kiepe,
f. korb, sack, tasche, hut, ein md. und nd. wort. 11)
korb. 1@aa)
nd. im 15.
jh. kype ader lank korf,
cophinus. hor. belg. 7, 28
b (
v. 1424), kype
cophinus Dief. 150
a, kipe
canistrum 95
b.
um 1700 kipe: Matz heft de kipe kregen. Lappenbergs
Lauremberg 129,
den korb als freier (
so die kipe kriegen,
repulsam ferre, als hd. Wachter 839).
westf. kype
tragkorb Kuhns
zeitschr. 2, 202,
götting. kîpe
rückentragkorb Fromm. 6, 429,
im Bremischen kipe
und küpe (eierküpe, honerküpe, torfküpe
u. a.)
Brem. wb. 2, 899,
auch ostpreusz. kiepe
und küpe Hennig 122.
diese zweite form in Hildesheim keupe (
neben kiepe) Fromm. 2, 44.
also beide formen mit langem vocal. 1@bb)
daher bei norddeutschen schriftstellern: Hans, sagte Töffel, lang einmal die kiepe her, die hinter dir im riedgras steht, und gib dem mann von unserm käs' und butterbrot. Hölty 58; füllet die reinlichen kiepen. Claudius; die kiepe mit käsen machte besonders glück bei meiner mutter. Voss
an Gleim aus Eutin 1794 (
br. 2, 307); ein aufgeschürztes mädchen, die sumpfgras in ihre kiepe für die kühe ihrer mutter schnitt. Arnim
kronenw. 1, 406. 1@cc)
aber auch hd., genauer md., und zwar unverändert mit der nd. form, schon im 15.
jh.: kypp, korp,
calathus, sporta. Mones
anz. 7, 301
b; kype,
calatus, sporta, canistrum, cophinus. voc. theut. Nürnb. 1482 q 4
a;
die erste quelle, der vocab. des mag. Engelhusen, enthält auch sonst nd. anklänge, sie mag dem Rheingebiet angehören. so gibt der nrh. Teuthonista auch cophinus, kypp, mande,
und noch jetzt ist kiep
f. in Aachen ein kober, kiepe
in Jülich und Berg rückenkorb (Schmidt
west. id. 95);
der Nürnb. voc. v. 1482
aber gibt auch manche mitteld. wörter. kîpe
ist auch in Mitteldeutschland weit verbreitet, in der Lausitz (
daher auch niederwend. kipa
tragkorb Zwahr 152),
in Sachsen, Thüringen (
auch kîbe,
Rudolstadt, vgl. unter 4),
wol auch in Hessen und weiter? die form ist wechselnd, bald ist es ein rückenkorb, '
tragkorb',
bald ein handkorb (
s. z. b. Heynatz
antib. 2, 180),
gewöhnlich aber grob geflochten. auch die bestimmung ist wechselnd, in Altpreuszen z. b. ist kiepe, küpe
ein länglich runder handkorb ohne deckel, worin man den pferden das futter reicht. Hennig 122: futterschwinge, hier auch kiepe genannt. Goltz
jug. 3, 300, futterkiepe 301.
in Lübeck gilt die kiepe
wie ein masz, eine kiepe schollen
enthält 600
stück. Adelung; kiepenweise verkaufen, holen Campe. 22)
landsch. ein tiefer frauenhut in einfachster form aus stroh oder bast. Campe;
so in Thüringen, Schlesien, in der Lausitz, Posen (Bernd 121)
bei bäuerinnen, in den 50
er jahren eine zeit lang auch in städtischer mode (kiepenform).
das ist wol nach der bed. korb gemacht. doch vgl. kippe als kopfbedeckung. 33)
sack, tasche. so in Waldeck kiepe
tasche Cuntze 476
a,
westf. Fromm. 6, 429,
bremisch kiepsack, küpsack
kleidertasche, '
schubsack'
Br. wb. 2, 775. 899.
und dasselbe musz sein folg., wie es scheint, rheinische keipe: sie (
die Indianer) tragen ire kinder auf dem ruck in keipen von baumwolngarn gmacht. H. Staden r ij; lieber meister, ich wil disz stück bratens und diesen semmel in meine keippen stecken, dann ich nicht wissen kan, wie wol auf den abend der würt gerahten möchte. Melander
jocoseria 2, 77 (
no. 421). 44)
es musz aber auch die bed. kasten gehabt haben. in Sachsen braucht man kîpe
von alten kasten (
auch kîbe),
auch von kastenwagen, karren mit einem aus bretern zusammengenagelten kasten, hundekarren, und wie kasten
selbst auch von alten häusern, 'die alte kîpe!'
das alles nur noch verächtlich, wie es alten wörtern in ihrer letzten lebenszeit leicht widerfährt. die bed. kasten und korb finden sich ebenso beisammen in kar
sp. 203. 55)
auch als fasz findet es sich, eben wie kar.
bei den winzern an der sächs. Elbe kommt eine kiepe
als fasz vor, bütte, eben dort kiepe
als schöpfgelte (
livl. kippe
schöpfeimer Hupel 109);
die färber haben eine kiepe,
farbenfasz, gewöhnlich küpe,
s. d. 66)
anwendung einer der vorigen bed. wird folg. sein. a)
der theil einer holländ. windmühle, der den kopf mit dem rumpfe verbindet. vgl. u. korb 2. b) dem pferde band er oberhalb des hufes etzliche aus dem pferdeschweif gezogene haare ums gelenke, welches der bauer die kiepe nennt.
colica Lpz. 1680
s. 186. 77)
verwandtschaft und formen. 7@aa)
hohes alter wird dem worte gesichert durch norw. kipa
f. korb, ags. cŷpa (
oder cypa?): belifon tvelf cŷpan fulle.
Luc. 9, 17,
also schon da als korb. dasselbe scheint noch engl. dial. kipe
als fischreuse, weidennetz, s. Halliwell 495
a;
auch bei uns ist korb
zugleich fischreuse, und keiper
fischmeister könnte eine deutsche spur dieser bed. für kîpe
enthalten. 7@bb)
da solch alte stämme in vocal und stammauslaut sich gern manigfach gestalten, könnte mhd. keibe
mastkorb (
wb. 1, 794
a)
zu diesem stamme gehören, vgl. wegen des auslauts kîbe
unter 4,
auf der insel Bornholm kive
rückenkorb bei fischern (Adler 17),
bei den Deutschen am Monte Rosa (
sp. 382) chewl
handkorb Schott 280.
Ist in kîpe
der vocal ursprünglich lang? es wäre sehr auffallend, dasz es md. nicht zu keipe
geworden wäre, wie doch u. 3
vorkommt, falls diesz ei
altem î
entspricht (
doch s. kiken 4,
c).
es gibt eine nebenform kippe
korb in Sachsen (
vgl. u. 5).
s: auch kiffe
altes haus, das zu kîpe
unter 4
stimmt, mit seiner nebenform küffe
zu küpe 1
a. e.; vgl: auch hd. kipf
als masz. 7@cc)
merkw. ist ein sächs. bergm. kieper
m., vom '
hund',
kastenkarren der bergleute (
Rosswein, Schwarzenberg),
es stimmt in der bed. zu 4,
mit einer nebenform keuper
zu küpe,
die endung ist wie in dem wahrscheinlich stammverwandten kober,
korb, s. d. 7@dd)
ganz merkwürdig endlich in einem voc. des 15.
jh. zip
cophinus Dief. 150
a;
in Pommern heiszt kîp
korb auch tschîp
f. (
bei Neustettin).
vgl.K 4,
c.