G ,
der gelinde stumme kehllaut (
gutturale media),
die mitte einnehmend zwischen dem härteren kehllaut, K (
gutt. tenuis),
und dem mit hauch gesprochenen, Ch (
gutt. aspirata).
zur stellung des buchstaben im alphabete s. 1, 1049,
hier soll vom laute die rede sein. 11)
Lautverschiebung (
s. 1, 1049). 1@aa)
der strengen regel nach müszte die hd. media sich in den entsprechenden wörtern der urverwandten sprachen mit der tenuis decken, hd. G
mit gr. lat. K;
aber gerade hier ist eine durchgehende stockung der verschiebung (
vgl. 1, 1050
unter e; 3, 1209
unter 1),
es tritt dafür hd. H
auf. das hd. G
dagegen entspricht in wirklichkeit einem auszerdeutschen CH
oder H,
ist also gleichfalls auf der zweiten, der nd. stufe stehn geblieben, statt auf die dritte (K)
vorzuschreiten; letzteres geschah nur ahd. ('
strengahd.')
wie in einem versuche, der nicht durchdrang, sodasz doch auch da das G
dem K
gleichberechtigt ist oder vorherschend, wie unter den labialen B
für P,
und wie K
für das strenghochdeutsche CH.
genaueres bei Weinhold alem. gr. s. 174
ff., bair. gr. s. 177
ff. 1@bb)
daher z. b. gr. χήν,
skr. haṅsa :
ags. gôs,
altn. gâs,
nd. gâs,
nl. gans,
aber auch ahd. gans,
nur anfangs oder ausnahmsweis kans,
das die strenge regel verlangte. lat. haedus:
ags. gât,
altn. geit,
nl. geit,
aber auch nhd. geisz,
wie mhd. geiʒ,
und schon ahd., nur selten keiʒ.
Ebenso im auslaut der wurzel, z. b. lat. veho,
skr. vah (vâhanam
wagen) :
goth. gavigan, vagjan,
nhd. bewegen, wiegen, wagen
u. s. w.; στείχω :
goth. steigan,
ahd. stîgan;
ἐχῖνος : igel,
schon ahd. igil;
λέχος bette, ἄλοχος bettgenossin :
goth. alts. ags. ligan,
nhd. liegen,
schon ahd. ligan, liggan,
selten likkan.
s. weiter z. b. galle, garten, gähnen, gelb, gerste, gestern, gieszen, gier, gold, bräutigam, agen, eigen, regen
m. 1@cc)
unter umständen bleibt sogar die verschiebung ganz aus, so in graben, greifen,
wo das R
vielleicht sie störte, in lang
wegen des ng,
während enge
zu ἄγχω stimmt; merkwürdig in saugen,
ahd. sûgan :
lat. sugere (
und ags. doch sûcan,
engl. suck),
in schweigen,
ahd. swîgên :
σιγᾷν.
Wo sie aber hd. wirklich zur dritten stufe durchgeführt erscheint, wie in lecken :
goth. laigôn :
gr. λείχω,
in trocken :
nd. drôge, drœge,
md. treuge (
s. 2, 1426),
ags. drŷge,
in zeigen :
δείκνυμι, auge : oculus, -zig : zehen : decem, fragen : precari, fegen (
s. Weigand wb. 1, 329), genug :
goth. ganauha
genüge, mhd. dagen :
goth. þahan :
lat. tacere,
da sind meist andere verhältnisse mitwirkend gewesen, die noch aufzuklären bleiben. einige freilich, wie dagen, genug,
sehen denn doch aus wie rechte verschiebung zu dritter stufe; vgl. 6. 22)
Vom g
im auslaute. 2@aa)
mhd. ward g
im auslaute zu k (c),
wie d
zu t, b
zu p;
also lange,
aber lanc; dingen,
aber dinc; berge,
aber berc.
und diese regel gilt, nur den meisten leuten unbewuszt, noch heute: im flûge
heiszt es mit g (
oberd.)
oder gh (
md.),
aber flŭgs
mit k (
s. flucks),
mit vergessen des ursprungs, wie schon die kürze zeigt; 'lange' weile
heiszt es, aber mir wird die zeit 'lank'
sagt jeder der natürlich spricht, d. h. die so zu sagen angeborne regel unbewuszt walten läszt; das 'dink' will mir nicht gefallen, ich musz mir 'zwank' anthun; sank
cecinit, brink
affer, fank
captura, henkst
m. (
dagegen nur bang, eng, lang
adv., weil bange, enge, lange
noch gefühlt darin steckt).
ebenso tak
dies, lak
jacuit, wek
via, zuk
tractus, berk
mons, burk
castrum, selbst im nebentone frühlink,
und nicht anders kegelschŭp, liep, grûp, gĭp, ăp, stâp,
und bât,
nordd. băt,
balneum, leit, liet, kint, magt,
immer nach dem jahrhunderte alten gesetze, das bei sprachlehrern freilich noch nicht zu finden oder anerkannt ist, es würde auch die beliebte gleichmäszigkeit empfindlich stören, in der man das heil sucht. selbst die dichter machen nur selten gebrauch davon und reimen z. b. trank : sang,
sie könnten den unnatürlichen zwang ganz abwerfen. 2@bb)
im md. gebiete wird das gesetz von einem andern einflusse gekreuzt. da gilt auch -ch
als auslaut für g,
in meiner heimat z. b. bestehn neben einander tâk
und tâch, lâk
lag und lâch, zôk
und zôch, trûk
und trûch, wêk
und wêch, wĕk
und wĕch (
fort), berk
und berch,
doch zum theil in palataler aussprache (
s. 3,
b);
nur in der adjectivendung -ig
nie mit k,
wie doch oberd., im 16.
jh. auch md., z. b. 'freszick
crapulosus'
voc. opt. Lpz. 1501 H 1
a (
neben gyrich
cupidus Cc 5
b).
Dieses -ch
stimmt zu dem nd. auslaute, dăch
tag, măch
mag, wech, berch
u. s. w., der nun durch die maszgebende geltung der md. sprache sich selbst in das gebildete oberdeutsch einschleicht. wenn schon mhd. bei oberd. dichtern im reime z. b. tach
erscheint Gudr. 1166, 1, burch
Lanz. 5524, wach
Biterolf 7359 (
s. mehr bei Weinhold
alem. gr. s. 191,
bair. gr. 190),
so ist das im ursprunge von jenem nd. md. -ch
doch verschieden, aus tak
u. s. w. entstanden durch eine übertreibung der lautverschiebung, hindurchgegangen durch takh
u. s. w., während das nd. dach
aus dagh
gesteigert ist. 2@cc)
im 16.
jh. übrigens hat man das gesetz noch gekannt und gehört, denn die da beliebte schreibung bergk, burgk, buckingk
halec desiccatum voc. opt. Lpz. 1501 D 6
b (
noch jetzt in namen, Bergk, Schomburgk)
hat keinen andern grund als das gewissenhafte streben, sowol der aussprache recht zu thun, mit dem k,
als auch der verlangten übereinstimmung mit den andern formen zu genügen, durch das g.
und als man im 17.
jh. und später die allerdings häszliche schreibung bekämpfte (
so noch Schmotther 2, 16
i. j. 1726)
und wieder ausmerzte, hätte man das g
auswerfen sollen, nicht das richtige k;
nicht anders ist es mit dem dt
in landt, windt, schwerdt, Berndt, Kerndt (
vgl. 2, 645),
während ein stabp
u. dgl. mir nicht bekannt ist. 33)
Von der aussprache. 3@aa)
die aussprache des G (
wie des B,
auch D)
ist eine zweifache, eine härtere und eine weichere, mit jener mehr dem k,
mit dieser mehr dem ch
sich nähernd (
vgl. 2, 610 CH 2);
die erstere gilt wo das G (B, D)
vom einflusse der vocale ganz frei ist, hauptsächlich im anlaute, die andere wo es diesem erweichenden einflusse der vocale oder auch der liquiden l, r
ausgesetzt ist, wie in legen, sagen,
und berg, balg,
wo letztere fälle nicht dem auslautgesetze unter 2
folgen. Diese doppelheit ist in seiner natur begründet als '
media' (
zwischen tenuis und aspirata die mitte haltend, den übergang bildend),
und es ist tadelnswert und lächerlich, dasz tonangebende, wie schauspieler und selbst lehrer, angefangen haben diesen unterschied als plebej zu verschmähen, die blosz harte aussprache für hochdeutsch zu halten, sodasz man da eigentlich leken, saken
zu hören bekommt. so wenig ist zur zeit noch die hohe deutsche sprachwissenschaft der lebendigen muttersprache zu gute gekommen, dasz ihr die gebildeten ungehindert einen solchen schaden anthun können!*) 3@bb)
die weichere aussprache ist aber dialektisch verschieden. 3@b@aα)
für einen theil des oberd. gebietes zunächst, den südlichsten, den man den strenghd. nennen kann, wird die weichere aussprache überhaupt in abrede gestellt, s. Schmeller
bair. gr. s. 94, Weinhold
alem. gr. 180,
bair. gr. 183,
das inlautende g
sei da dem anlautenden völlig gleich. aber ein wenn auch noch so kleiner unterschied dürfte sich scharfem hören doch erweisen. übrigens erscheint auch oberd. die weiche aussprache an stellen, wo an einen md. einflusz nicht zu denken ist, wie in der Oberpfalz z. b. magher Schmeller
a. a. o., in Niederösterreich glch
f., trauer (
d. i. klage) Castelli 140,
in Tirol jachd
jagd, fliecht
fliegt Fromm. 3, 110;
in einem österr. stücke des 15.
jh. bejachen,
bejagen, gesichet
gesiegt Berl. heldenb. 1, 295
a. 296
a,
nürnb. 15.
jh. klachlich
voc. 1482 (
s. kläglich 1,
a).
s. schon in ahd. zeit -gh-
vor e
und i Weinhold
bair. gr. 183,
alem. gr. 180.
s. weiter u. c und d, γ. 3@b@bβ)
die aussprache der mitteld. mundarten ist nach a, o, u, au
völlig aspiriert, dazu vergröbert dasz sie dem ch
gleich ward; nach e, i, ei, eu (äu), ü
aber ist sie in ein anares organ um- *)
es ist wie mit dem unterschiede des umgelauteten und gebrochnen, d. h. des hohen und tiefen e,
den das theater und der salon aufzuheben angefangen haben, das tiefe e (ë)
als niedrig zu verschmähen. ja freilich, die '
orthographie'
kennt ja blosz éin 'e'!
dasz aber auch deutsche sprachlehrer und forscher den unterschied nicht mehr kennen wollen, trotz Jacob
Grimm!
geschlagen, '
palatal'
geworden, d. i. nicht mehr der kehle, sondern der vorderen gaumgegend angehörig, so dasz diesz G
dem J
am nächsten liegt; ihm folgte da auch das CH
in derselben lage, daher, hauptsächlich seit dem 17.
jh. unter md. einflusz, verwechselung beider, z. b. in fittig, lattig, adlig, kindgen, rosigt (
noch Schiller), kräuterig
krautwerk u. s. w. mit g
für ch,
vgl. 2, 610. 3@b@gγ)
in einem groszen theile des östl. Norddeutschland bemächtigte sich diese palatale aussprache sogar der anlautenden G (
mitteld. nur in der vorsilbe ge-
theilweis, vgl. J. Grimm
oben 2, 610
unter CH 2),
auch der dem vocalischen einflusse ganz entrückten, wie in grosz, glas, gnade ('jrosz'),
während ebenda das inlautende, wie in sagen, legen
sich eigner weise meist guttural erhielt, leicht aspiriert, dem oberdeutschen ähnlicher als dem md., oder zwischen guttural und palatal in der mitte schwebend (
vgl. u. d, α).
In einem groszen theile des westlichen Norddeutschland dagegen macht sich eine stark aspirierte gutturale aussprache bemerklich, die auch den anlaut ergriffen hat (ghut, ghrosz). 3@cc)
das ursprüngliche und geschichtliche dieser eigenthümlichen verhältnisse, die hier nur in umrissen anzudeuten waren, bleibt groszentheils noch aufzuhellen. doch läszt sich sagen, dasz, die sache an sich betrachtet, das oberd. verhältnis als das reinste, darum wol älteste erscheint; im mitteld. ist der unterschied am schärfsten ausgeprägt worden (
zumal das härtere G
da zu hart, eigentlich mehr ein K
ist),
mit der palatalen aussprache aber eine ausartung eingerissen; eine solche ausartung ist auch die nordd. übertragung der aspirierten aussprache in den anlaut, die übrigens auch dem niederl. eigen ist (
wie sie altroman. bestand vor den sog. weichen vocalen, s. Diez
altrom. gloss. 67,
nicht anders neugr.)
Im folg. einige andeutungen zur frage nach dem alter dieser erscheinungen. der gehauchte laut, mit gh
bezeichnet, erscheint schon ahd., selbst im rein hd. gebiete (
s. u. b, α),
besonders in fränkischem und benachbarten hd. gebieten, vor e, i, ei,
auch im anlaut in den vorpartikel ghi- (
mit dem heutigen mitteld. stimmend),
s. Grimm
gr. 1
2, 182, Müll.
u. Scherer
denkm. s. xxii
und 466.
eben diesz gh-
ist im mnd. und niederrh., auch mnl. das zeichen für aspiriertes g
und sollte von herausgebern nie '
geregelt'
werden in g. 3@dd)
am wichtigsten und anziehendsten ist die frage nach der palatalen aussprache (
wie beim -ch). 3@d@aα)
entstanden sein musz sie aus der aspirierten aussprache oder aus dem gh
als '
reibelaut',
und zwar unter dem einflusse des i
mit seiner vocalsippe, das jenen consonanten gleichsam von der kehle zum gaumen vor zog;
der consonant gab dem wichtigeren vocale nach und folgte ihm nach séiner (
des i)
entstehungsstelle, wenn er nicht auf halbem wege stehn blieb, wie in dem u. b, γ erwähnten falle. Am leichtesten, also am ersten muszte das im inlaute, hinter dem i
geschehen. wenn also im 16.
jh. bei md. dichtern -ig
und -lich
reimen, hatten beide, g
und ch,
schon die palatale aussprache, wie sie schon fürs 15.
jh. und früher das häufige einich
bezeugt (
s. 5, 496, 13.
jh. Pfeiffers
übungsb. 12): kam éin muck unversehenlích, schnaufénd, schwitzend und blutrüstíg. Fuchs
mückenkr. 1, 127
fg., vgl. sich: krieg 1, 7. 2, 81 (
guttural dach: ich sag 1, 244), aufzeig: gereich
froschm. C 4
a;
dasz daneben, wenigstens nach e,
die alte verhärtung zur tenuis gieng (
s. 2,
b),
zeigen reime wie hinweg: zweck, steg : dreck
froschm. K 3
b. 6
b.
Die völlige palatale erweichung schon in ahd. zeit auf md. gebiete zeigt z. b. cielen
lateres Nyerup symb. 353,
geschrieben für cîjelen,
ziegeln (
im auslaute das. 349 (blâsbalch),
dem Mittelrhein angehörig; ebenso in einer Trierer urk. v. 1248
b. Höfer
auswahl s. 4 besielen bit mime ingesiele (i
für ii
geschrieben wie in altlat. abicit
u. ä.),
wie Orienes
für Origenes
in dem md. Leipz. Sachsensp. 1, 3.
in derselben Trierer urk. 'pleier'
pfleger, und ain (ân) arie list,
auch vor sente Rimeyes daye,
s. Remigii tage (
neben versihheren).
Besonders auch im nebentone: der selbien lute Haupt 8, 311,
thür. 15.
jh., durchleuchtier ... gnedier liber her
Nürnb. chron. 2, 525, 15.
jh., und ebenso nd.: de jenie,
derjenige. weisth. 4, 679
; im 14.
jh. in dem reime Sicilien: hilien (
heiligen) Jeroschin 25537.
ebenso bei -ich,
und zwar oberdeutsch: kintlier, lieplier
u. ä. bei Wolfram,
s. Lachmanns
ausgabe xliv; hesselien
häszlichen Heinzelein v. Konst.
s. 132
var., vgl. md. tegelîs : prîs Ebernand 3165;
doch nur im letzten falle ist palatale aussprache daraus anzunehmen. Auch wenn kein e
folgt: sponsus, brutiamer. Melber
voc. varil. y 5
a,
var. brütiam Dief. 548
c,
wie nach einem a
in daye
vorhin. dem arie
für arge
vorhin entspricht Eustorius,
wie Rhabanus Maurus für Eustorgius
schrieb (Haupt 6, 198),
also selbst schon Eustorjius
sprach. 3@d@bβ)
im anlaute. i. j. 1626
sagt ein Pfälzer, C. Scioppius, Meiszen nach, man höre da jott
für gott, gar
für jahr,
z. b. jott jeb euch ein jutes naues gar (
Germ. 11, 321),
was doch dem eigentlichen Meiszen fremd ist, er mochte etwa die Torgauer, Wittenberger pflege meinen. aus Colerus
hausb. 2, 4 (
ein Schlesier im 17.
jh., der in Norddeutschland lebte),
citiert Frisch 1, 554
b juckkuk
guckuk. im 16.
jh. schreibt Lucas Cranach der jüngere einmal brieflich yeldt
geld (
jahrb. d. mekl. ver. f. gesch. 21, 308),
gewiss Wittenberger aussprache. Aber auch über 1500
hinaus: ieben
concedere und beiaben
munerare in einer md. hs. d. 15.
jh. Dief. 138
c. 371
b, yessen
gegessen und iarkost
garkost in hss. des Kulm. rechts 3, 86, iende
gehend im md. Ssp. der Leipz. univ. bibl. (
nr. 948) 2, 59, 3, 15.
jh., iasse
gasse Ortloffs
rechtsquellen 1, 108. 110,
also schon nicht blosz vor den vocalen des gaumens. Vor letzteren im 14.
jh. und weiter rückwärts: Jhesus beiegente in sagende 'sit gegruʒt'. Haupt 9, 286,
md. 14.
jh.; im 13.
jh.: unde liefen allerwegene Josepe san zuo iegene.
Schweriner hs. des evang. Nic., Pfeiffers
übungsb. s. 5; wol gezâmen und beiegenten. 18.
Und schon in ahd. zeit: '
ludicra verba, spil iechose' (
gekose). Haupt 5, 200,
anf. 11.
jh., rheinisch (
erscheint doch ebend. in dieser zeit ch
schon palatal in nejeina
für necheina Müll.
u. Sch.
denkm. 179),
vgl. nrh. 15.
jh. jaden, jar
für gadem, gar
Mones anz. 8, 407
b.
noch früher im östl. md., denn Gibichenstein
heiszt bei Thietmar Ivicansten,
beim annal. Saxo Ivicanstein,
s. Förstemanns
namenb. 2, 543 (i
für ji
wie u. α).
Eigen gj
vereinigt in einer Cölner urk. v. 1261: gieuen,
d. i. gjeven,
geben Höfer
ausw. 12,
wie ebend. 143
nrh. 14.
jh. nebue, abuer, gebuen,
d. i. nebve, abver, gebven,
neve, aber, geben, es ist damit wie mit dem -gk, -dt
unter 2,
c. auch rein ahd. erscheint diesz gi-,
doch für j-,
s. Weinhold
alem. gr. 183,
bair. gr. 182
fg. 3@d@gγ)
aber auch nach Süddeutschland hinein reicht die palatale aussprache. im Elsasz gilt sie im inlaut weit nach süden, durch einflusz vom niederen Rheinlande her (sinjeht
für süngiht
schon im 15.
oder 14.
jh. niederels., weisth. 1, 683). Straszburg
heiszt an ort und stelle Strôszburj (
Weinh. al. gr. 181),
in Arnolds
pfingstmontag jäjer 85, veejel
vögel 104, krieje
kriegen 95, gorjel 80,
selbst juejed
jugend 84,
und saaje, traaje 75 (
kaisersbergisch oder kolmarisch),
daneben aber prächtigg 75, güetigg,
auch ehrligg 76.
auch Nordschwaben, Franken haben das palatale g
im inlaute, s. Schmeller
bair. gr. 95;
auch Iglau in Mähren (
md. sprachinsel?) Fromm. 5, 215
fg. Aber merkwürdig im Teuerdank jembs
neben gembs
gemse 20, 20. 23. 35. 49.
in einer oberd. hs. des Neidhart (
c)
aus d. 15.
jh. jejehen, jemelich 167, 6. xxiii, 24.
in Nürnberg im 15.
jh. erscheint jaraus
garaus, jar
gar, jegen (
chron. 2, 557
b)
neben geger
jäger (552
a), jasse
gasse fastn. 43, 24,
s. mehr Weinh.
bair. gr. 197.
Die md. und nordd. benennung des buchstaben als 'jê' (ga
wäre für die gutturalis besser, wie ka
für k,
doch schon mhd. g: wê
lieders. 1, 352)
reicht wol auch ins bair. und östr. gebiet, s. Schmellers
wb. 2, 1,
schon Ickelsamer
gibt sie deutlich an: das g, so die zung das hinderst des guomens berrt, wie die gens pfeisen, wenns einen anlaufen zuo beiszen.
gramm. B 1
a.
ist doch selbst auf rein alem. gebiete das rein gutturale ch
einzeln in die gaumengegend vorgerückt, zu j
geworden (
s. 5, 2
anm. **). 3@d@dδ)
auch wo g
für ch
geschrieben ist, zeugt das für palatale aussprache beider, s. schon unter α.
so in -gen
für -chen (
s. 2, 614),
schon um 1500 kistgen Michelsen
Mainzer hof 19, weibgen
voc. opt. Lpz. 1501 B 5
b,
im 15.
jh. krustigen
crustula Dief. 160
b.
und noch früher, z. b. im Leipz. Sachsensp. eigen
eichen, wîgen
weichen, wîgbilde, ieclig,
wie umgekehrt phlicht
für phligt (
s. meine ausg. s. xiv).
westmd. im Arnsteiner Marienleich ig, gelîg, durg (
auch dog, oug, ûg
euch) Müllenhoff
u. Scherer
denkm. 108
ff. wieder auch fränkisch, schon im 15.
jh., gewigt, schlegt
Nürnb. polizeiordn. 73. 174,
wie gerücht
für gerügt 73.
und nrh., in dem osterspiele Haupt 2, 326. 327. 325. 304 kirge, zeigen, mig, ig,
das wird aber gutturale aussprache meinen, wie ebenda 324. 325 nog, magge, saggen
für noch
u. s. w. auch nürnb. schon bei H. Sachs jacht (
jagd): nacht 3, 2, 8
c (
s. 2, 1222),
s. mehr unter b, α zuletzt. 3@d@eε)
hier ist es auch am orte, einer ganz eigenthümlichen ausartung des palatalen g-
zu erwähnen. eine mundart der Zips sagt djên
für gehn (Schröer
nachtrag 43
b),
und etwas ähnliches im siebenb. s. Fromm. 5, 367 (brangen,
bringen, mit ähnlichem g).
wenn nämlich die gaumenhafte aussprache der erste schritt auf dem wege ist, der die gutturalen zu der gequetschten aussprache brachte, wie sie in so vielen sprachen eintrat (
z. b. ital., engl., auch bei uns im friesischen),
so zeigt sich in dem djên
zu dieser der förmliche übergang auch auf hd. gebiete; hört man doch mitten in Deutschland ja
als dja
aussprechen. ebenso wird im munde des Isländers k
vor e, i
zu tj,
z. b. ketill
kessel wird jetzt gesprochen tjétidl;
auch schwedisch, z. b. käle
frost wird förmlich auch tjäle
geschrieben. Ebenso liegt zwischen den heutigen quetschlauten romanischer sprachen und dem ursprünglichen gutturalen klange eine palatale aussprache als übergang, z. b. altital. 'ariento'
aus argentum,
s. Diez
altrom. gloss. 67.
auch das altgr. γ ist in neugr. munde palatal geworden vor den vocalen des gaumens. 3@ee)
endlich eine andere verschiebung des g-
in der mundstelle, die weit verbreitet ist, oberd. wie mitteld., meistens völlig unbewuszt, dasz man nämlich vor l
und n (
den dentalen liquiden)
das g
zu t (
also dental)
macht: tlas, tnade (
wie tlagen, tnabe,
s.K 4,
b;
das ist z. b. erzgebirgisch, hennebergisch, fränk., oberbair., tirol., oberöstr. (Weinh.
bair. gr. 145),
während umgekehrt z. b. antlitz
zu anglitz
wird (
bair., sächs.).
so ward ἁγνός kretisch zu ἁδνός u. ä. 44)
Mit j
wechselt aber auch das echte, gutturale g. 4@aa)
schon mhd. z. b. in jëhen
confiteri (
s. beicht),
praes. sg. gihe,
und schon ahd. giho
neben jiho, gëhan
neben jëhan;
vgl. gicht aussage. so haben g
für ursprüngliches j gähren, gäten, gauner,
umgekehrt j
für g
nhd. jähe. 4@bb)
auszerdem ist der wechsel landschaftlich vielfach zu finden, oberd. wie md. und wol auch nd.: gener
für jener (
schon ahd.), gammer
für jammer
oft bei Merswin (gomer Königshofen),
oberrh., auch guddesch
jüdisch Merswin 54, gunc
jung 49. 58,
auch Neidhart 23, 20
in c, Gesus
altd. bl. 2, 125,
alem., geger
jäger weisth. 4, 790
nrh., gegeid
gejeid Haupt 8, 519, 88
nürnb., gacke
jacke Trochus
bei Dief. 112
c meisn., goch
joch Tucher
baum. 74, 18. 27
nürnb., gope
joppe Uhland 650,
und noch jetzt in vielen gegenden verschiedner mundarten, erzgeb. z. b. gunge, garmarkt, Gohann, Gerusalem,
auch der Leipziger gegend nicht fremd; s. Schmellers
mundarten § 503.
kommt doch ga
für ja
vor (
vgl. Fromm. 6, 516).
vgl. auch gurke. 4@cc)
im inlaute in fällen wie im ältern nhd. kregen
für mhd. kræjen,
nhd. krähen, krege kreg
krähe, mhd. kræje,
und so in wegen, dregen, müge, küge
und vielen ähnlichen worten, wo mhd. ursprüngliches j,
nhd. h
steht; so schon gut mhd. z. b. eiger
eier, chuoge
kühe, und ahd., s. Weinhold
alem. gr. 183,
bair. gr. 184.
tritt es an dieser stelle doch selbst für -w
auf, s. das. 184. 185,
wie noch in Luserna neuge
neu (
mhd. niuwe), haugen
hauen, paugen
bauen (Zingerle
lusern. wb. 4),
oberbair. schaugn
aus mhd. schouwen
schauen. 55)
Wechsel mit K. 5@aa)
in sarg
ist es für urspr. k
eingetreten, mhd. sark (
so noch Haller 193,
vom urspr. des übels 3,
im reim auf stark).
im anlaute wird aus unbetontem ge-
durch ausfall des e
ein k,
vor w
ein ku (qu)
oder kw;
so schon ahd., alem. quinnen
gewinnen, quis
gewiss, s. Weinhold
al. gr. 185
anm.; bei H. Sachs verqualten
vergewalten (
bair. gr. 192),
und noch in oberd. mundarten, selbst md. z. b. in Leipzig als rest aus alter zeit quanthaus
gewandhaus, vgl. gewandsweis.
ebenso vor l, n, r,
ahd. z. b. cnuoge
genug Müllenh.
u. Scherer
denkm. 41,
und vor s,
wo dann auch x
geschrieben erscheint, wie xel
collega Dief.
nov. gl. 100
b, eines ieden xellen lon Mones
anz. 3, 207, gebraten und xotten Lenz
Schwabenkrieg 105
a. 5@bb)
eigen ist dasz in fremdwörtern, besonders romanischen, ein k (c)
gern als g
erscheint, so in oberd. gant, gabisz, galander, garausche, ganter, Gaspar, gerner
carnarium, guster
küster, gugel
cucullus, gumpost
compost, gunkel, golter, goller, gork, gampfer gaffer
kampfer, gamille, gutsche, sagerer
sacrarium (
vgl. sigrist : sacristei),
meist schon mhd., selbst ahd. (
wo auch z. b. garre, garro
carrus, s. Weinh.
al. gr. 179,
bair. gr. 181
fg.),
während gerade md. und nd. da meist k
steht; noch schwankt k
und g
in manchen fremdwörtern, z. b. in gamasche, galosche.
das oberd. k
musz bei der übernahme härter geklungen haben als das fremde, und härter als das md. nd., vgl. 5, 2
anm. *** und Schmellers
treffende bemerkung in den mundarten § 414. 5@cc)
aber auch in heimischen wörtern zeigt sich solches verhältnis zwischen oberd. g
und nd. k,
s. darüber K 2,
g; auch bei den lippenlauten fehlt es nicht, denn z. b. schweiz. beilen
eichen Stalder 1, 154 (
mrh. beieln
weisth. 4, 599)
entspricht dem nl. nd. peilen,
und die von J. Grimm
unter beilen
angenommene entlehnung dieses aus jenem wird umgekehrt richtig sein. 66)
Wechsel mit h. 6@aa)
in der verbalflexion: zogen, gezogen, zug
von ziehen, gediegen
von gedeihen,
bair. gezigen
von zeihen (
vgl. bezick, bezig 1, 1799), gesigen
von seihen (
vgl. versiegen)
u. a., nach mhd. ahd. regel; das h
war wol nach kurzem vocal (
mhd. gezŏgen, gedĭgen)
zu unbequem zu sprechen, das naheliegende g
bequemer. 6@bb)
aber auch auszerdem wechseln h
und g,
wie in schwäher: schwieger, schwager,
wo das h
der regel (
unter 1)
folgt, das g
aber weiter auf die dritte stufe trat (
lat. socer),
wie in mhd. mâgen
neben mâhen
mohn (
μήκων).
dieselbe fortbewegung zeigt sich schon goth., in tagr
thräne :
δάκρυ,
ahd. zahar,
in fulgins
aus fulhans (
s. 3, 92), veihan
neben veigan
kämpfen (
ahd. ebenso wîhan
und wîgan),
praet. vaih,
wie lauh
von liugan, drauh
von driugan;
vgl.rügen :
goth. vrôhjan,
ahd. gafagjan :
goth. fullafahjan
genüge thun, alts. gifehan
sich freuen : fagan
froh. das ist doch alles eine wirkliche verschiebung zur dritten stufe, die gleichsam versuchsweise, von zufälligen umständen unterstützt auftritt, nicht zur herschaft durchdringen konnte. 6@cc)
noch anders in fangen, hangen, hunger,
wo das g
aus h
durch das n
herbeigezogen ward (
auch bei bringen?),
wie in fulgins
wol durch l.
es war wol aber dabei ein durchgang durch aspiriertes g (gh),
wie es in älter md. sâgen
für sâhen
viderunt u. ä. gewiss anzunehmen ist, wie wahrscheinlich auch für goth. b
und d
in giban
neben gaf, bidjan
neben baþ.
s. auch geweih, reiher,
die ursprünglich g
haben. 77)
Zuweilen tritt g
blosz der aussprache zu liebe auf, um vocale zu trennen (
gleichsam ein verhärteter spir. lenis?),
so in reigen (reihen),
mhd. reie,
oft in mhd. zeit und länger nachher, s. z. b. baige
f. baie 1, 1367.
denselben dienst thun früher auch j, h
und w,
z. b. der weih (
raubvogel)
heiszt ahd. wîo
und wîho, wîjo, wîwo, wîgo.
vgl. 4
am ende. so noch im 16.
jh. md. ruge, rugen
ruhe, ruhen u. ä. (Luther, Alberus,
s. unter kühruhe),
wo mhd. w
steht. 88)
Wegfall des G. 8@aa)
ausfall zeigt sich zwischen vocalen, welche sich zu vereinigen streben, wie bei seinen genossen b
und d. so schriftdeutsch in beichte (
s. 1, 1359), getreide, feile, ei, eidechse, eide
egge, ahd. egida (
thür. êde,
voigtl. eid),
in hain, Reinhard;
älter und mundartlicher leit
für legt
und liegt, seite
sagte, u. dgl., vgl. klagen I,
a. besonders oft in mundartl. und älterm mitteldeutsch (
auch mnd. mnl.),
wie wain (woin)
wagen, rein
regen, seinen
segenen, auch klâte
klagte, frâte
fragte (
md., auch oberrh. Merswin 89).
zugleich mit kürzung in gen, sense, elster. 8@bb)
abfall vorn erscheint nur in ge-
im nördlichen mitteldeutsch, z. b. nordthür. ä kan nech irêde,
er kann nicht gereden (Bech),
schon im 15.
jh. z. b. ekawfte orteil
gekaufte urtheile Behrend
Magdeb. fragen s. vii.
ebenso in dem benachbarten nd. in Schambachs
wb. aus den fürstenthümern Göttingen und Grubenhagen, z. b. ebrocht
gebracht 33
a,
auch hier schon im 15.
jahrh., z. b. enôch
genug Germ. 10, 392,
jetzt enaug Schamb. 62
b.
ähnlich doch auch bairisch, s. Schmeller
bair. gr. 98. 8@cc)
abfall am ende ist in oberd. mundarten häufig, z. b. bair. kini
könig, gnue
genug, s. Schmeller
bair. gr. 96. 99) gg
erscheint nhd. nur noch in flügge, egge, roggen,
in denen es die überlegung der orthographen schützte (
zur erinnerung an fliegen,
unterscheidung von ecke, rock),
und in den fremden dogge, baggern, flagge;
man schrieb auch schlagge Besser
ged. 55.
das häufigere mhd. ahd. gg,
wie in glogge, egge, rügge, mügge
ward zu ck,
mit dem es schon damals wechselt, in oberd. mundarten aber ist es (
natürlich rein guttural, wie mhd.)
noch viel vorhanden.