stille wasser sind tief, haben tiefen grund, gründen tief, fressen tief, fressen grund '
ruhigen, verschlossenen, äuszerlich ehrbar sich gebärdenden menschen ist nicht immer zu trauen': man weis fast wol, das yhrs die welt nicht so rohe fressen werdet als yhrs gedenckt ... stille wasser sind tieff, die rausschende wasser sind nicht grawsam Luther 30, ii, 43, 4
Weim. ausg.; stille wasser sind gern tieff Eyering 3, 317. Stieler 2443; stille wasser haben tieffe gründ
sprichwörter (1548) 102
b; ein weib kann lustig und doch ehrlich seyn. spasz ist nicht ernst: wohl sprach ein weiser mund, das stillste wasser hat den tiefsten grund.
Shakespeare, lust. weiber 4, 2; stille wasser gründen tieff, stumme hunde beiszen gern Spanutius 512; sie macht zwar eine miene, als ob sie die beste und frömmste im dorfe wäre; aber stille wasser gründen tief
M. Meyr
erzählungen a. d. Ries 1, 82; solchs hett ich im vertrawet nicht. war ist, wie das alt sprichwort lieff: die stillen wasser fressen tieff. H. Sachs 8, 277, 3
Keller; ebenso Simpl. 4, 564 (
vogelnest 2, 8)
Keller; stille wasser fressen auch grund Kirchhofer 167. Simrock 11225
a; stille wasser trügen Bauernfeld
schriften 3, 186; stille wasser sind betrüglich Lüpkes 130, 133.
es wird gewarnt: also sagt er, das ich mich hüte for scheinender angmaszter güte, for stillen wassern, die grund fressen, und for den schöngefärbten essen. Fischart
flöhatz 2107
Hauffen; für denen, so nit sagen viell, und laurn, und schweigen immer still, da seh dich für, dasselb rath ich, für stillen wassern hüt du dich. Alberus
fab. 49, 100
Braune. als spottwort: sie stilles wasser, sie feuerspeiender Vesuv, sie! v. Ebner-Eschenbach
schriften 2, 291. — es ist kein wasser so tieff, es hat grund
sprichwörter (1548) 160
a. Schottel 1143. — stehende wasser werden faul (stinkend) Kirchhofer 306; gebrauchter pflug blinkt, stehend wasser stinkt v. Reinsberg-Düringsfeld 2,
nr. 385. — wasser ohne wind, und faule leiber stinken bald Abr. a S. Clara
narrennest 2, 34
nach Alemannia 20, 227. — verflossen wasser mahlt doch keine körner nicht. Hoffmannswaldau
heldenbr. (1696) 51. — wer einen aal fangen wil, der machet erst das wasser trüb Schottel 1144. — im trüben wasser ist gut fische fangen Spanutius 522; im trüben wasser ist gut fischen G. T. Pistorius 9, 98. — darnach das wasser ist, darnach seynd die fisch Lehmann
bei Wander 4, 1800; in solchen wassern fehet man solche fisch Eyering 3, 105;
ebenso Adelung (fängt) '
solche arbeit gibt solchen lohn'; in groszen wassern da fehet man grosze fische Luther 16, 25, 8
Weim. ausg., ähnlich sprichwörter (1548) 131
b. Spangenberg
ausgew. dichtungen 177 (
Saul 2, 3). Eyering 1, 179
u. s. w.; es weisz es heutzutag ein kind, dasz in den groszen wassern grosze fische sind. Rückert
ged. 4, 369; so fengt man in klein wässern doch gesund und gute fischlein noch. Fischart
Eulenspiegel prolog 217
Hauffen; in kleinen wassern giebt es gute fische, also ist der mittelstand nicht zu verachten J. A. Fabricius
hydrotheologie 104
nr. 77. — '
ohne mühe kein lohn'
u. ä. wird ausgedrückt durch: ja welcher fischen will, der musz netzen im wasser seinen fusz
Germania 16, 87 (1598); wer gern
[] fisch isset, der musz ins wasser steigen Eyering 3, 493; die katz hat die fisch lieb, sie will aber nit ins wasser Tappius (1545) 207
b,
ähnlich Eyering 1, 699. Kirchhofer 286. — sie hat sich bei lebend hertzog Bugslaffs ... lassen bringen was ir nhur ist zu gewandt worden. aber doch, weil ... ir her zum regiment khomen, do forderte sie ungeschewet was sie nhur haben wolte. und wie einer sie fragete, wie sie so verwandelt were ..., antwortete sie: ja, lieber minsche, weistu nicht, wan die gense zu wasser khomen, das sie schwemmen leren? Kantzow
Pomerania 2, 359
Kosegarten. — im wasser stehen keine balken (Petri 2, 401
nach Wander 4, 1807), das wasser hat keine balken: es will auch gar wol sein bedacht, wie man es auff den nothfall macht, wenn unser ein ins wasser kem ... im wasser keine balcken stehen. Rollenhagen
Froschmeuseler q 4
a (III, 1, 10); Pinkus aber hatte ... eine gründliche verachtung ... vor dem wasser, das keine balken hat v. Eichendorff
werke (1864) 3, 436. — vornemlich kan das wasser grosze verwüstung anrichten ... daher das sprichwort erwachsen: dasz feuer und wasser gute knechte, aber böse herren sind Jablonski (1748) 1341
a; feuer und wasser sind gute diener, aber böse herren Kirchhofer 306. — gége 's wasser lt se it schwimme Reiser
sagen u. s. w. des Allgäus 2, 639,
vgl. oben A 2
c β 10))
gesammtabenteuer und gegen den strom schwimmen. — wann einr dem regen will entgehn, der musz im wasser fahr bestehn, ob er dem regen wol entleufft, das er im wasser doch erseufft. Alberus
fab. 17, 34
Braune, vgl. 39, 186. — wan ich mich ertrencken will, so will ich mich in eynem reynen saubern wasser ertrencken Tappius (1545) 145
b; soll ich ersaufen, so musz es in sauberm wasser sein v. Reinsberg - Düringsfeld 1,
nr. 417. — ich will indessen standhaft hoffen, das wasser mürbt zuletzt den stein. Triller
poet. betrachtungen 2, 430. — ohne wasser schleift sichs übel Simrock 11241. — es sindt bösz brunnen, in die man wasser tragen muosz S. Franck
paradoxa 131
b,
ähnlich Döbel
jägerpractica (1754) 1, 98. Kirchhofer 356; des brunnen fluʒ wirt selten breit, dâ man daʒ waʒʒer in treit. Freidank 130, 27; man sagt myr, der brun sey nit guot, doryn man wasser dreit und duot. Murner
schelmenzunft 26, 2
neudr. — der krug geht so lange zu wasser, bis er (
oder der henkel) (zer)bricht, '
fortgesetztem gewagtem, verbotenem thun folgt schlieszlich verderben oder strafe'
z. b.: wann der kruog lang gen wasser gehet, so bricht er zu letzst '
die rach würt nimmer zur huorn'
sprichwörter (1548) 150
a.
weitere belege s. th. 5, 2432. — übrigens brauch' ich deinen gulden gar nicht, es ist das beste, dasz nicht alles wasser aus einem brunnen geschöpft werden soll Hebbel 2, 13 (
Maria Magdalena 1, 2)
Werner. — man musz nicht eher unrein wasser ausgieszen, bis man rein wasser wieder hat Spanutius 630; wir zweifeln sehr an dem 'bewährten guten' (
der bundesverfassung), aber wir wollen das schmutzige wasser nicht eher ausschütten, ehe wir nicht reines haben
stenogr. berichte des preusz. abgeordnetenhauses 1864, 861
b;
vgl. Lessing 12, 409. —
den abscheu des trinkers vor wasser drückt aus das wasser ist nichts nütze in den schuhen, vielweniger im magen Schellhorn 146,
vgl. wb. der luxemb. mda. 477; wasser giesz ich mir nicht einmal in die stiefel Frischbier
preusz. sprichwörter2 277 (
nr. 3985). — blut ist kein wasser, wird nicht zu wasser
u. ä. '
blutsverwandtschaft kann sich nicht verleugnen',
aus Schwaben und der Schweiz bezeugt Fischer 1, 1229.
schweiz. idiot. 5, 219; das kind wird schon merken, dasz du blutsverwandt bist; blut wird nicht zu wasser Auerbach
Brigitta 104.
im mhd. in eigenthümlicher umgestaltung (
nach J. Grimm
wäre bei waʒʒer
an das taufwasser zu denken):
[] trût neve, nu bedenke mich. dînes vater triuwe wâren guot, ouch hœrich sagen, daʒ sippebluot von waʒʒere niht verdirbet.
Reinhart Fuchs 267
Reiszenberger. jetzt meist in der form (
nach dem engl.) blut ist dicker als wasser
vgl. Büchmann
21 628. II@EE.
in erweiterter bedeutung wird wasser
auch von anderen flüssigkeiten gebraucht; der hauptbestandtheil der meisten, doch nicht aller (
s. 4),
ist wasser. II@E@11) wasser
im menschlichen und thierischen körper. II@E@1@aa)
alt und bis jetzt gebräuchlich ist wasser
als euphemistische bezeichnung des harns. II@E@1@a@aα) welheu junkfraw daʒ waʒʒer trinkt, ist si noch magt sô geschicht ir nihts, ist si aber niht maget, sô beprunzt si sich zehant. alsô melt si ir aigen waʒʒer K. v. Megenberg 447, 30; wo der hunger dich zwingen wird, deine eigene knochen abzunagen, und der brennende durst, dein eigenes wasser wieder zu saufen Schiller 2, 137 (
räuber 4, 2
schausp.).
allitterirend wasser und wust,
harn und kot: so druckt Petz den halt an die brust, das ihm entfiel wasser und wust. Rollenhagen
Froschmeuseler K 8 (I, 2, 10). II@E@1@a@bβ)
harnen wird ausgedrückt II@E@1@a@b@11))
durch das
oder sein wasser lassen: seichen,
quod honestius dicitur wasser lassen Stieler 1998; endlich entwischte einer, der damahl kein gröszer anligen und begierde hatte, als das wasser zu lassen
Simplic. schr. 3, 163, 10
Kurz; noch seltener ist dessen (
Hercules) figur in eben der stellung, wie er sein wasser lässet Winckelmann 2, 507.
auch von thieren gesagt: in Egypten ist ein gewisses thier, welches alle stundt just das wasser von sich läst Abraham a S. Clara
Judas (1687) 1, 287;
vom pferd Ludwig 2392. er kan sein wasser nicht lassen,
he is troubled with strangury ebda; aber der herzog fiel in eine gefährliche krankheit, und konnte in achtundvierzig stunden das wasser nicht lassen Göthe 44, 257
Weim. ausg. II@E@1@a@b@22))
wol noch häufiger heiszt es das
oder sein wasser abschlagen (
vgl. th. 1, 103),
diese wendung stammt vielleicht aus dem bewässerungs- und wassermühlwesen (
s. o. A 2
b α 7)));
zunächst vom manne gesagt Hunziker 288;
in Davos wird unterschieden z'wassar abschlan,
willkürlich, und lan,
unwillkürlich Bühler 210; da stuond sein sun in dem sal under dem fenster und schluog das wasser ab oder brüntzlet usz dem fenster usz Pauli
schimpf u. ernst 28
Österley; auch z. b. bei Scheit
Grobianus 1022
neudr. Kirchhof
wendunmuth 1, 189
Österley. Montanus 31, 25
Bolte; der abdecker, der sich an den wagen gestellt und sein wasser abgeschlagen hatte H. v. Kleist 3, 199
E. Schmidt. scherzend von der augenabsonderung (
s. u. e): er war ein freund des safts der reben und schlug wie sie, bey seinem leben, sein wasser durch die augen ab. Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 3, 26. II@E@1@a@b@33))
gleichen ursprungs ist vielleicht das wasser lösen (
s. o. A 2
b α 5))),
besonders schweizerisch Frisius
diction. (1556) 459
a: so vil weins er zuo sich nam, so vil mocht er durch das wasserlösen wider von sich geben Guler v. Weineck
Raetia (1616) 41
a. Bühler 210. Hunziker 288;
els. eim s wasser lösen
oder holen,
ihn katheterisiren Martin - Lienhart 2, 864
a;
ndl. water loozen Kramer
holl.-deutsch 183
c. II@E@1@a@b@44))
noch andere wendungen: mhd. sich des waʒʒers erlâʒen (
s. th. 1, 103); er gieng mit den worten usz in den hoff, und wolt sich seins wassers entplöszen
Eulenspiegel 62
neudr.; er ... rückt auf ein ort, als ob er sich seines wassers benemen wolt
Wilwolt v. Schaumburg 147
Keller; unsere blasz kan kaum wasser geben Albertinus
zeitkürtzer (1603) 9
b.
bei den bergleuten heiszt es auch auf die wasser fahren Veith
bergwb. 556 (
verordnung Dresden 1867).
nd. syn water maken
zeitschr. f. d. wortf. 15, 308 (
Münster um 1500). Woeste 317. II@E@1@a@gγ) das wasser verhalten Krämer 1212
a. Stieler 2443 Rondeau;
jetzt halten: trinket nur brav und haltet das wasser. Göthe 50, 168 (
Rein. Fuchs 11, 386)
Weim. ausg. [] bildlich '
mit seinen äuszerungen zurückhaltend sein': er paszte nicht in unsre zeit, er liebte zu sehr die alten; auch litt er nicht an der schreibdiarrhöe und konnte das wasser halten. Leuthold
ged.4 233.
negirt einen schwächezustand bezeichnend: so einer das wasser nit halten mag
Gesners thierbuch übers. v. Herold
u. Forer (1563) 34; ich bin biszweilen so gifftig, wenn ich das gewäsche von (
über) euch höre, dasz ich das wasser kaum halten kann Stranitzky
Fuchsmundi 328, 4
neudr.; dasz er ... das wasser nicht zurück halten konnte, so bald er eine sackpfeife hörte Wieland 11, 240 (
don Sylvio 3, 10). II@E@1@a@dδ) das wasser entgeht: wann eym das wasser on sein willn entgehet Alberus (1540) k k 1
a; fing an das wasser
s. v. mir zu entgehen Bötzinger
bei J. W. Krausz
Hildburghäus. landeshistorie 1, 362. das wasser steht,
wenn das harnen nicht möglich ist: das wasser, harnen, oder das brüntzlen ist im gstanden oder verschappet Frisius
diction. (1556) 245
a; es stellt sich Höfler 783
a. das wasser drängt
u. ä.: der bischoff wiederumb (
sagte), wen inen das wasser notigte: kom Albrecht, wir wollen hin mygen gehen Sastrow 1, 90; bi em is hoog water,
harndrang Dähnert 541,
ähnlich ten Doornkaat Koolman 3, 521
a. Schütze 4, 343; dat water steit em up der understen treppen
brem. wb. 5, 205. II@E@1@a@eε)
bestimmte arzneien führen das wasser ab, treiben es, ziehen es,
d. h. befördern die harnausscheidung Zedler 53, 505. 13, 759. 53, 789.
man glaubte, dasz durch zauberei das wasser gesperrt,
am entleertwerden gehindert, werden könne W. Schwartz
indogerm. volksglaube 133
anm. (
Nürnberg 1695). II@E@1@a@zζ) schneidendes wasser
heiszt die schmerzhafte harnentleerung, der harnzwang, stranguria quelle von 1725
bei Höfler 785
b. Frisch 2, 425
b. Zedler 40, 662. das schwarze wasser,
der schwärzliche harn beim schwarzwasserfieber Höfler 785
b. rotes wasser,
blutiger harn: van deme roden watere (
bei menschen)
mnd. arzneibuch, nd. jahrbuch 15, 111.
besonders bei thieren: von kühen, die den steertwurm oder auch das rothe wasser bekommen J. G. Müller
Siegfried v. Lindenberg (1790) 2, 211; gegen das rothe wasser. nimm ... einen maienzweig ... durch diesen (
kranz) lasz das vieh hindurch pissen Engelien
volksmund in der mark Brandenburg 1, 276; wider das rothe wasser der kühe Kuhn
sagen u. s. w. aus Westfalen 2, 212. II@E@1@a@hη)
die beschaffenheit des wassers '
harns'
ändert sich bei krankhaften zuständen; seinem aussehen wurde in der älteren medicin grosze bedeutung beigelegt; es wird aufgefangen,
zum arzt oder quacksalber getragen,
dieser besieht
es (
eine weitere untersuchung scheint nicht üblich gewesen zu sein)
und ersieht, liest, errät
daraus die krankheit (
auch schwangerschaft, temperament u. a.). II@E@1@a@h@11)) das wasser fangen, heiszet von einem krancken den harn des morgens in einem uringlas auffangen Jablonski (1748) 1341
b. Rondeau; Ypocrâs und Galiên mügen ouch anderswâ wol gên, wenne nieman fürhtet siechtagen: wer wil in denne sîn waʒʒer tragen? H. v. Trimberg
der renner 10087
Ehrismann; es seint etliche weiber nerrinnen, die schicken eim arzet das wasser, wollen nummen loszen was er sag Keisersberg
narrenschiff (1520) 85
b; sag im daʒ er mir sein wasser zaig
ital.-deutsches sprachbuch v. 1424,
Bayerns mundarten 2, 400; der sal geben vor eyn wasser zcu bezeen eyme doctori 3 gutte schillinge
die älteste Danziger willkür art. 145
Simson; seyd ihr denn ein quacksalber, oder sonst ein kerl, der krancken leuten das wasser besieht? Ch. Weise
polit. redner (1677) 414; ir sygind in grosze kranckheit kommen ... doch so kan ich nit vil yähen, ich will üch vor das wasser bsAehen.
schweiz. schausp. 1, 32, 406. das wasser schauen; das beschauen des wassers Dentzler 343
a; das wasserbegucken ist nicht viel zu achten Zedler 51, 384; das wasser richten Frischbier
preusz. sprichw. 2, 193 (
nr. 2856); water richten Dähnert 541.
[] II@E@1@a@h@22))
bildlich wird einer person oder sache das wasser besehen
gebraucht für '
auf fehler hin genau untersuchen',
examiner quelqu'un de près Rondeau, im 18.
jahrh. gern von schriftstellern: also wollen wir nun mit gutem glimpff einander das wasser besehen, und doch nun wundershalben suchen, woran es uns liegt, dasz so viel unfertig und albern zeug überall im schwange gehet Ch. Thomasius
kleine teutsche schriften (1707) 202; sie mögen sich zum theil darauf verstehen, einer übersetzung aus alten sprachen an den puls zu fühlen, und einer aus den neuern sprachen das wasser zu besehen Lessing 8, 206; wenn wir (
recensenten) amts halber einem elenden schriftsteller das wasser besehen müssen Schummel
Spitzbart (1779) 140.
ironisch '
prügeln, eine niederlage bereiten': der Eckhart sprach: nuon warn ich dich ... werst du allain in aim turnay, man würd das wasser dir besehen ... so man mich denn im turnay schlueg. H. v. Sachsenheim
mörin 4529
Martin; zuo Veldkirch man in (
die Schweizer den Schwaben) das waszer sach. Liliencron
hist. volksl. 2, 424 (1499).
so noch jetzt nd., westfäl. ik well ęm 'et wâter besaihen Woeste 317,
ähnlich Frommann 3, 369, 28 (
märkisch).
bedeutungszwischenglied ist wol '
in behandlung nehmen'
; im Göttingischen enen dat wâter beseien
auch '
ihm im spiel viel geld abnehmen' Schambach 22. II@E@1@a@thθ)
auch '
jauche' Martin-Lienhart 2, 864
a. II@E@1@bb)
in der bibel bildlich vom samen (
vgl.: es wird wasser aus seinem eimer flieszen, und sein same wird ein gros wasser werden
4. Mos. 24, 7): horet das ir vom hause Jacob, die ir heiszet mit namen Israel, und aus dem wasser Juda geflossen sind
Jes. 48, 1.
so wol auch: so wöllen sy teufels namen edel sein und edel leute kinder zuo weyben haben und wapen nemen und sprechen: ich und meine freunde von sölchem wasser sein (
i' son de' cotali, e quei di casa mia fecer così)
Decamerone 450, 37
Keller. II@E@1@cc) wasser
vom schweisz gesagt: das wasser läuft ihm über den ganzen leib Nieremberger;
auch über den rücken; schwitz', dasz mir das wasser die stirn herunter läuft Fr. Müller 1, 325; in guten treuen mühte sich der (
zimmer-) mann, dasz ihm das wasser von der stirne rann. C.
F. Meyer
Huttens letzte tage 138; mein weg zu und von der burg, in der grösten hitze, setzte mich in wasser, ich muszte mich umkleiden Göthe
briefe 25, 3
Weim. ausg., ebenso 45, 38; gantz im wasser seyn Rädlein 1032
a.
übertreibend: er schwitzte als ob er im wasser schwömme Ludwig 2392; wie aus dem wasser gezogen Frischbier
preusz. sprichwörter 2, 193
nr. 2860,
ähnlich Dähnert 541.
auf Luc. 22, 44 (es ward aber sein schweis wie blutstropfen)
geht zurück: Jhesus Cristus, do sin nature zwifelte und wasser und bluot switzete Tauler
predigten 67, 7
Vetter; wasser und blut schwitzen,
sein äuszerstes anwenden, grosze angst ausstehen Jablonski (1748) 1341
a. II@E@1@dd)
der speichel wird als wasser
bezeichnet besonders in den wendungen das wasser läuft im munde zusammen, steigt, läuft in den mund, aus dem munde, der mund läuft voll wasser
u. ä. nach einer speise, deren geruch, anblick oder vorstellung den appetit reizt II@E@1@d@aα) weil mich der frische geruch von der speckbrühe und auffgestreutem ingwer zugleich anreitzete, empfand ich einen solchen appetit, dasz mir das maul gantz voll wasser ward
Simpl. 1, 99, 4
Kurz; Stanzius stand da, wie ein knabe, dem ein gast einen leckerbissen in den mund stecken will: der mund läuft voll wasser, aber er trauet sich nicht, ihn aufzuthun Nicolai
Seb. Nothanker (1773
ff.) 1, 152; es (
das wirtsschild) erinnerte mich an die guten tafeln von Wien — das wasser kam mir in den mund, und ich kehrte bei ihnen ein v. Thümmel
reise 6 (1799) 37; sie kocht, sie backt, mir läuft's wasser in's maul! Brentano (1852
ff.) 7, 369 (
Victoria 1); kohl (
hat sie), aufgewärmten, ja.und wem das wasser im mund etwa zusammenläuft, der hat vor mir und Charis sich in acht zu nehmen. H. v. Kleist 1, 296 (
Amph. 3, 8)
E. Schmidt. [] II@E@1@d@bβ)
ähnliches bewirkt die vorstellung des küssens, deshalb gehören die folgenden belege noch der eigentlichen bedeutung an: woselbst ihn die princessin mit einem dermaszen anmuthigen kusse bewillkommete, dasz mir auch nur durch bloszes gedencken der mund voll wasser läufft v. Ziegler
Banise (1689) 106; er küszte sie: den lauschern lief dabei der mund voll wasser. Langbein
schriften2 2, 16. II@E@1@d@gγ)
dann rein bildlich das maul läufft ihm voll wasser,
er hat grosze lust oder begierde dazu Rädlein 1032
a; das wasser kommt mir darnach in den mund,
ich bekomme lust dazu Jablonski (1748) 1341
a: der mund steht voll wasser, wenn er sah, wie die östreichischen dukaten flogen ... also blieb der Jobbi bei der armee Hebel 3, 216.
nicht nur der vorgenusz, auch der genusz selbst wird durch die redensart drastisch geschildert: ein Göthe-pfaffe ... sagte mit wasser im munde: 'jede zeile ist köstlich!' Börne (
Stuttg. 1840) 4, 328. II@E@1@d@dδ)
als wasser
wird auch der bei krankhaften zuständen aus dem magen in den mund aufstoszende wässerige schleim bezeichnet: wenn einem der mund stetig voll wasser lauffet, der stosz coriandersaamen zu einem subtilen pulver Tabernaemontanus (1664) 180; vor das rumpeln und brodeln des lauffenden wassers umb das miltz 138; saures wasser Höfler 785
a; 't suur
oder fuul water loppt um de täne Goldschmidt
volksmedizin im nordw. Deutschland 104; grünes wasser,
wenn der schleim grünlich ist Höfler 784
b;
vgl. auch wasserblöde, -brennen '
sodbrennen', -kolken, -speien
u. ä. II@E@1@ee)
auch die absonderungen des auges werden als wasser
bezeichnet; selten die feuchte, die immer den augapfel benetzt (
mit einmischung der bedeutung '
glanz'
einer perle, eines edelsteins? s. C 3): ihre augen blitzten in klarem wasser Frenssen
Jörn Uhl 416.
sehr häufig aber steht seit dem mhd. wasser
für '
thränen': thränen sind auch nur wasser ... und beiszen nur die augen dessen, der sie weint Klinger
werke 3, 94; menschen — menschen! falsche heuchlerische krokodilbrut! ihre augen sind wasser! ihre herzen sind erzt! Schiller 2, 46 (
räuber 1, 2
schausp.); traut nicht den schlauen wassern (
waters) seiner augen.
Shakespeare, kön. Johann 4, 1. II@E@1@e@aα) das wasser rinnt, flieszt
u. dgl. aus, von den, über die augen, über die wangen: vor leide er ab dem pferde viel. daʒ waʒʒer im ûʒ den ougen wiel.
Mai und Beaflor 135, 2; daʒ waʒʒer ir ûʒ den ougen flôʒ. J. Enikel
weltchronik 24634; von den ougen 3874; über diu ougen 6334; über diu wang 5144; das im ausz den augen schosz das wasser schnell als ain pach. H. v. Neustadt
Apollonius 1728
Singer; so ich erzehl die that mit grausz, geht mirs wasser zun augen ausz. Spangenberg
Hecuba 1816
Dähnhardt; da erschrag der konig Sigemont also sere, das im das wasser sin backen aberann Windecke
denkwürdigkeiten 67
Altmann; oft ist mir dabei in der seele gar nicht weinerlich zu muthe gewesen, und dennoch brach das wasser hervor Immermann I, 1, 101
Koch. II@E@1@e@bβ) die augen vergieszen, geben, lassen wasser
u. ä.: vor groszem leyd seine augen wasser lieszen Wickram 1, 149, 13
Bolte; er lachte und weinde tougen. sîn heidenschiu ougen begunden waʒʒer rêren al nâch des toufes êren. W. v. Eschenbach
Parzival 752, 25; wie mancher sieht bey seinem trauerspiel, dasz unsre augen wasser machen. Wieland 9, 115; er loset von anfang bis zum end, bis ihm sini äugli wasser gend.
schweiz. volkslieder 2, 165
Tobler; er liejt, dasz ihm d' aüjen wasser gëben Martin-Lienhart 2, 864
a,
ähnlich Follmann 532.
seltener ist die person selbst subject: [] han mich doch all nit könt erweichen, das ich davon het abgelassen: umb sunst dein wasser hast vergossen. Waldis
Esopus 3, 4, 14
Kurz. II@E@1@e@gγ) das wasser steigt, schieszt in die augen, die augen laufen voll wasser; das wasser steht in den augen, die augen stehen voll wasser, schwimmen in wasser
u. ä., besonders bei beginn des weinens, vor dem, auch ohne das herabflieszen der thränen: die unverrükte treu mann, kind und freund' erzeiget, dadurch das wasser itzt uns in die augen steiget. Hoffmannswaldau
begräbnisged. 27; das wasser tritt in die augen Steinbach 2, 948; bey solchen gelegenheiten schieszt dem guten menschen gleich das wasser in die augen Wieland
Lucian (1788) 1, 287; (
er) lachte so sehr, dasz ihm das wasser in die augen lief Heinse
werke 2, 107
Schüddekopf; 's wasser chunt em i d' ouge Hunziker 288; die augen wurden ihr voller wasser Krämer 1212
b; wie er ... nun sah, dasz dessen gute, junge und unschuldige augen plötzlich voll wasser anliefen Stifter
werke (1901
ff.) 3, 121; das wasser ihm in augen stund. Spangenberg
Alcestis 1932
Dähnhardt; du närrchen! wollt' ich dich denn kränken? sprich! steht ihr, bei gott, das wasser in den augen! Bauernfeld
schriften 5, 8 (
geschwister 1, 1); dem gouverneur, der sonst kein waichhertzig weibergemüt hatte, ... stunden die augen voll wasser
Simpl. 1, 80, 4
Kurz; ihr seid gerührt, und euer auge steht voll wasser? Lessing 2, 323 (
Nathan 4, 7); augen ... welche vor trübsal stäts im wasser schwimmen Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 190; dasz er ... nicht sprechen könne, weil seine augen in wasser schwammen Stifter
werke (1901
ff.) 5, i, 341; weil die augen wasser blinken, weil die arme kraftlos sinken. Grillparzer
2 2, 79 (
ahnfrau 3); hast ja wasser im aug Fr. Müller 1, 266; ihr alle, die ihr gott dankt mit wasser im auge Iffland
die jäger 107. II@E@1@e@dδ) etwas setzt die augen unter wasser, treibt das wasser in die augen
u. ä.: diese wort setzten meine augen ins wasser
Simplic. 1, 42, 16
Kurz; die augen der zuschauer unter wasser zu setzen v. Ayrenhoff 1, 23; unmut und bekümmernis wurden jetzt so stark, dasz sie ihm das wasser in die augen trieben, die er verstohlen abwischte G. Keller 6, 21. II@E@1@e@eε)
verstärkt helles, klares, lauteres wasser
zur bezeichnung einer reichlichen thränenmenge: auch schreibt sie, 's ist ein wunder; jüngst schickt sie mir 'nen brief, dasz mir die backen 'runter das helle wasser lief. Schubart 2, 214; so sei erst gestern eine frau bei ihr gewesen und habe das lautere wasser geweint über ihren mann Gotthelf 1, 437
volksausg. gröber: rotz und wasser weinen,
bittere thränen vergieszen Rädlein 1032
b. Ludwig 2392; und granszte da wie ein klein junge rotz und wasser Chr. Reuter
Schelmuffsky (vollst. ausg.) 84
neudr.; der hat rutz un wasser gehielt Martin-Lienhart 2, 864
a; rotz und wasser schreyen, flennen Reinwald 2, 166. II@E@1@e@zζ)
anknüpfende bildliche wendungen: die sonne ziehet wasser (
s. o. A 2
b ι 1))),
lachrymae prorumpunt Tappius (1545) 196
a; mache nicht, dasz meine augen wasser ziehen Gotter
schauspiele (1795) 255.
dafür auch: das wasser zihet zu berge Tappius, das wasser zeucht zu berg hinauff Eyering (1601
ff.) 3, 61. wie die grassirende sucht uns anno 1679 ... den kopf gewaschen, da war alles fromm ... da hat man geseufftzet ..., da hat man den Jonas ins wasser geworffen, will sagen, alle sünd beweint Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 235; ich liesz den stockfisch in das wasser, das ist, ich drang ihm thränen ab. Günther
bei Steinbach 2, 948; es giebt wieder grosz wasser,
wenn jemand weint Wander 4, 1830; sie hat ans wasser gebaut,
ist zum weinen geneigt Albrecht 234. Müller-Fraureuth 2, 643
a: Anne-Marie, deren augen schon wieder in thränen schwammen;
[] denn sie hatte nach Lebrechts ausdruck 'verflucht nahe bei's wasser gebaut' Holtei
Christian Lammfell 1, 35. z' wasser werde,
in lachrymas fundi (
Bern) Frommann 4, 149. II@E@1@ff) das wasser des labyrinths,
das gehörwasser Pierer
med. realwb. (
anat.) 6, 139. II@E@1@gg) das wasser,
auch pl. die wasser,
die den foetus umgebende flüssigkeit, das fruchtwasser; ndl. waeter int baeren,
secundae Kilian 648
a. das wahre wasser
in der höhle des schafhäutchens, neben der frucht selbst, das falsche wasser
zwischen den häuten des kindes oder zwischen der gebärmutter und der äuszersten haut des kindes Plenk
anfangsgründe der geburtshülfe2 85. das wilde wasser
ist dasselbe wie das falsche wasser,
auch das bei den wilden wehen (
s. th. 14, 40)
abgehende fruchtwasser Höfler 785
b. das schleichende,
allmählich abgehende, wasser Plenk 83. das erste wasser,
das nach dem blasensprung bei der geburt, das zweite wasser,
das nach der geburt abflieszende fruchtwasser Roszhirt
geburtshilfe 199. 201. die wasser des kindes stellen sich,
treten nach unten, sie brechen sich Zedler 53, 620, sie springen,
flieszen aus der geplatzten fruchthaut 53, 731.
zeitschr. f. hd. mda. 2, 91: fast mit einemmal sprang das wasser, trat das kind ein und kam in der besten lage, den kopf zuerst, hervor S. Irenius
begebenh. eines Leipz. studenten (1765) 1, 228. II@E@1@hh)
der wassergehalt des blutes, das blut ohne die blutkörperchen: das schöne, reine und helle wasser in des menschen geblüt,
limphe Rondeau;
das blutwasser, das serum, sondert sich bei der gerinnung des blutes ab, die gerinnung im körper gilt als sicheres zeichen des todes: der kriegsknechte einer öffenet seine seite mit einem spehr, und als bald gieng blut und wasser (wasser und bluot Mentel) her aus
Joh. 19, 34; aus welcher wund ein edle fluth von blut und wasser uns zu gut alsbald heraus geflossen. P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 306. wasser im geblüt, im blut,
phlegma, der zu hohe wassergehalt des blutes des phlegmatikers Maaler 486
a. Dentzler 343
a. II@E@1@ii)
das wasser
bei der wassersucht: ydropicus, der waʒʒar hapet in wampa Steinmeyer - Sievers
gl. 1, 127, 36;
aqua intercus Nieremberger, wasser zwischen fell und fleisch Stieler 2443 (
beides geht zunächst auf die hautwassersucht); wasser des herzbeutels (
bei der herzwassersucht) Pierer
med. realwb. (anat.) 6, 139. das wasser abzapfen: können hier (
bei der bauchwassersucht) die wasser leichter ... abgezapft werden
onomatologia med.-practica (
Nürnb. 1783
ff.) 2, 1175. er hat wasser geladen,
ist wassersüchtig Kehrein 439;
mndl. 't water laden Oudemans 7, 875;
vgl.wasserladen.
dann wasser
für wassersucht
selbst, hydrops Nemnich
lex. nosol., nd. water
nd. jahrbuch 15, 125 (1440).
zeitschr. f. d. wortf. 15, 308 (
Münster um 1500). Leihener 131: (
er ist) am wasser in got verstorben
buch Weinsberg 2, 120
Höhlbaum, ndl. waeter Kilian 648
a.
die hautwassersucht hiesz auch das weisze wasser (
nd. jahrb. 15, 109):
leucophlegmatia, anasarca, weisz wasser Apherdianus (1612) 40. Tabernaemontanus (1664)
im register (weiszwasser 1109),
bei Chytraeus (1594) 291 dat blancke water.
dort heiszt die bauchwassersucht, ascites, dat gele water,
bei Apherdianus gehlwasser. das faule wasser,
die faule wassersucht, fäule der schafe Krünitz 12, 94. II@E@1@kk)
das wasser
im wasserbruch (
s. d.):
hydrocele, wasser das sich im hodenbalg gesamlet hat Frisius
diction. (1556) 638
a. Dentzler
lat.-dtsch. 340
b; vom bruch ausz wasser Wirsung
artzneybuch (1588) 305
b. II@E@1@ll) wasser
im kopf, in den gehirnhöhlen (
vgl.wasserkopf);
es läszt auf minderung der geisteskräfte schlieszen: dasz er (
der selbstmörder) auf den pest-begräbnisz-platz in aller stille könte eingescharret ... werden, maszen der medicus, so ihn seciret, berichtet, dasz er einiges wasser im haupte gehabt H. E. Schwartze
nachlese zu denen geschichten der stadt Leipzig (1744) 175; wenn dich der wanderer so hin und her fliegen sieht im winde — der mus auch kein wasser im hirn gehabt haben, brummt er in den bart, und seufzt über die elenden zeiten Schiller 2, 43 (
räuber 1, 2
schausp.).
auch eine thierkrankheit; beim rind: es sind ... schwindelhirne, die umbgehen
[] alsz ein taube gansz, als ein kalb das wasser im hirn hat Philander (1650) 2, 181; wenn ich auf dem markt eine kuh oder ochsen sehe, der seine augen hart und steif, und ganz anders stellt, als das andere vieh, so denk ich gleich, da ist verschossenes wasser im kopf, und bin wie sicher, dasz das thier leicht hirnmüthig wird Pestalozzi 12, 248 (
Christoph u. Else). II@E@1@mm)
flüssigkeit in geschwüren: bultzen oder porpelen in denen wasser oder eyter wachszt Calepinus
XI ling. (1598) 1087
b. II@E@22) wasser,
der saft in pflanzen und früchten (
vgl. birkenwasser):
latex, verborgen win in dem bere oder waszer Diefenbach
gl. 320
b; vom geschmacke ist sie (
diese birne) unvergleichlich, und mit einem angenehmen wasser versehen
öcon. u. physic. lexicon (1750
ff.) 8, 612; wann dein (
des säufers) augen voll wassers sind, und tropffen wie die newen reben, wann sie dasz lauter wasser geben. Scheit
Grobianus 3274
neudr. II@E@33)
das wasser
von kalten oder warmen quellen, die mehr als gewöhnlich fremde, besonders mineralische, bestandtheile enthalten, heiszt metallisches, mineralisches (
wofür jetzt mineralwasser
das gebräuchliche)
oder nach den bestandtheilen eisenhaltiges, schwefliges, alkalisches
u. dgl. wasser (salziges, saures wasser
s.A 2
d ε);
sehr viele dienen zu trink- und badekuren, daher heilsames wasser,
mit ortsadjectiven '
dort entspringender heilquell',
im zusammenhang dann wasser
auch alleinstehend in der bedeutung '
heilwasser': wegen der metallischen wasseren wolbekant Stumpf
Schwytzerchronik 9
b; möge das was die mineralischen wässer bewirkt sich in der folge immer besser bewähren Göthe
briefe 36, 113
Weim. ausg.; der gemachte (
schwefel) wird ... vielmals auch aus schwefelichten wassern bereitet Comenius
orbis pictus (
Nürnb. 1719) 37; der ... gebrauch geprüfter heilsamer wasser wird seine wirkung nicht verfehlt haben Göthe
briefe 41, 88; schicke mir doch auch 4 krüge frisches Seltzer wasser 12, 151; der eifer deutscher Castalinnen, die täglich neuen glanz gewinnen, verlischt bey Lauchstädts wassern nicht. Gottsched
gedichte (1751) 67; das wasser schlägt mir recht gut an, und ich bin wohl Göthe
briefe 8, 3.
bildlich: mit ihr (
der wahrheit) hinein ins geisterbad, ins beste stahlbad aller wasser! Arndt
werke 5, 342. II@E@44) wasser
kann auch ganz allgemein '
flüssigkeit'
bedeuten: schlag ayer klar zu einem wasser, und feuchte damit die gemengte aschen an Ercker
beschr. aller miner. ertzt (1580) 10
a; scheidwasser ..., damit man gold, silber und kupffer zu wasser machen ... kan Mathesius
Sarepta (1587) 109
b. Adelung
und Campe
wenden sich gegen diese verallgemeinerung. insbesondere heiszen wasser
auch mit wasser unter zusatz anderer stoffe bereitete flüssigkeiten, besonders getränke, heil- und verschönerungsmittel; sie werden auch als künstliche
im gegensatz zu den natürlichen
bezeichnet. wasser
nimmt dann die weitere bedeutung '
essenz, durch abziehen oder andere verfahren gewonnene flüssigkeit'
an, so dasz auch weingeisthaltige flüssigkeiten sowie andere (
chemische)
verbindungen, bei denen der gedanke an den wassergehalt ganz zurücktritt, als wasser
bezeichnet werden (
entsprechend lat. aqua,
franz. eau
usw.).
die belege gehen bis etwa 1300
zurück (
s. u. H. v. Trimberg);
seit der 2.
hälfte des 18.
jahrh. werden sie besonders für das alleinstehende wort seltener; volksthümlich ist noch wasser gegen reiszen (Holfert-Arends
3 213)
u. ä., die umgangssprache kennt die zusammensetzungen augen-, schlag-, blei-, fenchel-, rosen-, (
spirituöses) brennessel - wasser
u. dgl., auch gebranntes wasser
kommt noch vereinzelt vor, üblich ist kölnisches
u. dgl. wasser. II@E@4@aa) wasser
bezeichnet II@E@4@a@aα)
getränke oder einzunehmende arzneien: 2
m. vor 8 grosze glase vor 36 stofen, do man dem meister das wasser inne heldet von den pfifferlinge Joachim
das Marienb. tresslerbuch 1399 —1409, 98, 9; het sy uff datum dises brieffs mynes (
arznei-)wassers nit truncken, ich furcht, sy wer
[] dahin
deutsche privatbriefe des mittelalters 2, 79 (
Würzburg 1483); soll sie so offt sie in das badt geht, zwen löffel voll der nachgeschriebenen wasser ausztrincken Paracelsus
opera (1616) 1, 690 B; wasser für den stein Rondeau. II@E@4@a@bβ)
äuszerlich anzuwendende arzneimittel: hie were eins hoedensniders son ..., sin vater plege sulche gebreiche mit wasseren zo hielen ind anders neit
Kölner zunfturkunden 2, 562, 22 (1486)
v. Lösch; wasser vor die pestilentz anzustreichen, zu verrenckten gliedern, die alten schäden zu reinigen, zun Frantzosen rffen Wirsung
artzneybuch reg.; wasser für die augen Rondeau. II@E@4@a@gγ)
zur schönheitspflege: (
sie) wusch sich und salbete sich mit köstlichem wasser
Jud. 10, 3; erst muste ich ihr ein gewieszes wasser auflegen, welches die haut ablösete. als dann schunde ich sie, von der stirn bisz unter das kin Stranitzky
Fuchsmundi 172, 9
neudr. II@E@4@a@dδ)
wohlriechende flüssigkeit: wasser zum geruch Wirsung
artzneybuch reg.; wan ir man nach ... fremden salben und wasseren starck schmackte Fischart
ehzuchtb. 175, 13
Hauffen; ihr witz hat doch den preis bey allen, welche nur verliebte blicke werfen, und ihren edlen geist durch salb und wasser schärfen. v. Petrasch
lustspiele (1765) 1, 903 (
der redliche 3, 2); und selber auf der wachtparade roch man nur wasser und pomade und puder. Pfeffel
poet. versuche (1812
ff.) 3, 102. II@E@4@a@eε) '
branntwein': dasz .. im ur- und erzland dieses (
kirsch-)geistes ... die wirthshäuser ... so ganz entsetzliche wässer spenden Steub
wanderungen im bayr. gebirge 169. II@E@4@a@zζ)
zu technischen zwecken dienende flüssigkeiten (
vgl.ätzwasser, scheidewasser
u. unten starkes wasser): das beste wasser zum äzen wird aus abgezogenem weinessig, salmiak, gemeinem salz und grünspan gemacht Sulzer
theorie der schönen künste (1778) 1, 32
a; ein versuch von Göttling mit der dephlogistisirten salzsäure. er hat gedrucktes papier ... wieder zu brey gemacht, mit seinem wasser alle schwärze herausgezogen Göthe
briefe 9, 274
Weim. ausg. die lohbrühe heiszt wasser;
es ist lebendig,
d. h. zum einlegen der häute brauchbar, wenn es rot, klar und sauer ist Jacobsson 4, 601
b. Krünitz 234, 198. II@E@4@bb)
aus der zubereitung sich ergebende ausdrücke. II@E@4@b@aα)
die vermischung mit dem wasser kann durch kochen geschehen: tipsana, gesotten wasser von geschelter gersten Diefenbach
gl. 365
b. II@E@4@b@bβ)
der älteste ausdruck für ein wasser destilliren
ist ein wasser brennen;
zunächst ist dabei an das erhitzen des retorteninhalts zu denken, in den vordergrund tritt aber die bedeutung '
durch erhitzen die neue flüssigkeit herstellen'. II@E@4@b@b@11)) ich wên daʒ er (
Adam) selten waʒʒer ûʒ rôsen und lilien habe gebrant. H. v. Trimberg 22760
Ehrismann; swaʒ si guoter künste kante, darûʒ si waʒʒer brante.
gesammtabenteuer 3, 22, 30; deme meister wasser zu bornen von den weyszen pfifferlynge Joachim
das Marienb. tresslerbuch 1399 —1409, 36, 3; ein brennofen darinn man wasser brennt oder distilliert Frisius (1556) 236
a; nimm wacholderstauden, brenne wasser drausz J. Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 120. II@E@4@b@b@22)) gebranntes wasser
bedeutet zunächst '
destillirte, wässerige oder weingeistige, meist zu arzneizwecken verwendete flüssigkeit': wie dann gleichsfalls die gebrändte wasser, so leichtlich verriechen, auch järlich sollen ernewert und von frischen kräutern distilliert werden
churfürstl. Pfaltz landtsordnung (1582) 100
a; ich kan trefflich gebrand wasser machen und zähnpulver verkauffen Gryphius
lustsp. 161
Palm; gebranntes wasser, als rosenwasser,
aqua destillata rosarum Frisch 2, 425
b; dann man doch alle sachen hat, darmit man krancken schaffet raht, von gebranten wassern mancherley.
Pyramus-Thisbe-spiele 101, 414
Schär. seit dem 17.
jahrh. ist die engere bedeutung '
trinkbranntwein'
deutlich erkennbar: gebrande wateren, gebrannte
[] wässer, als eniswasser, wacholderwasser,
i. e. brandwein Kramer (1719)
holl.-dtsch. 504
c; (
Cliton) nennt alle weine und gebrannten wasser her, von denen er getrunken hat Rabener
schriften 1 (1751)
vorrede 48; der betriegt sich, welcher gläubet, das Philip von weine stinkt, weil er vor dem schlaaffengehen stets gebrantes wasser trinkt. Grob
dichter. versuchg. 86 (2, 112); hasser der gebrannten wasser, weil die jugend sie vergiften, warum haltet ihr es lasser gegen die gebrannten schriften? Rückert
ged. 5, 258. II@E@4@b@gγ) abziehen, destilliren: man braucht dieses gefäsze (
die blase) nicht nur zum brandeweinbrennen, und andere wasser dadurch abzuziehen Zedler 4, 55; wasser so gedistilliert mancherley Wirsung
artzneybuch reg.; gegohrne säfte und getränke, aufgüsse aller art, abgezogne und gebrannte wasser, wohlriechende essenzen G. Forster
ausgew. kl. schr. 3, 75, 18
neudr. in der engeren bedeutung '
branntwein': dasz sie seit einiger zeit sich an abgezogene wasser gewöhnt habe, um immer lebhaft und munter zu seyn Rabener
werke 4, 253. II@E@4@cc)
andere adjectivische bestimmungen. II@E@4@c@aα) wann es nit besser wirt, so laszt euch ... mit warmen tüchern, auch guoten wassern reiben Schumann
nachtbüchlein 111
Bolte. II@E@4@c@bβ) wohlriechendes,
obd. dafür auch wohlschmeckendes wasser: (
diese frauen hatten) vilerlai wolschmeckende wasser Fischart
pod. trostb. 28, 17
Hauffen; unangesehen irs alters hat sie wolschmeckende wasser ... gebraucht
Zimmerische chronik2 102, 5; nun hat sie aber ein gläslin mit ganz wolriechenden wassern allernechst bei dem pet gehabt 102, 17; von gold seine gefäsze; wohlriechende wässer sein bad A. G. Meiszner
Alcibiades 3, 283. II@E@4@c@gγ) sie ... begannen aus wurzeln und kräutern geistige wässer zu brennen Steub
wanderungen im bayr. gebirge 172;
früher auch geistreiche wasser Zedler 53, 252. II@E@4@c@dδ) süszes wasser '
likör': eine tonne brandtewein, ein flaschenfutter mit süszen wassern Olearius
reise (1696) 227. II@E@4@c@eε) starkes wasser,
in älterer zeit '
scheidewasser': starck wasser,
laqua forte. ital.-deutsches sprachbuch von 1424,
Bayerns mundarten 2, 399; goldt und silber zuscheyden ohn gusz, ohn feuwer, ohn starck wasser
probierbüchlein auff goldt etc. (
Frankf. 1580) 51
b.
von einer beize, bildlich in Kleve op sterk wasser sette,
wie '
einpökeln' Firmenich 1, 382, 20. '
viel weingeist enthaltendes': es war ein stark wasser, gebrannt aus kirschen und steinobst Scheffel
Ekkeh. 224. II@E@4@c@zζ) gülden wasser
medicis est spiritus cerebri humani, aqua aurea dicta Stieler 2444 (
vgl. aqua aurea Zedler 2, 1005);
hierher gehört wol auch: aqua capponis, das lebendigk gulden wasszer (
anf. 15.
jahrh.) Diefenbach
nov. gl. 30
a; guldine, lebendige und krafftwasser Wirsung
artzneybuch (1588) 785
a. graues wasser,
aqua grysea, in scheidewasser aufgelöstes quecksilber mit einer abkochung von wundkräutern Zedler 53, 286. weiszes wasser,
bleiwasser Campe
unter weiszwasser. grünes wasser,
aqua viridis, mundwasser mit grünspanzusatz. encyklopädie der ges. thierheilkunde 11, 252. schwarzes wasser,
aqua phagedaenica nigra, veraltetes mittel aus quecksilberchlorür in kalkwasser gelöst R. Boehm
arzneiverordnungslehre 202. II@E@4@c@hη) ungarisches wasser,
rosmaringeist, eau de la reine de Hongrie Rädlein 1032
b. Oken 3, 1072: ich sahe in ihrem zimmer zibeth, balsam, ungarisch wasser, violpulver, citronensaft
discourse der mahlern 1, 41
Vetter. venedisches
oder venetianisches wasser,
für gesicht und hände Zedler 46, 1306. kölnisches wasser,
eau de Cologne, 1709
erfunden, doch ist die deutsche bezeichnung erst im 19.
jahrh. belegt: Köllner wasser Campe
verdeutschungswb. 276
a; Fancy ... holte kölnisches wasser und rieb ihrer leidenden herrin die schläfe damit ein Immermann
Münchh.2 4, 118. II@FF. Wasser
ist wie Strom
als hundename beliebt, besonders in Norddeutschland (
hier stets in der hd. form);
hierüber Kluge
bunte blätter 86—91.