galgbrunn,
m. ziehbrunnen mit einem galgen (
s. d. II, 5,
a),
zum niederlassen und aufziehen des eimers, noch im 17.
jh. auch in städten üblich (
s. Schm. 2, 39),
in kirchen, s. unter 1.
mhd galgbrunne,
z. b. Mones
anz. 8, 500.
s. auch galgenbrunnen. 11, 1@aa) galgbrunn,
puteus, puteolus Dasypod. 335
b,
puteal ein deckel eins galgbrunnens 199
c,
aqua puteana galgbrunnenwasser
das.; puteus, difer galgbrunn, den man rufer schepft (
im gegensatz zum selbstlaufenden quellbrunnen, keckbrunnen
u. ä. und zum pumpbrunnen) Melber
bei Dief. 474
c,
in dem zusatze schlich sich der gedanke an das wasser ein, das ja auch brunn
hiesz und heiszt; puteus, ein schöpfbrunn, galgbrunn. Golius
c. 13; Clodomirus zoch ... in Burgund, überwand k. Sigmunden, fieng in und liesz in mit weib und kinden in einen tiefen galgbrunnen stürzen. Stumpf 1, 177
b; galgbrunnen. H. Sachs 5, 281
c.
aus Straszburg wird erzählt: als der zwinglisch predicant zu ainer zeit intonirt, do sasz ain abneteurer uf dem galgbronnen der im münster steet, und gampet mit den füeszen, bisz ers übersicht und in bronnen felt
u. s. w. Zimmer. chron. 4, 24. 1@bb)
noch im 18.
jh. bei dem Schweizer Denzler galgbrunnen,
und so noch schweiz. Stalder 1, 415, galgbronna Tobler 211
b,
es ist von haus aus eben oberdeutsch (
auch rheinisch, s. u. 2,
b),
wie denn Chytraeus
für des Golius galgbrunn
nd. sod
setzt, das doch auch dem oberd. gehört, z. b.: galgbrunnen oder sodbrunnen. Maaler 155
c. 1@cc)
die oberd. aussprache verrät sich in der schreibung galckborn
puteus in der Straszburger gemma 1518 U iij
a,
auch wol in einem rhein. voc. des 15.
jh. Dief. 474
c, galgkbronn Keisersb.
post. 2, 69
bei Scherz 466 (
vgl.G 3,
a),
vergl. schon ahd. galcraba
antlia Graff 2, 383, Schm. 2, 39.
daraus begreift sich denn die folg. form. 22)
galbrunn, durch angleichung des -g
ans b-. 2@aa)
am genauesten ist eig. galprun, galporn
puteus Dief. 474
c, galprunn
voc. th. 1482 z 8
a,
weil das -g (-k)
in das b-
mit eingieng, wie z. b. in wilpert
aus wildbret.
schon im 14.
jh., bair.: swenn ein galprunn zerprist, an welcher gaʒʒen daʒ sei. Schmeller 2, 39,
aus einem Münchener ratserlasz von 1370,
vgl.galprunnen
bei Tobler 211
b. 2@bb)
das gewohnte b-
überwog aber doch: er sach sam (
wie) einen galbrunnen, und an dem prunnen einen guldin aimer an ainem guldin seile. Schöpf 169
aus einer hs. v. 1447; wenn euch ein esel fiel am sabbat in ein galbrunnen. Keisersb.
evang. 1517 148
a; sie hetten einen schatz in einem galbrunnen gefunden. Thurneisser
alch. 2, 185;
puteus, ein galbrun, brunn, pfutz,
aqua putealis putzwasser, galbrunnenwasser
Apherdiani tiroc. 1581 205 (
vgl. Dasyp.
unter 1,
a).
noch Schmeller 2, 39
gibt für bair. galgbrunn
als aussprache an gal'brunn,
mit gefühlter andeutung des -g.
übrigens auch rheinisch: it. dimidium juger (
gelegen) an dem galbornen. Baurs
hess. urk. 2, 838,
aus Worms v. j. 1320. 2@cc)
dasz man aber das galg-
darin auch verkannte, endlich nicht mehr fühlte, zeigt schreibung mit ll: ob nicht in einem tiefen und engen gallbrunnen ein städtlein mit weiten gassen gepflastert werden könne? Abele
unordn. 3, 20
u. ö. 33)
aus völligem verkennen des galg-
erklärt sich dann galtbrunn puteolus Dief. 474
c, galtbrun 68
a, galtburn Scherz 467,
schon im 15.
jh.; so alsdann ein sollich wasser (
heilquelle) .. in ein tumpf oder galtbrunnen vervaszt wird. Paracelsus 1, 1108
c; dasz ihr vom boden auf tiefer dann alle galtbrunnen stehend, on erkantnus.
ders. chir. schr. 262
c,
von leuten die die wahrheit, das licht nicht mehr sehen; es was aber eine schnellen ... bi dem wasser mit einem korb, in den man einen setzt, dem man gnad bewisen und dennoch strafen wolt. denselben liesz man wie an den galtbrunnen aufschnellen in einem korb ... dann muoszt einer in das wasser abhin springen, wolt er anders aus dem korb kommen. Bullinger
Zür. chr. 7, 2
bei Osenbrüggen d. rechtsalt. aus d. Schw. 2, 97 (
vgl.galgen II, 1,
c).
Noch schwäb. 'galtbrunnen,
schöpfbrunnen, eigentlich galgenbrunnen' Schmid 218,
und bair. Schm.
2 1, 902,
womit doch die aussprache nicht gemeint sein kann, da auch das -t
dort angleichung an das b-
erfährt; s. darüber meine ausführung in Zachers
zeitschr. 2, 254
ff., wo auch weiter belegt ist, wie man schon mhd., ja ahd. in solchen angleichungsfällen ein falsches -t
ergänzte. bei galtbrunn
konnte etwa der gedanke an die gelte,
wie der brunneneimer allenfalls auch heiszen konnte, mitwirken; vgl. gel'brunne
als bair. aussprache Schm.
2 1, 902.