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krakeel

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

krakeel m.

Bd. 11, Sp. 1976
krakeel, m. lärmender streit, mit abgeleitetem zeitwort krakeelen, dazu krakeeler, die man vergleiche. 11) gebrauch und bedeutung. 1@aa) es ist nur ein derbes volkswort, vermutlich von jeher. 1@a@aα) folg. beispiele, aus dem munde von sittenpredigern, klingen wie von heute: und habe ihn der teufel im spiel auch immer zum krackel, zanken und balgen oder mord angefrischet. Wesenigk böse spiel-sieben (1702) 113, nur würde man jetzt da zum krakeelen sagen; dasz er noch denselben abend bei der hochzeit in krackel kommen und drüber entleibet worden. Creidius (1652) 2, 209; so fängt er ein krackel über den andern an. 248, von einem Wetterauer gepredigt in Augsburg (s. 1, lxxii), die erstere wendung ist wie in streit kommen. noch jetzt krakeel anfangen, auch machen, haben (vgl. Stieler unter 2, a). ein raufer von fach sucht krakeel. 1@a@bβ) auch studentisch: (er) hat auch schon krakeele in Wien gehabt. Chamisso (1836) 5, 241, raufereien. es heiszt in Vollmanns burschikosem wb. die mütze 'auf krakel' tragen, setzen, d. i. zum krakeel herausfordernd (auf das rechte ohr gerückt); der hut steht auf krakeel. da sind denn thätlichkeiten inbegriffen. 1@a@gγ) doch auch milder, aus Pommern gibt z. b. Dähnert 253a nur krakeel, unnützes gezänk. vgl. schon Schottel, Ludwig u. 2, a. 1@bb) auch mit theilung des begriffs: wüster lärm oder geschrei, z. b. kinder machen krakeel, ein kraftwort wie krawall, spektakel, randál, rumór, bei denen gleichfalls der begriff lärm nur ein losgelöster theil des urspr. ganzen ist. s. auch krakeelen 2. 1@cc) daher auch lautes, lärmendes spiel, im Bregenzerwalde: dasz sie (die eindringenden nachtbuben) etwas thun wollten, entweder tanzen oder sonst ein krakeel machen. Felder Nümmamüllers 26. 1@dd) noch eine andere seite des gesamtbegriffes tritt in folg. für sich heraus, älter nd. bei Neocorus ditm. chr. 2, 421 in dem berichte von der zerstörung die ein wolkenbruch auf feld und wegen angerichtet: (dat) gaff grot krakel, und hadde de unardige de wertschop, wo (wie) man secht, eig. wol die zerstörung die ein krakêl in einer wirtsstube hinterläszt. 22) Form und verbreitung. 2@aa) die schreibung schwankt, z. b. krakehl (zwist, zank) Schottel 1350, krackehl mit einem haben Stieler 1021, krackeel (hader, zank, wortstreit) Ludwig 1062, krackeel und krackel Rädlein; aber auch diesz krackel, wie auch bei Creidius, Wesenigk oben geschrieben ist, meint die heutige aussprache krakêl, wie sie in nd. und md. landen herscht (auch mrh. Kehrein 243). niederrh. mit î für ê krakiel Aach. mundart 126. 2@bb) aber auch stärker abweichend, mit verschiebung des -k- deutsch - böhmisch krachêl, wie meisznisch stachêt für stakêt (s.K 2, e). diesz -ch- schon im 17. jh.: das sein zwei rechte eisenbeiszer, die fangen gleich grachel an. 'Romeo u. Julia' bei Cohn Shakespeare in Germany 325. auch kragel ebend. 329 mag so gemeint sein: lege doch einmal ab deine dolheit! wo ist der, der durch kragel reich worden? s. auch das östr. krachellen unter krakeelen. 2@cc) es ist nämlich auch oberd., leicht abweichend: tirol. kragell n., bair. kragell und kregell n. Schmeller 2, 382, mit einem beleg schon vom j. 1595, von einem bauernkrawall: von wegen der österreichischen bauern gregell. Westenrieder beitr. 3, 113. so noch östr. gregell n., gepolter, getöse, geschrei Höfer 1, 319, Castelli 151. das e für a scheint schwächung durch die tonsilbe, vielleicht unter mithilfe anklingender wörter (s. u. 3, b); über die g für nordd. k s. sp. 2 unten. 2@dd) dagegen wieder mit a schwäbisch gragöl (ulmisch dragöl), schweiz. gragöl und gragêl, und zwar als n. wie bair. östr. (und nl., s. f), wilder lärm Stald. 1, 469, Tobler 234a; ebenso vorarlb., elsäss., auch pfälz. graköl. das ö scheint nur ein erhöhtes ê, wie es dort auch in unentlehnten wörtern erscheint, s. Weinhold alem. gr. s. 47. 82. 100. 2@ee) aber merkwürdig auch mit o, tirol. gragoll n. 'lärm, rebell' Schöpf 338. 204, Fromm. 5, 438 (als m., wie bei Schöpf 204), wie ebenda gragollen 'rebell machen'. und diesz o auch bei Ayrer im munde eines savoyischen krämers, den er nd. reden läszt: ick hebbe en gwaltsam quades wif, dat krakolt alltag minen lif. 547, 34 (s.krakeelen 1, c). 2@ff) endlich auch auszerdeutsch: dänisch krakeel (z. b. bei Reisler, Kopenh. 1810), schwedisch krakêl n. Rietz 349a, hier auch ausdrücklich als schlägerei, entlehnt in nd. md. form. ganz heimisch aber im nl., krakeel n., im pl. krakeelen, von heftigem streite, schon bei Kilian krackeel (auch als calumnia). 33) Ursprung und verwandtschaft. 3@aa) das merkwürdige wort klingt bei fremder betonung im stamme doch deutsch, und zwar nd., es erinnert an nd. nl. kraken, krachen, und der lärm des streitens scheint der ausgangs- und kernpunkt des begriffes. ich vermute die urspr. heimat in den Niederlanden, wo es am entwickeltsten erscheint, Weiland gibt u. a. auszer den adj. krakeelig, krakeelachtig auch krakeellust, krakeelziek (süchtig), krakeelziekte, krakeelzucht (das freilich deutsch klingt), und es ist dort auch hoch genug gekommen, um selbst in der bibelübers. aufzutreten: haet verwekt krackeelen. prov. Sal. 10, 12. 3@bb) ob die endung roman. einflusz ist? wenn man krakélen aus kráckeln erklären will, das bair. zanken bedeutet (sp. 1930, s. auch krackelisch) und zufällig auch kräckeln, ostnd. kräkeln zur seite hat, wie neben östr. gregell kärnt. grêgel m. lärm steht, und wie schwed. Rietz 349b krAekla streiten mit krakéla geradezu vermischt, so ist doch eine solche tonversetzung ohne besondern einflusz unmöglich und das krackeln u. s. w. zu wenig verbreitet, um krakélen zu erklären. aber frz. querelle reicht auch nicht aus, krakél zu erklären. vgl. das merkwürdige schweiz. kragêl n. unter kragen 3, c (sp. 1962). 3@cc) einen merkwürdigen anklang der endbildung bietet übrigens ein verbreitetes nd. wort, karjölen, karjolen, krijölen, krajölen u. a. (sp. 218), freilich nur jauchzen und von anderm stamme (s. übrigens auch krakeelen 2, b für jauchzen). aber wie da ein verwachsen zweier stämme vorliegen wird, wäre das bei krakêlen auch denkbar. freilich erscheint bei diesem das subst. als der ausgangspunkt. die verbreitung des wortes über Deutschland denk ich mir durch die landsknechte veranlaszt.
6283 Zeichen · 162 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Krakeel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Krakeel , des -es, plur. inus. ein nur in den gemeinen Mundarten übliches Wort, einen heftigen Zank und Streit zu be…

  2. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Krakeel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Krakeel (niederländ.), Hader, Zank, Streit.

  3. modern
    Dialekt
    Krakeelm.

    Mecklenburgisches Wb. · +3 Parallelbelege

    Krakeel -ei- m. Lärm, lauter Zank: '9. soll ... keiner in der Zusammenkunft beim Bier Parlement (Gerede) und Krakeel anr…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit krakeel

26 Bildungen · 26 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von krakeel 2 Komponenten

kra+keel

krakeel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

krakeel‑ als Erstglied (26 von 26)

krakeelisch

SHW

krakeel-isch Band 3, Spalte 1735-1736

krakeelen

DWB

krake·elen

krakeelen , verbum zu krakeel ( s. d. ), nl. nd. krakeelen, nrh. krakîlen, bair. kragéllen, kregéllen, schwäb. schweiz. els. gragölen, gragê…

krakeeler

DWB

krake·e·ler

krakeeler , m. zänker, besonders der streit sucht oder liebt, nl. krakkeeler, hd. zuerst bei Stieler 1022 : Carl Moritz aber gibt er schlech…

krakeelerei

DWB

krakeel·e·rei

krakeelerei , f. das treiben eines krakeelers. niederrh. krakîlerei ( Aach. mundart 126).

krakeelig

DWB

krakeelig , streitsüchtig, nl. krakkeelig; krackehlicht Stieler 1022 . merkw. von pflanzen: die fettlaubigen hirsegräser mit ihren gespreizt…

krakeelisch

DWB

krakeel·isch

krakeelisch , dasselbe, krackehlisch. Stieler. nd. krakeelsch Dähnert 253 a .

krakeelsch

MeckWB

krake·elsch

krakeelsch zänkisch, streitsüchtig: 'de eine warnet den andern, vor slck ... eine ... krakelschen Kibbelersche' Gry. Wed. P 3 b ; 'n krakee…