[]feuer,
n. ignis. ahd. fiur,
alts. fiur,
fries. fiur, fior,
ags. fŷr,
mhd. viur, viwer,
im mittleren Deutschland und mnd. vûr,
nhd. fewr, feur, feuer,
wetterauisch fauer (
wie auer
für uhr
und allgemein mauer
für mûr)
z. b. in dem ortsnamen Fauerbach,
mnl. vier,
nnl. vuur,
engl. fire.
weder goth. noch nord., denn schw. dän. fyr
sind erst spät, für gewisse bedeutungen, von uns entnommen. bedeutsam stimmt das umbr. pir
aus pur,
gr. πῦρ,
wobei man nicht übersehe, dasz Plato im
Cratylus 410
sowol πῦρ als ὕδωρ für ungriechisch und aus Phrygien eingeführt erklärt. Phrygen (
ἀμφότεροι)
und Thraker hängen an mehr als éinem faden zusammen und die vorfahren der Germanen mögen in ihren noch asiatischen sitzen sich mit ihnen berührt haben; wer weisz von welchen völkern allen die Hellenen (
οἱ ὑπὸ τοῖς βαρβάροις οἰκοῦντες)
wörter entlehnten. es fällt auf, dasz auch die neugr. sprache (
also die südliche der inseln)
kein πῦρ,
sondern statt dessen φῶτι n. oder φωτιά f. =
φῶς gebraucht, an πῦρ mahnen könnte das alban. ζιαρρι.
in den urverwandten sprachen waltet skr. agnis,
lat. ignis,
lit. ugnis,
sl. ogn',
goth. auhns
focus, furnus, fornax, schw. ugn,
ahd. ofan,
gr. ἰπνός,
fast eben wie dem namen des andern elements ὕδωρ ahd. waʒar,
alts. watar,
ags. väter,
engl. nl. water
zur seite und lat. aqua,
goth. ahva,
ahd. aha
und affa,
lit. uppe,
skr. ap
gegenüber stehn. agnis
scheint herleitbar aus der wurzel aǵ,
agere, πῦρ aus pû
lustrare, wozu auch purus
fällt und das r
in πῦρ, fiur
wie in ὕδωρ, waʒar
ergibt sich als zugetretne ableitung. dieses r
mangelt wiederum dem goth. fôn
gen. funins, vatô
gen. vatins,
gleich dem altn. funi
und vatn.
die anomalie fôn funins
setzt aber, nach GDS. 845, funan fan fônum
voraus und ein finkan fank funkun
entfaltete sich auszerdem (
sp. 1318),
sein auslautendes, durch vorangehende nasalis gestärktes k
wird sich sogleich aus skr. und lat. formen verständigen. denn im skr. erwuchsen aus pû
einmal pavana
oder pâvana
purificatio, thus, ventus, dann pâvaka
ignis; jenes kommt mit goth. fôn
oder funa,
umbr. poni, puni
thus, aber pâvaka
mit lat. focus (fovicus)
für pocus
und mit unserm funke
überein. im roman. it. fuoco,
sp. fuego,
fr. feu
kehrt die vorstellung feuerstätte, herd in die einfache des feuers zurück, wie umgedreht aus agnis, ignis
ein goth. auhns
ahd. ofan
auf den herd beschränkt blieb. höchst natürlich erscheinen musz die nahe berührung des feuers
und windes,
die beide reinigende elemente sind und wie pâvaka
und pavana
sehen wir finn. tuli
ignis und tuuli
ventus einander nah gesellt. nach der edda ist feuer des windes bruder. ich verbinde auch lat. favonius (
schweiz. föhn, fön)
und favilla
mit favere, fovere,
wie mit pavana
und goth. fô
n. es gibt noch viele andere benennungen, die hier angeregten, lange nicht erschöpften reihen lassen aber tiefe blicke werfen in die urgemeinschaft und abweichung der uns zunächst berührenden sprachen. das fr. feu
hat fast den klang und die buchstaben von feuer
und ist doch anders, aus focus,
wie lieu
aus locus
entstanden. der wurzel fû
oder pû
für feuer
dürfen auch fauchen, feucht, faul
nicht allzu weit abliegen. goth. auhjôn
lärmen gemahnt ans prasselnde feuer.
das latein behielt in purus
und putidus
anlautende tenuis, schob sie aber fort in focus
und foetidus,
wahrscheinlich auch in fervidus
und febris
für ferbris, fervebris,
wie πυρετός und goth. brinnô
zeigt. februare
ist purgare, lustrare u. s. w. 11)
das feuer,
unter allen elementen das lebendigste, wurde als ein thier gedacht das gebunden liegt, gleichsam schläft, aber entbunden und geweckt werden kann und dann ausgeht, schreitet, springt, greift und raubt, um seinen unersättlichen hunger zu stillen: es leckt, spielt mit der zunge, weidet, friszt, schlingt, schwelgt,
vorat, serpit, lambit, haurit; vorax ignis, grâdug logna; das fewr spricht nicht 'es ist gnug'.
spr. Sal. 30, 16 (
vulg. ignis nunquam dicit 'sufficit'); fiur ist ein ding das niemer sprichet 'gnuog'. Haupt 8, 225,
bei Ulfilas
würde stehen 'ganah'.
weil es leckt, so küst und lacht es: wies fewr das stroh küst und anlacht, bisz dasz es alls zu aschen macht.
froschm. H 7
a; wie das fheür blosz daran lälchet,
allambentibus flammis. Maaler 260
c,
bei Stalder 2, 153 das feuer lället
flammt, der läll,
hochauffahrende lohe; die flamme züngelt;
ags. nu sceal glêd fretan.
Beov. 6223;
altn. leztu eld eta iöfra bygdir.
Sœm. 143
a; eldrinn lêk um þâ,
flamma illos hausit. es heiszt: das feuer bricht los, wird los, geht an, geht auf, steigt auf, verzehrt was es erreichen kann, sucht den nagel in der wand;
findet es nichts mehr, so erstirbt es, ist es wieder todt und verschwindet, fr. s'en va,
exstinguitur. in den steinen und kieseln schläft es und kann daraus gelockt, gestrichen, geweckt werden. [] 22)
die altn. sprache und dichtkunst stellt das feuer
dar als einen wolf oder waldhund, der sich heulend den häusern der menschen naht, aus den häusern schnaubt, und sie mit heiszem munde verschlingt: hallar gandr gekk hûsum hærri; viðar hundr svalg heitum munni hvert hûs; selju rakki fôr grenjandi um garðs hlið; hâr logi gaus or hûsum;
das gewinnt an bedeutsamkeit, wenn man erwägt, dasz auch Loki, der unheilvolle gott, dessen name schon lohe ausdrückt, der selbst ein wolf den ungeheuren wolf Fenrir gezeugt hat, am ende der welt seiner fessel ledig werden soll. dann erfolgt mutspilli, die holzverzehrung, und alles geht in flammen auf. der bei feuersbrünsten erschallende ruf 'feuer ist los'
gleicht also dem erschrecklichen 'der wolf ist los'.
den altfr. dichtern heiszt das feuer
ein böses in den häufigen verwünschungen: que maus feus le puist devourer! que male flambe les arde!
gerade wie ags. lâða lîg,
das leide feuer (
Beov. 165)
gesagt wird. 33)
gangbarer unter uns geblieben ist die gleich lebhafte vorstellung eines hahns, der auf die dächer fliegt und über die häuser läuft. mordbrenner und feueranleger drohen: 'ich will dir einen rothen hahn aufs stadel setzen, stecken, aufs dach fliegen lassen, der rothe hahn soll euch über die häuser laufen, ich will einen rothen hahn oder sieben machen',
d. i. sieben häuser anzünden! 'der rothe hahn kräht aus dem dach!'
es brennt, die flamme prasselt, dän. den röde hane galer over taget!
wie das feuer
überhaupt flackert, flattert
und fliegt,
denn aus dem brand fliegen funken und es heiszt, einen ins gesicht schlagen, dasz das feuer (
aus den augen) fliegt; auf die steine hauen
oder treten, dasz die funken stieben; dô stoup ûʒ dëm hëlme, sam von brenden grôʒ, die viwerrôte vanken.
Nib. 185, 3; dat vûr van den helmen spranc, dat man da van inzunde ein lieht bî der stunde.
Crane 3389;
altfr. le feu i boute, la flambe en fet voler. Auberi 107,
stöszt das feuer an, läszt die flamme daraus fliegen. 44)
nach jenem skr. pâvaka
und pavana,
jenem finn. tuli
und tuuli,
ist schon in den worten zusammenhang zwischen feuer
und wind
begründet, mit der flamme
erzeugt sich auch luft
und wind; si sluogen durch die schilde, daʒ ëʒ lougen began von viwerrôten winden.
Nib. 1999, 2; von ir zweier swërten gie dër fiurrôte wint. 2212, 4.
πυρὸς ἀυτμή ist bei Homer das wehen, der dampf des feuers, πνοιὴ Ἡφαίστοιο,
des Hephästos anhauch. die flamme weht, haucht, bläst, pfeift, knistert, prasselt, tobt
und wütet
gleich dem winde. gottes feuer,
der blitz, fährt aus den wolken. 55)
noch einige andere ausdrücke seien angemerkt: in dës fiures schricke dër engel von himele sleif.
Servat. 398, schrick
ist sprung, was sich vom springen des wolfs oder des vogels erklären läszt. dâr wart genendenclîchen dat vûr ind der scherde (: swerde).
Crane 3036; man sach dâr springen ûf den sant dat vûr van scherde van des borggrâven swerde. 4374.
in Holles
mundart musz scherd
oder scherde
soviel als schrit,
gressus bedeuten, wie mnl. terden
für treden, treten
steht, oder man dürfte es mit schræjen, schrâte
zusammenhalten, das wehen, sprühen bedeutet, so dasz scherd
einem mhd. schrât
oder sprât
entspräche. schön bei Bettina 1, 39: es brannte wie ein blumenstrausz aus dem gauploch;
denn bei illuminationen bilden die flammen in den fenstern gleichsam kränze und blumengewinde. flamme ist des feuers blume, blüte, daher feuer und flamme,
ignis flammaque überall verbunden werden. 66)
in den ags. gesetzen steht: fŷr bîð þeof,
das feuer ist ein dieb, wenn es bäume des waldes still verbrennt, hingegen seo eax bîð melda,
die laut erschallende axt ist ein melder, kein dieb. für die abgebrannten bäume musz volle busze, für die gehaunen drei ersten nur geringe, für alle weiter gefällten braucht gar keine busze entrichtet zu werden. auch in unsern weisthümern ruft
die holzfällende axt (
RA. 47. 514). 77)
den schädlichen wirkungen des feuers
stellen sich seine heilsamen und wolthätigen überwiegend entgegen:
[] wolthätig ist des feuers macht, wenn sie der mensch bezähmt, bewacht. Schiller 78
b;
es leuchtet, erwärmt, reinigt,
und hat von der wurzel pû
seinen namen empfangen. die hauptwörter des brennens, zündens
und löschens
verlangen hier einen überblick. 7@aa)
intr. ardere, candere. goth. brinnan,
ahd. prinnan,
ags. birnan,
analog dem rinnan,
ags. irnan
currere und die innere beweglichkeit des elements, wie sie aus der skr. wurzel aǵ
für agni
hervorgieng, bestätigend. ein andres verbum musz tindan
gelautet haben, ahd. zintan,
das aber nur in den ableitungen des tr. tandjan,
ahd. zuntan,
sowie im goth. tundi (aihvatundi,
dornstrauch d. i. pferdeopfer)
und tundnan
incendi erscheint. man darf auch heitan,
calere zu haits
calidus vermuten. diese drei gehen auf das wärmende, glühende, viel mehrere auf das leuchtende, scheinende feuer: bleikan, blaik; liuhan, lauh
u. s. w. 7@bb)
tr. goth. inbranjan = inbrannjan
incendere, nhd. entbrennen (
sp. 504);
goth. intandjan
incendere, ἅπτειν,
ags. ontendan,
schw. tända,
dän. tände,
ahd. aber inzuntan = intzuntan,
mhd. enzünden,
nhd. entzünden (
sp. 670),
vgl.anzünden
accendere. unsrer mundart gemäsz ist zünden
statt zenden,
das die goth. analogie fordert. auffallend aber ist das der bairischöstreichischtirolischen mundart eigene (
doch nirgends bei den älteren dichtern und schriftstellern z. b. Neidhart, Helbling, Lichtenstein, Wolkenstein, Ottocar, Megenberg
erscheinende) kenten,
incendere. Schmeller 2, 308. Höfer 2, 126. Frommann 3, 105. 458. 6, 294,
entsprechend dem altn. kinda,
engl. kindle
ignem alere, ja dem lat. cendere,
von candere,
in accendere, incendere,
und candela,
ags. candel, candelstäf
candelabrum, ahd. kentilastap.
dem engl. kindle
gleicht nun keine ags. form, wol aber, da es auch parere, junge werfen von kaninchen ausdrückt, das ags. cennan,
parere, gignere (
sp. 866)
und hier schlägt unmittelbar eine andere wortreihe ein. aljan,
nutrire, alere ist im altn. ala
wiederum parere, gignere, das feuer zünden heiszt es nähren, und wir gelangen auf den alle nord. sprachen durchdringenden namen des feuers altn. eldr,
schw. eld,
dän. ild,
der auch im ags. äled
vorbricht und nichts anders bedeuten kann, als was das goth. part. aliþs
aussagt, der genährte. kind
aber ist das gezeugte, geborne wesen, gleichsam der ins leben erweckte funke. synonym dem feuer anbrennen, anzünden
sind die heute üblichen anlegen (1, 397), machen (faire du feu), anmachen (1, 397), anstecken (1, 479);
in der alten sprache musz aber auch quicken,
goth. qiujan,
ahd. quicchan, chicchan,
ags. cviccan, cucian,
altn. qveikja
hierher genommen werden, weil das zünden
ein beleben und erwecken des funkens, ein focillare, vivificare
und das feuer
das queckfeuer,
das lebendige heiszt. damit steht gleich ags. äled veccan,
jenes aljan,
alere und gignere. im gegensatz ist löschen
ein tödten der flamme und des lichts. 7@cc)
intr. exstingui, suffocari, goth. hvapnan,
altn. kafna,
verwandt mit gr. καπνός,
weil das ausgehende feuer verdampft, verraucht, dampf und rauch zurück läszt: das feuer ist verraucht. Lessing 1, 291.
altn. slokna,
schw. slockna.
ahd. lëscan, lasc,
nhd. löschen, losch.
nhd. das feuer verschwand,
absorptus est ignis. 4 Mos. 11, 2. 7@dd)
tr. exstinguere, goth. hvapjan,
πνίγειν,
altn. kefja,
schw. qväfva.
ags. cvencan,
engl. quench.
ags. dväscan,
ahd. duespan,
bei O. thuesban,
hess. dispen.
ahd. lescan, lascta,
mhd. leschen, laschte,
nhd. löschen, löschte,
nnl. lesschen, leschte.
altn. slöckva,
schw. släcka,
dän. slukke.
nnl. blusschen.
nhd. ersticken,
auszerdem noch andere, namentlich gehört dämpfen
dahin, das sich auf dampf,
wie dampf
auf die uralte wurzel tap
brennen zurück leitet. die ausdrücke sind hier nur angerührt, gewöhnlich noch mit partikeln versetzt, und in den einzelnen fällen näher zu erläutern. 88)
dies alles vorausgeschickt, folgen nunmehr redensarten der heutigen sprache, erst intransitive, dann transitive: das feuer geht an, ist angangen.
5 Mos. 32, 22; will nicht angehen; das feuer glimmt, knistert, prasselt, funkt, sprüht; fängt mit funken an; ein feuer geht auf, steigt auf, fährt empor. es ist feuer im dach, im dorf,
es brennt; alles steht in feuer. das feuer kommt aus, ist in einer scheune ausgekommen, es bricht aus, fährt aus,
gleichsam das losgelassene thier, man kann aber auch deuten kommt, bricht, fährt aus den balken, wänden, dächern der häuser oder noch anders: das fewr kam aus von dem herrn.
3 Mos. 9, 24; da fuhr ein fewr aus von dem herrn. 10, 2; dazu fuhr das fewr aus von dem herrn. 4
Mos. 16, 35; und das fewr fur aus dem fels.
richt. 6, 21; so gehe fewr aus dem dornbusch und verzere die cedern. 9, 15. ein feuer schlug auf in die höhe, schlägt empor, lodert auf.
[] fährt, fällt nieder, regnet; schlägt hinter einem her,
als ob es ihn verfolge: lief nach der stadt zu, als ob das angezündete feuer hinter mir drein schlüge.
Felsenb. 2, 472; eilet als ob er feuwer aufm rücken hett. Kirchhof
wendunm. 200
b; feuer und flamme schlagen aus giebel und dach, laufen, springen über die dächer. das feuer fliegt,
die funken stieben weit; in der dunstluft unten versengt dir fliegendes feuer den bart. dann schnupperst du. Voss 2, 250. das feuer hat schon drei häuser gefaszt, greift die balken an, greift auf allen seiten um sich, quillt aus allen löchern, klettert an den wänden hinauf. es friszt und verzehrt, was es von holz findet und ist nach speise hungrig: das fewr zwei hundert und funfzig menner frasz.
4 Mos. 26, 10; das volk ist wie speise des fewrs, keiner schonet des andern.
Es. 9, 19. das feuer sinkt in sich zusammen, erlischt, geht aus, verglimmt. 99) feuer aus hölzern reiben (notfeuer,
mythol. 570), feuer schürfen, aus steinen schlagen, aus dem kiesel locken, mit dem zündholz streichen: er schlug feuer, seine pfeife zu zünden. Schiller 709
b;
mhd. het ër ein viwer geslagen (ûf geslagen).
Amis 1064;
nhd. dort klang die laut und hier ein degen, das pflaster schrie erbärmiglich, weil man auf den und jenen wegen das feuer aus den kieseln strich. Günther 162. das feuer anblasen, aufblasen, anlegen, anmachen: das feuer musz angemachet sein von dem holze, welches kreuzdorn heiszt.
zauberformel, thüring. zeitschr. 1, 189. kreuzdorn
ist rhamnus catharticus (
der reinigende),
bald weiszdorn, bald schwarzdorn, man vgl. die goth. aihvatundi. feuer ohne rauch machen,
oft in den weisthümern, sonst aber lautet der spruch: wer das feuer will haben musz den rauch leiden. das feuer nähren, speisen, füttern, unterhalten, schüren, pflegen, stärken.
Simpl. K. 553
steht 'dem feuer' pflegen,
wie man sagt einem warten,
der gen. eines pflegen
ist davon verschieden. stärke das feuer auf drei stunden,
d. h. gib ihm so viel nahrung, dasz es drei stunden brenne. thür. zeitschr. a. a. o. reiser, holz zum feuer tragen,
ein scheit zum brand tragen. feuer anzünden
oder das holz anzünden, entzünden, in feuer setzen. das feuer bedecken, zudecken, mit asche betrechen, ersticken, ausgehen lassen, ausmachen, löschen, tilgen. das feuer kann besprochen, zum stehen gebracht, umritten werden: gewafnet in die flamme reiten, auf sie hauen, getragne kleider darauf werfen,
strangulatus ignis. feuer werfen, speien, regnen,
in der alten sprache mit feuer werfen, speien, regnen; feuer sprühen, schnauben, spratzen. H. Sachs I, 204
c. 1010)
die brennbaren stoffe fangen feuer (
sp. 1312): der linke flügel des hauses fieng zuerst feuer; kann auch jemand ein fewr im bosen behalten, das seine kleider nicht brennen?
spr. Sal. 6, 27; die wälder fangen feur. Gryphius 1, 701; der bettelmann gieng nah an die kohlen, seine lumpen fiengen feuer;
altn. þâ var eldrinn svâ kominn, at feldrinn brann af Grimni.
Sœm. 40; die frau streifte an der lampe vorbei und ihr kleid fieng feuer;
mhd. ein slange im buosen, ein fiur in lieber wæte.
MS. 2, 97
a. das haus ist vom feuer ergriffen,
in brand gerathen; der thurm ist vom blitz entzündet,
ἡμμένος (
von απτειν), geht auf in feuer. feuer bei stroh brennt lichterloh; kommt feuer und stroh zusammen, so gibt es gerne flammen; feuer und stroh ist keins des andern froh; sie sucht nichts, als eine tendelei mit Solander zu haben, zu scherzen, die hände zu paren, in den arm zu nehmen, zu kussen. alleine das heiszt 'feuer in die scheune machen' und dies kunststücke haben sich die zigeuner vorbehalten, dasz sie auf ein bund stroh feuer legen und dasselbe nicht verbrennen.
pol. stockf. 107. 1111) im feuer stehn, ins feuer gehn, durch das feuer wandeln, zwischen zwein feuern sitzen, zwischen zwei feuer setzen,
altn. setja î milli elda tveggja; ins feuer fallen, stürzen; ins feuer stoszen, werfen; die hand ins feuer stecken,
für die wahrheit einer sache: da wollte meine hand wol vor ins feuer stecken. Ch. El. von Orl. 239; ins feuer greifen; die kastanien
[] aus dem feuer holen; für einen durchs feuer laufen, durch ein fheür laufen umb ein mund voll brot. Maaler 135
c. ins feuer, zum feuer verurtheilen: als ein pöse man in das feüer geurteilt werden. Steinhöwel
dec. 549, 24 (esser come malioso condennato al fuoco). ich wolt mich vor ein wenig regen und brant in éiner nacht an dreien orten und hab gleichwol nit gern gebrennt, aber es geschah darum, das ich dacht, der amtman solt uber das feuer rucken. G. von Berl.
lebensb. 170; noch zittert ihr der schreck durch jede nerve, noch mahlet feuer ihre phantasie zu allem was sie mahlt. Lessing 2, 194; er winkte meinem engel, dasz er sichtbar auf seinem weiszen fittiche mich durch das feuer trüge. 2, 199. 1212)
über den feuerruf s. akad. monatsber. 1850
s. 111
und hernach feurio. schrîen fiwer fiwer!
Meraner stadtr. bei Haupt 6, 424; das man für schruge.
weisth. 1, 213; schreien auf auf auf, es print. 3, 6; ke tuti cridan fogo fogo! Biondelli
poesie lomb. p. 155;
altfr. haro le feu! Méon 4, 439;
armor. tan ru war! (
roth feuer oben), barzas breiz 1, 223; ann tan! 1, 318;
arab. nar nar! (
feuer feuer)
; türkisch janghin war! (
feuersbrunst ist); de kersen nam se in de hand und lêp dar se de schûne vand, se stak de kersen in dat dak, se leip weder in un sprak: 'tô jodute, hûde und jummer mêr!'
GA. 2, 329; wasser her io, wasser her!
ring 43
a, 32; flammen in der brust empfinden und dabei nicht feuer schrein, heiszt die ruthen gröszer binden und sein eigner henker sein. Günther 253; feuer! feuer! — wer hat feuer geschrieen? Göthe 14, 293. 296; verwahrt (bewahrt) das feuer und das licht! Gellert 1, 147. 1313) feuer und flamme
des herdes: mit feur und flam in der mark sitzen.
weisth. 2, 174; feuer und flamme halten. 2, 211; dem missethäter feuer und flamme löschen,
aqua et igni interdicere; beim feuer sitzen,
igni assidere. den gast einladen hiesz vor alters zu seinem feuer laden,
bei Sidonius Apollin.
ep. 2, 2 ad focum invitare;
mhd. swër wërdekeit wil minnen, dër lat dise Aventiure in sînem hûs ze fiure.
Wh. 5, 4; seite si mich zeinem mâle hein zuo ir gedanken fiure.
MS. 1, 89
a. im dorfe sind sechzig feuer,
d. i. feuerstellen, herdstätten, wohnungen. auf dem herd,
in der küche wird das feuer unterhalten. im feuer, auf dem herd haben
heiszt sieden und braten; ir solts nicht roh essen, noch mit wasser gesotten, sondern am fewr gebraten.
2 Mos. 12, 9; auf dem herde brennen drei feuer; sie hatte nur éinen topf im feuer; sëhse biren hiet si in dëm fiure. Neidhart
Ben. 389,
wo Haupt 47, 23 briet si in dëm viuwer. 1414) feuer der gewehre
und geschütze,
seit erfindung des pulvers: feuer geben,
displodere, das gewehr lösen, losschieszen, nnl. vuur geven,
schw. gifva fyr,
dän. give fyr (
niemals gifva eld, give ild).
noch nicht bei Dasypodius, Frisius, Maaler, Henisch,
doch schon am schlusz des 16
jh. bräuchlich, zur zeit des 30
jähr. kriegs allgemein verbreitet. in Grobs
lobspruch von 1602 gab nit gschwind fewr. Haupt 3, 254; sie (
die geschütze) alle zugleich fewer gebend. Kirchhof
mil. disc. 170; fort! fort! gebet feuer wo jemand kommet. Gryphius 1, 817
und auf den blitz des himmels angewandt: ist Catharina tod und chach ist noch bei leben! und wil der himmel nicht gewafnet mit der glut von schwefelhellem licht feuer nach dem kopfe geben? 1, 174.
später sehr häufig: auch die in der stadt stark fewr heraus gaben. Chemnitz I, 202
a; fewr auf sie gegeben und fünf lieutenants und fendrichs geschossen. IV. 4, 34; gebt feur!
kriegsmanual, Schafhausen 1664
s. 18. 19; sagte auch jedem, wer feuer geben und welcher seinen schusz im rohr zum vorrath behalten solte.
Simpl. K. 411; feuer auf feuer unter sie gaben.
westf. Robinson 53; 'sie drohten feuer zu geben'. 'meine pistole war nicht geladen'. Schiller 712
a.
it. dar fuoco, far fuoco,
sp. dar fuego, hazer fuego,
fr. donner, faire feu,
aber auch blosz donner.
serb. vatru (
nicht ognja) dati: jivu vatru dao (
gab lebendiges feuer). Vuk 3, 448, 118.
engl. nur mit dem verbum fire (
feuern).
man sagt: kühn ins feuer gehn, tapfer im feuer stehn, er ist noch nicht im feuer gewesen, ein wolgerichtetes
[] feuer unterhalten; das feuer der infanterie war nicht wirksam; das feuer der kanonen schwieg endlich; führt mich ins feuer frisch hinein! Schiller 322
a.
vgl.kartätschenfeuer, pelotonfeuer, rottenfeuer. 1515) feuer der schmiede und anderer handwerker: unter die schmiede gehörten alle die im feuer arbeiteten. v. Stetten
Augsb. 7. künstliche feuer,
s.freudenfeuer, lustfeuer, feuerwerk, feuerkugel; steigende feuer (
raketen). H. Sachs I, 204
c. feuer der bergleute und minierer: das grubenlicht heiszt feuer; wo die genge vest und knaurig sein, das kein stahl darauf haften wil, musz man setzen und feuer fürs ort machen. Mathesius 59
b; feuer setzen,
um festes gestein mürbe zu machen; was in des dammes tiefer grube die hand mit feuers hülfe baut. Schiller 77
b. 1616) feuer,
krankheiten bezeichnend, wie fieber,
goth. brinnô,
gr. πυρετός. das kalte feuer,
der kalte brand: mein liebes weib einen harten fall gethan, also dasz sie über ein knie eine grosze schramme gefallen, dasz auch das kalte feuer bald zugeschlagen, über welches sie grosze schmerzen erlitten. Schweinichen 2, 296. das heilige feuer,
erysipelas: wie die trewen erzte thun, wenn das heilige fewr in die bein komen ist. Luther 8, 101
a; da will man nun auf allen seiten das heilige feuer mit ziegenmilch löschen. Ettners
unw. doct. 771,
vgl.rothlauf
und Antoniusfeuer 1, 501. das laufende feuer,
ignis volaticus, nesselsucht, febris urticata. med. maulaffe 827.
vade et occide 23. das wilde feuer,
vitiligo, lepra alba, auch der blitz, das wild fewer auch einhin trang. H. Sachs s I, 45
b;
aber auch die bräune bei den schweinen, und sonst das nothfeuer. diese geschichte lief um sich, wie das wilde feuer. Bodes
Tr. Sh. 1, 50. hellisch feuer,
magensiechthum. Schm. 1, 553. 1717) feuer,
angewandt auf leuchtende, glänzende augen oder blicke, auf erröthende wangen: er ward lauter feuer im gesicht (
das blut stieg ihm ins gesicht); das feuer trat bei den schönen in das gesicht.
Pierot 1, 172; das feuer stieg mir ins gesicht. 1, 242; dasz mir das feuer in die augen gestiegen. 1, 401; der blicke feuer und der lippe stammeln. Schiller 499
a strich Wolf sogar die augenbraunen mit der hand, gleichsam das feuer seines blicks zu bergen. Lessing 2, 254. feuer und flamme schlug mir gleich beim ersten anblick zum gesicht heraus, ich war ganz auszer mir. H. L. Wagner
reue nach der that s. 22. das feuer der edelsteine, der farben.
das licht, die strahlen der sonne heiszen ihr feuer: als noch auf uns die morgensonne ihr allbelebend feuer gosz. Gotter 1, 10; die blicke die noch zagen, der sonne feuer zu ertragen. 1, 229.
s. feurig. 1818)
abstractionen und bilder: 18@aa) feuer der liebe: bis guts muts, gang neher zu dem fuwer, so erhitziget dich mer dann genug.
Terenz 1499, 39
a =
eunuch. 85 bono animo es, accede ad ignem hunc, jam calesces plus satis: dann wie wol ich wite von dir bin, so hast doch mich ietz nit allain getan warm werden, sunder gar nach ganz verbrennet und din unsichtig füre durch mine ougen geworfen in min geeder, die an all min schulde ganz uszebrennen. Nicl. v. Wyle 255, 27; das (
herz) hart in liebe ist verstricket gegen euch in heiszer liebe fewr. H. Sachs III. 2, 123
d; dein feuer ist mein frost. Fleming 617; Damöt wird traurig, schweiget still, umarmt sein kind, doch nur mit halbem feuer. Gellert 1, 126; sprich, was du willst von mir, nur nicht, dasz meine liebe zu wenig feuer hat und allzu schläfrig ist. Rost
schäferg. 78; aber wenn ein süszes feuer euren jungen busen füllt. Gotter 1, 130; kennt ihr eifersucht? ihr feuer trieb mich in den wald hinaus. Müllner
die schuld 130. 18@bb) über dieses war ihr ein altes grämliches weib zur hofmeisterin vorgesetzt, vor welcher dieses schöne bild sich nicht einmal frei umsehen, geschweige dann mit jemanden reden durfte, ohngeachtet sie viel feuer im leibe hatte.
irrg. d. liebe 303; aber kaum hatte sich Alabanda des königs und der regierung bemächtiget, so wurde der alte mann, unter dem vorwande, dasz er nicht feuer genug habe, zurückberufen. Wieland 6, 181;
[] oft nur ein ärmchen weisz und rund, oft nur ein schlau geworfner schleier, und Seladon gieng auf in feuer. Gotter 1, 443; ah bravo! find ich euch in (1790 im) feuer? in kurzer zeit ist Gretchen euer. Göthe 12, 157, ach, mit welcher liebe, mit welcher zärtlichkeit, mit welchem feuer umarmt er mich. 18, 63; o wie er in feuer ist! rief Philine, nur gelassen, nur geduldig. 19, 232; es läszt sich denken, dasz unsere reisenden durch diese erzählung sehr in feuer gesetzt wurden. 56, 197; Ferdinand, in feuer gesetzt von den Spaniern, grif zu den waffen. Schiller 918
b. 18@cc) das feuer des bluts, der adern, des gefühls, der sprache, des ausdrucks, der rede; das feuer seiner beredsamkeit; im ersten feuer des hohen gedankens nach edler freiheit zu streben. Göthe 40, 298. 18@dd) das feuer mutiger rosse, stiere; des weins: der wein hat feuer (
wie blume); mit ehren, wein, von dir bemeistert von deinem flüszgen feur begeistert. Lessing 1, 50; ich habe ohne dies meiner nachbarin ein räuschchen zu gedacht, ich möchte wol an ihr versuchen, ob der wein feuer hat. Weisze
opern 3, 117; der pfeffer hat feuer,
beiszt auf der zunge. 18@ee) das feuer des zorns
und eifers,
welche wörter selbst schon brand aussagen, des aufbrausens, aufruhrs, der empörung: denn ir habt ein fewr meines zorns angezündet, das ewiglich brennen wird.
Jer. 17, 4; und ich rede solchs in meinem eiver und im fewr meines zorns.
Ez. 38, 19; der zorn des fewrs müsse sie verzeren.
Sir. 36, 11; herr, wie lange wiltu so gar zürnen? und deinen eiver wie fewr brennen lassen?
ps. 79, 5; herr, wie lange wiltu dich so gar verbergen, und deinen grim, wie fewr, brennen lassen? 89, 47; solch schreiben nichts anders bisher gewest noch fort mehr sein kann, denn ins fewer blasen. Luther 6, 112
b; wo das nit geschehe, so wer das füer im dach (
würde sein zorn auflodern). Keisersb.
bilger 125
b; grüszest du etwann ein nachbeurin, lobest etwann eine wie schön sie sei, kommest etwann spat heim, da ist fewer im tach (
zürnet die frau), da brinnets erst an allen orten, da ist es jamer uber jamer.
Petr. 60
b; wolt ihr der mann etwas untersagen oder eine gute lehr geben, da war gleich feuer im dach.
Fuchsmundi 240; aber wer konnte sich auch einbilden, dasz ein mann von einer solchen kleinigkeit gleich feuer fangen würde. Wieland 8, 262; Karl ist jachzornig und versteht keinen scherz, so bald ihn eines seiner geschwister neckt, ist er gleich im feuer. Weisze
kinderfr. 1, 16; puh! gab das ein feuer! Wagner
kindermörd. 47; ihr müszt nit mit feuer und schwert drein schlagen! Göthe 13, 64; auch speien Rebel und Francoeur deshalb feuer und flammen. sie sagen, alles gehe verloren. 36, 109; ist ihr etwas nicht recht, so ist gleich feuer und flamme im haus; bei diesen worten fieng der flötenvirtuose plötzlich feuer. J. P.
flegelj. 1, 34; er ist gleich feuer und flamme,
von eifer, begeisterung u. s. w. 18@ff) feuer der rache, verfolgung, trübsal: denn gleichwie das gold durchs fewr, also werden die so gott gefallen, durchs fewr der trübsal bewert.
Sir. 2, 5; und welcherlei eines iglichen werk sei, wird das fewr beweren.
1 Cor. 3, 13; durch der verfolgung fewr ... bewehret. Weckherlin 275. 18@gg) im feuer der arbeit,
fervente opere: schnitt in muszestunden mehrere federn, um sie im feuer bei der hand zu haben. J. P.
Fibel 84.