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Rhein

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Eintrag · Wander (Sprichwörter)

Rhein

Bd. 3, Sp. 1664
Rhein Rhein (s. Rhenum). 1. Der Rhein ist ein grosser Fluss, aber er ist klein gegen das Meer. Die Russen: Die Newa ist zwar breit, aber der Finnische Meerbusen ist noch breiter. (Altmann V, 79.) 2. Der Rhein ist kein Prasser, gibt er keinen Wein, so gibt er viel Wasser. Die Russen: Mütterchen Wolga meint es immer gut, entweder sie gibt Störe oder Dünen. (Altmann V, 124.) 3. Der Rhein ist nicht des Mäusethurms1 wegen da. 1) Nach J. Weber aus Mauththurm entstanden. (Demokritos, IV, 65.) 4. Der Rhein trägt nicht leere Leute. – Lehmann, II, 66, 166; Eiselein, 528; Simrock, 8441; Körte, 5066. Die Weinhändler wollen damit die Schiffreisenden auffordern, sich erst vollzutrinken, ehe sie die Rheinfahrt antreten. 5. Der Rhein wäscht einen nicht ab. – Simrock, 8447. 6. Der Rhein will alle Jahre sein Opfer haben. – Eiselein, 528; Simrock, 8446. Es vergeht leider kein Jahr, in dem nicht viele Personen im Rhein ihr Leben einbüssen, ohne dass derselbe es gerade verlangt. 7. Der Rhein wird drumb nicht ärger, dass er bissweilen ausslaufft. – Lehmann, 893, 23. 8. Die über den Rhein fahren, brauchen kein Wasser zu sparen. Einer, der uber Rein ist gefahren, den ubel durst und wasser wil sparen, ist der nicht ein rechter Gauch? (Fastnachtsspiegel, 322, 8.) 9. Dort niden an dem Rheine, da ist ein berg bekant, der tregt den guten Weine, Fürstenberger genannt. Fischart (Gesch., in Kloster, VIII, 79) charakterisirt ihn so: »Graw ist sein Farb vom Garten darin er wachsen thut, er darff des Manns wol warten, er butzet jhm den Hut, darzu den Kopff erlausen, vmb kein gibt er nit vil, dass Hirn das macht er sausen dem, der jhm trutzen will.« 10. Ehe einer über den Rhein schwimmt, ertrinken zehne. – Simrock, 8444; Körte, 5067. 11. Es gibt nur Einen Rhein, aber viel Schwarzwasser. Die Russen um Twer sagen: Es gibt viel Flüsse, aber nur eine Wolga. (Altmann V.) 12. Grosser Rhein, saurer Wein; kleiner Rhein, süsser Wein. – Simrock, 8443; Körte, 5069. Das Anschwellen des Rheins setzt langes Regenwetter voraus, welches aber dem Gedeihen des Weins hinderlich ist. 13. Kleiner Rhein, guter Wein; grosser Rhein, schlechter Wein. – Kehrein, VIII, 196. 14. Lass dem rein sein fluss, du magst jn nicht machen fliessen nach deim wollen. – Geiler, Seelen Paradiss, LXIb, 2. 15. Man kann den Rhein wol schwellen, aber nicht stellen. – Eiselein, 528; Simrock, 8445; Körte, 5068; Körte2, 6348. Was aufgehalten, aber nicht verhindert werden kann. Mhd.: Swer der Rîn mit leime wil verswellen, der hat mîn, swie tumbe ich sî, ze helfe nicht. (Murner.) (Zingerle, 121.) 16. Man kann nicht durch den Rhein waten, ohne nass zu werden. Die Russen: Raffst du deine Kleider auch auf bis über den Kopf, wenn du durch das Meer willst, du wirst doch nass werden. (Altmann VI, 427.) 17. Was kommt über den Rhein, muss vortrefflich sein. Spott auf das Ueberrheinische und Strafe für die, welche das Einheimische als solches verachten. 18. Was zeucht über den Rhin, ist alles hin. – Eiselein, 528; Simrock, 8450. Wird im Canton Schaffhausen angewandt, wenn eine weibliche Person über den Rhein in den Canton Zürich heirathet, weil ihr mitgenommenes Vermögen, auch, wenn ihre Kinder sterben sollten, nicht mehr zurückfällt, sondern Mannsgut wird. 19. Wenn einer in den Rhein springt, willst du auch hineinspringen? – Eiselein, 528. Zu Kindern, welche alles Verderbliche, was sie andere thun sehen, nachahmen wollen. 20. Wenn es am Rhein brennt, ist's Narrheit, dass man aus der Donau (Elbe) Wasser zum Löschen holt. Die Russen: Der Narr geht an der Luga aufwärts, wenn er zum Finnischen Meerbusen kommen will. (Altmann V, 76.) 22. Wer im Rhein ertrunken ist, stirbt nicht mehr. In Russland heisst es: Wer in der Moskwa ertrunken ist, ist vor dem Tode in der Oka sicher. (Altmann V, 155.) 23. Wo der Rhein fällt, hört man eine Traufe nicht. 24. Das cha de Rhi nüd abwäsche. (Schweiz.) 25. Das wäschet jhm der Rhein nicht ab. – Schottel, 1113a; Tappius, 238a; Ayrer, II, 957, 37; Eiselein, 528; Körte, 5068a. »Doch bleibt bei jn biss in das grab der glantz, des lobs vnd ehren schein, welch nicht abwescht, noch Elb noch Rhein.« (Waldis, III, 99, 64.) »Der Rein jms nit abwaschen mag.« (H. Sachs, III, XL, 2.) In der Schweiz heisst es: Das wäscht em de Rhii nid ab. Das schläckt e kei Geist ewäg. Er git weni Milch (s.d. 57) meh. (Sutermeister, 86.) Wenn sich einer durch eine schlechte Handlung mit einem Makel befleckt hat oder wenn Strafe auf jemand wartet. Lat.: Nec Phasis nec Ister eluet. (Eiselein, 528.) 26. Dat kann uns de Rhin nitt afwasken. (Iserlohn.) – Woeste, 88, 161; für Osnabrück: Lyra, 63; für die Schweiz: Steiger, 189. Blutsverwandtschaft, Rechte. »Das wird in nicht abwaschen der Rein.« (Schade, I, 51, 93.) 27. Dem Rheine nach, nach Beringen gehen. (Schweiz.) Eine unrechte Strasse gehen, auf der man das Ziel nicht erreichen kann. 28. Den Rhein anzünden. – Lehmann, 836, 11. Von dem, was unmöglich ist. 29. Der Rein zu Cöln lescht mir mein fewr nicht. – Lehmann, 378, 68. 30. Eher soll der Rhein (oder ein anderes Wasser) brennen. Um etwas Unmögliches auszudrücken. (Vgl. Germania, VII, 190.) 31. Eher soll der Rhein (das Meer) trocken werden. Um etwas Unmögliches oder einen hohen Grad von Unwahrscheinlichkeit auszudrücken. (Vgl. Germania, VII, 191.) 32. Eher wird der Rhein zu seiner Quelle fliessen. Um das Unmögliche auszudrücken. Mittelhochdeutsche Dichter thun dies schon: Si möhten ê den Rîn gekeren in den Pfât ê ich mich iemer sîn getroste. (Hausen.) – Er kêrte den Rîn ê in den Pfât ê ich sie lieze, diu mich hât betwungen. (Guotenburc.) Noch mehr Belegstellen. (Germania, VII, 189.) 33. Er hat den Rhein vnd das Meer angezündet. – Nigrinus, 711. 34. Er hat den Rhein vnd Thonaw angezündet vnd brennt in allen Gassen. – Theatrum Diabolorum, 225a. 35. Er sol den rhein ausssauffen. (S. Galgen 89.) – Franck, II, 81a; Tappius, 96a; Eyering, II, 406. 36. Er will den Rhein verschwellen. Von thörichter oder vergeblicher Arbeit; in dem Sinne: Er trägt Wasser in den Rhein. ( Vgl. Germania, VII, 191.) 37. Han ich in den Rein verbrant. – Schöpf, 546; Schmeller, III, 102. 38. Ich hab den Rein hiemit angesteckt. – Schottel, 1116a. »Er hat den Rein angebrent.« (Mathesy, 200a.) 39. Man möchte in den Rhein springen. – Eiselein, 528. 40. Ueber den Rhein fahren. Der Liebe fröhnen. In den Sätzen von der Löffelei heisst es in Bezug auf verliebte Frauen und Mädchen: »Oft schicken sie ein Kartenblatt, etwa eine 8 oder 9, anzuzeigen, dass der Miles aufn Abend um die 8. oder 9. Stunde kommen soll. Und dies thun nicht allein die Mägdlein, sondern auch die jungen Weiber, wenn der Mann nicht daheim oder wenn der arme Joseph hinterm Ofen leit und schläft, dieweil er nicht mehr übern Rhein fahren, noch seine nächtliche kleine Hausarbeit bestellen kann.« (Schaltjahr, III, 645.) 41. Wenn der Rhein über sich lauft. – Simrock, 8452. Als Beigabe zu Versprechungen, die man nicht zu halten gedenkt. 42. Hat der Rhein sehr niedern Wasserstand, wächst Getreide viel im Land. It.: Arno vuoto, granaio pieno. (Giani, 147.)
7088 Zeichen · 187 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Rhein

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Der Rhein , des -es, plur. inus. der eigenthümliche Nahme eines großen Flusses in Deutschland; der Rheinstrom. In der Sc…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Rhein

    Goethe-Wörterbuch

    Rhein ‘Rein’ B10,38,13 ; vielfach in rein identifizierendem Gebrauch, hier nicht gebucht metonym für die Rheingegenden (…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Rhein

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Rhein ( Rhenus bei den Römern), ein Hauptfluß Mitteleuropas, entspringt in Graubünden aus 3 Armen: Vorder- , Mittel- u. …

  4. modern
    Dialekt
    Rheinm.

    Pfälzisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Rhein m. : der Fluß Rhein, Rheiⁿ [verbr. WPf (außer westl. Teil) NPf südl. Hälfte der VPf (vgl. K. 1, Wein), Schneckenbu…

  5. Sprichwörter
    Rhein

    Wander (Sprichwörter)

    Rhein Rhein (s. Rhenum). 1. Der Rhein ist ein grosser Fluss, aber er ist klein gegen das Meer. Die Russen: Die Newa ist …

  6. Spezial
    Rhein

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Rhein nom. propr. m. ‹geog› (Fluss) Rain.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit rhein

291 Bildungen · 290 Erstglied · 0 Zweitglied · 1 Ableitungen

rhein‑ als Erstglied (30 von 290)

Rheinadel

SHW

Rhein-adel Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinbad

SHW

Rhein-bad Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinbau

SHW

Rhein-bau Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinberg

SHW

Rhein-berg Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinbeunde

SHW

Rhein-beunde Band 4, Spalte 1381-1382

Rheindamm

SHW

Rhein-damm Band 4, Spalte 1381-1382

Rheindeich

SHW

Rhein-deich Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinebene

SHW

Rhein-ebene Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinesel

SHW

Rhein-esel Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinfahrt

SHW

Rhein-fahrt Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinfisch

SHW

Rhein-fisch Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinflegel

SHW

Rhein-flegel Band 4, Spalte 1381-1382

Rheinfähre

SHW

Rhein-fähre Band 4, Spalte 1381-1382

Rheingarten

SHW

Rhein-garten Band 4, Spalte 1381-1382

Rheingasse

SHW

Rhein-gasse Band 4, Spalte 1383-1384

Rheingau

SHW

Rhein-gau Band 4, Spalte 1383-1384

Rheingold

SHW

Rhein-gold Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinhanak

SHW

Rhein-hanak Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinhesse

SHW

Rhein-hesse Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinhessen

SHW

Rhein-hessen Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinkette

SHW

Rhein-kette Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinkuh

SHW

Rhein-kuh Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinlachs

SHW

Rhein-lachs Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinland

SHW

Rhein-land Band 4, Spalte 1383-1384

Rheinluft

SHW

Rhein-luft Band 4, Spalte 1383-1384

Ableitungen von rhein (1 von 1)

Rheine

Meyers

Rheine (R. links der Ems) , Hauptstadt der Standesherrschaft Rheina-Wolbeck (s. d.), im preuß. Regbez. Münster, Kreis Steinfurt, an der Ems,…

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Cotta, M. (2026). „rhein". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/rhein/wander
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Cotta, Marcel. „rhein". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/rhein/wander. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „rhein". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/rhein/wander.
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