[]glut,
f. ,
pruna. herkunft und form. glut,
urgermanisch *glōði-,
substantivbildung mit -ti-
suffix zum verbum glühen,
in allen germanischen sprachen heimisch, mit ausnahme des gotischen und des altsächs. (
doch vgl. im Monac. glotuuelo,
im Cott. golduuelo,
Heliand v. 1646):
aisl. glōð;
mnd. glôt;
mnl. gloet (
daneben mit anderer suffixableitung gloede,
vgl. Verwijs-Verdam 2, 1996);
ahd. mhd. gluot;
mit umlaut altschwed. glöþ,
altdän. glød,
ags. gld, glēd,
altfries. glēd
neben glō
d. über die wurzelformen und die weitere verwandtschaft vgl. glühen
sp. 441.
innerhalb des deutschen sprachgebietes mit lautgesetzlich erhaltenem diphthong im süden: gluet
schweiz. idiotikon 2, 655; Fischer
schwäb. 3, 720; Schmeller-Fr. 1, 978; gluat Jacob
Wien 70.
im niederdeutschen ist glôt
die herrschende form, z. b. Mensing
schlesw.-holst. wb. 2, 397; Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 641; Fischer
Samland 53;
am Niederrhein, s. rhein. wb. 2, 1290.
aus der älteren sprache vgl. geloet (: moet)
Karlmeinet 246, 8; glot Brun v. Schonebeck im
nd. jahrbuch 30, 134; gloyt (
nd. 1417) Diefenbach
nov. gl. 177; gloyd
ebda 292.
als glaut (glout)
in den nordwestdeutschen diphthongierungsgebieten, vgl. z. b. Woeste
westf. ma. 80; Bauer-Collitz
Waldeck 40; Schambach
Göttingen 64
u. a. ebenso mecklenburgisch bei Mi 27, Fr. Reuter 2, 202
S. (
vgl. dazu auch die diphthongierten formen unter glühen
und glühendig).
zu gleot
diphthongiert in der mundart von Hahlen (
bei Minden),
vgl. Frederking 11,
Hastenbeck, vgl. Deiter
geschichtsbl. 24, 48,
und Schwalenberg, vgl. Böger 151,
dazu Sarauw
lautlehre d. nd. mundarten 199.
die anglofriesische lautform glöd
ist in älteren mundartensammlungen für Dithmarschen belegt, vgl. Richey
idiot. Hamburg. 411;
brem.-niedersächs. wb. 6, 86; Mensing 2, 397 ('
heute veraltet').
in der form glüete, glüeti, glüet
wird der plural auf oberdeutschem boden speziell von glühenden kohlen gebraucht, vgl. Ch. Schmidt
Straszburger mundart 43; Fischer
schwäb. wb. ('
alt') 3, 720;
schweiz. idiot. 2, 655; Hunziker
Aargauer wb. 108.
literarische belege sind selten: (
man) solte burnende glte vor in legen. also nam er einen burnenden glůt und warf den in sinen munt (
Straszburg 1386)
städtechron. 8, 261.
wie dieser beleg zeigt, treten bisweilen genusschwankungen auf grund einer rückbildung des singulars aus dem plural ein. ganz vereinzelt findet sich das masculinum auch sonst in fällen, wo glut
nicht die konkreten einzelgegenstände bezeichnet, vgl.: ich will mit warheit schreiben, warumb Vesuvius kan steine von sich treiben, woher sein brennen rührt und was es etwan sey, darvon der glut sich nehrt Opitz
opera (1629) 22; allwesend ewigkeit! lasz deiner blitzen macht, den ernsten donnergluth, und was die ernste nacht dräut deiner armen magd, in tiefste gunst verschwinden Gryphius
trauerspiele 111
Palm (
variante der hss. C D).
als masc. heute im Aargau gebräuchlich, vgl. schweiz. idiot. 2, 655.
daneben ist in einzelfällen auch das neutrum bezeugt: als wenn einer ein groszes feuerglut mit einem löffel voll wassers (
auslöschen sollte) Luther
tischreden (1573) 210
a; wann es (
das rauchwerk) in alle höh auffbrindt, so läst er (
der Phönix) sich herab ins glut Hans Sachs 1, 324
lit. ver.; heute noch in der mundart von Toggenburg und St. Gallen, vgl. schweiz. idiotikon 2, 655.
bedeutung und gebrauch. glut
bezeichnet gegenüber dem umfassenderen und allgemeineren begriff feuer
den glosenden, flammenlosen brand, oft (
heute besonders gern in mundartlicher verwendung)
ganz konkret die glühenden kohlen, letztlich sogar das brennholz (
s.A 1).
ein weiteres bedeutungsmerkmal, die hohe temperatur, zeigt sich, wenn auch nicht gleichmäszig, in verbindung mit verwandten begriffen wie glut des feuers,
[] glut des ofens, glut der hölle
u. ä. diese bedeutung ist dem wort so eigen, dasz sie sich verselbständigen kann, und glut
typische bezeichnung für einen hohen wärmegrad, hitze, wird, namentlich von der atmosphärischen wärme: glut der sonne, des sommers, des südens;
ähnlich auch glut des fiebers.
auch die übertragene anwendung auf das seelische leben wird von dieser bedeutung her bestimmt: glut der liebe, der begeisterung, der leidenschaft
u. dgl. in dichterischer sprache findet glut
gelegentlich verwendung als gewählterer ausdruck gegenüber feuer.
schlieszlich kann das wort nur den visuellen eindruck wiedergeben und licht und farben kennzeichnen. ein für Sachsen vereinzelt bezeugtes glut '
grosze menge' (
vgl. Müller-Fraureuth 1, 427)
läszt sich bedeutungsmäszig hier nicht anknüpfen. AA.
glühende kohlen, glühender brand. A@11)
zu frühest in ahd. glossen, vgl. gloot
brune (
d. i. prunae) 3, 1, 42
St.-S. (
aus dem 8.
jh.); glut, glot
pruna 3, 121, 37; 38 (
aus dem 13.
jh.);
grando et carbones ignis hagel unde gluot Notker 2, 49
P.: ein glüendiu gluot
herzog Ernst B 2597; Rudolf v. Ems
Barlaam 376, 44
Pf.; ein glüendic gluot Wolfram v. Eschenbach
Parzival 81, 22; ein gluot diu glimmet Konrad v. Würzburg
goldene schmiede 463; bornen alse eine glut
märe vom heil. kreuz 119
Helwig; ich hân im stadel unde korn gemachet zeiner glüete
Neitharts lieder s. 235
Wieszner; wann du samenst die gluot auf seim haubt (
prunas enim congregabis super caput)
erste dtsche bibel 8, 69
lit. ver. im neueren schrifttum: wer recht den winter ehren will, der brauet punsch und trinkt! ins feuer gaffend denkt er still, wie glut in asche sinkt J. H. Voss
s. ged. (1802) 5, 136; mit eigenthümlicher anmuth hatte sie die gluth (
im kamin) sorglich unterhalten Holtei
erzähl. schr. (1861) 2, 41.
die verbindung in glut und asche legen
ist schon alt: St. Johanns kirche sampt beiden thürmen, desgleichen ihre glocken bis auff eine noch, sind in glud und asche gelegt
M. Dreszer
sächs. chron. (1596) 256.
deutlich abgesetzt gegen hellflammendes feuer: man sols (
die fische) auch sieden ... nicht bey riechendem fewer oder glut, sondern bey eim hellen und fackelnden fewer
fischbüchlein (
o. j.) 142; hinter und vor und neben mir feine glut, nicht flamme, tiefe, hohlaugige glut des niedergesuncknen orts Göthe IV 3, 69
W. erweitert zur bedeutung '
brennholz': in den welden gluote dingen und kouffen (1355)
bei Ch. Schmidt
Straszburger ma. 43;
dazu vgl.: man sol ouch eim meister, so er anget, 2 kerbel mit gluoten geben und nit me (1405) Eheberg
verfassungsgesch. v. Straszburg 1, 13;
ferner: zwei kleine korbelin mit gluoten die sol man alle woche geben uff eins ammanmeisters stube
ebda 14.
anscheinend nur der frühen Straszburger ma. angehörend, dagegen gebraucht ältere sprache den plural auch sonst, die mundarten bewahren ihn bis heute: von übriger groszer hitz, die von den glueten komen, ward das werk in dem turn prinnen (
Augsburg 1463)
städtechron. 5, 303;
vgl. Schmeller-Fr. 1, 978; Fischer
schwäb. 3, 720;
schweiz. idiot. 2, 655.
doch ist glut
auch in älterer sprache durchaus schon collectivum, vgl.: und er nam daz rauchvasz das er hat gefllt von der gluot des allters (
de prunis altaris)
erste dtsche bibel 3, 415
lit. ver.; dorumb do sy abstigen zuo dem lande sy sachen die gluot gelegt und einen visch dorauff gelegt und brot (
viderunt prunas positas)
a. a. o. 1, 421.
wohl zu scheiden hiervon sind jene allgemeinsprachlich pluralischen verwendungen, die mehrere feuerstätten oder feuerbrände bezeichnen: die heiligen gluten der altäre wollen verlöschen Fouqué
altsächsischer bildersaal 2, 563; landhäuser stehen längs dem ufer und eisenschmieden, wo die wilden gluthen, die das eisen bezwingen, auflodern Görres
ges. schr. (1854) 2, 176.
[] A@22) glut
in intensiver bedeutung. A@2@aa)
vor allem in der genitivfügung glut des feuers: alsam der salamander wüttett in des füres glütt sam tet der zartte ritter gütt
Göttweiger Trojanerkrieg 20771
Koppitz; wie der tyran Dionisius bekandte, da sein leben stunde als eines, dem ein blos schwerd uber dem kopffe an eyn seyden faden hienge und unter yhm eine grosse glut feurs brennete Luther
w. 19, 638
W.; und schweigend ward ein bündnisz jetzt beschworen, das fest gehärtet in des feuers glut bestehen wird in allen schicksalsproben Schiller
s. schr. 14, 406
G. ebenso wenn beide begriffe sich zur paarformel verbinden: wazzer leschet fiur unde gluot Freidank 39, 6
Grimm; den stal musz endlich feur und glut, den marmel regen schwächen B. Neukirch
ged. (1744) 26; nein, mit feuer und mit glut soll man hier die ritter taufen Schenkendorf
ged. (1815) 16. A@2@bb)
auch in andern typischen verwendungen. A@2@b@aα)
in verbindung mit ofen
oder herd: Abdenago der stunt uf gar an allerleie guf prisende gotis gte da in des ovens glte
Daniel 1330
Hübner; vgl. auch ebda 1431; 1571.
bisweilen mit warmem gefühlston: muszt mir meine erde doch lassen stehn, und meine hütte, die du nicht gebaut, und meinen herd, um dessen gluth du mich beneidest Göthe I 12, 76
W.; in mein zimmer, in dessen ofen auch die tannenscheite krachten, oder ein nachgelegter buchenstock langsam in wärmeverbreitende gluth zerfiel Stifter
s. w. (1901) 2, 209; der herd. um die gehütete glut sippen wir unverlorn. wasser vom himmel stürzt, sturm fährt sausend ums haus, wir darin sind gefeit, geht nur die glut nicht aus Weinheber
o mensch gib acht (1937) 59. A@2@b@bβ)
im zusammenhang mit schmiedewerkstätten und schmelzöfen: sô wirde ich golde gelîch, daz man dâ brüevet in der gluot
minnesangs frühling 19, 20;
vgl. Gottfried v. Straszburg
Tristan 8292
Ranke; sîn keiserlîchiu süeze jugent was aller missewende frî. si wiel ûf milte alsam daz blî, daz ûf der glüete siudet Konrad v. Würzburg
Partonopier 265; da ritt in seines zornes wuth der graf ins nahe holz, wo ihm in hoher öfen gluth die eisenstufe schmolz Schiller
s. schr. 11, 250
G.; die glut des schmelzofens Rudolf Herzog
die Stoltenkamps (1917) 284. A@2@cc)
innerhalb der religiösen sphäre ist die verbindung glut der hölle
weit verbreitet und häufig belegt; in unfester form zufrühest bei Heinrich v. Melk: zwêne geverten hât diu ubermuot, die setzent die rîter an die gluot des êwigen flures vanchen
von des todes gehügede 340
Heinzel; schon früh formelhaft: dir ist bereit der helle gluot
von dem jungesten tage 104
Willoughby; das er in behüte vor der helle glut
Christus u. die minnende seele 747
Banz; [] lasz uns nicht vertzagen fur der tiefen hellen glut Luther
bei Wackernagel
kirchenlied 3, 10;
mit adjektiv: der wird ewiglich in der höllischen glut brennen müssen Fr. v. Spee
güldenes tugendbuch (1649) 34;
auch ohne genitivische bezeichnung: kinder, soltent ir in einer heissen stuben nacht und tag ligen, es solte úch ze swere dunken: ich losse ston enmitten in der gluot manig jor oder ewiklichen Tauler
predigten 236
Vetter. A@33)
verbale verbindungen, besonders im übertragenen sinn. die glut schüren: schür, teufel, schür glüt an!
randglosse bei Wickram
w. 3, 248
Bolte; denn du (
Karsthans) wol kanst schüren die gluod mit dem pflegel, der nit wol thuod
reformationsflugschriften 4, 120
Clemen; vgl. auch Wander
sprichwörterlexikon 1, 1782. in die glut blasen: du freust dich in erloschne glut zu blasen, dein amt ist hader G. Freytag
ges. w. (1886) 3, 122.
aus mhd. zeit wazzer ze der glüete bringen '
die glut löschen': wie genædic unser vrouwe (
Maria) wære, wie si bræhte mit ir güete wazzer ze der glüete
Münchener Oswald 2552
Baesecke. in die glut greifen '
ins feuer fassen': sît ich gewan den muot daz ich began zer werlte dingen merken übel unde guot, dô greif ich, als ein tôre tuot, zer winstern hant reht in die gluot
in: Walther v.
d. Vogelweide
ged. 123, 22
L.-K. durch die glut ziehen '
verspotten': dez von den buoben er geschieret (=
geschürt) wart und dur die gluot gezogen und dik von in an gelogen
der sœlden hort 4153
Adrian; och schaffent si daz er gezogen wirt dur die gluot, dur daz baht
ebda 4203.
ähnlich bildhaft in redensartlicher verwendung: der iemer sô gewüete, daz er sînes wîbes hüete, er sazt sich ûf die glüete Heinrich v.
d. Türlin
krone 10331;
aus späterer zeit: also hatten ihnen selbs die geistlichen vAetter mit ihrem zanck gluot auff die fss gezogen Stumpf
Schweizerchron. (1606) 369
b. A@44) glut
als bezeichnung für den häuslichen herd: wie ein vischære zôch sîne segene dô flôz im engegene ain maget in allen gâhen. dô îlte er si vâhen, er truoch si zuo der gluote
kaiserchronik 11902
Schröder; bi einer heizen gluete trink wir möste guot; veizte braten gebent hochgemuete: die lob ich vür des suezen meien bluot
bei v.
d. Hagen
minnesinger 3, 292; daz selbe lop ist ninder gut wan da heim bi der glut Stricker
in: kleinere mhd. erzähl. 191, 144
Rosenhagen; sitz ze der glut uf die banc, ich sihe wol daz du bist kranc Rüdiger v. Hünchofen
der schlegel 329
Pfannmüller; du soltest da heimen bliben und haben gut husgemach ob einer heiszen glute
jüng. Hildebrandslied in: denkm. 2, 27
Müllenhoff-Scherer; wir wöllen zechen bei der glut, darzu sind kitten und kästen gut (
l. kälten,
vgl. ebda 123) Fischart
Gargantua 145
ndr. hierher auch: honicseim der wol gesoten si ane rouch uf der glute
Breslauer arzneibuch 116; sie gieng und nam die ein (
bratwurst) von der gluot
Eulenspiegel 58
ndr.; (
der suppe) sprach ich gewaltig zu, weil sie eben auf einer glut stunde Grimmelshausen 2, 405
Keller. vergleichbar auszerhalb des häuslichen bezirks als wachtfeuer, lagerfeuer: stuontun scalca inti thie ambahta zi theru gluoti, bithiu uuanta frost uuas, inti uuermitun sih (
stabant autem servi [] et ministri ad prunas, quia frigus erat, et calefiebant)
Tatian 186, 5;
vgl. dazu auch erste dtsche bibel 1, 409
lit. ver.; ains tags gieng ich durch guoten muot, da ich vand sitzen umb ain gluot siben, die mich ruoften an
liederbuch d. Hätzlerin 271; darumb ratet Wilhelmus, in dem winter (
die kopfwunden nach der schlacht) zuo binden bey ainer warmen gluot, so anders kain stuben da seind H. Braunschweig
chirurgia (1539) 41
a. BB. glut
als feuer. B@11)
das wort wird in der dichterischen sprache des 17.
und 18.
jh. als gewählterer ausdruck für feuer
gebraucht. seiner einsilbigkeit und leichteren reimbarkeit wegen ist es besonders in aufzählungen (
der vier elemente u. dgl.)
beliebt: was irrdisch ist, verdirbt: die frömmigkeit besteht, wann glut, lufft, erd und see zu grund und boden geht (1624) Opitz
teutsche poemata 66
ndr.; ähnlich bei J. Rompler v. Löwenhalt
erstes gebüsch (1647) 116; er singt, wie meer und gluth und luft und erd entstanden Ramler
einleitung in d. schönen wissensch. (1758) 1, 403; jene welt ertrank durch flut; diese welt erfodert glut (1654) Logau
sinnged. 30
Eitner; mir wird unfrei, mir wird unfroh, wie zwischen gluth und welle Göthe I 5, 186
W. so auch in der paarformel stahl (schwert) und glut (
vgl.feuer und schwert): der nie ein fremdes volk mit stahl und glut verderbt Gryphius
trauersp. 31
Palm; laszt immer was nicht taugt, durch schwert und glut erkalten, der herr wird dennoch wohl sein eigenthum erhalten B. Neukirch
ged. (1744) 154. B@22)
einzelbedeutungen, zum teil auszerhalb der dichterischen sphäre. B@2@aa)
vereinzelt im sinne von '
scheiterhaufen': (
sie) wünschen der (
wittenbergisch) nachtigall die glut Hans Sachs 6, 370
lit. ver.; hier ist nur folter, glut und strang, verfolgung, pfahl und schmach zu hoffen Gryphius
ged. 497
Palm. B@2@bb)
als '
feuersbrunst': wie manche schöne stadt, die reiszt die glut darnieder, es raucht noch mancher ort, der erst ins feuer fiel P. Fleming
dtsche ged. 1, 104
lit. ver.; eben damahls als die grimmige gluth die grosze kirchgasse hinan wütete ... nahm der cantor 2 nachbarskinder von der gasse Chr. Lehmann
histor. schauplatz (1699) 441; als euren tempel grause gluth verheert, wart ihr von uns drum weniger geehrt? Göthe I 16, 138
W., heute ungewöhnlich. üblich geblieben ist dagegen: wie sie heimgekommen, (
haben) sie das haus mit samt dem nest in voller gluth gesehen J. Prätorius
winterflucht der sommervögel (1678) 149; wie (
die angezündete scheune) nun in voller gluth stand, sah sich der bauer um Grimm
dtsche sagen (1891) 1, 48. B@2@cc)
in dieser richtung entfernt sich glut
gelegentlich von seiner ursprünglichen bedeutung so weit, dasz es auch die hellauflodernde flamme bezeichnen kann: voll zorn brandte ich das gemachte raquet an und schmiesse es in einem huy hinüber in das stroh, davon, nach einem vaterunser lang, die gluth schon zu dem dachfenster herausgeschlagen Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 353; sie freuten sich der schönen glut, die wie ein helles osterfeuer, gen himmel flog Hölty
w. (1772) 1, 235
Michael; und hüben und drüben zum himmel empor steigt flackernde glut (
ἄλλη δ' ἄλλοθεν οὐρανομήκης λαμπὰς ἀνίσχει Agamemnon 93) Droysen
Äschylus (1841) 45.
ähnliche bedeutungsnüancen können sich spontan jederzeit von der grundbedeutung des wortes aus neu bilden; vgl. [] altfries. glēd '
feuerbrand'
bei van Helten
lex. des altostfries. 154,
ferner die adjektivverbindungen helle glut, hellflammende glut: es brennet liechter lohe und heller glut Luther
w. 53, 519
W.; näbenst einer hälflammenden gluht Zesen
adriatische Rosemund 25
ndr.; so mögen diese finger dann verdorren und feuer sie bestrafen, lohe glut Grillparzer
s. w. 6, 188
Sauer. CC. glut
als hitze. C@11)
im eigentlichen sinne. das wort wird ähnlich wie glühen (
vgl. sp. 446
f.)
allgemein von der sonnen- und sommerwärme gebraucht, um den höchsten grad der hitze anzudeuten: es ümärmet und erwärmet ihre (
der sonne) glut die kalte welt Sigismund v. Birken
ostländischer lorbeerhäyn (1657) 26; der sommer folgt. es wachsen tag und hitze, und von den auen dränget uns die glut Göthe I 16, 220
W.; mehr visuell gefaszt: und er sah in die später werdende glut, bis endlich der sonnenball gesunken war Fontane
ges. w. I 5, 103.
von der hitze des tages, besonders ihrer mittäglichen steigerung: ist diesz der dank, ... dasz ich zur ärntezeit um deinen nacken spielte, damit er nicht die glut der mittagssonne fühlte? Ramler
fabellese (1783) 3, 244; kannst du dich nicht des goldnen zweiges freun, der vor des tages gluth dich schützt? Göthe I 2, 75
W. allgemein '
hohe temperatur': entsteht ein appetit nach beeren, sie wachsen hier auch durch den schnee, den weder lufft noch gluth verzehren auff einer zweyfach schönen höh Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 216; (
gott) hüll ros und röselein gen frost und gluth in deine gnade ein Cl. Brentano
ges. schr. (1852) 4, 76; statt kühlung führt der ostwind neue gluth herbei A. v. Humboldt
ansichten d. natur (1808) 1, 30.
sinngemäsz von südlichen landstrichen: die ungewohnte gluth des südens zerstörte Ludwigs zarten körper und er fiel als eines der ersten opfer der seuche Meisl
theatralisches quodlibet (1820) 1, 156; in die glut tropischer regionen H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 97; die ungewohnte glut der provençalischen sonne erschlaffte ihre sehnen Mommsen
röm. gesch. (1854) 2, 184. C@22)
vom glühenden feuer des weins (
vgl.glühen I A 1 c,
sp. 447): des weines glut, den vielgenusz der speisen, bequemlichkeit und schlaf und sonstge gaben Göthe I 2, 8
W.; mein wein ist ohne glut und duft, dein kusz, mein lieb, wie matt! man kriegt in dieser krämerluft sogar das dichten satt Strachwitz
ged. 171
Weinhold. C@33)
von menschlichen empfindungen und gefühlen. von körperlicher wärmeempfindung: beym ersten mahle (
des badens) wollte ich rathen, nur einmal unterzutauchen, und nie die zeit zu überschreiten, da die angenehme gluth, die man beym aussteigen (
aus dem badekarren ins wasser) empfinden musz, in schauder übergeht Lichtenberg
verm. schr. (1800) 5, 103; ich selbst fühlte die gluth auf meiner stirne maler Müller
w. (1811) 1, 33.
besonders von der fieberhitze: des rosenwassers kraft ist, in ihrer angst, den matten geistern nütze, in denen gluht und brand beihnah das garaus spielt PH. Zesen
helikon. rosentahl (1669) 122; hier liegt sie nun auf dem todbett, in der glut des hitzigen fiebers, sechs endlose wochen, ohne sich zu regen H. v. Kleist
w. 2, 187
Schmidt. seelische empfindung und körperliches wärmegefühl werden durch erröten sichtbar: deine weggewandte augen,
[] diese gluth auf deiner stirne sind treuere erzähler als deine lippen Gerstenberg
Ugolino 239
Hamel; sie (
anrede) stuzen? sie werden plözlich lauter glut? Schiller
s. schr. 5, 1, 116
G.; diese rohe anspielung auf die verfallene burg seiner ahnen jagte eine hohe glut auf die wangen des jünglings Wilhelm Hauff
w. (1890) 1, 29.
vom schamgefühl: (
Petrus) dem keine glut ins antlitz flammt, wenn man ob göttern hält gericht Herwegh
ged. eines lebendigen (1842) 121; einmal machte er sich in gesellschaft vieler menschen durch seine reden und wortsprünge so lächerlich, dasz das mädchen mit gluth und scham übergossen dasasz Stifter
s. w. (1901) 5, 1, 349;
streng bildhaft: tauirst bluckte noch en mal de helle flamm von den zorn in de höcht un versackte dunn in de düsterrode glaut von scham Fr. Reuter
stromtid 2, 202
Seelmann. ganz verinnerlicht: die stille glut seines gesichts war in das tändelnde feuer eines irrlichts, der heilige ernst in verstellte schalkheit verwandelt Novalis
schr. 4, 199
Minor. DD.
zur vollen entfaltung seines sprachlichen lebens gelangt glut
in der übertragung auf innere, geistig-seelische vorgänge. D@11)
die entwicklung zeigt verschiedene formen, die früh schon nebeneinander stehen. D@1@aa)
im mhd. macht sich die beziehung auf den menschen vorerst im ausgeführten bild oder im vergleich geltend. noch ganz sinnlich in der vorstellung: jâ macht mich zwîvel ungemuot mit sînem ungemüete, daz mich dunkt wie mir daz bluot lige an einer glüete Hartmann v. Aue
klage 1802
Bech; sit ich brinne in diner minne als in der glüete Ulrich v. Winterstetten 2, 41
Minor. der geblümte stil liebt vergleiche aus dem handwerkerleben: sins edelen herzen tür durch milte fliezens sich bewiget; sin muot gebrant ist lœtik in der triuwen gluot. vil sælde uf in riset Hermann Damen
bei v.
d. Hagen
minnesinger 3, 169. D@1@bb)
in gelösterer form ist glut
nur durch ein adjektiv näher bestimmt: heilige, jugendliche glut (
s. die belege unten sp. 490
u. 491); o was vor frohe glut erhitzet die entzündten geister S. G. Lange
freundschaftl. lieder 24
lit.-denkm.; (
das erfüllt) wahrlich mein herz mit freudiger gluth Varnhagen v. Ense
tageb. (1861) 1, 159;
häufiger noch durch ein substantiv, das dann meist im genitiv folgt: glut der liebe, freundschaft, andacht, des zornes, grimmes, schmerzes,
s. die belege unter 2;
ferner: es ist eine glut der sehnsucht in dieser elegie wie in wenigen gedichten Göthe IV 9, 296
W.; (
sie) betheuern unsrer treuen wünsche gluth I 16, 317
W.; die erlöschende glut des affekts Schiller
s. schr. 5, 1
G.; ungewöhnliche glut der phantasie mit kälte der sinne gepaart W. v. Humboldt
ges. schr. (1908) 1, 295; die alte glut der leidenschaft erwacht in ihm
jahrb. d. Grillparzergesellschaft 8, 112.
nur gelegentlich über die grenze des gefühlslebens hinausgreifend: der wille strebt stets in die wirklichkeit zu treten und von neuem mit seiner ganzen gluth zu entbrennen Schopenhauer
w. 1, 502
Grisebach. D@1@cc) glut
wird schlieszlich unmittelbar bezeichnung der seelischen erregung: liebe, begeisterung, hingabe (
s. u. 2 a
und e),
oder auch allgemein im sinne von innerem feuer, verhaltener leidenschaft, also nur den intensitätsgrad des [] gefühlslebens ausdrückend: eine heimliche glut schlich in seinen adern; bestimmte und unbestimmte gegenstände wechselten in seiner seele und erregten ein endloses verlangen Göthe I 22, 68
W.; ich bin immer nur eins, ein ununterbrochenes sehnen und fassen, eine gluth, ein strom Büchner
ges. schr. (1909) 1, 194; das sprühen der dunklen augen verrieth die gluth seines innern Moltke
ges. schr. (1892) 6, 50.
mit dem begriff der zielstrebigkeit: die glut nach edlen guten thaten Klinger
w. (1809) 4, 89; wen durchdrang nicht lebendige glut zur tugend? Schiller
s. schr. 3, 515
G. kennzeichnend für das temperament des südländers: (
er) war so hingerissen, dasz er in seiner südlichen glut aufsprang Gutzkow
ritter v. geiste (1850) 7, 45; Ornano vereinigte die äuszere ruhe und die feinheit eines Italieners mit dem ehrgeiz eines melancholischen von südlicher gluth erfüllten temperaments Ranke
s. w. 9 (1876) 232. D@22)
die einzelnen anwendungsbereiche. D@2@aa)
wie feuer
und flamme
ist glut
zum sinnbild, dann auch zur bezeichnung für die liebe selbst geworden: diu (
Isolde Weiszhand) viuwerniuwet ime den muot mit der glimmenden gluot diu ime doch naht unde tac betrochen in dem herzen lac Gottfried v. Straszburg
Tristan 19046
Ranke; und meine grabschrift soll disz seyn: die reinste glut bedecket dieser stein Ziegler
asiatische Banise (1689) 112; oder wandle mit mir, holde begleiterin, ... in die tage der ersten glut Hölty
ged. 72
Halm; aber bei mir ist ja die warme hand, das volle herz, die tiefe gluth, der pulsschlag der leidenschaft — und bei ihnen ist nicht ein funke von dem allen fürst Pückler
briefwechsel u. tagebücher (1873) 1, 320.
auch der plural ist möglich: in heimlichen gluten still sich verzehren Geibel
ges. w. (1883) 2, 28; denn hierin liegt die erfüllung aller geheimnisse der heiligen liebe. die gluten alle und alle die hingerissenheiten gehen aus in dem verlangen, alles zu verlieren Rilke
ges. w. (1927) 6, 102.
nicht inhaltlich, sondern graduell bestimmend: ich spindisirte wie ich diese neue angehende liebe in ihrer ersten glut zerstören möchte Grimmelshausen
Simplicius 2, 541
Keller; ich liebe zum beispiel (
ihn) sehr, — aber von glut und sehnsucht und dergleichen weisz ich nichts Deinhardstein
ges. dram. w. (1848) 1, 13.
in genitivischer verbindung: sein junges weib, das noch mit der ganzen glut ihrer mädchenliebe an ihm hing O. Ludwig
ges. schr. 1, 162
Schm.-St. ähnlich auch von der freundschaft: aber die glut der freundschaft ist reine erquickende menschenwärme Herder
w. 15, 312
S., s. auch Ernst Jünger
das abenteuerliche herz (1929) 20.
umschlagend in eine niedere sphäre wird glut
sinnliche leidenschaft, brunst: weh euch, wenn sie von euren thaten einst den ehrenmantel zieht, womit ihr gleiszend die wilde glut verstohlner lüste deckt Schiller
s. schr. 12, 501
G.; bin ich nicht gut, so wollt ichs auch nicht scheinen. ihr aber scheinet tauben, fromme tauben, und seids in einem nur: in ewger glut Grillparzer
s. w. 6, 187
Sauer. D@2@bb)
der religiöse geltungsbereich schlieszt sich eng an die unter a
gezeichnete verwendung an. sehr ausgebreitet im mhd.: ze gote stuont sô gar sîn muot, daz er als ein glüendiu gluot begunde in gotes minnen ie mêre und mêre brinnen Rudolf v. Ems
Barlaam 376, 4
Pfeiffer; auch späterhin wird diese linie fortgeführt: denn liebe ist stark wie der tod, und eiuer ist fest wie die helle, ir glut ist fewrig, und ein flamme des herrn (
quia fortis est ut mors dilectio, dura sicut infernus aemulatio: lampades eius lampades ignis atque flammarum)
hohes lied 8, 6; wo eine
[] solche glud, ein solcher brünstiger glaube ist, da wird das gebet recht angezündet Joh. Pomarius
grosze postille (1590) 1, 505
a; lasz diese lieb als eine glut in uns entzünden hertz und muth Paul Gerhardt
bei Fischer-Tümpel 3, 396.
als inbrunst: der hohen andacht gluth ergieszt sich schon in jubelliedern Schubart
s. ged. (1825) 2, 50.
in der häufig bezeugten verbindung heilige glut: ich lebe die tage voll glauben und mut und sterbe die nächte in heiliger glut Novalis
schr. 1, 27
Minor; halb Charis steht sie da und halb Mänade, entflammt von ihres gottes heilger glut Grillparzer
s. w. 5, 20
Sauer; die verbindung beschränkt sich nicht auf das religiöse: wer denkt noch je ernsthaft an einen krieg, der vor dreiszig jahren mit heiliger glut begonnen ward Bauernfeld
ges. schr. (1871) 5, 144. D@2@cc)
in verbindung mit affekten wie zorn, hasz, rache
u. ä. charakterisiert glut
den höchsten grad der leidenschaftlichen gemütsbewegung. noch ganz bildhaft: dâ von sîn herz in valsche erbran unde in hazze sam ein gluot Konrad v. Würzburg
Partonopier 18135.
inhaltlich näher bestimmt durch den genetiv: leidic in zornis gluete samenten sie sich drate
Daniel 8058
Hübner; die glut der rache kann alles wieder gerade machen Ziegler
die asiatische Banise (1689) 278;
vgl. ebda 12; aber eine wahre glut des grimmes athmet aus dem aufrufe Dahlmann
gesch. v. Dännemark (1840) 2, 248;
vgl. dazu: wenn deiner feinde grimm und gluth mir wil ein grab bereiten, denn lasz als einen held mich ziehen frisch ins feld Rist
geistl. poet. schr. (1657) 2, 212.
in lockerer verbindung ergibt jeweils erst der zusammenhang die bedeutung: daz ist, da Job wart geletzet und von gewalt insetzet, daz er nichit wandelte den mut. sunder er bleib noch in der glut und gewislich in dem willen daz er scheren unde villen diz volk wolde, wer er by macht
Hiob 6414
Karsten; gleicher weyse, die zornige wort oder hOenrede meines feindes, durch welche er mein bluot antzuondt unnd bewegt, weder ich selber noch mein bluot noch die hitzige bruonst oder glude meynes hertzen seind Karlstadt,
s. Luther
w. 18, 138
anm. W.; die du mit ewger gluth mich tag und nacht begleitest, mir die gedanken füllst, und meine schritte leitest, o rache, wende nicht im letzten augenblick die hand von deinem knecht Göthe I 16, 20
W.; es brennt in ihm, scham, reue, zorn, verachtung, eine dumpf fressende glut Ernst Wiechert
die kleine passion (1929) 95. D@2@dd)
von der glut des leidens und des schmerzes: da straffe ich zum ersten meyn aller liebsten kinder, die an mich glewben, die müssen von ersten herhalten und sich lassen in die glut (
des leidens) füren Luther
w. 12, 385
W.; und was er erlebt hatte, das färbte sich neu und ward durchglüht von der glut dieses schmerzes und verlustes Emil Strausz
freund Hein (1921) 327. durch die glut gehen
als läuterung: der gerecht ist, der da glewbt, noch hatt es mühe und erbeyt ym glawben, das er hin durch kome und selig werde, denn er musz durch die glut hindurch gehen Luther
w. 12, 385
W. D@2@ee)
in der bedeutung '
begeisterung, idealismus, hingabe, wärme'
; als wesenszug eines charakters oder einer handlung: welche glut wars, die ihn (
Peter den Groszen) zum fremdling, zum schüler machte Herder
s. w. 1, 25
S.; [] mir ist, als wenn sie keins ihrer früheren werke mit der glut und innigkeit geschrieben hätten Voss
an Göthe im Göthejahrb. 5, 77; getrost, das leben schreitet zum ewgen leben hin, von innrer glut geweitet verklärt sich unser sinn Novalis
schr. 1, 51
Minor; sie tanzt ohne glut, ohne letzte hingabe, nicht schlecht, aber auch nicht schön Otto Gmelin
sommer mit Cordelia (1933) 96.
durch genetiv oder sinngemäsze verbindungen charakterisiert: da sprach er viel mit der begeistrung glut von gottes grösze Schubart
s. ged. (1825) 1, 2; wie du entlehntes gut mit der glut deiner edlen empfindung umschlossen und an andere weitergegeben hast Martin Kähler
der lebendige gott (1894) 21.
häufig von jugendlicher begeisterung und schwungkraft: furcht, gesellschaft, übereilung und des grünen alters glut machen, dasz man unterweilen wider besser wissen thut Joh. Chr. Günther
s. w. 1, 206
lit. ver.; hier möchte uns die jugendliche gluth ermangeln Göthe I 24, 325
W. mit mehr bildhafter prägung: ich weisz noch wohl die liebe zeit, in der ich mich genug erfreut: was waren das vor süsze tage? die schläfe trugen blum und glut und kannten weder wunsch noch plage, noch was den greissen bange thut Joh. Chr. Günther
ged. (1735) 195.
ähnlich vom dichterischen feuer: wer mir jetzt unendlich willkommen wäre, das wär ein neuer dichter voll glut und selbständigkeit Hebbel
br. 1, 158
Werner; nicht glut und sittliche tiefe allein bilden den künstler Stifter
br. 2, 193; der lehrer war über die glut der darstellung in erstaunen gesetzt H. Steffens
was ich erlebte (1840) 1, 269. D@2@ff)
endlich vom leben selbst, seiner pulsierenden kraft und inbrunst: und so erwuchs ich still am stillen orte, in lebens glut den schatten beigesellt Schiller
s. schr. 14, 53
G.; mein frevel war, dasz ich den vollen schatz von lieb und eifer, meines lebens glut, auf eine einzge seele hab gesetzt G. Freytag
ges. w. (1886) 2, 130; mut zur wahrheit sei das höchste auf erden. alles andere — gelübde und reue — verschütte nur die glut des lebens, die heilig sei, wie sie auch brenne H. E. Busse
Tulipan (1927) 19; wir (
bauern) geben euch das blut, den wein, und unsre söhne obendrein und unsrer töchter liebeskraft, dasz nimmer das geschlecht erschlafft, dasz sich sein kern, sein glück und glut erweise in gesundem blut J. Weinheber
o mensch gib acht (1937) 33. EE. glut
als glanz, schimmer. im gegensatz zu glühen B,
dessen bedeutung '
glänzen'
ursprünglich und altbezeugt ist, scheint glut
im altgerman. auf die bedeutung '
hitze, flamme, glühende kohle'
beschränkt. die übertragung des substantivs auf das rein visuelle gebiet erscheint spät und selten; sie ist daher wohl nicht eigenständig, sondern von dem gebrauch des verbs maszgeblich beeinfluszt worden. bei der übertragung auf das leuchten und funkeln der augen schwingt auch eine beziehung auf die gesteigerte innere wärme oder den seelischen erregungszustand mit. im mhd. wie stets als bild: ir augen prunnen als ain glüt di man ausz dem ofen düt Heinrich v. Neustadt
Apollonius 10772
Singer. aus neuerer zeit: jener kranz, Pandorens locken eingedrückt von götterhänden, wie er ihre stirn umschattet, ihrer augen gluth gedämpfet, schwebt mir noch vor seel und sinnen Göthe I 50, 304
W.; [] sie ist schön und ihre augen haben eine verzehrende glut. ihr haar duftet verführerisch Rich. Beitl
Angelika (1939) 187.
besonders in poetischer sprache vom lichtschimmer der gestirne, dem widerschein des leuchtens, vom morgen- und abendrot: der schöne nachtstern kömmt, die angelegte glut der blancken sterne glimmt Paul Fleming
dtsche ged. 1, 66
lit. ver.; da geht sie (
die sonne) hervor an einem himmelsende hinüber zum anderen himmelsende, und alles ist voller glanz und glut Herder
s. w. 6, 20
S.; wie traurig steigt die unvollkommne scheibe des rothen monds mit später gluth heran Göthe I 14, 193
W.; wie die säule des lichts auf des baches welle sich spiegelt, hell wie von eigener glut flammt der vergoldete saum Schiller
s. schr. 11, 43
G.; ich möchte hingehn wie das abendrot und wie der tag mit seinen letzten gluten Herwegh
ged. eines lebendigen (1842) 102; fiel ein strahl der untergehenden sonne auf ihre hohe, schlanke gestalt und liesz ihr helles gesicht in rosiger glut leuchten J. Mosen
s. w. (1863) 8, 218; als die sonne untergegangen war, und die sanfte glut von den gipfeln der hochgebirge sich verlor, gingen wir zurück Stifter
s. w. (1901) 6, 336; sie blickte dem vogel nach, bis er in der dunklen glut des morgens verschwunden war Binding
Angelucia (1937) 65.
von goldenen und roten farbtönen in der natur: da wanken glöckchen so weisz wie schnee; safran entfaltet gewaltge gluth Göthe I 3, 38
W.; die bäume standen in ihrem glänzenden nadelgrün oder in der stillen gluth ihres rothen und gelben laubes da Stifter
s. w. (1901) 4, 1, 288; sie (
die ebene) gebiert. sie leuchtet. grüne flammen, die ihr aufrecht an den furchen steigt, schlieszt zu goldenen gluten euch zusammen, wenn ihr euch der erde wieder neigt Binding
ges. w. (1937) 2, 181.
eigenartig: hell in bläulicher glut flammte des erlenstrauchs zartgekräuseltes laub J. H. Voss
s. ged. (1802) 3, 46.
in steigerndem sinn von der intensität der farben: der kelch war schön gewunden, er bog sich oben zurück, den lippen entgegen, und inwendig funkelte das gold mit rother gluth Tieck
schr. (1828) 4, 398; aus Tizians herrlichem bilde 'das bacchanal' weht eine wunderbare frische und holde lebensfülle; das kolorit ist wahre zauberei, eine kunst, ein glanz und eine glut in den farben, die einen wunderbaren reiz wirken L. Richter
lebenserinnerungen (1909) 522.