lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gemse

mnd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
12 in 12 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
20
Verweise raus
18

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gemse f.

Bd. 5, Sp. 3286
gemse, f. die wilde bergziege, antilope rupicapra. 11) die formen. 1@aa) ahd. ist bezeugt: ibix, staingaiʒ, gamiza Mones anz. 7, 597a und ibix, staingaiʒ, gamicin 595b (aus Tirol, wie es scheint). also gamizîn n., in verkleinernder oder koseform (vergl. chizzîn hoedus 595a, fulîn pultrinus 593b) und gamiza f., wol auch schon gamiʒa, welchem dann mhd. gemʒe, nhd. gemse entspricht (s. c). nach folgendem gamʒ ist aber ahd. auch gamaʒ oder gamuʒ anzunehmen, wie noch jetzt in Tirol bei Schöpf 171 auch gâmes n. und noch alterthümlicher gamazlen pl., also in koseform wie jenes ahd. gamizîn (s. auch d a. e.) und zugleich ein ahd. gamaz bewahrend, neben dem nach ahd. art auch gamiz und gamuz bestanden haben werden (zu gamuz s. unter 3). 1@bb) mhd. gamʒ ibex Graff 4, 208 (12. jahrh.), sumerl. 37, 79, ahd. wol gamaʒ (s. a). daneben schwaches gamʒe nach dem pl. gamʒen: mit drin helfanden sol ich dâ bî Tirol gamʒen hezzen. Boppe MSH. 2, 386a; später auch gamschen Walth. v. Rheinau 73, 9, also gamsche (vgl. c, γ); vgl.gemschen Haller unter c, γ. nachher gams, caprea, dorcas Mones anz. 8, 395 (neben gemmeʒe, s. c), und das ist noch die form in den österreichischen Alpen, gams f. Castelli 136, gâms m. Höfer 1, 266 (auf früheres gâmes deutend), in Tirol gambs, pl. gamsen Schöpf 171 (wie mhd. gamʒen vorhin), in Kärnten gams, gamps Lexer 112 (vergl.gämpsen schon Brant unter c, β), auch bair. Schmeller 2, 49, der das a aber hochd. als ä faszt (vergl. unter c, β); im 16. jahrh. z. b.: derselben schreiben sambt dem überschickten gambs hab ich empfangen. das. 1@cc) gemse f., das in der schriftsprache durchgedrungen ist, entlehnt auch nl. gems, n. gemse (schwed. stenget, wie oben ahd. staingaiʒ), poln. giemza, böhm. kamzík, kamzice (eig. gemslein, s. d a. e.). 1@c@aα) es zeigt sich als mhd. gemeʒe in der schreibung gemmeʒe ibex Mones anz. 8, 396, das ahd. gamiʒa unter a. gewöhnlich mit gestutztem -e nach oberd. weise: gems oder demling, dama, damula, gemsz hinnulus Dasyp. 338d; ibex, gemsz. Alberus u 3a; gemsz (die), rupicapra. Maaler 167d, gems Henisch 1488; schwarze krumme horn hat die gems. Forer Gesners thierb. 63b. plur. gemsen Dasyp. 95a: die hohen berge sind der gemsen zuflucht. Luther ps. 104, 18; auf den felsen der gemsen. 1 Sam. 24, 3, s. auch Hiob 39, 1; (lustwald) mit gemsen und mit hirschen. Fleming 654. auch mit -bs- (vergl. u. b): gembsen geben ein truck durch die nasen, schreien oder plähen nicht, plären oder wispeln wol, doch in der not nicht. Feierabend weidw. 103a; gaisz, gembsen und steinböcke. Weckherlin 225 (ps. 104, 22). 1@c@bβ) auch mit ä, wie als nachklang der form gams, alem. und bair.: gämʒ Megenb. 128, 1; wer dar an (auf dem berg) icht jagen wolt gämssen, hasen, hner, peren ... weisth. 3, 658, oberbair. vom j. 1431; wogt sich an löwen, beren, schwyn oder stygt sunst den gämpsen noch. Brant 74, 21 (von unnutzem jagen); gäms, rupicapra. Schönsleder s 2b. 1@c@gγ) in alem. aussprache das s nach dem m zu sch verbreitert, gemschen pl.: die gemschen sehn erstaunt im himmel ströme flieszen. Haller ged. Bern 1734 s. 15, wie schon im 14. jahrh. gamschen alem. unter b. 1@dd) bemerkenswert ist, wie es in allen drei geschlechtern ausgeprägt ist. neben dem f., das schon ahd. vorliegt in gamiza oder gamiʒa, erscheint auch m. und n., noch jetzt und vermutlich aus alter zeit her, das vermutete ahd. gamaz u. ä. unter a wird m. oder n. sein. aus Kärnten z. b. gibt Lexer 112 m. und f. (in verschiedenen thälern), aus Baiern Schm. 2, 49 m. und n., aus [] Tirol Schöpf 171 n. das masc. im 16. jh. bezeugt, in schwacher form: ain gar stolzer gembs, grosz und schon. Teuerd. 62, 29; ob ich ein gembsen fellen mocht. 62, 13; wo ich aus diser hohen wand den gembsen nit auswerfen solt .. ob er möcht zuo dem gembsen dar. 18, 43. 46; gar manchem gemsen ward so bang (bei der jagd), das er sich von eim felsen schwang. Wickram bilg. 19b. noch im 18. jahrh. nordd.: wir erinnern uns hiebey an den gems und die ziege in Gleims fabeln. Herder I, 12 S. (die gemse und die ziege Gleims werke 1811 3, 228); der bewohner der Kanarieninseln gleitet auf den steilsten felsen umher, die er wie ein gems bespringt. ideen 3, 163 (8, 3). diesz vielleicht nach Haller: da setzt ein schüchtern gems, beflügelt durch den schrecken, durch den entfernten raum gespaltner felsen fort. ged. 1777 s. 38 (Alpen 235), wo freilich genau genommen ein n. vorläge, das m. aber doch auch möglich ist. auch sonst erscheint das n. schweiz., doch in verkleinerungs- oder koseform: gemschi n., gemse Hunziker aarg. wb. 103, also eigentlich wie das tirol. gamazlen pl. und schon ahd. gamizîn unter a, auch böhm. u. c. 1@ee) merkwürdig aber jems (iembs), im Teuerdank und zwar neben gems: wie Fürwittig den edlen Tewrdank auf ein jembsenjeyd fren liesz. cap. 15, darin gembsenjejeid v. 9, gembsen 25, wie im 18. cap., s. auch u. d; auch das 20. cap. handelt von einem gembsenjeyd, darin aber jembsen v. 20, ein jembs 23. 42, den jembs 35, jembspock 50, dann wieder den gembsen, der gembs 69. 71, wie im 22. 37. 49. 53. cap. u. s. w. s. dazu G 3, d, γ, wo der gleiche wechsel besonders nürnbergisch erscheint. 22) noch einige redensarten und wendungen: das sei den wilden gemsen clagt, wie ich mich von ir schied! Hätzl. 282b, 92, von einem leid, das sonst niemand hören will, s. klagen 3, c, ε; nachgehends lief er der barr .. des bärens, des schweins .. klettert auf Maximilianisch oder Teurdankisch der gemsen. Garg. 178a (Sch. 327 nach den gemsen), mit dem gen. der sonst bei spielen steht; das thier hat auch vernunft, das wissen wir, die wir die gemsen jagen. die stellen klug, wo sie zur weide gehn, 'ne vorhut aus u. s. w. Schiller Tell 1, 1; ich sehe dich im wilden eisgebirg .. verirrt .. seh, wie die gemse dich rückspringend mit sich in den abgrund reiszt u. s. w. 3, 1. 33) verwandtschaft bietet das romanische: ital. camozza gemse, camozzo, camoscio gemsbock, in der ladinischen mundart im südlichen Tirol çamouć neben çamorza u. ä., s. Schneller 1, 226, welschtirol. camozza, camozz, churwelsch camuotsch, piem. camossa, camoss; ferner franz. chamois, prov. camous, port. camuça, camurça, span. camuza, gamuza, catal. gamussa, s. Diez2 1, 105. diesz it. camozzo u. s. w. und unser wort, zumal in der alten form gamuz oder gamuʒ, die u. 1, a zu vermuten war (auch Diez riet darauf von der it. form her), sind deutlich éin wort, getrennt nur durch die verschiedene betonung der beiden sprachen und den häufigen wechsel von rom. c- und oberd. g-, die sich aber entsprechen (s.G 5, b). obschon das rom. wort im lat. keinen anhalt hat, ist doch eine entlehnung aus dem deutschen worte, das auch in der sprache allein steht, kaum möglich (s. Diez); es mag, wie das thier selbst, ein alter besitz der alpenländer sein aus der vorzeit her, von den germ. wie rom. ansiedlern mit übernommen samt dem thiere. wenn Schmeller 2, 50 bair. gämsen (gampsn), lustig springen zu gemse stellt, auch an das gleichbed. schwed. gamsa nebst gams n. scherz, mutwille erinnert (sie finden ihren anhalt in ahd. gaman u. s. w., s. gämlich 3), so kann das unser wort doch nicht erklären, das dann auszerdem bei der ziege begreiflicher wäre, als bei der gemse. 44) im hüttenwesen heiszt so ein hohler haken an einem stiele mit zwei krummen zacken, die glätte damit von dem herde zu ziehen, von der ähnlichkeit mit einem gemsenhorn. Adelung. 55) bergm. auch gems m., das zunächst unter der dammerde liegende gestein, auch gembs, s. Veith 229, wo freilich die begriffliche verbindung mit dem thier dunkel bleibt. vergl. bei Nemnich wbb. 177 gäms, glimmerschiefer, s. auch gemsenstein.
7713 Zeichen · 264 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gemseF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gemse , F. nhd. Gemse, Gämse Hw.: vgl. mhd. gamz E.: s. mhd. gamz, st. F., sw. F., Gams, Gemse, Gämse; s. ahd. gamiza 1,…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gêmse

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Gêmse , plur. die -n. 1) Eigentlich, eine Art kleiner und wilder Felsenziegen, mit einem sehr krummen Haken an den H…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gemse

    Goethe-Wörterbuch

    Gemse einmal ‘Gems’ DjG 3 1,21,17 Labores juv [1757] ziegenähnl Antilopenart, Horntier u Paarhufer des Hochgebirges (bes…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gemse

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gemse (Antilope rupicapra) , die einzige bei uns vorkommende Antilopenart, mit 2 schwarzen und geraden, an der Spitze pl…

  5. modern
    Dialekt
    Gemse

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Gemse gęms Saargeb. 1800 f.: das erste Gestein unter der Dammerde, in der Bergmannsspr.

  6. Sprichwörter
    Gemse

    Wander (Sprichwörter)

    Gemse 1. Gemsen steigen hoch und werden doch gefangen. – Lehmann, 393, 22; Kirchhofer, 278; Körte, 2010; Simrock, 3393; …

Verweisungsnetz

40 Knoten, 32 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 5 Wurzel 1 Kompositum 27 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemse

29 Bildungen · 25 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

gemse‑ als Erstglied (25 von 25)

gemsenartig

DWB

gemse·n·artig

gemsenartig , nach gemsenart: und gemsenartig auf bergeshöhn belustigt er ( der satyr ) sich umherzusehn. Göthe 41, 55 . im subst.: Vult lob…

gemsenfell

DWB

gemse·n·fell

gemsenfell , n. fell einer gemse, gämsenfell Aler 834 a , auch, wie die meisten zusammensetzungen, mit dem einfachen stamme gemsfell nebris …

gemsenfels

DWB

gemse·n·fels

gemsenfels , m. hochgebirg, steinkluppen. Henisch 1488 . bair. gämsbirg, gebirg wo sich gemsen aufhalten. Schm. 2, 49 .

gemsenfreche

DWB

gemse·n·freche

gemsenfreche , f. gemsenhafte frechheit: jener fusz, der an der klippe sich mit gemsenfreche masz. Göthe 1, 133 .

Gếmsenfūß

Adelung

gemse·n·fuss

Der Gếmsenfūß , oder Gêmsfuß, des -es, plur. die -füße, bey den Wundärzten, ein Werkzeug, die Zähne damit auszuziehen, welches auch ein Grei…

gemsenfusz

DWB

gemsenfusz , gemsfusz , m. ein werkzeug der ärzte, zähne auszuziehen, auch greifschnabel. Adelung , Frisch 1, 339 b .

Gêmsengeyer

Adelung

gemse·n·geyer

Der Gêmsengeyer , oder Gêmsgeyer, des -s, plur. ut nom. sing. der größte Raubvogel im südlichen Deutschlande, welcher sich in den dasigen Ge…

gemsenhaft

DWB

gemse·n·haft

gemsenhaft , gemsenartig: schroffe wände gemsenhaft erklimmend lebten beide vom ertrag der jagd nur. Platen 4, 233 .

gemsenhaut

DWB

gemse·n·haut

gemsenhaut , f. gemsenfell: gieng also voran ( Eumäus ), frt Ulyssen heim, satzte in auf ein grünes laub und auf ein gemsenhaut. Schaidenre…

gemsenhorn

DWB

gemse·n·horn

gemsenhorn , gemshorn , n. das horn einer gemse; schwarze gämshörnlin Kohlrosz betr. q 4 a ; so hat hier jeder ( zum steigen, in den Karpath…

gemsenjäger

DWB

gemse·n·jaeger

gemsenjäger , gemsjäger , m. jäger auf gemsen. gembsjeger Teuerd. 37, 24, auch gembsjegers knecht v. 37.

gemsenjagd

DWB

gemse·n·jagd

gemsenjagd , gemsjagd , f. jagd auf gemsen Adelung. oberd. gembsengejeid, gembsenjeid Teuerd. 15, 9. 20 u. o. ( s. u. DWB gemse 1, e ), gämb…

gemsenkletterig

DWB

gemse·n·kletterig

gemsenkletterig , in die höhe kletternd nach gemsenart, bildlich ( vergl. gemsensteiger): zu solchen gemsenkletterigen und tritthimmelverzuc…

gemsenkugel

DWB

gemse·n·kugel

gemsenkugel , gemskugel , f. : aegagrophilus ist ein balle oder kugel, so man in dem ersten oder andern magen der gemsen antrifft, eine gems…

gemsenleder

DWB

gemse·n·leder

gemsenleder , n. pellis damae Frisch 1, 339 b . auch gemsleder, adj. gemsledern, z. b. Shaksp. Rom. u. Julie II, 4.

gemsensteig

DWB

gemse·n·steig

gemsensteig , m. gefährlicher gebirgssteig: Plinius schreibet von zweien ziegen, die auf einem schmalen steglein über einen tiefen bach eina…

gemsensteiger

DWB

gemse·n·steiger

gemsensteiger , m. gemsenjäger Frisch 1, 339 b : hat der Füeger ab dem schlosz ( Füszen ) ein gempsensteiger zuvor zu uns ( ins lager ) gesc…

gemsenwacht

DWB

gemse·n·wacht

gemsenwacht , f. ausgestellte wacht der gemsen ( vergl. aus Schillers Tell unter gemse 2): wir ( Tiroler ) sind Deutschlands grenzsoldaten, …

gemsenwildpret

DWB

gemse·n·wildpret

gemsenwildpret , n. caro rupicaprina, gemsen wildpret ist geschmach ( schmackhaft ), aber spret ( spröd ) und zech ( zäh ). Henisch 1488 .

Gêmsenwurz

Adelung

gemse·n·wurz

Die Gêmsenwurz , oder Gêmswurz, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den höchsten Felsen, dem Wohnsitze der Gemsen, angetroffen wird; Doroni…

gemse als Zweitglied (4 von 4)

spieszgemse

DWB

spieszgemse , f. bezeichnung einer gattung ausländischer gemsenartiger antilopen mit spitzigen hörnern, antilope oryx, unterschieden in spie…

steingemse

DWB

stein·gemse

-gemse , f. : wilde steingämse ... findet man ... häufig auf dem gebirge M. Schultz ostind. reise (1676) 246 ;

wachtgemse

DWB

wacht·gemse

wachtgemse , f. : wenn sie truppenweise lagern, so stellen sie ... eine wachtgemse (vorthier, vorgeisz) aus, eine weibliche gemse, die ... a…

waldgemse

DWB

wald·gemse

waldgemse , f. : die waldgemsen, die weit häufiger in der nähe der menschen sind, sind daher aufmerksamer, vorsichtiger und scheuer, als die…