galgen,
m. patibulum, crux. II.
Formen und ursprung. I@aa)
mhd. galge,
ahd. galgo, kalgo,
alts. galgo;
auch goth. schon galga,
von Christi kreuze (
s. II, 3).
dann ags. galga, gealga,
altfries. galga,
altn. galgi (Fritzner 188
a).
ferner mnd. galge
masc. und fem. (
Rein. vos 1858),
mnl. galghe
f. Rein. 2819,
nnl. galg
f.; dän. schwed. norw. galge
m.; engl. gallows
pl., altengl. galewes, galwes
pl., auch galghe, galhe
sg., s. Stratman 231. I@bb)
nhd. galgen
nom. schon im 14.
jh. Dief. 416
c,
aber auch galge
noch im 17.
jahrh. (
von wbb. noch bei Frisch): der galge möchte ihn beherbergen! Köhlers
kunst über alle k. 126, 5.
daher auch galg,
im 15.
jahrh. z. b. Dief.
nov. gl. 144
a (
s. auch galk
unter II, 4); bei küngs pallast der galg und rad. Schwarzenberg 129
b; dasz also noch der galg nicht gar verlohr sein recht. Weckherlin 618
u. ö. Aber auch zerdehnt galige,
dafür zeugt galigen
patibulum Dief.
nov. gl. 282
b,
und daraus bair. galing (
eigentlich galign): eine alte galling- und gericht-stätte.
Simpl. 1685 1, 175; du pist ein loter und ein pueb ... der galing ist dein eribtail.
fastn. sp. 993, 3.
Im plur. auch falsch mit umlaute (
wie gärten
u. ä.): und ihm den teufel und vil hundert andere gälgen an hals gewunschen.
Bacchusia 298; und hernach an
die liechte gälgen gehenkt worden. 372.
so appenz. galga,
pl. gälga Tobler 211
a. I@cc)
die ursprüngliche bedeutung scheint ast oder baum überhaupt (
s. II, 1,
b).
so stimmt vielleicht dazu urverwandt, wie Diefenbach
goth. wb. 2, 774
meint, litt. žalga
f. stange, lett. rute, vgl. das. 386
fernere slav. anklänge. s. auch altn. gelgja Egilss. 232
a. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
Zur vorgeschichte des galgens
als strafwerkzeuges. II@1@aa)
da die strafe des hängens und unser wort, nach seiner allgemeinheit zu urtheilen, gleichmäszig in die älteste vorzeit zurückgehn werden, gälte es zunächst eine vorstellung des ältesten galgens zu gewinnen. nun ist noch im 16.
jh. auch von einem grünen galgen die rede, wenn auch nur in einer redensart: aber gott wird seines gebots ('du solt nicht stelen') nicht vergessen und inen (
den betrügerischen handwerksleuten, taglöhnern) auch lohnen wie sie gedienet haben, und hengen nicht an einem grünen, sondern dürren galgen, das sie ir lebenlang nicht gedeien noch etwas für sich bringen. Luther 4, 403
a (1556 444
b),
wobei das auffallende nicht zu übersehen, dasz die bestraften gedacht sind als weiter lebend, nur kümmerlich, während das hängen an den grünen galgen
als mildere form das gedeien
nicht auszuschlieszen scheint, falls nicht Luc. 23, 31
die wendung veranlaszt hat. Aber auch sonst heiszt der galgen
selbst der dürre baum
im gegensatz zum grünen (
vgl.dürre brüder 2, 1737,
am galgen hängende): einen dürren baum soltu reiten, einen hagedorn knebel (
s. d. 9) .. an deinen hals gefritt (
gedreht).
rechtsalt. 40; an einen dürren baum hängen und an keinen grünen. Reutter
kriegsordn. 74. 75 (
rechtsalt. 682. 28),
das erste offenbar auch als verschärfte strafe. tödtlich ist aber hier auch der grüne baum: der scharfrichter .. soll ihn führen bei einen grünen baum, da soll er ihn anknüpfen mit seinem besten hals (?), dasz der wind under und über ihn zusammen schlägt.
das. 47 (
RA. 42).
im kriegswesen erhält sich alte sitte besonders lange. II@1@bb)
danach erscheint das hängen am grünen galgen
als ältere, auch gelindere strafe. man nahm einfach einen baum oder ast als galgen, wie schon Tacitus
berichtet: proditores et transfugas arboribus suspendunt.
Germ. 12.
daher noch mhd. ûf einen boum hâhen (
RA. 682), einen ast bûwen
gleich gehängt sein (
RA. 42
anm., MSH. 1, 108
a),
vgl.galgenast.
noch deutlicher im nord., da heiszt es in schwed. liedern und gesetzen hänga i kvist, hängia a gren,
an den ast hängen Fritzner 188
a, Rietz 182
b,
auch in stabreimender formel lata a galga ok gren Fritzner, Grimm
RA. 683, a galgä ällär gren,
altdän. at dömme til galge og green Molbech
dansk gl. 1, 272,
wo denn auch galgen und baumast noch als eins erscheinen. So mag der galga
urspr. ein ast überhaupt sein, dem nachher gerade für diese verwendung allein der name blieb, später übertragen auf den künstlich hergestellten galgen. wenn in der lex sal. p. 67
a unterschieden werden furcae
und ramus ubi incrocatur (homo),
mag mit diesem die germ. art der galgenstrafe, mit jenem die römische gemeint sein (ramus
ist gewiss nicht die mhd. wit,
wie J. Grimm
RA. 684
es auffaszte).
noch im 16.
jh. wuszte man das hängen als altdeutsche sitte, das hinrichten mit schwert oder rad sei römisch, durch Karl d. gr. eingeführt; so z. b. Agricola
spr. nr. 56
in der erklärung, mit verweisung auf den gebrauch der vehme (
vgl. RA. 689),
nach andern aber sollte auch der galgen römischer erfindung sein, von Tarquinius superbus, s. Graf u. Dietherr
rechtssprichw. 346. II@1@cc)
eine nicht tödtliche strafe war die am schnellgalgen, gleich wippe, schnelle
u. a. (
s.kak 2):
equuleus, ein snellegalgen. Dief. 194
b,
ebend. ist das lat. wort erklärt mit gakesnal (
s. unter gak), spergalgen,
auch ein snel eins galgen
und mit galge
schlechthin, wie '
eculeus martelboum, galg'
nov. gl. 144
a,
schon ahd. galgo
eculeus Graff 4, 185.
von der einrichtung dieses galgen
zum aufschnellen
s. die schweiz. stelle unter galgbrunn 3,
mehr unter korb 4,
b, wo auch ein späterer beleg für schnellgalgen;
bei Ludwig 684 ein halber galgen, wippgalgen,
a gibbet; s. auch nachher den galgen
des ziehbrunnens. Diese form begreift sich aber nicht aus der späteren galgenform, musz dieser vielmehr vorausgegangen sein. Frisch 1, 74
a bringt, wol aus einer rechtsquelle, bei: 'baumwürdige (
so l.) sache,
res capitis, galgenmäszig, weil man die diebe an einem baum vor alters in die höhe schnellen liesz',
und Fritzner 188
a beschreibt einen nord. galgen in form einer wippe, dessen einer arm (galgatrê)
mit dem gehängten in die höhe schnellte (rîða upp),
vermutet auch dasz man zu ältest bäume dazu nahm, deren spitze oder einen ast man niederbog und dann aufschnellen liesz. das wird gestützt durch agngalgi
von der angelrute (agn
köder) Egilsson 6
a.
Ob der grüne galgen
in Luthers
redensart unter a, der nicht tödtet, ein solcher baum war, nur dem schnellgalgen
gleich als ehrenstrafe aus der vorzeit beibehalten? II@22)
Vom gewöhnlichen späteren galgen. II@2@aa) '
ein senkrecht stehender pfal mit einem querholze'
Adelung; '
der eigentliche grosze normalgalgen, welcher für volkreiche städte unentbehrlich war, faszte seine sieben personen (
vergl. unter b).
zwei arme sünder trug nämlich jeder der drei querbalken der triangelförmig stehenden drei pfeiler, während in der mitte an einem höher angebrachten gebälke der siebente oder ehrenplatz war für den erzdieb,
welcher als ein solcher zum höchsten galgen
condemniert war'. O. Beneke
von unehrlichen leuten Hamb. 1863
s. 224,
vgl. sieben fusz höher henken denn einen andern dieb
RA. 684.
daher heiszt er das dreibeinige thier (
vgl. u. dreibeinig): Roller (
zu Spiegelberg). Moriz, Moriz ... nimm dich in acht vor dem dreibeinigen thiere! Schiller 109
b.
Ähnlich und doch anders mhd. daʒ drîholz Altswert 213, 17, tria ligna,
s. Schmeller
2 1, 901,
deutlicher im Reinaert 3151 eene vorst ende twee micken (
vergl. RA. 683),
zwei gegabelte stützen und ein querbalken, firstbalken. ein solcher ist wol auch noch folg.: es hängen zwar schon zwei am galgen, aber bekanntlich ist er dreischläferig (
wie ein bette). Hebel
schatzk. 1859 262,
auch dorfgalgen genannt. es gab auch 'simple (einschläferige) kniegalgen' Beneke
a. a. o., auch soldatengalgen
genannt, die von Adelung
vorhin beschriebene einfachste art. II@2@bb)
der galgen hatte übrigens eine besondere wichtigkeit. der bau des galgens z. b. war ein wichtiger vorgang: item nachdem an vil orten in den peinlichen gerichten gewonheit (
herkommen) ist, so man einen newen galgen machen oder einen alten bessern wil, dasz alle zimmerleut, die in dem selben gericht wonen, dazu helfen müssen ..
Carolina art. 215 (
vgl. Beneke 226
und unter galgenleiter),
weil damals schon alle unmittelbare berührung mit dem galgen unehrlich machte, während er doch als oberstes zeichen der gerichtshoheit von der gemeinde als wichtigster besitz angesehen war, daher er gern auf einem hervorragenden orte bei der stadt errichtet wurde (
vgl.galgenberg).
führte man ihn doch im 17.
jahrh. auf '
kaiser Friedrich'
zurück: er hat kaiser Friedrichs heilige gerechtigkeit, das ist den galgen verdienet. Otho 766,
das ist gemeint wie mhd. Karles reht,
s. RA. 830, Uhland
schr. 2, 96
ff. Als Eulenspiegel in der 20.
hist. ein zornwort seines meisters gang an galgen und hol dieb harein!
wörtlich nimmt und ein reff (
gerippe) von einem diep, der was herabgefallen,
vom galgen geschleppt bringt, erhält er den vorwurf: du hast meiner herren (
des rates) gericht gestolen und in iren galgen beroubet, das wil ich dem burgermeister clagen.
Eul. s. 27,
vgl.: beraubit ein man den galgen, oder hibe er einen dip ab (
lebendig?), man hengit in als einen dip.
blume von Magdeburg II, 5, 10. II@2@cc)
redensarten gab es reichlich, der damaligen wichtigkeit des galgens
entsprechend, z. b.: sechse sind kein
galgen voll. Simrock
spr. 9430
a, 'ein galgen voll'
gleich sieben, s. unter a; ir gesellen, ich hör (
mit dem ohr auf der erde) unser feind in vollem trab daher stutzen .. es sind iren mehr dann ein galgen voll.
Garg. 255
b (
Sch. 482); zermalmet und zerknirschet, das es lautet als wann ein galgen voll gestifelter bauren bei nacht durch das kot ins dorf stampften. 55
b (90),
der bauernkrieg hatte anlasz genug gegeben zu solcher galgenphantasie, solchem '
galgenhumor'.
eine menge bittere witzworte, hohnworte giengen um aufs hängen bezüglich (
vgl. z. b. feldbischof, feldglocke, hanfsuppe);
der gehängte z. b. ziert den galgen (Henisch 1337,
vgl. galgenzierde),
musz lernen fliegen (
RA. 42,
s. nachher aus Klinger), reitet den galgen: 'einen dürren baum soltu reiten'
in einer urtheilsformel, s. unter 1,
a, vgl. henfen pferd
vom stricke unter galgenschwengel,
schon ags. rîdan on gealgan
Beow. 2446; ir mst den galgen raiten (
l. reiten), des kan ich kaum erpeiten.
fastn. sp. 428, 12.
eine probe bloszen galgenwitzes: es kommen mehr von dem galgen gen himmel denn vom kirchhofe. denn auf dem kirchhof stirbt selten einer. Henisch 1337, 35 (
er kommt ja schon todt hin),
die gehängten wurden nicht begraben, oder nur durch besondere gnade, z. b.: es ist hie ein gewonhait, wenn ain (
neuer) bischof von Augsburg fürstlich ist eingeritten, dasz man darnach den galgen abraumet und die todten cörpel begräbt. Birlinger
Augsb. wb. 177
b, 16.
jh. II@2@dd)
oft verbunden, wie in der wirklichkeit, worüber RA. 688
nachzusehen, galgen und rad (
vgl. Logau
unter galgat, Eyring
unter f): auf galgen und rad wagen. Stieler 603; talisman, der mich mit heiler haut ... an galgen und rad vorübergeleitet. Schiller
anthol., widm. (1, 200
Göd.);
auch 'stock und galgen' Henisch 1335
als phrasis jurisconsultorum; trotz galgen und schwert und rad hätte ich ihn ... mit diesen händen erdrosseln, mit diesen zähnen zerreiszen wollen. Lessing
Minna v. B. 1, 4,
so braust Just auf gegen den wirt. eigen: vor galgen und rad mag man sich wol hüten, aber nicht vor dem schwert. Graf
u. Dietherr
rechtssprichw. s. 341,
s. die erkl. 345,
vgl. Henischs
spruch unter gähzornig 2,
der die erklärung auch andeutet. Die hinrichtung durchs schwert statt des galgens galt übrigens schon im 14.
jh. als eine begnadigung (
vgl. RA. 687): ab deme keine gnâde geschên möchte .. das man im (
dem zum galgen verurtheilten) das swert gêbe.
Magdeb. fragen s. 54
fg. Er heiszt das verfluchte holz
u. ähnl., wie lat. arbor infelix, lignum infelix (
vgl. RA. 683): als sie noch einige steinwürfe von der stadt entfernt waren, sahen sie einen galgen .. an welchem ein schlanker .. jüngling hieng ... der frische abendwind, der durch seine blonde, über sein gesicht gefallene haare blies und ihn hin und her schaukelte (
vgl. in der rechtsformel 1,
a zuletzt, auch das fliegen
vorhin) ... 'armer jüngling, in der ersten blüthe des lebens schon hier am verfluchten holze?'. Klinger
Faust (1799) 364, an diesem schändlichen holze 366.
ein baum wird verwünscht: es sei so fern, dasz man um dich tanz, sing und lache, dasz man aus deinem holz nichts als nur galgen mache. A. Gryphius 1, 690. II@2@ee)
eigen der liechte galgen: sant Petter zant si (
die landsknechte, im himmel) an darum: was habt ir für ein umerdum, hebt euch wider hinaus an liechten galgen.
meisterl. Berl. hs. 23
no. 225; das dich nimmer glück bestee! far fürt an den liechten galgen!
Eulensp. s. 93
Lapp.; dasz man dich henk an (
d. i. an'n) liechten galgen. H. Sachs 5, 360
b; pack dich nausz an liechten galgn. Ayrer
fastn. 23
b; wenn sie nicht diesen augenblick versprechen, was ich von ihnen fordern werde, so hängen sie noch diesen abend am lichten galgen. Kotzebue
dram. sp. 2, 340;
auch der helle lichte galgen Haltaus 583,
Scherz 466.
etwa weil er, auf einer höhe vor der stadt errichtet (
s.galgenberg),
meist in den himmel ragend erblickt wurde? vgl. in Schillers
räubern bei lebendigem leibe gen himmel fahren und .. unter sonn und mond und allen fixsternen schweben
u. s. w. 109
b,
und den ruf hellauf! an galgen nauf! Birl.
Augsb. wb. 178
a. II@2@ff)
oft in verwünschungen, wie eben schon unter e: wisz, es tut mir auf dich zorn, das du mich also hast gezigen (
beschuldigt) ... gee an den galgen und wird erstochen.
fastn. sp. 586, 9. 348, 22; do liesz ich sie ann galgen laufen. 588, 9,
d. h. sagte (
im zorn)
zu ihnen: lauft an den galgen; geh an den galgen, du wüste sau. Steinhöwel 5
b (1555); ausz an galgen! Agricola
spr. nr. 56,
das ausz
meint hinaus vors thor, auch auf an den galgen!
abi in malam rem Henisch 1336,
auch kräftiger gehe an galgen und wisch den arsch an das rad.
ders. aus Eyring; 'heb dich an galgen', lauf henk dich selbs,
abi in malam pestem malumque cruciatum. Maaler 155
c; nur an den galgen, ehe er umfällt! Simrock
spr. 2991; ich will es ihnen aus büchern beweisen ... 'du kannst mit deinen büchern an den galgen gehen'. Lessing 1, 284 (
jung. gel. 3, 10),
hier schon verblaszt zu einem zornworte überhaupt, '
packe dich', '
hol dich der henker'
u. ä. II@2@gg)
daher auch von dingen: nun kannst du dich, du ganze schmarutzkunst, nur an galgen packen (an = an'n). Lessing 3, 50,
nach Plautus capt. 3, 1 ilicet .. in malam crucem; warum sagt man ihr nicht gleich? ich .. war zu faul .. die schwierigkeiten des reims ... zu übersteigen, und habe also den reim an galgen heiszen gehen. 3, 377,
so nahe stand noch Lessing, Schillern
und ihrer zeit das stets sichtbare strafwerkzeug, das wir von angesicht gar nicht mehr zu sehen bekommen. Schon im 16.
jh. übrigens auch zur redensart verblaszt; was verloren ist, geht 'an galgen',
auch von dingen: ich verspil mich oft bis ans hemd, austrag ich kleider, bett und zin (
zinngerät), das geht oft als an galgen hin. H. Sachs 2, 2, 6
d; was (
mhd. swaʒ,
wie sehr auch) ich mich lang halt karg und gnaw, am maul erspar ich arme fraw, im haus ernägel (
erknauple, fehlt 3, 919) und erspinn, das geht doch als an galgen hin. 4, 3, 35
c; was man an trewen arbeitern und dienern erspart (
mit karger belohnung), das gehet an galgen. Mathesius
Sar. 126
b; es gehet alles an galgen,
omnia pereunt funditus. Stieler 603,
man bemerke das fast durchgehende verschlingen des art. in an,
wie das bei einer so viel gebrauchten wendung nicht ausbleiben konnte (
vgl. im 15.
jahrh. 'ann galgen'
fastn. 588, 9
unter f),
aus 'an galgen'
ward aber unfehlbar die aussprache ang-galgen. II@2@hh)
es hiesz einen an galgen henken Maaler 155
c (
gewöhnlich doch kurz henken,
wie intr. hängen,
das aber auch tr. gilt): die kleinen diebe henget man an galgen, aber die groszen diebe gehen in mardern schauben herein (
einher). Luther 4, 527
b; wird .. Pharao .. dich an galgen hengen (
hängen lassen).
1 Mos. 40, 19.
auch schlingen
u. ä.: ich trachte nicht nach hohen dingen, ich geh gern auf der niedren bahn, fing Clepticus zu sagen an, da man ihn solt an galgen schlingen. Logau 2, 1, 62.
Der verurtheilte 'kommt an galgen': der mann kommt an den galgen, die frau unter den stein. Graf
u. Dietherr
rechtssprichw. s. 341,
s. RA. 687; ein dieb ist nicht so böse als ein mensch der sich zu lügen gewehnet, aber zu letzt komen sie beide an den galgen.
Sir. 20, 26,
danach der spruch wer lügt, der stiehlt, und kommt an galgen.
dazu einen an den galgen bringen,
cornicari u. ä. Henisch 1336: kurz, ihr werdet mein schwiegerpapa, oder ich bringe euch an den galgen. Kotzebue
dram. sp. 2, 331. II@2@ii)
redensarten mancherlei, z. b.: im selbs ein galgen aufrichten,
crucem sibi constituere. Maaler 155
d,
in schuld und strafe rennen; einem einen galgen bauen,
figere crucem alicui. Stieler 603,
vgl. unter o; es sind allezeit mehr diebe denn galgen.
ders.; den galgen hat man abgeschafft, die diebe sind geblieben. Simrock
spr. 2986; er geht so gerne wie der dieb zum galgen. Ludwig 684.
wie nahe dieb
und galgen,
der ehrloseste verbrecher und die ehrloseste strafe, in den begriffen verbunden waren, zeigt besonders (
vgl. aus Stieler, Simrock
vorhin): wären keine dieb, so wären keine galgen. Henisch 1338, Denzler 2, 120
b, Aler 833
a.
ebenda er ist von dem galgen aufs rad kommen,
incidit in scyllam cupiens vitare charybdin, eig. aber wol: er ist vom diebe zum mörder geworden. eigen 'goldner galgen': was hilft ein goldener galgen, so man dran hängen musz; er schlägt sich an einen goldenen galgen. Simrock 2988
fg. II@2@kk)
man glaubte an vorherbestimmung zum galgen: was zum galgen geboren ist, ersäuft nicht,
oder wer am galgen vertrocknen soll, ersäuft nicht im wasser. Simrock 2948
fg.; was an galgen gehört, ertrinkt nicht. Abr. a
s. Cl. 1, 262; was an den galgen gehöret, ersäufet nicht im bade. Köhlers
kunst üb. a. k. 89, 17,
vgl. die anm. s. 239
mit auch franz. und engl. nachweisungen. aber auch noch gesteigert in folg. weise: er ersauft nicht, das wasser gienge dann über den galgen. Henisch 1336, 22,
also selbst der galgen kann ihm nichts anhaben (
vgl. diebsglück, unkraut verdirbt nicht); was an galgen gehört, das fressen die wölfe nicht. 1337, 51,
zugleich tiefste verachtung ausdrückend. vgl. galgenglück. II@2@ll)
von einem entkommen vom galgen ist mehrfach die rede. II@2@l@aα) wer einn vom galgen erlöst, der henkt in zlon gern dran,
vorher seinen erlöser henken.
Frank spr. 2, 27
a (
unter dem lat. spruche redemptorem patibuli suspendere,
vergl. die verweisung auf die sieben weisen meister das. 28
b),
vgl. galgenlöser; der (
wenn einer) einen vom galgen erbete, der selb ihn selbs gern henken thete. Henisch 1336, 24; wenn du einen vom galgen lösest, der brächte dich selber gerne dran. Simrock 2987,
schärfster ausdruck für undank ist der welt lohn. II@2@l@bβ)
böse kerle sind dem galgen entlaufen
u. ä.: dem galgen entlaufen,
evitare laqueum. Stieler 603; du wirst dem galgen nicht entlaufen. Frisch 1, 314
a;
vgl.galgenentronnen.
kräftiger: er siehet als wäre er von galgen gefallen. Stieler (
zu lesen vonggalgen),
auch bei Henisch,
dabei: als ob er drei tage am galgen gehangen,
wie im anschlusz an den spruch u. k zuletzt; er geht gekleidet, als ob er vom galgen gefallen wäre. Ludwig 684; es ist ganz keine ehre und scham bei ihnen und gehen als wenn sie vom galgen gefallen weren. Schoch
stud. E.
nd. he süt ût, as wenn he ût der galgen schuddet is,
zerlumpt. Brem. wb. 2, 477, ût'n galgen Dähnert 141
a (
das ût
scheint noch von einem groszen baume als galgen zu stammen).
vgl.galgenschwengel,
galgenstrick u. ä. II@2@l@gγ)
dazu das bittere wort: doch kan bäpstlich heiligkeit dispensiern. dann sie müssen itzt leute haben, die sie (
acc.) defendiern, und solten sie die selbigen vom galgen holen. Alberus
wider Witzeln L 4
b; die verrähter braucht man wie das gift inn nöhten .. man nimpt zur not einen dieb vom galgen, und wann man sein nicht mehr bedarf, henget man ihn wider daran. Fischart
Garg. 264
a (
Sch. 499). II@2@mm)
er hiesz übrigens auch kurz das gericht (
z. b. Haltaus 583, 15.
jahrh.),
bei Adelung '
in der anständigen sprechart das hochgericht,
in der sprache der spitzbuben aber die feldglocke
genannt'; Henisch 1335
setzt rabenstein
mit als erklärung von galgen,
d. h. von der ganzen galgenstätte mit allem zubehör, oft auch überdacht (
s. unter dorfgalgen). II@2@nn)
bemerkenswert ist auch eine ausdehnung des begriffes; in den Magdeburger fragen wird von dem falle gehandelt, dasz sich einer in seinem hause selbst erhängt hätte, dabei: all das huis, do her sich inne irhing, welch man nennet einen galgen.
es wird angefragt, ab daʒ selbe hus ein galge mochte sin adir heiszen,
und entschieden: ouch en mag man das keinen galgen heiszen, wenne ein galgen heiszet daʒ, do man missetetige lute von gerichtis wegin an hengit. Behrends
ausg. s. 196.
jenes war also ein volksmäsziger gebrauch. dazu wol eigentlich hausgalgen, 16.
jahrh.: da er (
Haman, s. Esther 7, 10) an sein liechten hausgalgen .. erhaben ward. Mathesius
Luther 26
a,
der galgen ist von Haman selbst errichtet, freilich nicht für ihn selbst. II@2@oo)
damit berühren könnte sich folg.: (einem) einen galgen ans haus malen,
gleich einen pfal für thür (
d. i. d'tür) schlagen S. Frank
spr. 2, 20
a,
als drohende rache gegen einen feind (
zu dem pfal
s. RA. 729).
das bedeutete für den hausinhaber: du gehörst an den galgen, vielleicht aber auch: hänge dich selbst. Längere zeit war dieser gebrauch so ausgedehnt, dasz es gedruckte formulare zu kaufen gab, in denen nur der name des betreffenden auszufüllen war, die sog. galgenbriefe,
besonders im 15.
jahrh. Ähnlich ist eines namen an galgen schlagen Stieler 603,
gerichtlich, in contumaciam, statt des mannes selber, s. galgenbrief 1,
auch galgenbild. II@33)
Auch Christi kreuz hat lange galgen
geheiszen. II@3@aa)
so schon bei den Gothen: jah undgripun sumana mannê ... ei nêmi galgan is.
Marc. 15, 21 (und zwungen einen ... das er im das creuze trüge Luther); saei vili afar mis laistjan, invidai sik silban jah nimai galgan seinana jah laistjai mik. 8, 34 (verleugne sich selbs und neme sein creuz auf sich).
ebenso ags. gealga
neben rôd
f. (
eig. rute), beám,
altn. galgi
neben kross,
alts. im Heliand galgo
neben crûci, ruoda, bôm,
z. b.: thuo man thena godes sunoan thena galgon huof, Crist an that crûci. 5626 (168, 5).
nicht anders ahd. und mhd., z. b.: nu helf er imo selben ûfan themo galgen. Otfr. IV, 30, 15 suer sô wolli Cristis wegi volgin, der dragi sus (
ebenso) sînen galgin. Diemer
ged. 98, 18; (
priester) der an dem gotes galgen mit ûf gerachten handen stêt. Heinr. v. Melk
priesterleben 263, der gotes galge
vom crucifix; alsô Kristus begraben wart bî deme galgen.
myst. 1, 216; dô er in allem leide den galgen selbe muose tragen ze Calvarie, dâ er geslagen .... wart an daʒ frône kriuze hôch.
Reinfried von Braunschw. 18117. II@3@bb)
noch nhd. einzeln, im 16.
jh.: wer Christo nachvolgt, der kompt ann galgen. Frank
spr. 2, 27
a; wer aber Christo nachvolgt ... o der muosz seinem meister noch (nôch,
nach) ann galgen. 28
a.
auch mit kreuz
im gen. verbunden: die gleubigen, das ist die ... an den galgen des creuzs und todts als an die einig arznei des lebens glauben. 57
b; am galgen des creuzes. Ringwald
betb. X 7
a; (
Christus) is in deser provincie geboeren, an ein galge des cruces gehangen. Arn. v. Harf
pilg. 151, 5,
s. auch im brem. wb. 2, 478
aus Renner.
auch diesz schon mhd.: ich stân hie bleich, bluotvar und minneklich, als ich stuond an dem hôhen galgen des kriuzes. Seuse
ewige weish., Wack.
leseb. (1859) 1036, 25,
vgl. Scherz 466. II@3@cc)
das galgen tragen
erscheint auch als verwünschung: ei das du must den galgen tragen!
fastn. sp. 50, 1;
das könnte wol an das kreuztragen Christi sich anlehnen, das man so vielfach bildlich sah, auch nachgeahmt in wirklichkeit als auferlegte kirchenstrafe (
s. unter kreuz 2,
c).
oder kam es auch mit dem wirklichen galgen vor? etwa in dorfgemeinden, die einen stehenden galgen nicht hatten? vgl. dorfgalgen,
später '
im gegensatz zu einem gemauerten galgen' 2, 1280. II@44)
Eigen kurz galgen
selbst als schimpfwort, wie sonst galgenschwengel
u. ä.: der schlosser Swingenhamer ... ain poser henkmesziger galk. Beheim
Wiener 14, 8; Grünspamlein, diser mörder ... der pos diep und henkmeszig galk. 275, 4.
noch bei Dähnert 141
a nd. du galge,
wie galgendeef, galgenschelm, '
scheltworte auf einen erzschelm und dieb'; dat mott en legen galgen west syn, de afkat (
advocat). Sackmanns
pred. 1864
s. 34.
vgl. galgenast. II@55) Galgen
in noch anderm gebrauche. II@5@aa)
der galgen
eines schöpfbrunnens (
s.galgbrunn),
tolleno, '
der das gewicht auf einem ende heben hilft' Frisch 1, 314
a,
schon ahd. (
s. u. b),
in einrichtung und gestalt gleich dem schnellgalgen (
s. 1,
c und unter galgbrunn 3): drei stucke zu eim galgen zum born.
Frankfurter baumeisterb. v. 1433, zu eim galgen uber ein born
das. v. 1435 (Lexer 1, 727),
zu den drei stucken
s. unter 2,
a, wobei freilich zu fragen übrig bleibt, da nur zwei stücke, bäume zum schöpfgalgen nötig scheinen. nach Schmid
schwäb. wb. 218
müszten auch brunnen, deren eimer an einem querbalken auf zwei stützen hängt, galtbrunnen,
d. h. galgbrunnen
heiszen, nach den galgen
dieser form. Noch Stieler 603 brunngalgen,
jugum putei, Ludwig 684 galgen über einen brunnen,
the gallows of a well, Steinbach 1, 537 schwänggalgen
tolleno. II@5@bb)
so im alten salzwesen, bei solquellen: unum putatorium integrum, quod vulgariter dicitur galgo. Schmeller 2, 39
aus einer urk. von 798,
zum aufschöpfen der sole in Reichenhalt, s. ebend. aus dem 12.
jahrh. und weiter galge, waʒʒergalge
in gleichem dienste, in der bed. ausgedehnt auf den ganzen solbrunnen im betriebe; jenes putatorium
ist genauer putiatorium (
zu puteus),
wie Frisch
aus Hund
beibringt. derselbe gibt 'galgen
in den salzkoten, ein gerüste über dem eingang der salzstätten, worauf man salz oder holz legt',
also mit vergessen der urspr. bed., wol in folge fortgeschrittener kunst des betriebes. II@5@cc)
im gewerbsleben von galgenähnlichen werkstücken, z. b. der galgen an einer presse Ludwig 684,
d. h. der deckelstuhl (
s. d.)
der buchdruckerpresse, vgl. Adelung;
am webstuhl 'kamm, galgen, tritt, gewicht, rollen, wellbaum, sitz'
Garzoni 566
a,
genaueres bei Tobler 211
b,
die weblade wird dran aufgehängt, vgl. galgenholz 2;
ähnlich das. ein querbalken im dachstuhle zum anlegen der heuleiter; bei lichtziehern ein gerüst zum aufhängen der dochte, bei den reepschlägern zum drehen starker duchte (
schnuren),
auf schiffen zum anhängen der schaluppe, auf kauffahrern der glockenstuhl, u. ä.; beim kochen von zwetschenmus ein groszes holz in form eines kniegalgens zum rühren des kochenden muses, in Thüringen; bei tischlern, schustern ein galgenähnliches gestell zum anhängen einer lampe; am pferdezaum, s. galgenmundstück;
schweiz. ein hosenträger Stalder 1, 415,
auch luxemb. Gangler 162;
bair. das öhr am knopfe Schm.
2 1, 902.