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Gemse

mnd. bis sprichw. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
Anchors
12 in 12 Wb.
Sprachstufen
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gemse

Bd. 7, Sp. 540
Gemse (Gems, Capella Blas. et Keys.). Huftiergattung aus der Familie der Horntiere und der Unterfamilie der Antilopen (Antilopina), mit der einzigen Art C. rupicapra Blas. et Keys. (s. Abbild.). Diese wird 1 m lang, mit 8 cm langem Schwanz, am Widerrist 75 cm hoch und 40–45 kg schwer. Sie ist gedrungen gebaut, mit ziemlich schlankem Hals, nach der Schnauze hin stark verschmälertem Kopf, spitzigen Ohren von nahezu halber Kopfeslänge, langen, starken Füßen, ziemlich plumpen Hufen und 25 cm langen, drehrunden, schwarzen, geringelten, gerade aufsteigenden, an der Spitze glatten, glänzenden, rückwärts gebogenen Hörnern (Krickeln) bei beiden Geschlechtern. Hinter letztern befindet sich eine in einen Drüsensack führende Höhle (Brunstfeige), aus der sich zur Brunstzeit eine schmierige, übelriechende Masse absondert. Im Sommer ist die G. schmutzig rotbraun, unterseits hell rotgelb, auf dem Rücken mit schwarzbraunem Streifen, an der Kehle fahlgelb, im Nacken weißgelblich. Die Hinterseite der Schenkel ist weiß, der Schwanz auf der Unterseite und an der Spitze schwarz. Von den Ohren verläuft über die Augen hin eine schwarze Längsbinde. Im Winter ist die G. oben dunkelbraun oder braunschwarz, am Bauch weiß, an den Füßen und am Kopfe gelblichweiß, auf dem Scheitel und an der Schnauze etwas dunkler. Jäger unterscheiden das große, dunkelbraune Waldtier von dem kleinen, rotbraunen Grattier. Die G. bewohnt die Alpen, findet sich von Savoyen bis Südfrankreich, in den Abruzzen, in Dalmatien, Griechenland nordwärts bis zu den Karpathen, auch in den Pyrenäen (Isard), im Kaukasus (Atschi), in Taurien und Georgien. In Oberbayern, Salzburg und dem Salzkammergut, in Steiermark und Kärnten ist die G. ungleich zahlreicher als in der Schweiz. Die G. bewohnt am liebsten den obern Waldgürtel, steigt im Sommer aber häufig weiter empor (auf den »Grat«, daher Grattier) und lebt, wo sie viel gestört wird, in den unzugänglichsten Bezirken, von wo aus sie dann mit Anbruch des Tages die Grasplätze zwischen den Felsen besucht. Gegen den Winter rückt sie weiter in die Wälder herab. Sie lebt in Rudeln von oft sehr großer Zahl, und nur die alten Böcke halten sich außer der Brunstzeit isoliert. Sie frißt junge Triebe der Alpensträucher (Alpenrose, Erle, Weide, Wacholder, Kiefer), Alpenkräuter und Gräser, im Winter auch Moos und Flechten; Wasser ist für sie Bedürfnis und Salz eine große Leckerei. Sie klettert, springt und läuft sicher und schnell, besonders wenn sie verfolgt wird, und schwimmt auch vortrefflich. Ihre Sinne sind ungemein scharf; die G. ist das Sinnbild der Wachsamkeit, sie ruht selbst in einer Lage, daß sie augenblicklich die Flucht ergreifen kann. Beim Weiden und Ausruhen übernimmt das Leittier (die Vorgeiß) das Wächteramt und pfeift hell auf, sobald es Gefahr ahnt. Auf den sogen. freien Bergen und an Orten, wo keine G. geschossen werden darf, sind sie weniger scheu und fast zutraulich. Ihre Brunstzeit fällt in die zweite Hälfte des Novembers und Anfang Dezember; Ende Mai oder Anfang Juni wirft die G. ein, selten zwei oder drei Junge, die bald der Mutter folgen und sechs Monate saugen. Im dritten Jahr ist das Junge ausgewachsen. Die Gemsen erreichen ein Alter von 20–25 Jahren. Jung eingefangen, lassen sie sich mit Ziegenmilch ernähren und werden sehr zahm, bisweilen pflanzen sie sich in der Gefangenschaft fort. Auf den Alpen sollen Ziegen von Gemsböcken beschlagen werden und Bastarde liefern, die sich schwer ausziehen lassen. Die Jagd auf Gemsen wird durch Ansitz, Birsche, Riegeln und Treiben ausgeübt und erfordert noch mehr als beim übrigen Hochwild genaue Kenntnis des Geländes und der Gewohnheiten des Wildes sowie stete Beachtung des Windes. Besonders die Birsche ist sehr mühsam, am bequemsten das von größern Jagdgesellschaften angewendete Treiben, bei dem bedeutende Flächen von einer zahlreichen Treibwehr abgetrieben werden. Das Fleisch der G. ist wohlschmeckend; das Fell gibt schönes Leder, vorzüglich zu Beinkleidern und Handschuhen. Die Hörner dienen zu Stockgriffen und die Haare auf dem Widerrist als Hutschmuck (s. Gemsbart). In dem Magen der G. findet man zuweilen Gemsballen (Gemskugeln, deutscher Bezoar), die wegen vermeintlicher arzneilicher Wirksamkeit sonst teuer bezahlt wurden, aber wertlos sind. In der Volksdichtung der Alpenbewohner spielt die G. etwa die Rolle wie die Gazelle bei den Morgenländern; viele Sagen knüpfen sich an ihr Leben, und der Aberglaube findet dabei reichliche Nahrung. Vgl. Keller, Die G. (Klagenfurt 1885–87).
4522 Zeichen · 54 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gemseF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gemse , F. nhd. Gemse, Gämse Hw.: vgl. mhd. gamz E.: s. mhd. gamz, st. F., sw. F., Gams, Gemse, Gämse; s. ahd. gamiza 1,…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gêmse

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Die Gêmse , plur. die -n. 1) Eigentlich, eine Art kleiner und wilder Felsenziegen, mit einem sehr krummen Haken an den H…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gemse

    Goethe-Wörterbuch

    Gemse einmal ‘Gems’ DjG 3 1,21,17 Labores juv [1757] ziegenähnl Antilopenart, Horntier u Paarhufer des Hochgebirges (bes…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gemse

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gemse (Antilope rupicapra) , die einzige bei uns vorkommende Antilopenart, mit 2 schwarzen und geraden, an der Spitze pl…

  5. modern
    Dialekt
    Gemse

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Gemse gęms Saargeb. 1800 f.: das erste Gestein unter der Dammerde, in der Bergmannsspr.

  6. Sprichwörter
    Gemse

    Wander (Sprichwörter)

    Gemse 1. Gemsen steigen hoch und werden doch gefangen. – Lehmann, 393, 22; Kirchhofer, 278; Körte, 2010; Simrock, 3393; …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gemse

25 Bildungen · 25 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

gemse‑ als Erstglied (25 von 25)

gemsenartig

DWB

gemse·n·artig

gemsenartig , nach gemsenart: und gemsenartig auf bergeshöhn belustigt er ( der satyr ) sich umherzusehn. Göthe 41, 55 . im subst.: Vult lob…

gemsenfell

DWB

gemse·n·fell

gemsenfell , n. fell einer gemse, gämsenfell Aler 834 a , auch, wie die meisten zusammensetzungen, mit dem einfachen stamme gemsfell nebris …

gemsenfels

DWB

gemse·n·fels

gemsenfels , m. hochgebirg, steinkluppen. Henisch 1488 . bair. gämsbirg, gebirg wo sich gemsen aufhalten. Schm. 2, 49 .

gemsenfreche

DWB

gemse·n·freche

gemsenfreche , f. gemsenhafte frechheit: jener fusz, der an der klippe sich mit gemsenfreche masz. Göthe 1, 133 .

Gếmsenfūß

Adelung

gemse·n·fuss

Der Gếmsenfūß , oder Gêmsfuß, des -es, plur. die -füße, bey den Wundärzten, ein Werkzeug, die Zähne damit auszuziehen, welches auch ein Grei…

gemsenfusz

DWB

gemsenfusz , gemsfusz , m. ein werkzeug der ärzte, zähne auszuziehen, auch greifschnabel. Adelung , Frisch 1, 339 b .

Gêmsengeyer

Adelung

gemse·n·geyer

Der Gêmsengeyer , oder Gêmsgeyer, des -s, plur. ut nom. sing. der größte Raubvogel im südlichen Deutschlande, welcher sich in den dasigen Ge…

gemsenhaft

DWB

gemse·n·haft

gemsenhaft , gemsenartig: schroffe wände gemsenhaft erklimmend lebten beide vom ertrag der jagd nur. Platen 4, 233 .

gemsenhaut

DWB

gemse·n·haut

gemsenhaut , f. gemsenfell: gieng also voran ( Eumäus ), frt Ulyssen heim, satzte in auf ein grünes laub und auf ein gemsenhaut. Schaidenre…

gemsenhorn

DWB

gemse·n·horn

gemsenhorn , gemshorn , n. das horn einer gemse; schwarze gämshörnlin Kohlrosz betr. q 4 a ; so hat hier jeder ( zum steigen, in den Karpath…

gemsenjäger

DWB

gemse·n·jaeger

gemsenjäger , gemsjäger , m. jäger auf gemsen. gembsjeger Teuerd. 37, 24, auch gembsjegers knecht v. 37.

gemsenjagd

DWB

gemse·n·jagd

gemsenjagd , gemsjagd , f. jagd auf gemsen Adelung. oberd. gembsengejeid, gembsenjeid Teuerd. 15, 9. 20 u. o. ( s. u. gemse 1, e ), gämbsgej…

gemsenkletterig

DWB

gemse·n·kletterig

gemsenkletterig , in die höhe kletternd nach gemsenart, bildlich ( vergl. gemsensteiger): zu solchen gemsenkletterigen und tritthimmelverzuc…

gemsenkugel

DWB

gemse·n·kugel

gemsenkugel , gemskugel , f. : aegagrophilus ist ein balle oder kugel, so man in dem ersten oder andern magen der gemsen antrifft, eine gems…

gemsenleder

DWB

gemse·n·leder

gemsenleder , n. pellis damae Frisch 1, 339 b . auch gemsleder, adj. gemsledern, z. b. Shaksp. Rom. u. Julie II, 4.

gemsensteig

DWB

gemse·n·steig

gemsensteig , m. gefährlicher gebirgssteig: Plinius schreibet von zweien ziegen, die auf einem schmalen steglein über einen tiefen bach eina…

gemsensteiger

DWB

gemse·n·steiger

gemsensteiger , m. gemsenjäger Frisch 1, 339 b : hat der Füeger ab dem schlosz ( Füszen ) ein gempsensteiger zuvor zu uns ( ins lager ) gesc…

gemsenwacht

DWB

gemse·n·wacht

gemsenwacht , f. ausgestellte wacht der gemsen ( vergl. aus Schillers Tell unter gemse 2): wir ( Tiroler ) sind Deutschlands grenzsoldaten, …

gemsenwildpret

DWB

gemse·n·wildpret

gemsenwildpret , n. caro rupicaprina, gemsen wildpret ist geschmach ( schmackhaft ), aber spret ( spröd ) und zech ( zäh ). Henisch 1488 .

Gêmsenwurz

Adelung

gemse·n·wurz

Die Gêmsenwurz , oder Gêmswurz, plur. inus. eine Pflanze, welche auf den höchsten Felsen, dem Wohnsitze der Gemsen, angetroffen wird; Doroni…