uhr,
f. ,
stunde, hora; stundenmesser horologium. zur form:
in der lautform hor, or
lehnwort aus lat. hora, bzw. spätlat. ora, in der form ur
aus dem roman. über das mnl. entlehnt. seit dem 14.
jahrh. im deutschen, zuerst am Rhein belegt, ältester beleg (
Frankfurt a. 1348)
im comp. uhrglocke (
s. d.)
bis zum 16.
jahrh. schwankt die form zwischen hore, ore (Lexer 1, 1339; 2, 164)
und ure (Verwijs-Verdam 8, 853, Lexer 2, 2003). Luther
gebraucht die mit h
anlautende lat. form theils mit lat. endung (von eylff hora bisz umb zwey zur vesperzeitt 12, 20
W.),
theils ohne diese (ungeverlich umb eylff hor
ebenda).
im 15.
jahrh. findet sich hore
öfters: wie vil hor hat ez geschlagen? (
a. 1424)
in Bayerns maa. 2, 386.
vergl. noch Nürnberger polizeiord. 55; 56
Baader; Steinhausen
privatbr. 1, 235; 238.
weitere belege bei Grotefend
zeitrechnung 1, 183
ff. s. v. stunden.
eine contaminationsform aus hor
u. ur
ist hur
bei Keisersberg
narrensch. 86
a; or
findet sich bis ins 16.
jahrh. hinein, s. belege bei Grotefend
a. a. o., sodann Steinhausen
a. a. o. 1, 239; A. Dürer
underweysung (1525) I 2
b;
nachlasz 23, 7.
dann siegt die form ur(e), uhr(e).
aus dem mnd. (Schiller-Lübben 5, 140)
ist ur
auch in die nordischen sprachen gedrungen, s. Falk-Torp
etymol. wb. 1335.
die diphthongierte form auer
ist dialektisch (
Wetterau, Nassau),
literarisch nur im 16.
jahrh. vereinzelt belegt, s. o. th. 1,
sp. 602,
ferner: vmb sieben awern am morgen (
Nürnberg a. 1509)
bei Weller
d. ersten dtschen zeitungen 13, 14.
schwach flectierter sg.: notariatsb. 5
b; K. Bücher
Frkf. berufswb. 93
a; Binhardus
thür. chron. (1613) 46.
masc. statt fem. spontan, z. b. H. Müller
thränen usw. (1675) 763.
bedeutung: 11)
stunde. 1@aa)
zur angabe der tageszeit für die hora equalis, die 60
minutige stunde, wobei im mittelalter entweder von sonnenaufgang (morgengaraus)
bis sonnenuntergang (abendgaraus)
nach der sog. groszen
oder Nürnberger uhr (
s. u.)
je nach der tag-, bzw. nachtlänge 8—16
stunden gezählt werden oder (
in Schlesien 15.—17.
jahrh.)
von sonnenuntergang bis sonnenuntergang der '
dies naturalis'
in 24
stunden getheilt ist (
sog. ganze uhr)
oder endlich nach moderner art von mitternacht bis mitternacht 2
mal 12
stunden gerechnet werden (kleine uhr
im gegensatz zur Nürnberger groszen, halbe uhr
im gegensatz zur ostdeutschen ganzen uhr).
die zahl der stunden wird meist in cardinalzahlen dem worte uhr vorgesetzt (
nachsetzung blosz landschaftlich),
selten in ordinalzahlen. die cardinalzahl ein
wird älter nhd. theils flectiert, theils bleibt sie auch schon (
wie seit dem 18.
jahrh. stets)
unflectiert. bei den zahlen 2—12 (
bzw. 24)
steht früh-nhd. überwiegend pl. uhren,
doch auch sg. bereits im 15.
jahrh.; bei getrennter tag- und nachtzählung (grosze uhr),
sowie bei der zählung bis 12
wird die angabe vor, nach dem abend-morgengaraus,
bzw. nachts, vor-, nachmittag
zugesetzt, wo sich die eindeutigkeit nicht aus der situation von selbst ergibt, ebenso die art der uhr,
wo zwei zeitrechnungen gleichzeitig im schwange waren, vgl. hiezu Grotefend
a. a. o. 1@a@aα)
zeitangaben nach der Nürnberger uhr: an aller heiligen abent ... zwischen dem jarausz und einer or
städtechron. (
Nürnberg 1431) 1, 378; zwischen dem garaus und einer ur End. Tucher
in städtechron. 2, 11; fünf or vor tags (
Nürnberg 1449) 2, 171; 3 or auf den tag (= 3.
tagesstunde)
ebda; zwue hore gen nacht (=
vorletzte stunde vor dem abendgaraus) Tucher
baumeisterb. 61. fünf or in die nacht (= 5
uhr nach dem abendgaraus)
städtechron. 2, 177;
vgl.fünfe in die nacht (
ohne uhr!) (
Nürnberg 1473) 10, 336; früe in der lezten ur 15, 142.
hieher vielleicht auch: und es was yetzundan gar by zehen stund tag gesein und waz spot gegen der nacht, villichter umb die dry oder vier ur Keisersberg
post. 1, 23
a. 1@a@bβ)
nach der ostdeutschen zeitrechnung (
der ganzen uhr): Hainau den 18. augusto um 20 uhr Schweinichen
denkw. 172
Ö.; den 11. januarii um 20 uhr im ganzen seiger 2, 179.
weitere belege bei Grotefend
a. a. o. γ)
nach der modernen zählung: 1@a@b@aaaa) eyne ure na mittage
quelle (
a. 1395)
bei Grotefend
a. a. o., umbe eyne ure W. Gerstenberg
chron. 197
D.; daz gesach (=
geschah) die 14. augusto ein ora vor mittag (
a. 1400) Ulman Stromer
in städtechron. 1, 52; zuo ainer uhr nach mittag 25, 376; zwischen zwölf und einer uhren
notariatsbuch 5
b; von eyner uhern nach mittage, bisz es zwey slecht K. Bücher
Frkf. berufswb. 93
a s. v. pfortenherren.
mit unflectiertem zahlwort: von ein uhren bisz zu fünffen Binhardus
a. a. o. 46; nachmittags umb 1 uhren Moscherosch
ges. 2, 507.
mit uhr
ohne flexionsendung: um ain ur Knebel
chron. v. Kaisheim 222; S. Brant
bei Liliencron
volksl. 183, 58; zwischen zwölff vnd ein uhr
volksb. v. dr. Faust 118
Braune; M. Kramer
Parival (1691) 2.
so in der neueren sprache allgemein, z. b. Göthe IV 5, 17
W. 1@a@b@bbbb) 2—12 uhr: in der nacht to tein uren ... to 7 des morgens
quelle (
a. 1451)
bei Grotefend
a. a. o.; zu acht uhren Reuter v. Speir
kriegsordn. 39; die erste schicht soll man ... zu vier urn zu morgens frue, die ander zu zwelff urn, die dritt desz nachts zu achten anfahren (
a. 1548) Lori
bergrecht 259; zu zehen uhren in der nacht
theatr. diabol. (1569) 156
a; im winter musz die erste predigt geschehen vmb sieben uhr ... die ander ein halbe vor neun uhrn Bugenhagen
braunschw. kirchenordn. (1531) P 3;
vgl. auch N 4; und weret der actus von 6 uren am morgen bisz 9 Felix Platter
tageb. 258
B.; yetz früe umb 5 uhren Paumgartner
briefw. 33; von sontag drey uren an bisz zuo der sechsten stund des folgenden freitags S. Münster
cosmogr. 783; gegen tag umb vier uhren Kirchhof
wendunmuth 2, 142; Wickram 2, 245
B.; Fischart
Garg. 271
ndr.; ungefähr umb zwey uhren vor tags
binenkorb (1588) 200
b; als es umb zwölff uren warde Frey
gartenges. 111, 11
B.; des vormittags zwischen acht vnd neun uhrn Schütz
hist. rer. pruss. (1592) 9, G g 3
b; J. Ayrer
hist. proc. juris (1600) 334; v. Chemnitz
schwed. krieg 4, 1, 42
b; 44
a; nach XI uhren in der nacht Micrälius
altes Pommerland (1640) 4, 132; es war bey halb sechs uhren Moscherosch
ges. (1650) 2, 131; bey einer halben stunde nach sieben uhren 2, 139; umb 6 uhren und zu halber 7 uhren
Alsatia 10, 441; 415; 424; vor 7 uhren ..., nach zehen uhren Grimmelshausen
traumges. 4; Schupp
schr. (1663) 105; Chr. Weise
d. drey klügsten leute (1675) 178;
M. Kramer
Parival (1691) 4; 117 (
aber um sechs uhr 110; vor sieben uhr 92); Florille bleib zu nacht so lang auf unsern straszen, dasz sie es oftmals hat zwölff uhren schlagen lassen, eh sie nach hause ging Grob
dichter. vers. (1678) 57.
in der neueren sprache bleibt uhr
auch nach 2, 3
u. s. w. in der sg.-form, also endungslos, wofür belege bereits im 15.
u. 16.
jahrh.: zuo siben uhr Clemens Sender
in städtechron. 25, 379; die schlacht weret von morgen bis zwo uhr nachmittag Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 245; von vier uhr an gegen morgens bisz auff acht uhr gegen der nacht Paracelsus
op. 1, 709
H.; in der nacht umb eilf hor vor mitternacht
quelle (
a 1477)
bei Grotefend
a. a. o.; umb die siben uhr Clemens Sender
in städtechron. 25, 377.
vergl. Baumann quellen z. gesch. d. bauernkriegs 433; 436: umb zwey ur Eppendorf
Plinius (1543) 34;
fastnachtsp. nachlese 27, 27; Nas
das antipap. eins u. hundert (1567—9) 1, 3
b; Stumpf
Schweizerchron. (1606) 429
a. Ringwaldt
lauter warheit B 2
a; umb neun uhr vormittags v. Chemnitz
schwed. krieg (1653) 2, 194; Grimmelshausen
Springinsfeld 2, 49
K.; Birken
d. vermehrte Donaustrand (1684) 199; morgen früh um 11 uhr Göthe IV 28, 26
W.; um vier und ein halb uhr I 43, 18
W.; um halb sechs uhr Hebbel
w. 10, 28
W. ohne präp.: morgens 7 uhr J. H. Vosz
antisymb. 2, 207; glock fünf uhr H. v. Kleist 1, 303
Schm.; schlags 8 uhr Jean Paul 16, 464
R. elf uhr am andern tage hält er am alten ort Fontane
ged. 109. es ist ... zwey, drei, vier ... uhr
oder es seynd zwey ... uhren Kramer
dict. (1702) 2, 1189
b.
die sgl.-fügung dominiert in dieser redensart bereits frühnhd. und verdrängt den pl. vollständig: so es III ur ist nach mittag, soll man ... Eberlin v. Günzburg
s. schr. 1, 110
ndr.; zwey uhr ist es an der zahl, das will ich euch ansagen Chr. Reuter
Harlq. kindb.-schm. 70. es war halb eilf uhr Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 50; drei viertel eilf uhr war vorüber Göthe 25, 194
W.; in der neueren sprache allgemein. seltener: die uhr ist zwei
u. s. w., z. b. schon war die uhr halb acht und noch immer fieng das stück nicht an Castelli
s. w. 10, 61; Storm
w. 1, 156. es gehet auf zwey uhr,
instat hora secunda Steinbach (1725) 399; es geht stark auf neun uhr Schiller 3, 112
G. es schlägt ein, zwei ... uhr
u. ä.: gleich als der seiger hett vier uhr geschlagen ausz Tob. Hübner
in Euphorion 5, 672; ich hab sechs uhr schlagen hören Kramer
dict. (1702) 2, 1189
b; eben schlug es ein uhr Meiszner
skizzen (1778
ff.) 65; G. Keller
w. 2, 131; mir ists, als hört ich noch den nachtwächter vier uhr rufen Miller
briefw. dreier ak. fr. (1778) 1, 3; jetzt bläst der nachtwächter ein uhr W. H. Riehl
culturgesch. nov. 358.
dialektischlandschaftlich mit nachgestellter cardinalzahl: es war uhr eilfe Kleist
zerbr. krug 756
W.; um uhre fünf wollt se drheeme sein G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 140.
verkehrssprachlich, dann schriftsprachlich wird oft, mit elision von uhr
die cardinalzahl allein zu zeitangaben verwendet: morgen fruo umb das ain Keisersberg
schiff d. pen. 70
d,
wofür in der neueren sprache: um eins; umm die neun oder zehene in dem summer
brosamlin 2, 78
c;
Alsatia 10, 424; tzwüschen XII vnd eyn
quelle (
a. 1509)
bei Weller
d. ersten dtschen zeitungen 14; es ist nicht fern von fünffen
M. Kramer
Parival (1691) 10; um zwölfe diese nacht maler Müller
w. 2, 171; Hebbel 8, 75
W. 1@a@b@cccc)
die verwendung der ordinalzahlen bleibt sporadisch: geben zu Ingolstat ... in der zehenten or vor weinachten (1398)
städtechron. 15, 571; nach mitternacht umb die erste hor
ebenda 294; ungefähr umb die sibent uhr Nas
a. a. o. 2, 223
a; Ringwaldt
evang. h 4
a;
Amadis 1, 199; nach der zwölften uhr
quelle (
a. 1616)
bei Lori
bergrecht 487; welcher beiderlei aufferstehung ... auff einander folgt gleich wie das letzte virtel der sechsten uhre mit dem ersten virtel mit der siebenden uhre gar genau vereiniget ist Petersen
d. wahrheit d. herrl. reichs Jesu Christi (1693) 1, 48.
δ)
frage nach der zeit: wie viel uhr ist es?
M. Kramer
Parival (1691) 4, 10; Cneus Bebius ... starb, als er seinen diener gefraget, wie vil uhr es were Heyden
Plinius (1565) 72;
grillenvertreiber (1670) 250; wie viel uhr ists, junge? maler Müller
w. (1811) 2, 145; Iffland
theatral. w. (1827—28) 1, 32; Göthe 45, 156
W.; Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893
f.) 4, 51;
allgemein. seltener: wie viel ists an der uhr? Kramer 2, 1189
b; Steinbach (1725) 399; Tieck
schr. 4, 60.
selten auch: wie viel ist die uhr? Geibel
w. (1888) 5, 169; Wieland 20, 201; was ist die uhr? Eichendorf
s. w. (1864) 3, 327;
Shakespeare 3, 171; Storm 7, 177. 1@bb)
in freier verwendung für stunde
wenig üblich, schon Kramer
bemerkt dict. (1702) 2, 1189
b:
la voce italiana hora si dice uhr,
quando si parla del numero delle hore suonate ò mostrate dall' orologio ... ma quando si parla semplicemente della duratione ... senza haver riguardo ne mira all orologio si dice stund.
doch finden sich vereinzelt belege hiefür in der älteren sprache, s. Lexer 2, 2003.
nhd.: er ... schlief nun auf zwuo ure und stuond dann auf
summerteil d. heyl. leben (1472) 191
b; im summer schlief er ... zwo oder drei ur Aventin 5, 151, 16
L.; (
eine meile ist) eyn ure rijdens v. Harff
pilgerfahrt 4; fünf uhren lang
rechtsalterth.4 1, 614; (
es) wert der sturm ... mer dan VIII ur Unrest
chron. Carinth. 769; Windecke
denkw. 400; (
er) starb ... in einer viertel uhr darnach Zinkgref-Weidner
teutsch. nation weish. (1653) 3, 47; Frisch
dtsch.-lat. wb. (1741) 400
a; noch folgt er nach vast auf zwo uhr Hans Sachs 17, 427
K.-G.; (
er) thät ein kleines schläfflin nur, nemlich wol auff die zehen uhr, von mittag bisz in mitternacht Fischart
Eulenspiegel 60, 889
H.; (
es) lag dort sein leib, bis virtzig uhrn entstrichent Kuhlmann
kühlpsalter (1684) 1, 125; man darff die bitterkeit des todes nicht vergällen mit aufschub uhr für uhr Gryphius
trauersp. 786; 105
P.; dasz ohn sie Clarimund kein viertel-uhre leb
lustsp. 423
P.; o glücklich, da ich dich zu guter uhr gefunden! 248; geschwind, geschwind, all uhr und stund der todt auf unsz kombt eylen Spee
trutznachtigall (1649) 74; der letzte punct und schlag der nächst verwichnen uhr läszt, wie ein schneller strom, nicht die geringst spur frau v. Brenner
bei Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1712—38) 2, 221. 22)
concret für stundenmesser, uhrwerk. die eindeutschung von horologium als orolei, orlei, urlei, orleug
u. a. (
z. b voc. optimus 21
b,
Straszburger hausratsged. [
um 1514] B 2
b; Closener 110;
weitere belege bei Lexer 2, 168
und Schmeller-Fr. 1, 134)
setzte sich nicht durch. dafür wird seit dem 15.
jahrh. or, ur, uhr
auch concret für das instrument, mit dem die stunden gemessen werden, allgemein verwendet, und von den wbb. u. gloss. regelmäszig gebucht, z. b.: horologium, ein uhr, das die stunden anzeiget Junius
nom. 162
b; Frisius
dict. (1556) 633
a; Hulsius (1618) 271
b; eine uhr,
horologium Zehner
nomencl. (1645) 39; Garthius (1679) 316
a; Reyher
thes. (1686) u 5
vb; Kramer
dict. (1702) 2, 1189
b; Amaranthes (1715) 2015; Steinbach (1734) 2, 907; Wolff
mathem. lex. (1747) 1359.
determiniert nach dem bewegungsmechanismus, bzw. ihrem aufstellungsort oder ihrem speziellen zweck oder auch nach form und stoff des gehäuses ergeben sich compp. wie sonnenuhr,
solarium, wasseruhr,
clepsydra, reisz-
oder sanduhr,
clepsammidium, räder-, gewicht-, schlag-, stunden-, pendel-, repetier-, remontoiruhr,
sodann bahn-, kirchen-, küchen-, sack-, salon-, stand-, stutz-, stuben-, schreibtisch-, tafel-, taschen-, thurm-, wanduhr.
ferner spiel-, wecker-, flötenuhr, armband-, blumen-, herren-, damenuhr
u. s. w. Kramer
a. a. o. nennt noch weise-, zeig-, seiger-, mauer-, scheiben-, ring-, stabuhr.
weitere compp. bei Krünitz 193, 214
ff. und Sanders 2, 2, 1410
f. für sanduhr
findet sich auch determinierung durch part.: ein reisendt or H. Folz
in fastnachtsp. 3, 1216
K.; H. Sachs 4, 340
K. für schlaguhr: schlagende uhren Rauwolff 406.
für spieluhr: klingende uhren Göthe III 4, 247
W. andere determinierungen sind: astronomische uhr,
z. b. Humboldt
kosmos (1845) 3, 45, hydraulische 2, 210, electrische Hoyer-Kreuter
technol. wb. 1, 788; Schwarzwälder u. O. Ludwig
ges. schr. (1891/2) 2, 50; Storm 3, 196, Londoner uhr Gotter 1, 81, goldene, silberne
u. s. w. uhr,
z. b. Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 2, 249; G. Keller
ges. w. 1, 18; 4, 125. 2@aa) die uhr geht, läuft, steht, läuft ab,
u. ä.: die uhr besteht,
haeret non movetur Schönsleder
prompt. (1647) F 2
b; eine ... richtig gehende uhr Kramer (1702) 2, 1189
b; es dünkt mich eine ewigkeit und doch läuft mir die uhr zu geschwind J. G. Jacobi
s. w. (1807
ff.) 5, 182. so einer ... anfocht, vor und eh die ur uszgelouffenn ist
Straszb. stud. 3, 233; die uhr ist abgeloffen,
devolutae sunt horologii rotae Schönsleder
prompt. (1647) I i 4
a; wenn die uhre ... abgelaufen und die unruhe ihr stündlein erfüllet, so pfleget alsdenn der hammer mit einem groszem schalle auff der glokken anzuzeigen, wie viel es geschlagen Rist
friedewünsch. Teutschland (1647) 20; Butschky
Pathmos (1677) 237; es wäre ... einer uhr besser, dasz sie gienge als stünde Lohenstein
Arminius 2, 982
b; es rückt die uhr! noch einen kleinen weg des seigers, und ein groszes werk ist gethan Göthe 8, 260 (
Egmont 4)
W.; eure uhr geht schlecht Pfeffel
poet. vers. (1812
ff.) 8, 67, falsch Auerbach 3, 137; auf einmal steht die uhr still Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 345; musz doch jede uhr ..., gehe sie noch so lange, unaufgezogen endlich einmal ablaufen Fr. L. Jahn
w. 1, 170
E. die uhr tickt, schlägt, zeigt, weist
u. ä.: ja, die uhr tickt, die geht weiter, die kann man aufziehen Auerbach
schr. 4, 66; die uhr pickte eintönig an der wand Stifter
s. w. 5, 1, 363; Storm 5, 251; meine uhr stand auf zehn Thümmel
reise 6, 72; die uhr wies weit nach mitternacht Storm 5, 142; so bald die ur hat auszgeschlagen, so heisz alsbald die speisz aufftragen Scheit
Grobianus 4088
ndr.; ein uhr, die da schlegt und weiset one wasser und gewicht Mathesius
Sarepta (1571) 143
a; eine uhr, die anders zeigt und anders schlägt Lehmann
floril. pol. (1662) 1, 359; wenn geläutet wirt und schlägt die uhr drein, so bedeutet es feuer J. G. Schmidt
rockenphilos. (1718) 1, 251; die alte uhr ... holte zum schlage aus T. Kröger
schuld? 97; ganz fern auf dem kirchturm schlug eine uhr H. v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 22; da kräht der hahn! da schlug die uhr! da brach der morgen für Herder 5, 188
S. diese uhren hatten schon mancher geburts- und sterbestunde geschlagen Göthe 24, 221
W.; die uhr schlägt keinem glücklichen Schiller 12, 136
G.; noch nicht! dem glücklichen schlägt keine uhr Hoffmann v. Fallersleben
ges. schr. 6, 13.
mit zeitangabe: nun hat die uhr schon neun geschlagen Hans Sachs 17, 73
K.-G.; die uhr schlägt eins Herder 27, 394
S.; Droste-Hülshoff 1, 280; Görres
ges. schr. 3, 229; mit eins bemerkte sie, dasz es finster geworden war und ihre uhr repetirte dreiviertel auf zehn Chr. L. Heyne
in deutsche erzähler d. 18.
jahrh. 17
F.; wissen, wie viel die uhr geschlagen
u. ä. in bildlichem sinne für bescheid wissen, sich auskennen, etwas durchschauen: denn wer studieret hat, weisz, was die uhr geschlagen Henrici
ernst-, scherzh.- u. sat. ged. (1727
ff.) 3, 411.
ähnlich schon Murner
narrenbeschw. 53, 60
ndr.; Strausz
glaubensl. 2, 124, 19; Bauer-Collitz 246
a. b) die uhr richten, stellen, aufziehen, butzen, schmieren
etc., montare, reggere, indrizzare, nettare, uguere l'horologio Kramer 2, 1189
b; Hulsius (1618) 2, 409
a; des thurmers wonung soll in der dachung sein, das er ... die or richt Dürer
underweysung (1525)
J 2
b; uhren richten ist wohl schwer Logau
s. sinnged. 488
E.; jezt wollte er (
Karl V) in seinem kloster zwey uhren so stellen, dasz sie nie von einander abwichen Schiller 4, 94
G.; Hebbel 6, 370
W.; G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 53; des glockenthürmers töchterlein, es stellt die uhr mit glücke bald vor und bald zurücke Rückert
w. (1867/9) 1, 546; da haltet ihr die uhren an, als könnt es dann nicht abend werden! Hebbel 7, 193
W.; die uhr geschwinder laufen lassen,
accelerare Kramer
a. a. o.; er gieng zu der schulmeisterin, welche ... die uhr aufhielte, dasz sie nicht eher 12 uhr schlug, als bis wir im hochzeithause ankamen
Holston und Augusta (1780) 195; er ... zog die uhr frisch auf Auerbach
schr. 3, 137; er läszt eine uhr repetiren Schiller 5, 170
G.; Eichendorf
s. w. (1864) 3, 38. c) nach der uhr, auf die uhr sehen
u. ä.: Lavater
verm. schr. (1774f.) 2, 24; J. H. Vosz 5, 245; Tieck
schr. 4, 60; ich guck auf die uhr Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 10; der freiherr sah auf seine uhr Immermann 1, 11
B.; wenn man da wissen will, wie viel es hat geschlagen, so schaut man nach der uhr Rachel
sat. ged. 128
ndr. d) nach der uhr rechnen
u. ä.: reden ..., die nach der uhr abgemessen wurden Joh. E. Schlegel
w. (1761—70) 3, 318; die kürze ... nach der uhr berechnen A. W. Schlegel
Athenäum (1798—1800) 1, 51; der mann nach der uhr, oder der ordentliche mann
titel d. lustsp. von Hippel (1765); ich verlange ... keineswegs, dasz man aus dem kinde den mann nach der uhr ziehen soll Bremser 54;
d. dtsche Merkur (1773
ff.) 1, 10; Langbein
s. schr. 31, 114; Gutzkow
ges. w. (1872
ff.) 1, 16; er muszte arbeiten wie eine ... uhr O. Ludwig
ges. schr. (1891/2) 2, 385. e)
in bildlichem gebrauche sind meist regelmäszigkeit oder unregelmäszigkeit des ganges der uhr, ihr stehenbleiben, bzw. ablaufen. aber auch ihr mechanismus, die künstlichkeit des in einandergreifenden räderwerkes die tertia comparationis: α) so lehren unsere theologi ..., das die h. schrifft seie ein stummer lehrer, ... ein betrügliche uhr Fischart
binenkorb (1588) 70
b; ein fürst ist des landes uhr, jeder richt sich nach demselben in wercken als wie nach der uhr in geschäften Lehmann
floril. pol. (1662) 2, 693. der tod ist eine glokk, ein uhr so stündlich schlägt Rist
Parnasz 109; Schubart
s. ged. (1823) 2, 123; ich bin genug berichtet, was die weiberleut für unrichtige uhren seyn Harsdörfer
gesprächsp. (1641—9) 1,
K 8
a; Kramer
dict. (1702)
a. a. o.; die Franzosen sind ... nichts anders als uhren, auf welchen die weiber die stunden weisen Zimmermann
von d. nationalstolze (1758) 78; eyn stang für den hanen, der ir (
der Nordländer) ur und stundausrüfer ist Fischart
phil. ehzuchtbüchlin 222
H.; Herwegh
ged. eines lebendigen (1843) 2, 80; des hertzens podagra, die uhr, die stetig schlägt ... des menschen ewiger Saturn Treuer
dtscher Dädalus (1675) 1, 665; da das gewissen die einzige uhr auf der welt ist, die immer recht geht Hebbel
br. 6, 243
W.; wo aufruhr, empörung und ... unruhe vorhanden, da mus die uhr der wachsamkeit nicht allein ... ein zeiguhr, sondern auch zugleich ein schlaguhr seyn und zu abschlagung des haubts zeit und stund benennen Abele
unordnung 4, 67.
ähnlich Weckherlin
ged. 1, 200
F.; des dienstes immer gleichgestellte uhr Schiller 12, 88
G.; seht, jetzt windet er die uhr seines witzes auf, gleich wird sie schlagen
Shakespeare (1797—1810) 3, 43; wor bey ihm offt die uhr seines verstands verruckt wird, dasz er nachmals zu thun! ..., wie er aus dem narrengarn kommen möge Abele
gerichtshändel 144.
β)
nahe liegt alter und neuer zeit der vergleich des lebens und sterbens mit dem gang und ablaufen einer sand- oder räderuhr: daraus dan wol zu sehen, dasz ... dasz gemüt im leib wie die unruo in der uren ... ist Fischart
podagr. trostbüchlin 16
H.; meine uhr ist noch nicht ausgelaufen, ich fühle es! Göthe 19, 151
W.; jedesmal, dasz ein mensch ... geboren worden, ist die uhr des menschenlebens ... aufgezogen Schopenhauer
w. 1, 416
Gr. dies ist mein ganzer lebenslauf, denn die uhr ist gloffen aus
bibl. älterer schriftw. d. Schweiz I 4, 98; ach wär ich nur des lebens uhr einst völlig durchgegangen! Rist
dicht. 240
G.; des lebens uhr, der puls, ... schlägt ganz unordentlich, verwirret und geschwind Triller
poet. betracht. (1750) 1, 129; du muszt mit mir, hilft nichts dafür, die uhr ist abgeloffen Mittler
dtsche volksl. (1865) 398; mach deine rechnung mit dem himmel, vogt, fort muszt du, deine uhr ist abgelaufen Schiller 14, 389 (
Tell 4, 3)
G.; ähnlich 4, 84; Schubart
s. ged. (1825) 2, 289; er stirbt ... und seines athems uhr ist abgelaufen
dtsches museum (1812—13) 2, 529.
anders gewendet bei Göthe IV 18, 77
W.: da wir nach Stanz kamen, war unsere uhr eben im begriff abzulaufen (=
die uns bestimmte zeit des aufenthaltes zu ende); sieh! bewegt vom eigennutze steht des lebens uhr nicht still Rückert
w. (1867) 2, 421.
für herz,
mit dessen stillestehn das leben aufhört: ich trage, wo ich gehe, stets eine uhr bei mir Seidl
ged. die uhr 1.
γ) gottes uhr gehet gewisz und fehlet nicht Lehmann
floril. pol. (1662) 2, 935; das gewichte, welches die uhr des gemeinen wesens triebe, sey die krafft eines lebhaften geistes Lohenstein
Arminius 1, 229
a; 2, 962
b; in der uhr der herrschafft sind die räthe wol die räder
ders. George Wilhelms lobschr. (1679) 1, F 2
b; der die uhr der ewigkeiten gestellt hat, ... der ist ein meister Zinzendorf
gemeine reden (1748) 14; sie (
die noth) ist das gewicht an der uhr, das alle räder derselben treibt Herder 17, 119
S.; vgl. auch 16, 236
S.; Tzschoppe ... war die bestimmende unruhe in der politischen preuszischen uhr H. Laube
ges. schr. (1875—82) 1, 290; Bismarck
ged. u. erinn. 2, 76
volksausg.; die uhr der geschichte war schon zu weit vorgerückt Lagarde
dtsche schr. 161; W. Schäfer 13
bücher d. dtschen seele (1923) 275; an- wird gehen alle lust, auff- wird hören alles klagen, wann die uhren in der welt alle werden gleiche schlagen Logau
s. sinnged. 402
E.; eine wolgefaste ordnung, uhr und richtschnur Dannhauer
catechismusmilch (1657) 1, 13; die eisenbahn ist jetzt unsere uhr! Auerbach
schr. 17, 215; stirbt er, so stirbst du auch! sein leben soll die uhr des deinen sein! Hebbel
w. 1, 194
W. e)
art der stundenbemessung, der tagestheilung: α) ganze uhr (
ca. 1400—1600
im deutschen osten üblich): die alten Teutschen haben die nacht dem tag fürgesetzt, darumb si den tag von nidergang der sonnen angefangen, wie es noch bei den Niderteutschen, sonder den Saxen und Winden, der brauch ist, welcher ur und horologia von nidergang der sonnen bis wider zu derselben nidergang 24 stund zeigen Aventin 1, 365
L.; und ist sollicher (
anfang des tages mit mitternacht) so gemein, dasz auch die Böhmen und Italiener oder wo man die gantze uhr hatt, da es mit undergang der sonnen den garaus schlegt, nichts desto weniger sich der mitternacht mit anfahung des tags behelffen Kepler
op. 4, 38; auf dem abend zwischen 21 und 22 der gantzen uhr
glaciographia (1625) 116.
β) italienische, franzö
s. uhr: meine frau ... ist am 23. April um 23 uhr (die glückliche zeit, da wir nach dieser uhr schrieben!) ... niedergekommen W. v. Humboldt
br. an Welcker 12; in der sechsten stunde — ich meine in der dritten stunde nach mitternacht, nach französischer uhr Gaudy
s. w. (1844) 13, 122.
γ) grosze (Nürnberger) uhr,
vom morgengaraus
zum abendgaraus,
von diesem wieder neu beginnend zum morgengaraus 8—16
horae equales nach der jeweiligen tages- oder nachtlänge zählend: (
sie verschied) in der nacht der neunten stund nach der Nürnberger uhr (= 2½
morgens) Dürer
nachlasz 10, 9; und wenns schier tag ist, darf er fragn, ob die grosz uhr drey hab gschlagn J. Ayrer 4, 2442, 4
K. δ) kleine uhr,
die stundenzählung (2 ✝ 12)
von mitternacht beginnend, s. Grotefend
a. a. o.; ein halb ur der kleinen ur nach drei ur (
a. 1540) Leonh. Widmann
in städtechron. 15, 165; umb zwei der kleinen uhr nach mittag
quellen ... d. fürstent. Bayreuth (1560) 2, 76; J. Ayrer 4, 2311, 19
K.; Paumgartner
briefw. 196.
concret.: Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 301
a. f) uhr
für uhrwerk des bratspieszes: die uhr brätet speck Eckart
nd. sprichw. 533. 33)
in der geometer- u. bergmannspr. (
gleich stunde)
für den 24.
theil des grubenkompasses, s. Veith
bergwb. (1870) 511; Krünitz 193. 214. —
dim. zu uhr:
uhrchen, ührchen, n.: Krünitz 193, 214; Bismarck
br. an s. braut u. gattin 168; der affe rückt und dreht, bis dasz das uhrchen stille steht Lichtwer
fabeln 3, 14.
pl. ührchen: Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 25. —