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glocke

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

glocke f.

Bd. 8, Sp. 142
glocke, f. herkunft und form: 11) die im 6. jahrh. aus Nordafrica nach Italien eingeführten glocken treten seit dem 6. jahrh. auch auf den britischen inseln auf, dann im Frankenreiche und in Deutschland. dementsprechend liegt dem deutschen worte glocke keltisch cloc (air. cloc, kymr. cloch, gäl. clag) zu grunde, das seit dem ausgehenden 7. jahrh. auch im mlat. als clocca, cloca, glogga, gloccus, ganz vereinzelt bei Bonifatius auch als cloccum, glocum, belegt ist (vgl. zs. f. dtsche wortf. 1, 65). während in fast allen rom. sprachen die bezeichnung für glocke auf lat. campana zurückgeht, lebt das keltische wort in frz. cloche, prov. cloca, piem. comask. cioca und in allen west- und nordgerm. sprachen: ags. clucge, engl. clock, nl. klock, mnd. klocke, ahd. glocca, clocca, an. klokka und klukka, n. klokke, schwed. klocka und ist auch ins russ. übernommen als kolokolŭ. — gegen H. Schuchardts versuch, mlat. clocca aus cochlea 'muschelberg', 'schneckenturm' abzuleiten ('roman. etymologien', Wiener sitzungsber. 1899, bd. 141) spricht. die geographische verbreitung des wortes, die nicht auf roman., sondern auf kelt. ursprung hinweist; ein directes zeugnis bietet eine Pariser hs. des [] 8./9. jahrh., die ausdrücklich von der glocke sagt: signum ecclesie quod Galli lingua celtica vocant (vgl. Kaufmann nord. ark. 9, 209). 22) lautliche form. 2@aa) im anlaut haben das kelt. und frz. eine k-lautung. dem entspricht, dasz die entlehnung des wortes im nd., im westlichen md. und im elsäss. k-anlaut hat, s. rhein. wb. 2, 1276; wb. d. luxemb. ma. 226a; Follmann lothr. 294. 209; Martin-Lienhart elsäss. 1, 257a, vom nd. her wurde das wort mit dem gleichen anlaut dann von den skandinavischen sprachen übernommen. mlat. glogga, gloccus, gloccum neben clocca weist daneben aber auch auf eine auszerdeutsche form mit weniger explosivem anlaut, von der das süddeutsche glocke ausgeht; Frings Germania Romana 141 deutet es als 'irisch-italienische zufuhr'. vereinzelt begegnet aber auch im süden der k-anlaut in formen wie österr. klogge zs. f. österr. volkskde 12, 142; in Graubünden chloke Staub-Tobler schweizer. 2, 609, die mit Frings wohl als secundäre abwandlungen anzusehen sind. kloken neben glocken bei Dürer underweysung der messung (1525) N 5a, bezw. H 6a zeigt die unsicherheit eines schriftstellers innerhalb des gleichen denkmals. wegen der ungewiszheit über die landschaftliche herkunft bleibt ungeklärt ahd. clocca in hss. des 10. und 11. jahrh. bei Steinmeyer-Sievers ahd. gl. 3, 654, 30; clochus, clocludere (hs. 13. jahrh.) ahd. gl. 3, 383, 43; 378, 58 sind md. herkunft. die form glocke hat sich schriftsprachlich durchgesetzt, nur bei nd. schriftstellern taucht zuweilen heimatliches klocke auf, so bei Schottel, Stieler, Weichmann bis zu Math. Claudius. 2@bb) der inlautende vocal ist fast ausnahmslos o; ganz vereinzelt ist a: Marienburger treszlerbuch d. j. 1399—1409 s. 365 Joachim; lehnsurkunden u. besitzurk. Schlesiens 2, 259; Diefenbach gl. 93b. 584c; klack wb. d. luxemburg. ma. 226a; ferner u: gluck Diefenbach gl. 584c (vgl. auch gluckhus ebda 93b). 2@cc) neben der inl. doppelconsonans kk, ck findet sich auch g, gg vom ahd. an, s. Graff 4, 292 bis ins 16. jahrh.: glog Stricker Daniel 741; gloge Elsbeth Stagel leben d. schwestern zu Tösz 27, 1 Vetter; glogge Berlepsch chron. d. gewerke 7 reg.; glogg J. Stumpf concil zuo Costenz 19a. 33) 3@aa) die übliche flexion ist seit dem ahd. die schwache, der schwund der -n-formen im sing. vollzieht sich vereinzelt bereits im mhd.: die sturmgloke (acc.) Wolfram Willehalm 114, 8 (in hss. des 13. und 14. jh.); umbe die dritt wahteglocke Closener chron. 103 Strobel; im übrigen zeitlich und landschaftlich wie allgemein beim schw. fem.; obd. lebt die schw. flexion im sg. noch in der mundart; die schriftsprache kennt im sing. aber keine -n-formen mehr; der plur. flectiert nur schwach. 3@bb) im 16. jahrh. ist das flexivische -n im nom. sg. häufiger auch schriftsprachlich belegt: was die glocken schlag Seb. Brant narrenschiff 35 Zarncke; eine glocken J. Barth weiberspiegel (1565) R 6b; Sebiz feldbau (1579) 396; nun was die glocken gossen Aventin 5, 457 L.; Dreyfelder historienfasz (1580) 150a; später nur gelegentlich: wie viel die glocken geschlagen habe Lehman floril. polit. (1662) 4, 10. mundartlich bis heute: die glocken Schlossar volkslieder aus Steiermark 157a; Schmeller-Fr. 1, 972; Fischer schwäb. 3, 699. 44) für glocke gilt das genus fem. ob daneben ein schwach flectiertes masc. entspr. lat. gloccus (s. o.) steht, ist sehr ungewisz; bei den beiden einzigen im dat. sg. stehenden belegen wird es sich um verschreibung von dem statt den handeln: als die bawren mit dem grossen glockhen sturm geleüt haben J. Schlusser d. peurisch krieg (1573) 4; brimbaler mit dem glocken klingen oder ein geschelle machen, nicht recht läuten J. G. Walther musical. lex. (1732) 113b. bedeutung und gebrauch. AA. gestalt und verwendung. unter glocke versteht man einen gewöhnlich aus metall gegossenen, in ältester zeit auch geschmiedeten oder bei kleinerem format auch aus blech genieteten hohlen körper, der frei aufgehängt und in schwingungen gesetzt wird, damit gegen seine wände im innern ein klöppel anschlage und einen [] weit hörbaren ton hervorbringe, s. Helfft wb. d. landbaukunst 156 und Sartori v. dt. glocken 1—13. vereinzelt gab es auch minder schallende hölzerne glocken für die karwoche: was die materie der glocken betrifft, so findet man hin und wieder hölzerne, wie ... in der stiftskirche s. Blasii zu Braunschweig ... die charfreytagsglocke genannt wird Krünitz 19, 94; die bezeichnung glocke wird auch beibehalten bei abwandlung einzelner teile, so wenn die freie aufhängung fehlt wie bei der tischglocke (A 2 e) oder anstatt des klöppels ein hammer tritt, der gewöhnlich zur zeitangabe oder zu signalzeichen dient (insbes. A 2 f, g). bei den so verwandten kleineren glocken in weltlichem gebrauch (A 2) finden sich statt der herkömmlichen glockenform auch schalenförmige klangkörper. die unterscheidung von klingel ist hier nicht scharf. das wort glocke gilt für alle so gestalten körper von der kirchturmglocke gröszten formats bis zu der kleinen glocke, die synonym mit schelle und klingel gebraucht werden kann; so schon im 15. jahrh.: tintinnabulum glock vel schal (l. schel) Diefenbach gl. 584c; zur sachlichen orientierung s. Sartori d. buch von dt. glocken (1932). A@11) ursprünglich nur die kirchen- oder klosterglocke, lat. campana, nola. A@1@aa) die turmglocke, campana. A@1@a@aα) unter den verschieden groszen glocken wird der gröszten am meisten beachtung geschenkt, die gewöhnlich einfach als die grosze glocke bezeichnet wird: wenn ich der groszen gloggen klanc hort nach der zal erklingen Oswald v. Wolkenstein 155 Schatz; von der groszen glocke Gloriosa zu Erffort in unszer lieben frowen kerchen Stolle thür.-erfurt. chron. 137, 186 lit. ver.; die grosze glocke, Martinella, wurde einen monat vor dem feldzuge unaufhörlich angezogen J. v. Müller s. w. 2, 823; beim sturmläuten spielt die grosze glocke eine wichtige rolle: als die bauren mit dem groszen glockhen sturm geleüt haben J. Schlusser der peürisch krieg (1573) 4; zu Salem hat man die grosze glocken nit mehr, weil sie (die feinde) also nach waren, derfen leuten Seb. Bürster der pauren uffrurr und pauren krieg 5 Weech. A@1@a@bβ) da die glocken eines turmes oder einer stadt bei gewissen gelegenheiten zusammen läuten, wird dies läuten aller glocken gern hervorgehoben: ... lautten alle die glocken die in dem turn waren das summerteil der heyligen leben (1472) 82a; häufig in der wendung 'mit allen glocken läuten': und ward in derselben nacht fünf mal laudes gelüt mit allen gloggen Richental chron. d. Constanzer concils 87 lit. verein; als s. f. g. selige ... verschieden, ist ... von achten bis umb neun uhr in beyden kirchen allhier mit allen glocken auszgeleutet worden Rätel Joach. Curäi chron. d. herzogt. Schlesien (1607) 488; beim sturmläuten: haben sie mit allen glocken in der stad sturm geleutet Kirchhof wendunmuth 2, 340 Oesterley; zum sturm mit allen glocken läuten Ramler fabellese (1783) 1, 158; in bildlicher verwendung: wenn sie denn nu eynen spruch der vetter wider mich auffbringen, szo laütten sie alle glocken, schlahen alle drummen und schreyen feyndlich Luther 7, 638 W.; häufig als freudenbezeugung: ... fing man an mit groszen freden all glogcken zusammenleuten und te deum laudamus ze singen Knebel Kaisheimer chron. 180 lit. ver.; wie hört ich da von jedem kirchturm mir lauter lust und wonne mit allen glocken läuten! U. Bräker 2, 162. A@1@a@gγ) kirchliche glocken in profaner verwendung begegneten als gemeindeglocken, vgl. Sartori v. dt. glocken 124, wurden als solche aber meist von weltlichen glocken abgelöst (s.A 2) ferner als feuerglocken (s. teil 3, 1593) und sturmglocken (s. teil 10, 4, 642 und oben unter α, β). die verwendung im rechtsleben ist im ganzen schon früh veraltet, vgl. C 6 b und unter B 1 d mit der glocke richten, in besonderer bedeutung jünger nur die schandglocke, s. teil 8, 2147. lange hielt sich die wetterglocke (darüber Sartori 78—87): glocken brechen den donner und verscheuchen das lange unwetter Jac. Grimm kl. schr. 1, 375; was die gewitter betrifft, so ist das läuten der glocken noch immer in übung Göthe I 48, 152 W.; bildlich: die rätte befinden ... mittel und weg (die absichten des fürsten zu verwirklichen) ... [] da ists zeit, dasz man mit allen glocken läutet, und musz das wetter weichen Lehman floril. polit. (1662) 2, 676; wenige edle! die ihr in den verschiedenen ländern zerstreuet seyd, schlaget an alle glocken, damit sich diese wolke zertheyle Abbt verm. w. (1768) 6, 4, 180; Schiller 12, 37 G. A@1@a@dδ) häufig in dichterischen vergleichen von dingen, die wie eine glocke klingen: (des riesen stange) klang auch also helle als ein glock in thurns tach lied v. hürnen Seyfried 25 ndr.; vor dieser red bin ich erschrocken in meinem kopff klingts wie ein glocken Gilhusius grammatica (1597) 2, 25; bald klingt sie (die stimme der nachtigall) wie glocken; bald mischt sich ein schnarren in einer sanft winselnden flöthe mit ein Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 17; tanzende docken, töne wie glocken flöszen ins blut rosigten muth Schubarth sämtl. ged. (1825) 2, 162; eine kleine quelle kam aus einem hügel, sie tönte wie lauter glocken Novalis schr. 4, 162 Minor. am häufigsten vom klang der menschlichen stimme (vgl.glockenhell, -klar, -rein), so schon alt: (er) hat glych ein stimm als die glock zu Olten, die tönt als ein alter kessel (v. j. 1471) Stammler verfasserlex. 2, 460; bis die schöne alt-stimme Renatens wie eine glocke einfiel Fontane ges. romane u. nov. (1890) 7, 55; 'und sprach die nicht?' — 'mit tönen wie aus glocken' H. v. Kleist 1, 25 E. Schm. A@1@bb) die im innendienst, vor allem bei der messe verwendeten kleinen glocken, nola: sy derffen kein gesang und nur stülle messen darin halten, haben auch keine glockhen im thurn, sogar keine kleine glockhen in der kürchen, so mans zur mesz, wo die gehalten wirdt, pflegtt zu gebrauchen Krafft reisen 73 lit. ver.; die reformation ist den glocken und schellen im gottesdienst abhold: wie der gottisdienst ist, so sind auch die glocken oder reytzungen. dem rechten gottisdienst hatt gott andere unnd rechte glocken geben, das sind die prediger ... Luther 10 I 1, 679 W.; daher bildlich: (das) evangeli ... das ist die rechte glock und orgelln tzu dieszem gottisdienst ebda 39 W.; ... nitt nutz noch nott, das sie ihr gebet mit den glocken ableutend und auff der cantzel verkunden, wie sie pflegen zuthun Eberlin v. Günzburg 3, 22 ndr.; des gatten rachefoderndes gespenst schickt keines messedieners glocke, kein hochwürdiges in priesters hand zur gruft Schiller 12, 412 G. A@22. in weltlichem gebrauch. glocken von der grösze der turmglocken finden hier nur beschränkte verwendung, vor allem bei der rathausglocke, die als ratsglocke (s. teil 8, 200) und als verkünderin der stunden eine rolle spielt. die besondere bestimmung weltlicher glocken wird wie in diesem falle gewöhnlich durch zusammensetzung näher gekennzeichnet, so bierglocke (teil 1, 1824) oder bürgerglocke (teil 2, 539), s. ferner Sartori von dt. glocken 17 ff. wo bestimmte umstände eine stärkere schallwirkung verlangen, finden sich auch sonst gelegentlich gröszere glocken: aber wann nun zun schichten zu faren ist, zeiget disz den arbeitern der thon einer groszen glocken an Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1580) 74; die grosze glocke läutete zum parlament Ranke 40—41, 192. gewöhnlich handelt es sich aber im profanen gebrauch um kleinere glocken, die verwendung finden hauptsächlich als A@2@aa) glocken an toren und türen: faule starke lendenlahme bettler ... ziehen die glocken an den häusern an Otho evangelischer krancken trost (1671) 623; sie zogen die glocke, das thor öffnete sich Göthe I 24, 174 W.; ohne abzusteigen, zog er hastig die glocke am thor Eichendorf s. w. (1864) 3, 325; zimmerglocken: sage deiner gebieterinn, wann mein trank fertig ist, soll sie die glocke ziehen (she strike upon the bell) Bürger w. 1, 294a Bohtz; sie schreit (bei einer schreckhaften erscheinung) laut auf, dann erreicht sie die glocke und zieht Göthe I 13, 1, 348 W.; Schiller 4, 212 G.; eszglocken: die glocke rief zum souper M. v. Ebner-Eschenbach 4, 69. [] A@2@bb) am halse oder geschirr von tieren: drey ding leuthen glocken zu Rhom, pallast, luchen (?) und seumröss U. v. Hutten op. 4, 266 Böcking; bey ihr (meiner schäferin) und ihres hamels glokke schmekkt mir, was ich in wasser brokke C. Stieler geharnschte Venus 94 ndr.; das geläute der glocken, so dem rindvieh angehängt A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 3, 870; ich höre die glocken von mauleseln Cl. Brentano 7, 104; beim schlittengespann: die glocken hörte man kaum vor den schlitten schallen Henrici ernst-, scherzh. u. satir. ged. (1727) 2, 550. A@2@cc) als zierrat, bes. an kleidern: es sollen keine röck oder camisol mit glocken bei bauern oder gemeinen mehr geduldet werden kleiderordn. (1727) bei Staub-Tobler 2, 611; s. vor allem glöckchen und glöcklein. A@2@dd) als musikinstrument: ihre musikalischen instrumente waren die querpfeife, trommel, die chinesische orgel, die grosze flöte, becken und glocken Ritter erdkunde (1822) 2, 1133; glocken werden im orchester in verschiedenster grösze benutzt Moser musik. wb. 42a, s. auch glocke D 11. A@2@ee) gegenüber den frei hängenden glocken findet sich auch die auf dem tisch stehende, s. unter tischglocke teil 11, 1, 516: Salome ergriff sofort die glocke und klingelte kräftig G. Keller werke 6, 243; der landvogt ... trat zum tisch und klingelte mit der glocke ebda 6, 253; hierher gehört auch die glocke des versammlungsleiters oder präsidenten. A@2@ff) die glocke an der uhr: wenn die uhre abgelauffen und die unruhe ihr stndlein erfllet, so pfleget alsdann der hammer mit einem groszen schall auff der glokken anzuzeigen, wie viel es geschlagen Rist das friedewünschende Teutschland (1648) 20; eine uhr ist gut, wenn alle ihre räder, mit dem zeiger, der glocke und dem hammer so wohl zusammen stimmen J. J. Schwabe belustigungen 2, 202; (die wanduhr) mit ihrem ersten lärmenden streich auf die glocke J. J. Engel schr. (1801) 12, 283. A@2@gg) bei signaleinrichtungen: meldete die glocke, ... dasz ein zug ... aus der nächstliegenden station abgelassen sei Gerh. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 25; vgl. auch unter E 4. BB. typische verbindungen von glocke mit verben und substantiven. B@11) mit verben: B@1@aa) transitiven (glocke ist object): B@1@a@aα) für das herstellen der glocke ist gieszen das übliche verbum; auf materialgleichheit beruhen die zusammenstellungen ausz diser kunst kan man puxen und kloken giessen Dürer underweysung der messung (1525) N 5a; stuck oder glocken gieszen, Theob. Hock schönes blumenfeld 113 ndr.; vgl. auch die redensartliche verwendung unter C 8. schmieden ist im schrifttum nicht belegt, vgl. aber glockenschmied. daneben einfaches machen: und liesz ouch machen und wiehen den kilihhof, das glogghus, die gloggen, den toufstein Stretl. chron. 34 Bächtold; (zu den teuflischen lehren der pfaffen gehört) bild machen, grosz glocken ... machen H. v. Cronberg schr. 81 ndr. mehr als das blosze herstellen, vielmehr die ganze beschaffung und aufhängung der glocken umfaszt: dasz er (der freiherr) ... drei neue glocken ... veranstalten ... liesz Hippel kreuz- und querzüge (1793) 1, 15; das die glocken entlich zuo ere gottes aufgericht und geweicht sein Berthold von Chiemsee tewtsche theologey 611 Reithmeyer. B@1@a@bβ) weihen und taufen: s. o. Stretl. chron. und Berthold von Chiemsee; sie aber ... weyhen glocken, alltar und kirchen Luther 11, 416 W.; dazu mit geweihten glocken klingen Dedekind papista conversus (1586) A 8b; dasz wir die glocke taufend weihn Schiller 11, 318 G.; er (der weihbischof) täufft die glocken mit gesang, er heiliget auch den glockenklang B. Waldis das päpstlich reych (1556) D 6a; zum sachlichen vgl. H. Otte glockenkunde2 (1884) 18; Sartori v. dt. glocken 13. [] B@1@a@gγ) die bedeutsamste gruppe unter den transitiven verben ist die, die das läuten bezeichnet. läuten selbst ist seit alter zeit das gebräuchlichste: man hat die gloggen zemen glüt, zuo dem sind zkilchen schon die lüt schweiz. spiele d. 16. jahrh. 3, 126 Bächtold; eine ganze nation ... braucht nicht mehr glocken zu läuten, weils geburtstag ist Bettine dies buch geh. d. könig 1, 95; nun werden wohl die glocken geläutet und ein te deum gesungen? Bauernfeld ges. schr. 5, 54; mit einer präposition: sît gewis, swenn ir uns komet, ir werdent hôh enpfangen. ir sît wol wert daz wir die gloggen gegen iu liuten, dringen unde schouwen als ein wunder komen sî Walther v. d. Vogelweide 28, 14; wenn also der landsturm die glocken läutet gegen den feind E. M. Arndt schr. (1845) 1, 299; s. ferner unter A 1 a neben läuten begegnet am häufigsten ziehen: glocken ziehen Lehman floril. polit. (1662) 1, 400; zieht glocken, räuchert, bethet an! Gottsched ged. (1761) 298; zieht die glocken! betet! trauert! Grabbe 1, 108 Blumenthal; vor allem von den hausglocken s. A 2 a; anziehen, wohl nur den beginn des läutens bezeichnend: wan ein oberster schultess ... die glocke anzeucht, sol ime ein icklicher hoiffner der ein kluppel gedragen kan, ziehen von einer none zeit zu der andern (vom j. 1550) weisth. 3, 830; wenn die glocken angezogen werden Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 1, 50; J. v. Müller (s. o. A 1 a α); schlagen bes. nd.: de stormclocken oder im selben sinne auch de clocken slaan, s. teil 9, 369 unter schlagen 1 h γ; treten: ... muszte sich ... jeder bürger ... an dem festgesetzten tage zum treten der glocke in der glockenstube einfinden Sartori v. dt. glocken 186 (vgl.glockentreter); selten ist rühren (im sinne von rühren 1 d teil 8, 1460): in den drey letzten tagen der marterwoche, da keine glocken gerühret werden Krünitz 19, 89; eine eigenheit von E. M. Arndt ist das auch sonst bei ihm begegnende ringen von der glocke, s. teil 8, 1002: und blase der rache posaunen und ringe die glocken vom thurm und schmettre den klang der karthaunen! E. M. Arndt 3, 324 R.-M.; vgl. ebda 6, 163. B@1@a@dδ) technische ausdrücke des glöckners, die sich hauptsächlich auf die arten des läutens beziehen, sind beiern teil 1, 1368; klengen 2 a teil 5, 1146; kläppen teil 5, 965; dengeln 3 teil 2, 926; unterziehen: die glocke ertönt zuerst in regelmäszigen schwingungen, wird aber gegen schlusz angehalten (unterzogen), so dasz der klöppel nur an einer seite anschlägt Sartori v. dt. glocken 97 (vgl. unterziehen B 1 teil 11, 3, 1923; Fischer schwäb. 6, 260); stoszen: dazwischen wird die zweite und dritte glocke schlag um schlag gestoszen Sartori a. a. o. 74; as de bädklock stöten würd ... sall dat de köster hebben vört bädklockstöten ebda 46; die glocke durchziehen (vgl. oben unterziehen), überziehen, überholen, voll durchläuten ebda 60. das teil 16, 763 angesetzte transitive die glocken zusammenschlagen ist unbelegt. die glocken aufschürtzen o. schürtzen alzare succignere le corde delle campane (nella settimana santa) Kramer 2 (1702) 685a; man sagt, die glocke sey überhängt, wenn der klöppel zu schwer ist Krünitz 19, 133. im übrigen vgl. Sartori v. dt. glocken 61. 74. 76. 97. B@1@a@eε) man spricht vom einschmelzen oder umschmelzen der glocken in kriegsnotzeiten: es ist, als ob die glocken sich selbst zu grabe läuteten, denn wer weisz, ob die Franzosen sie nicht bald einschmelzen H. v. Kleist brief an s. bruder 66 Biedermann; die bürger behaupteten, ihre ganze schuld bestehe darin, dasz sie ... ein paar glocken zu kanonen umgeschmolzen hätten Ranke 4, 48; zur sache s. bereits Fronsperger kriegsb. 1 (1578) T 4a. bei kriegsgefahr pflegt man die glocken auch in gewässern zu versenken oder an sicherere orte zu führen, aus furcht, die feinde möchten sie fortführen: (die Constanzer) welche, da ihnen der feind [] auffn dache seyn wolln, ihre beste glocke genommen und in der Costnitzer see versencket haben Prätorius abentheuerl. glückstopf (1669) 108; do flœn alle lute ... in dy stad ... und das gesmide usz den kerchen und alle glocken das furten alle dorffer in dy stad Erfforte Stolle thür.-erfurt. chron. 11 lit. ver.; im jahre 1509 griffen ihn die hansischen städte ... an, eroberten seine schiffe in Helsingör, führten seine glocken fort, um sie in ihren capellen aufzuhängen Ranke 1, 139. B@1@bb) mit transitiven verben (glocke ist subject): B@1@b@aα) kirchliche festtage, den sonntag oder ein gröszeres weltliches ereignis: den frieden, ein geschehnis, das führende männer betrifft, u. ä. einläuten: wo beim sonnenuntergang immer alle glocken den tod des kaisers einläuteten Bettine Günderode 1, 127; vgl.: sie läuten soeben mit unsern sonoren glocken das reformationsfest ein Göthe IV, 38, 280 W. B@1@b@bβ) die glocken geben die stunden an; das gewöhnliche ist die wendung die glocke schlägt mit einer angabe der stundenzahl: so die glock drü sleht Straszburger verordn. 39 Bruckner; nun die glock wird drey schlagen schir Hans Sachs 17, 10 lit. ver.; wie die glocke auf dem schloszthurm sechs schlägt Immermann 1, 21 Hempel; jünger mit hinzufügung von uhr: hört ihr herrn und laszt euch sagen die glocke hat vier uhr geschlagen Cl. Brentano 5, 106; als die glocke zwölf uhr schlug Meisl theatral. quodlibet 3, 104; der halbe ton einer glocke ..., die langsam elf uhr schlug Spielhagen 1, 2. dem entspricht die frage: was hat die glock geschlagen? quota est hora? quota hora audita est? sonuit? Orsaeus nomenclator methodicus (1623) 311; ebenso die indirecte wendung: luog dar by, was die glocken schlag Seb. Brant narrenschiff 35 Zarncke. selten ist wieviel statt was: wie viel die glocke eigentlich geschlagen Tieck schr. 1, 16; neben schlagen steht ausschlagen: als endlich die glocken auf den verschiedenen punkten der stadt die stunde ausschlugen Mörike 3, 44 (1905) Göschen; selten sind andere wendungen, wie: brich auf, wenn die glocke den zwölften streich thut auf dem karmeliterthurm Schiller 3, 475 G.; vom kirchturm brummte die glocke viertelstunde auf viertelstunde O. Ludwig 2, 317. die glocke ruft zwei im dorf Klinger Otto der schütz 3, 9. B@1@b@gγ) hierher gehören ferner verbverbindungen, die ihre entstehung der vorstellung verdanken, dasz die glocke ein lebendes wesen sei: rufen, laden u. ä. B@1@cc) mit intransitiven verben (glocke ist subject): B@1@c@aα) unzählig sind, vor allem im volksmunde, die verben, die lautmalend den klang der glocke wiederzugeben suchen: bämbsen, bammen, bampen, baunen, bimbeln, bimelen, bimmeln, bimpen, bomben, bömbeln, bommen, bompen, bomsen, bumben, dengeln, gämben, gleimpen, klämern, klänken, kläppen, klempen, klimmen, klimpen, pingeln, pinken, timpen, tonken, trompen, zimbeln, zinken s. Sartori v. dt. glocken 21. 45. 46. 58. 61. 66. 76. 96. 97. 128 u. ö. so beispielsweise im schrifttum bammeln (eine parallelform zu bimmeln, s. auch oben bammen u. ä.): wie anders, wenn der glocke bimbam bammelt, drängt alles zur versammlung sich hinein! Göthe I 5, 47 W. bomben: vgl. teil 2, 236, ferner: zu letzt leuthen sie zusammen und bombt die grosze glocke mit zu theatr. diabolorum (1569) 172a; bummen: flink mir die festlichen gläser gespült und das grosze des vaters, das ins helle gekling einbummt, wie die glocke vom kirchthurm J. H. Vosz sämtl. ged. (1802) 1, 166; brummen: die mächtige glocken zusammen brummen Spee güld. tugendbuch (1646) 387; vgl. teil 2, 429. summen: mit dieser einzigen sylbe will ich sie niederwerfen, dasz in Genua keine glocke mehr summen soll Schiller 3, 67 G.; wir schossen ... die pistole los, davon die höhle ... wie eine glocke summte [] Göthe I 19, 244 W.; summt die glocke beim sonntagsläuten lange nach, so bedeutet es einen baldigen todesfall in der gemeinde Sartori v. dt. glocken 217. B@1@c@bβ) von den das läuten im allgemeinen bezeichnenden verben ist das gewöhnlichste läuten mit der nebenform lauten: wann der schall von glocken höher lautet Sebiz feldbau (1579) 42; vgl. noch lauten 3 teil 6, 373; hierbey vernam man überall das hole erz, das brummende metall der hocherhabnen glocken läuten Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 16; der anlasz wird durch zu ausgedrückt: die glocken lauteten zur vesper Schiller 4, 68 G.; in einer halben stunde muszte die glocke anfangen, zur trauung zu läuten Immermann 3, 19 Hempel; die glocken läuten von selber, was als wunderzeichen gilt: sich begunden überal die glocken selbe liuten Hartmann v. Aue Gregorius v. 3756 Paul; ist er unter uns, warumb leuten sich nicht alle glocken? Luther 20, 221 W.; alle die glocken ... von in selber leüten Arigo dec. 55 lit. ver.; da war eine feurige kugel vom himmel gefallen, da hatten die glocken selber geleutet Chr. Weise d. drey klügsten leute (1675) 272; vgl. dazu Sartori v. dt. glocken 117. neben läuten ist das gebräuchlichste verb klingen, erklingen: ein andre stAehlein stangen het er in seyner handt. die schnayd ...... vnd klang auch also helle als ein glock in thurns tach lied v. hürn. Seyfried s. 25 ndr.; eine glocken öffter und heller klinget, darinnen nichts ist dann der klüppel Barth weiberspiegel (1565) R 6b; beim jüngsten gericht gegenüber der biblischen posaune: dem wirt dort der ewig gewin, wann der glokken don erchlinget Teichner hs. Wien 2901 bl. 74rb; denn wird er (gott) vns, wenn seine glocken klingen, mit grosser frewd widerumb zusammen bringen Ringwaldt handbüchlein D 2a; zur vorstellung vgl. Fischart Garg. 241 ndr. und die glocke der auferstehung Schiller 2, 65 G.; die glocken ... der kirche klangen zu den bergen herauf Fontane I 6, 43. composita: der intermittierenden schwingungen beim abklingen der glocken Göthe II 1, 44 W.; nur dasz ja die glocken im kirchsprengel ... hübsch ... nachklingen ebda I 45, 11; als eine glocke nach der andern verklang G. Keller 6, 63. schlagen: in einigen minuten, wenn die (sturm-)glocke schlug, stand ein kleines heer ... da M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 3, 180; heute gewöhnlich von uhrglocken gebräuchlich: da rann kein sand, und keine glocke schlug Schiller 12, 135 G.; so schlägt die glock zur messe, non und vesper Tieck schr. 3, 270; da hör ich glocken schlagen fern aus der stillen stadt M. Greif ged.5 27; wenn ir die glocken anschlahen hörent Arigo dec. 401 lit. ver.; tönen: zur leichenfeier tönten alle glocken Göthe I 9, 259 W.; die glocke tönt, und meine schafe warten Grillparzer werke (1872) 6, 25 Cotta; schallen: ... betrübtes Zion, man ächzt, wenn deine glocken schallen aus tiefer wehmut über dir Gottsched ged. (1751) 1, 157; ich höre glocken schallen Göthe I 13, 2, 94 W.; vgl. auch Rückert werke (1867) 1, 143; Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 70. hallen: die hallenden, zum gebete für sterbende auffordernden glocken Schubart leben und gesinnungen 1, 281; übertragen: und höre hallen deines mundes glocken v. Strachwitz ged. (1850) 105; [] gehen: in der schriftsprache seltener belegt: die glocken gehn; und jung und alt springt hoch und jauchzet laut J. H. Vosz sämtl. ged. (1802) 2, 90; sonst noch maler Müller 3, 287; A. v. Arnim 6, 344 Gr.; im volksmund bis heute geläufiger: wenn die glocken so dumpfig gehen, so stirbet gemeiniglich einer darauff Prätorius philosophia colus (1662) 207; es kommt regenwetter, die glocken gehen fürchtig herb Fischer schwäb. 3, 700; mit selig: wenn die glocken 'selig gehen', d. h. in einem gewissen harmonischen und rhythmischen klange, so sieht man das in Lohne als todverkündigend an Sartori v. dt. glocken 115; angehen, anfangen zu läuten: die glocken giengent selber an und lutent da selber sich Kistener Jacobsbrüder 88 v. 514 Euling; vgl.angehen theil 1, 343; metaphorisch von menschlichen lauten: horch, die glocken weinen dumpf zusammen Schiller 1, 226 G.; die glocke ..., die zum gebete ruft Th. Körner 1, 120 Hempel; ... der glocke dumpfer mund hat zwölfmahl schon vom thurm herabgerufen maler Müller 2, 370; so ernst die glocke sprach und tief A. v. Droste-Hülshoff 3, 82 Cotta. B@1@dd) verben mit präpositionaler verbindung; zu mit der groszen glocke, mit allen glocken läuten s. unten A 1 a α und β; mit der glocke beläuten: an dem gehegeten gerichte, als das mit der glocken belüdt war ... ieglichs unser ganerben dorfgericht zu Tropstadt sol des nehesten tag bei sonnenschein zuvor durch gemeinen dorfknecht beschreit und des morgens frühe mit drei zeichen der glocke beläut werden aus weistümern in rechtsalterth.4 2, 471; bei mit der glocke richten ist vielleicht an die armesünderglocke gedacht: welcher ... einen zuo tod schlecht, über den sol der schultheisz am kilchhoff mit den vierundzwentzigen mit der glocken richten Freiburger stadtrechte (v. j. 1520) 94a. mit der glocke, mit den glocken klingen: mit geweihten glocken klingen Dedekind papista conversus (1596) A 8b; brimbaler mit dem glocken klingen oder ein geschelle machen, nicht recht läuten Walther musical. lex. 113b; um neun uhr wird mit der kleinsten glocke allein ungefähr 38 mal geklingt Sartori v. dt. glocken 70. von tischglocken mit der glocke klingeln, s. unten A 2 e. an der glocke ziehen: dein bruder ist küster und zieht dreimal in der woche an der glocke Möser sämtl. w. 1, 255; gewöhnlicher von hausglocken: zog der hausknecht so heftig an der glocke, dasz der draht beinahe entzwei ging G. Keller 5, 13. vereinzelt: haben sie widerumb ... mit allen glocken gestürmt Kirchhof wendunmuth 2, 341 Oesterley. an die glocke (an)schlagen: so ein ubelthäter in Hispania vermerckt wirt, schlecht man hin und här sturm an die glocken Stumpf Schwytzerchron. (1606) 12b; der stadttürmer soll blasen ... und an den glocken anschlagen Pocci lustiges komödienbüchlein (1859) 60. für an die grosze glocke schlagen, bringen, binden, schreiben, hängen in bildlichem verstande s. C 6. B@22) den verbalen verbindungen entsprechen substantivische fügungen, meist neben glocke als genetivischem attribut. hier ist klang das gebräuchlichste der substantive (zum versuch, klang, ton, laut, hall und schall gegeneinander abzugrenzen s. teil 5, 945). wie der klang einer glocke ... nichts als eine zitternde bewegung ist Göthe II 2, 209 W.; die du mir, glocke, zuträgst deine klänge Rückert 1, 312; älteres s. unten unter ton; daneben stehen substantivierungen wie geläute und läuten: und dabei schwebte das geläut der glocken gar wunderbarlich auf der stillen see Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 6, 59; Storm w. (1899) 1, 68; hört der glocken klaggeläut Gottsched ged. (1751) 1, 337; da hört ich einer glocke helles läuten Schiller 14, 42 G.; [] und nur das läuten der glocke klang durch die öde hin Fontane I 2, 20; häufiger ist auch schall: der trompten, trummeln klang, und vieler glocken schall hört er schon umb sich her, durch alle feld und thal Dietrich v. d. Werder Roland (1636) 98; lieblich ist der schall der glocken in des waldes lustgesang Schiller 11, 402 G.; ferner hall: und es tönt der hall der glocken von der höh zum letzten mal Platen 1, 32 Hempel. schlag: der glocken ängstlichhohler schlag Stoppe Parnasz (1735) 131. daneben einfaches laut und ton: diese glocken hat einen guten odder bösen thon odder laut M. Agricola musica choralis deudsch (1533) D 2b; denn dieser glocken laut kann seinen umfang faszen Heräus ged. u. inschr. (1721) 122. ton: der clocken don wird mir zuo lon, eyn lynen cleit ist mir bereit Muskatblüt 18, 64 Groote; ... haben wir einen thon und klang gehöret, wie wir itzund in s. Albans kirche hören, wenn die glocken angezogen werden Prätorius anthropodemus plutonicus (1666) 1, 50; eine glocke, die gar keinen feierlichen ton hat Göthe I 17, 29 W. dichterisch auch metaphorisch nach menschlichen lauten: die pestilentze, dein gericht greifft umb sich hin und wieder. der glocken klag-lied feyret nicht, wir fallen häufig nieder Simon Dach bei Fischer-Tümpel d. ev. kirchenlied 3, 92; sein winseln überschreyt der glocken angst-gethöne Günther ged. (1735) 1079. CC. sprichwörtlicher und redensartlicher gebrauch von glocke ist in den verschiedensten wendungen und bedeutungen verbreitet, s. Wander 1, 1724—1730 und Sartori von dt. glocken 164 ff. die gängigsten seien hier herausgehoben: C@11) glocke und klang führen in ihrer beziehung zu prägungen wie: was sol ein glock ohn einen klang Eyering proverb. copia (1601) 2, 532; regent und fürst ohne credit ist ein glocke ohne klang Lehman floril. polit. (1662) 2, 679; der etwas kan und nicht thut, der ist ein glock ohne klang ebda 2, 791; vgl. auch Wander 1, 1729 nr. 104. die glocken klingen nicht, wenn man sie nicht läutet u. ä. Wander 1, 1725 ff. nr. 18. 19. 67; soll die glocke klingen, musz man den klöppel schwingen ebda 1, 1727 nr. 58. wo geschellt wird, sind glocken (kein gerede ohne ursache) Blum sprichwb. (1780) 2, 73; wo kine klock is, da is auk kin gelüd (d. h. mit der ursache hört auch die wirkung auf) Sartori v. dt. glocken 166; Wander 1, 1728 nr. 83. ein glock tont nach dem, als der züg ist Geiler v. Keisersberg bei Wander 5, 1354 nr. 128; ebda 1, 1725 nr. 13; de klock geit, as de köster de kopp steit ebda 1, 1724 nr. 5; dieselbe glock läutet zu gewitter und zu hochzeit ebda 1, 1725 nr. 26; die glocken klingen übel, die man sich selber läutet ebda 1, 1725 nr. 20. jeder legt dem glockenklang den text unter, der ihm paszt: ein ieder meynt was er im sin hab, das schlagen all glocken Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 161b; Lehman floril. polit. (1662) 3, 70; Wander 1, 1724. 1727 nr. 2. 66. es geschiht in wie den glocken, die yederman zuor predig ruoffen und sie selbs hörlos auszer der kirchen bleiben Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 91b; ähnlich Butschky Pathmos (1677) 257; Lehman floril. polit. (1662) 1, 495; Abr. a s. Clara Judas 1, 113; Wander 1, 1725 ff. nr. 27. 106; gereimt: die glocken laden andere zur kirchen ein, aber sie kommen selber nicht darein Kern sprichwörter (1718) 14. [] eine glocke oder schelle yhren eygen klang nicht höret Luther post. (1528) 312a; ein glocke und schelle dienet andern und höret und verstehet selber nichts Petri 2 V 3r; die glocken haben kein hirn, stehen doch zu öberst und regieren weise leut Lehman floril. polit. (1662) 2, 679; vgl. auch Wander 1, 1725 f. nr. 28. 16; sollt ein tolle glocke weise leut regieren Petri 3, S s s 1v; Wander 1, 1727 nr. 59. die hölzerne glocke (über die leiser tönende hölzerne glocke als ersatz für die metallene s. im eingang von A): zu unwitzigem rath gehört ein höltzerne glocke (lat. erklärung dazu: nulla executio) Lehman floril. polit. (1662) 2, 616; du kürst, als wenn du mit hölternen glocken läutest (d. h. recht dumm) Sartori v. dt. glocken 164 (beleg aus dem kr. Iserlohn); vgl. auch lederne glocke unter C 2 b. der klang der glocken ist unwirksam, ohnmächtig und vergänglich: talis ist klang von einer glocken qui ei est ein hall und klang frustaneus Luther 34, 1, 167 W.; der welt leben schaffet argen lon, ir fröud vergat als der glocken ton der ewigen wiszheit betbüchlin (1518) 100a; der glocken klang verjagt kein dollen (dohlen) Lehman floril. polit. (1662) 2, 729; in diesen sinne auch: ihr pflegt zu schwatzen, eh ihr handelt und seid die glocke eurer thaten Schiller 12, 328 G.; ich sage erfolg, denn der ruhm ist doch blosz der klang der glocke Pückler br. u. tageb. 7, 386. C@22) glocke und klöppel: C@2@aa) die glocke ohne klöppel: diu glocke muoz den klüpfel han, sol si guoten don began Freidank 126, 15; ähnlich Binder 76; Wander 1, 1726 nr. 31; ein altar on heiligen ist ... wie ein kirchenthurn ohn ein glock oder wie ein glock ohn ein schwengel Fischart binenkorb (1588) 153a; schaff wissen der glocken keinen klöppfel ein zuhengen Petri 2, S s 2a. in verbindung mit eine glocke gieszen (C 8) bedeutet die gegossene glocke einen plan, der klöppel den, der den plan durchführt: ob schon die glock ist gegossen, so mangelts doch am klüpffel Lehman floril. polit. (1662) 1, 294; geust man ein glock, so musz man ein klüpffel drein hencken ebda 2, 604; ähnlich Wander 1, 1724 ff. nr. 9. 64. 69. 90. sprichwörtlich wird das bild von der glocke ohne klöppel vor allem auf gesetz und recht angewandt: wolt ihr uns hunden ordnung deuten und regieren mit glocken leuten und wist nicht, was zur glock gehort, das sie ohn kneppel spricht kein wort? Rollenhagen froschmeuseler (1595) Bb 7b; ein gesetz ohn ein handhaber ist wie ein glock ohn ein schwengel Petri 2, V 2a ; ein gesetz ohne vollziehung ist wie eine glocke ohne schwengel Sperling Nicodemus quaerens (1719) 2, 1009; Fr. L. Jahn 2, 678 Euler; gesetz ohne strafe, glocke ohne klöppel Binder 72; gut recht ist eine grosze glocke, wenn nur nicht der schwengel so leicht herausfiele ebda 159; Wander 1, 1729 nr. 105. bildliche anwendungen auf andere gebiete sind selten: ein soldat ohne hertz ist wie eine glocke ohne kleppel v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 98; ... schmaus ohne klang ist grade wie glock ohne klöppel J. H. Vosz sämtl. ged. (1802) 1, 184. C@2@bb) glocke und klöppel sind aus solchem stoff, dasz sie keinen klang geben, am ältesten die lederne glocke mit dem fuchsschwanz: mit liderinen glocken muoz man ze kirchen locken. si hangent also ho, daz man si liut mit stro mit einem fuhszagele wachtelmäre v. 65 in Wackernagel altdt. leseb.5 1149; eyn glock on klüpfel gibt nit thon, ob dar inn hangt eyn fuchszschwantz schon, dar umb losz red für oren gon Seb. Brant narrenschiff 43 Zarncke; wor de glocke van ladder ys unde de knepel eyn voszstert ys, de klanck nicht verne gehöret ys ebda 376; [] ist die glocke von leder und der klöppel ein fuchsschwantz, so hört man die schläge nicht weit Binder 76; Wander 1, 1728 nr. 80. jüngere abwandlungen sind: eine lederne glocke bedarf keines eisernen klöppels Körte sprichw. (1837) 161; für die goldene glocke mit hölzernem klöppel und derartige zusammenstellungen vgl. Wander 1, 1724 ff. nr. 3. 62. 70. C@33) die gesprungene glocke klingt schlecht; von der zwietracht: gespalten glocke hat bœsen don Hugo v. Trimberg renner 3802 lit. ver.; vom guten ruf, der gelitten hat: so der hafen oder glocken das geringst klüfftlein hat, so schättert es und ist unnutz Nas wider ein warnung (1577) 195; ähnlich Wander 1, 1727 nr. 63; wenn die glocke einen sprung hat, kennt man sie am klange ebda 5, 1355 nr. 132; eine zersprungene glocke wird nicht wieder ganz ebda 1, 1726 nr. 34; eine zersprungene glocke läutet auch zur kirche ebda nr. 33. C@44) von der vorstellung der verwendung mehrerer glocken gehen wendungen aus wie: die glocken schlagen zusammen 'die verschiedenen umstände treffen zusammen': hierumb wie bald dieser lümbden durch Egon über Othonem auszgossen ward, do schluogend die glocken zuosamen und bewegtend den künig zuo aller ungnad wider in Stumpf keyser Heinrichs d. vierten historia (1556) 17b; die gloggen schluogend dermaszen zuosamen, dasz der guoetig keiser Ludwig nachmalen beredt ward, seinen gemachel Juditham von im ze stoszen J. v. Watt 3, 128. eine andere bedeutung ist 'die meinungen stimmen überein': hierinn schlagen die glocken aller medicorum zusamen Fischart Bodin vom ... teuffelsheer (1586) 360; ähnlich ihre glocken klingen gleich Wander 1, 1729 nr. 114; von Wien her hört man dieselben glocken läuten, die von Paris erklangen E. M. Arndt nothgedrung. bericht (1847) 1, 350. C@55) eine einzelne glocke gilt vergleichsweise für eine bestimmte meinung oder richtung: an eine klock trecken (aus Haldern, kr. Rees) 'an einem strick ziehen' Sartori v. dt. glocken 166; ähnlich Wander 1, 1730 nr. 122; sie läuten nicht dieselbe glocke sie sagen bald so, bald so ebda 1, 1730 nr. 121; so auch vereinzelt auf jemandes glocke schlagen: da sie sahen, dasz er, Ignatius, auff ihr glocken nit schlagen, ihrem begehrn nit statt tuon noch inn das, dessen sie sich gäntzlich entschlossen, bewilligen wolt, (haben sich) beide mit einander ... auff die wallfartt ... begeben F. Alber Ignatius Loiola (1591) 88. E. M. Arndt eigentümlich ist die hier anschlieszende metapher für das, was den geist der zeit ausspricht: die ganze welt glaubt ..., und ich glaube es mit, weil es die glocke der zeit ist vom geist der zeit (1806) 1, 258; die glocke der stunde (Petersburg 1812) titel einer seiner flugschriften. C@66) die verschiedene grösze der glocken bildet den ausgangspunkt für sprichwörter wie: wenn die groszen glocken klingen, höret man die kleinen nicht Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 29; kleine glocken neiden die groszen nicht, wann sie dieselb hören leuten Lehman floril. polit. (1662) 2, 565; Wander 1, 1727 f. nr. 68. 81; wo grosze glocken fehlen, musz man die kleinen läuten ebda 1, 1728 nr. 82; kleine glocken klingen auch, klingen am hellsten ebda 1, 1726 nr. 51. 50; mit der groszen glocke läutet man nicht alle tage ebda 1, 1727 nr. 57; in ähnlichem sinn nr. 60. am häufigsten ist die grosze glocke in bestimmten verbalen verbindungen: C@6@aa) im sinne von 'sich aufspielen, das grosze wort führen': als bald disz (dasz Seneca allmählich in ungnade fiel) sein hoffgesind mercket, da schluog iederman an die grosse glocken und wo nun Nero hinausz wolt, da thetten im sein krieger und hoff nit allein thür und thor auff, sonder auch stupffeten in darzu Seb. Franck Germ. chron. (1538 im nov.) 19b; gar bald stürmt er die grosz glock an und heiszt sich dann mit friden lan (d. h. zuerst spielt er sich gewaltig auf) Murner 273 nat. lit.; ähnlich: ich habe fast drei jahr in Erfurt gelebt ... in einem zirkel ..., wo stäts die grosze glocke geläutet und oft eine ehre darin gesucht wurde, wenn einer den andern [] an unverschämtheit übertreffen konnte Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 2, 12; noch mundartlich: hei lüt gern die grauten klocken, 'er hat gern das grosze wort' Sartori v. dt. glocken 165. C@6@bb) andere redensarten gehen von der verwendung der glocke im rechtsleben aus, vgl. dazu L. Günther recht und sprache 122, Maurer gerichtsverfahren 203. 217 und Sartori v. dt. glocken 130. dasz dieser gebrauch für die öffentliche appelation des klägers schon im 16. jahrh. im absterben ist, zeigt die bedeutung der redensart an die grosze glocke laufen u. ä. 'sich vergeblich beschweren' in belegen bis ins 17. jahrh.: wolts aber jemand gfallen nicht, so er sein gschmaltznen flecken sicht, (den ihm der Grobianus bei tisch auf sein kleid machte) so sprich, wes sagt jr lang daruon er habs doch nicht mit fleisz gethon. so muosz ers dann wol lassen bleiben, er kan dir drumb kein feindszbrieff schreiben, lasz jn an die grosz glocken lauffen, du wirst jm ja kein anders kauffen Scheidt Grobianus 1642 ff. ndr.; die werden mit iren fingirten genealogien reiciert, sampt den fürgeschriften, die sie von künigen und potentaten brachten. das half sie aber nit, man liesz sie an die groszen glocken laufen Zimm. chron.2 3, 131 lit. ver.; wolt ir euch nicht lassn bedeuten, laufft an die grossn glockn zu leuden! Ayrer dramen 4, 2827 lit. ver.; gelüsts ihn, so mag er auch immer hin gen Hof nach der grossen glocken lauffen, ob er vieleicht möcht darunter zu sitzen bekommen Artomedes christl. auszlegung (1613) 1, 188; danach auch: wem daran nicht genüget, den weisen wir an die groszen glocken, da mag er ihm was bessers leuten ders. erklerung d. catechismi (1605) 314. geläufiger ist die bedeutung 'etwas weithin bekannt machen' in den wendungen an die glocke schlagen, kommen, bringen, binden, schreiben, hängen: etwas an die grosze glocke schlagen trombettare, andar trombettando alcuna cosa Jagemann dtsch.-ital. wb. (1791) 496b; haben sie einen thaler erspart oder gewonnen, so wirds alsbald an die grosze glocke geschlagen Körte sprichw. (1837) 145; vgl. auch Wander 1, 1728 f. nr. 84. 98. 107; an die grosze glocke kommen Bauer-Collitz Waldeck. wb. 203a; ebenso et kümmet doch noch an de klocken (westfäl.) Sartori v. dt. glocken 165. an die grosze glocke bringen und binden s. ebda 165 und Sanders wb. d. dt. spr. (1860) 1, 600b. der 2. hälfte des 17. jahrh. gehört an (vielleicht unter einflusz des abergläubischen gebrauchs, seinen namen in eine glocke zu schreiben, vgl. Fischer schwäb. 3, 700; Sartori v. dt. glocken 43): so sollen wir nicht alsbald es an die grosse glocke schreiben und es in allen gassen ausztragen Scriver chrysologia catechetica oder goldpredigten (1690) 124; wer seine liebeshistorien allezeit an die grosze glocke schriebe Chr. Weise die drey klügsten leute (1675) 280; sol ich gehen und soll unsre eigne schande an die grosze glocke schreiben? Gryphius lustspiele 1, 135 Palm; vgl. auch Wander 1, 1729 nr. 98. am gängigsten ist: etwas an die grosze glocke hängen: in unserer familie hängt man das nicht an die grosze glocke B. Auerbach schr. (1892) 16, 120; A. v. Arnim 6, 106 Gr.; geschwätzigkeit, mit der die armen ihre not an die grosze glocke hingen v. Polenz Grabenhäger 1, 97; Fontane I 1, 328; Wander 1, 1726 ff. nr. 35. 85. 98. 107; ganz vereinzelt intransitiv: ... wo nun, was bisher unter uns geblieben, jetzt an der groszen glocke hängt v. Görres ges. briefe (1858) 1, 245. vereinzelt mit unter: ist es alsobald unter die grosze glocke kommen und über den unschuldigen geschryen worden: creutzige ihn! Schupp schr. (1663) 632. C@77) er hat hören läuten, aber nicht zusammenschlagen, oder, wisse aber nicht, wo die glocken hängen 'sprichwörtlich im gemeinen leben von einem menschen, der von einer sache etwas obenhin, aber nicht genau und gründlich gehört oder erfahren hat' Campe 3, 53a: er hat läuten hören, aber nicht zusammenschlagen Luther br. 2, 423; ir habt hören läuten, aber nicht zusammenschlagen, oder: aber ihr wiszt nicht, in welchem dorffe Rädlein europ. sprachschatz [] (1711) 1, 591; der mann hat lauten hören, aber nicht zusammen schlagen Lessing 10, 261 L.-M.; zur erklärung s. unter lauten 3, teil 6, 373, und zs. f. dt. philol. 26, 43. er hat läuten gehört, ohne zu wissen, wo die glocken hingen Serz teut. idiotismen (1797) 86b; er hatte hören leuten, aber nicht deuten, oder hatte hören zusammen schlagen, und wuszte dennoch nicht, wo die glocken hiengen Prätorius bericht v. Katzen-Veite (1665) E 40; s. auch oben Rädlein; für Gottsched bezeugt, von dem her die literarische kritik es übernahm: wann ein kenner der malerey etwas anders davon sagen kann, als — um mit einem Gottschedischen kern- und sprüchworte zu reden — der v. (verfasser) habe die glocken läuten gehört und wisse nicht, wo sie hängen Nicolai briefe die neueste litt. betreffend 9, 135; wenigstens hat der ... nur läuten hören, ohne im geringsten zu wissen, wo die glocken hängen Lessing 13, 381 L.-M.; die ursprünglich stets zweigliedrige redensart wird im 19. jahrh. zuweilen eingliedrig: dieser bengel ... hat die glocken läuten hören, schwatzt und quatscht von freiheit Fontane I 6, 35; vgl. auch Lipperheide spruchwb. 496b: er hat etwas läuten hören. C@88) eine glocke gieszen im 16. und 17. jahrh. häufig belegt, s. auch unter C 2 a; auch heute noch mundartlich, s. Sartori v. dt. glocken 167 (s. u.). der gewöhnliche sinn ist 'einen beschlusz fassen' oder 'alle vorbereitungen treffen, um zu einem beschlusz zu kommen': da ward die glocke gegossen und der römische grewel nam solchs mit frewden an Luther 8, 216b W.; H. Sachs 22, 427 lit. ver.; der beschlusz war, wie glock zuovor gegossen war Joh. Nas das antipap. eins und hundert (1567) 2, J 4b; als denn die presidenten und fürgsetzten der vier nationen sprachend: placet, so war die glogg gegossen J. Stumpf concil zuo Costenz 19a; die glock ist gegossen und der rath beschlossen Rist d. friedejauchz. Teutschland (1653) 124; in summa nach langem discurs wurde die glock gegossen und beschlossen, dasz Springinsfeld den schatz suchen sollte Grimmelshausen simpliz. schr. 1, 84 Tittmann. die glocke ist schon gegossen res haec iam tum concertata est Aler (1727) 1, 957b. insbesondere 'einen anschlag machen': da wurden sie zornig ... gossen endlich die glocken, das sie jn tödten wolten Luther 8, 81b W.; nun was es zuogericht ... im sacrament ... dem bruoder zuovergeben, als dann wer yr glocke gegossen gewesen Seb. Franck chron. 222b; mundartlich de klock geben 'einen anschlag machen', s. Sartori v. dt. glocken 167. mit präposition wird zugefügt, über oder gegen wen etwas beschlossen ist, vereinzelt steht auf: Schwantipol aber mercket wol, das die glocke auff ihn gegossen Hennenberger erclerung d. preusz. landtaffel (1595) 354. üblicher ist über: eine heimliche klocke über einen gieszen clam consilia struere contra aliquem Stieler 985; und da er den anschlag markt, dasz die glogg über in gossen was J. v. Watt 1, 225; da werden sie villeicht eine glocken über mich gieszen wollen H. Jul. v. Braunschweig schauspiele 337. C@99) an die zeitangabe durch die glocke (s.B 1 b β) schlieszt sich an: was hat die glocke geschlagen? quid agitur? quo in cardine res versatur? Aler (1727) 1, 957b; gewöhnlich im abhängigen satze: in fine videbitur cuius toni das ist: am ende wirdt man sehen, was die glocke geschlagen hat Luther 33, 119 W.; am end sihet man, was die glocken geschlagen hab Petri 2, J 2a; Josef märckte straks im ersten eintritte, was die glocke geschlagen Zesen Assenat (1679) 208; Kramer dtsch.-holl. wb.4 2 (1787) 186 a; was die glocke geschlagen hat, sieht man am zeiger Wander 1, 1727 nr. 61. wieviel statt was: nach geschehener that sihet auch der thor ..., wie viel die glocken geschlagen habe Lehman floril. polit. (1662) 4, 10; Holberg n. schaubühne (1743) 1, 59; Möser werke 9, 117; wie viel die glocke geschlagen hat, weisz man erst, wenn sie aufgehört Wander 1, 1728 nr. 79; formelhafter gebrauch zeigt sich in dem häufigen ausfall des hilfsverbs. seit dem 16. jahrh. halten sich die belege mit und ohne hilfsverb die waage. selten erscheint naturgemäsz die redensart in präsentischer form: [] du menschen kind, erschrick und wach all augenblick, lasz sichre leute schertzen! horch du in deinem hertzen, was deine glocke schlägt! Simon Dach 254 lit. ver.; was die glock in knsten schlage, nur der kenner wissen kann Ulr. Hegner ges. schr. 149. als ausdruck des erstaunens über einunerwartet eingetretenes ereignis begegnet umgangssprachlich: nun schlägt die glocke dreizehn! Wander 1, 1729 nr. 120. DD. übertragener gebrauch. D@11) glocke steht für das glockenläuten und für den glocken- oder stundenschlag. D@1@aa) für das glockenläuten, gelegentlich für das sterbegeläut: und ist mir zwar ein groszer schmerz, .............. dasz ich (die union) kein glocken nit kan haben, wann man mich ehrlich soll begraben Opel-Cohn dreiszigjähr. krieg 2, 137. vor allem nach der glocke 'nach dem (abend-)läuten': durch dasz sie noch der glocken (nach dem glockenschlag, der feierabend gebietet) gesessen haben (1464) urkundenbuch der stadt Freiburg i. S. 3, 259; dobey gewest sein die obengeschriben herren prelaten und thumherren noch der glocken, als gewonheit ist, zum capittel gesammelt (1444) lehnsurkunden und besitzurkunden Schlesiens (1881) 2, 259; doch abends nach der glocke stellt er sich wieder ein v. Erlach volkslieder d. Deutschen 1, 482; s. auch Schiller-Lübben 2, 486. ferner elliptisch für 'das recht des weltlichen gebietsherren, die kirchenglocken zu läuten' in alten rechtsformeln bei der einweisung in grundherrschaft und gerichtsbarkeit: vort wisent die heimburgen unserm herrn von Trier ... die clocke, die volge, den ban, den herkomenden man, ... die gebot und alle gewalt rechtsalterth.4 1, 66; vgl. ähnliche formeln bei glockengeläute, -geschell, -klang, -schall, -schlag. D@1@bb) für den glocken- oder stundenschlag als bezeichnung der uhrzeit: D@1@b@aα) der eigentliche schlag wird bezeichnet in der verbindung: 'die glocke zählen' zehle die glock dinumera horas Orsaeus nomencl. methodicus (1623) 311; die glocken heissen und befehlen, wenn wir bald diesz, bald jenes thun: wenn wir erwachen oder ruhn: so müssen wir die glocken zählen Brockes ird. vergnügen (1721) 8, 490; (die glocke schlägt) zählt da die glocke .... (clock striketh, tell the clock there) Shakespeare 9, 204. D@1@b@bβ) uneigentlich die durch den glockenschlag bezeichnete uhrzeit, vor allem im nd. geläufig, so schon mnd.: to VII in der klokken des avendes, umme trent achten in de kloken bei Schiller-Lübben 2, 486a; he is in de klock verbistert er weisz nicht, was für zeit es ist Wander 1, 1729 nr. 109; ... als nun der wächter 'ein ist die glock!' ausrief ... J. H. Vosz sämtl. ged. (1802) 1, 109; vornehmlich in der frage: 'was ist die glocke' in Niedersachsen, für wie viel uhr ist es? 'die glocke ist acht', eben daselbst, es ist acht uhr Krünitz 19, 83; schriftsprachlich bei nd. oder dem nd. nahestehenden schriftstellern: Löwen schr. 4, 253; J. D. Falk satiren (1800) 2, 134; A. v. Arnim 2, 344; 14, 217 Gr.; H. v. Kleist 1, 396 E. Schmidt; E. M. Arndt schr. (1845) 3, 567; W. Raabe Horacker (1876) 103; selten lautet die frage: wieviel ist die glocke Hennig preusz. wb. 85; Hunold d. törichte pritschenmeister (1704) 37; neue schauspiele (1771) 7. ferner in adverbialem gebrauch von glock (klock) vor zahlen zur angabe der uhrzeit wie nhd. um sechs uhr oder auch punkt sechs uhr: heut morgen glock sechs Hennenberger erclerung der preusz. landtafel (1595) 82; klock acht 'punkt acht' Leithäuser Barmer wb. 79; in präpositionalen verbindungen: von glocke drey an Micraëlius altes Pommerland (1640) 3, 607; nach glock eins Praetorius saturnalia [] (1663) 21; bei um ist die bedeutung 'circa' nirgends gesichert; es liegt wohl einflusz des hd. um acht uhr vor (vgl.uhr 1 a teil 11, 2, 731): um glock 12 Micraëlius altes Pommerland (1723) 2, 42; Storm w. (1899) 3, 314; die verwendung von glock(e) findet sich in der präpositionalen verbindung auch im obersächsischen des 17./18. jahrh.: um glock acht Chr. Weise polit. redner (1677) 381; um die glocke zehn Happel akadem. roman (1690) 333; gegen glock vier v. Fleming der vollk. teutsche soldat (1726) 306. rein literarisch ist das vorkommen bei obd. autoren zu deuten, in der frage: was mag die glocke seyn? geh, sieh doch schwager, im garten auf die sonnenuhr! Pfeffel poet. versuche (1812) 3, 138; was ist die glocke? Schiller 12, 180 G.; wie viel ist die gloke ebda 3, 109; in der präpositionalen verbindung: umb glocke achte Moscherosch gesichte (1650) 2, 533. pleonastisch begegnet neben glock noch uhr: glock acht uhr Hassang jocosa sapientia, kurtzwilige weiszheit deutsch cap. 3 32; Zend. á Zendoriis teutsche winternächte (1682) 113; Polander lustige studierstube (1721) 21; H. v. Kleist 1, 371 E. Schm. D@22) wie bei uhr vollzog sich im nd. auch bei glocke der übergang von der bedeutung 'stunde' zur bezeichnung des 'stundenmessers' horologium: warum kamstu so späde in die schule? ... die glocke hat nicht recht geschlagen. fefellit me hora. horologium nostrum aberravit Orsaeus nomencl. methodicus (1623) 302; die glock irret horologium fallit, aberrat, mentitur, stehet still haeret, subsistit ebda 311; klokk(e) die turm- und wanduhr Berghaus Sassen 2, 157; de klock geit na Frischbier preusz. 1, 380; klocke standuhr Woeste westf. 131a; auch die taschenuhr Mensing schlesw. holst. 3, 165; wanduhr, kirchenuhr, seltener taschenuhr B. P. Möller Sylter wb. 143; die taschenuhr Hupel idioticon d. dtsch. spr. in Lief- u. Esthland 79; glocke uhr Hans Ostwald rinnsteinspr. 60; vgl. nd. glockenflicker, -schuster Klenz scheltenwb. 154. D@33) glocke als bezeichnung für kleidungsstücke hat als parallelen engl. cloak, cloke und mlat. cloca; im dt. seit dem 14. jahrh. 'die mantelartigen umhänge', s. Fischbach gesch. d. textilkunst (1883) 105: reno gluck oder schibelecht mantil (15. jahrh. md.) Diefenbach gl. 492b; XII elne wandes ... to rocke, to klokke, to kogele unde to hosen bei Schiller-Lübben 2, 486b; auch trugen sie hoicken (mantelartige überwürfe, s. theil 4, 2, 1731), die waren all vmb rund vnd gantz. das hiese man glocken Limburger chron. (1617) 20; vgl. auch glockenhose, -kleid, vor allem das alte glockenmantel, s.glocke comp.-typ. E 7 a; ferner glockenweit bei glocke E 8 a; für einen hut ganz jung: modische grobstrohige glocken Thür. allgem. zeitung anzeigentheil (Erfurt mai 1931); vgl. aber bereits glockenhut im 16. jahrh. (s. u.). D@44) glocke als bezeichnung für glockenförmige blüten und für pflanzen mit solchen blüten selbst in der sprache der botanik, ferner gern auch dichterisch. D@4@aa) von den blüten: glocken werden auch die blumen einiger gewächse genennet, welche die gestalt einer glocken haben Zincke allgem. öconom. lex. (1744) 966; viola mariana ... mit ... gedoppelten, gefüllten glocken v. Hohberg georg. cur. aucta 1 (1687) 845a. auszer von der blauen glockenblume (campanula), häufiger von der hyacinthe, nicht ganz so oft von schneeglöckchen und maiglöckchen gebraucht: die ehr- und tugendsame jungfer campana läutete ganz mitleidig mit allen ihren glocken Cl. Brentano 5, 64; ... die müde sonne ruht an nackten felsenwänden, um den letzten blauen glocken ihre letzte gunst zu spenden Fr. Wilh. Weber Dreizehnlinden (1907) 112; als Gottlieb jüngst zween freunden, auf dem garten zwo hyacinthen voll gefüllter glocken gab Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 41; Göthe I 1, 346 W.; Rückert 1, 313; eine blühende hyazinthe neigt ihre blauen glocken gegen das kissen [] Mörike 3, 45 Göschen; da hingen auch am boden, das frühjahr einzuläuten, die reinen glocken des schneeglöckchens Roszmäszler der mensch im spiegel d. natur (1855) 5, 100; maienblümlein! deine glocken sind zerspaltnen perlen gleich Harsdörfer bei v. Erlach volkslieder d. Deutschen 3, 329; gelegentlich auch von andern blumen: aus dem gestrüppe fingerhut bedächtig streckt die rothen glocken A. v. Droste-Hülshoff 2, 88 Cotta; mit des sinngrüns blauen glocken schmückt der holden jungfraun haar Matthisson schr. (1825) 1, 198; (vom zwergalpenglöckchen) die kronenzipfel ... dringen nur bis in das drittel der glocke v. Schlechtendal flora5 19, 163; am frühesten von der winde bezeugt: gegen dem brachmonat erscheinen die weisse runde glocken; so die abfallen ... Bock kreuterbuch (1556) 304b. D@4@bb) vom blütenkelch auf die ganze blume oder die ganze pflanze übertragen, in sonderheit wie glockenblume 3. D@4@b@aα) in früherer zeit für die winde: ligustrum clocken, witte blomen (15. jahrh. nd.) Diefenbach gl. 329b; klocke lugustrum Schiller-Lübben 2, 486; der gestalt halber nennet man die grosse bluomen weisz glocken und die kleine klein schellen oder glocken, auch wind kreütter ... zuo latin volubilis maior et minor Bock kreuterbuoch (1556) 305b; baumwinden, winden, windenkraut, weisz glocken, ... baumwinden die klein, klein winden, klein glocken, Wirsung artzneybuch (1592) register; vgl. weisz-, zaunglocke Sanders 1, 601. D@4@b@bβ) jünger für die campanula: glocke, glockenblume (campanula) heiszt die gattung von der gestalt der blumen Fechner erklär. volkstüml. pflanzennamen (1871) 12; (ein kranz) zierlich aus blauen glocken und küchenschelle geflochten Mörike 1, 78 (1905) Göschen; denke weg aus dem gemäuer die blauen glocken und die maslieben und den löwenzahn und die andern tausend kräuter Stifter 1, 217 Sauer; einzelne arten der gattung campanula: viola mariana spanische glocken v. Hohberg georg. cur. aucta 1 (1687) 845a; taube glocke, pyramidenartige glocke Sachs-Villatte20 3, 718c; vgl. ferner die zusammensetzungen busch-, gras-, wald-, wiesenglocke Sanders 1, 601. vgl. auch schelle (3 d) für campanula, s. teil 5, 2495. D@4@b@gγ) auch für akelei: glocke aquilegia atrata Pritzel-Jessen 37; so wird ... akeley ... an einigen orten glocken genannt Krünitz 19, 83; Mensing schlesw.-holst. 3, 164. D@55) glocke als gattungsname für die durch schwimmglocken sich auszeichnenden tiere: glocke s. medusen J. H. Bechhold handlex. d. nat.-wiss. u. medizin3 (1923) 1, 584b; bei der staatsqualle bezeichnet Brehm ihre schwimmglocke wiederholt auch einfach als glocke tierleben (1930) 1, 109. 113. 114 u. s. w. D@66) für bestimmte gerätschaften und gerätteile: D@6@aa) glocke gebisz beim zaum für pferde: deszgleichen dienet auch einem pferdt, welches erzelter massen das maul krümpt, einzulegen glocken mit runden boden ... und darumb man auch etwa pflegt für das maul krümmen zwifache biren oder zwifache glocke ... mit runden boden einzulegen Fayser Grisons reitbuch (1570) 132; ebda 140; vgl. glockenbisz und glockenwalze unter comp.-typ. E 7 d. D@6@bb) glocke plätteisen (vgl. auch glocken, vb., 2): 'ein walzenförmiges, metallenes und hohles werkzeug der wäscherinnen, in welches sie ein passendes glühendes eisen stecken, um krausen etc. darauf auszustoszen oder zu plätten' Campe wb. (1807) 2, 405b; Zincke allgem. öconom. lex. (1744) 966; heute, nachdem die 'geglockten' krausen und ärmelaufschläge auszer mode sind, nicht mehr gebraucht. D@6@cc) glocke handschutz an rapieren und schlägern: der schläger ... ist ein scharf geschliffenes schwert, entweder mit einem metallkorbe zur deckung der hand oder mit einer 'glocke' zu diesem zwecke Laube ges. schr. 1, 60; nun wurden ... zwei ... klingen, zwei mit silberdraht übersponnene griffe und zwei vergoldete halbkugelförmige [] glocken zum schutze der hand ausgepackt und ineinandergeschraubt G. Keller 2, 247; vgl.glockenschläger comp.-typ. E 7 d. D@6@dd) glocke 'ein glockenförmiges garn zum fangen der repphühner im winter (bey den jägern)' Voigtel wb. (1793) 2, 103b; vgl. auch glockengarn comp.-typ. E 7 d. D@6@ee) mit der entwicklung der technik sind alle möglichen apparate oder apparatteile der technischen industrie glocke benannt worden, so: glocke preszform zur anfertigung gepreszter röhren; glocke eines giftgasentziehungsapparates; schwimmende glocke eines windregulators Hoyer-Kreuter 1, 305 u. a. m.; vgl. auch die zusammensetzungen comp.-typ. E 7 d. D@77) in der verwendung als sturz, der gewöhnlich zum schutz untergelegter gegenstände dient, bes. als glasglocke, seit dem 18. jahrh. reich entwickelt: man legte sie (die schrift) unter eine sogenannte gläserne glocke, welche mit der schrift etliche tage in die sonne gelegt wurde Gottsched anmuth. gelehrsamkeit 8, 337; glocke ... ist ein gläsernes ... gefäsze in gestalt einer glocke, womit man in denen gärten die jungen schoten, melonen und andere zarte frühe gewächse wider die rauhe luft zu bedecken ... pfleget allgem. haushalt.-lex. (1749) 1, 604; man könnte vielleicht unter luftleeren, mit gemeiner luft oder besondern luftarten gefüllten glocken solche farbstoffe dem licht aussetzen Göthe II 1, 239 W.; auch glocke einer luftpumpe Hoyer-Kreuter 1, 305; wird ... der hahn geöffnet, so dringt luft ... in die glocke allgem. dt. bibl. (1765) 85, 337; die heute gebräuchlichsten glasglocken sind die butter- und käseglocken. unter glocke versteht man auch eine schutzglocke aus draht: aus geweben von eisen- und messingdraht werden glocken zum zudecken von schüsseln u. dgl., um vom inhalte die insekten abzuwehren, ... hergestellt Prechtl 15, 50. in sonderheit werden gelegentlich mit dem simplex glocke bezeichnet die lampenglocke: die eine glocke von den gartenleuchtern ist auch dabei zu grunde gegangen aus Schleiermachers leben 2, 361; die taucherglocke: als er tief in die see in einer taucherglocke hinabstieg ..., bemerkte (er), dasz ... der obere theil seiner hand, worauf die sonne gerade durchs wasser und durch ein kleines glasfenster in der glocke schien, eine rothe farbe hatte Göthe II 2, 287 W.; ... zehn mann, je zwei in einer taucherglocke am meeresboden. diese glocken sind von eisen Moltke ges. schriften und denkwürdigkeiten (1892) 6, 241. glocke im sinne von sturz liegt vergleichen zugrunde wie: das ganze himmelsgewölbe, die schöne blaue glocke unserer erde, war ein ganz schwarzer abgrund geworden Stifter 1, 22 Sauer; der himmel stand blau und wolkenlos wie eine glocke Fontane I 2, 3. D@88) glocke ausweitung eines bergwerkschachtes: (ein bei dem sog. glockenbau) glockenartig ... sich erweiternder bau, der sich eng an den tagschacht anschlieszt Veith bergwb. (1870) 245; vgl.glockenbau und glockenschacht comp.-typ. E 7 e. weniger aus der vorstellung der form als vielmehr des herabhängens heraus entwickelt sind D 9. 10: D@99) glock oder bart eines vogels 'das ihm an der kehle herabhängende säcklein oder sein kropf' v. Querfurth krit. wb. d. herald. terminologie 55; vgl.glöckchen, glöcklein. D@1010) für testiculus: welch man ain frauenschender wer, der het verdient das man ..... ... im abschnid pei seiner stangen die glocken, die pei dem zirms hangen fastnachtsp. 707 Keller; mit glocken, die in hosen klingen Burkhard Waldis Esopus 1, 109 Kurz; in fester bedeutungsübertragung in der älteren jägersprache, s. v. Heppe wohlred. jäger (1763), 151b; eine hinterlistige hündin fährt ihm (dem eber) mit heimtückischen zähnen an die glocken, als kennte sie ihre ungemeine empfindlichkeit Kosmeli harmlose bemerkungen 68; vgl. die gleiche übertragung bei schelle (3 b) teil 5, 2495. D@1111) anderer übertragener gebrauch geht von der tonqualität aus: [] D@11@aa) für ähnlich tönende klangkörper: (die harmonika) besteht aus gestimmten glasscheiben oder glocken Schubarth ästhetik d. tonkunst 290; vgl. Moser musik. wb. 42a s. v. glasharmonika; die glocken sind platten, welche beim anschlagen in transversalschwingungen versetzt werden Lueger 7, 156; glocken 'im orchester in verschiedenster grösze benutzt, heute gern als stahlröhren oder platten' Moser a. a. o., vgl. A 2 d. bildlich, jedoch nicht zu fester bedeutungsübertragung durchentwickelt, wird die 'hillebille' hölzerne oder bretterne glocke genannt s. Sartori v. dt. glocken 72. 123. 220. 221; zs. f. volkskunde 5, 103; 12, 214. wir sind bleierne und hölzerne kerle. darum knallt es auch so prächtig, als wenn den bauren mit der bretternen glocke zur tafel geläutet wird, wann man uns auf die hinteren paukt E. M. Arndt schr. (1845) 1, 161; in Westfalen auch für die dreschflegel Sartori v. dt. glocken 164: de hültenen klocken gan Woeste westf. ma. 131a; Wander 1, 1728 nr. 88. D@11@bb) (unter) glocken ... wird in einer orgel oft nichts anders verstanden als der akkord, welcher anstatt des zymbelsterns bisher sehr gebräuchlich ist Jacobsson 1, 119a (vgl. dazu: cymbelstern drehbarer stern, der beim ziehen des registers ein glockenspiel in bewegung setzt Sanders 3, 1211b). D@1212) glocke dient ferner zur bezeichnung einer plauderhaften person, vesperglöcklein für ein schnippisches, vorlautes mädchen, auch ohne den begriff der schwatzhaftigkeit als gewöhnlicher schelte dumme glocke Fischer schwäb. wb. 3, 702; glocke L. Pansner dt. schimpfwb. 23; vgl. auch schelle als frauenschelte teil 5, 2495 zur vorstellung vgl. bereits: er mulkleffel, da man swigen sol! ja kan ich im gelichen wol ein bœse glocke, die man lange liutet Konr. v. Haslau der jüngling v. 909 in zs. f. d. altertum 8, 577. D@1313) glocke als hauszeichen, daher auch als hausname (vor allem als wirtshausname): ursprünglich mit der präposition zu: das hus, dem man sprichet zer gloggen (1319) Staub-Tobler schweiz. 2, 611; vgl. auch Fischer schwäb. 3, 702; daselbst in der herberg zu der glocken eingekehrt Schickhart v. Herrenberg beschreib. e. reisz (1602) 76. früh aber schon in elliptischer verwendung: ... also dasz man alle geluchte usz thue und das husz zusliesz, ehe man die lange glocke verleszet (1471) Frankfurter zunfturk. 1, 221; wir kamen um 2 uhr in Erlangen an und traten in der blauen glocke ab Nicolai beschreib. e. reise (1783) 161. EE. compositionstypen. die grosze bedeutung der glocke im öffentlichen und privaten leben und die zahlreichen übertragenen verwendungen des wortes erklären die grosze häufigkeit zusammengesetzter wörter mit glock- und glocken- als erstem bestandteil. die adjectivischen zusammensetzungen treten hinter den substantivischen stark zurück und sind reicher erst mit dem 19. jahrh. bezeugt (s.E 8). die zweisilbige form ist das gewöhnliche; sie ist seit dem ahd. belegt: gloccunjoche Notker 1, 749, 13 Piper; hierher auch gloccinpare (11. jahrh.) ahd. gl. 2, 641, 54 als glossierung zu electro (abl.) nach einem voc. von 1420 dasselbe wie glockenspeise, s. Diefenbach gl. 197c. neben überwiegenden glocken-formen im mhd. (s. Lexer 1, 1037) steht in einzelnen worten auch glocke- und glock-, so bei: glock(e)amt (15. jahrh.) s. d.; glochus (12./13. jahrh.) s. d.; clocludere (13. jahrh.) s. d.; glocksnuor, glockspise(n) bei Lexer a. a. o.; ferner in glockgieszer Fischer schwäb. 3, 703 (vom j. 1341); glockmantel Jelinek mhd. wb. 326; glockmeister handelsrechn. d. dt. ordens 121 Sattler; Marienburger treszlerb. der j. 1399—1409 s. 38. 53 Joachim. im nhd. gehen die glock-bildungen bis auf einzelnes stark zurück: glockhaus hält sich bis 1600; mundartlich bis heute bei Stelzhamer 1, 102 Rosegger. bei glockspeise stehen wie bei glock(en)haus beide bildungen zunächst gleich häufig nebeneinander; nach 1600 ist aber nur noch einmal das adjectiv glockspeisen belegt bei Guarinonius grewel d. verwüst. (1610) 90. glockturm ist neben dem seit dem 15. jahrh. sehr häufigen glockenturm nur einige male um 1600 belegt bei M. C. Schütz [] historia rer. prussic. (1592) 9, G g 1b; J. v. Brüssel beschreib. altes keiserthums (1602) a 1a; Petri 2, C c c 7a; dazu als auffälliger nachzügler J. J. Bode Tristram Schandi (1774) 6, 101. glockofen ist nur in dieser form und nur im 17. jahrh. belegt. glockrose ist von 1691 (Stieler) bis heute belegt; glockenrose dagegen nur zweimal lexikalisch bei Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 792; Dietrich vollst. lex. d. gärtnerei u. bot. 1, 286. zu glockfeuer vgl.glochfeuer. glock- hielt sich weiterhin noch in einzelnen flurnamen, s. unter E 5. für adjectivische composition gilt glocken-; demgegenüber steht nur das vom substantiv abgeleitete glockspeisen und mundartliches glockhell, vereinzelt österr. glöckshell, beides sieh an alphabetischer stelle. ableitung vom verbum glocken kann vorliegen bei glockkuh. die glock-bildungen sind unter den glocken-bildungen mit behandelt. zu den compositionstypen gehörige worte, die eine breitere entfaltung zeigen, sind hier nur dem wort nach aufgeführt; ihre abhandlung an alphabetischer stelle ist durch den beigesetzten verweis (s. d.) gekennzeichnet. E@11) glocke im eigentlichen sinne findet sich E@1@aa) in den häufigen zusammensetzungen zur bezeichnung von teilen der glocke wie glockenöffnung, -rand, -saum, -teil, -wandung u. a. m.; als besondere, meist fachliche ausdrücke sind hervorzuheben:
71490 Zeichen · 1609 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    GLOCKEswf. stf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +3 Parallelbelege

    GLOCKE , GLOGGE swf. auch stf. glocke. ahd. glocka Graff 4,292. Gr. 1, 684. — maneger glocken klanc Parz. 195,30. wie vi…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Glocke

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Glocke , plur. die -n, Diminut. das Glöckchen, Oberd. Glöcklein. 1. Eigentlich, ein metallenes hohles Werkzeug in Ge…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Glocke

    Goethe-Wörterbuch

    Glocke gelegentl K-, insbes in B1a; Schreiberh -oke GWB B4,126,10 A zum Läuten, Schlagen, Klingeln bestimmte Glocke 1 an…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Glocke

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Glocke , schallgebendes hohles Werkzeug, oben kegelförmig, unten ausgeschweift, aus G. ngut (Mischung von Kupfer u. Zinn…

  5. modern
    Dialekt
    Glock(e)

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Glock(e) [Klòkə S.; Klòk allg.; Pl. –ə] f. 1. Glocke. Rätsel: ‘s isch ebbes zwische vier Müre, Es rueft in alle Büre’. A…

  6. Sprichwörter
    Glocke

    Wander (Sprichwörter)

    Glocke 1. A Kloak as föör a Dommen. ( Amrum. ) – Haupt, VIII, 369, 314. Die Glocke (Uhr) ist für die Dummen. 2. Alle Glo…

  7. Spezial
    Glocke

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Glo|cke f. (-,-n) 1 (Kirchenglocke) ciampana (-nes) f. 2 (Kuhglocke) ciampanela (-les) f. 3 (große, dumpf klingende Kuhg…

Verweisungsnetz

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit glocke

616 Bildungen · 348 Erstglied · 267 Zweitglied · 1 Ableitungen

glocke‑ als Erstglied (30 von 348)

glockehûs

Lexer

glocke·hus

glocke-hûs stn. BMZ glockenhaus, glockenstube Berth. 492,24. Clos. ( Chr. 8. 96,17 ). glockhûs Wolk. Gr.w. 4,21. Ukn. 310 ( 1344 ). gloghûs …

glockehûs

MWB

glockehûs stN. Raum, in dem sich der Glockenstuhl befindet, ‘Glockenstube, Glockenturm’ campanile: gloghus VocOpt 12.064; in ain hailig stat…

glockehūs

KöblerMhd

glocke·hūs

glockehūs , st. N. nhd. „Glockenhaus“, Glockenturm, Glockenstube ÜG.: lat.campanarium Gl, campanile Gl, VocOpt Hw.: s. glochūs, glockenhūs Q…

glockelîn

Lexer

glock·elin

glockelîn , glöckelîn stn. BMZ kleine glocke Tund. Wolk. Lanz. 3905. L.Alex. 5441. Msh. 3,468 i . Renn. 9872. Rotenb. r. 41.

glockelîn

MWB

glockelîn stN. Dimin. zu glocke . ‘kleine Glocke’ di ture unde glockelîn / di wâren alliz guldîn SAlex 5441; an iegelîchem kentenlîn [kleine…

Glockenhaus

SHW

Glocken-haus Band 2, Spalte 1393-1394

glockenhell

SHW

glocken-hell Band 2, Spalte 1393-1394

Glockenhut

SHW

Glocken-hut Band 2, Spalte 1393-1394

Glockenjahr

SHW

Glocken-jahr Band 2, Spalte 1393-1394

glockenklar

SHW

glocken-klar Band 2, Spalte 1393-1394

Glockenlaib

SHW

Glocken-laib Band 2, Spalte 1393-1394

glockenrein

SHW

glocken-rein Band 2, Spalte 1393-1394

Glockenrock

SHW

Glocken-rock Band 2, Spalte 1393-1394

glocke als Zweitglied (30 von 267)

Alarmglocke

RDWB1

Alarmglocke f ~n klingen lassen idiom. - бить тревогу идиом. in seinem Kopf klingelten Alarmglocken / gingen Alarmglocken los idiom. - ему с…

abendbetglocke

DWB

abend·betglocke

abendbetglocke , f. die zum abendgebet läutet. wenn die abendbetglocken sich hören lassen. Göthe 23, 173 .

abendglocke

DWB

abend·glocke

abendglocke , f. die abends zu bestimmter stunde läutet. um die zeit der abendglocke. A. Gryph. 1, 896 . die abendglocken des lebens tönen. …

ablassglocke

DWB2

ablass·glocke

ablassglocke f. sterbeglocke: 1900 das „ablaßglöckle“ wird .. zur verkündigung des todesfalles .. geläutet E. H. Meyer bad. volksleben 581. …

Annaglocke

RhWB

anna·glocke

Anna-glocke f.: in der St. Annakirche in Dür . RA.: De os zu deck wi de zent Annaklock. Jet an de A. hange ausplaudern. Wann de A. en et Bie…

ARMESÜNDERGLOCKE

DWB2

armesuender·glocke

DWB2 ARMESÜNDERGLOCKE f. DWB2 auch armsünderglocke. zusr. zu armer sünder (vgl. arm adj. 6 ), mit binnenflexion. bei hinrichtungen verurteil…

bauerglocke

DWB

bauer·glocke

bauerglocke , f. dorfglocke, die den bauern zu gericht läutet. burdingsglocke. Oberlin 100 .

Bêthglocke

Adelung

beth·glocke

Die Bêthglocke , plur. inus. im gemeinen Leben, die Glocke, an welche man zu der zum Gebethe bestimmten Zeit schlägt, ingleichen das an dies…

betteglocke

Lexer

bette·glocke

bette-glocke swf. nahtes nâch der betteglocken Gr.w. 4,470 ; vgl. slâfglocke.

Bettelglocke

Wander

bettel·glocke

Bettelglocke Bettelglocke klingt: Soll, soll! Mir, mir! trag' her, affer. – Eiselein, 74.

Bettglocke

RhWB

bett·glocke

Bett-glocke Mettm f.: RA.: De B. schleiht es ist Zeit, zu B. zu gehn.

bierglocke

DWB

bier·glocke

bierglocke , f. dasz niemand nach der bierglocken in den schenkhäusern bleibe. Erfurter stadtordn.

Blumenglocke

GWB

blumen·glocke

Blumenglocke dichterisch für Blume mit glockenförmiger Blüte Blumenkelche, B-n | Folgen deinem Reiselauf GWB 4,67 Blumenkelche 1 Andrea Eber…

brandglocke

DWB

brand·glocke

brandglocke , f. campana incendiaria, feuerglocke: die brandglock wider die ketzer anziehen. bienenk. 194 a . Spee tugendb. 602 .

Brautglocke

RhWB

braut·glocke

Braut-glocke f.: in dem Spr.: Brutklocke sen der Fröngkschaf Sterfklocke Bo-Dransd .

Breiglocke

RhWB

brei·glocke

Brei-glocke RhWBN Gummb f.: in der Wend.: He treck de Breiklock verzieht den Mund zum Weinen.

Brummglocke

RhWB

brumm·glocke

Brumm-glocke -klǫk Rees f.: in der Wend.: Jeden Ogenbleck an de Br. trecke (ziehen) bei jeder Kleinigkeit weinen.

Bubenglocke

ElsWB

buben·glocke

Bubenglocke f. Feierabendglocke. man läutet die Bubenglocke im Sommer um zehn und im Winter um neun la cloche des fripons’ Martin Parl. N. 8…

buszglocke

DWB

buszglocke , f. campana ad poenitentiam agendam excitans: dieses ( die erzählte geschichte ) ist (sprach er zu sich selbst) eine neue buszgl…

diebsglocke

DWB

dieb·s·glocke

diebsglocke , f. sie wird geläutet, wenn der dieb an den galgen gehängt wird. die diebsglock ich gehn leuten will. Th. Birk Doppelspieler 86…

domglocke

DWB2

dom·glocke

domglocke f. : 1787 Bretzner leben 1,89. 1937 Billinger dr. [ 1956 ] 2,253.

dorfglocke

DWB2

dorf·glocke

dorfglocke f. kirchenglocke: 1776 Miller Siegwart 1,53. 1929 Remarque westen 83. mdal. im nd. ortsschelle.

Ableitungen von glocke (1 von 1)

ûrglocke

Lexer

ûr-glocke , ûr-glucke s. ôrglocke (ûrglocke Miltenb. stb. 18 b . Rcsp. 2,39 1442 ).