kibitz,
kiebitz, kiwitz,
m. tringa vanellus, gavia vulgaris. der name zeigt aber nach mundarten und landschaften eine fülle von abweichungen, die doch fast durchaus dem geschrei des vogels ähnlich bleiben, und auf éine grundform hindeuten; diese zu bestimmen ist jedoch unmöglich, zumal selbst die ahd. oder alts. formen uns nicht erhalten sind. 11)
Die schriftmäszige form von heute ist zugleich die mitteldeutsche. 1@aa) kibitz
schreiben Stieler 448,
M. Kramer 1719, Kirsch
Nürnb. 1723, Frisch, Rädlein 534
a, Adelung,
nicht verschieden ist kiwitz Rädlein 538
b, Kleist
frühling (1754) 44: der heischre kiebitz schrie. Hagedorn 2, 46; manche schreiende eule und mancher wahrsagende kibitz forderten leichen vom dorf, ein süszer gesang für den cantor. Zachariä
der phaeton 3, 29 (
vgl. 4,
c); kauz und kibitz und der häher. Göthe 12, 204; und horchten auf die melodien, die kibiz und rohrdommel schrien. Voss (1825) 2, 133; der kibiz lockt im ried. Salis (1793) 44; granat' und wachtel liefen kunterbunt wie junge kibitze am sandgen grund. Ann. v. Droste 66; es lief nicht umher wie ein kiebitz wenn er einen frosch sieht, mit schrecklichem geschrei. Gotthelf 3, 324. 1@bb)
es knüpft sich übrigens mancher aberglaube an das thier, er gilt für ein unheimliches wesen, wie kauz und eule (
s. Zachariä
vorhin),
dient zu zauberei (
s. z. b. Schönwerth
Oberpfalz 1, 126),
ein mensch mit bösem gewissen kann kein kiwitts hüren schrien Fr. Reuter
Hanne Nüte 157,
er erscheint als geselle des kukuks (Mannhardt
zeitschr. f. myth. 3, 281. 229).
daher auch wie kukuk
verhüllend statt teufel gesagt, westfälisch: fört juw de kiwitt nu weer (
wieder) her? Grimm
myth. 965; laszt mich, vater, ich bin euch wieder da wie ein kiebitz. Engel
der dankb. sohn 16,
wie sonst wie der kukuk,
mit zauberhafter schnelle. vgl. auch das märchen vom bauer Kiebitz (
kinderm. 3, 108).
nordd. nennt man einen, der sich unberufen um andrer leute sachen kümmert, einen '
kibitz' (
s. Richey,
Brem. wb.)
; im östr. heere heiszen die ordonnanzofficiere kibitze,
nach dem unruhigen hin und her fliegen des vogels (Hackländer
soldatenleben im kr. 92),
wie in Hamburg einst der friseur (Schütze
holst. id. 2, 261).
in Thüringen gibt es ein kinderspiel den kibitz tanzen,
in der Altmark kîwittdans,
s. Danneil 101
a.
Um aber zu den formen zurückzukehren, 1@cc)
dasz das erste i
urspr. kurz ist, zeigt kibbitz
pardalus Schottel 1344, Stieler 938,
teutsch-engl. wb. Lpz. 1716. 1@dd)
eigen auch mit f
oder v
statt b: kifitz Stieler 938, Rädlein 534
a (kivitz 538
b); kyfitz, wilde gänse, schwanen. Hohberg 1, 114
b; kievitz Steinbach 1, 857,
vgl. kyvitz Dief. 606
b.
auch im Elsasz dem. kiefizle Arnold
pfingstm. 88.
s. dazu 3,
b. 22)
Die nd. form stimmt zum theil zu der md.: kîwitt Danneil 101
a, Richey 117, Fromm. 5, 150 (
Fallersleben),
im Rein. vos 3639 kyvit, Dief. 243
b kivit
formipedus; nl. kievit (kieft), kivit.
aber auch kiwiit Dähnert 229
a (
Pommern), kiwiet
Brem. wb. 2, 779, Schottels kifiit 1325
meint dasselbe, sodasz mnd. kivît
anzunehmen ist, wie nl. kivijt
bei Junius
nom. 44
b; kívît
[] betont? kyvit
gibt übrigens auch Trochus H 5
a, kifit Stieler 938 (gifit Schottel 1325),
wie umgekehrt nd. kiwitts
bei Reuter
vorhin. in Holstein kíwit,
mit zwei kurzen i. 33)
Die oberd. form aber weicht mehr ab von der md. 3@aa)
vorherschend ist geibitz,
bair. Schm. 2, 13 (
gen. und pl. geibitzen,
alte jungfern müssen geibitzen hüten),
östr. Höfer 2, 131,
schwäb. Schmid 226.
dasselbe meint geiwitz
capella, vanellus bei Schönsleder, S. Helber 37, geybitz
ficedula voc. 1482 ee ij
a,
voc. 1419 Schm. 2, 13, gybitz,
capra, capella, ein weiszer wasservogel Maaler 202
b, giwicz
onocratulus Mones
anz. 6, 345.
Danach ist mhd. gîbitze
oder gîbitz
anzunehmen. in Konrads von Haslau
jüngling 258
aber steht gîbiʒ (
als schelte) Haupt 8, 558,
im reim auf elbiʒ (
s. elbisz,
vgl.elbs Mones
anz. 6, 345, 14.
jh.),
und noch ein voc. d. 15.
jh. gibt gibis
formipedus Dief. 243
b;
es werden alle drei formen mhd. nebeneinander bestanden haben. zu dem merkwürdigen hd. g,
das hier dem nd. k
entspricht, s. K 1,
g. 3@bb)
aber auch oberd. tritt das f
auf, wie md. u. 1,
d: geifitz Frischlin
nom. c. 41, gyfitz Gesner
vogelb. bei Diefenb. 606
b, Henisch 1619, Maaler 202
b (
vgl. schwäb. geifitz
naseweis Schmid 225).
es läszt eine mhd. nebenform gîvitz
vermuten (
s. sp. 443).
Bemerkenswert ist übrigens, wie man bis um 1750
in md. wbb. die oberd. form noch kannte und mit gelten liesz (
hier wie in andern fällen),
z. b. das teutsch-engl. wb. Lpz. 1716
nennt neben kibitz
auch gifitz
mit, das öcon. lex. Lpz. 1731
und Frisch
ebenso gibitz,
während z. b. Denzler
Basel 1716
nur gyfix
nennt, Frisius 1697
nur gyfitz, Adelung
aber nur die md. und die nd. form. 3@cc)
das oberdeutsche wort zeigt aber noch weitere abweichungen: gawbicz
formipetus Schm. 2, 13
aus einem voc. v. 1445.
zwischen diesem und geibitz
vermittelnd geubitz: tischdiener waren der wonitz, rotkropf, klaiber und der geubitz. H. Sachs 1, 425
d.
das weist auf ein mhd. gûbiz (
und giubiz?)
neben gîbiz.
auch md. zeigt sich dieser vocal: in nidis avium, quae a sono vocis dicuntur kwbith. Encelius
de re metallica (
Frankf. 1551) 234; nostra illa avis kubith. 235.
vgl. küwitz
bei Kirsch
s. v. gavia, kuwitz
vanellus Henisch 825,
und den namen Gubitz,
auch aus England den gleichen vocal unter 4,
a. 3@dd)
noch abweichender aber gebytz
ficedula voc. 1482 k 6
a, gefitze,
pl. gefitzen
Garg. 237
a (
Sch. 444),
denn das e
kann nach dem folg. i
urspr. nur kurzes a
sein. nordböhm. heiszt es in der Tepler mundart gâwitz,
doch â
ist da auch gleich mhd. î (J. Nassl
die laute der T. mundart 5).
aber in Aachen gibt es auch kawitt
neben kiwitt,
beide als fem. 44)
Aber noch mehr manigfaltigkeit liegt vor. am merkwürdigsten 4@aa)
im nd., rhein., nl., denn mnd. heiszt es auch tyvit,
lumbarius avis Schambach 230
a, tywit
formipedus Dief. 243
b,
und nl. piewit (
schon Kil.),
sodasz der name da urspr. mit allen drei tenues anlautend bestanden hat: kîvit
und tîvit
und pîvit (
oder pîwit).
und wie alt dieser lautwandel sein musz, zeigt das bestehn der formen in England: die dritte lautet peewit Halliwell 612
b,
schottisch peewyt,
die zweite northumbr. tewfet Hall. 860
b (
mit dem vocal von geubitz
u. 3,
c),
gewöhnlich mit einschub von r tirwit (
auch blosz wit),
vgl. gîritz
u. c. merkw. im inlaut schottisch teuchit (ch
guttural), tuquheit,
wieder mit eu, u.
die zweite nd. form lebt noch z. b. im Göttingischen, dem. tîfittik,
auch tefittek (
vgl. 3,
d) Schamb. 230
a,
die dritte im Rheinland, piewitz,
auch püwitz
und püwix Kehrein 306. 4@bb)
der lautwandel erstreckt sich auch auf den auslaut. auf der Eifel heiszt der vogel kiwik
und piwik Schmitz 227
a,
westf. pîwik Kuhns
zeitschr. 2, 479;
auch mrh. giewick,
westerw. ziewick (Kehrein 164. 454),
die letzte form schlieszt sich zugleich an das nd. tîvit
an (
es wird auch nd. tîwik
geben),
die vorletzte an das oberd., wie wetterauisch gíwick (i
kurz).
aber auch tief in Mitteldeutschland erscheint diesz g
und der gutturale auslaut: osterl. gîbich (gîbicht)
neben kîbitz,
auch gîbz'ger (Bech);
sächs. kîbich (
Erzgebirge).
auch der labiale auslaut fehlt nicht: schott. peeweip, peesweip,
auf den Orkneys teewhoap (Jamieson);
das -weip
schlieszt sich jedoch zugleich an den nord. namen an, schwed. vipa (
auch kovipa),
dän. vibe. 4@cc)
endlich auch schweiz. gîritz Stalder 1, 448.
götting. kliwit Schamb. 104
a, kliwitken
n. das leichhuhn, vgl. Zachariä
u. 1,
a. 4@dd)
überaus merkwürdig aber eifitz, eyfitz Henisch 825,
wie opold
gleich kobold Dief. 284
b,
s. d. 55)
Aber auch über den germ. bereich hinaus erstreckt sich der vogelname. das franz. volksm. dixhuit
ist nichts als der deutsche name in umdeutung, auf das geschrei des thiers bezogen, es geht wol noch auf die altfränk. form zurück, vgl. mnd. tîvit
vorhin. entlehnt klingt auch ehstn. kiwit,
weniger kowik;
wendisch kibita,
[] kibut; Nemnich
nennt auch russ. piwik,
ungr. gébitz, bébitz
u. a. aber ohne verdacht der entlehnung klingen auch an sloven. ribič,
serb. vivak'',
tungus. birwitto,
sodasz tiefere aufklärung aus Asien zu erwarten ist. lat. gavia
ist in seiner bed. unsicher. 66)
andre deutsche namen des kibitzes sind feldpfau,
wegen seines bunten gefieders (
it. pavoncella), himmelziege, zweiel, mornel,
besondere arten heiszen alenbock (
s. 1, 1439), seegalle, seelerche, holbruder, pardel, steinwälzer
u. a. 77)
der name wird endlich auch auf anderes übertragen. a)
ein mnd. voc. erklärt papilio mit kivit,
ein anderes mit tiwit,
s. Dief.,
also schmetterling, wol nach dem bunten gefieder des vogels. b)
von menschen, s. 1,
b. c)
osterl. kibitz, gibich
spottweise für hirnschädel. d)
in der gaunersprache für penis. Castelli
östr. wb. 280.