streiten,
vb. , '
sich auseinandersetzen; kämpfen'.
zur herkunft s. streit.
das verbum begegnet in allen germanischen sprachzweigen mit ausnahme des gotischen. ahd. strîtan,
mhd. strîten
sowie mnl. strîden,
nnl. strijden
konjugieren stark, während as. strîdian (
nur Heliand 4976,
s. u.A 3 b
γ)
und afrs. strîda
zur schwachen flexion übergetreten sind; mnd. strîden
schwankt zwischen starker und schwacher beugung. aisl. stríða,
swv., '
jmd. leid zufügen'
auch '
kämpfen' (
zu stríð,
n., '
kummer, bedrängnis', '
kampf'),
norw. strida,
schwed. strida
st. u. sw. v., dän. stride
st. v. (
zu ags. strīdan '
varicare'
u. '
ein pferd besteigen',
engl. to stride 'schreiten'
vgl. mnd. nnd. strîden '
grätschen, weit ausschreiten').
die dialektwbb. verzeichnen streiten
für das nieder- und oberdt. und für den gröszten teil des mitteldt. (
buchungen aus dem hessischen und thüringischen gebiet fehlen),
vgl. u. a.: striden, strîden Doornkaat Koolman
ostfries. spr. 3, 336
b; strīen Woeste-
N. westfäl. 258; striden, strien
brem.-nds. wb. 4 (1770) 1063; strieden Mensing
schlesw.-holst. wb. 4, 888; strî(d)'n Danneil
altmärk.-plattdt. 214
b; striden Mi
mecklenb. 88
a; Dähnert
plattdt. wb. 468
a; streiten Betcke
Königsb. 60; Weinhold
schles. wb. 95; Knothe
Nordböhmen 520; Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 575; šdrīrən Hofmann
niederhess. wb. 233
a; schdrīr
e Heinzerling-Reuter
Siegerl. wb. 248
b; strigge Hönig
Köln 177
a; štreiden
luxemb. ma. 430
a; štreidn,
moselfr. streidən Kisch
vgl. wb. 218
a; striden Follmann
Lothr. 506
b; strite
n Martin-Lienhart
elsäss. 2, 636
b; strîte
n, strite
n Staub-Tobler
schweiz. id. 11, 2399; šdrittə Jutz
alem. maa. 164
u. 188; streite
n Fischer
schwäb. 5, 1855; streiten Schmeller-Fr. 2, 820; Jakob
Wien 185; Schöpf
Tirol 719; štraitn Bacher
Lusern 396.
sporadisch treten formen mit altem kurzvokal auf, die, wenigstens im obd., wohl als denominativbildungen zu stritt (
s. d.)
aufzufassen sind: stritten Schmeller-Fr.
a. a. o.; strîtn Lexer
Kärnten 244; streen Mensing
schlesw.-holst. a. a. o.; stridden
brem.-ndsächs. wb. (1770) 4, 1064. —
auffällig ist die gerundete form streutend (
partiz.)
bei Lessing 6, 67
L.-M. äuszerst selten begegnet im nhd. schwache flexion: es streitete diese gewonheit wider gottes gesetz, welches befahl, die öffentlichen vbelthäter zu straffen Endter
s bibel (1662)
zu Matth. 27, 15.
bedeutung und gebrauch. die bedeutungsentwicklung des verbums verläuft der des substantivums streit
völlig parallel. alle bedeutungsgruppen sind bereits im althochdeutschen bezeugt, lediglich bed. E '
wetteifern'
ist durch eine glosse zu certare
unzureichend gesichert. in den glossen und bei Notker
begegnet strîtan
häufig, sonst nur sporadisch. die hauptmasse der belege entfällt auf den abschnitt A '
sich im meinungsstreit, besonders im wortwechsel, auseinandersetzen'.
für die bedeutung D '
bewaffnet kämpfen' (certare, dimicare)
treten in den literarischen denkmälern fehtan (Otfrid, Notker)
und winnan (
Tatian, Heliand, Otfrid)
ein. nur das Muspilli bietet strîtan
im sinne des gerichtlichen zweikampfes (
s.D 3 a). '
hadern, zanken' (C)
wird häufiger durch bâgan, bâgên,
als durch strîtan
wiedergegeben. in den ahd. glossen übersetzt strîtan
je dreimal altercari
und disceptare,
je zweimal certare, confligere, disputare, militare
und je einmal agonizari, compugnare contendere, dimicare, litigare, (contra) niti, obtinere, tendere
und tumultuari.
davon liegen tendere
und obniti
am rande; letzteres wird gewöhnlich durch giwinnan
wiedergegeben. sonst aber ist strîtan
für den durch diese wörter repräsentierten bedeutungsbereich ein gebräuchlicher ausdruck: in den ahd. bibelglossen (1, 299—802
St.-S.)
ist es zwölfmal bezeugt, während in fünf fällen eines der angeführten [] lateinischen wörter (tendere
und obniti
ausgenommen)
durch andere ahd. bezeichnungen interpretiert wird (
agonizare zi ellinonne 584, 17; flizzan 586, 22;
non alterceris ni uuehseloes 561, 12;
disputabat chosota 747, 48;
disputans redinonte 797, 15.
dazu kommt contendimus kistritames 766, 38).
das in der vulgata nicht seltene proeliari
ist in dem genannten abschnitt nicht, das sehr häufige pugnare
einmal, aber nicht durch strîtan
glossiert (
pugnabant [
venti] zisamanestiezun 662, 57;
vgl. jedoch ahd. gl. 1, 277, 35
unter D 1).
vom mittelhochdeutschen an überwiegt bei weitem der gebrauch im sinne bewaffneten kämpfens. daneben tritt die —
ahd. nicht belegte —
bedeutung '
streben, trachten' (G 2)
hervor, während strîten
in den übrigen anwendungen (
besonders A '
einen wort- oder meinungsstreit austragen', B '
sich über einen streitgegenstand auseinandersetzen', C '
hadern, zanken')
durch das aufkommende kriegen
fast verdrängt wird (
vgl. die parallelstellen der ersten deutschen bibel unter A 1 a
zu ahd. gl. 1, 506, 9; 745, 30
St.-S. und zu Tatian 82, 11;
unter A 1 a
β zu ahd. gl. 1, 584, 38
St.-S.; unter A 1 b
zu ahd. gl. 1, 743, 57
St.-S.; unter C 1
zu Tatian 69, 9).
im neuhochdeutschen wird kriegen
in diesem bereich zunächst durch zanken, hadern ( Luther)
ersetzt. schon seit dem 16.
jh. nimmt aber auch der gebrauch von streiten
in den bedeutungen A—C
ständig zu und wird im 19.
jh. herrschend, während für die bedeutung '
körperlich (
bewaffnet)
kämpfen',
die in den frühnhd. wbb. und bei Luther
durchaus überwiegt und bis zum ausgang des 18.
jhs. gebräuchlich bleibt, seit dem 19.
jh. das wort kämpfen
bevorzugt wird. das moment der emotionalen entzweiung (C)
scheint sich von den spezielleren bedeutungen A, B
und D
aus, denen es sich oft als begleitvorstellung zugesellt, verselbständigt zu haben; häufig verbindet sich damit der seit dem 18.
jh. belegte reflexive gebrauch sich (mit jmd.) streiten. AA.
sich im meinungsstreit auseinandersetzen. A@11)
in der wechselrede. A@1@aa)
verschiedene meinungen oder absichten im wortwechsel gegeneinander durchzusetzen suchen: stritent (
audivi prudentiam vestram, donec)
disceptaremini (
sermonibus, Job 32, 11)
ahd. gl. 1, 506, 9
St.-S. (10.
u. 11.
jh.);
dafür: vntz das ir krieget mit den worten
erste dt. bibel; bis jr treffet die rechte rede Luther. stritun (
cum autem ascendisset Petrus Jerosolyman)
disceptabant (
adversus illum, qui erant ex circumcisione, acta 11, 2)
ahd. gl. 1, 745, 30 (10.—12.
jh.);
dafür: die kriegten wider in
erste dt. bibel; zanckten mit jm Luther. stritun tho thie Judei untar zuisgen quedante: vvuo mag dese uns sin fleisc geban zi ezzanne (
litigabant, Joh. 6, 53)
Tatian 82, 11;
dafür: kriegten
erste dt. bibel; zancketen Luther. uuaz ube mit ratione strîten beginnent tie nideren zuêne sinna? ... chedendo daz taz uniuersale nîeht nesî, daz sî sih uuânet uuizen (
si sensus et imaginatio refragentur ratiotinationi) Notker 1, 344, 6
Piper; wart alszo hin und wider gestritten (
wer von den gesandten beim kirchgang den vorantritt haben sollte) an grosse nottorft und die mesz vorzogen bis nach eilfen auf den mittag (1522) Planitz
berichte 121
Wülcker; bisz hieher hatt ich mich, du hochgelehrtes haupt, mit meiner poesie gezancket und gestritten, und endlich da sie mir noch einen wunsch erlaubt, so möcht ich sie auch noch um einen einfall bitten Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 73; aber bey einrichtung eines staates kann nicht alles so auf der goldwage gewogen werden. man untersucht, man berathschlagt sich, man streitet, die leidenschaft mischt sich ins spiel Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 16; und ihnen verbarg ich es, weil ich nicht lüstern war, mit eurer majestät um diese freyheit vor meinem hofgesinde mich zu streiten Schiller 5, 2, 349
G.; [] wir stritten uns eine weile: denn ich verlangte sie erst in sicherheit zu bringen; sie verlangte zuerst nachricht von ihrem manne Göthe I 24, 28
W.; oft fuhr er (
der bruder) mir unbarmherzig mit dem bleistift in meinen schön gezeichneten plan hinein; wir stritten hin und her, bis endlich sogar die beiden frauen zur entscheidung aufgerufen wurden Storm
s. w. (1899) 1, 276; sie begannen zu streiten. Friedrich aber war nicht bei der sache; er liesz so manche von Ludwigs verwegensten behauptungen unangefochten
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 31. —
ähnlich von verhandlungen: Franz stritt über einige hauptpunkte mit dem nuncius, und drohte ihm, wenn der papst nicht nachgäbe, mit dem protestantismus H. Laube
ges. schr. (1875) 4, 61. A@1@a@aα)
im gespräch über einen gegenstand verschiedene meinungen geltend machen und erörtern; diskutieren: es wurde heftig über diese materie gestritten. die meisten aus der gesellschaft behaupteten dreist weg, dasz alle diese geheimen künste auf eine taschenspielerei hinausliefen Schiller 4, 208
G.; einen abend stritt die gesellschaft, ob der roman oder das drama den vorzug verdiene Göthe I 22, 177
W.; wir hatten ... mit heitrem feuer uns über manches gestritten Hölderlin
ges. dicht. 2, 88
Litzm.; wir stritten uns unterwegs darüber, ob dieser geschmack überhaupt zulässig sey Solger
nachgel. schr. (1826) 1, 30; lange sitzungen, bei denen man zecht und zotet, über rangliste und beförderung, urlaub und geldbezüge militärisch streitet, auf denen auch strategie und taktik gedroschen wird A. Zweig
eins. e. königs (1950) 283. —
partizipial: denn der verfasser der briefe hat weder das muntre des styls, das überraschende eines streitenden gesprächs, in seiner gewalt; noch ist die genauigkeit der begriffe sein theil Herder 4, 282
S. A@1@a@bβ)
im scherz oder in harmloser meinung eine auseinandersetzung führen; vgl. die (
wohl nicht sinngemäszen)
glossierungen ni strites
non alterceris (
cum illa [
aliena muliere]
in vino, ne forte declinet cor tuum in illam, eccli. 9, 13)
ahd. gl. 1, 584, 38
St.-S. (
Rb.);
dazu: strites (10.
bis 12.
jh.)
ebda 1, 568, 36; stritest (14./15.
jh.) 4, 278, 9: 'dû bist kurzer, ich bin langer', alsô strîtents ûf dem anger, bluomen unde klê Walther v.
d. Vogelweide 51, 35; es stritten ihrer zwey, ob schön, ob Glauca heszlich? gemahlet ist sie schön; natürlich ist sie greszlich Logau
s. sinnged. 485
lit. ver.; wir stritten uns oft, ob fallende früchte am besten schmeckten, oder gepflückte Hebbel
s. w. 8, 296
Werner; da sprachen sie (
die kinder) von dem fremden mädchen und stritten, wer es lieber habe Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 307; es bewegte sie die erinnerung an jene zeit, da sie sich zu dreien ... herumgeneckt und gestritten hatten Feuchtwanger
d. falsche Nero (1947) 254. —
mundartlich '
sprechen, sich unterhalten' Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 575.
vom streit um den vorrang (
vgl.B 3): der ohse mit dem esele streit umb vuoge und umbe hövescheit: swer dem andern dâ vertruoc, der was doch ungevüege genuoc Freidank
bescheidenheit 139, 23; fraw Liseta bey einer irer gefatterin ware; die beyd mit einander ir grossen schöne halben striten Montanus
schwankb. 69
lit. ver.; das 'buchsbaumlied', darin der immergrüne buchsbaum und der felbinger (weidenbaum) um den vorrang in versen streiten Böhme
gesch. d. tanzes (1886) 234. A@1@bb)
über einen gegenstand ein streitgespräch führen, förmlich disputieren: stritit
disputat (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 99, 33; 2, 315, 25
St.-S.; stritenta (
quidam de synagoga ...)
disputantes (
cum Stephano, acta 6, 9)
ebda 1, 743, 57; 804, 37 (10.—12.
jh.);
dafür: die kriegten mit Stephan
erste dt. bibel; vnd befragten sich mit Stephano Luther.
[] stritan (
iussus est ... papa Symmachus ante patrimonii ... receptionem, cum impugnatoribus suis in disceptatione)
confligere (
Symm., synod. Rom.)
ahd. gl. 2, 136, 16 (10.
bis 11.
jh.). —
besonders bei Notker
als rhetorisch-rechtssprachlicher terminus: tô in Grecia zuêne die gelêrtôsten des listes (
der rhetorik) ... gesprâchen einen dag tinglicho ze strîtenne 1, 65, 25
Piper; die andere strîtent, dîe in demo dinge sizzent, ube man imo sule ignoscere, alde nesule
ebda 1, 70, 7.
so auch 1, 66, 5
ff. und 71, 16;
ähnlich: an demo conditionali (
syllogismo) sehent tie namen dero partium zûo demo einen dero strîtenton, in demo predicatiuo sehent siu mêr zûo demo anderen 1, 607, 1. —
im nhd. meist weniger spezifisch: einst stritten Cybele und Zevs sich in die wette: wer an des menschen glück mehr antheil hätte, die gattin, oder mutter? Blumauer
ged. (1782) 162; wir stritten über diesen ... punkt geheim und öffentlich. ich schlug ihn mit meiner beredsamkeit überall nieder Klinger
w. (1809) 3, 121; als er ging zur doctor-ehre ..., war die zücht'ge ihm begegnet, ... 'schöne jungfrau! ihr begegnet mir an sehr gefährl' chem orte, jetzo ich zu streiten gehe de bonorum possessione' Brentano
ges. schr. (1852) 3, 198; zuweilen näherten sich die streitenden (
Luther und Eck) einander so weit, dasz ein jeder sich rühmte, den andern auf seine seite gebracht zu haben Ranke
s. w. (1867) 1, 281; wo über die philosophie der alten von zwei rednern gestritten wird, die im Aristoteles 'geblättert' haben Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 14. A@22)
überhaupt '
sich im meinungsstreit befinden', '
widerstreitende meinungen verfechten',
ohne beziehung auf eine unmittelbare verbale auseinandersetzung: diu ('
affekte') sint ... inuuertig tîen (
dingen), umbe dîu man strîtet alde zuîuelôt Notker 1, 219, 27
Piper; uuande ... man baz kelouben sol, dâr man fone iro drîo (
ratio, sensus, imaginatio) bechennedo strîtet, tero guisserûn ... erteilungo (
credendum uero potius esse de cognitione rerum firmiori et perfectiori iudicio)
ebda 1, 345, 8; sus streit ich mit den alten: die hânt den strît behalten nû lenger denne ein jâr Walther v.
d. Vogelweide 122, 1; es streitte wer da will, ich bleibe doch darbey, dasz der poeten printz Homerus blindt gewesen Opitz
teutsche poemata 61
ndr.; mit worten läszt sich trefflich streiten, mit worten ein system bereiten Göthe I 14, 93
W.; nun streitet sich das publicum seit zwanzig jahren, wer gröszer sei: Schiller oder ich, und sie sollten sich freuen, dasz überall ein paar kerle da sind, worüber sie streiten können
ders., gespr. 5, 204
Biederm.; wenn man sich um nichts mehr auf der welt streiten kann, streitet man um den herrgott O.
M. Graf
unruhe (1948) 239.
redensartlich: über geschmack und gefühl läszt sich nicht streiten Herder 15, 384
S.; dies ist das gebiet auf welchem sich, dem sprichwort nach, nicht streiten läszt O. Jahn
Mozart (1856) 2, 487; dasz über den geschmack nicht zu streiten sei Justi
Winckelmann (1866) 1, 231. — ob es (
der dichter der Ilias) Homer, oder ein andrer gewesen ist, daran ist denen wenig gelegen, die nicht über worte streiten mögen Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 130; ich aber trete auf, nicht um vernünfteleien zu schwatzen, oder um über worte zu streiten Fr. Schlegel
s. w. (1846) 4, 163. A@2@aa)
im sinne einer gelehrten kontroverse: stritit (
totus ... orbis hac inter se trifaria varietate)
compugnat (1.
paral. praef.)
ahd. gl. 1, 461, 14
St.-S. (10.—12.
jh.); es ist von alten zyten har gestritten worden, was und welches die kilch sye Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 197; da nun die meisten verfechter der menschlichen sprachwerdung aus
[] einem so unsichern ort stritten, den andre ... mit so vielem grunde bekämpften: so hat die akademie diese frage ... einmal auszer streit wollen gesetzt sehen Herder 5, 21
S.; ich habe die gewechselten briefe ... gelesen, wenn aber sie und Hermann streiten, was macht unser einer als zuschauer für eine figur (1817) Göthe IV 28, 267
W.; humoristische laune war in der musik noch nicht anerkannt, man stritt, ob und wie weit dieselbe berechtigt sei O. Jahn
Mozart (1856) 3, 310; über all dieses werden dereinst die geschichtsschreiber anlasz haben sich zu streiten
jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 1, 31.
partizipial: wo fände man jetzt nur die geringste aufmerksamkeit für eine literarische täuschung ... welche unter leuten wie Varnhagen, Gans, ja selbst Humboldt eine streitende erörterung hervorrufen konnte H. Laube
ges. schr. (1875) 1, 336.
so auch einseitig (
vgl. 3) '
oppositionelle ansichten verfechten', '
polemik treiben': hie undernem sich keiner zuo stryten mit sophistery oder menschentand, sunder kumme an die gschrift, die für ein richter ze haben Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 157; hernach streitet er (
Campanus) von ettlichen auslegungen, die er dem Luther vnd andern vorkert, vnd ist zum offtern mal nur wortgezenck
bei Luther
tischr. 3, 524; sehet, da ist ein mann, der streitet über gott, ohne kenntniss und weisung eines offenbarten buchs Klinger
w. (1809) 6, 302; diese kleine geistreiche schrift gibt gelegenheit über manches zu sprechen und zu streiten, und man hofft, durch diese art des vortrags, verschiedene wichtige fragepuncte manchem leser näher zu bringen Göthe I 47, 44
W.; meine bemerkungen und modificirenden, vielleicht hie und da streitenden urtheile würden den reinen eindruck nur getrübt ... haben Solger
vorl. über ästhetik (1829) xiii. A@2@bb)
in wendungen wie es kann darüber gestritten werden ('
man kann verschiedener ansicht sein')
zielt streiten
auf den bloszen gegensatz der meinungen ab: umbe dîe ungeuuissôten mag man strîten, tiu nîeht ureichis nesint quantitatis. tiu echert quantitatis sint, tiu nemag nîoman gezîhen dero uuideruuartîgi Notker 1, 392, 13
Piper; so kann z. b. über die grenzen der ehescheidungen und der väterlichen gewalt viel hin und her gestritten werden Thibaut
bürgerl. recht (1814) 454; welche stämme hüben und drüben (
d. Oder), darüber mag gestritten werden; ich betone nur das germanische überhaupt Fontane
ges. romane u. nov. (1890) 7, 22; müszige mögen darüber streiten, ob es nur ein modell zur Lotte Werthers oder mehrere gibt Th. Mann
Lotte in Weimar (1946) 138.
im gleichen sinne: Êrec den prîs gewan des âbendes ze beiden sîten: des jâhen si âne strîten Hartmann v. Aue
Erec 2475
Leitzm.; ganz recht! die zahl ist ausser streiten Lessing 1, 95
L.-M. A@33)
in anwendungen auf einzelne, einen streitpartner oder eine partei. A@3@aa)
das stellungnehmen des einzelnen in einer bestimmten hinsicht bezeichnend. A@3@a@aα) gegen etwas oder jemanden streiten '
sich dagegen aussprechen, widersprechen, sich widersetzen': darauuidre stritenten (
iurat illis)
contra nitentibus (
quod non novisset hominem, Beda super Matth. 119)
ahd. gl. 4, 314, 31
St.-S. (10.
jh.); nû enwart niht dâ wider gestriten, si (
die königin) enwære diu schœniste dâ und über die werlt ouch anderswâ Hartmann v. Aue
Erec 1763
L.; si sprach an gîsertem arm bin ich selten worden warm. dâ gein ich niht wil strîten, irn megt wol zandern zîten diens lôn an mir bejagn Wolfram v. Eschenbach
Parzival 615, 5;
[] dô streit dâ wider Pallas mit worten und mit sinne Konrad v. Würzburg
d. trojan. krieg 1548; (
wenn eine meinung geäuszert wird) so streiten andre gleich darwider, vnd legen solchen glauben nider Scheit
Grobianus 2237
ndr.; mir ist ferner nicht unbekannt, wie starck und hefftig Blondellus dargegen streite, ... dessen hauptsächlichs argument darinn, dasz kein abt kinder zeugen könne, bestehet Hahn
einl. z. staats-, reichs- u. kayserhist. (1721) 2, 252; die geschichte hat es in groszen zügen niedergeschrieben, es ist dagegen nicht zu streiten Alexis
hosen (1846) XVII. A@3@a@bβ)
seltener für (
mhd. an) etwas streiten '
dafür eintreten, sich dafür aussprechen': den Crichen was es allen leit daz Agamemnon dar ane streit daz Vlixes daz bilde hete Herbort v. Fritslar
liet v. Troye 16 697; dasz ich ... bei debatten ... für England gegen Amerika stritt Arndt
s. w. (1892) 1, 79; auch der gutsherr streitet beim trunk eifrig für Major oder Flacius und über den mord des bischofs von Würzburg G. Freytag
ges. w. 17 (1886) 5; Eckhard stritt dafür, dasz Gerbels ausgabe die grundlage der Lutherschen übersetzung gewesen sei; Boysen dagegen wollte nur Erasmus . . und Asulanus ... dafür gelten lassen
in: Luther
deutsche bibel 6, xxxix
W. —
noch in der mundart: ech wel net schdrīren derfer '
ich will mich nicht für die wahrheit dessen, was ich gehört oder vermutet habe, verbürgen' Hofmann
niederhess. 233
a. A@3@bb)
prägnant etwas verfechten oder bestreiten, meist mit objektsatz oder akkusativobjekt, sonst absolut gebraucht. A@3@b@aα)
eine behauptung verfechten. —
ahd. meist '
eine behauptung entgegenhalten', '
etwas einwenden': stritant (
nec ... dubitamus dominum saluatorem esse. sed)
obiicitur (
quod ... iste filius dei ... etiam angelus nominatur)
Mons. fragm. 32, 2; taz zueio elnôn lang alde breit ist ... uuaz mag temo uuidere sîn? ... eteuuer nestrîte, manigiu den unmanigên, micheliu den luzzelên uuideruuallô
n. taz sî souuîo iz sî. tero guissotôn neist îo nehein andermo uuideruuartîg (
nisi quis forte multa paucis dicat esse contraria, uel magnum paruo) Notker 1, 392, 8
Piper; uuile ouh îoman strîtin, taz tisiu adiectiua nesîn relatiua, noh tanne nehabit îo quantitas neheinin uuideruuarten (
si non relatiuorum hc quilibet dicat)
ebda 1, 416, 10;
ähnlich 1, 574, 17. —
so auch mhd.: ez (
das spanbette) was rîche an allen sîten: niemen darf des strîten daz er bezzerz ie gesæhe Wolfram v. Eschenbach
Parzival 790, 26.
sonst völlig im sinne des positiven behauptens: ube der, demo diu ougen genomen sint, ergâze, daz er siu iu habeta, unde er sih strite uuesen in alla uuîs kanzen (
nihilque sibi ad humanam perfectionem deesse arbitraretur) Notker 1, 263, 14
Piper; übel müeze mir geschehen, kunde ich ie mîn herze bringen dar daz im wol gevallen wolde fremeder site. nû waz hulfe mich, ob ich unrehte strite? tiuschiu zuht gât vor in allen Walther v.
d. Vogelweide 56, 36.
hierher auch: hêr künec, nu habt ir missetân, sol mîn ritter sîn ein koufman, des mich mîn swester vil an streit, daz ir im gâbet sicherheit Wolfram v. Eschenbach
Parzival 396, 7.
häufiger im frühnhd.: da ... stryt jeder streng, sin meinung sye gerecht Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 74; so ich doch bis her fast gestritten habe, die messe sey kein opffer Luther 30, 2, 610
W.; denn ein theil hat gestritten, dasz die gerechtigkeit des glaubens ... sei die wesentliche
[] gerechtigkeit gottes, welche Christus ... selbst sei; ... dargegen haben etliche gehalten und gelehret, dasz Christus unser gerechtigkeit sei allein nach seiner menschlichen natur (1580)
d. symb. bücher d. evang.-luth. kirche (1890) 610
J. T. Müller; dasz es nicht nötig sey, dasz man alle und jede sünde dem beichtvater erzehle und endekke, wie die pappisten streiten und lehren
Reinicke Fuchs (1650) 125; die welt irrt nicht; es irrt, der dasz sie irret, streitet; sie trifft den weg genaw, der zu der hölle leitet Logau
sinngedichte (1654) 3, 249. A@3@b@bβ)
frühnhd. auch '
etwas (
schriftlich fixiertes)
dem inhalte nach verfechten': inn der lahr laut der confessio khan vnd soll man nicht weichen, ... denn die stuk, die wir streiten, betreffen das haubtstuk christlicher lahr (1531) Luther
br. 6, 110
W.; derhalben ist mein rat, dasz man diesen anhang nicht also streite, dasz dadurch der ganz handel vom frieden umbgestoszen werde (1532)
ebda 6, 308; die fürnemesten stück christlicher lehr stehen auff diesem artickel den wir hie streiten
corp. doctr. christ. (1560) 49. —
dagegen singulär mit innerem (
effiziertem)
objekt: die einzige streitlose auskunft ist, zur quelle zu kehren ... das ist, streitet nicht symbolisches und antisymbolisches gewäsche ... sondern erkläret, erhellet, erläutert die bibel Herder 7, 281
S. A@3@b@gγ)
im ahd. als rhetorisch-rechtssprachlicher terminus '
eine sache verfahrensgemäsz verfechten'
und in diesem sinne '
argumentieren': also der streit, ter den exulem filta, daz er daz fone diu uuola tûon mûosî, uuanda romana lex chît, exulem intra fines deprehensum licet occidere Notker 1, 67, 27
Piper; also choufliute strîtent, taz ter chouf sule uuesen stâte, der ze iârmercate getân uuirdet, er sî reht alde unreht, uuanda iz iro geuuoneheite ist
ebda 1, 69, 6;
so auch 1, 68, 16
f. vgl. im nhd.: streiten mit gutem rechtsgrund, mit den beweisztumbern erstreiten
sillogizzare, argomentare Güntzel
haubtschlüssel d. t. u. it. spr. (1648) 739
b.
dagegen '
etwas abstreitend sich verteidigen, widerstreiten, leugnen' (
vgl. c): he ni uuelda thes thô gehan eouuiht, ac stôd thô endi strîddaendi starkan êd suîdlîco gesuôr,that he thes gesîdes ni uuâri
Heliand 4976; deprecatio ist, taz ter sculdigo chît peccavi, ignosce, unde er nîeht nestrîtet Notker 1, 70, 7
Piper. A@3@b@dδ)
seit dem ende des 17.
jhs. '
etwas bestreiten, leugnen': sonst aber streite ich nicht, dasz manche sturm-winde vom satan werden erweckt Francisci
lufftkreis (1680) 1111; doch ... will ich das alterthum der schwedischen poesie nicht streiten Morhof
unterr. v. d. dt. spr. (1682) 296; wer kan mir disen satz streiten (1776)
bei: Meinecke
Boyen (1896) 1, 9; ich habe dem Römer die todeswunde geworfen und dieser Cheruskerjüngling hier streitet mirs, dasz uns Marsen der adler zugehöre Klopstock
s. w. (1823) 8, 229; streitet ihm eine definition, so weisz er nicht, wo er eine andere hernehmen soll Kant
w. 2, 622
Hart.; lieben freunde! es gab schön're zeiten, als die unsern — das ist nicht zu streiten Schiller 11, 363
G.; wie, sie wollen wirklich streiten, dasz sie der graf Birken ... sind? Tieck
schr. (1828) 17, 236; Alexander hat sich bei der überfracht um 5 rthlr. betrügen lassen, ein zehner statt 5 gegeben, und der kassirer streitet es jetzt (1860) Bismarck
br. an s. br. u. gattin 457
Bism. —
so auch mundartlich bei Staub-Tobler
schweiz. id. 11, 2401; Fischer
schwäb. 5, 1856; Jakob
Wien 185
b; Danneil
altmärk. 214
b; Betcke
Königsb. 60; Knothe
Nordböhmen 520;
vgl. für das schles.: streit' ich das etwan? Gerhart Hauptmann
Rose Bernd (1904) 21.
[] BB.
sich über ein streitobjekt auseinandersetzen. B@11)
in rechtssprachlichen anwendungen (
vgl.A 1 b). B@1@aa) '
einen rechtsstreit führen'
; im ahd. nur sporadisch: tô hinderstûont ih tarumbe ze strîtenne uuider demo flegare des pretorii, des ambaht iz uuas, umbe gemeine nôtturfte (
suscepi certamen adversus prefectum pretorii ratione communis utilitatis) ... temo chuninge ... uuizentemo streit ih (
rege cognoscente contendi) Notker 1, 27, 6
ff. Piper. —
allgemeiner '
rechten': strito (
propterea adhuc iudicio contendam vobiscum, et cum filiis vestris)
disceptabo (
Jer. 2, 9)
ahd. gl. 1, 626, 24
St.-S. (10.—12.
jh.);
zu derselben stelle: strit
vel ding (14.—15.
jh.)
ebda 4, 280, 11; 5, 10, 4; dorumb noch streite ich mit euch in dem vrteil
erste dt. bibel (ich mus mich jmer mit euch ... schelten Luther).
nhd. '
prozessieren',
meist mit dem nebensinn unfriedlichen verhaltens: so halte ich doch nicht davor, dasz man die gerichts-unkosten abschaffen solte ... ist doch itzund kein ende in streiten und zancken, da es geld kost: wie würden sie erst händel anfangen, wenn sie alles umsonst hätten Chr. Weise
drei klügsten leute (1675) 95; dasz weder richter noch advocaten wissen können, wer recht hat, ob sie gleich allerseits das gegentheil behaupten, und also die partheyen zum streiten veranlassen Thomasius
ernsth. ged. u. erinn. (1720) 2, 189; ja, ja processe müssen seyn! gesetzt, sie wären nicht auf erden, wie könnt alsdann das mein und dein bestimmet und entschieden werden? das streiten lehrt uns die natur; drum, bruder, recht und streite nur Gellert
s. schr. (1839) 1, 70; der bergbau ist daselbst bald von einer gesellschafft, ... bald wider von der gemeinde, und bald abgesondert getrieben, hierüber auch offt gestritten, gesprochen, und vertragen worden Lori
baier. bergrecht (1764)
einlt. 33; ich wuszte dessen (
des prozesses) verlust vorher ... nicht um recht zu haben, stritt ich (1823) Fr. Perthes
in: Görres
ges. br. (1858) 3, 85; mit streiten und prozessieren hat's noch keiner zu was gebracht O.
M. Graf
unruhe (1948) 278.
mundartlich bei Schmeller-Fr. 2, 820; Schöpf
Tirol 719;
wohl verbreiteter, vgl.: lieber klein unrecht gelitten, als vor gericht gestritten Körte
sprichw. (1837) 446.
partizipial die streitenden (parteien) '
prozeszgegner': taz status unde constitutio al ein ist, unde sie dannân genamôt sint, taz tie strîtenten sih stellent gagen ein anderên Notker 1, 70, 28
Piper; wann es (
das gut) mit der nachbarschaft irrungen hat (
ist zu bedenken), was die streitende parthey für eine beschaffenhait (
hat) Hohberg
georg. cur. (1682) 1, 9; was den eyd betrifft, den streitende partheyen einander ... referiren Herttwig
vollk. bergb. (1734) 122
b; wurden damals richter und streitende einander etwa nicht gewahr? Klopstock
gramm. gespr. (1794) 16. B@1@bb)
in abgewandelten auffassungen. —
bei Walther v.
d. Vogelweide her
oder dar strîten '
im hinblick auf etwas rechtsansprüche erheben': kristen juden und die heiden jehent daz diz ir erbe sî: got müez ez ze rehte scheiden durch die sîne namen drî. al diu welt diu strîtet her: wir sîn an der rehten ger: reht ist daz er uns gewer 16, 33; ich wil nû teilen, ê ich var, mîn varnde guot und eigens vil, daz iemen dürfe strîten dar, wan den ichz hie bescheiden wil 60, 36. gestritten werden
in contentione, in controversia positum esse Stieler
stammb. (1691) 2208: alles, was nicht allein in römischen rechten vernunftmäszig erörtert, sondern jemals sich zutragen und gestritten werden kann Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 265. '
angefochten werden':
[] wird jetzo von etlichen eingezogener verwandten vnd freunden, solch justitzwerck vnd process controuertiert, gestritten, in zweyung gezogen Nigrinus
von zäuberern (1592) 253; als ... herzog Johann Friedrich ... im zellischen fürstentum die possession ergriffen, solche aber von dem ältern herrn bruder gestritten ... worden Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 336. B@22)
sich über strittige ansprüche oder interessen auseinandersetzen, sie gegenseitig durchzusetzen suchen: sollen selbige ain ... kuchlgelt ... geben, auf das man an montag mit inen weiter nit (
über d. kosten des kirchtags) zu streiten hat (1648)
österr. weist. 5, 45, 27; diese völker ... leben ohne gesetze und ohne strafe. da sie selten mit einander zu streiten haben, da sie nichts gemeinschaftliches besitzen, so leben sie ... ungesellig und ohne regierung Haller
Usong (1771) 53; aber die brüder ... stritten wem die ehre zukomme stifter der stadt zu werden, ... darüber sollten augurien richten Niebuhr
röm. gesch. 1 (1811) 154; kaiser und stände stritten sich über den ausschusz, der niederzusetzen sei Ranke
s. w. (1867) 1, 136
anm. 2; sie (
die magna charta) ist weniger ein zu voller gültigkeit gelangter vertrag, als ein vertragsentwurf, über dessen vollziehung jahrhunderte hindurch gestritten werden sollte
ebda 14, 55; wenn ich mich das ganze jahr auf meinen gütern herumgeplagt, mit den verwaltern gezankt und mit den behörden gestritten, so schenk' ich mir hier ferien Bauernfeld
ges. schr. 3 (1871) 161; wir (
pastoren) ... streiten uns um die parochialgebühren, weil wir nur mit der kreiskasse zu thun haben möchten, wegen unseres gehaltes W. Raabe
Horacker (1876) 77. B@33) um etwas streiten
es einander streitig machen, abzugewinnen suchen: zwên hunde striten umbe ein bein. Spervogel
in: minnesangs frühling 6, 28, 6; sô muoz der lîp in dem grabe von maden und von würmen die umbe in strîtent nâch ir labe, verdulden al die wîle ir stürmen Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 2386; aber jetzt, so der adel abstirbet, so wöllen die schneyder und metzger mit einander umb den adel streyten Schumann
nachtbüchlein (1559) 30
Bolte; graf Landolo ... verliess vier söhne, welche um das vätterlich erbgut stritten (
vor 1572) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 1; und weiszt du was? sobald der väter zwey sich um dich streiten: — lasz sie beyde; nimm den dritten! nimm dann mich zu deinem vater! Lessing 3, 167
L.-M.; und hinterm friedhof liegt ein haus, ein wenig öde sieht es aus. verstorbnen wuchrers erb', um das sich sieben lumpe hitzig streiten A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. (1878) 2, 9; nun hatte sie wohl grosze lust zu heiraten ... und sie hatte die auswahl, da sich einheimische und fremde um sie stritten und einander mehr als ein mal die degen in den leib rannten, um den vorrang zu gewinnen G. Keller
ges. w. (1889) 4, 284.
oft mit bezug auf machtstellungen oder politische objekte: auff jn ist kommen Eduardus, der lang gestritten hat mit ... Henrichen umb das land S. Münster
cosmogr. (1550) 57; herzog Albrechten von Österreich (so mit Adolfen von Nassaw vmb das khaiserthumb stritte) J. A. Brandis
landeshauptleute v. Tirol (1850) 26; zwo parteyen ..., die um die oberherrschaft von Italien, und in der folge auch um das kaiserthum mit einander stritten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen (1778) 1, 479; dort stritten ... Demetrios ... und ... Antiochos Eupator um die krone Mommsen
röm. gesch. 2 (1865) 57. —
von einer ehre, dem vorrang o. ä.: sieben angesehene städte haben sich um die ehre gestritten, den Homer gebohren zu haben Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 131; man stritt sich um die gunst, die scheide seines schwertes, den saum seines kleides zu berühren Schiller
[] 8, 282
G.; es war eben eine frage, wo alte sitte und neues verhältnisz sich um den rang stritten H. Laube
ges. schr. (1875) 4, 105. —
dagegen jemandem etwas streiten '
streitig machen': ihr auge kan die krafft den diamanten streiten Hoffmannswaldau
u. a. Deutschen ged. (1697) 2, 51. CC.
sich erbost auseinandersetzen; in zwietracht oder feindschaft begriffen sein. C@11)
zanken, hadern, aneinandergeraten; meist im sinne des heftigen wortwechsels, seltener der tätlichen auseinandersetzung: ni stritit noh ni ruofit (
puer meus ... non contendet neque clamabit, Matth. 12, 19)
Tatian 69, 9 (er kriegt nit noch enrufft
erste dt. bibel; er wird nicht zancken noch schreien Luther);
dazu: ni stridit (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 712, 52
St.-S. contendit altercatur pakit stridit (
gl. K.) pagit stritit (
Pa.)
ebda 1, 112, 40; stritan
altercare (10.
jh.) 2, 759, 1; stridon
litigo (11.—12.
jh.) 4, 204, 35; ez nam ein witiwe einen man hie vor in alten zîten. dô kam vil ritter unde frowen dur ir liebe dar. als dô der briutegome kan, des wart ein michel strîten, wie si der briute bunden: des zerwurfen si sich gar Walther v.
d. Vogelweide 106, 26
Kraus; die grosse glock muosz man ir lytten vnd facht mit irem mann an strytten Murner
dt. schr. 4 (1923) 60; da es vol liegen ist, da ist ein ewigs streiten: vnd da viel streiten ist, da ist kein rhu bey leuten Moscherosch
gesichte (1650) 2, 227; man musz friedfertig seyn, wenn man gelegenheit zu streiten hat Rabener
s. schr. (1777) 1, 180; gewöhnt ... euren kindern das zanken und streiten und schlagen nach ihren geschwistern ... ab Miller
predigten f. landvolk (1776) 3, 99; man schrie, raste, tobte, drohte, und nur die mittagsglocke konnte die streitenden aus einander bringen Klinger
w. (1809) 3, 11; sollte ich auch so früh schon mit dir zu streiten anfangen? die ersten goldnen tage unsrer ehe sind ja kaum verflossen Tieck
schr. (1828) 2, 278; der prinz ... schien überhaupt blos an streiten und zanken und nörgeln sein rechtes wohlgefallen zu finden Gaudy
s. w. (1844) 2, 70; wenn sie sich stritten, so schlugen sie sich gleich mit raschen bewegungen ins gesicht, dasz es klatschte G. Keller
ges. w. (1889) 1, 129; nach jenem unglücksabend, an welchem ich hier mit ihrem manne gestritten hatte, war mir ein stachel im herzen geblieben
ebda 5, 327; in der weise eines nachsichtigen vaters, der streitende kinder zu beschwichtigen sucht
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 3, 354; sie konnte das streiten im haus nicht leiden, wollte immer ausgleichen O.
M. Graf
unruhe (1948) 36.
so auch sachbezogen um etwas streiten (
vgl.B 3): wann die gänsz mit grossem geschrey vmb jr speisz oder futer streiten ... da mag man sagen, dasz der winter nahe ist Sebiz
feldbau (1579) 44; sie überraschten ihn gerade in der küche, als er sich mit seiner ehehälfte Therese um die schlüssel zur speisekammer stritt Kerner
bilderb. (1849) 200; lauter liebe kinder, machten ihre sache sehr gut — bis ihnen kuchen gebracht wurde, und sie sich um das beste stück stritten ... und schrien und weinten H. Heine
s. w. 3, 324
Elster. C@22)
nur vereinzelt wird streiten
auf einen unfriedlichen zustand, das verhältnis der entzweiung bezogen; '
zwieträchtig sein': epicurei unde stoici unde achademici striten unde teiltôn sih in misseliche sectas Notker 1, 11, 8
Piper. öfters in wendungen wie die streitenden parteien (
vgl.B 1 a): die zween streitenden hauffen der Welfen, vnnd Gibeliner Fr. A. Brandis
ehrenkräntzel (1678) 102; dasz, wenn eine wiedervereinigung möglich sein soll, diese nur in einem dritten standpunkt über den streitenden parteien (
konfessionen) gefunden werden kann D. Fr. Strausz
ges. schr. (1876) 3, XXIX; die frau zeigt sich als friedensvermittlerin zwischen erbittert streitenden familien, wie Gudrun Scherer
litteraturgesch. 7 26.
[] DD.
körperlich kämpfen. D@11)
mit waffen kämpfen; von einzelnen oder vielen und im sinne der strategischen auseinandersetzung von heeren, völkern und heerführern. wie streit
wird auch streiten
auf den ritterlichen zweikampf, nicht aber auf das turnier angewandt (
vgl. unten Wolfram v. Eschenbach): stritan, illan (
ut postea discerent filii eorum)
certare (
cum hostibus, iudic. 3, 2)
ahd. gl. 1, 267, 10
St.-S. (
Jb. Rd.);
dazu: daz ir sün dornach lertten zestreyten
erste dt. bibel; das die geschlechte der kinder Israel wüsten vnd lerneten streiten Luther. pugnant stritant (
hostes qui)
dimicant (
adversum vos, num. 10, 9)
ahd. gl. 1, 277, 35
St.-S. (
Ib. Rd.).
hierher oder zu '
streben, trachten' (G2): ni strit (
tua est Lavinia coniunx. ulterius)
ne tende (
odiis, Verg. Aen. 12, 938)
ahd. gl. 2, 671, 58
St.-S. —
vom mhd. bis zum 18.
jh. sehr verbreitet: sân des morgenis frô dô gereite sih dar zû di menige in beiden sîten alse si wolten strîten Lamprecht v. Regensburg
Alexander 4413; von küener recken strîtenmuget ir nu wunders hœren sagen
Nibelungenlied 1, 4; heten sî dô gevohten ze rosse mitten swerten, des sî niene gerten, daz wære der armen rosse tôt: von diu was in beiden nôt daz sî dörperheit vermiten und daz sî ze vuoze striten Hartmann v. Aue
Iwein 7122; diz ergienc dâ turnieren was, die wîle ich nâch dem grâle reit. solt ich gar nennen dâ ich streit, daz wæren unkundiu zil: durch nôt ichs muoz verswîgen vil Wolfram v. Eschenbach
Parzival 772, 26; da der künc Befamereit mit den cristen vaste streit und vil der Sarrazine Ulrich v. Türheim
Rennewart 31 300
Hübner; de koning Dagebrecht stret in den tiden mit den Sassen unde sloch alle dot de langer dan ere swert waren
sächs. weltchron. 143, 26; dâ sach man lutzel gâhen vil manchen, der zû Rîge streit. der meister zû den besten reit, er sprach: nû strîten, des ist zît! al unser êre dar an lît
livländ. reimchron. 1913
M.; ich ... sach mit meinen augen zwo vngeheure schar volkes ... mit einander streiten auf einer grunen heide
ackermann a. Böhmen 17, 25
B.; er (
Thasilo) was gar fraissam in urleugen; er strait zwaymal mit den Gotten Füetrer
bayer. chron. 25, 15
Sp.; schreiben doch die Römer selbs von der Deudschen weiber, das sie vorzeiten eben so wohl als die menner zu felde gezogen und gestritten haben Luther 30, 2, 184
W.; so nun der feind begert ein sturm anzulauffen, ... sol man sich vor den hohen wehren mit schiessen oder streiten nicht saumen Fronsperger
kriegsb. 1 (1578) 132
b; wie Chauz' und Catte streitt, Cherusk' und Frise fucht, wie Quad und Hermundur verachten tod und wunden Lohenstein
Arminius (1689) 1, e 2
a; Posthumius Tiburtus und Manlius Torquatus haben ihre söhne ... um das leben bringen lassen, weil sie ohne ordre des feldherrn gestritten Fleming
vollk. soldat (1726) 186; tödlich rauschte die luft von wolken geflügelter pfeile und das eiserne feld bebt' unter der streitenden arbeit Wieland
ges. schr. (1909) I 1, 212.
seit dem 19.
jh. selten: jetzt stritt er allein wie Achilles oder Ajax vor der brücke gegen das ganze heer Niebuhr
röm. gesch. 1 (1811) 349; namentlich soll er späterhin in den mörderischen niederländischen schlachten wie ein löwe gestritten haben Immermann
w. 1, 203
Hempel; [] hinein in die schlacht! hilf uns, herr Christe, streiten, dieweil wir müssen reiten Sperl
söhne d. herrn Budiwoj (1927) 179. D@22)
im bedeutungsbereich des physischen kämpfens —
zum teil in bildliche und übertragene bedeutungen übergehend —
sind mehrere wortverbindungen und syntaktische besonderheiten hervorzuheben. D@2@aa) für (um) etwas
oder jmd. streiten '
sich kämpfend dafür einsetzen' (
vgl. 3 b
und F 1 a): nâch prîs die vil gevarnen mit strîte muosen arnen, einer streit für friundes nôt, dem andern minne daz gebôt daz er was minne undertân Wolfram v. Eschenbach
Parzival 706, 23; ob er (
Jesus) offenlich wære genomen: das hetti nüt das volk erlitten, sü hettint für in do gestritten Wernher
Marienleben 8590
P.-H.; streittet fur ewrs herrn haus
2. kön. 10, 3; (
dasz die bienen) wann ... feinde jre könig angreiffen wöllen, ritterlich für sie kämpffen vnd streiten Sebiz
feldbau (1579) 302; welche für das Mahomets lehr streiten, ihr leben wagen vnd den feinden ... schaden zufügen Schweigger
reyszbeschr. (1619) 183; weil er (
Brutus) ... sich ... zu dem für die freyheit streitenden Pompejus geschlagen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 21
a; dein vater hat den schutt beschritten, worauf so mancher fechtend starb, der für das heil des staats gestritten
anmuth. gelehrsamk. (1751) 3, 106
Gottsched; glück genug für die fürsten, dasz der unterthan für seine eigene sache stritt, indem er für die ihrige kämpfte Schiller 8, 6
G.; dasz ... Augsburg ... für ... die deutsche freiheit bis zuletzt muthig gestritten Ranke
s. w. (1867) 4, 339; Floris und die andern jungen patrizier ... trugen jetzt helm und harnisch ... mutig stritten sie für ihre stadt W. Raabe
s. w. I 6, 190. D@2@bb)
mhd. nâch prîse (lobe, êre) strîten,
wobei einerseits strîten nâch
die (
neben)
bedeutung des strebens (
vgl.G 2)
gewinnen, andererseits aber nâch prîse
zum preisenden adverbiale zusammentreten kann: swaz die recken allein strîte hânt getân, Dancwart und Hageneund ander's küneges man, swaz si striten nâch êren,daz ist gar ein wint unz eine an Sîvrîden,des künec Sigemundes kint
Nibelungenlied 228, 3; künec Artûs der guote, der mit rîters muote nâch lobe kunde strîten Hartmann v. Aue
Iwein 7; die künge ich lâze rîten, al ein nâch prîse strîten Wolfram v. Eschenbach
Parzival 737, 12; der cristen er vil zerfuorte da sie nach prise harte striten Ulrich v. Türheim
Rennewart 31 277
H.; wa man solde nach prise striten vnde hoveslichen riten
Ludwigs kreuzfahrt 934.
auch sonst strîten nâch '
etwas kämpfend zu erringen suchen': wer dâ nâch prîse wol rite und nâch der wîbe lône strite? ine möht ir niht erkennen Wolfram v. Eschenbach
Parzival 388, 2; dô er begunde strîtennâch sînes herzen trûte, von den starken wâpenhôrte man die helme erdiezen lûte
Kudrun 1401, 3. D@2@cc)
neben den verbindungen mit gegen, wider, mit
begegnet sporadisch auf jmd. streiten '
gegen ihn kämpfen' (
s. auch Hartmann v. Aue
Gregorius 328
unter G 3): de keiser ... quam to Brisach, dar striden up ene de burgere van der stat unde slogen unde viengen sine lude, unde de keiser quam kume dan
sächs. weltchron. 239, 13;
[] so genendenclîch her ûf en streit, dâr intwîchen sunder danc môse, dar in zô dwanc sô ungevôges strides deil Berthold v. Holle
Crane 3557; sie hatten ellenthaften mût zû strîtene ûf die heidenschaft
livländ. reimchron. 1339
M.; und da werd' ich dich auch finden, freund, und eine dicke schaar, ... die mit blumen auf dich streiten und mit grünem ganz bespreiten, die in einem schreien schrein: freund, du solst gebunden sein! Fleming
dt. ged. 1, 347
lit. ver. D@2@dd)
streiten mit orts- und richtungsangaben: die nideren und die oberen, ir strîtet berge ode tal, sît gemant um des ruofes schal Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 212, 23; dô streit der herzoge Astor den zingeln aller næhste vor
ders., Parzival 382, 9; dise, nach frier willekur, wolten der banier striten fur
Ludwigs kreuzfahrt 6148
N.; in bildlichen anwendungen: das euangeli hält vns für, fast streiten durch dj engen thür des rechten wegs gen hymmel ein, zum streyten muosz gestürmet sein (
contendite intrare per angustam portam, Luc. 24, 13) Schwarzenberg
d. teutsch Cicero (1535) 152; die welt ist grosz genung. stürmt Äol dieser seiten, so lasz dein kluges schiff ihm nicht entgegen streiten Fleming
dt. ged. 1, 128
lit. ver.; und rings durch die stadt verbreitet sich ein tosend stahlgeklirr; näher, immer näher streitet her der stimmen kampfgewirr Brentano
ges. schr. (1852) 3, 302.
auch jemanden von hinnen streiten: hedde ich heren Diederich vandem Berne van hyme (
l. hynne) gestreden over mer, mer enkonde nit næ myns hertzen ger so rechte wol gelonet syn das mich sus edel vrouwen fyn setzen wolden bie ir side
mhd. minnereden 2, 32, 59
Th. D@2@ee)
mhd. mit dat. der person '
es mit jemandem aufnehmen': ein kreftigez her, da sie den heiden mit strîten Ottokar
österr. reimchron. 48 581; ieslîcher kom mit sölher kraft, daz er al der heiden rîterschaft hete an der enge wol gestriten Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 240, 1.
sonst in der form gestrîten,
gewöhnlich in negativer wendung '
jemandem nicht gewachsen sein, nicht widerstehen können': er zôch sî hin sunder danc: wan sî moht im niht gestrîten Hartmann v. Aue
Erec 6427; done kund' im niht gestrîtendaz starke getwerc
Nibelungenlied 97; Claudas was listig und gedacht in sym herczen das er im alda nicht mocht gestriten, und das er im zu letst die kint must wiedder geben
Lancelot 1, 64
Kluge. —
übertragen: hât wîsiu wort ein wîser man, ein tôre im niht gestrîten kan Freidank
bescheidenheit 80, 9
Gr. auch mit akk. d. person oder sache '
etwas bewältigen, womit fertig werden' Weinhold
schles. 95
a: und sollten ihn (
den ochsen) leicht gestritten haben, wenn sie nicht von vorübergehenden leuten wären gescheucht worden
Bresl. slg. v. natur- u. medic. gesch. (1717) 1, 178. —
dagegen: [] niemants der gott streittet, verwickelt sich inn weltliche gescheffte (
nemo militans Deo implicat se negotiis saecularibus, 2. Timoth. 2, 4) Marx Müller v. Westendorff
fridschirmbuch (1545) 62
b; wer gott streittet vnd dient, mocht der welt nit streiten noch dienen Seb. Franck
kriegbüchl. d. friedens (1550) 146
a. D@2@ff)
selten mit akkusativ '
jemanden oder etwas bekämpfen': das wir mit dem lamm, dem sälichmacher des menschlichenn geschlechts, stritten disz vylhörnig wild thier (
d. papsttum), ein gemein beschwerung der gantzen christenheit (
ut cum agno ... pugnemus contra multicornem beluam) U. v. Hutten
opera 1, 387
Böcking; drobenn ist gesagt, wie das gnadenliecht streytte unnd blende das naturlich liecht der vornunfft (1522) Luther 10, 1, 1, 231
W.; um die zeit, wie drauszen bei Paris ende wurde mit dem Bonaparte, dasz die andern ihn zum zweiten male stritten und auf die insel schickten, da starb uns die mutter Thekla Holtei
erz. schr. (1861) 17, 71. D@2@gg)
das partiz. präs. nimmt in festen verbindungen gelegentlich adjektivische (
zuständliche)
bedeutung an: er ist vol stritender wer ('
kriegswehr')
d. alte passional 99, 91
Hahn. wohl auch: die schanzengräber ... macheten eine lücke, durch welche sechs streittende knechte beyeinander hindurch gehen kunten ('
kriegsknechte') Bucholtz
Herkuliskus (1665) 49.
singulär ungestritten '
ohne kampf': wir wollen das ir verstent warumb wir uch die jungfrauwen geben ungestritten
Lancelot 1, 144
Kluge. D@33)
im gebrauch für das kämpfen übermenschlicher wesen geht die vorstellung der physischen auseinandersetzung leicht in die des allgemeinen kämpferischen wirkens (
vgl.F)
über. D@3@aa)
von überirdischen, besonders apokalyptischen auseinandersetzungen. —
in v. 41
des muspilli liegt die vorstellung des gerichtlichen zweikampfes zugrunde, wie sie als bed. des subst. strid
in afrs. rechtsquellen bezeugt ist (
vgl. Richthofen
afrs. wb. 1053
b; Holthausen
afrs. wb. 105): daz hortih rahhondia uueroltrehtuuison, daz sculi der antichristomit Eliase pagan. der uuarch ist kiuuafanit:denne uuirdit untar in uuic arhapan. khenfun sint so kreftic,diu kosa ist so mihhil. Elias strititpi den euuigon lip, uuili den rehtkernondaz rihhi kistarkan
muspilli in: kl. ahd. sprachdenkm. 68
Steinmeyer (
vgl. dagegen strît
im Linzer antichrist unter streit C 1 c). — ein grôz strît wart in deme himele: Michahêl und sîne engele striten wider den trachen und wider den alden slangen Hermann v. Fritslar in:
dt. mystiker des 14.
jhs. 1, 208
Pf.; es hand gestritten die landes göte mit den götten uf dem mer Wernher
Marienleben 4094
P.-H.; sie (
die bischöfe) sind der Gog und Magog, die mit dem lam gottis streytten ynn apocalypsi (1522) Luther 10, 1, 2, 133
W.; (
Elias) wird aber zur ankunft des antichrists zweifelsohne mit beistand seiner karmeliten streiten und kämpfen Abr. a
s. Clara
w. 2, 66
Strigl; die von den streitenden engeln durch die luft des himmels loszgeschleuderten berge Bodmer
abhandl. v. d. wunderbaren (1740) 73; der teufel stritt lange mit dem lieben gott um die herrschaft der erde br. Grimm
dt. sagen (1891) 1, 139. D@3@bb) für (mit) jem. streiten '
kämpfen', '
wirken',
von gott oder göttlichen wesenheiten: ich weiz wol daz der sze krist mit mir stritet disen strit Ulrich v. Türheim
Rennewart 16 905
H.; es wäre nicht gut, dasz wir wüszten, wie die lieben heiligen engel fur uns wider den teufel so heftig streiten, wie ein harter schwerer kampf und streit es ist Luther
tischr. 1, 400
W.; [] dich sollen Mars, Saturn und Jupiter begleiten; hier aber will der herr für unsern könig streiten Weichmann
poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 46; da Jehovah als kriegsgott von Sinai aufbricht, für Israel zu streiten, begleiteten ihn also diese (
himmlischen) heere Herder 12, 62
S.; die engel stritten für uns gerechte, zogen den kürzern in jedem gefechte Göthe I 5, 1, 139
W.; morgenstern sei mir willkommen, so hiesz einst ein deutsch gewehr, siegreich streite für die frommen Brentano
ges. schr. (1852) 7, 293. D@44)
von tieren. D@4@aa)
allgemein: daz wilt und daz gewürme die strîtent starke stürme Walther v.
d. Vogelweide 9, 1; dâ mit unverzagten siten ein wurm unde ein lewe striten Hartmann v. Aue
Iwein 3840; wenn diu wisel mit der slangen streiten wil, sô warnet si sich mit ackerrauten, diu den slangen wider ist Konrad v. Megenberg
buch d. natur 152, 16
Pf.; so es (
d. meerkalb) auff das land kumpt, so streyten sy miteinander vnd muoss der bär leyden Herold-Forer
Gesners thierb. (1563) 17; einen adler mit dem drachen oder schlangen streitende, beygesetzet: man musz kämpffen Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 55. D@4@bb)
als terminus der weidmannssprache (
vgl. Kehrein
wb. d. weidmannsspr. [1871] 287),
besonders vom kämpfen des gejagten (
schwarz-)
wildes gegen die hunde (
vgl.kämpfen 1 e
teil 5,
sp. 146): das schwein wird gehetzt zum schweinhatz, das schwein streitet mit den hunden, das schwein wird von den hunden gestellt Sebiz
feldbau (1579) 569; das schwein streitet mit den hunden Döbel
jägerpractica (1754) 1, 25; streiten
heiszt es von den wilden sauen, wenn sie sich vor den hunden stellen, und sich gegen diese wehren, kämpfen
heiszt es dagegen, wenn sie unter einander selbst uneinig werden, und sich schlagen und beiszen, hdb. f. prakt. jagd- u. forstkde 3 (1797) 257.
anders: hunde streiten gegen sich wehrende sauen Behlen
forst- u. jagdkde (1840) 6, 234; der dachs streitet mit den ihn fangenden hunden; das wildschwein streitet auf dem rauschplatze mit seines gleichen um den besitz einer bache; es streitet mit den hunden, die es decken wollen
ebda 5, 729. EE. '
wetteifern, sich messen'. E@11)
auf einen wettkampf bezogen: striton (
neque vincere)
certo ([
beim wettrudern]
Verg. Aen. 5, 194)
ahd. gl. 4, 351, 70
St.-S. (11.
jh.); wann ein ieglicher, der do streyt am streyt, der enthabt sich vor allen
erste dt. bibel 2, 85 (
omnis autem, qui in agone contendit, ab omnibus se abstinet 1. Cor. 9, 25; ein jglicher aber der da kempffet, enthelt sich alles dinges Luther); sie (
Aragnes) ward ouch von sollicher arbait ... hoch gelobt und verrmet und darumb in ierem gemüt also erhebt, daz sie darinn wider Palladem stryten getOerst ... aber Aragnes ward von ir überwonden Steinhöwel
de claris mul. 74
lit. ver.; pica cum luscinia certat die hetz streit mit der nachtgall S. Franck
sprichw. (1541) 2
a; sie streiten wer am besten lauffen kan
they strive who shall run best Ludwig
t.-engl. (1716) 1894. —
jünger um den preis, den vorzug streiten (
vgl. 2): der freygeist, ... das bekannte stück des sel. Brawe, das mit dem Codrus um den preis stritt Gerstenberg
recensionen 395
lit.-denkm.; das urtheil ... welches die königl. akademie der wissenschaften über diejenigen schriften fällen wird, die bei gelegenheit ihrer aufgabe auf dieses jahr um den preis gestritten haben Kant
w. (1838) 8, 209
Hart.; es hat zu seiner (
des Pratinas) zeit schon mehrere (
dichter) gegeben, die mit einander um den vorzug gestritten, und der preis, der zum gewinnste aufgesetzt war, ist ein bock gewesen Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 35,
anm. 83.
[] E@22)
wetteifern, einander zu übertreffen suchen: sîner zimierde koste ime touwe mit den bluomen striten Wolfram v. Eschenbach
Parzival 598, 11; si begunden mit der milte strîten
Kudrun 1675
Symons; do ein alt, krank oder unbehulfen mensche ist, dem solte man engegen louffen und striten einr für den anderen, minne werk ze tuonde Tauler
pred. 179
V.; indem sie, nach der kunst gemeszner tritte, streiten, wer am geübtesten theils beuget oder geht König
ged. (1745) 153; dessen nunmehriger beherrscher in dem eifer, wahre verdienste zu belohnen, mit ihren vorigen regenten zu streiten scheint J. E. Schlegel
w. (1761) 6, 326; der adel streitet recht an reicher gallatracht Gottsched
neueste ged. (1750) 85; das hat Italien so grosz gemacht, dasz jeder nachbar mit dem andern streitet, die bessern zu besitzen, zu benutzen Göthe I 10, 221
W. in jüngerer sprache auch mit erläuternden zusätzen, wie um die wette streiten: siebzehn abgebildete gröszere und kleinere muscheln und schnecken ... streiten um die wette, welches zuerst gesehen werden soll
anmuth. gelehrsamk. (1751) 9, 410
Gottsched; die höflinge stritten in die wette, wer dem neuen günstling seine unterwürffigkeit auf die sclavenmässigste art beweisen könne Wieland
Agathon (1766) 2, 186; wenn von gefälligkeiten die red ist, darf man nicht mit ihnen wette streiten Müllner
dram. w. (1828) 5, 26. — um den vorzug
od. dgl. streiten: schönheit und hoffart stritten an ihr um den vorzug Abr. a
s. Clara
etw. f. alle (1699) 2, 53; lasz uns in daurendem metall o churfürst! deinen vater sehen; ... dein erbe stellt dich auch einmal in gleicher pracht zu seiner seiten; da wird dein ruhm mit ihm noch um den vorzug streiten Gottsched
ged. (1751) 1, 35; die zeichnungen des Protogenes, welche selbst mit der natur um die wahrheit stritten Heinse
s. w. 2, 154
Sch.; dass die erde ein paradies sey, in dem blumen mit früchten um den kranz der schönheit streiten Schubert
verm. schr. (1823) 3, 43; Parrhasius ..., mit dem Zeuxis um den vorzug in der kunst streitend, scheint frühe schon zu groszem rufe gelangt zu seyn H. Meyer
gesch. d. bild. künste (1824) 1, 155. E@33)
sich messen, sich vergleichen (
können): das wasser ist gantz klar, und streitet mit crystall Valvasor
herzogth. Crain (1689) 1, 243; was sind eure (
der welt) lieblichkeiten gegen dieses blumenfeld? was wollt eurer lustgezelt doch mit diesen augen streiten? Neukirch
ged. (1744) 54; ihr mund, so mit corallen streitet, und sonst ein bild der lust bedeutet, erwehnte nichts als ach! und weh! Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 93; an Aulons fruchtbarm fusz, der mit Hymettus streitet Wieland
ges. schr. (1909) I 1, 271.
verdeutlicht in wendungen wie streiten können, um den preis, den vorzug streiten: in ihrem ursprung war vorzeitten die rosz so weissz, dasz mit ihr kaum des schnellen wassers frischer schaum noch auch des morgens frost könt streitten Weckherlin
ged. 1, 486
lit. ver.; (Me.:) auf unserer bergflur streite mit dir Amyntas allein um den preis. (Mo.:) der stritte wol im singen mit dem Apollo selbst um den preis ('
montibus in nostris solus tibi certet Amyntas'. '
quid si idem certet Phoebum superare canendo?'
Vergil ecl. 5, 8) Ramler
einl. i. d. schönen [] wissensch. (1758) 1, 371; freylich bist du ein grosser, schwerer sünder, und kannst mit dem allergröszten um den vorzug streiten Bräker
s. schr. (1789) 1, 256; Trier freilich streitet um den vorzug mit Koblenz, aber ich glaube, auf die dauer ist Koblenz doch schöner Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 145; er konnte an aufgeblasenheit und wichtigthuerei mit jedem truthahn streiten Fontane
vor d. sturm (1905) 367. E@44)
vom gesang der vögel (
vgl. streit E): vnd (
sie) hörete mit höchsten vergnügen denen streitenden sängern der lufft zu Ettner v. Eiteritz
mediz. maulaffe (1719) 27; vögel verlassen ... die gegend ... und streiten gegen einander mit liedern von zweigen der buchen E. v. Kleist
w. 1, 194
Sauer; ... du weiszt, dasz die nachtigallen den wettstreit streiten, bis sie entsinken dem ast, sterben! Klopstock
oden (1889) 2, 120; dieser über ihm bleibende lerchenchor, dessen streitende rufe in seiner seele zu einem zerflossen Jean Paul
w. 7/10, 173
Hempel; die abendstrahlen breiten das goldnetz übern wald, und ihm entgegen streiten die vöglein, dasz es schallt
des knaben wunderhorn in: A. v. Arnim
s. w. 17 (1846) 267; auf dem kreuzstock jeden fensters, auf der türen schlosz und band stritten sie den streit der Wartburg, den der sänger einst bestand J. Kerner
s. poet. w. 2, 42
Gaismaier. FF.
einer reihe von meist übertragenen anwendungen liegt die allgemeine vorstellung des kämpfens zugrunde, wie sie z. b. durch die gleichzeitige beziehung des wortes auf verschiedene möglichkeiten der auseinandersetzung vorausgesetzt wird: durch den rhatschlag Gnatonis laszt er die kriegsleüt faren vnd streittet mit worten Boltz
Terenz deutsch (1539) 50
b; wo buch und degen streiten, wird ehr' und ruhm gesucht auf allen beiden seiten Ph. Zesen
helikon. rosentahl (1669) 68; hier wird nicht mit gewalt gestritten, sondern mit gründen A. W. Schlegel in:
Athenäum (1798) 1, 1, 6; aber wenn in der brust bleibt wohnen krieg'rische lust, um auch im frieden zu streiten Rückert
ges. poet. w. (1867) 1, 45.
ähnlich unbestimmt: nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 1, 15.
so auch bildlich gegen sich selbst streiten '
sein eigener gegner sein, sich selbst schaden zufügen' (
vgl. dagegen 5 c): daz er in siner blüenden jugent mit jugentlicher herren tugent wider sin selbes sælden streit, daz geschuof sin spilendiu kintheit, diu mit ir übermuote in sinem herzen bluote Gottfried v. Straszburg
Tristan 297
R.; durch seine rücksichtslosen neuerungen hatte er (
kaiser Joseph) die besten freunde des hauses Österreich ... entfremdet. man sagte von ihm, er streite wider sich selbst Ranke
s. w. 31 (1875) 258. —
zuweilen enger an die vorstellung des physischen kampfes angelehnt: ein furst musz verlassen werden von allen freunden, herrn vnd zu letzt erst streitten mit dem teufl Luther
tischr. 2, 209
W.; kein mensche kan zugleich mit zweyen göttern streiten ... vom Mars ich alles gern gedultig leiden wolt, wann Amor wolte nur jhr, meines lebens leben, ein füncklein meiner lieb vor jhr geleite geben Zinkgref
auserl. ged. 20
ndr.; mein ist der sieg! Agathe liebet mich! sie stritt zwar lang und schön und jüngferlich: allein wie konnte sie gewinnen? bei dem streite war Amor, sie und ich, und Amor war auf meiner seite J.
N. Götz
verm. ged. (1785) 1, 14.
[] die einzelnen zweige dieses gebrauchs sind besonders durch die momente des kämpferischen verhaltens (1—3)
und der feindlichen auseinandersetzung oder des widerstreits einander entgegengesetzter kräfte (4
und 5)
gekennzeichnet. F@11)
das kämpferische einwirken auf personen, zustände und entwicklungen, besonders des öffentlichen lebens. F@1@aa) für (um,
mhd. auch an) etwas streiten '
eine sache verfechten, für etwas kämpfend sich einsetzen' (
vgl.D 2
und 3 b);
gewöhnlich mit beziehung auf ideelle ziele oder religiöse werte: strit, stritan
etc. (
pro iustitia)
agonizare (
pro anima tua, eccli. 4, 33)
ahd. gl. 1, 566, 18
St.-S. (10.
bis 13.
jh.);
dazu: agonizare stritun (9.
jh.)
ebda 5, 9, 3; zestreiten vmbe das recht
erste dt. bibel. strîten
certare (
et usque ad mortem certa pro iustitia, eccli. 4, 33.)
cod. Pal. Germ. 468;
dazu: vnd streit vmb das recht
erste dt. bibel; sondern verteidige die warheit Luther. hetst anders niht wan eine rede gesungen, 'sô wol dir, wîp, wie reine ein nam!', dû hetest alsô gestriten an ir lop daz elliu wîp dir gnâden solten biten Walther v.
d. Vogelweide 82, 35; frowe Minne, ich klage iu mêre: rihtet mir und rihtet über mich. der ie streit umb iuwer êre wider unstæte liute, daz was ich
ebda 40, 29; hie ist niemant, der fur gottis namen und ehre streitte Luther 6, 228
W.; damit fromme leut ... als geadelte ritter für die gemeine kirche tapffer streiten Pape
bettelvnd garteteuffel (1586) F 5
a; ein jeder ... für die warheit streite Schupp
schr. (1663) 13; sagt, ihr spötter, was ihr wollt von des ehstands bitterkeiten; rühmt der freyheit edles gold, helft für ihren vorzug streiten Gottsched
ged. (1751) 1, 270; der gedankenlose theil der menschen hangt am symbol; je leerer, desto willkommner ist ihm dies; für das leerste streitet er am hitzigsten, am stärksten Herder 22, 324
S.; der vogt ist ihm gehässig, weil er stets für recht und freiheit redlich hat gestritten Schiller 14, 295
G.; die literarische französische welt theilt sich in zwei parteien, deren eine mit wort und that für die klassische, deren andere für die romantische literatur streitet Börne
ges. schr. (1829) 5, 63; der herausg. streitet mit guten gründen für die höhere reinheit der Wilkinensage J. Grimm
kl. schr. (1864) 4, 28; wer streitet eifriger für unbedingte gewerbefreiheit als hunderte von gelehrten professoren? W. Riehl
d. dt. arbeit (1861) 39; trostlos ist es, für geschwundnes, hingegangnes streiten wollen Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 238. F@1@bb) streiten gegen (mit
usw.) '
jemanden oder etwas bekämpfen',
als gegenwirkung gegen feindliche oder angefeindete personen, verhaltensweisen, weltanschauungen, zustände u. dgl.: dar über erbarme sich des kraft, dem erbarme gît geselleschaft, sît sîn getriuwiu mennischeit mit triwen gein untriwe streit Wolfram v. Eschenbach
Parzival 465, 10; er vaht mit nœten unde streit der heiden ungelouben an, dâ mite er sêlen vil gewan dem werden hôchgelopten gote Konrad v. Würzburg
Pantaleon 36; nu sprach er uns zuo stritende wider die fürsten und potestaten und wider der welte meistere der vinsternisse Tauler
pred. 405
Vetter; ich weisz ouch ... wol, wie stark ... die sind, wider die ich mit der leer gottes stryten Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 84; wenn du (
Eisleben) doch nur offentlich wieder mich strittest und nicht so meuchlings hinterm pöckler föchtest Luther
tischr. 6, 248
W.; nicht alleine die geschwindesten ... bösen geister wider die gemeine gottes streiten: sondern es bemühet sich auch
[] ein jedes teuffelichen ... dem reiche Christi einen spott bey zufügen Ringwaldt
lauter warheit (1597) A 4
b; giebt es nicht prediger genug, die mit bessern waffen wider die laster streiten als ihr
vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 197
Gottsched; er (
Daguesseaus staatsmann) sieht sein jahrhundert als einen furchtbaren widersacher an, wider welchen er während seines ganzen lebens zu streiten verbunden seyn wird Cramer
nord. aufseher (1758) 1, 42; dagegen hier (
in der Bhagavatgita) bei allen gelegenheiten ... gegen die alte lehre ... gestritten wird Fr. Schlegel
s. w. (1846) 1, 150; im jahr 1803 trat Friedrich Schlegel ... zuerst als schriftlicher lehrer des neuen ... kunstgeschmacks auf, streitend gegen die bisher gehegten meinungen über echte kunst J. H. Meyer
in: Göthe I 49, 1, 39
W.; es ist schwer, mit solchen, die gegen die religionsphilosophie streiten, sich einzulassen Hegel
w. (1832) 11, 32; ward schon bei lebzeiten des regenten (
Sulla) ... mit den waffen der formalen jurisprudenz und der gewandten rede lebhaft gegen die restauration gestritten Mommsen
röm. gesch. 3 (1866) 6. —
ähnlich: sihet man augenscheinlich, dasz ausz dem bergwerck mehr verlust vnd schaden dann nutz komme. darnach streiten sie mit viel und mancherley exempeln wider das ertz auff diese weisz, dasz ein jeder fürtrefflicher mann an seiner tugend sey vergnügt gewesen, vnd habe das bergwerck wenig geacht Ph. Bech
Agricolas bergwerckb. (1621) 6: nun so lebe ... vnnd streitte mit deinem gebett wide all vnser unglück Moscherosch
insomnis cura parentum 9
ndr.; was z. b. hat so verschiedne völker bewaffnet, gegen den bart zu streiten? Herder 13, 220
S. —
von der christlichen gemeinde mit dem teufel streiten: die rechte, christliche kirche hat nicht zu streiten mit fleisch und blut, sondern mit den bösen geistern unter dem himmel Luther
tischr. 1, 341
W.; mit dem aller mechtigsten fürsten dieser welt, dem teuffel zukempffen und zustreiten
theatrum diabol. (1569)
titelbl.; besucht fleissig vnd embsig die kirchen, sieget vnd streitet allezeit wider den teuffel, mit einem guten glauben an Christum (1587)
volksb. v. dr. faust 119
Petsch. von äuszerungen oder formulierungen eines bestimmten inhalts '
etwas bekämpfen, gegen etwas sich wenden, gerichtet sein': solche spruch diszes psalmen und der gleychen streytten nur widder offentlich bosze ubirtrettunge (1521) Luther 8, 141
W.; das wort, das gott durch mich redt, ... das strytet mit jrem pracht, gyt, schalkheit, bbery (1522) Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 87; es kann dieser einwurf freilich mit beispielen sehr ausgeschmückt werden; er streitet aber immer gegen eine ganz andre spitze, als wir vertheidigen Herder 5, 103
S. ähnlich: so stritten gründe und gegengründe wider einander, ohne dasz man eigentlich hätte sagen können, wohin die wagschale sich neige. doch muszte wohl den gegnern der remonstranz die besorgnisz kommen, dasz sie in der minderheit bleiben dürften (
parlamentsdebatte) Ranke
s. w. (1867) 16, 88. F@1@cc)
seltener absolut oder in anderen verbindungen: da es sich nit gebürt den geistlichen mit dem schwert zuo fechten, sie sollen mit dem psalter, meszbuoch, alten vnd newen testament streiten Gebweiler
beschirmung des lobs Marie (1523) 44
a; wie ein cardinal gesagt: lasset sie essen, trinken
etc. ... aber dasz sie uns reformieren wollen, das ist uns nicht zu leiden, da müssen wir streiten Luther
tischr. 3, 403
W.; Leibnitzens philosophie bezieht sich in sehr vieler hinsicht auf die des Spinoza. sie ist überhaupt fast durchaus eine streitende philosophie Fr. Schlegel
s. w. (1846) 2, 173; wie unsre neue literatur schon seit ihrer ersten epoche streitend hervorgetreten und so zu sagen im streit entstanden ist
ebda 235; als ich bedachte, wie man mit den edeln und selbst mit dem herrn des landes umgehe, ... da war es mir auf einmal hell und klar, hieher müsse ich stehen, hier müsse ich streiten W. Hauff
s. w. (1890) 1, 188; wenn leben krieg führen heiszt und durchaus gestritten sein musz, dann sei es auf würdigem kampfplatze
M. v. Ebner-Eschenbach
ges. schr. (1893) 4, 9.
[] F@22)
im dienste gottes gegen anfeindungen und anfechtungen kämpfen und sich als christ behaupten (
meist absolut gebraucht): sid denne unser leben nit anders ist won ain strit ... so sont wir vaste striten und sont vestklich stan, daz wir nit siglos werdent
St. Georgener pred. 92
Rieder; daz du frumklichen strittest in lidenne, und dich ritterlich haltest in aller widerwertikeit Seuse
dt. schr. 240, 26
Bihlm.; also in aller widerwertikeit sol man leren striten Tauler
pred. 234
Vetter; demnach, besonder andechtigen, lieben juncfrouen, nyemant würt gekrönet, er stryt und fecht dann rytterlichen (1487)
bei Steinhausen
privatbr. d. mittelalters 2, 110; ich hab gantz nichts aigens, dann ain arme sel. wo ich die dem schöpfer, der mir sy geben hat, wider kan antwurten, so hon ich wol gestritten in diser welt
Fortunatus (1509) 119
ndr.; in Paulo, der ... spricht: guoten streyt hab jch gestritten, meinen lauf hab jch volbracht vnnd glawb gehallten Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 28
Reithm.; der münchen ... die allda gott dienende in einer geistlichen zucht-regel stritend (
monachis ... deo ibi sub regulari disciplina militantibus) Tschudi
chron. Helvet. (1734) 1, 52; die vnter gottes fändlin vnuerweiszlich wöllen streiten, vnnd dem exempel der apostel vnd jrer jüngeren nachkommen Fischart
binenkorb (1588) 169
b. —
ähnlich: sterblicher! wenn du tapfer gestritten, treu ausgehalten hast, so tritt herein, und lerne deine edle bestimmung kennen Klinger
w. (1809) 3, 264. —
öfters in der formel leiden und streiten: ein edelmann ... tröstet sich mit diesen worten: es musz gelitten vnd gestritten seyn, der will im himmel ritter seyn Zinkgref
teutsche apophthegmata 3 (1653) 65; dass streiten und leiden hier auf erden sei ein zeichen selig zu werden Abr. a
s. Clara
w. 1, 161
Strigl; hie z. b. sankt Anton unsrer kirche groszer sohn litt und stritt und triumphirte Wilhelm Busch
d. hl. Antonius (1870) 5.
dazu: die streitende kirch
la chiesa militante Kramer
t.-it. (1678) 1024
a; die streitende kirche
die sich gegen bedrückung und unterdrückung, verfälschung ihrer lehre etc. setzenden glieder der kristlichen kirchlichen gesellschaft (
ecclesia militans);
zum unterschiede von der triumpfenden kirche (
ecclesia triumphans)
und der bedrückten kirche (
e. pressa) Campe 4 (1810) 708
b: wann nun durch die würckung des heiligen geists dise wachend wittib ... erleucht uber massen die streittenden kirchen (
militantem prope modum illustrat ecclesiam)
d. hl. Birgitte (1502) 8
b; der kirch zier vnnd klainat (mit denen vnser ellter got vnd himlische kirch hie in streytunder kirch andechklich geeret) haben wir schaentlich verkert Berthold v. Chiemsee
teutsche theol. 12
Reithm.; die annoch in der streitenden kirche lebenden gläubigen Leibniz
dt. schr. (1838) 2, 381; wo gingt ihr hin, wo kamt ihr her, ihr sel'gen im vereine? — sie kamen aus dem trübsalsmeer der streitenden gemeine Zinzendorf
in: Knapp
liederschatz 4490
b; (
Christus hat sich) unter den menschen ein reich gegründet, welches bis zu seiner zukunft, wo er auf erden ein herrliches reich des friedens errichten wird, ... die streitende kirche genannt wird Jung-Stilling
w. 3, 157
Grollm.; sie (
die grundideen aller christlichen poesie) mögen ... heroisch oder elegisch, im tone der streitenden oder der triumphirenden kirche bearbeitet werden Schleiermacher
s. w. (1834) I 5, 107; er (
Heinrich II. v. Frankreich) ... hielt die streitende kirche für hinreichend bewaffnet, um innerhalb seines reiches jede abweichung zu ersticken Ranke
s. w. 8 (1876) 130; ein trefflicher paladin der streitenden kirche, auch ganz und gar geschaffen, wackelnde seelen durch liebenswürdigkeit und galanterie im süszen zauber des alten glaubens fest zu halten Steub
drei sommer in Tirol (1895) 2, 92. F@33)
mit physischen oder psychischen bedrängnissen oder widerständen kämpfen: [] ir ehrenhitzig rumbegird stritt mit der sonnen hiz vngeirrt Fischart
w. 1, 150
Hauffen; ich dicht, ich sag, ich sing: ach nein, ich seuftz, schrey, klag, die lieb, das layd, damit mein junges hertz gestritten Weckherlin
ged. 1, 462
lit. ver.; und hättest du dich gleich gewaget umb den nort, ... mit bären wilder art, mit eisz und frost gestritten Simon Dach 729
lit. ver.; (
ein armer) lebt also königlich in seiner bauerhütte, befreyt von allem gram, womit der reiche stritte Triller
poet. betracht. (1750) 1, 285; ich habe seit einigen wochen mit einem neuen übel zu streiten gehabt, aber ... es verliert sich wieder (1769) Gellert
s. schr. 10 (1839) 131; genug hab' ich gestritten mit tausendfacher noth; willst du um etwas bitten, so bitt um meinen tod Schubart
s. ged. (1825) 2, 86; doch ist dein bild zum sterne mir geworden, der nach der heimat weist mit stillem blicke, dasz fromm der schiffer streite mit den winden Eichendorff
s. w. (1864) 1, 535; ihr busen stritt mit hundertfältigen schreckbildern Mörike
w. 3, 53
Göschen; nein gewisz, in gleicher weise hat kein volk der erde gelitten und gestritten (
wie das volk der Friesen) Allmers
marschenb. (
31900) 41. —
mit schwierigkeiten kämpfen, mit problemen ringen: vnd wie wol nicht ohne das viele und fast unerträgliche difficulteten sich fünden, die armeen zu unterhalten: doch hielt der h. reichscantzler vor besser, das man mit difficulteten stritte Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 188; fehler, die man ihnen itzt, wegen der schwierigkeiten, womit sie zu streiten hatten, gern vergiebt Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 164; alle seine (
des menschen) kräfte kämpfen rastlos, von der zeit eine stunde ... zu erbetteln ... um auch in dieser mit gedanken zu streiten, deren auflösung weit auszer ihm liegt Tieck
schr. (1828) 8, 8. mit dem tode streiten '
kämpfen, ringen' (
vgl. mhd. mit dem tôde ringen
Nibelungenlied 998, 2; Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 65, 5; — vehten Neidhart v. Reuenthal 5, 3). strijden in den dode
agonizare Teuthonista 262
b Cl.; streiten od. kempffen mit dem tode
agonisare, voc. theut. (
Nürnb. 1482) ff 4
a; streiten mit dem tod
agonisare, voc. incip. teut. (
Speyer um 1485) ee 6
a (
vgl. Diefenbach
gl. 19
a): won er (
der herr) wolt an ainen starken strit. da wolt er als tegenlich striten daz er sere âne masse wunt wart. dirr stark strit waz der bitterlich tôt
St. Georgener pred. 57; hier lag ein krancker greis, und stritt mit seinem ende Lichtwer
äsop. fabeln (1748) 79; ach, du theurer, als du littest, freut' ich mich auf fremder flur; als du mit dem tode strittest, kannt' ich frühlingsfreuden nur Miller
ged. (1783) 307.
prägnant: dort bringt man gleich ein andern her, mit letster not beladen schwer, vnd legt jn gleich auch an das bett, da vor sein gsell gestritten hett Scheit
frölich heimfart (
o. j.) D 4
b; er schläft so heiter ... ... noch streitend fühlt er schon, dasz er gesunde, frei wird in seiner brust der höh're muth, in ahnung löst sich die verschwiegne gluth, geheilt ist bald des lebens tiefe wunde Brentano
ges. schr. (1852) 2, 338.
hierher auch: ein stimme kam hînaht ze mir, diu seite, ich solte strîten den kampf in kurzen zîten den Pantaleôn ouch strite. hie weiz ich unde erkenne mite daz ich die marter lîden sol Konrad v. Würzburg
Pantaleon 1709.
[] allgemein '
dulden, leiden' (
vgl. streit G 2 '
bedrängnis, qual'): er hat durch iuch den bittren tod erlitten und in grosser arbeit gestritten
schausp. d. mittelalters 1, 302
Mone; lang genug hab ich gestritten, weil du bist so hoch geschritten, weil du mich so sehr verachtst und meine treuheit nur verlachst Mittler
dt. volkslieder (1865) 662. F@44)
von äuszeren oder inneren bedrängnissen oder anfechtungen; gegen jmd. streiten (
oder in ähnlichen präpositionalen verbindungen) '
ihm zusetzen, gegen ihn angehen': stritint (
terrores domini)
militant (
contra me, Job. 6, 4)
ahd. gl. 1, 501, 15
St.-S. (12.
u. 13.
jh.);
dafür: die schrecken des herrn die ritterscheftend wider mich
erste dt. bibel; sind auf mich gerichtet Luther. des wil ich fluochen der zît dô mich mîn unrehter strît an streit unz er mich überwant
Moriz v. Craon 1663
Schröder; daz vierde was sîn kintheit, diu ûf in mit dem tievel streit, unz er in dar ûf brâhte daz er benamen gedâhte mit sîner swester slâfen Hartmann v. Aue
Gregorius 328; dô begunde in dô an strîten zuo den anderen sîten daz im gar unmære elliu diu êre wære diu im alswâ möhte geschehn, ern müese sîne vrouwen sehn, von der er was gevangen
ders., Iwein 1731; alle die bekorunge und alle die bilde und die unselikeit die der mensche lange über wunden hat: die stritent nu wider in Tauler
pred. 172
Vetter; der tod mit dir ietz striten wil
N. Manuel
todtentanz str. 74
Bächtold; da stund' ich ausz gefahr und noht es stritten mit mir furcht und tod: der scharffe sebel der barbaren ist offters um mein haupt gefahren Stieler
geharnschte Venus 58
ndr.; ich (
Schiller) hätte vielleicht gros werden können, aber das schiksal stritte zu früh wider mich (1783) Schiller
br. 1, 116
Jonas. —
substantiviert '
das wüten': sîn (
des Mars) vîentlîchez strîten beidiu liute unde lant, mit urliugen überwant Rudolf v. Ems
Barlaam 254, 2
Pf.; du hast in harten zeiten mier diese gnad ertheilt, dasz meiner feinde streiten mein leben nicht ereylt Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 448
a; laszt uns dan zur busse schreiten, dasz des grimmen krieges streiten, stille werd' und abgewandt J. Grob
dichterische versuchgabe (1678) 125 F@55)
von seelischen kämpfen. F@5@aa)
vom bilde der feindlichen auseinandersetzung her bezeichnet streiten
das wechselseitige kämpfen oder widerstreiten seelischer regungen und kräfte. F@5@a@aα)
bei finitem gebrauch des verbums bleibt die metapher der auseinandersetzung, des kampfes erhalten: stritant, stritent (
obsecro ... abstinere vos a carnalibus desideriis, quae)
militant (
adversus animam, 1.
Petr. 2, 11)
ahd. gl. 1, 816, 32
St.-S. (10.—11./12.
jh.);
dazu: die do ritterscheften wider die sele
erste dt. bibel; welche wider die seelen streiten Luther. stritant (
virtutes ...)
confligunt (
vitiis, Prud. psych. 309)
ahd. gl. 2, 592, 71 (11.
jh.); zwei dinc hân ich mir für geleit, diu stritent mit gedanken in dem herzen mîn: ob ich ir hôhen werdekeit mit mînem willen wolte lâzen minre sîn, ode ob ich daz welle daz si grœzer sî und si vil sælic wîp stê mîn und aller manne vrî Reinmar
in: minnesangs frühling 165, 38;
[] so begunden aber strîten imer nâch ir gewonheit mîn fröude und mîn herzeleit unde begunden mich bewegen aber mit ir wehselslegen, und wart mîn kamph sigelôs Hartmann v. Aue 2, 137
Bech (
büchlein 560); des vleyssches sinlike begheerte ... dat is, de ee der leden, de altijt strydet teghen de reden, also langhe als de vrije willen unde overste rede myt gode verenighet anders nicht en will dan god will unde daer stijf in blyvet Joh. Veghe
wyngaerden d. seele 62, 1; väterliche lieb und manns er wider einander stritten ser
Teuerdank 20
G.; wie S. Paulus sagt: der euszerlich mensch ist nit willig, tregt Christum noch nit, ia er streyttet widder den geyst, und der geyst hatt begirden widder das fleysch Luther 10, 1, 2, 56
W.; wenn sinn, einbildungs-krafft und affecten der vernunfft zuwieder sind in beurtheilung der freyen handlungen, dergestalt, dasz sie uns als gut vorstellen, was diese für böse erkläret, und hingegen für böse, was die vernunfft gut heiszet: so sagt man, dasz sie wieder einander streiten Chr. Wolff
vernünftige ged. v. d. menschen thun (1720) 112; hier (
im monolog des Agamemnon) ist gleichsam ein gespräch zweyer menschen in einem. der könig und der vater streiten um ihre rechte Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 247; tausend gefühle und überlegungen streiten in mir (1780) J. v. Müller
in: Gleim
briefw. 2, 66
Körte; sehnsucht und tugend sannen beyde an einem wunsch an dich für heute. sie stritten lang, und was mir übrigblieb, war blos ein ach als beyde sich verglichen. denn was die sehnsucht sonst noch schrieb, das hat die tugend weggestrichen Lichtenberg
nachlasz 125
Leitzm.; man musz die tugend beleben, wenn sie mit vortheil gegen die leidenschaften streiten soll Göthe I 40, 233
W.; denn in Bürger stritt sich leichtsinn mit gutmüthigkeit Gervinus
gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 29; habgier und verschwendung haben in seinem herzen sich gestritten Storm
s. w. (1898) 4, 249; neigung und abneigung stritten in seinem gesicht Cl. Viebig
die vor d. toren (1949) 270. —
substantiviert: gottis gericht ist recht, unszer gewissen ist sündig und streflich, wenn die zwey auff eynander stossen, szo gehet an der todkampff und die hell angst, das ist eyn harttis ringen unnd schweresz streytten Luther 8, 179
W. F@5@a@bβ)
bei attributivem gebrauch des part. präs. (
der erst seit dem ausgang des 18.
jhs. bezeugt ist)
geht der vorstellungsinhalt '
wider einander streitend'
in '
einander widerstreitend, widerstrebend'
über: ganze 14 tage ist kaum was daran (
an '
Louise Millerin') gethan worden, weil ich immer schwankte, und meine streitenden gedanken nicht zu vereinigen wuszte (1783) Schiller
br. 1, 132
Jonas; die elegie, welche so gern mit streitenden empfindungen spielt, und widersprüche verkettet Fr. Schlegel in:
Athenäum (1798) 1, 1, 140; es kommt in ihnen (
d. mehrstimmigen sätzen einer oper) nicht ... ein conflict streitender leidenschaften ... zur darstellung O. Jahn
Mozart (1856) 1, 250; sie (
Roswitha von Gandersheim) versteht es, sich in seelenbewegungen zu versenken, streitende gefühle wiederzugeben und mittels ihrer zu motivieren Scherer
litteraturgesch. 757. —
so auch: sein wesen, seine worte haben mich so wunderbar getroffen, dasz ich mehr als je mich doppelt fühle, mit mir selbst auf's neu in streitender verwirrung bin Göthe I 10, 136
W. F@5@bb)
vereinzelt '
zweifeln'; '
etwas zweifelnd bei sich selbst erörtern'; '
unschlüssig sein' (
vgl. streit F 5 a
β,
am ende): nu strite ich umbe ir beider leben beidiu des vater unde des suns Gottfried v. Straszburg
Tristan 4506
Ranke; und dieweil das gewissen in der rechten angst dieses furnemlich streit, ob uns gott vergeben wolle
corp. doctr. [] Christ. (1570) 10 (
vgl.: dieweil es [
das gewissen] aber fület, das wir eitel zorn verdienet haben ... da disputiret es, ob uns gott gnedig sein wolle
ebda 46); Florian sah von der seiten auf die Amalenen nun, und begunt in sich zu streiten, was er hierauf solte thun? denn er wuste nicht zu dämpfen seiner sinnen heisses kämpfen Neumark
fortgepfl. lustwald (1657) 1, 435; noch stritt ich in meiner seele, ob es nicht besser für dich wäre, die geheimnisse ... mit mir zu begraben Klinger
w. (1809) 4, 21. F@5@cc)
mit sich selbst streiten. F@5@c@aα)
selten '
einen inneren konflikt austragen', '
mit sich hadern': sîd iro (
der bösen) îogelîh ioh mit imo selbemo strîtet (
cum a semetipsis quisque dissentiat), tien âchusten iro uuizentheit zedansontên, unde sie diccho daz tûên, daz iro uuizentheite zetûonne neist! toh sie iz tûên, sô iro uuizentheit sie leidôt, sô strîtent sie mit in selbên Notker 1, 288, 20
Piper; sie durchwachte die ganze nacht, sie weinte, sie betete, sie stritt mit sich selbst, nicht aus unschlüssigkeit, sondern weil sie fürchtete, den ausspruch ihres herzens vor ihrer vernunft nicht verantworten zu können Pfeffel
pros. versuche (1810) 9, 128; ein edles herz, vom wege der natur durch enges schicksal abgeleitet, das, ahnungsvoll, nun auf der rechten spur bald mit sich selbst und bald mit zauberschatten streitet, und was ihm das geschick durch die geburt geschenkt mit müh und schweisz erst zu erringen denkt Göthe I 2, 145
W.; alle grosze leidenschaft isoliert. sie ... sucht die einsamkeit mit sich selbst zu streiten, sich zu bedauern, sich anzufeuern, mit sich zu beraten O. Ludwig
ges. schr. (1891) 5, 203. F@5@c@bβ)
innere regungen bekämpfen, sich zu überwinden suchen: vrouw, edel unde schœne erkant, ich hân den criec dur iuch geliten, daz ich mich selber an gestriten hân mit gedenke dicke, durch daz ich ûz dem stricke der sorgen mich enbünde Konrad v. Würzburg
trojan. krieg 21 318
lit. ver.; streit mit dir selber vnnd überwind dich Keisersberg
pred. teutsch (1508) 50
c; sich selbsts vberwinden, ist wider sich selbs streitten Albertinus
zeitkürtzer (1603) 17; umsonst habe ich es ... versucht, ihre begriffe anzunehmen, und die zweifel aus meiner brust zu verbannen ... ich stritt mit mir selbst; ich war sinnreich genug, meinen verstand zu betäuben; aber mein herz und ein inneres gefühl warfen auf einmal das mühsame gebäude von schlüssen übern haufen Lessing 2, 274
L.-M.; diese leidenschaft gedacht' ich zu bekämpfen, stritt und stritt mit meinem tiefsten sein, zerstörte frech mein eigen selbst, dem du so gern gehörst Göthe I 10, 237
W.; wenn das menschliche gewissen an sich und seiner natur nach solches stückwerk ist, ... so vermögen wir abermals nicht gegen unsere natur zu streiten Fichte
s. w. (1845) 1, 53; er (
der mensch) musz vor sich selbst auf der hut sein, wider sich selbst streiten Nic. Hartmann
ethik (1935) 347. F@5@dd)
gegen sünde und anfechtung, gegen leidenschaften oder üble eigenschaften ankämpfen, sich wehren: mich überwindt vngestümikait vnd heerschet liebe gewaltenklich jn allem minem gemüte ... ich hab vil vnd vil hier wider gerungen vnd gestritten vnd doch vmb sust Niclas v. Wyle
translat. 30
Keller; bleybt nit sund in unsz nach der tauff, wo widder streytten wir dan mit fasten, betten und ander ubungen? (1520) Luther 6, 623
W.; in anderen lasteren magstu wol fechten vnd streitten. aber nit in vnküscheit, wan die würt allein yn fliehen überwunden Pauli
Keisersbergs narrenschiff (1520) b 4
a;
[] mit fleisch vnd welt auff allen seitn bestendig, bis ans end zustreitn Ringwaldt
christl. warnung (1588) C 4
b; damit du ... wider deine sinnliche neigung streitest Spee
güld. tugendbuch (1649) 522; als ich aber bedachte, dasz die reiche eben so hefftig wider die hoffart und allerhand leibliche wollüste, als die arme wieder die ungedult und begierd, auch etwas zu haben, zu streiten ursach hätten Grimmelshausen
vogelnest 73
Scholte; sie sind schon gewohnt, von mir eine spätere antwort zu erhalten. es ist eine böse gewohnheit, mit der ich zu streiten habe (1789) Göthe IV 9, 133
W. F@66) '
einander widerstreiten, bekämpfen',
von wesensmäszig oder sachlich-begrifflich einander widerstrebenden dingen. F@6@aa)
im sinne der feindlichen wechselwirkung von naturkräften und -stoffen oder als geistige kräfte gedachten abstrakten: fîer elementa bindest tû sô zesamine, taz heiz unde chalt ... unde durre unde naz ... nîeht nestrîtên (
ut conveniant frigida flammis, arida liquidis) Notker 1, 177, 24
Piper; so ist auch vnser leib erbawet ... von wiederwertigen streitenden dingen ... die da stet einander verzehren J. Barth
weiberspiegel (1565) O 7
b; so ... bestehet die welt nicht in widrigen vnd vnter sich streitenden sachen, sondern in vnterschiedenen, welche mit gewisser mass einander nachgeordnet sind Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 1 (1644) 18; die natur streitet zu rechter zeit wider alle kranckheit Lehmann
floril. polit. (1662) 1, 328; wasser und feuer streiten mit einander Kramer
teutsch-it. 2 (1702) 1008
a; die tragödie ist der streit der leidenschaften: hier (
in der komödie) streiten wunderliche sinnensarten unter einander, oder mit der gesunden vernunft und den guten sitten Ramler
einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 2, 360; die liebe gleicht der melodie. der triebe seele, wie der töne, ist die veränderung, wenn sie mit harmonie das mannigfaltige, so streitend es oft scheinet, gesellig macht und unvermerkt vereinet Wieland
ges. schr. (1909) I 1, 327; zur erläuterung ... wird es dienlich seyn ... einige ganz gewöhnliche aber falsche regeln von entscheidung streitender pflichten anzuführen Crusius
kurzer begr. d. moraltheol. 2 (1773) 1004; und so bleibt auch, in ewigem frieden, die finsternisz vom licht geschieden. dasz sie miteinander streiten können, das ist eine baare thorheit zu nennen. sie streiten mit der körperwelt, die sie ewig auseinander hält Göthe I 2, 220
W.; ein naturgenusz, der aus ideen entspringt: da wo in dem kampf der streitenden elemente das ordnungsmäszige, gesetzliche ... erkannt wird A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 15; wie in jedem gemüth, so streite auf erden überhaupt liebe und selbstsucht gegen einander Ranke
s. w. 17 (1870) 19; ich schaute unverwandt bald auf die bühne, bald hinter die coulissen, und beobachtete mit hoher freude, wie aus dem unkenntlichen, unterdrückt lärmenden und streitenden chaos sich still und unmerklich geordnete bilder und handlungen ausschieden G. Keller
ges. w. (1889) 1, 111.
in meist unbestimmter auffassung von musikalischen erscheinungen: wenn in die göldne seiten wil ihre kehle streiten, so werd' ich ausz mir selbst entzükkt Stieler
geharnschte Venus 15
ndr.; hört doch, hört die reinen saiten, zittern, wechseln, jauchtzen, streiten J. C. Günther
ged. (1735) 346; was stellt sich dem gehöre vor? beleben mich die todten saiten? es fühlt mein geist mehr, als das ohr ihr wirbeln, schleiffen, locken, streiten Hagedorn
vers. einiger ged. 18
Sauer; der wechsel, wie auch ein annehmliches streiten verschiedener instrumente giebt der kirchenmusik allemal eine
[] sonderbare schönheit Scheibe
crit. musicus (1745) 163. —
mehrfach von gegnerischen politischen gruppierungen: soviel streitende elemente in einklang zu bringen, soviel hemmnisse zu beseitigen ... das ist die riesenarbeit, welche man der ständeversammlung in Preszburg zugedacht hat Moltke
ges. schr. u. denkw. (1892) 1, 115; sie sehn sich hier zwei streitenden systemen gegenüber, von denen das eine durch Manteuffel, das andre, russenfreundliche, durch Gerlach ... vertreten ist Bismarck
ged. u. erinn. 1, 134
volksausg. F@6@bb)
im sinne der sachlichen unvereinbarkeit, der widersprüchlichkeit: streytten doch widder sich selb ewr (
der theologen der Sorbonne) wortt vnnd lere (1521) Melanchthon
bei Luther 9, 758
W.; das man allein auff dem wort gottes bestahn ... vnd alle päpstliche auffsatz, die wider die schrifft streiten, für teufels lehr achten solle Fischart
binenkorb (1588) 3
a; so finden sich gleich 7 irrige, baufällige und wiedereinander streitende grundsätze darinn Mattheson
kl. generalbaszschule (1735)
widm.; wenn das, was sie daraus mittheilet ... nicht unglaublich ist, noch mit andern unverdächtigen zeugnissen streitet Nicolai
literaturbr. (1759) 3, 148; sie sollten den wust von widersprechenden und streitenden nachrichten sehen Göthe IV 16, 297
W. F@6@b@aα)
mit der vernunft, erfahrung, anerkannten normen, theoremen usw. im widerspruch stehen: leyd ist es mir, das dasz vndergestützte hausz sich wider seine eigene stützen ... setzet vnnd strebet. sintemal es gantz vnd gar wider alle vernunfft streitet, vnnd von keim sinnbegabten menschen kan gebilichet werden Fischart
Garg. 342
ndr.; mit den fundamentis juris streitende leges Leibniz
dt. schr. (1838) 1, 262; der verderbte gebrauch ..., welcher, fürnemlich im reden, wieder die regelmäszigkeit einer sprache zu streiten pfleget
vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 11
Gottsched; sobald ein ding, das das zeugnisz der wahrheit oder möglichkeit hat, mit unsren gewöhnlichen begriffen zu streiten scheinet Breitinger
crit. dichtkunst (1740) 1, 129; es weisz aber jedermann, der mit der brüdersache nur ein wenig bekant ist, dasz dieses vorgeben mit der wahrheit schlechterdings streitet Spangenberg
leben Zinzendorfs (1774) 1586; Nürnberg ist übrigens abermahl ein beyspiel, das wider die sogenannte physiokratische theorie streitet Nicolai
reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 260; solche wörter ... zusammen zu setzen, streitet noch dazu wider die ganze analogie Adelung
umst. lehrg. d. dt. spr. (1782) 1, 262; der fall stritt dergestalt gegen alle erfahrung Mörike
w. 3, 65
Göschen; da es gegen alle gesetze der ernährung streitet, dasz das venöse, im rückflusse begriffene blut noch zur absonderung dienen soll Sömmerring
menschl. körper (1839) 5, 495; so wenig daher die begründung der einzelnen handlung durch das motiv ... damit streitet, dasz die handlung überhaupt ... nur erscheinung eines an sich grundlosen willens ist Schopenhauer
s. w. 1, 160
Gr. F@6@b@bβ)
auf den namen oder den begriff einer sache bezogen: es streitet schlechterdings mit dem begrif eines vernünfftigen mannes Lichtenberg
aphorismen 3 (1906) 134; keinem derselben (
evangelisten) lag ... das joch auswendig gelernter ... worte auf dem nacken; eine last, die mit dem namen evangelium und evangelist durchaus streitet Herder 19, 214
S.; obgleich einige in ihnen (
den autochthonen) ... eine, mit der benennung streitende, mischung ... umherirrender völkerhaufen (
sahen) Niebuhr
röm. gesch. 1 (1828) 117.
ähnlich: die grösze einer kirche streitet nicht mit der idee von der schönheit derselben Gerstenberg
recensionen 158
lit.-denkm. F@6@b@gγ)
zuwider sein, in einem miszverhältnis stehen zu bestehenden zuständen, ordnungen oder wesensarten: denn reinigheit von gott fry gelassen syn, und von menschen geboten, strytend ganz und gar wider einander Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 44; der gegenwärtige zustand demnach des leibes ist dem vorhergehenden zuwieder: ja er streitet auch mit dem vorigen zustande der seele Chr. v. Wolff
[] ged. v. d. menschen thun (1720) 4; man wird uns bei diesem unterfangen, welches mit unserer vormaligen eingezogenheit allerdings streitet, leicht vergebung wiederfahren lassen Heilmann
gesch. d. pelop. krieges (1760) 39; in der that streitet auch das romantische an sich mit dem alten und wahrhaft antiken nicht Fr. Schlegel
s. w. (1846) 2, 89; Deutschland ist ein offenes reich, ... in welchem das interesse aller seehäfen mit dem interesse des innern landes auf das offenbarste streitet J. Möser
s. w. (1842) 2, 320; sicher streitet es gegen die überall deutlich ausgesprochenen intentionen des textes das liebesverhältnis donna Annas zu don Ottavio als ein wahres und inniges darzustellen O. Jahn
Mozart (1856) 4, 431; solche urtheile ... stritten damals mit allen traditionellen gefühlen der Italiener Justi
Winckelmann (1866) 2, 1, 249.
besonders der natur oder dem wesen einer person oder sache widerstreiten: dass man den alten gebrauch, so fern er mehr ein misgebrauch ist, und schnuhrrecht wider natur, vernunft, kunst und alles streitet ... in einen bessern verwandeln könte Ph. Zesen
rosenmând (1651) A 8
b; das laster ... weilen es wieder die natur und die glückseligkeit des menschen streitet
discourse d. mahlern (1721) 2, 48; die gänzliche unmöglichkeit sündlicher neigungen streitet wider das wesen eines endlichen geistes Schwabe
belust. (1741) 2, 495; das verlangen zu herrschen streitet wider ihre (
der freundschaft) natur Cramer
nord. aufseher (1758) 42; warum will man seinen schwächlichen bekennern einen heroismus im tode, eine furchtlosigkeit vor seinen schreknissen zumuten, die gegen die natur des menschen streitet? Schubart
leben 2 (1793) 245; die natur hat sie (
Göthe) einmal bestimmt, hervorzubringen; jeder andere zustand, wenn er eine zeitlang anhält, streitet mit ihrem wesen (1799) Schiller
br. 6, 15
Jonas. F@6@b@dδ)
mit einem gebot, einer sittlichen forderung o. ä. unvereinbar sein, dagegen verstoszen: das fest des frohnleibs hat unter allen den gröszten und schönsten schein, strebet und streitet mit seiner schmink ... wider Christus ordnung Luther
tischr. 3, 192
W. (
vgl.G 2 streiten und streben); sie haben nichts nicht iemahls getahn das wieder zucht, gebühr, zulasz und tugend streitt Stieler
geharnschte Venus 73
ndr.; die strafe der verführung einer verehlichten frau war nach der ahndung der wider die algemeine wohlfahrt streitenden missethaten die schwerste Haller
Alfred (1773) 50; dieser vorschlag stritt allzusehr mit der menschlichkeit Schiller 9, 77
G.; alles ... das nicht gegen die gebote gottes streitet, ist mir heilig Fontane
ges. w. (1905) I 1, 37. F@6@cc)
von tatsachen oder umständen, gegen etwas streiten '
dagegen sprechen': ich sehe noch nichts ynn worten, das widder solchen verstand fast streite Luther 26, 470
W.; obgleich alle, oder doch die meisten handschriften dagegen streiten Miller
briefw. dreier akad. freunde (1778) 1, 49; so würde diesz gegen Murrays und anderer behauptung streiten, als sey das äthiopische alphabet ... erst dem griechischen nachgebildet Ritter
erdkde (1822)
teil 1, 194; aber auch gegen diesen zweiten fall streitet der sonderbare ausruf, den mein nachbar im wagen machte Stifter
s. w. 4, 1 (1911) 91. —
rechtssprachlich: damit ich ... noch vor rechter unternehmung der sache mit ihnen wegen der wieder sie streitenden indiciorum umständlich reden ... könte Thomasius
ged. u. erinn. (1720) 1, 18. für etwas streiten '
dafür sprechen': sollten gleichwohl die Griechen und Römer ... dieses geheimnisz nicht ergrübelt haben? für beyde streitet, dasz ihre weltweisen ... die runde der aus erden und meer bestehenden kugel erwiesen ... haben Lohenstein
Arminius (1689) 1, 126
a; drittens streitet sehr stark für diese behauptung, die miene und selbst der anzug Lichtenberg
Hogarth. kupferstiche (1794) 4, 171; für das höhere alter dieser
[] darstellung streitet auch der umstand, dasz Maria liegend als wöchnerin vorgestellt ist Göthe I 42, 1, 10
W.; auch streitet für jenes
adj. das 'animi ferox' Isengr. 11 J. Grimm
Reinhart fuchs (1834) CCXXXII. F@77)
obszön (
vgl. streit F 4): fürs vaterland streiten, huren
puttaneggiare, paillarder Rädlein
dt.-it.-frz. (1711) 852
a. GG.
einer unter streit G
charakterisierten alten bedeutungsgruppe entsprechen die anwendungen '
sich auflehnen, widerspenstig sein'
und '
streben' (
zu streit G 2 '
erlittene bedrängnis, qual',
vgl.F 3);
jedoch ist hier in der älteren sprache oft und in jüngeren anwendungen wohl überall metaphorischer gebrauch der bedeutung '
kämpfen'
vorauszusetzen. G@11) streiten
im sinne aufbegehrenden oder widerspenstigen verhaltens. G@1@aa) (
gegen jmd.)
sich auflehnen, hadern: sturmit vel stritit
tumultuabitur (
puer contra senem, Es. 3, 5)
ahd. gl. 1, 595, 13
St.-S. (11.
jh.);
dafür: das kint wuoft wider den alten
erste dt. bibel; der jünger wird stoltz sein wider den alten Luther. der tôd chome diê ana, diê solih sint, also fiûr diê genam, diê mit Moyse striten Notker 2, 209, 1
Piper; aber secundum historiam uuâren aqu contradictionis, dar filii Israel stritten mit Moyse et Aaron
ebda 2, 336, 23; streittet ein weib wieder jren man, so streitet sie wieder gott Barth
weiberspiegel (1565) J 8
a; denn wer ist heut so unuerstendig den nicht die warheit mache bendig, wenn er derselben gibt gehör vnd hebt sie zu herr Christi lehr, vnd anders nicht mutwillig heut wider den stachel trit vnd streit? Fischart
s. dicht. 1, 224
Kurz. —
besonders wider gott streiten: wann nu keyn man wedder gott gestritten mag, darumb musz der man vertragen so er best mag alles das im gott duot
Lancelot 1, 63, 18
Kluge; Constantin sprach: 'ya streit ich nicht chainer ding wider got und gern laist ich sein gepot' Havich
d. Kellner
St. Stephans leben 4459; auff das jr nicht erfunden werdet, als die wider gott streiten wollen (
μή ποτε καὶ θεομάχοι εὑρεθῆτε; ne forte et deo repugnare inveniamini)
apostelgesch. 5, 39; der neider hasset den, den gott geliebt; o thor! er streitet mit den göttern selbst Herder 26, 28
S. G@1@bb) gegen etwas (
ein gebot od. dgl.) streiten '
dagegen angehen, sich widersetzen': nîoman nemahti eruuenden mîn gebot, doh er sih ouh peitti unmûozhafto daragagene strîten (
nec quisquam illicitis tollere nisibus concertans cuperet) Notker 1, 764, 10
Piper; vnd wider den glauben soll kein christ handlen, kriegen oder streiten. vnd das ist nun wider den glauben kriegen vnd streiten, wann einer solches mit trutz vnd gewalt, als mit beschwören vnd miszbrauchen desz nammen gottes will zu wegen bringen, so vns doch alles allein durch den glauben möglich ist Paracelsus
opera 2, 307
a Huser; so lehrt es die erfahrung aller nationen: warum streitet man gegen diese erfahrung? Gerstenberg
recensionen 171
lit.-denkm. G@1@cc)
selten '
widerstreben', '
sich sträuben': wolte got, und wærens alle tôren, die ir sô vil gerûnen zuo den ôren! wil si wider si sô lange strîten als wider mich, daz lob ich: sô getuot siz noch in langen zîten (
vgl. streit G 1 b,
letzter beleg)
unechter Walther v.
d. Vogelweide XV, 17
v. Kraus; es mag drum seyn, ich bin bereit zu allen, des himmels schlusz sol mir allzeit gefallen, ich streite nicht, ich bleibe gern allein ich will auch gern der liebe dienstbar seyn Chr. Weise
d. grün. jugend überfl. ged. 48
ndr. [] '
widerspenstig, aufsässig sein': streitten, mutwillen, wiederspenigen, unwirszen, hochfertigen
protervire, voc. teuth. (
Nürnb. 1482) ff 4
b.
vgl. ebda: streytten ...
vel scelrerare miszthun. —
auch mundartl. '
weinen, schreien' (
von kindern)
bei Jakob
Wien 185
b. G@22)
sich um etwas bemühen, danach streben, trachten, ringen, meist in der verbindung nach,
jünger um etwas streiten (
vgl. streit G 1 d
und e
sowie die wendung nâch prîse strîten
unter D 2 b): ûfes küneges hof er reit. nâch sîme zoume niemen streit, daz er daz ors enpfienge Wolfram v. Eschenbach
Willehalm 126, 22; lât in mit guoter minne von iu hinnen rîten und nâch dem grâle strîten
ders., Parzival 425, 26; dô sprach si 'hêrre, ich sihe nu wol, ob ich sô vor iu sprechen sol, daz ir von im rîtet, nâch dem mîn herze strîtet'
ebda 634, 4; swie siech der reine man wære und lîbeskrefte vil nâch lære, sîn geist iedoch mit kreften streit ze der rehten gerehtekeit Lamprecht v. Regensburg
St. Francisken leben 3656; ir wunsch und ir gemüete wart gestellet bî der zît alsô daz si vil gerne hæten dô mit im die marterunge erliten, wan si gemeine dar nâch striten daz si mit dem vil hêren sich wolten lân versêren Konrad v. Würzburg
Silvester 1354; wie das wasser, mit dem wyn vermischt, ouch strytet sin natur ze behalten Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 191; grosz lieb bezwingt mir meinen mut sie hat so gar vmbgeben mich jungen knaben. mein hertz das streit zu jr vnd schreit 'hilff bey der zeit ehe das ich komm in leyden!' Forster
frische teutsche liedlein 199
ndr.; aber bey den verkehrten leutn, die nur nach gunst vnd gelde streitn, hat veritas, der edle schatz, geringe fördrung, raum vnd platz Ringwaldt
lauter warheit (1597) A 1
b; laszt uns heut' um freude streiten! Fleming
dt. ged. 1, 139
lit. ver.; was klingst du, sanfter zitherton? vieleicht, weil mancher musensohn um seines Phöbus huld will streiten Gottsched
ged. (1751) 1, 161; o schreibt es in das buch der zeiten: dasz prinzen jezt um freundschaft streiten Schiller 1, 51
G.; das dichten sei ein streiten um die wahrheit Bettine
d. Günderode (1840) 1, 421. —
oft in der tautologischen formel streiten und streben: ze jungest wart mir doch sô leit, daz ich alsô lebte, daz ich streit und strebte, unz daz ich dâvon kam und mich daz leben annam der minnern brüeder orden Lamprecht v. Regensburg
tochter Syon 1408
Weinhold; ich bin am ziel. genug gelitten! genug gestrebet und gestritten! A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 129; es weis kein mensch, was ich thue und mit wieviel feinden ich kämpfe um das wenige hervorzubringen. bey meinem streben und streiten und bemühen bitt ich euch nicht zu lachen, zuschauende götter Göthe III 1, 91
W.; (
dasz ein volk sich) zu einem lebendigen, selbst noch im streben und streiten begriffenen nachbarvolke hinwendet
ders., I 41, 2, 178
W.; was der knabe stritt und strebte, traun, desz brauchte sich sein vater nicht zu schämen, wenn er lebte Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 137.