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grimm

ae. bis spez. · 13 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

grimm adj.

Bd. 9, Sp. 340
grimm, adj. AA. form. dem west- und nordgerm. gemeinsames wort: ahd. grim, grimmi, asächs. ags. afries. grim, anord. grimmr; übereinstimmende bedeutung ist 'wütend, wild', vielfach weiter entwickelt zu 'böse, furchtbar'; im got. nur, mit anderer ablautstufe, gramjan 'reizen'. von einer idg. wurzel *ghrem- 'reiben, knarren, knirschen', die in gr. χρεμίζω, χρεμέθω 'mit den zähnen knirschen, wiehern', χρόμος u. a. wiederkehrt, vgl. Fick 33, 142; Falk-Torp 1, 340. 347. die grundbedeutung tritt rein zu tage im ahd. subst. zano gagrim stridor dentium Mons. fragm. 10, 6. 24; 16, 2 Hench. das adj. hat in mhd. zeit noch die vorhand vor grimmig (s. d.), in der nhd. zeit wird es allmählich von dem abgeleiteten adj. zurückgedrängt, und im 18. jh. ist es in gefahr, der concurrenz zu erliegen (grimm, olim für grimmig Frisch [1741] 373b; 'im hochdeutschen veraltet, im oberdeutschen aber noch für grimmig, wütend, grausam gebraucht' Adelung), als es sich in die poetische sprache rettet, um auf diesem gebiet noch ein kräftiges leben zu entfalten. BB. bedeutung. als ausgangspunkt der bedeutungsentwicklung ist der begriff der zähneknirschenden wut anzusetzen; und vielleicht steckt in der bei Murner (nach Schmidt elsäss. 155a) überlieferten redensart ein grimen zan den tempelknechten zeigen etwas sehr altes. B@11) am nächsten heran an diesen ausgangspunkt führt die bedeutung 'in wut geratend, zornwütig, ergrimmt': so der grimme rihtare an der jungesten urteile zornlichen chumet spec. eccl. 143 Kelle; daz zurnder sô sêre,daz er mich dô sluoc mit einer starken schalten:des wart ich grimme genuoc Nib. 1545, 4; doch tritt diese bedeutung im mhd. gegenüber 3 zurück, wie man etwa am Nib.-lied studieren kann; später häufiger: efferus grimm und schier als ertaubet Frisius (1556) 460b; soll einem das nicht das hertz grim machen, quod dicit 'dominus' Luther 29, 666 Weim.; der lew schmecket usz dem geruch des pardi den eebruch der lewin. darumb würt er grimm das selbig zuo rechen Eppendorff Plinius (1543) 50; mit präpos.: das pöfel .. wider die Carthaginenser grimm machen Xylander Polybius (1574) 59; ist er in seinem gemüt erzürnt und gantz grimm über Lewfriden worden Wickram 2, 351 lit. ver.; und so bis in die neue zeit: mein Tilly kam nicht aus dem hain, er war erhitzt und grimm genug Droste-Hülshoff 2, 158; natürlich auch übertragen: der keiser übel unde rôt der rede im antwürte bôt ûz eime grimmen herzen Konr. v. Würzburg Otto v. 231; als ich die wort ausz grimmem sinn in zorens weis warf her und hin Seb. Brant nach Schmidt elsäss. 155a; trifft mit dem arm und grimmen blicken, was schnell nicht aus dem pfad kann rücken Droste-Hülshoff 2, 67; der herzog grimmen tones sprach Arnim 14, 262. B@22) von bedeutung ist ein nur im mhd. nachzuweisender, später erstorbener gebrauch, der das adj. auch für andere erregungen als die der wut, des zornes verwendet; 'wild, auszer sich vor schmerz, verzweiflung u. dgl.': dô hôrter eine stimme jæmerlîchen grimme von dem wege wüefen, nâch helfe rüefen erbarmeclîchen ein wîp Er. 5297; so namentlich neben weinen und klagen: [] sie waineten vil grimme Rol. 199, 24; sô chlaget er dich grimme 235, 9, beides in der volksepik öfter; s. u. 5 b; diese bedeutung findet beim verbum 1grimmen eine stütze, s. d. 1; schlieszlich kann das adj. ganz zum begriff leidenschaftlicher erregung verblassen; so spurweise im frühnhd.: (der kaiser u. seine frau) sachend das grim louffen des volks und hortend auch das geschrey dtsche volksb. 285, 25 Bachmann-Singer; vgl. 2grimm 4. B@33) der weitaus vorherrschende gebrauch zeigt das adj. in einem von 1 deutlich unterschiedenen sinne, mehr dauernde eigenschaft als vorübergehenden zustand bezeichnend, also acer, atrox, ferox, ferus, efferus, trux, sœvus u. ä. Graff 4, 324; crudelis Dief. nov. gl. 121a; crudus, crudelis Frisius (1556) 346b; immanis 650a; importunus 662a; violentus 1385b. B@3@aa) zumeist von menschen: der eber bedäut uns die grimmen läut, die .. alle zeit grimmik und swarz beleibent in irn sünden Konr. v. Megenberg buch d. natur 121, 15; da man etwen einen menschen findet, der ist grimm, er ist rauh, wil jederman überfaren Keisersberg seelenpar. vorr. 2b; im älteren nhd. öfter in der allitterierenden verbindung: do sindt die heiden .. grim und grob gewesen Hedio chron. germ. (1530) p vib; seit alters gern attributiv, und zwar vielfach in einem halb formelhaften gebrauch: der grimmo Nero saeviens Graff 4, 324; im Heliand stehendes beiwort der Juden; haiden die grimmen die wolten gerne unterdringen dere cristen scar Rol. 167, 1 u. ö., gerade bei diesem subst. bis ins nhd. vielgebraucht; der grimme Hagne Nib. 934, 1 u. ö., wie überhaupt gr. ein lieblingswort des Nib.-dichters ist; der küng Porsena grimm und streng belegert Rom Schwarzenberg Cicero (1535) 119a; der grimme sultan Lohenstein Ibrahim sultan 37; so von der zweiten hälfte des 18. jhs. bis in die neueste zeit in gehobener sprache wieder sehr häufig: er ziehe gegen grimme Saracenen Herder 15, 85 S.; wenn wir dem grimmen Welfen widerstanden Rich. Wagner ges. schr. u. dicht. 2, 21; feste fügungen sind der grimme teufel und, bis in unsere zeit fortlebend, der grimme feind und der grimme tod: so siht er denne die grimmen tüfel Schmidt elsäss. 155a (aus dem 14. jh.); gott, der liebt nicht nur die frommen, ... sondern auch, die ihm genommen durch den grimmen seelenfeind P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 299b; allwo er jetzt, da neu entbrannt der krieg, gar hart gehalten wird vom grimmen feind Grillparzer 8, 10; o du grymer tod, wie kanst du so hert und so streng seyn Fortunatus (1509) 94 neudr.; (der acker) drauf seine garben wacker hinwirft der grimme schnitter tod Freiligrath 3, 80 Schmidt - Weiszenfels; ältere sprache versteht diese wendung vielfach anders, s. u. 3 b. namentlich die früheren perioden der sprache lassen gewisse schwankungen des sinnes erkennen, wie sie schon aus manchen glossierungen erhellen: ingratus, acharis Graff 4, 324; malignus Dief. 344a; spurcus 549a; besonders die bedeutung 'streng, hart, grausam' hebt sich schärfer heraus: acerbus crim, grim ahd. gl. 1, 12, 6; austerior crimmira, crimmiro 1, 26, 36; severus Dief. 531b; ih forahta, uuanta thû grim man bist, nimist thaz thû ni sáztôs (quia homo austerus es) Tat. 151, 7; grimmen chuning immitem Graff 4, 324; die vorvluchten und die grimmen, die diser werlde walden und ir gut vor enthalden den durftigen, den husarmen Hesler apoc. 22694; [] davon fiel er in viel laster und ward eyn grimmer herr und von den seinen verhast Carbach Livius 127a; ein ochsen hab ich in dem stal, den will ich schencken im, ja im, weil ich nicht gelt hab allemal, dasz er nicht sey so grim Ayrer 5, 3039 lit. ver.; vgl. dazu homo durus, tumidus grimm, stoltz, hochfertig, hochtragen Frisius (1556) 1336b; ferox fräch, stoltz, grimm Calepinus xi ling. (1598) 556a; verbunden mit dem dat. kann das wort der bedeutung 'wild, grausam' die des feindseligen beimengen: doch lies er (Pilatus) in (Jesus) gebunden stan bi denen die im warent grim Schweizer Wernher Marienl. 9195; so ist nach dem todt Tiberii der keyser Caius inen gar grim und zuowider gsin Hedio chron. germ. (1530) b 3b; erst in jüngerer zeit in einer abgeschwächten bedeutung 'drohend-finster': aber wie schlecht steht dem ernsten grimmen Beethoven solches kinderspiel D. Fr. Strausz schr. 6, 247. wieviel lebendiger das wort in älterer sprache war, erhellt auch aus den mannigfachen formen adverbialen gebrauchs: wie grimm die juden mit dem herrn Jesu umbgiengen Keisersberg nach Schmidt elsäss. 155a; ist er (der papst) dan der allerheiligest an gots stat und lasset so grym die lüt tödten? Karsthans 174 bei Murner luth. narr (Kurz); die viech, die hund und die maulthier grimm wurden in den todt gestürzt Spreng Ilias (1610) 2b; später ungewöhnlich: die ihr mir mein liebes fest so grimm zerreiszt Fouqué nach Sanders. B@3@bb) von thieren: seit alters stehendes beiwort des löwen: daz ein grimmer lewe nie sô giric was nâch eime vihe Konr. v. Würzburg Eng. 2748; an dem grimmen löwen sich auch rechen Gengenbach 90 Gödeke; auch anderweitig oft: leopartun crimmistun tigridi ferocissimae Graff 4, 324; den grimmen serpant Heinr. v. Freiberg Tristan 6446; apri acres grimm, gewaltig, mächtig und scharpf Frisius (1556) 21a; am deutlichsten tritt der bedeutungskern bei prädicativem gebrauch zu tage: das weyblin (des bären) ist .. grimmer weder das männlin Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 14b; wann sie der wölfin in der brunst nachlaufen, sein die wölf am aller grimmsten und grausamsten Sebiz feldbau (1579) 614; grimm kann gegensatz zu zahm sein: onager waltesel, ain stark o. grimmer esel Dief. nov. gl. 271b; das man macht zam eyn yedes thier, wie hert, wie wild, wie grymm das ist Brant narrensch. 22, 33 Zarncke; der grimme vogel (vielleicht unter dem einflusz von krimmvogel th. 5, 2310 und der grimmende vogel ib. sp. 2305 stehend) ist der raubvogel: daz diu swalb von den grimmen vogeln nümmer gelaidigt werd Konr. v. Megenberg buch d. natur 200, 15; vgl. 193, 9; seit dem späteren 17. jh. immer mehr auf die poetische sprache und attributiven gebrauch beschränkt, weil für die prosa abgelöst von grimmig (s. d. 2 b): (Apollo) der grosze schutz und tod der grimmen trachen Treuer dtsch. Dädalus 1, 97; den grimmen geier, der dich so zerfleischt Brentano ges. schr. 2, 197; denn ich bin grimmig, wie der grimme leu Grillparzer 5, 119 Sauer B@3@cc) übertragen. B@3@c@aα) dem eigentlichen gebrauch des adj. am nächsten kommt die übertragung auf die träger und sitze des grimms; schon im Heliand grimman hugi 4263. 4629, grimmon sebon 2687; im mhd. findet man grimmer muot in jeder art von epik, besonders im Nib.; später wird grimmes gemüt zu einer festen wendung: und würt keiner sach bei allen verstendigen höcher getadelt als seines gehen zorns und grimmen gemüets halben zimm. chr. 2, 269, 2; doctor Peter Meyer ... hat ... auch gegen [] meyner person ... ein giftig, natterisch und überusz grimmist gemüt und meynung getragen Hutten opera 2, 117 Böcking; in neuerer sprache nur noch poetisch: könig Högni vor der schwester stand, ihr sinn war grimm und graus Strachwitz ged. (1850) 257; dagegen hat sich ein concreterer gebrauch erst in jüngerer zeit recht entwickelt (vgl. grimmig 2 c α): (krokodil) das wär' ein nam' gewesen, welcher zu der grimmen miene paszte Grabbe 1, 337; er ... blitzte sie mit seinen kleinen grimmen augen an Storm 2, 264; oder von thieren: blut im grimmen rachen Denis lieder Sineds 47, 7; wie zwei drachen mit grimmen klauen O. Ludwig ges. schr. 3, 584; namentlich grimmer zahn ist häufig: es haut nach mir mit grimmen zähnen Schiller 11, 280 G.; aussatz, der tief ins fleisch sich friszt mit grimmem zahn Droysen Äschylus (1841) 123; das ist vielleicht sehr alt, s. o. B; auch neben anderen begriffen, die die auffassung eines beseelten wesens gestatten, behält das adj. seinen ursprünglichen subjectiven charakter; so sehr gern von den elementen: swart logna .. grim endi gradag Heliand 4369; feretrum grim mer Dief. 247a; under dien (winden) ist einer, heisset aquilo, und ist grimmer denne die andern Seuse dtsch. schr. 452, 4; in vollem bilde: an sant Michahels tage drat in mein sumer-haus der grim winter mit klage H. Sachs 23, 253 Keller-Götze; in neuerer poetischer sprache wieder sehr häufig: wenn ein anders grimmes wetter blitzend wider jenes (wetter) zieht Schönaich Hermann 144; der grimme nord vertauscht sein reich für Zemblens eis Wieland I 1, 115 akad. ausg.; denselben subjectiven charakter zeigt das adj. in der im älteren nhd. nicht seltenen wendung: den, den die grimme welt vom höchsten himmel aus bis in das grab gefällt Fleming 1, 16 lit. ver. B@3@c@bβ) in anderen fällen erscheint eine objectivere bedeutung, die sich zuweilen dem sinn von 'grausig, furchtbar, schrecklich' nähert, so in der in mittelalterlicher sprache sehr üblichen formel grimme hölle: schon im Heliand 5429 bezeugt; sô werfent in gebunden die tiuvel in die grimmen helle Lampr. v. Regensburg tochter Syon 1293; oder in der bis in die neuere zeit üblichen verbindung mit that, unthat u. dgl.: im Heliand 5150 wird is grimmon dad mit sundeon parallelisiert; ähnlichen sinnes grimmun uuerc 3229; dô huop sich under degenen ein mort vil grimme unde grôz Nib. 1898, 4; glaubt, dasz ihr euch befleckt durch diese grimme that Lohenstein Arminius 2, 1332b; bis einst um einen grimmen mord der schmerz den reichen schatz zur asche wird verglühn Brentano ges. schr. 6, 91; auch detaillierter: in dem anschowene dez abziehens siner kleider und des grimmen annegelens sins herren an das krúz Seuse dtsch. schr. 36, 15; hat sich Hegelin schnell gewendt und ain grimen stich auf disen schmid thon Knebel chron. v. Kaisheim 387 lit. ver.; nicht selten: grausam grimm laster refervens crimen Maaler teutsch spraach (1561) 191c; [] der tugend untergang, der grimmen laster sieg Gryphius trauersp. 41 P.; am häufigsten von kampf und streit: den herten und den grimmen strît triben si biz ûf die naht Konr. v. Würzburg Parton. 16306; soll abermal heilloser krieg und grimme schlacht entstehn Bürger 156a Bohtz; darüber hinaus in jüngerer sprache in mannigfacher verwendung, aber ausschlieszlich in poetischer rede: so sind die grimmen stunden, die singen mich gelehrt, dann nicht von dir entbunden Brentano ges. schr. 2, 519; so mögt die grimme unbill denn erfahren Droste-Hülshoff 2, 252; hier trieb der teufel sein verruchtes spiel, ein grimmer irrthum waltet Arnim 5, 165 Grimm. B@3@c@gγ) endlich von dem persönlichen ausgangspunkt völlig gelöst und ganz objectiv 'hart, schlimm, bitter, schmerzlich, schwer': von disem grimmen mære huob sich dar diu lantschaftmit vil kleglîcher kraft klage 1123; ähnlich ein grimmez scheiden 1212; schwartz ist ain grymme wAvt, wee dem, der des geclaidet gAvt Hätzlerin 165; mit vorliebe aber neben ganz bestimmten begriffsgruppen: dem ich von schulden jehen muoz daz er grimmen kumber leit Konr. v. Würzburg Parton. 15857; also starb er (der gesteinigte) in grimmer not H. Sachs 1, 192, 22 Keller; vgl. auch den adverbialen gebrauch: ach, hett ich g'lost des Daniel stimm, so giengs mir nit so ruch und grimm J. Murer (1559) nach Staub-Tobler 2, 733; in neuerer zeit wieder viel gebraucht: ach, der heiligste von unsern trieben, warum quillt aus ihm die grimme pein? Göthe 4, 162 Weim.; sklaven des daseins — nur verschweigen laszt uns des daseins grimme qual Freiligrath ges. dicht. 4, 194; auf dieselbe linie gehören beispiele wie: wan si diu grimme vorhte treip Er. 6662; da ich in schnöder lust, in toller eitelkeit und grimmer angst verthan die beste lebenszeit Gryphius trauersp. 271 P.; concreter: do er .. dez nahtes von nOeten des grimmen siechtagen nit mohte schlafen Seuse dtsch. schr. 69, 5; er ist auch guot zuo der grimmen muoter in dem leib, diu ze latein colica haizt Konr. v. Megenberg buch d. natur 369, 1; grymme müter in dem libe colica Dief. nov. gl. 100a; vgl. gloss. 131b; grymmer siechtag hyliaca (i. e. iliaca) gloss. 277b; da die üblichste bezeichnung für colica das grimmen ist (s. u. sp. 356), läszt sich vermuthen, dasz das vb. grimmen die wahl des adj. in den obigen verbindungen begünstigt hat; eine besondere geschichte hat der grimme tod; in alter sprache ist gr. gewöhnlichstes attribut von tod (vgl. J. Grimm myth. 42, 708); stehend als beiwort von Christi martertod, wo man an die bedeutung crudelis denken möchte: der (Christus) den grimmen tot leit Hesler apoc. 19420; den erlöser, der uns durch sinen grimmen tod erlöszt hat H. R. Manuel weinspiel 3866 neudr.; in der regel aber schlechthin 'der bittere tod'; zahlreiche mhd. belege im mhd. wb. 1, 574a; wann sy erinnert werden des grimmen tods Judas Nazarei 41, 6 ndr.; nebenher läuft dieselbe wendung als bezeichnung für den personificierten tod (nunmehr grimm im sinne saevus, [] atrox), die in jüngerer sprache allein üblich geblieben ist, s. o. 3 a. B@3@c@dδ) grimm kann im sinne 'scharf' auch ganz concret von gegenständen gesagt werden, doch nur in älterer sprache: sie (die rosse) wurden beide ersprenget mit grimmen und mit scharfen sporn Konr. v. Würzburg troj. 3893, vgl. 6248; und wart úncz an die elenbogen im (Jesu) úber sin arm bin gezogen so grimmú, vesteklichú bant Schweizer Wernher Marienl. 9311; dasz es sich hier nicht um poetisch-übertragenen gebrauch zu handeln braucht, lehrt die feste bezeichnung grimme geisel für scorpio, s. th. 4, 1, 2, 2617 c β, γ; dazu noch grimme gaysel anguilla Dief. nov. gl. 24a. B@44) erst in jüngster zeit und nur in gewissen wendungen zeigt sich die bedeutung 'wild' mehr oder minder gefärbt durch den begriff des bitteren oder boshaften: das wort, das er jetzt oft halb im grimmen spott und halb voll wehmüthigen glaubens im munde führt Spielhagen 1, 11; der grimme hohn, welcher den gegner traf, wurde höchlich hewundert G. Freytag 17, 203; dieser gebrauch hat sich am adj. grimmig entwickelt (s. d. 4); von da gelegentlich auf grimm übertragen. B@55) eine besondere bedeutung entwickelt sich dadurch, dasz sich dem ursprünglichen sinn des adj. ein intensitätsbegriff beigesellt; grimm kann, wie furchtbar, schrecklich, greulich u. a., zur reinen quantitätsbezeichnung werden; schon im mhd. vorbereitet. B@5@aa) es handelt sich zunächst nur um eine färbung der grundbedeutung durch den begriff des heftigen, gewaltigen; sie wird früh fühlbar, wo das adj. mit begriffsverwandten abstractis verbunden ist, zumal in der in älterer sprache überaus häufigen wendung grimmer zorn, von haus aus rein charakterisierend: den held begriff sein grimmer zorn do er also in banden hieng Laurin 2000 Schade; deutlich quantitierend gefärbt: Joseph laszt sie drum hart anfahrn, und stelt sich mit eim grimmen zorn Frischlin dtsch. dicht. 76; ach wie was nun dein zoren hie so grym P. Speratus bei Wackernagel kirchenl. 3, 36; ähnlich: auf vilen wafen steht der Mars in grimmer wuth Rompler erstes gebüsch 150; namentlich war ein grimmer hasz gegen Waldstein in ihm reif geworden Laube ges. schr. 14, 182; aber auch neben andern substantiven: er sluoc der küniginne einen grimmen swanc Nib. 362, 7, 2 Z.; vgl. der helm, vom grimmen hiebe schon fast zertrümmert, war bald gelöst Fouqué zauberring 1, 68; ach hör den grimmen donnerschlag H. Sachs 8, 343 Keller-Götze; und thunt im grimmen widerstand 18, 26; namentlich bei superlativem gebrauch; die Römer schmotztent durch die faust, bisz zuom grimsten stuond diser strausz Alex. Seitz vom groszen abentmal (1540) A 5b; dass hier mehr furchts und noths, als in dem grimsten streit Gryphius trauersp. 30 P.; d'selben zeyt bemelter Römer aller grimmiste feynd Stumpf Schwytzerchron. (1606) 179b, und gerade in dieser formel bis in die jüngste zeit. B@5@bb) reiner tritt das intensitätsmoment zu tage in der alten wendung grimme kälte u. ä., die sich namentlich auf alem. boden findet: ein strengin, grimmin keltin Staub-Tobler 2, 733 (quelle von 1520); 1334 was .. ein mercklicher ryff und krimme kälte Tschudi chron. helvet. 1, 334; grimme kälte Auerbach dorfgesch. (1846) 1, 7; vgl. Fischer schwäb. 3, 836; doch auch auf nordd. boden: [] das thier sucht in den grüften für der grimmen kälte ruh Königsb. dichterkr. 87 neudr.; ob schon für grimmen frost desz daches nagel springt Logau 632 lit. ver.; entsprechend: radiorum verbera die grimm und häftig hitz der sonnenstreymen Frisius (1556) 1360a; grimme hitz aestus atrox Schmeller 1, 996 (vocab. von 1618); auf derselben linie liegen: usz dem synd aber entsprungen grimme megery, den siechen blaiche farb Steinhöwel de clar. mul. 38 lit. ver.; der vogel hat einen grimmen hunger und wirt nimmer sat Konr. v. Megenberg buch d. natur 167, 32; vom grimmen durste übermannt Seb. Brunner erzähl. u. schr. 1, 2; so asz er in einem grimmen geitz vil ungesotten rohe fleisch Seb. Franck chron. Germ. (1538) 28a; zuweilen wiegt das quantitätselement in der bedeutung noch stärker vor: also grime und tief was der schnee städtechron. 5, 180. B@5@cc) wie bei furchtbar, schrecklich u. ä. ist es besonders der adverbiale gebrauch, in dem diese intensive bedeutung zur geltung kommt: vgl. grimme weinen, klagen u. ä. oben 2; im mhd. überwiegt der begriff der leidenschaft noch den des grades, später umgekehrt; die belege weisen wieder zumeist ins alem. gebiet: und trafen einander so grimm mit den spiessen, leiben und pferden an, dasz ire lantzen entzwey brachen Amadis 1, 100 lit. ver.; drumb wäm das gfall, mit luter stimm der zeig es an und schryge grimm! Ruof Adam und Heva 4586; dorab erschrack Zacharias grimm tragödia Joannis (1549) A 4; ganz ähnlich verläuft die entwicklung, wo grimm als adv. neben einem adj. steht: dô sie gehôrt diu mære,daz war ir grimme leit Nib. 1214, 1 u. ö.; swie grimme und swie starkesie in vîent wære 1803, 1; ebenso noch spät: die münchen, denen er grimm viend was Tschudi chron. helvet. 1, 66; die Falkenouw grimm hoch erhoben Staub-Tobler 2, 733 (quelle von 1620); schlieszlich ganz zur gradbezeichnung verblaszt: grimm chrank, nass, lieb Staub-Tobler a. a. o.
21150 Zeichen · 363 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    grimmAdj.

    Köbler Ae. Wörterbuch

    grimm , Adj. nhd. grimmig, wild, schrecklich, grausam ÜG.: lat. acerbus, asper Gl, dirus Gl, saevus Vw.: s. heoru-, wæl-…

  2. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    grimm

    Etymologisches Wb. des Ahd. (EWA)

    grimmidaAWB f. ō-St., nur in Gl. 2,50,62 (frühes 9. Jh.): ‚Gewaltherrschaft; tyrannis‘ (mhd. grimmede; aisl. grimd). Dea…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Grimm

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Grimm , des -es, plur. car. eigentlich derjenige hohe Grag des Zornes, der sich durch ungewöhnliche Geberden, durch …

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    grimm

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    grimm von 13 Belegen 12 im literar Werk 1 grimmig, schrecklich a zornig, wütend, böse, in Reminiszenz an die alte Bed de…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Grimm

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +4 Parallelbelege

    Grimm , Friedrich Melchior, Baron, geb. 1723 zu Regensburg, arm, aber mit allen Anlagen eines Weltmannes ausgerüstet, di…

  6. modern
    Dialekt
    grimm

    Schweizerisches Idiotikon · +1 Parallelbeleg

    grimm Band 2, Spalte 733 grimm 2,733

  7. Sprichwörter
    Grimm

    Wander (Sprichwörter)

    Grimm 1. Grimm vnd eilenberg machen nichts guts. – Henisch, 835, 11. 2. Grosser grimm bringet schaden. – Henisch, 1745, …

  8. Spezial
    Grimm

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Grimm m. (-[e]s) sënn m. , moca f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit grimm

226 Bildungen · 191 Erstglied · 28 Zweitglied · 7 Ableitungen

grimm‑ als Erstglied (30 von 191)

grimm* 6

KöblerAfries

grimm* 6 , Adj. nhd. grimm, grimmig, schlimm ne. grim (Adj.) Vw.: s. -lik Hw.: vgl. an. grimmr, ae. grimm, as. grim, ahd. grim (1) Q.: E, R,…

grimmeln

SHW

grimm-eln Band 2, Spalte 1465-1466

grimman

AWB

grim·man

grimman st. v. , mhd. nhd. grimmen; as. grimman, mnd. mnl. grimmen; ae. grimman. — Graff IV,608 s. v. krimman. crimmit ( Pa K ), chrimmit ( …

grimmast

KöblerAn

grim·mast

grimmast , sw. V. nhd. zornig werden Hw.: s. grimmr, gramr, grimd E.: germ. *gremmjan, sw. V., rasen, wüten, toben; s. idg. *gʰrem- (2), V.,…

grimmbärtig

DWB

grimm·baertig

grimmbärtig , adj. : doch fuhr er seinem neffen nicht grimmbärtig in das angesicht Immermann 13, 95 Hempel; auf den ecksteinen lauern, zusam…

grimmbart

DWB

grimm·bart

grimmbart , m. , alter grimmiger oder mürrischer kerl: von Venus reuterdienst kan grimmbart nit mehr wissen Rachel satyr. ged. 79 neudr.; sc…

grimmbebend

DWB

grimmbebend , adj. : so freveltrotzige, so grimbewende, so zornblinde eiserne wort Harsdörfer frauenz. gesprechsp. 3, 320 ; solche zusammenr…

grimmbrummen

DWB

grimm·brummen

grimmbrummen , vb. : sie murmeln allzumal, grimmbrummen, sind erhitzt Andr. Scultetus bei Lessing 11, 195 M. —

grimmchen

DWB

grimm·chen

grimmchen , n. , demin. zu 2 grimm: die stecknadelnatur des weiblichen zornes stach überall hervor, und das dünne spitze grimmchen war gar z…

grimmdarm

DWB

grimm·darm

grimmdarm , m. , colon, theil des dickdarms; so benannt als vermeintlicher sitz des grimmens; schon bei Dief. 133 b grimmendarm colon; grimm…

Grimmdarmsband

Campe

grimmdarm·s·band

Das Grimmdarmsband , des — es, Mz. die — bänder , in der Zergliederungskunst, eine unpaßliche Benennung der länglichen Fasern der Fleischhau…

Grimmdarmsgekröse

Campe

grimmdarm·s·gekroese

Das Grimmdarmsgekröse , des — s , d. Mz . w. d. Ez. in der Zergliederungskunst, ein Name der Fortsetzung der Bauchhaut (Mesocolon ), welche …

Grimmdarmsklappe

Campe

grimmdarm·s·klappe

Die Grimmdarmsklappe , Mz. die — n , in der Zergliederungskunst, eine Klappe, welche durch den Eintritt des Krummdarmes in den Grimmdarm ent…

Grimmdarmsschlagader

Campe

grimmdarm·s·schlagader

Die Grimmdarmsschlagader , Mz. die — n , in der Zergliederungskunst, die Benennung der Schlagadern für den Grimmdarm. Man unterscheidet die …

Grimmdarmszelle

Campe

grimmdarm·s·zelle

Die Grimmdarmszelle , Mz die — n , in der Zergliederungskunst, die Zellen welche durch die nach innen hervorragenden C förmigen Falten, welc…

grimme,

FWB

1. ›Zorn, Wüten, Toben; Grausamkeit‹.; 2. ›schrecklicher, grausamer Griff, Gewalt‹.

grimm als Zweitglied (28 von 28)

augengrimm

DWB

augen·grimm

augengrimm , m. oculorum truculentia: Heinrich nahm an augengrimm zu und fuhr an Rosas sommerhasenbalg von gehler seide mit gehlsüchtigen bl…

ferchgrimm

DWB

ferch·grimm

ferchgrimm , crudelis, welches wie crudus mit cruor verwandt ist: dô vrumte ër inme hûse diu vërchgrimmen sêr. Nib. 2902, 2 .

Feuergrimm

GWB

feuer·grimm

Feuergrimm Erwartest du nach diesem F. [ tant de colère; Cramer: feurigem Zorne 1) ] | So viele Vaterhuld? GWB 53,98 Racine,Athalie 44 1) vg…

gewittergrimm

DWB

gewitter·grimm

gewittergrimm , m. : 1 1) hoch über seinem haupt herab ruft furchtbar, mit gewittergrimme, dies urtel eine donnerstimme. Bürger ( der wilde …

heldengrimm

DWB

helden·grimm

heldengrimm , m. : förderte im heldengrimme meines ungestümes lauf. Thümmel 2, 96 ; das däucht dem edlen Dörnberg schlimm, er rüstet sich im…

heorogrimm

KöblerAe

heorogrimm , Adj. Vw.: s. heorugrimm

heorugrimm

KöblerAe

heorugrimm , Adj. nhd. „schwertgrimmig“, wild, grimmig E.: s. heoru, grimm L.: Hall/Meritt 179b, Lehnert 111a

hochgrimm

DWB

hoch·grimm

hochgrimm , m. : ( er, ein greis ) lernt die schimmer des ruhmes, lernt der Fama donner, und des gefürchteten hochgrimmes blitz, der ungewit…

Iegrimm

Campe

Der Iegrimm , des — es, Mz. die — e , eigentlich ein Name des Wolfes, welcher aus dem Reineke Fuchs bekannt ist. Uneigentlich und in Scherz …

ingrimm

DWB

ing·rimm

ingrimm , m. heftiger grimm, gesteigerter zorn; zu dem verbum entgrimmen, was theil 3 sp. 547 aus Gryphius nachgewiesen wird, gehörig ( vgl.…

isegrimm

DWB

ise·grimm

isegrimm , isengrimm , m. der name des wolfes in der thierfabel, als bauernname verwendet, vgl. Eisengrein th. 3, 370; bei Steinbach 1, 643 …

löwengrimm

DWB

loewen·grimm

löwengrimm , m. grimm wie der eines löwen: des sultans grimm ist löwengrimm; es ist kein räsonieren mit ihm; er läszt mir den hals zusammen …

Mis'grimm

MeckWB

mis·grimm

Wossidia Mis'grimm (n. ?) kleines Kind, das nicht wachsen will Wa; auch -grin Schelte für ein Kind Sta Stargard@Triepkendorf Triepk .

priestergrimm

DWB

priester·grimm

priestergrimm , m. , vergl. priesterhasz: priestergrimm hatte die anhänger der alten kirche ( in den Niederlanden ) bis zur kannibalenwut en…

Ráchgrimm

Adelung

rach·grimm

Der Ráchgrimm , des -es, plur. car. eine mit Grimm verbundene Rachgier. Daher rachgrimmig, Rachgrimm empfindend, darin gegründet.

rittergrimm

DWB

ritter·grimm

rittergrimm , m. grimm eines ritters: ein führer in der schlacht, nachdem es seine faust auf guten weg gebracht, der weicht ermüdet aus, sch…

vielgrimm

DWB

viel·grimm

vielgrimm , adj. : ihn dränget mit braus sein feind, der vielgrimme, der winter, der leide Rückert werke (1867 ff. ) 2, 587. —

wettergrimm

DWB

wetter·grimm

-grimm , m. , wie wettergraus: auf wetter-grimm auf tonder-stimm auf regnen, blitzen, steinen, kommt ungefähr die sonn daher Rompler v. Löwe…

wolf(s)grimm

DWB

wolfs·grimm

-grimm , m. , wolfartiger grimm: weide dich, barbarische moral, ... mit wolfsgrimm hier an deinem opfer Heinse s. w. 4, 140 Sch.; Göthe I 15…

wutgrimm

DWB

wut·grimm

wutgrimm , m. ( f. ), zu wut C; ahd./mhd. neben dem häufigeren adj. wuotgrimme ( s. Lexer hdwb. 3, 1005 ) vereinzelt das adjektiv-abstraktum…

wælgrimm

KöblerAe

wælgrimm , Adj. nhd. wild, gewalttätig, grausam, blutig E.: s. wæl, grimm L.: Hall/Meritt 393a

Ableitungen von grimm (7 von 7)

begrimmen

DWB

begrimmen , atrociter corripere, reprehendere, nnl. begrimmen: mit widerlegen, bedingen, begrimmen, bemüht und brüstet mancher sich. Göthe 4…

entgrimmen

DWB

entgrimmen , incendi ira, vgl. DWB ergrimmen : doch unser geist entgrimmt. Gryphius 1, 13 .

ergrimmen

DWB

ergrimmen , in form und bedeutung schwankend, 1 1) das alte intransitivum rugire, ferocire, fremere, incendi ira, irasci war noch starkformi…

ergrimmung

DWB

ergrimmung , f. iracundia, exacerbatio: niemals nahm dieser in einer ergrimmung vorstellungen an. J. P. Hesp. 3, 147; seine heutige ergrimmu…

grimme

DWB

grimme , f. , die älteste, im ahd. fast allein bezeugte (grimmî, grimmîn Graff 4, 324 f. ) und im mhd. vorherrschende substantivbildung zum …

vergrimmen

DWB

vergrimmen , verb. ergrimmen: da in ( den raben ) aber der hirt also vergrimmet ersach, lief er hinzu, fieng in. Steinhöwel Esop (1569) 75 a…