K ,
der harte stumme kehllaut, die gutturale tenuis; sie nimmt, wie ähnlich die beiden andern tenues P
und T
an ihrer stelle, zwischen der media G
und der aspirata CH,
ihren genossen im kehlbereich, die mitte ein, so dasz sie unter umständen mit éinem schritte in jedes von beiden übergehn oder daraus entstehn kann. genauer läszt sich von dieser ordnung sagen, dasz K
über seinen beiden kehlgenossen steht, es übertrifft sie an härte und dichte, daher an haltbarkeit und geschichtlicher dauer. 11)
vom buchstaben K
im verhältnis zu C,
seinem nebenbuhler von der einführung der lat. schrift her, s. 2, 601.
ahd. findet sich noch vielfach, zum theil vorherschend (
Weinhold alem. gramm. § 205)
geschrieben corn, couf, corb, clingan, cneht, cropf
u. dgl., nach maszgabe des lat. musters; das K
gewann aber immer mehr boden, offenbar unter dem einflusz der vordringenden aussprache des lat. c
vor e, i
als z (
vgl. noch kaiser, keller, kicher, kirsche),
hat jedoch den nebenbuhler nie ganz verdrängen können, wie doch bei den Nordländern geschah (
ältere hss., um 1300,
haben auch da coma, ec, scein, sciði
u. s. w., s. Möbius
Edda s. 257
ff.).
die Angelsachsen schrieben durchaus c
für k (
daher noch engl. corn, can, cliff, craft,
aber knight, kiss, kettle,
ags. cniht, cyss, cetel
kessel),
d. h. sie erhielten das lat. alphabet noch vor dem beginn des übergangs des c
in z;
findet sich doch ahd. z. b. nuʒcerno
nuszkern Graff 4, 494, arcennit 433, becennest 435.
noch in den mhd. handschriften ist clage, cleine, clingen, craft, cranz
sehr beliebt, in manchen herschend, nicht anders noch im 15. 16.
jh., wie der voc. incip. teut. sämtliche wörter mit kl-
unter C
hat; im auslaut, wie sac, stoc, tac, genuoc
ist mhd. das c
entschieden vor k
bevorzugt. nhd. erhielten sich creuz, crone, clar, closter, clause, cappe, cammer, cobolt,
selbst cörper (Frisch)
und solche wörter bis ins 18.
jh. beliebt, bei denen man an das latein denken konnte; selbst in cranz, caldaunen (Frisch),
weil es wie fremd klang. auch blieb das c
im ch
und ck, '
zehâ'
und '
zekâ'.
wodurch erhielt sich charfreitag, churfüzarst
u. dgl. so lange? 22)
in der lautverschiebung (
s. 1, 1049)
hat 2@aa)
das hd. K,
wie P,
das schicksal gehabt, an den ihm zukommenden stellen nicht durchdringen zu können oder wieder davon verdrängt zu werden; s. darüber G,
das an seine stelle trat. 2@bb)
das wirkliche und herschende hd. k
dagegen steht ebenso an der stelle der aspirata ch,
die ebenso an ihren orten nicht durchaus durchdringen oder sich halten konnte; es gelang ihr nur im inlaut und auslaut (
s. 2, 610),
z. b. gr. στίζω,
στίγμα,
lat. instigare :
goth. stiks
stich :
hd. stechen;
gr. στλεγγίς und στεργίς streicheisen (
stamm στρεγ),
lat. strigilis (
vgl. strigmentum, stringo) :
goth. striks
strich (streikan
nicht erhalten) :
ahd. strîchan,
nhd. streichen;
μέγας,
stamm μεγαλ : goth. mikils :
mhd. michel
grosz; lat. vigere, vigil :
goth. vakan :
ahd. wachôn,
nhd. wachen (
aber wacker
munter, ahd. wachar);
vgl.buche,
bach,
bauch, brechen, dach. 2@cc)
im anlaut dagegen entspricht nun hd. K
auswärtigem G,
gothischem K,
z. b. kranich :
lat. grus,
gr. γέρανος,
litt. gérwinis; kahl :
slav. gol; kalt (
goth. kalds) :
lat. gelidus; kauen :
gr. γεύομαι; kosten :
lat. gustare; korn :
lat. granum; kleben, kleister :
gr. γλία,
lat. glus, gluten.
im ahd. jedoch heiszt es wirklich chranuh, chalo, chalt, chiuwan, chostôn, chlëbên
u. s. w. (
auch khind, khumen
u. dgl.),
obwol nicht durchgängig; und das lebt in ununterbrochener fortsetzung in alem. mundart, in der Schweiz, im Breisgau und Sundgau, chraft, chrût
kraut, chlöpfe, chlingle, châ
kann, chô
kommen, chopf, chorb, chalb, chüel, chind
u. s. w., das ch
durchaus als kehllaut wie in machen,
ein laut der an dieser stelle den übrigen Deutschen meist ungemein schwer oder unmöglich ist zu sprechen, *)
er erscheint ihnen als überaus rauh und unschön, während ihn doch auch die Griechen hatten in χέω,
χάος,
χώρα,
χλωρός,
χράομαι u. s. w. **)
aber das ahd. alem. chind, chraft
stimmt zu gemeinhd. machen, suchen,
während kind, kraft
vielmehr mit nd. maken, söken,
engl. make, seek
stimmen. übrigens hat sich dies ch
auch im bair. (
östr.)
gebiet noch ziemlich lange erhalten, z. b. bechom
bekam 15.
jh. Schm. 2, 297, bechöm 299, âchampt 301, lateinchünner 307, chonschaft 306;
im 14.
jh. selbst kchu
kuh, kchert
geschrieben, fundgr. 1, 333. 335. 2@dd)
schwankend sind k
und echtes ch
in stellungen wie in werk (:
gr. ἔργον),
das mhd. meist schon ebenso, aber auch werch
lautet und so noch bair. (wirchen : kirchen Behaim
Wiener 27, 32),
und selbst mitteld. z. b. in meiszn. scharwerchen
erhalten, vgl. mitteld. kalch
für kalk, marcht
markt, freilich palatal gesprochen. noch Haller
schreibt march (1777) 93. 126. 148. 212. 2@ee)
in alten fremdwörtern trat k (c, qu)
zuerst auf die nächste stufe, als ch,
gieng aber in derselben weise wie das heimische echte ch
gern auf k
zurück; also im inlaut zwar kicher,
cicer, kochen
coquere, (
cocere), küche
coquina, im auslaut der wurzel kelch, kirche (
vgl. vorhin kalch, marcht),
im anlaut aber in denselben allen k,
ahd. dagegen chirihha, chuhhina, chohhôn, chichera,
doch auch schon mit k, c.
noch das staket
ward meiszn. richtig zu stachêt,
es scheint aus nl. staecket Kil.
übernommen. noch im 16.
jh. auch chronich
Garg. 23
a. 2@ff)
eigen ist, dasz dagegen fremdes k
auch zu g
ward, und zwar gerade oberd. und in alten wörtern, z. b. ahd. garra
neben carra
und charra
carrus, nhd. karren,
ahd. gustir
neben kustor
custos, mhd. guster,
nhd. küster,
und so in vielen die md. und nd. k
haben, s. mehr G, 5. 2@gg)
geradezu merkwürdig aber ist, dasz auch in heimischen wörtern nicht selten einem md. nd. k
ein oberd. g
entspricht, so dasz die regel der lautverschiebung da auf den kopf gestellt scheint. so heiszt der kibitz,
nd. kiwît
oberd. geibitz,
mhd. gîbiz;
der kukuk (
md. nd.)
oberd. guggauch; krabbeln (
altn. krabla)
oberd. meist grappeln; kichern
ist mhd. gickeln,
schweiz. gigeren;
dem md. kippe, kippen
entspricht schweiz. gimpfe, gempfen
u. ä.; kitzeln
ist tirol. gitzlen;
die glocke
heiszt nd. und oft md. klocke;
das glucken
der henne nd. md. klucken (
auch engl. mit tenuis); gackern
nd. kakeln,
engl. cackle;
nd. kickskacks, kikelkakel
geschwätz östr. gigasgagas; gaukeln,
mhd. gougelen
heiszt nd. kôchelen,
md. kôkeln; gucken
nd. kiken.
mögen davon nicht wenig fälle nur in verschiedener auffassung des ohrs oder verschiedner aussprache ihren grund haben, so dasz nd. k
und oberd. g
denselben laut meinen, wie das bei kukuk : guggauch,
bei kacken (
s. d.) :
oberd. gäggen
gewisz der fall ist, ***)
und *)
die Westfalen, Niederrheiner, Niederländer haben etwas nah verwandtes in ihrem gutturalen gh
für anlautend g, ghanz, ghut, ghrosz
u. s. w. auch im munde der gebildeten. **)
man geht ihm freilich da meist aus dem wege, und spricht jeo, jora, jloros
oder kloros, kraomai.
merkwürdig dasz auch im alem. gebiete sich ausweichung dieses ch
in palatales g (
oder j)
zeigt, im Vorarlberg und obern Algäu: jomm!
für chomm
komm hörte ich im äuszern Walserthal, auch majje, hôj
für machen, hoch das., ajj! dojj
ach, doch sang eine sängerin aus Feldkirch, eine andere in Oberstorf, ganz wie im mitteld. ich, weichen,
oder auch mit merkwürdig vorschlagendem guttural: ma
chje.
***)
schweiz. G
klingt oft so hart, oder noch härter, als '
der K
der Deutschen',
besonders in Freiburg und Wallis. Stalder 1, 28,
wie der echte Schweizer geschriebnes k
gern als ch
spricht. daher wo k
gesprochen werden soll, dort gern gg
geschrieben wird, z. b. ferggen 3, 1530 (
auch gk), zängg, zänggisch Zwingli
in Wackern.
leseb. 3, 1, 270. 268,
und oft bei Stalder.
wie z. b. auf éiner seite Frisius 167
a gichlen
und kichlen
cachinnari schreibt: immer bleiben fälle genug übrig, um anzunehmen, dasz sich spurweise in den lautstufen eine bewegung zeigt, die auszer der lautverschiebungsregel steht und deren art noch zu ergründen ist. am auffallendsten in kitz,
altn. dän. engl. kid
zicklein im verhältnis zu geisz,
altn. geit
u. s. w., wol auch in schweiz. giden
gleich kitzeln.
vgl. auch saugen,
ahd. sûgan (
lat. sugere) :
engl. suck,
ags. sûcan. 2@hh)
auch auswärtiger verwandtschaft gegenüber zeigen sich spuren vom ausbleiben der lautverschiebung. man vergleiche kachen (kichern
u. a.)
laut lachen :
lat. cachinnari,
gr. καχάζω,
skr. kakh; krähe, krack
krähe, rabe :
gr. κόραξ,
lat. corvus,
skr. kâravas
u. a.; krächzen :
lat. crocire,
gr. κρώζω,
slav. krakati
u. a.; krachen :
gr. κράζω ἔκραγον schreien, κρίζω ἔκρικον krachen; klucken (glucken) :
gr. κλώζω (
lat. glocio); klagen (
eig. schreien), klingen :
gr. κλάζω,
lat. clango,
slav. kliknti kragen
hals (
der schreiende) :
slav. krk.
das sind lauter fälle, wo ein lauter ton bezeichnet ist, entgieng das kach- kr- (kl-)
deshalb der verschiebung, um im einklang mit dem darin einmal niedergelegten naturlaut zu bleiben? so ist es ja klar bei kukuk :
κόκκυξ, cuculus,
skr. kôkilas,
wo niemand meinen wird, die Deutschen hätten den namen des vogels etwa von den Griechen geholt. doch auch bei andern wörtern liegt der verdacht ausbleibender verschiebung vor; so bei kurz :
lat. curtus,
das in betracht des ags. scort,
engl. short
doch wol als heimisch anzusprechen ist; bei korb : corbis, kessel : catinus, kiste (
vgl.kasten) : cista,
bei denen eine entlehnung gleichfalls zweifelhaft ist. 33)
entstehung des hd. K
aus andern lauten. 3@aa)
es entstand öfter aus altem qu
d. i. ku (
vgl. z. b. lat. cum
aus quum, cur
aus quare),
wobei das u
zuweilen auf den folg. vocal wirkt; so in keck,
urspr. queck, erkücken
erquicken, in kirre,
goth. quvaírrus,
in koth,
älter kât
aus quât,
in kommen,
ahd. quëman,
in köder, koder, kütte
quitte, kindlein
quentlein, kolster
qualster, kotemper
quatember, kärtlein
quärtlein, koste
queste, kone, keden, kilt, kiel
quell, sant Kürin
Quirin. 3@bb)
oberd. k
im anlaut entsteht zuweilen aus geh-,
z. b. kalter
aus gehalter
behälter, indem die vorsilbe ge
nach oberd. neigung ihr e
verliert, g'halter, ghalter,
das h
aber wie in das g
übergehend dies auf die nächste stufe hebt; so keien
für geheien, kören
gehören, kôrsam
gehorsam (
auch mitteld. 'korschamer diener!'), kand
ohne mühe Stald. 2, 84,
wol aus gehand
behende; und sol man den (
käs) kalten unz sant Margrethen tag.
weisth. 1, 356, gehalten
bewahren, oherrh.; die königin kiesz von ihm viel golds, wer ihn umbrecht. Körners
hist. volksl. 206, gehiesz
versprach; schwäb. selbst kanzfeur
Johannisfeuer (j
als g
gesprochen) Meier
sagen aus Schwaben s. 426.
so schon mhd. békart W. Grimms
roseng. 839
für béghart, pentekeit
wälsch. gast 8173. 80
für behendekeit.
Ähnlich ist es wenn bei bloszem ausfall des e
jenes ge-
zu k
wird: selkrät
seelgerät Vintler
bei Haupt 9, 91; krat
gerad Uhland
volksl. 654; krems
gerems, gitter; knôt
eilfertig Stalder 1, 460,
mhd. genôte; Kreut
bair. ortsname, d. i. gereute.
dasselbe ist es mit xin Zwingli
in Wackern.
leseb. 3, 1, 236. 237. 242. 250
für gesîn
gewesen; auch xottens
gesottenes u. dgl. findet sich. ebenso schon in ahd. zeit quinnen
gewinnen u. ä., s. Weinhold
alem. gr. s. 185
anm. 3@cc)
aus angleichung in Norkau,
wie z. b. Aventin
schreibt (Norckew S.
Frank weltb.)
für Nordgau,
genauer Nortgau,
daraus Norggau,
dann aus gg k;
so Soncköw Lenz
Schwabenkrieg 107
a. 111
b u. ö., Sundgäu, Sungkow 14.
jh., s. Weinhold
al. gr. s. 178 (
vgl. 184. 121. 117); Stuekert, Stuckert
Stuttgart (
alt Stuotgart)
allgemein dort zu lande. so schon mhd. Blîkêr
aus Blîdgêr.
es ist meist d t,
das dieser angleichung unterliegt (
vgl.epper 3, 679),
die noch heute in der oberd. sprache allgemein als gesetz herscht (
z. b. gobbewahre
schon im Voigtlande, Henneberg, wie in der Schweiz),
das k
selbst nur selten, wie in spettakel
spektakel im obern Algäu, auch b, p
selten, wie in Algäu (
für Alggäu),
alt Alpgöu, Albgöu. 3@dd)
von k
für g
im auslaute s. G 2. 3@ee)
manche k
sind aus g
mit ursprünglich folgendem j
entstanden, so in henken
aus ahd. hengjan (
hangen machen),
in klenken
zu klingen, klang,
also gj
in k
verdichtet. ch
mit so folgendem j
aber wird zu ck,
so in wecken
von wach, decken
von dach, becke
bäcker von bachen
backen, also ck
als steigerung von ch,
wie k
von g.
der Schweizer spricht diess ck
aus chj
gern kch
aus, z. b. erdrükche Stald. 1, 30 (
wie in Βάκχος),
welches kch
denn völlig stimmt zu dem pf
in schlüpfen
u. ä. vor dem t
des praet. und seines part. aber hielt sich das ch
nach mhd. weise (
weil das j
da ursprünglich nicht eintrat)
noch im 16.
jh. oft, z. b. verstricht
verstrickt reichstagsabsch. Augsb. 1500 B 2
a (verstrickt 7
b),
doch auch contrecht D 4
a (contrect
das.),
da ch
vor t
überhaupt beliebt war, vgl. gebenedicht Haupt 8, 251 14.
jh. 44)
aussprache und wechsel mit andern lauten. 4@aa)
die aussprache schwankt mundartlich zwischen härterm g, k
und kh.
ein reines unvermischtes k,
wie es z. b. die Franzosen, Italiener, Engländer in den silben ca, co
sprechen, ist nicht häufig zu hören; man hört es z. b. in manchen theilen Norddeutschlands, wie im Hildesheimischen. das was man meist für echtes k
hält und verlangt, ist genau gehört vielmehr kh
oder k'h,
wenigstens im anlaut: k'halt, k'hind, k'hugel (
wie gleicherweise t'hapfer, p'hassen). Schmeller
mundarten s. 105
meldet diese aussprache als bair. und '
wol in ganz Hochdeutschland',
und wünscht sie durch die reine ersetzt. Rud. v. Raumer
hat aber erwiesen, dasz diesz kh
wahrsch. die mhd. aussprache war. in bair. östr. schrift der ältern zeit wie noch im 17.
jh., ist anlautend kh
beliebt, auch ausl. z. b. peckh
becke; auch alem. in alter wie späterer zeit, s. Weinhold
al. gr. s. 186. 188,
wo aber meist ch
damit gemeint sein mag, z. b. in unpuakkhic
illiteratus Graff 3, 34 (
von puach
buch, literae).
Der vorwurf den man den Leipzigern und ihren nächsten nachbarn macht, dasz sie statt k
durchaus g
sprächen, ist genauer so zu fassen, dasz dort weder reines g
noch reines k
eigentlich heimisch sind, sondern ein merkwürdiges mittelding von beiden; vor l r n
beherscht übrigens diese verwischung von g
und k
ganz Mitteldeutschland und auch Oberdeutschland groszentheils (Schmeller
a. a. o. klagt darüber als bair.),
so dasz z. b. glas
und klasse, gnade
und knabe, greis
und kreis
im anlaut nicht zu unterscheiden sind; auch aus Niederösterreich gibt Castelli
nur glaiwln
kläubeln, gnaippn
kneipe, grpfn
krapfen u. s. w. die unterscheidung kann man in Norddeutschland lernen. 4@bb)
eine andere merkwürdige ausartung der aussprache ist erwähnenswerth, umsprung in ein anderes organ vor l
und n (
wie beim G,
s. dort 3,
g): tlê
klee, tlug
klug, tnecht
knecht Schmeller
mund. Bayerns s. 107
als fränk., vgl. Frommann mund. 2, 497. 4, 257 (
im Fichtelgebirge),
siebenbürgisch 5, 368;
die unart herscht auch im Erzgebirge, wo sogar vor n
das k (
und g)
mit diesem zu kng
wird: kngecht, kngabe,
nasal gesprochen. 4@cc)
überaus merkwürdig ist ein seltner wechsel von k
mit z,
so in zerfzettel
für kerf-
oder kerbzettel Stieler 2625;
nd. heiszt der käfer zever
und das zerf
sieht nd. aus. es erinnert an das schicksal des anlaut. k (g)
im fries., wo keke
kinnbacken zu ziake, tzake
wird, kerl
zu tzerl, kerke
kirche zu tziurike, sziurke, kise
käse zu tzise
u. s. w. (genge
zu genze),
und an ähnlichen übergang von gutturalen vor e, i
in quetschlaute im schwed., engl., in roman. u. a. sprachen, im slav. lit. in reine zischlaute. aber reines z
für k,
so unvermittelt (
es findet sich keine spur eines durchgangs etwa durch kj-,
wie engl. kind
gesprochen wird kjeind,
neugr. καί kjä, doch vgl. Weinhold
al. gr. s. 193,
und G 3,
f)
und selbst auf hd. gebiete! denn in Grieshabers
pred. 1, 149
steht gezúrzerot (Weinhold
s. 147),
in der Nibel. hs. A 753, 3 zurzewile,
in C 753, 3 zverzewilen
für kürzewîlen,
in einer hs. des 13.
jh. von der sele spiegel zurz, zurzlich, zazer
ketzer (Mones
anz. 8, 492. 4, 366, u
gewiss als ü
gemeint, wie a
als ä);
die beispiele zeigen freilich alle im beginn der nächsten silbe ein z,
das auf den der vorigen zurückwirkte (
wie etwa in dem häufig zu hörenden schwischen
für zwischen).
vgl. aber auch ahd. zuirnstein
für quirnstein
u. ä., s. gramm. 1
2, 196.
gesch. d. d. spr. 383,
vgl. 991.
s. auch kenden. 55)
schreibung. c
für k
s. unter 1, ch
und g, gg
unter 2, kh
unter 4,
a; hier noch etwas von CK. 5@aa)
diesz zeichen für kk,
das schon die ahd. schrift kennt und die mhd. vorwiegend vor kk
braucht, hat in der nhd. zeit wiederholt anfechtung erfahren als ungeschickt oder undeutsch. schon im 16.
jh. von seiten des P. Melissus,
der schikken, lokken, zukker
schreibt (
s. Harsdörfer
bei Schottel
haubtsprache 206);
im 17.
jh. schreiben so Zesen, Betulius, Schottel
u. a., und noch im 18.
jh. wiederholen sich die versuche, z. b. in Hallers
gedichten 1734 glük,
selbst zurüke, blike,
ebenso in Kleists
frühling Zürich 1754, S. Geszners
schriften 1770,
von Gottsched
verurtheilt (
sprachkunst 1762
s. 89. 53).
der vorbericht zum bremisch-nieders. wörterb. 1767 6
b z. b.: die gekünstelten ck und tz sind in kk und zz verwandelt (
beim schreiben des nd.), obwohl es vielen im hochdeutschen eine unnöthige rebellion zu seyn scheint, welche man gegen die Obersachsen eben so wenig, als die gänzliche auslassung des verlängernden h durchsetzen wird. Klopstock in der
gelehrtenrep. 1774
entfernte die ck
im auslaut: zurück, geschmak,
auch drükt, entdekt,
in dem fragm. über sprache und dichtkunst 1779
verlangt (
s. 199)
und schreibt er auch blikken, drükken (
aber beidemal Klopstock
auf d. titel).
das fand denn eine zeit lang anklang, besonders der vereinfachte auslaut; es haben ihn Göthe im
Werther 1774. 1775 (blik, zurük,
auch bakken, ausdrukken,
brieflich aber nicht, es scheint willkür der Leipz. druckerei), Bürger
in den ged. 1778 (
nicht mehr 1789), Schiller
in der anthologie, in den räubern (
nicht durchgeführt von der druckerei),
im Fiesco 1783 (
auch bliken, brüke, froloken,
ebenso brieflich bis 1787), Engel in der
mimik 1785,
dann, als es schon wieder zurücktrat, noch J. Paul,
der mit vereinfachung überhaupt gründlich durchgriff, im jubelsenior und dem Kampanerthal 1797 (frak, schikte, knikern,
wie wil, kan, sol, ros, narheit, fals, schrit, ofnen, Ifland),
in den palingenesien 1798 (glükke, lokken),
in den flegeljahren 1804,
liesz es aber später auch. der einfache auslaut, der der aussprache allein entspricht (
daher mhd. stoc
oder stok,
gen. stockes),
wäre wol zu empfehlen. ck
haben im in- und auslaut auch die Engländer und Schweden, die Dänen und Niederländer aber kk, k.
den klang des ck
gibt übrigens am genauesten die schreibung gk
die früher vorkommt, z. b. bligken Merswin 113, digke 48, stogk
weisth. 2, 214 14.
jh., egken
fastn. sp. 461 15.
jh., trugksesz Soltau 447 16.
jh. (
vgl. Stalder 1, 30). 5@bb)
ein misbrauch des ck
für k,
aus der zeit her wo man die feder gern voll nahm, besonders mit consonanten, also werck, wolcke, danck, paucke, gauckeln,
im 16. 17.
jh., schon im 14.
jh. beginnend (
z. b. folcke Merswin 113, funcke
bei Tauler
leseb. 855, 2, wercke 856, 6),
hat sich fortgesetzt bis ins 18.
jh.; diesz ck
ist der beurtheilung seltner wörter und der landschaftlichen aussprache nachtheilig, da kürze oder länge des vocals dabei nicht zu erkennen ist. das mhd. hâke,
heute wieder haken,
ist in jener zeit hacken;
das mitteld. kockeln, köckeln, kockelwerk 16.
jh. meint nach der heutigen aussprache kôkeln, kœkeln. Gottsched,
der nachher diesz ck
wie tz
für z
bekämpfte (
sprachkunst 1762
s. 53. 716),
hat es selbst noch in den vernünft. tadlerinnen 1725,
in den oden der deutschen gesellsch. 1728,
nicht mehr 1738,
wie Hagedorns
fabeln 1738.
noch Bodmer
und Breitinger
schreiben düncken, würckung
u. s. w. in den crit. betracht. über die poet. gemählde der dichter 1741,
aber Bodmer
in den crit. briefen 1746 werk, stark;
doch hielt es sich in seltnern wörtern, z. b. Lessing,
der es in den schriften 1753
nicht mehr hat, schreibt doch noch eckel, Göthe 41, 86 räckeln,
wo die aussprache mit ê, æ
ist; gûken, spûken
wie die mitteld. aussprache meist lautet, schreiben noch jetzt auch mitteldeutsche schriftsteller lieber mit ck.
übrigens findet es sich sogar im anlaut, z. b. ckrafft Haupt 9, 345 16.
jh., und schon viel früher, s. Weinhold
al. gramm. s. 187;
es war wie das ältere cz
für z (
vgl. Soltau 2, 402)
einmal zu einem geläufigen federzug geworden. so hat Göthe
handschriftlich von Danck, Funcke
u. dgl. nie gelassen. 66)
endlich sei es gestattet, einer merkwürdigen erscheinung hier zu erwähnen, die nicht das K
allein betrifft. der kibitz,
nd. kiwit,
heiszt nd. auch piwit
und tiwit,
also neben einander k- p- t-,
die gleichen stufen der drei lautarten einander vertretend, wie in τέτταρες :
äol. πέσσυρες,
osk. petora :
litt. keturi; staar :
ahd. sprâ
staar (
gr. ψάρ) :
böhm. škořec;
alts. crano :
altn. trani
kranich; ahd. tâha
dohle : câha (
s.kachel krähe)
; mhd. schræjen : spræjen (3, 1603),
vgl. dial. schritzen
gleich spritzen (papeln
gleich kakeln? plappern
gleich klappern
u. a.?)
; vgl. Curtius
griech. etym. 2, 42
ff. 265
ff. Diese erscheinung nun, eine uralte bewegung in den consonanten, welche die der lautverschiebung kreuzend durchschneidet, und während jene einem schritt vorwärts gleicht, einem sprung zur seite zu vergleichen ist, zeigt sich im gebiet der deutschen sprachen besonders entwickelt im auslaut der stämme und wurzeln, sie ist geradezu ein wichtiger behelf bei der aus- und weiterbildung der wurzeln. man betrachte nur folgende worte für schlaff, nd. slap :
engl. slack (
ags. sleac,
isl. slakr) :
mnd. dän. slat,
oder mhd. slaf :
mhd. slach :
schweiz. bair. schlasz,
das auf mhd. slaʒ
schlieszen läszt. ferner kriechen :
nd. krûpen,
ags. creópan; kichern
cachinnari, auch kickern : kittern
dass. :
nd. gibbeln,
nrh. giffeln
dass.; puffen : pochen :
mhd. bôʒen; saugen : saufen,
eig. schlürfen, engl. suck : sup;
goth. aúhns
ofen :
hd. ofen (
s. 3, 1581); schief :
mhd. schiec
dass. (
mhd. wb. 2, 2, 108
b); krapp
rabe : krack
dass.; schnattern
garrire : schnäppern :
nd. snacken;
bair. zaufen
sich zurückziehen :
thür. zauchen
dass. (: zaudern?);
nd. gâpen
gaffen :
md. gâken
dass., engl. dial. gaup : gauk
dass.; vgl. engl. gap
hiatus :
dial. gat
dass.; schweiz. gabeln
gaukeln : gageln
dass.; mhd. schelch
schief : schelb
dass. Maaler 349
b; fach : faʒ, fahen : fassen (
s. 3, 1358); flach :
ahd. flaʒ,
engl. flat (3, 1698); schnauze :
bair. schnaupe
dass.; schnuppern :
nd. snückern
dass.; schleife
traha :
ahd. sleicha,
bair. schlaike
dass. : schlitten;
ags. slîdan
labi :
ahd. slîfan : slîhhan,
altengl. slike
slide, vgl. ags. slider
lubricus : slifer
dass. Haupt 9, 405 :
engl. slick, slicker
glatt; ahd. slîʒan
spalten :
mnd. slippen,
ags. slîfan
dass. :
engl. dial. slike
dass.; streichen : streifen (
vgl. nd. strêpeln
streicheln Schambach);
helgol. pik
penis : pîp
dass. Frommann 3, 29
b; ficke
tasche :
rhein. foppe
dass., engl. fob; foppen :
oberpf. focken
dass.; knüppel : knüttel : knüchel
dass. Stieler 998,
denn knopf : knoten : knochen (knocke)
stehn wahrscheinlich in demselben verhältnisse; krächse
reff : krätze
dass. : krepse
dass.; strumpf '
truncus' : strunk :
bair. strunz
dass.; stumpf :
ags. stunt,
bair. stunz; runzeln : rumpfen
dass. : runken Diefenb.
gloss. corrugare, vgl. nl. wronkel
ruga Kil.,
ags. vrincle :
mnd. rimpe,
mhd. rimpf,
und engl. crinkle : crimple
dass.; flampen
schlendern : flanken
dass., vgl. schlampen : schlenkern : schlendern (3, 1721); lunge :
dial. lumpe
dass.; engl. dial. quamp : quank
still. besonders ist dieser wechsel in reiner ableitung thätig: der vielnamige knorpel heiszt u. a. knospel, knostel,
ferner krospel, krostel, kruskel (
kärnt. Lexer 168); brospe
knospe heiszt auch broste (
s. u.knospe); flistern
auch flispern; zirpen
auch cirken (2, 627);
von knorre
abgeleitet erscheinen knorpel, knorchel, knorz
u. a.; knascheln
knirschen heiszt auch knaspeln, knasteln; knistern
auch knispern,
mnd. gniskern,
und so in vielen fällen, vgl. schon ahd. forscôn
und forspôn
forschen (4, 1),
ags. dväscan
und ahd. duespan
löschen (3, 1583),
ags. hosc (
engl. hoax)
und hosp
spott Haupt 11, 415.
Wurden hier nur proben gegeben, wo die bedeutung auch nach der theilung der formen dieselbe blieb, so wächst der vorrat der fälle, wenn man dabei, wie natürlich, eine geringere oder gröszere unterscheidung der bed. nach der trennung zuläszt; denn die sprache in ein und demselben lebenskreise leidet nicht gern überflüssige wörter, und es ist an sich denkbar, dasz diese abwandelung der wurzeln im auslaut von haus aus meist einer abwandelung der bedeutung diente (
z. b. fliegen : flieszen? stupfen : stoszen : stechen?),
wo sie nicht blosz im dienste der spaltung der mundarten stand. bei mehrern fällen ist übrigens noch erkennbar, dasz den im auslaut mittelst des consonantenreichthums abgewandelten wurzeln (
auch l, m, n, r, s, w
helfen nämlich dabei)
eine wurzelform mit blosz vocalischem oder sonst leichterem auslaut vorausgieng (
s. z. b. kleiben, gaffen, gähnen, knochen),
vgl. 3, 1358. 1793
unten. da nun eben diese erscheinung zu sehr das ansehen nicht eines launenhaften überspringens, eines ursprünglichen versprechens gleichsam, sondern einer uralten gesetzmäszigen abwandelung hat, nenne ich sie, wo ein name nötig ist, auslautwandel der wurzel. weitere beispiele s. besonders u. kracke, klapf, klunker, krampf, kranz, klatzen, krapfe, kratzen, krätze
korb, knappen, klettern, klint, kaupeln, kopp.