gotteskasten,
m. ,
opferstock, armen-, kirchenkasse. 11)
biblisch der opferstock des jüdischen tempels und der opferschatz selbst, für hebr. ן;
gr. κορβανᾶς,
γαζοφυλάκιον;
lat. corbona, gazophylacium, œrarium; anstelle von schatzkamer, treskamer, trisel
oder einfach schatz
der vorlutherischen bibelübersetzungen: vnd sagt jm, wie der gotteskasten zu Jerusalem, vber die massen reich von gelt were 2.
Makk. 3, 6; vnd Jhesus setzet sich gegen den gotteskasten, vnd schawet, wie das volck geld einlegte in den gotteskasten
Markus 12, 41;
vgl. Rückert
ges. poet. w. (1867) 11, 136; (
im anschlusz an Markus 12, 43:) die wittwe, die tzwey scherfflin ynn den gottiskasten warff, thett mehr, denn alle andere, die doch viel hyneyn worffen (1522) Luther 10, 1, 2, 141
W.; er solle doch nur denken an der armen wittwe scherflein im gotteskasten Jer. Gotthelf
ges. schr. (1855) 3, 200. 22)
kirchen- und armenkasse. die grenze zwischen den anwendungen a
und b
ist äuszerst unscharf, vgl. œrarium ecclesiasticum ein gotteskaste
nomencl. lat. germ. (1634) 484; gotteskasten
œrarium ecclesiasticum, in der kirche, worein ein jeder zur beysteuer der kirche etwas legt Frisch
t.-lat. (1741) 362
b.
seit dem 19.
jh. nur noch selten literarisch belegt; in den jüngeren maa. kaum lebendig, vgl. z. b. Fischer
schwäb. 3, 769. 2@aa)
der opferstock in den christlichen kirchen; vgl. kirchenstock,
opferstock.
vereinzelt in früher bezeugung: fulle hye der armen sach, lege in die gotes chasten! Heinrich v. Burgus
d. seele rat 2133
Rosenf. häufiger seit der reformationszeit: 10 fl., als zur dancksage gottes für seine gab, in gotteskasten geben Kirchhof
wendunmuth 2, 261
Öst.; wer in der kirchen den gotteskasten auffbricht, ist ärger als ein gemeiner dieb Dannhawer
catech.-milch (1657) 1, 287; der sieht freundlich aus, ... als wenn er etwas in den gotteskasten legt Hippel
lebensläufe (1778) 1, 442; wir sind überzeugt, dasz er ... gewisz seine gabe, sei sie grosz oder klein, in den gotteskasten legt (1842) A. v. Droste-Hülshoff
br. 2, 16
Sch.-K. im vergleich: warum bist du auch verschlossen, wie ein gotteskasten? Raupach
dram. w. ernst. gattung (1835) 5, 87; Iffland
theatral. w. (1827) 9, 227.
übertragener gebrauch in nicht christlicher anwendung: ein gotteskasten ist des armen leerer bauch, und wer ihn füllt, erfüllt den willen gottes auch Rückert
ges. poet. w. (1867) 8, 250.
in anderer übertragung von der mutterbrust bei Damköhler
Nordharzer wb. 63
b;
vgl.kasten 7,
teil 5,
sp. 267
in der auch sonst üblichen anwendung auf körperteile. 2@bb)
die in der reformationszeit aus spenden errichtete, unter kirchlicher verwaltung stehende armenkasse; älter häufig in der verbindung der gemeine gotteskasten: ich lasz mich auch nit dahin bereden, daz weder zuo Straszburg oder anderszwo, gemeine gotskesten darumb auffgericht weren worden, das mann verdrusz hette, das der arm Lazarus vor der thr des reychen mans lege vnd brot hiesche C. Hedio
v. d. zehenden (1525) b 3
a; es hat der ehrwirdige, achtbare und hochgelahrte herr Nicolaus Meidler ... zu förderung gottlicher eher und unterhaltung der armen uns eine ordenunge uber unsern gemeinen gotteskasten ... gestellet (1537)
d. rat v. Naumburg bei Luther
briefw. 8, 130
W.; da kommen denn ein hauffen bettelkinder, die sol man auss dem gotteskasten ernehren Schupp
schr. (1663) 341.
davon, besonders in älterer zeit, auch der sache nach nicht immer zu trennen, allgemein die kirchenkasse: die verwaltung des testaments ... dem allgemeinen gottes-
kasten vollenkommen aufgetragen (
Reval 1621)
in: dt. rechtswb. 4, 1027; mit dem detail der reparatur (
des superintendenturgebäudes) schinden sie mich noch was ehrlichs. da hat der gottskasten kein geld, da sollen die alten fenster bleiben (1776) Göthe IV 3, 86
W.; aber zuvor will ich den burschen ein wenig mores lehren, damit er sich künftig nie wieder untersteht einen ehrenmann zu behorchen, der sogar beym gotteskasten mit angestellt ist Kotzebue
s. dram. w. (1828) 33, 326.
mundartlich in übertragenem gebrauch: dat küəm
ət nitt in 'n god
eskass'n '...
in die haushaltskasse' Woeste
westf. (1930) 82
a. 2@cc)
an 1
oder 2 b
knüpft die bezeichnung lutherischer gotteskasten
an für eine 1853
gegründete vereinigung zur unterstützung der Lutheraner in katholischen und reformierten gebieten (
vgl. lex. f. theol. u. kirche 4, 612
Buchberger; religion i. gesch. u. gegenw. 2 [1928] 1393): die gesamtsumme der einnahmen der verbündeten gotteskasten pro 1899 hat die des vorjahres um einen erheblichen betrag wieder überschritten
d. luther. gotteskasten, 21.
jg. (1900) 41. 2@dd)
vereinzelt in übertragener anwendung auf Herders schrift '
briefe, das studium der theologie betreffend': diesz ist die dritte freude, die sie (
Herder) mir heute gemacht ... ein scherflein meiner armen muse (
d. i. ein zitat aus einer meiner schriften) in einem so reichen gotteskasten aufgehoben zu finden Hamann
schr. (1821) 6, 186. —