graft,
f. ,
abstraktbildung mit -ti-
suffix zu germ. graBan.
ahd. mhd. graft,
as. vgl. bigraft Wadstein
as. sprachdenkm. 52
b,
afries. greft,
mnd. mnl. graft, gracht (
s. d.),
aschwed. adän. grift.
demgegenüber an. groptr,
ae. græft
als masculine -tu-
ableitungen. als n. begegnet graft
vereinzelt und nur in der bedeutung '
grab' (
s. die bemerkung im kopf von grab,
m.).
schlesw.-holst. (
vgl. Mensing 2, 463)
sind graft
und grab
formal in graff
zusammengefallen. wohl unter einflusz von lautähnlichem graaf,
m. '
graben' (
vgl. Mensing 2, 462
sowie oben s. v. graben,
m.)
hat das aus graft
entstandene graff
maskulines genus angenommen. wieweit in graff,
n. '
grab'
ein graff (< graft)
in der bedeutung '
grab'
aufgegangen ist, kann nicht entschieden werden. umlaut für gen. dat. sg. ist nur ahd. zu belegen, mhd. und mnd. lauten diese beiden kasus graft.
mnd. begegnet verschiedentlich ein nom. sg. auf -e (
vgl. Schiller-Lübben
mnd. wb. 2, 137
b, Lasch-Borchling
mnd. wb. 1, 2, 147;
zu dieser erscheinung s. A. Lasch
mnd. gr. § 381
anm. 1).
regelrechte flexion nach der fem. i-
deklin. zeigt der plur. nur ahd. und mhd.; mnd. und nd., und von da aus wohl nhd. schriftsprachlich, begegnet schwache flexion für den plur., zuerst belegbar in: helpen begraven de grafften (1426)
ostfries. urkundenb. 1, 306
Friedländer. verbreitung: ahd. nur in der bedeutung '
skulptur' (1 a)
in obd., vorwiegend bair. glossenhandschriften, mit ausnahme des abrogans-beleges uorago craft
ahd. gl. 1, 54, 3
St.-S., wo sich der übersetzer das ihm unbekannte uorago nach dem folgenden fouea cropa
zurechtlegte. in mhd. zeit ist graft
nur in der bedeutung '
graben'
auch im obd. vereinzelt nachweisbar: uf die graft (
Enzheim 14.
jh., Grafenstaden 1431,
beide südl. Straszb.)
bei Ch. Schmidt
hist. wb. d. elsäss. ma. 152
b,
während das wort sonst in der bedeutung '
graben' (1 b)
sowie in derjenigen von '
grab' (1 c)
und '
bestattung' (2 b)
auf das nd. und md. sprachgebiet beschränkt bleibt (
vgl. aber noch gräfte
und gräften).
an stelle von graft
hat das obd. dieses zeitraums für '
grab'
und '
bestattung'
bildungen wie gräbt (
s. d.)
und gräbnis (
s. d.),
für '
fossa' graben (
s. d.).
in nhd. zeit findet sich graft
vornehmlich in nd. maa. (Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 672
a,
brem.-nieders. wb. 2 [1767] 539, Schambach
Göttingen 67, Damköhler
Nordharzer wb. 63, Mensing
schlesw.-holst. 2, 463)
und von dort her gelegentlich auch literatursprachlich. über das nd. hinaus [] begegnet das wort noch in wmd. dialekten (
vgl. rhein. wb. 2, 1330
u. 1343; Kisch
vergl. wb. 95; Vilmar
Kurhessen 134; Follmann
Lothr. 212
a).
das wort graft
bezeichnet sowohl das ergebnis als auch den vorgang der grabarbeit. 11)
ergebnis einer grabarbeit. 1@aa)
in der bedeutung '
etwas gemeiszeltes, bildwerk, skulptur'
nur aus ahd. glossen nachweisbar: monumentis kraft (8.
jh., abrogans)
ahd. gl. 1, 212, 16
St.-S.; sculptilibus picreftim (
zu Esaia 42, 8; 8.
jh., Reichenau)
ebda 1, 621, 13;
celaturas i. grefti (10.
jh.; zu 3.
reg. 6, 18)
ebda 1, 430, 1;
celaturas crephti (
zu 3.
reg. 6, 18; 10.
jh., Monsee)
ebda 1, 435, 1;
scalpture grephti (
zu Ezech. 40, 22; 10.
jh., Monsee)
ebda 1, 650, 34;
sculpturœ grafti (11./12.
jh., Regensburg)
ebda 1, 650, 33;
scalpture grefti (
zu Ezech. 40, 22; 10./11.
jh., Tegerns.)
ebda 1, 650, 33;
scalpture crephti (12.
jh.; zu Ezech. 40, 22)
ebda 34
; celaturas i. grefti (
zu 3.
reg. 6, 18; 12.
jh. Zweifalten)
ebda 1, 430, 1;
scapture (!) erephti (
lies: crephti) (12.
jh., Prüfening)
ebda 1, 650, 35. —
möglicherweise mit anderer bildungsweise ein nur vereinzelter acc. sg. sculptile grepthi (
lies: grephti) (
zu exod. 20, 4; 10.
jh., St. Paul)
ahd. gl. 1, 322, 24
St.-S., wohl nach lat. sculptile, n. als neutrale nebenform (ja-
klasse)
zu graft
gebildet; oder ist es a. pl.? —
in diesen bedeutungsbereich gehört auch als zusammensetzung graftpilide (
sculptilia) Notker 2, 405, 7
P. 1@bb)
in der bedeutung '
graben'. 1@b@aα)
für den wassergraben allgemein, seit dem 12.
jh.: dô sach her (
Tristan) daz volg stân: etlîche schozzen den schaft, etlîche sprungin obir eine graft, sumelîche worfin den stein Eilhart v. Oberg 7740
Lichtenstein; he hadde eynen del sines heres kraft, unde lege an eyner groter graft
Flos u. Blankflos 18
bei Schiller-Lübben 2, 137
b; aber die graft, welche sich ringsumher (
um das besitztum) zog, war besonders breit und tief Storm
s. w. (1919) 2, 2
Köster. 1@b@bβ)
für den wallgraben: sie triben die Troyre rechte vf die graft; wen die inre craft geschütze vnd steine, ir were genesen kleine Herbort v. Fritzlar
Trojanerkrieg 14 485; dher Wich (
ein ort) dannoch was unkunt hoher mur und teypher grapht; se was ouch maze werhapht (2.
hälfte d. 13. jhs.)
braunschweig. reimchron. 5459
Weiland; fossatum een grote graft of dubbelde grauen (1500)
bei Diefenbach
nov. gl. 180
b; sonst gieng es mit der belagerung bey itzigem guten wetter ... etwas besser von statten, vnd war man so embsig, dasz man bisz an die grafft kam, auch den graben vor dem ravelin beym Osterthor mit fascinen zufüllen versuchte Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 129. 1@b@gγ)
für den kanal, besonders für den kanal bzw. die kanalstrasze in holländischen städten; in jüngerem gebrauch scheint dafür gracht (
s. d. 1 c)
üblicher: in dem suluen iare wart de Alster in de Beeste gegrauen ... disse grafte heft mit den schlusen gekostet 18 dusent mark
bei Schiller-Lübben 2, 137
b; Drusus hat den Rhein zum teihl in die Isal abgeleitet, durch einen mit menschen händen gemacheten graben, welche grafft fossa Drusiana genennet ward C. Danckwerth
Schleswich u. Holstein (1652) 36
a; und also haben wir die gantze stadt durchwandelt, und alle ihre grosze und kleine graften, gassen, und stege ... betrachtet Zesen
beschr. d. st. Amsterdam (1664) 370; die grafften (
von Leuwaarden) sind tief und stinkend (
zwischen 1723
u. 1727) Haller
tageb. s. reisen (1883) 96
Hirzel; also giebt es auch allda (
in Holland) leute, die nur allein kostgänger oder tisch-gäste halten, auff die grafften und brücken
[] gehen, daselbst die ankommenden ... fragen, ob sie noch keine herberge haben
Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1146. 1@cc)
in der bedeutung '
grab'. 1@c@aα)
grab in allgemeinerem sinne als ort, wo jemand begraben ist, vgl. Lasch-Borchling
mnd. handwb. 1, 2, 147; Schiller-Lübben 2, 137
b.
zu graft
als neutrum in der bedeutung '
grab'
s. die bemerkung oben sp. 1731
sowie diejenige s. v. grab
sp. 1478.
uneigentlich: da gott den kräutern sagt, herausz aus eurer grafft, ihr seyd, ihr stummes volck von mir darumb geschafft, dasz ihr dem gottesbild ... tragt ... die stete nahrung für Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 479. 1@c@bβ)
für die gruft, im sinne von grab A 2 b (
s. d.): an der suluen cappellen so heft ... Henningh Tunne mit siner husurowen ghekoren sine graft dar sulues to ligghende (1365)
urkdb. d. st. Lübeck 3, 569; was hats den leichnam nutz geschafft, solcher unkost und herrlich grafft? gold, perlin und edelgestein, was holffen sie die todtenbein? zugleich sie all verfaulet sein Kirchhof
wendunmuth 2, 559
Ö. 1@c@gγ)
seltener in erweiterter anwendung für den friedhof: anderwärts aber, und zwar in Wolfhagen, bedeutet graft den todtenhof, gottesacker Vilmar
Kurhessen 134.
vereinzelt fast soviel wie '
das anrecht auf eine grabstelle': ok moghen ... werkmanne unde vrouwen in der sulven capellen ewighe graft hebben (1442)
Lübecker urkundenb. 8, 125. 1@dd)
vereinzelt auch in der bedeutung '
grube': ist aber der priester selben blint und wil her dan leiten blinde kint, her vellet selbe in die graft die der tuvel hat geschaft Heinrich v. Hesler
apokalypse 1177
Helm; die graft '
grab, flache grube' Block
Eilsdorf 65.
von hier aus in spezieller, terminolog. bedeutung: 'graft
der am ende des siedehauses von dem etwas tiefer liegenden pfannenraume (
halve)
abgetrennte bretterverschlag, ein behälter für brennholz und geräth'
in: nd. jahrb. 5, 125. 22)
der vorgang des grabens. 2@aa)
vornehmlich in der bedeutung '
begräbnis, bestattung',
vgl. bereits: in sepulturam bigraft (
Essener evangelienglosse zu Matth. 27, 7) Wadstein
kl. as. sprachdenkm. 52
b; wie die maget reine (
Maria) ... ... bi ir haben wolde ir aller (
der apostel) geselleschaft zv irme dode vnd zv ire graft (
ende 13. jh.)
Mariä himmelfahrt in: zs. f. dt. altertum 8, 540; wanne ein minsche stervet uth dem ammethe, ... scal uth jewelkeme huse een folgen to der graft (
Hamburg 1345) Rüdiger
Hamburger zunftrollen (1874) 203; do es quam an den morgen, vil lüde quamen zu synre graft (1378) Ernst v. Kirchberg
mecklenb. reimchron. in: monum. inedita 4, 650
Westphal; sy wart begrauen zo sant Albaen zo Mentz in der guder stat. zo der grafft quam vnbelat vele ebde ind buschoffe (
hs. A Köln 15. jh.)
Karlmeinet 323, 65;
sepultura graft (
nd. 1417) Diefenbach
nov. gl. 336
a.
vgl. ferner Schambach
Göttingen 67; Kleemann
Nordthür. 7
c.
auch im sinne von leichenschmaus: wanne eyn mynsche begrauen wert, to der grafft schal me nicht mr lude to ghaste hebben wenne x
bei: Schiller-Lübben
mnd. wb. 2, 137
b. 2@bb)
vereinzelt '
das graben oder ausgraben z. b. von würmern zum fischfang: sê sünt up de graft ût um wurms to halen' Doornkaat-Koolman
ostfries. 1, 672
a. —