kasten,
m. arca, ahd. chasto,
mhd. kaste,
mnd. caste Dief. 124
a,
nnl. kast, kas,
vielleicht ags. cäst (cest)
casina, cista Dief. 104
b. 124
a,
wenn es nicht für cist
steht; den nord. sprachen abgehend; entlehnt ehstn. kast,
auch böhm. kasna, kašna
f. (
für kastna),
wie das demin. kastík, kastlík
zeigt. Entstanden ist es vielleicht aus kas,
der goth. und urform von kar,
vgl.käscher a. e.)
als eine weiterbildung in der gramm. 2, 202
gezeigten art (
z. b. huoste
husten : skr. kâs
husten, altsl. kaš'l',
vielleicht kante
krug : kanne);
noch sind beide in fischkar
und fischkasten, brunnenkar
und brunnenkasten, meisekar
und meisenkasten,
bair. traidkar
und kornkasten
einander völlig gleich. s. auch kiste.
Der alte rechte nom. kaste (
z. b. Luther 4, 55
b)
steht noch bei Frisch
voran, bei Schmotther (
Dresden 1726)
allein. der falsche pl. kästen (
bei Göthe 18, 22 kästen
und kasten
auf éiner seite)
steht doch schon bei Fischart
Garg. 275
b (521
Sch.), H. Sachs die kästen leren 3, 2, 42
d (1588),
selbst mnd. zisekesten
pl. accisekasten Leibnitz
script. brunsv. 3, 457,
hätte es doch auch ein starkes kast
gegeben? 11)
Arca, cista, meist von holz, aber auch pappkasten, eisenkasten
für geld, steinkasten
an brunnen (
s. 2,
e), glaskasten.
mit kasten
berühren sich im sinn kiste, schrank, schrein, truhe, lade. 1@aa)
hauptsächlich im hauswesen, als '
behälter' (
vgl. kalter): wenig flüchteten wir, ich sasz die traurige nacht durch vor der stadt auf dem anger, die kasten und betten bewahrend. Göthe 40, 250; und es behaget so wol, wenn mit dem gewünscheten weibchen auch in körben und kasten die nützliche gabe hereinkommt. 40, 252. kasten
in küche und vorratskammer, mehlkasten, kornkasten, brotkasten, futterkasten
im pferdestall, spreukasten
u. s. w., kast
cumera, vas rusticorum, reservatorium frumenti. voc. theut. 1482 q 1
b.
gern in alliterierender verbindung keller und kasten, kisten und kasten: kasten unde keller vol hab wir dannoch volliclîch. S.
Helbling 4, 60; sô kasten und kisten in ist vol.
Renner 7897; in einem jâre dô gewan er kiste und kasten vol.
Kolm. meist. 198, 21; immerdar sagen die geizhäls und gedenken, wie sie ihre keller und kästen mit wein und getraid erfüllen mö
gen. Albertinus
narrenhatz 159; und wann er (
der bauer) uf Martini kasten und keller voll hat, so kommen erst seine gläubiger, gültherrn und schaffner.
Simpl. (1713) 3, 19; von des Grandgoschier vollbestalter kuchen, keller und kasten.
Garg. cap. 4; viel zehren und viel gasten das leeret küchen, keller und kasten. Gensschedel
ethica rythm. bei Hoffmann
spenden 1, 25; wie wir im bapstumb gesehen, da alle kasten und kisten aufgiengen (
ihren inhalt zu steuern hergaben), wenn ein newe religion angieng. Mathesius
Sar. 107
a; freilich führten wir ein completes mobiliar mit uns (1792
im feldzug), auszer dem küchengeräth noch tisch und bänke, kisten, kasten und stühle. Göthe 30, 121. 318;
text des lerchengesangs: als ich abschied nahm, als ich abschied nahm, waren kisten und kasten schwer. Rückert.
der kasten
ist entweder ein selbständiger behälter, offen (
z. b. kohlenkasten)
oder mit beweglichem deckel, verschlieszbar, oder in einen schrank, eine truhe, einen tisch, eine wand eingelassen, zum aus- und einschieben, schubkasten, tischkasten, commodenkasten, aschenkasten
am ofen. 1@bb) kasten
war aber auch ein schrank (
s. kästlein): dasz der mann beede in seiner schlafkammer auf eine zeit erdappet und den jüngling dermaszen geängstiget, dasz er in einen allda offen gestandenen kasten weichen und mit zuschlagung der thür sich verbergen müssen. Abele
gerichtsh. cas. 96;
meisterstück der tischler war ein gewandkasten (
kleiderschrank) nach zierlicher architectur ausgetheilt, mit 12 säulen oder bildern, hoch neuntehalben schuh, breit achtehalben schuh. Hübner
handlungslex. 1936;
vgl.kastenmacher,
kleiderkasten. 22)
Zu mancherlei gebrauch sonst in und auszer dem hauswesen. 2@aa) malekasten, briefkasten,
briefschalter, ähnlich zettelkasten
in buchhandlungen, bestellkasten
für eisenbahnen. kasten
allerlei art in kaufmannsladen. kasten, armenkasten
in der kirche, um das almosen darin zu sammeln. schmetterlingskasten: der schmetterling ist schön noch in des sammlers kasten. Rückert
weish. d. br. 11, 4. staarkasten,
worein die staare bauen; meisenkasten,
meisen zu fangen, ebenso bärenkasten. fischkasten,
fische im wasser aufzubewahren. beutelkasten
in der mühle. 2@bb)
zum waarentransport, jetzt meist kiste,
vgl. schon Parz. 110, 30 kaste
als speisekoffer: die haben alle mit dir gehandelt mit köstlichem gewand, mit seidenen und gestickten tüchern, welche sie in köstlichen kasten von cedern gemacht und wol verwaret auf deine merkt gefürt haben.
Ezech. 27, 24; zu Gröningen viel kästen gemachet sein, geschütz darinnen zu führen. Weller
lieder des 30j. kr. 169. pulverkasten, munitionskasten;
schon im mittelalter, z. b. pfeilkasten
anzeig. des germ. mus. 1856
sp. 279,
die burg Magdalun wird gerühmt wie wol bewehrt sie sei: wie wol die kasten sind geladen (
mit vorrat versehen) der grœster blîdensteine. Mones
anz. 8, 484. 2@cc)
am wagen, auch am schlitten ist kasten,
wie truhe,
im gegensatz zu rädern, kufen, deichsel u. a. das eigentliche wagengefäsz, kutschkasten;
aber auch am wagen sind kasten
angebracht wie in schränken, wänden: mit den Holländern wollt ich mich in meinem kasten zanken wegen ihres mangels an poetischem geschmack. J. Paul
uns. loge (1793) 1, ix,
scherzhaft für kutsche, er schreibt unterm fahren; und es ist mir genug davon im kasten des wagens ... also sprach sie, ich öffnete schnell die kasten des wagens, brachte die schinken hervor, die schweren, brachte die brote, flaschen weins und biers und reicht ihr alles und jedes. gerne hätt ich noch mehr ihr gegeben, doch leer war der kasten. Göthe 40, 249.
der kasten
einer portechaise: ich kam glücklich durch (
das wasser), allein der freund, mit meinem sohne zugleich eingeschachtelt, ward den trägern zu schwer, sie setzten wie bei trocknem pflaster den kasten nieder. Göthe 31, 110.
man nennt verächtlich eine schlechte kutsche einen alten kasten, rumpelkasten
u. ä.: ein blinder kutscher, lahme pferd', ein alter karrn im sande, doch drin im morschen kasten fährt die schönste maid im lande. A. Grün
ged. 67.
hamb., holst. nennt man ein altes schiff en ôlen kassen Schütze 2, 234. 2@dd)
der kasten
des setzers in der druckerei, schriftkasten, setzkasten,
daher kurz am kasten arbeiten (
oder stehn),
d. i. als setzer: er ist gleich tüchtig an der presse wie am kasten. kaste
in der kelter, lacus torcularius Stieler 934,
auch kar (2). 2@ee) kasten
in der gärtnerei, worin fremde bäume, sträucher stehn: nachdem ich mich hinter die kästen, in welchen die orangenbäume stunden, verstecket hatte.
Gil Blas (
Dresden 1768) 2, 194; die orangeriekästen J. Paul
flegelj. (1804) 4, 140.
ähnlich brunnenkasten
bei laufenden brunnen, zur aufnahme des wassers, von holz oder stein, röhrkasten: zu Augsburg eins nachts geschach, das ich eim trunken eilte nach zu einem rörbrunn mit eim kasten ... wan als der kast vol wassers war
u. s. w. H. Folz,
fastn. sp. 1211, und reiten etliche reuter die gäul aus der weid über den kasten und tränken. Götz v. Berl.
lebensb. (1813) 64; lang darvor hatt Ulricus Coccius die Susannam uf dem fischmerkt gespilt ... die brüge (
bühne) war uf dem brunnen und war ein zinnener kasten, darin die Susanna sich weschet, doselbst am brunnen gemacht.
F. Platter 122.
daher das eigenthümliche kasten
in Wickrams
metamorphosen, nach lat. antrum: do stunt ein selbgewachsner kast, darin vil kalter quellen fast sprungen und flussen one zal. Haupt 8, 403,
sicher stand schon bei Albrecht v. Halberstadt selbwahsen kaste (: vaste),
natürlicher brunnenkasten im felsen. als badebassin: im gemeinen kasten baden. Ryff
spieg. d. ges. 139
b;
vgl. kastein. 2@ff) leierkasten, guckkasten, raritätenkasten (Göthe 16, 98), murmelkasten (13, 51): wollt ihr in meinen kasten sehn? des lebens spiel, die welt im kleinen, gleich soll sie eurem aug erscheinen. Schiller 99
a. 33) Geldkasten, schatzkasten (
Garg. 63
b),
wie wol schon unter 1,
a bei Mathesius: ie dar under füllen wir die kasten ... ir tiuscheʒ silber vert in mînen welschen schrî
n. Walther 34, 9. geld in den kasten legen Steinbach 1, 834: wer geld im kasten hat, der hat zugleich die leiter, vermöge welcher oft der ärgste bärenheuter ans bret der ehren steigt. D. Stoppe; sie bot ihm also ihre hand an und mit dieser hand den ganzen segen ihres kastens. Rabener (1755) 4, 169.
davon oder von andern vorratskasten die redensart bald am kasten sein (Sanders 1, 875
a),
bald fertig mit dem vorrat, dasz man den kastenboden sieht. Besonders von öffentlichen cassen, der gemeine kasten,
gemeindecasse (
nl. ist kas
beides kasten und kasse): dem gemeinen kasten fürstehen. Luther 3, 511; es möchte zwar der gemeine kaste mir zu ehren einem solchen meinen diener etwas schenken.
briefe 4, 342; vom rathhaus oder gemeinem kasten. 5, 33.
daher öfter in der bibel: sie (
die Leviten) waren uber die kasten und schetze im hause gottes.
1 chron. 10, 26; da befalh der könig das man kasten zubereiten solt am hause des herrn, und sie bereiten sie zu und theten hin ein die hebe, die zehenden und das geheiligte.
2 chron. 31, 11; so wachet und bewaret es (
silber und gold), bis das irs dar weget fur den öbersten priestern .. in den kasten des hauses des herrn.
Esra 8, 29,
auch für früchte und zehnden Neh. 10, 37,
vgl. 38;
s. auch gotteskasten. die errichtung eines gemeinen kastens und die dem volk gegebene befugnis zwei säckelmeister zu wählen. Niebuhr 1, 583; nach einer erzählung ward sie (
die bestattung des Publicola) aus dem kasten der bürgerschaft bezahlt. 1, 620; die beute .. kam in den gemeinen kasten der patricier. 1, 647; niemand als sie kann den kasten der gemeinde verwaltet haben. 1, 690; aerarium und publicum sind ganz verschieden, jenes der kasten des gesammten staates, dieses der bürgerschaft. 2, 200.
s.kastenherr,
kastenmeister,
und das folg., mit dem es sich berührt. 44)
Von gebäuden; gerade wie kar,
eig. gefäsz, auch stockwerk ist, gilt auch kasten
von theilen eines gebäudes und vom ganzen. bair. heiszt so der raum unterm dach, boden; im bair. gebirge in den alphütten ein gemach, das als behältnis für mehl, käse, butter, milch dient, auch wol eine abgesonderte hütte dafür; bei bauerhöfen ein nebengebäude, oben für das getraide, unten für das ackergeräte, speicher. Schmeller 2, 339. 4@aa)
besonders kornboden, kornhaus, ahd. 'chasto,
tipsanarium, arca, granarius', wintarchasto,
fruchtbehälter unter der erde. mhd. 'chaste,
spicarium'
sumerl. 34, 15. 'kasten,
granarium, annonarium, horreum'
voc. inc. teut. m 8
b, kast oder kornpoden oder kornkast
voc. theut. 1482 q 1
b,
s. kastner zuletzt: daʒ man eim ieden becken zwei sümer melbs gab von der stat kasten (
in theurer zeit).
Nürnb. chron. 2, 301; Campania ist noch heut zu tag nit anders dann ein kast der statt Rom zu achten.
Livius von Schöfferlin 79; als einsmals ein .. kornhändler ser vil getraids aufm kasten beisammen hatte. Albertinus
narrenhatz 191,
nachher erhenkte er sich selbst oben auf dem traidkasten. 4@bb)
in naher berührung mit 3: kasten,
sonst herzogkasten (
vgl.kastenhaus),
gebäude zur aufbewahrung des gült- und zehendgetreides, das von den grund- und zehendholden des fürsten entrichtet wird. Schmeller 2, 339 (
vgl. Schöpf 306)
mit vielen ableitungen, in denen kasten
zum theil das fürstl. wirtschaftswesen überhaupt bezeichnet: item so ist recht, dasz die 24 lehen sollen geben 52 metzen habern, darvon sollen vier metzen einem amtman gehören und die andern soll der amtman antworten der herschaft auf den kasten.
weisth. 3, 626,
worin das auf
zu beachten, wie von einem boden. ein narr rät seinem bischof: den dritten teil deines gebets das solt du beten für alle die (
die bauern), die dich und mich erneren hie mit harter erbeit und übel essen und dir es (
das getraide) doch in den kasten müssen messen. Rosenblüt
bei Göz,
H. Sachs 3, 182; ich binde meine schuhe mit bast (
ein armer bauer) und fülle meinem junker den kast. Schuppius 366.
s. auch kastenamt, kastner, kastenvogt, kastenkellerei. 4@cc)
wie es scheint, wurden von jeher auch einzelne zimmer, hausräume zum bewohnen so genannt, die sumerlaten 36, 57
geben cubiculum chaste;
das horn des wächters erschallt '
über dem kasten': der wechter ob (
oder ab?) dem kasten den hellen tag verkunt, er tet sein hörnlein schellen. Uhland
volksl. 184,
entweder verschlag, käfterchen, oder ein ausbau am thurme, oder das oberste gestock. im Mühldorfer stadtrecht aus dem 13.
jh. handelt ein art. von der ausleut kasten und heusern,
er gibt an wie
die ausleut (
fremde die in der stadt wohnsitz haben), si seien pfaffen oder laien, die kästen oder heuser in der stat habend, der stat warten und helfen sullen .. wider der stat veind.
anz. des germ. mus. 1858
sp. 260
aus einer hs. des 15.
jh., die kasten
scheinen nebengebäude, hintergebäude oder vermietete stockwerke? vgl. kar 5.
in einem kirchenliede des 17.
jh.: ein gute nacht sei auch gesagt den köstlichen palästen ... ein kleiner kast, darin ich rast, gnügt mir und meinen gästen. Ditfurth
fränk. volksl. 1, 140.
jetzt sagt man von schlechten häusern, es ist ein alter kasten (
wie von clavieren, auch klimperkasten, leierkasten): hätten die satans nicht uns narren insgesamt den alten kasten auf die köpfe schmeiszen können? Tieck
nov. 3, 145.
gymnasiasten nennen die schule ihren kasten,
in Hamburg, Altona die geringen leute ihr häuschen, selbst die stube, 'mîn kassen' Schütze 2, 234.
bei Brant
narr. 63, 35
ein weisenkasten,
orphanotropheum, fündelhäuser und weisenkästen
Garg. 28
a.
auch das gefängnis heiszt oder hiesz wol kasten (
vgl. kiste 2),
wie nl. kasje '
kästchen'. hurenkasten
bordell, hamburg. blosz kasten. Schütze. 55)
Diese vorige bed. hatte vielleicht Luther
mit im sinn, als er die arche Noah kasten
nannte, s. z. b. 4, 51
b ff.: mache dir einen kasten von tennen holz und mache kammern drinnen ... ein fenster soltu dran machen oben an .. die thür soltu mitten in seine seiten setzen.
1 Mos. 6, 14; der kaste Noah. Mathesius 57
b; viel meinen, es sei ein groszer ruhm wann sie ihr geschlecht ausz Noe kaste (
so!) herfür bringen. Lehmann
flor. 1, 156; must alles fleisch gepaart in Noens kasten gehn, wie will man ungepaart in dieser welt bestehn? Hoffmannswaldau
in B. Neukirchs
samml. 2, 5.
von altmodischen sachen scherzhaft 'das zeug, kleid ist noch aus dem kasten Noah'. Hennig
preusz. wb. 118,
in Posen heiszt der kasten Noahs
ein groszer wagen und dergl., worin sich verschiedenes beisammen befindet. Bernd 117. 66)
Von jeher heiszt kaste
auch die einfassung eines edelsteins, in der er unmittelbar drin sitzt, nnl. kas,
bei Kilian kasse, rinkkasse: 'castun,
foramina ubi mittunt gemmas'
glosse bei Graff 4, 530; guldîne kasten reine, dar inne edel gesteine.
Lanz. 8513; kast auf einem ring, darein man den stein versetzt,
pala annuli Maaler 241
a; kasten eines edelgesteins,
cassa ò castone della pietra, châton. Rädlein 527
b; wenn er (
Gyges) aber den kasten des rings inwendig in die hand gekeret, da hab in niemand sehen können. Mathesius
Sar. 161
a; wie der firnuss alle farben erhebet und die folien oder bletlin, so man unter die edelgestein legt im ringe oder kasten und klinodien, scheinlicher und liechter macht. 53
a; da (
falls) würde in zerbrechung alter cleinater und ringe befunden, dasz die kästen, etwa (
manchmal) dief, weit und grosz, obgleich die stein nicht dick darnach seind, mit wachskreiden ausgefült werden .. soll (
vorher) dasselbig kleinot oder ring einem dar gewegen (
werden), und hernach, wan der kasten gefült ist, nicht.
Heidelberger goldschmidtordnung von 1563, Mones
zeitschr. 3, 164; wir kein recht an diesem ringe? innwerts auf dem kasten musz der fräulein verzogner name stehn. Lessing 1, 533.
Auch ital. heiszt das castone,
franz. châton,
jenes nach Diez 92 (1, 117)
zusammengezogen aus cassettone,
d. i. aber grosze cassette, kommode, hoher kasten mit schubfächern; das fassen der edelsteine heiszt incastonare,
span. engastonar,
port. encastõar,
prov. encastonar,
mlat. incastare (incassare),
franz. enchâsser (châsse
fassung einer brille u. ä.),
diesz, wie jene alle im grunde, nach Diez
von capsa,
was unzweifelhaft scheint da châsse
auch reliquienkästchen bedeutet (
s.kafse).
und doch könnten wol die formen mit t
zugleich auf unser wort zurückgehn, das aus châton, castone
nicht zu erklären ist als zu alt, und doch wol auch nicht davon zu trennen (Frisch
im franz. wb. leitet châton
von kasten
ab).
die deutschen stämme wuszten aber, wie es scheint, von haus aus mit edelsteinen und gold wol umzugehn (
vgl. Wackernagels
angaben in Haupts
zeitschr. 9, 545),
und es wäre nicht das einzige beispiel dasz die rom. sprachen einen ausdruck der juwelierkunst von uns entlehnten, und mit dem wort doch wol die sache, z. b. franz. cliver
vom diamantspalten, d. i. klieben. 77)
Am menschlichen körper: brustkasten,
engl. kurz chest,
ebenso ital. casso, cássero (Diez 92);
und dieser gebrauch von kaste
musz sehr alt sein, vielleicht uralt, s. unter blutkaste.
vom herzen: das der bapst alle geistlich recht in seinis herzen kasten gefangen hat. Luther
an den adel L 2
b. mutterkasten
matrix Abele
gerichtsh. (1684) 1, 215,
gebäumutter, eierkasten
eierstock das. 216. 218.
auszer brust, magen, herz trifft jetzt besonders den kopf dieser name, hirnkasten,
schon mhd. von der stirn der wîʒe kaste
MS. 2, 23
b;
einen klugen kopf nennt man (
z. b. in Sachsen, Thüringen)
einen verstandskasten: er ist ein rechter verstandskasten,
oder er hat einen guten v.;
ditm. verstandskiste
Quickborn 60.
so poetenkasten Chr. Weise (
s. u. kammer 8,
b sp. 114),
Pickelhäring nennt seinen kopf so, wol ein modewort verspottend; Joh. Georg Neukirch,
anfangsgründe zur reinen teutschen poesie itziger zeit Halle 1724: was endlich die natürlichen ursachen betrifft, wodurch das ingenium eines poeten aufgemuntert und der poetenkasten in ein rechtes geschicke gebracht wird.
s. 14; wer nun seinen poetenkasten mit guten sachen angefüllet (
viel realia gelernt). 578. Gottsched
im leben seiner gattin erzählte: alle angehörige aber sagten, das kind hätte einen poetenkasten mit auf die welt gebracht.
briefe die neueste litt. betr. 21, 178.
in Schlesien heiszt es vom ganzen menschen 'ein mensch wie ein kasten',
ein groszer, starker. Weinhold 41
b;
hamb. ên kêrl as kasten
ein ganzer kerl Richey,
schwäb. von sehr beleibten leuten e rechter kaschte.
die anatomen nennen die zahnhöhlen kasten, kästchen,
s. auch unter kästlein. 88)
Noch einige verwendungen, in denen kasten
andern ursprungs sein kann oder ist. 8@aa)
im bergbau ist kasten
ein oben bedeckter ort, auf den man berge oder schutt wirft, kasten schlagen
einen ort so bedecken dasz man schutt darauf schütten und doch darunter weg gehen kann; das geschieht um sich die zu tag förderung des schutts zu ersparen. auch böhm. kašny
pl. es werden dabei stangen über die eingetriebenen stempel gelegt, die heiszen kastenstangen. 8@bb) kasten, kornkasten
im Trierischen ( Adelung),
auf der Eifel (Schmitz 227
a)
ein haufe garben im felde, zum trocknen auf einander gesetzt, am Mittelrhein kaste (
auch von heu) Kehrein 189,
um Aachen kast
fem. (
wie nl. kas
f. ist)
Aach. mundart 101,
ganz wie kappe 9,
e und schober.
und wie schober
landsch. noch, musz es auch vom künstlich gesetzten holzhaufen gegolten haben, denn kasten,
pl. kästen
war bair. einst ein masz für brennholz, daher kastenholz, kastenscheit
neben klafterholz,
von diesem unterschieden, s. Schm. 2, 339;
davon ferner tirol. kasteln, aufkasteln,
scheite ordentlich aufschichten (
auch auf andre dinge angewandt) Schöpf 306,
ebenso im cimbr. wb. (
und kastelholz
holzstosz) 134
b.
so schon mhd. kasten: holz verbeut man ze castenne oder ze legenne gegen der strâʒe. Baader
Nürnb. polizeiordn. 277.
rhein. noch kasten
vom aufsetzen der getreidemandeln (Kehrein 189).
Es ist damit wie mit kappe
sp. 195
fg. (
dabei ist nachträglich auf kocke
zu verweisen),
ein uraltes wort, das sich nachher an ein andres anlehnte. es lebt auch im norden: schwed. dial. kast
m. aufgesetzter haufe besonders von holz (kastved
gleich kastenholz), myrkast
ameisenhaufe u. ä., auch kasta
f. und kast
n. (
durch vermischung mit kast
n. wurf)
ähnlich, letzteres z. b. vom misthaufen, s. Rietz 313
a.
altn. isl. heiszt es köstr
m., gen. kastar,
holzhaufe u. ä., dazu kasta
einen haufen, z. b. scheiterhaufen aufschichten Egilss. 475
b.
vgl. finnisch kasa
haufe z. b. von holz, verb. kasata.
als uralte nebenform stellt sich wol dar rhein. hauste, hûste
m. schober (
vgl.kappe : haufe
sp. 196)? 8@cc)
in den bair. und oberöstr. alpen sind kästen, kästeln
schroffe felsen, felsichte absätze Schm. 2, 340.
in Appenzell ist ein berg Kasten, der hohe Kasten. Tobler 96
a; die Ach oder Goldach gegen der fluoh die man nempt 'an dem kasten'.
appenz. urk. v. 1460
bei Zellweger 2, 1, 85. Schmeller
zieht isl. kast
n., felsenvorsprung herzu. seltsamer zufall dasz wie kaste
arca mit kar
catinus ursprünglich zusammenhängt, so auch neben diesem kasten
ein kar
besteht von felsen, s. oben sp. 204.