trank,
m., n. ,
das getränk, das trinken. herkunft und form. verbalabstract (-a-
stamm)
der o-stufe von trinken,
neben dem in der tiefstufe der -i-
stamm trunk
steht, s. d. got. drag(g)k;
ahd. trank,
mhd. tranc;
altsächs., mnd. drank;
anfrk., mnl. dranc,
nl. drank;
abseits steht ags. drenc.
aus dem nd., zumeist in den bedeutungen von I B 3,
in die nordgermanischen und baltischen sprachen entlehnt: norw.-dän. drank
hefe, maisch, malztreber; schwed. drank
treber, branntweinspülicht, -hefe, schlempe, im compositum kirsedrank
zu mnd. kersdrank,
im ält. schwed. (1555) starcke dräncker
spirituosen Dahlgren
gloss. 158;
litauisch dránka,
f., schweinefutter; lettisch drañkis
spülicht; schmutz, schmutzwetter, schmutziger schlemmer; dazu slapdrañkis
schmutz-, schlackwetter und drañkêt,
vb., schlacken, sich schweinisch und schmutzig aufführen. — trank
ist ursprünglich neutrum, so ausschlieszlich im got. und ahd.; unbestimmt im anfrk. und altsächs. es erscheint als masculinum im mnd., mnl., nl.; im mhd. stehen masc. und neutr. nebeneinander. dem mhd. folgt das neuhochdeutsche bis ins 18.
jh., z. th. so, dasz sich die doppelheit des genus ohne unterschied der bedeutung in éiner quelle findet, z. b.: sy schöpfft das wasser und gab das tranck allen den kemlin
erste dtsche bibel, gen. 24, 20,
aber: ich ... antwurt den tranck Pharaon
ebda 40, 11;
desgleichen: man kan, im fall der noth, das obige tranck wol öffter brauchen Hohberg
georg. curiosa 1, 310
b,
masc.: ein guter tranck für die würmer
ebda 3, 207
a;
s. auch tranck
m. und n. Kramer
d.-it. 2 (1702) 1144
c.
im 16.
jh. neben dem neutrum höchstens gleichberechtigt, hat das masc. jedoch vom 17.
jh. an auch auf hochdeutschem boden sichtlich die überhand. obd. hält sich das neutrum am zähesten: wolgekochte speis und gutes trank (17.
jh.)
österr. weisth. 2, 20; die speyse, das tranck und andere sachen belangend
F. Würtz
wundartzney (1612) 67; sein erstes trank ist die muttermilch Abr. a
s. Clara
etwas f. alle 1 (1699) 106.
das 18.
jh. bietet noch belege wie: dasz tranck, so sie mir aufsetzten, war gutes bier Stranitzky
reyszbeschreib. 13
Wiener ndr.; das trank auszschenken
österr. weisth. 2, 43; starckes tranck Dentzler (1716) 2, 288
b;
doch im 19.
jh. höchstens mundartlich gefärbt: zum doktor will ich, der musz mir ein braves trank geben Gotthelf
ges. schr. (1855) 22, 55.
in den nd. und md. maa. herrscht, sofern bezeichnet, durchaus das masc., während sich im obd. sowohl masc. (Schöpf 751; Meisinger
Rappenau. 204; Lenz
Handschuhsh. 71)
als neutr. (Schmeller-Fr. 1, 667; Pfalz
Marchfeld 48; Bachmann
beitr. 10, 125; Friedli
Bärndütsch 1, 458)
findet. Fischer
schwäb. 2, 316
verzeichnet m. und n.; aargauisch ist m. und n. nach bedeutungen verteilt Hunziker 58. —
der einbruch des functionellen umlauts erfolgt in mhd. zeit: Circe kunde trenke wol gegeben Herbort v. Fritzlar
liet von Troye 17631
Fromm., noch nicht so durchgreifend, dasz nicht gelegentlich bis ins 16.
jh. die alte form auftauchte: driu guotiu tranch
arzneibuch des 13.
jh. in Wiener sitz.-ber. 42, 157;
Daniel 2113
Hübner, s. u. sp. 1191; nûchtirn und in tranken pfarrer z. Hechte
in zs. f. dtsch. altert. 17, 182; als daryn was der klare wein, der do ist uber alle tranck
pfarrer v. Kalenberg 54
ndr.; ain ... ungelt auff alle tranck
städtechron. 4, 311; die allerbesten tranck
Schweiz. schauspiele 1, 32
Bächtold; guete, redliche, unvermischte trank
österr. weisth. 6, 23; weder wein noch bier schenken bei verlierung solcher tranken
ebda 236; den harn zu fürdern, seindt tranck zu brauchen Wirsung
artzneybuch (1568) 556
b; under anderen tranken Rauwolff
raisz (1581) 106.
mundartlich bis heute: trawch
sing. und plur. Friedli
Bärndütsch 1, 458; dranke Fischer
Samland 91;
mit schwacher flexion: scharpe dranken Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 327.
seit dem 16.
jh. ist im alem. die pluralische endung -er
belegt: die
[] drencker der zauberin Circe Joh. Adolphus
enchiridion (1520) 91
b; die artzet ... woltend ... durch träncker das gifft wider usz im tryben Tschudi
chron. helv. 1, 263; liebestränker
s. th. 6, 956.
so bis in die modernen maa.: tränkcher Hodler
Berndeutsch 79; träicher Friedli
Bärndütsch 1, 458; dränker
ebda 4, 344;
s. auch oben schwed. dräncker. —
der auslaut ist seit dem spätmhd. gelegentlich lenisiert: trang (14.
jh.)
zeitschr. f. d. altert. 6, 351; Stolle
thür. chron. 33
lit. ver.; nd. drang
Alsfeld. pass.-spiel 196
Grein; mit affricata südbair. tranchh
altdeutsche pass.-spiele aus Tirol 191
Wackernell; s. auch trankch Hodler
a. a. o.; mit spirans im hochalem.: tranch Zahler
volksglaub. d. Simmenthals 55;
dazu mit auflösung des nasals: trauch Hodler
a. a. o.; Friedli
Bärndütsch 1, 458;
plur. träiche
ebda 1, 250; trch Bachmann
beitr. 10, 125;
s. auch schwäb. drk Fischer 2, 316. —
verdumpfung des stammvocals: drng Pfalz
Marchfeld 48; trnk Jakob
Wien. 194;
nordfries. drngk Siebs
Helgoland 213; droonk Möller
Sylt. 69.
vereinzelte collectivbildungen, wohl mit abgeschwächtem -ach-
suffix: dasz abspieler oder tranckher solle unser khoch ... abholen laszen
deutsche hofordnungen 2, 204
Kern (
an anderer stelle: des abspülachs oder trangkhs 2, 171);
vgl. dazu dràngə(r)
getränke für das vieh Brenner-Hartmann
Bayerns maa. 1, 241.
bedeutung und gebrauch. II.
das getrunkene, das getränk. in allen frühstufen der in frage kommenden sprachen ist der verbale inhalt vorwiegend und zwar auf das substanzielle hin concretisiert, so got. durchaus, dann ahd., altsächs., anfrk. —
spät und räumlich beschränkt bildet die concretisierung ein nomen agentis heraus: drank
säufer, trinker Mungard
Sylt 54;
weitergebildet: drankster
ebda; drookster Möller
Sylt. 69; draanksteern K. ter Laan
Groning. 185.
ähnlich bei frasz,
m. vgl. auch den pflanzennamen marientrank
th. 6, 1627. I@AA.
allgemein: die zu trinkende substanz, das getränk, angewendet auf den menschen, seltener auf das thier; dichterisch vereinzelt auf pflanzliches übertragen: regentrank
des veilchens Bürger
werke 47
a Bohtz, ganz selten auch übertragungen wie: eine gereinigte lebende maienluft kühlte mit eis den trank der lunge Jean Paul 1, 318
Hempel. —
diese bedeutung von trank
ist in lebendiger sprache erloschen und wird auszer in formelhafter verwendung (
s. I A 1 b
β)
nur noch im schmalen bereich gehobener, dichterischer und antiquierter sprache gebraucht, vgl. sang, stank.
seit dem 17.
jh. ist dafür das collectivum getränk
im vordringen begriffen. schon im laufe des 18.
jh. ist der heutige zustand sowohl erreicht als bewuszt: '
hodie ita distinguimus, ut trank
sit potus medicatus ... trunk
potus ordinarius' Wachter
gloss. germ. (1737) 1724; 'ein trank
wird von kräutern oder säften gemacht und gehöret zur arzneiwissenschaft ... getränk
bedeutet jede flüssige sache, welche den durst zu löschen vermögend ist' Stosch
gleichbed. wörter 1 (1777) 19;
dem gegenüber bleibt die lexikalische fixierung conservativer: tranck
potus, potio Steinbach (1734) 2, 874; 'trank
derjenige flüssige körper, welchen man zur stillung des durstes zu sich nimmt ... es ist in dieser bedeutung im hochdeutschen wenig mehr üblich, indem getränk ...
auch trunk
dafür gangbarer sind' Adelung 4, 1027.
weiteres hierzu unter getränk
th. 4, 1, 2, 4416
f. I@A@11)
die collectivbedeutung. I@A@1@aa)
impotus unghedrunken, unghequicket mit dranke (1417)
bei Diefenbach
nov. gloss. 211
b;
potus, potio tranck Calepinus
undec. ling. (1598) 1122
b; trank ... ist alle feuchtigkeit, so dem menschen zum trinken dienet
haushalt.-lex. (1728) 964: die dinge ... der man nút von nature wol abgescheiden enkan, als dem hunger: lust der spise und dem turste: lust des trankes Tauler
predigten 220
Vetter; darumb verleürt auch die creatur im gotlosen ihr ampt, das dranck löscht kain durst, gut machet nit mut, gelt nicht reych S. Franck
trunckenheyt (1539) c 3
b; des obs hat sie (
die Normandie) so vil, das man gemeynlich tranck
[] daraus macht Seb. Münster
cosmogr. 120.
anders construiert: lobt all czungen des erenreichen gotesleichnams wirdikait und sein pluet gar kostparleichen, das czu trangk ist uns berait
bei Bäumker
kathol. kirchenl. 1, 693; (
meinst du) dasz ich (
gott) der böck und schafe blut für dranck zu brauchen sei gemut
bei Kehrein
kathol. kirchenl. 3, 208; nur ausmündendes süszes binnenwasser, nicht salzflut in gräben und tümpeln konnte als trank dienen Wimmer
dtsch. boden 47. I@A@1@bb) trank
verbunden mit dem collectiven begriff für die eszbaren dinge. I@A@1@b@aα)
got. in mata aiþþau in draggka (
ἐν βρώσει ἢ ἐν πόσει)
Kolosser 2, 16; that sie im thar at theru menigimates endi drankes thigidin at theru thiodu
Heliand 1224; mos endi drank Wadstein
altsächs. sprachd. 16; er (
Joseph) gap in maz unde tranch
genes. u. exod. 80, 17
Diemer; boumol das heilet gerne und ist gesunt zu der brust brengende gerume lust an aze und an tranken
Daniel 2113
Hübner; reisz das tischtuch mit tranck und essen vom tisch heraber auff die erd H. Sachs 17, 60
lit. ver. —
häufig kost und trank,
bis ins 19.
jh.: zu Babilonia vor kunig Soldan sahen wir dich koste und trank in groszen eren und wirden credenzen
ackermann aus Böhmen 18, 12
Bernt; uff ain zyt, als sie by ainander ob dem tisch sassen und nach aller wolnust in úberflüssiger kost und trank lebten Stainhöwel
de clar. mulier. 264
lit. ver.; kost off dranck
verfass. u. verwalt. Kölns 2, 393
Stein; d. Faustus aber hette ein gut fegen mit desz bapstes kosten und tranck
volksb. v. dr. Faust 60
Braune; dafür gab er Stilling kost und trank Jung-Stilling
sämtl. schriften 1, 121; an eignem tranke reich und eigner kost Fr. Rückert
ges. poet. werke 1, 119. — genieszen eines brodts und trinkken einen trank Rachel
sat. ged. 87
ndr.; dem durste gibt sie trank, dem hunger brod Schiller 1, 47
G. —
bei thieren: alles futter, das man einem pferde giebt, musz fein sauber und rein seyn, wie denn auch aller tranck Walther
pferde- u. viehzucht (1658) 23. I@A@1@b@bβ)
vorwiegend neben speise.
in loserem zusammenhang: diu beste spîse, daz beste tranc
Freidank 125, 5
Grimm; der text hat 'commessatum', das bethüt nit allein essen, sunder dazu lüstigen wol bereyte spyse niessen ... und das beste tranck
Terentius teutsch (1499) 49
b glosse; also kamen die baid von dannen, der wolff von erst umb die spys, darnach der bok um das tranck Stainhöwel
Äsop 202
lit. ver.; colerica passio da eins die spyse und das dranck nit behalten mag Dief.
gl. 640
a; zur speise nehmen sie des viches fleisch, desselben milch oder blut brauchen sie zum tranck Schütz
hist. rer. Pruss. 1, a 4
c;
bildlich: und sol iúch iemir hungerne nach got, der der engilon trank ist und ir ewigú spise
st. Georg. prediger 136
Rieder; enger: unmessikeyt in spyse oder in trancke
gemma gemmarum (1508) d 3
a; dahin brachten sy weder speisz noch tranck C. Hedio
chron. germ. b 5
b.
häufig in mehrfacher verbindung, notdurft und erfordernis irdischen lebens besonders hervorhebend: des wolden dy von Erffort nicht thun, sundern brot, trang und spisze vorkoufften ome dy von Erffort umme or gelt (15.
jh.) Stolle
thür. chron. 33
lit. ver.; teil spys, trank, kleider mit dem dürftigen Zwingli
deutsche schriften 1, 217; bescheidenheyt ... in speysz, tranck, kleidung S. Franck
Turckey a 2
a; der Teutschen complexion, landsart, lufft, speisz, tranck Ryff
spiegel u. regiment a a 2
b;
im theologischen schrifttum bes. des 15.
und 16.
jh. als sinnbild des irdischen, stofflichen, [] sündigen: im (
dem leib) helffen hie all sein freünde: die speise, der tranck, die zarthait, das ist alles wider den gaist, wann er hie ist ellendt Tauler
sermones (1508) 17
b; läslicher sünd sein menigerlay, nemlich wer in speis oder tranck oder slaflust suocht mer dann seiner natur not ist Berthold v. Chiemsee
theologey 248
Reithm. ähnlich in einfacher formel: das rych gottes ist nit spysz oder tranck Zwingli
freiheit d. speisen 24
ndr.; Christus leeret, das speysz und tranck an im selbs nit bösz sey, wo das hertz nit bösz ist Eberlin v. Günzburg
sämtl. schriften 2, 6
ndr. dieses formelhafte speis und trank
gewinnt starke ausdehnung; trank
verdrängt hierin selbst älteres getränk (
s. th. 4, 1, 2, 4418)
und bleibt in dieser bedeutung dem breiten sprachgebrauch erhalten (
s. oben A): so schulten die obgenanten gröszen denselben umb ein bescheiden gelt speisze und dranck geben
städtechron. 2, 88; (
die königin) liesz den unzüchter also daselbst bey geringer darreichung speisz und trancks ... verschloszen liegen Kirchhof
wendunmuth 2, 48
lit. ver.; wie gott ... einen ieden menschen sein mäslein speise und trank verordnet hat: also hat er auch einen ieden sein mäslein arbeit darneben gestellet Butschky
Pathmos 329; so gewisz ... eine unersättliche und hitzige begierde nach speise und trank das zeichen des wechselbalges war Schwabe
belustigungen 6, 315; (
gäste) deren niedergeschlagenheit so tief wurde, dasz sie speise und trank verschmähten Bismarck
ged. u. erinn. 2, 109;
auf thiere bezogen: weil auch die esel oder maulthiere speysz und tranck zu sich nehmen
discourse d. mahlern 2, 196.
sprichwörtlich: gott sei danck für speisz und tranck Kramer
d.-it. 2 (1702) 1145
a.
selten in verkehrter reihenfolge: trank und spies sond ir niesen Mone
schauspiele d. mittelalt. 1, 285;
unter reimzwang: weil sie nicht auff irdische weisz nieszen menschliche tranck und speisz Spreng
Ilias 58
b;
im zwang des rhythmus: als nun aber die lust nach trank und speise gestillt war Bürger 191
Bohtz. das formelhafte wird so stark gefühlt, dasz artikel, pronomen und attribut blosz einmal, und zwar nach dem ersten bestandteil, construiert werden: wann ich nur mein bauch nicht täglich mit uppigkeit, wollust und uberflusz der speisz und tranck gefüllet ... hette
volksbuch v. dr. Faust 38
ndr. Petsch; sie hab bey mir ihrn freyen gangk, nehr sich von meiner speis und tranck Rollenhagen
froschmeuseler d 6
b; der aderlässzer soll sich hyeten in den ersten drey tagen vor überflüssiger speysz und tranck Gersdorff
wundarzn. (1526) 20
a; ebenso wichtig war vornehme speise und trank G. Freytag 18, 139.
die formel widersteht pluralischer bildung: und hört all süsze saitenspil: vor im die besten speisz und tranck C. Scheit
frölich heimfart e 3
b; wir wolten fein genau leben und mit mäszigen speisz und tranck uns auf der stube vergnügen laszen
polit. maulaffe 328. —
bildliche anwendung: die betrügliche reichtumb bieten sich fälschlich für ein recht war speisz und tranck dar S. Franck
sprüchw. 1, 136
b; wende dich zu Christo Jhesu ... der wirdt dich ane die speys und den tranck seynes leybs und bluets nicht verlassen J. Strausz
beychtpüchlein (1523) e 2
a; das wir zu seines namens preisz genieszen ewigen trankh und speisz Adam Reusner
in Wackernagel
kirchenlied 3, 134; die thränen mich ernehren, seind meine speisz und tranck Spee
trutznachtigall (1649) 27. I@A@22)
in einer reihe von anwendungsarten ist trank
mit bestimmungen versehen, die seine bedeutung einengen. —
hierbei sei der besondere fall vorweggenommen, in dem trank
[] im hinblick auf eine bestimmte, vorliegende trinkbare substanz gebraucht wird: es weisz menklich, so ein muter irem kindlein die brüst nemen und es abstosen wil, daz sie im ... macht ... ein hültzes becherlin mit einem wertzlin, daran es daz tranck ... sug Gebweiler
lob Mariä 22
b; auch trancken sie beed mit begehren Minervae Palladi zu ehren ausz einem becher voller wein, der ihnen wurd geschencket ein und opfferten also das tranck der göttin auff zu hohem danck Spreng
Ilias 136
b; und die andre hälfte (
der milch) verwahrt er in weiten gefäszen, dasz er beim abendschmause den durst mit dem tranke sich löschte Voss
Odyssee 159
Bernays. häufig in geistlicher anwendung: dô brâhte man dar ezzich, darîn ŷsope was geleit dur deste mêre bitterkeit. daz tranck sî tâten in ein rôr ... unt butenz ûf ze stunde gegen Kristes munde Walther v. Rheinau
Marienleben 188, 25
Keller; vom abendmahlsgetränk: nu sihe ich herre ... daz han ich din hailiges flaisk und din bluot han ich enphangen ... willechome himiliscez tranch, suzze des ewigen libes Diemer
dtsche ged. 382; Jesus nimpt das trinckgeschirr, büts sinen jüngeren und spricht verba Christi: das ist das tranck des nüwen testaments Jac. Ruff
das lyden Christi (1545) c 6
b; disz tranck ist mein blut Joh. Bugenhagen
Braunschweig. kirchenordnung (1531) f 3. I@A@2@aa)
allgemeinste differenzierung geschieht durch syntaktische fügung, in der eine mannigfaltigkeit des collectivbegriffs sichtbar wird: wie wol sy nit wistent, welcherlay trancks das gewesen was, so sy getruncken hatten
N. v. Wyle
translationen 89
Keller; das wunderbare elixier ..., von dem etliche tropfen jeden trank köstlicher und herrlicher machen E. Th. A. Hoffmann 1, 37
Gr. so selten uneigentlich: tut den wol, die uch hazzint. so getan trank dunkit vil herte den, die niht merkin, welich suzze in behaldin ist (14.
jh.) Leyser
predigt. 131;
durch den plural: der klare wein, der do ist uber alle tranck
pfarrer v. Kalenberg 54
ndr.; zum dritten die tränck, so man ausz dem getreyd machet
M. Herr
feldbau 110
a. I@A@2@bb)
einengung durch nähere bestimmung der substanz. I@A@2@b@aα) tranck aus wein und honig gemacht
mulsum Dasypodius
dict. (1536) 439
b; tranck von wasser und essig gemischt
posca, ὀξύκρατον Decimator
thes. (1615)
reg.; tranck aus essig und honig
apomeli Dentzler 2, 288
b: so hetten sie grosz ochsenhoren gejirt vol tranks von wasser und hönig, das hieszen sie idromel
städtechron. 3, 54; des weines tranck, wie er macht schnel gsundt, darzu kranck Schertlin
künstlich trincken (1538) e 5
b; in Moscau und Litthauen trincken viel arme leute ihren ... aus wasser und sauerteig zubereiteten trank Marperger
küchen- u. keller-dict. (1716) 408.
mit bezug auf Matth. 27, 34: das tranck der gallen, damit si mich haben getrenckt
himmlische offenbarung d. hl. Birgitte (1502) C 3
a; wier süllen hie ... von essich, mirr und gallen ain tranck zusammen wallen
altd. pass.-spiele aus Tirol 153
Wackernell; bildlich: wan in der minne sinne da ist verborgen inne ein angel mit der gallen tranc
bei Mone
schauspiele d. mittelalt. 1, 218.
ganz vereinzelt, aus der gebrauchssphäre von trunk (ein trunk wein, bier
u. s. f.)
herübergenommen: ein karger hauszschaffner tranck bruntz für cardobenedicten wein
[] Frey
gartengesellschaft 36
Bolte. dazu die composita: apfel-, gallen-, gersten-, hopfen-, honig-, lauer-, thee-, wermuttrank
u. a. I@A@2@b@bβ)
die vornehmlich dichterische anwendung neuerer sprache sucht umschreibung: je schlechter das gericht und der geschöpfte trank (
d. i. wasser), je gröszer das vergnügen Triller
poet. betrachtungen 1, 288; was deine feder schreibt, versüszet mir den trank aus den gesalznen quellen Gottsched
neueste ged. 43.
reichlich beim wein: trank des rebenstocks Tieck
schriften 3, 165; trank der rebe Hoffmann v. Fallersleben
ges. schriften 1, 30; sonnen die kochen den trank der fröhlichkeit dir Denis
Sined 216;
wein wird als trank
schlechthin bezeichnet: wer in fremdem tranke prasset, meide dieses freye land! wer des Rheines gabe hasset, trink, als knecht, am Seinestrand J.
M. Miller
gedichte 159; noch ist der herbst so ferne, und er keltert sich schon neuen trank Grabbe 1, 360
Blumenthal. kaffee: der braune trank Dusch
verm. werke 146; bei einer tasse schwarzen trankes G. Keller 3, 68; mit dem arabischen trank Heine 3, 67
Elster; den trank der Levant Voss
Luise 2, 306. I@A@2@b@gγ)
die umschreibung geschieht durch zuordnung zu einer gruppe von subjecten, denen ein bestimmtes getränk eigentümlich ist: bua das tranck der unmündigen kinder Frisius 166
a;
nectar tranck der gotter Dief.
gl. 377
b; das ist der götter landt, da ihr tranck (
nektar) innen fleuszt Opitz
teutsche poemata 69
ndr.; die warheit ligt verschlossen in deinem (
Bacchus) süszen tranck
ebda 202; vater Komus am kamine, kocht den braunen trank der mohren J.
N. Götz
verm. gedichte 2, 48; beym schwarzen trank des ernsthaft schläfrigen Türken Kästner
verm. schriften 1, 218; das wasser, alter weisen trank J. G. Jacobi
sämtl. werke 3, 13; wir aber schlürften bald aus zierlichen tassen den trank der modernen welt; ich meine ... den thee Storm (1868) 8, 185. I@A@2@cc)
typisierende adjectiva begrenzen den bedeutungsbereich. I@A@2@c@aα)
auf gegorene getränke, im sinne von B 1,
führend: confecta, facta odo gaieritiu tranch
ahd. gl. 2, 97, 1; gitanaz tranch
siceram ebda 1, 817, 2;
sicera trunckenmachtig ... tranck, allerley drunckin dranck, trunckin trang (15.
jh.) Dief.
gl. 532
c;
sicera machtig trank (15.
jh.)
ders. n. gl. 338
a;
sicera gemeyn stark dranck
ders. gl. 532
c; starckes tranck
temetum Dentzler (1716) 2, 288
b; auch so segenet er sich alle morgen vor gesunder speisz und vor groszem glück und vor starckem tranck
Eulenspiegel 31
ndr.; hüte dich, das du nit weyn noch starck tranck trinkest
Zürcher bibel (1531) 1, 123
b; wehe denen, so helden seind, wein zu sauffen, und krieger, starcken tranck zu zechen Ambach
zusauffen (1544) a 4
a; gar wenig streit es bey uns gab, denn starckes tranck wir theten meiden Mangold
marckschiff (1596) b 3; polygophora heiszen sehr geistreiche träncke oder weine Woyt
schatzkammer (1703) 743.
bildlich: du must dich des starcken trancks und jamers vol saufen (
ebrietate et dolore repleberis), denn der kelch deiner schwester Samaria ist ein kelch des jamers und traurens, den selben mustu rein austrincken
Ezech. 23, 32; hört, als die seel von lieb entzündt, sich in dem weinkeller befind ihrs bräutigams, da wirdts mit freud gantz uberschüttet und voll leid vom starcken tranck, ihr eingeschenckt Dan. Sudermann
hohe geistr. lehren (1622) 39
a.
[] im heutigen ostfriesischen: starke, scharpe dranken
spirituosen Doornkaat-Koolman 1, 327;
s. auch wfries. sterke drank
alkoholisches getränk Dijkstra 1, 291. I@A@2@c@bβ)
das adjectiv bezeichnet die lust, das behagen am getränk, sein annehmliches, auch untadliges:
nectar ein süszer tranck Alberus u 2
a; sie nam von ihrem sohn zu danck den becher an mit süszem tranck Spreng
Ilias 12
b;
im vergleich: ich halt, es sei deiner gnaden unverborgen, dasz die törechten christen allerlei peinigung, wie stöck und plöck wissen zu verachten und den tod wie ein süszes tranck annemmen H. Fabricius
auszug bewerter historien (1599) 820;
bildlich: alles bittere wird zum süszen trank der lippe des weisen Herder 27, 29
S.; frauenliebe ist ein süszer trank Storm 2, 259. — hehem, das heiszt ein guoter tranck C. Scheidt
Grobianus 14
ndr.; im vergleich: also bin ich selb gott, der ich rüff meine wort, die du in geistlichem gesicht empsiglich von mir hörest, ersetigend als ein gutes tranck die türstenden
offenbarung d. hl. Birgitte (1502) 5. — angesehen, das gesundes wasser der beste tranck seines hauszgesinds ist Sebiz
feldbau 15; kostlicher dranck und sieszer wein, dasz muszt alles zugegen sein Fischart 1, 294
Hauffen; im vergleich: man genosz das leben mit langsamen, kleinen zügen wie einen köstlichen trank Novalis 4, 79
Minor. — da sprach der Machmet, es (
der wein) wer ain saligs trangk, das das volgk als frölich davon würd Schiltberger
reisebuch 92
lit. ver. —
sicera edil trank (1420) Dief.
n. gl. 338
a;
bildlich: (
Christus) rufft derowegen zuruck: hieher! hie ist ein edler tranck. wolt ir trincken? hie ist ein heilsamer brunnen, den möget ir schöpffen Dannhawer
catechismusmilch 1, 1. — mätt, ein fürnemes tranck bey ihnen Stumpf
Schweytzerchron. (1606) 4
b. — eben wie man ein sehr gutten wein, so er meszig getruncken wird, ... billich den allergesindigsten tranck nennet Spalatin
Stromers verwarnung (1531) c 2
a; (
stettinisches bier) ein gerstenbier, das nicht zu straffen stehet und ein gesunder tranck ist Knaust
kunst, bier zu brauen (1614) 38. — frommer trank (
wasser) Logau
s. th. 4, 1, 243.
die gute wirkung ist betont: schlafenmachender tranck
bevanda somnifera Kramer 2 (1702) 1145
a; kühlende tränke fürst Pückler
briefw. u. tageb. 5, 280; das glühende erz, das sie ihm in den mund gossen, flosz ihm hinab, wie kühlender tranck Aurbacher
volksbüchlein 12; erquickenden trank Herder 26, 12
S.; labenden trank Bennert
trinkkunst 13,
vgl. auch trank der labe Schiller 11, 394
G. I@A@2@c@gγ)
das adj. trägt den sinn des unbehagens: so man sú (
die beeren) zem ersten druket, so gebent sú sures trank
st. Georgener prediger 120
Rieder; saur tranck
erste dtsche bibel 4, 390
note Kurr.; vultum pervertere wrempen, schrempen, also wenneme suren drang drinket (15.
jh.) Dief.
n. gl. 387
b. —
bes. fest bitterer trank,
vgl. th. 2, 54
sowie bitterer kelch
th. 5, 506;
von der labung Christi am kreuz: der all thier mit speis begabet, wird mit bittrem trank gelabet Mittler
deutsche volkslieder 336.
seit dem 16.
jh. reichlich in bildlicher verwendung: was mich mein eltern detten leren, was mir als sandt ain bitter dranck Gengenbach 72
Gödeke; ich bin genant der rautenkrantz, meinen feind ich bin ein bitter tranc (1557) H. Ziegler
geschützinschriften 34; Bachus, der die geister reget, musz den bittern trank (
der krankheit) versüszen Knittel
poet. sinnenfrüchte, absond. buch 22;
[] der vorfall war vielleicht nur wie ein letzter tropfen, der den bittern trank überflieszen machte G. Freytag 17, 207;
mit genetivbestimmung: den soltu nemen und deinen jetzt also bitteren tranck der traurigkeit damit abspülen Fr. v. Spee
güld. tugendbuch 222; den bittern trank der unterdrückung Herder 13, 382
S.; der bittre trank der lüge Immermann 1, 43
Hempel. vgl. auch unten B 2 a
β. mit thränen musz ich mischen den ungeschmacken trank Fleming 1, 10
Lappenberg; kein gold bleiern wird, ob schon ein giftiger oder schmakloser trank darin enthalten ist Schottel
haubtsprache 146. — also auch ... mag er (
der wein) ..., wenn man ihn unmessig seufft, ... der allerschedlichst tranck genant werden Spalatin
Stromers verwarnung (1531) c 2
a; den schädlichen tranck (
kaffee) Göthe IV 6, 141
W. I@A@2@c@dδ)
auf die herstellungsart bezüglich: sicera gemenget trank (1427) Dief.
n. gl. 338
a;
mulsum gemen(
g)tz tranck
ebda 258
b;
cinnus vermischung vieler ding odder gemischter tranck Alberus r 2
a; die den durst ... mit verkräuterten, gewürzten ... tränken erst mehr aufbringen und bewegen Fischart
podagr. trostbüchlein (1577) h 7
a; von diesen beyden gekochten träncken (
thee und kaffee) Ettner u. Eiteritz
medicin. maulaffe 184;
bes. gebräuchlich beim heiltrank
s. u.B 2 a
β. I@A@2@c@eε)
mit beziehung auf die bedeutung B 2 b: machte einen bosen tranc, dar in er sine gifte warf an totlichen morde scharf
passional 239, 9
Hahn; und wann si den zapfen verraib, war in dem andern (
lägelein) ain arg und vergifts tranck U. Füetrer
bayer. chronik 178
Spiller; darnach nam sy das vergift tötlich trancke und tett das unerschrockenlich usztrincken
N. v. Wyle
tranlationen 89
Keller. I@A@2@dd)
in der bildlichen sphäre, die bestimmung erfolgt durch ein abstractes genetivobject. gelegentlich schon in der älteren sprache: dînes trôstes tranc Laszberg
liedersaal 1, 61; o du süszes tranck des laides über die sünd
in cgm. 4597
bei Schmeller-Fr. 1, 667; des todes tranck
herzog Ernst, volksb. 262
Bartsch; merkwürdig: weil sie beraubet sein der sin von dem tranck der unwissenheit Hans Sachs 3, 77
lit. ver. (
ähnlich 3, 82).
doch gehört die hauptmasse der beispiele neuerer dichterischer oder sonst gehobener sprache an: der trank der freude Cl. Brentano
Godwi 1, 96; des glückes trank graf v. Strachwitz
gedichte 141; ein könig, spendend himmelskronen, vergilt mit ewger wonne trank A. v. Droste-Hülshoff 2, 236; auch der verzweifelnde ermannte sich und kostete ... den erquickenden trank des lebens Herder 24, 16
S.; mit ungewöhnlichem plural: lange noch fühlte er diesen bittergeschmack auf der zunge. aber andere tränke des lebens löschten ihn aus J. Klug
das ewige heimweh (1917) 13; er antwortete, die mutter ... wüszte vielleicht schon alles ..., und den reinen trank der liebe würden nun lauter fremde körper trüben Jean Paul 15-17, 308
Hempel; den starken trank der poesie H. Seidel
vorstadtgeschichten 139; 'der trank der unsterblichkeit'
oper um 1780
von J. graf v. Soden; den süszen trank der vergessenheit Fr.
M. Klinger 9, 152; der goldenen zukunft unversieglichen trank Novalis 1, 46
Minor. I@BB.
specialisierte bedeutungen. I@B@11) trank
als geistiges getränk, vgl. auch I A 2 c
α: tranc, tranch
sicera ahd. gloss. 1, 539, 44
St.-S.; tranc
tymitum (
vinum)
ebda 1, 258, 27; den met sie und ander trank und masantzen leit sie uf ein bret
kleinere mhd. erzähl. 3, 208
Rosenhagen; item 7 fird. furluten, dem voythe syn gerete und trank ken Bebereren zu furen (1409)
Marienburger treszlerbuch [] 596
Joachim; wat van dem överflode mith windrincken hir de hillige geist redet, dat moth me ock van allen andern drencken vorstan Freder
vollensupende (1553) a 4
b; so aber das zuotrinckhen so fräfelich undt úberfliszig beschehe, dasz einer solchen tranckh wider gebe (1573)
in Alemannia 17, 59; was das tranck, fürnemblich den wein anbelangt Waltersweyl
reiss in Palästina (1608) 56
a; Anton Tucher ... verbrauchte ... im jahre durchschnittlich ... über sechstausend mark allein für den trank
M. Bauer
durst 149;
im sprichwort: je süszer der trank, umso leichter berauscht er Wander 4, 1283;
mundartlich: draank
sterke drank ter Laan
Groningen 185.
insbesondere als '
schankgetränk': anno 1374 jar da satzt ain raut (
rat) ain ... ungelt auff alle tranck
städtechroniken 4, 311; daz kainer ... wein noch sonst kainerlai trank ... schenk ... bei verlierung solhs tranks (15.
jh.)
österr. weisth. 6, 232; die weinschenk oder leitgeben sollen ... guete, redliche, unvermischte trank haben (16.
jh.)
ebda 23; auch jene (
sollen) mit ohnnachlässlicher straff belegt werden, welche unter den gottsdienst und predig in denen würthshäuser ... das trank auszschencken
tirol. weisth. 1, 43; auf ihres wirtes seinen namenstag. ... so nehmt nun dieses band! für euch ist diesz zu lesen, für uns ist euer trank und was ihr uns setzt für Fleming 1, 120
Lappenberg. vom zechenden aus gesehen, vornehmlich dichterisch in neuerer sprache: Melina, den der trank begeistert hatte, war der lauteste Göthe 21, 199
W. lasz den trank im becher steigen, denn der wein des morgenrotes quillt empor Platen 1, 139
Hempel; liebst du den becher? wir haben tranks die fülle Grillparzer (1892) 5, 73
Sauer; o nimm die rosen auf, und um die becher schlinge, dasz duftig sei der trank, gewobne rosenringe H. Schrader
das trinken 5. I@B@22)
in einer reihe von bedeutungen ist trank
kunstgerecht bereitete, auf wirkung berechnete flüssigkeit. I@B@2@aa)
flüssige arznei für mensch und thier (
vgl.apotheker-, arznei-, brust-, fall-, heil-, holz-, kräuter-, molken-, purgier-, schwitz-, wundtrank
u. a.). I@B@2@a@aα)
pocio laxativa ein trank (14.
jh.)
voc. optimus 33
b Wackernagel; potio medicata ein tranck Joh. Orsäus
nomencl. method. (1623) 245; tranck
bevanda medicinale, potione, decotto, aposema Kramer
d.-it. 2 (1702) 1145
a;
vgl. schon ahd. tranch
antidotum gloss. 3, 222: das er ein artzet gewesen sey ... und wann er einem kranken menschen helffen solt oder ein tranck geben zu seiner gesundtheit U. v. Hutten
opera 3, 250
Böcking; auff das ... der tranck dester besser ausztreyb und das pflaster an sich ziehen mag Hier. Braunschweig
chirurg. 21
a; es wer gut, das man den krancken ... nach dem schweisze von diesem tranck gegeben hette Mithobius
seuche der pestilentz (1552) k 3
a; ein tranck für die flüsz im haupt Gäbelkover
artzneybuch 1, 14; von dem tranck der wurtzel China
Fioravanti physica (1618) 272; dieses alles ... gar wol gekochet und alle morgen dem pferde ein nössel von diesem tranck eingegossen, ehe es gesoffen hat
M. Böhme
roszartzney (1618) 4; se vorbunden sine wunden unde geven eme drank
Reinke de vos 6713
Lübben; ein guter tranck in hitzigen fiebern v. Hohberg
georg. cur. 3, 207
a; Philipp der leibarzt strengt sein ganzes nachsinnen an, und erdenkt den trank, der seinem herrn eine schleunige genesung verschaffet Thomas Abbt
verm. werke 6, 1, 8; weiszt du für diese krankheit einen trank? Deinhardstein
ges. dram. werke 7, 12;
bildlich: sie (
widerwärtigkeit) ist ein trank, den uns darreicht der allerwysest und getrüwest artzet Keisersberg
bilgerschafft (1521) 69
a; versage deinem ganzen heere den einzgen trank nicht, der ihm heilung bringt, versag uns nicht Italiens himmelslüfte H. v. Kleist 1, 192
E. Schmidt. [] besonders reichlich im plural: pharmaceutice artznei,
qui curat medicamentis, mit trencken, pulver
etc. Alberus q 4
a; die aber niht sint gelêret und wellent sich erzenîe underwinden ... und wellent den liuten trenke geben: dâ hüete dich vor Berthold v. Regensburg 1, 154
Pfeiffer; physika mit iren mancherleien steurenden trenken
ackermann aus Böhmen 26, 23
Bernt; also wurdend die artzet berufft, die woltend ... durch träncker das gifft wider uss im tryben Tschudi
chron. helv. 1, 263; gifftige oder andere artzneyen, tabulata, tränck ... feyl zu haben
reformation aller requisiten d. apotheken (1607) 119; was die artzneykunst durch viel träncke und säffte nicht erreichen kan, das bringt die fröligkeit zu wege Chr. Weise
polit. redner 150; die männer richteten metalle, kräuter und wurzeln zu tränken und tinkturen am feuer zu J. Kerner
dichtungen (1834) 405;
in moderner sprache ist die bedeutung veraltet, arznei
wird dafür vorwiegend. wo sie gebraucht ist, hat trank
den sinn von hausschaffener, nicht vom arzt bereiteter arznei, so aber häufiger im deminutivum tränklein.
gelegentlich noch dichterisch: die arzeneien, die ihm kranke brachten, die tränke gieszt er auf den boden hin Schnitzler
der grüne kakadu (1899) 10.
die bedeutung '
arznei'
ist in ober- und niederdeutschen mundarten reichlich belegt, s. Dähnert 86; Doornkaat-Koolman 1, 327; ter Laan
Groningen 185;
fries. drogk Siebs
Helgoland 213. — Lenz
Handschuhsh. 71; Friedli
Bärndütsch 1, 250
u. 458; Hunziker
Aargau. 58.
in verbaler fügung, besonders häufig trank verordnen: einem krancken einen tranck verordnen
ordinare una bevanda, potione ad un ammalato Kramer
d.-it. 2 (1702) 1145
a; ja in deines gartens boden werden diese kräuter stehen, deren trank ich dir verordne Cl. Brentano 3, 341; einer verordnete grosze galenische träncke Chr. Weise
erznarren 178
ndr. trank geben; brauchen, nehmen; bereiten, machen
s.C a, b, c. I@B@2@a@bβ)
mit bezeichnenden adjectiv-attributen: angemacht tranck, von kurbeerbaum oder thierlebaum, mit saltz und wein vermischt, den häfftigen bauchlauff zestillen
saprum Maaler 406
a;
decoctum ein gesottener tranck Orsäus
nomencl. method. (1623) 245;
aposema eingekochter trank Kinderling
reinigkeit 157; vermengte tränke
allgem. dtsche bibl., anh. zu bd. 53-86, 483; wohlgemischte tränke Tieck
schriften 1, 41; einen niederschlagenden trank Ludwig
ges. schriften 2, 232; heilkräftigen trank G. Freytag 8, 45. das heilsam tranck H. v. Rüte
fasznachtspiel (1532) l 1
b;
bildlich: reficiunt mít hêilsâmo tránke divini verbi Williram
hohes lied 117, 7
Seem.; rüffent mit gemeinem mund, das es (
das leiden) ... ein heilsames dranck ist
d. ewig. wiszheit betbüchlin (1518) 33
a. — herbe tränke Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 39;
bildlich: sie (
Lucie) ist wahrlich ein herber trank
F. L. Schröder
dram. werke 1, 43. eyn artzt gibt sur und bitter trangk, do mit dest ee genäsz der krangk S. Brant
narrenschiff 25
Zarncke; das wollte gar nicht enden — etwa wie der bittre trank in einem arzneyglase Caroline 1, 106
Waitz. I@B@2@a@gγ) trank
als mittel von kurpfuschern, zu unlauterem zweck und oft mit schädlicher wirkung gebrauchte arznei, rückt an bedeutungen wie unten b
und c: wie wollen entlich auch die megde und weiber für gotte bestehen, die mit kreutern und trencken umbgehen und solchen segen gottes (
kinder) umb euszerlicher schande und schmach willen verhindern Ph. Wagner 128.
psalm (1570) y 3
a; denn welche ohn die kunst mit trencken oder gifft heimlich tödten, die pflegt man wie mörder zu straffen G. Nigrinus
von zäuberern 81; man findet in der stadt ... kein alt verschrumpfelt weib von blindem unverstande, die nicht curiren will, die nicht rezepte schreibt, verwünschte tränke kocht, und pferdepulver reibt Triller
poet. betrachtungen 4, 635;
vgl. hexentrank.
[] I@B@2@bb)
gift: zu den (
tod) habt ir dise zwen weg, die schwert und das trank Steinhöwel
de claris mulieribus 233
lit. ver.; er thut auch dergleychen, als wann er den ersten trunck thete. er bliesz aber allein den schaum von einander, welcher mitten in dem trinckgeschirr war und rüret das tranck auch mit den auszeren lefftzen gar nit an H. Pantaleon
mitnächtische völckeren-historie (1562) 44; lasz er euch bitten, wollet umb seiner lieb willen disz tranck, welches euch ausz zweyer kercker gefängnus für immerdar erledigen und freystellen solle, von mir annemmen
theatrum amoris 2, 203; von dem tranck, welchen die käyserin Agiltrudis Guidoni beybringen lassen S. Fr. Hahn
vollständ. einleitung 1, 285; mein vater, hast du den trank schon gekostet, der dich ins beszre leben führt?
F. M. Klinger
neues theater 2, 159; (
bis) ein trank auf ewig mich von ihm befreyt v. Ayrenhoff 2, 253; da der trank nicht schnell genug wirkte Th. Mommsen
röm. gesch. 3
4, 129;
vgl. die redensart: einem mit dem ersten trancke vom brote helffen
prima potione aliquem tollere Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 874.
zu beachten die bedeutungsparallele frz. poison '
gift'. I@B@2@cc) trank
als träger übersinnlicher, zauberischer kräfte, '
zaubertrank'
; besonders der '
liebestrank', '
minnetrank',
in der literatur vorwiegend mit dem Tristan-Isolde-motiv verknüpft: swenne Îsôt und Marke enein der minne kommen sîn, sô schenke in disen tranc vür wîn ... der tranc der ist von minnen Gottfried v. Straszburg
Tristan 11466; das yn gott schende, der eüch dises tranck gegeben hat!
Tristrant u. Ysalde 50
Pfaff; vgl. noch buch d. liebe (1587) 84
c; wie dann auch durch die liebe beschicht, welche durch zauberwerck und drenck zubereitet H. Pantaleon
warhafftige bestätigung (1571) 74; die lieb durch trank gemacht mit hasz doch endlich lohnt Zinkgref
auserlesene gedichte 33
ndr.; wenn der schurke mir nicht tränke gegeben hat, dasz ich ihn lieb haben musz, so will ich gehängt seyn
Shakespeare 6, 47; wisz denn, meines trankes gluth duftet in balsamischen tropfen aus euren poren, und die während dieser nacht in euren armen lag, kann sich nie mehr einem anderen ergeben Holtei
erzähl. schr. 5, 224;
auch lexikalisch: tranck, das unsinnig lieb macht
amatorium Dasypodius
dict. (1536) 439
b;
poculum desyderii ein tranck, das eim die liebe bringt oder hold machet Frisius 401
a.
literarisch reichlich nachwirkend auch der trank
der zauberin Circe: Circe kunde trenke gegeben, sulich zouber, solche spîse, ez en wart nie man so wîse Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 17631; so dich die drencker der zauberin Circe lernen, das die menschen durch wollust als von zauberei zu doren werden Joh. Adelphus
enchiridion (1520) 91
b; (
Circe) so die gäst, die bei ir einkehren, mit irem trank in viech kan kehren Fischart 1, 419
Hauffen. sonst: trank, die gemüt zebewegen und alle ding mit füwer ... verbrennen Stainhöwel
de claris mulieribus 69
lit. ver.; du siehst, mit diesem trank im leibe, bald Helenen in jedem weibe Göthe
Faust 2603. I@B@33)
das dem vieh, insbesondere den schweinen vorgeschüttete futter. meist als mehr oder weniger dickflüssig bezeichnet, worin der zusammenhang mit der bedeutung A
sichtbar wird. bis ins 18.
jh. schriftsprachlich gebraucht. s. auch getränk
th. 4, 1, 2, 4424
und tränke 3: I@B@3@aa) ate (ayt), dranck, draff (
treber) der verken v.
d. Schueren
Teuth. 23
b Verdam; den säuen das tranck mischen
mescere il beverone ò la broda a' porci Kramer
d.-it. 2 (1702) 1145
a; brenne asche von büchenen holtz
[] und menge sie den schweinen ... in schrot und tranck
viehbüchlein (1667) 73; schwindt deiner kühe milch? und schmeckt der warme trank nicht deinem hornvieh mehr? Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 119.
sprichwörtlich: (
auf eine erbschaft:) viel schweine machen einen dünnen trank Blum
sprichwörterbuch (1780) 1, 141;
ähnlich Schütze
holst. 4, 236; Lüpkes
seemannssprache 55; dick drank moakt fett swîn Wander 4, 1283; de sik inn drang mengt, den fret't de farken
ebda. leicht variiert, ist die bedeutung in den modernen mundarten reichlich bezeugt: brem.-niedersächs. wb. 1, 248; Doornkaat-Koolman 1, 327; Frischbier 146; Dähnert 86; Danneil 38; Mensing 1, 836; Woeste-Nörrenberg 57; Fischer
Samland 91; Bruns
prov. Sachsen 15; Schumann
Lübeck 25; Schmeller-Fr. 1, 667; Schöpf 751; Pfalz
Marchfeld 48.
von hier aus auch auf menschen übertragen: wenn so veel gören kamen, ward de drank ümmer dünner Berghaus 1, 355. I@B@3@bb)
verschiedene abfälle oder rückstände, dem vieh in der regel als dünnes futter vorgeschüttet. '
abspülicht': item, wir wollen auch, das es des abspülachs oder trangkhs und aschen halb nach unsers hauszvogts ... beschaid gehalten (
werde) (1526)
dtsche hofordnungen 2, 171
Kern (
ähnlich 2, 204);
mundartlich: trank
spülwasser Klein
prov.-wb. 1, 89; drank
spülicht Frederking
Hahlen 7; droonk
schlempe, spülicht Möller
Sylt. 69. — '
abfälle bei der alkoholerzeugung': trank
schlempe, rückstand beim destillieren des branntweins Hoyer-Kreuter
technol. wb. 773; drank
spülicht v. branntweinbrennen Stürenburg
ostfries. 37.
in ähnlichen bedeutungen in die nordischen sprachen entlehnt, s. unter '
herkunft und form'.
eine bedeutung '
schutt',
erschlossen aus dem compositum drankförer
schuttfahrer C. Schumann
Lübeck 65
bildet wohl das vorhergehende im sinne '
unnützen abfalls'
weiter. I@B@44)
landschaftlich beschränkt bilden sich verschiedene voll specialisierte bedeutungen heraus: tronk
wasseraufgusz an obst und beeren Fischer
schwäb. 6, 1765; drank
gemischtes getränk Dähnert 86; drank
ungeklärter kaffee Frischbier 146; thee (
als heilarznei für thiere), den man mit dem namen 'tranch' belegt Zahler
Simmenthal 55; drangk
apfelwein Christa
Trier 72; trank
als wein wohl auch: rechte masz zu haben und das trank nit mit wasser zu vermischen (16.
jh.)
österr. weisth. 6, 237. träuch
scheidemittel der milch Staub-Tobler 3, 1169. I@CC.
verbale fügungen. festere lassen sich nach drei richtungen abgrenzen, in der des anbietens, zu sich nehmens und bereitens. I@C@11) er (
Christus) hat inen das tranck gebotten Urbanus Regius
widder den newen irsal (1525) b 2 a; weder in nüwem noch altem testament nützid erfunden wirt, das ein ynsatz gwesen sye in der alten dancksagung, das tranck harumb ze bieten Zwingli
über M. Luthers buch, bekenntnusz genant (1528) 40
b;
bildlich: und als vil sie irer veinde mit den swerten erraichen mochten, den botent sie des todes tranck und santent sie mit laide dem hellischen got
herzog Ernst, volksb. 262
Bartsch. —
potionare trank geben (
anf. 15.
jh.) Diefenbach 450
b;
s. ahd. de imo daz tranc gebe
Basler recept bei Steinmeyer
sprachdenkm. 39, 17; hêrre, ich wil iu geben einen tranc, sô sît ir ze hant genesen
Reinhart fuchs 2168
Grimm; die barbierer ... meine wunden ... übersalbten und tränck eingaben Grimmelshausen 4, 680
Keller; bildlich, vom leiden und sterben Christi: das trank, daz mir mein vater git
der sœlden hort 9324
Adrian; alsz nu die dienere dem konnige schenckten, da credencztin sie den dranck unde darnach brochtin sie gar behendiglichin die vergift darin Wigand Gerstenberg
chronik 7
Diemar; wenn ihr ein freundlich wesen einen trank am schwülen tage reicht, verschmäht sie nicht den
[] irdenen krug Hölderlin 2, 14
Litzmann; meinst du, dasz er ihr verzauberte tränke gereicht? H. v. Kleist 2, 192
E. Schmidt. hore! en dorstet; dringk, Jhesus, den drang, der sal dir von mer werden geschangk!
Alsfelder passionsspiel 196
Grein; bildlich: si (
die leute) waren alle verwandelôt von dem niwen tranche (
der lehre), daz in got selbe schanchte
Antichrist in Hoffmann
fundgruben 188, 23; ach! fürchte, dasz die süszen träncke nicht ein verlarvter schalk dir, dich zu täuschen, schenke v. Schönaich
in Gottsched
anmuth. gelehrsamkeit 2, 827;
im sinne von '
reinen wein einschenken': dieser gestalt aber, da man der partheyen namen, orths, lands und anders halben in uns zweiffel setzt und uns nicht lauter tranck einschenckt, wissen wir die sach nicht zu errahten J. Ayrer
histor. processus jur. 310. I@C@22) was vor speis und trank willst du brauchen?
quem cibum aut quam potionem adhibebis? Steinbach
dtsch. wb. (1734) 2, 874; (
dasz er) etliche träncke gebrauche, so warmer complexion seyen und die natur haben, dasz sie austrucknen
Fioravanti kron der artzney (1604) 60; aber die zauberer gebrauchen keines trancks noch brühlein Prätorius
Blockesberges verrichtung 240. — einen trank nehmen
s. th. 7, 532; ein tranck einnehmen
potionem exhaurire Dentzler 2, 288
b. dieser tranck aber gilt bey ihnen so viel als ein eydschwur ..., dasz, wann sie diesen tranck unrecht und wider ihr gewissen eynnemmen, würde sie ihr fetisso also baldt tödten Hulsius 7.
schifffahrt 114; in disem monot sol men nüt (
ader) lassen noch kein trang nemen (14.
jh.)
zs. f. d. alt. 6, 351; (
er) sucht sie zu trösten und zu vermögen von dem köstlichen trank zu nehmen, den der berühmteste arzt in London gekocht E. Th. A. Hoffmann 4, 23
Grisebach. — (
der pfister) nam den pecher und sprach: das tranck das will ich trincken in der lieb des hailigen herren sant Ulrichs
legende vom hl. Ulrich 62
Hirsch; dasz von des libe, die des tranckes also trincken woltent, lebende wasser flieszen Tauler
predigten 56
Vetter; sie haben die selbige geystliche speysze essen und tranck getruncken Luther 11, 255
W.; bildlich: die lefzen verzog mein knabe, da ihn der mächtige tod hielt, zu trinken den bittern trank maler Müller 1, 102;
redensartlich wie '
die suppe, die man sich eingebrockt hat, auslöffeln': er hat das harte wort vernehmen lassen, sie möge den trank austrinken, den sie sich gebraut habe Ranke 15, 10.
vgl. auch: (
auf die schlacht bei Glurns) Krei, du hattest dich vermessen, usz dinem übermuot mir bereit ein abendessen; das kost dich lib und guot; das trank, das du mir hattest bereit, das muostu selbs usztrinken
schweiz. volkslieder 2, 86
Tobler. I@C@33) da berayt ist worden das tranck dem herren von gallen und essig
geystlich strasz (1521) k 1
a; der ist ein guter arzt, der kranckheit erkennen, die tränck zubereiten, wie er sie selbst gebrauchen wil Lehman
floril. polit. 3, 12; grabe keine wurzeln um mitternacht, bereite keine tränke, und schreibe keine zeichen in den sand Schiller 13, 177
G. die tränke, welche sie zu brauen verstand, halfen L. v. François
d. letzte Reckenburgerin (1871) 1, 202; da weilt sie und sinnt zaubersprüche und braut tränke den langen tag Grillparzer (1892) 5, 35
Sauer; bildlich: in bunten bildern wenig klarheit, viel irrthum und ein fünkchen wahrheit, so wird der beste trank gebraut, der alle welt erquickt und auferbaut Göthe 14, 14 (
Faust 172)
W. [] hätten die Deutschen nicht ... träncke zu kochen erfunden, welche an stärke dem weine überlegen ... wären? Lohenstein
Arminius 2, 294
b; sie kochte einen trank für die wöchnerin Cl. Viebig
das schlafende heer (1904) 1, 219. leffel voll öls und ein handt voll manigette oder grain, daraus machen sie ein tranck und schütten denselben in den leib Hulsius 7.
schiffahrt 21. 1557 ist die alte Zauberelsa gefänglich eingezogen worden: diese hatte denen leuten träncke gesotten Prätorius
abentheuerl. glückstopf 116. I@C@44)
vereinzelt vor dem trank stehen '
das mundschenkamt ausüben': ich stund i.
f. g. allemal vor dem trank und muszte doch daneben alles versehen, wie es sonsten einem hofmeister gebühret v. Schweinichen
denkwürdigkeiten 91
Österley. IIII. trank
als nomen actionis: das trinken, in ähnlicher bedeutungsentwicklung wie trunk. II@11)
im ahd. und as. nur schmal belegt, aber doch lebendig: ahd. after tranche, after drankhe
post potum ahd. gloss. 1, 80
u. 81
St.-S.; auch im compositum: as. oBardrank,
mhd. übertranc,
mnd. overdrank,
mnl. overdranc
übermäsziges trinken, betrunkenheit. vom mhd. bis ins 18.
jh. nicht zu selten, wobei jedoch zu beachten ist, dasz in manchen belegen vielleicht nur der satzzusammenhang den anschein verbaler handlung weckt: swer in (
Christus als amethyst) genzelichen treit an sin herzen gedanke, den durstet nich noch (
nach) tranke des bires, wines oder metes, in durstet wachens und gebetes, vastens und venie H. v. Hesler
apokal. 22104
Helm; das dich der mann nicht sech, untz das er volend das essen und den tranck (
non te videat homo, donec esum potumque finierit)
erste dtsche bibel 4, 432
Kurr.; man git zuo erste den besten win, so di lute dann drunken sin, so ist in zuo dem dranke gach (14.
jh.) Mone
schausp. d. mittelalt. 1, 74; man findet auch deren, die durch das tranck der eselsmilch vom podagra ... erlediget worden Herold-Forer
Geszners thierbuch 43; zum tranck ein quell ist offen, ein recht rosinenfluth, nach unserm wunsch und hoffen: Christi, des lämbleins, blut (17.
jh.)
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 14; II@22)
vereinzelt eingeengt als '
schluck, zug': daz tuo zwir oder trî stunt, sô wirt er wol gesunt umbe die brust, als er driu guotiu tranch habe genommen
arzneibuch d. 13.
jh. in Wiener sitz.-ber. 42, 157; wer das geschirr in einem trunck austrincket, ist ein säuffer; in zweien träncken ist der wohlstand, in dreyen träncken ist hoffarth Zedler
univ.-lex. 45, 802;
lexikalisch: haustus drangh, drunke (1417) Diefenbach
n. gl. 201
a; einen trank, trunk von etwas thun
potionem alicuius rei bibere Georges
deutsch-lat. wb. 72, 1311;
hierher das sprichwort: grosze tränk und grosze güss bringen oft den tod gewisz Binder 196. II@33)
als '
geselliges trinken',
auch '
gelage': untar trancum, untar tranchum
inter pocula ahd. gloss. 1, 182
u. 183
St.-S.; dâvon ouch darnâ geschah, daz Scomant einis solde varn zu einem tranke, dâ ouch wârn gesamnit in den zîtin dî bestin Sudouwîtin Nic. v. Jeroschin 17447;
häufiger im 18.
und 19.
jh.: öfters wird in einem trank ein erobert reich verschwendet, und das auge durch die pracht eines Römermahls verblendet v. Schönaich
Hermann 15; so ging der zug (
von matrosen) durch die vornehmsten straszen ... nach einer taverne, wo sie trank und gesang fortsetzten Archenholtz
England und Italien 1, 2, 573; ich bin sonst auch ein frischer jüngling und gerne froh
[] an trank und lustiger gesellschaft Fouqué
zauberring (1812) 1, 64; er weisz fröhlich bescheid zu geben bei trank und rede Freytag 8, 65;
s. auch das compositum kauftrank
th. 5, 347. II@44) trank
als '
trinklaster', '
unmäsziges trinken': gnuc sich pinent ober macht, lan roub, hort, tranc, vraz, manslaht, vasten, horen gotes dienist H. v. Hesler
apokalypse 6516
Helm; Sachs, Bayer, Schwab und Franck, die lieben alle den tranck Petri
d. Teutschen weish. 2, R r 5
b;
im heutigen nd.: hê is an de drank
dem trunk ergeben Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 327.
s. nl. drank
trunksucht. II@55)
selten als '
betrunkenheit': darum disir herre groz der senftigkeit also genoz, daz si im wurdin dankin nuchtirn und in trankin pfarrer zum Hechte
in zs. f. d. alterth. 17, 182;
sprichwörtlich: wenn der trank kommt, ist die rede aus Wander 4, 1283,
vgl. das mnl. sprichwort: als die dranc comt, so is die reden uut Hoffmann v. Fallersleben
horae belg. 9, 3. II@66)
gelegentlich ist trank
vom causativum tränken
in seiner bedeutung beeinfluszt: es sey auch ... denen deliquenten stinckend wasser oder eszig in den mund oder nasen gegossen worden, welcher tortur gleich ist der schwedische tranck (1706)
in Alemannia 10, 8.
diese form statt des häufigeren schwedischen trunks
oder schwedentrunks
ist selten, z. b.: ich bin der meynung, die schwedischen träncke haben die Schwedischen nicht erdacht ..., sondern die papisten Ortelius
blut-, angst-, thränengeld (1639) 7.
anders, mit beziehung zu tränken 3 a;
ironisch: zu Wesen an der brücke harrt ihrer (
der flüchtigen) schon ein tranck. die brücke brach in stücke und mancher herr versank Rochholtz
eidgenöss. liederchron. 53;
vgl. afries. wapuldrnk
eintauchen in den sumpf; im modernen nordfries. tâ dranks gonge
ersaufen, z. b. ein boot Jensen 78.