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graft

ahd. bis Dial. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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16 in 14 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

graft f.

Bd. 8, Sp. 1731
graft, f. , abstraktbildung mit -ti-suffix zu germ. graBan. ahd. mhd. graft, as. vgl. bigraft Wadstein as. sprachdenkm. 52b, afries. greft, mnd. mnl. graft, gracht (s. d.), aschwed. adän. grift. demgegenüber an. groptr, ae. græft als masculine -tu-ableitungen. als n. begegnet graft vereinzelt und nur in der bedeutung 'grab' (s. die bemerkung im kopf von grab, m.). schlesw.-holst. (vgl. Mensing 2, 463) sind graft und grab formal in graff zusammengefallen. wohl unter einflusz von lautähnlichem graaf, m. 'graben' (vgl. Mensing 2, 462 sowie oben s. v. graben, m.) hat das aus graft entstandene graff maskulines genus angenommen. wieweit in graff, n. 'grab' ein graff (< graft) in der bedeutung 'grab' aufgegangen ist, kann nicht entschieden werden. umlaut für gen. dat. sg. ist nur ahd. zu belegen, mhd. und mnd. lauten diese beiden kasus graft. mnd. begegnet verschiedentlich ein nom. sg. auf -e (vgl. Schiller-Lübben mnd. wb. 2, 137b, Lasch-Borchling mnd. wb. 1, 2, 147; zu dieser erscheinung s. A. Lasch mnd. gr. § 381 anm. 1). regelrechte flexion nach der fem. i-deklin. zeigt der plur. nur ahd. und mhd.; mnd. und nd., und von da aus wohl nhd. schriftsprachlich, begegnet schwache flexion für den plur., zuerst belegbar in: helpen begraven de grafften (1426) ostfries. urkundenb. 1, 306 Friedländer. verbreitung: ahd. nur in der bedeutung 'skulptur' (1 a) in obd., vorwiegend bair. glossenhandschriften, mit ausnahme des abrogans-beleges uorago craft ahd. gl. 1, 54, 3 St.-S., wo sich der übersetzer das ihm unbekannte uorago nach dem folgenden fouea cropa zurechtlegte. in mhd. zeit ist graft nur in der bedeutung 'graben' auch im obd. vereinzelt nachweisbar: uf die graft (Enzheim 14. jh., Grafenstaden 1431, beide südl. Straszb.) bei Ch. Schmidt hist. wb. d. elsäss. ma. 152b, während das wort sonst in der bedeutung 'graben' (1 b) sowie in derjenigen von 'grab' (1 c) und 'bestattung' (2 b) auf das nd. und md. sprachgebiet beschränkt bleibt (vgl. aber noch gräfte und gräften). an stelle von graft hat das obd. dieses zeitraums für 'grab' und 'bestattung' bildungen wie gräbt (s. d.) und gräbnis (s. d.), für 'fossa' graben (s. d.). in nhd. zeit findet sich graft vornehmlich in nd. maa. (Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 672a, brem.-nieders. wb. 2 [1767] 539, Schambach Göttingen 67, Damköhler Nordharzer wb. 63, Mensing schlesw.-holst. 2, 463) und von dort her gelegentlich auch literatursprachlich. über das nd. hinaus [] begegnet das wort noch in wmd. dialekten (vgl. rhein. wb. 2, 1330 u. 1343; Kisch vergl. wb. 95; Vilmar Kurhessen 134; Follmann Lothr. 212a). das wort graft bezeichnet sowohl das ergebnis als auch den vorgang der grabarbeit. 11) ergebnis einer grabarbeit. 1@aa) in der bedeutung 'etwas gemeiszeltes, bildwerk, skulptur' nur aus ahd. glossen nachweisbar: monumentis kraft (8. jh., abrogans) ahd. gl. 1, 212, 16 St.-S.; sculptilibus picreftim (zu Esaia 42, 8; 8. jh., Reichenau) ebda 1, 621, 13; celaturas i. grefti (10. jh.; zu 3. reg. 6, 18) ebda 1, 430, 1; celaturas crephti (zu 3. reg. 6, 18; 10. jh., Monsee) ebda 1, 435, 1; scalpture grephti (zu Ezech. 40, 22; 10. jh., Monsee) ebda 1, 650, 34; sculpturœ grafti (11./12. jh., Regensburg) ebda 1, 650, 33; scalpture grefti (zu Ezech. 40, 22; 10./11. jh., Tegerns.) ebda 1, 650, 33; scalpture crephti (12. jh.; zu Ezech. 40, 22) ebda 34; celaturas i. grefti (zu 3. reg. 6, 18; 12. jh. Zweifalten) ebda 1, 430, 1; scapture (!) erephti (lies: crephti) (12. jh., Prüfening) ebda 1, 650, 35. — möglicherweise mit anderer bildungsweise ein nur vereinzelter acc. sg. sculptile grepthi (lies: grephti) (zu exod. 20, 4; 10. jh., St. Paul) ahd. gl. 1, 322, 24 St.-S., wohl nach lat. sculptile, n. als neutrale nebenform (ja-klasse) zu graft gebildet; oder ist es a. pl.?in diesen bedeutungsbereich gehört auch als zusammensetzung graftpilide (sculptilia) Notker 2, 405, 7 P. 1@bb) in der bedeutung 'graben'. 1@b@aα) für den wassergraben allgemein, seit dem 12. jh.: dô sach her (Tristan) daz volg stân: etlîche schozzen den schaft, etlîche sprungin obir eine graft, sumelîche worfin den stein Eilhart v. Oberg 7740 Lichtenstein; he hadde eynen del sines heres kraft, unde lege an eyner groter graft Flos u. Blankflos 18 bei Schiller-Lübben 2, 137b; aber die graft, welche sich ringsumher (um das besitztum) zog, war besonders breit und tief Storm s. w. (1919) 2, 2 Köster. 1@b@bβ) für den wallgraben: sie triben die Troyre rechte vf die graft; wen die inre craft geschütze vnd steine, ir were genesen kleine Herbort v. Fritzlar Trojanerkrieg 14 485; dher Wich (ein ort) dannoch was unkunt hoher mur und teypher grapht; se was ouch maze werhapht (2. hälfte d. 13. jhs.) braunschweig. reimchron. 5459 Weiland; fossatum een grote graft of dubbelde grauen (1500) bei Diefenbach nov. gl. 180b; sonst gieng es mit der belagerung bey itzigem guten wetter ... etwas besser von statten, vnd war man so embsig, dasz man bisz an die grafft kam, auch den graben vor dem ravelin beym Osterthor mit fascinen zufüllen versuchte Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 129. 1@b@gγ) für den kanal, besonders für den kanal bzw. die kanalstrasze in holländischen städten; in jüngerem gebrauch scheint dafür gracht (s. d. 1 c) üblicher: in dem suluen iare wart de Alster in de Beeste gegrauen ... disse grafte heft mit den schlusen gekostet 18 dusent mark bei Schiller-Lübben 2, 137b; Drusus hat den Rhein zum teihl in die Isal abgeleitet, durch einen mit menschen händen gemacheten graben, welche grafft fossa Drusiana genennet ward C. Danckwerth Schleswich u. Holstein (1652) 36a; und also haben wir die gantze stadt durchwandelt, und alle ihre grosze und kleine graften, gassen, und stege ... betrachtet Zesen beschr. d. st. Amsterdam (1664) 370; die grafften (von Leuwaarden) sind tief und stinkend (zwischen 1723 u. 1727) Haller tageb. s. reisen (1883) 96 Hirzel; also giebt es auch allda (in Holland) leute, die nur allein kostgänger oder tisch-gäste halten, auff die grafften und brücken [] gehen, daselbst die ankommenden ... fragen, ob sie noch keine herberge haben Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1146. 1@cc) in der bedeutung 'grab'. 1@c@aα) grab in allgemeinerem sinne als ort, wo jemand begraben ist, vgl. Lasch-Borchling mnd. handwb. 1, 2, 147; Schiller-Lübben 2, 137b. zu graft als neutrum in der bedeutung 'grab' s. die bemerkung oben sp. 1731 sowie diejenige s. v. grab sp. 1478. uneigentlich: da gott den kräutern sagt, herausz aus eurer grafft, ihr seyd, ihr stummes volck von mir darumb geschafft, dasz ihr dem gottesbild ... tragt ... die stete nahrung für Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 479. 1@c@bβ) für die gruft, im sinne von grab A 2 b (s. d.): an der suluen cappellen so heft ... Henningh Tunne mit siner husurowen ghekoren sine graft dar sulues to ligghende (1365) urkdb. d. st. Lübeck 3, 569; was hats den leichnam nutz geschafft, solcher unkost und herrlich grafft? gold, perlin und edelgestein, was holffen sie die todtenbein? zugleich sie all verfaulet sein Kirchhof wendunmuth 2, 559 Ö. 1@c@gγ) seltener in erweiterter anwendung für den friedhof: anderwärts aber, und zwar in Wolfhagen, bedeutet graft den todtenhof, gottesacker Vilmar Kurhessen 134. vereinzelt fast soviel wie 'das anrecht auf eine grabstelle': ok moghen ... werkmanne unde vrouwen in der sulven capellen ewighe graft hebben (1442) Lübecker urkundenb. 8, 125. 1@dd) vereinzelt auch in der bedeutung 'grube': ist aber der priester selben blint und wil her dan leiten blinde kint, her vellet selbe in die graft die der tuvel hat geschaft Heinrich v. Hesler apokalypse 1177 Helm; die graft 'grab, flache grube' Block Eilsdorf 65. von hier aus in spezieller, terminolog. bedeutung: 'graft der am ende des siedehauses von dem etwas tiefer liegenden pfannenraume (halve) abgetrennte bretterverschlag, ein behälter für brennholz und geräth' in: nd. jahrb. 5, 125. 22) der vorgang des grabens. 2@aa) vornehmlich in der bedeutung 'begräbnis, bestattung', vgl. bereits: in sepulturam bigraft (Essener evangelienglosse zu Matth. 27, 7) Wadstein kl. as. sprachdenkm. 52b; wie die maget reine (Maria) ... ... bi ir haben wolde ir aller (der apostel) geselleschaft zv irme dode vnd zv ire graft (ende 13. jh.) Mariä himmelfahrt in: zs. f. dt. altertum 8, 540; wanne ein minsche stervet uth dem ammethe, ... scal uth jewelkeme huse een folgen to der graft (Hamburg 1345) Rüdiger Hamburger zunftrollen (1874) 203; do es quam an den morgen, vil lüde quamen zu synre graft (1378) Ernst v. Kirchberg mecklenb. reimchron. in: monum. inedita 4, 650 Westphal; sy wart begrauen zo sant Albaen zo Mentz in der guder stat. zo der grafft quam vnbelat vele ebde ind buschoffe (hs. A Köln 15. jh.) Karlmeinet 323, 65; sepultura graft (nd. 1417) Diefenbach nov. gl. 336a. vgl. ferner Schambach Göttingen 67; Kleemann Nordthür. 7c. auch im sinne von leichenschmaus: wanne eyn mynsche begrauen wert, to der grafft schal me nicht mr lude to ghaste hebben wenne x bei: Schiller-Lübben mnd. wb. 2, 137b. 2@bb) vereinzelt 'das graben oder ausgraben z. b. von würmern zum fischfang: sê sünt up de graft ût um wurms to halen' Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 672a. —
9260 Zeichen · 307 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    graftst. f.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    graft st. f. , mhd. nhd. graft; mnd. mnl. graft, gracht; afries. greft; vgl. ae. græft m. ; an. gröftr m. — Graff IV,309…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    graftstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    graft ( Gr. 1,407. 2,196. 204. Graff 4,309 ) stf. 1. grabe. Eilh. 6530. 6585. vgl. En. 6817. 6197, wo nach niederdeutsch…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    graftF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    graft , F. nhd. Grube, Graben (M.), Wassergraben (M.), Kanal, Grenzgraben, Stadtgraben, Wallgraben, Teil der Wehranlagen…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    graftf.

    Grimm (DWB, 1854–1961)

    graft , f. , abstraktbildung mit -ti- suffix zu germ. graBan. ahd. mhd. graft, as. vgl. bigraft Wadstein as. sprachdenkm…

  5. modern
    Dialekt
    Graftf.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wossidia Graft f. Grabstätte, Gruft, a. Spr.: 'to Doberan, dar unse erftlike Graft is' (1935) UB. 22, 505; Zss.: Be-, Me…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit graft

26 Bildungen · 9 Erstglied · 15 Zweitglied · 2 Ableitungen

graft‑ als Erstglied (9 von 9)

graftbilidi

AWB

graft·bilidi

graftbilidi st. n. ( vgl. ae. græftgeweorc). — Graff III,99. graft-pilide: acc. pl. Np 96,7. Relief, Skulptur: ze honedon uuerden alle . die…

grafteafschrōt

KöblerMnd

grafte·afschrōt

grafteafschrōt , F.? nhd. Abschrägung der Grabenwand, Abschrägung des Grabens, Abschrägung des Kanals E.: s. grafte, afschrōt L.: MndHwb 1/2…

graft, gracht

LW

graft·gracht

graft, gracht, f. 1. Grube, Graben, Kanal, bes. Stadtgraben. 2. Begräbnis und Begräbnisplatz.

graftikel?

KöblerMnd

graftikel? , M.? nhd. Grabstichel, Stift E.: s. graf, ? L.: Lü 127b (graftikel)

grâftinc

MNWB

graf·tinc

grâftinc , -dinc , (grafftingk) s. grêve- landesherrliches Grafending (neben dem Vogtsgericht) , „in iudicio quod g. vulgariter appellatur” …

Grafton

Meyers

graf·ton

Grafton (spr. gräfft'n), 1) Stadt in der Grafschaft Worcester des nordamerikan. Staates Massachusetts, am Blackstone Riper, mit Schuhfabrike…

graft als Zweitglied (15 von 15)

begraft

DWB

beg·raft

begraft , f. sepultura, ahd. pikraft ( Graff 4, 309 ), mhd. begraft ( Ben. 1, 562 b ), ein edles wort, gebildet von graben wie gift von gebe…

bígraft

Lexer

bí-graft , be-graft stf. BMZ begräbnis Ath. Pass. ( K. 77,19. 102,52. 326,32. 339,34). Jer. 7 b . Kreuzf. 4680. Dür. chr. 672. 734. Kirchb. …

bîgraft

MWB

bîgraft stF. auch bigraft? nur (ost)md., vgl. bîvilde. 1 ‘Begräbnis, Totenfeier’ 2 ‘Grab’    1 ‘Begräbnis, Totenfeier’ und begeht unse bigra…

bīgraft

KöblerAhd

bīgraft , st. F. (i) Vw.: s. bigraft*

dōdengraft

KöblerMnd

dōdengraft , N. nhd. Grab, Begräbnis Hw.: s. dōdengraf L.: MndHwb 1, 437 (dôdengraft), Lü 80a (dodengraft)

Handgraft

MeckWB

hand·graft

Wossidia Handgraft f. Beerdigung der abgelösten Hand eines Erschlagenen, welche nach Beendigung des Prozesses oder nach geschlossener Sühne …

hantgraft

KöblerMnd

hant·graft

hantgraft , F. nhd. Handgrab, Vergrabung der abgelösten Hand des Erschlagenen nach Beendigung des Mordverfahrens bzw. vollzogener Sühne E.: …

kerkengraft

KöblerMnd

kerke·n·graft

kerkengraft , F. nhd. Begräbnis im Kirchenraum E.: s. kerke (1), graft L.: MndHwb 2, 545 (kerkevigilie/kerkengraft)

sülvergraft

MNWB

° sülvergraft Silbergrube (Osnabr. Gqu. 2, 61). —

sülvergraft

KöblerMnd

sülvergraft , F. nhd. Silbergrube E.: s. sülver (1), graft L.: MndHwb 3, 602 (sülvergraft) Son.: örtlich beschränkt

upgraft

MNWB

° upgraft , f. : Aufruhr?, „ W. hefft verschenen up gnade des E. R. dat he dat wapen gerocht ... und van der upgrafft van dem lande verswege…

wātergraft

KöblerMnd

wāter·graft

wātergraft , F. nhd. „Wassergrube“, Kanal (M.) E.: s. wāter, graft L.: Lü 558bf. (water-/watergraft)

ȫvergraft

KöblerMnd

ȫvergraft , F. Vw.: s. ȫvergröft*

Ableitungen von graft (2 von 2)

begraft

DWB

begraft , f. sepultura, ahd. pikraft ( Graff 4, 309 ), mhd. begraft ( Ben. 1, 562 b ), ein edles wort, gebildet von graben wie gift von gebe…

grafte

KöblerMnd

grafte , F. nhd. Graben (M.), Kanal, Grabung Hw.: s. graft E.: s. graft L.: MndHwb 1/2, 147 (grafte)