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kibitz

nhd. bis sprichw. · 7 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

kibitz m.

Bd. 11, Sp. 657
kibitz, kiebitz, kiwitz, m. tringa vanellus, gavia vulgaris. der name zeigt aber nach mundarten und landschaften eine fülle von abweichungen, die doch fast durchaus dem geschrei des vogels ähnlich bleiben, und auf éine grundform hindeuten; diese zu bestimmen ist jedoch unmöglich, zumal selbst die ahd. oder alts. formen uns nicht erhalten sind. 11) Die schriftmäszige form von heute ist zugleich die mitteldeutsche. 1@aa) kibitz schreiben Stieler 448, M. Kramer 1719, Kirsch Nürnb. 1723, Frisch, Rädlein 534a, Adelung, nicht verschieden ist kiwitz Rädlein 538b, Kleist frühling (1754) 44: der heischre kiebitz schrie. Hagedorn 2, 46; manche schreiende eule und mancher wahrsagende kibitz forderten leichen vom dorf, ein süszer gesang für den cantor. Zachariä der phaeton 3, 29 (vgl. 4, c); kauz und kibitz und der häher. Göthe 12, 204; und horchten auf die melodien, die kibiz und rohrdommel schrien. Voss (1825) 2, 133; der kibiz lockt im ried. Salis (1793) 44; granat' und wachtel liefen kunterbunt wie junge kibitze am sandgen grund. Ann. v. Droste 66; es lief nicht umher wie ein kiebitz wenn er einen frosch sieht, mit schrecklichem geschrei. Gotthelf 3, 324. 1@bb) es knüpft sich übrigens mancher aberglaube an das thier, er gilt für ein unheimliches wesen, wie kauz und eule (s. Zachariä vorhin), dient zu zauberei (s. z. b. Schönwerth Oberpfalz 1, 126), ein mensch mit bösem gewissen kann kein kiwitts hüren schrien Fr. Reuter Hanne Nüte 157, er erscheint als geselle des kukuks (Mannhardt zeitschr. f. myth. 3, 281. 229). daher auch wie kukuk verhüllend statt teufel gesagt, westfälisch: fört juw de kiwitt nu weer (wieder) her? Grimm myth. 965; laszt mich, vater, ich bin euch wieder da wie ein kiebitz. Engel der dankb. sohn 16, wie sonst wie der kukuk, mit zauberhafter schnelle. vgl. auch das märchen vom bauer Kiebitz (kinderm. 3, 108). nordd. nennt man einen, der sich unberufen um andrer leute sachen kümmert, einen 'kibitz' (s. Richey, Brem. wb.); im östr. heere heiszen die ordonnanzofficiere kibitze, nach dem unruhigen hin und her fliegen des vogels (Hackländer soldatenleben im kr. 92), wie in Hamburg einst der friseur (Schütze holst. id. 2, 261). in Thüringen gibt es ein kinderspiel den kibitz tanzen, in der Altmark kîwittdans, s. Danneil 101a. Um aber zu den formen zurückzukehren, 1@cc) dasz das erste i urspr. kurz ist, zeigt kibbitz pardalus Schottel 1344, Stieler 938, teutsch-engl. wb. Lpz. 1716. 1@dd) eigen auch mit f oder v statt b: kifitz Stieler 938, Rädlein 534a (kivitz 538b); kyfitz, wilde gänse, schwanen. Hohberg 1, 114b; kievitz Steinbach 1, 857, vgl. kyvitz Dief. 606b. auch im Elsasz dem. kiefizle Arnold pfingstm. 88. s. dazu 3, b. 22) Die nd. form stimmt zum theil zu der md.: kîwitt Danneil 101a, Richey 117, Fromm. 5, 150 (Fallersleben), im Rein. vos 3639 kyvit, Dief. 243b kivit formipedus; nl. kievit (kieft), kivit. aber auch kiwiit Dähnert 229a (Pommern), kiwiet Brem. wb. 2, 779, Schottels kifiit 1325 meint dasselbe, sodasz mnd. kivît anzunehmen ist, wie nl. kivijt bei Junius nom. 44b; kívît [] betont? kyvit gibt übrigens auch Trochus H 5a, kifit Stieler 938 (gifit Schottel 1325), wie umgekehrt nd. kiwitts bei Reuter vorhin. in Holstein kíwit, mit zwei kurzen i. 33) Die oberd. form aber weicht mehr ab von der md. 3@aa) vorherschend ist geibitz, bair. Schm. 2, 13 (gen. und pl. geibitzen, alte jungfern müssen geibitzen hüten), östr. Höfer 2, 131, schwäb. Schmid 226. dasselbe meint geiwitz capella, vanellus bei Schönsleder, S. Helber 37, geybitz ficedula voc. 1482 ee ija, voc. 1419 Schm. 2, 13, gybitz, capra, capella, ein weiszer wasservogel Maaler 202b, giwicz onocratulus Mones anz. 6, 345. Danach ist mhd. gîbitze oder gîbitz anzunehmen. in Konrads von Haslau jüngling 258 aber steht gîbiʒ (als schelte) Haupt 8, 558, im reim auf elbiʒ (s. elbisz, vgl.elbs Mones anz. 6, 345, 14. jh.), und noch ein voc. d. 15. jh. gibt gibis formipedus Dief. 243b; es werden alle drei formen mhd. nebeneinander bestanden haben. zu dem merkwürdigen hd. g, das hier dem nd. k entspricht, s. K 1, g. 3@bb) aber auch oberd. tritt das f auf, wie md. u. 1, d: geifitz Frischlin nom. c. 41, gyfitz Gesner vogelb. bei Diefenb. 606b, Henisch 1619, Maaler 202b (vgl. schwäb. geifitz naseweis Schmid 225). es läszt eine mhd. nebenform gîvitz vermuten (s. sp. 443). Bemerkenswert ist übrigens, wie man bis um 1750 in md. wbb. die oberd. form noch kannte und mit gelten liesz (hier wie in andern fällen), z. b. das teutsch-engl. wb. Lpz. 1716 nennt neben kibitz auch gifitz mit, das öcon. lex. Lpz. 1731 und Frisch ebenso gibitz, während z. b. Denzler Basel 1716 nur gyfix nennt, Frisius 1697 nur gyfitz, Adelung aber nur die md. und die nd. form. 3@cc) das oberdeutsche wort zeigt aber noch weitere abweichungen: gawbicz formipetus Schm. 2, 13 aus einem voc. v. 1445. zwischen diesem und geibitz vermittelnd geubitz: tischdiener waren der wonitz, rotkropf, klaiber und der geubitz. H. Sachs 1, 425d. das weist auf ein mhd. gûbiz (und giubiz?) neben gîbiz. auch md. zeigt sich dieser vocal: in nidis avium, quae a sono vocis dicuntur kwbith. Encelius de re metallica (Frankf. 1551) 234; nostra illa avis kubith. 235. vgl. küwitz bei Kirsch s. v. gavia, kuwitz vanellus Henisch 825, und den namen Gubitz, auch aus England den gleichen vocal unter 4, a. 3@dd) noch abweichender aber gebytz ficedula voc. 1482 k 6a, gefitze, pl. gefitzen Garg. 237a (Sch. 444), denn das e kann nach dem folg. i urspr. nur kurzes a sein. nordböhm. heiszt es in der Tepler mundart gâwitz, doch â ist da auch gleich mhd. î (J. Nassl die laute der T. mundart 5). aber in Aachen gibt es auch kawitt neben kiwitt, beide als fem. 44) Aber noch mehr manigfaltigkeit liegt vor. am merkwürdigsten 4@aa) im nd., rhein., nl., denn mnd. heiszt es auch tyvit, lumbarius avis Schambach 230a, tywit formipedus Dief. 243b, und nl. piewit (schon Kil.), sodasz der name da urspr. mit allen drei tenues anlautend bestanden hat: kîvit und tîvit und pîvit (oder pîwit). und wie alt dieser lautwandel sein musz, zeigt das bestehn der formen in England: die dritte lautet peewit Halliwell 612b, schottisch peewyt, die zweite northumbr. tewfet Hall. 860b (mit dem vocal von geubitz u. 3, c), gewöhnlich mit einschub von r tirwit (auch blosz wit), vgl. gîritz u. c. merkw. im inlaut schottisch teuchit (ch guttural), tuquheit, wieder mit eu, u. die zweite nd. form lebt noch z. b. im Göttingischen, dem. tîfittik, auch tefittek (vgl. 3, d) Schamb. 230a, die dritte im Rheinland, piewitz, auch püwitz und püwix Kehrein 306. 4@bb) der lautwandel erstreckt sich auch auf den auslaut. auf der Eifel heiszt der vogel kiwik und piwik Schmitz 227a, westf. pîwik Kuhns zeitschr. 2, 479; auch mrh. giewick, westerw. ziewick (Kehrein 164. 454), die letzte form schlieszt sich zugleich an das nd. tîvit an (es wird auch nd. tîwik geben), die vorletzte an das oberd., wie wetterauisch gíwick (i kurz). aber auch tief in Mitteldeutschland erscheint diesz g und der gutturale auslaut: osterl. gîbich (gîbicht) neben kîbitz, auch gîbz'ger (Bech); sächs. kîbich (Erzgebirge). auch der labiale auslaut fehlt nicht: schott. peeweip, peesweip, auf den Orkneys teewhoap (Jamieson); das -weip schlieszt sich jedoch zugleich an den nord. namen an, schwed. vipa (auch kovipa), n. vibe. 4@cc) endlich auch schweiz. gîritz Stalder 1, 448. götting. kliwit Schamb. 104a, kliwitken n. das leichhuhn, vgl. Zachariä u. 1, a. 4@dd) überaus merkwürdig aber eifitz, eyfitz Henisch 825, wie opold gleich kobold Dief. 284b, s. d. 55) Aber auch über den germ. bereich hinaus erstreckt sich der vogelname. das franz. volksm. dixhuit ist nichts als der deutsche name in umdeutung, auf das geschrei des thiers bezogen, es geht wol noch auf die altfränk. form zurück, vgl. mnd. tîvit vorhin. entlehnt klingt auch ehstn. kiwit, weniger kowik; wendisch kibita, [] kibut; Nemnich nennt auch russ. piwik, ungr. gébitz, bébitz u. a. aber ohne verdacht der entlehnung klingen auch an sloven. ribič, serb. vivak'', tungus. birwitto, sodasz tiefere aufklärung aus Asien zu erwarten ist. lat. gavia ist in seiner bed. unsicher. 66) andre deutsche namen des kibitzes sind feldpfau, wegen seines bunten gefieders (it. pavoncella), himmelziege, zweiel, mornel, besondere arten heiszen alenbock (s. 1, 1439), seegalle, seelerche, holbruder, pardel, steinwälzer u. a. 77) der name wird endlich auch auf anderes übertragen. a) ein mnd. voc. erklärt papilio mit kivit, ein anderes mit tiwit, s. Dief., also schmetterling, wol nach dem bunten gefieder des vogels. b) von menschen, s. 1, b. c) osterl. kibitz, gibich spottweise für hirnschädel. d) in der gaunersprache für penis. Castelli östr. wb. 280.
8807 Zeichen · 262 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kíbitz

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Kíbitz , des -es, plur. die -e, ein dreyzehiger Sumpfvogel mit einem kurzen Schnabel, einem Federbusche auf dem Kopf…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kibitz

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

    Kibitz , gemeiner ( Charadrius Vanellus auch Vanellus cristatus) zur Gattung Regenpfeifer (s. d.) gehöriger Sumpfvogel, …

  3. modern
    Dialekt
    Kibitz

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Kibitz s. Kiwitt u. Piwitsch.

  4. Sprichwörter
    Kibitz

    Wander (Sprichwörter)

    Kibitz 1. Wer noch von keinem Kibitz gegessen hat, der hat noch nichts Gutes gekostet. 2. De Kiwitt will dat gansse Land…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kibitz

10 Bildungen · 8 Erstglied · 2 Zweitglied · 0 Ableitungen

kibitz‑ als Erstglied (8 von 8)

Kibitzhöhe

SHW

Kibitz-höhe Band 3, Spalte 1279-1280

kibitzblume

DWB

kibitz·blume

kibitzblume , f. fritillaria meleagris, eine kronblume, deren blume einem kibitzei gleicht. nl. kievitsbloem.

kibitzei

DWB

kibitzei , n. 1) das ei des kibitzes, fleckig. 2) eine ähnlich gefleckte blume: königskrone, fritillaria, kivitzblume, kivitzei, gescheckte …

kibitzen

RhWB

kibitzen kībitsə  nach dem Nhd. schw.: dem Kartenspieler hinterm Rücken in die Karten sehen; listig stehlen.

kibitzlauf

DWB

kibitz·lauf

kibitzlauf , m. bei turnern, eine art hüpfendes laufen, wechselnd nach links und rechts, wie im zickzack; nach dem unstäten lauf des kibitze…

kibitz als Zweitglied (2 von 2)

uferkibitz

DWB

ufer·kibitz

-kibitz , m. , ' eine art kibitze, die sich am ufer der gewässer aufhalten ' Voigtel wb. (1793—95) 3, 451 b ; the shore sandpiper, tringa li…