B 11) B
nimmt in allen dem phönicischgriechischen entstammenden alphabeten gleich hinter dem A
seine bedeutsame stelle ein. denn dasz auf A,
den grund aller vocale, unmittelbar die drei mediae, als grund und boden aller stummen consonanten folgen, musz ein groszes gewicht haben. auch bei den Gothen haftete die reihe BGD;
im lateinischen alphabet, aus dem hernach die meisten europäischen flossen, ist sie gestört dadurch, dasz dem ursprünglich mit T
identischen zeichen C
bedeutung der tenuis K
beigelegt, die der media G
auf die siebente stelle, d. h. des griechischen Z
gewiesen wurde, und G
hat mit Z,
wie unter G
gezeigt werden soll, manigfache berührung. Eine andere beeinträchtigung des BGD
fand statt im altslavischen alphabet, welches zwischen B
und G
das V (vidil)
rückte; schon der diesem V
in der cyrillischen ordnung abgehende zahlwerth läszt erkennen, dasz die einschaltung unursprünglich war, und scheint zu zeugen für das mindere alter der glagolitischen, vidil
auch unter die zahlen aufnehmenden. doch, wie in dêvanâgarî die zeichen für ba
und va
einander gleichen, finden auch bei uns übergänge des B
in V
statt. 22)
die sprachen standen nicht still, aber in ihren bewegungen waltete regel. alle stummen consonanten halten, wie die gestirne sich von osten gen westen drehen, ihren festen naturgang ein, so dasz sich die weiche, volle, tönende media zur dünnen, dumpfen tenuis erhärtet, die harte tenuis in aspirata spaltet und die entfaltete aspirata wieder zur media zusammenschlieszt. hiermit ist der kreislauf vollendet und kann von neuem beginnen. wer wollte nicht die media obenan stellen? unnatürlich wäre ein fortschritt aus ihr zur aspirata, aus der aspirata zur tenuis, aus der tenuis zur media, und nur im rückschritt oder erschlaffen mag ein solcher wechsel sich kundthun. es gibt aber sprachen, die der media ganz, oder der meisten aspiraten verlustig gehn, keine, der die tenuis gebräche. Diese der etymologie willkommne und heilsame lautverschiebung, obgleich in allen alten und neuen sprachen hin und wieder oder strichweise auftauchend, ist doch bei der deutschen zunge am wahrnehmbarsten und in zweimaligem ansatz durchgedrungen. gerade wie die stummen consonanten der hochdeutschen mundart auffallend abtreten von denen jeder andern deutschen sprache, ebenso entfernen diese sich von allen nichtdeutschen, urverwandten sprachen. gegenüber der groszen masse des sanskrit, griechischen, slavischen, lateinischen, keltischen findet sich die gothischnordischniederdeutsche eigenheit in geringerem umfang, und gegenüber diesen letzten einzig und allein die hochdeutsche im geringsten. es scheint als ob der sprachgeist, indem er jenen ausschritt zuliesz, der spitze desselben nur den engsten raum gestatten wollte. ältestes beispiel der lautverschiebung gewährt uns das zend im verhältnis zum sanskrit, neuestes das ungrische entgegen dem finnischen; einzelne verschiebungen treffen wir im sanskrit, griechischen und latein genug an, wie das gothische und hochdeutsche auch ausnahmen davon darbietet. Um bei allen folgenden buchstaben des alphabets darauf zurückgehen zu können, soll das gesetz der lautverschiebung hier veranschaulicht werden, wobei wir die horizontallinien reihen, die senkrechten stufen nennen: griech. med. ten. asp. goth. ten. asp. med. ahd. asp. med. ten. wer anders beginnen oder ordnen, z. b. die dritte reihe an die stelle der zweiten setzen wollte, würde die geschichtliche folge der stufen aufheben. man merke, 2@aa)
in den anlauten prägt das gesetz sich am reinsten aus, erscheint dennoch auch inlautend und auslautend oft beobachtet, nicht selten mit einiger verschiedenheit. 2@bb)
nur auf urverwandte wörter erstreckt es sich, nicht auf erborgte; höchstens wird diesen analoge behandlung zu theil. 2@cc)
ausnahmsweise kann die verschiebung sich in derselben reihe, an einzelnen wörtern einer mundart, ja bei der flexion eines worts erzeigen. so läuft gegenüber dem goth. þvairh
das ahd. duerah,
mhd. twerh,
nhd. zwerch
alle lingualstufen durch, statt dasz die beiden letzten dialecte hätten das D
festhalten sollen; nhd. selbst sehen wir geitig
in geizig,
im schwed. thu, then
übergehn in du, den.
unser vater: pater
stört; das goth. fadr
setzt nothwendig ein älteres faþr
voraus und die organische reihe wäre pater, faþr, vader.
darin liegt eben ein unwidersprechlicher beweis für die succession der laute. lat. pario
und fero
sind doch einer wurzel, das goth. gaf
bildet den pl. gêbun.
im lat. rufus
hat F
älteres ansehen als das B
in ruber. 2@dd)
wo statt der verschobnen gleiche mutae eintreten, liegt ein hemmnis oder eine lücke im weg, z. b. der Gothe behält die partikeln du
und dis
mit alter media bei, wie sie im sl. do
und lat. dis
walten, verschiebt nicht in tu
und tis,
analog dem ahd. zi
und zir,
was doch geschah in der goth. partikel tus,
ahd. zur =
gr. δύς,
skr. dus, dur.
im goth. dags
hingegen haftet media, wie im lat. dies,
sl. dʾnʾ,
skr. dina,
und hier entspricht ihr auch ahd. tenuis tac,
ja mit fortklebender media Otfrieds dag.
im hintergrunde des goth. D
bei diesem wort müste also älteres TH
und T
liegen, wie schon Bopp
aus sinteins
ein teina,
anschlieszend ans skr. dina
folgerte. noch auffallendere beispiele wird die labialordnung an hand geben, vgl. berg,
bitten,
binden hernach unter 5. 2@ee)
am vollständigsten erscheint die lautverschiebung bei den lingualen; in der labial- und gutturalordnung stockt sie einigemal und zwar immer an den aspiraten, die sich allzusehr verengen und dann still stehen bleiben. von den lingualen wird näher bei D,
von den gutturalen bei G
gehandelt. 33)
auf die labialen wendet sich die verschiebung also an: griech. B P PH
goth. P PH B
ahd. PH B P,
da aber die goth. wie lat. asp. zu engerem F
gediehen ist, steht ihr ahd. F
und V
zur seite, gerade wie bei den gutturalen dem gr. K
goth. H
für CH
und wiederum ahd. H,
für den inlaut war CH
geblieben. als nun ahd. V = BH
den platz der organischen media einbekam, gewann diese dafür raum an dritter stufe und behielt ihre gothische bedeutung zum wenigsten neben strengahd. P.
jene theoretische fassung verändert sich in der praxis je nach anlaut, inlaut und auslaut. anlautend gr. B P PH
goth. P F B
ahd. PH V,F P,B.
inlautend gr. B P PH
goth. P B,F B
ahd. F V,B,P P,B.
auslautend gr. B P PH
goth. P F B
ahd. F B,P P,B.
nhd. bestimmen sich diese labialen folgendergestalt: anlautend PF V,F B
in- und ausl. F B,F B.
hiernach sind also zwei hauptarten des heutigen B
zu unterscheiden, insofern es der urverwandten tenuis zweiter stufe, oder der urverwandten asp. dritter stufe entspricht. im ersten fall hat sich der inlaut zu tief gesenkt und geräth in zwiespalt mit dem anlaut. der zweite fall ist vollkommen organisch und darum hier zuerst zu behandeln. 44)
unserm anlautenden nhd. B,
wo es goth. B
und strengahd. P
ausdrückt, steht also gr. PH
und lat. F
zur seite. das sanskrit entfaltet eine doppelte aspiration BH
und PH,
jene von groszem, diese von geringem bereich und beide begegnen deutschem B;
der litt. sprache entgeht die asp. ganz, die sl. hat blosz CH,
und ihr B
sowol gr. B
als PH
zu vertreten. 4@aa)
beispiele des skr. BH: bhadsch (bhaǵ) backen; bhâra
onus, bahre; bhadra
felix, optimus, goth. batiza, bessere; bhri
ferre, gebähren; bhî
timere, beben; bhid beiszen; bhil
spalten, beil; bhudsch (bhuǵ) biegen,
drehen; bhu
esse, ich bin; bhrû augbraue; bhratri bruder. 4@bb)
beispiel des skr. PH: phull blatt, blühen. 4@cc)
beispiele des gr. PH:
φέρειν γαστέρι,
tragen, gebähren;
φόνος,
todschlag, ahd. pano,
altn. bani,
einer wurzel mit unserm bahn,
mhd. ban,
via; φεύγειν,
terga vertere, biegen,
ausbiegen, weichen; φέβομαι φόβος, bebe;
φύω ich bin;
φύλλον blatt;
φρατήρ bruder;
φρέαρ brunne;
φηγός buche;
φόρτος bürde;
φώγω ich backe. 4@dd)
beispiele des lat. F: follis balg; -fer -bar; ferre gebähren; fovere bähen, bächeln; barba bart; facere bauen; fio, fui ich bin; funus ban, bahn; fiber biber; fugio biege; findere beiszen; flare blasen; folium blatt; fligere bläuen; faba bohne; forare bohren; fodere
goth. bautan, boszen; frui brauchen; frangere brechen; fervere brennen; fagus buche.
einigemal mit wechsel der labialis und lingualis: timeo, timor
für fimeo, fimor = thimeo, thimor,
litt. bijau, baime,
skr. bhî, bhîma; rutilus = rufilus,
goth. rauds,
ahd. rôt,
vgl.fera =
θήρ,
goth. dius,
ahd. tior. 4@ee)
beispiele des sl. B: brati
tragen, beru
trage, gebähre; bosʾʾ baar; brada bart; boi, bojati
timere, beben; bjegu
fugio, biege,
laufe; bobrʾʾ biber; bereza birke; bodu
fodio, pungo, tundo, bosze; bobʾʾ
faba, bohne,
finn. papu; bjes
böse; buti
esse, ich bin; bratʾʾ
frater, bruder; brʾʾvʾ braue. 4@ff)
beispiele des litt. B: basas baar; baltas
candidus, bald; barzda bart; bĕgu
laufe, biege; bebrus
fiber; bijoti
timere, beben; buti
sein, buwau
fui, bin; berzas birke; boba bohne,
faba; badyti
goth. bautan, boszen; besas,
der böse,
teufel; bruwis augbraue; brunas braun; brolis bruder. 4@gg)
für den inlaut lassen sich folgende anführen: skr. ubhâu,
gr. ἄμφω,
lat. ambo,
sl. oba,
litt. abbu,
goth. bai, bajôþs,
beide; gr. ἀμφί,
ahd. umpi,
mhd. umbe,
nhd. um;
gr. ὀφρύς braue;
vielleicht skr. ribhus, elb (
s. 201);
skr. nabhas,
gr. νέφος,
lat. nubes, nebula,
sl. nebo, nebel. 55)
neben der regel zeigen sich aber merkwürdige ausnahmen, in welchen unserm B
keine urverwandte aspirata, sondern gleiche media oder auch tenuis gegenüber steht. da nun solches deutsche B
nur aus der asp. hervorgegangen sein kann, setzt es sie in verlornen formen, die asp. aber wieder eine noch ältere ten. voraus, welche sich dann an die ursprüngliche asp. schlieszt. slavisches und litt. B
entscheiden dabei nicht, weil sie, wie wir sahen, sowol gr. med. als asp. entsprechen. Nicht immer sind jedoch die mittelglieder abhanden, sondern lassen sich aufweisen, worin triftige bestätigung der vollen ordnung liegt und was zuerst störende ausnahme schien, musz der regel desto stärkere kraft leihen. Wenn lat. pario
und fero,
vom standpunct unseres gebären
und goth. bairan
angesehn, zusammenfallen, erscheint auch B
in celeber, lugubris, cerebrum, candelabrum
und viel dergleichen, sei es nun dem P
vorgängig oder, was mehr für sich hat, dem F
folgend; zu pario
stimmt strengahd. piru,
zum B
goth. baira.
auch die lat. ambo
und nubes
waren verschoben aus amfo, nufes.
Ein noch lehrreicheres beispiel ist unser binden,
goth. bindan,
dessen anlaut das skr. bandh
erreicht, und doch wurde diese gleichheit erst nach langem umweg hergestellt. aus bandh
sprieszt πείθω,
dessen abstracte bedeutung noch auf die sinnliche in πεῖσμα zurückgeht, und nicht anders scheint der dakische pflanzenname καροπίθλα bei Dioscorides 4, 132
die vorstellung band (
harband, flachsband? oder liegt das alts. herubendi, herusêl
näher?)
zu enthalten. πείθω,
πίθλα verschieben sich in lat. fides (
πίστις und chorda), foedus, filum (
für fidlum),
aber auch ins ags. fetel,
ahd. veʒʒil;
unser binden band
hält den nasallaut, der im altn. batt,
praet. von binda
oder in bast (
gebildet wie πίστις)
und fetel
schwand. strengahd. pintan
fällt zurück in die gr. oder dakische tenuis. Seinen buchstaben nach vergleicht sich das skr. wort praudhâ
nupta, sponsa unserm braut,
goth. bruþs,
ahd. prût,
dessen sinn durch die verschiebung ganz verloren gieng, während die skr. bedeutung curru vecta, ducta vor augen liegt (Bopp 314
a), vah
ist vehere, pra
vorgetretne partikel, die sonst in goth. fra
gesenkt, hier noch weiteres B
annahm. die goth. zusammensetzung bruþfaþs
sponsus zeigt also zwei verschieden behandelte wörter, in faþs
ist das skr. pati
regelmäszig, in bruþs praudhâ
unregelmäszig verschoben, historisch aber wird uns bruþs
durch jenes fra
vermittelt. Wenn unser bach
nicht von πηγή zu trennen ist, πηγή nicht von πήγνυμι,
πάγος,
πηγάς,
πάχνη,
παχύς,
so musz aus dem rinnen das gerinnen, aus dem flüssigen das feste, aus dem warmen das kalte gedeutet, und auch backen,
skr. patsch (pać)
hinzugenommen werden, wie frigo
unmittelbar zu frigeo, frigus
gehört. hinter backen
liegt aber zunächst gr. φώγειν. back
tergum, backe
gena (
vgl. lat. bucca)
sind feste, fette erhöhungen, hügel des leibs, bache
nennen wir ein mastschwein, πάγος ist ein hügel, παχύς dick, fett, wie pinguis
von pango, pago
abstammt. Anderemal tauchen ohne zwischenstufen lauter B
auf: bei verschiedner ableitung zeigen dieselbe wurzel unser birke,
ahd. piricha,
sl. bereza,
litt. berzas;
lat. betula,
ir. beith,
welsch bedwen,
armor. bezven;
keine skr. oder gr. wörter entsprechen, im neugr. φοῦντα könnte R
ausgefallen sein. Unser baden
ist das skr. bâd,
im lat. balneum,
gr. βαλανεῖον ward aus D
ein L;
altsl. banja (
vgl. it. bagno,
franz. bain)
hat diese consonanz ausgetilgt. Wie seltsam überein trift ahd. pitit
mit lat. petit;
zwischen petere
und goth. bidjan
scheint aber eine unaufweisbare stufe mit den lauten fith
gelegen zu haben, lat. pet
sich an älteres bad
zu reihen. Gleiches schwanken ist zwischen pasco
und βόσκω,
πίνω und bibo,
welche störung der laute vollkommen der zwischen sl. pivo
und unserm bier,
ags. beor
entspricht; sanskritwurzel ist pâ
und pî,
sl. piti,
aspirierte formen würden alles ausgleichen. da nun pâ
auch essen bedeutet, höher aufgefaszt essen und trinken eins sind, folglich die abweichung von bibo
und πίνω gerade der in βόσκω, pasco,
πάομαι begegnet, so läszt sich mit zuziehung des deutschen futter,
goth. fôdjan
die reihe ausfüllen. Folgendes beispiel empfängt auch mythologischen werth: unsere vorfahren müssen für berg
früher gesagt haben ferg.
denn nicht nur braucht Ulfilas
zur verdeutschung von ὄρος durchgängig das neutrum fairguni,
obschon neben bairgahei
ὀρεινή, bairgan
τηρεῖν,
sondern mit derselben bildung erscheint altn. Biörgyn,
als weiblicher name der stadt Bergen, und Fiörgyn
hiesz Thors mutter, die erde, ahd. aber Fergunna (= Fergunia)
und Firgun
ein waldgebirg, so wie ags. firgen
in mehrern zusammensetzungen montanus oder silvestris ausdrückt. Griechen und Römer, mit wandlung des F
in H,
machten daraus Ἑρκύνιος, Hercynius,
und wahrscheinlich bedeutet sl. Kerkonosch,
ein name von gebirgen, des Riesengebirgs zumal, dasselbe. Wie nun Biörgyn
auf Fiörgyn
musz fairguni
zurück gehen auf ein älteres Perchun, Perhun,
und eben nennen die Littauer ihren donnergott Perkunas,
die Slaven Perun,
weil man den donner vom berg niederfahren liesz. ohne bestimmtes zeugnis einen goth. Fairguneis
anzusetzen, ist allzukühn, allein Fiörgyn,
des donnerers mutter, darf schon selbst donnergöttin heiszen oder gedeutet werden die hohe, erhabene, Perkunas, Perun
der hohe. offenbar aber kehrt im ahd. perac
jenes alte perk
wieder und die mittelstufen standen nachzuweisen. da ferner von bairgan
auch baurgs, burg
arx abstammt, ist gleichfalls πύργος turris, arx heran zu ziehen und für die aspirierte form φύρκος,
dor. φοῦρκος,
burgmauer. in πύργος,
φύρκος, baurgs, puruc
liegen, wie in Perkunas, fairguni, bairgs, perac
volle lautverschiebungen vor augen, und wer wollte bloszen zufall walten lassen da, wo sich alles nach natürlicher stufe ergab? die regel, anfangs in einzelnen wörtern hier und da vorbrechend, gewann in den deutschen sprachen endlich ihren halt. wo gothischem B
ein gr. P
begegnet, braucht nur die F
form ausgefallen zu sein, wo aber goth. B
mit gr. B
zusammentrift, wird man die formen F
und P
zu ergänzen haben. 66)
vom strengahd. anlaut P,
obgleich er heute fast überall dem B
gewichen ist, bleiben einzelne spuren übrig, 6@aa)
in den einfachen wörtern pracht,
mhd. braht, pauke
mhd. bouchen,
und porkirche (
s.empor).
im ortsnamen Passau,
lat. Patavium,
mhd. Paʒʒowe
war längst alles gefühl seiner abkunft von den Bataven
ausgestorben. aber in einer menge von anlauten schwankte die schreibung zwischen med. und ten., ehe sich die heutige med. festsetzte. 6@bb)
in einigen zusammensetzungen hat der anstosz an eine vorausgehende ten., die dann weggefallen sein kann, P
festgehalten: aus andbaht
wurde ampaht
und noch spät ampt, ambet,
heute amt;
zwischen empor und mhd. enbor
liegt ein falsches entpor, entbor (
z. b. Keisersbergs
staffeln 44
d)
mitten ein, doch heiszt es sonst in gangbaren wörtern nur entbehren, entbrechen, entbrennen. wimper
ist offenbar aus wintbrâ,
windbraue; schamper
aus schandbar, schantbar; Schampach
aus Schantbach; semper
in semperfrei
aus sentbar,
synodpflichtig hervorgegangen; wir hätten auch bilden können himper
für himbeere = hintbere,
wie man ehmals kosper
schrieb für kostber, kostbar.
deutlichsten beleg ergeben aber manns- und ortsnamen mit P
für B: Rupert, Gumpert, Hilpert, Lampert, Wiprecht, Leuprecht = Rutbert, Guntbert, Hiltbert, Lantbert, Wikbrecht, Leutprecht (
wie in jenem pracht)
und Diepurg, Limpurg = Dietburg, Lintburg. 77)
wir schreiten fort zur betrachtung der hochdeutschen media B,
wie sie in zweiter stufe in- und auslautend statt der aspirata erscheint, was unorganisch heiszen darf, da hierdurch ein abstand vom anlaut begründet wird, der sein F
wahrt (
wenn auch ausnahmsweise einzelne urverwandte wörter den anlaut P
unserm B
gegenüber stellen).
so gut für πέμπε fünf,
für piscis fisch,
sollte für ἀπό af,
für aper efer,
und nicht ab, eber
stehn. auch hat in dieser lage die ags. und nord. mundart überall F
behauptet, die goth. aber häufig in B
fortgeschoben, woraus dann leicht, gleichsam in dritter stufe strengahd. P
wurde, obgleich viele wörter inlautend zwischen B
und V
schwanken. man bemerke 7@aa)
der Gothe zog noch im auslaut vor af, uf, gaf, gif, tvalif, hlaif,
senkte erst inlautend abu, ibai, giban, gêbun, sibun, tvalibim, hlaibis.
seine asp. entspricht der gr. ten. ἀπό,
ὑπό,
ἑπτά,
und begegnet den lat. ab
und sub,
die von af, suf
und wiederum von ap, sup
geleitet werden müssen, wohin auch super
und supra,
so wie die inlaute aper, caper, lupus
weisen, denen wol goth. ibrs, habrs
zur seite stände, doch hat vulfs = ulpus, vulpes
auch inlautend vulfis, vulfô
s. in iftuma, aftra, tveifljan
scheint der anstoszende consonant die asp. zu hegen. dem hlaifs
aber entspricht sl. chljebʾʾ,
wie (
nach sp. 539)
dem arbja, arbaiþs rabʾʾ
und rabota. 7@bb)
die alts. sprache vermittelt den übergang aus ags. altn. F
in goth. B,
ahd. B, V
durch ihr BH
in abh, hobh hobhôs, hobhid, arbhêd, gebhan, suebhan, obhan, nebha
u. s. w. niederländisch tritt auslautendem af, gaf, twaalf, wolf
inlautendes V
in aver, gave, twaalven, wolven
recht zur seite. 7@cc)
ahd. scheint sich allmälich ein unterschied zu ergeben zwischen wörtern, die inlautendes B
oder P,
und solchen die V
zulassen. beispiele für B
und P
sind: aba apa, oba opa, habaro haparo, snabul snapul, habuh hapuh, eban epan, ebar epar, geban kepan, weban wepan, sibun sipun, bibên pipên, halb halp, selb selp, chalb chalp, arbi arpi, arbeit arpeit;
in allen diesen pflegt kein V
zu stehn. V
wird gesetzt in avar, avaro, havan, chevar, weval, ovan, hovar, hof hoves, scûvala,
und dem goth. vulfs
ähnlich in wolf wolves.
niemand würde hobes, scûbala, wolbes,
noch weniger hopes, scûpala, wolpes
schreiben. dennoch steht in beiden lagen ags. und nord. F,
hin und wieder müssen auch ahd. B, P
und V
gleichbefugt gewesen sein. neben wolf
hat sich ein wulpia
erhalten, die formen ruoba, roapa, ruova (Graff 2, 361); eipar
und eivar (Graff 1, 100); frabali
und fravali (3, 824)
vertreten einander, in eigennamen kommt bald ebar
und epar,
bald evar
vor. weval
aber leitet sich sichtbar ab von weban, wepan. chevia (Graff 4, 370)
aus lat. cavea
behielt sein V,
aber mit deutscher aussprache. 7@dd)
mhd. dauert die unterscheidung zwischen B
und V
fort, nur dasz P
fast ganz aufhört. B
erscheint in abe, obe, habere
avena, snabel, habech, eben, eber, geben, weben, beben, sweben, siben, erbe, arbeit; P
höchstens noch in wülpe. V
hingegen in aver, frevel, kever, schever, neve, wevel, oven, hover, hoves, eiver, zwîvel
und wolf wolves.
auszerdem gilt nach einem allgemeinen mhd. lautgesetz für alle inlautenden B
auslautendes P: gap, gip, gruop, diep, liep, loup, toup, halp,
was letzte nachwirkung des strengahd. P
heiszen mag, und dem nl. dief dieven, lief lieven
gleicht. 7@ee)
nhd. hört die ten. in den auslauten völlig auf und desto gröszerer spielraum steht der media offen. inlautend aber hält der ahd. und mhd. unterschied an, doch so, dasz an die stelle des V
jetzt F
getreten ist. wir schreiben gab, gib, grub, dieb, lieb, laub, taub, halb, kalb, ab, ob, eben, geben, beben, leben, schweben, weben, sieben;
dagegen hof hofes, käfer, schiefer, ofen, eifer, zweifel, schaufel, wolf wolfes.
in dem einzigen frevel
hat sich V
behauptet, Luther
schrieb auch eiver, zweivel.
das F
sucht aber weiter umzugreifen und den inlaut B
zu beeinträchtigen in hafer, schnaufen, elfisch,
es ist doch hochdeutscher zu sagen haber, schnauben, elbisch.
in hübsch (
früher auch hüpsch)
und höfisch
gelten beide mit verschiedenheit des sinnes, den man auch zwischen rauben
und raufen
gelten läszt. aus barfusz
macht das volk barbes.
auch im fremden käfich, cavea,
gilt nun F,
im 16
jh. schrieb man kebich.
Auffallend ist im anlaut blach
für flach,
worüber näheres unter dem worte selbst. tilgung des inlautenden B,
in hat,
mhd. hât
für habet
althergebracht, ist heute unzulässig in geit,
mhd. gît
für gibet.
wir unterdrücken es in wams
für wambes (
wie in amt
vgl. 6, b),
setzen aber kamm, lamm, dumm. krumm, um, zimmer
für kamb, lamb, dumb, krumb, umb, zimber.
ahd ten. haftet inlautend ausnahmsweise in wampe, wämplein,
und angelehnt an T
in haupt,
wofür einige ohne alle noth schreiben haubt;
im engl. head,
und landschaftlich im nnl. hood
für hoofd
schwand der labiallaut. Umgekehrt war das 16. 17
jh. geneigt, ihn ungehörig nach M
vor T
und D
zu entfalten: nimpt, kompt, sampt, bestimpt
oder nimbt, kombt, sambt, bestimbt,
wo wir heute MM
setzen. fromb, daheimb, hembde, frembde, wärmbde, schambd (
3 Mos. 20, 17),
statt fromm, daheim, hemde, fremde, wärmde = wärme, scham.
Da M
den lippenlaut sucht, konnte auch aus albe albn alm (
sp. 201),
aus ermel erbel (
sp. 557)
entspringen, wozu man das nord nafn, iafn, rafn
und namn, iamn, ramn
halte. 88)
andrer art, als die eben geschilderten verwandtschaften zwischen B
und V
sind die zwischen B
und W,
so nahe auch doppeltes V = W
dem einfachen V =
lat. vau
oder sl. vidil
steht. das hoch- und niederdeutsche V
hat sich aber, wie wir sahen, dem F
genähert, dem W
entfremdet. B
und V
schwanken auch in andern sprachen, älteren wie neueren, z. b. im sanskrit kann für bâd
lavare auch gesagt werden vâd,
und skr. van
ferire, occidere entspricht der im gr. φόνος und unserm ban
enthaltnen wurzel; im littauischen steht für bebrus webrus,
und bekannt ist, wie sonst in spanischer schreibung B
das V
vertrat. die Byzantiner setzten Belisarius, Bandali, Bandalarius
anstatt Velisarius (Valisaharis), Vandali, Vandalarius
und viel dergleichen. aus Verona
entsprang Bern.
In unserer sprache erscheint der wechsel zwischen B
und W 8@aa)
anlautend. W
für B
in wase, base,
z. b. bei Philander 1, 23; Wossen, Bosnien.
Simpl. 2, 47; wascha, bascha. Frey
garteng. cap. 5;
man sagt berwolf
und werwolf.
die bairische volkssprache läszt häufig B
für W, W
für B
eintreten. 8@bb)
in- und auslautend ist uns das mhd. LW RW
zu nhd. LB, RB
geworden: für swalwe, val valwes, velwe
salix, gel gelwes, gewelwe, milwe, var varwe, gerwen, herwe, erweiʒ
sagen wir schwalbe, falb falbes, felbe felbinger, gelb gelbes gilben, gewölbe, milbe, farb farbe, gerben, herbe, mürbe, erbse.
der ortsname Vilbel
in der Wetterau lautete früher Velwele, Felwila (
von der lage an weidenbüschen)
dasselbe W
unterdrücken wir ganz in see, schnee, mehl mehles, blau, grau
statt des mhd. sê sêwes, snê snêwes, mel melwes, blâ blâwes, grâ grâwes,
im 16. 17
jh. hiesz es zuweilen melb, blab, grab.
ähnlich entsprang unser albern
aus alwære (
sp. 201); salbei
aus salvia,
umgekehrt balwier
aus balbier, barbier.
Aber auch nach vocalen und andern consonanten wandeln sich einzelne W
in B:
aus mhd. Tuwingen (
wol = Twingen,
ein zwinger, pomoerium)
ward Tübingen;
aus vidua,
ahd. witawa wittib,
neben witwe,
aus aventiure abenteuer. awas
und abas, awasel
und abasel, awersel
und abersel
sind sp. 1045. 1046, auswig
und äsbig
s. 1018, auwe
und aubei
sp. 598. 1045
beigebracht. in ihnen musz das W
älter sein als B,
umgekehrt gieng unser ingwer
hervor aus ingeber,
doch zitwer
aus it. zettovario. 99)
fremde wörter mit unsicherem P
und B 9@aa) P
in B
übertreten zu lassen, war ahd. natürlich, da auch deutsches P
in B
gemildert zu werden pflegte; mhd. muste, seit die meisten strengahd. P
geschwunden waren, dies noch mehr zusagen, man schrieb bâbes, bâbest papa, bate patrinus, bech pix, bermint membrana pergamena, belleʒ
it. pelliccia, bilgerîn peregrinus, bischof episcopus, bensel penicillus, bovel peuple, brüeven prouver
u. s. w. als nhd. der falsche grundsatz, alles fremde, ohne gefühl für die gewohnheit der eignen laute, unangetastet bestehn zu lassen, suchte man die P
herzustellen und setzte pabst,
noch lieber papst, pathe, pech, pergament, pelz, pilgrim, pinsel, pöbel, prüfen;
einige B
blieben, wie in bischof,
das man aber zunächst von vescovo
oder évesque, évêque
leiten dürfte. diese wörter sind darum in P
aufzusuchen, doch soll in einzelnen fällen, wo noch im 16. 17
jh. media überwog, ihnen im B
ort und nachweis gestattet werden, z. b. balieren
neben polieren.
oft kann auch zweifelhaft sein, ob ein wort deutsch geblieben oder aus der fremde zurückgeführt ist, z. b. bicken
oder picken. 9@bb)
anlautendes fremdes B
wandelte man, der lautverschiebung nach, ahd. in P,
und so ist aus beryllus
entsprungen perala,
was noch heute in perle
haftet, obgleich auch die schreibung berle
galt, wie eine jüngere, auf denselben stamm zurückgehende benennung brill
lautet. aus bursa
entsprang im 15. 16
jh bursch,
später auch pursch
geschrieben, wie für birsen birschen
und pirschen, pürschen
vorkommt. 1010)
verdoppelung des B
erscheint eigentlich nur in ebbe
und wird unter diesem wort erklärt werden. in babbeln, zabbeln, schlabbern, krabbe, flabbe, ribbe
hat BB
kein altes recht, und abbt
für abt
schreibt niemand mehr. Schluszergebnis nach 1—10:
unserer sprache sind heute viererlei B
eigen, ein anlautendes organisches in busen, blume;
ein inlautendes, unorganisches in geben, weben
für F;
ein in- und auslautendes in LB, RB
für W;
endlich in fremden wörtern. Sprichwörtlich heiszt es: wer a gesagt hat, musz auch b sagen,
der begann, soll, was auch erfolge, fortfahren; herr, wer a sagt, musz auch b sagen, kurz, ich schlosz die eh. Werners 24
febr. s. 85.