weisz,
adj. ,
candidus, albus. herkunft und form. gemeingermanisches wort, got. ƕeits,
an. hvítr,
norw. kvit,
schwed. vit,
dän. hvid,
ags. hwīt,
engl. white,
afries. hwīt,
saterl. wît,
nordfries. (
mit lautgesetzlicher kürzung) wit,
westfries. wīt (
s. Siebs
z. gesch. d. engl.-fries. spr. 219),
as. hwît,
ahd. (h)wîz.
germ. grundform * hwīta-,
wahrscheinlich aus vorgerm. *keido- (
mit derselben ablautstufe wie in gr. λευκός).
daneben steht beschränkt auf das nl. und nd. mit ausstrahlung auf die sprache der Hunsigoer und Fivelgoer handschriften des altostfries. eine form mit kurzem vokal und geminiertem dental in mnl. nl. mnd. wit,
nd. witt (
vereinzelt daneben auch wīt Mensing 5, 676),
afries. hwitt,
die meist mit Kluge
in Paul und Braunes beitr. 9, 183
nach aind. śvítna- '
hell, licht' (
nur einmal im Rigveda belegt)
auf *kidnó-
zurückgeführt wird. danach wird dann auch *hwīta-
aus einer langvokalischen variante (
der langvokal tritt jedoch sonst in dieser wurzel nicht auf)
*kīdnó-
hergeleitet. da aber die assimilation eines n
an vorhergehenden verschluszlaut auszerdem höchstens noch in locko
zu lit. lùgnas '
biegsam'
glaubhaft erscheint, diesen beiden beispielen aber zahlreiche gegenbeispiele mit erhaltenem nasal gegenüberstehen (
s. Trautmann
germ. lautgesetze 64
ff.)
läszt sich Kluge
s erklärung nicht aufrecht erhalten. *hwīta-
kann dann allerdings nicht mehr zur idg. wurzel keit
in aind. aśvait '
erglänzte', sūriaśvít '
sonnenglänzend', śveta-, śvitrá- '
weisz',
lit. śvi&?esti '
leuchten, scheinen',
aksl. svъtitъ s
ds. světъ '
licht, welt' (Walde-Pokorny 1, 470; Trautmann
bsl. wb. 310
f.)
unmittelbar gehören, sondern zu einer variante kueid,
die auszergerm. durch aind. śvindate '
ist weisz' (
grammatikerzeugnis)
gestützt werden könnte, s. Persson
beitr. z. idg. wortforsch. 745.
nd. nl. witt
läszt sich vielleicht als urspr. kompositionsform (witbrot, witpenning, witkopp
u. ä.)
deuten, vgl. zu solchen kürzungen vor konsonantengruppen Behaghel
gesch. d. dt. spr. 5 § 249.
bedeutung und gebrauch. die wz. kei-
mit ihren erweiterungen keid-
und keit-
bezeichnet '
leuchten, glänzen (
oft vom licht des anbrechenden tages)',
vgl. Persson
a. a. o.; diese vorstellung ist
bei weisz,
wie in ags. hwīt (
vgl. Bosworth-Toller 577),
bis in das mhd. hinein noch lebendig (
s. unten A).
bereits in got. ƕeits
tritt wie in anord. hvítr
die farbqualität eindeutig hervor, die auch westgerm. (
ags., ahd., as.)
im vordergrunde steht (
s. unten B),
vgl. ebenso auch in aind. śvindate, śvetá-, śvitrá- (
s. oben).
in älterer sprachstufe sind wie bei gr. λευκός die vorstellungen '
leuchtend, glänzend, hell, weisz',
jedoch nicht streng geschieden, sondern licht- und farbqualität bleiben vielfach eng ineinander verschränkt, vgl. z. b. diu sunne ist wîzer
den der snê (
Traugemundslied)
dkm.3 1, 193
M.-S.; mit glanzen liljen silberwîz Konrad v. Würzburg
troj. krieg 30 564;
vergleichbar noch im älteren nhd.: also findt man der tugent schein ausz widerstandt und groszer pein recht wi ausz schwartz leucht weyszer glantz J. v. Schwarzenberg
d. deutsche Cicero (1535) 158
a; auch Salomon an obgedachten orte (
cant. 5, 10:
mein freund ist weisz und rot) ein solches wort (
nämlich weisz) gebraucht, welches nicht allein die
weisze farbe, sondern auch einen hellen glantz bedeutet Chr. Weise
polit. redner (1679) 684;
entsprechendes s. bei blank (
teil 2, 65), glanz
adj. (
teil 4, 1, 4, 7600).
im mhd. teilen sich wîz
und blanc (
s. Lexer 1, 295
f.)
in den ausdruck der farbqualität, während sich im nhd. blank
auf die bedeutung '
glänzend, blinkend'
zurückzieht, weisz
dagegen das feld der farbqualität ausschlieszlicher einnimmt. diese selbst sondert sich nach den anwendungsobjekten in zwei bedeutungsgruppen, deren eine den reinen farbwert (
s.B 1)
umfaszt, deren andere den relativen helligkeitswert der farbe (
s.B 2),
oft im gegensatz zu anderen farben, in sich schlieszt. AA. '
leuchtend, glänzend, hell schimmernd'
vom licht, leuchtenden körpern und vom widerschein des lichts auf blanken gegenständen; die farbqualität ist fast stets mehr oder minder einbegriffen, zumal das helle licht weiszlich erscheint. A@11) weisz
als beiwort von licht, selbstleuchtenden und beleuchteten körpern, so von sonne, mond, gestirnen u. ähnl.; nur vereinzelt ausschlieszlich von der lichtwirkung selbst, leuchtend': thuo te sedla hnêg sunna thiu huuîta alloro bôkno berahtôst
alts. genesis 268
Beh.; the sterro liohto skên huuît ouar them hûse
Heliand 663
S., vgl. 656;
ähnlich noch: secht ein weysz wolcken beschettigt sy
erste dt. bibel 1, 65
lit. ver. (
nubes lucida Matth. 17, 5) (Luther eine liechte wolcken); das feuer der inflammenden liebe gottes, welches
weiszer ist dan die sonne Jac. Böhme
weg zu Christo (1682) 152;
meist tritt der farbwert des bleichen, weiszen lichtes stärker hervor: candida cum sorore sol sol mit sinero uuizun suester luna Notker 1, 747
P.; der hof der sonne und des mondes: weyszer kraysz umb die sunnen oder mon
halo vocab. theut. (1482) n n 4
a. tag (
sieh tag B
teil 11, 1, 1, 37)
und licht
sind weisz '
hell',
vgl. weisz wie der tag
serenus, splendidus Stieler
stammb. (1691) 2487;
im mhd. zeitraum ist dieser gebrauch nur einmal in der substantivierung zu belegen, vgl. sp. 1205 die weisze 1.
gern im gegensatz zu schwarz,
der farbe der finsternis: denn zuvor,
unter dem könige zu Babylon und Assyrien war
es alles schwartz und eitel nacht, aber unter dem könige zu Persen eytel weis und tag Luther 23, 582
W.; der weisze tag, die schwartze nacht ... preisen dein (
gottes) glantz von fernen (1690)
bei W. Bäumker
kath. kirchenl. 1, 624; der weise tag, der hier mit zittern schwebet, bringt mir die ruh auf seinen schwanenflügeln Joh. Nic. Götz
ged. 34
dt. lit.-dkm.; es (
das licht) ist weiszer als kein ding Fischart
Garg. 192
ndr.; das weise liecht kämpfete noch mit schatten und finsternisz S. v. Birken
ostländ. lorbeerhain (1657) 5; der ganze himmel ist rein. das weisze licht ist nur über den äther gehaucht Hölderlin 2, 104
Litzmann; ähnlich: die schatten wurden weisz bey ankunft der Auroren Joh. Ulr. v. König
ged. (1745) 41; siehst du sie kommen ... in dem hellen dufte des schönsten der dezembermorgen? ... wer sind sie, die daher in dem weiszen dufte schweben? Klopstock
oden 1, 216
M.-P. während in diesem gebrauch weisz
als epitheton ornans allgemein die eigenschaft '
hell'
kennzeichnet, wird es im 19.
jh. im gleichen bereich auch als epitheton significans verwendet, bestimmt also die farbqualität eines lichtes, das dem beobachter weisz
erscheint (
vgl.B 1): die berge standen wieder alle da und troffen von dem weiszen nieder rinnenden lichte (
des mondes) Stifter
s. w. (1904) 1, 143; durch drei blinde weinerliche fenster rieselte das weisze licht des Johannistages in die bläuliche kühle des gotteshauses Burte
Wiltfeber (1912) 117;
ähnlich die weiszen nächte
im hohen norden. alt ist die anwendung auf die milchstrasze, wobei die farbqualität im vordergrunde steht, vielleicht unter einwirkung von lat. orbis
oder circulus lacteus, via lactea;
in festen formeln die weisze strasze, der weisze weg, kreis, striemen
u. ähnl.: uuir sehen uuiza straza uuola breita an demo himele, que lacteus circulus dicitur Notker 1, 403
P., vgl. 1, 709; der weisz weg
lacteus circulus Brack (1494) 2
b; weyszer kraysz
galaxius vocab. theut. (1482) n n 4
a;
galaxia der wisz strym (
streifen)
md. vocab. v. 1414
bei Diefenbach
gl. 255; weysz straimen am hymel oder der milichweg am hymel oder sant Jacobs straszen am hymel
galaxia vocab. theut. (1482) n n 6
b; (
galaxia) eyn wisser strom in dem hymmel
vocab. v. 1440
bei Diefenbach
gl. 255; wir sehen oft an dem himel ainen praiten halben kraiz weiz und klâr reht sam ain klâreu strâz ... wenne der luft rain ist vor wolken, sô scheint uns daz widerprehen der gesamten stern sam ain weizeu varb Konrad v. Megenberg
buch der natur 78; die (
luft) zierlich ist gewirkt mit lichten sternelein, die mit der strahlen glantz gehn auff der weiszen straszen Opitz
teutsche poem. 114
ndr.; hierher auch: und dasz den weiszen glanz ein heer von sonnen schicket A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 103; die festgewölbte milchstrasze, ein weiszer regenbogen aus sonnen, stand ... über der welt Jean Paul
s. w. (1826) 48, 175. A@22) '
glänzend, schimmernd'
vom widerschein des lichtes; in mhd. zeit verbreitet, im nhd. bis auf wenige reste verschwunden. vom blinkenden metall: di halsberge wîze, die helme di da glîzen Hartmann
rede v. glauben 2433
Maszm.; sô begunden d andern zieren ir harnasch, daz siz machten wîz Wolfram
Willeh. 305, 6;
bei der anwendung auf silber kann zugleich auch die farbvorstellung (
s. unten B 2 a
η aa
und vanen silberwiz gevar
Tirol u. Fridebrant 50
Maync)
vorliegen, vgl. silberwîz
mhd. wb. 3, 781, Lexer 2, 924
und silberweisz
teil 10, 1, 1052:
er hiez ime balde her tragen ... golt unde silber wîz
Münchener Oswald 1439
Baes.; manig sydin tuch und trinkfass, das von wissem silber was gemainlichen durchschlagen
Göttw. Trojanerkrieg 12 858
Kopp.; nhd. nur ganz vereinzelt ähnlich, aber mit einschlusz der farbqualität: das vielbedeutende wort nondum ..., welches auf seinem (
Karls V.) ganz weisz geschliffenen schild zu sehen war
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 5, 33;
vgl. dazu technisches weisz bohren: 'weisz bohren
das poliren der inneren höhlung der gewehrläufe' Karmarsch-Heeren
techn. wb. (1876) 10, 656. BB.
die von den ältesten denkmälern bis in die gegenwart bezeugte hauptbedeutung bezieht sich auf die farbqualität =
lat. albus,
vgl. huuiz
albus (8.
jh.)
ahd. gl. 3, 3, 33
St.-S. B@11)
für den reinen farbwert: weisz
ohne beimischung anderer farbtöne. B@1@aa)
seit ahd. zeit wird besonders der schnee als rein weisz
empfunden und gilt daher häufig als vergleichswort für den reinen farbwert weisz wie schnee,
vgl. auch schneeweisz;
s. got. wastjos is waurþun ... ƕeitos swe snaiws
got. bibel Mark. 9, 3: sinu giuuatiu uurdun uuizu so sneo
Tatian 91, 1; sne uuizer heizet, uuanda er dia uuizi an imo habit Notker 1, 453
P.; die arâbischen sîdenwîz also der snê
Nibelungen 353, 1
L.; ... zwei händelein die weiszer als der schnee Zinkgref
auserles. ged. 58
ndr.; zu hause auf den feldern da liegt der schnee so weisz H. Löns
kl. rosengarten (1914) 16; mit immerwehrendem und ohnabgänglichem schnee bedeckte weisze giepffel und spitzen der höchsten gebirg
theatrum amoris (1626) 1.
von hier aus kommt weisz
zu der bedeutung '
mit schnee bedeckt, verschneit': wie schweigt um uns das weisze gefild! wie ertönt vom jungen froste die bahn! Klopstock
oden 1, 173
M.-P.; heut fiel den ganzen tag der schnee sehr emsig, und das land ist wieder weisz, ohne frost Bismarck
br. an s. braut (1906) 9;
sprichwörtlich: der aprill der war nie so gut, er macht dem ackermann ein weiszen hut
M. Neander
dt. sprichwörter 8
Lat.; dann auch prädikativ '
weisz von schnee': weisz dann wirbelt die flur J. H. Voss
ged. (1802) 3, 7.
poetisch oft substantiviert das weisz '
der schnee': mitten in dem feuchten weisz, in dem kaltkrystallten eise, das itzt alles übergläsert, seh ich lorbeerhayne grünen
der unglückselige in: S. v. Birken
ostländ. lorbeerhain (1657) XII
a; frisches weisz bedeckte die sanfte wölbung seines (
des Plattachferners) breiten gletschers H. v. Barth
Kalkalpen (1874) 386;
ein winter, osterfest mit schneefall werden daher weisz
genannt; poetisch: woher der kalte nord auf den befrornen flügeln der fast erstarrten welt den weiszen winter bringt Pyra
in: freundschaftl. lieder 109
lit.-dkm.; in sprichwörtlichen formeln: grüne weyhnachten machen weisze ostern
M. Kramer
t.-ital. 2 (1702) 174;
auch mundartlich, z. b. gröune kristdage, wite austeren Bauer-Collitz
wald. 7
b; grüne ostern, weisze pfingsten v. Hippel
s. w. (1827) 4, 62; wir hatten weisze ostern Holtei
erz. schr. (1861) 10, 21;
ähnlich: eilte er in den winter hinaus, deckte die entzündete brust den kühlenden flocken auf ... und lief durch die weisze nacht auf den wartthurm hinauf Jean Paul
s. w. (1826) 9, 57.
andere feste verbindungen: der weisze tod '
tod im schnee': mit dem weiszen tod ist es mir gelungen, die deutsche sprache um ein geflügeltes wort zu bereichern. vielleicht wissen schon manche ... garnicht mehr, dasz der ausdruck aus meinem roman ('der weisze tod', 1897) stammt R. Stratz
reisen und streifen (1926) 83; 'weiszer leithund,
also wird von den jägern der schnee benennt, weil sie in demselbigen, wenn er noch neue, alles sicherer spühren können, als bey der vorsuche mit dem hund geschieht' Heppe
wohlred. jäger (1779) 403. B@1@bb) weisz
ist stehendes beiwort der lilie (
wie lilia alba candida, bei lat. dichtern, z. b. Vergil Aen. 12, 68;
Ovid metam. 4, 355),
dann auch von den blüten der bäume: daz nie kein lilje wart so wîz Konrad v. Würzburg
troj. krieg 20 083; zur lust wolte ich haben weisze lilien Schupp
schr. (1663) 100; weisze liljen die sind schön, nun musz ich in die fremde gehn H. Löns
kl. rosengarten (1914) 105; Pomona giebet umb den saftgefüllten bäumen den grünen weiszen flor P. Fleming
dt. ged. 1, 60
L.; weisz
heiszt deshalb bei bäumen '
weisz blühend': in dem weiszen blütenbaume Becker
mildheim. liederb. (1799) 40; gezweig von weiszen, würzig duftenden fliederbäumen K. Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 1, 14;
terminologisch in pflanzennamen s. unten 1187. B@1@cc)
von stoffen und kleidungsstücken, vgl. got. biwaibidana wastjai ƕeitai
Mark. 16, 5
und Tatian 91, 1 (
s. oben 1): za nahtmuase lambes kauuare kauuatim uuîzzêm cliz[zante]
Murb. hymnen 49
Sievers; dar ûffe (
auf dem pferd) ein wîziu decke lac, lieht unde lûter alse der tac Gottfried v. Straszburg
Tristan 6681
B. Schwitzer prlin in wissen jpplinen Platter 31
Boos; er mahlt mich ... in einen weiszen mantel gehüllt Göthe IV 8, 105
W. in fester verbindung: weiszes zeug (
s. teil 15, 836), weiszes gerät (
s. teil 4, 1, 3566) weisze wäsche,
s. auch weiszzeug
sp. 1229;
vgl. weisz zeug, weisze wäsche, leinen geräthe
du linge Rädlein
sprachschatz (1711) 10, 43: sie lassen ... sich waschen und seifen, das weise zeug steiffen G. Voigtländer
oden u. lieder (1642) 30; und nicht einmal lieszen sie mich zufrieden, wenn sie wegen des weiszen zeugs zu mir kamen Stranitzky
ollapatrida 6
Wiener ndr.; wenn ich
ferner ... (
den) heiligen Socrates ... um küche, keller und weisz geräthe sich mühsam bekümmern sehe v. Moser
beherzigungen (1762) 140; weisze wäsche
als zeichen von eleganz: blieb er nicht immer fein, nicht immer nobel, nicht immer herr seiner weiszen wäsche Gutzkow
zauberer v. Rom (1858) 2, 289. '
leinwand oder wäsche betreffend' in der weiszen schaw (1601)
vollst. ... samml. d. Württ. gesetze 12, 544
Reyscher; weisze woche '
weiszwarenspezialverkauf' Schirmer
wb. d. kaufmannssprache (1911) 210. weiszes tuch
leichentuch: sie spreitete endlich ein weiszes tuch über sie (
die folianten) ... es kam mir unterweges, besonders wegen des weiszen tuches, ... so vor, als ob ich eine leiche trug Hippel
lebensl. (1778) 1, 48; o wär ich schon aus dieser welt verschollen, und läge kalt, vom weiszen tuch umschlagen Platen 9, 146
Koch-Petzet. weisz
prädikativ, '
mit weiszem tuch': ein gut bet, das was weisz und hübsch bereit und zugerüstet Pauli
schimpf u. ernst 51
lit. ver.; ... und (
auf den tisch) weisz, von damast, aufgedeckt H. v. Kleist 1, 399
E. Schmidt. terminologisch von leinwand u. ähnl. '
gebleicht'
gegenüber roh '
ungebleicht': es sol öch nieman kain row lînwât streken (
walken) ... wie öch ze Costentz gewönlich ist, umb die wîssen lînwât ze streken, also sol man sie öch streken (14./15.
jh.)
in: mitt. z. vaterl. gesch. d. hist. ver. in St. Gallen 4, 67,
vgl. 68; es ist zu wiszen, dasz man das jar nit plaichet weder parchat noch leinwat ...; doch hett man dannocht weiszen parchant gnueg, die man darvor geplaicht hett ... ob aber weisze oder rohe tuech minder oder mer gelten, das kümmert ainen mer dann den andern (
um 1460)
städtechron. 5, 285. weisz
bei personen '
weisz gekleidet' thie uuîzun man (
nach apostelgesch. 1, 11
duo viri in vestibus albis) Otfrid 5, 20, 9; Môrolf hete gemacht drî schar, der was eine swarzgevar, die ander wîz alsam der snê
Salman u. Morolf 503, 1
Vogt; Evchen Humbrecht weisz mit farbigen bändern H. L. Wagner
theaterstücke (1779)
Evchen 5; die weisze maske Schiller 3, 13
G.; weisz erscheinen
to appear in a white and clean dress Ludwig
t.-engl. (1716) 2436;
ähnlich sich weisz anlegen
mettersi panni-lini bianchi Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1308; Sabinchen, lasz die kinder weisz anziehen Kotzebue
s. dram. w. (1828) 18, 20.
seit dem ausgehenden mittelalter finden sich durch ellipse entstandene substantivierungen in (mit) weisz;
zunächst noch flektiert: de lude enpleghen sick nicht gherne myt witten to kledene Joh. Veghe 264
Jostes; und sy gent mit mir in weyssem (
ambulabunt mecum in albis apokal. 3, 4)
erste dt. bibel 2, 478
lit. ver.; ein mansperson in weisem beclaidt (1566)
zimmer. chron. 2 4, 113
B.; unflektiert in weisz,
vgl. albis vestibus indutus in weisz angetan Calepinus (1598) 64
a: welcher (
lies welchen) weisskunig darumb der historicus genent hat, den dein a f hat gebonlich in weyss ... gestriten (
eigenhändige bemerkung von Maximilian)
in: Weiszkunig XV
A. Schultz; zuo acht tagen umm (
etwa 8
tage später) fuohr dahin (
nach Straszburg) ein geselschaft von Basel, in weisz bekleidet Stumpf
Schweizerchron. (1606) 129; er führt seine töchter aus diesen winter.
dort die beiden kleinen in weisz W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 2, 50; dise münch tragen gantz weisz wie die müller Seb. Münster
cosmogr. (1550) 108;
modern z. b. im sommer trägt sie nur weisz,
vgl. hierzu weisztrager.
terminologisch für angehörige bestimmter mönchsorden mit weiszer tracht, besonders zisterzienser und prämonstratenser, vgl. premonstratenses weisse monche (1470) Diefenbach
ml. hd. böhm. 221,
ebenso: wisze
m. ader nonne (
md., 15.
jh.),
gloss. 455
a,
auch nd. wit monich,
ebda: meister Friderich, des ordens der wîzen brüeder
mystiker 2, 367
Pf.; das closter zu den weyssen monchen zu Danczik
Marienburger treszlerb. 79
Joachim; der torm (
turm) gegen den carmeliten oder weiszen mönchen Pomarius
Magdeb. stadtchron. (1587) P 2
b; item zu den wizzin frowin eyn malder kornis (
v. j. 1379)
urkundenb. d. st. Erfurt 2, 611; weisze frauen
nonnen vom Magdalenenorden Campe 5, 656; mit seinem beichtkinde, der schönen Klara, einer weiszen nonne Klinger
w. (1809) 3, 8. B@1@dd)
von weiszem farbstoff (
oder -material),
vielfach adverbial gebraucht: das häuschen war weisz und roth angestrichen Göthe 23, 42
W.; er schmiegte sich an das fenster einer einfachen weisz getünchten stube
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 157; weisz binden
tünchen: die mauerarbeith zu dem gantzen baw, einwendig die gebünder gewickelt und die ganze stub einwendig über holtz geschmiert, auch in- und auszwendig allenthalben weisz gebunden ... an kalck werden erfordert 7 ohm (
v. j. 1742)
in: ztschr. d. dtsch. sprachver. 29, 325,
vgl. weiszbënne
tünchen Crecelius
oberhess. 902
und weiszbinder.
daher '
weisz angestrichen': die schöne kirchen
s. Stephani zu Langensaltza ... mit dem weiszen thurm Joh. Binhardus
neue Thür. chron. (1613) 285; das herrenhaus, weisz mit rothen ziegeln Storm
s. w. (1898) 1, 24; '
geschminkt',
vgl. fucosus wysz ...
fucare i(
d est)
fuco depingere, colorare wysz machen
gemma gemm. (1510) l 2
a; Albida ist mercklich weisz; schade! wann sie todt wird seyn, dasz man sie in erde soll, nicht in kreide graben ein Logau
s. sinnged. 384
Eitner. als fachwort der bausprache '
in gips oder stuck ausgeführt': ein saal, auf welsche manier auch mit einer weiszen arbeith geziert (
v. j. 1600)
zs. d. hist. ver. f. Schwaben 23, 8 (
vgl. opus album Vitruvius 7, 3, 4).
als farbstoff oft substantiviert, in komposition schon frühnhd. bezeugt, vgl. bleiweisz teil 2, 103: dieses weisz wird auch gerieben, mit etwas arabischem gummi vermischt, ... zu gedachtem zweck gebraucht Göthe 44, 386
W.; die schatten laviert, die lichter entweder ausgespart oder mit weisz aufgehöht 48, 8
W.; spezifisch: spanisches weisz
bismuthum subnitricum Liebig
hb. d. chemie (1843) 481. B@1@ee)
die substantivierung das weisz
gilt schlechthin für die farbe selbst: des erst aufgeklärten himmels gantz von licht erfüllter kreis schmückte von bestrahlten wolcken ein so hell und blendend dasz das allerreinste silber schwartz dagegen weisz, Brockes
ird. vergn. (1744) 4, 19; und über ihnen (
den Alpen) lagerte ein wunderschönes wolkengebirge ... ganz von gleicher farbe wie die berge, ein meer von leuchtendem weisz und tiefem blau G. Keller
ges. w. (1907) 1, 403; schmetterlinge (
flatterten) lautlos zwischen dem leuchtenden weisz der stämme G. Hauptmann
bahnw. Thiel (1892) 43; es (
das gehöft) lag am hange, leuchtend vom weisz der tünche Kolbenheyer
Paracelsus (1926) 3, 292. B@1@ff)
in der typischen anwendung auf das greisenhaar und auf die menschliche haut greift der sprachliche ausdruck häufig übertreibend über den tatsächlichen befund hinaus, indem er haar und haut als weisz (wie schnee, wie kreide
u. s. w.)
bezeichnet, obwohl die reine farbqualität meist nicht vorliegt, s. auch unten 2 b
u. c. B@1@f@aα)
vom haar der greise; seit dem späteren mittelalter bezeugt, doch seltener als mhd. grîs;
stärker belegt erst seit dem 18.
jh., vgl. auch schneeweisz
teil 9, 1, 1242: (
gott) ziert (
uns) in dem alter gelîch mit wîzer varwe (
der haare) sunderlîch Hugo v. Trimberg
renner 10 418
Ehr.; absonderlich erzehlete sie immer von einem im weiszen kopffe Chr. Reuter
Schelm. 119
ndr.; mein haupt ist weisz, ich habe viel erfahren Tieck
schr. (1828) 1, 75.
auf die person bezogen '
weiszhaarig, alt': der (
pforte) plac ein kristen dôrwarte, der was von alder wîz als der snê
Orendel 3439
St.; canere graw werden, weysz oder alt werden Frisius
pict. (1556) 182
a; hei! wie der weisze jüngling (
Blücher) in n sattel sich schwang E.
M. Arndt
s. w. 4, 90
R.-M. B@1@f@bβ)
von der haut des menschen. B@1@f@b@aaaa)
seit höFischer zeit gehören eine weisze haut
und besonders weisze arme
und hände
zum ideal der frauenschönheit (
sieh auch schneeweisz
teil 9, 1, 1242
u. vgl. anord. háls hvítari hreinni miollo
Rígsþula 2, 7): an ir vil wîze armesi die ermel want
Nibel. 427, 1
L., vgl. 293, noch weisser dann ain kraid ist ir leib
liederb. d. Hätzlerin 220
H.; ewer (
der herzogin) schöne weisze hand Wickram 1, 18
Bolte; ir weisze brust wird mich als leids ergetzen Forster
fr. t. liedlein 56
ndr.; (
lasz die mutter) deiner kleinen arme spielen um die weiszen schultern fühlen Gottsched
ged. (1751) 1, 60; du hast mein herz gefangen mit deiner weiszen hand H. Löns
kl. rosengarten (1914) 13.
auf die person bezogen '
weiszhäutig': aine der allerschönsten frawenbild ..., so weisz und so tzart, das sy der schönen Amaley ... vergleicht ward
Fortunatus 103
ndr.; sie (
die kleine Hus) ist weisz, niedlich, jung, fettlich Göthe 45, 29
W. Ursel: (
ich bin) schön, roth und weisz Chr. Reuter
ehrl. frau 50
ndr.; hätt ich doch ein kind, so weisz wie schnee, so roth wie blut und so schwarz wie dieser rahmen Grimm
kinder- u. hausmärchen 1, 240
Panzer; seltener von jünglingen und knaben, meist als zeichen zarter jugend: sîn reiner lîp wîz unde glat Konrad v. Würzburg
Pantaleon 1604; ach mein schöner, weiszer, junger gesell ..., dasz dich gott behüet, mein kind Grimmelshausen 2, 34
Keller; wenn irgend in dem brief ein arges ist enthalten, soll er den dolch sofort ergreifen und in der knaben weisze brüste drücken H. v. Kleist 2, 356
E. Schmidt. anders, als zeichen von verweichlichung: sie (
die mönche) werden gott kein nasen drehen er wird auff ir weisz hend nicht sehen Fischart
s. dicht. 1, 169
Kurz; lotterbübchen weisz und rot sind der mädchenunschuld tod Blumauer
ged. (1785) 113. B@1@f@b@bbbb) weisze
farbe der haut als anzeichen von schreck, erregung, leblosigkeit; seit dem 18.
jh. nachweisbar. meist in prädikativem gebrauch und gewöhnlich mit übertreibenden vergleichen, s. wand teil 13, 1506: (
wie sie) ein blendlaternchen in der hand, sich einstellt, ward er wie die
wand so weisz und zitterte so schändlich Wieland
s. w. (1794) 21, 153; (
er) hielt ihr das messer vor das gesicht, dasz sie ... so weisz wie ein bettuch wurde H. Löns (1924) 8, 279; schade, antwortete der neuling, weisz vor empörung R. Fischer
söhne ohne väter (1937) 199;
besonders im vergleich mit der kreide (
sieh kreideweisz
teil 5, 2143): zwei männer führten die mutter. sie war weisz wie kreide und hatte die augen geschlossen. Friedrich meinte sie sei tot A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 267;
so auch mundartlich, vgl. z. b. Martin-Lienhart
els. 2, 832, Brendicke
Berl. 191. B@1@gg) weisz
und schwarz
verbinden sich in einer reihe von formeln und wendungen, in denen weniger der farbeindruck als das logische verhältnis des unterschiedes und des gegensatzes gemeint ist; die meisten dieser kontrastverbindungen finden sich schon im klass. latein vorgebildet; vgl. dazu schwarz
teil 9, 2302
u. 2313,
wo weitere ergänzende belege. B@1@g@aα) weisz vor schwarz erkennen, schwarz und weisz verstehen '
unterscheidungsvermögen haben' (
vgl. alba discernere et atra '
farbunterschiede erkennen'
Cicero Tusc. 5 § 144): frow, wie ich der witz ain kint von miner dumphait wesen sol, doch bekenne ich wîz bî swarzen wol
liedersaal 1, 49, 12
Laszb.; qui nesciunt quid sit inter dextram et sinistram ... ut germanice dicimus sie wissen nicht, was weys oder schwartz ist Luther 13, 257
Weim.; solte ich mit solchen leuten, die weder weisz noch schwartz verstehn, mich so gemein machen? Rist
friedew. Teutschl. 22
Schl. B@1@g@bβ)
mit stärkerer betonung des gegensätzlichen schwarz und weisz '
das widersprechende',
eins von beiden '
das gegenteil': und spriche ich »swarz«, sî sprichet »wîz«; spriche ich »wîz«, sî sprichet »swarz«
die böse frau 50
Schr.; wann ich weisz red, so sagst du schwartz Ferdinand v. Tirol
speculum 26
ndr.; hier lernet ainer weis, dort lernet der ander schwartz und stymmen sellten zesammen Berthold v. Chiemsee
dt. theol. 114
Reithm.; du muost fuchs und hase sein, weisz und schwartz künnen
sprichw. (1548) 386; weisz und schwartz ausz einem tigel malen
sprichw. (1570) 20
b; das hat der nehmliche mann geschrieben? wie soll die nachwelt ... einen so plötzlichen sprung von weisz auf schwarz sich erklären Lessing 13, 100
M. schwarz und weisz
oder weder schwarz noch weisz
ist '
das unklare, unentschiedene': (
Erasmus) ist in dem ein gelehriger schuler worden, dasz er die wort fein schrauben kann, tunckel und ungewisz reden, dasz man daraus weisz und schwartz verstehen kan Luther
tischr. (1576) 294
Aurif.; warsag denn eim listigerweisz, dasz es ist weder schwartz noch weisz H. Sachs 17, 130
K.-G.; ähnlich: für euch nicht schwarz, für euch nicht weisz, für euch allein das falbe: die volle nacktheit ärgert euch, doch kitzelt euch die halbe! R. Prutz
polit. wochenstube (1845) 115. B@1@g@gγ) schwarz in weisz verkehren, verwandeln
u. ähnl. '
lügen, fälschen' (
vgl. qui nigrum in candida vertunt Juvenalis 3, 30): valsch kêrt minn zunminne, unde guot ze übelen dingen, und daz wîze ze swarzem mit al sînem vlîze Thomasin v. Zirklære
welscher gast 1378; er müg verkeren swarz in weiss Oswald v. Wolkenstein 97, 22
Sch.; doch ist es war und ist nit recht, man wöll dann machen krump zu schlecht und wandeln schwartz in weis gestalt Hutten 3, 532
Böcking; also könte man nach gefallen ausz schwarz weisz, aus weisz schwarz machen A. H. Bucholtz
Herkuliskus (1665) 1177; das sind die glossen, herr papa, ... wodurch sich recht in schuld verkehrt, dadurch wir (
juristen) schwarz in weisz, und weisz in schwarz verwandeln Lichtwer
schr. (1828) 152. B@1@g@dδ)
auf anderer linie liegen formelhafte ausdrücke wie ein weiszer rabe '
ausnahme von der regel, seltenheit' (
schon bei Juvenalis 7, 202,
sieh auch rabe
teil 8, 5): man mag ehe einen weiszen raben bekommen dan einen fleiszigen arbeiter Eberlin v. Günzburg
ausgew. schr. 3, 159
ndr.; ich weisz es leider, ich bin ein weiszer rabe in der armee Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 8, 217;
anders gewendet: 'wann denkst du wieder zu kommen?' ... 'wenn der rabe weisz wird, ... ihr erwartet mich spat oder nimmer.' E.
M. Arndt
s. w. 6, 188
R.-M.; entsprechend: ein senfftige gütige frau sey ein seltzamer vogel auff erttrich und sey geleich einem schwartzen schwannen und einer weyszen kroen A. v. Eyb
dt. schr. 1, 8
Herrm.; seltzam ... wie ein weiszer floh Lehman
floril. polit. (1662) 2, 737; ein junger lebenslustiger patron, der Deutschland ... durchzogen hat und von einer auszereuropäischen treue schwärmt, das ist ein weiszer spatz Meisl
theatral. quodlibet (1820) 1, 110. B@1@g@eε) den mohren (raben) weisz baden, waschen '
etwas unmögliches unternehmen' (
vgl. teil 13, 2339): den raven kan men nicht wit waschen (1514) Tunnicius
sprichw. nr. 530
Hoffmann: ein krahe sich bad mit gantzem fleisz und kan doch nimmer werden weisz Petri
der Teutschen weisheit (1604) 2, x 4
b; niemand kein mohr weisbaden sol, ist alls umbsonst und lauter nichts Hayneccius
Pfriem 47
ndr.; einen moren weisz waschen Lehman
floril. polit. (1662) 4, 45; (Juliette:) einen verirrten verlohrnen zurückzuführen, der ihr (
anrede) sohn ist. (Stahl:) waschen sie (
anrede) den mohren weisz
F. M. Klinger
theater (1786) 1, 238. B@1@g@zζ)
hierher gehören zahlreiche sprichwörter des typus die schwartze küh werden weisze milch geben Fischart
groszm. 24
ndr. im sinne von '
der äuszere gegensatz ist nicht entscheidend, der schein trügt'
; ebenso schwartze trauben geben so guten wein als die weisze Lehman
floril. polit. (1662) 1, 36; ausz einem weiszen ey schlupft ein schwartz hünlein
ebda 194;
ähnlich: in einer weiszen kreyden liegt oft ein schwartzes kiesz, im schönen marmelstein kann ein verfaultes aasz gar wol verborgen seyn J. Rachel
sat. ged. 29
ndr. formelhaftes schwarz auf weisz '
geschrieben oder gedruckt auf papier'
s. oben teil 9, 2313. B@1@hh)
in geographischen und botanischen namen. der grund der namengebung ist bei den ersteren oft nicht mit sicherheit festzustellen: die Weiszen Reuszen,
heute die Weiszrussen; in Weiszen Reuszen,
heute in Weiszruszland: da ritterleich gestürmet wart Eysenwurth (
Isborsk), di guten stat in Weizzen Reuzzen Suchenwirt 59, 206
Primisser; erstlich hat es (
Sarmatia) gegen mitnacht ... die landschafft der Weyszen Reuszen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 4. — die Weisze Tatarei, die Weiszen Tataren
in Asien: in die Weyszenn Thatrey und in das Grosz Armenia Schiltberger
reisebuch 8
Langmantel; die Weyszen Thattern
ebda 21. — der Weisze See,
später das Weisze Meer
an der russischen nordküste: bey ihren landsleuten, den Biarmern, Scricfinnern und Lappiern, da die ersten zwischen dem Gefrohrnen Meer und dem Weiszen See ... wohnen Thurneisser
magna alch. (1583)
vorrede * 2
b; dasz die Römer gegen mitternacht bisz
ins Weisze Meer ... gesegelt Lohenstein
Arminius (1689) 1, 127. — (
die quellflüsse des Main,) deren einer der Rothe, der andere der Weisze Mayn heiszet v. Birken
verm. Donaustrand (1684) 16. Weiszer Nil
neben Blauer Nil: gebiet des Weiszen Nils O. Peschel
völkerk. (1874) 500;
vgl. ferner die flusznamen Weisze Elster
neben Schwarze Elster, Weiszer Regen
neben Schwarzer Regen. — das Weisze Vorgebirge
nördlichster punkt von Afrika, lat. Promunturium Candidum: bis zum Weiszen Vorgebirge in Afrika Kant
s. w. (1838) 10, 50. —
zahlreich sind die mit weisz
gebildeten ortsnamencomposita wie Weiszenberg, -brunn, -burg, Wittenberg, -moor, -weiler
u. s. w. pflanzennamen. die benennung erfolgt nach der weiszen
farbe der blüte (
vgl. oben B 1 b)
oder der wurzel. die zahl der pflanzennamen, in denen weisz
als unterscheidendes beiwort auftritt, ist sehr grosz; hier nur einige alt bezeugte beispiele, vgl. auch die reihe der composita: weiszer diptam (
dictamnus albus),
vgl. weiszer diptam ... wird von der weiszen wurzel also genannt
kompend. haush.-lex. (1728) 1024; diptam, dictam, weiszer diptam
dictamnus albus Wirsung
arzneibuch (1584)
reg. b 6
a;
nd. verballhornt witten dicken dam
radices diptami albi Walbaum
synon. Lubecensia (1769)
in: arch. d. pharm. 149 (1859) 383. — weiszer dorant (
achillea ptarmica): witten dorant
antirrhinum Walbaum
synon. Lubecensia (1769)
in: arch. d. pharm. 149 (1859) 383. — weisze heide (
polytrichum):
politrichum wis heide (
v. 1412)
bei Diefenbach
nov. gloss. 297,
vgl. auch: politricum wiszheyd Gersdorff
wundarznei (1526) 104
b.
wohl für erica tetralix witte heyde
erica Walbaum
synon. Lubecensia (1769)
in: arch. d. pharm. 149 (1859) 383. — weisze nieswurz (
veratrum album) schwartz und weisze nieszwurtz Bock
kräuterb. (1539) 119
b. — weiszer orant (
achillea ptarmica) item weis, roth, blaw orandt (1579) Chr. Entzelt
altmärk. chron. 52
Bohm, vgl. Danneil 249. — weisze veiel, weisze winterveiel (
Matthiola): iu (
d. i. ἴον,
viola alba) wize fiol (14.
jh.)
ahd. gl. 3, 530, 4
St.-S.; weisz winterveil Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 477. B@22)
seit alters wird weisz
als eine farbbezeichnung verwendet, die nicht den reinen farbwert (
s.B)
widergibt, sondern nur eine relativ weisze farbqualität, meist kennzeichnend im gegensatz zu dunklen farben gebraucht; häufig neuerem 'weiszlich'
entsprechend, doch ausgebreiteter als dieses, da noch in heutiger sprache zwischen reinem weisz und weiszlichen, hellen tönen anderer farben oft nicht streng geschieden wird. ähnlich schon ahd., aber als epitheton ornans ohne unterscheidenden beisinn, vom lindenholz: heuwun harmlicco huitte scilti unti im iro lintun luttilo wurtun
Hildebrandslied 66. B@2@aa)
häufig terminologisch zur unterscheidung einer helleren von einer dunkleren sorte derselben ware und allgemeiner zur unterscheidung einer helleren von einer dunkleren gattung derselben art; die entfernung von der reinen farbqualität geht dabei verschieden weit. von hier aus entwickeln sich zahlreiche compositionen; vgl. z. b. weiszer wein — weiszwein, weiszes brot — weiszbrot, weiszer kohl —
weiszkohl.
zufrühest, aber einmalig, vom unausgelassenen festen weiszen fett
im gegensatz zum ausgelassenen: ende thriuhalf embar smeras, en giscéthan en tue huite (
hs. um 1100)
kl. alts. sprachdkm. 37
Wadstein, vgl. auch D 1
d. B@2@a@aα)
reich belegt weiszer wein,
vgl. aminium wizen win (13.
jh.)
ahd. gl. 3, 155, 24
St.-S.: auch wie die metzger gewöhnlich gute bisszlein essen und guten weiszen unnd roten wein trincken
buch der liebe (1587) 7; der bequemste, gemeineste ... tranck in Österreich ... ist der weisze wein, der hell citronenfarb, ... vom natürlichen guten weingeschmack ... ist v. Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 366; sende mir Fachinger
wasser ... Rehbein quält mich, dasz ich es mit weiszem wein trinken soll Göthe IV 28, 102
W.; weiszen Burgunder Fontane
ges. w. (1905) I 5, 159;
in substantivierung: der wirth bracht ihnen vom weiszen frisch ..., der weisze wollt ihnn nicht mehr munden, lieszen sich drum vom rothen bringen Geibel
ges. w. (1883) 2, 140;
von den trauben, vgl. teil 11, 1, 1, 1291
und amminium (
vinum) wisse trbel (
anf. d. 15.
jhs.)
bei Diefenbach
nov. gl. 20: darinnen viel dörffer und weinlender befunden, die gar köstliche weisze und schwartze trauben tragen
generalchron. (1576) 74
b; schwartze oder weisze, gantze oder getrettene trauben
neue reformierte herbstordnung (
Stuttgart 1651) 10. B@2@a@bβ) weiszes brot '
weizenbrot'
im gegensatz zum schwarzen, roggenbrot: es mag ouch ein ieglich brotbecker backen welre hande brot er wil, es sy wis oder rückin (
v. j. 1370)
Straszburger zunftordn. 87
Brucker; nym, isse, das ist ein weis brod Luther 19, 485
W.; weisz und schwarz brot ist eigentlich das schibolet, das feldgeschrei zwischen Deutschen und Franzosen Göthe 33, 83
W.; weiszes brot
gilt als luxus: aber gar schöne weisze wecken mögen uns Grobianern schmecken K. Scheidt
Grobianus 63
ndr.; als etliche seiner (
Rudolfs von Habsburg) kriegsleut bessern wein und weiszer brot haben wolten, gab er ihnen urlaub Zinkgref
apophth. (1628) 46; das weisze stadtbrot, das bislang in ihrem hause gegolten, hatte sie auch abgeschafft und bezog alle acht tage ein billigeres rauhes brot G. Keller
ges. w. (1907) 3, 32;
sprichwörtlich in der mundart: t weisst brout virun (
vor) dem schwarzen iessen
tolle ausgaben machen und nachher darben müssen wb. d. lux. ma. 481,
s. auch weiszbrot
sp. 1203. B@2@a@gγ)
von glas, mineralien, steinen u. s. w. weiszes glas
das farblose glas, bes. im gegensatz zum schlechteren grünen: item 21 m (
mark) vor 14 zentener weyses glases ... das glas sal ken Rangnith zun fenstern (
um 1400)
Marienb. treszlerbuch 128
J.; darauff ein trüncklein ausz einem weiszen venedischen glasz
M. Lindener
rastbüchlein 4
lit. ver.; einige bunte seideflöckchen mit goldfädchen ... hinter einem quadratzoll weiszen glases auf papier platt gedrückt Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 5, 9;
daher eine weisze hütte
eine glashütte, in welcher nur weiszes glas
geblasen wird Campe 5, 656.
vom milchigen bernstein: er ist zweyerley, weis und gelb, der weisze ist nicht so durchscheinig wie der gelb Kantzow
chron. v. Pommern 409
Gaebel; sperma ceti wallrath, weiszer amber Hübner
curieus. nat. lex. (1717) 1532; weisze koralle: item der herr Lazarus von Rafenspurg hat mir ... geschenckt ... ein weisz korelln (1520) A. Dürer
schriftl. nachlasz 145
Lange-Fuhse. von bestimmten erdarten und steinen: glarea merghel, is wit steyn dar me de acker mede dunghet (15.
jh.) Diefenbach
nov. gl. 194; gleicherweisz thut man auch dem braunen erdtrich, dem roten, sandechten, schwartzen, weiszen, dürren, lucken, weisz leymechten und auch dem, das an den büheln ligt
M. Herr
feldbau (1551) 43
b;
leucargillion weysser lätt oder leim Frisius (1556) 764; hierauf (
auf die gute erde, humusschicht) folget die weisze ... Zesen
kriegsarbeit (1672) 3, 58; weisze buedem '
leichter boden'
lux. ma. 481. — weiszer sand,
auf den fuszboden gestreut, gilt als ausdruck altväterischer reinlichkeit: der weisze sand lag so unberührt auf der diele Storm (1899) 1, 67. — 'weisze steine
ist eine benen nung der gewöhnlichen mauersteine, im gegensatze zu den hierorts (
Berlin)
häufig vorkommenden Rathenauer mauersteinen, welche gewöhnlich eine mehr röthliche farbe haben' Helfft
landbaukunst (1836) 406
a. B@2@a@dδ)
von nahrungsmitteln, getränken u. ähnl. weiszer kohl,
vgl. weiszkohl, weiszkraut:
beta weys ramisch (
römisch) chol (
voc. v. 1432)
bei Diefenbach
nov. gl. 51; wieszes koles (
v. j. 1471)
urkundenb. v. Magdeburg 3, 79; wir haben heute weiszen kohl und hammelfleisch A. v. Arnim 5, 10;
s. auch Kretschmer
wortgeogr., der weiszer kohl
noch für Lübeck, Hannover, Bremen angibt. mundartlich z. b. weisz kabes '
weiszer kohl'
lux. ma. 481. — weiszer pfeffer: daz dreierlei pfeffer sei, swarzer, langer und weiszer Konrad v. Megenberg
buch d. natur 373
Pf.; productionsländer für den gewöhnlichen schwarzen und weiszen pfeffer Schedel
waarenlex. (1863) 3, 196
b. —
von speisen, die mit milch oder mehl bereitet sind: lactatum wit mues (
voc. v. 1420)
bei Diefenbach 315;
lactatum (
olus) wysz muysze (15.
jh.)
ebda, vgl. mundartlich bei Fischer
schwäb. 6, 1, 645;
daher weisze kost '
fleischlose kost': das leben war ihr nur auf ihrem sopha erträglich bei mattem licht, weiszer kost, leisem gespräch Hopfen
d. alte praktikant (1891) 178,
vgl. dazu auch altisl. hvítr matr '
white meat, i. e. milk, curds, and the like, opp. to flesh' Cleasby-Vigfússon 302
und a thirde kinde of meats, which is neither fishe nor fleshe, commonly called white meats as egges, milk, butter, cheese (
v. j. 1584)
bei Murray 10, 2, 79. 'weiszes
bey dem kaffe trinken, insbesondere soviel als milch, z. b. befehlen sie (
anrede) etwas weiszes? ich bitte mirs schwarz aus' Rüdiger
zuwachs d. sprachkunde (1782) 2, 129; weiszer kaffee, ein weiszer
für '
kaffee mit milch'
ist z. b. in Österreich üblich; ebenso vom tee: (
Albert:) schenk eine tasse thee mir ein! (
Lina:) befehlen sie (
anrede) weisz? Müllner
dram. w. (1828) 6, 190. B@2@a@eε)
technisch-handwerkliche ausdrücke: weisz oder gebleicht wachs
white wax Ludwig
t.-engl. (1716) 2436;
in der lederverarbeitung weisz gerben
mit alaun, im gegensatz zur rot- oder lohgerberei: ochsen- und pferdeleder, so weisz oder wit gegeret ist (
v. j. 1642)
bei Krumbholtz
gewerbe d. st. Münster 465,
vgl. 468,
sowie weiszgar
u. weiszgerber
sp. 1211
f. 'ein weiszes tau,
in der schifffahrt, ein ungetheertes' Campe (1807) 5, 656. weisze salbe
bezeichnung eines mit bleiweisz hergestellten heilmittels (
vgl. Chr. Wirsung
arzneib. [1584] 592
und register unter bleiweiszsalb): ists (
das jucken) dann ausz geschweren, so brauch die weisze und andere salben Chr. Wirsung
arzneibuch (1584) 343;
als umschreibung für ein '
wirkungsloses mittel, charakterloses machwerk' (
vgl. teil 8, 1686): aber wie oft haben wir darüber gelacht, dasz die 'staatszeitung' so offiziell den karakter einer politischen weiszen salbe annimmt fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. (1873) 3, 134;
von einem unentschiedenen menschen: er ist die reine weisze salbe Frischbier
preusz. wb. 2, 462. B@2@a@zζ)
medizinisches; weiszer flusz (
teil 3, 1855)
der frauen, älternhd. auch weisze krankheit, zeit (
teil 15, 539), blumen, gesicht (gesicht
teil 4, 1, 2, 4099, gesüchte
teil 4, 1, 2, 4288): aneis ... rainigt die muoter von dem weizen fluz Konrad v. Megenberg
buch d. natur 385
Pf.; wer den weiszen flusz hat, soll einen silbernen fingerring tragen Buck
med. volksgl. a. Schwaben (1865) 59; dieser gebrechen, welchen die weiber das weisz gesicht, die artzte menstrua alba nennen Wirsung
arzneibuch (1584) 525; (
anisöl pflegt) die weiszen blumen und den blutgang der weiber zu stopffen Sebiz
feldbau (1579) 442; die weisze zeit der weiber 84; so das weib am zehenden tag oder früer nach der beyschlaffung von der uberflüssigen feuchte oder materi der weiszen oder roten kranckheit beschwärt oder angefochten wirdt J. Ruoff
hebammenbuch (1580) 136;
auch substantiviert das weisze '
weiszer flusz': so ein fraw das weisz hefftig oder ein böse mutter hat Gäbelkover
arzneibuch (1596) 2, 15; '
fluor albus, muliebris oder uterinus der weisze flusz, das weisze' Blancard
med. wb. (1710) 276. weisze ruhr: ist aber die rhur nicht rot, sondern gelb, weisz oder äschenfarb O. Gäbelkover
arzneibuch (1595) 1, 250; weisze ruhr
coeliaca affectio Nemnich
lex. nos. polygl. (1801) 17.
von geschwüren und ausschlag, vgl. alcole i(
d est)
aphthe die wyszen bletterlin in dem munde (
hs. um 1400)
bei Diefenbach
nov. gloss. 15; ein weysz geschwär
albidum ulcus Maaler (1561) 492
a: Platina sagt von eim wunderbarlichen krätz oder reudigkeit, der zu diser zeit sey umbgangen: die leut seind mit weissen rauden überzogen gewesen wie ein birk als seyen sie aussetzig Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 62. 'weisze substanz
des gehirnes ..., die sich scharf gegen die ringsum von ihr umgebene graue substanz abhebt' Ziegler
zool. wb. (1909) 634: darnach folget die substantz des hyrns und das ist weych und weissz und einer ronden figuren Gersdorff
wundarznei (1526) 4
b. B@2@a@hη)
von metallen. B@2@a@h@aaaa)
silber als weiszes
metall schlechthin, oft im gegensatz zum roten (
vgl. teil 8, 1290
f.)
golde, kupfer; in mhd. dichtung als epitheton ornans sowohl '
glänzend'
wie '
weisz'
einbegreifend (
s. oben A 2),
wird weisz
schon im 13.
jh. auch terminologisch in der sprache des münz- und goldschmiedegewerbes zur unterscheidung der relativen farbqualität gebraucht, in der sich der silbergehalt kund tut. von silbernen oder stark silberhaltigen münzen, s. auch witten,
weiszgroschen,
weiszpfennig: phenninge sol der muntêre halden phundich unde evene swêr unde glîche wîz Eike v. Repgow
Sachsensp. 79
Eckh.; 64 m (
ark) lubisch und 2 weyse pfenge (
um 1400)
Marienb. treszlerb. 321
Joachim; die Egerischen heller, der sechs ein weiszen pfenning gelten Mathesius
Sarepta (1571) 176
b; 42 mark Prsch ..., d hAet her uns gegebin vor ws Lbisch gelt (
um 1402)
handelsrechn. d. dt. ordens 149
Sattler; 1126 gulden an golde und an wisem gelde
quelle d. 15.
jhs. in: Germania 25, 348; die (
bürger) solten ainander zalen mit weiszer müntz (
um 1460)
städtechron. 5, 224; auff zalten sie vier weisze groschen
bergreihen 98
ndr.; ey, es ist schade um meinen schönen topff, er kostet mich 8 weisze groschen und 3 heller A. Gryphius
lustsp. 44
lit. ver. —
auch sonst für '
silbern': auch stifel an die
fusz zumal mit ertz beschlagen uberall darzu geziert mit rincken weisz (
ἀργυρέοισι ἐπισφυρίοις) Spreng
Ilias (1610) 36;
im besonderen ist weisz
das reine silber erstlichs von den goldtschmiden wie und in was werth dieselben ein jedes loth silber, weisz und verguldet, zu verarbeiten schuldig sein sollen
ordnunge nachbemelter handtwercker (1579) B 2
a.
vom silberhaltigen und daher weiszlich erscheinenden gold, vgl. auch weiszgold: das pleichmal (= blachmal,
teil 2, 59) des weiszen goldts
mistura auri argentosi Ph. Bech
Agricolas bergwerkbuch (1557) 386;
modern weisze karatierung
legierung des goldes mit silber. schon im mhd. substantiviert das weisze
oder das weisz '
silber': dennoch wirt unrecht wol bekant als eyn copper penning in der hant, swen im ûz blicket sîn rôte schîn mang penningen die geve (
gang und gäbe, echt) sîn unde im daz wîzze wirt abe gevegit Eike v. Repgow
Sachsenspiegel 12
Eckh.; solt niemant kain ander müntz nemen dann Augspurger alt und neu, die schlug man die mark ze 6 lot weisz (
um 1460)
städtechron. 5, 223; probiernodlen macht man zweyerley, etliche dienen uff silber unnd kupffer, etliche die dienen uff goldt, zum roten und zum weissen (
ob das gold mit kupfer oder mit silber legiert ist) Schreittmann
probierbüchlein (1578) 81
b,
dazu: der zusatz beim gold besteht aus silber oder kupfer oder, wie die schmelzer reden, weisz und rot Jablonsky
allg. lex. d. künste u. wiss. (1721) 403
a. B@2@a@h@bbbb)
seltener von andern metallen; 'weiszes gold
ist der name der platina' Voigt
handw. (1807) 2, 561: Balbin ... beschrieb in seiner naturgeschichte Böhmens ein weiszes gold, welches man für silber halten würde, wenn es nicht das gewicht und andere eigenschaften hätte, die sonst nur das gold bezeichnen Poppe
technol. (1810) 2, 503. weiszes gold
in anderm sinne sieh oben bei aa. 'weiszes eisen,
bei den schmieden, weiches eisen, dessen bruch nicht so grau als der des harten eisens und weiszlich ist' Campe 5, 656.
im sinne von '
zinnhaltig'
tritt weisz
als kompositionsbestandteil auf in weiszblech, -gieszer, -gusz, -lot, -metall, -sud (
vgl. dort den beleg von Jacobsson). B@2@bb) weisz
als allgemeine kennzeichnung der hellen hautfarbe europäischer menschenrassen gegenüber den farbigen rassen, seit dem 17.
jh. bezeugt: gute und böse wären unter allen völckern, wie weisze leute und schwartze mohren in der welt Lohenstein
Arminius (1689) 1, 969; hier (
vom 31.
bis zum 52.
grad) finden wir zwar weisze, doch brünette einwohner Kant
s. w. (1838) 10, 42; der 'hauch des weiszen mannes', welcher die Indianerstämme aussterben macht W. H. Riehl
dt. arbeit (1861) 62;
als rassenbezeichnung von der bezeichnung der hautfarbe deutlich abgesetzt: je weiszer die mischlinge sind, desto schwerer sind sie von den wirklichen weiszen Brasilianern zu unterscheiden, die ja häufig eine dunklere hautfarbe besitzen als die vermischten abkömmlinge ihrer einstigen sklaven E. v. Hesse-Wartegg
zw. Anden u. Amazonas (1915) 87;
hierzu: weisze sklaven,
vgl. engl. white slaves,
moderne metapher für die sozial entrechteten in Europa: weisze sklaven E. Willkomm (1845) (
romantitel); ich weisz, wie s auf rittergütern zugeht, das ist ja die weisze sklaverei W. v. Polenz
Grabenhäger (1898) 2, 22.
oft substantiviert: der weisze, die weisze '
angehörige(
r)
der weiszen rasse': ein mohr und weiszer zankten sich Lichtwer
schr. (1826) 26; ich bin den Europäern hold, denn meine mutter war auch eine weisze v. Petrasch
s. lustsp. (1765) 1, 91; Indianer sinds, die von der heimath scheiden ... stets weiter drängen uns, als ihre heerde, stets weiter, weiter, die verfluchten weiszen Lenau
ged. (1857) 1, 220. B@2@cc) weisz
für die hellste tönung von blond bei menschlichen haaren, vgl. weiszblond und altnord. of þann inn hvíta hadd Svanhildar
Edda, Gudrúnarhvǫt 16, 7
Neckel; manna friðastr sýnum ok hvítr á har
förnmannasögur 6, 130 (
ausg. von 1825): ain kraus, weiss har von locken dick het ainst mein haubt bedecket dasselb plasniert sich swarz und graw, von schilden kal durchschecket Oswald v. Wolkenstein 93, 19
Schatz; hüt dich für einem roten Wahlen, weiszen Frantzosen und schwartzen Deutschen Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, I i 5
b; Fuchsmundi will einen advokaten fragen, ob er ein braunes oder weiszes mägdlein heurathen solle Stranitzky
ollapatrida 50
Wiener ndr.; der jüngling ... schöner bildung und weiszes haars Klopstock
gelehrtenrep. (1774) 293;
später noch mundartlich belegt, vgl. wisə horə
hellblondes haar Hentrich
Eichsf. 1. B@2@dd) weiszes
erntefeld, das hellgelbe reife, nach Joh. 4, 35: bidiu siu (
thiu lant) uuizu sint íu zi arni (
regiones, quia albae sunt iam ad messem)
Tatian 87, 8
S.; weysz zuo dem schnitte
erste dt. bibel 1, 349
lit. ver.; das felt ist als in der ern wîz
Alsfelder passionsspiel 1391; wenn sie (
die gespielen) hand in hand am schönen sommerabend aufs weisze ährenfeld gehn S. Geszner
schr. (1762) 1, 205;
wie '
reif'
gebraucht: im centrum des blitzes beweiset sichs, dasz die ernte schon gar weisz ist J. Böhme
s. w. 2, 136
Schiebler. B@33)
bei gegenständen von einheitlich weiszer färbung kann weisz
den zustand der reinheit, unbeflecktheit, ungetrübtheit besonders stark hervorheben und nähert sich dann begriffen wie '
rein, sauber, fleckenlos, lauter, klar'
; hieran schlieszt sich auch die symbolische verwendung von weisz
als sinnbild der reinheit und unschuld (
s. unten C 1)
an. B@3@aa)
in den verbalen wendungen weisz brennen, weisz
sieden die aus der metalltechnik stammen. weisz brennen, sich weisz brennen; alt belegt ist das silber weisz brennen '
von schlacken befreien, reinigen',
vgl. oben B 2 a
η aa
und gebrandt oder fein silber, heyszen sie (
die münzmeister) weisz
probierbüchlein auf gold (1580) 28
b: der (
Augustus) vorderôte gold rôt unt silber wîze gebrande ûz allen den landen priester Wernher
Maria 37, 10
Wesle; übertragen '
reinigen'
erst seit dem 17.
jh. belegt: schickte dieser seine brüder ... nach Rom, ihn von allen verläumdungen weisz zu brennen, gleichwol aber konnten sie sich so rein nicht waschen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 881
b; der richter ist mein handwerksmann, ... wenns unsere ehre weisz zu brennen gilt H. v. Kleist 1, 352
E. Schmidt; die reflexive wendung sich weisz brennen
ist schon seit dem 16.
jh. im sinne von '
sich nach auszen hin als rein, sauber, unschuldig hinstellen'
verbreitet, vgl. sich weisz brennen
falsa sceleribus praetendere, titulum facinoris speciosum praeferre Stieler
stammbaum 2487
und Frischbier
preusz. wb. 2, 462: da her auch das sprichwort kompt, so man von solchen entschüldigern spricht: ey wie weis bornet er sich, ey, borne dich nicht zu helle Luther 30, 2, 28
W.; ein liederliche auszred, mit deren du dich vermeynest weisz zu brennen Moscherosch
gesichte Philanders (1650) 2, 127; indes will ich mich nicht weis brennen. habe ichs besser gemacht, wie ich jung war? Hermes
Sophiens reise (1778) 1, 448.
weisz sieden (
vgl. sieden
teil 10, 1 877
und oben B 2 a
η aa): 'das weiszsieden,
die handlung der metallarbeiter, da sie das verarbeitete silber oder messing mit weinstein oder küchensalz sieden, um es dadurch zu reinigen und ihm eine weisze farbe zu geben' Adelung (1774) 4, 1470: und so der (
erz)gang fündig ist, da sihet man die silbern spangen, knöpff, zeinen, kuchen, streuszlein drinn und dran, so weisz und artig als hette sie ein goldschmied ausgesotten Mathesius
Sarepta (1578)
vorrede 2
a; in der münze zum ersten weisz sieden
nummos infectos primum malleatos sartagine cogere, wieder weisz sieden
monetales plagulas medicata aqua eluere Stieler
stammbaum 2488; das weiszsieden (
getriebener arbeiten) hat auch bei so groszen werken seine schwierigkeit Göthe 44, 327
W. garn weisz sieden
s. teil 10, 1, 878 —
anders, im sinne von '
versilbern',
vgl. weiszgesotten und unter das weisze
das silber',
oben 2 a
η aa,
den beleg aus dem Sachsenspiegel und wie solche leichte müntzen, wie weisz sie auch gesotten sind, dannoch anderst nichtes in sich haben als kupffer am halt (
gehalt) Moscherosch
sprachverderber (1643) 5.
als '
verzinnen'
s. Jacobsson 4, 631,
vgl. den beleg bei weiszsud. B@3@bb) (sich)
weisz waschen '
sauber waschen',
vgl. sprichwörtliches wie: doch merk mich recht, merk mich mit fleisz, was man nicht wäscht wird selten weisz
dt. volksbücher 5, 1
Simrock; weisz waschen
wie rein waschen (
vgl. teil 13, 2229),
bildlich: da man einmal die Spanier weisz gewäschen (
hat) Fischart
Garg. 39
ndr.; meinen clienten ... von dem schwarzen flecken, den seine ehre durch die offenbarung der abscheulichen anecdote zugezogen, weisz zu waschen Wieland
s. w. (1853) 33, 31; die werfen ihre herzen in die bresche ... und waschen fromm die fremde sündenwäsche mit ihrem reinen blute wieder weisz A. Wildgans
österr. ged. (1914) 21;
auch reflexiv gebraucht sich weisz waschen '
sich von einem vorwurf, verdacht reinigen',
vgl.es wil sich ein jeder weisz waschen
patrocinium vitiis quaerimus Aler
dict. (1727) 2171
a;
ebenso modern üblich, z. b. von diesem vorwurf wird er sich nicht weisz waschen können.
so auch ohne das verb weisze wäsche '
reine, sauber gewaschene wäsche',
z. b. im gegensatz zu schwarz =
schmutzig (
s. teil 9, 2314): (
Joseph) nahm ... den leib (
Christi) und wickelt ihn in ein kostlich weisz leylach (
in sindone munda) Egranus
predigten 114
Buchw.; weisze wäsche, rein leinenzeug
clean linnen Ludwig
t.-engl. (1716) 2436; ein weisz hemd anlegen
to put on a clean shirt, 2435, weisze bettücher einbreiten
to lay fresh sheets or blankets upon a bed 2436;
vgl. weisz
sauber, unbefleckt Frischbier
preusz. wb. 2, 462.
modern gilt die weisze weste als
umschreibung für '
untadelige handlungsweise': ich fragte Moltke, ob er unser unternehmen bei Preszburg für gefährlich oder für unbedenklich halte. bis jetzt hätten wir keinen flecken auf der weiszen weste Bismarck
ges. w. 15 (1932) 275; die untersuchung der kommission habe damals eine tadellos weisze weste der zechenbesitzer ergeben
Leipziger neueste nachr. 29.
juni 1905. B@3@cc)
unbeschriebens oder unbedrucktes papier wird weisz
genannt, vgl. purae chartae rein unnd weysz papyr darinn nüt geschriben ist Frisius
dict. (1556) 216: (
Gelanor) nahm einen weiszen bogen papier und schrieb oben darauf Chr. Weise
erznarren 111
ndr.; etliche zeilen weisz lassen
lasciar alcune linee in bianco Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1308; 'weisz
oder leer
heist dasjenige theil in den tagebüchern der kauffleute, so nicht beschrieben sind'
Chomels öcon. lex. (1750) 2, 175; weil dadurch (
durch das wort corollarium) dasjenige angezeigt wird, was auf das letzte weisze blatt gedruckt wird Rabener (1777) 1, 169; der dichtung faden läszt sich heut nicht fassen, ich bitte mir die blätter weisz zu lassen Göthe 4, 33
W.; der weisze fleck auf der landkarte
nicht dargestellte gegend, die geographisch noch nicht erforscht ist, vgl. jene gebiete, die in den kartenwerken als unerforscht bezeichnet wurden und demzufolge als weisze flecken galten
völk. beob. 26.
sept. 1937; ein weiszes (
erg. los) '
eine niete': ein weiszes in einer loterey
a blank in a lotery Ludwig (1716) 2435;
in älterer musiktheorie weisze note
note mit unausgefülltem kopf '
halbe, ganze note',
vgl. alba rotunda eine gantz weisze Pomey
indic. univ. (1720) 322;
blanche ... eine weise note, insonderheit aber die minima oder halbschlägige Walther
mus. lex. (1732) 96; man (
stelle) sich die runde weisze note ohne strich ... als ganzes vor Quantz
anweis. d. flöte zu spielen (1789) 54; ihr gelingt ein lied wie ein choral, weil sie die weiszen noten mit ausnehmender kraft hebt und trägt Schubart
ästhetik d. tonkunst (1806) 91.
vergleichbar: das kurtz s mach also ... solichs hab ich hernach weisz mit den linien (
leerer umrisz), und schwartz in rechter ordnung (
ausgefüllt) fürgeschriben A. Dürer
unterweis. d. mess. (1525) M 1
b. B@3@dd)
von durchsichtigen dingen im sinne von '
ungetrübt, rein, klar',
doch hauptsächlich auf poetischen gebrauch beschränkt: die zimmer und die sähl seind gantz durchscheinend weisz, mit gebognem cristall gefüget und beschlossen Weckherlin
ged. 1, 368
lit. ver.; wie juweliere ihre edelsteine ... nach ihrem hellen weiszen wasser schätzen und ausbieten Jean Paul
s. w. (1826) 54, 90,
vgl.wasser II C 3 a
teil 13, 2334. CC.
einige feste und typisch gewordene anwendungen der weiszen farbe und von weiszen dingen, die einen bestimmten symbolwert haben, sind gesondert aufzuführen, obschon sie sprachlich B 1
oder 2
zugehören; der sinnbildliche charakter ist in neuerer sprache nicht immer deutlich, so dasz z. t. nur die formel als solche noch weiter lebt. C@11)
als symbol der äuszeren und inneren reinheit und unschuld gilt die weisze
farbe (
s. weisz B 3)
seit alters in sakralen gebräuchen der christlichen kirche (
und nicht nur in ihr),
wobei bestimmte biblische motive den ausgangspunkt bilden, wie etwa apokal. 3, 4
f. C@1@aa) weisz
als die farbe der reinheit und unschuld; namentlich findet das weisze gewand, kleid
solche sinnbildliche verwendung: die wiziu cleider truogen nach kuschir art ... Hugo v. Langenstein
Martina 147, 107; o unschuld, du engel vom himmel gesandt, mit goldenem gürtel und weiszem gewand Schubart
s. ged. (1825) 2, 297; die ihr an des lebens blumenschwelle in der unschuld weiszem kleide spielt Schiller 1, 187
G.; das kleid von weiszer unschuldfarbe flosz hernieder zu den lichtversagten knöcheln Grillparzer
s. w. (1874) 2, 165;
darum ist das gewand des täuflings weisz: daz man im (
dem bekehrten) gæbe 〈ein〉 wîz gewant ûz der kemenâten sîn (
des kaisers) Konrad v. Würzburg
Silv. 2032
G.; das wird bedeut durchs hembdlein weis, so man dem teuffling schencket Ringwaldt
evangelia (1581) F 4 b;
auch weisze
blumen, namentlich die lilie, gelten als derartige symbole: so wirt di kuscheit also reine der wissen lilien geleget zu Joh. Rothe
lob d. keuschh. 2307
N.; bildlich: die weiszen blumen stehen wol auff einem jungen haupte Petri
der Teutschen weisheit (1604) 2, R 5
b; im klostergarten dürfen blosz weisze liljen blühn H. Löns
kl. rosengarten (1914) 97.
in gleichem sinne wird die weisze taube (
vgl. teil 11, 1, 1, 167)
verwendet: die unschuld sasz am dache fromm in stillen weiszen tauben Lenau
ged. (1857) 1, 9. C@1@bb)
der symbolische beisinn löst sich ab und wird selbständig in der bedeutung '
rein, unbefleckt, unschuldig',
vgl. schneeweisz
teil 9, 1, 1244;
schon frühmhd. ganz unsinnlich, vgl. er (
gott) nam hie fleisch unde bein, sîn snêwiziu sêle fuor in die phalnzen hêre priester Wernher
Maria 167
Wesle; noch ganz bildhaft: swenne uns daz hâr beginnet wîzen, sô sölte wir tac und naht uns flîzen, daz dennoch unser sêle wîz würde, ûf der lît swarzer sunden bürde Hugo v. Trimberg
renner 10 411
Ehr.; wer ander leüt schwertzt, ist darumb nit weisz Fischart
groszm. 18
ndr.; abstracter: auf diesen trost solte jederman ... einen newen weiszen unbefleckten wandel führen Val. Herberger
herzpostille (1613) 1, 435; Jesu Christo sey lob und preisz, Jesu, dem lieben kindlein weisz! H. Örtel
bei Fischer-Tümpel 1, 123;
vereinzelt sogar mit präposition neben rein: ... da wolt doch got verschonen und meiner händen werck, vom bösen rein und weisz, mit seiner hand belohnen Weckherlin 2, 46
Fischer; wer nur ... die weisze unschuld in allen verrichtungen betrachten wolte Chr. Weise
polit. redner (1677) 684; damit wir sollen weisz und rein und rechte kinder gottes sein E.
M. Arndt
s. w. 3, 287
R.-M.; das hertz ist wol bey ihnen (
den aposteln) weisz gewesen wie den kindern gottes gebühret Val. Herberger
herzpostille (1613) 1, 436; Celinde ... dachte: um so weiszer wird sein herz sein Gutzkow
ges. w. (1872) I 5, 256.
hierher auch die weisze
kunst,
vgl.kunst teil 5, 2678, die weisze magie '
unschuldige, nicht sündige zauberei'
im gegensatz zur schwarzen kunst (
vgl.schwarz teil 9, 2316
f.): es sind kunstreiche leute, das sag ich dir fur war. es gehet alles hie mit der weissen kunst zu und nicht mit schlechten kreutern Luther 30, 2, 372
Weim.; da auch fromme männer dieser sogenannten weiszen magie pflegten Alexis
hosen (1846) 2, 2, 216. C@22)
als wappenfarbe und parteifarbe; heraldisch vertritt weisz
das silber: silbir adir golt di muszin lin (
liegen) uf allin gewappintin schildin, wiz und gel do vor ouch sin an veldin adir an bildin Joh. Rothe
rittersp. 595
N.; weisz oder silberfarb Ph. Jac. Spener
oper. herald. pars gen. (1690) 110.
von der weiszen
wappenfarbe der 1815
restaurierten Bourbonen wird die bezeichnung königstreuer, dann allgemein politisch rechtsgerichteter gruppen als weisz
herrühren im gegensatz zur roten (
s. teil 8, 1293)
farbe des umsturzes, vgl. Murray
s. v. white 6 b: nun brach ... über Südfrankreich die raserei des weiszen schreckens herein Treitschke
dt. gesch. (1892) 2, 95,
vgl. frz. terreur blanche
weisze reaktion nach 1815;
als fester begriff im deutschen erst seit der russischen revolution 1917/18
geläufig, vgl. weisze armee, weisze garde, weiszgardist
u. s. w., wo weisz
den gegensatz zu rot
d. i. bolschewistisch bedeutet: zwischen weisz und rot E. E. Dwinger (1930) (
buchtitel); wir leben jetzt unterm weiszen regiment
derselbe armee hinter stacheldraht (1929) 254; sie hatte mich als den organisator einer weiszen garde angeklagt A. Winnig
heimkehr (1935) 100;
auch substantiviert die weiszen
gegenüber den roten,
den revolutionären. C@33) weisz
als farbe des glücks und guter vorbedeutung. in der mittelalterlichen farbensymbolik gilt weisz
als die farbe der hoffnung, vgl. Wackernagel
kl. schr. 1, 205: wîz hofenunge wîset Hadamar v. Laber
jagd 244
Schm.; weisz pedeutet guten wan, den mir di minn hat auf gethan
fastnachtsp. 778
Keller. seit dem humanismus bis zum 18./19.
jh. finden sich nicht selten anspielungen auf antiken brauch und antike vorstellung von der weiszen
farbe als der des glückes und sieges: mein sache nun wol gut sol werdn, ich reite nur auff weiszen pferdn (1581)
Berliner Pyramus-Thisbe-spiel 18
lit. ver. 255; vorzeiten haben die Traces und Creter durch weisse stein die freudenreiche glückfertige tag verstanden, durch schwartze die traurige unglückselige Fischart
Garg. 191
ndr.; er versicherte ..., dasz er und seine gesellschaft für freuden auszer sich waren, und diesen tag mit einem weiszen steine bezeichnen wollten Rabener
s. schr. (1777) 2, 127; geselle dich zu meinem glücke, und wir wollen sehen, welcher genius der stärkste ist, dein schwarzer oder mein weiszer! Göthe 22, 12
W.; vergleichbar: dann pflanzen wir ein weiszes siegeszeichen am freien Rheinstrom auf Körner 1, 126
Hempel. der weiszen henne sohn '
glückskind' (
nach gallinae filius albae, Juvenalis 13, 141): ich höre gierig an, wann dich das glücke liebet, du, weisz ich, bist betrübet wann mir es leid gethan. ich bin der weiszen hennen ihr sohn doch nicht zu nennen Tscherning
vortrab d. sommers dt. ged. (1655) 146; nun, das heiszt doch würklich der weiszen henne ächter sohn seyn! solch ein glückszufall hat mich doch zeitlebens noch nicht betroffen Kretschmann
s. w. (1784) 4, 74.
heimischen ursprungs scheint die mundartliche wendung einen weiszen fusz bei jem. haben
oder sich e. w.
f. machen,
vgl.enen witten foot by jemand hebben '
bey einem wohl angeschrieben stehen'
brem.-niedersächs. (1767) 1, 443; sik en witten foot maken bi een '
sich einschmeicheln' Schütze
holst. (1800) 1, 131; 'das kommt von eurem klugen deichgrafen ..., der ... seine finger dann in alles steckt'. 'ja ..., er ... sucht beim oberdeichgraf sich nen weiszen fusz zu machen' Storm
s. w. (1898) 7, 207,
vgl.fusz I A 5 a (
teil 4, 1, 1, 972). C@44)
selten erscheint weisz
als farbe der trauer: grave Gotfridt Wernher hat sie (
die gräfin) in lauter weiser beclaidung und beschuung ein ganz jar clagt
zimmer. chron.2 4, 3; die itzige welt ist zwar auch eine lustige stadt, aber auff eine gewisse zeit: sintemal sie im winter mit schnee wie mit einem weisen trawerschleyer umbhänget ist Meyfart
himml. Jerusalem (1630) 2, 121; er trauere sanft und still, wie eine fürstin im sanften weisz Jean Paul
w. 7/10, 271
Hempel. C@55)
in bestimmten sachbezügen formelhaften charakters. C@5@aa)
weiszer stab, weiszer stecken (
vgl.stab II 5 f
β teil 10, 2, 337
und stäblein 2 d
ebda 372);
ihn trugen landesverwiesene, s. rechtsaltert.4 1, 185,
wo weitere belege: (
das) kriegsvolck in der statt hat man mit irer hab lassen abziechen, die burger und eynwoner, yetwetrem ayn weysz stecklin in die hant und in das ellend vertriben
quellen z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 214
lit. ver.; (
wollten sie) die wehr von sich legen, so wölt er sie mit weiszen stäben ausz dem land lassen passiren Adam Reiszner
hist. Georgen und Kasparn v. Frundsberg (1572) 17
b; er (
der vater) gab mir einen weisen stecken in meine rechte hand, und weist mich in das dreyunddreysigste land
schwerttänzerlied in: Winkelmann
beschr. v. Hessen u. Hersfeld (1697) 374;
daher mit dem (am) weiszen stab (stock) '
als bettler': dat en ihrlich man ... nich vertwifelt, wenn hei mit en witten stock in de welt geiht Fr. Reuter 2, 23
Seelm.; wie lange wird es währen, so kann ich sie (
die pachtsumme) nicht aufbringen und dann müssen ich und die meinigen mit dem weiszen stabe durch das land ziehen Th. H. Pantenius im
gottesländchen (1898) 19;
mundartlich: he get am witten stöcksken
er bettelt Woeste
westf. 327. der weisze stab
als zeichen der amtsgewalt, besonders der richterlichen, doch ist die weisze
farbe in den quellen oft nicht ausdrücklich angegeben, vgl. die belege unter stab II 8 f (
teil 10, 2, 346): item so sall der markgreve van Gulich (
Jülich) uf einem einoigich weisz pert sitzen ... u. he sall haven ... einen weiszen staf (1342)
rechtsaltert.4 1, 85; des ertzbischoffs zu Trier scholthess, als ein hochrichter und schirmher mit einem weiszen stabe (1518)
weisth. 2, 601; man sprach das urtheil über ihn, der weisze stab lag ihm zu füszen Lichtwer
schr. (1828) 12; dem schöffen blickt er (
der tod) ins gesicht, der just das weisze stäblein bricht Geibel
ges. w. (1883) 1, 91;
bei diplomatischen sendungen, vgl. teil 10, 2, 345: was aber vor anfang eines kriegsz, absag unnd dergleichen feindsbrieff, von grossen herren einander uberschickt (
wird), das wirt auch etwan öffentlich an weisen stäben geführt L. Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) 43
b;
als requisit des astrologen, der die weisze kunst (
s. oben C 1 b)
pflegt, vgl. stab 10 (
teil 10, 2, 355)
und weiszgeschält: (Seni) tritt in die mitte des saals, ein weiszes stäbchen in der hand Schiller 12, 93
G. C@5@bb)
weisze fahne als zeichen des friedens, der übergabe, vgl. 'weise fahne ausstecken ...
pfleget zu geschehen, wenn die belagerten in einem ort capituliren und sich ergeben wollen' Fäsch
kriegslex. (1735) 997: worauff die belagerte ein weis fähnlein über die maure ausgestecket und sich zum accord erboten Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 96; als die stadt (
das belagerte Danzig) endlich die weisze fahne aufsteckte E.
M. Arndt 1, 169
R.-M.;
metaphorisch: wie grosze perlen ihr (
der geliebten) in beiden augen stehen! nun frisch aus allen batterien! in fünf minuten musz die weisze fahne wehn Wieland
s. w. (1839) 11, 243; C@5@cc) weisz
gilt als die farbe der gespenster, geister und feen: er gieng zwar nicht weisz, wie die geister in den häusern ... zu erscheinen pflegen Grimmelshausen 2, 533
Keller; schnell schrecket sich ein weiszer geist, der durch die sträuche blinket E. v. Kleist 1, 86
Sauer; und das gespenst erhebt die weiszen finger Tieck
schr. (1828) 2, 209; gell schreit die fee! auflangend sieht er eine hand am steuer, blendend weisz wie schnee C.
F. Meyer
ged. 20
Fränkel. die weisze(n) frau(en) als gespenst, hexeu. dgl., vgl. auch mythol.4 232, 803
ff. und Bächtold-Stäubli
hwb. d. aberglaubens s. v. weisze frau: de witten vrowen hebben afdekket ere tytten
lamiae nudaverunt mammam Lübecker bibel (1494)
klagl. Jerem. 4, 3; nachtgeister und gespenster, welche der gemeine mann weisze weiber oder weisze sibyllen zu nennen pfleget E. Gockel
tract. polyhist. (1699) 15; de witten wyver heft em ünder
die hexen plagen ihn Richey
hamb. (1755) 343; witt wiw
hexe Schumann
Lübeck 69; wie ein kind, das, von der einfältigsten amme gezogen, des nachts sich vor dem schwarzen hund und vor der weiszen frau fürchtet Pestalozzi
schr. (1819) 12, 103; zwischen Hademarschen und Hanerau zeigte sich zwischen himmel und erde schwebend, wieder die weisze frau Müllenhoff
sagen, märchen u. lieder d. hzth. Schleswig, Holstein u. Lauenburg 363
Mensing; weisze frau
die in schlössern spukende ahnfrau: diese (
die gräfin v. Orlamünde) läszt als weisze frau nun ihre schlüsselbündel kollern Platen 10, 79
Koch-Petzet; als fruchtbarkeitsdämon (
über ihren zwiefachen charakter vgl. M. Wähler
die weisze frau [1931] 37): heute noch geht abends ... die weisze frau den wall entlang, liebespaare zu suchen, um sie zu segnen H. Löns
s. w. (1924) 7, 44;
mundartlich: 'die baisze wrâ,
in Pölandl bei Maschen kömmt ... nach dem schnitt die weisze frau ...,
ihr erscheinen ... deutet auf fruchtbarkeit und segen' Schröer
Gottschee 227. C@5@dd)
als bezeichnung gewisser kirchlicher tage. der sonntag dominica in albis oder quasimodogeniti wird seit dem 16.
jh. (
vgl. Grotefend
zeitrechnung d. dt. mittelalters 1, 207)
weiszer sonntag genannt, vgl. oben C 1 a: der weisze sontag, dominica in albis ... auff die allgemeine tauffe der bekehreten heyden die man vorzeiten am osterfest hat gehalten und darbey die newen getaufften christen mit einem schneeweiszen westerhembde oder tauffkleide gezieret, welches sie öffentlich haben gantzer acht tage getragen und heute auff den abend (
des sonntags quasimodogeniti) abgeleget Val. Herberger
herzpostille (1613) 1, 434; des mandages na dem witten sondage achte dage na paschen (1502)
städtechron. 16, 393;
älter für den sonntag invocavit, den ersten sonntag in der fastenzeit weiszer sonntag: biz an den suntag so man singet invocavit in der vasten, den man nennet der wizze suntag (
v. j. 1353)
urkundenbuch d. st. Worms 2, 313
Boos; uff mentag nach dem wyszen sunntag in der vasten als man singet invocavit (
v. j. 1418)
monum. Zoller. 1, 522
St.-M.; am weiszen sontag nach fasznacht, da man die feürbeseher (
s. Fischer
schwäb. 2, 1456) wehlt (
v. j. 1620)
in: zs. f. kulturgesch. 8, 182.
weiszer freitag, weiszer donnerstag der karwoche, letzterer wohl wegen der weiszen paramente und der weiszen kleidung der öffentlichen büszer, die am gründonnerstag losgesprochen wurden: item up wyssen frydach zur spynden 2 mal. ... 2 virdel roggen (
v. j. 1455)
urkundl. beitr. Münstereifel 144
Scheins; item off den wijssen frijdaich vur myttage saegen wir die passie spelen in dem coleseum (
um 1500) Arnold v. Harff
pilgerf. 33
Groote; gleich wie er (
Christus) seiner apostel füsz gewäschen hat, also musz der papst der armen ... füsze mit groszen ceremonien und vilem gepräng auff den grünen oder weissen donnerstag wäschen Fischart
bienenkorb (1588) 162
b; in dem hilligen wytten donnerdage, do du dit hill(ige) sacrament ersten settedest
Brem. kerkengebede bei Schiller-Lübben 1, 540. DD.
substantivierungen treten seit dem mhd. (
vgl.B 1 g
γ)
auf; soweit sie sich unmittelbar an einem adjektivischen gebrauch von weisz
anschlieszen, sind sie unter A—C
an zugehöriger stelle behandelt, z. b. das weisz '
schnee' B 1 a, in weisz(em) '
in weiszem kleide' B 1 c, das weisz '
weiszer farbstoff' B 1 d, das weisz '
weisze farbe' B 1 e, g, der weisze '
weiszer wein' B 2 a
α, das weisze '
weiszer flusz' B 2 a
ζ, das weisze (weisz) '
silber' B 2 a
η aa, der (die) weisze '
weiszrassiger' B 2 b, die weiszen '
anhänger der weiszen partei' C 2.
im folgenden sind solche substantivierungen aufgeführt, die sich zu selbständigen sachbezeichnungen entwickelt haben. D@11)
als neutrum das weisze, weiszes. D@1@aa) das weisze (weiszes) im auge '
weisze augenhaut',
vgl. albugo das weise in den ougen (1470) Diefenbach
ml. hd. böhm. wb. 18: das wisse in baiden ogen sin was schöner vil den lylien fin schweizer Wernher
Marienleben 5833
Päpke-Hübner; (
flieszende) augen, mit irer röty und geschwulst und ufflauffen des wisszes der augen Gersdorff
wundarznei (1526) 85
b; er (
der adler) hat auch gantz brünnende augen, saffergäl, also dasz das weysz darinn dem stein topasio nit unglych Heuszlin
Gesners vogelbuch (1557) 1
b; das weisze der augen (
war) gantz gelb Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 2 (1711) 17; der
augapfel wird klein, dasz man kein weiszes um den stern sieht Herder 13, 118
Suph.; (
der wilde) betrachtete sie (
die perücke) lange unverwandt, man sah fast nur das weisze in seinen augen Eichendorff
s. w. (1864) 3, 246. einem das weisze im auge sehen
als maszstab für die nähe der gegner im kampf gebraucht, dann umschreibung für '
mutig standhalten', '
herausfordernd anblicken': die hoffleut (
sollen) nicht loszbrennen, bisz sie einem sehen das weisz in augen schimmern Kirchhof
milit. disc. (1602) 157; da dan ... die königl. schwedische damahls erst hart auf ihn wie sie ihm das weisse in den augen sehen können, fewr gegeben Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 160; 'hinterrücks?' warum nicht gar! das weisze im auge sehe ich selbst meinem feinde und lasz ihn dann sich verteidigen, wenn er kann Nicolai
Nothanker (1774) 1, 150; (
dasz) den steifen damen und den unverschämten herrn, die uns ins weisze sehen wollen, die augen übergehen sollen Wieland
s. w. (1794) 18, 181; im schlachtgetümmel sah er dem feinde das weisze im auge Mommsen
röm. gesch. (1865) 3, 11; das ist einer der seltenen orte, ... wo jeder kämpfer für kurze sekunden dem andern in das weisze der augen sah E. Jünger
d. wäldchen 125 (1928) 232.
ähnlich auch einem das weisze im auge zeigen '
einem tapfer entgegentreten': als ein recht braver kerl hätt er ... seinem mann das weisze im aug selbst zeigen sollen H. L. Wagner
theaterstücke (1779) 53; nein, laszt uns sterben, wie es männern ziemt! zeigt eurem feind das weisze in dem auge Körner (1876) 2, 217;
auch auszerhalb der kampfsituation, als maszstab räumlicher nähe zwischen personen: indem wir solchergestalt alle drei nur auf wenige schritte von einander entfernet wären und bey jetzigem vortreflichen mondenschein einer dem andern fast das weisze im auge erkennen könte Schnabel
insel Felsenburg 4 (1743) 339; (
Alf.:) sind sie s? und beide? siehst du recht? (
der knappe:) ich seh das weisz im auge, herr, in solcher näh Müllner
dram. w. (1828) 3, 76; aber eine war, eine! bei dieser sah ich drei sekunden lang dem glück das weisze im auge H. Burte
Katte (1914) 120. das weisze (im auge) über sich kehren
u. ähnl. '
die augen verdrehen'
von sterbenden, kranken, scheinheiligen, als ausdruck der entzückung, der angst u. s. w.: ich hab ihn geschossen, dasz er das weisz über sich kehrte Grimmelshausen
Simpl. 73
Scholte; welcher fisch desz krauts oder wurtzel isset, der wird davon also toll, dasz er das weisz über sich kehrt, gleich als er todt wäre
fischbüchlein 172; nichts als das weisze von den augen sehen lassen
fingere divotione, ovatione, far l'hipocrita, il santo Kramer
t.-ital. 2 (1702) 1308; (
mit) Bötticher und seiner lieben frau, die eben so süsz und so feyerlich ist und die augen bis zum weiszen verkehrt Caroline
briefe 1, 183
Waitz; ein fohlen, das bei jedem tritt unsichtbare gefahren wittert, in den aufgerissenen augen bei jedem stein das weisze zeigt E. E. Dwinger
wir rufen Deutschland (1932) 195. einem nicht das weisze im auge gönnen '
nicht das geringste gönnen': (
sie geben ihm) heut ein groszes essen ... und gönnen ihm nicht das weisze im auge (1823) Zelter in:
briefwechsel zw. Göthe und Zelter 3, 291
Riemer; ein paar leute, die sich das weisze im auge nicht gönnen
F. L. Schröder
dram. w. (1831) 1, 63;
auch in maa., vgl. z. b. hei günt ne det wite in n age nich Schambach
Gött. 301; so n putjunker (
gutsbesitzer) günnt den lüttn mann nich dat witte in sîn ôgn Danneil
altmärk. 249. einem das weisze im auge versprechen '
das kostbarste',
vgl.augapfel teil 1, 788: der Mailänder ... versprach das weisze aus dem auge, wenn er ihm die schmerzen lindere J. C. Heer
könig der Bernina (1904) 232. D@1@bb) das weisze vom (im) ei '
eiweisz',
vgl. affodillum i(
d est)
albumen das wisz von dem eye
gemma gemm. (1508) a 5
b: dise welt ist sinewel unde ist umbeslozen mit dem wendelmer. da inne suebet die erde alse der duter in dem eige in dem wisem (
um 1190)
lucidarius 8
Heidl.; glare witte van dem eie (14.
jh.)
bei Graff
diutiska 2, 216; klopff das weisz von zehen eyern auch unter den wein
M. Herr
feldbau (1551) 187
a; läutere ihn (
den zucker) mit wasser und einem weissen vom ey wie gebräuchlich v. Hohberg
georg. cur. 3 (1715) 149
a;
statt das weisze vom ei
sagt jüngere sprache nur noch eiweisz;
absolut dagegen weiterhin gebräuchlich: sie (
die welt) ging aus einem ey hervor, sagte einer: der äther war das weisze, das chaos der dotter Wieland
s. w. (1794) 19, 117; eidotter schwammen wie runde fettaugen, während das weisze unter der schlagenden gabel zu flockigem schnee sich ballte H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 50. D@1@cc) '
das ziel',
eigentlich der weisze
pflock in der schieszscheibe; von frühnhd. zeit bis ins beginnende 19.
jh. belegt, während in gleicher bedeutung das schwarze (
vgl. teil 9, 2319),
das auch in älterer zeit häufiger ist, bis in die gegenwart reicht; noch als weiszgefärbte stelle des zielpflocks: ist gleich wie mit den armbrustschützen. leit nit am spannen oder bschicken, wenn sie nur recht und wol abdrücken, und das das weisz am zweg werd troffen B. Waldis
Esopus 2, 28
Kurz; für den weiszen zielpflock selbst: die güte der endursache macht eine sonst bedenckliche sache zuläszlich, wie das weisze in einer schwarzen scheibe das ziel sichtbar Lohenstein
Arminius (1689) 2, 596;
als '
ziel': dort eilt ein schnelles blei in das entfernte weisze, das blitzt und luft und ziel im gleichen jetzt durchbohrt A. v. Haller
ged. 25
Hirzel; liebesschützen, welche zwar starck geschossen, aber das weisz nicht getroffen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 200; ... so triffst ins glückes weisz du, ohne drauf zu zielen E.
M. Arndt
w. 5, 309
R.-M.; ins weisze treffen
die richtige stelle treffen, vgl. ins schwarze treffen
teil 11, 1, 1, 1596: über diese gründliche anmerckung ward nun der Herrnhuthianismus sehr zornig, denn er war damit recht ins weise getroffen J. H. Schütze
Herrnhuthianismus (1752) 1, 172. D@1@dd) weisz,
jünger weiszes
in der jägersprache für '
fett',
besonders beim hirsch: in des ward ihm ein messer gereicht, schneid er den hirsch hinden übern zimmel und sagte: der hat vil weisz (verstehet ist feist und gut) und ist jagens werth gewesen Kirchhof
wendunmut 2, 289
Österley; als er (
Philipp v. Hessen) auff einer hirschfeist ein hirsch zerlegen liesz und weil derselbe sehr fett ware und ihr
f. gn. sagte: das thier hat viel weisz Zinkgref
apophth. (1628) 1, 167; also wird vom ... tammhirsche gesaget: er ist feist oder hat viel weisz C. v. Heppe
aufr. lehrprinz (1751) 114; '
talg ..., bei sauen heiszts auch weiszes' H. Laube
jagdbrevier (1841) 292; die seynos (
art wildschweine) ... werden ... nie wirklich fett. ich habe einige in der besten zeit geschossen, und sie hatten kaum einen viertelzoll weiszes Gerstäcker
achtzehn monate in Südamerika (1863) 1, 320. D@1@ee) das weisze am holz '
splint',
vgl. alburnum das weisze am holtz nechst an der rinde
nomencl. lat.-germ. (1634) 71;
alburnum ... mollissima est arboris pars ... das bast zwischen dem holz und der rinden, das weisze am holtz zunechst an der rinden Corvinus
fons lat. (1660) 33. D@22)
als fem. die weisze;
seit dem 19.
jh. berlinisch und norddeutsch umgangssprachlich die (Berliner) weisze '
glas oder flasche weiszbier',
vgl. Brendicke 192
b: dasz der richtige Berliner überhaupt nur drei dinge brauche: eine weisze, einen gilka und porree Fontane
ges. w. (1905) I 5, 123; fern von dem schönen Berlin, wo man abends sein gartenkonzert haben kann, seine weisze und alles, was drum und dran hängt Jul. Stinde
fam. Buchholz 1 (1884) 79; e weisze mit m vogel
ein glas weiszbier mit einem zusatz von himbeersaft Betcke
Königsb. 65;
weiteres s. unter weiszbier.