Eintrag · Köbler Mnd. Wörterbuch
hant F.
hant , F.
- nhd.
- Hand, Glied, schwörende Hand, Lehnshand, Mensch, Besitzer, schaffende Hand, Handfertigkeit, Handschrift, Unterschrift, Zeiger, Uhrzeiger
- Vw.:
- s. ander-, blā-, blōt-, börge-, börgære-, ēdes-, ēn-, ēnes-, gōdes-, hȫne-, īsern-, kerkspēles-, minschen-, nā-, ȫver-, pant-, schrīf-, spēre-, spille-, straf-, vȫr-, vȫrder-, vrouwen-
- Hw.:
- s. handeken, hendeken; vgl. mhd. hant (1), mnl. hant
- Q.:
- SSp (1221-1224)
- E.:
- as. hand 83, st. F. (u), Hand, Seite; germ. *handu-, *handuz, st. F. (u), Greifende?, Fangende?, Hand; vgl. idg. *k̑ent-, V., stechen, Pokorny 567?, EWAhd 4, 814
- W.:
- s. nhd. Hand, F., Hand, DW 10, 324?
- R.:
- hande (Pl.), hende (Pl.): nhd. Hände
- R.:
- vȫrdere hant: nhd. „vordere Hand“, rechte Hand
- R.:
- rechtere Hand: nhd. „rechter Hand“, rechts
- R.:
- tōr bēteren hant grīpen: nhd. „zur besseren Hand greifen“, Erfolg haben
- R.:
- ēnem de hant dōn: nhd. „einem die Hand tun“, jemandem die Hand zum Gruß reichen
- R.:
- hant uppe munt hōlden: nhd. „Hand auf den Mund halten“, sich still verhalten (V.)
- R.:
- ik dēle mit ēme mīne hant: nhd. „ich teile mit ihm meine Hand“, ich schlage ihn
- R.:
- sik de hende waschen: nhd. „sich die Hände waschen“, tun als hätte man keinen Anteil an einer Schuld
- R.:
- hals unde hant: nhd. „Hals und Hand“, Strafsache die auf Leibesstrafe und Lebensstrafe geht
- R.:
- nā dōder hant: nhd. „nach toter Hand“, nach dem Tode eines anderen
- R.:
- ēnen anesprēken mit der dōden hant: nhd. „einen ansprechen mit der toten Hand“, jemanden des Mordes anklagen
- R.:
- de hant strecken up: nhd. „die Hand aufstrecken“, schwören
- R.:
- mit sīner ēnen hant swēren: nhd. „mit seiner einen Hand schwören“, einfachen Eid schwören, Eid ohne Eideshelfer schwören
- R.:
- tō ēdes hant erkennen: nhd. „zu Eides Hand erkennen“, auf Beweis durch Eid erkennen
- R.:
- de hant nēmen van: nhd. „die Hand nehmen von“, jemanden durch Handschlag verpflichten
- R.:
- hant quam in hant: nhd. „Hand kam in Hand“, man wurde sich einig
- R.:
- ēn gōt van den handen lāten: nhd. „ein Gut von den Händen lassen“, ein Gut ganz übergeben (V.)
- R.:
- vrömede hant: nhd. „fremde Hand“, Nichtverwandte (Redewendung örtlich beschränkt [Siebenhardenbeliebung])
- R.:
- wat bī der hant krīgen: nhd. „was bei der Hand kriegen“, in den Besitz gelangen
- R.:
- ūt der hant in den tant: nhd. „aus der Hand in den Zahn“, von der Hand in den Mund
- R.:
- de leste hant: nhd. „die letzte Hand“, letzter Berechtigter, letzter Belehnter
- R.:
- rechte volgære der hant: nhd. „rechter Folger der Hand“, Erbe (M.), Rechtsnachfolger
- R.:
- spinnende hant: nhd. „spinnende Hand“, weibliche Seite
- R.:
- drüdde hant: nhd. „dritten Hand“, dritte Stufe der Belehnung
- R.:
- dēlen up de drüdde hant: nhd. „teilen auf die dritte Hand“, in drei Teile teilen
- R.:
- de sāmede hant: nhd. Gemeinschaft, Gesamthand
- R.:
- hant schal hant wāren: nhd. „Hand soll Hand wahren“ (Satz nach dem der Eigentümer sein Gut nur bei dem suchen darf dem er es geliehen hat)
- R.:
- ȫverste hant: nhd. „oberste Hand“, Oberhand
- R.:
- tō trǖwer hant: nhd. „zu treuer Hand“, als Treuhänder
- R.:
- mit der hant helpen: nhd. „mit der Hand helfen“, tätlich helfen, mit gewaffneter Hand helfen
- R.:
- ēnem in de hande sēn mȫten: nhd. „einem in die Hände sehen müssen“, finanziell von jemandem abhängig sein (V.) müssen
- R.:
- de hande smēren: nhd. „die Hände schmieren“, bestechen
- R.:
- den dūmen in der hant hōlden: nhd. „den Daumen in der Hand halten“, sparsam sein (V.)
- R.:
- van blōter hant: nhd. „von bloßer Hand“, aus eigener Kraft, ohne Unterstützung
- R.:
- gōdes hant: nhd. „Gottes Hand“ (Name einer Pflanze [orchis maculata])
- R.:
- wat hande: nhd. welcher Art
- R.:
- an de hant lāten: nhd. „an die Hand lassen“, jemandem etwas überlassen (V.)
- R.:
- an hant gān: nhd. „an Hand gehen“, sich ergeben (V.)
- R.:
- bī der hant: nhd. „bei der Hand“, in der Nähe, anwesend
- R.:
- bī der hant nēmen: nhd. „bei der Hand nehmen“, heiraten (Redewendung örtlich beschränkt)
- R.:
- en hant gān: nhd. glücken
- R.:
- van der hant slān: nhd. missglücken
- R.:
- in de hant gān: nhd. sich ergeben (V.)
- R.:
- nā der hant: nhd. später, nachher
- R.:
- ȫver der hant sīn: nhd. überlegen sein (V.)
- R.:
- tō hant: nhd. zu Hand, sofort
- R.:
- tō der hant kōmen: nhd. zu Teil werden
- R.:
- tō der hant schicken: nhd. unterwerfen, fügsam machen
- R.:
- tō der hant gān: nhd. bittend angehen
- R.:
- ēnem ȫver de hant vallen: nhd. „einem über die Hand fallen“, überraschend für einen kommen
- R.:
- tō unser hant: nhd. „zu unserer Hand“, für uns
- R.:
- up de hant: nhd. auf die Hand, sofort
- R.:
- ümme hant hebben: nhd. mit etwas beschäftigt sein (V.), zu tun haben mit
- R.:
- van der hant: nhd. weg, fort
- R.:
- tō der hant: nhd. links
- R.:
- vȫr de hant: nhd. „vor der Hand“, gleich, jetzt, augenblicklich, gegenwärtig
- R.:
- vȫr handen hebben: nhd. „vor Handen haben“, womit beschäftigt sein (V.)
- R.:
- van handen bringen: nhd. entwenden, fortbringen, wegnehmen
- R.:
- in ēnes hant: nhd. „in eines Hand“, zu jemands Gunsten, zu jemands Verfügung
- R.:
- in de hant setten: nhd. „in die Hand setzen“, jemandem etwas übertragen (V.)
- R.:
- dat spil stēt in unsen handen: nhd. „das Spiel steht in unseren Händen“, wir gewinnen
- R.:
- nēgest der hant: nhd. zunächst
- R.:
- under handen hebben: nhd. „unter Händen haben“, im Besitz haben
- R.:
- ēnem up den hant dōn: nhd. „einem auf die Hand tun“, einem auf Bürgschaft beantworten, zum Bürgen für jemanden annehmen
- R.:
- up de hant ēschen: nhd. fordern
- R.:
- hē will bēr up sīne hant stān: nhd. „er will Bier auf seine Hand stehen“, er will Bier auf seine Kosten ausgeben
- L.:
- MndHwb 1/2, 218ff. (hant), Lü 135a (hant)
- Son.:
- langes ö, langes ü